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Prof. Dr. Oliver Stoll und Frauke Stoll: Sportpsychologie in Leipzig, ab jetzt zum Anfassen

„Wir eröffnen eine sportpsychologisches Beratungszentrum!“ Das war der abschließende Satz von Frauke, nachdem wir vor einigen Monaten gut eine Stunde darüber diskutiert hatten, was wir noch in unserem Leben beruflich anstreben wollen. Am Samstag, den 11. Januar 2020, wird in der Leipziger Jahnallee 10 aus Fraukes Ansage Realität. Ein Weg, auf den wir hier ein wenig zurückblicken. Vor allem wollen wir aber voraus schauen: Nämlich darauf, was unsere Eröffnung für Sportler, Trainer oder Funktionäre oder auch andere Sportpsychologen im Feld bringen kann.

Zum Thema: Von einer fixen Idee zu einem sportpsychologischen Beratungszentrum in Leipzig

Ein solches privatwirtschaftliches Vorhaben in Deutschland umzusetzen, haben unseres Wissens noch nicht viele Kolleginnen und Kollegen versucht. Wir alle sind uns darüber im Klaren, dass man damit hauptberuflich – als einzige Möglichkeit des Broterwerbs – nicht wirklich reich werden kann. Das was dazu publiziert wird, spricht eigentlich eher dagegen. Sogar in den USA, dem eigentlichen „Mutterland“ von privatwirtschaftlichen Coaching und Beratungsunternehmen wird es durchaus kritisch gesehen, von der sportpsychologischen Beratung allein leben zu wollen. Aber erstens, ist das ja bei Frauke und mir nicht der Fall, denn hauptberuflich verdienen wir unsere Brötchen eher im nicht-selbständigen Bereich und zweitens steckt hinter unserer Idee ein Geschäftsmodell mit vier Säulen. 

Die erste Säule beruht natürlich auf der Grundidee von individueller oder gruppenspezifischer Beratung und Coaching. Darüber hinaus sehen wir „auf der zweiten Säule“ die Speaker- und Vortragstätigkeit von uns beiden – bis hin zu Aus- und Fortbildungsveranstaltungen. Die dritte Säule stellt unsere Autoren- und Verlagstätigkeit dar und abschließend sehen wir in der vierten Säule vor allen Dingen Fraukes Expertise in der sporttherapeutischen Arbeit sowie im Rahmen gesundheitlich präventiver Veranstaltungen. 

Die Außenansicht der Jahnallee 10 in Leipzigs Waldstraßenviertel. Das Beratungszentrum ist nur einen Steinwurf von den Spiel- und Trainingsstätten von RB Leipzig, dem SC DHfK Leipzig, der Universität, dem Sportgymnasium, der Sportoberschule, dem IAT und dem Hauptbahnhof entfernt.

Wichtige Anforderungen

Angekommen auf dieser Basis, standen wir vor der Grundfrage: Was braucht man dazu, ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen? Mal ganz abgesehen von der Grundidee, einer guten beruflichen Qualifikation, das Wissen und Können in diesen Bereichen sowie einer gehörige Portion Mut und Leidenschaft, gepaart mit etwas Geduld. 

  1. Finanzielle Mittel. Natürlich geht so etwas nicht ohne Investitionen. Die Anmietung von Räumlichkeiten und Infrastruktur, Computer- und Präsentations-Technik, Möbel, etc. wollen erst einmal vorfinanziert werden. Je nachdem, in welcher Stadt und in welcher Lage man so etwas umsetzen möchte, ist das mehr oder weniger preisintensiv. Alles rund um Buchhaltung und Buchführung haben wir „nach extern“ vergeben (Steuerberater). Etwas Liquiditätsreserve sei auch noch in der Hinterhand (zwei bis drei Monatsmieten, für den Fall, dass es mal nicht so gut läuft). Mit etwa 15.000 Euro ist man zunächst ganz gut aufgestellt.
  2. Die Lage und die Bezeichnung der Räumlichkeiten. Dieses Thema hat uns lange und intensiv beschäftigt, denn damit steht und fällt eine solche Unternehmung. In unserem Fall gab es hier einige Herausforderungen zu überwinden. Leipzig ist eine der wenigen „Boom-Städte“ im Osten Deutschlands. Gewerberäume zu bekommen, ist hier keine Unmöglichkeit, aber eine wirklich große Herausforderung, wenn es um die richtige Lage geht. Wir wollten auf alle Fälle in ein Gebiet, in dem „viel Sport“ passiert. Da bot sich das Waldstraßenviertel an. Da gibt es die Red Bull Arena, das NLZ von RB Leipzig, die Geschäftsräume sowie Spiel- und Trainingsorte des Handball-Erstligisten SC DHfK Leipzig. Die Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig. Und natürlich die sportbezogenen Bildungseinrichtungen: Das Sportgymnasium und die Sportoberschule. Kurzum: Bis wir also unsere Räume in der Jahnallee 10, die fußläufig zu allen genannten Einrichtungen liegen, gefunden und gemietet hatten, gingen gut zwei Monate ins Land. 
  3. Wie nennen wir also unser „Unternehmen“? Für uns war klar, dass „Sportpsychologie“ ein zentrales Thema sein soll. Eine „Praxis“? Nein, das klang für uns zu therapeutisch. Wir sind beide keine Psychotherapeuten – wir arbeiten nicht mit Patienten – und wollten also auch begrifflich gar nicht „in diese Ecke“. Da bot sich also „Coaching- und Beratung“ durchaus eher an. Und genau diesen Ansatz wollten wir auch in die Gestaltung des Raumes einbringen. Ein großer Raum, der durchaus auch bei Bedarf abgeteilt werden kann. Durch das Schaufenster, das teilweise verblendet ist, strömt helles, angenehmes Licht. Wir verstecken uns nicht im Dunkeln oder hinter einer Fassade, sondern man darf, wenn man unbedingt möchte, sehen, was da drinnen passiert. Kein Hokuspokus, keine geheimen Geschichten oder Zaubereien. Das Mobiliar, einerseits funktional und arbeitsbezogen (es gibt einen großen Gruppenarbeits-Tisch und Sitzgelegenheiten), andererseits aber auch angenehm und entspannend (es gibt eine Kaffee-Ecke, und Sessel um kleine Tische sowie Kissen zum angenehmen Sitzen auf der Fensterbank). Unsere Klienten sollen sich wohl fühlen. Außerdem haben wir eine kleine Küche und ein Bad. Wenn es nötig ist, kann man sich natürlich auch im großen Raum, in eher private, nicht einsehbare Ecken, zurückziehen. 
  4. Wie kommt man nun konkret ins Geschäft? Hier braucht es natürlich ein gutes, zuverlässiges Netzwerk von Kolleginnen und Kollegen sowie Kontakte zu Multiplikatoren in der Sportszene (Trainer, Betreuer, Athletinnen und Athleten, mit denen man schon zusammengearbeitet hat). Zum einen bietet dies unser Netzwerk Die Sportpsychologen, zum anderen hat sich das in meiner jahrelangen praktischen Tätigkeit entwickelt. Eine aufwendige Homepage? Nein, wir verzichten darauf! Ein einfacher Eintrag bei Google Business mit der Beschreibung, was wir konkret machen, reicht aus. Keine „aggressive“ Werbung oder große Marketing-Aktionen. Ein klein wenig Informationsverbreitung über Facebook und LinkedIn reicht uns da aus. Wir bauen hier mehr auf persönliche Empfehlung und auf die einmal im Monat stattfindenden themenspezifischen Abendveranstaltungen in unseren Geschäftsräumen, auf denen wir uns – immer auch mit Gästen – vorstellen. So findet z.B. am 30. Januar 2020 eine Abendveranstaltung zum Thema: „Wie bereite ich mich mental auf einen Marathonlauf vor?“ statt. Zu Gast ist an diesem Abend Falk Cierpinski, der ehemalige, „schnellste Deutsche“ auf dieser Strecke, der aus der Zusammenarbeit mit mir berichtet.    
  5. Der Schlüssel – aus unserer Sicht – ist hier: Sich breit aufzustellen. Leistungssport – ja natürlich. Aber eben nicht nur Sport. Warum nicht auch Führungskräfte von Unternehmen schulen? Sportmannschaften sind eigentlich auch nichts anderes als ein System, das funktionieren soll (zugegeben: in einem besonderen Setting). Das gilt auch für Gruppen im Arbeitsleben. Aber wir können hier auch Transfers in den Gesundheitssport bzw. in die Prävention leisten. Aus- und Fortbildung für Interessierte, auch für Studierende, obwohl hierfür eigentlich die Universitäten und Hochschulen verantwortlich sind. Bei uns kommt noch das Autoren- und Verlagswesen hinzu: Alles aus einer Hand. Das könnte funktionieren. Das sollte funktionieren. Das wird funktionieren!

Ein anderer Blickwinkel

Prof. Dr. Oliver Stoll

Dass alles wäre nichts und vor allem wäre es auch gar nicht da, gebe es in meinem Leben Frauke nicht. Ohne sie stünden wir jetzt nicht wenige Tage vor der Eröffnung. Entsprechend habe ich Frauke gebeten, Ihre Sicht auf die Dinge zu ergänzen. Und wie immer bin ich verzückt, wie ihre Sichtweise mein Blickfeld erweitert: 

Was war eigentlich die Intention? Was hat uns eigentlich dazu bewogen, uns „selbstständig“ zu machen? Dazu müsst Ihr wissen, das Oliver und ich durchaus unterschiedliche Stärken und selbstverständlich auch Schwächen haben. Ist Oliver in seiner angewandten Arbeit vorwiegend wissenschaftlich und theoretisch aufgestellt – so bin ich doch eher die absolute Praktikerin. Oli wendet die wissenschaftlichen Erkenntnisse gerne an, nutzt die Praxis, um wissenschaftliche Studien zu erarbeiten. Bei mir sieht das anders aus: Ich musste in meinem Arbeitsfeld als Sportlehrerin und Sporttherapeutin schon immer flexibel sein. Systembedingt schnelle und unvorhergesehene Abläufe managen, mit Klientel umgehen, immer neue Anforderungen erfüllen… Ebenso habe ich seit meinem 23. Lebensjahr ständig zwei bis drei Jobs gleichzeitig absolviert. Trotz meines hohen Qualitätsanspruchs bekam ich jedoch auf Dauer nie die Wertschätzung, die ich für gerechtfertigt hielt. Öffentlicher Dienst kennt so etwas leider nicht. Gearbeitet habe ich jedoch immer gern. Wie der theoretische Namen meiner Anwendung hieß, das hat mich weniger interessiert. 

Perfekte Ergänzung?

Oliver und ich, wir ergänzen uns ziemlich perfekt. Ich habe ihn schon immer für seine „deutsche“ Pünktlichkeit, die Arbeitsamkeit, seine Routinen, den Fleiß, sein Lächeln und den stets in sich ruhenden Charakter bewundert. Ich habe ihn natürlich beobachtet und von ihm gelernt. Jeder profitiert voneinander. Dies gilt umso mehr für unserer Vorhaben, unsere Herausforderung. 

Frauke Stoll

Wir hatten schon immer mal bei einem guten Wein geträumt und uns vorgestellt, wie es wohl wäre… was wir noch so tun könnten. Über die Jahre nahm es mehr Gestalt an. Wir wollten der angewandten Sportpsychologie ein Gesicht geben. Nach außen sichtbar werden, anfassbar, eben völlig „normal“. Keine SOS Klinik, sondern ein Ort mit dauerhafter guter Beratung. Irgendwann sagte Oli nebenbei zu mir „Du redest ja nur!“  “Halllllllooooooo!!!!”, – ich war fassungslos. Den nächsten Tag habe ich recherchiert und angerufen, Termine ausgemacht. So etwas lass ich mir ja nicht zweimal sagen. Während ich voller Ungeduld und Eile Räumlichkeiten suchte, da kümmerte sich Oli um die Finanzen. Es war ein geiles Gefühl, Möbel einzukaufen. 12.000 Euro hatte ich zur Verfügung – aber ich war schon immer stolz, wenn ich preiswert und individuell einkaufte. Also habe ich nur ein Drittel gebraucht. Cool! 

Anspruch und Wirklichkeit

Ich habe jahrelang mit Sportlern, Kindern, Erwachsenen im Sportbereich gearbeitet und mir ist aufgefallen, dass sie sich total innerlich öffnen, wenn sie sich wohl fühlen. Es geht also immer auch um einen Ort, an dem gut betreut, begleitet, zugehört werden kann und der mit einem tollen Ambiente zum Wohlfühlen besticht. Das konnte die Natur oder auch der Sportplatz oder die Feedbackrunde beim Kaffee sein. Also habe ich die Einrichtung so gestalten wollen. Fachlichkeit verbunden mit Gemütlichkeit. 

Mein Standort der Schule ist keine zwei Kilometer entfernt. Nah und gleichzeitig so fern. Denn meine Einstellung zu diesem Job hat sich geändert. Er ist jetzt Mittel zum Zweck geworden. Ich verdiene hiermit eben Geld für unser Vorhaben. Diese Einstellungsänderung hat zur Folge, dass ich innerlich stärker werde. Ich ärgere mich einfach nicht mehr über Defizite des öffentlichen Dienstes. „Systemerfüller“ war ich noch nie und wenn es keine Logik oder Aussicht auf Fortschritt hat, dann schon gleich gar nicht. 

Bei der Arbeit.

Zusätzliche Arbeit

Was heißt eigentlich Arbeit? Oft ist er verbunden in Gedanken mit viel Zeit, Abrechenbarkeit und Forderungen seitens der Arbeitgeber. Oliver und ich „arbeiten“ aber schon immer gern und auch viel. Es ist für uns nicht das klassische Arbeiten. Wir wollen verändern, überzeugen, anpacken für den Fortschritt. Wir wollen dabei sein, nichts verpassen, nicht alt werden. So ungefähr wie mit der Technik. Es macht uns einfach Spaß. 

Nun stehen die Räume und es ist wahnsinnig gemütlich. Besonders wenn es draußen schon dunkel ist. Das Nachtleben im Schaufenster und wir können schöpferisch aktiv sein, planen und organisieren. Das fühlt sich wahnsinnig gut an. Zusätzliche Arbeit fühlt sich geil an. 

Meine Zukunftsvision

Zurück zur Intention: Es wäre doch schon großartig, wenn es völlige Normalität in der Bevölkerung wird, sich Unterstützung für seine sportlichen Ziele suchen zu können. Googeln…, Termin vereinbaren…, Klasse Beratung und sportlicher Erfolg. Oder „mir geht’s nicht gut…, Ziel nicht erreicht“, Vorbeikommen… reden, beraten, analysieren… Genau wie die ambulanten Zentren der Orthopädie, Kardiologie oder Neurologie. Alles völlig normal. Wenn im Leistungssport, Breitensport oder im Schulwesen das Bewusstsein gewachsen ist, dass der „Kopf“ unser „Bauchgefühl“ und im Ergebnis uns steuert und wir vor allem Fachleute dafür haben, zu denen wir jederzeit kommen können, dann haben wirklich etwas verändert. Ich will das gerne erleben können und meine Erfahrungen gerne weitergeben. Damit will ich tatsächlich nicht reich werden. Mein Reichtum ist mein Mann Oliver sowie meine Kinder, die viele schöne Zeit, welche wir miteinander verbringen können und die Erfahrungen, welche ich mit diesem ganzen Projekt sammeln kann. 

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Aus einem Jahr wurden zwei …

Am 1. Januar 2018 wollte ich es einfach wissen: Wie lange kann man täglich – mindestens eine Meile – laufen? Und natürlich hatte ich damals eine Zeitspanne im Kopf. Meine Recherchen zu den Menschen, die das eben auch machen ergab, dass es einige gibt, die das schon sehr, sehr lange machen. Welches Ziel ich für mich daraus ableiten sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Noch nicht.

Zum Thema: Mythen rund um das Streakrunning 

Der längste bekannte Streak wurde von Ron Hill aus Accrington, England gelaufen, der vom 21. Dezember 1964 bis zum 29. Januar 2017, insgesamt 52 Jahre und 39 Tage, lief. Bis zum 6. März 1991 trainierte Hill an Wochentagen zweimal täglich, seitdem lief er eine Einheit pro Tag (Quelle: Wikipedia.de). Aber natürlich existieren auch Menschen, die einfach mal damit beginnen und irgendwann früher oder später wieder damit aufhören. In Leipzig kannte ich damals einen Läufer, der das seit ca. sechs Jahren durchzieht. Im Internet, in verschiedenen Social-Media-Foren tummeln sich Läuferinnen und Läufer, die eine Streak-Erfahrung zwischen sechs Monaten und acht Jahren aufweisen. Die meisten jedoch schaffen es nicht, ein Jahr durchzuziehen, also war genau das – dieses eine Jahr – zunächst mein Ziel. 

Warum wollte ich das machen? Ich weiß es gar nicht mehr genau. Ich wollte einfach nur wissen, ob ich das hinkriege. Es war für mich einerseits eine Herausforderung, andererseits konnte ich mir und anderen meine „Leidenschaft“ schön reden – man könnte also auch sagen: Eine Entschuldigung für ein mutmaßlich „exzessives Verhalten“ finden. Zu diesem Punkt komme ich später noch einmal zurück. Wer meine Blog-Serie hier im Jahr 2018 verfolgt hat, weiß wie das ganze ausgegangen ist, wie emotional der eine oder andere Monat und Moment für mich war und was sich in diesem Jahr für mich verändert hat.  

Zu wenig, zu viel?

Am Ende des Jahres 2018 hatte ich so viel darüber nachgedacht und dazu geschrieben, dass ich beschlossen hatte, damit aufzuhören. Nein! Nicht mit dem täglich laufen, aber mit dem „darüber schreiben“. Nun dachte ich mir aber heute – zwei Jahre Streakrunning ist vielleicht doch mal ein Grund, um ein paar Gedanken dazu los zu werden, zumal ich mittlerweile, da mein engerer Bekanntenkreis davon weiß, auch immer wieder darauf angesprochen werde. 

Am 31. Dezember 2019 war es also dann soweit! Noch eine kleine 6-Kilometer-Runde zum Abschluss des Jahres und zwei Jahre täglich laufen waren „erledigt“. Und bevor ich weiterschreibe, möchte ich das mal kurz in Relation setzen. Insgesamt waren das im Jahr 2019 ziemlich genau 2650 Kilometer. Und wer denkt, dass sei viel, der irrt sich. Im Tagesschnitt liege ich da bei ca. 7,3 Kilometer. Also wenn man es so will, bin ich durchschnittlich 7,3 Kilometer am Tag gelaufen. Die ambitionierten Wettkampfläufer unter Euch wissen, dass das überhaupt nicht viel ist. In Manfred Steffny`s Buch „Marathontraining“ wird ein Wochenkilometerschnitt von mindestens 60 Kilometern für einen 4-Stunden-Läufer empfohlen. Da liegen wir schon bei deutlich über neun Kilometer am Tag. Wer noch ambitionierter läuft, kommt im Marathontraining schnell mal auf 90-110 Wochenkilometer. Natürlich wird so eine Wettkampfsaison periodisiert und somit laufen diese Athletinnen und Athleten, diese Umfänge nicht das ganze Jahr – dafür aber ggf. auch mal sehr viel intensiver als ein Täglich-Läufer. 

Prof. Dr. Oliver Stoll

Sportarten: Eishockey, Handball, Ultralang- und Langstreckenlauf, Triathlon, Biathlon, Wasserspringen, Boxen, Leichtathletik, Schwimmen, Floorball

Kontakt:

Facebook-Profil

+49 (0)173 – 4649267

zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/oliver-stoll/

Mythen über das Täglichlaufen

Mythos-Nummer 1: Streak-Runner laufen exzessiv viele Kilometer! – Falsch. Bleiben wir noch kurz bei objektiven Zahlen. Ich laufe im Durchschnitt einen Kilometerschnitt zwischen 5:30 und 6:30 Minuten pro Kilometer. Selten starte ich mal mit Startnummer und dann gehe ich auch “All-In“. Ich lande dann bei einem Kilometerschnitt von bestenfalls 4:40 pro Minute (je nachdem, wie lange die Strecke ist – in der Regel nicht länger als zehn Kilometer). Ist das schnell? Die ambitionierten Läuferinnen und Läufer  unter Euch können auch das bestens einschätzen. Für die meisten ist das ein lockeres Jogging-Tempo, mit dem sich bei einem Wettkampf-Lauf kein Blumentopf gewinnen lässt. 

Mythos-Nummer 2: Streak-Runner laufen, um schneller zu werden – Falsch! So viel also dazu. Kommen wir also nun zu meinem zweiten Jahr. Hat sich im Vergleich zu Jahr eins etwas verändert? Ja, es hat sich tatsächlich etwas grundlegend verändert und wahrscheinlich brauchte ich dieses erste Jahr erst einmal, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin. Es klingt jetzt vielleicht etwas komisch für Euch, weil man sich das ganz anders vorstellt, aber bei mir ist das mittlerweile so. Ich plane nicht bewusst, laufen zu gehen. Ich laufe aus einem inneren Impuls heraus, immer dann, wenn ich Lust und Laune dazu habe – und in der Regel passiert das einmal am Tag. Das setzt natürlich voraus, dass ich an den Orten, an denen ich mich normalerweise aufhalte „etwas“ Sportkleidung greifbar ist (also zuhause, im Büro, in unseren Geschäftsräumen oder auch im Kofferraum. Eine bewusste Planung ist immer nur dann nötig, wenn es ich antizipieren kann, dass es ansonsten nichts wird mit dem Laufen innerhalb von 24 Stunden. Und das ist im vergangenen Jahr insgesamt nur zweimal passiert. Das eine Mal, weil ich nach Japan fliegen musste, und das andere Mal, bei einer weiteren längeren Reise nach Saudi-Arabien. Das für Euch vielleicht „kranke Bild“ eines Passagiers, der in Jeans und T-Shirt die Gangways im Flughafen rauf und runter läuft ist so gesehen, gar nicht so krank, wenn man mal Menschen dort beobachtet, dann ist es tatsächlich so, dass dort vergleichsweise viele laufen. Manche vielleicht, weil sie so sind wie ich, manche aber eben auch, weil sie eben ansonsten ihren Flug verpassen. Ich wurde tatsächlich am Flughafen in Istanbul einmal von der Polizei angehalten, weil ich keinen Rucksack auf dem Rücken hatte – die dachten, ich laufe von einer liegengelassenen Bombe weg. Aber mein Reisepass, meine Boardingkarte und mein Wissen, wo mein Rucksack liegt (nämlich bei einem Kollegen), hat die aufmerksamen Gesetzeshüter dann beruhigt. Allerdings nicht jedoch, um noch einen Kommentar vorher abzugeben: “Why is somebody doing this – you have to take care about yourself?“ Ich habe das nicht weiter kommentiert, aber mir wurde wieder mal eins klar: Die Öffentlichkeit bewertet uns, an unserem „Verhalten“, das in ihren Augen nicht-normal ist. 

Lasst uns aber schnell noch Mythos 3 in das Reich der Märchen zu verbannen: Streak-Runner sind alle unglaublich diszipliniert, sortiert, zielbewusst und planungsfleißig – Falsch! Viele von uns laufen aus einem inneren Impuls heraus, egal wann, wo und wie. Sie tun es einfach dann, wann es eben sein soll. 

Zum Abschluss nun zu Mythos 4: „Streak-Runner sind alle lauf-süchtig“. Dann frage ich mal die, die mich besser kennen: Mache ich den Eindruck, dass ich unter der Lauferei leide? Habe ich mein Leben nicht mehr im Griff? Ziehe ich mich sozial komplett zurück? Erhöhe ich meine Dosis? Drehen sich meine Gedanken nur noch – und ausschließlich um Laufen? Auf Eure Einschätzung bin ich gespannt. Fragt gern meine Frau, den sie ist am nächsten an mir dran. Abgesehen von der vielen Wäsche, die es zu waschen gilt, kennt Sie mich eigentlich als jemanden der ausgesprochen gelassen und entspannt ist und sein Leben (auch mir ihr zusammen) komplett im Griff hat. Sie kennt mich als jemanden, der auch andere Projekte (als das Laufen) im Leben vorantreiben kann. Und sie „erträgt“ meine Leidenschaft eben auch mit einer stoischen Ruhe und einem Lächeln im Gesicht. Streak-Runner sind nicht süchtig. Sie sind völlig normal, weil sie das tun, was sie lieben! Vielleicht sind wir normaler als andere Normale ?. Und nebenbei – sozusagen als Kollateralschaden – hat ein 56-jähriger einen Po und Beine, wie ein 18-Jähriger (Zitat Frauke am 30.12.2019).    

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Johanna Constantini: „Ciao, Komfortzone!“ Eine Selbsterfahrung als mein Highlight 2019

Gar nicht so einfach, die Entscheidung zu treffen, welches meiner sportpsychologischen Projekte wohl das spannendste in diesem zu Ende gehenden Jahr gewesen sein soll? Auf Nachfrage unseres Redaktionsleiters Mathias Liebing habe ich mich dennoch bemüht, diese Frage für mich zu beantworten. War es die ASP Tagung in Halle, bei der ich als Referentin auftreten durfte? Die Zusammenarbeit mit dem ÖSV Snowboard–Team, dem Österreichischen Pferdesportverband oder doch dem ASVÖ Salzburg? Waren es die vielen Einzelcoachings, die meines Empfindens nach keinem Vergleich standhalten, einfach weil die psychologische Arbeit stets eine einzigartige und vertrauensvolle ist. 

Zum Thema: Mein Jahreshighlight 2019

Um einige Erkenntnisse zu meiner Person reicher bin ich heute froh, dank Markus Rogan meine Komfortzone verlassen zu haben (c) Psychologie Constantini 

Da ich mich trotz intensiver Überlegungen eben schlichtweg nicht festlegen konnte und mich nach wie vor frage, ob es denn dieses EINE beste Projekt für mich überhaupt geben kann, musste ich mich an ein umso prägenderes Ereignis des Jahres 2019 erinnern: Im Zuge des Tages der Sportpsychologie 2019, welchen ich seit vielen Jahren regelmäßig besuche, hatte ich mich als Freiwillige gemeldet. Und zwar während des Vortrags von niemand geringerem als EX–Schwimmstar Markus Rogan. Dadurch, dass ich selbst ebenso im Klinischen Bereich der Psychologie tätig bin, waren die Inhalte seines Vortags nicht nur sehr spannend, sondern eben auch meine Meldung als freiwillige „Testperson“ für mich unumgänglich. Zwei Minuten sollte ich bei dieser Übung also Zeit haben, um mich vor rund 100 KollegInnen aus der Sportpsychologie und Psychologie vorstellen zu dürfen. Um nach diesen zwei Vorstellungsminuten von jedem Einzelnen schriftlich bewertet zu werden.

100 Bewertungen folgten auf die zwei Minuten, die mir gezeigt hatten, wie ich auf Menschen wirke, die mich nicht persönlich kennen, ob ich denn Kompetenz ausstrahlte und ob ich einen sympathischen ersten Eindruck hinterließ. Eine große Herausforderung, von der ich heute sehr froh bin, dass ich mich ihr gestellt habe. Genauso froh bin ich über das viele schriftliche Feedback, das ich dadurch in kürzester Zeit erhalten habe.

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Johanna Constantini

Sportarten: Pferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

Kontakt: j.constantini@die-sportpsychologen.at

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zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Seitenwechsel

Welchen Sinn diese Übung hatte? Wie auch Rogan erläuterte, geht es bei allen Projekten, Gruppen– oder Einzelcoachings die wir mit Athleten und Klienten abhalten stets darum, dass sich unsere Kunden neuen Situation stellen. Ihre Ängste überwinden und neue Erfahrungen zulassen. Daher tun auch wir, die wir uns in den meisten dieser beruflichen Zusammentreffen auf der „sicheren Seite der Experten“ befinden sehr gut daran, unsere eigene Komfortzone ab und zu zu verlassen. Aus diesem Grund bildet jene Selbsterfahrung mein sportpsychologisches Highlight des Jahres 2019.

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Markus Gretz: Aus 2019 für 2020 lernen

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester nutzen viele, um sich Gedanken über das vergangene Jahr zu machen und sich Vorsätze für das neue Jahr zu setzen. Dies gilt auch für Sportler. Oft passiert dies aber unstrukturiert und mit den immer gleichen Fragen.

Zum Thema: Fazit ziehen und Fokus setzen

Unser Profilinhaber Markus Gretz hat sich ein paar Fragestellungen überlegt, mit denen ihr interessante Details aus euch herauskitzeln könnt. Entdeckt, wohin ihre eure Kraft lenken solltet, welche neue Ideen es zu verfolgen lohnt und was ihr vom alten Jahr hinter euch lassen könnt.

Ladet das vierseitige Dokument über den folgenden Link herunter und bearbeitet den Fragebogen gern analog:

Gern stehen euch unsere Experten aus dem Netzwerk (zur Übersicht) und Markus Gretz (zur Profilseite) zur Verfügung. Denn auf Basis eurer Notizen ließe sich wunderbar sportpsychologisch arbeiten.

Markus Gretz

Einer unserer Basketballexperten im Netzwerk ist ein echter Teamplayer. Holt ihn euch für Vorträge zu Themen wie Konfliktmanagement in Sportmannschaften, Wettkampfangst oder zum Pausenverhalten von Trainern ins Boot.

Kontakt:

+49 (0)176 214 6310 6

Instagram, Facebook, Google+, LinkedIn, Xing, Twitter

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Faszinierende Lebensläufe…

In meiner 20-jährigen Tätigkeit als ETH-Dozent für Sportpsychologie komme ich täglich mit jungen, sportbegeisterten Menschen in Kontakt. Die allermeisten bleiben dem Sport auch nach Studienabschluss verbunden und starten in ihre berufliche Karrieren, die in unterschiedlichste Richtungen verlaufen. Besonders interessant sind für mich jene Begegnungen, wenn ich nach vielen Jahren wieder auf „Ehemalige“ treffe und sie mir berichten, wo sie heute stehen und was ihnen aus der Studienzeit geblieben ist. Ein solches Wiedersehen stand am Anfang zu meinem Jahres-Highlight 2019.

Zum Thema: Knowhow für den richtigen Moment

Corina war Spitzen-Triathletin, als sie Mitte der 1990er Jahre das damalige SportlehrerInnen-Diplomstudium an der ETH Zürich begann und vier Jahre später erfolgreich abschloss. Speziell in Erinnerung geblieben ist sie mir als motivierte und fachkundige Teilnehmerin meines Ergänzungsfachs „Swiss Alpine Marathon 2000“. Ziel dieses angewandten Seminars war es, eine Gruppe SportstudentInnen über die Dauer von knapp einem Jahr auf eine erfolgreiche Teilnahme am 78km langen alpinen Ultramarathon im Engadin vorzubereiten. Mit ihrem Trainingsknowhow aus dem Spitzensport leistete Corina damals ihren Beitrag zum Gelingen unseres Laufabenteuers bei. Kurz darauf verliess sie die ETH und startete – wie ich Jahre später erfuhr – eine äusserst erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft.  

100km of Namib Desert – Corina sammelt wichtige Erfahrungen für ihr grosses Ziel, den Marathon des Sables. (Quelle: privat)

Ende Oktober 2019 fand ich in meiner die-sportpsychologen-Mailbox eine Mitteilung von Corina: Hoi Hanspeter, wir haben uns aus den Augen verloren, aber du kannst dich sicher an mich erinnern (…) ich war die Studentin mit Potential, die aber nie aufs Maul sitzen konnte (…) Ich lauf immer noch viel und mit viel Freude, habe aber seit Jahren keinen Wettkampf mehr gemacht (…) Nun habe ich aber ein interessantes Projekt gefunden: ich werden im April 2020 den Marathon des Sables laufen! Hättest du Interesse daran, mit mir an der mentalen Komponente zu arbeiten?

Leuchtende Augen

Einige Wochen sind in der Zwischenzeit vergangen, wir halten elektronisch Kontakt und trafen uns zweimal zu Besprechungen an der ETH. Beim Erstkontakt frischten wir einige (interessante!) alte Geschichten auf und versuchten uns klar zu werden, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll und zielführend sein könnte. In ihren sehr differenzierten Darstellungen erkannte ich sowohl „die Studentin mit Potential“ von damals, insbesondere aber auch die „zielstrebige und hoch motivierte Geschäftsfrau“ von heute. Ihre Augen weiteten sich und begannen hell zu leuchten, als sie mir von ihrem abenteuerlichen Laufprojekt in der Sahara zu erzählen begann.

Dr. Hanspeter Gubelmann

Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

Kontakt:

+41 (0)79 789 45 13

h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch

Für unsere zweite Sitzung nahmen wir erste konkrete Massnahmen ins Visier, die sie anlässlich ihres viertägigen Wüstenmarathons in Namibia Mitte Dezember anwenden sollte. Dabei ging es u.a. um die Erarbeitung eines „Rennplans“, verschiedene Formen der Aufmerksamkeitsregulation aber auch um motiviationale Aspekte. Ihre Herangehensweise umschrieb sie als „freudig-ambitioniert“. Der Lauf in Namibia diente als Testlauf und sollte wichtige Erkenntnisse hinsichtlich des Zielwettkampfs liefern. Entsprechend empfahl ich ihr auch das Führen eines Lauftagebuchs.

Mein Highlight 2019

Am 14. Dezember erreichte mich folgende Mitteilung: Hoi Hanspeter, wow, das war unglaublich und hat sehr viel Spass gemacht!!! 100 Sandkilometer in 10 Stunden, 4. Gesamtrang, 1. Rang bei den Frauen. ☺ Ich melde mich! Liebe Grüsse, C.
Und ich sage: wow – mein Highlight 2019!

Swiss Alpine Marathon 2000 – ein grosser Schatz an Eigenerfahrung, der für meine Arbeit als Sportpsychologe sehr bedeutsam ist! (Quelle: privat)

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Janosch Daul: Leistung abrufen, wenn es darauf ankommt

Schon während meines Masterstudiums der Angewandten Sportpsychologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konnte ich beim Drittliga-Verein Hallescher FC in die praktische Arbeit eintauchen. Seit einem halben Jahr habe ich dort nun eine umfangreiche Teilzeitstelle im Nachwuchszentrum des Vereins. Mein Jahreshighlight 2019 war der Aufstieg mit der U17 des Halleschen FC in die höchstmögliche Spielklasse, in die Junioren-Bundesliga. Ein Erfolg, um den der HFC seit Jahren gekämpft hat. Als sportpsychologischer Berater der Truppe war ich ein fester Teil des Trainerteams und begleitete die Mannschaft die gesamte Spielzeit über in meiner Funktion. An eine Partie erinnere ich mich noch heute ganz besonders gern.

Zum Thema: Sportpsychologische Betreuung im Nachwuchszentrum

Die Rede ist vom 7:1-Hinspielsieg in der Relegation gegen den ETV Hamburg. Ein Spiel, in dem sehr vieles von dem, was das Trainerteam mit den Spielern im technischen, taktischen, athletischen und mentalen Bereich über die Saison hinweg erarbeitet hatte, abgerufen werden konnte. Als sportpsychologischer Berater sah ich, wie immer vom Spielfeldrand aus beobachtend, wie dieses gewachsene Gefüge funktionierte. Ich hatte das Gefühl, dass diese Mannschaft in diesem Moment jeden hätte schlagen können. Im Rückspiel reichte dann auch eine 2:3-Auswärtsniederlage zum Aufstieg in die B-Junioren-Bundesliga. 

Meine Aufgabe sah ich seit meinem ersten Tag in der vergangenen Saison darin, meine Expertise in zahlreichen Bereichen miteinzubringen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Weiterentwicklung der Spieler auf mentaler Ebene. Konkret arbeitete und arbeite ich individuell mit Spielern an ihren mentalen Fertigkeiten, beispielsweise daran, adäquat mit Erfolgs- und Misserfolgssituationen umzugehen, funktional zu kommunizieren, eine passende Körpersprache an den Tag zu legen oder Routinen für Standardsituationen zu entwickeln. Im Rahmen von Mannschaftsworkshops konnte ich weitere wichtige Aspekte für die Leistungserbringung thematisieren, beispielsweise, wie sich Spieler mental auf Spiele einstimmen können und welche Aspekte hinsichtlich eines professionellen Lebensstils zu beachten sind. 

Janosch Daul

Master-Student der Angewandten Sportpsychologie (Uni Halle/Saale)

Sportarten: u.a. Fußball, Handball, Basketball, Volleyball, Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Tischtennis, Badminton

Kontakt

+49 (0)176 456 190 41

j.daul@die-sportpsychologen.de

Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/janosch-daul/

Zusammenhalt ist ein fortwährendes Thema 

Zusammen arbeiteten wir als Trainerteam kontinuierlich am Zusammenhalt innerhalb des Teams in Form von regelmäßigen Teambuildingevents. Insbesondere ein dreitägiges Survival Camp zu Beginn der Vorbereitung half den Spielern, sich gegenseitig kennenzulernen und als Team zusammenzuwachsen. Immer wieder streuten wir solche Elemente ein, denn natürlich reicht es nicht aus, im Spätsommer eine losgelöste Aktion zu starten und zu hoffen, dass ganz konkrete Effekte noch Monate später zu sehen sind. 

Kurzum: Ich bin sehr froh, den Talenten beim Halleschen FC dabei helfen zu können, ihren Traum zu leben und sie auf einem Gebiet weiterzuentwickeln, dem bislang (zu) wenig Beachtung geschenkt wurde: dem mentalen.

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Dr. René Paasch: Bewertungsspiele im Schwimmen

Für viele Schwimmer ist der Bereitstellungsraum vor einem großen Finale eine mentale Hürde. Quälende Minuten – manchmal bis zu einer halben Stunde – vergehen, in denen Sportler in höchster Anspannung zum Nichtstun verurteilt sind. 

Zum Thema: Destruktive Gedanken erkennen und ändern

Das Kernziel der psychologischen Vorbereitung im Hochleistungssport ist, dass sich der Athlet im entscheidenden Augenblick geistig ausschließlich im „Hier und Jetzt“ befindet. Dieser darf nicht darüber nachdenken, wie viel er trainiert hat, ob der Gegenüber viel besser drauf ist oder was von diesem Wettkampf abhängt. Solche „Bewertungsspiele“ sind absolut hinderlich. Dann sitzen die Sportler wenige Minuten vor dem Start des Rennens im Bereitstellungsraum und verfangen sich zum Teil abenteuerlich in einem Kopfkino. Negative Gedanken ziehen Kreise, was ganz unterschiedliche Folgen haben kann. Zum Teil geht es so weit, dass sich die Muskulatur der Athleten erheblich verspannt, was für die sportliche Aufgabe natürlich absolut kontraproduktiv ist. 

Der dreifache Olympia-Goldmedaillengewinner und mehrmalige Schwimm-Weltmeister Michael Groß hingegen hatte seine eigene gedankliche Strategie: „Ich war völlig ruhig bei den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften. Ich konnte ja nichts mehr tun. Ich hatte mich gewissenhaft vorbereitet. Jetzt ging es nur noch darum, das abzurufen, was ich tausendmal geübt hatte. Ich wusste immer, dass das Leben auch weitergeht, wenn ich verliere.“ Gerne empfehle ich in diesem Zusammenhang die sportpsychologischen Grundregeln von Groß:

  • Freudige Erwartung des Wettkampfes
  • Gelassene Konzentration auf die anstehende Aufgabe
  • Sich nicht unter Erfolgszwang stellen 

Das „Trainingsweltmeister-Syndrom“

Manche Sportler müssen hingegen sehr hart arbeiten, um diese Einstellungen zu erreichen. Sie leiden häufig unter dem „Trainingsweltmeister-Syndrom“: Ein Schwimmer bringt im Training Spitzenleistungen, wenn es jedoch darauf ankommt, versagt er. Obwohl seine Trainingsdaten darauf hinweisen, dass er das Zeug zur Weltspitze hat. Im Wettkampf blieb er jedoch deutlich hinter diesen Möglichkeiten zurück. Seine Existenz hing davon ab und das vergegenwärtigte er sich während des Wettkampfes. Gedanken wie „wenn ich nicht Rekord schwimme oder wenigstens gewinne, muss ich wieder arbeiten gehen“ schossen ihm durch den Kopf und lähmten ihn. Was tun? Mit ein paar wirkungsvollen Techniken wie Selbstgesprächsregulation und Achtsamkeitstraining lernte er seine Gedanken zu „steuern“. 

Hier erfahren Sie näheres: 

https://www.die-sportpsychologen.de/2016/09/dr-rene-paasch-der-trend-zur-achtsamkeit/  https://www.die-sportpsychologen.de/2016/11/dr-rene-paasch-beine-machen-mit-selbstgespraechen/ 

The Work

Eine weitere spannende Methode, um sich von belastenden Gedanken zu befreien ist „The Work“. Vielleicht haben Sie schon mal von dieser Methode gehört. Falls nicht, lernen Sie diese einfache und leicht anzuwendende Methode heute kennen. Das Tolle an „The Work“ ist, dass man mit dieser Methode nach ein bisschen Übung seine belastenden Gedanken leichter wieder loslassen kann. Hier geht es zur Umsetzung: 

https://thework.com/wp-content/uploads/2019/03/AnleitungzuTheWork.pdf

Meine Kollegen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. René Paasch) solche Techniken und Methoden anzuwenden. Gern stehen wir in dem Zusammenhang auch Trainern zur Seite, um neue und effektive Wege zu gehen.  

Führungskompetenz „Straff-locker“. 

Bleiben wir bei der wichtigen Person außerhalb des Beckens: Als Trainer sollten Sie klare Zielvorgaben machen, jedoch gleichzeitig ein besonderes Arbeitsklima schaffen, in dem jeder seine Würde als Mensch behält, wenn es schief geht. 

Erfüllt ein Schwimmer seine Vorgabe nicht, bekommt er von den Mannschaftskameraden einen Klaps oder wird in den Arm genommen. Und am Abend spricht der Cheftrainer in aller Ruhe mit dem Athleten, hilft ihm, das negative Erlebnis hinter sich zu lassen und sich auf das nächste Rennen zu konzentrieren. Alle Sportler nehmen Anteil an der Leistung der anderen, Erfolge geben der ganzen Mannschaft Energie, Misserfolge werden aufgefangen. Solche Gegebenheiten müssen vertrauensvoll und langfristig begleitet werden.  

Dr. René Paasch

Sportarten: Fußball, Segeln, Schwimmen, Handball, Hockey, Eishockey, Tennis

Kontakt

+49 (0)177 465 84 19

r.paasch@die-sportpsychologen.de

Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Spezialtrainer statt Feuerwehr

Wie wollen wir Sportpsychologen wahrgenommen werden? Nicht als „Feuerwehr“ sondern als eine Art Spezialtrainer, die eine häufig vernachlässigte Leistungskomponente schulen und so brachliegende Potenziale freisetzen. Wenn ich mir anschaue, was in den vergangenen 20 Jahren in die Ausbildung der Physis, der Sportmediziner, die Biomechaniker, die Verfeinerung der Sportgeräte investiert worden ist, und was andererseits in die Ausbildung des mentalen Bereiches investiert wurde, dann ist klar, wo noch die größten Potenziale liegen. 

Wir Sportpsychologen wollen fest in den Betreuerstab eines Hochleistungssportlers integriert werden, neben Ärzten und Physiotherapeuten. Unsere Tätigkeit ist „dauerhaft begleitend“. Eine Trendwende ist zu erkennen! Inzwischen wird die psychologische Betreuung unter Sportlern und Trainern immer mehr akzeptiert: Bei manchen älteren Trainern und Entscheidungsträgern haben wir noch mit Vorurteilen zu tun, die unser Angebot immer gleich mit persönlichen Problemen, mit der „Roten Couch“ in Verbindung bringen. Jüngere Trainer und die meisten Sportler gehen aber sehr unbefangen und offen mit uns um. Was nicht zuletzt auch damit zu tun hat, dass sich die Sportpsychologie als seriöse wissenschaftliche Disziplin etabliert hat. Unter Athleten und Trainern setzt sich die Einsicht durch, dass der psychologische Faktor bei wachsender Leistungsdichte den Ausschlag zwischen Sieg und Niederlage geben kann und die psychische Gesundheit fördert.  

Fazit

Bewertungen finden ständig statt – bewusst und unbewusst. Der Bezugsrahmen, auf den sich Athleten beziehen, ist individuell geprägt. Direkt vor dem Rennen durchleben viele Sportler sehr störungsanfällige Momente, auf die sie aber vorbereitet werden können. Die Sportpsychologie bietet diesbezüglich individuelle Methoden und Techniken. Denn: Bewusster zu bewerten, kann zur Leistungsoptimierung führen, wenn die Reflektion und das Training zeitnah stattfinden. 

Mehr zum Thema:

Literatur 

Bauer, C., & Hegemann, T. (2010): Ich schaffs! – Cool ans Ziel. Heidelberg: Carl-Auer Verlag GmbH

Croos-Müller, C. (2013): Kopf hoch – das kleine Überlebensbuch. Soforthilfe bei Stress, Ärger und anderen Durchhängern. München: Kösel-Verlag.

Kautz, R. (2003): Zur Situation der Landestrainer im Schwimmen.  Interne Protokollsammlung zur A-Trainer-Ausbildung, DSV

Schuck, H. (2001): Bewegungsregulation im Schwimmen – Psychologisches Training. Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

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Johanna Constantini: Digital gestresste Sportlerjugend? Mittel und Wege zur Vorbeugung

Von Befürwortern Digitaler um Sozialer Medien wird sehr gerne argumentiert, dass jene unseren ureigenen menschlichen Bedürfnissen der Kommunikation und der Zugehörigkeit gerecht werden. Und doch gibt es mittlerweile zahlreiche Studien, die diese Motive der Nutzung zwar bestätigen, jedoch weit tiefer greifen. Nämlich dorthin, wo auch negative Auswirkungen folgen. Allen voran ist es Digitaler Stress, den Digitale Medien vor allem im Jugendalter verstärken (Misra und Stokols, 2012; Turkle, 2012; Hefner und Vorderer, 2016). Dabei handelt es sich um eine Art von Stresserleben, dass durch moderne Kommunikationsmittel– und Informationstechnologien verstärkt wird (Hefner und Vorderer, 2016) – nach Hofmann (2018) auch Medienstress genannt. Sogar die individuelle Bewegungsfreude, die sportliche Aktivität und die Teilhabe an realen Gesellschaften vermindert sich durch Digitalen Stress zunehmend. 

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Weitere Informationen
Johanna Constantinis Beitrag zum Hören

Zum Thema: Was moderne Sportpsychologen von Sozialen Medien wissen sollten 

Nicht zuletzt aus diesen Gründen ist digitaler Stress auch etwas, worüber im Nachwuchssport gesprochen werden sollte. Immerhin führt jeder Stress, der ein negatives Empfinden mit sich bringt, zu einer übermäßigen Ausschüttung von Cortisol. Dieses sogenannte „Stresshormon“ führt nachgewiesenermaßen dazu, dass unser Körper und alle seine Kräfte darunter leiden. Negativfolgen, die allen voran Sportler tunlichst meiden sollten. Besser noch, präventiv – also vorausschauend – dafür sorgen, dass digitaler Stress gar nicht erst zum Thema wird. 

Natürlich sind Darstellungsformen über Soziale Medien und die entsprechende Platzierung potentieller Sponsoren heute wichtig, keine Frage. Doch sollten auch Konzentrationsschwierigkeiten, negative Stimmungen, Stress durch das berüchtigte „Nicht–mehr–abschalten–können“ und die Vernachlässigung realer Kontakte zur Sprache kommen. Das Erstellen eines Online–Profils bedeutet heute so etwas wie seine eigene Identität nach außen zu gestalten. Dabei ist es vor allem der Sport, der per se identitätsstiftend sein kann. Erfolge werden mit Ruhm belohnt, Trainings und Entbehrungen durch immer bessere Leistungen in ihrer Richtigkeit bestätigt. Dabei ist es die innere Motivation, die die treibende Kraft aller positiven Emotionen bildet. 

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Johanna Constantini

Sportarten: Pferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

Kontakt: j.constantini@die-sportpsychologen.at

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zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Vier Tipps für die Praxis

Sofern das eigene Sportler–Erleben hauptsächlich online geführt und dargestellt wird, vermindert sich diese Erinnerung und Bekräftigung der ureigenen Motivation. So sehr sind wir dann auf unsere Außenwirkung konzentriert, dass der Innenwirkung, also unserem ganz persönlichen Belohnungserleben weit zu wenig Beachtung geschenkt wird. 

Was können wir im Sport tun, um dem digitalen Stresserleben entgegenzuwirken? 

  • Abgrenzungen schaffen 

Förderlich kann es sein, sowohl eine öffentliche Seite als Sportler, als auch ein privates Profil in Sozialen Medien zu betreiben. Vorausgesetzt, man wünscht sich letzteres zusätzlich. Wie gesagt, die mediale Präsenz ist heute Teil des erfolgreichen Sportmarketings. Hilfreich ist es jedoch, private Angelegenheiten privat zu belassen und sich auch online abzugrenzen. 

  • Teaminterne Absprachen

Oft werde ich gefragt, ob es Sinn macht, das Smartphone im Mannschaftsbus zu verbieten. Darauf habe ich keine Antwort, da ich denke, dass derartige Strategien individuellen Absprachen unterliegen sollten. Wichtig ist jedoch, dass der Umgang mit digitalen Geräten wie Smartphones, Tablets und dergleichen innerhalb des Teams zum Thema gemacht wird

  • Miteinander reden

Auch der nächste Tipp bezieht sich darauf, unbedingt miteinander zu reden. Um Missverständnissen vorzubeugen oder einfach, um die zwischen–menschliche Kommunikation im Sportverein oder im Team zu fördern, empfiehlt es sich tatsächlich, Gesprächsrunden zu etablieren. Und zwar solche, die keiner digitalen Kommunikation bedürfen. Einfach, um analoges Sein zu fördern und damit allem gerecht zu werden, wonach der Mensch und damit auch der Sportler tatsächlich bedarf. 

• Individuelle Motive hinterfragen

Der Mensch ist komplex, so auch der Junge Sportler, dessen Lebenswelten sich zunehmend in Sozialen Medien abspielen mögen. Wichtig ist für Betreuer, Trainer und Psychologen daher auch, individuelle Motive der Nutzung selbiger zu hinterfragen. Denn, so überspitzt es auch klingen mag: vielleicht ist es nicht die Atemübung, die dem jungen Athleten helfen wird, vielleicht ist es vielmehr die Beachtung beeinträchtigender Dynamiken Sozialer Medien, die seine Konzentration nach und nach wieder verbessern…

Mehr zum Thema:

Mehr Interesse am Thema? Johanna Constantini hat bereits zahlreiche Texte verfasst – hier eine kleine Übersicht:

Quellen

Hefner, Dorothée und Vorderer, Peter: Digital Stress. Permanent Connectedness and Multitasking. In: The Routledge Handbook of Media Use and Well-Being: International Perspectives on Theory and Research on Positive Media Effects. Hg. v. Mary Beth Oliver und Leonard Reinecke. New York und Abingdon 2017

Hofmann, Jana: Medienstress durch Smartphones? Eine quantitative und qualitative Analyse. Köln 2018. 

Misra, Shalini und Stokols, Daniel: Psychological and Health Outcomes of Perceived Information Overload. In: Environment and Behavior, 6/2012. 

Turkle, Sherry: Verloren unter 100 Freunden: Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern. München 2012.

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Miriam Kohlhaas: Stolze Tränen, Richard Grooten

Teams, so groß, dass sie zum Auswärtsspiel kaum in einen Reisebus passen. Starke Charaktere und ein gemeinsames Ziel. Dazu der Auftrag, jedem Einzelnen gerecht zu werden und dabei die Gemeinschaft zu stärken. Diese Herausforderung liebt Miriam Kohlhaas an ihrer Sportart, dem American Football. Im Oktober feierte sie mit den New Yorker Lions aus Braunschweig die deutsche Meisterschaft. Ein Erfolg, der nicht selbstverständlich war und der auch für unsere American Football-Expertin (zur Profilseite) etwas ganz besonderes darstellt. 

Gefragt nach ihrem persönlichen Highlight des 2019 erzählt uns Miriam Kohlhaas dennoch nicht nur die Geschichte vom German Bowl, ihren Tränen rund um das Endspiel oder dem aufregenden Halbfinalspiel, in welchem Sonny Weißhaupt (Link zum Insiderbericht, August 2017) im Mittelpunkt stand. Sie erzählt uns auch die Geschichte von Richard Grooten, Nationalspieler von den Cologne Crocodiles:

Miriam Kohlhaas Highlight 2019: I see everything you can be, I see the beauty that you can’t see 

Das Meisterteam der New Yorker Lions Braunschweig (Quelle: New Yorker Lions)

Oh ja es war Wahnsinn, dass ich dieses Jahr die Möglichkeit hatte, mein Herzensteam, die New Yorker Lions, in das Finale des deutschen Footballs begleiten zu können und dann auch noch Gold zu holen. 

Und ganz besonders hat es mein Herz berührt, mit dir, Sonny Weishaupt, unser höchstes sportliches Ziel nach knapp drei Jahren zu erreichen. Ohne deine tolle Leistung im Halbfinale, (und die der gesamten Mannschaft natürlich ?) hätte der Verein überhaupt nicht die Möglichkeit gehabt, sich im Finale zu beweisen. 

Schon Tage vorher hat mich nur Gedanke daran, dass du die Möglichkeit auf diesen so besonderen Ring hast, immer wieder zu Tränen gerührt. So schön, dass dieser Erfolg von so vielen Schultern getragen wurde!

Gefragt nach dem Jahreshighlight muss ich aber unweigerlich auch an dich denken, Richard Grooten: Sie haben gelacht, als ihr ausgerechnet zum großen Lokalrivalen gewechselt seid. “Nur die schlechten Jungs seien gegangen und ihr wäret keinerlei Verlust…”, hieß es. Dann geht für dich einige Zeit tatsächlich alles schief, eine Verletzung nach der anderen und plötzlich die unausgesprochene Frage im Kopf: „Was ist, wenn sie denken sie haben Recht, sollten wir das Spiel gegen sie verlieren?“ 

All der Frust und diese Zweifel in dir ließen dich stillstehen… Mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung standen, versuchte ich wochenlang, dich wieder ins Laufen zu bekommen. Den Stillstand aufzulösen, dich bei der Hand zu nehmen. 

Aber bin ich an dir verzweifelt, fast hab ich mich von deiner Ohnmacht mitreißen lassen. Ganz egal welche Methode ich anwandte, nichts schien zu funktionieren. Noch nie hatte ich das Gefühl, dass mein Coaching und meine Begleitung so wenig dort ankommt, wo sie hingehören. Dazu die Tatsache, dass du ein Mensch bist, der kaum redet, alles mit sich selbst ausmacht und du dir ausgerechnet in der Woche vor dem so wichtigen Spiel noch einen Muskelfaserriss zugezogen hast. 

Doch dann… du sagst, du brauchst mich an deiner Seite in dem Spiel gegen deinen alten Verein, mich als deinen Anker. Da sitze ich dann in dem ausverkauften Stadion, nur für dich und es beginnt… 

Quelle: Livestream Cologne Crocodiles

? Mein Highlight 2019 ?

Eine super Aktion nach der nächsten. Dein Name wird in den ersten fünf Minuten gefühlt zehn Mal genannt und ich werde immer größer auf meinem Sitz. Dann diese irre Interception von dir und die Befreiung in deinem Kopf – wie unrecht sie doch alle hatten!!! 

Als du vom Spielfeld kommst, setzt du dich auf die Bank an der sideline und weinst. Genau wie ich auf der Tribüne. Das war unser Moment und es fühlte sich an, als wäre das Stadion menschenleer – nur du und ich und all die Dinge, die du plötzlich wie aus dem Nichts abrufen konntest! Dann endlich kann auch ich dich in die Arme schließen. Auf deinem Arm sehe ich unser Zeichen, den Anker.

Ich bin nach wie vor so unfassbar stolz auf dich und, dass du diesen Kampf gegen die Selbstzweifel in deinem Kopf gewonnen hast! 

Ich danke dir von Herzen für mein absolutes Highlight 2019!!

Miriam Kohlhaas

Sportpsychologische Expertin

Sportarten: American Football, Fußball, Basketball, Handball, Baseball

Kontakt:

m.kohlhaas@die-sportpsychologen.de

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LinkedIn-Profil

zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/miriam-kohlhaas/

Mehr zum Thema:

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Uwe Knepel: Motivier Dich – oder verliere!

Wie motiviere ich mich eigentlich selbst? Was ist Motivation überhaupt und was hat das mit meiner Wettkampfvorbereitung zu tun? All diese Fragen werde ich im folgenden Artikel aufgreifen und bestmöglich beantworten. Ziel soll es dabei sein, Dir oder Deinem Team konkrete Handlungsoptionen mit auf den Weg zu geben, so dass Du noch besser vorbereitet in den nächsten Wettkampf gehen kannst.

Zum Thema: Sportpsychologische Aspekte der Vorbereitung auf einen Wettkampf (Teil 2)

Im ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe haben wir über das Thema „Akzeptanz“ und wie diese uns bei der Wettkampfvorbereitung unterstützen kann gesprochen (Link zum Text). Ebenso wichtig ist die Motivation. Ein Thema, das Bücher füllen und ganze Hörsäle stundenlang beschäftigen könnte – ich versuche mich etwas kürzer und praxisorientierter zu fassen. Hobmair beschreibt in seinem Lehrbuch Motivation, im Sinne einer Persönlichkeitseigenschaft, als einen von „außen nicht erkennbaren Beweggrund, der menschliches Verhalten aktiviert“. Das bedeutet, dass uns ein innerer und von anderen nicht beobachtbarer Antrieb veranlasst, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen, um ein bestehendes Ziel zu erreichen.

Nun lassen Sich nach McClelland (1961,1978) verschiedene Arten von Grundmotivationen oder auch Grundmotive beschreiben:

  • Das Machtmotiv beschreibt das Streben nach Einfluss auf andere Menschen zu haben oder die Hoffnung auf Kontrolle, aber ebenso die Angst davor, diese Kontrolle oder diesen Einfluss zu verlieren.
  • Die Anschlussmotivation zielt auf das Bedürfnis eines Menschen ab, mit anderen Menschen, durch das Gefühl der Zugehörigkeit, verbunden zu sein. Dementsprechend versteht man in der Psychologie darunter die Hoffnung, auf Anschluss oder die Furcht vor Zurückweisung.
  • Das Leistungsmotiv wird mit der Beschäftigung angeregt, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Personen mit einem hohen Maß an Hoffnung auf Erfolg streben danach, diese eigenen Ziele zu übertreffen. Personen, die eher Furcht vor Misserfolg haben, neigen dazu, ihre Ziele nicht zu erreichen. Entweder, weil die Ziele zu hochgesteckt wurden oder durch zu niedrige Ziele, die zu leicht zu realisieren waren.

In diesem Artikel werde ich mich aber nur, mit dem für Sportler und Sportlerin wichtigen Leistungsmotiven beschäftigen. 

Das Leistungsmotiv

Das Leistungsmotiv wird als individuelles Bestreben gesehen. Das bedeutet, dass eigene Handeln für bestimmte Tätigkeiten so zu steigern oder auf einem hohen Niveau zu halten, dass bevorstehende Anforderungen und Aufgaben, anhand des eigenen Gütemaßstabes, mit Anstrengung bewältigt werden können (vgl. Heckhausen, 1965). Der Gütemaßstab beschreibt dabei den individuellen Anspruch an die eigenen Leistungen. Jeder Sportler und jede Sportlerin stellt demnach an seine Leistungen einen Gütemaßstab, welcher sich von Mensch zu Mensch unterscheidet und das Ergebnis der vorangegangenen Lern-, Trainings- und Wettkampfprozessen ist. „Wird das Anspruchsniveau erreicht oder überschritten, erlebt man Erfolg; wird es nicht erreicht, erlebt man Misserfolg“ (Heckhausen, 1987). Diese bereits gemachten Erfolgs- und Misserfolgserfahrungen schlagen sich nun ebenfalls auf unsere Erwartungen an den bevorstehenden Wettkampf nieder. Man könnte sagen, wir antizipieren den Handlungsausgang. Dabei sind diese Erwartungen entweder durch Hoffnung auf Erfolg oder durch Furcht vor Misserfolg gekennzeichnet. Als Sportler oder Sportlerin suchst Du nach Erfolg und versuchst, Misserfolg zu vermeiden. Und genau aus diesem Spannungsverhältnis zwischen den beiden Polen ‚Erfolg‘ und ‚Misserfolg‘ ergibt sich die Leistungsmotivation. Das Bestreben, gute Leistungen zu erbringen, ist nach Heckhausen am größten, wenn sich die Hoffnung auf Erfolg und die Furcht vor Misserfolg ungefähr die Waage halten.

Holodynski und Oerter (2008) heben Schwerpunkte zur Förderung der Leistungsmotivation hervor, die bei Beachtung auch Dir helfen können.

  • Schaffe ein wohlwollendes und unterstützendes Verhalten
    • aller am Leistungsprozess beteiligten Personen (Trainerstab und administrativer Bereich) 
    • insbesondere bei jungen und jüngeren Sportlern und Sportlerinnen durch die Eltern und andere Erzieher.
  • Schaffe eine herausfordernde Umgebung mit hohen, aber realistischen Leistungserwartungen, die die Sportler und Sportlerinnen selbständig erreichen können.
  • Arrangiere Erfolgserlebnisse als vorteilhaftere Alternative zur Belohnung, denn unter Erfolg wird allgemein eine positive Konsequenz verstanden, welche direkt aus einer bestimmten Verhaltensweise hervorgeht.

Intrinsische Motivation

Untersuchungen belegen bereits, dass intrinsische Motivationen, also die Art Motivation, die von innen her, aus eigenem Antrieb heraus existiert, entscheidend höhere Leistungsstandarts erlauben, als eine extrinsische Motivierung. Unter extrinsische Motivation verstehen Psychologen äußere Anreize (wie zum Beispiel eine Bezahlung), die Dich ein bestimmtes Ziel erreichen lassen wollen. Als Schlussfolgerung aus diesem Wissen lässt sich für Dich festhalten, dass es Deine Leistungen verbessert, wenn Du es schaffst, dich selbst zu motivieren, von Dir aus ein hohes Interesse und Freude an Deinem Sport hast. 

Folgende Verhaltensweisen können Dir helfen, Dir eine Selbstmotivation aufzubauen (vgl. Zintl, 2006):

  1. Formuliere realistische Ziele. Zu hohe, nicht zu erreichende, aber auch zu niedrige, leicht zu bewältigende Aufgaben, sind eher demotivierend.
  2. Zergliedere Deine Ziele und Aufgaben in Teilziele bzw. Teilaufgaben und gehe diese Schritt für Schritt an.
  3. Mach Dir Dein Trainings- und Wettkampfverhalten bewusst, dazu kannst Du zum Beispiel ein Trainings- und Wettkampftagebuch führen, in dem Du Deine Fortschritte dokumentierst.
  4. Gestalte taktische- und Trainingsinhalte anschaulich, z. B. in deinem Tagebuch (aber auch Trainer bei der Vermittlung von Inhalten)
  5. Belohne Dich beim Erreichen einzelner Teilziele.
  6. Trainiere mit anderen zusammen, so dass eine gegenseitige Motivation, zum Beispiel durch einen Wettkampfcharakter, erzeugt werden kann.

Mit diesem theoretischen Hintergrundwissen, lassen sich für Dich die folgenden Förderungen der Leistungsmotivation ableiten:

  • Wohlwollendes und unterstützendes Verhalten der beteiligten Personen
  • Hohe, aber realistische Leistungserwartung
  • Intrinsische Motivierung
  • Schaffen von Erfolgserlebnissen
  • Ausgeglichenheit der beiden Erwartungen „Hoffnung auf Erfolg“ und Furcht vor Misserfolg“

Solltest Du Unterstützung bei Deiner nächsten Wettkampfvorbereitung brauchen, sprich uns an! Wir sind Dein Netzwerk! Hier findest du eine Übersicht zu unseren Profilinhabern (Link), hier geht es zur Profilseite von Uwe Knepel (Link).

Uwe Knepel

Sportpsychologe aus Berlin

Sportarten: Fußball, Futsal, Basketball, Tennis, Hockey, Triathlon, Handball, Schwimmen, Wasserball, Boxen, Volleyball, Faustball, Radsport, Motorsport, Leichtathletik, Klettern

Kontakt

+49 (0)152 086 714 05

u.knepel@die-sportpsychologen.de

Mehr Infos: Profilseite

Aus der Forschung – empirische Befunde – zum Thema:

  • Hohes Leistungsmotiv eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere im Leistungssport (vgl. Elbe, 2003; Gabler; 2002)
  • Positiver Zusammenhang zwischen dem Leistungsmotiv und dem Umfang an leistungssportlichem Training (Thomassen und Halvari, 1996)
  • Passung aus Motivprofil und Wettkampfsituation kann Leistungsunterschiede zwischen Schwimmern erklären (Sorrentino & Sheppard, 1978)
  • Passung aus Person (Leistungsmotiv) und Situation (Aufgabeninstruktion) führt zu einer besseren sportlichen Leistung als Non-Fit (Memmert, Plessner & Maaßmann, 2009; Plessner et al., 2009)

In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit dem Thema Stress.

Mehr zum Thema:

Quellen: 

Hobmair, H. (2017). Psychologie (6. Auflage). Bildungsverlag EINS GmbH

McClelland, D. C. (1961). The achieving society. Van Nostrand 

McClelland, D. C. (1975). Power: The inner experience. Irvington

McClelland, D. C. (1978). Macht als Motiv. Klett-Cotta.

McClelland, D. C. & Boyatzis, R. E. (1982). Leadership motive pattern and long-term success in management. Journal of Applied Psychology

McClelland, D. C. (1985). Human motivation. Glenview  Foresman and Co. 

Heckhausen, H. & Gollwitzer, P. M. (1987). Thought contents and cognitive functioning in motivational versus volitional states of mind. Motivation and Emotion

Heckhausen, H. (1965). Leistungsmotivation. In H. Thomae (Hrsg.), Handbuch der Psychologie. Hogrefe.

Holodynski, M. & Oerter, R. (2008). Tätigkeitsregulation und die Entwicklung von Motivation, Emotion, Volition. In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. PVU Beltz.

Zintl, V. (2006). Lernen mit System. Urban & Fischer

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