Maria Senz: Weniger Zahlen, mehr Spaß – Wenn schon Optimierungswahn, dann wenigstens mit Gefühl

Neulich wurde ich durch einen Hörbeitrag von Journalist und Rennradfahrer Arno Orzessek im Deutschlandfunk inspiriert. Er fragt sich, wozu der ganze Leistungswahn? In seinem Beitrag erzählt er von einer persönlichen Erfahrung, die mich zum Nachdenken brachte. Und als ich so darauf herum dachte, kam ich zu der Frage: Ist es möglich, maximale Höchstleistung durch eine intrinsische Fähigkeit wie Spaß zu generieren?

Zum Thema: Spaß als Triebkraft im Sport

Spaß ist zum Beispiel ein Vergnügen, eine Freude, die wir bei einem bestimmten Tun empfinden. Ein Gefühl also, dass sich einstellt, wenn wir einer gewissen Handlung oder Äußerung folgen.

Ein Gefühl ist etwas, was wir über unseren Körper wahrnehmen. Wir können es spüren und somit auch ein Stück greifbar für uns machen. Durch das Greifbare erhält es Lebendigkeit und irgendwie wird es dadurch real. Wir haben eine konkrete Vorstellung, ein konkretes Bild, dass wir uns modellieren, bunt ausmalen und verfolgen können.

Vergleichen im Sport

Klar geht es im Sport um Leistungsdaten, Wettbewerb, höher, schneller, weiter, stärker und mehr. Der Wahn nach maximaler Höchstleistung ist unbegrenzt – zumindest das Gefühl danach.

Und wenn wir schon unbedingt messen, Daten vergleichen, Statistiken erheben, um was auch immer zu interpretieren und Handlungsschritte auszulösen, dann lasst uns doch wenigstens die Messwerte gemeinsam mit den Sportlern definieren: zum Beispiel Gefühle wie Spaß, Mut oder Erschöpfung. Die dazugehörigen Messgeräte existieren ja bereits: der Athlet mit seiner inneren Festplatte, der uns direkt und ohne Verzerrung selbstbestimmte Werte auf einer Skala von 0 bis 10 zurückmeldet.

Naive Freiheit

Als ich an meinem ersten offiziellen Halbmarathon teilgenommen habe, bin ich einfach losgelaufen. Ich hatte Bock drauf. Mein Körper, meine Beine, meine Ausdauer fühlten sich gut an, so dass die Distanz in jedem Fall machbar war und ich mir eine Zielzeit von weniger als zwei Stunden zugetraut und vorgenommen habe. Meine Vorbereitungen sahen so aus, dass ich bereits viele Jahre zuvor regelmäßig gelaufen bin. Länge der Strecke, Geschwindigkeit, Verbrennungswerte haben mich noch nie interessiert. Ich habe einfach grundsätzlich riesigen Spaß am Laufen und es macht mich kreativ. Je nach körperlicher Verfassung ergeben sich Distanz, Geschwindigkeit und Co. spontan. Das mag völlig naiv klingen. Für mich ist es Freiheit. Ich folge meiner Intuition und meinem Bewusstsein.

Mal angenommen, ich hätte damals den anderen Weg eingeschlagen, als ich vor der Gabelung Intuition versus Wissen stand und mich für das Wissen entschieden. Das Wissen darüber, dass meine Messwerte bei einem Halbmarathon locker unter zwei Stunden liegen. Dann hätte ich meine Messlatte für diese Distanz vermutlich auf unter 1,5 Stunden gelegt. Dieser Gedanke hätte vor und während der gesamten Strecke ordentlich Druck in meinem Kopf gemacht und vielleicht sogar meinen Körper gelähmt. Mit Tunnelblick nur darauf fokussiert, ohne die wunderschöne Strecke durch und um Leipzig mit dem tosenden Publikum, den saftig-grünen Wiesen und dem Sonnenschein wahrzunehmen. Völlig erschöpft und mit Kopfweh wäre ich ins Ziel getaumelt, um am Ende wahrscheinlich doch nicht die magische Zielsetzung zu erreichen.

Abkehr von Messwerten

Anstelle dessen habe ich mich für die Intuition entschieden, um im großen Finale die Lorbeeren zu ernten: Das Publikum, das von außen anfeuert, mich mit Jubelschreien, Pfiffen und Applaus auf der Zielgeraden begleitet und meine Beine plötzlich wie von selbst mit Vollgas durch das Zielband rasen. Und genau das ist er, dieser Spaß, mein Motivations-Kick am Sport, der in diesen Situationen zu meiner maximalen Höchstleistung beiträgt – unabhängig von irgendwelchen Messwerten.

Die Gratwanderung zwischen Leistungsspaß und Leistungsdruck bleibt, genauso wie Zahlen das Business bestimmen. Vielleicht schaffen wir es, den Grat ein bisschen zu verbreitern, so dass mehr Handlungsspielraum für selbstbestimmte Messwerte durch Athleten möglich wird.

Wie klingt das für dich? Nimm gern Kontakt zu Maria Senz (zum Profil) auf oder schau, wer von uns ganz in der Nähe deiner Haustür für dich greifbar ist (zur Übersicht).

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Sportarten: Beachvolleyball, Volleyball, Kitesurfen, Leichtathletik

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