Johanna Constantini: Vom Boxsack in der Stallgasse 

Erst vor kurzer Zeit schaffte es ein Turnierreiter in die Schlagzeilen. Und das nicht dank herausragender Erfolge, sondern vielmehr wegen höchst unsportlicher Verhaltensweisen. Schläge auf sein Pferd während einer Veranstaltung, mitten im Springparcours, zogen erst die Veröffentlichung jener Verhaltensweisen und sogleich auch den Shitstorm im Netz nach sich. Auch sportliche Konsequenzen folgten. Zurecht. Ohne jegliche Diskussion. Und doch sollte diese Tat nicht ohne weitere Diskussionen bleiben. Schließlich finden derlei Unsportlichkeiten nicht nur während öffentlichen Veranstaltungen statt. Vielmehr stellen sie dort eher die Ausnahme dar. Und doch kommt es vor, dass Pferde unsportliches Verhalten erdulden müssen. 

Zum Thema: Emotionsregulation als wichtigste Strategie im Pferdesport

Meist hinter verschlossenen Hallen- oder Stalltüren, auf Plätzen abseits des Wettkampfgeschehens. Jene Personen, die sich derart unsportlich verhalten, stehen zwar einer Mehrzahl an Pferdemenschen gegenüber, deren Pferden als wichtigster Partner Wertschätzung entgegengebracht wird. Und doch ist nur ein Reiter, der sein Pferd unfair oder gar körperlich gewalttätig behandelt genau einer zu viel.

Meist gründet dieses Verhalten auch nicht alleine in ungehorsamem Verhaltensweisen des Pferdes. Vielmehr lässt es sich auf die eigenen Unzulänglichkeiten zurückführen. Bewusst oder unbewusst. 

Belastende Themen

Die Motive dabei sind vielfältig. Private Probleme, finanzielle Sorgen, Ängste, Ärger. Auf den Pferdesport bezogen oder von anderer Seite rührend. Themen, die den Menschen belasten können. Themen, die den Sportler belasten mögen. Über alle Sportarten hinweg. 

Der Unterschied im Pferdesport jedoch liegt darin, einen Unterschied machen zu müssen. Der Pferde wegen. Nämlich dann, wenn jene negativen Gefühle Überhand zu nehmen drohen. Sie viel früher bewusst zu machen, sie andernorts zu kanalisieren und auszulassen. Dabei darf es nicht darum gehen, Gefühle zu unterdrücken – zumindest nicht langfristig. Ärger Luft zu machen stellt eine wichtige Strategie im Umgang mit negativen Gefühlen und damit im Erhalt der Gesundheit dar. Ob dies in Form eines lauten Aufschreis passieren mag oder auch, indem exzessiv in einen Boxsack in der Stallgasse getrommelt wird. Wie es auch beliebt, der Sportpartner Pferd sollte davon am wenigsten spüren müssen. 

Verantwortung übernehmen – Strategien präventiv erarbeiten

Auch im Pferdesport schwingen verschiedene Emotionen, viele Gefühlszustände mit. Jene Empfindungen sind zutiefst menschlich und niemals zur Gänze wegzudenken, noch wegzuspüren. Doch muss die Verantwortung für das Lebewesen, das zudem nie darum gebeten hat, es zu bereiten, immer an erster Stelle stehen. Vor jedem Zorn, jeder Ungeduld und jedem Ärger. Und wenn er sich doch breit zu machen droht, gilt es STOP zu sagen. Womöglich gar abzusteigen. Um in einem nächsten Schritt individuelle Strategien festzulegen, um negativen Gefühlen abseits des Sattels Luft machen zu können. 

Möglichkeiten, um Emotionen zu regulieren… 

  • realistische Ziele setzen, Ziele regelmäßig hinterfragen
  • Ziele auf verschiedene Pferde abstimmen
  • Möglichkeiten schaffen, um Dampf abzulassen (Heuballen, Boxsäcke, etc.)
  • Aufschreiben, was belastet 
  • Atemübungen praktizieren
  • Vertrauenspersonen einbinden
  • Erfolge bewusst machen (und täglich niederschreiben),

um nicht zuletzt,

  • das Pferd als wichtigsten und wertvollsten Partner auf dem Weg zu sportlichen und menschlichen Erfolgen zu betrachten.

Hinweis: Wir von Die Sportpsychologen helfen euch gern. Nehmt Kontakt zu uns (zur Übersicht) oder direkt zur Autorin Johanna Constantini (zur Profilseite von Johanna) auf.

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Johanna Constantini
Johanna Constantinihttp://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Sportarten: ferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

Innsbruck, Österreich

+43 512 554094

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