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Thorsten Loch: Bin ich ein Hochstapler?! Und wie kann ich das ändern?

In unserer heutigen Gesellschaft gilt es als erstrebenswert, bescheiden und bodenständig zu sein. Wer große Töne spuckt, heraus posaunt, was er oder sie alles schon erreicht hat und was man alles gut kann, erarbeitet sich schnell den Ruf eines Angebers. Deswegen wird es gern gesehen, sich den konventionellen Normen zu beugen und danach zu handeln. Sei kritisch mit dir selbst und optimiere dich fortwährend. Aber schauen wir auf die andere Seite der Medaille: Ein zu viel an Kritik an seiner eigenen Person schadet sich selbst. Viele Menschen fühlen sich inkompetent und glauben, ihren Erfolg nicht verdient zu haben. Schlimmer noch: Sie fühlen sich als Betrüger, die früher oder später zum Auffliegen verdammt sind. Vielleicht kann nun der eine oder andere sich damit identifizieren. Möglicherweise hattest du auch schon oft solche oder ähnliche Gedanken und kennst das Gefühl, nicht ansatzweise so gut zu sein, wie alle anderen glauben. Die Wissenschaftler Bednar et al. (2019) veröffentlichten eine Studie zu dieser Thematik, in welcher sie 213 Studierende dazu befragten. Das Ergebnis ist erstaunlich. Knapp 20% der Befragten schienen unter diesem Phänomenen zu leiden. Extremer fielen die Ergebnisse in dem Fachgebiet der Medizin aus, wie Rosenthal et al. (2021) zeigen konnten. Aber was genau steckt hinter diesem Phänomen? Und was bedeutet es für den Sport?

Zum Thema: Den eigenen Hochstapler in den Schatten stellen

Betroffene der Problematik, die auch als Impostor-Phänomen bekannt ist, zeichnen sich durch ein tief sitzendes, verzerrtes Selbstbild aus. Egal was sie tun und wie viel Anerkennung ihnen entgegengebracht wird, sie haben stets das Gefühl, vollkommen inkompetent zu sein. Erfolge erzielen sie in ihren Augen nur durch Glück oder enorm viel Vorbereitung und Fleiß, nicht durch ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Weil alle anderen scheinbar noch nicht erkannt haben, dass sie so wenig leisten, fühlen sie sich als Hochstapler. Auf Englisch: impostor. 

Im Gegensatz zu dieser Annahme beschäftigte sich Krahé (1984) in ihren Arbeiten mit dem Begriff des self-serving bias. Die self-serving bias-Hypothese postuliert systematische Verzerrungen von Kausalattributionen im Dienste der Verteidigung und Steigerung des Selbstwertgefühls und nimmt an, dass Individuen Erfolg auf interne Verursachungsbedingungen (z.B. Fähigkeit oder Anstrengung), Misserfolg dagegen auf externe Ursachen (z.B. Schwierigkeit der Aufgabe oder Pech) zurückzuführen, um damit eine möglichst positive Selbsteinschätzung aufrecht zu erhalten oder zu verteidigen. 

Merke: Wir können also festhalten, dass Menschen mit Impostor-Syndrom stark an ihren Fähigkeiten zweifeln und sich als Hochstapler fühlen, die irgendwann auffliegen werden.

Bei diesem Phänomen geht es jedoch keineswegs nur um ein geringes Selbstbewusstsein. Es handelt sich vielmehr um ein vielschichtiges Problem. Jene Menschen können ihre eigenen Leistungen nicht richtig einordnen. Stattdessen schauen sie in einen Spiegel, der ihnen ein verzerrtes negatives Bild wiedergibt. Dieser Spiegel besteht aus vier Schichten/Ebenen, die sich gegenseitig verstärken (Muthig, 2021). Die oberste Schicht des Spiegels fängt die äußeren Eindrücke auf. Dabei handelt es sich um unsere Sinneswahrnehmung. Doch nicht alle Menschen nehmen ihre Umgebung gleich wahr. Stattdessen filtert jeder andere Eindrücke heraus – bei Menschen mit Hochstapler-Phänomen sind das vor allem negative Aspekte. Ein verunsicherter Spieler würde beispielsweise das kleinste Stirnrunzeln beim Trainer sofort registrieren. Die zweite Schicht des Spiegels wirft das aufgefangene Licht zurück. Dabei handelt es sich um die Verarbeitung der Sinneseindrücke in unserem Gehirn. Betroffene sind besonders anfällig für dichotomes Denken, sprich das Denken in Schwarz-Weiß-Kategorien. Ein Spieler würde seinen Blick also nur auf die wenigen Fehlpässe richten und sein Spiel als ungenügend ansehen, auch wenn es sich nur auf wenige fehlgeschlagene Aktionen beschränkt. 

Wir wissen, dass die Silberschicht im Inneren eines Spiegels anfällig für Korrosion ist und durch eine Rückwand luftdicht versiegelt werden muss. Betroffene des Impostor-Syndroms haben ebenfalls zwei Mechanismen, die ihr negatives Selbstbild aufrechterhalten: Emotionen und Handlungen. Was bedeutet das in der Praxis? Zunächst wird das verschobene Selbstbild durch starke Emotionen bestätigt. Wenn unser Sportler vom Trainer gesagt bekommt, er würde hervorragend trainieren, wird diese Information überlagert von dem flauen Gefühl in seinem Bauch, das ihm signalisiert: „Vielleicht ist es jetzt zufällig mal gut gelaufen. Beim nächsten Mal wird es sicher anders!“ Zu guter Letzt können bestimmte Handlungsmuster das Impostor-Syndrom verstärken. Betroffene sind anfällig dafür, auf Herausforderungen mit Prokrastination oder übermäßiger Vorbereitung zu reagieren. Beides führt dazu, dass sie das Gefühl haben, die Aufgabe nicht mühelos wie andere erledigen zu können, was ihnen als Beweis für ihre mangelnden Fähigkeiten dient. 

Halten wir fest: Das Impostor-Syndrom besteht aus vier Komponenten: 

  • verzerrte Wahrnehmung
  • negative Interpretation
  • starke Gefühle
  • verfestigende Handlungen 

Hier stellt sich die Frage, ob man diesem Phänomen hilflos ausgesetzt ist? Die gute Nachricht lautet: Nein! Es benötigt aber einige Schritte, seinen eigenen inneren Hochstapler zum Schweigen zu bringen. Gehen wir das doch gleich einmal an:

Ändere den Fokus 

Nimm dir einen Moment Zeit und schließe die Augen. Und jetzt versuchst du einmal, nicht daran zu denken, was morgen auf der To-do-Liste steht. Ich rate mal: Du bist kläglich an dieser Aufgabe gescheitert? Je bewusster du dich anstrengst, deine Gedanken von einer Sache abzulenken, desto mehr rückt sie ins Zentrum deiner Aufmerksamkeit. Wenn man krampfhaft versucht, seine Schwächen zu ignorieren, ist man wahrscheinlich nicht sonderlich erfolgreich. Daher ist es wichtig, die eigene Wahrnehmung behutsam auf positive Dinge zu lenken: auf deine Stärken und Erfolge. Alles, was du dafür brauchst, sind ein bisschen Geduld und ein großes Blatt Papier. 

Schreibe eine Woche lang jeden Abend drei Dinge auf, die während deines Tages/Trainings gut gelaufen sind. Es ist nicht weiter schlimm, wenn einem zu Beginn nicht sonderlich viel einfällt. Beginne auch mit ganz banalen Sachen. Nach kurzer Zeit wirst du feststellen können, dass du bereits tagsüber Erfolge wahrnimmst, die später notiert werden wollen. Und genau das ist der Kern dieses Journaling. Es geht darum, den Blick für die eigenen Erfolge zu schärfen. Nur so kann es einem langfristig gelingen, seinen inneren Hochstapler zu entkräften und ihm positive Beispiele für das eigene Können entgegenzubringen. 

Eine bewusste Wahrnehmung ist der erste Schritt auf dem Weg, deinen inneren Hochstapler loszuwerden. Doch was sind die nächsten Schritte? Gerne begleiten meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Thorsten Loch) dich dabei, deinen inneren Hochstapler zu zügeln. Hast du eine Frage, dann scheu dich nicht davor, uns zu kontaktieren. 

Mehr zum Thema:

Literatur:

Muthig, M.: Und morgen fliege ich auf: Vom Gefühl, den Erfolg nicht verdient zu haben – Das Impostor-Syndrom erkennen und überwinden. 2021. dtv Verlagsgesellschaft. 

Rosenthal S, Schlussel Y, Yaden MB, et al. Persistent Impostor Phenomenon Is Associated With Distress in Medical Students. Fam Med. 2021;53(2):118-122. 

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0001879119301095?via=ihub#preview-section-cited-by

chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/deliver/index/docId/4334/file/9_bias_1984.pdf

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Johanna Constantini: Tipps für das späte und angstfreie ReiterInnenglück

“Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.“ So altbacken das Sprichwort daher kommt, so viel Wahrheit steckt in und zwischen den Zeilen. Dies gilt nicht zuletzt für den Reitsport. Wobei es durchaus Wege gibt, auch im gesetzteren Alter das Glück auf dem Sattel zu finden. Johanna Constantini gibt im Interview einige Hinweise.

Zum Thema: Reitsport im Alter

Johanna Constantini, in einigen Outdoor-Sportarten gibt es eine Faustregel: Je älter die Sportler, desto gefährlicher. Gerade unter ambitionierten Bergsteigern schießt das Mortalitätsrisiko für ältere Kletterer ziemlich in die Höhe. Inwiefern wird denn der Reitsport im höheren Alter gefährlicher und was sollten Reitsportler aus sportpsychologischer Perspektive darüber wissen?

So wie SportlerInnen aller anderen Disziplinen unterliegen natürlich auch PferdesportlerInnen dem natürlichen Prozess des körperlichen wie geistigen Alterns. Gewisse Abbauprozesse sind dabei ganz normal und eben erwartbar. Natürlich können sich gewisse Herangehensweisen und auch Möglichkeiten, den Sport auszuüben, über die Lebensspanne ändern, allerdings ist es hier wie so oft wichtig, auch sportpsychologisch sehr individuell vorzugehen. 

Im Einzelfall können schlechte Erfahrungen oder Unfälle beispielsweise ängstlich machen. Die eigene Fitness wird wichtiger, weil der ganz natürliche, körperliche Abbau im Gange ist. Je nach Lebensentwurf ist das Pferd ein Sportpartner oder Ruhepol, ein Freizeitgestalter oder mittlerweile sogar zum Beruf geworden. Eine pauschale Richtung gibt es auch mit über 40 Lebensjahren nicht, zumal Pferdesport im Gegensatz zu anderen Sportarten bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Das zeitliche und finanzielle Budget jedenfalls bestimmen das Hobby mehr denn je. Und es ist auch nach wie vor wichtig, dass das Pferd zu der körperlichen Konstitution und der reiterlichen Erfahrung passt. Ein langes Reiterleben lässt Erfahrungen und Wissen sammeln, dies kann sich mehr denn je zunutze machen.

In der Dressur ist ja sogar so, dass in der Altersgruppe 40+ einige Freizeitsportler so echten Karrieren durchstarten. Was bringen diese Sportler und Sportlerinnen mit, was der Reiterrinnennachwuchs noch nicht drauf hat?

Ich denke, es ist eine Mischung aus Erfahrung, das heißt auch Anzahl an Pferden, die man Zeit des Reiterlebens unter den Sattel bekommt sowie andere Lebensbereiche, die sich im Alter von 40+ von jenen im beispielsweise Jugendalter unterscheiden. Wo es mit der eigenen Zeit vielleicht mit dem Alter knapper wird, weil Kinder und/oder berufliche und private Verpflichtungen zunehmen, da kann die finanzielle Unabhängigkeit oder Möglichkeit Grund dafür sein, dass der Sport intensiver ausgeübt wird. 

Für welche Sportler und Sportlerinnen könnte das Reiten aus deiner Sicht eine gute „Alterssportart“ sein? Und was entgegnest du jenen, die bislang keine Erfahrung auf den Rücken von Pferden gesammelt haben und nun aus Angst und Unsicherheit einen Bogen um den Reitstall machen? Warum sollten sie es zumindest ausprobieren?

Vor allem bei Ängsten ist es wichtig, ganz behutsam vorzugehen und nichts zu überstürzen. Zudem sollte man sich bei einem späten Start ins Reiterglück nach einem passenden Stall und damit auch passenden Pferden umsehen. Ansonsten können auch hier schnell Ängste und Unsicherheiten resultieren. Umso besser, wenn man im Bekanntenkreis PferdesportlerInnen kennt, die einen hier womöglich bei der Hand nehmen können. Schaut man zudem auf sich und ist sich der eigenen Grenzen gewahr, so steht auch dem Reiten im späteren Erwachsenenalter nichts im Wege.

Hinweis: Zum Thema erschien neulich ein interessanter Text auf pm-forum-digital (Link), in dessen Zusammenhang Johanna Constantini (zum Profil) ebenso zitiert wurde.

Mehr zum Thema:

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Maria Senz: Abstieg mit Perspektive: Repeat to succeed (Wiederholen für den Erfolg)

Viele Teamsportler und deren Trainer und Trainerinnen kennen das: Du stehst mitten in der Saison. Spiele und Trainings sind in vollem Gange, doch irgendwie bleiben Erfolge, Gewinne, Siege und damit die Punkteausbeute aus. Du rechnest rauf, runter, links, rechts, diagonal und stellst fest: Egal, wie ich die Tabelle drehe, wende und schüttle, diese Saison endet mit einem Abstieg. Folgende Herausforderung macht sich breit: Wie kommuniziere ich diesen Status quo in der Mannschaft, sodass genug Motivation für die restliche Saison übrig bleibt und wir uns mit erhobenem Haupt verabschieden werden?

Thema: Die Kommunikation eines Abstiegs inmitten der Saison

Hier ist ein Textbeitrag aus einer der wohl mächtigsten Disziplinen des Sports: KOMMUNIKATION. Um dies möglichst erlebbar zu gestalten, habe ich fragmentiert die Kommunikationsprozesse der vergangenen Wochen zusammengefasst. Im Wissen, dass ihr etwas damit und für euch anfangen könnt.

Vielleicht aber noch zum Hintergrund: Ich begleite seit über einem Jahr ein Team, welches leistungsorientiert im bundesweiten Wettbewerb aktiv ist. Ein Team, welches in der laufenden Saison sportlich der Musik in der Liga hinterherläuft. Dabei ist großes Potential vorhanden, es gibt viele sehr gute junge Spieler, einige sehr gute erfahrene Akteure, ein hervorragendes Team um das Team und einen super ambitionierten und reflektierten Trainer. Mit Letzterem hatte ich als Mentalcoach zuletzt wiederholt zu tun. Weil er die schwierige Situation für sich, sein Team und seinen Verein bestmöglich lösen will. 

WER & WAS?

Der Trainer tritt mit einem klaren Szenario an mich heran: Er muss mit seiner Mannschaft ein Gespräch führen. Naja, eigentlich sogar mehrere Gespräche. Ein sachliches Gespräch mit und vor der gesamten Mannschaft. Anschließend Perspektivgespräche mit jedem Athleten einzeln. Als Trainer möchte er diese Gespräche führen, mit vorheriger Vorbereitung. So viel zur konkreten Auftragsklärung.

Der Trainer stellt sich nun die Frage, wie er das Mannschaftsgespräch vorbereiten könne? Was möchte er als Trainer sagen? „Wir haben diese Saison verkackt. Tut mir leid, Jungs. Wir steigen ab.“ Ja, das ist seine aktuelle Stimmung. Miesepetrig, enttäuscht, nutzlos. Gleichzeitig führt das dazu, so befürchtet er, dass er in den folgenden Trainings einer Mannschaft gegenübertritt, deren Motivation einem Kühlschrank gleicht: kalt, starr und resigniert. Also eher kontraproduktiv.

Folgende  Anregung habe ich dem Trainer mit auf den Weg seines Abwägens gegeben: Welcher Mannschaft möchtest du im Training gegenübertreten? Einer Mannschaft, die motiviert genug ist, um gemeinsam und mit erhobenem Haupt die Saison zu Ende zu spielen und die Halle, die Fans, die Familien, die Freunde, die Liga gebührend zu verabschieden.

WIE & WO?

Beim Trainer hat dieser Input etwas ausgelöst, er fragt sich Folgendes: “Wie schaffe ich das? Welche Worte, Atmosphäre, Unterstützung brauche ich, damit ich genau das mit meiner Rede bewirke? Eigentlich beginnt es schon mit dem Wort ´Abstieg ́. Das schreit ja schon nach Untergang, Verderb, Ruin. Ja, es ist ein Gehen. Ein Gehen in eine andere Liga. In eine Liga, die vom Leistungsniveau darunter liegt. Was könnte ich also stattdessen sagen?”

Meine Anregung: 

Wie wäre es mit einer Metapher? Metaphern regen die Kreativität an und bieten somit andere Sichtweisen. Weg vom frustrierten, genervten, enttäuschten Zustand hin zu einer Sicht, die Zuversicht und Optimismus eröffnet. Im konkreten Fall: die Metapher Computerspiel. Heißt, ihr seid aktuell in einem Level, wo eure Stabilität und Stärke noch unvollständig sind, um dieses Level zu bestehen. Deshalb wiederholt ihr das vorherige Level, um dort die notwendige Ausrüstung, Erfahrung, Technik, Taktik und Co einzusammeln, um im hiesigen Level erfolgreich weiterzugehen. Repeat to succeed heißt die neue Strategie.

Reaktion des Trainers: “Klingt irgendwie…spielerisch!”

WANN?

Ein paar Tage später hat sich der Trainer weiter gesammelt und hat einen losen Zeitplan im Kopf: “Das Gespräch führe ich unmittelbar nach dem rechnerischen Feststehen des Abstiegs. Am besten gönn ich mir eine gesamte Trainingseinheit dafür, so dass wir ausführlich sprechen können. Und zwar darüber, was uns die Saison an Ausrüstung, Erfahrung, Technik, Taktik und Co gebracht hat. Und was uns fehlt, so dass wir daran schon in der verbleibenden Saison arbeiten können.”

“Anschließend führe ich Perspektivgespräche mit jedem einzelnen Spieler: Wie geht es für dich mit deiner Sportart weiter? Woran möchtest du in der verbleibenden Saison arbeiten? Was nimmst du am Ende der Saison mit in deine Sporttasche?”

VORBEREITUNG

Eine konkrete Anregung hatte ich noch: Nämlich, ein Vorgespräch mit der Mannschaft zum Status quo zu führen. Mit folgenden Fragen: “Wo stehen wir aktuell? Was erreichen wir im schlimmsten und im besten Fall?” Zum einen kann er dadurch an die Selbstwirksamkeit des Teams appellieren. Und weiter: “Was möchtet ihr als Mannschaft am Ende dieser Saison gemeinsam erreicht haben?” Damit klärt er für sich, welche intrinsische Motivation im Team steckt? Folgende Zusatzinfos will er dann bringen: “Wir sind technisch und taktisch gut drauf. Es hapert an unserem Teamgefüge. Was kann jeder Einzelne im Team dafür tun?”

FAZIT

Letztlich ist es ein Gesprächsprozess, der vorbereitet werden möchte: beginnend mit einem Zwischengespräch zum Status quo, gefolgt von der sachlichen Information des Abstiegs und abschließend vielen Einzelgesprächen. Die Vorbereitung beginnt mit dem sachlichen Gespräch: Welche Botschaft möchte ich als Trainer hier loswerden, um damit schon Anregung für die nächste Saison zu triggern?

Was hat die Auseinandersetzung zum Thema meinem Gegenüber also gebracht, welche Erkenntnisse konnte er für sich ziehen?

“Ich bin Trainer dieser Mannschaft. Ich habe mich dazu bereit erklärt, die Mannschaft in Technik, Taktik, Athletik und Ausdauer zu begleiten – in Berg- und Talfahrten. Auch wenn das Tal noch vor uns liegt, bin ich überzeugt, dass wir auf diesem fruchtbaren Boden als Team so zusammenwachsen können, dass wir als Einheit in das nächste Level starten. Ich blicke mit Zuversicht in die Prärie und erkenne ein Flimmern am Horizont. Ein gutes Gefühl.”

Mehr zum Thema:

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Prof. Dr. René Paasch: Gute Kinderstube im Leistungssport

Wie gehen wir mit den Beteiligten im Leistungssport und in unserer Gesellschaft um? Woran liegt es, dass uns der Begriff „gute Kinderstube“ mittlerweile veraltet erscheint? Man braucht nur einmal zu einem Revierderby in der Fußball-Bundesliga gehen oder nebenan bei Ihrem Lieblings-Amateurclub sich ein Spiel anschauen, um festzustellen: Respektvolles Miteinander ist in unseren Stadien und auf unseren Sportplätzen nur noch selten zu finden. Einige Fans oder Eltern verhalten sich erst angepasst und freundlich, wenn sie dazu aufgefordert werden. Sobald jemand im Weg steht oder nicht demselben Verein angehört, wird er verachtend angeschaut oder beleidigt. Und das sind nur die harmlosen Symptome eines viel größeren Problems: nämlich einer allgemeinen Respektlosigkeit, an der unser Sport und unsere Gesellschaft immer mehr erkrankt. Ignoranz, Narzissmus, Ellbogen ausfahren, Menschen beleidigen, fremdsteuern, der Bessere mögen gewinnen oder das Leistungsprinzip höher, schneller, weiter bringen zunehmend die moralischen Grundtugenden des gemeinsamen Zusammenlebens ins Wanken. Tagtäglich werden Menschen und Akteure im Leistungssport aufgrund ihrer fehlenden Leistungsfähigkeit, ihrer Spiel- und Verhaltensweisen bei verlorenen Spielen, ihres Aussehens, ihrer Herkunft oder ihrer Gedanken diskriminiert, persönlich beleidigt oder schlecht behandelt. Doch woher kommt diese augenscheinliche Demontage der guten Kinderstube? Die folgenden Anregungen gehen dieser Frage nach und zeigen, was wir alle dagegen tun können? 

Zum Thema: Ein respektvoller Umgang in der Gesellschaft und im Sport 

Haben Sie schon mal versucht, den Schiedsrichter beim Spiel umzustimmen, obwohl Sie wussten, dass dieser mit seiner Entscheidung recht hatte? Oder haben Sie dies unterlassen, weil es sich nicht richtig angefühlt hat? Grund für Ihr zögerliches Verhalten war sicherlich Ihre gute Kinderstube. Sie bedeutet, trotz Ihrer individuellen Wünsche, Bedürfnisse und Zugehörigkeit stets das Wohlbefinden Ihrer Mitmenschen im Blick zu haben. Es bedeutet aber auch, sich der weitreichenden Folgen alltäglicher und sportlicher Handlungen bewusst zu sein. 

Können Sie sich noch an die Diskussion bezüglich der WM 2022 in Katar zum Thema „Menschenrechte“ erinnern? Wenn ja, hatten Sie beim Schauen des Eröffnungsspiel ein schlechtes Gewissen?  Hunderttausende von meist südasiatischen Wanderarbeitern im Baugewerbe wurden in Katar ausgebeutet und nicht nur in seltenen Fällen misshandelt. Hausangestellte, oft arme Frauen aus südostasiatischen Ländern, haben wenig Rechte und können Opfer von Menschenhandel werden. Trotz dieser schweren und weitreichenden Menschenrechtsverletzungen schauten Millionen Menschen die WM in Katar. Waren sie sich darüber bewusst, welchen Beitrag wir alle damit leisten oder fühlen Sie sich dabei nicht wohl, entgegen Ihrem moralischen Wertesystem zu handeln? 

Genau das ist mit „Gute Kinderstube“ gemeint: Die Fähigkeit und Bereitschaft, das eigene Handeln und die eigenen Privilegien zu reflektieren und Verantwortung für das Allgemeinwohl und des Einzelnen zu übernehmen. Ein Fußballtrainer, der zu einem Großteil seiner Spieler höflich und zuvorkommend ist, einige jedoch wegen ihrer Herkunft oder Leistungsfähigkeit schlechter behandelt, verhält sich unmoralisch. Welche Entwicklungen die Respektlosigkeit im deutschen Fußball aus meiner Sicht durchlaufen hat und was uns droht, erfahren Sie jetzt! 

Respektlosigkeit im Deutschen Fußball

Über 70 Jahre liegen die Verbrechen der NS-Zeit inzwischen zurück. Noch immer schockieren die Gräueltaten und es fällt sehr schwer, nachzuvollziehen, wie eine ganze Gesellschaft jegliches Gespür für Moral verlieren konnte. Umso erschreckender ist es, dass sich viele der Überzeugungen von damals bis in unsere heutige Gesellschaft gehalten haben. Jeden Tag werden Menschen zu Opfern von Diskriminierung und Selbstherrlichkeit. Rassismus ist eine der gefährlichsten Formen, was Verstöße gegen die Menschenwürde angeht. Fußball-Nationalspieler Antonio Rüdiger ist mehrmals Opfer rassistischer Beleidigungen geworden. Im Umfeld des Confed Cups spricht er sehr offen darüber. Rüdiger: „Der Schiri sollte den Stadionsprecher darauf ansprechen, dass das passiert. Dann ist eine Verwarnung angemessen. Und wenn es danach immer noch nicht eingehalten wird, finde ich es gut, wenn ein Spiel abgebrochen wird“. 

Zudem wurden im Jahr 2016 fast 1.000 Anschläge auf Asylbewerberheime gezählt, von denen nur einige wenige öffentlich bekannt wurden und auch in Stadien dieser Welt ist dies keine Seltenheit mehr. Mehr dazu:

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/06/dr-rene-paasch-ruediger-und-der-hass/.

Rassismus und Homophobie

Neben Rassismus ist auch Homophobie ein Ausdruck der aktuellen Respektlosigkeit. Auch im 21. Jahrhundert müssen sich Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gegen verbale und physische Übergriffe wehren – trotz der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Homosexualität ist noch immer ein Tabuthema im Fußball. Trotz des Coming-outs von Thomas Hitzlsperger hat sich bislang kein weiterer deutscher Nationalspieler oder Topspieler aus der Bundesliga geoutet. Und das aus Angst und weiteren nachvollziehbaren Gründen. Mehr dazu:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/09/dr-rene-paasch-coming-out-im-fussball/.

Medien berichten über Krieg und Krisen in diversen Formen: den Ukraine-Krieg, die Corona-Pandemie, den Klimawandel, die Sicherung unserer Energieversorgung, die Störung der globalen Lieferketten und die sich auch aus diesen Faktoren ergebenden Turbulenzen. Wir alle haben eine gesellschaftliche Pflicht, uns für ein respektvolles Miteinander einzusetzen und uns gegen menschenverachtende Einstellungen zu positionieren. Kommen wir dieser Pflicht nicht nach, greift die Unmenschlichkeit um sich, und zwar mit schwerwiegenden Folgen für uns alle. Wie und warum das passiert, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Fehlverhalten ist ansteckend 

Bestimmt gab es auch Ihrem Verein einen Trainer oder Manager, der respektiert oder gar gefürchtet ist, weil er anderen Menschen das Leben schwer gemacht hat. Oder kennen Sie Personen aus Führungsebenen eines Vereins, die bei fehlender Leistungsfähigkeit Spieler in der Kabine beleidigen oder sie in den Medien schlecht darstellen lassen? Offenbar hatte man sich auf solchen Ebenen vielerorts wortlos darauf geeinigt, dass man Personen oder Spieler nach Belieben schlecht behandeln darf. Genau so funktioniert die Dynamik der Respektlosigkeit. Wenn dieses Verhalten einmal Erfolg verspricht, greift dies schnell um sich. Daher ist es wichtig, ihr von Anfang an die Stirn zu bieten. Natürlich wird es immer Menschen geben, die sich anderen gegenüber respektlos verhalten, die versuchen, die Schwächen einiger Menschen auszunutzen. Das ist auch eigentlich kein Problem – jedenfalls nicht, solange die Würde des Gegenübers unantastbar bleibt. Mehr dazu:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/12/dr-rene-paasch-die-wuerde-der-nachwuchsspieler-ist-unantastbar/.

Wird respektloses Verhalten jedoch geduldet und unter Umständen sogar mit Erfolg oder Bewunderung belohnt, gibt es in der Regel schnell Nachahmer. Damit so etwas nicht geschieht, muss Respektlosigkeit sanktioniert werden. Stellt sich bspw. bei einem Wettkampf heraus, dass ein Spieler auf verbotene Schmerzmittel oder leistungssteigerden Mittel zurückgegriffen hat oder eine Person des öffentlichen Lebens betrogen hat (Profitrainer fälscht den Impfausweis oder Ärzte verschreiben unerlaubte Mittel) sollten nachhaltige Konsequenzen folgen. 

Das gilt im Übrigen auch für Mobber, Schläger, pöbelnde Trainer u.v.m. am Spielfeldrand, die Ihre Emotionen und ihren Sprachgebrauch nicht im Zaum halten können. Dies sendet ein klares Signal an die übrigen Akteure im Sport und in der Gesellschaft. Geschieht das nicht, werden sich beim nächsten Mal auch andere ähnliche Verhaltensweisen zeigen. Und dabei bleibt es noch nicht: Der nächsten Generation wird auf diese Weise von ihren Idolen suggeriert, dass es in unserer Gesellschaft oder im Sport nur ums Gewinnen geht, und nicht um den fairen Wettkampf. Ähnliches erkennen wir dieses Phänomen auch in anderen Lebensbereichen (Kita, Schule, Betriebe u.v.m.). Wenn Führungskräfte im Unternehmen oder Manager im Sport sich nicht moralisch verhalten, gilt dies als Maßstab dafür, was zulässig ist und was nicht. Ihr Handeln wird von wesentlich mehr Menschen wahrgenommen als das des Durchschnittsbürgers, weshalb sie sich auch mehr Gedanken darüber machen sollten, wie sie handeln und welche Signale sie damit in die Welt und ganz besonders in den Sport senden. Dieser Beitrag wäre ein kleiner Meilenstein zu mehr Menschlichkeit in unserem Leben:

https://www.die-sportpsychologen.de/2023/01/prof-dr-rene-paasch-drei-tugenden-fuer-herausfordernde-zeiten-im-sport-job-und-alltag/.

Fazit

Eine gute Kinderstube basiert auf vielen wichtigen Tugenden, die das menschliche Zusammenleben im Sport und in der Gesellschaft regeln. Der momentan fortschreitende Verlust dieser Werte hat weitreichende und alarmierende Folgen. Zum moralischen Verfall tragen schlechte Vorbilder in allen Lebensbereichen bei. Lassen Sie dies nicht zu. Die Aussagen von gestrandeten Akteuren im Sport und die steigenden Zahlen psychischer Belastungen in unserer Gesellschaft lassen sich nicht monokausal auf die geschilderten Zusammenhänge zurückführen, sie dürfen aber als mehr als alarmierend wahrgenommen werden.  

Take Home Message

Wenn die nächste Stelle in Ihrem Verein oder Unternehmen zu besetzen ist, wie bspw. der Manager, Abteilungsleiter, Trainer- oder auf Teamebene Spielerverpflichtungen anstehen, überlegen Sie sich sehr genau, welche Werte und Verhaltensweisen sie inhaltlich am meisten überzeugen und dass ist unabhängig von dem Lebenslauf und der öffentlichen Wirksamkeit. Lassen Sie sich nicht nur von Erfolgen oder Auffälligkeiten mancher Personen beeindrucken. Wenn wir uns alle „Schritt für Schritt” aufeinander zubewegen und uns an der guten Kinderstube orientieren, stehen bald wieder Vorbilder auf und neben dem Platz, die ihre Rolle und Verantwortung ernst nehmen. Und wenn Sie jetzt große Sorge haben, dass sich dies auf die Leistungen und die Wirtschaftlichkeit auswirken könnte, dann empfehle ich Ihnen diesen Beitrag: 

https://www.die-sportpsychologen.de/2021/08/dr-rene-paasch-rentabilitaet-und-menschlichkeit-im-fussball/.

Ich freue mich auf Ihr Feedback und eine Diskussion in Ihrem Verein, in Ihrer Gruppe und in unserem Netzwerk. Herzlichst, René. 

Mehr zum Thema:

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Anke Precht: Warum Sportpsychologie beim Präsidium anfangen sollte

Vor einigen Jahren erlebte ich folgende Situation: Ich kam zu einem Verein, der mich vier Tage vor einem saison-entscheidenden Spiel kontaktiert hatte. Alles hing vom letzten Ergebnis ab. Im Team und ringsherum herrschte große Unruhe, denn die letzten beiden Spiele hatte die Mannschaft überraschend verloren, gegen schwächere Gegner. Es musste wohl am Kopf liegen, und ich sollte es nun richten. Einen Tag lang führte ich Gespräche mit den Verantwortlichen: Den Mitgliedern des Präsidiums, dem sportlichen Leiter, dem Cheftrainer, dem Athletiktrainer, dem Physiotherapeuten, der bekanntlich oft mehr weiß als andere im Team um das Team, um herauszufinden, wo womöglich der Hase im Pfeffer lag und kurzfristig eine gezielte Maßnahme ins Team bringen zu können. Viele Hypothesen wurden aufgeworfen, manche sprachen davon, dass das Team verunsichert sei, weil ein Leistungsträger woanders unterschrieben hätte, und dass die Leistung aller seitdem abgenommen habe. Von einem dramatischen Spielverlauf war die Rede beim ersten verlorenen Spiel, weil die Mannschaft da viel Pech gehabt hatte, einschließlich zweier Schiedsrichterentscheidungen, die auch von neutralen Außenstehenden sehr kritisch besprochen worden waren. Kurzum: Es war kompliziert und die Lösung kam für so manchen Beteiligten überraschend. 

Zum Thema: Sportpsychologische Krisenintervention

Als ich am Ende mit den Spielern sprach, tat sich eine ganz andere Realität auf. Die Spieler waren gestresst, weil sie seit Wochen Druck bekamen, vor allem vom Präsidium: Alles stünde auf dem Spiel, sie müssten diese historische Chance nutzen, es läge jetzt an ihnen, sie würden das ganz sicher schaffen und sollten sich jetzt fokussieren. 

Die Spieler dagegen hatten den Fokus ganz woanders und einen riesigen Frust, und zwar aus einem ganz einfachen und praktischen Grund: Versprochene Boni waren seit Wochen nicht ausgezahlt worden und ein Tankgutschein wurde nicht erneuert, obwohl er Teil des Vertrags war. Sie hatten einen Hals auf den Verein und ganz besonders auf das Präsidium. Sie identifizierten sich nicht mehr mit denen, die sie motivieren wollten. Und wenn man von ihnen Leistung verlangte, reagierten einige bockig: Sollen die sich doch erst an die Vereinbarungen halten, bevor sie uns an den Pranger stellen! Mit welchem Recht verlangen sie eigentlich von uns, dass wir 200% bringen? Sollen die doch erst einmal 100% bringen! Man kann sich vorstellen, dass es schwierig ist, mit einer solchen Einstellung auf dem Feld Höchstleistungen zu zeigen und über sich hinauszuwachsen.

Kommunikation als Schlüssel

Was haben wir also gemacht? Der Präsident hat die Mannschaft einberufen, vor seiner Rede die fehlenden Tankgutscheine ausgeteilt und der Mannschaft für ihre Geduld und ihr Engagement gedankt. Dann hat er erläutert, dass die finanzielle Situation des Vereins in der letzten Zeit schwierig gewesen sei, dass sich das in den nächsten Tagen ändern würde, weil Gelder erwartet würden, und dass er dann die Boni auszahlen werde. Er war transparent und offen, entschuldigte sich für den Mangel an Kommunikation, und man konnte fast spüren, wie sich die Spieler entspannten und wieder in Kontakt mit ihm gingen. Kein Druck, kein Mutmachen, er kümmerte sich einfach um die wirtschaftlichen Angelegenheiten, für die er zuständig war. Der Trainer hielt anschließend eine kurze Rede in der Kabine, um die Mannschaft auf die letzten Vorbereitungen zu fokussieren. Und ein Spieler, der von allen gleichermaßen geachtet wurde, hielt direkt vor dem Spiel in der Kabine eine flammende Motivationsrede, über die wir vorab gesprochen hatten. Die Mannschaft lief auf und war wie entfesselt, und sie gewann das entscheidende Match gegen einen starken Gegner.

Warum ich dieses Beispiel teile? Häufig glaubt man, Sportpsychologen würden irgendwelche Schräubchen in den Köpfen der Athleten verstellen, und dann würden diese performen. Dem ist nicht zwingend so. Es gibt unzählige Einflussgrößen im Sport, die dazu führen können, dass eine Leistung erbracht wird oder nicht. Nicht zuletzt sind die Menschen, die den Verein oder ein Team repräsentieren, ganz entscheidend, weil sie Vorbildcharakter haben und diesen auch glaubhaft leben müssen. Passiert das nicht, kann man als Sportpsychologe bei den Spielern lange herumdoktern – nicht immer mit Erfolg. Sportpsychologie fängt deshalb eben auch beim Präsidium an. Sportpsychologische Beratung kann auf allen Ebenen zum Erfolg verhelfen.

Keine Überraschung

Wenn ich (zum Profil von Anke Precht) mit Kollegen aus der Sportpsychologie (zur Übersicht) über diese Erfahrung spreche, höre ich häufig, dass sie etwas Ähnliches auch schon erlebt haben. Öffentlich wird darüber aber in aller Regel nicht gesprochen. Bislang nicht.

Mehr zum Thema:

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Yvonne Dathe: Bewältigung von Trauer – Tipps für Sportler, Piloten, Teams und Vereine

Beim Flugsport kommt es leider immer wieder zu tragischen Ereignissen, wie dem Tod eines anderen Piloten. Vor einigen Jahren musste ich selbst miterleben, wie bei einem Wettbewerb zwei Piloten tödlich verunglückten. Bei mir löste es einen tiefen Schock, Traurigkeit und Zweifel aus, ob das Fliegen wirklich die richtige Sportart für mich ist. Neben der Trauer stellte ich das Fliegen selbst in Frage. Vielen anderen geht es ähnlich. Immer wieder mal bekomme ich Anfragen darüber, wie mit solch einem Fall umgegangen werden kann. Wichtig ist, dass du, das Team und der Verein eine angemessene Unterstützung und Zeit zur Trauerbewältigung erhalten. Im Text gebe ich einige Tipps zum Umgang mit solch herausfordernden Situationen.

Zum Thema: Wie Sportler Trauerfälle verarbeiten können

Die ersten Schritte

Direkt nach solch einem Unfall und dem damit verbundenen Trauerfall ist es wichtig, dass das Team zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Dies kann durch gemeinsame Gespräche, Gedenkveranstaltungen oder das Absagen von Veranstaltungen erfolgen. In dem oben beschriebenen Wettbewerb wurde die Veranstaltung sofort beendet. Es ist auch wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, falls nötig. Denn der Umgang mit Trauer ist sehr individuell und kann auch schwierig sein.

Wichtig zu wissen: Trauer ist ein normaler und natürlicher Prozess. Jeder Mensch trauert anders und es ist wichtig, dass du deine eigene Zeit und Methode findest, um mit der Trauer umzugehen. Manche Menschen können Trost in gemeinsamen Aktivitäten oder Gesprächen mit anderen finden, während andere eine kürzere oder längere Auszeit vom Sport benötigen. Für manche ist es hilfreich, ihre Gefühle durch Musizieren, Malen oder Schreiben auszudrücken, während andere einfach allein sein möchten. So individuell wir Menschen sind, so unterschiedlich ist der Umgang mit der Trauer. Überlege dir, was für dich hilfreich sein kann.

Erinnerungen bewahren

Eine wichtige Möglichkeit, um mit der Trauer umzugehen, ist das Bewahren von Erinnerungen an den verstorbenen Menschen. Besonders bedeutend ist das, wenn der verstorbene Mensch dir sehr nahe stand. Dies kann durch das Tragen von Erinnerungsgegenständen (z. B. einem Anhänger), das Aufstellen von Bildern und das Abhalten einer Gedenkveranstaltungen geschehen. Wie möchtest du dich weiterhin an den verstorbenen Menschen erinnern?

Eine persönliche Risikoanalyse

So wie es mir passierte, kann es auch dir widerfahren, dass du den Sport in Frage stellst. Eine Möglichkeit für dich, die Entscheidung zu treffen, ob du das Fliegen oder einen anderen Sport weiter betreiben möchtest, besteht darin, deine persönliche Risikoanalyse durchzuführen. Hierbei solltest du dir folgenden Fragen stellen:

  1. Wie groß ist das Risiko, tödlich zu verunglücken?
    Wenn ich mir die Unfallberichte durchlese, lassen sich häufig Erklärungen finden, wie es zu dem Unfall kam. Daher versuche auch du herauszufinden, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. Wenn du den Grund dafür analysiert hast, stelle dir die nächste Frage:
  2. Kann dir das ebenfalls passieren?
    Falls die Antwort ja ist, solltest du eine Lösung dafür finden. Stelle dir also auch die Frage:
  3. Welche Lösung gibt es, um das Risiko solch eines Unfalls zu vermeiden?
    Häufig sind es kleine Stellschrauben mit großer Wirkung. So kann die Aufforderung an die Passagiere bei einem Tandemflug, die Hände während des Startes über kreuz zu nehmen und sich an den eigenen Schultergurten festzuhalten, verhindern, dass die Passagiere mit ihren Händen in die Leinen greifen. 

Welche kleine Stellschraube kannst du verändern, um sicherer deinen Sport ausüben zu können?

  1. Was gibt mir der Sport?
    Diese Frage ist natürlich extrem wichtig. Welchen persönlichen Gewinn ziehst du aus dem Sport? Beim Fliegen sind das für mich, das Gefühl der Freiheit, abschalten, eins mit der Natur und den Elementen zu sein, die Welt erkunden, Freunde treffen uvm. In einem Video habe ich mal meine Gründe für das Fliegen zusammengefasst… – Was sind deine Gründe warum du den Sport betreibst, schreib es dir wenn nötig auf!
  2. Was verliere ich, wenn ich den Sport aufgebe?
    Bei dieser Frage geht es um den Preis, den Verlust, den du haben wirst, wenn du den Sport aufgibst. Es wird sich vermutlich dein Bekanntenkreis verändern, vielleicht auch größere Bereiche deines Lebens (z. B. dein Reiseverhalten, dein Lebensstil usw.)
  3. Bin ich bereit, unter Berücksichtigung der vorherigen Fragen den Sport weiter auszuüben?

Expertise einholen

Sicherlich birgt jede Sportart gewisse Risiken. Es schadet aber nicht, sich selbst mal die oben genannten Fragen zu beantworten, um bewusst mit den Risiken umgehen zu können. 

Wenn du Zweifel hast, ob du den Sport weiter betreiben möchtest, kann es hilfreich sein, eine professionelle Meinung (z. B. Psychologe, Lehrer, Trainer) einzuholen.

Fazit

Ein Trauerfall kann eine schwierige Zeit für Sportler, Teams und Vereine sein. Es ist in Ordnung, wenn du einige Zeit brauchst, um das zu verarbeiten. Und es ist in Ordnung, wenn du dir dafür Unterstützung holst. Bei der Entscheidung, ob du den Sport weiter betreibst, ist es wichtig, dass du deine eigene Entscheidung triffst und deiner Intuition folgst. Eine persönliche Risikoanalyse und das Einholen von Expertise können dir helfen, eine informierte Entscheidung zu treffen.

Mehr zum Thema:

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Björn Korfmacher: Sport-Mentaltraining – wie läuft denn sowas überhaupt?

Bei mir läuft das so: Bevor ich mit dem eigentlichen Sport-Mentaltraining beginne, führe ich (wie sicherlich die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen) mit dem Athleten zunächst ein Erstgespräch – bei Minderjährigen selbstverständlich im Beisein der Eltern. Dies dient in erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen und gibt mir ein besseres Verständnis für das konkrete Anliegen und die Ziele des Sportlers. Im Rahmen dieses offenen Gesprächs höre ich oft folgende Fragen: Wie oft findet denn das Training statt? Und wie lange wird die Zusammenarbeit insgesamt dauern? 


Zum Thema: Systematische Zielarbeit

Jeder Sportler verfolgt mit dem Sport-Mentaltraining ein Ziel bzw. erhofft sich etwas davon. Mehr Selbstvertrauen, mehr Kampfgeist, mehr Durchsetzungsvermögen, neue Motivation, neuen Mut, bessere Konzentrationsfähigkeit, weniger Angst und Nervosität, verbesserte Impulskontrolle und so weiter. An diesen genannten Themen lässt sich in der Regel erfolgreich arbeiten. Vorausgesetzt, ich kenne das “Warum”. Nehmen wir das Beispiel Nervosität. Das, was Künstler Lampenfieber nennen, heißt im sportlichen Kontext Wettkampfangst. 

Denn auch wenn ein gewisser Erregungsgrad für eine gute Performance wichtig ist, ist zu viel davon eher hinderlich und begünstigt das Versagen. Diese Wettkampfangst ist unter Sportlern weit verbreitet. Aber die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Je mehr sich ein Sportler öffnet und mir seine Gefühle und Gedanken anvertraut, desto konkreter und zielführender kann ich an den entsprechenden Stellschrauben drehen. Auf Seiten des Sportlers sind dabei Offenheit und Ehrlichkeit gefragt – und auf Seiten des Sport-Mentaltrainers bzw. Sportpsychologen neben Kompetenz vor allem Einfühlungsvermögen. Bevor mit der Intervention begonnen wird, muss also zunächst einmal Vertrauen aufgebaut und „Detektivarbeit“ geleistet werden. Um diese wichtige Basis herzustellen, benötige ich in der Regel zwei bis drei Sitzungen à eine Stunde (das Erstgespräch nicht mitgezählt). Und um daraufhin erfolgreich an dem eigentlichen Anliegen zu arbeiten, benötige ich im Durchschnitt noch mal drei, vier Sitzungen. Nach insgesamt etwa sieben Sitzungen im Abstand von ca. 14 Tagen hat der Sportler meist die mentale Verfassung erreicht, die er sich vom Training erhofft hatte. Sein „Problem“ ist gelöst und meine Arbeit damit erledigt. Theoretisch.   

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Hauptsächlich arbeite ich mit Nachwuchstalenten und angehenden Profis. Und bei nahezu allen meiner Klienten ist die Zusammenarbeit nach dem Erreichen des eigentlichen und ursprünglich formulierten Ziels nicht beendet. Sowohl die Athleten als auch deren Eltern sehen es als sinnvoll an, die Zusammenarbeit fortzuführen. Eine Entscheidung, die auch ich gerade für junge Sportler als sehr nützlich erachte. Der Weg zum Profi ist lang und gekennzeichnet durch Aufs und Abs. Sport-Mentaltraining präventiv und ganzheitlich zu betrachten und die Athleten auf das vorzubereiten, was noch auf sie zukommt, ist sicherlich besser als nur auf akute Anliegen zu reagieren. Bei einer langfristigen, kontinuierlichen sportpsychologischen Betreuung dehne ich allerdings die Intervalle aus und sehe meine Klienten etwa alle vier Wochen. 

Zuletzt sei noch gesagt, dass mentale Stärke einem nicht nur im Sport Vorteile verschafft. Funktionieren unter Druck, Selbstvertrauen, Potenzialentfaltung oder der konstruktive Umgang mit Rückschlägen und Niederlagen macht sich auch im schulischen und beruflichen Bereich bezahlt und kommt auch der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen sehr zugute. 

Fazit

Sport-Mentaltraining als Akutmaßnahme ist gut. Aber eine langfristige Betreuung ist besser. Und am Ende ist der Weg zur Lösung immer individuell. Meinen Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Björn Korfmacher) stehen euch gern zur Verfügung.

Mehr zum Thema:

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Prof. Dr. René Paasch: Positive Kommunikation im Beruf und Sport (Teil 1)

Wie wir miteinander kommunizieren, ist ein extrem wichtiger Schlüssel für unser Wohlbefinden. Ich meine damit gar nicht nur unser eigenes Wohlbefinden, sondern auch jenes unserer Mitmenschen. Ich bin überzeugt davon, dass wir genau dort suchen müssen, wenn wir den Schlüssel für unseren beruflichen, sportlichen und persönlichen Erfolg finden wollen. Auf dieser Grundlage meines Berufsethos werde ich Ihnen konkrete Verhaltensweisen (vgl. Mirivel, 2021) in Blogbeiträgen vorstellen, die Sie als Manager*in, Trainer*innen, Spieler*innen u.v.m. oder im Berufsleben umsetzen können, um Ihre Kommunikation zu verbessern. Ob bei der Arbeit oder im Sport, diese Tipps können Ihnen helfen, die Menschen um Sie herum zu inspirieren und zu bewegen. Starten möchte ich mit den ersten drei Schlüsseln und am Ende gibt es eine kleine Take Home Message für Sie. 

Zum Thema: Wie kann die positive Kommunikation zur Realisierung menschlicher Potenziale im Sport beitragen?

„Positive Kommunikation ist Senden und Empfangen in Bezug auf Denken, Fühlen, Reden und Handeln unter Berücksichtigung der Prinzipien von Nächstenliebe und Selbstlosigkeit.“ 

Ann Elisabeth Auhagen, 2006

Für die meisten Menschen ist Kommunikation nur das Senden und Empfangen von Nachrichten oder ein notwendiges Übel. Man hat einen Gedanken, den man weitergeben will und sobald die Nachricht gesendet wurde, ist die Konservation einseitig beendet. Die etablierte Floskel: „Wie geht es dir?“ wird häufig bei der Begrüßung genutzt, doch wollen wir wirklich wissen, wie es jemanden geht? Haben Sie Zeit für tiefere Gespräche? Aber Kommunikation ist mehr als nur eine zweckdienliche Übermittlung oder Einbahnstraße. Sie schafft Erfahrungen und baut Beziehungen auf. Nimmt man die zwischenmenschliche Kommunikation weg, entfernen wir uns voneinander. 

Die Kommunikation beginnt oft mit der Begrüßung, die ein einfaches, aber bedeutsames Verhalten ist. Ein von Herzen kommendes “Schön dich zu sehen!” kann kleine Berge versetzen. Oder weiter gedacht: Wenn Trainer*innen oder Spieler*innen sich beim Treffpunkt oder vor- und während des Wettkampfes abklatschen, wirkt sich das tatsächlich auf die Leistungsfähigkeit aus (Kraus et al.,2010), wie kürzlich auch mein Kollege Thorsten Loch beschrieben hat (siehe mehr zum Thema). Grundsätzlich schaffen die Besten unter uns Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme und fragen regelmäßig nach, wie es dem Anderen geht.  

Beispiel aus der Wirtschaft

Forscher aus Neuseeland untersuchten in einer interessanten Studie „Language at Work“ hunderte von E-Mails von zwei größeren Unternehmen. Ein Unternehmen mit niedriger Arbeitsmoral und erhöhter Fluktuation und ein anderes mit einer sehr positiven Unternehmenskultur. Ergebnis: Bei näherer Betrachtung fiel den Forschern etwas auf. 

In dem Unternehmen, in dem die Mitarbeiter*innen nicht miteinander auskamen, hörten sich die E-Mails wie ein Befehlston an. Aber in dem Unternehmen, in dem sich die Leute gut verstanden haben, klangen die E-Mails persönlich, freundlich und wertschätzend. Kennen Sie solche Unterschiede? In welchen der beiden Unternehmen würden Sie gerne arbeiten wollen? Wenn Sie sich für das erste Unternehmen entschieden haben, dann möchte ich Ihnen gerne eine praktische Aufgabe an die Hand geben: Versuchen Sie bitte in nächster Zeit mit drei Mitarbeiter*innen oder anderen Personen in Kontakt zu treten, die Sie nicht so gut kennen. Fragen Sie, wie es ihnen geht oder vereinbaren Sie ein persönliches Treffen, um mehr zu erfahren. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit dafür! Wenn Sie dies regelmäßig tun, können Sie tiefere Verbindungen zu den Menschen aufbauen und davon profitieren dann alle Beteiligten. 

Ich möchte mehr von dir erfahren? 

Wenn wir Fragen stellen, begeben wir uns oft auf eine innere, jedoch unsichere Reise mit dem Gegenüber. Wir wollen mehr wissen! Auch mit der Gefahr, dass uns dies möglicherweise nicht gefallen könnte. Wer ist diese Person und wie können wir uns gemeinsam auf den Weg machen? Grundsätzlich können wir die Kontaktaufnahme zwischen geschlossenen und offenen Fragen starten und unterscheiden. Geschlossene Fragen schränken die menschliche Interaktion ein. Wenn Sie sicher sind, dass die kurzen Antworten ausreichend sind oder es keine anderen Antwortmöglichkeiten gibt, sollten Sie eine geschlossene Frage stellen. Offene Fragen hingegen geben dem Menschen die Freiheit zu entscheiden, was sie mitteilen möchten und was nicht. Somit eignen sie sich offene Fragen besonders gut, für tiefere Gespräche oder um neue Einblicke zu erhalten. Es gibt zahlreiche Gelegenheiten, den zwischenmenschlichen Austausch im Sport oder Beruf mit einer offenen Fragekultur auf ein besonderes Momentum zu führen. Los geht’s!   

Ich bin stolz auf dich! 

Die wichtigste Erkenntnis auf dem Gebiet der menschlichen Kommunikation ist, dass all das, was wir sagen und tun, Menschen beeinflussen kann. Als Vater von sechs Kindern denke ich viel über diese Tatsache nach. Anerkennung ist nur eine von vielen Verhaltensweisen, die Menschen berühren und entwicklungsfördernd sein können. Wenn ich als Lehrender oder (Sport-)Psychologe im Feld unterwegs bin, werde ich oft gefragt, wie viel Aufmerksamkeit geleistet werden muss, damit der Gegenüber das tut, was wir uns wünschen? 

Falscher Ansatz, aber in jeder Hinsicht diskussionswürdig! Denn ausgesprochene Wertschätzung sollte nicht als Beeinflussungsinstrument eingesetzt werden. Stattdessen plädiere ich für eine angemessene, personenbezogene und regelmäßige Anerkennungskultur. Wir sollten diesen Einfluss nicht unterschätzen. An welche Personen müssen Sie denken, wenn es um Ihre Anerkennung und Wertschätzung geht? Ob als Führungskraft, Trainer*innen, Spieler*innen oder Elternteil – wir alle können unsere Worte bewusst wählen, um Menschen aufzurichten und sie für das Kommende zu stärken. 

Fazit 

Ich bin davon überzeugt, dass die ersten drei Schlüssel der positiven Kommunikation Ihnen helfen werden, sich beruflich und menschlich weiterzuentwickeln, nachhaltige Beziehungen am Arbeitsplatz und im Sport zu schaffen und effektiver zu kommunizieren. Wenn Sie diese kleinen Maßnahmen aufgreifen und regelmäßig anwenden, setzen Sie einen Kommunikationseffekt in Gang, der Sie an der einen oder anderen Stelle überraschen wird. 

Take Home Message

Nach Mirivel gibt es sechs Elemente positiver Kommunikation: begrüßen, ermutigen, hören, offenlegen, beglückwünschen und fragen. Welchem der sechs Elemente positiver Kommunikation wollen Sie in nächster Zeit mehr Aufmerksamkeit schenken, wenn Sie mit anderen Menschen interagieren? Mit welchem Ziel? 

Viel Freude bei der Umsetzung. Herzliche und sportliche Grüße, René 

Mehr zum Thema:

Literatur 

Kraus, M. W., Huang, C., & Keltner, D. (2010): Tactile communication, cooperation, and performance: An ethological study of the NBA, Emotion, 10, 745-749. 

Mirivel, J. C. The Art of Positive Communication: Six Practices to Create Connection and Lead Effectively”. Link: https://positiveorgs.bus.umich.edu/videos/the-art-of-positive-communication/. Zugriff am 13.01.2023

Model of Positive Communication: Link: https://positiveorgs.bus.umich.edu/wp-content/uploads/Model-of-Positive-Communication-Copyright-Julien-C-Mirivel.pdf

Bellet, C. S., De Neve, J. E., Ward, G. (2022): Does Employee Happiness have an Impact on Productivity?  Studie lesen: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3470734

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Cristina Baldasarre: Atmung, Selbstgespräch und Visualisierung – Drei Werkzeuge des mentalen Trainings

Eine gute Leistung oder Erfolg wird oft mit einem Podestplatz gleichgestellt, wer dahinter nur zu den Top Acht gehört, hat es nicht auf den Punkt bringen können. Diese gängige Meinung wird in der Sportpsychologie nicht geteilt. Für uns ist es ein Erfolg, wenn der Sportler oder die Sportlerin einen persönlichen Fortschritt erreicht. Oder wenn die anfänglichen Probleme überwunden sind – ganz egal, wo er/sie sich in der Rangliste einreiht. Im Mittelpunkt stehen somit die persönliche Weiterentwicklung und die individuelle Leistungsentwicklung. Genau hier setzt das mentale Training an.

Zum Thema: Mentales Training – Ein Puzzleteil auf dem Weg zu besserer Leistung

Das mentale Training bietet eine wichtige Stütze in Bezug auf die persönliche Weiterentwicklung und die individuelle Leistungsentwicklung – natürlich zusammen mit allen anderen leistungsrelevanten Faktoren wie z.B. der Kondition, der Kraft, der Ernährung und dem Umfeldmanagement. All diese Faktoren sind bereits bei jungen Athelt:innen im angemessenen Masse zu berücksichtigen, um dann am Wettkampf auf den Punkt genau bereit zu sein und die individuelle Bestleistungen abrufen zu können. 

Mentales Training heisst, den Kopf zu trainieren und so die mentalen Ebenen in die physische Leistungserbringung zu integrieren. Hierbei teilt sich die Arbeit in drei grundlegende Hauptbereiche ein: das Visualisieren, die Atmung und das innere Selbstgespräch. Welche Methode aus diesen Bereichen wann eingesetzt werden sollte, lässt sich nicht pauschal sagen. Dies erarbeite und kläre ich persönlich immer im individuellen Gespräch mit dem Sportler oder der Sportlerin. Nun will ich die drei Methoden etwas genauer beschreiben: 

Atmung

Ist eine Eiskunstläufer:in am Wettkampf sehr nervös und hat vielleicht am Abend vorher Probleme mit dem Einschlafen, hilft das Erlernen einer Atemübung, um Kopf und Körper ganzheitlich runterzufahren. Denn es gilt: Anspannung und schneller Atem gehören zusammen, so wie auch Entspannung und tiefer, langsamer Atem. Wer lernt, sich zu entspannen, fühlt sich gleich viel ruhiger, sicherer und klarer im Kopf. Die Leistung kann besser abgerufen werden. 

Die bekanntesten Entspannungsübungen zur besseren allgemeinen Grundentspannung sind das autogene Training sowie die progressive Muskelrelaxation PMR nach Jacobson. Für brenzlige Situationen vor einem Auftritt oder auch vor einer Prüfung eignen sich Techniken wie das Entspannungsatmen jedoch viel besser, weil sie sofort wirken.

Selbstgespräch

„Das schaffe ich eh nicht“, ist ein Satz/ein Gedanke, den wir alle kennen, und der sich negativ auf die Selbstkontrolle sowie auf die Überzeugung von Athlet:innen auswirkt. Ein viel besserer und leistungsfördernder Satz/Gedanke wäre „Ich habe das oft geübt, ich kann das!“. 

Praktisch alle Handlungen werden durch innere Selbstgespräche, eben solche Sätze/Gedanken begleitet. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass negative Gedanken 

den Sportler oder die Sportlerin unter Druck setzen. Sie fressen Energie und berauben jeglicher Selbstsicherheit. Zudem sind solche leistungsmindernden Glaubenssätze stets an Erlebnissen orientiert und somit immer vergangenheitsorientiert. Wer seine Handlungen positiv beeinflussen will, spricht am besten in der Gegenwart und in ICH-Form. Zum Beispiel: „Ich kann das, ruhig bleiben – los!“ oder „Rhythmus behalten, weiter!“. 

Positive, unterstützende Selbstgespräche orientieren sich stets an der Gegenwart und/oder an der Zukunft. Es gilt den Fokus auf hilfreiche Gedanken zur Handlungsausführung zu setzen und erfolgsorientiert in die nahe Zukunft zu blicken. Hier kann wunderbar auch von aussen unterstützt werden. Die Trainer:innen und das gesamte Umfeld können positiv oder aber negativ beeinflussen. Sie müssen sich das wie ein Glas Wasser vorstellen: positive Sätze füllen das Glas, negative Sätze leeren es – ist das Glas ganz leer, kann keine Leistung mehr erbracht werden. Darum gilt für alle: Lieber einmal mehr Loben und motivieren als Druck aufsetzen und Unzufriedenheit bekunden. 

Speziell der Trainer oder die Trainerin übernehmen am Wettkampf auch immer die Aufgabe, achtsam mit der Kommunikation umzugehen, und seine/ihre Worte stets gut abzuwägen. Denn aus der Sportpsychologie ist weiter bekannt, dass am Wettkampf ein gutes Selbstvertrauen der beste Prädiktor für eine gute Leistung darstellt. Korrekturen, Änderungen und Neues überhaupt gehören nur ins Training. Eine gute Leistungserbringung benötigt Ruhe in den Abläufen, Struktur, Rituale und ein gelungenes Zeitmanagement. 

Visualisieren

Beim Einüben von motorisch komplexen Bewegungsabläufen, (davon gibt es zum Beispiel im Eiskunstlaufen eine Unmenge), ist das Visualisieren ein zentrales Hilfsmittel. Zuerst wird der Bewegungsablauf z.B. eines Sprunges in allen Einzelteilen beschrieben. Nur schon diese Auseinandersetzung mit der Bewegung verbessert sie. Danach werden Schlüsselstellen definiert, sogenannte Keypoints. Sind diese festgelegt, wird für jede ein stellvertretendes Keyword erarbeitet. Solche Worte sind kurz, prägnant und meist handlungsorientiert, manchmal aber auch rein motivationalen Inhaltes. Sie unterstützen bei der Bewegungsausführung. Unnütze, ablenkende Gedanken werden vermieden. Dabei ist es wichtig, diese Worte in den korrekten Rhythmus der Bewegung einzupassen. 

Ein Sprung sollte in der Regel ein bis maximal drei solcher Worte enthalten, wie beispielsweise „links – Arm – GO!“. Ist eine gute Verschmelzung zwischen der Bewegung und den Schlüsselworten entstanden, gilt es diese zu üben – immer gleich –  über eine längere Zeitspanne hinweg: zu Hause, im Office und im Training. 

Fazit

Je grösser der Druck und der Stress für einen Sportler ist, desto stärker steht die Automatisation der mentalen Abläufe im Zentrum. Das richtige und gezielte Üben gehört deshalb zu einem erfolgreichen mentalen Training dazu. In der Regel braucht es mindestens 6-10 Wochen Training, bis eine Technik automatisiert ist und im Wettkampf angewandt werden kann. Das Puzzleteil Mentales Training kann bei zwei Eisläuferinnen, die technisch auf dem gleichen Niveau sind, eine zentrale Rolle bei der Leistungserbringung spielen. Die eine Läuferin ist z.B. voller Selbstvertrauen und die andere hingegen sehr nervös. Die Leistung und das Empfinden nach dem Wettkampf werden bei der ersten Eisläuferin wohl besser sein als bei der zweiten. 

Meine Kolleg:innen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Cristina Baldasarre) helfen gern, um individuelle Techniken zu entwickeln und zu festigen.

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Dr. Julia Boie: Konzentration im Voltigiersport

Voltigiersportler*innen erbringen komplexe Fähigkeiten, die viel Feinkoordination erfordern. Für diese Anforderungen ist ein hohes Maß an Konzentration notwendig. Zudem muss die Konzentration beim Voltigieren wegen der relativ kurzen aber teilweise wiederholten Darbietungsdauer von den Sportler*innen auf den Punkt dosiert werden können. Mangelnde Konzentration dagegen kann schnell zu Fehlern führen.

Zum Thema:  Aufmerksamkeitslenkung und Konzentration anwenden lernen

Es gibt vieles, das im Wettkampf ablenken kann: Laute Geräusche, Zuschauer, ein unruhiges Pferd, aber auch eigene Gedanken und natürlich Fehler – eigene oder die von Teamkamerad*innen. Je besser ich es schaffe, im Hier und Jetzt zu bleiben, Störendes auszublenden und mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren, desto eher kann ich meine Trainingsleistung auch im Wettkampf abrufen. Denn wie in anderen Sportarten auch, ist für eine optimale Leistung im Voltigiersport die Fähigkeit zur Aufmerksamkeitslenkung und Konzentration essentiell. 

Diese Fähigkeiten sind gerade in einem Sport von Bedeutung, bei dem sich, wie im Voltigiersport, geringfügige Fehler direkt und deutlich sichtbar auswirken. Eine Standunsicherheit während der Choreographie kann einen Absprung vom Pferd nötig machen, der die Darbietung unterbricht, wodurch wiederum ein Zeitverlust entsteht und nicht alle Kürteile gewertet werden können. Je nachdem kann der Absprung als Sturz gewertet werden, was zusätzlichen Punktabzug zur Folge hat. Aber auch auftretende Unsicherheiten bzw. Fehler, die keine so gravierenden Auswirkungen haben, müssen schnell aus dem Kopf heraus, um sich nicht negativ auf die weitere Präsentation auszuwirken. Wenn wir nämlich in Gedanken an unserem Patzer hängen bleiben, sind wir nicht voll auf das konzentriert, was wir momentan turnen und die Fehlerwahrscheinlichkeit steigt.

Drei Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit

Für eine optimale Konzentration müssen die Athlet*innen ihre Aufmerksamkeit in jedem Moment auf den relevanten Reiz fokussieren. Sei es, dass der*die Sportler*in in sich hineinspürt (innerer Fokus), um die korrekte Position zu halten. Sei es, dass die Aufmerksamkeit auf die Bewegung des Pferdes gerichtet ist (äußerer Fokus), um das nächste Choreographie-Element daran anzupassen. Oder sei es, dass der Fokus auf den*die Teamkamerad*in gerichtet ist (äußerer Fokus), um ihn*sie zum perfekten Zeitpunkt bei einer schwierigen Figur zu unterstützen.

Zudem müssen die Athlet*innen in der Lage sein, ihre Aufmerksamkeit von einem relevanten Stimulus zum nächsten zu lenken. Sowohl im Technikprogramm wie auch in der Kür sind präzise Wechsel der Aufmerksamkeit nötig. Die Aufmerksamkeit wechselt dabei nicht nur zwischen einem inneren oder einem äußeren Fokus, sondern auch zwischen einem engen oder einem weiten Fokus, bei dem entweder wenige oder viele Reize beachtet werden. Die Lenkung der Aufmerksamkeit kann und sollte trainiert werden. Auch der Wechsel zwischen Darbietungs- und Pausenzeiten gehört dazu. Es ist sinnvoll, dass die Sportler*innen nach der Darbietung herunterfahren und sich entspannen können. Sie sollten aber auch wissen, wie sie sich rechtzeitig vor der nächsten Runde so einstellen, dass sie wieder hoch konzentriert sind.

Schließlich ist es von Bedeutung, dass die Athlet*innen ihre Aufmerksamkeit über den geforderten Zeitraum aufrechterhalten können, so dass sie vom Einlaufen in den Turnierzirkel über das Turnen der Choreographie bis zum Auslaufen auf einem hohen Level konzentriert bleiben können.

Steigerung der Konzentrationsfähigkeit

Um im Wettkampf auf einem gleich hohen Level konzentriert sein zu können, muss ich diese Konzentration zunächst einmal im Training aufbringen können. Der erste Schritt besteht also darin, jedes Training so konzentriert wie möglich zu absolvieren – das übt für den Wettkampf. Anfangs werden die Phasen, in denen die Athlet*innen es schaffen, ihre Konzentration aufrecht zu erhalten, erfahrungsgemäß nicht sehr lang sein. Auch diese Fähigkeit will trainiert werden, wie körperliche Fähigkeiten auch. Positiv ist, wenn die Sportler*innen anfangen, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wenn ihre Aufmerksamkeit abfällt. Ein Anzeichen, das auf nachlassende Konzentration hinweist, ist bspw. unruhiges Blickverhalten. Solange die Sportler*innen dies bei sich noch nicht wahrnehmen, kann ich als Trainer*in darauf achten und es rückmelden, so dass ein Gefühl dafür entstehen kann. Sobald unruhiges Blickverhalten wahrgenommen wird, können die Athlet*innen gegensteuern, indem sie sich fragen „Was ist jetzt wichtig? Worauf sollte ich schauen?“ und sich neu darauf fokussieren.

Oft ist es zusätzlich auch hilfreich, dass die Sportler*innen sich ein Signalwort auswählen, das sie in solchen Momenten innerlich zu sich sagen, um sich wieder zu konzentrieren. Je öfter dieser Ablauf trainiert wird (den Abfall der Konzentration bemerken – das Signalwort zu sich sagen – sich neu fokussieren), desto leichter gelingt er später auch im Wettkampf.

Auch die Lenkung der Konzentration sollte im Training geübt werden. Die Athlet*innen sollten sich ganz genau im Klaren sein, wann sie ihre Aufmerksamkeit auf welche Reize richten sollten. Das kann ich als Trainer*in ganz detailliert mit den Sportler*innen durchgehen und bewusst immer wieder durchspielen lassen. Diese Art inneres Drehbuch bündelt die Aufmerksamkeit, so dass nicht viel Platz für ablenkende Gedanken oder Ähnliches bleibt.

Tipps und Tricks sowie Hinweis und Feedback

Sobald die Athlet*innen ihre konzentrativen Fähigkeiten im Training gut beherrschen, ist auch die Simulation von Wettkämpfen sehr hilfreich, um die geübten Strategien zur Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit zu testen und den „Konzentrationsmuskel“ weiter zu trainieren. Die Wettkampfsimulation sollte dabei so real wie möglich sein.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, die Konzentration für spezifische Aufgaben oder Situationen zu verbessern und ein entsprechend individuell gestaltetes Programm strukturiert in den Trainingsalltag einzubauen. Meine Kollegen*innen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. Julia Boie) sind gerne für Sie da, falls Sie Beratung wünschen.

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