Sportler*innen und Trainer*innen sind ständig auf der Suche nach Wegen, um ihre Leistung zu optimieren und ihre Ziele zu erreichen. Ein oft übersehener Aspekt, der einen erheblichen Einfluss auf die sportliche Leistung haben kann, ist das psychologische Kapital (PsyCap). Dieses Konzept aus der Positiven Psychologie umfasst Hoffnung, Selbstvertrauen, Resilienz und Optimismus – Faktoren, die nicht nur das allgemeine Wohlbefinden verbessern, sondern auch die Leistungsfähigkeit im Sportbereich steigern können (Luthans, Youssef & Avolio, 2007).
Zum Thema: Psychologisches Kapital (PsyCap) und seine Bedeutung im Sport
Psychologisches Kapital, oft als PsyCap bezeichnet, ist definiert als ein positiver psychologischer Entwicklungsstand, der aus vier Kernkomponenten besteht: Hoffnung, Selbstvertrauen, Resilienz und Optimismus (Avey, Luthans & Youssef, 2010). Diese Komponenten sind veränderbar und können durch gezielte Interventionen gestärkt werden.
Die vier Dimensionen des PsyCap im Sport
Hoffnung: Eine Annäherungsorientierung, die Sportler*innen dazu motiviert, ihre Ziele durch konkrete Planungen und Strategien zu erreichen.
Selbstvertrauen: Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, um Herausforderungen erfolgreich zu meistern und sportliche Höchstleistungen zu erbringen.
Resilienz: Die Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen, mental stark zu bleiben und trotz Widrigkeiten weiterzumachen.
Optimismus: Eine positive Erwartungshaltung, die es Sportler*innen ermöglicht, selbst in schwierigen Situationen eine günstige Zukunft zu antizipieren (Demerouti et al., 2011).
Faktoren, die in einem sportpsychologischen Workshop zu mehr PsyCap führen
Ein sportpsychologischer Workshop kann gezielt dazu beitragen, das psychologische Kapital (PsyCap) von Sportler*innen zu steigern, indem er auf die vier Kernkomponenten eingeht: Hoffnung, Optimismus, Selbstvertrauen und Widerstandsfähigkeit. Die folgende Erklärung verdeutlicht, welche Mechanismen in einem solchen Workshop verwendet werden, um diese Komponenten zu stärken:
Hoffnung
Hoffnung im Sportkontext bedeutet, dass Athleten*innen eine Annäherungsorientierung anstatt einer Vermeidungsorientierung einnehmen. Sie werden ermutigt, durch die Festlegung von klaren und erreichbaren Zielen pragmatisch vorzugehen. Dies kann durch gezielte Zielsetzung und Planungsübungen im Workshop gefördert werden.
Optimismus
Optimismus wird durch Selbstgespräche gefördert, bei denen negative und selbstschädigende Gedanken umformuliert werden. Athleten*innen lernen, ihre innere Stimme positiv zu gestalten, was ihnen hilft, auch in schwierigen Situationen eine optimistische Einstellung zu bewahren. Diese Technik kann durch Übungen im Workshop vermittelt werden, bei denen die Teilnehmer*innen ihre Gedanken schriftlich festhalten und umformulieren.
Selbstvertrauen
Selbstvertrauen im Sport wird durch mehrere Faktoren gestärkt:
Aktive Bewältigung: Athleten*innen beteiligen sich aktiv an der Zielsetzungsübung und steigern ihre Wirksamkeit, indem sie erfolgreiche Szenarien visualisieren.
Vorbilder oder stellvertretendes Lernen: Die Teilnehmer*innen tauschen sich über ihre Ziele aus und machen Vorschläge. Das Lernen von den Erfolgen anderer stärkt das eigene Vertrauen.
Soziale Überzeugung und positives Feedback**: Der sportpsychologische Experte bzw. die Expertin und die anderen Teilnehmer*innen bieten positive Verstärkung für die Zielerreichung. Dies fördert ein unterstützendes Umfeld, das das Selbstvertrauen stärkt.
Widerstandsfähigkeit
Widerstandsfähigkeit im Sport wird durch kognitive, emotionale und Verhaltensprozesse gestärkt, die die Wahrnehmung der Athleten*innen hinsichtlich ihres Einflusses auf äußere Bedingungen verändern können.
Visualisierung und Vorwegnahme möglicher Rückschläge**: Dies ermöglicht es den Athleten*innen, ihre Fähigkeit zu verbessern, diese Umstände mental neu zu gestalten.
Strategien zur Stressbewältigung: Athleten*innen lernen Techniken, um mit Stress umzugehen und sich auf ihre Stärken zu konzentrieren, was ihre Resilienz fördert.
Durch die Anwendung dieser Mechanismen in einem sportpsychologischen Workshop können Athleten*innen ihr psychologisches Kapital erheblich steigern, was zu einer besseren sportlichen Leistung und einem höheren Wohlbefinden führt.
Broaden-and-Build-Theorie im Kontext von PsyCap
Die Broaden-and-Build-Theorie von Barbara Fredrickson beschreibt, wie positive Emotionen die Aufmerksamkeit und das Denken erweitern („broaden“) und so den Aufbau dauerhafter persönlicher Ressourcen („build“) fördern (Fredrickson & Cohn, 2008). Diese Theorie bietet ein wertvolles Rahmenwerk, um zu verstehen, wie positive Emotionen und psychologisches Kapital (PsyCap) miteinander interagieren können, auch wenn die Theorie die direkte Übertragung von PsyCap nicht explizit erwähnt.
Im Sportumfeld können positive Emotionen wie Freude, Zufriedenheit und Stolz nicht nur das unmittelbare Wohlbefinden von Athleten*innen verbessern, sondern auch langfristig vorteilhafte Eigenschaften und Fähigkeiten fördern. Wenn ein*e Athlet*in positive Emotionen erlebt, sei es nach einem erfolgreichen Wettkampf oder einem intensiven Training, erweitert dies seine/ihre kognitive Flexibilität und Offenheit für neue Erfahrungen und Lernmöglichkeiten.
Positive Emotionen erweitern die Aufmerksamkeit und das Denken, was Athleten*innen hilft, ihre Umgebung und ihre eigenen Fähigkeiten aus einer breiteren Perspektive zu betrachten. Dies führt zu einer höheren Kreativität bei der Problemlösung und einer besseren Fähigkeit, neue Strategien und Techniken zu erlernen. Im Training und Wettkampf bedeutet dies, dass Athleten*innen offener für Feedback sind und eher bereit sind, innovative Ansätze auszuprobieren.
Durch das Erleben positiver Emotionen können Athleten*innen dauerhafte persönliche Ressourcen aufbauen. Diese Ressourcen umfassen nicht nur physische Fähigkeiten, sondern auch psychologische Stärken wie Resilienz, Selbstvertrauen und soziale Bindungen zu Teamkolleg*innen und Trainer*innen. Im Kontext des PsyCap bedeutet dies, dass Athleten*innen durch wiederholte positive Erfahrungen ihre Hoffnung, ihren Optimismus, ihr Selbstvertrauen und ihre Widerstandsfähigkeit stärken können.
Die Broaden-and-Build-Theorie verdeutlicht, wie entscheidend positive Emotionen im Sport sind, nicht nur für das unmittelbare Wohlbefinden, sondern auch für die langfristige Entwicklung psychologischer Stärken. Durch die Förderung positiver Emotionen können Sportler*innen ihr psychologisches Kapital stärken und somit ihre Leistung und ihr Wohlbefinden auf nachhaltige Weise verbessern.
Praktische Anwendung: Journaling zur Steigerung des PsyCap
Journaling ist ein effektives Werkzeug, um das PsyCap zu stärken. Sportler*innen können durch regelmäßiges Schreiben ihre Gedanken und Gefühle reflektieren, Ziele festlegen und Erfolge feiern. Beispiele für Journaling-Übungen:
Hoffnung: Notiere dir täglich drei Schritte, die dich deinem sportlichen Ziel näherbringen.
Selbstvertrauen: Schreibe über eine Herausforderung, die du erfolgreich gemeistert hast, und welche Fähigkeiten dir dabei geholfen haben.
Resilienz: Dokumentiere einen Rückschlag und wie du diesen überwunden hast.
Optimismus**: Formuliere positive Selbstgespräche und Affirmationen für den Tag.
Fazit
Das Psychologische Kapital bietet eine wertvolle Ressource für Sportler*innen, um ihre mentale Stärke und Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Durch gezielte Trainingsmethoden und regelmäßiges Journaling können Sportler*innen ihre Hoffnung, Selbstvertrauen, Resilienz und Optimismus stärken, was sich positiv auf ihre sportlichen Leistungen auswirkt.
Take-Home Message
Das psychologische Kapital ist ein unterschätzter, aber entscheidender Faktor im Sport. Durch die Entwicklung von Hoffnung, Selbstvertrauen, Resilienz und Optimismus können Sportler*innen nicht nur ihre Leistung steigern, sondern auch ihr Wohlbefinden und ihre mentale Gesundheit verbessern.
– Luthans, F., Youssef, C. M., & Avolio, B. J. (2007). Psychological Capital: Developing the Human Competitive Edge. Oxford University Press.
– Avey, J. B., Luthans, F., & Youssef, C. M. (2010). The Additive Value of Positive Psychological Capital in Predicting Work Attitudes and Behaviors. Journal of Management.
– Demerouti, E., et al. (2011). Job Characteristics and Psychological Capital: The Role of Work Engagement. Journal of Occupational Health Psychology.
– Fredrickson, B. L., & Cohn, M. A. (2008). Positive Emotions. In M. Lewis, J. M. Haviland-Jones, & L. F. Barrett (Eds.), Handbook of Emotions (3rd ed.). The Guilford Press.
Trainer können ein Lied davon singen: Coach, Pädagoge, Psychologe, Freund, Mitspieler, Mediator, Fahrer, Trauerbegleiter… Situations- und personenabhängig nehmen Trainer in der Führung eines Spielers und Teams – mal bewusst, mal unbewusst – ganz spezifische Rollen ein. Als Sportpsychologischer Coach geht es mir da nicht viel anders: Um Spieler wirkungsvoll zu unterstützen, muss auch ich die Klaviatur verschiedenster Rollen bedienen wie beherrschen. Dieser Artikel zeigt auf, wie ich unsere NLZ-Spieler im Leistungsbereich individuell und bedürfnisorientiert unterstütze – auf Grundlage einer professionellen Auftragsklärung.
Zum Thema: Der Sportpsychologische Coach als „Rollenspieler“
Eine gute Zusammenarbeit mit Trainern und Spielern bedarf einer zwischenmenschlichen wie inhaltlichen Grundlage, es braucht einen Nährboden, aus dem Großes erwachsen kann. Aus diesem Grund investiere ich in jeder Saisonvorbereitung bewusst sehr viel Zeit in individuelle Gespräche, um Beziehungen zu den Trainern und Spielern aufzubauen, zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Daher biete ich den Spielern unserer Teams im Leistungsbereich (U16, U17, U19) ein zweiteiliges Gespräch an: Zunächst ein Kennenlerngespräch, bei Neuzugängen und mir noch unbekannten Spielern, sowie ein Austauschgespräch im Falle von Spielern, die ich schon mindestens eine halbe Saison lang begleitet habe. Dieses aktive Ausdrücken von Interesse durch das Stellen offener und nicht-wertender Fragen öffnet bei fast allen Spielern anschließend einen Raum, innerhalb dessen die Spieler mit mir inhaltlich zusammenarbeiten wollen. Aber wie soll diese Zusammenarbeit konkret mit Leben gefüllt werden? Antworten darauf ergeben sich im anschließenden Auftragsklärungsgespräch.
Auftragsklärung als Grundlage für eine stimmige Zusammenarbeit
In diesem Gespräch erarbeite ich gemeinsam mit dem Spieler einen Rahmen für eine stimmige Zusammenarbeit. Es geht darum, zu klären, was der Spieler von mir braucht, um am Saisonende sagen zu können: „Janosch hat für mich als Mensch einen Unterschied gemacht und mich inhaltlich-mental in meiner Weiterentwicklung vorangebracht.“ Die entscheidenden Fragen dabei lauten: Was ist dem Spieler wichtig? Wie will er Zusammenarbeit gestalten? Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch, Gut oder Schlecht. Sondern der Spieler äußert das, was für ihn in der Zusammenarbeit eine Bedeutung hat. Diese Vorgehensweise passt hervorragend zu meiner systemischen Grundhaltung: Der Spieler – für mich in allererster Linie ein Mensch – ist der Experte für sich selbst und weiß selbst am besten, was er braucht. Ich als Sportpsychologischer Coach möchte auf seinem Weg ein anregender Impulsgeber sein. Wichtig bei der Auftragsklärung ist: Der definierte Rahmen stellt nicht etwa ein starres Gebilde dar, sondern ermöglicht einen flexiblen Handlungsspielraum und kann jederzeit im Saisonverlauf – an sich zum Beispiel verändernde Spielerbedürfnisse – angepasst werden. Mir persönlich gibt der Rahmen eine Orientierung, meinem Handeln sowie meiner Zusammenarbeit mit dem Spieler Sinnhaftigkeit und Struktur. Es entsteht eine stabile Grundlage, auf der sich Zusammenarbeit stimmig gestalten und diese auch immer wieder – gemeinsam mit dem Spieler – bewusst reflektieren lässt.
In unseren Auftragsklärungsgesprächen stelle ich den Spielern folgende Rollen vor, die ich für sie einnehmen kann:
Spiegel
Als Sportpsychologischer Coach bin ich regelmäßig bei den Trainingseinheiten und Spielen unserer Teams im Leistungsbereich dabei, aber auch bei sonstigen Maßnahmen wie z.B. Mittagessen und Teambesprechungen. In der Rolle des Spiegels bekommen die Spieler von mir, z.B. nach dem Training, ein Feedback per WhatsApp-Sprachnachricht unter mentalen und sozialen Gesichtspunkten: Wie habe ich den jeweiligen Spieler (im Teamkontext) wahrgenommen? Was ist aufgefallen? Durch dieses ehrliche Teilen meiner Wahrnehmungen bringe ich den Spieler in Kontakt mit seinem Verhalten und biete ihm eine Außenperspektive, die er wiederum für seine Reflexion nutzen kann. In einem lösungsorientierten Rückfeedback an mich innerhalb der 48 Stunden nach Erhalt der Sprachnachricht kommuniziert der Spieler, was er aus der Sprachnachricht für sich mitgenommen hat und was er sich konkret vornimmt, um mental weiter zu wachsen.
Coach
Der Spiegel lässt sich kombinieren mit dem Coach. Sofern ein Spieler mich in der Rolle des Coaches sieht, kombiniere ich meine Sprachnachrichten mit anregenden Reflexionsfragen, die ihn noch zielgerichteter in eine bewusste Auseinandersetzung mit dem auf Feld Erlebten führen sollen. Diese Fragen helfen dem Spieler dabei, sich noch besser kennen und verstehen zu lernen, neue Sichtweisen zu entwickeln und selbst Lösungsimpulse in Bezug auf mentale und soziale Themen zu entwickeln. Als Coach stehe ich dem Spieler zudem in Coachingprozessen zur Verfügung – wenn er also im Einzelsetting gezielter an mentalen Themen arbeiten will. Coach kann sich aber auch auf die Teilnahme an einem Life Kinetik-Kleingruppentraining beziehen, in dem wir einmal wöchentlich vor dem Mannschaftstraining zielgerichtet die kognitiven Fähigkeiten der Spieler trainieren.
Berater
Der Spiegel lässt sich zudem mit der Rolle des Beraters kombinieren. Sofern ein Spieler mich in dieser sieht, kombiniere ich meine Sprachnachrichten mit Tipps und Impulsen, bezogen auf mentale und soziale Auffälligkeiten. Diese Ratschläge helfen dem Spieler, mental noch stärker zu werden – eine fleißige Umsetzung und, falls nötig, eine entsprechende Anpassung der ausgesprochenen Tipps vorausgesetzt.
Pädagoge
Als Pädagoge spiegele ich den Jungs ehrlich, direkt, aber respektvoll, wenn ich mit einem gezeigten Verhalten nicht einverstanden bin. Als Mensch mit mehr Lebenserfahrung möchte ich unseren Spielern ein Wegweiser, ein Anker, ein Orientierungspunkt sein und sie mit meinem individuellen Werteverständnis in Kontakt bringen – ohne ihnen dabei eine Wertvorstellung aufzuzwängen.
Mediator
Als Mediator stehe ich den Jungs zur Verfügung, um in sich zuspitzenden Konfliktsituation durch Moderation zur Auflösung dieser beizutragen – oder durch das Geben von Hilfestellungen den Spieler zu befähigen, den Konflikt eigenverantwortlich anzugehen.
Mentaler Mülleimer
Der Fußball hat für unsere Spieler eine emotionale Bedeutsamkeit. Für viele von ihnen ist er nichts anderes als die größte Leidenschaft und die wichtigste Sache in ihrer (Lebens-)Welt. Eine umso größere Emotionalität kann dann entstehen, wenn Bedürfnisse nicht erfüllt werden und die Spieler ihre individuelle Zielerreichung in Gefahr wähnen. Und an genau dieser Stelle möchte ich ansetzen, indem ich den Jungs einen Raum biete, indem sie sich einfach mal „auskotzen“ können. Schließlich will die Emotion gefühlt und gesehen werden, um wieder in einen lösungsorientierteren Modus schalten zu können. Sofern mich der Spieler in dieser Rolle sieht, definieren wir, welche Situationen eintreten müssten, die ein bewusstes Zugehen auf mich zur Folge haben sollen.
Trauerbegleiter
Auch jugendliche Fußballspieler sind vor individuell herausfordernden Situationen nicht gefeit, ganz egal, ob im Privatleben oder im Fußballkontext. Sofern mich der Spieler in der Rolle des Trauerbegleiters sieht, definieren wir auch hier, welche Situationen eintreten müssten, die ein bewusstes Zugehen auf mich zur Konsequenz haben sollten. Als Trauerbegleiter schaffe ich meinem Gegenüber einen Raum, die Emotion auszudrücken. Gemeinsam entwickeln wir anschließend – falls erwünscht – Wege, wie der Spieler mit der Emotion stimmig umgehen und Schritt für Schritt wieder in die Zukunft schreiten kann.
Karriereberater
In dieser Rolle möchte ich keinesfalls den klassischen „Spielerberater“ ersetzen. Vielmehr biete ich unseren Jungs an, sie, primär durch das Stellen von Fragen, im Falle einer zu fällenden Zukunftsentscheidung zu unterstützen, eine für sich möglichst stimmige Entscheidung zu treffen – ohne dabei in irgendeiner Form Stellung zu beziehen oder eine Meinung abzugeben. Das machen meiner Wahrnehmung nach ohnehin schon ausreichend Personen im direkten Umfeld des Spielers.
Großer Bruder
Mit einem großen Bruder assoziiere ich jemanden, der für einen Mitmenschen vor allem dann da ist, wenn er gebraucht wird. Sofern mich ein Spieler in dieser Rolle sieht (genauso wie in der Rolle des Freundes, s. unten), frage ich immer nach: „Was wünschst du dir von mir in dieser Rolle in welcher Situation ganz genau?“ Und schon stellen wir auf der Handlungsebene Klarheit her. Manche Wünsche, falls ich sie als inkompatibel mit meiner übergeordneten Rolle als Sportpsychologischer Coach ansehe, weise ich allerdings auch ab oder wir passen den Wunsch gemeinsam an.
Freund
Als Freund sehe ich mich in der Rolle desjenigen, der mit dem Spieler in passenden Momenten zwischenmenschlich locker interagiert und der einen Raum schafft, innerhalb dessen der Spieler auch mal kindlich-jugendlich drauf sein kann. Auch hier konkretisiere ich mit dem Spieler, was er sich von mir in dieser Rolle wünscht.
Nachdem ich dem Spieler diese Rollen vorgestellt habe, bekommt er von mir Zeit, um für sich zu prüfen, in welchen Rollen er mich sieht und in welchen eher weniger. Anschließend kommen wir ins Gespräch und erfassen die genauen Spielerbedürfnisse, die mit der Einnahme einer bestimmten Rolle verbunden sind – so, dass ich eine konkrete Vorstellung davon erhalte, wie ich dem jeweiligen Spieler im Alltag auf der Handlungsebene der bestmögliche Unterstützer sein kann.
Wettkampfbegleitung
Anschließend schauen wir noch genauer auf das Thema Wettkampfbegleitung. Ich stelle dem Spieler einige Möglichkeiten vor, wie ich ihm auch am Spieltag selbst ein Unterstützer sein kann. Beispielhaft sei hier genannt: Das Erarbeiten von individuellen (mentalen) Zielstellungen für das Spiel, das Durchführen psychologischer Techniken oder ein persönliches Feedbackgespräch nach dem Spiel. Auch hier wählt dann der Spieler das für ihn Passende aus und kann zudem eigene Vorschläge einbringen. Schließlich brechen wir die entsprechenden Wünsche des Spielers auf die Handlungsebene herunter, so dass ich genau weiß, wie und wann ich am Spieltag für den jeweiligen Spieler wirksam werden kann.
Ebenso Teil des Auftragsklärungsgespräches ist ein bewusster Blick auf die mentalen und sozialen Wachstumspotenziale des Spielers: Woran gilt es in der Wahrnehmung des Spielers (noch) zu arbeiten? Und was würden ihm wohl seine Trainer raten? Zudem spiegele ich dem Spieler, wenn ich ihn schon in der vorherigen Saison begleitet habe und somit einschätzen kann, meine Wahrnehmungen. Nicht selten öffnet dieser Austausch ein Feld für individuelle Coachingprozesse, in denen wir dann an dem jeweiligen Thema zielgerichtet arbeiten. Abschließend äußere ich, was ich vom Spieler für eine gelingende Zusammenarbeit brauche und gebe ihm Raum zu äußern, was ihm in dieser besonders wichtig ist.
Herausforderungen in der Umsetzung dieser sehr bedürfnisorientierten Vorgehensweise
Diese Vorgehensweise über eine Saison hinweg konsequent mit Leben zu füllen, ist herausfordernd – allein, wenn bedacht wird, dass sich immerhin 60 der knapp über 70 Spieler im Leistungsbereich durch eine entsprechende Zusammenarbeit unterstützen lassen wollen. Entsprechend meiner Erfahrungen sind die folgenden Herausforderungen die größten:
Nicht umsetzbare Spielerwünsche
Manche Spielerwünsche sind entweder zeitlich nicht umsetzbar oder mit meiner übergeordneten Rolle als Sportpsychologischer Coach inkompatibel. Hier gilt es, realistische Erwartungshaltungen zu erzeugen bzw. den Wunsch des Spielers so zu verhandeln, dass dieser schließlich für beide Seiten passend umgesetzt werden kann.
Kompetenzanforderungen
Wie brachte es einst schon Norbert Elgert so schön auf den Punkt: „Wasser predigen und Schnaps trinken funktioniert nicht.“ Dies bedeutet für meine Arbeit: Wenn dem Spieler eine bedürfnisorientierte Vorgehensweise angeboten und besprochen wird, muss ich dem mit meiner Arbeit auch Tag für Tag Rechnung tragen. Das erfordert ein Höchstmaß an Selbststruktur, Übersicht, Willen und Disziplin.
Fazit
Für meine Arbeit als Sportpsychologischer Coach hat sich diese Vorgehensweise im Laufe der vergangenen Saison als die stimmigste erwiesen – denn sie setzt direkt an der Lebenswelt des Spielers und seinen Bedürfnissen an. Sie passt zu meiner systemischen Grundhaltung, die besagt, dass der Spieler der Experte für sich selbst ist und lässt ihm somit Autonomie und Gestaltungsfreiheit in unserer Zusammenarbeit. Diese Herangehensweise entspricht zudem meiner demütigen Grundhaltung als Mensch, sich nicht zu wichtig zu nehmen – und aus dieser Grundhaltung heraus dennoch Aktivität, Offenheit und Unterstützergeist auszustrahlen.
Stell Dir vor, Du bist mitten im Spiel und es beginnt, hitzig zu werden. Es ist die 85. Minute und es steht 1:1. Der Gegner ist am Drücker und hat gute Chancen auf das 2:1. Genau in dieser Situation solltest Du eigentlich total fokussiert auf dein eigenes Spiel sein, deinen direkten Gegenspieler immer im Blick haben und die Ruhe bewahren. Stattdessen lässt Du dich von der Unruhe am Spielfeldrand ablenken. Zuschauer und Trainerteam – alle rufen wild durcheinander. Du wirst unkonzentriert und läufst Gefahr, einen Fehler zu begehen. Nach dem Spiel fragst Du dich, wieso du dich einfach nicht gut konzentrieren und auf das Wesentliche fokussieren konntest?
Zum Thema: Aufmerksamkeitslenkung im Fußball
Kommt Dir das bekannt vor? Dann hast Du vermutlich noch nichts von den vier Dimensionen der Aufmerksamkeit gehört und wie man diese bewusst für sich nutzen kann. Man kann natürlich nicht alle vier Dimensionen gleichzeitig einnehmen, aber entscheidend ist es, in der Lage zu sein, kontrolliert zwischen den Dimensionen hin und her zu switchen – je nachdem, welche Du gerade brauchst und welche in einer bestimmten Situation am hilfreichsten ist.
Bevor wir zu dem praktischen Wie kommen, erläutere ich kurz das theoretische Was: Grundsätzlich wird in die vier Dimensionen external-weit, external-eng, internal-weit und internal-eng unterschieden.
Internat und external meint, ob der Fokus nach innen oder außen gerichtet ist und eng und weit beschreiben, ob der Fokus einen großen oder kleinen Bereich betrifft. Vorstellen kann man sich das wie den Lichtkegel einer Taschenlampe, der auch enger oder weiter gestellt werden kann und dementsprechend unterschiedliche Dinge in den beleuchteten Bereich fallen und fokussiert werden.
Praktisches Wissen
Wie aber sehen jetzt die unterschiedlichen Dimensionen konkret in der Praxis aus und wie kannst Du sie kontrolliert einnehmen und für dich nutzen?
Im internal-engen Fokus konzentrierst Du dich auf einen ganz bestimmten Gedanken, ein Gefühl oder eine Körperempfindung.
Beim internal-weiten Fokus bleibst Du weiterhin bei Dir im Inneren, aber weitest die Aufmerksamkeit auf dein generelles Wohlbefinden und deine Stimmung aus, d.h. fühlst Du dich gerade im Moment fit, müde, motiviert etc.? Darüber hinaus betrifft der internal-weite Fokus auch die Verarbeitung vieler Informationen aus dem Gedächtnis wie z.B. Analysen oder Taktiküberlegungen.
Sobald Du in den external-engen Fokus kommst, richtest Du deinen Blick sehr fokussiert auf einen einzigen relevanten äußeren Reiz. Als Torwart richtest Du deine Aufmerksamkeit also z.B. ausschließlich auf den Ball oder als Feldspieler nimmst Du beim Freistoß ganz bewusst nur eine Torecke ins Visier.
Willst Du möglichst viele Reize gleichzeitig im Äußeren wahrnehmen und Dir einen Überblick verschaffen, wechselt Du in den external-weiten Fokus. Dieser ist nützlich, um sich z.B. eine Spielübersicht zu verschaffen und Mitspieler sowie Gegner im Raum wahrzunehmen.
Die Umsetzung
Die Unterscheidung der vier Dimensionen ist besonders hilfreich, um Dir bewusst zu machen, wann welcher Aufmerksamkeitsfokus optimal ist – und dass Probleme oft entstehen, wenn Du dich in einem nicht-förderlichen Fokus befindest oder den Fokus unpassend wechselst. Beispiele hierfür sind das Grübeln über einen Fehler oder die zu starke Fokussierung eines Schmerzpunktes (beides internal-eng), wenn eigentlich in dem Moment wichtiger wäre, deinen Gegner und dessen nächste Aktion im Fokus zu haben (external-weit sowie external-eng). Genauso kann es umgekehrt passieren, dass Du dich während des Spiels von den Zuschauern auf den Rängen ablenken lässt und fehleranfälliger wirst (external-weit). An diesem Punkt solltest Du bewusst in einen internalen Fokus wechseln, um deine Sinne wieder zu schärfen und hochkonzentriert wirst.
Mentale Techniken, um in einen internalen Fokus zu kommen, können Visualisierung, Bodyscan, Atemübungen oder innere Selbstinstruktionen sein. Ist gerade ein externaler Fokus für dich hilfreicher, kannst Du diesen kontrolliert einnehmen durch beispielsweise die Technik „10 Dinge, die ich sehe“ oder eine ganz bewusste Fokussierung auf einen Gegenstand, den man sich gedanklich detailliert beschreibt (inklusive Form, Farbe, Größe etc.). Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Nathalie Klingebiel) helfen Dir gern, wenn Du daran arbeiten willst.
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Du hast Fragen, dann stell sie uns!
Gern stehen wir euch zur Verfügung, wenn Fragen offen geblieben sind oder irgendwo der Schuh drückt. Nutzt gern das folgende Formular:
Montag, 8:00 Uhr: Der Vorstand trifft sich zur Krisensitzung. Dienstag, 14:00 Uhr: Trainer entlassen. Mittwoch: Medien jubeln über den „überfälligen Schritt“. Sechs Monate später: Gleiche Probleme, neuer Trainer. Eine Studie von Strauss und Tippenhauser über 35 Bundesliga-Saisons zeigt: 70% aller Trainerwechsel führen langfristig zu keiner Verbesserung. Der Grund liegt in einem fundamentalen Denkfehler – Organisationen behandeln ihre Probleme mit personellen Lösungen. Aus einem Defizit-Mythos heraus beziehen sich Sportvorstände auf die Illusion von Durchgriff und eine Kontroll-Fantasie. Wenn ein Sportvorstand also einen Trainer entlässt, bricht eine wichtige Leadership-Position weg, deren Dynamik im Grundsatz nicht vorhersehbar ist. Man hofft auf einen positiven psychologischen Effekt – doch kehren neue Besen tatsächlich besser als die alten, oder ist es doch purer Aktionismus? Aber was wäre dann eine Alternative?
Zum Thema: Systemische Intervention als Alternative zum Trainerwechsel
Ein Muster, das aus dem Fußball längst bekannt ist, schwappt zunehmend auf andere Sportarten über. Auch im Handball oder Unihockey gibt es bereits einige Beispiele, wo der Headcoach auf dem Teamfoto bereits wieder von seinen Aufgaben entbunden wurde.
Der französische Anthropologe René Girard beschreibt einen universellen Mechanismus, der dieses Phänomen erklärt: Unter Druck suchen Gruppen einen Sündenbock, um interne Spannungen zu reduzieren. Die Logik dahinter ist bestechend einfach – ein einzelner Schuldiger wird identifiziert und eliminiert, die Organisation fühlt sich kurzfristig entlastet. Das Problem dabei: Die strukturellen Ursachen bleiben völlig unberührt.
Bekanntes Muster: Kurzer Aufschwung, keine nachhaltige Besserung
Diese Sündenbock-Beobachtung wird durch wissenschaftliche Evidenz gestützt. Strauss und Tippenhauser analysierten in ihrer umfassenden Studie 35 Bundesliga-Saisons mit über 10.000 Spielen. Ihr Befund war eindeutig: Während kurzfristig tatsächlich ein Aufschwung messbar war, führten Trainerwechsel langfristig zu keiner nachhaltigen Verbesserung. Was zunächst wie eine Lösung aussieht, entpuppt sich als reiner Placebo-Effekt.
Die typische Hypothese „Unser Erfolg bleibt aus, weil der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht“, ist zu kurz gedacht. Denn die Spieler und der Vorstand bleiben unverändert. Organisationen funktionieren wie ein Körper: Wechseln Sie nur den Kopf, bleibt der Rest unverändert. Das System reproduziert die gleichen Probleme mit neuem Personal. Ein Trainerwechsel verändert nur einen Baustein, während die Mannschaft dieselbe bleibt, der Vorstand dieselbe Haltung hat, die Strukturen unverändert sind und die Vereinskultur fortbesteht.
Systemische Intervention
Die Alternative beginnt mit einem anderen Blick auf die Situation. Statt zu fragen „Wer ist schuld?“, müssen wir fragen „Warum stehen wir an diesem Punkt, an dem wir jetzt stehen?“. Diese Perspektive öffnet den Raum für Lösungen. Hier empfiehlt es sich aus meiner Sicht, in der Analyse mit einer externen Beratung zusammenzuarbeiten. Idealerweise aus einer Kombination von Sport- und Organisationspsychologie, die kontextualisierungsfähig ist und sowohl auf der Ebene von Organisation, Team als auch Individuum wirksam intervenieren kann. Das Ziel dieser Intervention ist nicht die Abhängigkeit von externer Beratung, sondern die Befähigung zur Selbstwirksamkeit. Systemische Intervention funktioniert nur mit klaren Erfolgsparametern. Es geht nicht darum, schnelle Lösungen zu versprechen, sondern darum, Lösungen zu entwickeln, die für die Organisationsrealität passend sind. Die Vereinsführung wird darin unterstützt und begleitet, von der Symptombekämpfung hin zum Verständnis dessen, was eigentlich in der eigenen Organisation passiert. Weg von der Werkzeugkiste schneller Lösungen, hin zur adaptiven Navigation komplexer Organisationsdynamiken.
Ein wesentlicher Schluss besteht in der Ent-Emotionalisierung. Die Sportpsychologie zeigt, dass externe Ursachenzuschreibungen wie „Pech“, „Schiedsrichter“ oder „ausbleibende Resultate“ die Lösungsfindung blockieren. Stattdessen soll der Fokus stets auf beeinflussbare Faktoren gelenkt werden. Was läuft gut und dürfen wir nicht verändern? Was können wir tatsächlich selbst beeinflussen? Welcher kleine, konkrete Schritt ist als nächstes möglich? Dieser Ansatz basiert auf der Attributionstheorie der Sozialpsychologie und hilft dabei, destruktive Emotionalisierung zu vermeiden.
Das System korrigieren
Für Sportvorstände bedeutet das zunächst die Entwicklung eines Stopp-Reflexes: Was sind die drei häufigsten Beschwerden der zurückliegenden sechs Monate? Welche Strukturen bleiben gleich, egal wer trainiert? Bei Krisensymptomen sollte zunächst die Situation erfasst und nach Mustern statt nach Schuldigen gesucht werden. Erst das System korrigieren, dann Personal bewerten. Vereine als Ganzes profitieren davon, ihre Strukturen zu überdenken und Krisenresilienz in den Organisationsstrukturen zu verankern. Weg von der Illusion der Kontrolle, hin zur Entwicklung adaptiver Führungsfähigkeit.
Der entscheidende Unterschied zwischen Aktionismus und wirksamer Führung liegt in der Bereitschaft, genauer hinzuschauen – auch wenn es unbequem wird. Echte Veränderung entsteht nicht durch Bestätigung, sondern durch ehrliche Konfrontation mit dem, was nicht funktioniert. Diese Haltung macht den Unterschied zwischen oberflächlichen Lösungen und nachhaltiger Organisationsentwicklung.
Girard, R. (1972): La Violence et le Sacré. Grasset | Strauss, B./Tippenhauser, A. (2003): Trainerentlassungen in der Fußballbundesliga. In: Sport goes media. Czwalina Verlag |
Edmondson, A. (2019): The Fearless Organization.
Wiley | Hersey, P./Blanchard, K. (2012): Management of Organizational Behavior. Pearson |
Meyer, T. (2011): Sportpsychologie – Die 100 Prinzipien. Copress Sport |
Csikszentmihalyi, M. (2008): Flow: The Psychology of Optimal Experience. Harper |
Luhmann, N. (2000): Organisation und Entscheidung. Westdeutscher Verlag
Dunja Lang ist eine feste Größe in unserem Expertennetzwerk und bekannt für ihre wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig extrem praxisnahe Ansätze. Als ehemalige Profi-Reiterin, Sportpsychologische Expertin und Mentalcoach ist sie mit innovativen Konzepten unterwegs. Nun erscheint ihr Buch „Mental Grand Prix – Souverän im Sattel: Wie du mit dem Reitsport Mentalist System® Bestleistung erreichst“ (Link zu Amazon). Ein Anlass, der uns die perfekte Gelegenheit bietet, tiefer in ihre faszinierende Arbeit mit realen Praxisbeispielen einzutauchen. Denn auch wenn der Titel den Reitsport in den Fokus rückt, sind die Prinzipien universell – ein Leitfaden für jeden Sportler, Trainer und Performer, der im entscheidenden Moment nicht nur funktionieren, sondern souverän brillieren will. Wir freuen uns sehr, Dunja heute bei uns im Interview zu haben.
Interview
Dunja, in deinem Buch beantwortest du die Frage, wie es gelingt, Bestleistungen abzurufen, wenn es darauf ankommt. Dazu ist ja schon viel gesagt worden. Welche Aspekte kommen deiner Erfahrung nach in der Betrachtung oft zu kurz?
Bestleistung gelingt dann, wenn wir aufhören zu kämpfen – gegen die Anspannung, gegen die Fehler und oft genug gegen uns selbst. Stattdessen geht es darum, unser gesamtes System, also unser bewusstes Denken und unser Unbewusstes, auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Es ist der entscheidende Schritt vom reinen „Wollen“, das oft zu Verkrampfung führt, hin zum intuitiven „Können“ und „Lassen“, also in den Flow-Zustand. Das ist der Kern meines Konzepts, das ich auch im Buch beschreibe: „Siegen, ohne zu kämpfen“.
Dieser Wandel ist mehr als nur eine Einstellungsänderung; er ist neurobiologisch fundiert. Viele ambitionierte Menschen, gerade auch im Sport, sind es gewohnt, mit viel Anstrengung, Disziplin und Willenskraft Ziele zu erreichen. Im Sport, besonders in technischen oder feinfühligen Disziplinen, führt diese Strategie jedoch oft dazu, dass unser rationales Gehirn, der Präfrontalkortex, überaktiv wird. Das Ergebnis sind Anspannung, blockierte Intuition und langsamere Reaktionen. Die Lösung liegt darin, vom passiven „Gehirnbesitzer“, der seinen Reaktionen oft ausgeliefert ist, zum aktiven „Gehirnbenutzer“ zu werden. Das bedeutet, das Unbewusste durch gezieltes Training so vorzubereiten, dass die optimalen Abläufe im entscheidenden Moment möglichst automatisch und intuitiv abgerufen werden können, ohne dass der bewusste Verstand den Prozess stört.
An wen richtet sich dein Buch?
In erster Linie richtet sich das Buch an ambitionierte Reiterinnen und Reiter aller Leistungsklassen. Es ist für diejenigen, die entweder an einem spezifischen mentalen Thema wie Turnierstress oder einer Blockade nach einem Sturz arbeiten möchten, aber auch für jene, die bereits gut unterwegs sind und spüren, dass da noch mehr geht – die die letzten fünf bis zehn Prozent ihres Potenzials freisetzen wollen. Viele beschreiben das Gefühl, an eine „gläserne Decke“ zu stoßen, wo mehr technisches Training allein einfach nicht mehr zu besseren Ergebnissen führt. Genau hier setzt das Buch an.
Gleichzeitig habe ich es bewusst so konzipiert, dass auch Sportler und Trainer aus anderen Disziplinen enorm davon profitieren können, insbesondere aus technischen Sportarten wie Skifahren, Biathlon, Golf oder auch aus dem Business-Kontext, wo es ebenfalls um Performance unter Druck geht. Die Beispiele aus dem Reitsport dienen dabei als eine sehr anschauliche Metapher für universelle mentale Herausforderungen. Der Kern des Buches ist eine Einladung an alle, die bereit sind, die Funktionsweise ihres eigenen Gehirns besser zu verstehen und die wirksamen Werkzeuge zu erlernen, um ihre mentalen Prozesse aktiv zu gestalten – also vom „Gehirnbesitzer“ zum „Gehirnbenutzer“ zu werden.
Du sagst im Buch, Reiten ist die Königsdisziplin des Mentalen, warum?
Das liegt an der einzigartigen Rolle des Partners Pferd. Ein Tennisschläger oder ein Paar Ski sind Werkzeuge, die präzise auf die Aktionen des Sportlers reagieren. Ein Pferd hingegen ist ein Lebewesen mit eigener Wahrnehmung, eigenen Emotionen und einer extrem feinen Intuition. Und einer gewissen Unberechenbarkeit. Es gibt ein unmittelbares, ehrliches und ungefiltertes Feedback auf den inneren Zustand des Reiters – und das in Millisekunden. Man kann versuchen, sich selbst etwas vorzumachen, aber ein Pferd spürt sofort, ob man wirklich fokussiert, selbstsicher und im Gleichgewicht ist, oder ob man innerlich zweifelt, angespannt oder abgelenkt ist.
Das Pferd agiert dabei wie ein lebendiger Biofeedback-Verstärker. Jede noch so kleine innere Veränderung – ein Gedanke, ein Gefühl – führt zu minimalen körperlichen Veränderungen in Muskeltonus, Atmung oder Balance. Dieser enge Zusammenhang von Psyche und Körper, das Embodiment, wird vom Pferd sofort wahrgenommen und gespiegelt. Ein kurzer Moment des Zögerns im Kopf des Reiters kann zu einem Zögern des Pferdes vor dem Sprung führen. Eine Welle der Anspannung im Reiterkörper überträgt sich und verhindert die Losgelassenheit des Pferdes in der Dressurlektion. Diese unmittelbare und ungeschönte Rückmeldung macht den Reitsport zu einem unglaublich intensiven Trainingsfeld für mentale Selbstregulation und Achtsamkeit. Man lernt auf eine sehr direkte Weise, wie eng der eigene innere Zustand mit der äußeren Leistung verknüpft ist.
Du hast ja auch dein ganz spezielles „Reitsport Mentalist System®“ als Marke schützen lassen, was hat es damit auf sich? Warum ein spezielles System bzw. Konzept? Was ist der Vorteil?
Die Idee für ein geschütztes System entstand aus einer zentralen Beobachtung in meiner Praxis: Viele Sportler kommen zu mir und haben schon alles Mögliche ausprobiert – Visualisierung, Atemtechniken, positive Selbstgespräche – aber ohne nachhaltigen Erfolg. Das liegt oft daran, dass sie eine Fülle von Techniken anwenden, in einer Weise, die aber nicht zur eigentlichen Ursache ihres Problems passt. Sie suchen, wie ich es im Buch beschreibe, unter der sprichwörtlichen Laterne, weil dort das Licht besser ist, obwohl der Schlüssel ganz woanders im Dunkeln liegt.
Der entscheidende Vorteil des Reitsport Mentalist Systems® ist, dass es kein Sammelsurium von Tipps ist, sondern ein strukturierter, logischer Vier-Schritte-Prozess, der sicherstellt, dass wir zuerst das mentale Muster auf bewusster und unbewusster Ebene analysieren und dann das entscheidende Puzzlestück finden, bevor wir eine Lösung anwenden. Und entscheidend ist für mich dabei eben, das Unbewusste systematisch und fundiert mit einzubeziehen, in die Analyse wie auch die Lösung, mit einem speziellen Konzept aus der Sporthypnose.
Standortbestimmung, Herausforderungen und Ziele: Wir richten das innere Navigationssystem präzise aus. Wo stehe ich, wo will ich hin? Dabei ist es entscheidend, Ziele zu definieren, die auch das Unbewusste, das Bauchgefühl, mit ins Boot holen, zum Beispiel durch den Fokus auf Prozess- statt reiner Ergebnisziele.
Mental Deep Dive: Das ist das Herzstück. Mit der Metapher des Eisbergs tauchen wir unter die Oberfläche des Symptoms. Wir schauen, was wirklich hinter der Nervosität oder der Blockade steckt. Ist es ein unverarbeiteter Sturz, ein limitierender Glaubenssatz oder fehlt vielleicht einfach nur das richtige mentale Werkzeug?.
Action Plan und Coaching Zone: Erst wenn wir aus Schritt 2 Klarheit haben, entwickeln wir einen maßgeschneiderten Plan. Hier kommen dann die passenden Werkzeuge wie Sporthypnose, die Drehbuch-Technik oder auch körperorientierte Verfahren wie PEP® zum Einsatz – aber eben gezielt und passgenau.
Zielerreichung und Performance-Flow: Im letzten Schritt geht es um die nachhaltige Integration der neuen Fähigkeiten in den Alltag, damit die Veränderung dauerhaft ist und ein Zustand von Performance-Flow immer leichter erreicht werden kann.
Der Vorteil dieses systematischen Vorgehens ist enorme Effizienz und Nachhaltigkeit. Wir vermeiden das frustrierende Herumprobieren und schaffen eine klare, verlässliche Struktur für den Weg zur mentalen Souveränität. Und der Erfolg wird in gewisser Weise planbar durch einen logischen Aufbau, der durch eine Online Plattform mit diversen Modulen, Videos, Audios, Trainingsimpulsen, Arbeitsblättern etc. unterstützt wird.
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Wie können SportlerInnen und TrainerInnen, die jetzt nicht Reiter sind, von deinem Buch profitieren?
Die mentalen Prinzipien und Herausforderungen sind absolut universell. Der Druck im Wettkampf, die Angst vor Fehlern, der Umgang mit Rückschlägen, die Notwendigkeit eines messerscharfen Fokus – das kennt jeder Leistungssportler, egal ob auf dem Fußballplatz, auf der Skipiste oder am Schießstand. Das Buch nutzt den Reitsport als eine sehr greifbare Metapher, um diese oft abstrakten mentalen Konzepte lebendig und verständlich zu machen.
Der Transfer ist direkt möglich: Die Fähigkeit, den Fokus auf die ideale Distanz zu einem Sprung zu bündeln, ist dieselbe mentale Fertigkeit, die ein Golfer für einen entscheidenden Putt oder ein Biathlet für den letzten Schuss benötigt. Der innere Dialog, der einen Reiter vor dem Einritt ins Viereck verunsichert, ist identisch mit der Nervosität eines Managers vor einer wichtigen Präsentation.
Ein besonders spannender Transferpunkt ist der Umgang mit Traumata. Ich erkläre im Buch, dass sozialer Schmerz, also die Angst vor Blamage oder öffentlicher Kritik, in denselben Gehirnarealen verarbeitet wird wie körperlicher Schmerz. Damit wird das Kapitel über die mentale Bewältigung von Stürzen plötzlich auch hochrelevant für einen Manager, der ein Projekt an die Wand gefahren hat, oder für einen Athleten, der in den Medien kritisiert wurde. Letztendlich ist das Reitsport Mentalist System® selbst ein universelles Diagnose- und Lösungs-Framework, das auf jede Performance-Herausforderung angewendet werden kann.
In deinem Buch wird ganz speziell auf „Sporthypnose“ eingegangen, du hast ja dazu schon einige Beiträge auch hier veröffentlicht und warst damit auch schon auf Kongressen unterwegs. Für welche Themen, auch jenseits des Reitsports, ist speziell Sporthypnose hilfreich?
Es ist mir wichtig, zuerst mit dem Mythos aufzuräumen, dass Hypnose etwas mit Kontrollverlust zu tun hat. Das Gegenteil ist der Fall: Professionelle Sporthypnose ist ein Werkzeug, um mehr Kontrolle über innere, unwillkürliche Prozesse wie Nervosität, Fokus oder Schmerzempfinden zu gewinnen. Es ist ein natürlicher Zustand tief fokussierter Aufmerksamkeit, den jeder Sportler im „Tunnel“ oder im „Flow“ erlebt.
Die Anwendungsfelder sind enorm breit und gehen weit über den Sport hinaus:
Automatisierung von Bestleistung: Ein Kernstück meiner Arbeit ist die von mir entwickelte Drehbuch-Technik. Dabei erstellen wir ein detailliertes, multisensorisches mentales „Drehbuch“ für eine optimale Leistung. Dieses wird dann in Hypnose tief im Unbewussten verankert, sodass der Ablauf unter Druck automatisch und intuitiv abgerufen werden kann. Das funktioniert für eine Dressuraufgabe genauso wie für einen Tennisaufschlag, eine musikalische Darbietung oder eine wichtige Verhandlung.
Comeback und Rehabilitation: Sporthypnose ist ein unglaublich wirksames Werkzeug bei der Genesung nach Verletzungen. Sie kann zur Schmerzregulation eingesetzt werden, was wissenschaftlich gut belegt ist. Zudem können wir durch mentales Training von Bewegungsabläufen in der Vorstellung den Muskelabbau während einer Ruhigstellung reduzieren und die neuronalen Bahnen aktiv halten. Das beschleunigt den Wiedereinstieg enorm, egal in welcher Sportart.
Bewältigung von Ängsten und Blockaden: Hypnose ist eine der effektivsten Methoden, um spezifische Ängste, Phobien oder Panikattacken aufzulösen – sei es die Angst vor einem bestimmten Sprung, die Angst vor öffentlichem Reden oder Flugangst.
Energiemanagement und Regeneration: Gerade für Athleten oder Führungskräfte mit einem hohen Reise- und Stresspensum ist die Fähigkeit, durch Selbsthypnose schnell in einen tiefen Erholungszustand zu kommen, ein unschätzbarer Vorteil, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen und den Schlaf zu verbessern.
Auflösung limitierender Glaubenssätze: Oft sind es unbewusste Überzeugungen wie „Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich mache immer im entscheidenden Moment Fehler“, die uns sabotieren. Hypnose ermöglicht einen direkten Zugang zu diesen tiefen Mustern, um sie zu bearbeiten und aufzulösen.
Veränderung unerwünschter Gewohnheiten: Auch außerhalb des Sports wird Hypnose erfolgreich eingesetzt, zum Beispiel zur Raucherentwöhnung oder beim Gewichtsmanagement, indem neue, gesündere Verhaltensmuster im Unbewussten verankert werden.
Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl: Durch die Arbeit mit inneren Ressourcen und positiven Suggestionen kann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nachhaltig gestärkt werden.
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Uns erreichen ja immer wieder Fragen auch zum Thema „Trauma“ und Blockaden nach Stürzen und Verletzungen. Reiten ist ja auch eine Sportart, bei der das Thema hochgradig relevant ist. Welche Erfahrungen hast du dazu, eigene Erfahrungen, du kommst ja aus dem Reitsport und natürlich auch aus dem Coaching?
Dieses Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen, denn mein eigener Weg in die Psychologie und ins Mentalcoaching begann mit einem schweren Sturz vom Pferd. Die körperlichen Verletzungen heilten, aber die mentale Blockade, die Angst und Unsicherheit, blieben. Die üblichen Ratschläge und Tools haben nicht geholfen. Diese eigene Erfahrung hat mir ein tiefes Verständnis und eine große Empathie für Athleten in ähnlichen Situationen gegeben.
Aus neurobiologischer Sicht ist heute klar, warum solche Blockaden so hartnäckig sind. Ein traumatisches Ereignis überfordert die Verarbeitungskapazitäten unseres Gehirns. Die Erinnerung wird nicht als geordnete Geschichte abgespeichert, sondern in Fragmenten – Bilder, Körpergefühle, Emotionen – die im Angstzentrum und im Körpergedächtnis „stecken bleiben“. Wenn später ein Trigger auftaucht, der an das Ereignis erinnert, wird das gesamte alte Alarmprogramm reaktiviert, und es fühlt sich an, als würde die Gefahr im Hier und Jetzt erneut geschehen. Deshalb kann man sich nicht einfach mit Willenskraft darüber hinwegsetzen.
Der Schlüssel zur Lösung ist nicht Verdrängung, sondern eine gezielte Verarbeitung. In meinem Coaching nutze ich dafür spezielle, wissenschaftlich fundierte Methoden wie PEP® – eine Form der „Klopftechnik“, die das Nervensystem reguliert – oder auch spezifische hypnotherapeutische Verfahren und EMDR. Diese Techniken helfen dem Gehirn, die blockierte Information zu prozessieren und die emotionale Ladung zu neutralisieren. Die Erinnerung wird nicht gelöscht, aber sie verliert ihre bedrohliche Macht. Und diese Prinzipien sind universell. Ich coache beispielsweise auch alpine Skifahrer nach schweren Stürzen – die mentalen Mechanismen und die Lösungswege sind exakt die gleichen.
Wie können aus deiner Sicht Menschen mit Performance Herausforderungen, zum Beispiel auch im Beruf oder außerhalb des Sports, von der Sportpsychologie profitieren?
Enorm, denn die Prinzipien sind 1:1 übertragbar. Eine entscheidende Präsentation vor dem Vorstand, eine anspruchsvolle Operation im OP-Saal oder ein wichtiges Verkaufsgespräch – all das sind Performance-Situationen, die den gleichen mentalen Anforderungen unterliegen wie ein sportlicher Wettkampf.
Die Sportpsychologie bietet einen riesigen Werkzeugkasten an erprobten Strategien, von denen jeder profitieren kann:
Umgang mit Druck: Zu lernen, wie man die körperliche Stressreaktion reguliert, wie man Druck als positive Energie umdeutet und auch unter Anspannung einen klaren Kopf bewahrt, ist im Berufsleben Gold wert.
Fokussierung: Die Fähigkeit, in einer reizüberfluteten Umgebung alle Ablenkungen auszublenden und sich voll auf die anstehende Aufgabe zu konzentrieren, ist eine Kernkompetenz für Erfolg in jedem Bereich.
Resilienz: Sportler lernen, mit Niederlagen umzugehen. Diese Fähigkeit, Rückschläge nicht als persönliches Versagen, sondern als Lernchance zu sehen und gestärkt daraus hervorzugehen, ist für die berufliche Karriereentwicklung entscheidend.
Mentale Vorbereitung: Techniken wie die Drehbuch-Technik sind perfekt, um sich mental auf wichtige Meetings, Verhandlungen oder öffentliche Auftritte vorzubereiten. Man kann den gewünschten Zustand von Souveränität und Klarheit im Vorfeld verankern und dann im entscheidenden Moment abrufen.
Letztendlich lehrt uns die Sportpsychologie, dass Erfolg in jedem Bereich ein „inneres Spiel“ ist. Wer lernt, die eigene innere Welt – Gedanken, Emotionen, Fokus – zu meistern, hat die besten Voraussetzungen, um auch jede äußere Herausforderung zu bewältigen.
Gibt es Beispiele aus deiner Coaching-Praxis, bei denen du gemerkt hast: Hier hat mentale Arbeit wirklich alles verändert?
Ja, diese Momente erlebe ich zum Glück sehr häufig, und sie sind der Grund, warum ich meine Arbeit so liebe. Ich hatte schon Reiterinnen, die kurz davor waren, den Sport aufzugeben oder ihr Pferd zu verkaufen, weil Ängste und Blockaden überhand genommen hatten. Wenn man dann gemeinsam den Schlüssel findet und sie nach kurzer Zeit wieder mit Freude und Erfolg im Sattel sitzen, ist das unglaublich erfüllend.
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Geschichte einer talentierten Springreiterin, nennen wir sie „Tatjana“, die auf einem bestimmten Leistungsniveau feststeckte. Im Training lief alles super, aber auf dem Turnier war sie extrem angespannt, machte Fehler und ärgerte sich maßlos. Der „Mental Deep Dive“ offenbarte, dass die Ursache nicht nur ihr Perfektionismus war, sondern ein tief sitzender, unbewusster Konflikt mit ihrem Vater, gekoppelt an ein spezifisches, unverarbeitetes „soziales Trauma“ – eine Situation, in der sie von ihm auf dem Abreiteplatz vor anderen bloßgestellt wurde. Ihre Angst vor Fehlern war in Wahrheit die panische Angst, dieses Gefühl der Scham erneut zu erleben.
Nachdem wir diese Wurzel erkannt hatten, konnten wir gezielt daran arbeiten. Wir haben das alte Erlebnis mit traumaspezifischen Methoden bearbeitet und mit der Drehbuch-Technik eine neue, kraftvolle mentale Routine für das Turnier etabliert. Der Erfolg war durchschlagend: Sie überwand nicht nur ihre Blockade, sondern gewann kurz darauf ihre erste Prüfung auf dem nächsthöheren Niveau. Das zeigt so deutlich: Wenn man die wahre Ursache findet und bearbeitet, kann sich das gesamte System neu ausrichten und das volle Potenzial entfalten. Ähnliche Durchbrüche erlebe ich auch bei Sportlern mit chronischen Schmerzen, die nach der Bearbeitung eines Traumas plötzlich verschwinden, oder bei Kadersportlern, die nach jahrelanger Stagnation plötzlich den Sprung an die internationale Spitze schaffen.
Wenn jetzt jemand neugierig ist auf dein Buch, wo findet man es?
Das Buch „Mental Grand Prix“ ist ab sofort auf Amazon erhältlich. Zum Start gibt es das E-Book für einen sehr limitierten Zeitraum zum Einführungspreis von nur 1,99 Euro. Eine Print-Version wird in Kürze folgen und dann ebenfalls über Amazon und den regulären Buchhandel verfügbar sein. Man braucht übrigens kein Kindle-Gerät, die kostenfreie E-Book-App von Amazon funktioniert auf jedem Smartphone oder Tablet.
Das Besondere ist, dass der Kauf weit mehr als nur das Buch beinhaltet. Über einen Link bzw. QR-Code im Buch erhält man Zugang zu wertvollen, kostenfreien Bonus-Ressourcen, die den Transfer in die Praxis enorm erleichtern:
Das komplette Hörbuch: So kann man die Inhalte auch unterwegs hören.
Ein einstündiges Video-Training mit Workbook: Dieses begleitet die Leser intensiv bei ihrem persönlichen „Mental Deep Dive“, um die eigenen Muster zu analysieren und die wahren Hebel für Veränderung zu finden.
Ein kostenfreies Strategiegespräch: Wer ein eigenes konkretes Anliegen hat und tiefer einsteigen möchte, hat die Möglichkeit, ein persönliches Gespräch mit mir zu führen, um die eigenen Herausforderungen zu besprechen und einen individuellen Plan zu entwickeln.
Der einfachste Weg, alles zu finden, führt über meine Website unter der Adresse:
Stellen Sie sich vor: Ein Gewichtheber geht entspannt an die Langhantel – und scheitert. Eine Bogenschützin ist maximal angespannt – und trifft daneben. Was läuft hier schief? Wir behandeln Aktivierung wie eine Krankheit, die geheilt werden muss. Doch das Nervensystem funktioniert eher wie ein Radiogerät – es braucht die richtige Frequenz für den richtigen Sender.
Zum Thema: Sportpsychologie – mehr als eine grosse Werkzeugkiste
Die individuelle Zone – oder: Warum es keine Einheitslösung gibt
Die Yerkes-Dodson-Kurve zeigt uns: Jeder Mensch hat seine Individual Zone of Optimal Functioning (IZOF). Während die eine Tennisspielerin bei hoher Nervosität ihre beste Leistung abruft, braucht der andere tiefe Gelassenheit.
Aus systemischer Sicht ist das faszinierend: Intensität ist nicht gut oder schlecht, sondern funktional oder dysfunktional für die jeweilige Situation. Wie ein Schweizer Taschenmesser – das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit.
Das Ende der Durchgriffskausalität im Sport
Hier kollidiert klassisches Mentaltraining mit der Realität: Die Annahme „entspannter Athlet = bessere Leistung“ ist systemisch gesehen naiv. Als würde man zu Orchester-Musikern sagen: „Spielt alle leise!“ – dabei braucht jedes Instrument seine eigene Lautstärke, um die Symphonie zu vollenden.
Statt Nervosität zu „bekämpfen“, geht es um flexible Navigation zwischen Aktivierung und Entspannung. Wie ein erfahrener Bergführer, der weiss: Mal braucht es den steilen Aufstieg, mal den gemütlichen Abstieg.
Wie Systeme ihre Intensität selbst regulieren
Aus systemtheoretischer Sicht: Stabilität ist erklärungswürdig. Wenn ein Athlet immer wieder zu nervös oder zu entspannt ist, dann stabilisiert das System diesen Zustand aus gutem Grund. Die Frage ist nicht „Wie ändere ich das?“, sondern „Welche Funktion hat diese Art der Aktivierung?“
Praktische Handlungsempfehlungen für Trainer
1. Intensitäts-Profil erstellen (2 Minuten nach Training) Ihre Athleten zeigen mit Fingern: Nervosität (1-10) und Leistung (1-10).
Achtung: Bei Jugendlichen ist die Selbstwahrnehmung oft noch unreif – kombinieren Sie mit Ihren Beobachtungen.
2. Individuelle Aktivierungs-Landkarte (5 Minuten) Lassen Sie Ihre Athleten das Spielfeld zeichnen und markieren: Wo braucht es Power (rot)? Wo Ruhe (blau)?
Teamdynamik-Realität: Was, wenn ein Spieler Power-Musik braucht, der andere Ruhe-Musik? Lösung: Mehrheitsbedürfnisse mit individuellen Notfall-Techniken.
Vor wichtigen Aktionen: „Welche Intensität brauchst du jetzt?“
4. Das Emotions-Navigationssystem (für C-Junioren geeignet) „Nervosität ist nicht schlecht! Manche spielen besser nervös, andere brauchen Ruhe. Wir finden heraus, was bei jedem funktioniert.“
Der Paradigmenwechsel in der Sportpsychologie
Statt „Du musst entspannt sein“ → „Du navigierst bewusst zwischen verschiedenen Intensitätszuständen“ Statt „Nervosität eliminieren“ → „Alle Emotionen als dynamische Ressourcen nutzen“
Die Realitätsprüfung für Trainer
Kontinuierliche Diagnostik und individuelle Betreuung brauchen mehr Zeit, als oft verfügbar ist. Pragmatische Lösung: Starten Sie mit ein, zwei Techniken und verstehen Sie das Grundprinzip: Emotionen sind dynamische Systeme, die Regulation brauchen, nicht Elimination.
Die systemische Kernfrage für Ihr Team: „Welche Intensität braucht diese Situation – und wie finden wir gemeinsam dahin?“
Wenn wir Intensität als adaptive Navigation zwischen emotionalen Zuständen verstehen, werden unsere Athleten zu Kapitänen ihres eigenen emotionalen Schiffs.
Im Netz ist aktuell kein Vorbeikommen an der Initiative „Die Psycholog:innen – an deiner Seite“. Dahinter steckt eine nationale Kampagne der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), die darauf abzielt, die Enttabuisierung psychischer Gesundheit zu fördern, die psychische Gesundheit in den Fokus der Gesellschaft zu rücken und den Zugang zu psychologischer Unterstützung zu erleichtern. Die im September 2025 gestarteteKampagne möchte Betroffenen Mut machen, sich Hilfe zu suchen. Kerninhalt ist, dass psychische Gesundheit alle angeht und Unterstützung keine Schwäche, sondern Stärke zeigt. Wir haben uns von Cristina Baldasarre, Co-Präsidentin der SASP (Swiss Association of Sport Psychology) und Profilinhaberin bei Die Sportpsychologen, Informationen zur Kampagne eingeholt.
Cristina, die FSP hat die Kampagne “Die Psycholog:innen – an deiner Seite” auf den Weg gebracht. Was ist das Ziel dieser Initiative? Und welchen Umfang hat die Kampagne in Bezug auf Verbreitungswege und Budgets?
Ziel ist es, die Psychologie in der Schweiz bekannter zu machen. Die einzelnen Psychologieberufe der Allgemeinheit näher zu bringen und das Bewusstsein zu stärken, dass Psychologie für jeden Einzelnen und jede Einzelne gewinnbringend ist. Und dass es neben der Psychotherapie auch viele weitere Berufe für PsychologInnen gibt. Es geht darum, deutlich zu machen, dass nicht “nur” psychische Symptome berechtigen, sich Hilfe zu holen. „Es lohnt sich für alle, probiert es aus“, lässt sich die Botschaft zusammenfassen.
Das Budget kenne ich nicht genau, aber allein die Werbung auf allen Kanälen inkl. der erstellten Materialien bedeutete ein recht hohes Investment im sechsstelligen Bereich, was sicher seines gleichen sucht. Die Kampagne läuft auf den Sozialen Medien, auf Plakaten (alle Psychologen haben welche zugeschickt bekommen, inkl. Stickers) und auf digitalen Werbeplakaten.
Catia Gubelmann ist eines der Gesichter der Kampagne (Quelle: FSP)
Aus deutscher sportpsychologischer Sicht wirkt die Schweiz ohnehin wie ein kleines Schlaraffenland. Unsere Disziplin scheint viel verbreiteter im Breiten- und Leistungssport zu sein. Welche Entwicklungsschritte erhoffst du dir von der Kampagne für die Sportpsychologie?
Die Sportpsychologie ist einer der drei Eckpfeiler der Kampagne, was für die SASP eine super Werbung ist. Ich erhoffe mir, dass die Menschen die Botschaft verstehen und die Hürde, zum Sportpsychologen zu gehen, noch tiefer wird. Darüber hinaus wäre es hilfreich, wenn mehr Medienpräsenz entsteht und daraus mehr Anfragen resultieren.
Welche persönlichen Erfahrungen hast du nach den ersten Tagen, in denen die Kampagne rollt, gemacht? Steht dein Telefon jetzt nicht mehr still?
Es hat sich im Alltag (noch) nichts geändert durch die Kampagne. Die Initiative ist ja eigentlich für alle Psychologieberufe gedacht, die Sportpsychologie ist einfach ein Beispiel dafür. Ob die Sensibilisierung wirklich so einen Impact hat, da bin ich noch nicht so wirklich sicher. Die Statements aber sind gut, ich hätte mir aber noch mehr Klarheit gewünscht, ein Explizites „wenn….., dann….“.
Psychologische Sicherheit zeigt sich oft in kleinen, alltäglichen Momenten: Eine Trainerin beobachtet, wie ein Spieler nach einem Fehlpass den Blick senkt, kaum noch kommuniziert und sich zurückzieht. Für sie ist das ein Alarmsignal – nicht für mangelnde Technik, sondern für ein Klima, in dem Fehler offenbar als gefährlich gelten. Ihr wird klar: Es geht nicht nur um Trainingsinhalte oder taktische Vorgaben. Es geht darum, ein Umfeld zu gestalten, in dem sich Spieler:innen sicher fühlen, sich zu zeigen – mit Stärken, aber auch mit Zweifeln und Fehlern. Und genau hier beginnt die Verantwortung der Trainer:innen.
Zum Thema: In diesem Beitrag erfährst du, wie Trainer:innen gezielt ein vertrauensvolles und offenes Teamklima gestalten können – mit praxisnahen Ideen, fundierten Konzepten und Beispielen aus dem Leistungssport.
1. Führungsverhalten als Basis
Psychologische Sicherheit beginnt an der Spitze. Studien (z.B. Edmondson, 2004; Fransen et al., 2020) zeigen: Teams orientieren sich stark am Verhalten ihrer Führungspersonen. Wer als Trainer:in Offenheit vorlebt, schafft Raum für Vertrauen.
Fehlerfreundlichkeit zeigen: Wer selbst auch mal zugibt, eine taktische Entscheidung hinterfragen zu müssen, signalisiert: „Hier darf man lernen.“
Unsicherheiten zulassen: Auch als Coach nicht alles wissen zu müssen, kann Teamprozesse stärken.
Nicht nur das „Wie“ im Verhalten, sondern auch das „Was“ im System ist entscheidend. Psychologische Sicherheit entsteht dort, wo Strukturen Klarheit und Orientierung bieten:
Rollen und Erwartungen transparent machen: Spieler:innen wissen, woran sie sind.
Regelmäßige Reflexionsformate etablieren: z.B. kurzes Teamfeedback nach jeder Einheit.
Verantwortung teilen: Kleine Aufgaben an Spieler delegieren, um Beteiligung zu fördern.
Solche Elemente stärken nicht nur das Vertrauen, sondern auch das Selbstwirksamkeitserleben – eine wichtige Ressource im Leistungssport.
3. Kommunikation gestalten
Ein sicherer Raum ist auch ein sprachlich gestalteter Raum. Wer psychologische Sicherheit fördern will, sollte gezielt eine lernorientierte Kommunikationskultur etablieren:
Offene Fragen stellen: Anstelle von „Warum hast du das gemacht?“, lieber „Was war deine Idee dabei?“.
Perspektiven einholen: „Wie habt ihr die Szene erlebt?“
Beiträge bestärken: „Danke für deinen Impuls.“ – auch (und gerade) bei kritischen Einwänden.
Sprache wirkt – und wer Anerkennung sprachlich sichtbar macht, senkt implizite soziale Risiken.
4. Teamprozesse bewusst fördern
Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder. Psychologische Sicherheit entwickelt sich in der Beziehung zwischen diesen Mitgliedern – und die kann gezielt gestaltet werden:
Peer-Coaching ermöglichen: Spieler:innen reflektieren in Zweierteams Trainingsinhalte.
Gemeinsame Ziele formulieren: „Was wollen wir in dieser Saison erreichen?“
Verantwortung rotieren lassen: z. B. wechselnde Kapitänsrollen im Training.
So entsteht eine geteilte Verantwortungskultur, in der jede Stimme zählt.
Praxisbeispiele aus dem Spitzensport
Dass psychologische Sicherheit kein theoretisches Konstrukt bleibt, sondern in ganz unterschiedlichen Sportarten gelebt wird, zeigen viele erfolgreiche Teams und Trainer:innen:
Jürgen Klopp (Fußball): Der langjährige Trainer des FC Liverpool, der seine Tätigkeit zum Ende der Saison 2023/24 beendet hat, war bekannt für seine empathische Kommunikation und die Förderung eines starken Zusammenhalts. In zahlreichen Interviews und Dokumentationen (z. B. „The End of the Storm“, 2021) wurde deutlich, dass Spieler wie Trent Alexander-Arnold oder Mohamed Salah ein Umfeld erlebten, in dem Fehler nicht gefürchtet, sondern als Teil des gemeinsamen Lernprozesses verstanden wurden. Klopp betonte immer wieder: „Meine Spieler sollen wissen: Ich stehe hinter ihnen.“
Diese Beispiele zeigen: Ob Teamsport oder Einzelsport, ob international erfahrene Profis oder Nachwuchsathlet:innen – psychologische Sicherheit ist trainierbar und wirksam, wenn sie durch bewusste Trainer:innenhaltung und klare Strukturen geformt wird.
Fazit: Vertrauen ist trainierbar
Psychologische Sicherheit ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung im Leistungssport. Wer als Trainer:in bereit ist, gezielt Strukturen, Kommunikation und Führung zu gestalten, kann ein Klima schaffen, in dem Spieler:innen mutiger, ehrlicher und letztlich erfolgreicher agieren.
In einem meiner vorigen Beiträge habe ich die deutsche Basketball-Nationalmannschaft als Beispiel herangezogen, wie psychologische Sicherheit im Leistungssport wirkt. Wie der öffentlich ausgetragene Konflikt zwischen Dennis Schröder und Daniel Theis vor der Endrunde nicht zum Problem, sondern zum Katalysator für Entwicklung wurde. Wer da noch einmal reinlesen will, unten links ist der Text verlinkt.
Ausblick
Im nächsten Beitrag werfe ich einen Blick auf typische Barrieren, die psychologische Sicherheit im Sport behindern: Hierarchien, Leistungsdruck, Unsicherheiten – und wie man ihnen sportpsychologischer Sicht begegnen kann.
Edmondson, A. C. (2004). Learning from mistakes is easier said than done: Group and organizational influences on the detection and correction of human error. Journal of Applied Behavioral Science, 40(1), 66–90. Learning from Mistakes is Easier Said Than Done.Journal of Applied Behavioral Science, 40(1), 66–90.Fransen, K., Vanbeselaere, N., De Cuyper, B., Vande Broek, G., & Boen, F. (2020). How leaders shape team effectiveness: The role of empowering team climates. Journal of Sport and Exercise Psychology, 42(3), 144–156. How leaders shape team effectiveness: The role of empowering team climates.Journal of Sport and Exercise Psychology, 42(3), 144–156.
Bei Sportpsychologen versuchen wir, bestmöglich über die Arbeitsweise der angewandten Sportpsychologie zu berichten. Es geht darum, zu zeigen, was, wie und warum wir etwas machen. Hier geht es auch darum, aufzuzeigen, was wir nicht machen oder was uns, nicht erst durch künstliche Intelligenz, fälschlicherweise zugeschrieben wird. Wir widmen uns Mythen. Wie der Annahme, dass Sportpsychologie nur individuell funktioniere, sich aber nicht gut auf Teams anwenden lasse. Warum liegt Chat GPT mit dieser Annahme einfach falsch?
Gerade in Teamsportarten ist so viel Psychologie im Spiel. In Teamsportarten geht es nicht nur darum, das Individuum (primär Trainer und Spieler) in seiner mentalen Leistungsentwicklung zu unterstützen, sondern auch komplexe psychologische Phänomene, die das Resultat des Zusammenwirkens der zahlreichen verschiedenenen Charaktere sind, achtsam wahrzunehmen, zu analysieren und das Trainerteam zu unterstützen, Prozesse zielgerichtet zu steuern. Sodass dann idealerweise aus einzelnen High-Performern ein wahres Team wird – und gerade auch in Phasen der Herausforderung bleibt. Gerade Teams brauchen fähige Sportpsychologen unbedingt.
Sportpsychologie ist überall dort von Bedeutung, wo sie gebraucht wird. Sie kann sowohl auf Individualebene als auch auf Teamebene Anwendung finden und kann dabei ganz unterschiedlich aussehen. Bei einem Einzelsportler findet sich die Sportpsychologie vielleicht eher in 1:1 Coaching-Gesprächen wieder, innerhalb einer Mannschaft kann sie in Form von Workshops zu Themen wie Zielsetzung oder Werten auftreten, aber genauso auch in Fällen von Konflikten bspw., die zwischen Athleten innerhalb des Teams oder zwischen Athleten und Trainerstab stattfinden können – nämlich immer da, wo Kommunikation herrscht… oder eben auch nicht herrscht. Denn dies ist ebenfalls ein großer Faktor in Teams, bei dem die Sportpsychologie unterstützend wirken kann. Dass Sportpsychologie nur für einzelne Athleten ist, ist demnach nichts mehr als ein Mythos.
Ich halte den von Chat-Gpt wiedergegebenen Mythos für Unsinn, denn jeder einzelne Sportler ist immer irgendwie ein Teil eines Teams. Sei es als Profi oder als Nachwuchsleistungsathlet:in innerhalb des Verbandes (auch der Familie). Und gerade in Teams, wie bereits meine Kolleg:innen geschrieben haben, ist es umso wichtiger, da es komplexer wird. Jede Form der Unterstützung ist ein kleiner Teil des Puzzels und nur dann ist es auch am Ende erfolgreich zusammengebaut. Es geht darum, als Mensch, als Person, als Sportler oder als Sportler/Coach in einem Team erfolgreich zu sein und sich aufgehoben zu fühlen.