Der 65-min. Film zur Praxis der Sportpsychologie „Alles geschieht im Kopf“ zeigt anhand vieler Praxisbeispiele sportpsychologische Interventionsmögichkeiten und soll das Image der Sportpsychologie verbessern.
Mitwirkende u.a. Mats und Jonas Hummels, Frank Busemann, Christian Keller, Patrik Kühnen, Peter Neururer, Claus-Dieter Wollitz u.a.
„…kann ich dir zu deinem Film ruhigen Gewissens gratulieren. Finde diese Art der Vermittlung von sportpsychologischer Arbeit sehr passend für unsere Zeit und auch die Themenwahl gefällt mir. Toll ist natürlich, dass dir so bekannte und glaubwürdige Sportler und Trainer zur Verfügung gestanden sind.
Besonders wichtig erscheinen mir die guten und sehr interessanten Beispiele, wie zum Teambuilding, die den Zuseher erleben lassen, wie so etwas ablaufen kann und auch die ruhige Arbeitsweise des Psychologen gut abbilden“.
TONI INNAUER, SKISPRINGEN, GOLDMEDAILLENGEWINNER
Der Film wurde erstmalig am 26. März 2016 im BR ausgestrahlt und mehrfach in den ARD-Programm wiederholt.
Menschenleere Stadien. Dieses Bild wird bleiben, wenn auf die Bundesliga-Saison 2019/2020 zurückgeblickt wird. Aber wie sehr hat die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen für Fans und Vereine den Sport verändert? Erleben wir aktuell den Start eines Booms der Sportpsychologie? Und wie können die vielen Profis und Vereine, die dem möglichen Trend nach besserer psychologischer Betreuung folgen wollen, fündig werden? Nicht zuletzt: Darf bei der Bewertung der Leistungsentwicklung des FC Schalke 04 die Rolle des Sportpsychologen außen vor gelassen werden?
Interview mit Dr. Jan Rauch, Prof. Dr. Oliver Stoll, Ilias Moschos, Janosch Daul, Anne Lenz, Kate Seufert und Anke Precht
Im Frühjahr wurde das Thema „Einfluss der Fans“ sehr kontrovers diskutiert. Was haben die Geisterspiele – quasi als Experiment unter Laborbedingungen – nun für eine Erkenntnis hervorgebracht: Haben Fans im Profi-Fußball nun Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz?
Dr. Jan Rauch (zur Profilseite): Aus meiner Sicht haben die Fans grundsätzlich natürlich schon einen Einfluss. Die Richtung des Einflusses (also eher positiv richtung Leistungssteigerung vs. eher negativ) ist aber sehr individuell ausgeprägt. Es wird Spieler geben, die sich gefreut haben, ohne den “Druck” der Fans agieren zu können und andere, denen ein Teil der Motivation wegfiel. Da man davon ausgehen darf, dass sich solche Ausprägungen über die Mannschaften etwa ausgleichen, sehe ich keine Wettbewerbsverzerrung.
Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite): Kürzlich habe ich im Deutschlandradio im Sportgespräch mit Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach gehört, dass es in der Corona-Zeit Forschung gegeben hätte, die den Einfluß der Fans belegen würde. Mir ist keine Studie über den Weg gelaufen gekommen – ist ja vielleicht auch erst ein Pre-Print 😉 Aber auch das hätte ich eigentlich finden müssen. Anyway – mein Bauchgefühl sagt mir… sportlich betrachtet – alles wie vor Corona!
Ilias Moschos (zur Profilseite): Natürlich hat das Fanverhalten in einem bestimmten Maß Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz. Fanverhalten kann aktivierend aber auch hemmend wirken. Was das Fanverhalten allerdings nicht schafft ist, fehlende Qualität auszugleichen.
In den vergangenen Wochen konnten wir das Gefühl bekommen, dass auch in den Topligen, u.a. durch die Verpflichtung von Philipp Laux bei Borussia Dortmund, die Bedeutung der Sportpsychologie wächst. Täuscht das oder ist Bewegung im Markt?
Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite): Unstrittig ist, dass Sportpsychologie – auch im professionellen Fußball etwas beizutragen hat – ich vermute aber eher, dass diese Wahrnehmung eine Einzelwahrnehmung ist – und nicht für “Dynamik” im Markt spricht.
Dr. Jan Rauch (zur Profilseite): Ich mache gerade die Erfahrung, dass der Einbezug von Sportpsychologen/-innen im Profifussball (noch stärker als in anderen Sportarten) von einzelnen Entscheidungsträgern (Sportchef, Trainer, Präsident) geprägt ist – und leider nicht von einem dynamischer werdenden Markt.
Ilias Moschos (zur Profilseite): Zum Einen hängt vieles von den Verantwortlichen in den Vereinen ab, zum anderen spielt auch die Kompetenz und Professionalität der Sportpsychologen eine große Rolle. Da klafft oft zwischen Theorie und Praxis ein großes Gap. Wir sollten da auch so offen sein und bestehende Seilschaften benennen. Manche Beauftragung findet genau aus dem Grund statt. Ich persönlich halte die Aktion für ein Strohfeuer, da nach wie vor die Sportpsychologie nicht das erforderliche Standing hat.
Mit Sascha Lense ist im vergangenen Sommer ein Sportpsychologe zum FC Schalke gewechselt. Ein Verein, der gerade im Jahr 2020 wie ein taumelnder Boxer unterwegs ist. Böse gesagt, wenn die sportliche Entwicklung für einen Sportpsychologen zeugnisrelevant wäre, dürfte die Versetzung als gefährdet gelten. Aber so einfach ist es nicht, oder?
Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite): Eines der größten Missverständnisse zu unserer Arbeit. Unsere Arbeit rein am sportlichen Erfolg zu messen, ist kurzfristig, unrealistisch und verkennt ein humanistisches Menschenbild.
Janosch Daul (zur Profilseite): Den Ergebniserfolg eines Teams, beispielsweise greifbar am Tabellenstand, insbesondere in einer hochkomplexen Spielsportart wie dem Fußball als Bewertungsgrundlage für die Arbeit eines Sportpsychologen heranzuziehen, ist mehr als fragwürdig. Selbst dem Trainer als Hauptverantwortlichen wird aus meiner Sicht ein zu großer Einfluss auf das Endergebnis eines Teams unterstellt, welches im Fußball ja aus über zwei Dutzend autonomen Individuen besteht. Insbesondere im Vergleich zu CEOs mächtiger Wirtschaftsunternehmen – das belegen die Zahlen – werden Trainer viel öfter für fehlende Ergebnisse verantwortlich gemacht und rigoros ausgetauscht. Ein langfristiger Effekt ist oftmals nicht gegeben. Vielmehr ist ein Ergebnis im Fußball von zahlreichen Faktoren abhängig und nicht wenige von ihnen sind sowohl für einen Trainer als auch einen Sportpsychologen kaum kontrollierbar – beispielhaft seien strittige Elfmeterentscheidungen genannt.
Will insbesondere die Vereinsführung die Leistung eines Sportpsychologen bewerten, muss sie sich ganzheitlich mit dem Wirken des Sportpsychologen auseinandersetzen und versuchen, ein möglichst ganzheitliches Bild zu kreieren. Dabei müsste sie systematisch Einblicke in die Arbeit des Sportpsychologen über die gesamte Saison hinweg erhalten. Eine unabdingbare Voraussetzung, um diese Eindrücke dann auch interpretieren und letztlich eine Bewertung vornehmen zu können, besteht darin, dass die Vereinsführung selbst über (sport)psychologisches Know-How verfügen muss. Aber: Die Leistung eines Sportpsychologen wird – wie die eines Trainers – (in naher Zukunft) nie objektiv messbar sein.
Für Medien und Fans ist die Leistung eines Sportpsychologen aus meiner Sicht keinesfalls beurteilbar; schließlich nehmen sie ausschließlich eine Außenperspektive ein, haben keine Einblicke in das tatsächliche Wirken des Sportpsychologen und gelangen höchstens vereinzelt an gewisse Infos aus dem inneren Zirkels des Systems “Team”, was aber keinesfalls eine Bewertungsgrundlage darstellen kann.
Anne Lenz (zur Profilseite): Die Leistung eines Sportpsychologen kann (wenn überhaupt) von direkt betreuten Sportlern und Trainern durch den Mehrwert der Betreuungs- & Beratungstätigkeit bemessen werden. Dieser Mehrwert ist für jeden Sportler/Trainer genauso hoch individuell, wie das eigene Anliegen der Zusammenarbeit. Die Wirksamkeit eines Sportpsychologen sollte nicht an Tabellenpositionen abgelesen werden, sondern an der Ausschöpfung und Weiterentwicklung des individuellen Potenzials des Sportlers/Trainers/Teams. Zudem sei darauf hinzuweisen, dass in einer professionellen sportpsychologischen Betreuung die Verantwortung für die eigenen Fortschritte auch bei Sportlern und Trainern liegen & ein ausgeprägtes Commitment für eine leistungsstarke Zusammenarbeit unabdingbar ist.
Wann wäre der richtige Zeitpunkt, sich einen Sportpsychologen mit ins Boot zu holen? Und wie sollten Vereine scouten oder wen sollten die Manager fragen?
Anke Precht (zur Profilseite): Der Sportpsychologe kann von Beginn an in die Prozesse eingebunden werden: Scouting, Kommunikation, Teambuilding. Am besten frühzeitig. Sonst: Lieber spät als gar nicht.
Kathrin Seufert (zur Profilseite): Die Einbettung eines Sportpsychologen/in erfolgt bestenfalls zu Beginn einer neuen Saison. So haben Spieler und Trainer gleich die Gelegenheit, diese Facette der Entwicklungsmöglichkeit von Anfang an mit in die Abläufe zu integrieren. Neben dem Kennenlernen des großes Spektrums an Möglichkeiten, die die Sportpsychologie bietet, sind es zu Saisonwechsel ja auch andere personelle Veränderungen, so dass es eine Gruppe “Neuer” gibt. Auch zur Winterpause ist ein Einstieg sicherlich möglich. Das Einsetzen eines Sportpsychologen/in als “Feuerwehrmann/frau” halte ich hingegen für nicht zielführend.
Janosch Daul (zur Profilseite): Der Sportpsychologe als Teil des Trainerteams hat zumeist zwei Aufgaben. Auf der einen Seite geht es darum, durch ein systematisches und strukturiertes Vorgehen die Beteiligten des Systems Team auf individueller Ebene dabei zu unterstützen, mentale Leistungsressourcen auszuschöpfen. Und auf der anderen Seite das Trainerteam fachkundig dabei zu beraten, wie dieses – insbesondere durch das Schaffen passender Rahmenbedingungen – aus individuellen Höchstleistern ein funktionierendes Team entwickeln kann.
Um diesen Aufgaben gerecht werden zu können, braucht es die Einbindung des Sportpsychologen in alle wesentlichen Teamprozesse ab Beginn des Vorbereitung. Nur so kann er sich den so wichtigen Überblick über das System Team – z.B. die Persönlichkeiten, wesentliche Abläufe, Strukturen etc. – verschaffen, um dann wirkungsvoll intervenieren zu können. Wenn möglich, wird er sogar in den vor der Saison so bedeutsamen Scoutingprozess eingebunden, der die Teamzusammenstellung maßgeblich beeinflusst.
Ilias Moschos (zur Profilseite): Wann der richtige Zeitpunkt ist? Immer!
Viele Profis stehen in den kommenden Wochen bis zum Ende der ausgeweiteten Transferperiode vor einer großen Unsicherheit. Nicht wenige sind ohne Verein. In welcher Form kann die sportpsychologische Betreuung in einer solchen Phase helfen? Wie sollten sich die Kicker oder auch Trainer ihren persönlichen Sportpsychologen aussuchen, wenn ihnen gerade keiner empfohlen wird oder sie Hemmungen haben, sich mit den ggf. im Verein oder dem Ex-Verein beschäftigten Kollegen anzuvertrauen?
Anke Precht (zur Profilseite): Die meisten Profis suchen sich ihren Sportpsychologen auf Empfehlung. Dass heißt, sie fragen Kollegen aus dem Verein. Die meisten sind gut vernetzt. Wenn nicht, kann auch die Recherche im Internet, zum Beispiel bei “Die Sportpsychologen” (zur Übersicht) helfen. Einfach mit ein paar Kollegen telefonieren. Fußballer merken, wo es eine Passung gibt. Sich den Sportpsychologen selbst aussuchen zu können, ist oft auch eine Chance, nicht wenige Profis machen das ja sowieso schon zusätzlich. Der freie Sportpsychologe ist dem Verein nicht verpflichtet und kann den Spieler weiter über den Tellerrand schauen lassen, was zum Beispiel die Wahl des nächsten Arbeitgebers angeht.
Kathrin Seufert (zur Profilseite): Die Sportpsychologie kann dazu beitragen, diese Unsicherheit besser aushalten zu können, bzw. sich dem Thema mit einem Perspektivwechsel anders anzunehmen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und individuell sehr gut anpassbar. Auf der Suche nach einem geeigneten Sportpsychologen/in ist die Experten-Datenbank des bisp oder unsere Seite von die-sportpsychologen.de (zur Übesicht der Profilinhaber) eine gute Anlaufstelle. Ein erstes Kennenlernen zeigt dann vielleicht schon, ob die “Chemie stimmt” und die Grundlagen zur Vertrauensbildung vorhanden sind. Sorgen und Ängste bezüglich der Konsultation eines solchen Experten dürfen sehr gerne angesprochen werden und können bestenfalls gleich beim ersten Treffen aus dem Weg geräumt werden.
Ilias Moschos (zur Profilseite): Die Empfehlung ist das, wonach sich Profis ihren Kooperationspartner aussuchen. Sie tauschen sich untereinander aus und erfahren so “aus erster Hand”, wer vertrauenswürdig, loyal, seriös und kompetent ist.
Der Streamingdienst Netflix schaltete am 24. Juni 2020 die erschütternde Dokumentation «Athlete A» auf. Im Mittelpunkt dieses aufwühlenden Berichts steht der Missbrauchsskandal rund um Larry Nassar, der im Januar 2018 zu 175 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Zu Wort kommen aber insbesondere die «survivors» – so bezeichnen sich die Kunstturnerinnen, die sich dank ihres mutigen Auftritts in der Öffentlichkeit allmählich von den bleiernen Fesseln abscheulicher Misshandlungen befreien.
Zum Thema: Aufgaben für die Sportpsychologie zur Prävention von Sexualisierter Gewalt im Nachwuchssport
Spitzensport definiert sich über humanistische Werte. Viele Athletinnen erleben und bezeichnen diesen als positive Lebensschule. Sie sprechen von einem interessanten Karriereweg mit Höhepunkten und überwundenen Hindernissen, die letztlich eine Persönlichkeit reifen lassen. Sport transportiert vielfältige Emotionen – darum lieben wir ihn alle. «Athlete A» – personifiziert in der US-Kunstturnerin Maggie Nichols – öffnet dagegen unser „blind eye“, trifft vielleicht unseren blinden Fleck. Was die investigativen Journalistinnen und Journalisten vom «The Indianapolis Star» in ihrer rund zweistündigen Dokumentation an Fakten und Hintergrund ans Tageslicht fördern, beelendet zutiefst und macht mich schwer betroffen – als Vater, ehemaliger Trainer und Sportpsychologe.
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Hauptakteurin in der Recherche ist Maggie Nichols, die in den Akten als «Athlete A» geführt wird. Ihr Beispiel steht stellvertretend für eine unfassbar grosse Gruppe von 500 psychisch misshandelten und sexuell missbrauchten jungen Athletinnen. Sie alle wurden Opfer eines pädophilen Sportmediziners – ebenso missbraucht aber auch von menschenverachtenden TrainerInnen, einem verantwortungslosen Verbandspräsidenten, korrupten Olympia-Funktionären und meist ahnungslosen Eltern.
Verstörend, unerbittlich – aber auch dramaturgisch brillant
Der «IndyStar» fesselt uns mit seinem schonungslosen Blick auf diese dunkelsten Seiten des Spitzensports. Die dargestellten Straftaten machen mich gleichermassen betroffen wie wütend. Perfekt inszeniert, bildgewaltig sowie sezierend in Ton und Kommentar, schwindet mein „blinder Fleck“, spüre ich eine subtile Metamorphose zum „Mitwisser“ und „Betroffenen“. Entstanden ist ein verstörendes Zeitbild des amerikanischen Kunstturnens, dessen Strahlkraft bis in unsere nationalen Sportsysteme reicht.
In der Schweiz wissen wir nicht erst seit den Darstellungen der ehemaligen Spitzenturnerin Ariella Käslin in ihrem Buch „Leiden im Licht“, dass die besondere Problematik in der sehr spezifischen Hochleistungsförderung im frühen Kindes- und Jugendalter mitbegründet ist. Die Rede ist von 30 bis 35 Trainingsstunden die Woche für 14-Jährige!
Augen öffnen, hinschauen und handeln
Die Hauptbotschaft, die auch in den Plädoyers vieler betroffener Turnerinnen vor Gericht zum Ausdruck kam, richtet sich an die Verbände und ihre TrainerInnen. Diese werden in die unabdingbare Pflicht genommen, endlich echte Verantwortung zu übernehmen und Massnahmen zu ergreifen, um künftige Fälle zu verhindern. Es dürfe nicht weiter geduldet werden, bei Übergriffen wegzuschauen und Opfer zu verunglimpfen. US-Superstar Simone Biles, selbst auch Opfer von Nassers Übergriffen, offenbarte in ihrem emotionalen Statement anlässlich der US-Turnmeisterschaften 2019, dass diese Wunde noch bei weitem nicht verheilt ist: „Wir Athletinnen geben alles für euch, ihr hattet nur einen verdammten Job – und habt uns nicht vor IHM geschützt“.
Was Simone Biles aber auch zwischen den Zeilen erkennen lässt: Was fehlt ist die Verlässlichkeit derjenigen, die es besser wussten. Der Erwachsenen. Und dieses Vertrauen fehlt auch heute noch.
Kernaussagen des Films und Bedeutung für die Sportpsychologie
Biles schockierende Äusserungen implizieren die Notwendigkeit bedeutsamer Massnahmen und Veränderungen – auch aus Sicht der Sportpsychologie. Im Folgenden beziehe ich mich auf vier Kernaussagen der Dokumentation und verbinde diese mit aus meiner Sicht bedeutsamen sportpsychologischen Überlegungen.
Maggie Nichols: „In anderen Sportarten sind die Athletinnen erwachsen – sie können entscheiden, was sie möchten. Ich glaube nicht, dass das im Turnsport so ist. Sie gehen mit zehn in diese Trainingslager und werden jahrelang missbraucht. Und wenn sie älter werden, ist diese Grenze zwischen hartem Training und Missbrauch verschwommen. Wenn dann ein sexueller Missbrauch stattgefunden hat, misstrauen sie ihrer Wahrnehmung.“
Aus ethischer Sicht müsste hier die Sportpsychologie aktiv werden und eine klare Position gegen Jugendhochleistungssport einnehmen. Was würde gegen die Einführung eines Alterslimit von 18 Jahren für internationale Titelkämpfe wie EM, WM und Olympische Spiele sprechen? Als weitere wichtige Orientierung böte sich die „Charta der Rechte der Kinder im Leistungssport“ an. (La Charte des droits de l’enfant dans le sport, Bizzini et. al. 2009). Regel Nr. 10 besagt z.B.: Das Kind hat das Recht auch kein Champion zu sein!
Maggie Nicols kam mit 14 Jahren in die Nationalmannschaft. Nichols Vater dazu: „Es war eine Ehre (…), so werden Olympiateilnehmerinnen gemacht. Im Trainingscamp waren keine Eltern erlaubt. Man sollte meinen, sie würden auf die Mädchen achten, wir waren als Eltern nicht zugelassen.“ Die TrainerInnen vertraten die Meinung, dass bei jüngeren Turnerinnen mehr Kontrolle nötig wäre. Nationaltrainer Bela Karolyi meinte gar: „Wir müssen absolute Kontrolle über die Mädchen haben.“ Die Trainings-Atmosphäre basierte auf Furcht, Einschüchterung und Schweigen – der einzige Lichtblick war Larry Nassar – „er gab uns heimlich Essen und Süsses. Er war ein beliebter Mann.“
Die Beschreibungen deuten auf ein insgesamt perfide gesponnenes Beziehungsnetzwerk hin, welches auf Macht, Kontrolle, Abhängigkeit und Isolation der Turnerinnen baute. Die Eltern waren nur dort geduldet, wo sie nicht stören konnten. Aus anderen Quellen gibt es zudem Hinweise, dass Eltern – auch aus Furcht vor Repressalien – dieses missbräuchliche System wissentlich duldeten.
Im krassen Kontrast zu diesem menschenunwürdigen Regime steht der ganzheitliche Entwurf einer umfeldbasierten Athletenbegleitung, wie ihn die Sportpsychologen Kristoffer Henriksen und Natalia Stambulova (2017) vorschlagen. Gemäss ihrem holistischen Ansatz soll beispielsweise die Umgebung einer jungen Athletin insgesamt auf den Sport ausgerichtet sein, basierend auf einer altersdurchmischten Gruppenstruktur, die insbesondere auch der Entwicklung psychosozialer Kompetenzen zuträglich wirkt. Der Vergleich mit ihren sportlichen Vorbildern fördert die Motivation der zukünftigen Leistungsträger.
„Es geht darum, diese Marke (USA-Gymnastics) zu verkaufen. Diese Kinder werden alle von Erwachsenen angeleitet, ihren olympischen Traum wahrzumachen. Im Grunde benutzen sie den Traum eines Kindes, um eine Marke zu entwickeln. Und sie waren so damit beschäftigt, die Marke zu verkaufen, dass sie keine Zeit für diese Mädchen hatten.“ Dazu Anwalt John Manly: „Und da wusste ich es, mit wem ich es zu tun hatte: ich hatte es mit einer Organisation zu tun, die einen Dreck auf Kinder gab, die sich nur um sich selbst kümmerte und Vergewaltigungen deckte.“
Ich in meiner Funktion als Sportpsychologe bin mir meiner ethisch-moralischen Verpflichtung bewusst. Die Berufsordnung des Berufsverbandes schützt die Rechte und die Integrität aller Personen, die in eine psychologische Tätigkeit einbezogen oder direkt davon betroffen sind. Andererseits bin ich als Psychologe auch gebunden an die Schweigepflicht. Gemäss Artikel 364 StGB dürfen die nach Artikel 321 StGB zur Wahrung des Berufsgeheimnisses verpflichteten FachpsychologInnen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ohne Befreiung von der Schweigepflicht Mitteilung erstatten, wenn an einer minderjährigen Person eine strafbare Handlung begangen wurde.
Kunstturnerin Rachael Denhollander sagt: „Ich wusste nicht viel mit 15 aber eins wusste ich: Missbrauchsopfer werden nicht gut behandelt. Sie werden belächelt, ausgefragt, für mitschuldig gehalten. Und das fügt dem Heilungsprozess unglaublichen Schaden zu. Ich wünschte, ich hätte damit vor 16 Jahren umgehen können. Damals konnte ich es nicht – aber ich kann es jetzt.“
Einen wichtigen Hinweis zum Verstehen und Begleiten sexuell missbrauchter Jugendlicher liefert ihr Anwalt John Manly: „Was viele Leute nicht sehen ist, dass das die erste sexuelle Erfahrung für fast alle dieser Mädchen war.“
Intimität und körperliche Nähe sind in diesem Alter oft verbunden mit fragilen Erfahrungen. Ein Übergriff erleben sie, als ob man ihnen etwas wegnimmt oder etwas beschädigt wird. Letzten Endes war es das, was Nasser wirklich tat, er hat ihnen eine liebvolle und intime Erfahrung gestohlen. Und sie kämpfen alle darum, diese wieder zurückzubekommen.
Gutes Ende?
Und wie geht es «Athlete A» Maggie Nichols heute? „Der Elite-Bereich von damals hat mich irgendwie klein gehalten. Inzwischen bin ich als Person und Frau gewachsen. Ich fand meine Liebe für den Sport wieder.“ 2018 wurde Maggie Nichols US-Mehrkampfmeisterin im Kunstturnen. Sie verteidigte 2019 ihren Titel erfolgreich.
Gertsch, C. & Steffen, B. (2015). Ariella Käslin – Leiden im Licht. Die wahre Geschichte einer Turnerin. Zürich: NZZ Libro.
Henriksen, K. und Stambulova, N. (2017). Creating optimal environments for talent development. In: J. Baker, S. Cobley, J. Schorer und N. Wattie (Eds.), Routledge handbook of talent identification and development in sport (S. 271-284). London: Routledge.
La Charte des droits de l’enfant dans le sport: un outil pour promouvoir la santé et protéger l’enfant dans le sport. P. Mahler, L. Bizzini. Paediatrica 2009;20(1):36-37. http://www.swiss-paediatrics.org/paediatrica/vol20/n1/pdf/36-37.pdf
Verletzungen und Schädigungen sind im Sport keine Seltenheit. Viele Aktive – sei es in den bekannten Spielsportarten sowie in den Extrem- oder Individualsportarten – haben aber nie gelernt, den Schmerz und seine Funktion zu verstehen und adäquat darauf zu reagieren. Der Gebrauch von Schmerzmitteln spricht Bände. Extrem viel Potential bietet in diesem Bereich die Hypnose. Doch bei der Anwendung sind Grenzen gesetzt.
Zum Thema: Hypnose im Sport
Als früherer Leistungssportler (bis 3. Liga Handball und Leichtathlet) sowie langjähriger Trainer, Sportmediziner und sportpsychologischer Coach für verschiedene Handball-Bundesligisten und den Deutschen Handballbund (DHB) weiß Klaus-Dieter Lübke Naberhaus wovon er spricht, wenn es um das Thema Schmerzen im Sport geht. In den vergangenen Jahren hat er sich in diesem Themenfeld eine besondere Expertise erarbeitet, die er regelmäßig in seiner Tätigkeit beim HC Leipzig und dem DHB anwenden kann. Im Video erklärt er, was Spieler, Trainer und Interessierte über den Einsatz der Sporthypnose zur Schmerzlinderung wissen sollten…
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Am Samstag, den 11. Juli, veranstaltet Klaus-Dieter Lübke Naberhaus zusammen mit Anke Precht von Die Sportpsychologen in Leipzig den Workshop „Hypnoseanwendungen im Sport“. Hier alle Infos zum Event:
Prof. Dr. Jan Mayer und sein Team haben eine App entwickelt, die sportpsychologische Trainingstechniken kostenfrei zugänglich macht. Entwickelt wurde die App von der gemeinnützigen Forschungseinrichtung TSG ResearchLab, die sich auf dem Gelände des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim befindet und sich zum Ziel gesetzt hat, wissenschaftliche Projekte aus dem Profi-Fußball in andere Sportarten zu transferieren. Entstanden ist die Idee zu Beginn der Corona-Krise, als viele Sportler mit geschlossenen Trainingsstätten konfrontiert waren. In dieser Phase erschien aus Sicht der Entwickler psychologisches Training als besonders sinnvoll und daher haben sie ihr Wissen über mentales Training in dieser App eingebunden (leichtathletik.de, 12.06.2020).
Zum Thema: Mentales Training im Sport
Das mentale Training wird als planmäßig wiederholtes, bewusstes Sich-Vorstellen einer Handlung ohne deren gleichzeitige praktische Ausführung erklärt (Eberspächer 1995, 2007). Beim mentalen Training laufen somit äquivalente Prozesse wie bei der tatsächlichen Durchführung ab (funktionale Äquivalenz). Zunächst entwickelt ein Sportler ein umfangreiches Drehbuch beispielsweise zum Thema „Verbesserung seiner Treffsicherheit beim Elfmeter“. Anschließend schreibt er diese Bewegung im Detail auf und hebt dabei die Knotenpunkte hervor. Die damit verbundenen mentalen Trainingsformen sind dann unter anderem das subvokale Training, das internal observative Training und das ideomotorische Training.
Mentales Training ist für viele Profisportler und Amateure fester Bestandteil des Trainings. Im Training funktioniert alles perfekt. Die Konzentration ist da, die Bewegungsabläufe gelingen automatisiert. Doch im Wettkampf sind dieser Fokus und die damit einhergehende Sicherheit auf einmal verschwunden (Paasch, 2014). Zu viele Gedanken kreisen im Kopf, zu viele neue Eindrücke lenken von der eigentlichen Aufgabe ab. Viele Sportler, die an Wettkämpfen teilnehmen, kennen diese Situation und wenden daher gezielt mentales Training an, um auch in Drucksituationen die Kontrolle zu behalten. Und auch im Breitensport erfreut sich das kognitive Training einer immer größer werdenden Beliebtheit.
Die Nutzer der App können sich neben theoretischen Erklärungen auch auf praktische Lektionen freuen. So sollen sich die Athleten beispielsweise mithilfe von Schritt-für-Schritt-Anleitungen in ihre Wettkampfsituationen hineindenken und die Bewegungsabläufe in der eigenen Vorstellung so detailliert wie möglich durchspielen, damit sie später auch in der Praxis möglichst optimal umgesetzt werden können. Auch Entspannungsmethoden mit passenden Übungsbeispielen zum Ausprobieren, Aufgaben der Sportpsychologie, Tipps für gezieltes Motivationstraining und Stressmanagement, das Entwickeln von Routinen und Kognitions-Gaming sind in dieser App enthalten.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt die Leistung abzurufen, also wirklich bestmöglich zu performen, wenn es darauf ankommt, bereitet vielen Sportlern Schwierigkeiten. Neben dem Talent, der technisch-taktischen Ausbildung und der Kondition kommt es aber in Drucksituationen häufig auf genau diese Skills an. Die App kann dabei helfen, sich eigenmotiviert dem Trainieren mentaler Prozesse zuzuwenden.
Das ist aus meiner Sicht ein sehr gutes Konzept und ein guter Auftakt für das Arbeiten auf diesem Gebiet. Wir Sportpsychologen können gerade zu Beginn der Zusammenarbeit mit Athleten auf dieses technische Hilfsmittel zurückgreifen. Eine App ersetzt dennoch nicht den Experten, der bei individuellen und komplexen Fragestellungen helfen kann.
Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.
Paasch, René (2014): Verbesserung der Handlungsorientierung vs. Lageorientierung und Ausdauerleistungsfähigkeit. Training der Selbstgesprächsregulation im Amateurfußball. ISBN (Buch): 978-3-95850-740-1., DIPLOMICA Verlag GmbH und DIPLOMICA Verlag, 100 Seiten.
Schmerzen, Fortschritte, Rückschritte, Ratlosigkeit, Zuversicht! Der Rehabilitationsprozess ist geprägt von Hochs und Tiefs. Der Weg zurück ist oft steinig und schwer. Während dem gesamten Prozess, welcher je nach Verletzung relativ lange andauern kann, den Fokus zu halten und mit der nötigen Eigenverantwortung zu handeln, ist nicht einfach. Dies bekommen Sportphysiotherapeutinnen und -therapeuten oft zu spüren.
Zum Thema: Wie bringe ich meine Patientinnen und Patienten dazu, ihre Übungen zu Hause zu machen?
Kürzlich dozierte ich an der ZHAW im Masterstudiengang Physiotherapie Sport. Nebst der Vermittlung von Grundlagen war genügend Raum, um Fallbeispiele zu diskutieren. Ein Beispiel, welches jede praktizierende Sportphysiotherapeutin und jeder Sportphysiotherapeut kennt, wurde mehrmals ins Feld geführt: Wie bringe ich meine Patienten dazu, dass sie ihre Übungen zu Hause machen?
Wenn man die Vielseitigkeit und die Individualität dieses Problems sieht, wird schnell klar, dass es keine allgemeine Lösung gibt. Auch wir haben in unserer Diskussion kein Allheilmittel finden, jedoch praktikable Lösungsversuche erarbeiten können. Ein Punkt erscheint mir dabei sehr wichtig, den ich hier nochmals aufgreifen möchte.
Zeit heilt alle Wunden! Während dies für die körperlichen Strukturen wohl weitgehend zutreffen mag, ist der Aufbau von Kraft und Ausdauer, sowie die psychologische Verarbeitung der Verletzung, mit viel Eigeninitiative verbunden. Passivität verlängert und erschwert den Rehabilitationsprozess. Doch nicht alle Patientinnen und Patienten bringen immer die nötige Selbstdisziplin mit. Es scheitert dabei weniger am Wissen der Notwendigkeit, sondern viel mehr an den zahlreichen Alternativen oder der Eigenmotivation. Unsere Problemlage hat also zwei Ebenen: Zum einen verlangsamt die nicht vorhandene Zuverlässigkeit den Rehabilitationsprozess. Zum anderen wird die Arbeit mit dem Patienten für den Physiotherapeuten erschwert, da die Betreuungsstunden beschränkt sind, und eine Mitwirkung der Patienten daher unumgänglich ist.
Wie kann nun die Sportphysiotherapeutin oder Sportphysiotherapeut auf die Patienten einwirken, um die Umsetzung der Übungen zu Hause zu fördern? Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Handlungen der Patienten nicht direkt beeinflusst werden können. Es gibt also keine Intervention, mit der die Umsetzung garantiert wird. Jedoch kann mit bestimmten Mitteln die Wahrscheinlichkeit des eigenverantwortlichen Handelns gesteigert werden.
Schwächen im Rehabilitationsprozess und das Potential der Eigenverantwortung
Physiotherapeutische Massnahmen richten sich oft nach zeitlichen Vorgaben. Körperliche Strukturen wie Bänder, Sehnen, Knochen und Muskeln haben ihre spezifische Heilungsphase. Diese müssen berücksichtigt werden. Viele Heilungsprozesse verlaufen auch ohne Zutun der Patientinnen und Patienten reibungslos und in der vorgesehenen Zeit. Dies führt jedoch auch dazu, dass eine Einstellung der Passivität entstehen kann: „Nur genügend Zeit lassen, dann wird schon wieder alles gut!“
Jedoch sind diese fixen Zeitangaben sehr allgemein. Interindividuelle Unterschiede werden dabei kaum beachtet. Eine detaillierte Auffassung der Rehabilitationsphasen, mit sowohl zeitlichen als auch physiologischen und psychologischen Faktoren ist angebracht. In der Sportphysiotherapie finden immer mehr Behandlungsschemata mit Meilensteinen Einzug. Erst nach Erreichen bestimmter Vorgaben, wird im Aufbauprozess weitergefahren. Dies ermöglicht, besser auf interindividuelle Schwankungen (schnellerer oder langsamerer Fortschritt) zu reagieren. Zudem wird den Patientinnen und Patienten aufgezeigt, dass ihr eigenes Verhalten über den Erfolg der Rehabilitation entscheidet. Somit wird die Selbstwirksamkeit gefördert.
Hilfreicher Blick in die Theorie
Das Modell des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1985) liefert Anhaltspunkte zum Zusammenhang von Einflussfaktoren auf Handlungen. Damit es zur Handlung kommt, muss vorab eine Intention, also eine Absicht, gebildet werden. In dieser Absichtsbildung fliessen zahlreiche Faktoren mit ein. Diese sind zum Beispiel die subjektiven Normen, die Einstellung gegenüber dem Verhalten, die wahrgenommene Verhaltenskontrolle, die Selbstwirksamkeit sowie Erfahrungen aus vorherigem Verhalten (Hagger, Chatzisarantis, Biddle, 2002). Obwohl die Theorie auf den ersten Blick sehr abstrakt erscheint, werden wichtige sozialpsychologische Konstrukte berücksichtigt (Godin & Kok, 1996), welche sich gut auf Rehabilitationsprozesse ableiten lassen. Dabei spielen die wahrgenommene Verhaltenskontrolle und die Selbstwirksamkeit eine wichtige Rolle. Diese beiden Faktoren stehen in enger Verbindung zueinander.
Durch das aktive Miteinbeziehen in Entscheidungsprozesse (z.B. Zielsetzungen) und das Ausrichten der Therapiegeschwindigkeit nach dem individuellen Leistungsfortschritt, wird die wahrgenommene Verhaltenskontrolle gefördert. Werden zudem Leistungsfortschritte stetig rückgemeldet, zum Beispiel Lernkontrollen der Übungen, die zu Hause trainiert wurden, wird die Selbstwirksamkeit gefördert. Dies kann dazu führen, dass ein Umdenken von „es würde mir gut tun!“ zu „ich sehe meine Fortschritte eins zu eins, wenn ich die Übungen mache“ stattfindet.
Praxisrelevanz
Zusammenfassend bedeutet dies für den sportphysiotherapeutischen Alltag: Aktiver Einbezug in Entscheidungsprozesse. Gemeinsames Planen, Definieren und Durchführen von Lernkontrollen (gerade in Bezug auf die Heimübungen), Aufzeigen des Mehrwerts des eigenverantwortlichen Handelns. Positive Bekräftigung der Leistungsfortschritte (vor allem wenn diese auf eigene Bemühungen zurückzuführen sind).
Ajzen, I. (1985). From intentions to actions: A theory of planned behavior. In J. Kuhl & J. Beckmann (Eds.), Action control: From cognition to behaviour (pp. 11–39). Heidelberg: Springer.
Hagger, M.S., Chatzisarantis, M.L.D., Biddle, S.J.H. (2002). A meta-analytic review of the theories of reasoned action and planned behavior in physical activity: Predictive validity and the contribution of additional variables. J. Sport Exerc. Psychol., 24, 3 – 32. Godin, G., Kok, G. (1996). The theory of planned behavior: A review of its applications to health-related behaviors. American Journal of Health Promotion, 11 (2), 87-97.
Was erwartet Sie als als TrainerIn, SportlerIn, SportpsychologIn oder MentaltrainerIn? Wir reisen vom Beginn der Hypnose bis zur Anwendung im heutigen Spitzensport. Sie erleben die Macht der inneren Bilder, die Welt der Trancen und ihre Wirkungen auf Erregung, Emotion und Schmerz. Sie erleben und lernen mit kurzen Impulsvorträgen, in Selbsterfahrung, praktischer Arbeit in Triaden und Feedbackrunden.
Katja Kramarczyk
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus
Als Workshopleiter, Trainer und Experten für Sporthypnose führen Sie Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) und Katja Kramarczyk (zum Profil) von Die Sportpsychologen durch diesen spannenden Tag.
Programm:
Sa., 26.9.2020
Inhalt
10:00 – 10:15
Begrüßung
10:15 – 10:30
Impuls: „Von den Wurzeln der Hypnose bis heute“
10:30 – 11.00
Impuls: „Die Trance und ihre Phänomene und Charakteristika – zur Nutzung im Sport“
11:15 – 12:15
Demonstrationen/Selbsterfahrung:
– Die Macht der Vorstellung – Der magische Ring – Hypnotische Entspannung – eine Selbsterfahrung – Die Selbsthypnose – eine Anleitung zum Ort der Regeneration
12:15
Mittag, Austausch und Netzwerken
13:00 – 14:30
Workshop 1:
– Verschiedene Induktionen – Imagination und Halluzination – Die Arbeit mit der Zeitlinie
14:45 – 15:45
Workshop 2:
– Emotionskontrolle – Optimierung des Erregungsgrades – Schmerzbeeinflussung und Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch Hypnose
15:45-16:00
Feedback und Verabschiedung
Location:
Sportpsychologische Beratung – Prof. Dr. Oliver Stoll
Jahnallee 10, 04109 Leipzig
Kosten:
65 EUR Profilinhaber Die Sportpsychologen
79 EUR Studenten
95 EUR Sportler, Trainer und Sportpsychologen sowie Mentaltrainer
Anmeldung:
Sichern Sie sich schnell Ihr Ticket. Aufgrund der Einschränkungen der Corona-Pandemie wird die Teilnehmerzahl begrenzt – Wir informieren hier sowie auf Facebook, wenn die Tickets vergriffen sind.
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus und Katja Kramarczyk bei der Arbeit
Spitzensportler wissen: Die Einstellung entscheidet über Sieg und Niederlage. Sportpsychologe Dr. Christian Reinhardt und Sportjournalist Mark Bergmann zeigen in ihrem Buch bewährte Mental-Coaching-Konzepte auf, mit denen man sich effizient auf Erfolg programmiert. Und das sowohl im Sport als auch vor dem nächsten Bewerbungsgespräch, der stressigen Konferenz mit den Chefs oder beim nächsten Date.
Geballtes psychologisches Fachwissen, anschaulich erklärt und in praxisnahen Übungen für jedermann verständlich auf den Punkt gebracht.
Zwischen dem 24. und 28. Juni 2020 findet das Virtual Bundesliga (VBL) Grand Final als Online Turnier statt. Im Fokus steht der Vorjahressieger und Titelfavorit Michael „MegaBit“ Bittner von der E-Sport Abteilung von Werder Bremen. Doch die Konkurrenz ist groß. Mit dem Leverkusener Fabian „B04_DUBZJE“ De Cae, dem Fürther Christian „xImpact10“ Judt, dem Wolfsburger Benedikt „BeneCR7x“ Bauer und dem Gladbacher Richard „Der_Gaucho10“ Hormes wird nicht zu spaßen sein. Allesamt haben für ihre Teams eine starke Club Championship mit vielen Einzelsiegen gespielt und ordentlich Selbstbewusstsein getankt. Das Finale um die deutschen Meisterschaft auf dem virtuellen Rasen sollte eigentlich Ende März stattfinden, wurde jedoch aufgrund der Corona-Pandemie zunächst ausgesetzt und verschoben. Zwölf Teilnehmer treten (im Einzelwettbewerb) nun in jeweils zwei Sechsergruppen auf der Playstation gegeneinander an, zwölf weitere auf der Konsole Xbox. Die vier besten können sich über die KO-Phase den Einzeltitel auf der jeweiligen Konsole sichern. Die Gewinner dieser Partien stehen sich dann letztendlich im großen konsolenübergreifenden Finale gegenüber und ermitteln den „Deutschen Meister 2019/2020“ unter sich aus. Hält MegaBit als großer Favorit dem Druck stand?
Zum Thema: Erwartungsängste – Umgang mit der Favoritenrolle
Nach den Statistiken sieht es wohl ganz danach aus, das kein Weg an dem 21-jährigen Bremer Michael „MegaBit“ Bittnervorbei führt. Nicht nur, dass er der amtierende Meister im Einzel ist, sondern auch Titelträger aus der vergangenen Club Championship. Diese Titel konnte er ebenfalls mit Werder Bremen in der zurückliegenden Saison gewinnen. MegaBit ist gewarnt und weiß, dass ihm Ende Juni diese Fakten letztendlich nichts nützen, wie er in einem Interview verrät:
„Grundsätzlich kann ich mir von der Favoritenrolle nichts kaufen und sehe auch noch einige andere Spieler, die sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen“.
Michael „MegaBit“ Bittner
Ganz gleich ob es sich hierbei um traditionellen Sport geht oder es sich um E-Sport handelt. Die meisten Ängste im Sport entstehen aus der gedanklichen Vorwegnahme angstbesetzter/besonderer Situationen wie beispielsweise einem Finale oder KO-Spielen. Die Problematik daran ist, dass Gedanken keinen Unterschied hinsichtlich Realität oder Vorstellung machen. “Falsche” Gedanken können also eine sehr negative Wirkung entfalten.
Die Phantasie schürt die Angst
Die erlebte Bedrohung kann sozialer Natur sein, z.B. die Aussicht, sich zu blamieren, Kaderstatus zu verlieren oder Sponsorenverträge einzubüßen. Sie kann aber auch durch die eigene Person bedingt sein, wenn z.B. die Gefahr besteht, selbst gesetzte Ziele nicht zu erreichen. Dies ist in dem vorliegenden Fall besonders prekär, denn das Wissen, dass es noch keinem E-Sportler bisher gelang, den Titel zu verteidigen, kann zusätzlich zu einer erlebten Last werden. Letztendlich geht die Erwartungsangst in der Antizipation subjektiv auf erlebte hilflose, handlungsunfähige und diffamierende Situationen zurück. Der Sportler erlebt bereits in seiner Vorstellung eine Situation (z.B. Scheitern im Grand Final) mit dem Bestreben, sie abzuwenden. Aus diesem Grund beschäftigt sich die „innere Stimme“ häufig mit den Fragestellungen: „Was ist, wenn ich jetzt verliere?“, „Was soll ich tun, wenn ich in Rückstand gerate und nervös werde?“ oder „Wenn ich nur daran denke, was passieren kann, bekomme ich schon jetzt Stress!“. Diesem Gedankenkarussell gilt es zu entkommen.
Die Erwartungsangst ist an früher erlebte angstauslösende Ereignisse gekoppelt. Sie stellt sich ein, wenn zukünftige Situationen Ähnlichkeiten mit den vergangenen Erlebnissen aufweisen. Kurioserweise bleiben häufiger die Situationen, in denen wir einen Misserfolg erlebten, im Kopf hängen, als die positiven Erfahrungen. Doch genau die Negativerlebnisse helfen dem E-Sportler in diesen stressreichen Situationen, welche nun mal häufig unter Wettkampfbedingungen auftreten, nicht weiter. Diese „Angst vor der Angst“ kann durch die unbeschränkte Möglichkeiten der Phantasie geschürt und gesteigert werden. Dadurch gelangt der Sportler in einen Zustand, der durch die Anforderungen der künftigen Realsituation nicht begründet ist. Der Phantasieanteil der Bedrohungsantizipation ist es, der zur emotionalen Reaktion führt und den koordinierten und geplanten Handlungsablauf in Frage stellen kann.
Es ist vollkommen egal, ob es sich um traditionellen Sport oder E-Sport handelt. Letztendlich steht immer der (E-)Sportler im Zentrum der Leistungserbringung und somit auch die damit einhergehenden Anforderungen aus dem Wettkampfgeschehen.
Die angewandte Sportpsychologie bietet eine Reihe von verschiedenen Interventionsmöglichkeiten, um die (E-)Sportler wieder handlungsfähig zu machen. Baumann (1998) nennt in diesem Zusammenhang zur Vermeidung oder Verminderung der Erwartungsangst Tools aus der Aktivationsregulierung (Entspannungsübungen), mentales Training, Visualisierungsprogramme und –aufgaben, Selbstsuggestion und Selbstüberzeugung. Wir können gespannt sein, ob es MegaBit gelingt, dass bis dato Unerreichbare zu erreichen und damit eine neue Bestmarke zu setzen.
Im September 2020 veröffentlicht Johanna Constantini im Seifert Verlag ihr Buch „Abseits – Aus der Sicht einer Tochter“. Es ist die Geschichte über die Demenzerkrankung ihres Vaters Didi Constantini, der als Fußballspieler zweimal die österreichische Meisterschaft feierte und später zu einem der bekanntesten Trainer der Alpenrepublik (u.a. österreichischer Teamchef, Bundesliga-Trainer bei Mainz 05, FC Tirol Innsbruck, Austria Wien, LASK, FC Superfund) wurde. Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, hat mit Johanna Constantini über das Buch, welches ab sofort vorzubestellen ist (Link), gesprochen:
Johanna Constantini, wie schwer ist es dir gefallen, die Demenzerkrankung deines Vaters als Gegenstand für ein Buch zu nehmen?
Die Demenzerkrankung als Gegenstand zu nehmen, um darauf ein Buch entstehen zu lassen, ist zwar was das eigene Niederschreiben von Erfahrungen angeht emotional, jedoch bringt es auch viel Erleichterung mit sich. Einerseits weil das Aufschreiben als Verarbeitung der Geschehnisse dient, andererseits weil ich so das Gefühl bekomme, die Erkrankung meines Papas und unser Umgang damit bekommen so einen Sinn. Eben, weil wir andere Betroffene erreichen und ihnen eventuell helfen können. Letzteres ist auch meine Absicht, weshalb ich meine Zeilen überhaupt verlegen lassen wollte.
Was ist die größte Überraschung, die die gemeinsame Arbeit an dem Buch hervorgebracht hat?
Überraschungen gab es während dieser Arbeit viele. Vor allem durch die Gespräche, die ich mit Papas Wegbegleitern geführt habe und durch meine eigenen Recherchearbeiten habe ich viel Neues über die Karriere meines Papas und auch seine persönliche Geschichte erfahren. Als Fußball-Laiin wie ich mich bezeichnen würde hatte ich auch als Tochter nicht in jede seiner Spieler- und Trainerstationen Einblick. (Abseits-Positionen kann ich aber im Übrigen und nicht zuletzt dank unzähligen Erklärungen durch Papa selbst erläutern :))
Didi und Johanna Constantini
Glaubst du, dass dieser Weg mit der Erkrankung deines Vaters dich in der Arbeit verändern wird – vielleicht sogar in deiner sportpsychologischen Arbeit?
Auf jeden Fall. So wie ich denke, dass ich mich mit all meinen Projekten und Tätigkeiten stets weiterentwickeln kann. Was die Sportpsychologie angeht, so verstehe ich diese seit jeher als Erweiterung der psychologischen Arbeit, die wiederum stets auf sehr ähnlichen Themen basiert. Auch im Sport geht es nicht vorrangig um die richtigen Atemübungen, sondern meines Erachtens nach ganz prinzipiell um den Erhalt der psychischen Gesundheit. Ich habe selbst noch keine Athleten erlebt, deren „Probleme“, mit denen sie zu mir gekommen, nicht auch aus dem Leben rühren. Ob familiäre Konflikte, Zukunftsängste, finanzielle Sorgen und dergleichen – Der Sport und die Leistung bilden lediglich das sichtbare Resultat, weshalb es für Sportler überhaupt zu einer Zusammenarbeit kommt.
Speziell der Fußball ist ein Reservat für Alphatiere. Was kann der offene Umgang deines Vaters, dem früheren österreichischen Fußball-Nationaltrainers auf lange Sicht verändern? Und hat er vielleicht schon etwas verändert?
Ich denke, dass das Kundtun eigener körperlicher oder psychischer Leiden immer auch für andere als Beispiel dienen kann, um der Gesundheit mehr Wert beizumessen. In meinem Buch – von dem ich vor der Veröffentlichung im September 2020 noch keine weiteren Details preisgeben darf – geht es jedenfalls vielfach auch darum, was wir als Gesellschaft tun können, um Betroffenen ihr Leben mit einer Erkrankung zu erleichtern. Der Sport – vor allem der Fussball – zählt sich ebenso zu jener Gesellschaft und hat – was die Akzeptanz von Erkrankungen angeht – vielleicht sogar etwas mehr Aufholbedarf als andere.
Beschreib doch zum Abschluss den schönsten sportlichen Moment, den du mit deinem Vater teilst.
Davon gibt es sehr sehr viele. Ich muss sagen, dass ich mit meinem Papa nach wie vor sportliche Momente genieße. Wenn wir beispielsweise (und nicht wie momentan durch Corona davon abgehalten) gemeinsam ins Fussballstadion gehen, oder er mich zu meinen Pferden begleitet. Genauso, wie er mich schon früher begleitet hat. Mich bei Trainings für Marathonläufe angespornt oder mit mir Konditions- und Koordinationsübungen vor eigenen Reitturnieren gemacht hat. Sehr schöne Momente erlebe ich auch seit Kindertagen mit ihm gemeinsam bei seinen Kindercamps. Die bilden sicherlich sein berufliches Herzensprojekt und noch heute besuchen wir sie gemeinsam.