EM-Special: Sollte Österreich vom Halbfinale und das deutsche Team vom Titel träumen dürfen?

Eines steht fest: Alle, wirklich alle 24 EM-Teilnehmerteams hatten das Thema Ziele in der vergangenen Wochen auf dem Tisch. Während den Teamsitzungen, in Einzelgesprächen mit den Trainern, untereinander auf den Zimmern oder im aufgeräumten Selbstgespräch. Denn eine optimale sportliche Leistung ohne schlau formulierte Ziele zu erreichen, ist kaum denkbar. Wie funktioniert aber ein solcher Zielsetzungsprozess? Was können Amateure dabei von Profis lernen? Ist es schlau, wie Thomas Müller es getan hat, ein bisschen schnippisch zu erwähnen, dass er bis zum Finalwochenende keine andere Termine geplant habe? Wäre es da nicht gleich viel konsequenter zu sagen, dass nichts anderes als der EM-Pokal das Ziel sein muss? Oder sind Ergebnisziele doch großer Quatsch, weil sie einem viel zu leicht schmerzhaft auf den Fuß fallen können?

Zum Thema: Zielsetzungen vor Turnieren und Meisterschaften

Sportlich groß gedachte Ziele. Dagegen spricht auf den ersten Blick nicht viel. Allerdings sollte bedacht werden, dass sobald das Vorhaben einen Namen oder ein Bild bekommen hat, der Fokus auf konkrete Handlungsziele und den Prozess als solchen konzentriert wird. Dies erklärt uns Christian Schwarz (zum Profil), einer unserer Experten aus Österreich, der als Sportmentalcoach in seiner Heimat unter anderem beim GAK 1902 Juniors arbeitet:

Ziele als zentrales Element der Motivation

Markus Gretz (zum Profil) sieht das ganz ähnlich. Der Sportpsychologe im Nachwuchsleistungszentrum des SSV Ulm 1848 sieht Ziele als ein zentrales Element der Motivation an. Gleichermaßen machte er aber auch eine Gefahr deutlich, die darin besteht, wenn es nicht gelingt, einen passenden Fahrplan für den Weg zum Ziel zu erstellen: “Ziele treiben uns an und geben unserem Tun eine Richtung. Deshalb ist es gut, sich auch große weit entfernte Ziele zu setzen. Wenn man es aber nicht schafft, diese weit entfernten und komplexen Ziele in viele kleine Handlungsziele und Aufgaben zu übersetzen, kann ein großes Ziel auch zum Ballast werden. Es kann ablenken, die Konzentration binden und einen Tunnelblick erzeugen, wodurch man nicht mehr flexibel reagieren kann. 

Damit ein Ziel Antrieb und Richtung vorgeben kann, muss ich davon überzeugt sein, dass ich in der Lage bin, es durch eigene Handlungen auch zu erreichen. Diese Handlungen muss ich dann identifizieren. Das Ziel muss also realistisch sein und man sollte sich immer überlegen, was man selbst dafür tun kann und tun sollte. Wer dann auch noch die Hindernisse auf dem Weg zum Ziel erkennt und mögliche Lösungen dafür überlegt, schafft beste Bedingungen, sein Ziel auch zu erreichen oder ihm zumindest näher zu kommen.”

Was Ziele mit Sportlern machen

Kathrin Seufert (zum Profil), die im Nachwuchsleistungszentrum des VfL Osnabrück tätig ist, hat ebenso regelmäßig mit dem Thema Ziele zu tun. Und nicht zuletzt ist sie eine Zauberin in Sachen schick gestalteter Flipchart-Seiten – schaut euch an, was Ziele mit euch machen. 

Unter uns: Wer Lust auf noch mehr solcher Handmade-Grafiken hat, der kann bei Kathrin und den anderen ProfilinhaberInnen Vorträge und Workshops buchen: Link

Grafik von Kathrin Seufert

Das Ziel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Machen wir es konkret: Janosch Daul (zum Profil), der im Nachwuchsleistungszentrum des Halleschen FC arbeitet, erklärt am Beispiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wie der Zielsetzungsprozess optimal ausgestaltet werden kann. Mega interessant ist dabei sein Einwand, woher der Ziele kommen sollten. Schaut es euch an:

Janosch Daul im Video

Halbfinalist Österreich?

Zum Schluss spielen wir den Ball noch einmal nach Österreich. Bei internationalen Top-Spielern wie Alaba, Sabitzer und Arnautovic sind viele Experten auch hinsichtlich großer Ziele nicht verlegen. Dies gab es, wenn wir uns erinnern, schon vor der Europameisterschaft 2016 – das Team ist damals krachend in der Vorrunde gescheitert. Wie also Ziele in rot-weiß-rot formulieren, Christian Schwarz (zum Profil)?

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Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing

Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist

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