Kathrin Seufert und Prof. Dr. René Paasch: Magath und das Zwischenmenschliche

Felix Magath als Retter von Hertha BSC Berlin? Nach der Verpflichtung des in der Vergangenheit ebenso erfolgreichen wie für seine harten Trainingsmethoden berüchtigten Trainers, wurde im Netz nicht an Häme gespart. Aber kann diese Konstellation vielleicht wirklich funktionieren? Dieser Frage sind das Sportradio Deutschland und Sky Sport News HD mit Hilfe von Katrin Seufert (zum Profil) und Prof. Dr. René Paasch (zum Profil) nachgegangen. Ihre Antworten dürften nicht wenige überraschen. 

Zum Thema: Sportpsychologische Aspekte des Trainerwechsels bei Hertha BSC Berlin 

Im Gespräch staunte Sportradio Deutschland-Moderator Patrick Friztsche nicht schlecht: Echt jetzt, sie würde den Job als Sportpsychologin von Hertha BSC im Abstiegskampf nicht annehmen? Nein, würde Kathrin Seufert nicht. Weil es einfach ein Lotteriespiel sei, innerhalb weniger Wochen ein Team im Abstiegskampf sportpsychologisch zu begleiten. Dies fange schon beim Vertrauensaufbau an. Kathrin Seufert: “Für unsere Arbeit ist Vertrauen eine Voraussetzung. Und ein echtes Vertrauensverhältnis muss wachsen und kann nicht innerhalb von kürzester Zeit entstehen, schon gar nicht in einem Teamkontext. Zwar ließen sich Impulse setzen, aber mit seriöser sportpsychologischer Arbeit, die zum Beispiel auf eine Verhaltensänderung abzielt, hat das nichts zu tun.”

Sportpsychologische Impulse können dennoch gesetzt werden, betont Kathrin Seufert mit Blick auf die Trainingseinheiten. Grenzen seien da kaum gesetzt. Als besonders beliebt bei Teams in vergleichbaren Situationen habe sich der Fokus auf die Abschlussstärken der Offensivspieler erwiesen. Hier gehe es darum, den Stürmern die eigenen Qualitäten greifbar zu machen. Denn typischerweise verrutscht in Krisenzeiten der Fokus der Bewertung der sportlichen Leistung von Einzelnen oder im Team schnell auf die misslungenen Aktionen. 

Zauberwort Selbstwirksamkeit

Bei Sky Sport News HD unterstreicht Prof. Dr. René Paasch: “Bei Teams, die durch eine Niederlagenserie in den Abstiegskampf geraten, ist häufig kaum mehr Selbstwirksamkeit vorhanden. Hier gilt es mit gezielten Übungen anzusetzen.”

Dass dies in der aktuellen Situation von Hertha BSC gelingen kann, sieht Prof. Dr. René Paasch durchaus positiv. Trotz der unglücklichen Ausgangslage – schließlich sollte das Team nach wirklich nennenswerten finanziellen Investitionen in den vergangenen Jahren in ganz anderen Gefilden Fußball spielen. Positiv stimmt Paasch in diesem Zusammenhang die Personalie Felix Magath. Weil der dafür bekannt sei, weniger auf Namen oder Ablösesummen, stattdessen auf die tatsächlichen Trainingsleistungen zu achten. Prof. Dr. René Paasch: “Hier kann innerhalb von kürzester Zeit eine neue Grundordnung entstehen. Ersatzspieler können sich zeigen, Führungsspieler werden gepusht. In Folge dessen ist es möglich, dass das Team eine andere Art von Fußball auf den Platz bringt.“

Schlüssel im Zwischenmenschlichen

Der Schlüssel für einen erfolgreichen Abstiegskampf, da sind sich Katrin Seufert und Prof. Dr. René Paasch einig, liegt darin, ob Felix Magath seine Spieler auf einer persönlichen Ebene erreicht. “Die Kicker sollten dabei selbst die Frage stellen, wie sie von dem Input ihres neuen Trainers persönlich profitieren können,” sagt Kathrin Seufert im Sportradio. Und Prof. Dr. René Paasch ergänzt bei Sky: “Wenn es Magath gelingt, dass die Spieler mit ihm oder mit dem Staff offen über ihre über Gefühle, insbesondere ihre Sorgen, sprechen, sich die Spieler verstanden fühlen, werden sich zwangsläufig kleine Erfolge ergeben. Der Zauber steckt im Zwischenmenschlichen.”

Und was ist mit den Vorurteilen, die die Personalie Magath umranken? In den Medien wird er als “Quälix” stilisiert und seine früheren Trainingsmethoden auf Bergsprints mit Medizinbällen reduziert. Mit einer Beurteilung halten sich beide Sportpsychologen zurück, weil sie dafür viel zu weit weg vom Innenleben der Berliner Hertha seien. Aber sowohl Kathrin Seufert (“Felix Magath wird nicht in der Steinzeit zurückgeblieben sein”) als auch Prof. Dr. René Paasch (“In den ersten Interviews spricht er anders als vor zehn Jahren und er weiß, dass er Menschen bewegen muss.”) trauen dem neuen Hertha-Trainer Felix Magath zu, am Ende der Saison als Retter gefeiert werden zu können.

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Mathias Liebing
Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing

Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist

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