Markus Gretz: Was treibt uns zu Rekorden?

Schon als Kind habe ich mir gerne das Guinnessbuch der Rekorde angeschaut und war beeindruckt von dem, was Menschen leisten können. Ich habe mir dann immer wieder versucht vorzustellen, wie sich die Menschen wohl nach ihrem Rekord gefühlt haben. Ich konnte mir ganz gut ausmalen, wie es sein mag, die Bewunderung von anderen zu spüren, etwas Einmaliges geleistet zu haben. Damals hatte ich ja auch schon Erfahrungen dieser Art gesammelt. Ich war nämlich selbst schon sehr stolz auf meine Medaillen, die ich als Bambini-Fußballer bekommen habe und die ich meinen Geschwistern und Klassenkameraden präsentieren konnte. Vor allem aber war ich stolz darauf, vollen Einsatz für meine Mannschaft gegeben zu haben und trotz Schmerz weitergespielt zu haben.

Zum Thema: Motivation für rekordverdächtige Ziele  

Später im Studium lernte ich diese Gedanken und Gefühle einzuordnen und durfte kürzlich Fragen dazu bei Deutschlandfunk Nova (Link zum Podcast DLF Nova Update vom 20.10.2022) beantworten. Hier sind meine Antworten auf die drei Leitfragen in Kurzform:

Ob Ironman, Gipfel besteigen ohne Sauerstoff oder Weltrekorde im Langstrecken-Schwimmen – was treibt Menschen da an? 

In der Psychologie haben sich aus langen Listen von möglichen Antrieben drei Motive herauskristallisiert, die dem menschlichen Verhalten hauptsächlich zugrundeliegend sind und unter die man andere Beweggründe unterordnen kann: Macht, Anschluss und Leistung.

Bei Höchstleistungen wie neuen Rekorden können alle drei Motive bedient werden, da wir mit mehr Einfluss rechnen können, wenn wir einen Rekord vorweisen (Machtmotiv). Oder von anderen durch den Rekord mehr gemocht und wertgeschätzt werden (Anschluss). Aber vor allem, dass wir und andere Stolz auf eine vollbrachte Anstrengung und ein erreichtes Ziel sind (Leistung). 

Warum nehmen manche von uns wahnsinnige Strapazen auf sich, um Rekorde aufzustellen? 

Das hängt stark mit unserem körpereigenen Belohnungssystem zusammen. Nach der Belastung ist durch die Bewunderung Lob sicher und das ist als soziales Wesen die größte Währung für uns Menschen. Aber auch unser eigener Stolz, eine körperliche Grenze überschritten zu haben, lässt unseren Körper Hormone und Neurotransmitter ausschütten, die ähnlich wie Drogen wirken und uns in einen rauschähnlichen glücklichen Zustand versetzen können. Für diese Gefühle gehen viele Menschen vorher bis an die Schmerzgrenze.

Und erleben wir das eigentlich im Kleinen auch bei uns selbst, wenn wir z.B. nicht nur hobbymäßig joggen gehen, sondern uns direkt einen Halbmarathon zum Ziel setzen?

Im Prinzip ist der Grundmechanismus bei jedem vorhanden. Wir setzen uns Ziele, die uns an die Grenze dessen bringen, was wir leisten können und wenn wir das am Ende geschafft haben, weil wir genug dafür trainieren oder uns in der Situation über den Schmerz hinwegsetzen, dann werden wir durch Anerkennung und Stolz auch innerlich von unserem Körper belohnt. Allerdings sind die Ziele bei Extremsportlern so viel höher, weil sie sich langsam diesen Zielen angenähert haben und das für andere als unerreichbar wahrgenommene Ziel als realistisch einschätzen können.

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Markus Gretz
Markus Gretzhttp://www.die-sportpsychologen.de/markus-gretz/

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