Maria Senz: Olympia 2021 – Warum Sportler gerade jetzt Vorfreude entwickeln sollten

Mit oder ohne Zuschauer? Oder aber nur mit einheimischen Fans und gleichzeitig einem maximal ausgedünnten Betreuerstab? Oder kommt doch noch die Absage? Die Fragen zu den Olympischen Spielen 2021 sind unfassbar komplex. Vor allem für Athleten. Um ein wenig Hilfestellung zu leisten, habe ich versucht, die zwei Seiten der Medaille genauer zu betrachten und konkrete Tipps abzuleiten.

Zum Thema: Wie sich Athleten auf die Durchführung der Olympischen Spiele vorbereiten oder mit der Absage von Tokio 2021 abfinden können

Betrachte ich die eine Seite der Medaille, sehe ich folgendes Szenario: Niemand auf diesem Planeten kann die Zukunft vorhersagen. Genauso kann niemand die Olympischen Spiele vorhersagen. Sicherlich gibt es Zeiten, in denen wir unterschiedliche Risikowahrscheinlichkeiten haben, ob etwas stattfindet oder nicht. Gleichzeitig gibt es in der Statistik die Annahme, dass selbst das sichere Ereignis nie eine 100% Wahrscheinlichkeit erreicht. Es gibt immer ein Restrisiko. Wir können ja auch nicht vorhersagen, was uns der morgige Tag bringt. Wir haben Wünsche, Ideen, Gedanken, Vorstellungen, Termine, Routinen was morgen sein kann – eine 100%-ige Sicherheit, dass genau das eintritt, gibt es nie. Und dennoch sind wir fokussiert, haben unsere Pläne und Strukturen.

Nutz diesen Ansatz und bleib fokussiert in deinen Gedanken, dass die Olympischen Spiele im Sommer 2021 in Tokio stattfinden werden. Dein Körper wird diesem Gedankengut ebenso folgen und gleichzeitig Gefühle entwickeln, die sich im besten Fall als Motivation, Vorfreude, Aufregung und Glück ausbreiten.

Olympia-Collage

Was rate ich aktuell also einem Athleten oder Athletin, der oder die sich gern auf die Olympischen Spiele vorbereiten will? Bring genau diese internen Gefühle auf Papier und bastle dir eine Collage (mind. A3), in die du zusätzlich folgende Antworten verarbeitest:

  • Welche Farbe verbindest du mit Olympia?
  • Welches Symbol verbindest du mit Olympia?
  • Welche Melodie verbindest du mit Olympia?
  • Wenn du die Disziplinen als Tiere verkörperst, welches Tier repräsentiert deine Disziplin?
  • Welche Fähigkeiten habt ihr gemein?
  • Welche Fähigkeiten möchtest du noch ausbauen?
  • Wie machst du das?
  • Was wird für dich durch diese Fähigkeiten möglich?
  • Was wünscht du dir für Olympia?
  • Welches konkrete Ziel hast du für Olympia?
  • Was brauchst du dafür?
  • Wen brauchst du dafür?
  • Wer bist du nun, wenn du dich mit deiner Sporttasche in den Flieger setzt, den Gurt festschnallst, der Flieger zur Startbahn rollt, dich in den Himmel hebt und du gen Tokio schwebst?

Platziere diese Collage an einen präsenten Ort und gönn dir deine tägliche Portion Olympia – USE YOUR MIND & YOUR BODY WILL FOLLOW.

Schreckgespenst Absage

Betrachte ich die andere Seite der Medaille, sehe ich dieses Szenario: Es gibt Sportlerinnen und Sportler, die gerade erst die Füße in den Startblock ihrer Karriere setzen und für die eine Absage der Olympischen Spiele in Tokio eine Chance für weitere drei Jahre intensive Trainingsvorbereitung auf Paris 2024 ist.

Und es gibt Sportlerinnen und Sportler, für die die anstehenden Olympischen Spiele die einzige Chance darstellen, den ganz persönlichen Highlight-Erfolg zu erzielen. Für diese Kategorie wäre eine Absage das Ende der Sportlerkarriere auf Weltniveau: die Olympischen Spiele – DAS internationale Ereignis, wo sich die Weltelite der Sportler trifft, um gemeinsam gegeneinander anzutreten.

Ein Gedankenexperiment

Mittels eines Gedankenexperiments habe ich mir Einlass in den Kopf genau dieser Sportlerinnen und Sportler gewährt und mich in ihre Lage versetzt, um Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wie geht es dir und welche Gedanken gehen dir durch den Kopf, wenn du in den August 2021 blickst und eigentlich mit einer olympischen Medaille um den Hals deine Karriere beenden wolltest?

Eine Antwort auf diese Fragen ist sicher alles andere als leicht – ich bezeichne sie als approximative Antwort: Die Gedankenreise beginnt mit wütenden Fragen wie: “Wofür war dieser ganze Aufwand, wofür diese Zeit, wofür diese sinnlose Investition? Denn da am Ende des Tunnels ist leider kein Highlight mehr, keine olympische Medaille für mich. Da ist erstmal genau gar nix – es fühlt sich leer an. Die ganze Zeit war ich besessen von diesem Fokus. Mein Blick war beseelt von diesem Feuerwerk, dem Olympischen Feuer, was mich erwartet, wenn ich auf diesem Treppchen stehe. Und jetzt ist nichts mehr am Ende des Tunnels, es fehlt der Boden unter meinen Füßen. Dennoch bin ich mutig und gehe einen Schritt nach vorne. Ich falle… nach unten – immer tiefer. Und während ich so falle, frage ich mich, wie lange ich noch falle, bis mich etwas oder jemand auffängt? Dieser jemand bin wohl ich selbst. Ich erahne ein Gefühl eines Fallschirms an mir, der irgendwann aufgeht und mich mit beiden Füßen auf den Boden bringt. Das ist definitiv mein erster Fallschirmsprung und je nachdem, wie sanft diese Landung ausfällt, rapple ich mich auf und schaue mich in Ruhe um, da, wo ich gerade gelandet bin. Was ist da? Wer ist da? Welche Optionen gibt es? Und was habe ich bereits im Gepäck? Die ganzen Jahre zuvor: Trainieren, Disziplinieren, Motivieren, Fokussieren, Akzeptieren, Tolerieren begleitet von Willensstärke, Ehrgeiz, Talent, innerer Antrieb und selbsterreichbaren Zielen. All das trage ich nun in meinem Rucksack. All diese Erfahrungen, Erlebnisse und Gefühle habe ich jetzt immer bei mir. Das kann mir niemand nehmen, auch nicht die Absage der Olympischen Spiele. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Genau diese Kostbarkeiten kann ich nun in unterschiedlichen Situationen abrufen und einsetzen. Gleichzeitig stabilisiert mich dieser kostbare Rucksack, so dass ich gefestigt stehe und nach vorne blicke. Ich bin in der Lage, neu zu fokussieren und ich sehe Nebel mit punktuell farbigen Elementen, wie Konfetti als Zeichen für Neues, Zuversicht, Vertrauen, das mich befähigt, loszugehen – wenn auch im Schneckentempo, denn der Rucksack ist prall gefüllt. Und irgendwie tut das Langsame gut. Kleine, wachsame Schritte in Richtung Neues. Ich weiß, der Nebel wird sich irgendwann legen (das liegt schon einfach mal in der Natur der Sache), die Sicht wird freier und das Ziel klarer. Ein Gefühl von Leichtigkeit und Zuversicht beginnt, sich in mir auszubreiten. Ein schönes Gefühl.”

Fazit

Der freie Fall ist für mich eine sehr wertvolle Erfahrung, der meine Gedanken beflügelt, Ideen aktiviert und mich in Bewegung bringt. Und je länger der freie Fall andauert, desto klarer werden die Gedanken und desto stabiler der Stand beim Ankommen.

Für den Fall, dass der freie Fall doch zu einem Flug zu den Olympischen Spielen wird, dann kann ich jedem Athleten nur raten, die Wettkämpfe als Geschenk anzunehmen, lustvoll die Verpackung aufzureißen, das Present anzunehmen wie es ist und die Tage in Tokio zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen. Wer dabei Hilfe braucht, kann gern auf meine Kollegen (zur Übersicht) oder mich (zum Profil von Maria Senz) zurückgreifen.

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Maria Senz
Maria Senzhttp://www.co-senz.de
Sportarten: Beachvolleyball, Volleyball, Kitesurfen, Leichtathletik

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