Das asp-Präsidium, das Führungsgremium der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland, hat sich Mitte Mai personell neu aufgestellt. Von Die Sportpsychologen ist neben dem neuen Präsidenten Prof. Dr. Oliver Stoll nun auch Dr. Christian Reinhardt mit auf der Kommandobrücke des Berufsverbandes. Der Langenfelder (Rheinland) verfügt über umfangreiche sportpsychologische Erfahrungen im Fußball und Kampfsport, arbeitete mehrere Jahre als Geschäftsführer des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt und berät zahlreiche Wirtschaftsunternehmen und Agenturen. Im Kreis des asp-Präsidiums ist er für den Bereich Fußball zuständig.
Zum Thema: Sportpsychologie im Fußball
Dr. Christian Reinhardt, fangen wir mit einer klassischen Abschlussfrage an: Wo soll die Sportpsychologie im Fußball in fünf Jahren stehen?
Da, wo sie andernorts schon vor fünf Jahren gestanden hat. So muss einerseits der wissenschaftliche Konsens, dass die Sportpsychologie eine wichtige Komponente sportlicher Höchstleistungen darstellt, auf allen Ebenen in Lizenzvereinen angekommen sein. Andererseits ist es wichtig, dass auch die Inanspruchnahme sportpsychologischer Betreuung so „normal“ und selbstverständlich ist, wie das in bspw. in Nordamerika in fast allen Sportarten der Fall ist.
Welche Meilensteine hat die Sportpsychologie im Fußballbereich bislang bereits erreicht? Worauf lässt sich also in der Verbandsarbeit aufbauen?
Das Bild im Fußball wird oft sehr negativ gezeichnet. Unwissenheit, Ressentiments, ein Arbeiten im Schatten. Das wird der bisherigen Entwicklung nicht gerecht. Man darf nicht vergessen, dass z.B. Hans-Dieter Hermann ein fester Bestandteil des Sommermärchens war und es seitdem völlig normal ist, dass er die Nationalmannschaft betreut. Es gibt sehr progressive Vereine, die hervorragende sportpsychologische Betreuungssysteme etabliert haben. In der Zertifizierung der Nachwuchsleistungszentren (NLZ) ist die Sportpsychologie verankert. Es gibt eine jährliche Fortbildung der an den NLZ arbeitenden Sportpsychologen. Beim DFB und der DFL hat Babette Lobinger, die auch zum Lehrpersonal innerhalb der Trainerausbildung des DFB gehört, die Sportpsychologie nachhaltig verankert. Nicht zuletzt wurde mit die-sportpsychologen.de ein Portal geschaffen, dass inzwischen in der Fußballlandschaft sehr bekannt und vor allem auch akzeptiert ist.
Gibt es Zielgruppen im System Profi-Fußball, die in Zukunft verstärkt angesprochen werden sollen oder zu denen vielleicht erstmalig Kontakt gesucht wird? Wo siehst du, auch mit deiner praktischen Erfahrung, noch Aufklärungsbedarf im Fußballzirkus hinsichtlich der Sportpsychologie?
Aufklärungsbedarf wird es grundsätzlich immer geben. Das liegt in der Natur der Sache und betrifft nicht nur die Sportpsychologie. In Ergänzung des bisherigen Ansatzes, wird es aus meiner Sicht wichtig, abseits des direkten sportlichen Wirkens auch Funktionäre anzusprechen. Sie sind die Entscheider und statistisch länger im Verein als Trainer und haben somit die Möglichkeit, langfristig und systematisch zu arbeiten.
Wie viel Einfluss – und wo konkret – kann die asp eigentlich gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) auch mit seinen Landesverbänden sowie der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit den angeschlossenen Nachwuchsleistungszentren ausüben?
Die asp arbeitet schon seit längerem mit der DFL und dem DFB erfolgreich zusammen. Ich bin davon überzeugt, dass diese Zusammenarbeit auch in Zukunft fortgesetzt wird. Der DFB plant gemeinsam mit der DFL im Rahmen des Projekts Zukunft umfangreiche Reformen in der Nachwuchsförderung. Hier ist die asp sicherlich ein wichtiger Partner.
Bei einigen Fußball-Bundesligisten tummeln sich auch aktuell wieder einige Reflexionstrainer oder Persönlichkeitsentwickler, die sich nicht in der BiSp-Datenbank finden lassen, also mutmaßlich nicht den Qualitätskriterien der asp entsprechen. Was spricht eigentlich dagegen, ähnlich wie auf NLZ-Level die personelle Verankerung der Sportpsychologie in den Profi-Vereinen verbindlich zu gestalten?
Aktuell wissen nicht alle Verantwortlichen, wie sich Qualität beurteilen lässt. Es ist unsere Aufgabe, diese Information zu liefern. Insofern sehe ich mehr die Aufklärung und insbesondere die Etablierung der Marke asp als entscheidenden Faktor für ein Qualitätsmanagement in diesem Bereich. Die Auflage einen Sportpsychologen zu beschäftigen, der in der BiSp-Datenbank zu finden ist, würde wahrscheinlich wenig Verständnis für die Sportpsychologie und das BiSp schaffen. Den exzellenten Ruf, den die asp im Bereich der Wissenschaft genießt, muss sie in Zukunft auch bei Vereinen und Verbänden erlangen. Dann werden Vereine automatisch auf die asp und die Experten aus der BiSp-Datenbank zurückgreifen.
Eine Studie an der University of Kansas von Chelsi E. Scott, Troy O. Wineinger, Susumu Iwasaki & Mary D. Fry untersuchte das motivationale Team Klima in College Mannschaften. Daraus lassen sich Tipps und Hinweise schließen, wie Trainer*innen ein Klima entwickeln können, das nicht nur bei der Bewältigung einer Pandemie hilft, sondern auch sonst eine nachhaltige Motivation und gesunde Atmosphäre in einer Mannschaft erzeugt.
Zum Thema: Wie Trainer*innen ihren Athlet*innen und Teams durch die Pandemie und darüber hinaus motivieren und unterstützen können
Die Corona-Pandemie stellte das Leben und den Sport auf der ganzen Welt vom einen auf den anderen Tag auf den Kopf. Inzwischen haben wir schon über ein Jahr und mehrere Lockdowns mit einer außergewöhnlichen und belastenden Situation zu kämpfen. Auch ich habe vor kurzem bei einer Umfrage unter ca. 100 jugendlichen Sportlern herausgefunden, dass vor allem der fehlende Kontakt zu den Teamkollegen eine Belastung darstellt und daraus Langeweile, Motivationsverlust aber auch Angst, Sorgen und Traurigkeit entstehen können. Die Autoren der oben erwähnten Studie beschreiben außerdem erhöhte Belastungen durch Online-Unterricht, familiäre finanzielle Probleme und weitere außersportliche Stressoren.
Es zeigte sich aber, dass Trainer ihre Athleten in solch schwierigen Phasen unterstützen können. Die sportpsychologische Forschung bietet dafür gute theoretische Grundlagen (Achievement Goal Perspective Theory (Nicholls, 1989) und Caring Framework (Newton et al., 2007) die ein fürsorgliches und aufgabenbezogenes Klima als besonders förderlich für die Motivation und das Wohlbefinden der Athlet*innen herausstellen. Darunter fallen laut Fry et al., (2019) vor allem folgende fünf Verhaltensweisen der Trainer*innen:
Sie schätzen und erkennen die Anstrengungen und Verbesserungen der Athlet*innen.
Sie pflegen einen Geist der Zusammenarbeit zwischen allen Mitgliedern des Teams.
Sie helfen allen Athlet*innen, ihre bedeutende Rolle zu erkennen, die sie im Team spielen.
Sie helfen Sportler*innen, Fehler als Wege zu sehen, um zu wachsen und zu lernen.
Sie schaffen eine Atmosphäre, in der sich alle Athlet*innen willkommen, geschätzt und als Teil einer fürsorglichen Gemeinschaft fühlen.
(vgl. Scott et al., 2021)
Vier Empfehlungen für Trainer*innen
Laut den Autoren hilft dieses fürsorgliche und aufgabenbezogene Klima gerade jugendlichen Sportler*innen mit den zusätzlichen Belastungen der Corona-Pandemie besser zurecht zu kommen als in einem selbstbezogenen Klima, wo der Erfolg des Einzelnen im Vordergrund steht und die besten Athlet*innen bevorzugt behandelt werden. Die Autoren haben aus ihrer quantitativen und qualitativen Untersuchung an College Athlet*innen in den USA folgende vier Handlungsempfehlungen für Trainer*innen während der Corona-Pandemie herausgearbeitet:
Unterstützung für den Sport und das Privatleben: Trainer*innen sollten sich regelmäßig bei ihren Athlet*innen melden und nachfragen, wie es ihnen geht. Dabei wird es von den Athlet*innen als positiv erlebt, wenn auch Themen abseits des Sport angesprochen werden können und die Sportler*innen in Teamentscheidungen, wie zum Beispiel, wann und wie das Training wieder startet, einbezogen werden. Dies kann in Einzelgesprächen per Telefon oder Videocall oder in einer Videokonferenz mit dem gesamten Team geschehen.
Die Gesundheit in den Vordergrund stellen: Athlet*innen sehen es als sehr positiv an, wenn Trainer sie dazu ermuntern, sich gut um sich selbst und die eigene Gesundheit zu kümmern. Dabei können Trainer*innen Informationen über gute Ernährung, Schlaf, Erholung und andere gesundheitlich relevanten Themen mit ihren Teams teilen. Außerdem sollten Verletzungen und Krankheiten von den Trainern ernst genommen und zur Rehabilitation ermutigt werden, anstatt Sportler zu früh wieder zum Training zu zwingen. Dabei ist gerade eine überstandene Covid-19 Erkrankung mit Vorsicht zu betrachten. Es sollte den Sportlern keine Vorwürfe für Verletzungen oder Erkrankungen gemacht werden.
Motivation erhalten und Optimismus fördern: Gerade für Jugendliche und junge Erwachsene ist die Corona-Pandemie die erste große Krise, die sie erleben. Da ist es wichtig, ihnen zu verdeutlichen, dass diese Krise irgendwann vorüber sein wird und dass sie durch die Schwierigkeiten, die sie dadurch durchstehen mussten, auch gestärkt werden können. Trainer*innen sollten auch in ihren Ansprachen immer wieder den Fokus auf eine Zeit nach der Krise legen: „Wenn wir wieder trainieren können…“. Außerdem können Trainer*innen ihre Sportler*innen mit kleinen Gesten motivieren und bei Laune halten, indem zum Beispiel aufmunternde und motivierende Sprüche oder sogar Gegenstände wie z.B. Sticker oder Armbänder verschickt werden. Außerdem sollten die Trainer die einzelne Leistung der Sportler anerkennen und für den Teamerfolg wertschätzen. „Ich sehe, dass du dich anstrengst, das wird unserem Team in der nächsten Saison sehr helfen.“ Denn Zielsetzung ist ein wichtiges Thema, wo Trainer*innen ihre Sportler*innen unterstützen können und sollten. Es geht darum, für das Training zuhause spezifische, messbare, attraktive, realistische und terminierte (SMART) Ziele zu setzen. Auch andere mentale Strategien und Fertigkeiten können in der zusätzlichen Zeit erarbeitet werden. Zum Beispiel könnten Trainer*innen mit ihren Mannschaften gemeinsam ein mentales Vorstellungstraining entwickeln, um Techniken oder Taktiken mental zu trainieren. Die Vorteile hierfür liegen auf der Hand.
Den Zusammenhalt und Kontakt zwischen Teammitgliedern fördern: Neben dem Kontakt mit den Trainer*innen ist für die Sportler*innen vor allem auch der Kontakt zu den Teamkolleg*innen wichtig. Das kann ganz automatisch passieren, indem sich Sportler untereinander verabreden oder miteinander telefonieren und schreiben. Man sollte aber darauf achten, dass keine Sportler vergessen oder ausgeschlossen werden. Deshalb ist es sinnvoll, auch mal Aufgaben in Kleingruppen zu geben, die der Trainer einteilt. Außerdem sind hier ein paar Ideen für soziale Interaktionen gesammelt. Wichtig dabei ist, die Sportler*innen auch nicht mit zu vielen Videokonferenzen zu überfüllen, da sie auch in Schule, Studium und Beruf oft damit täglich für mehrere Stunden konfrontiert werden.
Buddy system: Jede oder jeder erhält einen zugelosten Buddy, mit dem sie oder er sich regelmäßig austauschen muss und um dessen Wohlbefinden man sich gegenseitig kümmert.
Online-Spieleabende: Es gibt viele Spiele, die man online miteinander spielen kann, wo man sich teilweise auch über einen Voice-Chat unterhalten kann.
Telefonspiele: wie z.B. Stille Post – eine Person erzählt eine Geschichte, die dann am Telefon einer anderen Person weitererzählt werden muss. Der oder die Erste und Letzte nehmen die Geschichte als Sprachnachricht auf, damit man die beiden Versionen miteinander vergleichen kann.
Positive Briefe: Man schreibt für jeden Buchstaben des Vornamens eine positive Eigenschaft einer Mitspieler*in oder eines Mitspielers auf und schick das auf einem schön gestalteten Blatt als Brief (es können auch Fotos aufgeklebt werden usw.)
Das Team kümmert sich gemeinsam um einen Social Media Kanal.
Buchclub: Man tauscht sich über Bücher oder andere Themen aus, die gerade aktuell sind.
Vortragsredner einladen: Online-Vorträge zu Ernährung, Gesundheit, Taktik, Technik oder Sportpsychologie (zur Übersicht) können leicht organisiert werden. Entweder man lädt sich einen externen Redner oder eine Rednerin ein oder einzelne Athlet*innen bereiten selbst ein Thema vor und stellen es der Mannschaft vor.
Gemeinsame Workouts, die alle gleichzeitig online vor der Kamera machen oder Team-Challenges, die jeder filmen muss.
Gemeinsame Abendessen oder Frühstücks, wo vorher Rezepte ausgetauscht werden
Filmabende, wo alle gleichzeitig einen (Sport)Film anschauen und sich dann im Anschluss darüber austauschen.
uvm.
Fazit
Neben diesen vier Verhaltensweisen kennen die Trainer*innen ihre Teams und ihre Voraussetzungen natürlich am besten und sollten auch immer ihre eigene physische und mentale Gesundheit im Blick behalten, um ihre Sportler*innen bestmöglich unterstützen zu können.
Wenn man für sich zu jedem der vier Punkte ein bis drei konkrete Ideen aufschreibt, hat man einen guten Plan wie man seine Athlet*innen unterstützen kann. Diese Verhaltensweisen können auch nach der Pandemie sinnvoll sein um ein gutes fürsorgliches und aufgabenbezogenes Klima zu erzeugen, das die Motivation der Athlet*innen nachhaltig beeinflusst.
Fry, M., Gano-Overway, L., Guivernau, M., Kim, M.-S., & Newton, M. (2019). A Coach’s Guide to Maximizing the Youth Sport Experience: Work Hard, Be Kind (1. Aufl.). Routledge. https://doi.org/10.4324/9780429287688
Newton, M., Fry, M., Watson, D., Gano-Overway, L., Kim, M.-S., & Magyar, M. (2007). PSYCHOMETRIC PROPERTIES OF THE CARING CLIMATE SCALE IN A PHYSICAL ACTIVITY SETTING. Revista de Psicología Del Deporte., 16(17), 18.
Nicholls, J. G. (1989). The competitive ethos and democratic education. Harvard University Press.
Scott, C. E., Wineinger, T. O., Iwasaki, S., & Fry, M. D. (2021). Creating an Optimal Motivational Team Climate to Help Collegiate Athletes Thrive during the COVID-19 Pandemic. Journal of Sport Psychology in Action, 12(2), 127–141. https://doi.org/10.1080/21520704.2021.1876194
Noch immer ist nicht klar, ob die Olympischen Spiele in Tokyo im Sommer 2021 wirklich stattfinden können. Aktuell flammen sogar erneut Gerüchte auf, dass von Seiten der japanischen Politik eine Absage erwogen wird. Was dies für AthletInnen und TrainerInnen bedeutet, ist uns bestens bekannt. In diesem Wissen haben wir von Die Sportpsychologen das Programm „Abliefern, wenn es darauf ankommt“ (ab 239 EUR) entwickelt. Ein Online-Coachingprogamm für alle Sportler und Sportlerinnen, die trotz Widrigkeiten und Unsicherheiten auf einen bestimmten Zielwettkampf hinarbeiten, sowie Trainer und Trainerinnen, die einen solchen Weg bestmöglich begleiten wollen.
Zum Thema: Abliefern, wenn es darauf ankommt – Das Online-Coachingprogamm von Die Sportpsychologen
Unser Abliefern-Programm setzt zielgerichtet bei den individuellen Stärken und Schwächen der SportlerInnen an. Denn im ersten Schritt erheben wir mittels eines Fragebogens, an welcher Stelle sich mentale Baustellen verstecken und in welchen Bereichen die AthletInnen bereits Spitze sind. Mit diesem Wissen starten die Abliefern-Nutzer in das über siebenstündige Online-Coachingprogramm und konzentrieren sich auf die inhaltlichen Schwerpunkte, die sie für relevant halten. Die sieben Dimensionen decken dabei alle relevanten sportpsychologischen Arbeitsbereiche ab, mit denen die Leistung auf dem Weg zu einem Zielwettkampf verbessert werden kann. Das Material besteht aus verständlichen Erklärvideos, ergänzenden Texten, ausgewählten Grafiken und informativen Hintergrundgesprächen. Durch eine Kooperation mit Mindance haben wir das Programm sogar umfangreich erweitert und bieten in einem Zeitraum von zwei Monaten die zusätzliche Nutzung der beliebten App (Link) an.
Kooperation mit Sportdeutschland.tv
Die Sportpsychologen kooperieren mit Sportdeutschland.tv – alle Videos, die zum kostenlosen Zusatzmaterial des Online-Coachingprogramms „Abliefern, wenn es darauf ankommt“ gehören, sind ab sofort in der Mediathek des offiziellen Kanals des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu finden.
Über 100 Sportler haben sich bereits für unser Abliefern-Programm entschieden. Mit einigen Vereinen und Verbänden stehen wir in Kontakt, auch Institutionen haben bereits Interesse signalisiert. Auch zahlreiche SportpsychologInnen und MentaltrainerInnen greifen auf das digitale Angebot zurück, welches es ermöglicht, AthletInnen auf ein neues Level zu führen. Das Feedback bislang: „Abliefern bringt weiter. SportlerInnen lernen sich besser kennen. Sie lernen, mit welchen mentalen Faktoren sich sportliche Leistung neben dem klassischen Training beeinflussen lässt. Und TrainerInnen bekommen ein Werkzeug in die Hand, welches es in dieser Form noch nie gab.“
Olympia im Blick
Die Kernstücke des Abliefern-Programms haben wir in Interviewform aufbereitet. Prof. Dr. Oliver Stoll hat sich dazu mit zahlreichen Sportlern, Sportlerinnen, Trainern und Trainerinnen sowie weiteren ExpertInnen von Die Sportpsychologen unterhalten. Wir haben – mit Blick auf die olympischen Spiele – einige kurze Ausschnitte aus unserem Video-Material zusammengestaltet. Sozusagen als Blick durch das Schlüsselloch für all diejenigen, die sich fragen, ob unser Abliefern-Programm ihre Fragen beantwortet.
Beinahe jeder kennt sie, die populären Social Media Kanäle: TikTok, Youtube, Instagram, Snapchat und Facebook. Aber auch der Messaging Dienst Whatsapp erfreut sich großer Beliebtheit. Und das über Generationen hinweg. Wider Erwarten sind es schließlich auch nicht nur im Sport „die Jungen“, die sich heute tagein, tagaus in den Weiten des World Wide Web tummeln. Die ihre Bilder mithilfe ihrer Kanäle um die ganze Welt schicken, stetig auf der Jagd sind nach den meisten Likes. Vielmehr sind es eben auch die Jungen, vor allem jene um die 20. Doch es sind auch die älteren Generationen, die ihre Kommunikation über die vergangenen Jahre mehr denn je ins Netz verlagern. Und auch im Sport geht kaum etwas, ohne dabei online zu sein. So werden Trainings getrackt, Wettkampfsiege gepostet, Resultate per Message versandt und die Konkurrenz fortwährend beobachtet.
Zum Thema: Vom Umgang mit Social Media im Sport
Zu Konflikten kommt es im Umgang mit sozialen Medien im Trainingsalltag meist dann, wenn Regeln nicht klar kommuniziert wurden. Oder das Thema Medien noch gar nicht direkt zur Sprache gebracht werden konnte.
Entsprechend habe ich für TrainerInnen, SportlerInnen und Eltern einige Tipps zusammengefasst:
1. Mediennutzung ansprechen
Medien und ihre Nutzung spielt eine immer größer werdende Rolle. Grund genug, sie in vielerlei Lebensbereichen zur Sprache zu bringen. So sollte die Nutzung von Medien, das Postingverhalten während Trainings oder auch Wettkampfwochenenden vorab angesprochen werden. Nur im Austausch miteinander kann verdeutlicht werden, was sich AthletInnen wünschen und wie TrainerInnen diesen Wünschen gerecht werden können. Welche Anliegen von Trainerseite besonders wichtig sind und wie AthletInnen darauf am besten eingehen können.
Tipp: TrainerInnen könnten das Gespräch mit AthletInnen suchen und konkret nach Zielen im Umgang mit deren Sozialen Medien Kanälen fragen. Gibt es eine Strategie hinter ihrem Postingverhalten, wie stellt sich ihre Zielgruppe dar? Von welchen Erfahrungen berichten AthletInnen auf diese Fragen?
2. Regeln als Team festlegen
Sind die einzelnen Anliegen und Bedürfnisse erst geklärt und gibt es womöglich auch externe Vorgaben, wie beispielsweise die festgelegten Postings pro Tag für etwaige Sponsoren, so empfiehlt es sich, gemeinsame Regeln festzulegen. Als Team, egal ob im Mannschaftssport oder für EinzelathletInnen. Ein Team gibt es im Sport immer, ganz egal, ob es sich dabei um TrainerInnen und BetreuerInnen rund um den Sportler, oder um große Mannschaften handelt. Besonders hier gilt es, in ausführlichen Gesprächen Regeln zu finden, die für alle akzeptabel und lebbar sind.
Tipp: Regeln könnten sich auf das Training beziehen aber auch für andere gemeinsame Tagespunkte, wie Besprechungen, das gemeinsame Mittagessen unterwegs oder die Fahrt zu Wettkämpfen gelten.
3. Zeit einplanen
Genauso wie für das tägliche Training und die Regeneration sollte auch die Zeit für Medien in den Sportleralltag eingeplant werden können. Sofern möglich – abseits bereits angesprochener Zusatzvorgaben durch Sponsoren – empfiehlt es sich, den AthletInnen im Sportalltag dafür konkrete Zeitfenster zu bieten, die für Posts und Kommunikation genutzt werden können.
Tipp: Zeiten sollten gemeinsam so eingeplant werden, dass sie auch tatsächlich so eingehalten werden können. Es empfiehlt sich eine Testphase auszusprechen, um aus praktischen Erfahrungen lernen zu können, was tatsächlich umsetzbar ist.
Wertschätzung und Verständnis füreinander
Autor Erik Qualman meinte einst „We don’t have a choice on whether we do social media, the question is how well we do it?” Und weil wir alle – egal ob jung oder alt, egal ob TrainerIn oder AthletIn – versuchen, uns in der Welt der Medien zurecht zu finden, so tun wir gut daran, unsere gegenseitigen Zugänge verstehen zu wollen. Sie vor allen Dingen nicht vorschnell zu verurteilen. Natürlich, der eine postet mehr, einer anderen Athletin ist der eigene Kanal weniger wichtig. Es gibt auch im Sport Unterschiede in der Nutzung von Medien. Es gibt Bedürfnisse, die hinter Postingverhalten stecken und es gibt Zugänge, die es gegenseitig zu verstehen gilt. Um erst so zu gemeinsamen Lösungen kommen zu können.
Eine körperliche Verletzung im Leistungssportbereich hat oftmals auch einen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden eines Athleten. Es sind sehr viele unterschiedliche Situationen und Gedanken, die einen Sportler hierbei umtreiben können. Angefangen von der Sorge, nicht mehr zurück zur alten Form zu finden, Sorge vor erneuter Verletzung, immer wieder auftretender Schmerz, Trainingsrückstand, veränderter Alltagsrhythmus, verändertes Sozialumfeld, weil man nicht am Mannschaftstraining teilnehmen kann, Rückschläge… Die Liste ist lang. Unser Eindruck ist aber, dass nicht nur im Fußball das unterstützende Potential der Sportpsychologie bei Sportverletzungen nur unzureichend genutzt wird. Mit diesem Blickwinkel schließen wir an unseren kürzlich veröffentlichten Text an:Kathrin Seufert und Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Alarmsignal Verletzungshäufigkeit – Wie die Sportpsychologie hilft (Link)
Zum Thema: Die Einflussmöglichkeiten der Sportpsychologie bei Sportverletzungen
Ganz klar: Es ist ratsam auch die psychologischen Faktoren einer Verletzung und deren Folgen mit einem Sportler zu thematisieren. Es muss dabei selbstverständlich nicht nur um das Trauma der Verletzungsentstehung gehen oder mit einem negativen Verläufen im Reha-Prozess einhergehen. Vielmehr geht es darum, eine gute Zielsetzung für den Weg zurück zum Wettkampfmodus zu erlangen, aus welchen die notwendige Energie, Anstrengungsbereitschaft und Motivation geschöpft werden kann. Es geht um eine Stimmung oder Verfassung, die dazu beiträgt, Hindernisse auf dem Weg zu überwinden und Rückschläge aushalten zu können.
Es gibt sehr individuelle Verläufe und Umgangsweisen der verschiedenen Sportler mit ihren Verletzungen. In der sportpsychologischen Arbeit muss diese Individualität unbedingt auch ihre Berücksichtigung finden. Dennoch kann man sich in solchen Situationen auch an Beispielen anderer Sportler bedienen, die nach einer Verletzung zurückgekommen sind. Das Wissen darüber, nicht alleine damit zu sein und zu sehen, dass es möglich ist, auch wieder in der Startelf zu stehen, ist für manche Athleten schon eine Hilfe in ihrem eigenen Prozess. Häufig spielen motivationale Prozesse bei Verletzten eine große Rolle.
Wichtige Fragen
Die Fragen „Warum Ich?“, „Warum jetzt?“, „Was, wenn ich es nicht schaffe?“, „Wie soll ich das schaffen?“, „Wofür das Ganze“?, sind häufig Teil der Gedanken der betroffenen Sportler. Dem entgegen können verschiedene Gedanken gestellt werden, die beispielsweise auf eine Umdeutung abzielen. Die Basis würde hierbei eine gute Zielsetzung, ggf. unter Nutzung der SMART Regel, darstellen. Zudem können weitere Aspekte hinzugefügt werden, die dabei helfen können, den erstellten Fahrplan einzuhalten und bei Abweichungen den Weg zurück zu finden. Dies wäre beispielsweise das Aufzeigen des Unterstützerumfeldes des Athleten. Sich bewusst zu machen, wer einem alles dabei hilft, den Weg zu beschreiten, lässt ihn für den ein oder anderen nicht mehr zu schwierig aussehen.
Für manche ist es hilfreich, auf das bisher Erreichte zu blicken und noch mal in die Momente des Erfolges abzutauchen, um diese Gefühle noch mal erleben zu wollen (Moments of excellence, Link: Video). Für andere ist es vielleicht hilfreicher, auf vorherige Krisen und Tiefs zu schauen und sich zu entsinnen, was dort Faktoren waren, die dabei geholfen haben, aus diesem Tief wieder herauszukommen. Dessen ist man sich oftmals gar nicht bewusst, was für Ressourcen dort möglicherweise geholfen haben, die Wende einzuleiten, dies gilt es dann zu aufzudecken.
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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus anschaulich zum Thema Moments of excellence
Positive Aspekte wahrnehmen
Eine weitere Möglichkeit ist es, das Positive an der Verletzung zu sehen. Klingt zunächst total paradox, weil Schmerzen, Einschränkungen und Co. doch nichts Gutes an sich haben können. Und doch ist es in dieser Zeit möglich, eine andere „schwache“ Körperpartie zu trainieren, sich als Spieler im Ausland mit der Sprache im Land zu beschäftigen, um noch mehr Teil der Gesellschaft sein zu können oder einfach auch nur die Zeit mit der Familie, die bisher nicht so intensiv war, als Energielieferant mitzunehmen.
Eine sportpsychologische Intervention, die in Verletzungspausen wunderbar zum Einsatz kommen kann, ist das „Mentale Training“. Durch das Vorstellen einer Bewegung, ohne sie gleichzeitig praktisch auszuführen, werden, auch wissenschaftlich belegt, dieselben Hirnareale angesteuert, die auch bei der reellen Bewegungsausführung aktiv sind. Somit schaffen wir es also, diese auch „unter Strom“ zu halten und der Verlangsamung der Bahnung durch Trainingsstopp entgegenzuwirken. Wie dieses Training im konkreten Setting aussieht, muss individuell mit den Athleten erarbeitet und trainiert werden.
Fazit
Es wird also schnell deutlich, dass jeder Sportler seinen eigenen Weg finden muss, was ihm dabei hilft, mit der Verletzung umzugehen und den vielleicht auch steinigen Weg zu meistern.
Abschließend ist es gerade in der Arbeit mit verletzten Sportlern erstrebenswert, wenn alle an dem Prozess beteiligten ein gemeinsames Konzept für den Sportler erstellen können. Die Kommunikation, mit Physiotherapie, Athletik, Reha und Ärzten soll ein stetiger Austausch im Sinne des Sportlers und ein klares Miteinander zum großen Ziel, die Sportler zurück in den Wettkampf zu bringen, darstellen. Dies geschieht selbstverständlich unter Einhaltung der Schweigepflichten und Verschwiegenheit über vertrauensvollen Gesprächsinhalte zwischen dem Sportler und dem Betreuungsteam. An dieser Stelle sind wir also wieder bei unserem ersten Text zum Thema, der sich hier finden lässt – Kathrin Seufert und Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Alarmsignal Verletzungshäufigkeit – Wie die Sportpsychologie hilft (Link)
Hinweis: In diesem Beitrag wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.
Seit mehreren Monaten befindet sich der Amateursport im Ruhezustand. Seitdem kämpfen die Vereine mit den Folgen der Corona-Beschränkungen. Rund um die Uhr werden neue Zahlen, medizinische Erkenntnisse und Maßnahmen diskutiert und medial verbreitet. Es ist nicht leicht, in diesem Chaos die Nerven zu behalten. Dabei brauchen wir gerade jetzt einen hoffnungsvollen Weg. Denn die Krise belastet uns psychisch und wartet auch mit zahlreichen Denkfallen auf uns, die genauso gefährlich werden können wie das Virus selbst. Dieser Beitrag mit Podcast-Verlängerung möchte Ihnen zeigen, warum es trotz Distanzierung und Sportverbot möglich ist, Chancen in der Pandemie zu sehen. Zugleich sind sie ein Appell, sich auf Neues einzulassen.
Zum Thema: Als Verein gestärkt durch die Pandemie
Das Coronavirus hat unseren Alltag und den der Amateursportler gänzlich verändert. Das Erliegen des Vereinssports, die Quarantäne und der Lockdown haben eine neue Realität geschaffen, mit der wir umgehen müssen. Das sichtbarste Zeichen dieser neuen Normalität ist der Mund-Nasen-Schutz und die regelmäßigen Schnelltests, die in kurzer Zeit zu einem ständigen Begleiter geworden sind. Die Coronapandemie bringt nicht nur unsere Vorstellungskraft an ihre Grenzen, sondern stellt auch unsere Gefühle auf die Probe. Auf individueller Ebene erfahren Menschen Angst und Einsamkeit. Sie haben Sorge vor der Krankheit, Existenzängste und fühlen sich verlassen. Auch der Vereinssport in Deutschland verzeichnet einen besorgniserregenden Rückgang der Mitgliederzahlen. In der Folge treten nicht zuletzt vermehrt psychische Probleme auf. Auf kollektiver Ebene äußern sich die Gefühle dagegen in Form von Unsicherheit und Misstrauen. Mitmenschen werden als ständige potenzielle Gefahrenquelle gesehen und viele leben mit dem ständigen Gedanken, die Gesellschaft könnte jederzeit komplett zusammenbrechen. Anfangs wurde noch amüsiert darüber berichtet, dass die Deutschen in der Krise Mehl und Klopapier horten. Tatsächlich nahm der Verkauf von Toilettenpapier in Deutschland nur um ein Drittel zu. Hingegen hat das Misstrauen teils zu fragwürdigen Maßnahmen in unserem Land geführt. So wurden etwa zu Beginn der Krise zahlreiche Inseln in Norddeutschland scheinbar abgeriegelt.
Noch gefährlicher als Misstrauen sind jedoch Verleugnung und Ignoranz. Ein Deutschlandtrend im Mai ergab, dass sich die Hälfte der Deutschen um das Virus keine Sorgen macht (Hamburg Center for Health Economics, 2021). Erkenntnisse in Frage zu stellen und an alternative Fakten zu glauben, ist in all diesen Fällen potenziell gefährlich, nicht nur für jene die daran glauben, sondern auch für ihre Mitmenschen.
Soziale Distanzierung
In der Anfangsphase der Pandemie war schnell klar, dass körperlicher Abstand zwischen Menschen ein geeignetes Mittel ist, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Bei Begegnungen wird eine Distanz von anderthalb bis zwei Metern empfohlen und insgesamt sollen die Kontakte zu anderen Menschen reduziert werden. Als das Virus Anfang April 2020 die Welt bereits fest im Griff hatte, war mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung von solchen Kontaktbeschränkungen betroffen, die teilweise bis hin zu völligen Ausgangssperren gingen. Zwar waren diese Maßnahmen richtig, galt es doch, die Kurve der Behandlungsbedürftigen über die Zeit abzuflachen. Doch die menschliche Psyche ist auf Gemeinschaft angewiesen und eine Unterbrechung des Soziallebens in einem solchen Ausmaß hat gravierende Nebenwirkungen. Sie ist mit erhöhtem Stress und handfesten Gesundheitsschäden versehen. Wird der Stress chronisch, steigt das Risiko für Erkrankungen. Chronischer Stress hat außerdem einen besonders tückischen Nebeneffekt, er schwächt unsere Immunabwehr. Genau die brauchen wir aber, um das Virus zu überstehen. Welchen Effekt Stress auf unser Immunsystem hat, konnte der US-Psychologe Sheldon Cohen bereits Ende der Neunzigerjahre eindrucksvoll zeigen. In einer 1998 veröffentlichten Studie befragte er seine Probanden nach ihrem Stressempfinden und infizierte sie anschließend mit Erkältungsviren. Dann beobachteten er und sein Team, wer Symptome entwickelte. Die Überraschung: Der Zusammenhang zwischen Stress und Erkrankung war tatsächlich linear. Je mehr sich die Probanden gestresst fühlten, desto eher entwickelten sie eine Erkältung. In einer Anschlussstudie konnte Cohen sogar nachweisen, dass die Zahl der Sozialkontakte, die ein Mensch hat, direkt mit der Anzahl seiner Erkältungen im Jahr korreliert.
Was bedeutet das nun für die aktuelle Pandemie im Amateursport? Schlimmstenfalls sehen wir uns einem Teufelskreis gegenüber: Die Epidemie führt zu sozialer Isolation, Einsamkeit und Stress. Das erhöhte Stressniveau wiederum bedingt eine Schwächung des Immunsystems, was die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung erleichtert (Cohen, 2020). Dadurch steigen die Zahlen und die Regierung sieht sich zu einem weiteren Lockdown gezwungen, der den Stress weiter anhebt. Damit es nicht so weit kommt, müssen die psychologischen Faktoren und die Stärkung des Immunsystems genauso ernst genommen werden wie die virologischen (Macedo et. al., 2019). Bislang klammern sich Wissenschaftler noch zu sehr an einfache Aussagen: Das Virus verursacht Corona und damit hat es sich. Psychologische, soziale und wirtschaftliche Faktoren wirken hingegen nur zeitweise und gelten als Nebeneffekte. Diese Sicht ist jedoch eindeutig fragwürdig. Menschen sterben schneller an einer Infektion, wenn sie unter chronischem Stress, fehlender Bewegung und Einsamkeit leiden.
Kinder und Jugendliche
Kindern muss in der Coronapandemie vermehrt Aufmerksamkeit zukommen, denn sie sind besonders verletzlich und darauf angewiesen, dass die Erwachsenen die richtigen Entscheidungen treffen. Dafür ist zum einen die Frage wichtig, was das Virus mit Kindern macht, zum anderen aber auch, was die Schließung von Sportvereinen, Schulen und Kindergärten oder die Kontaktbeschränkungen für sie bedeuten. Auf die erste Frage haben wir noch keine definitive Antwort. Die zweite Frage, was Schul- und Vereinsschließungen und ein eingeschränktes Sozialleben für Kinder bedeuten, wird oft sehr eindimensional diskutiert. Die meisten Verantwortlichen scheinen sich darum zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler Lerninhalte verpassen. Dabei schaden die Schließungen unseren Kindern direkt körperlich und psychisch. Unsere Kinder zahlen also einen hohen Preis für den Lockdown. Sie brauchen vor allem andere Kinder, um sich zu entwickeln, zu erproben und fürs Leben zu lernen. Eingeschlossen in der Kleinfamilie auf engstem Raum, verlieren sich ihr Instinkt, Entdecker und Forscher zu sein und somit auch ihr sozialer Sinn. So gut begründet die Schließungen zu Beginn der Pandemie waren, müssen wir als Gesellschaft nun die langfristigen Konsequenzen abwägen.
Mein Kollege Arthur Wachter hat eine tolle Umfrage entwickelt. Leitet diese gern an Kinder und Jugendliche weiter, so dass möglichst viele daran teilnehmen:
Vor einigen Monaten mag es noch für die Sportvereine unsinnig gewirkt haben, darüber nachzudenken, welche positiven Seiten die Pandemie für die Entwicklung des Sports hat. Doch mittlerweile werden solche Überlegungen in den Sportvorständen und Vereinen häufiger geäußert: Wie können wir uns besser auf die nächste soziale Distanzierung vorbereiten? Und was können wir für unsere Mitglieder ohne Sport tun? Es liegt auf der Hand, diese Erschütterung historischen Ausmaßes zum Anlass zu nehmen, unser Vereinsleben auf den Prüfstand zu stellen. Aus gutem Grund nimmt der DOSB gerade viel Geld in die Hand, um die Auswirkungen zu begrenzen. Zudem muss darüber diskutiert werden, wie wir unsere Sportlandschaft auf den nächsten Schock vorbereiten, sodass die Schieflage gar nicht erst so dramatisch wird. Resilienz ist hier das Stichwort.
Der Sport hat eine Verschnaufpause bekommen, weil das Training und die Wettkämpfe unterbunden wurden – doch das ist nur vorübergehend. Wenn die Coronakrise hinter uns liegt, sollten wir uns daran erinnern, was möglich ist. Das Coronavirus zeigte, dass wir nicht besonders gut auf eine Krise einer solchen Dimension vorbereitet waren. Es machte aber auch deutlich, dass wir unser Verhalten jederzeit ändern können. All das Leid, das Menschen auf der ganzen Welt durch die Pandemie erfahren haben, sollten wir zum Anlass nehmen, uns zielgerichtet auf den Weg zu machen. Das Virus wird irgendwann besiegt sein und Einschränkungen wieder aufgehoben werden. Dann sollten wir zurückblicken und uns fragen, ob das Leben und der Sport wieder genauso werden müssen wie zuvor. All die Fremdsteuerung und Bewertungen, würdeloses Verhalten, zum Teil unnötige Konsum und exzessive Ressourcenverbrauch – welchen Wert haben diese Dinge im Licht unserer Pandemieerfahrung und mit Blick auf die Zukunft des Sports? Mit diesem Gedanken im Hinterkopf können wir alle einen Beitrag leisten, damit der Sport nach Corona bewusster, nachhaltiger und solidarischer wird.
Fazit
Das Coronavirus scheint das Leben und den Sport auf den Kopf zu stellen und viele scheinen dabei leider auch den Kopf zu verlieren. Die Eindämmungsmaßnahmen und der fehlende Vereinssport belasten Kinder und Erwachsene gleichermaßen, doch nicht alle gehen vernünftig damit um. Mithilfe von digitalen Möglichkeiten, Solidarität trotz Kontaktbeschränkungen und unseres gesunden Menschenverstands können wir die Einschränkungen gut überstehen und zukünftigen Krisen gestärkt begegnen.
Näheres zum Thema Quarantäne meistern erfahren Sie hier:
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Cohen, S. (2020): Psychosocial Vulnerabilities to Upper Respiratory Infectious Illness: Implications for Susceptibility to Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) Studie lesen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7345443/
Cohen, S., Frank, E., Doyle, W. J., Skoner, D. P., Rabin, B. S., & Gwaltney, J. M., Jr. (1998): Types of stressors that increase susceptibility to the common cold in adults. Health Psychology, 17, 214–223.
Cohen, S., Sherrod, D. R., & Clark, M. S. (1986): Social skills and the stress-protective role of social support. Journal of Personality and Social Psychology, 50, 963–973. Cohen, S., & Wills, T. A. (1985). Stress, social support, and the buffering hypothesis. Psychological Bulletin, 98, 310–357.
Zum zweiten Mal in Folge findet die asp-Jahrestagung coronabedingt “nur” virtuell statt. Wir haben bei Dr. Svenja Wachsmuth in Erfahrung gebracht, was das Event auch aus der Ferne zu bieten hat, wie sie den großen Zuspruch bewertet und ob es vielleicht sogar die Chance für Kurzentschlossene gibt, von der Tagung zu profitieren?
Dr. Svenja Wachsmuth ist Nachwuchsgruppenleiterin für Sportpsychologie und Coaching an der Eberhard Karls Universität in Tübingen (Arbeitsbereich Sportpsychologie und Methodenlehre, Prof. Dr. O. Höner) und aus angewandter Perspektive zudem im Nachwuchskader des deutschen Para Tischtennis Teams eingebunden.
Zum Thema: asp-Jahrestagung 2021
Dr. Svenja Wachsmuth, was entgeht eigentlich der Universitätsstadt Tübingen durch die Tatsache, dass die 53. asp-Jahrestagung nur virtuell stattfinden wird?
Basierend auf meinen Erfahrungen von vorherigen asp-Tagungen: viel Freude, Spaß und Leidenschaft für den Sport – und so einige intensive Diskussionsrunden am Abend. Es ist wirklich schade, dass die Tagung nicht in Präsenz stattfinden kann. Ich denke, wir hätten uns alle über ein Wiedersehen mit alten Freund:innen und neuen Kolleg:innen gefreut – dennoch hoffe ich, dass uns auch online ausreichend Zeit bleibt, Kontakte über einen virtuellen Kaffee zu pflegen. Im Übrigen entgeht nicht nur der Stadt etwas – Tübingen wird nicht umsonst „Fairy-tale City“ genannt und hätte als Veranstaltungsort sicherlich für eine frühlingshaft fröhliche Atmosphäre gesorgt.
Was waren die größten Stolpersteine, die ihr organisatorisch auf dem Weg zu dieser digitalen Konferenz bei Seite räumen musstet? Und worauf freust du dich, technisch und organisatorisch gesehen, am meisten?
Am Anfang war da sicherlich die Enttäuschung, dass die Tagung überhaupt online stattfinden muss – wir hatten schon einige vielversprechende Arrangements hinsichtlich des sozialen Programms und des Tagungsdinners getroffen, auch die Hotelkontingente waren reserviert und die Tagestickets für den ÖPNV gesichert. Zunächst fiel uns dann die Wahl der Tagungsplattform schwer, da uns diesbezüglich jegliche Erfahrung fehlte. Glücklicherweise fielen die ENYSSP Konferenz und die asp-Tagung in einen ähnlichen Zeitraum, sodass wir hier gegenseitig voneinander profitieren und aus den Erfahrungen der Veranstaltung im April lernen konnten. Persönlich fand ich es auch eine große Herausforderung, die Tagung weitestgehend über Videokonferenzen zu organisieren anstatt sich mit dem Organisationskomitee direkt absprechen zu können – im Büro sind die Wege dann doch etwas kürzer. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass es eine bereichernde Erfahrung war und die Tagung erfolgreich verlaufen wird. Inhaltich freue ich mich besonders auf die vier Podiumsdiskussionen, welche sicherlich am Donnerstagabend für viel Gesprächspotential sorgen werden – diesbezüglich rufe ich bereits jetzt schon dazu auf, die Networking Tables zu nutzen, um den Austausch am Abend fortzusetzen und so der Tagung doch noch eine kleine gesellige Note zu geben! ☺ Insgesamt finde ich, dass wir aufgrund der vielen Beitragseinreichungen ein sehr vielseitiges und spannendes Programm zusammenstellen konnten. Danke vorab an alle Referent:innen!
Inhaltlich ist die Veranstaltung mit dem Titel „Talententwicklung und Coaching im Sport“ überschrieben. Inwiefern wird das Thema im Programm ausgerollt?
Das Thema zieht sich eigentlich durch die gesamte Tagung und wird von verschiedensten Perspektiven beleuchtet. Die Hauptvorträge gehen beispielsweise sowohl auf methodische Aspekte hinsichtlich der wissenschaftlichen Untersuchung von „Talent“ im Sport ein (z. B. Prof. Dr. Augustin Kelava, Universität Tübingen) sowie auch auf die Anwendung empirischer Erkenntnisse in der Sportpraxis (Prof. Dr. Chris G. Harwood, Loughborough University). Zudem betrachten wir die Talententwicklung nicht nur aus Sicht junger Athlet:innen, sondern widmen uns auch der Perspektive von Trainer:innen (inkl. deren Entwicklung und Förderung; z. B. Ass. Prof. Kristen Dieffenbach). Neben den Hauptvorträgen und Podiumsdiskussionen lässt sich das Motto der Tagung auch in zahlreichen Arbeitskreisen, Symposien und Praxisworkshops wiederfinden. Zudem findet am Donnerstag parallel eine Trainerfortbildung des BDFL statt, in welcher die Rolle der Sportpsycholog:innen in der Talententwicklung im Fußball thematisiert wird. Natürlich bleibt aber auch noch genug Raum für andere wichtige Themen der Sportpsychologie.
Die Praxisworkshops waren super schnell ausgebucht. Ist dies ein Trend der vergangenen Jahre und was lässt sich daran ablesen?
Das waren sie in der Tat! Das Onlineformat bietet natürlich den großen Vorteil, dass sich Teilnehmer:innen von überall zuschalten können und wohl auch infolge dessen insgesamt ein großes Interesse an der Tagung bestand. Wir haben mittlerweile über 500 Anmeldungen – der „Ansturm“ auf die Praxisworkshops verwundert also nicht. Allerdings ist es doch ein gutes Zeichen, wenn sich Wissenschaft und Praxis (virtuell) näherkommen. Insofern wünsche ich mir, dass dieser Trend anhält und der Austausch von angewandt- und wissenschaftlich-arbeitenden Sportpsycholog:innen durch gemeinsame Veranstaltungen optimiert wird! Nächstes Jahr dann hoffentlich auch wieder „in echt“. Trotzdem muss man auch kritisch beachten, dass die Anzahl an Personen, die in der angewandten Sportpsychologie tätig sind, stetig zunimmt. Da viele von ihnen Fortbildungspunkte benötigen, um bspw. in der BISp-Expertendatenbank gelistet zu werden, sind selbst die vielen Workshops, die wir auf unserer Tagung anbieten, nicht mehr ausreichend. Hierfür gilt es, zukünftig eine Lösung zu finden.
Gibt es noch die Chance, als Kurz-Entschlossener oder Kurz-Entschlossene virtuell an der Tagung teilzunehmen bzw. im Nachgang auf Inhalte zugreifen zu können?
Leider nein – das wiederum ist der Nachteil des Onlineformats. Da wir vor der Veranstaltung noch alle Teilnehmer:innen und Gäste auf unserer Tagungsplattform registrieren mussten, war bereits am 6. Mai Anmeldeschluss. Zudem sind unsere Kapazitäten, welche durch die Lizenzen der Online-Plattformen vorgegeben werden, auch mit den bisherigen Anmeldungen ausgereizt! Allerdings erhalten alle Teilnehmer:innen im Anschluss an die Tagung für ca. einen Monat Zugriff auf alle aufgezeichneten Sessions. Wer also am Samstag noch nicht genug von der Tagung hat, kann die ein oder andere Präsentation noch nachträglich anschauen.
Der alljährliche VBG-Report zu den Statistiken des Auftretens, der Verteilung und auch der Ursachen von Verletzungen in den vier Mannschaftssportarten Eishockey, Basketball, Handball und Fußball ist erschienen. Und das mediale Echo auf die Veröffentlichung der Verwaltungsberufsgenossenschaft ließ nicht lange auf sich warten. “Die VBG schlägt Alarm”, hieß es bei der Sportschau: „Fußballprofis sind im Vergleich mit anderen Sportarten Tabellenletzte, was ihre Gesundheit betrifft. Ein Grund dafür könnte der enorme Druck sein.“ Wenn wir die Verletzungshäufigkeit pro Person auf die Spielzeit umrechnen, dann fällt die Statistik doch nicht ganz so alarmierend für den Fußball aus.
Zum Thema: Der VBG Report und wo Vereine mit Hilfe der Sportpsychologie nachsteuern können
Bemerkenswert in der vorliegenden Analyse ist, wie unterschiedlich sich die Ausfallzeiten pro Verein darstellen. Erklärungsversuche fallen auch dem Präventionsexperten der VBG, Christian Klein, schwer. Der Erfolgsdruck könne ein Faktor sein, der nicht nur zu häufigen Trainerwechseln führt, sondern auch Neubesetzungen des gesamten Betreuerstabes inklusive der medizinischen Abteilung zur Folge haben kann. Zudem könne der Einsatz trotz oder frühzeitig nach Verletzungen ursächlich wirken. Nicht zuletzt sei auch die fehlende Prävention aufgrund der hohen körperlichen Belastung ein Thema.
Der VBG-Report sieht hier enormes Verbesserungspotential – es ist von einer möglichen Reduktion der Verletzungshäufigkeit von 75% Prozent die Rede.
Prävention – das Kind nicht in den Brunnen fallen lassen
Ein Eishockeyprofi berichtete schon vor vielen Jahren, dass sein Körper sein Kapital sei und es gilt, ihn gut zu pflegen. Und hierzu gehört sicherlich, auch auf seinen Körper zu hören und viel in die Prävention zu investieren. Soll heißen: Die Vermeidung von Verletzungen und Erkrankungen müsse stärker im Alltag verankert werden.
Und hierzu gehören viele Bereiche. Neben dem körperlichen Training, dass ja nicht nur der Steigerung von Leistungsfähigkeit führen soll, sondern ebenso dem Erhalt von Leistungsfähigkeit durch Vermeidung von Verletzungen und Erkrankungen dient, spielen andere Faktoren eine wesentliche Rolle. Hierzu gehören unter anderem Ernährung, Schlaf, Flüssigkeitsaufnahme, athletische Vorbereitung auf allen Ebenen sowie ein gutes Regenerationsmanagement.
Optimierungsbedarf erkennen
Hier kommen neben den Athletiktrainern, Physiotherapeuten und Medizinern auch die Sportpsychologen ins Spiel. Die Vereine, die im Ranking weniger gut abgeschnitten haben und sich auf eine tiefergehende Analyse der oben genannten Unterschiede des Auftretens von Verletzungen einlassen, werden unter Umständen Optimierungsbedarf erkennen. Gerade, was das Zusammenspiel der Disziplinen betrifft.
Schließlich werden Sportler bereits auf vielen Ebenen professionell betreut. Ernährungsberatung, präventives Athletiktraining, hinzu kommt vielerorts die körperliche Pflege durch Massagen und Saunagänge. Weiterhin gehört die Aufklärung über Verletzungsmechanismen dazu, und dies alles parallel zum täglichen athletischen, technischen und taktischen Training.
Die sportpsychologischen Leistungen
Was machen aber in diesem Zusammenhang eigentlich die Sportpsychologen? Sie begleiten Prozesse wie Entspannungstrainings mit verschiedenen Techniken, z.B. dem autogenem Training, Yoga, Qi Gong oder Selbsthypnose. Sie klären über die Bedeutung eines ausreichenden und qualitativ guten Schlafes auf, sie kennen Techniken bei Schlafstörungen. Sie wissen darum, wie negativ sich Schlafstörungen auf die Verletzungswahrscheinlichkeit auswirkt, wenn dies über einen längeren Zeitraum andauert.
Damit nicht genug: Sie machen klar, wie wichtig die Emotionskontrolle im Wettkampf ist, um Situationen richtig einzuschätzen und ein zu hohes Risiko zu vermeiden, was zu eigenen Verletzungen als auch Verletzungen des Gegners führen kann. Und sie kennen die Bedeutung einer guten mentalen Wettkampfvorbereitung, wie sie z.B. die alpinen Abfahrer vor dem Start auf die Piste in Form von Imaginationen durchlaufen. Die Kenntnis der riskanten Passagen und die gute Vorbereitung darauf verhindert Stürze, die schwere Verletzungen zur Folge haben können.
Umgang mit Druck und Verletzungen
Sportpsychologen begleiten die Athleten im Umgang mit Druck, stellen Achtsamkeit her, mit Übungen, in denen die Athleten lernen, ihre Körper und ihren mentalen Zustand gut einzuschätzen. Damit Situationen vermieden werden, in denen sie sich selbst überschätzen. Und damit sie dem Trainer zurück melden können, wie es um Ihre Einsatzfähigkeit steht.
Zusammen mit den anderen Professionen, die sich um das präventive Wohl der Athleten sorgen, ermöglichen sie eine realistische Einschätzung des Risikos, wenn ein nicht komplett fitter Spieler eingesetzt werden soll. Welche Einsatzzeiten sind vertretbar, wie sieht die optimale Wettkampfvorbereitung aus und wann ist ein Einsatz auch unter keinen Umständen vertretbar?
Eine Puzzlestück im System
Sportpsychologen begleiten auch die anderen Mitglieder des Stabes rund um die Athleten in ihren Umgang mit diesen heiklen Situationen, sind Sparringspartner der Trainer und coachen im besten Falle auch diesen dabei, gemeinsam gute Entscheidungen im Sinne der Athleten und des Vereines zu treffen.
Somit tragen Sportpsychologen und Kooperation mit allen anderen Mitgliedern dazu bei, Verletzungen und Erkrankungen zu verhindern, damit das von der VBG bezifferte Potential besser ausgeschöpft werden kann. Vielleicht haben die Vereine, deren Verletzungshäufigkeit geringer ist, dies erkannt und realisiert? Gern stehen wir – Kathrin Seufert (zum Profil) und Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) sowie unsere auf ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz verteilten Kollegen und Kolleginnen (zur Übersicht) – zur persönlichen Kontaktaufnahme bereit.
Ein Selbstgespräch ist eine Möglichkeit, mit sich selbst sehr zielgerichtet in Kommunikation zu gehen. Abhängig vom Inhalt kann das Gespräch eine positive oder negative Richtung einnehmen: ein negatives Gespräch kann dich blockieren und handlungsunfähig machen, ein positives Gespräch kann dich konstruktiv weiterbringen. Das Schöne ist, du kannst selbst entscheiden, in welche Richtung du gehst – abhängig von deinem Ziel. Ich selbst konnte als Kite-Surferin stark von dieser Technik profitieren.
Mehr zum Thema: Selbstgespräche – bewusst und klug Einsetzen
Unbewusst führen wir ständig irgendwelche Selbstgespräche – etwa beim Verarbeiten unserer Sinneswahrnehmungen. Mit den Augen visualisieren wir unsere Umgebung, die mit Worten und Geräuschen belegt ist. Dadurch werden Gefühle ausgelöst und vermutlich noch von einem Geruch oder Geschmack begleitet. Parallel dazu läuft unser Erinnerungsfilm: Erfahrungen, Erlebnisse, Muster, Glaubenssätze, die uns im Laufe der Zeit prägen, aktivieren ebenso unsere Sinne. Das alles zusammen bestimmt unsere Gedankenwelt und bildet eine vielseitige und endlose Gesprächsbasis.
Selbstgespräche können dich von deinem aktuellen Zustand in deinen gewünschten Zustand bringen. Das bedeutet, sie können:
beruhigen
aktivieren
Vertrauen wecken
Sicherheit geben
unterhalten
fokussieren
motivieren
stabilisieren
begeistern
Freude verbreiten
strukturieren
stärken
ermutigen
Du kannst diese Liste unendlich weiterführen. Oftmals ist es eine Auswirkungskette, zum Beispiel brauchst du die Beruhigung, um dich zu strukturieren, damit du aktiv und motiviert durchstarten kannst. Und am Ende dieses Wegs ist dein Ziel, was du dir für Wettkampf, Training, Trainergespräch oder was auch immer vorgenommen hast.
In welchen Situationen können Selbstgespräche sinnvoll sein?
Je nach aktuellem Zustand können Selbstgespräche vor, während oder nach einem Wettkampf förderlich sein, um dich zu fokussieren und zu stärken.
Dein eigentlicher Leistungsabruf ist blockiert. Du brauchst den zündenden Anschubser, um mit Ruhe und Struktur dein Selbstvertrauen zurückzugewinnen.
Du bist in einem Konflikt, wünschst dir sehnlichst ein Gespräch mit deinem Trainer und weißt nicht, wie du das Gespräch angehen sollst? Dann berate dich z.B. mit deiner „Ermutigung“.
Kurzum: in Situationen, wo du Redebedarf hast und gleichzeitig niemand Vertrauliches für ein Gespräch greifbar ist, außer du selbst.
Eine erste kleine Übung: Begib dich gedanklich in deine gegenwärtige Situationen und schau mal, welcher Wunschzustand dich wozu befähigt.
Unter uns: Selbstgespräche bergen unendlich viel Potenzial. Setz sie bewusst und klug ein.
Wie kannst du dabei vorgehen?
Wenn du diese förderliche Methode in deiner sportlichen Disziplin anwenden möchtest, solltest du folgende Schritte beachten:
Weck den Experten in dir: sobald du in einer Situation bist, aktiviere deine Sinne und nimm bewusst dein Stimmenorchester wahr: Was sagt wer und entscheide, welche Stimme dich deinem aktuellen Ziel näherbringt.
Gib dieser Stimme einen Namen und mach sie zu deinem Gesprächspartner – zusammen seid ihr weniger allein.
Tüftelt gemeinsam einen Plan aus, um durch die Situation zu kommen und euer Ziel zu erreichen.
Manchmal kann es auch hilfreich sein, mit mehreren Experten – einem Team – ins Gespräch zu gehen. Obacht hierbei: viele Köche verderben den Brei!
Und noch etwas:Von Zeit zu Zeit merkst du, dass sich – abhängig von der Situation – ähnliche Stimmen zu Wort melden. Sie werden verlässliche und vertraute Gesprächspartner und dein Vorgehen wird dabei Routine.
Eine Selbsterfahrung
Als ich damals noch in meinen Kite-Anfängen war und das erste Mal alleine, also ohne Freundeskreis, am Kite-Spot stand, hat mir diese Methode sehr geholfen. Ich kam zum Startplatz und alles war überfüllt mit Drachen, Leinen, Kite-Surfern und Schülern – kurzum ein heilloses Durcheinander. Der Wind bügelte mein Gesicht, durchwirbelte meine Haare und sauste als tosende Sirene durch die gespannten Leinen der emporsteigenden Kites. Der Duft von Algen wehte mir in die Nase. All meine Sinne standen auf Alarm – Reizüberflutung! Konzentration und Fokus war ferner liefen. Also habe ich mich erst einmal in eine windgeschützte Ecke platziert und die Szenerie beobachtet. Mein Stimmenorchester hat sich auch direkt zu Wort gemeldet. Ich habe jede Stimme zur Anhörung gebeten. Eine Stimme sagte: „Wo finde ich bloß einen ruhigen Platz zum Kite-Auslegen, Leinen sortieren, anknüpfen, um final den Drachen in den Zenit zu heben?“ Der Ansatz gefiel mir. Ein strukturiertes, vertrautes Vorgehen, was mich auf das fokussiert, was ich kann. Also habe ich mich mit meiner „Organisationskünstlerin“ verbündet und wir haben einen Plan geschmiedet, wie ich den Kite aufbaue, ins Wasser gehe, mich durch die Massen schlängle und auf dem Weg zum Horizont meine Kunststücke übe. Seitdem habe ich so meine Rituale beim Drachenaufbau: beim Ausrollen des Drachen ausgiebig den Kite-Stoff abtasten, das förmlich eingewebte Salz schnuppern, um Vertrauen zum Kite zu wecken. Beim Auslegen der Leinen das Nylon bewusst durch meine Finger gleiten lassen, um die Gewissheit zu haben, dass die Enden mit den Anfängen zueinander passen. Und in meinen Superheldenanzug aus Neopren springe ich zuallererst, so dass ich mich von Beginn an beschützt fühle und mich sicher durch die Massen schlängle. Meine Organisationskünstlerin begleitet mich noch heute. Allerdings ist sie meist stille Beobachterin und schiebt mir gelegentlich Tipps über die Schulter.
In der Schlussphase einer Saison werden manche Vereine durchaus kreativ und spendabel, was die Finanzierung von sportpsychologischen Feuerwehreinsätzen angeht. So erleben wir es auch bei Die Sportpsychologen. Mittlerweile wissen zwar zunehmend mehr Entscheider im professionellen Fußball, dass der Zauber nicht aus dem Hut kommt sondern aus harter Arbeit resultiert. Wenn aber keine belastbaren und funktionierenden Strukturen geschaffen sind, kommen eben doch Zauberer, Feuerwehrleute oder Effekthascher auf den Plan. Wir zeigen auf, unter welchen Bedingungen solche Feuerwehreinsätze funktionieren können und welcher Weg am langen Ende aber der bessere ist.
Interview mit Markus Gretz, Ilias Moschos, Dr. René Paasch, Kathrin Seufert, Lisa König, Janosch Daul, Maria Senz und Anke Precht
Woran können Vereinsverantwortliche, Manager oder Trainer eigentlich unseriöse Angebote von Sportpsychologen oder Mentaltrainer, speziell in der Schlussphase einer Saison, erkennen?
In der Werbepsychologie wird empfohlen, dem Kunden die Erfüllung von Wünschen zu versprechen, um sein Produkt besser zu verkaufen. Das nehmen sich viele Mentaltrainer sehr zu Herzen und versprechen einem fast das Blaue vom Himmel. Als seriöser sportpsychologischer Berater kann man vor allem bei kurzfristigen Interventionen aber keine Versprechen über die Wirkung machen. Mit einem mechanistischen Weltbild, das davon ausgeht, wenn ich A mache passiert B, kann man schließlich das komplexe System Mensch nicht erklären. Eine Intervention kann natürlich auch in kritischen Phasen kurzfristig wirken. Dafür müssen sich alle Beteiligten jedoch gut darauf einlassen aber wenn man die Personen als Berater nicht kennt und nicht schon länger zusammenarbeitet, ist es einfach ein Schuss ins Blaue.
Vereinsverantwortliche, Manager und Trainer sind erfahren im Umgang mit “Angeboten”. Letzten Endes führen Sie täglich Verhandlungen, sei es mit Spielern, Beratern, oder anderweitigen Dienstleistern. Sie merken in der Regel schnell, ob der Sportpsychologe oder Mentaltrainer seriös und kompetent ist. Ein Psychologe, der das Blaue vom Himmel verspricht wird vermutlich keinen Zuspruch finden. Unter normalen Umständen wird die Entscheidung jemanden zu beauftragen aufgrund von Empfehlungen getroffen. Ein Restrisiko kann allerdings niemand ausschließen, damit müssen alle Beteiligten leben. Auch ein kurzfristiges Engagement kann zum Erfolg führen. Langfristige Projekte sind ebenso der Gefahr ausgesetzt zu scheitern. Im Profisport erleben wir sehr oft, dass es personelle Wechsel gibt, die direkt oder indirekt Auswirkungen auf die Arbeit eines Mentaltrainers oder Sportpsychologen haben. Bringt der/die neue Verantwortliche nicht die erforderliche Haltung mit, ist die Kooperation im schlimmsten Fall beendet.
Die Expertendatenbank auf dem Sportpsychologie-Portal des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) sowie die-sportpsychologen.de enthalten eine große Anzahl qualifizierter und erfahrender Experten*innen. Mit Hilfe dieser Plattformen können die oben genannten Personen leicht zugänglich den ersten Baustein für Seriosität überprüfen. Alle Kollegen*innen wurden nach klaren Kriterien aufgenommen oder weisen eine hohe Erfahrungsexpertise auf.
Meiner Meinung nach, wäre es hilfreich, wenn die Aufklärungsarbeit über die Themen, die sportpsychologische Experten, Sportpsychologen und Mentaltrainer leisten können, deutlich intensiviert werden würde. Die Differenzierung der Ausbildungswege, die Berufsbezeichnung und Legitimierungen und Qualitätsstandards, die über die von René angesprochene Expertendatenbank gewährleistet wird, sind vielen gar nicht bekannt.
Darüber hinaus erachte ich es als sinnvoll, im Vorfeld der Zusammenarbeit Beispiele aufzuzeigen, was sportpsychologische Arbeit bedeutet. Das Klischee von therapeutischen Settings und Gesprächen hinter verschlossenen Türen sind noch sehr verbreitet. Daher würde ich individuelle Beispiele anbringen, an welchen ich die praktische Sportpsychologie an der Wirkungsstätte der Sportler aufzeige, weil in der späteren Zusammenarbeit auf Grund der Schweigepflicht es dann wieder schwer wird, die Verantwortlichen auf die Reise mitzunehmen. Für mich, gerade wenn es um einen Feuerwehreinsatz geht, wäre im Mannschaftssport eben auch der Einzelspieler und dessen individueller Umgang mit der Situation ein entscheidender Faktor. Die Mannschaft kennt sich seit Wochen, besser als jeder, der Neu nun in das Gebilde hinzukommen soll. Da alle Strukturen, Dynamiken in wenigen Tagen zu überblicken, erscheint mir nahezu unmöglich. Eher sehe ich es an jedem Einzelnen des gesamten Bereiches, für sich herauszufinden, was brauche ich jetzt, um das “Feuer zu löschen”. Am Ende sind es aber eben auch feste Strukturen, Dynamiken und viele verschiedene Individuen, die auch die Verantwortlichen sehen müssen, und erkennen sollten, dass hier ein Feuerwehreinsatz auch ohne Brandbekämpfung ausgehen kann und der präventive Ansatz ein deutlich erstrebenswerter sein sollte.
Von SportpsychologInnen heißt es immer, dass eine kurzfristige Intervention ein Glücksspiel darstellt – kann klappen, muss aber nicht. Warum haben langfristige Engagements denn eigentlich bessere Erfolgschancen?
Bei langfristigen Engagements wird Wert darauf gelegt, eine fundierte Basis in allen sportpsychologisch interessanten Bereichen zu schaffen. Wenn Sportler und Trainer Stück für Stück ihr Wissen über Emotionen, Ziele, Motivation oder Aufmerksamkeit aufbauen können, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie es im entsprechenden Moment auch abrufen können. Bei Feuerwehreinsätzen sind die Zeit und oft auch die Nerven der Menschen begrenzt. Wenn man sich aber systematisch und über längere Zeit mit der Sportpsychologie befasst, kann man eine Basis schaffen und den negativen Konsequenzen von z.B. Drucksituationen vorbeugen. Man kann sozusagen die Flamme ersticken, solange sie noch klein ist, und muss nicht die Feuerwehr rufen, wenn es schon lichterloh brennt.
Oftmals haftet uns beispielsweise noch immer das wenig schmeichelhafte Etikett des Feuerwehrmanns an, den man nur dann ruft, wenn es fünf vor zwölf ist, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Und das Ganze auch noch verbunden mit der kaum zu erfüllenden Erwartungshaltung, dies lieber heute als morgen zu bewerkstelligen. Selbst mit einem erfüllbaren Auftrag und konkreten Aufgabenbereichen benötigt ein Sportpsychologischer Coach immer eine gewisse Zeit, um die zur Erfüllung passenden Mittel und Wege zu finden, da jeder Mensch und jedes Team anders tickt. Und schon allein dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, vollumfänglich für ein Team da zu sein und zwar nicht nur dann, wenn es nicht läuft, sondern auch dann, wenn es läuft. Dies gibt einem Sportpsychologen die Möglichkeit, von vornherein, sprich idealerweise bereits zu Saisonbeginn, am notwendigen Beziehungsaufbau zu den Protagonisten zu arbeiten und dabei ein Gefühl für Spieler und Trainer zu entwickeln, um auf dieser soliden Basis langfristig und nachhaltig seine Kompetenz ins große Ganze einbringen zu können.
Der Mensch ist ein bio-psycho-soziales System. Demnach sind zwangsläufig auch psychische und soziale Faktoren Voraussetzungen jeder sportlichen Leistung und Gesunderhaltung. Sportpsychologisches Training und Coaching begleitet diese Faktoren sehr intensiv und nachhaltig. Sie dient somit der situations- und anforderungsgerechten Entwicklung, Stabilisierung und Optimierung individueller und kollektiver menschlicher Prozesse. Nur längerfristige Engagements ermöglichen nachhaltige Veränderungsprozesse, die einem intensiven Zeitstrahl unterliegen. Weder Erfolgsgarantie noch Kurzfristigkeit sind Gegenstand unserer Disziplin.
Feuerwehreinsätze hinterlassen meist verbrannte Erde. Prinzipiell eine gute Basis für einen Neuanfang. Wenn nun hierauf ein neues Fundament errichtet werden soll, prima! Ich bin dabei! Und egal, ob etwas neu entsteht oder das Gewohnte verändert wird, wenn du nachhaltig davon profitieren und spürbare Veränderung möchtest, braucht es seine Zeit – es ist ein Prozess mit einem definierten Anfang und Ende. Ein Begleitprozess, den ich als Coach mit der Frage beginne, passen wir überhaupt zusammen? Vertrauen, Transparenz und Wertschätzung tragen zu einer offenen Kommunikation bei. Wenn ja, ist die nächste Frage, an welchem Punkt hole ich den Sportler aktuell ab und wohin soll die Reise gehen? Was ist das Ziel und woran spürst du, dass sich die Reise lohnt? Das sind mächtige Fragen, die viel Potenzial bergen. Bereits Antworten darauf parat haben, ist alles andere als trivial.
Wenn wir dann die Reise gemeinsam angehen, ist es vergleichbar mit dem Erlernen/ Umlernen eines Bewegungsablaufs, mit dem Sportler zum ersten Mal in Berührung kommen: Erkenntnis, Verständnis, Akzeptanz, Übung, Wiederholung, Erfahrung, Nachvollziehbarkeit, Anpassen, Übung, Wiederholung, Engagement, Disziplin, Ehrenrunden, Übung, Wiederholung und so weiter, bis es letztlich ein passender und routinierter Ablauf wird.
Mentaltraining ist parallel zum regulären Training anzusetzen. Das Ziel ist in beiden Disziplinen gleich: eine Fähigkeit kontinuierlich, systematisch, technisch, strategisch und konditionell abrufbar machen. Und erst wenn es als Teamwork verstanden und gelebt wird, ist die Feuerwehr zumindest fürs Freudenfeuer zuständig.
Wenn sich ein Sportler oder eine Sportlerin mit einer kurzfristigen Anfrage meldet, wovon macht ihr eine Zu- oder Absage abhängig?
Gerade im Einzelcoaching können Feuerwehreinsätze sehr wirksam sein. Der Druck ist hoch, alles liegt auf dem Tisch was motiviert, aber auch blockiert. Oft kann schon eine einzige Intervention einen Schalter umlegen helfen. Ob das möglich ist, kläre ich schon am Telefon: Ist die Erwartungshaltung an die sportpsychologische Intervention hoch? Wenn ja, wirkt das zusätzlich wie ein Placebo, das ist gut. Außerdem ist für mich die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit ausschlaggebend. Wenn jemand drei Tage vor einem entscheidenden Wettkampf anruft, weil der Kopf blockiert oder das Lampenfieber zu hoch ist, kann er keinen Wunschtermin erwarten. Wenn ich abends um zehn Zeit habe, will ich, dass der Sportler oder die Sportlerin dann auch da ist. Ist diese Bereitschaft vorhanden, ist die Intervention in der Regel auch erfolgreich – in der Kürze der Zeit kann man experimentieren und es ist leichter, auch außergewöhnliche Lösungen zu finden – einfach, weil es sein muss.
Ausschlaggebend für eine Zusage ist, dass der Sportler, die Sportlerin die totale Bereitschaft mitbringt zu kooperieren. Darüber hinaus muss die Chemie stimmen so dass der Beziehungsaufbau nicht allzu viel wertvolle Zeit kostet. Das ist für beide Seiten ein Sprung ins kalte Wasser, allerdings kann man sofort mit dem Schwimmen anfangen und erzeugt dadurch die erforderliche Wärme, in dem Falle das Vertrauen. Ebenso ist die Zielsetzung, der Auftrag, von großer Bedeutung. Ist dessen Erreichung überhaupt möglich und wenn ja, welcher Zeitraum steht zur Verfügung? An welchem Punkt steht der Sportler? Wie viel fehlt wovon, um das Ziel zu erreichen?
Wünschenswert ist es doch, dass wir eine so weite Aufklärung in der Gesellschaft zur sportpsychologischen Arbeit schaffen, dass ein Verständnis darüber entsteht, dass Sportpsychologie eben auch eine Trainingseinheit darstellt. Die Muskulatur nach dem Krafttraining wächst ja auch nicht greifbar nach zwei Trainingseinheiten, aber innere Prozesse sind angestoßen. So brauchen viele psychologische Prozesse eben auch die Trainingszeit, denn häufig ist ein Verhalten eines Athleten nicht mehr sein/ihr das wünschenswerte. Das bedeutet, ein Umlernen muss eingeleitet werden. Jeder, der mal versucht hat, Automatismen aufzubrechen, eine Technik zu verändern oder einfach Abläufe zum Beispiel beim Kochen anders zu machen, weiß, dass etwas Umzulernen schwieriger ist, als das Neulernen.
Daher würde ich die Basis eines Feuerwehreinsatzes mit einem Einzelsportler daran festmachen, ob der/die SportlerIn trotz der Tatsache, dass es zu kurzfristig für eine deutliche Verhaltensänderung oder Umgang mit Situationen ist, bereit ist, den Weg 100% zu gehen. Denn dann werden auch die kleinen “Muskelkater” vielleicht schon eine positive Wirkung haben.