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Last Minute Sportpsychologie. Auch kurz vor Olympia?

Im Februar stehen im Wintersport die Olympischen Spiele bevor. Nicht nur der absolute Saisonhöhepunkt, sondern für Sportler und Sportlerinnen werden die Wettkämpfe von Mailand, Cortina d’Ampezzo, Antholz oder Val di Fiemme sogar das Karriere-Highlight. Was aber tun, wenn es aktuell nicht läuft, wenn der Wurm im System steckt oder große Sorgen und Unsicherheit im Weg stehen?

Zum Thema: Kurzfristige sportpsychologische Interventionen im Spitzensport

Rund um die Olympischen Spiele wird es zahlreiche sportpsychologische Last Minute-Einsätze geben. Was steckt hinter dem Phänomen?

Antwort von Prof. Dr. René Paasch (zum Profil):

Wenn im Februar die Olympischen Spiele anstehen, verdichtet sich im Wintersport alles auf wenige Wettkampftage. Für viele Athletinnen und Athleten ist es der Höhepunkt jahrelanger Vorbereitung. Kurzfristige sportpsychologische Einsätze entstehen in dieser Phase selten aus grundsätzlichen Problemen, sondern meist aus situativen Veränderungen.

In der Praxis zeigen sich häufig Konstellationen, in denen die sportliche Vorbereitung abgeschlossen ist und die Leistungsfähigkeit grundsätzlich vorhanden bleibt, der Zugang zur eigenen Stabilität jedoch eingeschränkt ist. Einzelne Wettkämpfe verlaufen nicht wie erwartet, bewährte Abläufe werden hinterfragt, der Fokus verschiebt sich weg von der eigentlichen Aufgabe. In anderen Fällen verändern sich Rollen im Team, Erwartungshaltungen oder das unmittelbare Umfeld. Auch mentale Ermüdung nach einer langen Saison kann dazu beitragen, dass sich der Wettkampf zunehmend anstrengend anfühlt.

Stephan Brauner, Die Sportpsychologen

Antwort von: Stephan Brauner (zum Profil):

Last Minute Einsätze sind Realität im Spitzensport. Und sie sind auch eine Chance für uns Sportpsychologen. Sie schaffen – wenn sie erfolgreich sind  – die Gelegenheit zur wesentlich sinnvolleren langfristigen Zusammenarbeit.

Oft ist es der Klassiker: Der Körper ist in Wettkampf-Form, aber der Kopf zieht plötzlich die Handbremse. Es melden sich Athleten, die vor lauter ‚Ich muss jetzt liefern‘ den Zugang zu ihren Automatismen verloren haben. Das ist wie bei einem Tausendfüßler, der plötzlich darüber nachdenkt, in welcher Reihenfolge er seine Beine bewegen muss – und dann auch mal stolpert. Kurz vor entscheidenden Wettkämpfen geht es fast nie um fehlendes Können, sondern um ‚Over-Coaching‘ durch sich selbst: Man will es zu perfekt machen und verkrampft genau deshalb. 

Groucho Marx hat das Dilemma auf den Punkt gebracht: ‚Der Einzige, auf den ich mich verlassen kann, bin ich selbst. Aber wo bin ich, wenn ich mich mal brauche?‘ Genau da helfen wir kurzfristig beim Suchen. Und am liebsten bauen wir dann darauf eine langfristige und nachhaltige Arbeit auf.

Was müssen Sportler, Sportlerinnen und TrainerInnen wissen, die wenige Wochen oder Tage vor einem wichtigen Wettkampf Hilfe in der Sportpsychologie suchen?

Antwort von Prof. Dr. René Paasch (zum Profil):

Kurzfristige sportpsychologische Arbeit verfolgt ein klar umrissenes Ziel. Es geht nicht um tiefgreifende Veränderungen, sondern um Stabilisierung und Orientierung. Im Mittelpunkt steht die Wiederherstellung von Handlungsfähigkeit, mentaler Klarheit und einer verlässlichen Wettkampfroutine.


Wichtig ist ein realistisches Erwartungsverständnis. In kurzer Zeit lassen sich keine grundlegenden Muster verändern. Sehr wohl lassen sich jedoch Aufmerksamkeit, Selbststeuerung und der Umgang mit innerer Anspannung so justieren, dass Leistung wieder abrufbar wird. Für Trainerinnen und Trainer bedeutet dies, sportpsychologische Unterstützung als Teil professioneller Wettkampfvorbereitung zu verstehen, insbesondere in Phasen hoher Belastung und Verdichtung.

Antwort von: Stephan Brauner (zum Profil):

Antwort: In der Kürze der Zeit kann es nur noch darum gehen, dem Athleten dabei zu helfen, das abzurufen, was schon vorhanden ist. Für den Aufbau von neuen Kompetenzen ist keine Zeit mehr. Impulse zur Spannungs- und Emotionsregulation können natürlich auch auf kurze Perspektive hilfreich sein. Wir polieren das Besteck, denn um Neues zu schmieden, ist es zu spät. Keine Experimente – für völlig neue Ideen und Ansätze ist es zu spät.

Trainer und Athleten neigen manchmal in Panik dazu, noch schnell drei neue Entspannungstechniken oder Visualisierungen lernen zu wollen. Gerade, wenn sie Ziele in Gefahr sehen, wollen sie alles neu und alles anders machen. Mein Rat ist das Gegenteil: Subtraktion. Wir streichen alles weg, was verwirrt. Last-Minute-Psychologie ist Aufräumarbeit. Ich habe auch schon mal gesagt: ‚Du musst nicht mental stärker werden, du musst nur aufhören, dir selbst im Weg zu stehen.‘ Das ist oft erleichternd simpel, aber dadurch auch effektiv. 

Müssen Kontakte zur Sportpsychologie in solchen speziellen Phasen immer über die Verbandssportpsychologen laufen? Wann ist Letzteres sinnvoll und was können Athleten und Athletinnen von den Welfare Officers bei Olympischen Spielen erwarten?

Prof. Dr. René Paasch, Die Sportpsychologen
Prof. Dr. René Paasch, Die Sportpsychologen

Antwort von Prof. Dr. René Paasch (zum Profil):

Verbandsinterne sportpsychologische Strukturen bieten in vielen Fällen klare Vorteile. Sie ermöglichen eine enge Abstimmung mit Trainerteam, medizinischem Umfeld und weiteren Betreuungspersonen und schaffen Kontinuität über längere Zeiträume. Wenn diese Strukturen gut etabliert sind, stellen sie häufig den sinnvollsten Zugang dar.

Gleichzeitig gibt es Konstellationen, in denen Athletinnen und Athleten bewusst externe Unterstützung suchen, etwa aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit oder persönlicher Abgrenzung. Welfare Officers übernehmen bei Olympischen Spielen ergänzend eine wichtige Rolle. Sie sind niedrigschwellig ansprechbar, bieten Orientierung und vermitteln Unterstützung in einem hoch verdichteten und emotional anspruchsvollen Umfeld.

Antwort von: Stephan Brauner (zum Profil):

Verbandspsychologen machen einen sehr guten Job. Und sie sind Teil des Systems. Manchmal braucht ein Athlet aber genau das Gegenteil: Einen ‚Safe Space‘ ohne Wappen auf der Brust. Jemanden, dem man sagen kann, dass einem der Bundestrainer gerade tierisch auf die Nerven geht, ohne Angst zu haben, dass das bei der nächsten Sitzung auf dem Tisch landet. Die Verbandspsychologen sind natürlich auch der Verschwiegenheit verpflichtet. Aber der leiseste subjektive Zweifel kann hier stärker wirken, als es die zugesagte Vertraulichkeit kann. 

Und – wenn ein Athlet schon eine längere und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem externen Sportpsychologen hat, dann muss er abwägen. Nutzt er die Unterstützung des Kollegen vor Ort? Live und unmittelbar? Oder nutzt er die bekannte und vertraute Zusammenarbeit, die ihm aber nicht vor Ort zur Verfügung steht. 

Zu den Welfare Officers: Sie sind die Feuerwehr für das menschliche Wohlergehen im Olympischen Dorf – absolut essentiell, wenn der Druck überkocht, aber sie ersetzen kein Performance-Coaching.

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Prof. Dr. René Paasch: Zwischen Spielfeld und Konferenztisch – Warum Sportpsychologie mehr ist als Wissenschaft

Dieser Text will keine Kritik üben, sondern einladen zu mehr Offenheit für das große Ganze. Auch im Sinne Sigmund Freuds, der früh auf unbewusste Vorgänge hinwies, die sich den klassischen Kausalitäten entziehen. Mit seiner Psychoanalyse eröffnete Freud eine neue Dimension menschlicher Erfahrung: Er zeigte, dass unser Verhalten, unsere Gedanken und selbst unsere Überzeugungen nicht immer aus bewussten Entscheidungen hervorgehen, sondern oft aus tieferliegenden seelischen Dynamiken. Diese sind nicht immer linear oder logisch, sie entspringen inneren Konflikten, verdrängten Emotionen und unbewussten Wünschen. In einer Zeit, in der wir alles erklären, messen und kontrollieren wollen, wirkt Freuds Erkenntnis wie ein notwendiger Gegenpol. Sie erinnert uns daran, auch das Nicht-Offensichtliche zu achten, das, was wirkt, obwohl wir es nicht sofort benennen können. Offenheit für das „große Ganze“ bedeutet daher auch, Raum zu lassen für das Unausgesprochene, das Unbewusste, sowohl in uns selbst als auch in anderen. Es heißt, anzuerkennen, dass menschliche Beweggründe oft vielschichtiger sind, als es auf den ersten Blick scheint. Wer diesen Blick wagt, begegnet dem Menschsein mit mehr Verständnis, Tiefe und Demut. So verstehe ich Freuds Vermächtnis nicht nur als klinisch-psychologische Theorie, sondern als Einladung, den Menschen in seiner Komplexität ernst zu nehmen – jenseits vorschneller Urteile und oberflächlicher Zuschreibungen. Nicht zuletzt im Sport.

Zum Thema: Ein Plädoyer für mehr Offenheit und eine integrative Haltung

Seit vielen Jahren beobachte ich, wie Mentaltrainer*innen, Life-Coach:innen, Athlet:innen, Kolleg:innen, die nicht aus dem klassischen akademischen Feld kommen oder ein anderes Label tragen – sei es Coaching, Beratung, Live-Coaching oder Praxisnähe immer wieder diskreditiert werden. Sei es in Gesprächen, durch subtile Kommentare oder ganz direkt in sozialen Medien. Ihnen wird ihre Kompetenz abgesprochen, ihre Arbeit infrage gestellt, ihre Beiträge ignoriert oder abgewertet. Dabei leisten viele von ihnen – nachweislich – Großartiges. Sie begleiten Menschen mit Empathie, Erfahrung und Wirksamkeit und häufig dort, wo andere längst den Kontakt verloren haben. Dieser Text ist auch ein Zeichen der Solidarität mit Mentaltrainer*innen, Life-Coach:innen, Athlet:innen, Kolleg:innen.

Ein Versuch, Räume zu öffnen, statt Grenzen zu ziehen. Ein Aufruf, wieder mehr auf das Gemeinsame zu blicken als auf das Trennende. Denn: Es geht um den Menschen. Und darum, wie wir ihn bestmöglich begleiten können.

Ein persönlicher Impuls

Es war nur eine Nachricht. Ein paar Zeilen. Aber sie stand sinnbildlich für etwas, das mir in den vergangenen Jahren immer wieder begegnet ist. Da war kein „Glückwunsch zum Artikel“, kein offener Diskurs, kein echtes Interesse. Stattdessen die direkte Frage: „Ist das überhaupt wissenschaftlich?“ Die Antwort darauf ist eigentlich einfach – und gleichzeitig komplex. Denn ja: Was wir tun, basiert auf fundiertem Wissen. Aber was wir erleben, begleiten und bewirken, geht oft weit über das hinaus, was sich in Studien operationalisieren lässt. Und genau das scheint manche zu irritieren: Dass Wirkung und Wissenschaft sich nicht immer decken müssen – aber trotzdem Hand in Hand gehen können. 

Seit über einem Jahrzehnt arbeite ich im Feld der Sportpsychologie mit Fußballern, Leichtathleten*innen, Teams aus unterschiedlichsten Disziplinen. Ich begleite Menschen in Momenten, in denen es zählt. Und ich habe erlebt, wie viele Parallelen es zwischen dem Leistungssport und der Wirtschaft gibt. In unserem jüngsten Artikel – gemeinsam verfasst mit einer Kollegin aus dem Bereich Live-Coaching haben wir genau diese Verbindungen aufgezeigt. Es ging um Selbstwirksamkeit, um Superkompensation, um Kompetenzerwartung und Leistungsdruck und vieles mehr. Kurz: Um alles, was im Sport wie im Business über Erfolg und Scheitern entscheidet. Und doch ist es oft nicht der Inhalt, der hinterfragt wird, sondern die Form. Der Abschluss. Die Zugehörigkeit. Der wissenschaftliche Stempel. Warum eigentlich?

Leistung unter Druck – Wie sich Sport und Business näher sind, als viele denken

Im Leistungssport zählt der Moment. Der Elfmeter in der 90. Minute. Die letzte Hürde. Der alles entscheidende Angriff. In solchen Augenblicken zeigt sich, wie stark mentale Prozesse über das Ergebnis mitentscheiden, nicht nur physische Vorbereitung. Im Business ist es nicht anders. Auch dort gibt es Drucksituationen, in denen man liefern muss. Entscheidungen, die nicht aufgeschoben werden können. Verantwortung, die plötzlich auf den Schultern lastet. Ob es ein wichtiges Kundengespräch ist, eine Vorstandspräsentation oder ein Team, das in der Krise Orientierung sucht – auch hier entscheidet die mentale Stärke. Die Parallelen gehen noch weiter:

  • Zielsetzung: Im Sport arbeiten wir mit klaren Zielstrukturen – genau wie im Business, etwa im OKR-Framework oder in Zielvereinbarungsgesprächen.
  • Fokus & Konzentration: Die Fähigkeit, im entscheidenden Moment präsent zu sein, ist sowohl bei einem Freiwurf als auch in einer Krisenverhandlung zentral.
  • Umgang mit Rückschlägen: Athleten*innen lernen, mit Niederlagen umzugehen,  Führungskräfte müssen nach Misserfolgen neu ausrichten.
  • Routinen & Rituale: Im Sport sind sie Teil der Vorbereitung. Auch im Business stärken sie Struktur, Effizienz und Sicherheit.
  • Visualisierungstechniken: Mentales Training zur Vorbereitung auf Wettkämpfe findet sein Pendant in Präsentationsvorbereitungen und Entscheidungsprozessen.
  • Motivationstypen: Intrinsisch vs. Extrinsisch, auch im Business entscheidend für langfristige Leistungsbereitschaft.
  • Körpersprache & Wirkung: Die nonverbale Kommunikation wird im Sport trainiert, in Verhandlungen oder Führungssituationen ist sie oft entscheidend.
  • Regeneration & Psychohygiene: Während im Sport auf Pausen geachtet wird, fehlt im Business oft das Bewusstsein für mentale Erholung – mit Folgen u.v.m.

Diese Konzepte sind keine losen Analogien. Sie sind übertragbare Prinzipien, die in beiden Feldern – Sport und Wirtschaft – tragfähig sind. Und sie alle stammen aus dem Fundus der angewandten Sportpsychologie und angrenzenden Feldern.

Wissenschaftlichkeit vs. Wirksamkeit – ein ungesunder Dualismus?

In der Psychologie – besonders in der Sportpsychologie – wird viel über Evidenz gesprochen. Über Studien, über valide Messungen, über Effektstärken. Und das ist gut so. Wissenschaftliche Fundierung schützt uns vor Willkür, sie sorgt für Qualität, und sie ist eine wichtige Grundlage unserer Arbeit. Aber sie ist nicht die einzige. Denn zwischen der kontrollierten Laborbedingung und der rauen Realität auf dem Spielfeld oder im Unternehmen liegen oft Welten. Kein Mensch funktioniert wie eine Versuchsperson im Fragebogen. Kein Teamprozess lässt sich vollständig in ein Experimentaldesign pressen. Und keine Krise folgt dem Lehrbuch. Was machen wir also mit all dem, was funktioniert, aber (noch) nicht messbar ist? Ignorieren wir es? Reden wir es klein? Oder gestehen wir uns ein, dass unsere Methoden manchmal an ihre Grenzen kommen und dass genau da die Erfahrung, die Intuition, die Beziehung ins Spiel kommt? Wir kennen den Satz: „Wer heilt, hat recht.“ Er klingt provokant, gerade in wissenschaftlichen Kreisen. Aber vielleicht steckt darin auch eine Erinnerung daran, worum es im Kern geht: um Menschen. Um Wirkung. Um Entwicklung. Und manchmal auch darum, neue Wege zuzulassen, die sich nicht sofort in eine Tabelle einordnen lassen.

Die Wahrheit ist: Wir brauchen beides. Wir brauchen gute Studien und gute Gespräche. Wir brauchen Theorien und die Fähigkeit, im Moment präsent zu sein. Wir brauchen wissenschaftliches Denken und menschliche Haltung. Wenn wir uns nur an die reine Wissenschaftlichkeit klammern, laufen wir Gefahr, das Eigentliche aus den Augen zu verlieren: dass unsere Arbeit mitten im Leben stattfindet. Dort, wo Menschen fühlen, zweifeln, kämpfen, wachsen. Und genau dort braucht es mehr als nur Daten, Zahlen und Fakten.

Kollegiales Miteinander oder akademisches Hauen und Stechen?

Es ist ein Phänomen, das vielen in der Praxis bekannt ist und doch wird kaum offen darüber gesprochen: Statt Austausch erleben wir Abgrenzung. Statt ehrlicher Diskussion gibt es oft Spott oder vorschnelles Urteil. Besonders dann, wenn jemand neue Wege geht. Oder aus einer anderen Richtung kommt. Oder sich traut, Dinge zu verbinden, die auf den ersten Blick nicht „zusammengehören“. Mentaltrainer*innen, Life-Coach:innen, Athlet:innen, Kolleg:innen, Führungskräfte, Coaches, Praktiker*innen aus dem Sport, sie alle erleben immer wieder dieselbe Reaktion: Misstrauen. Zweifel. Und nicht selten: offene Ablehnung. Und zwar nicht von außenstehenden Laien, sondern aus den eigenen Reihen, die eigentlich dasselbe Ziel verfolgen: Menschen besser begleiten zu können. Warum ist das so?

Vielleicht, weil unsere Disziplin noch immer um ihren Platz ringt. Die Psychologie war lange auf der Suche nach Anerkennung, nach wissenschaftlicher Seriosität. Und jetzt, wo sie diesen Platz gefunden hat, verteidigen ihn manche wie eine Festung, mit Mauern statt mit Brücken. Alles, was nicht in das gewohnte Raster passt, wird schnell zum Risiko erklärt. Zum Störfaktor. Oder schlimmer noch: zur „Gefahr für die Profession“. Doch in Wirklichkeit ist es oft ganz anders. Die Menschen, die außerhalb des klassischen Weges denken, handeln nicht gegen die Wissenschaft – sie handeln für die Wirksamkeit. Sie suchen nach Zugängen, wo andere längst aufgegeben haben. Sie begegnen dem Menschen nicht nur dem Symptom. Und manchmal, so ehrlich muss man sein, sind es schlicht Eitelkeit, Statusdenken oder Angst vor Kontrollverlust, die hinter der Abwertung stehen. Denn wer urteilt, muss sich nicht auseinandersetzen. Wer lästert, schützt sich vor der eigenen Unsicherheit. Und wer spaltet, muss sich nicht verbinden. Aber wohin führt uns das? Was wäre möglich, wenn wir aufhören würden, uns gegenseitig zu messen – und anfangen würden, voneinander zu lernen?

Ein Plädoyer für eine offene Sportpsychologie

Die Sportpsychologie hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Sie ist sichtbarer geworden, relevanter, greifbarer. Und doch steht sie heute an einem Scheideweg: Will sie sich weiter über Abgrenzung und wissenschaftliche Reinheit definieren oder beginnt sie, sich mutig zu öffnen für das, was außerhalb ihrer eigenen Lehrbuchgrenzen längst wirkt?

Ich glaube: Es ist Zeit für eine neue Haltung. Eine Haltung, die nicht entweder- oder denkt, sondern sowohl-als-auch. Eine Haltung, die anerkennt, dass echte Entwicklung nicht nur in Theorien stattfindet, sondern im direkten Kontakt mit Menschen. Und eine Haltung, die es zulässt, dass auch andere Perspektiven – Coaching, Live-Coaching, Erfahrungswissen, intuitive Zugänge – ihren Platz haben dürfen, wenn sie verantwortungsvoll und mit Haltung ausgeübt werden. Wir brauchen mehr Dialog. Mehr Neugier. Mehr Mut, auch das Unvollständige, das Nicht-Messbare, das Zwischenmenschliche als Teil von Professionalität zu verstehen. Denn das Ziel bleibt dasselbe, egal ob auf dem Rasen oder im Konferenzraum: Menschen in ihrer Kraft zu begleiten. Sie darin zu unterstützen, über sich hinauszuwachsen. Stabil zu bleiben, wenn es zählt. Und zu lernen, mit Druck, Fehlern, Krisen und Erfolgen umzugehen. 

Wenn wir das ernst nehmen, dann können wir es uns nicht leisten, in Disziplin-Grabenkämpfen zu verharren. Dann braucht es Menschen, die Brücken bauen. Die Perspektiven verbinden. Die nicht fragen: „Wer darf das?“, sondern: „Was hilft dem Menschen wirklich?“ Vielleicht beginnt genau hier eine neue Form der Sportpsychologie. Nicht als Gegensatz zur Wissenschaft, sondern als Erweiterung. Als gelebte Verbindung von Verstand und Herz, von Methode und Menschlichkeit, von Theorie und Erfahrung. Und vielleicht wird aus dem Ringen um Deutung irgendwann ein Raum für Resonanz, in dem nicht das Rechthaben zählt, sondern das gemeinsame Verstehen.

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Christian Bader: Mentale Exzellenz neu erarbeiten

Die Ansage „Konzentrier dich!“ ist kontraproduktiv, der Tipp „Entspann dich!“ schadet manchmal, das motivierende Selbstgespräch „Ich will gewinnen!“ führt häufig zu Niederlagen. Die zentrale Botschaft meiner Textserie (die Links zu den einzelnen Beiträgen finden sich unten) lautet: Mentale Exzellenz entsteht nicht durch das Sammeln von Techniken, sondern durch das orchestrierte Zusammenspiel psychologischer Systeme.

Zum Thema: Sportpsychologie – mehr als eine grosse Werkzeugkiste

Mentale Exzellenz funktioniert wie ein Symphonieorchester, wo einzelne Instrumente brillant klingen können, aber erst im Zusammenspiel ihre volle Kraft entfalten. Die wahre Magie passiert nicht in den isolierten Faktoren, sondern in ihrer systemischen Interaktion:

  • Attention (flexible Aufmerksamkeitssteuerung)
  • Intensity (adaptive Aktivierungsregulation)
  • Intent (bewusste Handlungsregie)

Wenn alle drei harmonisch zusammenwirken, entstehen Flow-Zustände – jene Momente, in denen Athleten „wissen“, wohin der nächste Ball kommt, bevor die Situation entstanden ist.

Konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis

Für Trainer: Die sofortige Umsetzung

1. Das 2-Minuten-Profiling nach dem Training

  • Fragen Sie: „Auf einer Skala von 1-10: Wie war deine Aufmerksamkeit heute? Deine Nervosität? Dein Fokus?“
  • Goldene Regel: Suchen Sie nach Mustern, nicht nach Problemen

2. Integration in bestehende Übungen (0 Extrazeit)

  • Vor jeder Übung: „Welcher mentale Zustand passt jetzt?“
  • Bei Fehlern: „Was brauchst du mental für die nächste Aktion?“
  • Statt „Nochmal!“, sagen Sie: „Nochmal mit Fokus auf…“

3. Das Team-Navigationssystem etablieren

  • Schaffen Sie eine gemeinsame Sprache für mentale Zustände
  • Beispiel: „Rotmodus“ für hohe Intensität, „Blaumodus“ für Ruhe
  • Ermöglichen Sie individuelle Lösungen in einem Teamsystem

4. Störungen als Trainingspartner nutzen

  • Schaffen Sie bewusst komplexe, wettkampfnahe Situationen
  • Lassen Sie Ihre Athleten mit Druck arbeiten, nicht dagegen
  • Frage: „Wie nutzt du diese Störung als Information?“

Für Sportpsychologen: Die professionelle Evolution

1. Vom Techniker zum Systemarchitekten

  • Entwickeln Sie Beziehungskompetenz statt nur Methodenkompetenz
  • Fragen Sie: „Welche Funktion hat dieses ‚Problem‘?“ statt „Wie löse ich es?“
  • Arbeiten Sie mit dem System Athlet, nicht gegen es

2. Diagnostik neu denken

  • Erstellen Sie systemische Profile statt Defizitlisten
  • Erfassen Sie die Wechselwirkungen zwischen Attention, Intensity und Intent
  • Fokus: Wie reguliert sich das System selbst?

3. Intervention als Irritation verstehen

  • Ihre Aufgabe: Bedingungen schaffen, nicht Lösungen liefern
  • Systemisch gedacht: Der Athlet entdeckt selbst, was funktioniert
  • Sie sind Hebamme für Erkenntnisse, nicht Chirurg für Probleme

Wie sich die Sportpsychologie entwickeln muss

1. Forschung: Vom Labor ins System

Aktuelle Forschung: Isolierte Effekte einzelner Techniken, Zukunft: Untersuchung systemischer Wechselwirkungen

  • Wie beeinflussen sich Attention, Intensity und Intent gegenseitig?
  • Welche emergenten Qualitäten entstehen durch Integration?
  • Wie entstehen individuelle Regulationsmuster?

2. Ausbildung: Vom Techniker zum Systemdenker

Aktuell: Sammlung von Methoden und Techniken, Zukunft: Systemisches Verständnis mentaler Prozesse

  • Kernkompetenz: Beziehungsgestaltung und Mustererkennnung
  • Haltung: Neugier statt Reparaturmentalität
  • Methodik: Integration verschiedener Perspektiven

3. Praxis: Von der Werkzeugkiste zur Navigation

Aktuell: „Hier ist eine Technik für dein Problem“, Zukunft: „Lass uns verstehen, wie dein System funktioniert“

  • Individualisierung: Jeder Athlet hat einzigartige Muster
  • Flexibilität: Verschiedene Situationen brauchen verschiedene Ansätze
  • Nachhaltigkeit: Athleten werden zu Experten ihres eigenen Systems

Die Zukunft gehört nicht einem einzelnen Ansatz, sondern der intelligenten Integration verschiedener Perspektiven. Verhaltenstherapeutische Techniken und systemische Ansätze in symbiotischer Koexistenz.

Die entscheidende Erkenntnis: Mentale Exzellenz ist kein Zustand, den man erreicht, sondern ein lebendiger Prozess, der verstanden und genährt werden will.

Ihre nächsten Schritte

Für Trainer:

  1. Beginnen Sie mit einem Athleten – beobachten Sie seine mentalen Muster
  2. Integrieren Sie eine systemische Frage in jedes Training
  3. Schaffen Sie Raum für individuelle Lösungen im Teamsystem

Für Sportpsychologen:

  1. Hinterfragen Sie Ihre Grundannahmen über mentale Probleme
  2. Entwickeln Sie systemische Neugier statt Reparaturmentalität
  3. Experimentieren Sie mit Integration statt Isolation

Für die Disziplin:

  1. Fördern Sie systemische Forschung zu mentalen Wechselwirkungen
  2. Entwickeln Sie Ausbildungen, die Systemdenken vermitteln
  3. Schaffen Sie Plattformen für interdisziplinären Austausch

Die Vision: Sportpsychologie 3.0

Eine Disziplin, die Athleten nicht repariert, sondern befähigt. Die nicht Probleme löst, sondern Potentiale entfaltet. Die nicht standardisiert, sondern individualisiert. Die nicht kontrolliert, sondern navigiert.

Das Ziel: Jeder Athlet wird zum Experten seines eigenen mentalen Systems. Jeder Trainer wird zum Architekten optimaler Bedingungen. Jeder Sportpsychologe wird zum Begleiter selbstorganisierter Entwicklung.

Die Reise hat erst begonnen. Mentale Exzellenz wartet nicht darauf, entdeckt zu werden – sie wartet darauf, verstanden zu werden.

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Alle Beitrage der Serie:

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Danijela Bradfisch: Weiterentwicklung als Trainer im (Nachwuchs-)Leistungssport

Im Sommer 2025 habe ich ein junges Basketball-Team übernommen. Somit bin ich offiziell wieder eine Basketballtrainerin. In der Vorbereitung auf meine neue, alte Rolle bin ich über einen Text aus dem Jahr 2023 (unten verlinkt) gestolpert. Was ich da zur Priorisierung und zur strikten Trennung von Trainingsinhalten gelesen habe, finde ich immer noch gut. Und diese Auffassungen sind Teil meiner Arbeit. Aber die Welt hat sich weitergedreht und ich habe mich als Trainerin weiterentwickelt. An folgenden Beispielen aus meiner Trainerinnenpraxis will ich das deutlich machen und Trainer und Trainerinnen inspirieren. 

Zum Thema: Ansätze zur Weiterentwicklung als Trainer im (Nachwuchs-)Leistungssport

Im vergangenen halben Jahr, seit dem ich wieder als Trainerin eingestiegen bin, haben folgende neue Grundsätze meine Arbeit als Trainerin geprägt:

Komplexität statt Isolation

Moderne Ansätze betonen, dass sportliche Leistungsfähigkeit ein Ergebnis integrierter, nicht additiver Systeme ist. Kraft, Technik, Taktik und Wahrnehmung wirken nicht nebeneinander – sondern gleichzeitig und wechselseitig.

Für die Praxis heißt das: Schnelligkeit entsteht nicht nur im Kraftraum, sondern durch neuromuskuläre Koordination in realen Spielsituationen. Für mein Team bedeutet das: Wir haben ein Kartenspiel mit diversen Basketballsituationen, die man sich bildlich vorstellt und innerhalb von drei Sekunden so viele Antworten wie möglich geben muss, was als nächstes passieren wird. 

Das Gehirn lernt kontextabhängig

Bewegungen werden im Zusammenspiel mit Kontext, Sinneseindrücken und Entscheidungsmustern gelernt. Je mehr Transferleistungen wir hinbekommen, desto besser wird unser Spiel.

Im Training üben wir – sowohl mit Hilfe des Kartenspiels als auch auf dem Feld: Sobald der Ball am Ring landet, rennt eine Spielerin los, während sich eine andere sich zum Outlet Pass anbietet. 

Periodisierung muss adaptiver werden

Die traditionelle Makro-/Mikrozyklus-Logik (z.B. Grundlagenphase → Aufbauphase → Wettkampfphase) stammt aus einer Zeit ohne:

  • dauerhaften Wettkampfdruck
  • frühe Spezialisierung
  • komplexe Saisonverläufe
  • hohe Belastungsdichte

Jedoch hat aus meiner Sicht ein Athlet heutzutage „mehr um die Ohren”. Daher gilt bei mir aktuell vor, während und danach im Training/Spiel: Care about! Ich versuche also, näher an den Köpfen meiner Mannschaft zu sein. In meinem Training werden also folgende Fragen ziemlich häufig gestellt: 

  • „Wofür benötigen wir diese Technik?“ 
  • “Was ist Dein Ziel heute?“
  • “Worin möchtest Du Dich heute verbessern?
  • “Woran möchtest Du als nächstes arbeiten?“ 
  • “Wie geht es Dir heute?”

Alles mit dem Ziel, die eigene Reflexion zu stärken. Die Selbstorganisation und Selbstregulation zu fördern. Den Athleten als aktiven Lernpartner einzubeziehen und somit die Qualität des Lernens über reine Quantität zu stellen. 

Ganzheitliche Trainingsformen gewinnen an Bedeutung

  • Athletiktraining integriert Bewegungsqualität, Kraft und Antizipation
  • Spielformen fördern gleichzeitig Kognition, Technik, Taktik und Ausdauer
  • Mixed-Modal-Training schafft organische Belastungssteuerung

So weit, so klar. Aber ich will mit meinem Team noch einen Schritt weiter. Mein Ziel ist, eine organische Belastungssteuerung zu erreichen. Jetzt fragst du vermutlich: Was ist das, eine organische Belastungssteuerung?

Die Belastung entsteht aus Spielnähe oder realen Bewegungsanforderungen. Somit ist das Training flexibel und geeignet für heterogene Gruppen und unterschiedliche Tagesformen. Ich versuche meine Sportler zu selbstregulierenden Athleten zu erziehen, die ihre Intensität situativ ganzheitlich anpassen.

Fazit

Aus meiner Sicht geht es im Sport um Weiterentwicklung. Auf dem Spielfeld, im Team und auf der Trainerbank. Diesen Impuls will ich weitergeben und euch als Trainer und Trainerinnen einladen, euch zu hinterfragen, was für euch eine moderne Trainingsphilosophie im Nachwuchsleistungssport ausmacht. 

Für mich, bedeutet sie Folgendes:

  • alles miteinander verbinden, statt Dinge einzeln zu betrachten
  • flexibel bleiben, statt stur nach Plan zu trainieren
  • mehrere Faktoren gleichzeitig im Blick zu haben, statt nur einen
  • das Training an der echten Situation zu orientieren, statt an Theorie
  • auf langfristige Entwicklung zu setzen, statt nur auf schnelle Erfolge

Wer seine Eindrücke teilen will oder Fragen hat, darf gern Kontakt zu mir aufnehmen (zum Profil von Danijela Bradfisch). Oder kontaktiert meine Kollegen und Kolleginnen in eurer Nähe (zur Übersicht).

Du willst mehr wissen?

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Wolfgang Seidl: Weshalb Sinner und Alcaraz nicht nur Vorbilder für den Nachwuchs sind

Es ist selten, dass eine Generation gleich zwei Spieler hervorbringt, die das Tempo einer ganzen Sportart neu definieren. Jannik Sinner und Carlos Alcaraz tun genau das. Beide sind jung, explosiv, komplett und haben ein mental-taktisches Selbstverständnis, das für viele Spieler wie aus einer anderen Welt wirkt. Wer aktuell in den Top 50 spielt, spürt diese Verschiebung deutlich. Die Messlatte wurde nicht nur höher gelegt, sondern verschoben. Doch was bedeutet das für all jene, die Woche für Woche gegen diese Dominanz anspielen, im Wissen, dass sie vielleicht nie ganz oben ankommen werden? Und was bedeutet das für junge Spieler, die erkennen, dass manche Gleichaltrige bereits deutlich voraus sind?

Zum Thema: Wie die Tenniswelt mit der Dominanz von Sinner und Alcaraz umgehen kann

1. Akzeptieren, ohne zu resignieren

Die größte mentale Herausforderung beginnt oft im Kopf: „Wenn die zwei vorneweg alles gewinnen, was bleibt dann für mich?“ Genau hier trennt sich mentale Reife von mentaler Selbst-Sabotage. Es geht nicht darum, sich mit Sinner oder Alcaraz zu vergleichen, sondern darum, die Realität anzunehmen, ohne den eigenen Handlungsspielraum zu verlieren.

Eine harte, aber kraftvolle Wahrheit lautet: 

Du musst nicht der Beste sein, um in deiner Karriere Höchstleistungen zu bringen.

Viele Spieler stehen sich selbst im Weg, weil sie von Erwartungen geleitet werden, die ihnen nicht guttun. Momentum entsteht erst dann, wenn der Fokus wieder auf der eigenen Weiterentwicklung liegt. Sie verheddern sich oft im Vergleich mit Gleichaltrigen. Eine kleine Routine vor jedem Training oder Match hilft, den Fokus wieder dorthin zu lenken, wo er hingehört, ins eigene Einflussfenster.

Empfehlung: Nimm dir kurz eine Minute Zeit und notiere zwei Punkte:

  1. Eine Sache, die heute klar in deiner Kontrolle liegt.
  2. Eine Sache, die du bewusst loslässt, weil sie außerhalb deiner Kontrolle liegt.

Diese kurze Reflexion lenkt die Aufmerksamkeit weg von Rankings, Gegnern oder Talentfragen und zurück auf das, was du heute tatsächlich beeinflussen kannst.

2. Die mentale Energie verschieben

Viele Spieler verschwenden mentale Ressourcen auf den falschen Ebenen. Sie denken über Rankings, den nächsten Hype oder die übermächtige Konkurrenz nach. Doch Energie, die nach außen fließt, fehlt später im Match. Die zentrale Frage lautet:
Wohin fließt meine mentale Energie, und wofür brauche ich sie wirklich?

Top-50-Spieler, die trotz der Dominanz der Spitze konstant erfolgreich bleiben, haben eine gemeinsame Fähigkeit:
Es gelingt ihnen, sich in Training und Wettkampf konsequent auf ihren eigenen Weg zu konzentrieren. Nicht: „Wie schlage ich Sinner?“ Sondern: „Wie verbessere ich heute meine Fähigkeit, unter Druck aggressiv zu bleiben?“

Empfehlung: Vor jedem Training definierst du einen klaren Satz, wie „Heute bin ich der Spieler, der…“

Beispiele:

  • „…tiefe Positionen hält, auch wenn es unangenehm wird.“
  • „…bei jedem Fehler sofort nach vorne geht.“
  • „…körperliche Müdigkeit als Auftrag nimmt – nicht als Ausrede.“

Dieser Satz ist dein Handlungsfokus. Kein Ranking, kein Gegner, kein Sinner–Alcaraz-Vergleich.

3. Das eigene Profil schärfen

Ein oft übersehener psychologischer Faktor: Viele Spieler werden mental unstabil, weil sie kein klares Bild davon haben, wer sie als Spieler sind. Sinner und Alcaraz dominieren auch deshalb, weil ihre Identität glasklar ist:

  • Sinner: Präzision, Ruhe, Tiefe, Linienkontrolle
  • Alcaraz: Explosivität, Instinkt, Kreativität

Viele Spieler der Top 50 hingegen spielen „gut“, aber ohne ein klares mentales oder taktisches Profil. Die wichtigste Frage lautet: Wofür soll dein Spiel stehen, wenn man dir zusieht? Wer seine eigene Identität schärft, findet Stabilität, unabhängig davon, wer an der Spitze steht.

4. Was Nachwuchsspieler daraus lernen können

Kinder und Jugendliche erleben das Phänomen „zu gut, um erreichbar zu sein“ sehr früh. Manche entfalten sich dann überhaupt nicht mehr. Andere entwickeln eine Art chronische Selbstzweifel-Dynamik.

Deshalb ist es im Nachwuchs zentral, folgende Botschaft zu verankern: „Dein Weg entscheidet – nicht der Abstand zur Spitze.“

Mentale Entwicklung im Nachwuchs heißt nicht, die Besten zu jagen, sondern die eigene Robustheit, Widerstandskraft und Spielfreude aufzubauen.

Übung für Jugendliche: „3 Fortschritte, die niemand sieht“ 

Notiere dir nach jedem Training drei Dinge, die sich verbessert haben, aber im Ranking oder Score nicht sichtbar sind.

Beispiele:

  • „Ich habe schneller umgeschaltet nach Fehlern.“
  • „Ich fand nach einem Fehler sofort wieder meinen Fokus.“
  • „Ich habe mich getraut, beim 30:30 mutiger zu spielen.“

Diese Übung verhindert, dass junge Spieler früh das Gefühl bekommen, „nicht gut genug“ zu sein.

Abschließender Gedanke

Sinner und Alcaraz verändern das Tennis. Aber das bedeutet nicht, dass alle anderen Spieler automatisch verlieren. Im Gegenteil, ihre Dominanz zwingt uns, über Leistung und Entwicklung neu nachzudenken. Nicht jeder wird Grand-Slam-Sieger, doch jeder kann seine eigene Höchstform erreichen – mental, spielerisch, persönlich.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Kann ich die zwei einholen?“

Sondern: „Wie gut kann ich werden, wenn ich mich auf meinen Weg fokussiere?“

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Dr. Julia Boie: Wie gelingt es, Kinder dauerhaft für Sport zu begeistern?

Oder andersherum gefragt: Was braucht es, damit Kinder dabeibleiben? Die einfache Antwortet lautet “Spaß”. Wenn Sportler*innen sich wohlfühlen und Spaß haben, bleiben sie ihrem Sport mit hoher Wahrscheinlichkeit treu. Dabei ist „Spaß haben“ nicht zu verwechseln mit laschem, undiszipliniertem Training – im Gegenteil. Emotionen beeinflussen unsere Leistung: Positive Gefühle spenden Energie, wogegen negative Gefühle Energie verbrauchen. Auch die Bereitschaft zu schwierigem und hartem Training wird durch eine positive Grundstimmung im Training gefördert.

Mehr zum Thema: Was braucht es, damit Kinder nicht die Lust am Sport verlieren? (Teil 1)

Fakt ist, um Jungen und Mädchen dauerhaft für sportliche Aktivitäten zu begeistern und sie an eine Sportart zu binden, müssen sie Spaß und Freude erleben. Ein Schlüssel liegt in bestimmten Bedürfnissen. 

Kinder (aber auch Erwachsene) haben Spaß am Sport, wenn ihre Bedürfnisse erfüllt werden: a) Das Bedürfnis nach Spiel und Bewegung, b) der Anreiz Neues zu lernen (Neugiermotiv), c) das Bedürfnis nach Anschluss an eine Gruppe (Anschlussmotiv) sowie d) das Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen (Leistungsmotiv).

Bedürfnis nach Spiel und Bewegung

Das Bedürfnis nach Spiel und Bewegung kann meist weniger in den (notwendigen) Phasen erfüllt werden, in denen die Sportler*innen konzentriertes Techniktraining durchführen. Diese Phasen braucht es selbstverständlich, damit technische Verbesserungen erzielt werden können. Ich kann als Trainer*in aber in anderen Phasen des Trainings besonders darauf achten, dass ich das Training mit viel Spiel und Bewegung gestalte und dass alle eingebunden sind. Denn wenn die Sportler/innen immer wieder warten müssen, bis sie an der Reihe sind oder wenn Spiele gespielt werden, bei denen sie ausscheiden, wird das Training schnell langweilig. Ist das Training jedoch so gestaltet, dass sie sich viel bewegen können, sich in kleinen Gruppen mit vielen Spielgeräten (bspw. Bällen) ausprobieren können und die direkten Spielgegner in etwa gleich stark sind, dann wird diesem Bedürfnis Rechnung getragen.

Bedürfnis Neues zu lernen (Neugiermotiv)

Für das Bedürfnis Neues zu lernen (Neugiermotiv) braucht es neue, reizvolle Aufgaben, die Spannung ins Training bringen und die Kreativität und die Fantasie anregen. Abwechslungsreiche Inhalte, neue Methoden, aber auch Variationen bekannter Übungsformen erfüllen dieses Bedürfnis. Auf der anderen Seite geben Wiederholungen und die Möglichkeit, das eigene Können abzurufen, Sicherheit. Daher ist im Training eine gute Balance gefragt zwischen Neuem und Bekanntem.

Bedürfnis nach Anschluss an eine Gruppe (Anschlussmotiv)

Das Bedürfnis nach Anschluss an eine Gruppe (Anschlussmotiv) ist in seiner Wichtigkeit nicht zu unterschätzen und spielt auch für die Leistung eine große Rolle. Sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und mit anderen, aber auch für andere, Aufgaben zu bewältigen, spielt im Sport eine große Rolle. Als Trainer*in kann ich den Teamzusammenhalt u.a. dadurch stärken, dass ich den individuellen Beitrag jedes und jeder Einzelnen für den Teamerfolg wertschätze und dass ich mit den Sportler*innen herausarbeite, wo die Stärken des Teams liegen und wie wir unseren Schwachstellen begegnen wollen. Als Trainer*in kann und sollte ich das Anschlussmotiv auch unterstützen, indem ich auf den Umgang der Teammitglieder untereinander achte und Cliquenbildung begegne.

Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen (Leistungsmotiv) 

Schließlich ist auch das Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen (Leistungsmotiv) ein Faktor, der den Spaß und die Motivation im Training beeinflusst. Die Sportler*innen können sich nur kompetent fühlen, wenn die Aufgabenschwierigkeit an ihren individuellen Leistungslevel angepasst ist. Für mich als Trainer*in bedeutet dies, dass ich mit den Sportler*innen individuelle mittelschwere Leistungsziele festlege, an denen dann strukturiert gearbeitet wird. Die Rückmeldung zum Leistungsstand bzw. Leistungsfortschritt erfolgt dann auch nicht im Vergleich mit den anderen Sportler*innen, sondern individuell im Vergleich zum eigenen Leistungsstand vor zwei bis vier Wochen. Gerade, wenn dabei Fehler passieren dürfen und als Lernmöglichkeit für die Sportler*innen kommuniziert werden, führt das Setzen individueller Leistungsziele zu verbesserter Leistung, zu mehr Selbstvertrauen, zu weniger Ängstlichkeit und zu mehr Freude am Sport.

Unterschiedliche Motive

Menschen unterscheiden sich darin, welche Motive bei Ihnen zur Zeit eine besondere Rolle spielen. Der eine ist momentan besonders motiviert durch Anschluss an eine Gruppe, die andere ist momentan besonders motiviert durch das Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen. Wenn ich als Trainer*in mitbekomme, bei wem gerade welches Bedürfnis vorherrschend ist, kann ich darauf eingehen und die Ziele und Instruktionen entsprechend anpassen (Schüler & Wegner, 2015).

Zusätzlich kann ich mein Training bedürfnisorientiert gestalten, indem ich Phasen einbaue, in denen die Sportler*innen Spielraum bekommen, das Training selbst zu gestalten und etwas auszuprobieren. Ich kann Verantwortungsübernahme üben lassen, indem ich Wahlmöglichkeiten gebe, wie sie etwas üben möchten und es anschließend konstruktiv nachbesprechen. Generell ist es motivationsfördernd, wenn ich viel Raum für Bewegungslust und Spielfreude gebe.

Hinweis

Im zweiten Teil dieses Beitrags, der ab Mittwoch, 28. Januar 2026 (Link), zur Verfügung steht, wird das Thema Wettbewerb beleuchtet werden.

Meine Kolleg*innen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. Julia Boie) stehen gern für Rückfragen bereit. Wir unterstützen Trainer*innen mit individuellen Coach-the-Coach-Programmen, arbeiten exklusiv mit Sportlern und Sportlerinnen, stehen für Vorträge und Workshops zur Verfügung und betreuen Eltern, deren Kinder im Sport aktiv sind.

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Literatur:

Baumann, S. (2016). Psychologie im Jugendsport. Meyer & Meyer.

Schüler, J. & Wegner, M. (2015). Befinden und Motivation im Sport – Das Resultat einer Motiv-Sportziel-Passung. Zeitschrift für Sportpsychologie, 22, 1, S. 34-45.

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Stefanie Gramlich: Wenn Bewegungseinschränkungen beim Pferd das Ergebnis beeinflussen

Im Pferdesport kommt es wesentlich auf ein Miteinander zwischen Mensch und Tier an. Worin liegt aber der Schlüssel für gegenseitiges Vertrauen, gutes Teamwork, eine zielführende Körpersprache und einen würdevollen Umgang mit dem Lebewesen Pferd? Aus meiner Sicht geht es um eine fest umrissene geistige Einstellung und innere Haltung des Reiters gegenüber seinem Pferd, gepaart mit dem nötigen Einfühlungsvermögen für den Pferdekörper.  

Zum Thema: Vertrauen und gute Kommunikation zum Pferd

In der Fachliteratur wird betont, wie wichtig ein Einfühlungsvermögen für das Tier im Pferdesport ist: 

  • „Das geistige Gleichgewicht und die richtige Einstellung zum Pferde ist vor allem bei der Dressurausbildung notwendig. Kommt dem Reiter als Ergänzung des Verständnisses noch die Gabe des richtigen Diagnostizierens und Einfühlens in den Pferdekörper zu Gute, eine Gabe, die angeboren sein muss und durch Lernen und Erfahrung allein nicht erworben werden kann, wird er auch die schwierigste Aufgabe, die es im Sattel zu lösen gibt, die Dressur diffiziler oder vom Menschen verdorbener Pferde, meistern können.“ (Seunig, 1943; in Documenta Hippologica: von der Koppel bis zur Kapriole; Enzyklopädie des Reitens; 4. Nachdruckauflage, 2013).
  • „Um sich reiterlich im geistigen Gleichgewicht zu befinden, muss man auf Grund seines durch Erfahrung erzogenes, erarbeitetes und durch Studium der anatomischen Mechanik , sich seiner selbst bewussten gewordenes Gefühls, ein sicheres Verständnis dafür besitzen, was, wie viel und wie etwas in einem gegebenen Zeitabschnittes des Trainings vom Pferd verlangt werden kann und darf. Ferner muss der Reiter ein sicheres Verständnis dafür besitzen, wo die von der Natur einem Pferde gesteckten körperlichen Grenzen liegen, da es sich auch unter dem besten Reiter nur zu dem ihm möglichen Grade der natürlichen Veranlagungen entfalten und zur Vollendung gelangen kann.“ (Seunig, 1943)

Anforderungen an den Reiter

Neben einer guten Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Konzentration des Reiters gehören beim Reiten zu den Basiselementen die physische und psychische Losgelassenheit von Reiter und Pferd, um ein starkes Fundament gegenseitigen Vertrauens und eines erstklassigen Teamworks zueinander aufzubauen. Der Reiter trägt eine enorme Verantwortung für den Pferdekörper, die Pferdepsyche sowie gegenüber seiner eigenen mentalen Stärke, Gesundheit und körperlichen Fähigkeiten. 

Der Reiter muss sowohl seinen eigenen Körper, dessen Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer, technische Geschicklichkeit und ein schnelles Reaktionsvermögen beherrschen als auch sein emotionales und psychisches Gleichgewicht kontrollieren können (Stichwort hier sind das sportpsychologische Training der Emotions- und Gedankenkontrolle).

Wahrnehmung als Schlüssel

Der Reiter ist aus der Würde gegenüber seinem Pferd dazu verpflichtet, seine Wahrnehmung darin zu schulen und zu verfeinern, was sein Pferd braucht, um dessen Bedürfnisse als Pferd, dessen Charakter, Individualität, Wohlbefinden und als Sportpartner zu erfüllen. Es gilt hierbei das Einfühlungsvermögen des Reiters in den Pferdekörper, der sensiblen Pferdepsyche, dem individuellen Bewegungsspektrum des Pferdes, dessen natürlichen Veranlagungen und Leistungspotentials zu trainieren und zu erkennen.

Ein professioneller Reiter muss stets abwägen und täglich neu entscheiden, wie viel und was er im täglichen Training, in den unterschiedlichen Jahreszeiten (Fellwechsel und körperliche Umstellung des Pferdes auf die Wintermonate) und zur Wettkampfvorbereitung er von seinem Pferd verlangen und fordern darf. Wie bei Leistungssportlern auch sollte das Training fürs Pferd stets abwechslungsreich und von Freude sowie eigene Motivation/Bewegungsfreude des Pferdes erfüllt sein (Hallentraining Dressur, Reitplatz Dressur, Geländetraining, lockeres Stangen- oder Springtraining, Bodenarbeit, tensegrales Training sind hierbei abwechslungsreiche Methoden), um sowohl die körperlichen Fähigkeiten des Pferdes als auch dessen psychische Stärke zu trainieren (Resilienz, Unerschrockenheit, innere Gelassenheit, körperliches „ausgelastet sein“ des Pferdes, Zufriedenheit, soziale Eingebundenheit in die Pferdeherde). Die Schnelligkeit des Leistungszuwachses bestimmt dabei das Alter des Pferdes und dessen körperlicher sowie psychischer Gesundheitszustand.

Konkretes Fallbeispiel:

13-jähriger Hannoveraner Wallach, mehrfach S-Dressur gewonnen und platziert, springt von einem auf den anderen Tag die Serienwechsel (fliegende Galoppwechsel) nicht mehr sauber aus der Hinterhand durch. Im Verhalten zeigt er sich zunehmend unruhig, wirkt hektisch, unzufrieden, starke Verspannung an der Muskulatur im Rückenbereich erkennbar, leichtes Schmerzempfinden beim Abtasten des Pferdeosteopathen in der Reaktion des Pferdes.

Ich empfehle, folgende Fragen zu formulieren:

  • Hat mein Pferd ein körperliches, physiologisches Problem? Kann er gerade auf Grund eines körperlichen Schmerzes meiner Hilfengebung nicht folgen?
  • Will mein Pferd meiner Anordnung nicht folgen, weil es meine Führungsqualitäten in Frage stellt (Rangordnung, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Austesten der Grenzen des Reiters, emotionale Stabilität)? 
  • Versteht mein Pferd meine Hilfengebung gerade nicht? Weiß mein Pferd nicht, was ich gerade von ihm in der Lektion und Ausführung will? 
  • Habe ich meine Hilfengebung korrekt und präzise gegeben (Schenkel-, Gewichts- und Zügelhilfen korrekt eingesetzt)?
  • Bin ich mental mit meinem Pferd verbunden oder ist dessen Aufmerksamkeit auf die äußere Umgebung gerichtet (z.B. andere Pferde auf der Koppel, Menschen auf der Tribüne, Hunde im Trainingsbereich)?

Bezogen auf das vorherige Beispiel war das Ergebnis, dass ein körperliches/ physiologisches Problem des Pferdes zu Grunde lag, welches jedoch durch den Pferdeosteopathen gut und schnell innerhalb weniger Monate behandelt werden konnte.

Das Ergebnis und Diagnose des Pferdeosteopathen lautete: Blockade im Iliosakralgelenk (dem Kreuzdarmbeingelenk) des Wallachs führt zu Schmerzen in diesem Bereich und hindert den Wallach daran die Galoppwechsel sauber aus der Hinterhand durchzuspringen.

Fazit

Das Kreuzbein, auch das „heilige Bein“ genannt, steht sinnbildlich für „das nach Vorne gehen“. Die Traglast findet hier ihren Ursprung („die Last wird getragen“). Das Kreuzbein steht auch für das Urvertrauen zum Leben. Wer dazu mehr wissen will, kann gern Kontakt zu mir aufnehmen.

Das Beispiel soll aufzeigen, wie wichtig es im Reitsport ist, sensibel auch das körperliche Wohlbefinden des Pferdes einzugehen. Gern helfe ich interessierten Reitsportlern und Reitsportlerinnen auf diesem Weg. Ich freue mich auf die Kontaktaufnahme (zum Profil von Stefanie Gramlich) und verweise auch gern auf meine Kollege und Kolleginnen im Netzwerk, die auch im Themenbereich Reitsport arbeiten (zur Übersicht).

Mehr zum Thema:

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Anmeldung: Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback (21. Februar 2026 in Köln)

Ort und Zeit:

  • PhysioSport PACE, Schanzenstraße 33, 51063 Köln (Link)
  • Samstag, 21. Februar 2026, 9 bis 18 Uhr

Kosten:

  • 149 EUR

Anmeldung:

Sie sind Arzt*in, Teammanager*in, Physiotherapeut*in, Trainer*in, Funktionär*in, Sportpsychologe*in, Spielerberater*in, Stakeholder, Vertreter*in Berufsgenossenschaft oder natürlich Sportler*in, dann sichern Sie sich hier die Teilnahme:

Mit dem Absenden dieses Formulars erklären Sie sich damit einverstanden, E-Mail-Nachrichten von uns zu erhalten und verstehen, dass Ihre Kontaktinformationen bei uns gespeichert werden. Zudem gelten folgende AGB-Regelungen mit dem Kauf des Tickets als akzeptiert: 1. Das erworbene Ticket ist nicht auf andere Person übertragbar 2. Ein erworbenes Ticket kann bis zum 18. Februar 2026 storniert werden. 50% des gezahlten Preises werden durch den Veranstalter erstattet. 3. Eine Stornierung nach dem 18. Februar 2026 ist ausgeschlossen. 4. Das Ticketkontingent für die Veranstaltung ist begrenzt. Es besteht kein Anspruch auf den Kauf von Tickets, sobald das Kontingent ausgeschöpft ist. 5. Veranstalter und Ausrichter behalten sich vor, dass Event bei zu geringen Ticketverkäufen abzusagen. Bereits gezahlte Ticketkosten werden zu 100% erstattet.

Mehr Infos:

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Ideales Weihnachtsgeschenk: Muscle & Mind

Na, noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk? Etwas Besonderem? Etwas Einzigartigem? Dann hätten wir da was: Ein Ticket für unser Event Muscle & Mind am 21. Februar 2026 in der Pace Köln. Das Beste: Bis zum 31.12.2025 gibt es das Ticket noch zum Frühbucherpreis.

Zum Thema: Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback, Sa. 21. Februar 2026 in der PhysioSport PACE Köln

Unsere Veranstaltung richtet sich sowohl an SportlerInnen, TrainerInnen, PhysiotherapeutInnen, SportmedizinerInnen als auch an SportpsychologInnen. Aber genauso an TeammanagerInnen und Funktionäre, SteakholderInnen von Berufsgenossenschaften, SpielerberaterInnen oder JournalistInnen. Eben an alle jene, die mit dem Thema Verletzungen im Sport Berührungspunkte haben.

Wichtig: Bis zum Mittwoch, 31. Dezember, ist das Ticket zum Frühbucherpreis von 129 EUR statt 149 EUR zu haben. Damit wird das Ticket zu einem perfekten Präsent für das Weihnachtsfest.

Alle Informationen zum Event und zur Anmeldung gibt es hier:

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Renate Wigger: Sport oder Job – Wenn zwei Herzen in deiner Brust schlagen…

Mit Leidenschaft Profi-Sportler sein oder sich mit voller Hingabe in den Beruf stürzen? Renate Wigger berichtet über ihre Arbeit mit dem Schweizer Wintersportler Janik Riebli. Der Langläufer hat für sich einen Weg gefunden: Er nutzt regelmäßige Timeouts vom Sport, um bei seiner zweiten Leidenschaft Kraft zu tanken.

Zum Thema: Sportpsychologische Karrierebegleitung im Leistungssport

Seit mehreren Jahren arbeite ich mit dem Langläufer Janik Riebli im mentalen Bereich zusammen. Auf den ersten Blick entspricht Janik nicht dem typischen Bild eines Profisportlers. Auf seinem Instagram Profil finden sich etwa neben den erwarteten Bildern von Trainings- und Wettkampfsituationen auch viele Fotos, die nichts mit dem Alltag eines Sportlers zu tun haben.

Janik ist nicht nur ambitionierter Sportler, sondern auch leidenschaftlicher Bauer. Er hat eine Lehre als Landwirt abgeschlossen und hilft so oft wie möglich im elterlichen Betrieb in Giswil und auf der Alp mit. Dabei ist das für ihn nicht nur Arbeit, er blüht dabei sichtlich auf und findet grosse Genugtuung darin, etwa die 30 Kühe zu melken.

In unserer Arbeit haben wir dabei einige Fragen gesammelt: 

  • Ist es möglich, diesen beiden Leidenschaften gerecht zu werden? Wann kann es eine willkommene Ressource sein, auf dem Bauernhof zu arbeiten und wann eine Vergeudung von Energie sowie eine zu grosse Ablenkung? 
  • Wie kann er diese beiden Bereiche ohne innere Konflikte leben?
  • Für Janik hat sich auch die Frage aufgedrängt: Ist er denn wirklich ein Profisportler? (Er hatte selbst das Gefühl, nicht seinem Ideal eines Profisportlers zu entsprechen.)

Persönlichkeit im Fokus 

Das Persönlichkeitsmodell von Schulz von Thun beschreibt verschiedene innere Anteile oder „Stimmen“ einer Person als Mitglieder eines Teams, die bei Entscheidungen und im Innenleben miteinander diskutieren, streiten und zusammenarbeiten. Basierend auf diesem Modell hat Janik seine inneren Anteile benannt und wir versuchten gemeinsam herauszufinden, welche sich gut miteinander vertragen und welche in Konflikt geraten, wenn er als «Spitzensportler» oder «Bauer» unterwegs ist. Zum Beispiel erkannte er, dass der fleissige Bauer nicht nachvollziehen kann, dass der Sportler zur Regeneration nach intensiven Trainingseinheiten «nur faul» rumliegt. Diese unproduktive Phase ist für den fleissigen Bauern nicht akzeptabel, für den Sportler aber essentiell.

Daraus konnte Janik zwei unterschiedliche Mindsets entwickeln und nun bewusst wechseln. Als mögliches Visualisierungsmodell haben wir den Ego State Bus genutzt. Die Anteile, die sein Mindset in der entsprechenden Situation prägen, konnte er im Bus vorne hinsetzen. Damit hat etwa der «Entschlossene» in Wettkampfsituationen das Steuer in der Hand und wird vom Ehrgeizigen und dem Kämpfer auf den ersten Sitzen beraten. Anteile wie der Produktive oder der Sensible sitzen ganz hinten im Bus, weil diese keinen Einfluss erhalten sollen.

“Bus Mindset Sport”

Wenn Janik nun seinen «Bus Mindset Sport» mit der Positionierung seiner inneren Anteile anschaut, erkennt er auch den Profisportler. Vielleicht entspricht dies nicht zu 100% seinem Ideal, aber es ist SEIN Profil des Profis. Und damit kann er arbeiten.

TV-Beitrag:

In der wunderbaren Sendung Sportpanorama des SRF wurde ein sechsminütiger TV-Beitrag zu Janik Riebli gezeigt. Zu sehen ist der Film ab Timecode 3:30:

https://www.srf.ch/play/tv/sportpanorama/video/langlaeufer-janik-riebli-erwog-karriere-ende?urn=urn:srf:video:8a16dd3e-2565-4a0b-9ebc-f1daf8c8061f

Mehr zum Thema:

Literaturhinweis: 

Schulz von Thun F. & Stegmann, W. (2004). Das innere Team in Aktion. 9. Auflage. Hamburg: Rowohlt.

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