Johanna Constantini: Vom Ärger zum Sieg – Emotionsregulation als Wettkampfstrategie

In einer Zeit, in der alles um uns zunehmend außer Kontrolle zu geraten droht, scheint es umso wichtiger, mit uns selbst ins Reine zu kommen. Mit am besten gelingt das dann, wenn wir unsere Emotionen kennen und vor allem kontrollieren lernen. Im Sport, wie im Leben stellt die sogenannte Emotionsregulation den wichtigsten Mechanismus dar, um unsere psychische Gesundheit erhalten zu können. Doch wenn wir schon von Mechanismus sprechen, dann wo nur die Schrauben ansetzen? 

Zum Thema: Emotionsregulation im Sport

Emotionen – synonym wird dafür gern der Begriff „Gefühle“ verwendet – zeigen unsere Bedürfnisse auf. Sowohl die Bedürfnisse, wie wir sie für uns selbst erfüllen wollen, als auch jene, denen unsere Mitmenschen gerecht werden sollten. Emotionen gehen dabei letztlich auf den lateinischen Begriff „emovere“ zurück, was so viel wie „herausbewegen“ bedeutet und wiederum mit jenen geweckten Bedürfnisse in Zusammenhang gebracht werden kann. Nicht zuletzt deshalb sind und bleiben Emotionen vor allem im Sport ein großes und wichtiges Thema. Schließlich schaffen es diese uns ureigenen Antriebssysteme auch, uns zu Höchstleistungen zu bewegen, Entbehrungen auszuhalten, an unsere Grenzen und darüber hinaus zu gehen. Ebenso wie sie uns in jedem Lebensbereich im Weg stehen, uns blockieren oder missmutig stimmen können. 

Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Emotionen, mehr noch die Bedürfnisse die dahinter stehen, besser kennen lernen:

1. Emotionen kennen und benennen

Ein erster Schritt dazu ist, die eigenen Emotionen in verschiedensten Bereichen erst einmal für sich benennen zu können. Schließlich tun wir das alle viel zu selten. Oder wissen wir tatsächlich, wann wir traurig, enttäuscht, leichtfüßig, beschwingt, missmutig, eifersüchtig, überfordert oder gelangweilt sind?  

Viel lieber beziehen wir uns da doch auf die vielzitierten Basisemotionen nach Ekmann (1992) und nennen beispielsweise Freude oder Trauer als uns bewusste Gefühle. Doch Emotionen gibt es viele und je detaillierter wir uns auch der eigenen Gefühlswelt bewusst werden, umso eher erkennen wir auch die Bedürfnisse, die dahinterstehen. 

Emotionslisten können helfen, sich der vielen eigenen Emotionen bewusster zu werden. Ich habe dazu ein Beispiel angefertigt: 

2. Zusammenhänge erkennen

Erst wenn sich Emotionen bewusst machen und im besten Fall benennen lassen, so können sie auch in einem größeren Kontext verstanden werden. Dann gilt es nämlich zu hinterfragen, ob gewissen Situationen ständig dieselben Emotionen hervorrufen? Es geht darum, dahinter stehende Bedürfnisse erkennen zu können. Ist man beispielsweise bei Trainings in den Abendstunden durchwegs unmotiviert und steht dahinter womöglich das Bedürfnis einer Ruhephase, so sollte man versuchen, den Emotionen Beachtung zu schenken. Oder „triggert“ eine Person scheinbar ständig das Auftreten so mancher negativen Emotionen und wird einem dies bewusst, so lassen sich auch möglicherweise hemmende Zusammenhänge im Trainings- und Wettkampfalltag ändern oder Konflikte mit den betreffenden Personen ansprechen.

3. Emotionen einordnen 

Neben den Emotionen und Situationen oder Personen, die sich womöglich in einen Zusammenhang bringen lassen, unterscheiden sich Emotionen auch per se. Dabei spricht man auch von Ursprungs- und Deckgefühlen oder von primären und sekundären Emotionen (Greenberg u. Paivio 1997). Ursprünglich oder primär fühlen wir im Training beispielsweise Überforderung, weil der lang geübte Schlag einfach nicht gelingen mag. Aus der Angst heraus, Überforderung – zum Beispiel vor dem Team – nicht zeigen zu dürfen, reagieren wir (sekundär) mit Wut. Vor allem auf uns selbst, aber auch gegenüber TrainerInnen, KollegInnen oder BetreuerInnen. 

Bedeutung für Training und Wettkampf

Und hier schließt sich wiederum der Kreis der Emotionsregulation: Kennen wir unsere ursprünglichen, primären Emotionen besser und wissen, welchen Bedürfnissen sie vorausgehen, so können wir uns selbst nicht nur anders ausdrücken, sondern auch zielführender regulieren lernen. Auch sportpsychologische Unterstützung kann hier ansetzen!

Meine KollegInnen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Johanna Constantini) freuen uns über eine Kontaktaufnahme.

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