Dr. René Paasch: Tipps für Cheftrainer beim neuen Club

In ganz Europa gibt es aktuell Trainerwechsel am laufenden Band, vor allem von ganz großen Namen. Allein das Beispiel einiger Topteams der Bundesliga zeigt, wie viel Bewegung derzeit auf dem Trainermarkt herrscht. Lediglich vier Mannschaften in der gesamten Liga starten in die kommende Saison mit demselben Trainer, der die Mannschaft bereits zu Beginn der vergangenen Serie betreute. Verrücktes Trainerkarussel. Als Trainer kannst du somit jede Menge falsch oder richtig machen. Besonders in den ersten Wochen auf dem Trainerposten ist dies der Fall. Damit Sie diese kritische Phase nachhaltig meistern, stelle ich Ihnen Anregungen für den Start als Cheftrainer vor. Sie helfen Ihnen dabei, typische Fehler zu vermeiden und sicherzustellen, dass sowohl Ihre Spieler als auch Ihr Funktionsteam mit Ihnen zufrieden sind. Beide Beispiele haben eine konkrete Fallgeschichte aus meinen Erfahrungen im Fußball als Hintergrund. 

Zum Thema: Wie Erwartungen und Schlüsselbeziehungen Ihren Neustart verbessern können 

Ein erfahrener Cheftrainer arbeitet bereits seit einigen Jahren als U19-Trainer für einen großen deutschen Verein. Jetzt übernimmt er die Profi-Mannschaft. Seine Vorgabe: Er soll vorherige Leistungen in der Fußball-Bundesliga bestätigen und Nachwuchsspieler an den Profifußball heranführen. Für ihn ist das ein toller Karriereschritt und Wertschätzung seiner bisherigen Arbeit. Doch schon nach einigen Monaten im neuen Job muss er folgendes feststellen: Die Spieler sind zwar freundlich zurückhaltend, doch ihm gegenüber verhalten sie sich passiv und rebellisch. Hinter verschlossenen Türen fallen folgende Aussagen: „Zu taktisch und die Spielphilosophie passt nicht zu uns“. Er steckt fest, er kann kaum Veränderungen durchsetzen. 

Wie kam es zu dieser Situation?  Er hat eine wichtige Herangehensweise für einen erfolgreichen Saisonstart nicht beachtet. Sie lautet: Eigene und fremde Erwartungen abgleichen und berücksichtigen. Das klingt einfach und logisch, aber viele setzen es trotzdem nicht um. Häufig kommen Trainer mit der Haltung in den neuen Verein/Mannschaft, dass sie schon wissen, wie es laufen soll. Schließlich möchten sie erfolgreich sein. Doch das führt schnell in eine Sackgasse, wie auch der Trainer feststellen musste. Daher ist es entscheidend, dass Sie bei Übernahme einer neuen Mannschaft genau herausfinden, wer welche Erwartungen an Sie stellt. Und das am besten vor Antritt der neuen Stelle. Vor allem die kulturellen und vielfältigen unterschiedlichen Erwartungen der Spieler werden regelmäßig unterschätzt.  Da vieles unausgesprochen bleibt, müssen Sie nachfassen: 

  • Was will der Vereinsmanager, das Funktionsteam und die Spieler von Ihnen?
  • Warum wollen Sie das und wie genau stellen Sie sich das vor? 

Die unterschiedlichen Erwartungen allesamt unter einen Hut zu bringen, ist häufig eine immense Herausforderung. Unterschätzen Sie das bitte nicht! Die Schlüsselfragen lauten daher: 

  • Welche Erwartungen können wir zu einer gemeinsamen Aufgabe machen?
  • Welche Widerstände werden auftreten und wie sollte man mit diesen umgehen?

Mit diesem Vorgehen können Sie einen gelungenen Start ermöglichen. 

Schlüsselbeziehungen 

Der junge Fußballlehrer ist ein typischer High Potential: Nach seinem hervorragenden Abschluss hat er die Möglichkeit bekommen, als sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten. Das war eine große Verantwortung. Mit lauter Trainern, Spielern und Eltern, die ihre eigenen Vorstellungen und Erwartungen an die Nachwuchsarbeit deutlich machen. Hier sind Konflikte vorprogrammiert. 

Wie sollte man mit dieser Herausforderung am besten umgehen? Eine wichtige Säule in diesem Zusammenhang sind Schlüsselbeziehungen. Als Erfahrungswert gilt, das sportliche Leiter nur nachhaltig und erfolgreich mit allen zusammenarbeiten können, wenn sie sowohl mit ihren Trainern als auch mit den wichtigsten Spielern gute Beziehungen aufbauen. Bei hochmotivierten Fußballlehrern kommt es nicht selten zu Schwierigkeiten mit den erfahrenen Trainern und Eltern. Die ärgern sich, dass der Jungspund ihnen sagt, wo es langgeht. Sie blockieren und mauern, woraufhin sich die Bereichsleiter mit den Trainerkollegen gegen den eigenen sportlichen Leiter verbünden. So eine Einstellung und solche Verhaltensweisen belasten das Vereinsklima auf und neben dem Platz. Wenn Sie eine neue Führungsposition antreten, sollten Sie sich daher immer fragen: Mit wem werde ich es zu tun haben? Und wie finde ich mit diesen Menschen eine zielgerichtete, humanistische und professionelle Ebene der Zusammenarbeit? Beziehungsaufbau ist zeitintensiv – aber wenn Sie diese Aufgabe vernachlässigen, manövrieren Sie sich meist unweigerlich in eine schwierige Zeit. Besonders wenn Sie von außerhalb kommen, sollten Sie den Baustein „persönliche Beziehungen“ sehr, sehr ernst nehmen.

Fazit 

Die beiden Beispiele zeigen, dass im Fußball mehr denn je das menschliche Element zählt. Trotz der im technischen und taktischen Detail weithin perfektionierten Trainerausbildung, entscheidet über Erfolg und Misserfolg einer Trainerstation wesentlich das Miteinander mit Spielern, Funktionsteam und den Entscheidern im Verein. Meine Kollegen (zur Übersicht) von Die Sportpsychologen und ich (zum Profil von Dr. René Paasch) unterstützen und beraten Sie gern, entweder zwischen zwei Engagements, auf wilder See oder beim nächsten Karriereschritt.    

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