Wie nutzt du deinen Trainingsrhythmus und den deines Pferdes effektiv, um euer gemeinsames Leistungspotential langfristig zu steigern? Aus meiner Erfahrung verbirgt sich hinter dieser Frage eine Menge Potential und im Detail warten eine Reihe von Fragen, die es lohnt, zu beantworten.
Zum Thema: Zugänge zur Trainingsgestaltung im Reitsport
Stell dir bitte folgende Fragen:
- Zu welcher Tageszeit fühlst du, dass dein Körper leistungsbereit für das Training ist?
- Wie kompatibel ist dein Rhythmus mit dem deines Pferdes?
Wichtig, in diesem Zusammenhang – beobachte dein Pferd: Wann sind seine Schlafenszeiten (manchmal auch vormittags nach dem Füttern)? Wann sind die Koppelzeiten des Stalls (macht es mehr Sinn, das Training vor der Koppelzeit einzuplanen oder die Koppel nach dem Training als Belohnung und Freiraum für dein Pferd zu geben). Wann sind die Fütterungszeiten, wann die Zeit für Paddock, wann sind Ruhezeiten für alle Pferde im Stall und wie kannst du hieraus deinen Trainingsplan erstellen? Wann und wie oft erfolgt konstanter regelmäßiger und langfristiger Unterricht mit deinem Trainer? Wie viel Vorbereitungszeit brauche ich, um am Unterrichtstag mit meinem Trainer gut vorbereitet zu sein? Welches Wochenziel, welches Monatsziel wollt ihr zusammen mit deinem Pferd erreichen? Welche Tagesschwerpunkte, welchen Fokus setze ich ich mir, z.B Montag: Tagesschwerpunkt Trabarbeit, Durchlässigkeit, konstante Anlehnung, Dienstag: Fokus = Galopp-Trab- Übergänge, guter Durchsprung im Galopp,….)
Die Trainingsausgestaltung
Den optimalen Trainingsrhythmus zu finden, ist neben den gegebenen Grenzen (Schule, Beruf, Privatleben) vor allem also Handwerk und Planungsarbeit. Es gibt aber auch wichtige inhaltliche Aspekte der Trainingsausführung.
Das Training sollte stets mit Präzision, Wille, Geduld, Ruhe und Einfühlungsvermögen zum Pferd in der täglichen Arbeit erfolgen. Ebenso gehören Flexibilität und Anpassungsvermögen des Reiters an die Tagesform des Pferdes (körperliche und psychische Verfassung des Pferdes) mit dazu.
Tipp: Baue bewusste Pausen zwischendurch im Training, zum Beispiel Schrittpausen mit einer Dauer von 5 bis 10 Minuten für dich und dein Pferd. Vor allem als Belohnung nach einer erfolgreich absolvierten Lektion deines Pferdes. Dies erhält Lernfreude und Motivation deines Pferdes.
Fokus Dressurreiten
„Die gymnastische Arbeit mit einem Pferd erfordert Erfahrung. Auch wenn der grundsätzliche Ausbildungsweg eines Dressurpferdes festliegt, so muss doch jedes Pferd individuell trainiert werden. Es gibt keinen problemlosen Idealweg der Dressurausbildung. Wer jedoch als Reiter selbst erlebt, wie fein das richtig ausgebildete Dressurpferd reagiert und mit welcher Mühelosigkeit es die schwersten Lektionen beherrscht, wird diesem Sport treu bleiben. So erklärt sich der lange Weg klassischer Reitkunst von den Meistern früherer Jahrhunderte bis zum Turniersport unserer Tage.“ (Boldt,H.,2011)
Der Trainingsaufbau in Abhängigkeit vom Grad der Wichtigkeit
Christian Pläge (1995) hat mit folgenden Punkten wichtige Hinweise gesetzt, die Einfluss auf den Trainingsaufbau haben sollten. Eine bestimmende Größe ist dabei der Grad der Wichtigkeit:
- A) Herstellung der Grundvoraussetzungen: Losgelassenheit, Gehorsam, Aufnahme- und Lernfähigkeit des Pferdes
- B) Übungen von Lektionen, Training der Kondition in den einzelnen Lektionen, Kraft/Ausdauertraining
- C) individuelle Ausführung auch unter veränderten äußeren Bedingungen
Entscheidend an diesen Punkten ist, dass A) immer wirken muss, B) sich der Tagesform von Reiter und Pferd anpasst und C) sich stets Punkt B) anpasst.
Des weiteren sollte aus meiner Sicht beachtet werden:
– Prioritäten für den jeweiligen Trainingstag setzen
– vom Leichten zum Schweren vorzugehen
– nach einer 20-minütigen Lösungsphase für das Pferd sich von einer leichten zu einer stärkeren Biegung des Pferdes mit Gefühl voran zu tasten, als Reiter in den Pferdekörper „hineinspüren“ lernen
– von leichter zu starker Beugung der Gelenke des Pferdes vorzugehen
– von leichter zu starker Belastung des Trainings zu steigern
– je nach Bedarf mal Schubkraft mal Tragkraft des Pferdes zu fordern
– eine ausgeglichene Erholungs- und Belastungsbalance für Pferd und Reiter im Training zu gewährleisten, die Freude am Training und gemeinsamen Lernen erhalten und bewahren
Fazit
Eine schonende, fundierte und einfühlsame Trainingsarbeit ist der Schlüssel für ein gelingendes Miteinander zwischen Mensch und Tier, Reiter und Pferd. Gern unterstütze ich (zum Profil), wenn du an der Ausgestaltung deines Trainings weiter arbeiten willst oder du Fragen zum Thema hast. Ich freue mich auch über Ideen und Gedanken zur Rolle der Sportpsychologie im Reitsport.

Du willst mehr wissen?
Die Sportpsychologen ist die größte Plattform für die Sportpsychologie im deutschsprachigen Raum. Lies in unseren über 1.500 Beiträgen oder nimm direkt Kontakt zu uns auf. Wir coachen, beraten, trainieren, bilden fort und helfen – denn über Erfolg im Sport wird nicht zuletzt im Kopf entschieden.
Views: 19
