Wir über uns

Aerial view of Christ the Redeemer and Rio de Janeiro city, Brazil

Wir über uns

8. Juli  2014. In Belo Horizonte trifft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Halbfinale der Weltmeisterschaft auf Gastgeber Brasilien. Die knapp 59.000 Zuschauer im Stadion und die Aber-Millionen Fans an den Bildschirmen reiben sich die Augen: 5:0 führt Deutschland nach noch nicht einmal einer halben Stunde. 7:1 steht es am Ende des Halbfinals. Der Turnierfavorit Brasilien wird vor dem eigenen Publikum nicht nur vorgeführt, die Mannschaft wird regelrecht demontiert. Im Zweiten Deutschen Fernsehen /ZDF) kommentiert Béla Réthy die Partie und findet keine Worte, um ansatzweise zu erklären, was sich an diesem Abend in Belo Horizonte abspielt. “Unglaublich”, stammelt er immer ins Mikrophon. Eine Analyse ist ihm offenbar nicht möglich.

Erklärungsansätze, die auf das Wissen aus der Sportpsychologie zurückgehen, machen in den kommenden Tagen die Runde. Massenhaft. Informationen zu Mustern, die ein kollektives Versagen einer Mannschaft erklären können. Es gibt eine Einordnung von Umständen, die sogar ein kollektives Flow-Erleben möglich machen. Oder eine Erklärung der Hintergründe zur Fragilität der Selbstwirksamkeit. Je nach Detailversessenheit und Tiefgründigkeit der Medien werden in den Tagen nach dem Halbfinale Sportpsychologen und Sportpsychologinnen zitiert, die auf wissenschaftlich seriöser Grundlage und eigenen praktischen Erfahrungen im Mannschaftssport Auskunft geben. Die Absicht: Die Disziplin Sportpsychologie greifbar machen, den Nutzwert für die Praxis im Amateur- wie im Hochleistungssport herausstellen und Interesse schaffen. 

Im Sommer 2014 ist diese Art der Wissensvermittlung neu und geht auf den Start der Plattform Die Sportpsychologen Anfang Juni zurück. Die massenhafte Verbreitung hat allerdings mit einem Zufall zu tun. Denn parallel zum Start der Seite www.die-sportpsychologen.de gründet der Axel-Springer-Verlag den Blog 1530. Dort kuratiert eine kleine Redaktion die Inhalte der damals angesagten Fußball-Blogs wie Spielverlagerung.de oder Colinas Erben und verhilft diesen Nischenveröffentlichungen zu einer massenhaften Verbreitung. Wenige Tage nach dem Start von Die Sportpsychologen wird das Netzwerk auch in die Zulieferer-Liste aufgenommen und erhält sogar Gold-Status. Dieses Gold-Privileg wird nur den Publikationen zu Teil, deren Inhalte von der Redaktion als außerordentlich wertvoll eingeschätzt werden. Belohnt wird das mit einer exponierten Position der Inhalte im 1530-Blog und der direkten Weiterveröffentlichung der fachlichen Informationen über die Medien des Axel-Springer-Verlags, also insbesondere der Welt, der Bild-Zeitung und der Sport-Bild. Im Ergebnis führt das im WM-Sommer 2014 dazu, dass innerhalb weniger Tage die Inhalte von Die Sportpsychologen ein Millionenpublikum erreichen. Fundierte sportpsychologische Inhalte sind also quasi über Nacht für Menschen greifbar, die sich für diese Aspekte des Sports interessieren oder danach suchen. 

In klaren Worten: Das war Wahnsinn. Denn das, was ich damals quasi nur im Kollegenkreis besprochen habe oder meinen Studierenden erzählt habe, fand sich auf einmal in den Massenmedien wieder. Sportpsychologie war auf einmal ein Thema. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Aussagen auch so wiedergegeben, dass die Kerninhalte korrekt blieben, auch wenn die Komplexität an die jeweilige Leser- oder Nutzerschaft von den Redaktionen angepasst wurde. Die Sportpsychologie war, wenn ich das für die deutschsprachige Öffentlichkeit richtig überblicke, erstmals in aller Munde. Ein Umstand, der mich wirklich überraschte. Mehr noch. So etwas hätte ich nicht für möglich gehalten, obwohl ich als Institutsdirektor Sportwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg der erste Unterstützer und zentraler Wegbereiter der Plattform war. 

Etwa ein halbes Jahr zuvor, also im November 2013, bat ich Mathias Liebing, einen ehemaligen Studenten, der inzwischen als Journalist tätig war, für meine Master-Absolventen der Angewandten Sportpsychologie einen Workshop zu halten. Die Absicht: Er sollte meine Studierenden bezüglich ihrer eigenen Presse- und Medienarbeit fit machen. Wege aufzeigen, wie die jungen Sportpsychologen und Sportpsychologinnen ohne großes Netzwerk und Kontakte öffentlichkeitswirksam werden können. Denn trotz unserer zweijährigen Ausbildung, die sehr praxisnah ausgestaltet ist, stellt es für viele Absolventen eine echte Herausforderung dar, auf dem Arbeitsmarkt für Sportpsychologie mit ihren Qualitäten gesehen zu werden. Der Workshop lief super, allerdings war das Feedback von Mathias Liebing ernüchternd: Er sagte, dass eine Person ohne Netzwerk im Rücken keine rentable Reichweite erzeugen kann. Im Prinzip war genau das die Entstehungssekunde von Die Sportpsychologen.

Ein halbes Jahr später sind wir mit dem fertigen Portal gestartet, welches zu Anfang nur Studierende meines Masters und einige Absolventen und Absolventinnen darstellte. Aber es dauerte nur ein paar Tage, bis erste nicht in Halle ausgebildete Kollegen meldeten. Darunter auch Dr. Hanspeter Gubelmann aus der Schweiz, so dass sehr schnell aus der Insellösung für meinen Studiengang ein internationales Projekt für Sportpsychologen und Sportpsychologinnen aus Deutschland, Österreich und die Schweiz wurde.      

Spannend ist, dass nun, zehn Jahre später, die Grundannahmen immer noch die gleichen sind:

Kabinenempfehlung

Im analogen Zeitalter genügte die Empfehlung eines Mitspielers, einer Mitspielerin oder aus dem Trainer- und Betreuerstab, um den direkten Kontakt zu einem Sportpsychologen zu suchen. Heute ist nach dieser Empfehlung, die immer noch wahnsinnig wichtig ist, quasi initiale Wirkung hat, noch ein Zwischenschritt hinzugekommen: Bevor die potentielle Kundschaft den Kontakt zu einem Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin sucht, wiurd die empfohlene Person mit Hilfe von Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken “gescannt”. In diesen Sekunden entscheidet die Qualität der auffindbaren Inhalte darüber, ob der Kontakt gesucht wird oder nicht.

Qualität der Inhalte

Die Inhalte, die im Netz zur Arbeit eines Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin gefunden werden, sind also die digitale Visitenkarte. Mehr als ein Stück Papier können die Texte, Videos, Grafiken und Audios aber den KlientInnen ermöglichen, den jeweiligen Stil zu verstehen, die Art der Ansprache deutlich machen oder sogar Lieblingsmethoden verraten. Sportler, Sportlerinnen und TrainerInnen haben so die Möglichkeit, sich vorab ein Bild zu machen, ob sie ihr Gegenüber sympathisch und inspirierend finden.   

Aktualität als relativer Wert

Wann die Texte und Beiträge gelesen und wahrgenommen werden, entscheidet die Kundschaft. Insofern sind die allermeisten Inhalte bei Die Sportpsychologen seit dem ersten Tag an ohne Verfallsdatum. Selbst wenn sich Inhalte auf bestimmte Veranstaltungen beziehen, sind die enthaltenen Hinweise, Hintergründe und Zusammenhänge nicht zeitlich gebunden. Soll heißen: Auch Jahre nach der Veröffentlichung findet die Leserschaft den Kontakt zu den SportpsychologInnen, da diese die Plattform in der großen Mehrzahl nicht wie eine Tageszeitung oder ein Magazin konsumieren, sondern interessengeleitet – über Suchbegriffe wie Sportpsychologie + Thema oder Sportart. 

Barrierefreier Kontakt

Alle Inhalte bei Die Sportpsychologen sind seit dem ersten Tag personalisiert. Die Blog-Beiträge führen also direkt zur Profilseite des Sportpsychologen oder der Sportpsychologin. Dort finden sich die Kontaktwege, welche derjenige oder diejenige Profilinhabende präferiert, um kontaktiert zu werden. Dies kann die Mobilnummer sein, diverse Social Media-Kanäle oder die Mail- bis hin zur Postadresse. Mittlerweile steht für Anfragen auch ein Kontaktformular zur Verfügung. Der Sportler, die Sportlerin oder die TrainerInnen können also den Weg auswählen, der ihnen am wichtigsten ist. 

Kostenlos schlägt Paywall

Seit Beginn von Die Sportpsychologen sind die Inhalte kostenlos abrufbar. Uns ist bewusst, dass das Wissen auf der Seite auch von der Konkurrenz am Markt wahrgenommen und genutzt wird. Dies nehmen wir in Kauf, betrachten dies sogar als Wissenstransfer in die Sportpsychologie. und Mentaltrainingszene. Viel wichtiger ist der Umstand, dass Sportler, Sportlerinnen und TrainerInnen, also unsere Kernzielgruppe, kostenfrei auf die Inhalte zugreifen kann. Stünde eine Paywall im Weg, würde dies den Traffic signifikant reduzieren. Und damit sind wir wieder bei dem grundlegenden Punkt angelangt, dass es darum geht, die Sportpsychologie im Sport zu erklären. Wissenslücken zu füllen, Vorurteile auszuräumen und Interesse zu schaffen.   

Ausblick 

Das Internet hat sich seit dem Start von Die Sportpsychologen radikal verändert. Als die Plattform als Blog im Sommer 2014 startete, war diese Kommunikationsform modern, frisch und innovativ. Social Media Plattformen befanden sich noch in ihren frühen Phasen oder waren wie Instagram oder Tiktok noch gar nicht auf dem Markt. An KI und AI war noch nicht zu denken. Und das Netz verändert sich weiter. Große Umbrüche sind durch veränderte Suchalgorithmen, ein grundlegend verändertes Suchverhalten im Netz und natürlich die künstliche Intelligenz längst eingeleitet. Aber: Das Netzwerk Die Sportpsychologen passt sich nicht nur mit seinen redaktionellen Inhalten an. Längst sind virtuelle Formate wie Online-Supervisionen und Fortbildungen hinzugekommen, die den Austausch und den Wissenstransfer fördern. Inzwischen werden im Netzwerk Die Sportpsychologen auch eigene Produkte, Betreuungskonzepte und Coaching-Angebote entwickelt. Mehr als zehn Jahre nach der Gründung von Die Sportpsychologen hat die Disziplin Sportpsychologie so viel mehr Standing, dass TV-Kommentatoren wie einst Béla Réthy bei der Beschreibung von bestimmten Phänomen nicht mehr im Dunkeln tappen müssen. Aber die Mission des Netzwerks ist damit längst nicht zu Ende geführt. 

Prof. Dr. Oliver Stoll

Redaktionsleiter:

Mathias Liebing ist Gründer und Redaktionsleiter der Plattform Die Sportpsychologen. Als freier Journalist mit dem Themenschwerpunkt Sportpsychologie arbeitet er für die ARD, DAZN, ZDF, SRF, MDR, Deutsche Welle und diversen Print- und Online-Medien. Dazu ist er Buchautor und Dokumentarfilmer. Sein Magister-Studium der Sportwissenschaften, der Medien- und Kommunikationswissenschaften und der Zeitgeschichte absolvierte er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Mathias Liebing
mobil: +49 170 9615287
mail: m.liebing@die-sportpsychologen.de

Fachredakteur:

Prof. Dr. Oliver Stoll

Prof. Dr. Oliver Stoll (* 5. Februar 1963) studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen Sportwissenschaft, Psychologie und Pädagogik sowie am College of Charlestin (S.C., USA). Er promovierte 1993 zum Dr. phil. im Fach Sportwissenschaft an der Universität Gießen und wechselte 1995 an die Universität Leipzig. Hier absolvierte er eine wissenschaftliche Assistentenzeit und habilitierte hier im Jahr 2000. Im Jahr 2002 folgte er einen Ruf auf eine Professur für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportpsychologie und Sportpädagogik an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Prof. Dr. Oliver Stoll
phone: +49 345 5524440
mail: oliver.stoll@sport.uni-halle.de

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