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Dr. Hanspeter Gubelmann: Im Dreieck mit Sportlern und Medien

Im Dezember 2015 verfasste ich meinen ersten Blog auf «die-sportpsychologen». Fünf Jahre und rund 60 eigene Blogs später stellt sich mir die Frage: Trägt diese Arbeit nun wirklich Früchte?  

Zum Thema: Fünf Jahre Netzwerk „die-sportpsychologen“ – wir werden in einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen!

Um im Bild zu bleiben: Es ist eine ansehnliche Plantage entstanden, Anbau und Ernte sind gleichermassen aufwändig und vielfältig. Das aktuellste Beispiel – der Beitrag «The Winning Mindset –  and the way it is „set“» mag verdeutlichen, welche Möglichkeiten aus meinem Mitwirken im Netzwerk entstehen. Die Redaktionsleiterin der erst kürzlich am Markt erschienen Fitnesszeitschrift «Body Pioneer» (Link) kontaktierte mich via Plattform-email mit folgender Anfrage: 

„Auf der Seite die-sportpsychologen.de bin ich auf Ihre Beiträge zum Thema „Winning mindset“ und „Mentale Fähigkeiten und Fertigkeiten – da sein, wenn’s zählt“ gestoßen. Ich bin sehr begeistert von der Plattform und den spannenden Beiträgen. Ich denke wir könnten uns hier sehr gut ergänzen. Das richtige Mindset und das Erlernen mentaler Fähigkeiten gewinnen immer mehr Aufmerksamkeit und sind auch im Breitensport zunehmend gefragt, weshalb ich sehr gerne einen Beitrag zur Thematik veröffentlichen möchte.  Es wäre mir eine große Freude, Sie als Experten für unsere Dezemberausgabe zu gewinnen.“

Mindset-Beitrag in der Fitnesszeitschrift «Body Pioneer»

Der daraus entstandene „Output“ – auch als autorisierte Zweitverwendung hier auf unserer Plattform verfügbar –  steht für mich als ein sehr gutes Beispiel für eine zunehmend breitere, qualitativ hochstehende und zeitgemässe Öffentlichkeitsarbeit, die unsere Plattform zugunsten der Sportpsychologie leistet – und auch in den kommenden fünf Jahren noch weiter ausbauen wird!

Vorträge zum Thema:

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Janosch Daul: Ganzheitliche Betreuung von Nachwuchsfußballern in der Coronazeit

Bekanntermaßen trifft die gegenwärtige Corona-Pandemie auch den organisierten Nachwuchsleistungssport bis ins Mark. Ein Zusammenkommen als Mannschaft ist beispielsweise in den meisten NLZs derzeit nicht möglich. Nicht möglich? Sehr wohl! Dank der Verfügbarkeit des Internets sowie zahlreicher praktikabler Softwares für Videokonferenzen stehen Mannschaftstrainern und Verantwortlichen zahlreiche Türen offen, um Mannschaften und Spieler in ihrer Weiterentwicklung zielgerichtet zu unterstützen. Verfolgt eine Nachwuchsabteilung einen ganzheitlichen Betreuungsansatz, reicht heutzutage allein die Ausarbeitung von Trainingsplänen in Bezug auf zu erfüllende Aufgabenstellungen im technischen und konditionellen Bereich sowie die anschließende Kontrolle dieser sowie ggf. die Durchführung von Videoanalysen nicht aus. Dieser Artikel versucht mögliche Schwerpunkte sowie konkrete Themenbereiche aufzuzeigen, die gerade in Coronazeiten wirkungsvoll bearbeitet werden können.

Zum Thema: Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts, der mentalen Weiterentwicklung sowie der Persönlichkeitsentwicklung

Vergleicht man die derzeitige Alltagsstruktur der Nachwuchsfußballer mit ihrer normalerweise vorherrschenden, springt zunächst einmal der Mehrgewinn an Zeit ins Auge. Insbesondere durch den Wegfall von Fahrten, die ein Fußballtraining bei vielen Spielern zu einem 4-5-Stunden-Paket werden lassen, entstehen für die Jugendlichen aktuell ungewohnte neue Zeiträume, die mit Leben gefüllt werden können. Im „normalen“ Alltag oftmals vernehmbare Aussagen von Trainern wie „Diese Woche haben wir für mentale oder persönlichkeitsbildende Themen keine Zeit, wir müssen Taktik trainieren!“, haben vor dem Hintergrund der Pandemie zudem kaum noch eine Berechtigung. 

Gerade angesichts der derzeit gegebenen zeitlichen Möglichkeiten sowie der enormen Bedeutung, welche die Lebenssäule Fußball für die Kinder und Jugendlichen einnimmt, macht ein zielgerichtetes, onlinebasiertes  Arbeiten mit der Mannschaft Sinn. In diesem Zusammenhang lassen sich die Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts, die mentale Weiterentwicklung sowie die Persönlichkeitsentwicklung als mögliche Schwerpunkte identifizieren.

Zielgerichtete Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts

Hierbei kann die übergeordnete Zielstellung darin bestehen, einen Rahmen zu schaffen, der ein kollektiv-gemeinschaftliches Zusammenkommen in Kombination mit spielerisch-jugendlicher Interaktion ermöglicht. Dabei könnten beispielsweise das Erleben von Spaß und Geselligkeit in der Gruppe bewusst in den Vordergrund gerückt werden. Insbesondere Aufgabenstellungen, die Anreiz- und Wettbewerbscharakter besitzen, machen in Zeiten, in denen Wettspiele nicht stattfinden und somit der Leistungsvergleich mit anderen Teenagern nicht gegeben ist, Sinn. 

Folgende beispielhafte Maßnahmen zur Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts können initiiert werden:

  • Teamevents in Duos, z.B. eine Kombination aus praktischen Challenges, Schätzfragen und Begriffsnennungen in Bezug auf eine vorgegebene Kategorie, wobei die Duos gegeneinander antreten
  • Trainer-Spieler-Challenges, z.B. zu bewältigende technische Aufgabenstellungen wie Balljonglagen, wobei sich die Trainer/das Funktionsteam mit den Spielern messen
  • Virtuelle Kabinentreffs, um wöchentlich einen Austausch zwischen Trainern und Spielern in Bezug auf die aktuelle Situation und gegenwärtig vorherrschende Themen zu ermöglichen.

Zielgerichtete Persönlichkeitsentwicklung

Fußballer sind in erster Linie Menschen. Im Sinne einer zielgerichteten Persönlichkeitsentwicklung kann in Zeiten der Pandemie der Fokus bewusst weg vom Fußballer und hin zum Menschen gelenkt werden. So kann die Arbeit an Themen in den Vordergrund gerückt werden, die zwar (in)direkt auch die fußballerische Leistungsfähigkeit bedingen, vor allem aber für jeden Menschen von Relevanz sind und im Laufe des Lebens zudem immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dabei existieren die vielfältigsten Möglichkeiten zur methodischen Umsetzung von Inhalten, auf welche zurückgegriffen werden kann. Man denke beispielsweise an die Erstellung von Handouts und Mindmaps und die anschließende Vorstellung dieser vor der Gruppe oder das Halten von Kurzimpulsen.

Folgende beispielhafte Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung können initiiert werden:

  • Interaktive Auseinandersetzung mit Leistungsfaktoren rund um den Fußball, wie z.B. den Themen:
    • Schlafhygiene
    • Selbstorganisation
    • Umgang mit dem eigenen Körper
    • Ernährung
  • Ganzheitliche Beschäftigung mit dem Thema Ernährung, ggf. unter Anleitung eines Ernährungsexperten, mit z.B. folgenden Elementen:
    • Ernährungsprotokollierung
    • Interaktiver Workshop zum Thema gesunde Ernährung
    • Erneute Ernährungsprotokollierung inkl. Auswertung auf individueller Ebene
    • Schreiben eines Einkaufszettels
    • Einkaufen gehen unter bestimmten Zielstellungen
    • gemeinsames Kochen eines gesunden Gerichts auf Basis eines ausgesuchten Rezepts (individuelle Zuschaltung z.B. über Zoom)
    • gemeinsames Essen nach dem Kochen (individuelle Zuschaltung z.B. über Zoom)
  • Auseinandersetzung mit möglichen späteren Berufen und den hierfür notwendigen Kompetenzen
  • Erarbeitung notwendiger Eigenschaften und Charakteristika, die es braucht, um Profi zu werden – Profi fürs Leben und Fußballprofi

Zielgerichtete mentale Weiterentwicklung

In der hochkomplexen Mannschaftssportart Fußball spielt neben beispielsweise konditionellen, technischen und taktischen Leistungsfaktoren insbesondere die Psyche eine gewichtige Rolle. Insbesondere, wenn auf einen kompetenten Sportpsychologen zurückgegriffen wird, kann auch online gezielt sowohl an der mentalen Leistungsfähigkeit der einzelnen Spieler als auch an der der Mannschaft gearbeitet werden.

Folgende beispielhafte Maßnahmen zur mentalen Weiterentwicklung können initiiert werden:

  • Interaktive Durchführung von Workshops zu mental relevanten Themen wie z.B.:
    • Umgang mit Emotionen
    • Kommunikation
    • Mentale Einstimmung auf ein Fußballspiel
    • Körpersprache
    • Selbstbewusstsein
  • Arbeit an Führungskompetenzen mithilfe von führungskompetenten role models aus dem Profifußball
  • Schulung der Selbstreflexionsfähigkeit durch eine gezielte Anleitung zur Selbstanalyse, beispielsweise in Form der Erstellung eines persönlichen Stärken-Schwächen-Profils

Fazit

Gerade in Coronazeiten sehnen sich die meisten Spieler nach Führung, Inhalten und Möglichkeiten der (geistigen) Beschäftigung, die dem Alltag eine gewisse Struktur verleihen. An dieser Stelle sind Mitarbeiter eines Nachwuchsleistungszentrums, insbesondere Trainerteams, Pädagogen und Psychologen, gefragt, zielgerichtete und hochwertige Angebote im Sinne einer Weiterentwicklung der Spieler sowie des Teams auszusprechen und umzusetzen.

Je nach Priorisierung kann dabei die Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts, der Persönlichkeitsentwicklung sowie der mentalen Weiterentwicklung in den Vordergrund gerückt werden. In diesem Zusammenhang sei aber angemerkt, dass die Förderung eines Schwerpunkts oftmals das automatische Ansprechen eines anderen Schwerpunkts zur Folge hat. So stellt beispielsweise jede Maßnahme, die ein Zusammenkommen als Team ermöglicht, zugleich eine Chance zur Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts dar.

Onlinebasierte Workshops

Haben Sie Interesse daran, onlinebasierte Workshops für Ihre Mannschaft zu buchen, wünschen die Entwicklung einer Konzeption für die Coronazeit und/oder möchten ein Teamevent kreieren? Meine Kollegen (https://coaching.die-sportpsychologen.de/listings/) und ich (https://www.die-sportpsychologen.de/janosch-daul/) stehen Ihnen gern zur Verfügung.

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Johanna Constantini: Die Krise als Chance – Gedanken zu Corona im Sportalltag

Beinahe ein Jahr ist vergangen, seitdem die ersten Coronafälle in Österreich aufgekommen sind. Wenig später folgten offizielle Fälle in Deutschland und vielen weiteren Ländern. Dies hat Veränderungen nach sich gezogen, wie wir sie uns niemals hätten vorstellen können. Im Berufsleben, im Privatleben und auch im Sport, der wohl noch am meisten Überraschungen bereithält. Jene Überraschungen waren nicht absehbar. Jene Maßnahmen, die die Ausübung zahlreicher Sportarten bis heute nicht möglich machen. Gar nicht so einfach, der Krise nach jenen Zeilen etwas Positives abgewinnen zu können… 

Doch besonders im Sport, in dem wir der Siegermentalität am meisten abgewinnen können, sollten wir positiv denken! Die Chancen sehen, die uns aus dieser Krise führen werden! 

Zum Thema: Zwangspausen, Zusammenhalt und Zielsetzung

Der Leistungsaspekt steht nur allzu gerne an erster Stelle. Nicht nur im Sport, sondern auch im Berufs- und Privatleben. Das tat er zumindest. Und zwar so lange, bis eine weltumfassende Krankheit unser „Höher-Schneller-Weiter-Wunschdenken“ rasant ausgebremst hat. Gut so. In vielerlei Hinsicht. Schließlich gilt auch im Sport, nicht sich selbst, sondern seine Gegner zu überholen. Höchstgeschwindigkeit wurde vielfach zu Dauerbelastung und die Chance in der Krise besteht bis heute darin, sich auch nach Corona auf ein neues, gewinnbringenderes Tempo einlassen zu dürfen. 

Einzelkämpfer, Individualisten, Profis. Bezeichnungen, die gerne synonym verwendet werden. Vor allem in jenen Sportarten, in denen es gilt, ganz auf sich allein gestellt zu siegen. Die Krise sorgte zwar dafür, dass wir uns bis heute an das vorgeschriebene Social Distancing halten müssen, und doch hat sie jene Einzelkämpfer oftmals auch im Sport näher zusammengeführt. Weil wir durch die Pandemie alle in einem Boot sitzen, auf Zusammenarbeit und Abstimmungen untereinander angewiesen sind. So brachte die Krise bisher auch jenen Gemeinschaft, die im Wettkampf ganz für sich alleine kämpfen. Zukünftig kann sich daher die Frage nach der Gemeinschaft auch weiterhin gestellt werden. Auch, wenn im Wettkampf alles auf den Einzelnen ankommt. 

Auf dem Weg in ein neues Leben? Zumindest eines mit Veränderungen?

Sich Ziele zu setzen gehört zum Sportleralltag wie die Umkleidekabinen ins Fussballstadion. Strategien dafür gibt es viele und doch ist die Fokussierung auf konkrete Zielen etwas, das Sportler aller Disziplinen immer wieder aus den Augen verlieren (Sportlerinnen, die als Sportpsychologinnen arbeiten eingeschlossen). 

Corona sei Dank wird es eine Zeit nach Corona geben. Und nach all den Restriktionen, den Verboten und Maßnahmen drängt nichts mehr als die Erfüllung so vieler Ziele für die Zeit nach der Krise. Für das Leben, das wir uns alle wieder wünschen. Das Leben, das wir auch wieder zurückbekommen sollen. 

Möglicherweise etwas langsamer, gemeinsamer, fokussierter.

Vortrag zum Thema:

Am Donnerstag, den 17. Dezember, bietet Christian Hoverath Zum Thema Motivation und Zielsetzung einen Vortrag an. Digital. Seid dabei:

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Christian Hoverath: Motivation und Zielsetzung

Im sportlichen Training wird Performance- und Technikoptimierung oft mittels vieler Wiederholungen in Verbindung mit Trainer Feedback und Video Analyse angestrebt. Technikoptimierung geschieht in Verbindung mit Automatisierung und Bildung von Routinen. Die Prämisse: je öfter eine Technik in der Praxis optimal ausgeführt wird, umso größer die Erfolgswahrscheinlichkeit.

In vielen Sportarten ist die Zahl der möglichen Trainingsdurchgänge limitiert. Gründe sind zeitliche Restriktionen, Belastungssteuerung, aber auch nicht immer vorhandene Rahmenbedingungen (z.B. Schnee im Wintersport).

Hier bieten Mentaltechniken wirksame Ergänzungen zum Training. 

Im Workshop wird gezeigt, wie sich „klassische“ Trainingsansätze mit mentalem Training und Techniken aus der Sporthypnose wirkungsvoll ergänzen lassen – für bessere Performance und mehr „Flow-Erleben“, bessere Synchronisation von Bewusstem und Unbewusstem. 

Der gezeigte Ansatz ist als Einzelcoaching und Workshop/ Gruppencoaching möglich.

Interessiert?

Dunja Lang

Zielgruppe

SportlerInnen, TrainerInnen, Sportverbände und deren Führungskräfte

Veranstaltungsart:

Vortrag oder Workshop

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    Dr. René Paasch: Mindset (Übung)

    Mindset oder auch „Mentalität“ ist ein echtes Buzzword im Fußball. Weit weniger bekannt ist, dass sich solche wundersamen Fähigkeiten trainieren lassen. Ich habe hier mal zwei einfache Übungen aus meiner praktischen Arbeit mit Teams skizziert, die sich sehr einfach im Trainingsalltag unterbringen lassen. Mit den Ergebnissen können Sie garantiert etwas anfangen.

    Zum Thema: Trainingsempfehlung für ein verbessertes Mindset ihrer Mannschaft

    Stellen Sie zwei gleichstarke Teams im Abschlussspiel zusammen. Die Spieler der ersten Mannschaft sollen nach einer erfolgreichen Spielsituation gesagt bekommen, dass sie sehr “spielintelligent” seien. Bei dem anderen Team hingegen loben Sie die Anstrengungen und deren Einsatz, inhaltlich ganz nah an der jeweiligen Spielsituation.

    Danach erfassen Sie das Mindset der Spieler, indem sie Ihrer Aussage zustimmen oder widersprechen können: Bereiten Sie dazu ein paar Notizzettel und Stifte vor. Die Spieler sollen dazu eine Antwort – also zum Beispiel ein „ja, stimmt“ oder „nein, übertrieben“ – sowie eine kurze Begründung schreiben. Versehen mit Namen und Nummer wandert das in eine Box. Wenn Sie herausfinden wollen, wie mächtig Ihre Worte waren, stellen Sie für das “spielintelligente” und das “intensiver” gelobte Team jeweils eine eigene Box auf, um darin die Zettel zu sammeln. Werten Sie die Antworten in Ruhe aus, gern mit Unterstützung aus dem Trainerstab!

    Übung: Einfache Wahl  

    In einer weiteren Trainingseinheit, können Sie dann die Spieler vor die Wahl stellen, eine eher herausfordernde taktische Vorgabe zu lösen, von der sie noch lernen könnten oder eine leichtere zu bekommen, die ihnen eine fehlerfreie Lösung garantieren würde. 

    Achten Sie zusammen mit ihrem Trainerstab, wie die Spieler reagieren, wer agiert und wie der Entscheidungsprozess abläuft.

    Erfahrungen mit Teams 

    Erst kürzlich hatte ich diese Technik wieder im Einsatz und es stellte sich heraus, dass die für ihre Spielintelligenz gelobten Spieler überwiegend zu der leichten Aufgabe griffen, während die anderen die Chance nutzen, etwas zu lernen. Spieler, die nur für ihre Spielintelligenz gelobt wurden, verloren das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten ebenso wie die Spielfreude….

    In meiner praktischen Arbeit mit Teams habe ich ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Wenn Sie Hilfe bei der Interpretation und der Arbeit mit den Ergebnissen brauchen, nehmen Sie gern Kontakt zu meinen Kollegen in Ihrer Nähe (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Dr. René Paasch oder rechts per Kontaktformular) auf.

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    Dr. Hanspeter Gubelmann: „Die Kinder haben keine Wahl“

    Seit Ende November steht Gabriele Frehse, Trainerin am Olympiastützpunkt Chemnitz, in der Kritik. Im Nachrichtenmagazin Spiegel äußern zahlreiche Turnerinnen, darunter Weltmeisterin Pauline Schäfer, erhebliche Kritik an der Arbeit der Trainerin. Konkret geht es um mentale Demütigung, Einschüchterung, Training unter Schmerzen sowie die Einnahme von verschreibungspflichtigen Opioiden. Gabriele Frehse bestreitet die Vorwürfe und will rechtlich dagegen vorgehen. Der Fall beschäftigt längst den Deutschen Turner-Bund (DTB), der sich in einer ersten Stellungnahme von den kritisierten Trainingsmethoden distanziert und eine schnelle Aufarbeitung angekündigt hat. Sogar der Sportausschuss des deutschen Bundestages will sich dem Thema annehmen. Im Zuge von Recherchen des MDR-Journalisten Peer Vorderwülbecke wurde Dr. Hanspeter Gubelmann von Die Sportpsychologen mit dem Fall konfrontiert. Seine Aussagen haben für das System Leistungssport Sprengkraft.

    Zum Thema: Kritik an Trainern und Methoden – Das System Leistungssport unter Druck

    Kritik an Trainingsmethoden, dem menschlichen Umgang bis hin zu Kindeswohlgefährdung gab es in den vergangenen Monaten in vielen Turnnationen. Auch in der Schweiz, den USA und Großbritannien. Offenbar zeigt sich hier ein strukturelles Problem, welches seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten, im Kunstturnen besteht. Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen vom Sportpsychologen Dr. Hanspeter Gubelmann spannend, die er im Interview mit Peer Vorderwülbecke getätigt hat, welches der MDR in voller Länge im Internet veröffentlicht hat.

    Link zum Interview: https://www.mdr.de/sport/video-sportpsychologe-hanspeter-gubelmann-das-system-ist-das-problem100_zc-a44cf87d_zs-2013e4cd.html

    Wie Sportpsychologen helfen können

    Deutlich wird Dr. Hanspeter Gubelmann im Gespräch dahingehend, dass betroffene Athleten in akuten Situationen sportpsychologische Unterstützung brauchen, die außerhalb des Systems angesiedelt ist. Die meist an Olympiastützpunkten geschaffenen Strukturen, wo einzelne Sportpsychologen, Vertrauenspersonen oder Karriereberater einer Vielzahl an Athleten und Athletinnen zur Verfügung stehen, reichten hier nicht aus.

    Hinweis: Unsere 40 Experten von Die Sportpsychologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen gern für eine Kontaktaufnahme von Sportlern, Eltern oder Trainern zur VerfügungZur Expertensuche.

    Für unabdingbar sieht der Experte im Sinne einer Systemveränderung die direkte Einbeziehung der Eltern. Deren Einfluss sei bei jungen Athleten und Athletinnen, die in Internaten leben und trainieren, oft weniger stark ausgeprägt als bei Sportlern, die im heimischen Umfeld an ihren sportlichen Zielen arbeiten. Fatal wirke sich dies nicht zuletzt in den Sportarten aus, in denen Kinder schon früh das Elternhaus verlassen müssen.

    Medaillen- vs. Entwicklungsziele

    Laut Dr. Hanspeter Gubelmann, der übrigens bei einem Besuch bei Prof. Dr. Oliver Stoll in Leipzig vom MDR interviewt wurde (den siebenminütigen TV-Beitrag aus der Sendung „Sport im Osten“, 6.12.2020, gibt es hier zu sehen: Link), führe das aktuelle Bekanntwerden weiterer Fälle in verschiedenen Nationen zu einer ernsthaften Diskussion. Einer Diskussion darüber, inwiefern im Hochleistungssport von Kindern und Jugendlichen die Medaillenziele hinter der Absicht, gesunde und leistungsfähige Persönlichkeiten zu entwickeln, zurückstehen müssten? Eine spannende Diskussion, die wir im Netzwerk, mit direkt Beteiligten im Sport aber auch gern bei Facebook, Instagram oder LinkedIn führen. Übrigens nicht nur beschränkt auf das sportliche Themenfeld Kunstturnen.

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    Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Den Froschkönig an die Wand klatschen

    Das Märchen vom Froschkönig kennen wir alle. Zumindest meinen wir das. Klaus-Dieter Lübke Naberhaus hat in der Zusammenarbeit mit einem Athleten die Geschichte eingesetzt, um am Umgang mit Emotionen – im konkreten Fall mit Wut – zu arbeiten. Den Überraschungseffekt, den wir hier am Ende auflösen, mit einkalkuliert.

    Zum Thema: Die Arbeit mit Metaphern, Märchen, Mythen, Fabeln und Witze in der Sportpsychologie

    Was hat der Held oder die Heldin eines Märchens eigentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin zu tun? Eine ganze Menge. Und vor allem bieten die schön erzählten Geschichten die Möglichkeit, einen anderen Blickwinkel auf eine Szenerie einzunehmen, die der tatsächlichen Situation eines Sportlers zumindest ähnelt. Der Held kann darüber zum Stellvertreter werden.

    Dieser Kniff funktioniert aber nicht nur auf Star-Ebene. Denn wie im richtigen Leben gibt es in Märchen auch Nebenrollen. Denken wir zum Beispiel an den großen Kontrahenten, also den direkten Gegenspieler, oder auch an die Helfer, die nicht selten mit magischen Kräften gesegnet sind. Die Rollen, die in Märchen bedient werden, sind quasi unerschöpflich.

    Absolute Vielseitigkeit

    Je nach Gattung – also vom Märchen über die Fabel bis hin zur Metapher – lassen sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise Lehren aus den jeweiligen Geschichten ziehen. In der praktischen sportpsychologischen Arbeit geht das so weit, dass manchmal sogar ein Witz einen Inhalt transportieren kann, der auf Athletenseite etwas auslöst.

    Klaus-Dieter Lübke Naberhaus über die besondere Kraft von Märchen

    Geschichten funktionieren

    Auch in Zeiten von Netflix und Co. – vielleicht sogar stärker denn je – funktionieren fiktionale Geschichten hervorragend. Eine große Offenheit gibt es gerade in Bezug auf Märchen bei Kindern und auch Jugendlichen. Im Erwachsenenalter empfiehlt es sich, von den Athleten zuvor sich eine Erlaubnis einzuholen, mit einer Geschichte arbeiten zu dürfen. In meiner Praxis habe ich auf diese Frage übrigens nie ein negative Antwort kassiert.  

    Gern nutze ich auch eigene Geschichten. Dieser persönliche Bezug ist für die Verbindung zwischen Sportpsychologe und Athlet durchaus förderlich. Eine meine Lieblingsgeschichten ist allerdings das Märchen vom Froschkönig. Warum das so ist, erkläre ich dem folgenden Video.

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    Weitere Informationen
    Klaus-Dieter Lübke Naberhaus über den Einsatz des Froschkönigs

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    Janosch Daul: Radio Müller

    Wenn wir bezüglich Fußball-Geisterspiele eine positive Facette ausmachen wollen, dann liegt diese auf der Tonspur. Klar und deutlich wie nie ist, seit die Fans in den Stadien Corona bedingt fehlen, die Kommunikation der Spieler und Trainer zu verstehen. Einer tut sich dabei besonders hervor: Thomas Müller vom FC Bayern München. Er kommentiert, leitet an und gibt vor. Davon können wir eine Menge lernen.   

    Zum Thema: Emotionales und taktisches Coaching 

    Thomas Müller, bekanntermaßen einer der aktivsten Kommunikatoren im Profigeschäft, hat nicht umsonst den Spitznamen “Radio Müller” weg. Sein Trainer Hansi Flick hob nach dem 8:2-Sieg der Bayern im Champions League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona in der vergangenen Spielzeit dessen Bedeutung als “Signalgeber” für das Pressing hervor. Nach dem 4:0-Auftakterfolg der Bayern gegen Atletico Madrid in der diesjährigen CL-Saison sprach Flick, u.a. mit Verweis auf Müller, von klaren Kommunikationsaufgaben, die es zu erfüllen gilt: „Er coacht auch die Mannschaft, was wir von zentralen Spielern verlangen.” Und weiter: „Thomas pusht die Mitspieler.”

    Kommunikation auf dem Feld scheint also durchaus von Bedeutung zu sein. Grob lässt sich dabei zwischen emotionalem Coaching, taktischem Coaching in Spielpausen und taktischem Coaching im laufenden Spiel differenzieren.

    Emotionales Coaching

    Ein funktionales emotionales Coaching kann die mentale Verfassung der Mitspieler auf positive Art und Weise beeinflussen und hat somit durchaus einen Einfluss auf eine mögliche Leistungssteigerung. Konkret eingesetzt wird es in folgenden Zusammenhängen:

    • als positive Verstärkung gelungener Situationen
    • zum Wiederaufbauen nach misslungenen Aktionen
    • nach Rückschlägen (z.B. Gegentore und vergebene Chancen)
    • bei langwierigen Ärgerreaktionen 
    • einer sichtbar negativen Körpersprache von Mitspielern 

    Emotionales Coaching muss dabei nicht zwangsläufig über die verbale Sprache erfolgen; auch ein situativ passendes körperbezogenes Coaching über Berührungen (z.B. gegenseitiges Abklatschen, auf die Schulter klopfen) kann ebenso als unterstützend wahrgenommen werden wie ein wahrnehmungsbezogenes Coaching über die eigene Körpersprache (z.B. in die Hände klatschen, Daumen nach oben strecken).

    Taktisches Coaching

    Taktisches Coaching in den verschiedenen Spielphasen – nämlich in eigenem Ballbesitz, im Umschalten nach Ballgewinn, im Umschalten nach Ballverlust, ohne Ballbesitz und bei Standards – ermöglicht in erster Linie die einzel-, gruppen- oder teambezogene Vermittlung von taktischen Informationen. Denn die Sicht eines einzelnen Spielers ist stets beschränkt. Demgegenüber nehmen die Augen mehrerer Spieler, die natürlich über einen anderen Blickwinkel verfügen, mehr wahr als das Augenpaar des ballführenden Spielers. Durch zusätzliches Wissen über z.B. Raum, Gegner und Zeit erhöht sich die Handlungsschnelligkeit. Auf Situationen im Spiel kann damit durch ein funktionales taktisches Coaching schnell und effizient reagiert werden. 

    Aber damit nicht genug: Durch das Abrufen vorher vereinbarter und in der Anwendung trainierter Geheimcodes, die den Gegner in Unwissenheit lassen, erhöht sich z.B. die Wahrscheinlichkeit auf eine erfolgreiche Ausführung von Standardsituationen. Zudem kann Kommunikation auf dem Spielfeld durchaus als eine Hilfe zur Selbstregulation bezeichnet werden, die zusätzliche Sicherheit gibt. Ein funktionales taktisches Coaching in Spielunterbrechungen ermöglicht das Treffen von Absprachen, das Einleiten von (taktischen) Veränderungen und die Übermittlung von gezielten Instruktionen. Auch ein zielgerichteter Austausch zwischen Spielern und Trainerteam, wie zum Beispiel beim Nations League-Match Spanien gegen Deutschland vermehrt zu beobachten war, ist in solchen Situationen möglich.

    Fazit

    Letztlich stellt insbesondere das taktische Coaching eine notwendige Voraussetzung zur Umsetzung des eigenen Plans und der Spielidee dar. Thomas Müller agiert beim FC Bayern als verlängerter Arm des Trainers Hansi Flick und setzt damit Standards – mal sehen oder besser hören, wer ihm in Zukunft nacheifert. Nicht zuletzt auch bei der Fußball-Nationalmannschaft…

    Mehr zum Thema:

    Quellen:

    https://taz.de/Wie-Thomas-Mueller-den-FC-Bayern-lenkt/!5702759/

    https://fussball.news/a/deshalb-ist-mueller-so-wichtig-fuer-flick

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    Dr. Hanspeter Gubelmann: „Du bist es nicht wert, mir in die Augen zu schauen“

    Viel wurde in den vergangenen Tagen über psychischen Missbrauch im Schweizer Turnsport berichtet. Die «Magglinger Protokolle» (Gertsch & Krogerus, 2020) offenbaren Formen und Ausmass einer „Kultur der Angst“ im Kinderhochleistungssport, wie sie selbst von Insidern nicht für möglich gehalten wurde. Um Einschüchterungen, Demütigungen und Quälereien im Turnen ging es auch in der ARD-Sportschau (21.11.20). Der Beitrag verdeutlicht, dass es sich um ein weitreichendes, internationales Problem handelt. Warum nicht das System, sondern erwachsene Menschen für das Wohlergehen von Kindern verantwortlich gemacht werden sollten – davon handelt dieser Beitrag. 

    Zum Thema: Psychischer Missbrauch im Kinderhochleistungssport

    Medien, Swiss Olympic, die Politik und wohl auch die Schweizer Bevölkerung sind sich einig: Das Sportsystem im Schweizer Turnsport bedarf einer grundsätzlichen Überprüfung. Nicht der Sport an sich sei für den aktuellen Missstand verantwortlich, sondern die Sportstrukturen in den Disziplinen „Kunstturnen“ und „Rhythmische Sportgymnastik“. So jedenfalls lautet aktuell der Tenor vieler Sportfunktionäre in der Diskussion zum Thema psychischer Missbrauch im Turnsport. Die Rede ist vom Einsatz einer neuen Ethikkommission, der Einrichtung einer unabhängigen Beratungsstelle für betroffene Kinder verbunden mit einer personellen Neuorganisation im Schweizer Turnverband (STV). Die Massnahmen folgen dem Motto: „Medaillen sind wichtig, aber der Weg dorthin ist wichtiger.“

    Diese Bestrebungen sind auch aus psychologischer Sicht grundsätzlich lobenswert. Sie sind aber nur dann zielführend, wenn eine offensichtliche Grundproblematik im Kinderleistungssport tatsächlich angegangen wird – nämlich die Einhaltung der nicht verhandelbaren Notwendigkeit eines respektvollen, entwicklungsförderlichen und dem Alter der Athletinnen angemessenen Umgangs mit jungen Menschen! Sollte dies nicht gelingen, dürften dem Kinderleistungssport gesellschaftliche Legitimierungsprobleme erwachsen.

    Kultur der Angst und des psychischen Missbrauchs

    Die in den Magglinger Protokollen beschriebene Faktenlage ist unumstösslich: Als TäterInnen werden primär jene Personen beschrieben, die Macht ausüben, Druck an junge, abhängige Menschen weitergeben und diese sogar psychisch und/oder physisch verletzen. Diese Kultur der Angst gipfelt in der herablassenden Aussage eines Trainers an seine Athletin: „Du bist es nicht wert, mir in die Augen zu schauen“! Damit war keine Weisung eines Sportverbands gemeint, sondern ein an psychischer Grausamkeit kaum zu überbietendes Machtgehabe eines völlig unfähigen, narzistischen Trainers! 

    Screenshot ARD-Mediathek

    Link zum ARD-Beitrag: https://www.ardmediathek.de/daserste/video/sportschau/turnen-training-unter-angst/das-erste/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLWQwY2RiMjFiLTUxZWEtNDExOC1h

    Was geschieht hier mit der jungen Turnerin? Welche psychischen Reaktionen, insbesondere im Wiederholungsfall, sind zu erwarten? Das gedemütigte Kind kann seine Wut nicht gegen den Trainer richten, schliesslich will es diesen nicht noch mehr gegen sich aufbringen. Aus Mangel an Handlungsalternativen gehorcht es, wendet seine Aggressionen gegen sich selbst – mit der Gefahr später autodestruktive Verhaltensformen zu entwickeln. Möglich auch, das Erlebte zu internalisieren und es später in gewalttätiger Form an anderen Menschen auszulassen. Die Turnerin erkennt die Falle, kann dieser aber nicht entrinnen. Oder wie es die amerikanische Psychoanalytikerin Robin Stern ausdrückt: „Die Betroffenen wissen, dass etwas nicht stimmt – aber sie können es einfach nicht benennen.» Diese Form von Missbrauch kann lähmende Selbstzweifel verursachen. Im Extremfall entwickeln die Opfer Angstzustände, Depressionen oder andere psychische Störungen.

    Psychischer Missbrauch in vielen Facetten

    Wie Turnerinnen diesen psychischen Missbrauch häufig erleben mussten und darauf reagierten, wird in den rund 30seitigen «Magglinger Protokollen» schonungslos aufgedeckt. Stellvertretend hierzu sechs Statements von 6 betroffenen Turnerinnen:

    „Die brutalen, fiesen Sachen – die sagte sie (die Trainerin) nicht vor allen. Nur unter vier Augen. Und dann wehrtest du dich erst recht nicht, weil dir klar war, dass niemand es gehört hatte. Sie wusste genau, wie sie mit unserer Angst spielen musste, damit wir nicht aufmuckten.“

    “Ich gab mir die Schuld dafür, wie schlecht es mir ging. Ich dachte, vielleicht bin ich zu weich, zu empfindlich, denn alle werden ja gleich schlecht behandelt (…)“

    „Ich habe mir selbst ein Gefängnis gemacht. Ich hatte das Gefühl, beobachtet zu werden, und habe mich dabei selbst beobachtet. Ich war paranoid. Es war schrecklich (…)“

    „Wir waren wie Zombies, sprachen kaum miteinander. Wenn die Trainerinnen eine Kollegin zusammenschiss und wir sie in den Arm nehmen wollten, wurden wir angeschrien. (…) Ich weiss bis heute nicht richtig, wie das geht, Gefühle zeigen. Ich kann nicht wirklich jemanden trösten. Aber ich kann mega schnell von Weinen auf Lachen umstellen.“

    „Wie soll ich das beschreiben? Es war eine wahnsinnige Flut von Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit. Ich kannte mich nicht mehr, ich dachte ich sei, ich sei nichts wert ohne das Turnen. Und dann kam das dunkelste Kapitel: die Gefühlslosigkeit. Ich konnte nicht mehr weinen, ich konnte nichts mehr fühlen. Ich war leer.“

    „Dass ich depressiv war und eine Essstörung entwickelt hatte, wurde mir im Behandlungszimmer eines Arztes klar (…).“ 

    «Glaslighting»-Auswirkungen manipulativer Gewalt

    Was sich hier als Horrorszenario junger Turnerinnen präsentiert, wird in der Psychologie als «Gaslighting» beschrieben. Dieses bezeichnet eine psychische Extremform von manipulativer Gewalt, die besonders Kinder nachhaltig schädigen kann. Der Täter will sein Opfer häufig isolieren und gezielt desorientieren mit dem Ziel, dieses zutiefst zu verunsichern. „Gaslighter“ verdrehen ihren Opfern die Wörter im Munde, sprechen ihnen die Berechtigung ihrer Gefühle ab, werfen ihnen unangemessenes Verhalten oder falschen Realitätssinn vor. Bezogen auf die Magglinger Athletinnen heisst das: Sie verlieren zunehmend und in dramatischer Art und Weise ihr Realitäts- und Selbstbewusstsein.

    Begriffsklärung: «Gaslighting»

    Mit «Gaslighting» (aus dem Englischen, deutsch etwa: „Gasbeleuchtung“) wird die Form eines systematischen Missbrauchs, eines emotionalen Psychoterrors im Zusammenhang mit einer emotionalen (Beziehungs-)Manipulation bezeichnet, bei der Stück für Stück das Selbstvertrauen des Opfers zerstört wird.

    Der  Begriff „gaslighting“ orientiert sich am Film „Gaslight“ – im Original ein Theaterstück von Patrick Hamilton – bekannt unter dem Titel „Das Haus der Lady Alquist“ mit Ingrid Bergman als Opfer eines manipulativen Ehemanns.

    Auf einen besonders schädigenden Aspekt von „Gaslighting“ weißt Susanne Schild (2020) hin: „Typisch für Gaslighting ist, dass betroffene Kinder den Missbrauch erst im Rückblick erkennen. Erst als Erwachsene begreifen sie, wie sie zum Opfer wurden und dass sie nicht selbst an ihrer Situation schuld sind. Es kann sehr viel Zeit und therapeutische Unterstützung brauchen, bis sie sich psychisch stabilisiert und ein gesundes Selbstbewusstsein aufgebaut haben.“ Zu diesem Gedanken passt das Zitat einer Magglinger Turnerin: „Seit ich Magglingen verlassen habe, sind acht Jahre vergangen. Erst vor drei Jahren konnte ich sagen: Jetzt geht es mir gut.“

    Was ist zu tun?

    Der kürzlich verstorbene Kinderarzt Remo Largo, ein international hoch angesehener Sachbuchautor zu Entwicklungs- und Erziehungsthemen, war zeitlebens ein vehementer Gegner eines überzogenen Leistungsdrucks, der bis in die Freizeit, in die Sportvereine und in den Musikunterricht reicht. Auf seiner Argumentationslinie dürfte die „Charta der Rechte der Kinder und Jugendlichen im Sport“ (Mahler & Bizzini, 2009) liegen, die versucht, eine positive Entwicklung aus Sicht und zum Wohl des Kindes zu beschreiben. Diesem Positionspapier ist u.a. zu entnehmen: Das Recht mit Anstand behandelt zu werden, das Recht auf ein gesundes Umfeld, das Recht auf Ruheperioden sowie das Recht, kein Sieger zu sein. Dazu passend die Überzeugung Remo Largos gegen die Förderwut der Erwachsenen: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ und: „Herumhängen ist verpönt, dabei wäre es wichtig“. 

    Als Sportpsychologe, Trainer und Vater werde ich in Zukunft auch Largos Gedanken beherzigen und darauf achten:

      … auf die leise „innere“ Stimme der jungen Menschen zu hören und diese zu bekräftigen;

      … sie darin unterstützen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse ernst zu nehmen – auch weil ich weiss, dass sie dadurch weniger abhängig von der Meinung anderer sind und so ein tragfähiges Selbstbewusstsein entwickeln;

      … insbesondere auf eine respektvolle Sprache im Umgang mit den jungen Menschen achten, weniger zu werten und ihnen Gefühle nicht absprechen;

      … sorgsam mit meinen Erwartungen, Tipps, Ratschlägen und Meinungen umgehen, insbesondere auch in der sportpsychologischen Beratungssituation und im Austausch mit AthletInnen;

      …   die Stimme der Kinder dezidiert auch im Rahmen eines Eltern-Coachings, im Coach-the-Coach-Setting oder anlässlich einer Nachwuchs-TrainerInnen-Tagung Gehör zu verschaffen.

    Epilog

    Wenn man Remo Largo fragte, was man denn tun könne für eine bessere Welt, hörte man keine grossen Worte, sondern ganz schlicht einen Tipp: «Wichtig wäre, dafür zu sorgen, dass die Kinder mehr mit anderen zusammensein können.» Er war überzeugt, dass schon damit viel erreicht wäre.

    Mehr zum Thema:

    Quellen: 

    AthleteAFilm.com

    Gertsch, C. & Krogerus, M. (2020). Die Magglingen Protokolle. Das Magazin, Nr.44, S.8-43. 

    Gertsch, C. & Steffen, B. (2015). Ariella Käslin – Leiden im Licht. Die wahre Geschichte einer Turnerin. Zürich: NZZ Libro.

    Mahler, P. & Bizzini, L. (200). La Charte des droits de l’enfant dans le sport: un outil pour promouvoir la santé et protéger l’enfant dans le sport. Paediatrica 20(1):36-37. http://www.swiss-paediatrics.org/paediatrica/vol20/n1/pdf/36-37.pdf 

    Schild, S. (2020). Wie manipulative Erziehung Kindern schadet. https://epaper.tagesanzeiger.ch/#article/20/Tages%2DAnzeiger/2020-11-07/15/118026512

    Stern, R. (2017), Der Gaslight Effekt. Wie Sie versteckte emotionale Manipulationen erkennen und abwenden. München, Grünwald: Komplett-Media.

    Turnen – Training unter Angst, Sportschau 22.11.2020

    https://www.sportschau.de/weitere/turnen/video-turnen—training-unter-angst–100.html

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    Sportpsychologie-Weiterbildung für Vereine und Verbände

    Psychologie im Sport ist allgegenwärtig. Trainer reden ständig davon. Sportler immer häufiger. Journalisten erst recht. Aber wie viel Wissen über sportpsychologische Methoden sind im Sport eigentlich vorhanden? Wie viele Trainer können zielsicher auf Werkzeuge aus der Psychologie zurückgreifen? Welche Sportler haben die Sicherheit, ihre Bestleistung genau dann abzurufen, wenn es darauf ankommt?

    Wir von Die Sportpsychologen vermitteln Ihnen das Wissen, was sie brauchen. Auf Basis der Erfahrung unserer circa 40 Experten aus dem Profi-, Leistungs-, Nachwuchs-, Breiten- und Gesundheitssport haben wir ein neuartiges Programm entwickelt, mit dem wir Ihnen genau die Methoden, Werkzeuge und Stärken vermitteln, die sie benötigen. Da der Weg zum Ziel immer individuell ist, passen wir die Inhalte der Weiterbildung und die Vermittlung des Wissens genau auf Ihren Bedarf an.

    Das Beste: Unsere Weiterbildung wird zu Ihrem Heimspiel. Sie stellen die Location und die Technik, wir bringen einen oder mehrere Experten (je nach Bedarf, Anzahl der Teilnehmer, Budget) zu Ihnen. Aufgrund der Tatsache, dass unsere etwa 40 Profilinhaber in allen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz verteilt sind, gibt es keine Region, die wir nicht bedienen können. Weil unsere Sportpsychologen und qualifizierten Mentaltrainer in allen Sportarten, auf allen Leistungsebenen und Altersbereichen aktiv sind, gibt es so gut wie nichts, was wir nicht können.

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