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Anke Precht: Wie kann ich als SportlerIn negative Glaubenssätze loswerden?

Sind wir selbst im Sport manchmal unser größter Feind oder unsere ärgste Konkurrentin? Aus meiner Zusammenarbeit mit zahlreichen SportlerInnen weiß ich, wie viele von euch die eigene Leistung durch mentale Stockfehler negativ beeinflussen oder das Erreichen des Zieles zumindest gefährden. Hier stelle ich eine Technik vor, die dabei helfen kann, negative Glaubenssätze loszuwerden.

Zum Thema: Den inneren Dialog leiten

Wenn du merkst, dass du immer wieder Gedanken hast, die dich und deine Leistung negativ beeinflussen, kannst du konkret etwas dagegen unternehmen. Einem negativen Gedanken kannst du einen positiven gegenüberstellen. Das machst du am besten so:

  1. Den hinderlichen Gedanken identifizieren. Beispiel: „Das schaffe ich nicht.“
  2. Den hinderlichen Gedanken überprüfen. Frag dich erstens: Kann ich mir hundertprozentig sicher sein, dass der Gedanken zutrifft, dass die Aussage der Wahrheit entspricht? Frag dich zweitens: Was bewirkt dieser Gedanke in mir? Ist er hilfreich für mich?
  3. Wenn du mindestens eine Frage mit “Nein” beantwortet hast, frag dich drittens: Welcher Gedanken wäre hilfreicher für mich und meine Leistung? Diesen Gedanken formulierst du. Beispiel: „Ich könnte für eine Überraschung sorgen.“

Nun kannst du dir diesen neuen Gedanken immer wieder mental vorsagen, bis du spürst, dass du mehr und mehr an ihn glaubst und der alte, negative Gedanke immer seltener auftaucht. Das funktioniert auf Basis meiner Erfahrung in etwa 50% der Fälle.

Innerer Widerstand

Manchmal regt sich aber innerer Widerstand, wenn du dir den positiven Gedanken sagst. Eine Art Gemecker im Hinterkopf. Dann erweiterst du beim Üben den positiven Gedanken um den Nebensatz „…auch wenn ich das noch nicht glaube“. In unserem Beispiel klingt das dann so: „Ich könnte für eine Überraschung sorgen, auch wenn ich das noch nicht glaube.“

Diese Formulierung sorgt dafür, dass die Gegenwehr im Hinterkopf verstummt und die neue Nachricht ungehindert ankommen darf. 

Ein Extra

Akupressurpunkte können die Wirkung der positiven neuen Sätze verstärken und die Umprogrammierung beschleunigen. Sie sind aber nicht unbedingt notwendig.

Du willst intensiver an deinen Glaubenssätzen arbeiten? Dann nimm gern Kontakt zu meinen KollegInnen (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Anke Precht) auf. Wir helfen dir gern.

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Janosch Daul: Selbstreflexion – Selbstanalyse als Performance Booster, Teil 3

Die meisten Spieler werden es in ihrer Karriere schon erlebt haben: Man liegt abends im Bett und tut Vieles, nur das nicht, was man sich eigentlich vorgenommen hatte: Schlafen. In Form von inneren Bildern reproduziert unser Verstand im Spiel erlebte Situationen am laufenden Band. So, als ob man gerade ein Bundesligaspiel auf Sky guckt und sich selbst auf dem Feld agieren sieht. Dem inneren Film schließen sich zahlreiche Gedanken an, die sich als Selbstgespräche bemerkbar machen: „Wie habe ich performt? Woran hat es gelegen, dass ich nicht so wie von mir gewünscht performt habe?“ Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, wie emotional aufwühlend Spiele von Fußballern wahrgenommen werden können und dass es oftmals schwer fällt, innerlich mit dem Spielgeschehen abzuschließen. Zugleich ist es auch ein Ausdruck der enormen Bedeutsamkeit, die der Fußball im Leben des Kickers einnimmt. Die Sportpsychologie hat viele Techniken hervorgebracht, um besser mit solchen Situationen umzugehen. Dieser Artikel stellt in Form eines Wettkampftagebuches ein System zur systematischen Spielauswertung vor.

Zum Thema: Das persönliche Wettkampftagebuch – Spiele systematisch auswerten

Eine regelmäßige Nutzung des Wettkampftagebuches kann dem Fußballer dabei helfen, seine Spielleistungen realistisch einzuschätzen, aus den erlebten Wettkampfsituationen zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Auch kann es dabei unterstützen, mit schwierigen Spielen abzuschließen und motiviert und hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken. Die folgende Vorlage ist ein Beispiel dafür, wie ein solches Wettkampftagebuch gestaltet werden kann:

Anwendung für die Praxis

  1. Spieldatum, Gegner und Resultat eintragen
  2. Bewertung der Zufriedenheit mit der eigenen Spielleistung auf einer Skala von 0% (maximal unzufrieden) bis 100% (maximal zufrieden)
  3. Reflektieren möglicher Ursachen mit Fokus auf beeinflussbare Faktoren, die im eigenen Kontrollbereich liegen
  4. Anstellen konkreter Überlegungen, was der Fußballer beim nächsten Mal anders machen will
  5. Ableitung konkreter Handlungsziele für die kommende Trainingswoche in Form von Ich-Botschaften – ggf. kann ein aktiver Einbezug des Trainerteams Sinn machen, beispielsweise, indem gemeinsam Ziele formuliert und Wege erarbeitet werden, wie das Ziel erreicht werden kann 

Je nach schwerpunktmäßiger Zielstellung, die mit der Nutzung des Wettkampftagebuches einhergeht, könnte dieses auch in ein Trainingstagebuch umfunktioniert werden, welches allein zur Protokollierung der eigenen Leistungsentwicklung einen erheblichen Mehrwert bieten kann. 

Kontaktaufnahme und individuelle Unterstützung

Wenn Sie an weiteren Möglichkeiten zur systematischen Wettkampfauswertung interessiert sind, wenden Sie sich gern an meine Kollegen (zur Übersicht) oder mich (zum Profil von Janosch Daul). Die Möglichkeiten, die die Sportpsychologie bietet, sind höchst individuell und äußert umfangreich.

Die übrigen Folgen der Mini-Serie “Selbstreflexion – Selbstanalyse als Performance Booster”

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Prof. Dr. René Paasch: Die Macht der Worte

Jeder Trainer und jede Trainerin kennt es, wenn die Hutschnur platzt. Zwar sind Fehler im Fußball vorprogrammiert und genau genommen Teil des Spiels, dennoch bringt es nur die wenigsten nicht auf die Palme, wenn vermeintlich vermeidbare Fehlhandlungen passieren. Die Kunst ist es, in solchen Situationen selbst nicht in falsche Muster zu verfallen und den Unmut schlecht auszudrücken. Denn der Macht unserer Worte sind wir auch im Sport nur sehr selten bewusst. Aktuelle wissenschaftliche Forschungen legen aber nah, wie wichtig der Umgang mit unserer Sprache ist.

Zum Thema: Was TrainerInnen und SportlerInnen darüber wissen sollten

„Große Macht übt das richtige Wort aus. Immer, wenn wir auf eines dieser eindringlichen, treffenden Worte stoßen, ist die Wirkung physisch und geistig – und blitzartig spontan.“

Mark Twain (1835 – 1910)

Worte können nicht nur etwas tun, sie können auch etwas antun. Nicht selten werden sie zur Gewaltausübung verwendet: Von der leisen Ironie bis zum derben Schimpfwort kann Sprache als Gewalt wirken. Eine alte Redewendung lautet daher: „Stock und Stein brechen mein Gebein, doch Worte bringen keine Pein.“ Das klingt erst einmal nachvollziehbar, doch inzwischen bestätigen Wissenschaftler gegenteiliges: Tatsächlich sind sich körperliche und seelische Pein erstaunlich ähnlich. Eine per Stockschlag zugefügte Verletzung aktiviert dieselben Hirnareale wie ein verbaler Angriff (Merleau-Ponty, 2004). 

Trainer*innen sollten sich dieses Wissen zu Herzen nehmen, statt Vorfälle zu ignorieren oder selbst als destruktiver Wortakrobat, in denen Spieler*innen soziale Zurückweisung oder verbale Angriffe (intern/extern) über sich ergehen lassen müssen. Sie dürfen nicht warten, bis es zu einem spürbaren Leistungsabfall oder traurigen Phasen kommt. Sozialer Schmerz verdient denselben Raum wie physische Pein. Wir würden von einem Spieler bzw. Spielerin mit einem Meniskusschaden niemals Höchstleistungen erwarten. Aber dasselbe muss auch für jemanden gelten, der ein Leistungstief oder ein persönliches Problem verkraften muss. Dafür gibt es eine handfeste wissenschaftliche Begründung.

Auswirkungen

Gerade bei zwischenmenschlichen Problemen und fehlender Leistungsfähigkeit drosselt das Gehirn die Kapazitäten für motivationales Verhalten und reduziert somit den Ausschuss von Glückshormonen (bspw.: Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Endorphine, Phenethylamin und Oxytocin). Es gibt also diverse und nachhaltige Gründe, warum Trainer*innen und Spieler*innen auf Ihre Worte achten sollten. 

Übung: Stellen Sie sich als Trainer oder Trainerin eine Situation vor, in der einer ihre Akteure zum dritten Mal in diesem Spiel entgegen aller Übungen im Trainingsalltag und den besonderen Hinweisen vor der Partie den gleichen Fehler wiederholt. Und schreiben Sie nun zwei Varianten auf, mit den sie auf das aus ihrer Sicht fehlerhafte Verhalten reagieren können: Einmal emotional, machen Sie sich Luft, und formulieren Sie einmal so, wie in diesem Text angeregt. Lesen Sie sich diesen Zettel vor der nächsten Partie noch einmal durch und versuchen Sie, während dieses Spiels dann sehr genau auf ihre Kommunikation zu achten. 

Fazit

Sie sollten besonderen Fokus auf das gesprochene Wort, teaminterne Dynamiken und zwischenmenschliche Bedürfnisse haben und beobachten, ob sich alle Spieler*innen eingebunden fühlen und auch einbringen. Außerdem sollten sie sich Zeit nehmen, um ihrerseits eine Bindung mit allen Teammitgliedern aufzubauen. So können Sie Ihre Spieler*innen vertrauensvoll und nachhaltig entwickeln.

Wenn Sie sich fragen, wo und wie Sie damit anfangen können. Meine Kollegen und Kolleginnen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Prof. Dr. René Paasch) helfen Ihnen gern auf diesem Weg. Nehmen Sie einfach Kontakt auf.  

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Literatur

Leymann, H. (1993): Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann, Reinbek bei Hamburg. 

Merleau-Ponty, M. (2004): Das Sichtbare und das Unsichtbare, 3. Aufl., München, 2004.

Kiener, F. (1983): Das Wort als Waffe. Zur Psychologie der verbalen Aggression, Göttingen

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Johanna Constantini: Der doppelte Stress im Reitsport

Stress in der Schule, an der Uni oder auf der Arbeit. Dennoch steht am Abend die Reitstunde an. Oder denken wir an die Minuten vor dem Wettkampf. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten – vielleicht sogar den meisten – bleibt im Reitsport unser Stress, unsere Anspannung und unsere Unruhe nicht unser individuelles Ding, sondern überträgt sich unweigerlich auf das Tier. Deshalb lohnt es sich, dass wir anfangen, an uns arbeiten.

Mehr zum Thema: Emotionskontrolle im Reitsport

In einem ausführlichen Interview mit Oliver Fassnacht vom Sportradio Deutschland stand Johanna Constantini Rede und Antwort, was den Umgang mit unseren menschlichen Emotionen angeht. Dabei betonte sie, dass das Pferd als Fluchttier sehr, sehr unmittelbar unsere menschlichen negativen Emotionen fühlen könne. Den Tieren sei es sogar möglich, unseren Gemütszustand an negativen Gesichtszügen abzulesen. Soll heißen: Unsere Anspannung, unsere schlechte Planung oder unsere miese Laune löst bei den Tieren Stress aus. 

Eine ihrer Aufgaben als Sportpsychologin im Pferdesport sei es daher, gezielt mit den Reitern und Reiterinnen an der Emotionsregulation zu arbeiten. Der Weg dahin ist sehr facettenreich und individuell. Beispielsweise sei es in manchen Fällen ratsam, positive Erinnerungen hervorzurufen und an erfolgreiche Wettkämpfe aus der Vergangenheit zu denken. Sinnvoll könne es sein, ein festes Startritual zu erarbeiten, was beispielsweise ein Gespräch mit dem Trainer oder die Pflege des Pferdes darstellen kann. Aber auch einfache Ablenkungen wie das Zählen von Schritten oder die punktuelle Konzentration auf die eigenen Zehenspitzen helfen, um uns zu beruhigen. 

Interview in voller Länge

Im Gespräch mit Oliver Fassnacht führt Johanna Constantini (zum Profil)  auch eine konkrete Atemübung an, die sich einfach umsetzen lässt. Das komplette Interview mit dem Sportradio Deutschland hört ihr hier: 

Sportradio-Interview mit Johanna Constantini, Link zum Sportradio: https://sportradio-deutschland.de

Mehr zum Thema:

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Janosch Daul: Selbstreflexion – Selbstanalyse als Performance Booster, Teil 2

In meinem vorigen Beitrag (Link, siehe unten) habe ich aufgezeigt, wie eine gezielt durchgeführte Selbstanalyse, eigene Stärken und Wachstumspotenziale betreffend, in Kombination mit der Ableitung und Durchführung entsprechender Maßnahmen zur Leistungsentwicklung eines Fußballers beitragen kann. In diesem Zusammenhang habe ich die Methode des Performance Profiling vorgestellt. Heute möchte ich das Thema konkretisieren, indem ich verdeutliche, wie die Coaches des Spielers dessen Entwicklungsprozess gezielt unterstützen können. 

Zum Thema: Selbstreflexion als wiederkehrender Kreislauf

Auf Grundlage einer Selbstanalyse, die z.B. mittels der Methode des Performance Profiling durchgeführt werden kann, eröffnet sich für den Fußballer die Möglichkeit, sich ein Handlungsziel zu setzen, welches er umzusetzen versucht. Nach einem definierten Zeitraum des bewussten Übens und Trainierens lohnt es sich, erneut in die Analyse zu gehen: „Habe ich mein Ziel erreicht? Oder sollte ich weiter an dem von mir definierten Ziel arbeiten, da ich mit meinen vollzogenen Entwicklungsschritten noch nicht zufrieden bin?“ 

Im Ergebnis dieser erneuten Selbstanalyse definiert der Fußballer entweder ein neues Handlungsziel oder verfolgt sein bisheriges kontinuierlich weiter, bis er es für erreicht hält. Der Kreislauf beginnt von vorne. 

Die Rolle der Coaches 

Im „Players Game“ Fußball steht der Spieler im Mittelpunkt des Systems NLZ (Nachwuchsleistungszentrum). Auf ihm und seiner Weiterentwicklung liegt der Fokus aller im System Arbeitenden. Egal, ob wir von Pädagogen, Psychologen, Physiotherapeuten, Athletik – oder Mannschaftstrainern sprechen: Alle sind sie angestellt, um dem Spieler zu dienen und ihn in dessen Weiterentwicklung bestmöglich zu unterstützen. Daher erscheint es mehr als legitim, in dem vorgestellten Kreislauf bewusst das Trainerteam einzubeziehen. So kann der Fußballer beispielsweise seine Selbsteinschätzung mit der Wahrnehmung seiner Trainer abgleichen: Wie nehmen diese den Spieler wahr in Bezug auf dessen Stärken und Wachstumspotenziale? In Bezug auf welche Aspekte liegen gravierende Wahrnehmungsunterschiede bzw. Gemeinsamkeiten vor? Dieser Abgleich schärft u.a. den Blick für zukünftige Selbstanalysen. 

Auch im Prozess der Zielsetzung können die Trainer einbezogen werden: Mit diesen, das kann mal der Cheftrainer, mal der Co-Trainer sein, lässt sich gemeinsam ein Handlungsziel formulieren, an dem dann als Duo (Spieler + Trainer) konsequent gearbeitet wird. Dabei kann der Coach beispielsweise die Rolle des Tippgebers einnehmen, der Vorschläge äußert, wie sich das Handlungsziel konkret umsetzen bzw. erreichen lässt, indem er beispielsweise mit dem Spieler erarbeitet, wie dieser z.B. seine Handlungsschnelligkeit oder Flugballtechnik durch Übungen verbessern kann. Es obliegt dem Spieler, der sich schließlich weiterentwickeln will, Selbstverantwortung zu übernehmen, immer wieder auf seine Trainer zuzugehen und ganz konkret nachzufragen: „Trainer, was kann ich tun, um an Thema XY konkret zu arbeiten, um den nächsten Schritt zu gehen? Wie können wir gemeinsam daran arbeiten? Was sind ganz konkrete Handlungsschritte?“ Auch kann der Spieler nachfragen, ob die Trainer, zur Umsetzung des Handlungsziels, Zusatztrainings anbieten, im Rahmen derer der Fußballer auch wieder gezielt geefeedbackt werden würde.

Weiterentwicklung als Ziel

Eine konsequente Umsetzung dieses aufgezeigten Kreislaufs, inklusive eines sinnvollen Einbezugs der Trainer, eröffnet dem Fußballer eine gewaltige Leistungsressource, die ein wichtiger Baustein im gesamten Prozess der Weiterentwicklung darstellen kann.

Wenn Sie daran interessiert sind, einen auf Ihren Verein abgestimmten Kreislauf zu entwickeln, der in der Praxis zielführend angewendet werden kann, wenden Sie sich gern an meine Kollegen (zur Übersicht) oder mich (zum Profil von Janosch Daul). 

Text Selbstreflexion – Selbstanalyse als Performance Booster, Teil 1 und 3:

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Anke Precht: Mental stark im Abstiegskampf oder im Aufstiegsrennen – Tipps für Spieler, Trainer und Vereine

Es gibt zwei Konstellationen, die aus sportpsychologischer Sicht richtig große Herausforderungen darstellen: Einerseits, wenn Teams eigentlich immer gewinnen und dann in eine Negativspirale geraten. Zweitens, wenn sie sich im Abstiegskampf oder im Aufstiegsrennen befinden und die Angst immer größer wird, dass angestrebte Ziel zu verpassen. Was ich hier am Beispiel Fußball beschreibe, gilt natürlich für alle anderen Teamsportarten auch. Und es ist auf alle Niveaus anzuwenden. 

Mehr zum Thema: Konkrete Hinweise für die entscheidende Saisonphase

Wenn ein Team fast immer gewinnt, zumindest in entscheidenden Spielen, wird das Gewinnen zu einem Teil der Identität. Es wird normal. Das beflügelt und führt zu einem immensen Selbstbewusstsein – welches aber dann in sich zusammenbrechen kann, wenn mindestens zwei wichtige Spiele verloren werden. Dann kann das gesamte mentale Gebäude einer Mannschaft bröckeln. Im schlimmsten Fall startet eine Abwärtsspirale, in der die Mannschaft plötzlich weit unter ihren Möglichkeiten bleibt. Um Beispiele zu finden, benötigt ihr nicht viel Phantasie. 

Wer aber gegen den Abstieg (oder auch um den Aufstieg) kämpft, muss mit einer ähnlich großen Herausforderung umgehen. Vielleicht ist das, was auf dem Spiel steht, gefühlt sogar bedrohlicher. Die Krux: Wenn Abstieg oder Aufstieg das Dauerthema ist, darf dieses eben nicht permanent in den Köpfen herumgehen. Natürlich wissen alle, worum es geht. Wer sich aber ständig mit dem Abstieg oder Aufstieg beschäftigt, darüber redet, Szenarien entwickelt oder in ein Spiel startet mit der zentralen Ansage, dass von diesem Spiel alles abhängt, setzt den Fokus auf das Ergebnis, und vielleicht sogar auf das unerwünschte. Richtig wäre es, den Fokus auf die Leistung zu legen, auf das, was konkret passieren muss, damit das Spiel gewonnen wird. Konkrete Aktionen wie Ballgewinne, um einen Konter zum Erfolg zu führen. Zweikampfstärke. Die Genauigkeit von Pässen. Die Kommunikation im Team. Das Selbstbewusstsein der Spieler.

Die Stärken gehören in den Fokus

Wie kann das gelingen? Spieler sollten sich darauf besinnen, was sie können, was ihre Stärken sind und darauf, diese Stärken gezielt ins Spiel einzubringen. Außerdem hilft es, sich im Vorfeld an Situationen zu erinnern, in denen es ebenfalls knapp war, die aber am Ende gelungen sind. Das hilft, aus einer möglichen Resignation herauszufinden, die entsteht, wenn viele Enttäuschungen aufeinander gefolgt sind. Die Frage: „Wie habe ich in der Vergangenheit meine schwierigsten Herausforderungen geschafft?“ öffnet die Tür zu den persönlichen Ressourcen, deren Bewusstsein die Motivation, das Selbstvertrauen und die Energie stärken. Dabei dürfen Spieler auch an Situationen denken, die gar nichts mit dem Sport zu tun haben. Denn Ressourcen aus anderen Lebenssituationen können auch für den Sport hilfreich genutzt werden. Dies kann alles sein, was Zuversicht schafft: Etwas, was man sich selbst gesagt hat. Diese besondere Musik, die man damals gehört hat. Der gute Freund, der gesagt hat: Ich glaube an dich! Vielleicht Galgenhumor. Ein besonderes Ritual. Ein besonderes Frühstück. All das, was schon einmal geholfen hat, um in die bestmögliche Form zu kommen, kann auch heute wieder helfen. Es gibt darüber hinaus viele Methoden, mit denen man sich an besondere Momente, vielleicht starke Flow-Zustände, erinnern und diese abrufen kann. Dies lässt sich mit Hilfe eines Sportpsychologen erlernen.

Trainer sollten ebenfalls nicht ständig daran erinnern, dass der Abstieg verhindert oder der Aufstieg geschafft werden muss, und wie wichtig das anstehende Spiel ist. Damit alle Spieler möglichst stark eingestellt sind, können Trainer dazu beitragen, sie in ihrem Selbstbewusstsein zu unterstützen. Stärken herausstellen, an tolle Aktionen erinnern (die man im folgenden Spiel natürlich gerne wieder sehen möchte), Vertrauen aussprechen, und vielleicht sogar für wichtige Etappen eine kleine Belohnung ausloben: Für jeden Eckball eine Kleinigkeit. Wie groß die Kleinigkeit sein darf, müsst ihr natürlich entscheiden. Als ich einmal eine Nachwuchsmannschaft im Kampfsport gecoacht habe, lobte der Trainer für einen bestimmten im Wettkampf gesetzten Treffer eine Kugel Eis aus. Das Ergebnis: fast dreimal so viele entsprechende Treffer als bisher. Das hilft, den Fokus auf den Erfolg zu setzen, ohne das Schreckgespenst Abstieg ständig im Hinterkopf zu haben. 

Störende Impulse

Zweitens sollten Trainer gerade fürs Einwechseln auch nach der mentalen Stärke von Spielern schauen. Gerade, wenn ein sehr schwieriger Gegner erwartet wird oder ein Spiel nicht gut läuft, kann es sinnvoller sein, einen Spieler aufs Feld zu schicken, der in der Lage ist, die anderen zu motivieren und zu Höchstleistungen anzuspornen. Und eben nicht denjenigen, der technisch perfekt ist, unter Druck aber seine Leistung nicht abruft oder seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat. 

Vereine tun gut daran, ihre Mannschaft möglichst gut abzuschotten gegen alles, was Konzentration und Fokussierung stören könnte. Interviews mit Spielern? Ja, vorausgesetzt, es gibt einen Spieler, der sich durch Fragen zum drohenden Abstieg oder dem gefährdeten Aufstieg nicht aus der Ruhe bringen lässt. Wenn nicht, dann kein Interview in einer kritischen Phase. Dann gilt es, den Trainer oder den Vorstand sprechen zu lassen. Die Mannschaft befindet sich in einer Phase der Konzentration. Planungen für den Worst Case nicht an die große Glocke hängen. Sich Sponsoren gegenüber zuversichtlich zeigen, für die höhere Liga planen. Der Plan B sollte in der Tasche bleiben, bis zu 100% entschieden ist, wie die Saison ausgeht. Ist der Misserfolg klar, wird Plan B aktiv. Ist das Ziel geschafft, verschwindet er in den Archiven, ohne dass jemals laut über ihn gesprochen wurde. Das gilt natürlich nicht nur für Äußerungen in der Öffentlichkeit, sondern auch bilaterale Gespräche, deren Inhalte zum Team dringen können. Der Verein soll klar signalisieren: Wir glauben an euch und euren Erfolg und stärken dem Team damit den Rücken.

Das Richtige tun

Auch Akteure aus dem Umfeld können auf diese Weise positiv mithelfen: Das medizinische Team, Familien und Freunde, der Fanclub, der Zeugwart und so weiter. Es geht nicht darum, zu schreien: „Ihr schafft das!“ sondern konkret zu schauen: Was kann jeder an seinem Platz tun, um den Erfolg möglichst greifbar zu machen. „Kann ich etwas für dich tun?“ kann einen Spieler viel mehr aufrichten als die Beteuerung: „Heute schießt du ein Tor!“

Meine KollegInnen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Anke Precht) kennen solche Situationen und können helfen.

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Prof. Dr. René Paasch: Persönlichkeitstypen im Sport

Der US-Autor Stan Lee revolutionierte 1961 die Comic-Welt mit einer seiner größten Erfindungen: den Fantastic Four. Jeder dieser vier ungewöhnlichen Helden hatte seine eigene Superkraft: Unsichtbarkeit, übermenschliche Stärke, Kontrolle über Feuer und unendlich dehnbare Gliedmaßen. Natürlich sind die Fantastic Four das Produkt wilder Fantasien – aber ihre Heldengeschichten enthalten wertvolle Lektionen darüber, wie Sportmannschaften funktionieren. Denn auch im echten Leben bestehen die besten Teams aus Persönlichkeiten mit diversen, einander ergänzenden Fähigkeiten.

Zum Thema: Wie Persönlichkeitstypen ein echtes Team entwickeln können

Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung.

ALBERT EINSTEIN

Die Anthropologin Helen Fisher hat Unmengen neurowissenschaftlicher Daten analysiert und vier grundlegende Persönlichkeitstypen ermittelt (Fisher et al., 2010): 

Der erste ist der sogenannte Entdecker. Dieser Typ Mensch braucht mehr Stress als andere, um Höchstleistungen abzurufen, was ihn zur Idealbesetzung für riskante Aufgaben macht. Entdecker werden vor allem vom Botenstoff Dopamin beeinflusst, der besonders risikofreudiges Verhalten belohnt.

Dann gibt es den Gestalter. Er wägt Entscheidungen sorgfältig ab und gilt daher als stabil und zuverlässig. Sein primärer Einfluss ist Serotonin, das eher risikoarmes Verhalten belohnt.

Der dritte Typ ist der Diplomat. Sie verfügen über schier unerschöpfliche Empathie, großes verbales Geschick und ein feines Näschen dafür, was andere Menschen denken und fühlen. Ihre größte neurochemische Triebkraft ist das Hormon Östrogen.

Und dann wäre da noch der Macher. Sie sind kompetitiv, pragmatisch und entschlossen und werden dabei vor allem von Testosteron getrieben.

Das ideale Team

Das ideale Leistungsteam würde diese vier Persönlichkeitstypen vereinen, inklusive ihrer individuellen Stärken. Dennoch sollten Sie dabei folgendes beachten: Wer ein so vielfältiges Team betreuen darf, sollte Ihre Eigenheiten erkennen und zielgerichtet einsetzen können. 

Die Sportpsychologie kann effektiv helfen, wenn Sie dem Thema Persönlichkeitstypen auf den Grund gehen wollen. Dies kann klassisch über eine Fragebogentechnik oder über Beobachtungen von Trainings und Spielen erfolgen. In jedem Fall entsteht dadurch eine Wissensbasis, mit der jedes Team besser gemacht werden kann. Im Interesse aller.

Hinweis

Meine Kollegen und Kolleginnen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Prof. Dr. René Paasch) helfen Ihnen gern auf diesem Weg. Nehmen Sie einfach Kontakt auf.

Und dann noch ein zusätzlicher Hinweis: Ein weiteres praktikables Tool für Vereine und Trainer*innen hinsichtlich der Begleitung  spezifischer Persönlichkeitstypen finden Sie in den weiterführenden Links (bspw.: Big Five). 

Mehr zum Thema:

Literatur

Fisher, HE, J Rich, HD Island, D Marchalik, L Silver and D Zava (2010):
Poster in Session Division 06, #ind100247, at the annual meeting of the American Psychological Association San Diego. Studie lesen: https://helenfisher.com/downloads/APA-Four-Primary-Temperament-Dimensions.pdf 

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Motivation im Profi-Sport: Wie Prämien die Performance stören können

Wer sich insbesondere im Profi-Fußball bewegt, der weiß um die Allgegenwärtigkeit von Prämien. Seit einigen Jahrzehnten gehören sie dazu und wir reden hier nicht nur von Punkt-, Sieg- oder Auflaufprämien. Es wird prämiert, was auf A4-Papier passt. Aber ist das gut? Und für die sportliche Leistung hilfreich? Macht eine Aufstiegsprämie vielleicht am Ende einer Saison sogar schwere Beine, wenn den Spielern nicht nur die Spiele verloren gehen sondern auch viele Scheine durch die Finger zu rinnen drohen? Wenn sie also konkret etwas zu verlieren haben? Wir wollten wissen, wo der Zauber liegt, den Trainer und Trainerinnen zwischen Champions League und Babini-Funino-Turnier beherrschen sollten.

Zum Thema: Die Bedeutung der intrinsischen und extrinsischen Motivation für die Praxis

Welche Motivationsart ist in Mannschaftssportarten wichtiger, die intrinsische oder die extrinsische Motivation? Und warum? 

Janosch Daul (zur Profilseite):

Im Leistungssport generell, auch in den Mannschaftssportarten, ist die intrinsische Motivation von enormer Bedeutung. Diese ist dann gegeben, wenn die Tätigkeit an sich (z.B. das Basketballspielen) als extrem belohnend und erfüllend wahrgenommen wird, da man schlichtweg das tun kann, was man liebt. Insbesondere im so harten Trainingsalltag ist die intrinsische Motivation bedeutender; denn ohne diese könnte sich der Leistungssportler im harten Trainingsprozess nicht tagtäglich quälen und all die Trainingsstunden “abbrennen”, die es zur Performanceentwicklung braucht. Jedoch kann ab und zu, gerade in schwierigen Phasen, wenn es mal nicht so läuft und der Weg z.B. in die Halle nicht so leicht fällt, ein Blick auf die Belohnung, die der Sportler bei entsprechendem Erfolg erhalten kann (z.B. die Prämie im Falle der Meisterschaft) antreibend wirken. Der Sportler wird dann extrinsisch motiviert.  

Prof. Dr. René Paasch (zur Profilseite):

Im Gegensatz zu den extrinsischen Motiven liegen die Möglichkeiten für intrinsisch motivierte Sportler*innen in der positiv empfundenen Erlebnisqualität, die unmittelbar mit dem Handlungsvollzug verbunden ist. Dieser belohnende Effekt stellt sich während der Tätigkeitsausführung ein und ist sehr maßgeblich für eine kontinuierlichen Entwicklung. Des Weiteren ist diese durch Handlungsmotive wie die wertbezogenen und gefühlsbezogenen Valenzen charakterisiert. Die wertbezogene Valenz meint, dass ein(e) Sportler*in der Ausführung eine hohe persönliche Bedeutung zuschreibt. Dies führt dazu, dass sie das Bedürfnis verspüren, diese Tätigkeit kontinuierlich und intensiver auszuführen. Die gefühlsbezogene Valenz ist hingegen von positiven Emotionen wie Freude und Lust begleitet. Die Belohnung tritt also während der Tätigkeit auf und endet auch mit dieser. Zur gefühlsbezogenen Valenz zählen auch das Erleben eigener Kompetenz und sozialer Eingebundenheit. Was wiederum der Teamkohäsion zugute kommt. Die oben genannten Trigger sind somit der extrinsischen Motivation in vielerlei Hinsicht überlegen. 

These: Allen voran im Profi-Fußball wird die extrinsische Motivation in Form von Sieg-, Aufstiegs- oder Nichtabstiegsprämien überschätzt. Unter welchen Bedingungen können extrinsische Anreize sich sogar negativ auswirken, unter welchen funktionieren sie in der Regel? 

Prof. Dr. René Paasch (zur Profilseite):

Belohnungen im Profi-Fußball haben nur eine kurzfristige Wirkung. Sie müssen regelmäßig erneuert oder verändert werden, um weiterhin für Treibstoff zu sorgen. Das kann speziell Trainern*innen viel Kraft und Energie kosten (bspw. im Abstiegskampf, bei Leistungsschwäche oder fehlenden Spielzeiten). Zudem können regelmäßige finanzielle Anreize dazu führen, dass die Erwartungen der Spieler*innen in Bezug auf die nächsten Verträge zunimmt. Des Weiteren kann die extrinsische Motivation bewirken, dass die intrinsische Motivation der Spieler*innen auf Dauer nachlässt: Leistungen, die von Ihnen zuvor freiwillig und um ihrer selbst willen getätigt wurden, werden nun als Mittel zum Zweck angesehen (bspw. das Erlangen von Leistungsprämie im DFB-Pokal). Während manche Spieler*innen im Zuge der extrinsischen Motivation eine zunehmende Abhängigkeit entwickeln, empfinden andere diese als rein ziel- und zweckgerichtete Fremdsteuerung. Auch wenn es heldenhafter wirkt für alle Fußballfans, wenn man seinen Sport aus echtem Interesse und Spaß an der Sache erledigt, anstatt nur unter prämierte Leistung, dürfen wir die extrinsische Motivation nicht von vornherein verteufeln. Sie hat eine wichtige kurzfristige Funktion und ein breites Anwendungsgebiet im Leistungsfußball.

Die ExpertInnen:

Wie kann die Sportpsychologie helfen, um Teams, SpielerInnen oder TrainerInnen optimal internal zu motivieren?

Janosch Daul (zur Profilseite):

Letztlich muss sich jedes Team, jede/r Spieler/in und jede/r Trainer/in selbst motivieren können, denn sonst wird es schwierig, sich tagtäglich im Training so aufzuopfern, dass eine kontinuierliche Leistungsentwicklung möglich ist (s. oben). Deshalb liegt es auch nicht im Verantwortungsbereichs des Trainers, seine Spieler/innen zu motivieren. Jedoch ist es seine Aufgabe, Rahmenbedingungen und Anreize so zu setzen, dass es seinen/ihren Spieler/innen gelingt, sich selbst zu motivieren. Hierbei kann auch der Sportpsychologe ins Spiel kommen: Dieser kann dem Trainer/der Trainerin beispielsweise aufzeigen, wie diese(r) beispielsweise durch eine entsprechende Trainingsgestaltung die Motive der Spieler/innen befriedigen kann, so dass Motivation entsteht. Zudem ist bekannt, dass der individuelle Handlungsantrieb durch die drei universellen Grundbedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit ergänzt wird. Spieler/innen sind oft  dann motiviert (Leistung zu bringen), wenn sie durch ihren Sport positive Gefühle erleben und diese drei Grundbedürfnisse durch den Sport befriedigt werden. Das Aufzeigen von Möglichkeiten, wie genau diese drei Bedürfnisse befriedigt werden können, stellt ein weiterer Ansatzpunkt dar. 

Johanna Constantini (zur Profilseite):

Auch die Nutzungsweise sozialer Medien sollte beim Thema extrinsische bzw. intrinsische Motivation nicht vergessen werden. Social Media kann sowohl dazu führen, dass SportlerInnen “von außen”, also extrinsisch motiviert werden, jedoch können eigene Fancommunitys und die Resonanz über Social Media auch die ganz eigene, intrinsische Motivation fördern. Letztere gilt es, wie bereits verdeutlicht, stets in den Fokus zu stellen. Aufgrund des hohen und mehrfach nachgewiesenen Einflusses von Social Media auf die Motivation sollte die Analyse des Nutzungsverhaltens von Sportlerinnen und Sportlern heute genauso wie trainingsspezifische Aspekte zu einer ganzheitlichen Betreuung von AthletInnen zählen dürfen.

Mehr zum Thema:

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Anke Precht: Was ist eigentlich eine mentale Blockade?

Von mentalen Blockaden wird viel gesprochen. Davon, dass jemand eine hat und deshalb nicht so performt, wie er eigentlich könnte. Oder, dass im Zuge der Blockade, die Motivation futsch ist. Darüber, dass man sie, also die Blockaden, beseitigen kann, sprechen wir, also die Sportpsychologen, vielleicht viel zu selten in der Öffentlichkeit. Also: Wissen wir im Sport eigentlich, was wir meinen, wenn wir von mentalen Blockaden sprechen, außer, dass irgendwas im Kopf dafür sorgt, dass der Körper tut, was er soll?

Zum Thema: Übersicht zu mentalen Blockaden

Ich möchte in diesem Beitrag einen Überblick darüber geben, was da eigentlich blockiert, zumindest mental. Also fangen wir mal an:

Zuerst einmal können Blockaden bewusste oder unbewusste Glaubenssätze sein, in der Regel negative, aber manchmal auch positive. Zwei Kategorien können wir unterscheiden. Ich nenne sie:

  • Prozedurale Glaubenssätze. Das sind solche, die sich damit beschäftigen, wie etwas ist oder werden kann oder auch nicht. Beispiel sind: „das schaffe ich nicht“, „ich kann das nicht“, „das geht eh wieder schief“, „das Leben ist ungerecht“, „je besser ich vorbereitet bin, umso mehr Pech habe ich“, „bei den wichtigen Wettkämpfen läuft es nie“, „der XY ist bestimmt sowieso wieder besser“ aber auch „heute habe ich einen schlechten Tag“, und so weiter. Gedanken um Angstgegner fallen ebenfalls in diese Kategorie.
  • Kernglaubenssätze. Sie betreffen die eigene Person und ihre Identität. Sie beginnen mit „ich bin…“. Beispiele sind: „Ich bin schlecht“, „ich bin wertlos“, „ich bin falsch“, „ich bin ein Verlierer“, „ich bin nicht gut genug“, aber auch „ich habe Pech“, wenn das jemandem wie die Quintessenz des eigenen Lebens vorkommt. Es gibt scheinbar positive Glaubenssätze in dieser Kategorie, die ebenfalls schädlich wirken. Das sind solche, die zur Selbstüberschätzung führen: „Ich bin die Beste“, „ich bin unbesiegbar“. Sie beflügeln so lange, bis das Leben den Besitzer eines Besseren belehrt. Dann verkehren sie ihre Wirkung in ihr Gegenteil.

Emotionen und Selbstsabotage

Zweitens können Blockaden Emotionen sein, die auftauchen und dafür sorgen, dass die Leistung nicht optimal ist. Das kann zum Beispiel im Rennsport immer dann passieren, wenn einen jemand überholt, der eigentlich hinter einem rankt. Wenn dann ein Gefühl der Enttäuschung oder Verzweiflung oder Wut auftaucht, kann dieses Gefühl als Leistungsbremse fungieren. Aber auch Lampenfieber kann zur Blockade führen. Wir treffen am häufigsten diese Gefühle an:

  • Angst oder starke Unruhe (zum Beispiel durch Lampenfieber)
  • Wut, Ärger (über andere oder sich selbst)
  • Neid, Eifersucht (zum Beispiel über die Konkurrentin, die bessere Trainingsbedingungen hat)
  • Enttäuschung, Verzweiflung (bei Niederlagen oder Rückschlägen in einem Spiel oder in einem Wettkampf, oder weil man nicht in der Startformation steht)
  • Übermotivation (und zu viel wollen – damit entsteht ebenfalls eine zu starke innere Anspannung)

Drittens gibt es manchmal mentale Selbstsabotageprogramme. Das können unbewusst gesteuerte Verhaltensmuster sein, zum Beispiel:

  • Wichtige Termine vergessen, an denen sich etwas entscheidet
  • Equipment vergessen beim Abreisen zum Wettkampf
  • Verletzungen immer kurz vor wichtigen Wettkämpfen
  • entscheidende Punkte nicht machen oder in entscheidenden Situationen Leichtsinnsfehler machen
  • schlechter spielen wenn man führt
  • in der Leistung nachlassen, wenn man hinten liegt oder das gesetzte Ziel nicht zu erreichen scheint, anstatt anzugreifen

Aber auch mentale Programme, die in Form von komplexen Selbstgesprächen ablaufen, gehören zu den Selbstsabotageprogrammen. Meistens machen sich Athleten dann selbst fertig, oder es entspinnen sich im Kopf regelrechte innere Dialoge oder Streitgespräche, die richtig Energie rauben. Manche dieser Dialoge sprechen in der Du-Form zum Athleten, der sich dann zum Beispiel in Gedanken sagt: „Mann, bist du schlecht! Den Ball hättest du kriegen müssen, den hätte dein kleiner Bruder locker angenommen. Schlimmer geht es nicht. Was machst du eigentlich in dieser Mannschaft, geht doch zurück in die Kreisklasse …“ und so weiter. 

Zeit für dich

Wenn du glaubst, eine Blockade zu haben, nimm dir etwas Zeit, um zu identifizieren, in welche Kategorie sie gehört. Das hilft dabei, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um sie erfolgreich loszuwerden. 

Wenn du dabei etwas Hilfe brauchst oder dir schon sicher bist, dass du einen gewissen Weg vor dir hast und den nicht allein gehen willst, dann schau dich in unserem Netzwerk um. Sicher findest du in unserem Netzwerk einen Experten oder eine Expertin in der Nähe deiner Haustür (zur Übersicht). Oder wende dich an mich (zum Profil von Anke Precht). Wenn du etwas Geduld mitbringst und lieber erst liest bevor du tust, dann warten auf die nächsten Beiträge, in denen ich dazu konkrete Tipps gebe.

Mehr zum Thema:

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Prof. Dr. René Paasch und Thorsten Loch: Versagen unter Druck – Das schaffe ich mit links!

Dieser eine Moment, der über menschliches Versagen unter Leistungsdruck häufig stattfindet. In diesem Augenblick steht die Welt für den Leistenden still. Es sind solche Gegebenheiten, die den Sportfans ewig in Erinnerung bleiben. Erinnern wir uns an das Penaltyschiessen zwischen England und Deutschland im Halbfinale der Europameisterschaft 1996, als Gareth Southgate seinen entscheidenden Versuch gegen unseren damaligen Torhüter Andreas Köpke nicht nutzen konnte. Oder Tennisspieler*innen, Golfer*innen aller Altersklassen, die den entscheidenden Ball ins Aus schlagen. Sie alle haben etwas gemeinsam! Sie können in einer entscheidenden Situation ihre Leistungsfähigkeit nicht abrufen. Wir nehmen diesen Ball auf und zeigen anhand einer aktuellen Studie der TUM aus den Jahr 2021, wie Sie Ihr Versagen und Druck mit einem einfachen Hilfsmittel beeinflussen können. 

Zum Thema: Abliefern, „wenn es darauf ankommt“  

Seit vielen Jahren analysiert die Arbeitsgruppe Sportpsychologie von Prof. Dr. Jürgen Beckmann das Phänomen „Versagen unter Druck“. Bei der Untersuchung verschiedener Sportarten konnte die Forschergruppe feststellen, dass bei Rechtshändern das dynamische Drücken eines Balls mit der linken Hand als besonders wirkungsvoll angesehen werden kann (Baumann et al., 2005). Eine Möglichkeit zur Reduzierung der internalen Aufmerksamkeit liegt somit in einer gezielten Veränderung der Hemisphären-Dominanz. Die Ausführung von automatischen Verhaltensroutinen wird jedoch von der rechten Hirnhälfte gesteuert (Kuhl, 2001). Von daher erscheint die aufmerksame Kontrolle und die damit verbundene übermäßige Aktivierung der linken Hemisphäre für die Ausführung der geübten Bewegungen ungünstig zu sein. 

Zunächst einmal sollten wir uns die Faktoren ansehen, welche das „Versagen unter Druck“ begünstigen können (Dohmen, 2008): 

  • Die Wettbewerbsintensität
  • Die Bedeutung des Resultats für die Protagonisten und relevante Stakeholder
  • Die Erwartungshaltungen
  • Die Anwesenheit von anderen Personen

Technikgedanken im Fokus

In diesem Zusammenhang wird davon ausgegangen, dass ein(e) SportlerIn in Drucksituationen besonders motiviert ist. Man möchte alles unbedingt richtig machen und ruft daher Technikgedanken ab, welche man zuvor regelmäßig im Training gelernt und trainiert hat (Beilock & Carr, 2001). Je mehr ein Techniktraining also mit sprachlichen Technikelementen arbeitet, umso anfälliger sollte der Sportler für Technikgedanken in der Wettkampfsituation werden (Elbe & Beckmann, 2008). Ein Versagen wird nun dadurch erklärt, dass die Konzentration auf die Abfolgen einzelner Bewegungselemente den Fluss der Gesamtbewegung stört. Konzentriert sich der Athlet dementsprechend auf die für zentral gehaltenen Bewegungskomponenten, auch Knotenpunkte nach Eberspächer (2007) genannt, kommt es an den Übergängen zwischen den Punkten zu einem Verlust des Bewegungsflusses (Ehrenspiel, 2001). Die Bewegung wird sprichwörtlich „zerdacht“. Des Weiteren können Personen durch negative Gedanken, Ihre Automatismen und Intuitionen unterdrücken. Die Folge ist dann eine verminderte Leistungsfähigkeit (Harb-Wu & Krumer, 2019). 

Soweit so gut. Aber tauchen wir an dieser Stelle tiefer ein: Für das zuvor genannte Muster der Leistungsbeeinträchtigung sollten Personen mit einer Disposition zur Lageorientierung besonders anfällig sein. Charakteristischerweise können lageorientiere Personen in Drucksituationen nicht einfach die viele Male geübte Bewegung ausführen. Sie beginnen, wie zuvor beschrieben, über alles nachzudenken, was mit einer korrekten Bewegungsausführung zu tun hat (Elbe & Beckmann, 2008). Oder sie beginnen, darüber zu grübeln, welche blamable Konsequenz ihr „Versagen“ nach sich ziehen könnte. Doch kommen wir nun zu einer interessanten Untersuchung aus dem Tennis, die in diesem Zusammenhang sehr hilfreich sein kann. 

Faustballen mit und ohne Ball 

Im Rahmen einer interessanten Studie der TUM wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe praktizierte direkt vor dem Aufschlag den dynamischen Handgriff zehn bis 15 Sekunden lang mit der linken Hand mit dem Tennisball, während die zweite Gruppe den Schlägergriff mit der rechten Hand über zehn bis 15 Sekunden aktiv drückte. Anschließend führten beide Gruppen jeweils acht Aufschläge mit einem vorgegebenen Ziel in einer ersten Runde ohne Druck durch, danach folgten weitere acht Aufschläge unter Druck. In der Gruppe, die mit der linken Hand einen Ball gedrückt hatte, blieb dabei die Genauigkeit der gültigen Aufschläge stabil, während sich bei der anderen Gruppe unter Druck der Abstand der gültigen Aufschläge vom Ziel vergrößerte, was auf einen Leistungsabfall hindeutet (Beckmann et al.,2021). 

Die grundlegende Annahme der Forscher ist, dass die rechte Gehirnhälfte eine ganzheitliche Ausführung einer hochautomatisierten Bewegung begünstigt, während die linke Gehirnhälfte durch sprachliche Repräsentation eher zu einer Zerlegung der Bewegungsausführung führt. Dies beeinträchtigt den Bewegungsfluss und führt zu größerer Ungenauigkeit. Somit sollte durch das Drücken der linken Hand bei Rechtshändern eine stärkere Aktivierung der rechten Gehirnhälfte erreicht werden. Weitere EEG-Untersuchungen der Arbeitsgruppe konnten zeigen, dass durch das linkshändige dynamische Handdrücken eher ein Entspannungseffekt eintritt. Das heißt, dass das Gehirn in den Alpha-Rhythmus übergeht und sich somit eine gewisse Entspannung einstellen kann. Die EEG-Befunde legen nahe, dass nicht die Aktivierung der rechten Gehirnhälfte erhöht wird, sondern die ängstlichen Repräsentationen in der linken Gehirnhälfte gehemmt werden, so dass eine automatisierte Bewegung wieder flüssig realisiert werden kann. Dieser psychologische Effekt funktioniert übrigens auch ohne Ball in der Hand. Viel Spaß bei der Ausführung und Sie schaffen es ganz sicher mit links! 

Fazit

Wenn wir verstehen, weshalb wir in Drucksituationen versagen, können wir entsprechend darauf reagieren. Die Technik der Handkontraktion bietet somit eine einfache und schnelle Interventionsmöglichkeit, die besonders für ängstliche Athleten hilfreich werden kann. Sportpsychologen*innen können dank evidenzbasierten Studien und praktischen Erfahrungen Hilfe zur Selbsthilfe bieten, die das „Versagen unter Druck“ reduzieren können.

Die beiden Experten:

Mehr zum Thema:

Unser Online-Coaching, u.a. mit Prof. Dr. René Paasch und Thorsten Loch:

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