Start Blog Seite 63

Jürgen Walter: „Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus“

So formulierte es ARD-Kommentatorenlegende Gerd Rubenbauer während der Weltmeisterschaft 1998, als der vierte Offizielle die einminütige Nachspielzeit anzeigte. Ziemlich konsterniert. Dabei zeigt der Offizielle an der Linie nur die einminütige Nachspielzeit an. Bei der laufenden EM wechselte der italienische Trainer Roberto Mancini im Gruppenspiel gegen Wales kurz vor Schluss der Partie tatsächlich auch seinen Torhüter aus und schöpfte damit sein Wechselkontingent konsequent aus. Damit kamen bereits alle Spieler seines Teams bis auf einem in diesem Turnier zum Einsatz. Es ist davonauszugehen, dass der 3. Torhüter des Teams ebenfalls noch auflaufen wird.

Zum Thema: Teamzusammenhalt stärken

Ist das nun respektlos, kurz vor Ende einer Partie ohne Not den Torhüter auszuwechseln, wie am Wochenende der TV-Kommentator bemerkt hat? Oder welche Absichten könnten sonst dahinter stecken?

Grundsächlich gilt: Ein Team besteht aus allen Akteuren. Auch Reservisten sind für den Teamerfolg wichtig. Es besteht jedoch die Gefahr, dass Spieler, die nicht zum Einsatz kommen, sich nicht als vollwertiges Teammitglied verstehen. Es ist jedoch davonauszugehen, dass grundsätzlich jeder Spieler, der im Kader einer Nationalmannschaft steht, die spielerische Fähigkeit hat, auch auf dem Feld einen Beitrag zum Erfolg zu leisten. Es zeigt das Vertrauen des Trainers in die Mannschaft und stärkt das Gemeinsamkeitsgefühl, wenn auch Spieler, die nicht zur ersten Wahl gehören, eingesetzt werden. Außerdem könnten Leistungsträger geschont werden. Aus sportpsychologischer Sicht ist daher am Verhalten von Roberto Mancini nichts auszusetzen, es ist absolut legal und legitim.

Psychologische Nadelstiche

Dennoch darf jeder Fall, wenn ein Torwart ohne Not ausgewechselt wird, einzeln betrachtet werden. So war es schon eine gehörige Provokation, als Felix Magath, Trainer vom VfL Wolfsburg, im Spiel gegen Bayern München im April 2009 beim Stand von 5:1 ebenfalls in der 89. Minute Andre Lenz für Diego Benaglio einwechselte. Die Bayern, schäumten vor Wut. Die Frage bleibt im Raum: Wofür wollte sich Magath bei den Bayern rächen? Es gibt in der Regel immer eine Vorgeschichte.

Für eine gegnerische Mannschaft sollte es jedoch grundsätzlich heißen: „Was kümmert es uns, wenn in China ein Sacke Reis umfällt, was kümmert es uns, wenn im Zoo der Affe sich am Ohr kratzt, was kümmerst es uns, wenn Gegner Spieler auswechselt – egal wen, wie viele und zu welcher Zeit!“. Die Wahrheit is auf´m Platz! (Adi Preißler)

Mehr zum Thema:

Literaturverzeichnis:

Linz, L. (2018). Erfolgreiches Teamcoaching. Meyer & Meyer (Aachen). 5. Auflage

Walter, J. (2021). Benutzungshinweise zum Einsatz des Performance – Puzzles zur Einschätzung der Teamzusammenarbeit und der Rollenverteilung (www.walter-sportpsychologie.de) 

Views: 1244

Dr. René Paasch: Tipps für Cheftrainer beim neuen Club

In ganz Europa gibt es aktuell Trainerwechsel am laufenden Band, vor allem von ganz großen Namen. Allein das Beispiel einiger Topteams der Bundesliga zeigt, wie viel Bewegung derzeit auf dem Trainermarkt herrscht. Lediglich vier Mannschaften in der gesamten Liga starten in die kommende Saison mit demselben Trainer, der die Mannschaft bereits zu Beginn der vergangenen Serie betreute. Verrücktes Trainerkarussel. Als Trainer kannst du somit jede Menge falsch oder richtig machen. Besonders in den ersten Wochen auf dem Trainerposten ist dies der Fall. Damit Sie diese kritische Phase nachhaltig meistern, stelle ich Ihnen Anregungen für den Start als Cheftrainer vor. Sie helfen Ihnen dabei, typische Fehler zu vermeiden und sicherzustellen, dass sowohl Ihre Spieler als auch Ihr Funktionsteam mit Ihnen zufrieden sind. Beide Beispiele haben eine konkrete Fallgeschichte aus meinen Erfahrungen im Fußball als Hintergrund. 

Zum Thema: Wie Erwartungen und Schlüsselbeziehungen Ihren Neustart verbessern können 

Ein erfahrener Cheftrainer arbeitet bereits seit einigen Jahren als U19-Trainer für einen großen deutschen Verein. Jetzt übernimmt er die Profi-Mannschaft. Seine Vorgabe: Er soll vorherige Leistungen in der Fußball-Bundesliga bestätigen und Nachwuchsspieler an den Profifußball heranführen. Für ihn ist das ein toller Karriereschritt und Wertschätzung seiner bisherigen Arbeit. Doch schon nach einigen Monaten im neuen Job muss er folgendes feststellen: Die Spieler sind zwar freundlich zurückhaltend, doch ihm gegenüber verhalten sie sich passiv und rebellisch. Hinter verschlossenen Türen fallen folgende Aussagen: „Zu taktisch und die Spielphilosophie passt nicht zu uns“. Er steckt fest, er kann kaum Veränderungen durchsetzen. 

Wie kam es zu dieser Situation?  Er hat eine wichtige Herangehensweise für einen erfolgreichen Saisonstart nicht beachtet. Sie lautet: Eigene und fremde Erwartungen abgleichen und berücksichtigen. Das klingt einfach und logisch, aber viele setzen es trotzdem nicht um. Häufig kommen Trainer mit der Haltung in den neuen Verein/Mannschaft, dass sie schon wissen, wie es laufen soll. Schließlich möchten sie erfolgreich sein. Doch das führt schnell in eine Sackgasse, wie auch der Trainer feststellen musste. Daher ist es entscheidend, dass Sie bei Übernahme einer neuen Mannschaft genau herausfinden, wer welche Erwartungen an Sie stellt. Und das am besten vor Antritt der neuen Stelle. Vor allem die kulturellen und vielfältigen unterschiedlichen Erwartungen der Spieler werden regelmäßig unterschätzt.  Da vieles unausgesprochen bleibt, müssen Sie nachfassen: 

  • Was will der Vereinsmanager, das Funktionsteam und die Spieler von Ihnen?
  • Warum wollen Sie das und wie genau stellen Sie sich das vor? 

Die unterschiedlichen Erwartungen allesamt unter einen Hut zu bringen, ist häufig eine immense Herausforderung. Unterschätzen Sie das bitte nicht! Die Schlüsselfragen lauten daher: 

  • Welche Erwartungen können wir zu einer gemeinsamen Aufgabe machen?
  • Welche Widerstände werden auftreten und wie sollte man mit diesen umgehen?

Mit diesem Vorgehen können Sie einen gelungenen Start ermöglichen. 

Schlüsselbeziehungen 

Der junge Fußballlehrer ist ein typischer High Potential: Nach seinem hervorragenden Abschluss hat er die Möglichkeit bekommen, als sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten. Das war eine große Verantwortung. Mit lauter Trainern, Spielern und Eltern, die ihre eigenen Vorstellungen und Erwartungen an die Nachwuchsarbeit deutlich machen. Hier sind Konflikte vorprogrammiert. 

Wie sollte man mit dieser Herausforderung am besten umgehen? Eine wichtige Säule in diesem Zusammenhang sind Schlüsselbeziehungen. Als Erfahrungswert gilt, das sportliche Leiter nur nachhaltig und erfolgreich mit allen zusammenarbeiten können, wenn sie sowohl mit ihren Trainern als auch mit den wichtigsten Spielern gute Beziehungen aufbauen. Bei hochmotivierten Fußballlehrern kommt es nicht selten zu Schwierigkeiten mit den erfahrenen Trainern und Eltern. Die ärgern sich, dass der Jungspund ihnen sagt, wo es langgeht. Sie blockieren und mauern, woraufhin sich die Bereichsleiter mit den Trainerkollegen gegen den eigenen sportlichen Leiter verbünden. So eine Einstellung und solche Verhaltensweisen belasten das Vereinsklima auf und neben dem Platz. Wenn Sie eine neue Führungsposition antreten, sollten Sie sich daher immer fragen: Mit wem werde ich es zu tun haben? Und wie finde ich mit diesen Menschen eine zielgerichtete, humanistische und professionelle Ebene der Zusammenarbeit? Beziehungsaufbau ist zeitintensiv – aber wenn Sie diese Aufgabe vernachlässigen, manövrieren Sie sich meist unweigerlich in eine schwierige Zeit. Besonders wenn Sie von außerhalb kommen, sollten Sie den Baustein „persönliche Beziehungen“ sehr, sehr ernst nehmen.

Fazit 

Die beiden Beispiele zeigen, dass im Fußball mehr denn je das menschliche Element zählt. Trotz der im technischen und taktischen Detail weithin perfektionierten Trainerausbildung, entscheidet über Erfolg und Misserfolg einer Trainerstation wesentlich das Miteinander mit Spielern, Funktionsteam und den Entscheidern im Verein. Meine Kollegen (zur Übersicht) von Die Sportpsychologen und ich (zum Profil von Dr. René Paasch) unterstützen und beraten Sie gern, entweder zwischen zwei Engagements, auf wilder See oder beim nächsten Karriereschritt.    

Mehr zum Thema:

Views: 249

Gerhard Müller: Es geht um eine professionelle Unterstützung durch die Sportpsychologie nach Schädel-Hirn-Verletzungen

Auch bei der Fußball-Europameisterschaft 2021 gab es sie schon. Die Luftduelle, bei denen nicht klar ist, wie klar die Beteiligten nach der Aktion noch sind. Die Sensibilität im Kontaktsport Fußball scheint bezüglich des Umgangs mit Kopfverletzungen zwar in den vergangenen Jahren gestiegen zu sein, auserzählt ist das Thema aber noch lange nicht. Spannend finden wir dabei auch die Frage, welche Rolle die Sportpsychologie in diesem Zusammenhang spielt? Wir von Die Sportpsychologen haben dazu Gerard Müller, Diplom-Psychologen und Vorsitzender der Gesellschaft für Sport-Neuropsychologie (gsnp) befragt. Die gsnp veranstaltet am Samstag, den 19. Juni 2021, eine Online-Fachtagung zum Thema „Behandlung von Gehirnerschütterung im Sport“ (hier mehr zum Event: Link).

Zum Thema: Gehirnerschütterung im Sport

Gerhard Müller, welche intensive Rolle kann die Sportpsychologie im System Leistungssport bei der Behandlung von Gehirnerschütterungen im Sport spielen?

Die Sport-Psychologie kann im Bereich Erkennung und Prävention einen wesentlichen Beitrag für die Veranlassung einer sport-neuropsychologischen Diagnostik und Therapie nach einer Schädel-Hirn-Verletzung in Kontaktsportarten liefern.

Warum lohnt es sich inhaltlich, für SportpsychologInnen an der Online-Fachtagung teilzunehmen?

Die Einführung der neurologisch/neuropsychologisch orientierten Baseline-Diagnostik im Fußball zur Saison 2019/2020 hat umfassende Aufmerksamkeit erzeugt und zahlreiche unterschiedliche Vorgehensweisen hervorgebracht. Viele Untersucher orientieren sich dabei an den etablierten Standards des VBG-Algorithmus‘ zur praxisgerechten Diagnostik und Behandlung von Schädel-Hirn-Traumen im Sport. Wie aber steht es um die Interventionen nach einer Gehirnerschütterung? 

Auf dieser Jahrestagung schildern Sport-Neuropsychologen, Sportmediziner, Physiotherapeuten und Visualtrainer ihre Best-Practice-Erfahrungen in der Behandlung von Kopfverletzungen im Sport und stellen diese zur Diskussion.

Inwiefern hat sich der Arbeitsbereich Neuropsychologie in jüngster Vergangenheit entwickelt, wo gibt es direkte Anknüpfungspunkte für SportpsychologInnen?

Die Sport-Neuropsychologie hat sich in den letzten 5-10 Jahren langsam im deutschsprachigen Raum Bekanntheit verschafft. Die Erfahrungen aus 25 Jahren „Concussion Management“ in Nordamerika sind hierbei eingeflossen. Es gibt eine eigene deutschsprachige Fachgesellschaft (www.gsnp.de), die zweite Ihrer Art weltweit. Der Anknüpfungspunkt ist die professionelle Unterstützung der Sport-Psychologie bei klinischen Fragestellungen nach einer Schädel-Hirn-Verletzungen im Kontaktsportarten.

Mehr zum Thema:

Views: 243

EM-Special: Wie weiter, Dänemark?

Diese Bilder bleiben. Wie Christian Eriksen am frühen Samstagabend leblos in sich zusammen sackt. Dann am Boden liegt. Und die umstehenden Spieler verstehen, dass der Star des dänischen Fußball-Nationalteams mit dem Tod ringt. Das Gruppenspiel gegen Finnland, die ganze Europameisterschaft – alles wertlos, so fühlten es wohl der Großteil der Beobachter und auch der Beteiligten. Die Logik des modernen Fußballs forderte aber, dass das Spiel nach einer langen Unterbrechung fortgesetzt wird. Richtig oder moralisch verwerflich? Und vor allem: Wie weiter? Wie weiter für das dänische Team und wie können TrainerInnen, SpielerInnen und ZuschauerInnen besser auf solche Extremsituationen vorbereitet werden? 

Zum Thema: Teamgeist und Extremsituationen

Am Sonntagabend fand Dr. René Paasch (zum Profil) aus Gelsenkirchen als Sky-Experte klare Worte. Aus seiner Sicht und mit dem Blick auf die Menschlichkeit im Fußball hätte das Spiel nicht fortgesetzt werden dürfen. Hier der Auszug aus dem Sky-Interview (das Interview in voller Länge gibt es hier):

Dr. René Paasch im Sky-Interview (Auszug, Quelle: Sky Sport News HD)

Spannend ist hierbei auch die Frage, inwieweit SportpsychologInnen auf solche Extremsituationen vorbereitet sein können. Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil), der seit vielen Jahren diverse Handball-Nationalmannschaften und Club-Teams vorrangig als Sportmediziner begleitet hat, setzt zwar eine gewisse Grundqualifikation voraus, weiß aber, dass in solchen Momenten Notfallpsychologen das Mittel der Wahl sein sollten. Und er macht deutlich, dass es am Samstagabend nicht nur um die beteiligten Spieler ging:

Werkzeuge der Sportpsychologie für Extremsituationen

Wie kann es nun aber für die dänische Mannschaft im Turnier weitergehen? Hierzu haben wir die ExpertInnen aus unserem Netzwerk gefragt und können an den Antworten ablesen, dass die sportliche Lage, in der sich das Nationalteams Dänemark befindet, keine einfache ist, die Sportpsychologie aber durchaus Werkzeuge bietet.

Lisa König (zum Profil) aus Halle an der Saale sieht gleich mehrere Ansätze, welche die Dänen zurück ins Turnier bringen könnten: “Da der schlimmste Fall (zum Glück) nicht eingetreten ist, können sich Spieler und Staff an diesem kleinen Wunder festhalten. Abesehen von der notfallpsychologischen Versorgung nach so einem Schock, kann hier sicherlich die ganze Bandbreite der Sportpsychologie Anwendung finden. Angefangen von der Refokussierung auf das sportliche Ziel, über Selbstinstruktionen zur Kontrolle des Fokus und der emotionalen Reaktionen, bis hin zur Aktivierungsregulation und Entspannung… eine solche extreme Erfahrung erfordert bei jedem Spieler eine andere Strategie und Herangehensweise.”

Maria Senz (zum Profil), die als sportpsychologische Expertin auf der Insel Rügen lebt, geht noch einmal einen Schritt zurück und betont, bezogen auf die sportlichen Ziele im Turnier, wie positiv sich die langfristige Etablierung eines Sportpsychologen auswirken könnte. Und zudem entwickelt sie eine Idee, wie das dänische Team aus der schwierigen Situation Kraft schöpfen kann: 

Individueller Umgang

Einig sind sich unsere SportpsychologInnen, dass der Umgang mit der Situation mindestens für alle beteiligten Spieler ein hoch individueller ist. Dies betrifft sowohl die Leistung in den verbleibenden Spielen der dänischen Mannschaft als auch die Frage, ob sich jeder Akteur der Situation individuell gewachsen sieht:

“Wenn die Leistung und Psyche nach kurzer Zeit nicht wieder auf dem normalen Niveau sind, dann ist das sehr menschlich und irgendwie auch normal. Und es sollte erlaubt sein, aus eigener Verantwortung ein Spiel nicht anzutreten”, unterstreicht Lisa König (zum Profil). Und Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) ergänzt:

Prävention geht uns alle an

Im Interview mit dem Sportradio Deutschland, welches Dr. René Paasch (zum Profil) am Sonntag, also ein Tag nach dem EM-Spiel in Kopenhagen gegeben hat, wird noch ein weiterer Umstand deutlich: Wir alle sollten und können uns viel besser auf solche Extremsituationen vorbereiten, egal ob als TrainerIn, SpielerIn oder Fan. Mehr dazu im Live-Mitschnitt vom Sportradio Deutschland:

Mehr zum Thema:

Views: 137

EM-Special: Sollte Österreich vom Halbfinale und das deutsche Team vom Titel träumen dürfen?

Eines steht fest: Alle, wirklich alle 24 EM-Teilnehmerteams hatten das Thema Ziele in der vergangenen Wochen auf dem Tisch. Während den Teamsitzungen, in Einzelgesprächen mit den Trainern, untereinander auf den Zimmern oder im aufgeräumten Selbstgespräch. Denn eine optimale sportliche Leistung ohne schlau formulierte Ziele zu erreichen, ist kaum denkbar. Wie funktioniert aber ein solcher Zielsetzungsprozess? Was können Amateure dabei von Profis lernen? Ist es schlau, wie Thomas Müller es getan hat, ein bisschen schnippisch zu erwähnen, dass er bis zum Finalwochenende keine andere Termine geplant habe? Wäre es da nicht gleich viel konsequenter zu sagen, dass nichts anderes als der EM-Pokal das Ziel sein muss? Oder sind Ergebnisziele doch großer Quatsch, weil sie einem viel zu leicht schmerzhaft auf den Fuß fallen können?

Zum Thema: Zielsetzungen vor Turnieren und Meisterschaften

Sportlich groß gedachte Ziele. Dagegen spricht auf den ersten Blick nicht viel. Allerdings sollte bedacht werden, dass sobald das Vorhaben einen Namen oder ein Bild bekommen hat, der Fokus auf konkrete Handlungsziele und den Prozess als solchen konzentriert wird. Dies erklärt uns Christian Schwarz (zum Profil), einer unserer Experten aus Österreich, der als Sportmentalcoach in seiner Heimat unter anderem beim GAK 1902 Juniors arbeitet:

Ziele als zentrales Element der Motivation

Markus Gretz (zum Profil) sieht das ganz ähnlich. Der Sportpsychologe im Nachwuchsleistungszentrum des SSV Ulm 1848 sieht Ziele als ein zentrales Element der Motivation an. Gleichermaßen machte er aber auch eine Gefahr deutlich, die darin besteht, wenn es nicht gelingt, einen passenden Fahrplan für den Weg zum Ziel zu erstellen: “Ziele treiben uns an und geben unserem Tun eine Richtung. Deshalb ist es gut, sich auch große weit entfernte Ziele zu setzen. Wenn man es aber nicht schafft, diese weit entfernten und komplexen Ziele in viele kleine Handlungsziele und Aufgaben zu übersetzen, kann ein großes Ziel auch zum Ballast werden. Es kann ablenken, die Konzentration binden und einen Tunnelblick erzeugen, wodurch man nicht mehr flexibel reagieren kann. 

Damit ein Ziel Antrieb und Richtung vorgeben kann, muss ich davon überzeugt sein, dass ich in der Lage bin, es durch eigene Handlungen auch zu erreichen. Diese Handlungen muss ich dann identifizieren. Das Ziel muss also realistisch sein und man sollte sich immer überlegen, was man selbst dafür tun kann und tun sollte. Wer dann auch noch die Hindernisse auf dem Weg zum Ziel erkennt und mögliche Lösungen dafür überlegt, schafft beste Bedingungen, sein Ziel auch zu erreichen oder ihm zumindest näher zu kommen.”

Was Ziele mit Sportlern machen

Kathrin Seufert (zum Profil), die im Nachwuchsleistungszentrum des VfL Osnabrück tätig ist, hat ebenso regelmäßig mit dem Thema Ziele zu tun. Und nicht zuletzt ist sie eine Zauberin in Sachen schick gestalteter Flipchart-Seiten – schaut euch an, was Ziele mit euch machen. 

Unter uns: Wer Lust auf noch mehr solcher Handmade-Grafiken hat, der kann bei Kathrin und den anderen ProfilinhaberInnen Vorträge und Workshops buchen: Link

Grafik von Kathrin Seufert

Das Ziel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Machen wir es konkret: Janosch Daul (zum Profil), der im Nachwuchsleistungszentrum des Halleschen FC arbeitet, erklärt am Beispiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wie der Zielsetzungsprozess optimal ausgestaltet werden kann. Mega interessant ist dabei sein Einwand, woher der Ziele kommen sollten. Schaut es euch an:

Janosch Daul im Video

Halbfinalist Österreich?

Zum Schluss spielen wir den Ball noch einmal nach Österreich. Bei internationalen Top-Spielern wie Alaba, Sabitzer und Arnautovic sind viele Experten auch hinsichtlich großer Ziele nicht verlegen. Dies gab es, wenn wir uns erinnern, schon vor der Europameisterschaft 2016 – das Team ist damals krachend in der Vorrunde gescheitert. Wie also Ziele in rot-weiß-rot formulieren, Christian Schwarz (zum Profil)?

Mehr zum Thema:

Views: 131

Cristina Baldasarre: Der Fall Naomi Osaka – was die Tennis-Weltranglistenzweite und wir alle im Sport daraus lernen können

Die Weltranglisten Zweite im Frauentennis, Naomi Osaka, ist öffentlichkeitswirksam nach ihrem Erstrundensieg bei den French Open ausgestiegen. Der Entscheid hat hohe Wellen geschlagen, weil es scheinbar dermassen unerwartet gekommen ist. Ihrem Rückzug ging ein Eclat vorweg, als sich Osaka weigerte, die Pressekonferenz nach ihrem Spiel zu geben. Sie fühle sich überfordert und der Mediendruck mache ihr viel Stress, so Osaka. Sie habe schon seit längerem mit Depressionen zu kämpfen. In der Öffentlichkeit, insbesondere in der Sportöffentlichkeit, fehlt offensichtlich immer noch Wissen, um mit dieser Krankheit umzugehen.

Zum Thema: Depressionen im Sport

Es erstaunt mich immer wieder, dass die Welt auf solche Statements mit fassungsloser Verwunderung reagiert – es scheint offenbar noch immer der Glaube zu kursieren, Spitzensportler seien «Supermänner und Superfrauen»…..unverwundbar und stets heldenhaft stark. Dass das so nicht stimmt, ist wohl selbstredend. 

SportlerInnen wie Osaka sind ein (leider) gutes Beispiel dafür, dass schneller Erfolg oft auch einhergeht mit einem Defizit an mentalen Coping-Strategien im Umgang mit neuen Situationen, die überfordernd und verunsichernd sein können. Wir hören immer wieder solche Geschichten im Sport, die von Athleten berichten, welche mit depressiven Gefühlen und ähnlichen Symptomen zu kämpfen haben. Die Ursachen dafür sind multifaktoriell und nicht nur sportbezogen, sie können auch in der Persönlichkeit (z.B. Perfektionismus) angelegt sein. Da negatives Stresserleben psychisch von Bedeutung ist, zwingt uns dieser Fakt in die Diskussion hinein, welche Zusammenhänge diesbezüglich zu finden sind und welche Gegenmassnahmen einen bedeutungsvollen Unterschied machen könnten?

Die Rolle der Medien  

Die Aussagen von Osaka würden auch den Schluss zulassen, dass sie aufgrund der als stressreich erlebten Mediensituation nun an Depressionen leide. So einfach ist das Erklärungsmodell dann aber doch nicht. Ich gehe vielmehr davon aus, dass vorab schon mehrere hohe Belastungen sich sukzessive verschlechtert haben und diese Pressekonferenz das berühmte Fass zum Überlaufen brachte. So gesehen besitzen Medien – trotz allem – viel Macht. Ob bei bereits bestehenden Drucksituationen und Stressempfinden von Athleten diese Zustände in Interviews noch verstärkt werden, oder aber ein Athlet wohlwollendend und differenziert nachfragenden Medienschaffenden gegenübertritt, hängt dennoch von der Frageart des Interviewpartners ab. Aber auch davon, wie gekonnt jemand gelernt hat, sich im Medienumfeld zu bewegen. 

Hören Sie dazu hier mein Interview mit SRF4 vom 2. Juni 2021:

Quelle: SRF4

Chronischer Stress im Sport

So oder so sollte das Erlernen von Copingstrategien als protektive Massnahme und Resilienzfaktoren auf dem Weg zum Erfolg ein fester Bestandteil der Athletenausbildung sein. Seien es Misserfolge, ein belastender Umgang mit z.B. den Medien oder die Suche nach Perfektion – all diese Punkte können zu chronischem Stress führen. Das ist nach Frank, Nixdorf & Beckmann (2013) einer der drei relevanten Faktoren zur Ursachenerklärung. Wobei der Zusammenhang zwischen Stress und psychischen Störungen, insbesondere Depressionen, wissenschaftlich anerkannt ist.

Bei den weiteren beiden Faktoren handelt es sich um die bereits erwähnten Copingstrategien, sowie einer guten Balance zwischen Erholung und Belastung. Dabei scheint auch die sportspezifische körperliche Belastung eine wesentliche Rolle zu spielen, so Frank et al.. Denn hohe physische Belastung geht erwiesenermassen mit erhöhter negativer Stimmung einher. Erste Symptome sind Übermüdungssymptome und Antriebslosigkeit unklarer Herkunft, die, wenn unbeachtet und unbehandelt, dann zu einem Übertraining werden können. Als chronifizierter Zustand äussert sich dieser in einem Leistungseinbruch. Aber auch durch Symptome wie ständige Müdigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsverlust, Gedankenkreisen, Angstzuständen oder eben depressiven Verstimmungen. 

Anforderungen im Tennis

Speziell im Tennis macht es Sinn, einen genaueren Blick auf die Strukturen und Anforderungen dieses Sportes zu werfen und diese auf die drei bereits genannten Risikofaktoren hin zu diskutieren. Ab Beispiel von Osaka lässt sich aufzeigen, wie schnell das Gleichgewicht kippen kann:

  • Chronischer Stress ist im internationalen Tennisgeschehen schon in jungen Jahren ein ständiger Begleiter: die vielen Turniere im In- und Ausland sowie die hohe Trainingsbelastung, oftmals noch mit schulischen Belastungen verbunden, lassen kaum Freizeit für soziale Kontakte zu. Die körperliche Belastung ist oft über längere Zeit sehr grenzwertig. 
  • Copingstrategien sind zum Teil erlernbar, je nach Persönlichkeitsstruktur geht das einfacher oder eben harziger, also schwerer. Da schützende und stärkende Strategien von Nöten sind, um Resilienz aufzubauen, spielt auch das unmittelbare soziale Umfeld eine zentrale Rolle: In welchem Umfeld wächst eine Athletin auf? Welche Strategien hat sie vom Elternhaus übernommen, im Umgang mit stressreichen Situationen? Und dann, wie agieren ihre Vorbilder bei eigenem Stress? Was wird gelebt, was erwartet? Hier wird für den späteren Umgang mit unerwarteten, anspruchsvollen und persönlich relevanten Situationen ein bedeutender Grundstein gelegt. Aus dem Beispiel von Osaka liesse sich herleiten, dass die ihr zur Verfügung stehenden Strategien zur Bewältigung von beispielsweise Medienfragen an Interviews und Pressekonferenzen scheinbar (noch) nicht ausreichen, um dem Druck gewachsen zu sein. Das erstaunt nicht, angesichts ihrer schnellen Erfolge in jungen Jahren. Ein «Nachreifen» in diesen Themen müsste der Weg sein, hin zu mehr Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit. Je gestärkter die Person in sich ruht und ihren «Platz» einzunehmen weiss, desto sicherer fühlt sie sich und wird dadurch resilienter. 
  • Erholung und Belastung steht in hoher Wechselwirkung mit chronischem Stress. So kann eben auch an beiden Enden angesetzt werden, am besten an beiden gleichzeitig: Dem sinnvolleren Monitoring des chronischen Stresses und in einem verbesserten Erholungs- und Belastungsmanagement.

Auch in Deutschland fand man nach Frank et al. einen Zusammenhang zwischen der Balance von Erholung und Belastung und depressiver Symptomatik. Es zeigte sich deutlich, dass Athleten mit starker Belastung bei geringer Erholung stärker von depressiven Symptomen betroffen sind, als erholte Kollegen.

Fazit

Im Falle unserer Tennisspielerin würde das nun bedeuten, dass sie sich erstmal eine längere Pause gönnen sollte, mit therapeutischer und sportpsychologischer Begleitung. Danach bräuchte es als Neuauftakt einen akkuraten Saisonplan, mit ausgewählten Belastungsspitzen und bewussten Pausenregelungen, auf der Grundlage sportwissenschaftlicher Erkenntnisse – und diese funktionierende Strukturen sollten langfristig implementiert werden. Aber auch im kurzfristigen Energiemanagement müssten nachweislich konkrete Strategien erlernt und konsequent geübt werden.

Mehr zum Thema:

Quellen:

Frank, R., Nixdorf, I., Beckmann, J. Depressionen im Hochleistungssport: Prävalenzen und psychologische Einflüsse. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 64 (2013), 320 – 326.

Views: 512

Dr. René Paasch: Step by step to High Performance

In einem spannenden und mitreißenden Finale gegen Portugal krönt sich Deutschlands U21 zum dritten Mal zum Europameister. Um es in den Worten von Trainer Stefan Kuntz zu sagen: „Hyänen mit Adleraugen und Löwenherz“. Was er damit wohl gemeint hat? In den vergangenen Jahren hat der Fußball sogenannte Stars und Leader bevorzugt. Bis heute werden daher individuelle Leistungen in den Mittelpunkt gerückt, sei es der treffsichere Stürmer oder die unterschiedlichen gezahlten Gehälter. In Zukunft werden diese Spieler jedoch keine Pokale mehr gewinnen. Was wir brauchen sind Teams. Damit stehen wir im Fußball aber vor einer gewichtigen Frage: Was benötigen Mannschaften, damit sie nicht nur irgendwie funktionieren, sondern herausragende Leistungen vollbringen? Der folgende Beitrag möchte aufzeigen, worauf es ankommt, wenn man erfolgreiche Mannschaften entwickeln will und warum es besser ist, nicht auf Erfolge abzuzielen, sondern als Maßstab kontinuierliche Weiterentwicklung, einen positiven Führungsstil und das Gelingen zu nehmen. 

Zum Thema: Vielfältige soziale Dynamiken in Fußballmannschaften fördern

Große Visionen beginnen immer im Kopf eines Vereinsmanagers oder Trainers. Wirklichkeit werden sie aber erst, wenn sich viele Akteure in Verbundenheit daran machen, diese zu realisieren. Wie wir im Fußball zukünftig zusammenarbeiten werden, wird sich weiterhin in Richtung „Wir“ verändern. In der Vergangenheit haben meist Einzelpersonen andere für ihre Ziele arbeiten lassen. Je größer die Idee, desto mehr Manipulation und Intrigen mussten zur Umsetzung gefunden werden. Ob sich diese Menschen ebenfalls für die Idee begeisterten, spielte zu oft keine Rolle. Meist waren sie abhängig von ihren Trainern oder wurden mit extrinsischen Mitteln bewegt, an der Umsetzung mitzuwirken. Dabei formten sich jene festgefahrenen Vereins- und Mannschaftstrukturen heraus, die wir bis heute zum Teil im Fußball erleben. Doch ist daran alles schlecht? 

Immerhin sind auf diese Weise großartige Leistungen zustande gekommen. Diese Strukturen haben allerdings dazu geführt, dass wir Individuen mehr schätzen als Teams. Ob in Nachwuchsleistungszentren oder im Profisport – immer steht der Einzelne mit seiner Leistung im Mittelpunkt. Dabei wissen wir wozu Teams imstande sind, die sich gemeinsam auf den Weg machen. In der Geschichte gab es immer wieder herausragende Teamleistungen. Man denke nur an die griechische Fußballnationalmannschaft, die als Underdog die EM 2004 gewann oder an das isländische Team, das sich 2016 erstmals für eine EM-Endrunde qualifizierte und sich bis ins Viertelfinale durchkämpfte. Große Stars finden sich in diesen Mannschaften kaum – oder wie viele Namen von griechischen Nationalspielern aus dem damaligen Team fallen Ihnen noch ein? Es braucht die Sichtweisen und Fähigkeiten vieler, um tragfähige Vorstellungen zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur darum, Erfolge zu erzielen, sondern gegenwärtig zum Gelingen zu bringen. 

Gelingen und Erfolg

Auf den ersten Blick bedeuten Gelingen und Erfolg dasselbe: Eine Mannschaft oder der Einzelne nimmt sich etwas vor und erreicht es. Doch Gelingen unterscheidet sich von Erfolg in vielerlei Hinsicht. Stellen Sie sich folgendes vor: „Ein junger Ersatzspieler beschwert sich lautstark auf der Trainerbank über zu wenig Spielzeiten und bekommt schließlich seinen Einsatz. Und dann denken Sie an ein Kind, welches gerade zum ersten Mal einen Ball am Fuß hat. Wenn Sie diesem Kind in die Augen schauen, erkennen Sie ein Strahlen, das sich nicht bloß aus dem Erreichen eines bestimmten Ziels erklärt. 

Gelingen hat eine andere emotionale Qualität als Erfolg. Außerdem ist Gelingen nicht nur von der eigenen Anstrengung abhängig. Das beste Beispiel hierfür sind Spielzeiten in Wettkämpfen. So sehr Sie es auch wollen, diese Entscheidung trifft der Trainer. Anders als Erfolg ist Gelingen auch kein Ereignis, das man einmal erreicht und dann abschließt. Sie können eine Fußball-Ausbildung im NLZ durchlaufen haben ohne Anspruch auf einen Profivertrag, doch Ihre persönliche Entwicklung dagegen ist ein Prozess der gelingen kann. Damit überhaupt etwas gelingen kann, müssen wir uns erlauben, groß zu denken. Oft wird uns allerdings schon früh das Träumen ausgetrieben und wir hören im Laufe unseres Lebens eine ganze Reihe von Sätzen, die uns dies verschleiern: „Heldenmut kommt vor dem Fall“ oder „Es gibt keinen Erfolg ohne harte Arbeit“ u.v.m. Solche Sätze werden zu unbewussten Überzeugungen, die unser Handeln prägen und uns die Chance nehmen, Erfahrungen des Gelingens zu machen. Um etwas zum Gelingen zu bringen, brauchen wir innere Wegweiser, die eine tiefe Sehnsucht ausdrücken. Wir wünschen uns gegenseitig immer „Viel Erfolg!“, dabei ist Erfolg nicht das, was uns wirklich weiterbringt. Erfolg ist eine bittersüße Frucht am Baum des Gelingens. Eher angebracht wäre es, wenn wir uns „Baldiges Stolpern!“ wünschten. Das will zwar niemand hören, aber diese Erfahrungen würden uns auf lange Sicht mehr nützen. Denn es führt zu jener mentalen Flexibilität, die notwendig ist, um im Leistungssport Fußball zurechtzukommen. 

Teamvielfalt und positiver Leader 

Erfolgreiche Mannschaften sind nichts anderes als Menschen, die sich gemeinsam auf den Weg machen und die verstanden haben, dass dabei ein Übermaß an Konkurrenzverhalten schädlich ist. Es sollte um Weiterentwicklung gehen – die jedes Einzelnen und die des gesamten Teams. Sie wissen um die Vorteile unterschiedlicher Perspektiven. Sie akzeptieren und lösen die Konflikte, die daraus erwachsen. So könnte bspw. die U21 auf dem Weg zur EM entschieden haben, jede Abstimmung nach dem Prinzip der „Hier und Jetzt – Wahl“ durchzuführen, d.h. so lange zu diskutieren, bis eine für alle tragbare Lösung gefunden war. Denn die Unterschiedlichkeit führt nicht nur zu Problemen, sondern bietet auch die Chance für jedes Individuum, Neues zu entdecken. In einer Mannschaft, die ihre Spieler ermutigt, ihre Talente zu entfalten und aus eigenem Antrieb Fähigkeiten zu entwickeln, finden Einzelne immer wieder neuartige Lösungen. Und was benötigen Trainer, um dies zu ermöglichen? Eine Möglichkeit wäre das „Positive Leadership“ und das Modell der Positiven Psychologie zu nutzen. Dieser stützt sich auf das PERMA-Modell nach Seligman (2012). 

Erfolgreiche Trainer, wie bspw. Stefan Kuntz oder Hansi Flick zeigen vermehrt diese Eigenschaften auf: 

  • Emotionen  

Ein positiver Trainer trägt dazu bei, dass sich Spieler im Verein und in der Mannschaft wohlfühlen, zufrieden sind und Spaß haben. Er ermöglicht positive Emotionen.

  • Motivation, Flow 

Ein positiver Trainer gibt seinen Spielern Aufgaben, die ihren individuellen Stärken entsprechen und hilft ihnen, diese auszubauen. Er unterstützt sie dabei, Fähigkeiten zu erkennen und fördert die individuelle Motivation.

  • Beziehungen

Ein positiver Trainer sorgt dafür, dass sich Spieler im Team gegenseitig unterstützen und wertschätzend miteinander umgehen. Er trägt dazu bei, dass sich jeder als Teil des Teams erlebt und schafft somit tragfähige Beziehungen. 

  • Bedeutung, Sinnhaftigkeit 

Ein positiver Trainer trägt dazu bei, dass Spieler Sinn in ihrem Tun erleben und dass sie wissen, wozu ihre Leistungsfähigkeit wichtig ist. Er vermittelt seinen Spielern, dass sie wertvolles leisten und vermittelt tieferen Sinn. 

  • Leistung, Zielerreichung 

Ein positiver Trainer freut sich mit seinen Spielern, wenn sie sich entwickeln und lobt sie dafür. Er gibt seinen Spielern positives Feedback, wenn etwas erreicht wurde. Er macht positives Gelingen sichtbar.

Fazit

Damit Mannschaften herausragende Leistungen bringen, müssen sich nicht nur die Mannschaftsmitglieder emotional verbunden fühlen, sondern jeder Einzelne muss sich für das gemeinsame Ziel begeistern. Denn intrinsische Motivation wirkt stärker als jede Belohnung oder Bestrafung von außen. Sie profitieren von der Unterschiedlichkeit ihrer Spieler, da aus ihren neuen Ideen und Lösungen entstehen. Erfolgreiche Mannschaften streben nicht nach Harmonie oder dauerhaften Erfolg, sondern nach kontinuierlicher Weiterentwicklung. Auf diese Weise bleiben sie flexibel und sind in der Lage, sich neuen Anforderungen anzupassen, statt sich auf bisherige Erfolgsstrategien zu verlassen. Voraussetzung dafür sind positive Leader. Des Weiteren wünschen sie sich ein angstfreies Teamklima. Denn jeder sollte ohne Angst vor negativen Konsequenzen sich entfalten dürfen. Wissen die Spieler wie andere sie selbst, die anderen und das Team bewerten, müssen sie ihr Verhalten nicht an Vermutungen und Verhaltensweisen anderer ausrichten. Erst dann wird echtes Miteinander möglich. 

Diese und viele weitere Inhalte zum Thema komplexe soziale Dynamiken in Fußballmannschaften fördern, finden Sie hier: 

Mehr zum Thema:

Literatur

Carron, A. V., Hausenblas, H. A. & Eys, M. A. (2005). Group dynamics in sport. Morgantown: Fitness Information Technology.

Carron, A. V., Colman, M. M., Wheeler, J. & Stevens, D. (2002). Cohesion and performance in sports: A meta-analysis. Journal of Sport and Exercise Psychology, 24, 168-188.

Baumann, S. (2002): Mannschaftspsychologie: Methoden und Techniken. Aachen: Meyer & Meyer.

Krueger, R. (2001): Teamlife. Über Niederlagen zum Erfolg. Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter.

Poggendorf, A., Spieler, H. (2003): Teamdynamik – Ein Team trainieren, moderieren und systemisch aufstellen, Paderborn: Junfermann Verlag. (ISBN 3-87387-531-4)

Seligman, M. (2012): Flourish. Wie Menschen aufblühen. Die positive Psychologie des gelingenden Lebens. München, Deutschland: Kösel.

Sportschau: 

https://www.sportschau.de/fussball/u21/portraet-stefan-kuntz-nach-triumph-im-u21-em-finale-100.html (Zugriff am 07.06.2021)

https://www.sportschau.de/fussball/talente-interview-psychologe-100.html (Zugriff am 07.06.2021) 

Views: 148

Johanna Constantini: Im Sattel sich selbst im Griff haben

Emotionen kontrollieren zu können, ist in vielen Sportarten von wesentlicher Bedeutung. Umso mehr gilt dies für den Pferdesport, wo Reiter und Reiterinnen intensiv mit einem Lebewesen interagieren. Was aber, wenn Emotionen im Weg stehen und reguliert werden müssen. Dieser Frage geht Johanna Constantini in einem spannenden Podcast-Auftritt nach.

Zum Thema: Emotionsregulation im Pferdesport

Im neuen Podcast “SportPsych Radio” spricht Johanna Constantini eine halbe Stunde vorrangig über die Sportdisziplin, die sie nicht nur seit Kindertragen selbst betreibt sondern in der sie in den vergangenen Jahren intensiv sportpsychologisch arbeitet. Podcast-Host Felix Pik, seines Zeichens Student des Master-Studienganges Angewandte Sportpsychologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, spielt in der Folge glaubhaft den Pferdesport-Rookie. Seine Erfahrungen in der Sportart beschränken sich auf Ponyreiten auf dem Christkindlmarkt, was der Folge aber in keiner Weise schadet. Schließlich geht es nach einem kurzen und launigen Einstieg schnell auf die Detailebene.

Kernpunkt ist der individuelle Umgang mit Emotionen, der erlernt werden muss. Hier liefert Johanna Constantini im Gespräch ganz konkrete Tipps für den Trainingsalltag. Ohne zu viel zu verraten, einen Schlüssel sieht sie in der Zielsetzung der jeweiligen Trainingseinheit. Mehr dazu erfahrt ihr im Podcast:

Link zum Podcast (Spotify, Apple)

Weitere Inhalte

Im Gespräch geht es zudem um das Social Media-Verhalten im Sport und natürlich um Johannas Buch “Abseits, Aus der Sicht einer Tochter” (Seifertverlag, 2020, hier bestellen).   

Mehr zum Thema

Views: 189

Dr. René Paasch: Vertrauen und Dankbarkeit – die vergessene Basis der Führung im Fußball

Ein bekannter Freund und Vereinsmanager hat in dieser herausfordernden Zeit mit seinen Jugendmannschaften und Profis jeweils ein Wochenende verbracht und nur wenige Wochen später gemeinsam mit dem gesamten Trainerteam des Vereins ein Spiele- und Entspannungswochenende organisiert. Und nicht nur das! Jeder Trainer und Spieler bekam einen persönlichen Brief der Dankbarkeit und Wertschätzung zugesandt. Was war passiert? Er führte seinen Verein, in dem im Laufe der Zeit immer mehr Spieler ihre Leistungsfähigkeit nicht abrufen konnten und Trainer ihre Unzufriedenheit öffentlich bekundeten. Der mediale Druck stieg und die Spieler und Trainer verließen den Verein schneller als sie kamen. Er ahnte, dass etwas nicht stimmt und führte eine anonyme Befragung zur Spieler- und Trainerzufriedenheit durch. Das Ergebnis war besorgniserregend: Seine Trainer und Spieler waren unzufrieden und wünschten sich einen Wechsel in der Führungsebene. Wie wären Sie damit umgegangen? 

Zum Thema: Trainer und Spieler durch Vertrauen und Dankbarkeit zu Höchstleistungen anspornen 

Thorsten Mustermann (namentlich verändert) ist genau das passiert. Er erklärte sich zu Veränderungen im Verein bereit und lud seine Trainer und Spieler zur gemeinsamen Auswertung der Umfrageergebnisse ein. Sie hatten nicht nur interne Probleme moniert, wie fehlende Kommunikation auf allen Ebenen oder Absprachen, sondern einen grundsätzlichen Mangel an Wertschätzung und Dankbarkeit deutlich gemacht. Fremdgesteuertes und neidvolles agieren, getrimmt auf Leistung und hierarchische Entscheidungsprozesse gaben den Spielern und Trainern das Gefühl, dass man ihnen schlichtweg wenig vertraute. Er erkannte, dass gute Vereinsführung weniger mit Kontrolle und stumpfen Anweisungen, sondern mit Vertrauen, Dankbarkeit und Verbundenheit zu tun hat. Die Vereinsangehörigen waren sich ihrer Verantwortung und Pflichten sehr wohl bewusst. Dafür mussten sie sich jedoch wertgeschätzt fühlen und mit dem Verein identifizieren. Somit musste der Fokus weg vom stetigen Erfolgsdruck hin zu den wirklichen Bedürfnissen seiner Spieler und Trainer gelenkt werden. Die Grundlage für diese erste fundamentale Änderung in seinem Führungsstil war die berühmte Bedürfnispyramide von Maslow, die die menschlichen Handlungsgründe hierarchisch darstellt: Die Basis der Pyramide bilden physiologische Bedürfnisse wie Ernährung und Schlaf. Nach den Sicherheitsbedürfnissen wie einem schützenden Dach über dem Kopf, kommen soziale Bedürfnisse wie Anschluss und Gruppenzugehörigkeit. Als Führungsperson musste sich Thorsten Mustermann aber vor allem auf die vierte und fünfte Stufe konzentrieren: Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung. Er musste seinen Leistungsoptimierern Anerkennung und Vertrauen schenken, damit sie sich selbst aus Überzeugung im Verein einbrachten. Aber wie soll das funktionieren? Bedürfnispyramide nach Maslow – einfach erklärt: 

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Selbstführung

Nur wenige Vereinsmanager sehen ein, dass sie letztendlich nur eine einzige Person führen können und auch müssen. Diese Person sind sie selbst. In der Forschung hat sich gezeigt, dass es sich bei diesen Selbstführungsstrategien um erlernbare kognitive Fähigkeiten und Kompetenzen handelt (Furtner & Baldegger, 2016). Die Selbstführungsstrategien werden unterteilt in ausführende, intrinsisch motivierende und denkbezogene Strategien. Dazu gehören Selbstbeobachtung, Selbstzielsetzung, Selbstbelohnung und Selbstbestrafung sowie Selbsterinnerung (Furtner & Baldegger, 2016; Neck & Houghton, 2006). Eine wirksame Selbstführung ist somit die Basis für den persönlichen und beruflichen Erfolg sowie die persönliche Leistungsfähigkeit. 

Tagtäglich machen wir uns ca. 60.000 Gedanken, nicht alle davon sind hilfreich. In der Übung positiver Self-Talk geht es darum, sich der eigenen positiven Gedanken bewusst zu werden und diese weiter zu fördern. Nehmen Sie sich in den kommenden Tagen einen Moment Zeit und beobachten Sie sich selbst! Bestimmt kommen Sie in Situationen, in denen Sie besonders gefordert sind. 

Folgende Übung kann ich sehr empfehlen – In drei Schritten zum positiven Selbstgespräch: https://www.zhaw.ch/storage/psychologie/upload/forschung/organisation-fuehrung/PI_Positiver_Self-Talk_03-2021.pdf 

Klare Ziele

Mit Sicherheit haben Sie auch schon von Vereinsmanagern Aufgaben erledigen müssen, die Ihnen entweder fragwürdig oder geradewegs unsinnig erschienen. Thorsten Mustermann musste sich eingestehen, bis zu jenen Umfrageergebnissen ein völlig verzerrtes Selbstbild gehabt zu haben. Das klägliche Zeugnis seiner Vereinsangehörigen machte ihm klar, dass er sich selbst maßlos überschätzt und einzig auf Leistung und Erfolg konzentriert hatte und dringend etwas an seiner Selbstwahrnehmung ändern musste. Er kam zu der Erkenntnis, dass er seinen Verein nur authentisch und menschlich führen konnte, wenn er sich seiner eigenen Normen und Werte bewusst war. Er merkte, dass er selbst keine klare Zielsetzung hatte. Wie aber konnte er von seinen Spielern und Trainern erwarten, dass sie Aufgaben erfüllten, für die es kein klares Ziel gab? Wie sollte sein Verein Prioritäten vorgeben, wenn niemand wusste wohin die Reise gehen sollte? 

Jeder Verein braucht klare Werte und Prinzipien, aus denen eine gemeinsame Vision, ein gemeinsames Ziel abgeleitet werden kann. Thorsten Mustermann spürte, dass Struktur zwar in dieser sich ständig verändernden Fußballwelt schwierig ist, im entscheidenden Moment aber Halt und Sicherheit geben kann. Er kam zu dem Schluss, dass sein Verein klare Tagesordnungen und eindeutige Aufgabenverteilungen brauchte. Er würde seine Leistungsoptimierer nur mit klaren und gelebten Zielvorgaben motivieren können. 

Innerer Antrieb  

Bis zu welchem Punkt brauchen Sie in ihrem Verein Prozessvorgaben und Regelwerke, so dass die Mitarbeiter einen guten Job zu machen? Und welche Rolle spielt echte, innere Begeisterung für die Qualität auf und neben dem Platz? Thorsten Mustermann fand im Zuge seiner Sinnsuche heraus, dass ein System nur der erste Schritt auf dem Weg zum Erfolg ist – es braucht außerdem Charakter und Menschlichkeit. 

Näheres dazu finden Sie hier:

Erst die Ergebnisse der Vereinsangehörigen machten klar, dass alle Theorien und Vorgaben nur ein Gerüst geben können, aber keinen Inhalt. In kritischen Momenten braucht es den Spirit eines gefestigten Teams. Ein Verein braucht mehr als Regeln und pünktlich überwiesene Gehälter, um Qualität zu liefern. Erst wenn sich die Menschen mit dem Verein und seiner Vision identifizieren, können sie einen Sinn in ihrem Sport sehen und Ungewöhnliches leisten. Thorsten Mustermann lernte seine Trainer näher kennen, um seine Erfahrungen mit ihnen zu teilen und den Teamgeist zu stärken. Der intensive Austausch gab ihnen die Möglichkeit, sich offen über ihre individuellen Stärken und Schwächen auszutauschen und einander besser zu verstehen. Das stärkte das Gemeinschaftsgefühl und beflügelte für Neues. 

Weiteres zum Thema finden Sie hier:

Zukunftsbild 

Erfahrungswerte weisen darauf hin, dass wir umso zufriedener sind, je mehr wir statt den allgegenwärtigen Vereinszwängen das große Ganze im Blick haben. Eine gemeinsam entwickelte Vereinsvision ist genau das: der Blick auf das große Ganze, das man mit vereinten Kräften erreichen will. Persönliche Geschichten können helfen, diese Leitkultur realistisch und greifbar zu machen. Beispielsweise erzählte ein Trainerkollege von Thorsten Mustermann davon, wie er als Kind mit Freunden auf einem Bolzplatz bei Regen in Pfützen spielte. Mit vollstem Vergnügen sind er und seine Freunde in die Pfützen hineingesprungen oder haben absichtlich den Ball dort hinein geschossen, um die Flugbahn und Geschwindigkeit zu verändern. Die Geschichte wurde zum Trigger dafür, dass das Trainerteam aller Mannschaften regelmäßig bei Regen auf den Bolzplatz ging, um sich dort auszuleben. 

Je stärker sich die Trainer ihres Vereins näherten und sich ihrer Verantwortung bewusst wurden, desto mehr setzen sie sich für das Erreichen der gemeinsamen Vision ein. Es verstrich einige Zeit und Thorsten Mustermann brachte die Trainer und die Spielführer einzelner Mannschaften an den runden Tisch, um die wichtigsten Werte für den vereinsinternen Umgang zu sammeln. Dann wurden sie in Gruppen aufgeteilt, in denen sie die Werte ihrer Bedeutung nach gliedern und die Wichtigsten herausfiltern sollten. Die anschließende Frage, ob diese Werte ihrer Meinung nach inzwischen im Verein gelebt wurden, brachte ein erstaunliches Ergebnis: Sie fühlten sich gesehen, wertgeschätzt und hochmotiviert. Daraufhin beschloss Thorsten Mustermann gemeinsam mit allen einen Bolzplatz in einem bekannten Stadtteil-Brennpunkt zu bauen. Die Wirkung übertraf alle Erwartungen: Die Trainer und Spieler wussten, dass sie gemeinsam etwas Bedeutsames taten, sahen sofort die Ergebnisse ihrer Arbeit und hatten das Gefühl, Teil eines größeren Ganzen zu sein. So konnten sie die Werte, die sie zuvor gemeinsam im Workshop als wichtig herausgearbeitet hatten, selbst gestalten und erleben! 

Weiteres zum Thema finden Sie hier:

Nachwuchsabteilung 

Nachdem es Thorsten Mustermann gelungen war, den Missmut seiner Trainer und Spieler mithilfe der neuen Methoden in Motivation und Teilhabe zu verwandeln, widmete er sich dem Nachwuchskickern seines Vereins: Sie sollten lernen, sich im Team auch den schweren, unangenehmen Aufgaben zu stellen und Verantwortung für sich und ihr Team zu übernehmen. Also stellte er ihnen das Projekt „Survival- und Wildnistraining“ vor. Die jungen Kicker sollten über mehrere Monate hinweg darauf hinarbeiten, sich gemeinsam darauf vorzubereiten. Die intensive Vorbereitungsphase, in der die jungen Kicker regelmäßig an ihre Grenzen gehen und einander achtsam unterstützen mussten, brachte mehrere wertvolle Erkenntnisse: 

  • Unzureichende und nicht zielführende Kommunikation können aus kleineren Problemen größere Konflikte hervorbringen. Thorsten Mustermann stellte fest, dass er seinen Nachwuchs immer wieder dazu animieren musste, offen anzusprechen, was ihrem Empfinden nach gut oder schlecht lief. 
  • Wir übernehmen oft die Unsicherheiten und Zweifel unserer Vorbilder. Was sie uns nicht zutrauen, trauen auch wir uns nicht zu. Eine besondere Situation wie das „Survival- und Wildnistraining“ half den jungen Kickern, ihre Ängste zu überwinden und proaktiver und selbständiger zu handeln. 
  • Wer Wachstum und Erfolg haben will, muss gewisse Entbehrungen in Kauf nehmen. Jeder musste hier und dort individuelle Bedürfnisse zurückstellen, um gemeinsam ans Ziel zu gelangen. Ziel des Projekts war die Nachwuchskicker durch eine besondere Situation dabei zu helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Jeder im Team brachte seine ganz eigenen Stärken und Schwächen mit, konnte aber im Rahmen der Vorbereitung und gemachter Erfahrungen selbst vermeintlich unüberwindbare Hindernisse meistern. Genau diese Mischung aus Vertrauen und Willensstärke half ihnen, auch im Fußball nicht vor schweren Aufgaben zurück zu schrecken. 

Diese außergewöhnliche Erfahrung zeigte auch den Jüngsten im Verein, dass man ihnen Vertrauen schenkte und ihre Fähigkeiten wertschätzte. Das förderte die offene Kommunikation im Team und steigerte die innere Kraft. 

Weiteres zum Thema finden Sie hier:

Fazit

Im Rahmen einer Trainer- und Spielerbefragung erfuhr Thorsten Mustermann wie ungeliebt er und sein Führungsstil in seinem Verein waren. Er beschloss daraufhin, seinen Führungsstil radikal vom Kontrollzwang und fehlender Kommunikation auf Empathie und Vertrauen umzustellen. Er begriff, dass er sich erst seiner eigenen Selbstführung, Ziele und Werte klar werden musste, um gemeinsam mit seinem Verein ein Zukunftsbild zu entwickeln. Je mehr Vertrauen und Freiheit er seinen Trainern und Spielern schenkte, desto stärker konnten sie sich mit dem Team und Verein identifizieren und sich mit echter Motivation einbringen. Hinterfragen Sie Ihre bestehenden hierarchischen Strukturen und setzen Sie stattdessen auf Selbstverantwortung und soziale Kompetenz. 

Mehr zum Thema:

Literatur 

Furtner, M., Baldegger, U. (2016): Self-Leadership und Führung. Theorien, Modelle und praktische Umsetzung. Springer Gabler. ISBN 978-3-658-13044-22. Auflage

Neck, C.P.; Houghton, J. D. (2006): Two decades of self-leadership theory and research: Past developments, present trends, and future possibilities. Studie lesen: https://www.researchgate.net/publication/235269268_Two_decades_of_selfleadership_theory_and_research_Past_developments_present_trends_and_future_possibilities 

Views: 352

Maria Senz: Weniger Zahlen, mehr Spaß – Wenn schon Optimierungswahn, dann wenigstens mit Gefühl

Neulich wurde ich durch einen Hörbeitrag von Journalist und Rennradfahrer Arno Orzessek im Deutschlandfunk inspiriert. Er fragt sich, wozu der ganze Leistungswahn? In seinem Beitrag erzählt er von einer persönlichen Erfahrung, die mich zum Nachdenken brachte. Und als ich so darauf herum dachte, kam ich zu der Frage: Ist es möglich, maximale Höchstleistung durch eine intrinsische Fähigkeit wie Spaß zu generieren?

Zum Thema: Spaß als Triebkraft im Sport

Spaß ist zum Beispiel ein Vergnügen, eine Freude, die wir bei einem bestimmten Tun empfinden. Ein Gefühl also, dass sich einstellt, wenn wir einer gewissen Handlung oder Äußerung folgen.

Ein Gefühl ist etwas, was wir über unseren Körper wahrnehmen. Wir können es spüren und somit auch ein Stück greifbar für uns machen. Durch das Greifbare erhält es Lebendigkeit und irgendwie wird es dadurch real. Wir haben eine konkrete Vorstellung, ein konkretes Bild, dass wir uns modellieren, bunt ausmalen und verfolgen können.

Vergleichen im Sport

Klar geht es im Sport um Leistungsdaten, Wettbewerb, höher, schneller, weiter, stärker und mehr. Der Wahn nach maximaler Höchstleistung ist unbegrenzt – zumindest das Gefühl danach.

Und wenn wir schon unbedingt messen, Daten vergleichen, Statistiken erheben, um was auch immer zu interpretieren und Handlungsschritte auszulösen, dann lasst uns doch wenigstens die Messwerte gemeinsam mit den Sportlern definieren: zum Beispiel Gefühle wie Spaß, Mut oder Erschöpfung. Die dazugehörigen Messgeräte existieren ja bereits: der Athlet mit seiner inneren Festplatte, der uns direkt und ohne Verzerrung selbstbestimmte Werte auf einer Skala von 0 bis 10 zurückmeldet.

Naive Freiheit

Als ich an meinem ersten offiziellen Halbmarathon teilgenommen habe, bin ich einfach losgelaufen. Ich hatte Bock drauf. Mein Körper, meine Beine, meine Ausdauer fühlten sich gut an, so dass die Distanz in jedem Fall machbar war und ich mir eine Zielzeit von weniger als zwei Stunden zugetraut und vorgenommen habe. Meine Vorbereitungen sahen so aus, dass ich bereits viele Jahre zuvor regelmäßig gelaufen bin. Länge der Strecke, Geschwindigkeit, Verbrennungswerte haben mich noch nie interessiert. Ich habe einfach grundsätzlich riesigen Spaß am Laufen und es macht mich kreativ. Je nach körperlicher Verfassung ergeben sich Distanz, Geschwindigkeit und Co. spontan. Das mag völlig naiv klingen. Für mich ist es Freiheit. Ich folge meiner Intuition und meinem Bewusstsein.

Mal angenommen, ich hätte damals den anderen Weg eingeschlagen, als ich vor der Gabelung Intuition versus Wissen stand und mich für das Wissen entschieden. Das Wissen darüber, dass meine Messwerte bei einem Halbmarathon locker unter zwei Stunden liegen. Dann hätte ich meine Messlatte für diese Distanz vermutlich auf unter 1,5 Stunden gelegt. Dieser Gedanke hätte vor und während der gesamten Strecke ordentlich Druck in meinem Kopf gemacht und vielleicht sogar meinen Körper gelähmt. Mit Tunnelblick nur darauf fokussiert, ohne die wunderschöne Strecke durch und um Leipzig mit dem tosenden Publikum, den saftig-grünen Wiesen und dem Sonnenschein wahrzunehmen. Völlig erschöpft und mit Kopfweh wäre ich ins Ziel getaumelt, um am Ende wahrscheinlich doch nicht die magische Zielsetzung zu erreichen.

Abkehr von Messwerten

Anstelle dessen habe ich mich für die Intuition entschieden, um im großen Finale die Lorbeeren zu ernten: Das Publikum, das von außen anfeuert, mich mit Jubelschreien, Pfiffen und Applaus auf der Zielgeraden begleitet und meine Beine plötzlich wie von selbst mit Vollgas durch das Zielband rasen. Und genau das ist er, dieser Spaß, mein Motivations-Kick am Sport, der in diesen Situationen zu meiner maximalen Höchstleistung beiträgt – unabhängig von irgendwelchen Messwerten.

Die Gratwanderung zwischen Leistungsspaß und Leistungsdruck bleibt, genauso wie Zahlen das Business bestimmen. Vielleicht schaffen wir es, den Grat ein bisschen zu verbreitern, so dass mehr Handlungsspielraum für selbstbestimmte Messwerte durch Athleten möglich wird.

Wie klingt das für dich? Nimm gern Kontakt zu Maria Senz (zum Profil) auf oder schau, wer von uns ganz in der Nähe deiner Haustür für dich greifbar ist (zur Übersicht).

Mehr zum Thema:

Views: 119