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Anke Precht: Wie geht das mit dem Tunnel?

Wenn Sportler eine optimale Leistung gebracht haben, erzählen sie hinterher häufig, dass sie im Tunnel waren. Andere sagen, vor ihren Rennen oder im Wettkampf: ich muss heute in den Tunnel finden. Was aber ist mit diesem Tunnel gemeint?

Zum Thema: Flow-Zustände im Sport

Was Sportler als Tunnel erleben, ist ein Flow- Zustand. Sie befinden sich dabei in einem leichten Trancezustand, in dem sie nicht nur von der Umgebung und allen Gedanken abgeschottet sind, sondern sich vollständig verbunden fühlen, mit ihrer Aufgabe, mit sich selbst, und sich überhaupt keine Gedanken mehr darüber machen, ob die Leistung stimmt, ob sie gut genug sind, was sie eventuell verändern müssen, und so weiter. Sie verschmelzen mit dem, was sie tun, und alles scheint wie von alleine zu gehen.

Diese ganz besonderen Zustände werden nicht gemacht. Sie entstehen. Das heißt, sie sind mit dem bewussten Verstand nicht steuerbar. Das macht sie so begehrenswert – und für viele auch so schwer zu erreichen.

Flow-Zustände abrufbar machen

Was kann die Sportpsychologie tun, um Flow-Zustände abrufbar zu machen? 

  • Zuerst einmal muss sie diese Zustände identifizieren. Soll heißen: genau zuhören, wenn Sportler und Sportlerinnen von einer Top-Performance sprechen. Abfragen: Waren die Kriterien für einen solchen Flow in diesem Zustand gegeben? Das sind zum Beispiel: die Zeitverzerrung, also ein Zeitgefühl, das sich von der Zeit auf der Uhr deutlich unterscheidet. Ein besonderes Gefühl für die eigene Energie. Ein Fokus, der nicht mehr zwischen innen und außen unterscheidet, sondern sich in beidem gleichzeitig befindet. Vielleicht eine ganz konkrete Situation, die wie von selbst im Hintergrund abläuft. Vielleicht eine bestimmte und faktische Wahrnehmung.
  • Im zweiten Schritt werden diese Wahrnehmungen im Flow-Zustand inhaltlich spezifiziert und genau definiert, so dass sie eindeutig identifiziert werden können.
  • Im dritten Schritt können Sie mithilfe von Embodiment-Techniken bewusst im Körper installiert werden. Dann braucht es viel Training. 
  • Viertens werden konkrete Träger und Anker gesetzt, um nach und nach den Flow-Zustand bewusst aktivieren zu können.
  • Zum Schluss wird der gesamte Prozess so eingeschmolzen, dass er vor einem Rennen oder einem Wettkampf in Sekunden schneller aktiviert werden kann.

Natürlich ist das ein Prozess, der nach und nach verfeinert wird und in der Regel einige Monate in Anspruch nimmt. Es geht also nicht von heute auf morgen. Zu bedenken geben will ich auch, dass bestehende Flow-Zustände immer noch verbessert und verfeinert werden können, wenn das notwendig ist.

Die Dont´s

So viel zu den Do“s. Es gibt auch ein paar Dont“s. Die haben einerseits mit der Athletin oder dem Athleten zu tun, zweitens mit der Umgebung. Kommen wir zuerst zum Athleten oder der Athleten:

Bewusstes Nachdenken oder Grübeln. Vor einem Wettkampf ist dies der Tod jedes Tunnels. Sobald der Kopf, der rationale Verstand, das lineare Denken übernimmt, kann ein Flow-Zustand nicht mehr existieren. Es gibt in diesem Fall kein sowohl als auch. Viel wichtiger, als vor einem Wettkampf noch einmal konkrete Spielzüge, taktische Überlegungen, konkrete Streckenverläufe, einen technischen Skill in den Fokus zu holen, ist es, ein Ritual zu finden, in dessen Rahmen es gelingt, die Umgebung soweit ausblenden, dass das hineinfinden in den Flow-Zustand und das Aktivieren der vorher definierten Anker- und Trigger-Punkte möglichst einfach gelingt. Ist die Sportpsychologin vor Ort, kann sie genau dabei unterstützen.

Flow-Vorbereitung

Zur Vorbereitung des Flow-Zustandes sollte eine Umgebung gefunden werden, die  dem Sportler oder der Sportlerin maximalen Frieden bietet. Das heißt, keine gut gemeinten Ermutigungen mehr, kein Anfeuern, kein “Du schaffst das“ oder etwas Ähnliches. In Umgebungen, in denen viele Störungen vorhanden sind, gilt es, den Sportler oder die Sportlerin optimal zu isolieren und vor Ablenkungen zu schützen. Wer sich unsicher ist, wie er sich in einer solchen Situation verhalten soll, spreche sich am besten ein paar Tage vorher mit dem Athleten oder der Athletin ab. Denn die wissen es wirklich am besten.

Wichtig: Flow ist ein Modethema. Leider wird im Umfeld des Sports wie wild mit der Begrifflichkeit um sich geworfen. Hier und da ist die Begriffsverwendung sachlich falsch, was vielleicht nicht schlimm ist, bei manchen Sportarten kann ein falsches Verständnis aber sogar gefährlich werden. Vertraut insofern gern auf uns. Auch wenn ihr schon einmal schlechte Erfahrungen am Markt gemacht habt. Aber dazu dann im 1:1 Gespräch mit einem meiner Kollegen oder Kolleginnen aus dem Netzwerk (zur Übersicht) oder mit mir (zum Profil von Anke Precht). 

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Grundlagen, um als Team erfolgreich zu sein

Während der Fußball-Europameisterschaft und später auch bei den Olympischen Spielen wollen wir euch daran teilhaben lassen, wie wir den Sport sehen und erleben. Wir wollen zeigen, wie wir von Die Sportpsychologen ticken. Wir wollen euch inspirieren, wie wir euch unterstützen können. Jeder und jede auf seine Weise. Denn die Wege zum Ziel können krass unterschiedlich sein. So unterschiedlich wie wir im Netzwerk sind und so wie ihr seid. Beispiel gefällig?

Zum Thema: Erfolgsfaktoren für Mannschaften

Kyle Varley, Die Sportpsychologen
Kyle Varley, Die Sportpsychologen

Kürzlich hat Kyle Varley (zum Profil) via LinkedIn Gedanken zur Fußball-Europameisterschaft geteilt. Leitfrage: EM 2024 – Was braucht es als Team um erfolgreich zu sein? Er hat folgende Punkte notiert:

  • Gemeinsame Werte: Das ganze Team muss am gleichen Strick ziehen.
  • Einen Lauf: Hört man sich Interviews von erfolgreichen Teams an, spielen sie sich oft immer mehr und mehr in einen Flow.
  • Starke Leader: Es braucht in den herausforderndsten Momenten starke Leader, die als Vorbilder vorangehen.
  • Einen coolen Trainer: In den hitzigsten, nervösesten Spielen braucht es einen Trainer an der Seitenlinie, der cool bleiben kann.
  • Bodenständige Spieler: Keiner ist grösser als das Team, jeder muss bereit sein, für den Anderen zu gehen.
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

Werte, Leader, Stimmung

Kyle hat dann aufgerufen, seine Punkte zu ergänzen und zu diskutieren. Und das haben wir im Netzwerk getan. Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil), der seit Jahren unter anderem Auswahlteams der Deutschen Handball-Bundes (DHB) und Vereinsmannschaften als Sportmediziner und sportpsychologischer Experte betreut, hat Kyles Punkte ergänzt. Aus seinem eigenen Betrachtungswinkel:

  • Gemeinsame Werte: An einem Strang ziehen? Da bin ich anderer Meinung. Ich habe schon erfolgreiche Mannschaften gesehen mit grundverschiedenen Auffassungen von Werten, in denen auch massive Antipathien herrschten. Entscheidender ist das gemeinsame Ziel, dem dann alles andere untergeordnet wird. Ob ein unterschiedliches Werteverständnis oder die Streitigkeiten und Animositäten, die untereinander herrschen. Und dieses große Ziel gehört in kleine Schritte unterteilt, um den herrschenden Druck zu reduzieren.
  • Starke(r) Leader, bodenständige Spieler und cooler Trainer: Ja, eine Teamstruktur ist besonders wichtig. Auch wenn ich ein Freund der Selbstorganisation und der Mitwirkungsmöglichkeit eines jeden Spielers bin, braucht ein Team eine Führungsstruktur. Dabei gehört der Staff natürlich zum Team und jeder, auch der Zeugwart spielt eine wichtige Rolle. Doch die Trainer und die Führungsspieler nehmen noch einmal eine besondere und exponierte Funktion ein. Es ist gut, wenn diese Führungsstruktur mit Beginn feststeht und akzeptiert wird. Doch auch hier lassen sich Dynamiken und Entwicklungen während eines Turniers nicht ausschließen (Performance der Spieler, Verletzungen), so dass ebenso eine gute Anpassungsfähigkeit von Spielern und Trainern sowie ein gutes Konfliktmanagement dazugehört.
  • Die Stimmung im Team ist aus meiner Erfahrung heraus ein ganz wesentlicher Faktor. Wie gut verstehen sich die Spieler, wer macht Stimmung, wer übernimmt welche Rolle auch außerhalb des Feldes? Auch diese Elemente und Phänomene, Fähigkeiten der Spieler im sozialen Kontakt sind wesentlich bei der Zusammenstellung des Kaders. Das kann dazu führen, dass ein leistungsstärkerer Spieler zu Hause bleiben muss, ein schwächerer Spieler jedoch dabei ist, weil seine sozialen Kompetenzen für das Team so wichtig sind. Wie halte ich die Stimmung hoch, auch wenn es Rückschläge gibt? 
  • Weiterhin ist ein entscheidender Faktor, wie hoch die Resilienz im Team ist. Wie geht das Team mit Rückschlägen und Druck um, wenn es nicht in den Flow kommt. Bestes Beispiel ist “Sascha” Zverev kürzlich bei den French Open. Fast in jedem Match ist es ihm gelungen, aus einer schwachen, für ihn schwierigen Phase zurück ins Match zu kommen und es dann auch zu dominieren. Bis auf das Finale hat es dann immer zum Sieg gereicht. Das Überstehen schwieriger Situation und das erfolgreiche Zurückkehren lässt Selbstwirksamkeit erleben und erzeugt Selbstvertrauen.
  • In den Flow kommen: Dies ist für Einzelsportler sicherlich einfacher als für ein Team. Doch es ist eine Möglichkeit. Neben den internen, auch oben schon genannten Faktoren, spielt der externe Bereich eine große Rolle. Werde ich z.B. von der Stimmung und Begeisterung getragen, kann das ein enormer Flow fördernder Faktor sein.

Dies alles sind Faktoren und die Liste ist bei weitem nicht vollständig, sondern hierzu gehören auch Verletzungspech, der individuelle Leistungsabruf, Regenerationsmanagement und noch vieles mehr. In der Medizin, meinem anderen Steckenpferd, sprechen wir oft von einer multifaktoriellen Genese in der Entstehung von Krankheiten. Für den Erfolg gilt das Gleiche. Er hat viele Faktoren und Mütter. Und ich liebe es, diese mit Trainerstäben, Teams und in unserem Expertenkreis zu entwickeln.

Christian Bader, Die Sportpsychologen
Christian Bader, Die Sportpsychologen

Strukturen, Rollenverteilungen und Resilienz

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Was braucht es, um als Team erfolgreich zu sein? Christian Bader (zum Profil) will auf der Basis der bisher diskutierten Punkte noch etwas hinzufügen. Ihm geht es um Strukturen, Rollenverteilungen und Resilienz. Aspekte, die gefühlt in anderen Anwendungsbereichen der Psychologie, etwas in der Wirtschaft, schon deutlich ernster genommen werden:

„Wesentliche Aspekte im Erfolg bestehen in der Struktur und Organisation im Team sowie in der optimalen Rollenverteilung mit klaren Verantwortlichkeiten. Dies ist aus meiner Sicht eine Ergänzung zu meinen beiden Kollegen. Hilfreich ist es aus meiner Erfahrung, wenn die Organisation des (Turnier-)Alltages klaren Prozessen und Routinen folgt. Die Strukturen helfen, Klarheit zu bekommen und ermöglichen das Fokussieren auf das Wesentliche. 

Die optimale Rollenverteilung geht für mich einher mit klaren Verantwortungen. Jedes Delegationsmitglied hat eine klar definierte Rolle. So werden Doppelspurigkeiten und Konflikte vermieden. Entsprechend müssen die individuellen Stärken und Fähigkeiten berücksichtigt werden. Die Transparenz der Verantwortlichkeiten fördert das Vertrauen und ermöglicht eine effektive Zusammenarbeit.

Nun kommt aber im Sport, gerade in der Wettbewerbssituation, eine besondere Herausforderung hinzu: Die Anpassungsfähigkeit. Denn sich an Veränderungen oder ungeplante Situationen anzupassen, ist entscheidend für ein erfolgreiches Turnier. Die Flexibilität ermöglicht es dem Team, in unerwarteten Umständen zu reagieren.“

Gemeinsam weiterkommen

Wir von Die Sportpsychologen wollen in Zukunft im Sport noch stärker als ExpertInnen-Team auftreten. Wir wollen also in einem System – Club, Team, NLZ usw. – als Gruppe auftreten und gemeinsam auf den unterschiedlichen Ebenen wirken. Seite an Seite. Im Interesse derer, die weiterkommen wollen und die wir auf diesem Weg begleiten können. 

Wenn du mit deinem Team uns an der Seite haben willst, nimm Kontakt auf!

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Dr. Rita Regös: Ohne zu großen Druck in ein Turnier starten

Nicht nur bei einer Fußball-Europameisterschaft ist das erste Turnierspiel wichtig. Mit einer Niederlage stehen Teams in ihrer Vorrunden-Gruppe direkt immens unter Druck, vielleicht schon mit dem Rücken zur Wand. Eine gern genutzte Strategie ist es, von Spiel zu Spiel zu denken. Harold Kreis, der deutsche Eishockey-Nationaltrainer, hat sich so vor der Eishockey WM 2024 in Tschechien medial geäußert. Seine Devise vor dem Turnier lautete: “Einen Schritt nach dem anderen, nicht zu viel nach vorne denken.” Was können wir daraus lernen, wie lässt sich der hier nur in einem halben Satz wiedergegebene Ansatz noch optimieren und inhaltlich weiter auffächern?

Zum Thema: Besser im „Hier und Jetzt“ als Schritt für Schritt denken

Schritt für Schritt ist gut, „Hier und Jetzt“ ist besser: Der Unterschied besteht darin, dass bei einzelnen Schritten jeder weiß, dass nach dem ersten Schritt eine Konsequenz folgt. Und entsprechend daraufhin der nächste Schritt. Schritt für Schritt betont also den Entwicklungsgedanken, samt aller möglichen Konsequenzen, die uns in der Situation beschäftigen. Genau das wollen wir beim allerersten Spiel aber reduzieren. 

Beim “Hier und Jetzt” wird der gesamte Fokus zur Gänze auf die Gegenwart gelenkt, auf die aktuelle Handlung, auf die Vorbereitung, dann auf das Spiel, auf einzelne Entscheidungen. Auch wenn Konsequenzen schwer auszublenden sind oder eben, weil sie schwer auszublenden sind – sie quasi immer mitschwingen – ist die aktive Lenkung der Aufmerksamkeit auf einzelne aktuelle Handlungen, die bessere Strategie, um sich von möglichen Konsequenzen so wenig wie möglich beeinflussen zu lassen. Das gilt für negative, wie positive Konsequenzen, denn zu früh an die Konsequenz gedacht, den Arm vor der Ziellinie siegreich in den Himmel gestreckt, hat manch einem schon den Sieg gekostet. Gerade im Fußball, so sehr im Mittelpunkt, ist die Strategie “Hier und Jetzt” sicherlich eine besondere Herausforderung, aber durchaus machbar: Jeder Spieler für sich, fokussiert sich auf sich und auf seine gegenwärtige Aufgabe. 

Auswirkungen auf die Handlung

Dies gilt im Übrigen auch für unsere Olympioniken in Paris. Nehmen wir eine Weltmeisterin, zu der in der Vorbereitung auf die Spiele jeder sagt: “Du holst Gold.” Würde sie sich tatsächlich damit beschäftigen, dass eine Weltmeisterin konsequenterweise olympisches Gold holt, würde sie extrem unter Druck geraten. Dieser Druck hätte Auswirkungen auf all ihre Handlungen, was auch ihre Vorbereitung empfindlich stören würde. Also, auch in diesem Fall, Fokus auf das “Hier und Jetzt“, wohlgemeinte Zuversicht anderer ausblenden und auf sich im Hier und im Jetzt konzentrieren.

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Neuanalyse des Berufsfeldes Sportpsychologie

Die Sportpsychologie ist längst ein „Traumberuf“ für junge Menschen geworden, die abseits von Trainer- oder Managementpositionen im Sport tätig werden wollen. Zumindest nehmen wir bei „Die Sportpsychologen“ dies so war. Ein Beleg: In den vergangenen Woche haben wir im Netzwerk unglaublich viele Praktika-Anfragen bekommen, die am Markt offenbar gar nicht bedient werden können. Weil es abgesehen von den Fußball-Nachwuchsleistungszentren (NLZ) nur wenige angewandt arbeitende Sportpsychologen und Sportpsychologinnen gibt, die den Luxus einer Festanstellung haben und Praktika-Plätze ausschreiben können. Aber, stimmt das eigentlich so? Eine Studie zum Berufsfeld schafft Aufklärung. Es geht um aktuelle Erkenntnisse zum Berufsfeld Sportpsychologie. Unterstützt diese Datenerhebung bitte…

Zum Thema: Umfrage zum Berufsfeld Sportpsychologie

Die zwei zentralen Fragen der Forschenden der Uni Münster lauten: „1) Wie hat sich die angewandte Sportpsychologie im letzten Jahrzehnt entwickelt und 2) wie ist der aktuelle Status quo der angewandten Sportpsychologie?“ Angesprochen sind in der Sportpsychologie praktisch Tätigen bzw. ausgebildeten Experten und Expertinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Von den Studienmacherinnen Birte Brinkmöller und Stephanie Bünemann heißt es weiter: „Der Fokus unser Studie liegt hierbei auf der Qualifikation und Weiterbildung, der Arbeit in dem Tätigkeitsfeld (z.B. Arbeitszeit, Anstellungsverhältnis, Zufriedenheit), den Kompetenzen von Sportpsycholog:innen, der Qualitätssicherung und der Perspektive des Feldes.“

Link zur Teilnahme

Wir als Netzwerk, welches die Weiterentwicklung der angewandten Sportpsychologie seit 2014 unterstützt und vorantreibt, würden uns wünschen, dass ihr euch sehr, sehr zahlreich an der Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse können helfen, den Berufszweig weiter zu professionalisieren. Schließlich ist die Sportpsychologie nichts anderes als ein Traumberuf.

Link zur Teilnahme:

https://ww2.unipark.de/uc/berufsfeldanalyse

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Yvonne Dathe: Die drei häufigsten Fehler bei sportlichen Zielsetzungen

Zum Sommeranfang sind viele motiviert, mehr Sport zu treiben. Auch Timo hatte sich letztes Jahr das Ziel gesetzt, wieder sportlich aktiver zu sein. Sein Ziel war es, mindestens drei Mal die Woche joggen zu gehen. Er war der Ansicht, er müsse seine Willenskraft stärken, dann werde er das schon schaffen. Anfänglich war Timo hochmotiviert. Er kaufte sich neue Turnschuhe, eine Laufjacke und sogar eine Sportuhr. Nachdem die Ausrüstung gekauft war, startete er mit seinem Laufprogramm. Seine Lauftage waren Montags, Mittwochs und Samstags. Die ersten beiden Wochen schaffte er es, seinen Plan einzuhalten, doch dann kam ein richtig ekliger Regentag und sein innerer Schweinehund meldete sich: „Heute ist es zu nass um zu laufen, bleib lieber zu Hause“. Timo hörte auf seinen Schweinehund und lies das Lauftraining das erste Mal ausfallen. Immer häufiger und lauter meldete sich sein Schweinehund mit allen möglichen Ausreden „zu kalt“, „zu nass“, „zu wenig Zeit“, „du schaffst es eh nicht schneller zu laufen“ usw.. Irgendwann ließ er es ganz bleiben… 

Zum Thema: Zielsetzung für Freizeitsportler  

So wie Timo geht es vielen Menschen im Freizeitsport. Hochmotiviert werden Ziele angepeilt, doch nach ein paar Wochen spricht der innere Schweinehund immer lauter, bis wir wieder in alte Muster zurückfallen – vorbei ist es mit den vielen guten Vorsätzen. 

Doch das muss nicht sein! Ich habe hier die drei Fehlerquellen beschrieben, die mir in meiner Praxis als Psychologin und Mentaltrainerin sehr regelmäßig unterkommen.

Die drei häufigsten Fehler bei der Zielsetzung 

Fehler 1: Du hörst nicht auf deinen inneren Schweinehund

Das klingt jetzt vielleicht Paradox, doch bereits bei der Zielsetzung meldet sich häufig der innere Schweinehund mit Bedenken zu Wort. Der innere Schweinehund ist unsere Stimme aus dem Unterbewussten. In ihr spiegeln sich all unsere Erfahrungen wider. Aussagen wie „du musst dich einfach überwinden“ sind Anzeichen dafür, dass wir unsere innere Stimme ignoriert haben. Zurück zum Beispiel: In der Vergangenheit hat Timo vielleicht die Erfahrung gemacht, dass Laufen anstrengend und langweilig ist. Der innere Schweinehund hatte ihm das schon mit einem unguten Bauchgefühl signalisiert, als er sich sein Ziel gesetzt hatte. Im Prinzip ist der innere Schweinehund unser bester Freund. Er gibt über unser „Bauchgefühl“ Rückmeldung, was uns gut tut und was nicht. 

Übergehen wir dieses Gefühl, ist es fast sicher, dass spätestens nach ein paar Wochen der Vorsatz gescheitert ist. Wenn sich auch bei dir dein innerer Schweinehund meldet, dann hör genau hin und frage dich, warum meldet er sich jetzt?

Wäre der innere Schweinehund ein tatsächlicher Hund, dann wäre uns klar, dass wir den Hund besser mit etwas locken, was ihm gefällt, anstatt ihn an der Leine hinter uns herzuziehen. Auf unsere Zielsetzung übertragen bedeutet dies, dass wir das Ziel soweit anpassen sollten, dass auch unsere inneren Stimmen schweigen und bestenfalls unser innerer Schweinehund uns in die Wade beißt, wenn wir mal nicht unser Vorhaben umsetzen. 

Fehler 2: Du machst dein Ziel von anderen abhängig

Ein weiterer häufiger Fehler, den viele machen, ist, sich in die Abhängigkeit von anderen zu begeben. So könntest du versuchen, dein Ziel an andere Menschen zu koppeln, z. B. Ich gehe drei Mal die Woche mit Petra zum Laufen. Doch was ist, wenn Petra mal nicht möchte, oder nicht kann? – Gehe ich dann auch nicht laufen? Vielleicht möchtest du auch eine bestimmte Platzierung in einem Wettbewerb haben? Dann bist du auch nicht unabhängig von anderen. Denn schlussendlich kannst nur du deine eigene Leistung beeinflussen, aber nicht die Leistung der anderen. Somit könntest du dein bestes Ergebnis überhaupt haben und dennoch bist du unzufrieden, weil jemand anderes noch besser war. Das ist ziemlich frustrierend und demotivierend. Versuche also dein Ziel, unabhängig von anderen Menschen zu setzen. 

Fehler 3: Du machst dir keinen Plan für deine Hindernisse

Viele meinen, wenn sie sich ein Ziel gesetzt haben und davon überzeugt sind, dass sie diese erreichen können, dann wird ihr Wunsch, der sich mit dem Ziel verbindet, auch in Erfüllung gehen. Grundsätzlich ist daran auch nichts falsch, doch solltest du dir auch Gedanken darüber machen, welche Hindernisse dir begegnen könnten und wie du darauf dann reagierst. Gabriele Oettinger hat untersucht, unter welchen Umständen Ziele am wahrscheinlichsten erreicht werden. Sie hat festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit dann am größten ist, wenn wir uns auch mit den Hindernissen beschäftigen und uns für diese einen Plan machen. Sie hat die sogenannte WOOP-Methode entwickelte. WOOP steht dabei für:

  • Wish – Was möchtest du erreichen?
  • Outcome – Was ist das bestmögliche Ergebnis?
  • Obstacle – Welche Hindernisse können auftreten?
  • Plan – Wie lautet dein Wenn… – Dann… – Plan, wenn das Hindernis auftritt?

Überlege dir also, welche Hindernisse auftreten können, wenn du dein Ziel verfolgst und wie du damit umgehen möchtest, wenn diese auftreten.

So kannst du bei der Formulierung deines Zieles vorgehen:

  1. Überlege dir, was deine Absicht ist?
  2. Welche innere Haltung oder welche Eigenschaften brauchst du, um deine Absicht Wirklichkeit werden zu lassen?
  3. Welches Tier, welches Wesen (es kann auch eine Fantasiefigur sein) oder welche Person hat diese Eigenschaften? 
  4. Suche dir ein mit deinem Tier, Wesen oder der Person verbundenes Bild. Bilder sind die Verbindung zwischen unserem Bauchgefühl und unserem Kopf. Der Kopf weiß, was für uns gut wäre, doch wenn das Bauchgefühl nicht mitzieht, wird es bei dem Wissen bleiben. Erst wenn auch der innere Schweinehund, also das Bauchgefühl stimmt, kommt es zu einer langanhaltenden Handlung. Daher suche dir ein Bild, das du mit deiner Absicht in Verbindung bringst. 
  5. Formuliere dein Ziel (in Anlehnung an das ZRM):
    – Gegenwart: Du kannst nur in der Gegenwart handeln, also formuliere auch dein Ziel in der Gegenwart.
    – Eigene Kontrolle: Überprüfe, ob du das Ziel unabhängig von anderen Menschen erreichen kannst
    – Eindeutig Positiv: Formuliere dein Ziel so, dass eindeutig positive Bilder und Emotionen in dir auftauchen. Sollte sich dein innerer Schweinehund mit Bedenken melden, dann darfst du dein Ziel nochmals umformulieren.
    – Verknüpfe dein Ziel mit deinem Bild

Wie ging es mit Timo weiter?

Timo hat sich an meine Vorschläge gehalten und ein neues Ziel formuliert. Dieses lautet: „Ich bewege mich voller Freude im Freien wie der Hund Balu!“. Einen Labrador Hund, dessen Bild er im Internet entdeckt hat, hat Timo einfach so Balu getauft. Für Timo ist der Hund das symbolische Bild für die Freude an der Bewegung geworden. Ein Bild des Hundes hat er sich an seinem Schreibtisch platziert. Außerdem hat er eines seiner wichtigsten Passwörter mit Balu verknüpft. So wird er jedes Mal, wenn er das Passwort eingibt, an sein Ziel erinnert. Dazu kommt, dass er in seinem Ziel nicht mehr „nur“ das Joggen hat. Sondern „er bewegt sich im Freien“, damit hat er wesentlich mehr Optionen. Er könnte anstatt zu laufen auch Radfahren oder Inlineskaten oder andere Aktivitäten im Freien ausüben. 

Timo hat sich außerdem meinen Rat mit den Hindernissen zu Herzen genommen und sich Wenn-Dann-Pläne erstellt, für den Fall, dass eines dieser Hindernisse auftauchen wird. Eines seiner häufigsten Hindernisse in der Vergangenheit war, dass sich sein Schweinehund mit dem Einwand bei ihm gemeldet hat, dass das Wetter zu schlecht sei. In Zukunft wird er seinen Schweinehund beruhigen, indem er ihm sagt „lieber Schweinehund, danke, dass du dich meldest und mich vor dem schlechten Wetter warnst, ich habe vorgesorgt und ziehe meine warme Regenjacke und meine wasserdichten Schuhe an, somit bleibe ich warm und trocken und werde die Bewegung im Freien genießen können!“ – Ob das schon ausreicht, wird sich in der Zukunft zeigen.

Fazit

Wenn du dir etwas vornimmst, dann achte darauf, dass du keine innerlichen Konflikte hast, dass du das Ziel aus eigener Kraft umsetzen kannst und beschäftige dich mit den Hindernissen, die ziemlich sicher auftauchen werden. 

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Anke Precht: Coaching am Streckenrand – Do‘s and Dont‘s

Manchmal lohnt es sich, mehrere Sprachen zu sprechen. Dann versteht man nämlich fast alles, was vom Streckenrand aus den Fahrerinnen und Fahrern zugerufen wird. Kürzlich so geschehen beim UCI Mountainbike Cross Country Rennen in Nové Mesto, Tschechien. An einer Kurve in einem harten Aufstieg konnte ich die Coaches verschiedener Teams und Nationalmannschaften bei der Arbeit belauschen..

Zum Thema: Kommunikationstipps für Trainer*innen im Wettkampf

Teilweise beeindruckend, teilweise amüsant, teilweise erschreckend. Hier ein kleiner schon übersetzter und kommentierter Ausschnitt aus der Sammlung:

  • „Los, fahr vor, lass dich nicht hängen!“ Dem Fahrer hängt die Zunge aus dem Mund, er ist ersichtlich am Ende seiner Kapazitäten.“Los!“ hat sicher nicht geschadet. „Lass dich nicht hängen!“ wirkt in so einem Fall eher kontraproduktiv. Erstens, weil der Aufruf sagt, was nicht passieren soll, da gleichzeitig das Hängenlassen aber im Kopf bleibt. Die Verneinung wird in einer Stresssituation vom Unbewussten nicht zurückbehalten. Zweitens, weil die Formulierung wie ein Vorwurf verstanden werden kann: du lässt dich hängen! Wenn der Fahrer den Eindruck hat, der Coach sei enttäuscht, und er habe müde Beine und noch viele Kilometer vor sich, lässt die Kraft nach. Diese Coaching-Intervention hat nicht positiv gewirkt, der Fahrer wurde ein paar Meter weiter erneut überholt.
  • „Super, Fritz (Name geändert), super“ Das konnte ich oft hören. Fährt ein Fahrer gerade wirklich super, ist dieses Ansporn top. Es bestärkt, ist einfach und geht direkt ins Ohr. Mehr braucht es in einem solchen Fall nicht. Fährt ein Fahrer aber gerade nicht super und weiß das auch, dann ist diese Ermutigung Gift. Besser nichts sagen, wenn einem nichts Besseres einfällt!
  • „54! Du hast 18 Sekunden auf 53.“ Ganz schlecht. Der Fahrer ist mit einer weitaus besseren Startnummer unterwegs, hat also gerade eine für seine Verhältnisse schlechte Platzierung. 18 Sekunden sind in Runde vier eines Cross Country Rennens lang. Schwer vorstellbar, dass diese Intervention Flügel verleiht.
  • „Xaver (Name geändert) vor dir hat einen Platten!“ Top Information. Der Fahrer selbst kann den Kollegen mit dem Platten vor sich noch nicht sehen, weiß jetzt aber, dass er ihn gut einholen und überholen kann. Das spornt an. Super gemacht!
  • „Genau so weiter! Sehr gut! Einfach dranbleiben! Du hast Zeit.“ In einem solchen Fall top. Der Fahrer fühlt sich bestärkt, er hat eine taktische Anweisung, die leicht verständlich ist. Außerdem suggeriert diese Intervention, dass der Trainer ihm zutraut, später zu überholen.

Liebe Trainer: Bitte lasst euch in Sachen Wettkampfbetreuung beraten. Die Sportpsychologen (zur Übersicht) wissen, was am besten ankommt und wie ihr in einem Rennen das Beste aus den Sportler*innen herausholen könnt. Nehmt dazu gern zu meinen Kolleg*innen oder mir Kontakt (zur Profilseite) auf.

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Frage und Antwort: Angst vor der nächsten Zerrung

Mit Die Sportpsychologen erreichen wir nicht nur den Profi-Sport oder ambitionierte Athleten und Athletinnen aus diversen Sportarten, sondern auch ganz klassische FreizeitsportlerInnen. Mehr noch: Wenn Fragen an uns herangetragen werden, egal aus welchem Bereich sie stammen, dann lassen sich diese meist auch disziplinübergreifend beantworten. Soll heißen: Viele sportpsychologische Fragestellungen ergeben sich aus einem komplexen Themenmix, die Antworten haben dann meist unterschiedliche Facetten. Da ist es nur gut, dass unsere ExpertInnen keine FachidiotInnen sind, sondern selbst mehrere inhaltliche Disziplinen bedienen und selbst aus dem Sport kommen. Kürzlich erreichte uns eine Frage aus dem Amateur-Basketball.

Zum Thema: Umgang mit Verletzungen

Die konkrete Anfrage lautete: In meinem zweiten Basketball-Training habe ich mir eine Zerrung an der rechten Bauch/Hüftseite zugezogen und habe Angst, dass es immer wieder passiert. Basketball macht mir echt Spaß. Letzter Ballsport ist 12 Jahre her und seitdem besuche ich das Fitnessstudio seit 6 Jahren. Basketball ist also ein schöner und willkommener Ausgleich. Ist nur blöd, wenn ich mir immer wieder vielleicht ne Zerrung hole?

Die Frage: Wie kann ich zukünftig Zerrungen vorbeugen, damit ich weiterspielen kann und nicht auf Basketball verzichten muss?

Anke Precht

Antwort von: Anke Precht (zur Profilseite)

Liebe Ariane (Name von der Redaktion geändert), 

erst einmal ist das eine Frage, die ein guter Physio beantworten sollte. Denn es ist ja ein Unterschied, ob du im Gym trainierst oder in der Halle beim Basketball. Andere Belastung, neue Bewegungsabläufe. Die Frage ist: Braucht es eine bestimmte Vorbereitung, um die neuen Bewegungen im Basketball unfallfrei ausführen zu können? Und dann entsprechend trainieren, vielleicht sogar im Gym mit neuen Übungen.

Aus sportpsychologischer Sicht könntest du dir die Frage stellen, wie du es grundsätzlich merkst, wenn du die Grenzen deiner aktuellen Belastbarkeit erreicht hast? Verletzungen wie Zerrungen entstehen ja häufig dann, wenn man die ersten Signale für “es reicht” nicht bemerkt hat. Gerade in einem Team-Kontext passiert das leicht. Man möchte mit den anderen mithalten, man möchte dem Team helfen, da ist vielleicht ein Muskel schon leer, und man gibt  trotzdem nochmal Gas. 

Hilfreich dabei kann ein Achtsamkeitstraining sein, in dem du lernst, die Signale deines Körpers und deiner Seele zeitnah und präzise wahrzunehmen. Damit entwickelst du ein gutes Gespür für deinen Körper und kannst rechtzeitig merken, wenn es reicht. Das ist die beste Verletzungsprophylaxe. 

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

Da antworte ich dir zuerst einmal als Sportmediziner. Wie Anke schon gesagt hat, ist erst einmal wahrscheinlich, dass eine neue Bewegung auf eine hierfür nicht adäquat vorbereitete Muskulatur, besser Nerv-Muskel-System, getroffen ist, die koordinativ nicht entsprechend reagiert hat und damit zu einer strukturellen Schädigung geführt hat. Hier gilt es erst einmal, die Verletzung konsequent auszuheilen und dann sich mit Vorübungen auf die im Basketball geforderten Bewegungen vorzubereiten.

Auch mental bedarf es gerade im unteren Leistungslevel einer Vorbereitung, damit nicht aus der “kalten Hose” eine Leistung abgerufen werden soll, auf die wir körperlich wie mental nicht vorbereitet sind. Wie Anke sagte, spielt hier natürlich auch der Konkurrenzkampf eine große Rolle, so dass Warnsignale nicht wahrgenommen oder übergangen werden, somit eine Überforderung erfolgt. Die strukturelle Schädigung/Verletzung ist dann vielleicht der letzte Schutzmechanismus und noch größere Schäden zu verhindern.

Gerade in den unteren Leistungssegmenten ist die Häufigkeit von Verletzungen aufgrund mangelnder Vorbereitung sehr häufig.

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Jasper Thöle: Du musst dir im Dartsport jederzeit dein bestes Spiel zutrauen

Bei der asp-Jahrestagung 2024 in Berlin war der Vortrag von Jasper Thöle ein Ausflug in eine besonders interessante Nische des Sports, dem Darts. „Let it Go – Ein Einblick in die psychologischen Wirkungszusammenhänge des Dart-Wettkampfes“ hieß der Beitrag des BSP-Absolventen. Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologie, traf Jasper Thöle am Rande der Tagung zu einem Interview.

Zum Thema: Sportpsychologie im Dartsport

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Schnellintervention, Kurzzeittherapie, Krisenintervention im Sport? 

Das Thema sportpsychologische „Schnellinterventionen“ hat für unser Feld eine gewisse Brisanz, denn neben den vielen anderen wichtigen Interventionen im Leistungssport (so z.B. physisches Training und Trainingsplanung sowie Bewegungslernen und -stabilisierung) haben Athletinnen und Athleten im Wettkampf-Vorbereitungsprozess nur wenig Zeit. Aber auch im unmittelbaren Wettkampfgeschehen könnten Schnellinterventionen ggf. durchaus positive Effekte zeigen. Erste Gedanken dazu für das Gebiet der Sportpsychologie findet man zusammenfassend im Lehrbuch Sportpsychologie von Stoll, Pfeffer & Alfermann (2010). Um so interessanter ist der Fakt, dass es hierzu offensichtlich keine Wirksamkeitsstudien zu dieser sportpsychologischen Maßnahme vorliegen.       

Zum Thema: Schnellinterventionen – Was ist das oder was kann es sein? 

In der Psychotherapie spricht man bei Kurzeittherapien von Interventionen mit bis maximal 24 Sitzungen. Dies wäre mit Einschränkungen bei weitem nicht das, was ich als Sportpsychologe unter einer Schnellintervention verstehen würde. Im Großen und Ganzen habe ich selten Interventionen, die über 24 Einzelsitzungen gehen. Hier hilft uns wahrscheinlich eher ein Blick in die Notfallversorgung oder -seelsorge weiter. Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) ist ein System psychosozialer Maßnahmen der kurz-, mittel- und langfristigen Unterstützung, Beratung und Therapie im Zusammenhang mit Notfallereignissen (z. B. Naturkatastrophen, Unfällen, Terrorakten, häuslichem Todesfall, plötzlichem Kindstod) und belastenden Einsatzsituationen (z.B. Einsätze mit vielen Toten und Verletzten, mit Kindern, bei eigener Lebensgefahr). Hier kommen geschulte Personen zum Einsatz um akute psychische Belastungen und Bedrohungen abzuwenden. Hier sehen die Einsatzkräfte die Klient*inne in der Regel nur maximal einmal, nämlich im Akutfall.  Diese Versorgung ist dann allerdings auch in einer längerfristiges Therapiekonzept eingebunden (Beerlage, 2021).    

Die lösungsorientierte Kurztherapie, auch lösungsfokussierte Kurzzeittherapie, ist eine spezielle Art der Gesprächstherapie, die von den Psychotherapeuten Steve de Shazer und Insoo Kim Berg 1982 erstmals vorgestellt wurde. Sie geht von dem Standpunkt aus, dass es hilfreicher ist, sich auf Wünsche, Ziele, Ressourcen, Ausnahmen vom Problem zu konzentrieren anstatt auf Probleme und deren Entstehung. Wie also unschwer zu erkennen ist, kommt dieser Ansatz aus der Psychotherapie. Es gibt auch noch andere sogenannte Schnellinterventionen, die wir vor allen Dingen aus den Bereichen der Krisen- und Notfallinterventionen kennen. Eine besondere Form der sogenannten Schnellinterventionen ist mit Einschränkungen die lösungsorientierte Kurzzeitherapie.  

Was ist die lösungsorientierte Kurzzeitherapie?    

Die lösungsorientierte Kurztherapie (und das ist die Form, die ich am leichtesten in den Sportbereich überführen könnte) verbreitet sich in den letzten Jahren auch in anderen Bereichen wie allgemein dem persönlichen Coaching, der Pädagogik, dem Management sowie der Seelsorge. Insbesondere verbreitet er sich in der Schweiz und in Teilen Deutschlands auch in der Sozialen Arbeit und in der Sozialpädagogik, sowie sogar auch in der Psychiatrie. Über die Wirksamkeit des lösungsfokussierten Kurzzeitkonzepts liegen mittlerweile mehrere Meta-Studien vor. Nach Kim (2008) sowie Wallace et al. (2013) konnte diese Form der Intervention bislang nur für internalisierende Störungen bestätigt werden, wobei es sich allerdings um kleine Effekte handle (die nahezu dem Effekt des Zufalls entsprechen).  

Dabei wird davon ausgegangen, dass Klienten die „Experten“ sind, weil sie, wenn sie mit einem Problem in die Beratung kommen, immer auch schon eine Idee von ihrer Lösung mitbringen. Die individuellen Ideen sollen respektiert und mit den Klienten kooperativ weiterverfolgt werden, um ihnen die Nutzung ihrer Lösungsideen zu erleichtern und zu ermöglichen. Was also behauptet eine Lösungsfokussierung: 1.) positive Veränderungen von komplexen Situationen geschehen in kleinen Schritten, 2.) wenig Information genügt für die Wahl der nächsten Schritte; 3.) „Was macht jetzt schon den Unterschied zwischen besser/schlechter aus?“ entscheidet und nicht „wie ist es – wie kam es dazu?“; 4.) das konkrete Handeln in kleinen Schritten verdrängt das „theoretisch umfassend Verstehen wollen“; und hinzu kommt eine Unterstellung: „Alle Beteiligten sind interessiert an positiven Veränderungen“. Dabei verfolgt die Lösungsorientierung drei Grundprinzipien: Nämlich: „Repariere nicht, was nicht kaputt ist!“ sowie „“Finde heraus, was gut funktioniert und passt – und tu mehr davon!“ und „“Wenn etwas trotz vieler Anstrengungen nicht gut genug funktioniert und passt – dann höre damit auf und versuche etwas anderes!“ 

Gelingt uns hier der Transfer in den Sportbereich? 

Jetzt möchte ich eine sportpsychologische Schnellintervention nicht gleich mit einer „Notfallversorgung“ in einen direkten Zusammenhang bringen. Das sind schlichtweg zu verschiedene Settings, auch wenn die subjektive Wichtigkeit des Moments, in der ein Klient gereade steckt (z.B. ein Olympisches Finale) vielleicht im Ansatz vergleichbar ist. Aber schauen wir uns doch mal die oben genannten Überlegungen genauer an: Kleine Schritte, wenig Informationen, der Verzicht auf Bewertung einer Situation, konkretes Handeln sowie die Unterstellung: „alle sind an positiven Veränderungen interessiert“. Das erinnert mich doch sehr an das, was ich von den sogenannten „Halbzeitansprachen“, eventuell kurzen Gesprächen in der „Mixed Zone“ oder in einer kurzen Vorbereitung auf den nächsten Wettkampftag erwarten würde (und was ich auch so praktiziere, wenn ich mit Athlet*innen unterwegs bin).

Genau das ist es auch, was wir Mitte Mai 2024 zum Floorball Deutschland Final4 mit insgesamt 15 unserer Teilnehmer*innen des ersten asp-Nachwuchstagung (Praxis) umsetzen wollten, was uns allerdings auch nur zum Teil gelungen ist. Konkret fand am Wochenende eine Kurzzeitintervention statt. Zuvor, also in den Wochen vor dem Event, hatten einige Teams bereits Fragen zur Sportpsychologie eingereicht, die unsere Teilnehmenden beantwortet haben. Und während der Veranstaltung war von vielen Leuten in der Floorballszene das Interesse groß. Möglicherweise wird es eine Wiederholung des Formats geben – ob mit Kurzzeitinterventionen oder ohne. Dieser spezielle Bedarf entsteht eben aus der Situation. Ob nun am Frühstückstisch nach einer schlechten Nacht vor dem Wettkampf, zwischen zwei Wettkämpfen oder direkt nach dem Saisonhöhepunkt.

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Literatur: 

Beerlage, I. (2021). Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.). Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. https://doi.org/10.17623/BZGA:Q4-i140-1.0

Kim, J.S. (2008). Examining the Effectiveness of Solution-Focused Brief Therapy: A Meta-Analysis. Research on Social Work Practice, 18, 107-116 

Wallace J. Gingerich, Lance T. Peterson (2013). Effectiveness of Solution-Focused Brief Therapy. A Systematic Qualitative Review of Controlled Outcome Studies. Research on Social Work Practice, 23, 266-283. 

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Arthur Wachter: DEB-Team mit Fingerzeig in Sachen Sportpsychologie

Eishockey WM 2024 – Ein Jahr nach der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft 2023 in Finnland/Lettland sowie gut zwei Jahre nach dem Sensations-Silber bei den Olympischen Spielen sind die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft sehr hoch. Wird es ihnen in den finalen Tagen der WM in Tschechien gelingen, erneut unter die besten Vier zu kommen oder sogar ins Finale vorzustoßen? Und was können andere Eishockey-Spieler von der deutschen Nationalmannschaft lernen? 

Zum Thema: Sportpsychologie im Eishockey

Schon vor der WM machte Bundestrainer Harold Kreis klar, welche Bedeutung mentale Aspekte im Eishockey haben. „Wir fangen wieder bei Null an!“, sagte Kreis mit Bezug auf den WM-Erfolg im Vorjahr und in Bezug auf die stark veränderte Kaderzusammenstellung. Woran der Coach aber festhalten will, ist die grundlegende Überzeugung im Team bezogen auf die eigene Leistungsstärke. In einem Interview in ZDF Sportstudio vor dem Turnier betonte Kreis: Die Mannschaft bestehe aus “einer Gruppe von Spielern, die sagen: Wenn wir unser Spiel spielen, dann haben wir immer eine Chance zu gewinnen. Und das ist ein aggressives Forechecking, das ist Scheibenbesitz, das ist nach vorne und nicht defensiv. Es macht unheimlich viel Spaß für uns als Trainer, aber auch für die Spieler.“

An dieser Überzeugung haben auch die beiden Niederlagen im zweiten und dritten Gruppenspiel in Ostrava gegen Schweden und die USA nichts geändert. Nach dem Auftaktsieg gegen die Slowakei und vier Erfolgen gegen Lettland, Kasachstan, Polen und Frankreich hat sich das deutsche Team nun für das Viertelfinale qualifiziert. Im Kampf um das erwünschte Halbfinalticket geht es nun am Donnerstag um 16.20 Uhr gegen die Schweiz. Ausgang absolut offen. 

Sportpsychologie im DEB-Betreuerstab

Als Beobachter und Sportmentalcoach, der in den vergangenen Jahren mit vielen Clubs, Verbänden, Teams und Einzelspielern zu tun hatte, begeistert mich – unabhängig vom Ergebnis des aktuellen WM-Viertelfinales – das grundsätzliche Auftreten des Teams. Es ist herausragend zu sehen, wie Kreis es auch bei diesem Turnier hinbekommt, eine Mannschaft aus den Einzelspielern zu formen. Eine Mannschaft, die mentale Stärke zeigt. Eine mentale Stärke, die darin liegt, dass jeder für jeden kämpft, niemand sich zu schade für einen „dreckigen“ Job ist, Fehler nicht groß diskutiert werden, stattdessen von den Mitspielern ausgebügelt werden und daraus gelernt wird. Er führt eine Mannschaft, deren Stärke es ist, sich ihrer eigenen Stärken bewusst zu sein.

Im neuen Trainer- und Betreuerstab ist mit Tom Kossak erneut auch ein Sportpsychologe aktiv. Diese Personalie zeigt, dass Coach Kreis kontinuierlich auf Mentaltraining setzt. Und dies darf im deutschen Eishockey gern als Fingerzeig verstanden werden. 

Individuelle Kurs-Angebote

Zusammen mit meinen Kollegen und Kolleginnen von Die Sportpsychologen arbeite ich im Eishockey. In den Sommermonaten biete ich individuelle Präsenz- und Online-Trainings für Goalies, Spieler, Trainer und Schiedsrichter an, bei denen es um folgende Themen gehen wird:

Goalies

– Fokussierung
– Beobachtungsfähigkeit
– Entscheidungsschnelligkeit
– Selbstvertrauen
– Konzentration
– Ereignisse ausblenden die einen negativ beeinflussen könnten

Spieler

– eigene Ziele für kommende Saison definieren – Aufmerksamkeitstraining
– Wettkampfroutinen üben
– Entspannungs- und Regenerationtools

Coaches

– Achtsamkeit
– Selbstregulation
– Kommunikationstraining
– Ausgleich zwischen positiver Erregung und fokussierter Ruhe

Schiedsrichter

– Stressresistenz üben
– Körpersprache
– Fokus – 100% im Spiel präsent sein – Mit Fehlentscheidungen umzugehen – Routinen zu kreieren

Mein Angebot an dich, dein Team, deinen Verein oder deinen Verband

Auf Anfrage bekommt ihr von mir weiterführendes Informationsmaterial. Tipp: Wenn ihr als Verein, Team oder in kleinen Gruppen anfragt, kann ich mit euch gemeinsam gern ein individuelles Angebot erarbeiten:

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