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Anke Precht: Die Falle des positiven Denkens

Wer kennt sie nicht, die kleine Stimme im Kopf, die zweifelt? „Das schaffst du eh nicht“, „hoffentlich kriegen wir nicht gleich wieder ein Gegentor“, „gegen XY habe ich eh keine Chance“ oder auch: „das ist nicht mein Wetter“. So weit, so bekannt. Aber auch positive Gedanken haben ihre Schattenseiten. 

Zum Thema: Warum positives Denken oft mehr schadet als es nutzt, und wie wir diese Falle vermeiden

Klar, negative Gedanken bringen nicht nur nichts – sie schaden auch. Wir wissen: Was wir uns vorstellen, ziehen wir an. Was wir im Kopf haben, drängt nach Verwirklichung. In unserem Fall die Vorstellung vom Versagen, vom Ball im Netz, vom dominierenden Gegner, von der unendlichen Qual bei Hitze auf dem Mountainbike.

Klar wäre es besser, stattdessen an den Erfolg zu denken, an den gehaltenen Elfmeter (vorausgesetzt, man ist Torwart), an den gewonnenen Endspurt und an die begeisterten Fans oder auch an das eigene angestrengt-gelöste Gesicht im Ziel, klatschnass und glücklich.

Der Zweifel hat der letzte Wort

Leider lassen sich diese Gedanken und Vorstellungen nicht immer durch bewusste Willenskraft erzeugen. Und immer dann, wenn das nicht der Fall ist, wirkt schon der Versuch schädlich. Ein Beispiel: Die Torfrau fürchtet sich vor dem Treffer in der ersten Viertelstunde und sagt sich: „Ich halte die Bälle!“ Gleichzeitig hört sie im Hinterkopf eine spöttische Stimme: “Das hast du das letzte Mal auch gesagt. Und dann waren es gleich zwei!” Auch in diesem Fall wirken die Gedanken, und leider wirkt immer der Letzte. Der Zweifel hat das letzte Wort.

Es gibt aber Techniken, um aus dem Schlamassel zu kommen. Die hier vorgestellte nutzt das Phänomen der kognitiven Dissonanz, indem sie den negativen Gedanken als Gedanken identifiziert und ihn gleichzeitig mit einer positiven Absicht koppelt. Weil das nicht zusammenpasst, sorgt das Unbewusste nach und nach dafür, dass der störende Gedanken verschwindet. So werden negative Gedanken entmachtet, ohne dass es im Inneren Widerstand gibt – der wurde ja irgendwie schon vorweg genommen.

Besser formulieren lernen

Ein Beispiel: Die Sportlerin beschleichen immer kurz vor dem Rennen Gedanken wie: „Ich werde alle enttäuschen. Ich bin gar nicht so gut wie sie denken“, und wenn sie sich sagt: „Ich werde es schaffen!“ kommt sie sich vor wie eine Lügnerin.

Sie kann nun zum Beispiel so umformulieren: 

  • „Auch wenn ich glaube, dass ich alle enttäuschen werde und eigentlich überhaupt nichts drauf habe, mache ich mein Rennen.“
  • „Auch wenn ich damit rechne, alle zu enttäuschen, mache ich heute das Rennen meines Lebens!“
  • „Auch wenn ich sicher bin, dass ich heute beweise, wie schlecht ich bin, werde ich alle mit meiner guten Leistung überraschen, einschließlich mich selbst.“

Mit diesem Modell kannst du schon selbst formulieren: „Auch wenn ich denke/glaube/damit rechne/sicher bin, dass (negativer Gedanke), (positive Absicht).“ Wer mehr darüber wissen möchte oder Unterstützung beim zielführenden Denken sucht, kann sich gern melden:

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Kathrin Seufert: Playoff-Challenge – aller zwei Tage in den Wettkampfmodus finden

Die Playoffs bedeuten neben der körperlichen Anstrengung auch mental eine hohe Belastung. Im Prinzip geht es in der Serie darum, wirklich jedes Spiel zu gewinnen, was einen anderen Druck im Vergleich zum Liga-Alltag bedeutet. Die große Herausforderung ist also, neben der hohen körperlichen Anstrengung bei bis zu vier Spielen in einer Woche, auch mental bei jeder Partie wieder frisch zu sein.

Zum Thema: Mentale Wettkampfvorbereitung in der Playoff-Phase – Tipps für Höchstleistungen in Dauerschleife

Grundsätzlich kann es für den einzelnen Spieler hilfreich sein, sich zu vergegenwärtigen, welche Eigenschaften er besitzt, die es ihm möglich machen, die Playoffs gut zu spielen. „Ich bin gut, weil…“ Solche Sätze können Sicherheit bringen und ein positives Gefühl vermitteln, wenn es in die Ko- Phase geht.

Gerade in den Playoff-Runden weiß ich von manchen Spielern, dass sie sich selbst aber stark unter Druck setzen. Gerade vor den Partien sind sie dann ein bisschen “drüber”. Bei einer zu hohen Aktivierung, wie es in der Sportpsychologie heißt, sind dann Techniken der Gedankensteuerung oder Entspannungstechniken gefragt. Es geht darum, den individuell perfekten Wettkampfmodus zu finden.

Der perfekte Wettkampfmodus

Es bietet sich an, sich zunächst zu überlegen, wie der perfekte Wettkampfmodus eigentlich ist. Wie muss ich mich fühlen, um volle Leistung bringen zu können? Ich darf nicht super mega aufgeregt sein und wie ein kleines HB- Männchen durch die Kabine hüpfen. Demgegenüber ist aber auch die völlige Tiefenentspanntheit meist nicht der Modus, den es bedarf, um höchste Leistung auf Eis zu bringen. Doch wie fühlt sich dieser Zustand bei mir ganz persönlich an? Kribbelt es im Bauch vor leichter Aufregung? Werde ich ruhig und finde meinen Tunnel? Pushe ich meine Mitspieler, um meine Energie zu kanalisieren?

Ganz klar, es gibt sehr viele individuelle Möglichkeiten, wie sich der eigene perfekte Zustand vor dem Bully anfühlen soll. Bei der Suche können wir von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) natürlich helfen, wendet euch gern an meine Kollegen und Kolleginnen oder an mich (zum Profil von Kathrin Seufert).

Der Notfallplan

Ist der Zustand gefunden, ist es zudem wichtig zu erarbeiten, was ich dafür tun kann, wenn der Zustand nicht so ist, wie es sein sollte. Wie kann ich dieses Gefühl provozieren oder auch Dinge hinzufügen, um in den optimalen Zustand zu gelangen? Was gelingt immer? Was gelingt nur in bestimmten Situationen? Und was ist der Notfallplan, wenn die mentale Ermüdung zu groß ist oder irgendetwas dazwischen kommt?

Die Playoff-Wochen sind eine aufregende und fordernde Zeit, die einen Spieler häufig aus der Komfortzone schubst und einem abverlangt, an den Situationen zu wachsen. Ich wünsche jedem einzelnen eine erfolgreiche Reise und maximalen Erfolg beim Wechsel von Spiel und Erholung im Dauertakt.

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Yvonne Dathe: Die Kunst der Regeneration während der Playoff-Phase

In der heißen Phase der Playoffs ist die Regeneration für SportlerInnen von entscheidender Bedeutung, um trotz des ständigen Reisens, hoher Belastung und stressiger Situationen optimal abschalten zu können. Neben einer gesunden Ernährung und ausreichend Flüssigkeit gibt es noch weitere Faktoren. In diesem Blogbeitrag werden wir uns damit beschäftigen, wie du erfolgreich regenerieren kannst, um in Topform zu bleiben.

Zum Thema: Vier Tipps zur optimalen Regeneration 

1. Schlaf als oberste Priorität

Ein ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf ist essentiell für die Regeneration des Körpers. Du solltest darauf achten, genügend Schlaf zu bekommen und eine angenehme Schlafumgebung zu schaffen. Wie viel Stunden du täglich benötigst, ist sehr individuell. Wichtig ist, dass du, wenn möglich, feste Schlafenszeiten einhältst. Das erleichtert das Ein- und Durchschlafen, ist aber gerade aufgrund der verschiedenen Spielzeiten und der Auswärtsfahrten schwierig einzuhalten.

Für eine angenehme Schlafumgebung solltest du den Raum abdunkeln, die Temperatur kühl halten, auf eine gute Luftqualität achten (Lüften), Lärm reduzieren und eine bequeme Bettwäsche verwenden. Vermeide Unordnung oder elektronische Geräte im Bett. Wenn du Einschlafprobleme hast, dann solltest du Fernseher, Computer und Handy mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen nicht nutzen, da der blaue Lichtanteil der Handystrahlung den Schlaf beeinträchtigen kann. Eine Einschlafroutine kann dein Einschlafen zusätzlich unterstützen. Damit konditionierst du dich auf „Einschlafen“.

2. Entspannungstechniken nutzen

Entspannungstechniken wie Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Atemübungen oder Yoga können dir helfen, deinen Stress abzubauen und unterstützen zusätzlich deine körperliche Regeneration.

Eine einfache Atembeobachtung kann schon in wenigen Augenblicken den Stresspegel senken. Konzentriere dich dabei einfach auf deinen Atem und beobachte, wie du ein- und ausatmest. Das Erleben wird intensiver, wenn du dabei deine Augen schließt. Atme ganz bewusst ein und aus. Welche Bewegungen kannst du spüren? Merkst du den Brustkorb, wie er sich hebt und senkt? Bemerkst du, wie sich die Bauchdecke hebt und senkt? – Was kannst du noch alles spüren? Beobachte einfach für 3-5 Minuten deinem Atem und du wirst spüren, welche entspannende Wirkung die paar Minuten haben können.

3. Soziale Unterstützung

Gibt es Menschen in deinem Umfeld, die dich zusätzlich unterstützen können? Vielleicht hast du konkrete Aufgaben, bei denen dich deine Familie oder Freunde unterstützen können, um deine Belastung zu verringern. Zögere nicht, sie danach zu fragen. Oft freuen sie sich, wenn sie dich in stressigen Zeiten unterstützen können und du sie fragst.

Wenn dich etwas belastet, kann es enorm hilfreich sein, mit jemandem darüber zu sprechen. Hast du eine Vertrauensperson? – Wenn nein, wer könnte solch eine Rolle übernehmen? Das Sprechen mit anderen kann dir neue Sichtweisen eröffnen, die helfen, eine stresshafte Situation entspannter zu sehen oder du bekommst durch solch ein Gespräch sogar konkrete Lösungsansätze, an die du bisher noch nicht gedacht hast. Suche also aktiv nach Unterstützung in deinem Umfeld. 

4. Optimismus bewahren

In den Playoffs kann es manchmal zu starkem Stress kommen, der sich auch nicht vermeiden lässt. Versuche zu akzeptieren, dass es im Augenblick so ist. Anstatt dagegen anzukämpfen, ist eine akzeptierende Haltung oft hilfreicher. Konzentriere dich darauf, was im Moment möglich ist und versuche immer auch zu sehen, was trotzdem gut ist, auch wenn es im Moment anstrengend ist und wenig Zeit für andere Dinge ist. Mach jeden Abend eine kleine Tagesreflexion. Ich nenne diese Fünf-Finger-Reflexion: Daumen, was war heute gut und schön? – Zeigefinger, worauf sollte ich in Zukunft aufpassen? Mittelfinger, worauf möchte ich in Zukunft verzichten? Ringfinger, woran möchte ich festhalten? Kleiner Finger, was habe ich heute gelernt? – Gerne kannst du die fünf Fragen auch schriftlich in einem kleinen Notizbuch beantworten. So veränderst du deine Sichtweise auf die positiven Aspekte und bewahrst deinen Optimismus.

Fazit

In der Playoff-Saisonphase ist die Regeneration entscheidend für die Leistungsfähigkeit. Durch die richtige Kombination von Schlaf, Entspannung, sozialer Unterstützung und der Bewahrung deines Optimismus kannst du trotz hoher Belastung optimal abschalten und deine Bestleistung bringen. Ein bewusster Umgang mit Regenerationsmaßnahmen ist der Schlüssel zum Erfolg!

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Frage und Antwort: Stressreaktionen im CrossFit

Die Sportart CrossFit hat in den vergangenen Jahren rasant an Beliebtheit und Verbreitung gewonnen. Und im Fitnessbereich wurden so manche Grenzen verschoben. Um das Verschieben der eigenen Grenzen geht es ja auch für die einzelnen Athleten und Athletinnen. Eine Leserin macht nun seit einigen Wochen eine spezielle Erfahrung und sucht die Unterstützung von Die Sportpsychologen.

Zum Thema: Probleme nach einer Verletzung

Die konkrete Anfrage lautet: Nach einer langwierigen Handverletzung (inkl. zweier Operationen) ist bei mir keine Vollbelastung mehr schmerzfrei möglich, jedoch ist diese grundsätzlich erlaubt. Nun komme ich bereits vor einer möglichen grösseren Belastung der Hand in grossen Stress (inkl. plötzlicher Weinattacken). Die Frage: Wie kann ich den Stress vor den Belastungen der Hand senken bzw. lösen?

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zur Profilseite)

Es tut mir leid, dass du unter solchem Stress leidest. Um besser mit dem Stress vor Belastungen der Hand umzugehen, wäre es zunächst gut, wenn du mental einen Anker wirfst. (Vorausgesetzt, du hast das OK von deinem Arzt) 

Ein Anker kann uns helfen, in Stress belasteten Zeiten, nicht von Gedanken, Emotionen und körperlichen Wahrnehmungen mitgerissen zu werden. Ein einfacher Anker funktioniert so:

  • A = Achtsam wahrnehmen, was im Augenblick los ist: Welche  Gedanken/Emotionen/Körper kannst du wahrnehmen?
  • C = Come back to body: Verbinde dich mit deinem Körper, in dem du ein- bis zweimal tief ein- und ausatmest und dich mit dem Boden „verankerst“, was kannst du sonst noch wahrnehmen:
    • 3-4 Dinge wahrnehmen, die du sehen kannst
    • 3-4 Dinge wahrnehmen, die du hören kannst
    • 3-4 Dinge wahrnehmen, die du spüren kannst
  • E = Engagiert handeln (Was ist jetzt wichtig? – Was möchtest du als nächstes tun, was ist der nächste Schritt?)

Grundsätzlich gilt: Plane regelmäßige Pausen ein, damit du und deine Hand sich erholen können.

Ich hoffe, dass dieser kleine Tipp dir dabei hilft, besser mit dem Stress umzugehen.

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

Dieses Problem ist ja vielschichtig. Zuerst spreche ich als Mediziner und es gilt zu klären, inwieweit die Hand nach den erfolgten Verletzungen und Operationen morphologisch und funktionell überhaupt soweit wieder belastbar ist, wie du es vorher gewohnt warst.

Sollte dies gegeben sein, dann sind da jedoch die Traumata, die die Verletzungen ausgelöst haben. Und diese scheinen psychisch weiterhin aktiv zu sein und dein Stresssystem zu aktivieren. Dabei will dich dieses System aktuell vor weiteren Verletzungen schützen. Dabei spielt in der Regel die Angst als Auslöser eine entscheidende Rolle. Hier lässt sich auf der einen Seite traumatherapeutisch gut arbeiten, z.B. mit der sogenannten EMDR Technik. 

Ansonsten kannst du sicherlich erst einmal die von Yvonne beschriebene Technik versuchen, insgesamt auch insgesamt mit Entspannungstechniken wie Autogenem Training, das Stressniveau senken. Doch letztendlich kommt es auf Dissoziation (Entkopplung) des Gefühls der Angst an, dass in der Vergangenheit begründet ist, jedoch aktuell noch wirkt, bis zu deinen jetzigen Tätigkeiten/Aktivitäten.

Gerne helfen meine Kolleginnen und Kollegen dir persönlich weiter, wenn du Unterstützung brauchst.

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Antwort von: Anke Precht (zur Profilseite)

Um die Antwort von Klaus zu ergänzen: Manchmal “sitzt” einem das Erlebnis mit der Verletzung und den daraus entstandenen Folgen wortwörtlich noch in den Knochen. Nach einem Trauma möchte der Körper sich vor einer erneuten Verletzung schützen, indem er versucht, alles zu vermeiden, was in eine ähnliche Situation führt, in der die Verletzung passiert ist, oder die den damals verletzten Bereich wieder belastet. Da hilft die von Klaus angesprochene Entkopplung. 

Neben EMDR helfen auch weitere Verfahren, die alle über die Neurologie wirken, also direkt Veränderungen bei den Verknüpfungen im Gehirn auslösen. EMI kann ebenfalls genutzt werden, außerdem Brainspotting oder auch Audio Fokus. Dann reichen in der Regel einige wenige Termine. Ergänzt werden kann das Vorgehen mit Hypnose, in der bewusst neue Bahnen gelegt werden und die Vorstellung der Belastung mit positiven Bildern und Emotionen verknüpft wird.

Es gibt ein paar Sportpsychologen, die auch mit diesen Methoden arbeiten und weiterhelfen können. Alternativ lohnt sich die Suche nach einem Psychologen oder einer Psychologin, die traumatherapeutisch erfahren ist und ebenfalls weiterhelfen kann. Nimm also gern Kontakt auf, wir helfen gern weiter.

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Kathrin Seufert: Schlaf und Regeneration in der Playoff-Phase

Meist drei Spiele pro Woche. Was die entscheidende Saisonphase in der Deutschen Eishockey Liga (Penny DEL) von den Spielern abverlangt, ist schon ein Wahnsinn. Neben dem straffen Zeitplan kommen die Reisen dazu, da das Heimrecht nach den Statuten nach jedem Spiel wechselt. Um so wichtiger also, dass ein Spieler schnellstmöglich regeneriert, der keine 48 Stunden später wieder sein volles Leistungsvermögen aufs Eis bringen will. Aber welche Möglichkeiten gibt es, diese schnelle Regeneration zu fördern?

Zum Thema: Schlaf und Regeneration – Tipps für Höchstleistungen in Dauerschleife

60 Minuten Vollgas-Eishockey und dann sofort ins Bett? Das ist häufig sehr schwer – nicht nur, weil jedes zweite Spiel bekanntlich eine Auswärtsfahrt ist und diese oft stundenlangen Touren mit dem Bus absolviert werden. An Schlaf ist für die meisten nach den Spielen aber ohnehin nicht zu denken: Die Erlebnisse des Spiels, die individuelle Einschätzung der Leistung und das Überdenken möglicher Fehler oder auch schöner Spielzüge und Tore lassen das Gedankenkarussell häufig einige Runden drehen.

Hier kann es hilfreich sein, diese Gedanken an das Spiel systematisch „abzuarbeiten“, um dann den eigenen Kopf zu signalisieren, dass es verarbeitet ist. Die Systematik kann dabei unterstützen, das Gefühl zu entwickeln, alles bedacht zu haben und somit eine weitere und weitere Runde auf dem Karussell zu unterbinden.

Gedanken als Ressourcen Killer

Warum sollten sich Spieler um ihr Denken kümmern? Weil Gedanken enorm viele Ressourcen beanspruchen und uns schwer zur Ruhe kommen lassen. Aber dieser Ruhe bedarf es nun einmal, um in den Schlaf zu kommen.

Ein Hilfsmittel ist die Nutzung der Bilder von Schatzkisten oder Mülltonnen. Dinge, die gut liefen, einen weiterbringen oder lehrreich waren, dürfen in die Schatzkiste. Spielereignisse, die wenig hilfreich, belastend oder nervig waren, werden in die Tonne geworfen.

Ins Detail gehen

Eine andere Option ist, noch detaillierter die einzelnen Bereiche durchzugehen, die einen Spieler auszeichnen und sich daran lang gehangelt mit den verschiedenen Themen des Spiels auseinandersetzen.

Hier können nach Möglichkeit auch mal Biosignale wie beispielsweise der Puls beobachtet werden, wie dieser sich verändert, wenn alle Gedanken des Spiels zu Papier gebracht und damit einen kleinen Abschluss gefunden haben.

Schlafverhalten

Aber konkret zurück zum Schlafverhalten in der Playoff-Phase: Im Frühjahr wird das Hotel und vor allem der Mannschaftsbus quasi das zweite Zuhause. Es bietet sich daher an, auf Reisen Dinge zu integrieren, die es einem erleichtern, auch unterwegs (wie im heimischen Umfeld) zur Ruhe zu kommen.

Was kann das sein? Zum Beispiel das eigene Kissen mit ins Hotel nehmen, die Kopfhörer, um Lautstärke zu unterdrücken, das Foto der Frau für die Gedanken an den Rückhalt, das Kuscheltier des Kindes, als Support. Solche Gegenstände können super individuell sein.

Ritualisierte Abläufe

Auch ritualisierte Abläufe im Bus oder Hotel sind ein gutes Gegenmittel, um sich nicht immer wieder neu „einrichten“ zu müssen. Damit ist es möglich, schneller in die Wohlfühlzone zu gelangen und damit für sich auch einen Mehrwert zu leisten, besser zu regenerieren. Spieler, die dazu mehr erfahren wollen oder sich eine individuelle Strategie erarbeiten wollen, können sich gern bei meinen Kollegen und Kolleginnen (zur Übersicht) oder bei mir (zum Profil von Kathrin Seufert) melden. 

Neulich haben meine Kolleginnen und Kollegen Tipps zum Einschlafen für Toni Kroos zusammengestellt, die ich auch jedem anderen Sportler oder jeder anderen Sportlerin empfehlen kann. Den Link findet ihr unten. Ich werde in einem zweiten Beitrag in circa zwei Wochen etwas zum Thema Aktivierung in der Playoff-Phase schreiben.

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Kim Bui: „Leistungssport ist eine mentale Herausforderung“

„Mein schlechtes Gewissen war nach dem Essen so groß, dass ich mich erbrochen habe“, sagt Kim Bui heute, angesprochen auf ihre Essstörungen, die sie nach ihrer Karriere öffentlich gemacht hat. Im Interview mit Die Sportpsychologen nimmt sie kein Blatt vor den Mund, stellt klare Forderungen nach mehr Sportpsychologie im Turnen und macht damit Werbung für eine Veranstaltung, die alsbald in Köln ansteht.

Zum Thema: Essstörungen im Sport und die Rolle der Sportpsychologie

Am Donnerstag, den 21. März 2024, wird Kim Bui beim ASP-Thementag „Essstörungen im (Leistungs-)sport in Köln über ihre Geschichte im Detail sprechen. Wir von Die Sportpsychologen hatten vorab das Vergnügen, mit ihr ein Interview zu führen, in dem sie eine klare Empfehlung an Sportler, Sportlerinnen und vor allem TrainerInnen ausspricht: Sportpsychologie sollte für sie eine Säule im täglichen Training sein. Nicht erst dann, wenn es zu spät ist. Nicht nur dann, wenn es um irgendwelche Probleme geht. Zum Interview:

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Weitere Informationen

Der ASP-Thementag ist quasi ausverkauft, es besteht aber noch die Möglichkeit, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Alle Infos dazu gibt es hier: https://www.asp-sportpsychologie.de/newsartikel/thementag-essstoerungen-im-leistungs-sport-520

Neben Kim Bui werden in Köln Dr. Tom Kossak, Dr. Petra Dallmann, Dr. Brit Wilsdorf, Moritz Anderten, Marion Sulprizio und Prof. Dr. Oliver Stoll als Referierende aktiv sein.

Mehr zum Thema:

Unsere Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen

Nehmen Sie oder nimm Du gern auch direkt Kontakt zu unseren Experten und Expertinnen aus dem Netzwerk auf, die in allen Teilen Deutschlands, Österreich und der Schweiz zu finden sind. Auf ihren Profilseiten sind jeweils Telefonnummern, Mailadressen, Social Media-Kontakte oder personalisierte Kontaktformulare angegeben.

Hinweis: Unsere ExpertInnen bieten in der Regel kostenfreie Erstgespräche an, in denen die Situation individuell besprochen wird, um dann eine konkrete Zusammenarbeit vorzubereiten:

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Frage und Antwort: Im Anlauf kommt ein anderes Element in den Kopf (Turnen)

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Anonym und zielgerichtet. So funktioniert unsere Rubrik “Frage und Antwort”. Nachdem wir zuletzt bereits viele Anfragen aus dem Turnen bekommen haben, hat sich nun ein Leistungssportler gemeldet, der kurzfristig Unterstützung braucht. Sein Thema: Wenn er ein bestimmtes Element turnen will, kommt seit einiger Zeit ein anderes heraus. Wie können wir von Die Sportpsychologen da helfen? Dies beschreiben wir ansatzweise im Text. Wichtig: Wenn du konkrete Fragen hast, tiefer gehen willst und Unterstützung brauchst, wende dich auch direkt an unsere ProfilinhaberInnen. Das Erstgespräch (Telefonat oder Videocall) ist in aller Regel kostenfrei, alles weitere besprichst du mit dem Experten oder der Expertin deiner Wahl.

Mehr zum Thema: Blockade im Bodenturnen 

Die konkrete Anfrage lautet: Am Boden habe ich Probleme beim Anlauf zum Doppelsalto gehockt vorwärts. Das Element beherrsche ich astrein, doch ich bekomme beim Anlauf/Absprung die Idee in den Kopf, beispielsweise einen Salto mit halber Schraube zu machen und turne dann dieses Element. Die Frage: Wie bekomme ich das Gefühl aus dem Kopf, um wieder „frei“ turnen zu können?

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zur Profilseite)

Es tut mir sehr leid, dass du von dem Gefühl blockiert wirst. Du könntest versuchen, durch Visualisierung, den Anlauf mit Doppelsalto, das gewünschte Gefühl zu bekommen. Entspanne dich und versuche dir den Anlauf/Absprung möglichst real vorzustellen. Versuch anschließend den Ablauf ganz langsam vor deinem inneren Auge ablaufen zu lassen – wie in Zeitlupe. Welche Gedanken sind für dich in dem Moment hilfreich? Welches Gefühl benötigst du, um Doppelsalto richtig ausführen zu können? Versuch dich genau in den Gefühlszustand mit den passenden Gedanken zu versetzen. Dann spiel den Ablauf einige Male langsam durch. Wenn das funktioniert, dann versuche den Ablauf zu beschleunigen, bis du bei der Originalgeschwindigkeit gelandet bist. 

Wenn du dabei Unterstützung benötigst, können wir dir von “die Sportpsychologen” gerne weiterhelfen. Vielleicht ist einer unserer Experten oder eine Expertin (zur Übersicht) ganz in deiner Nähe. Oder nimm gern Kontakt zu mir auf (zur Profilseite von Yvonne Dathe).

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

Die Empfehlung von Yvonne ist eine lösungsorientierte und mögliche Problemlösung. Interessant ist jedoch auch, die Frage zu stellen, wann das Thema aufgetaucht ist und was ein möglicher Auslöser sein könnte? Denn es scheint eine Kopplung eines psychomotorischen Programms, dass du ja ohne Probleme beherrschst, an einen Auslöser zu geben, der wahrscheinlich unbewusst ist. Deshalb ist auch eine imaginäre Zeitreise per Trance an den Zeitpunkt, an dem noch alles wie früher lief, sinnvoll, um eine Entkopplung von Auslöser (Gefühl) und Bewegung zu erreichen. Diese Entkopplung kann auch ohne explizites Auffinden des Auslösers funktionieren. Oftmals liegen solche Zustände auch Traumata zu Grunde, die vielleicht gar nicht groß waren.

Dieses meine Ideen zu deiner Schilderung. Gerne helfen wir die in dieser Situation auch persönlich weiter. Nimm also Kontakt zu jemandem von uns (zur Übersicht) oder zu mir auf (zur Profilseite von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus).

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Interview mit Kim Bui. Die frühere Weltklasseturnerin empfiehlt AthletInnen sowie Trainer und Trainerinnen die Zusammenarbeit mit ExpertInnen aus der Sportpsychologie:

Kontaktaufnahme

Unsere Experten und Expertinnen von Die Sportpsychologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen sowohl Sportlern, Sportlerinnen, TrainerInnen und auch Eltern gern zur Verfügung. In diversen Sportarten sind in den vergangenen Jahren auch spezielle Kooperationen mit Vereinen und Verbänden entstanden, um die Sportpsychologie im Sinne der Leistungsentwicklung, der mentalen Gesundheit aller Beteiligten und des Safe Sports bestmöglich zu integrieren.

Wenden Sie sich gern an uns. Wir vernetzen Sie mit unseren Experten und Expertinnen auf Basis ihrer Anfrage:

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Unsere Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen

Nehmen Sie oder nimm Du gern auch direkt Kontakt zu unseren Experten und Expertinnen aus dem Netzwerk auf, die in allen Teilen Deutschlands, Österreich und der Schweiz zu finden sind. Auf ihren Profilseiten sind jeweils Telefonnummern, Mailadressen, Social Media-Kontakte oder personalisierte Kontaktformulare angegeben.

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1:1 mit Kim Bui: Druck und Angst im Turnen

Sieben von zehn Fragen aus unserer beliebten Rubrik „Frage und Antwort“ kommen aus dem Turnen. Sehr häufig sind es junge Turnerinnen, die über mentale Blockaden, Angstzustände und den Umgang mit Verletzungen sprechen. Ganz offenbar fehlen ihnen in ihrem persönlichen Umfeld, in den Vereinen oder sogar an den Leistungszentren entsprechende Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen.

Zum Thema: Druck und Angst im Turnen

Prof. Dr. Oliver Stoll von Die Sportpsychologen konfrontiert die frühere Weltklasseturnerin Kim Bui mit der auffälligen Häufigkeit der Anfragen aus dem Turnsport. Dreimal war die Stuttgarterin bei den olympischen Spielen dabei, hat achtmal an Weltmeisterschaften teilgenommen, bei 12-EM-Starts hat sie zweimal Bronze gewonnen und 12 Deutsche Einzel-Meistertitel gefeiert. Im Gespräch vermutet Kim Bui, dass die Unsicherheiten in Bezug auf mentale Aspekte ihrer Sportart auch mit den Trainern und Trainerinnen zu tun haben kann. Mehr dazu im Video:

Kontaktaufnahme

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Foto Kim Bui:

Heiko Potthoff/www.starkebilder.de

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Frage und Antwort: Blockade beim Ballwurf im Tennis

Der Aufschlag im Tennis ist eine ziemlich automatisierte Bewegung. Ein zentraler Bestandteil ist der Ballwurf. Gelingt er, hat der oder die Aufschlagende gute Karten, den Ball perfekt dahin zu servieren, wo er hin soll. Was aber, wenn die Bewegung durch äußere Einflüsse verlässlich gestört wird? Mit dieser Frage kam eine Leserin auf und zu. Anke Precht und Danijela Bradfisch haben geantwortet.

Zum Thema: Umgang mit Stress im Tennis

Zur konkreten Situationsbeschreibung: In den vergangenen Wochen bin ich – auch privat – sehr gestresst. Dann ist es mir nicht möglich, einen vernünftigen Ballwurf für den Aufschlag zu werfen. Er geht nach links/rechts, ist zu niedrig oder komplett weg. Ich weiß nicht, wie ich diese „Blockade“ lösen kann. Liebe Sportpsychologen, könnt ihr mir helfen?

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Antwort von: Anke Precht (zum Profil)

Liebe Mareike (Namen von der Redaktion geändert),

wenn du schon weißt, dass die Qualität deines Ballwurfs davon abhängt, ob du allgemein gestresst oder eher entspannt bist, ist die Lösung gar nicht so weit. Auch wenn wir Stress in der Regel gleichsetzen mit der Menge an Herausforderungen oder der Menge des Ärgers, mit dem wir uns im Alltag herumschlagen, ist dem doch nicht ganz so. Das machen wir uns in der Sportpsychologie zu Nutze: Wir lernen, den “inneren Stress” vom äußeren zu entkoppeln.

Zum Hintergrund: Alles, was Stress auslösen kann (im Fachsprech die “Stressoren”), also Druck, aber auch eigene Gedanken, kann, muss aber keinen inneren Stress bewirken. Ob das der Fall ist oder nicht, hat sehr stark damit zu tun, wie wir die Stressoren bewerten. 

Der kanadische Sportpsychologe Michel Gagné zum Beispiel hat den Leitspruch “eat stress for breakfast!” und meint damit: Nutze Stress als Antrieb. Heiße ihn willkommen. 

Damit das aber geht, müssen wir ihn begrüßen, zumindest den äußeren Stress. Konkret kann sich das so anhören: Statt bei knappen Terminen und dem Rennen zum Auto zu denken: “Hoffentlich ist jetzt nicht auch noch ein Stau, sonst komme ich komplett zu spät”, eher so heranzugehen: “Wow, neuer Rekord. Ich bin verdammt schnell. Mal schauen, ob das noch aufgeht. Falls nein, sage ich telefonisch beim nächsten Termin Bescheid.” Dass das nicht von heute auf morgen von alleine klappt, versteht sich. Heißt: Es gilt, die eigenen Gedanken über dein Leben und deinen Alltag immer wieder bewusst zu erkennen und gegebenenfalls umzuformulieren. Das ist Training, wer es regelmäßig tut, wird bemerken, dass es nach und nach einfacher wird.

Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, auch über den Körper Stress zu vermindern. Allem voran steht der Sport, der dabei hilft, Stressreaktionen abzubauen. Den betreibst du ja schon, und vielleicht hilft es, die ersten 20 Minuten erst einmal dem Spannungsabbau zu widmen und keinen Wert darauf zu legen, wie der Anwurf gelingt. Danach kann dann das Technische in den Vordergrund rücken. 

Auch tägliche Meditation hilft dabei, dass der Körper auf die vorhandenen Stressoren nicht mehr mit so viel innerer Spannung reagiert. Sie ist ein Königsweg zur inneren Gelassenheit, auch im größten Chaos. Damit meine ich die klassische Meditation, also im Sitzen, täglich am besten zur gleichen Zeit, zum Beispiel direkt nach dem Aufstehen, anfangs nur drei Minuten, während du deinen Atem beobachtest und versuchst, so gut es geht dabei zu bleiben. Du wirst merken, dass du immer wieder abschweifst oder abgelenkt wirst – dann kommst du zum Atem zurück. Das Ziel ist nicht Wohlbefinden oder innere Leere, sondern das regelmäßige Training der aktiven Lenkung deiner Aufmerksamkeit. Nach ein paar Wochen Training geht es besser, nach wenigen Monaten sind drei Minuten immer besser machbar – dann verlängere auf fünf und trainiere weiter. Das Ergebnis: Du kannst dich besser auf das fokussieren, was jetzt gerade dran ist, egal was gerade passiert ist. Zum Beispiel auf deinen Aufschlag beim Tennis.

Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

Antwort von: Danijela Bradfisch (zum Profil)

Liebe Mareike (Namen von der Redaktion geändert),

Danke für Deine Anfrage und ich hoffe, dass unsere Impulse Dich ein Stück weiterbringen. 🙂 Vorweg, finde ich es gut, dass Du Deinen Stress mit Sport löst, das fördert die Produktion von Glückshormonen. Allerdings klingt es für mich so, dass zwar dein Körper in der Halle steht, aber dein Kopf noch “irgendwo” anders ist?! Gerne würde ich noch mehr wissen beziehungsweise dich anregen, dir selbst Fragen zu stellen und bestimmte Zusammenhänge zu hinterfragen?

  • Wann genau hast Du Training?
  • Nimmst Du Dir genügend Zeit vorher?
  • Welche Routinen hast Du, wenn Du hingehst, Dich vorbereitest?

Ich betreue viele Tennis-Athletinnen und stelle ihnen dieselben Fragen, denn wenn man mit einer bewussten Ruhe und Gelassenheit bereits zum Training erscheint, ist der erste Schritt bereits getan. Hier ein Bild, damit Du es besser verstehst, was ich meine:

Mach Dir vor der Halle bewusst, dass Du nun trainieren möchtest. Gerne in Verbindung mit einer bewussten Ein- und Ausatmung. Stell Dir ein Regal vor, das neben der Tür steht. Stelle Deine Sorgen, beruflichen und privaten Gedanken in dem Regal ab und sage ihnen, dass Du sie hier vorübergehend abstellst, aber anschließend wieder abholen wirst. Kopf, Geist und Körper sind miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Wenn Du wohlwollend mit den ersten beiden umgehst, entspannt sich dein Körper. Dadurch fällt es Dir bestimmt dann auch leichter, diesen mehr Aufmerksamkeit zu geben. Zum Beispiel beim Aufschlag. Anspannen der Körpermitte, Streckung des Rückens, Arms usw. um den höchsten Treffpunkt zu erlangen. Ggf. mit einer Ausatmung zu kombinieren.

Das von mir “gemalte Bild” ist eine von vielen Möglichkeiten und bedarf einer regelmäßigen Wiederholung, ggf. sogar mit Anpassungen, aber ich bin mir sicher, dass Du es schaffst.

Ich wünsche Dir jedenfalls viel Spaß und Erfolg mit Deinen Aufschlag und Spiel. Genieß es 🙂   

VG – Danijela

Mehr zum Thema:

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Danijela Bradfisch: Bau dir dein perfektes Leistungssportlerinnen-Umfeld!

Leistungssportler haben ganz unterschiedliche Möglichkeiten, ihre sportliche Karriere zu entwickeln und zu gestalten. Für extrem wichtig halte ich dabei ein gutes und funktionierendes Umfeld. Wie das aussehen kann und warum es so bedeutsam ist, fasse ich im folgenden Blog-Beitrag zusammen.

Zum Thema: Warum ein Diamant Zeit braucht und behutsam bearbeitet werden sollte

Als Trainerin und Coach bin ich in Gesprächen immer wieder mit vielen Erwartungen konfrontiert. Es geht um Talent, Zeit und Ergebnisse. Oft ist viel Druck im Kessel. Mein „Bild“, um in den Gesprächen Konsens zwischen den Athleten und mir zu schaffen, ist ein Diamant. Den Sportler oder die Sportlerin sehe ich also als seltenen Edelstein, der unter bestimmten Bedingungen entstanden ist und mit Sorgfalt, Geduld und Zeit zu etwas Hochkarätigen werden kann. Wenn man darauf achtet!

Der Rest ist vielseitige Arbeit. In den Gesprächen zwischen den Sportlern und mir geht es dann unter anderem um Ziele, Zielvorstellungen, Zielerreichungen und Trainingsintensität. Zudem spielen Emotionen eine wichtige Rolle, da sie Motivation, Konzentration und Leistung beeinflussen können. Die sportpsychologischen Inhalte, die bearbeitet werden, sind dabei super verschieden und wirklich vielseitig.

Diamentenzeit

Aber zurück zum aufgeworfenen Bild: Das Kind oder der Jugendliche sehe ich ja als rohen Diamanten. Wichtig, für alle Beteiligten, wird in diesem Prozess, quasi in der „Diamantenzeit“ nun, die Phasen gemeinsam als wertvoll zu erleben und in einem positiven Miteinander die Entwicklung aktiv mitzugestalten. Für mich als Trainer und Coach ist dies ein hohes Gut, das ist reine Wertschätzung.

Meiner Meinung nach sollten Athleten sich genau so selber betrachten (lernen). Und außen herum sollte, abhängig von den jeweiligen Möglichkeiten, ein Umfeld aus Trainern, Betreuern, Physiotherapeuten, Ärzten und Sportpsychologen aufgebaut werden, mit dem gut, langfristig und zielorientiert zusammengearbeitet werden kann. Bereits in den vorherigen Artikeln (siehe unten) beschrieben, sind dabei kombinierte Trainingsmethoden und gezielte Belastungs- und Regenerationsphasen zielführender als der Hau-Ruck-Versuch, schnell und früh ans Ziel zu kommen. Denn: Ein Diamant (Athlet) sollte sich selbst Zeit lassen und dabei Menschen um sich haben, die ihn beim Erreichen des Ziels unterstützen oder auch einmal ausbremsen, damit er nicht „heiß läuft“ und zerbricht.

Rollen im Team

Oft kommt die Frage auf, wie ein solches Team aussehen sollte oder kann. Eine Frage, die natürlich von vielen Faktoren abhängt. Aber vielleicht hilft diese Rollenzuordnung im Sinne eines allgemeinen Idealbildes weiter:

Der Diamant – Der Athlet

  • Was kann ich kontrollieren?
  • Mein Feedback, meine Körpersprache
  • Wofür bin ich verantwortlich?
  • Eigene Gesundheit, Selbstdisziplin, Ordnung, Schulleistung

Die Techniker – Der/Die Trainer:in, Der/Die Sportpsycholog:in 

  • Wofür verantwortlich?
  • Trainings- und Spielsituation und Herausforderungen schaffen, ethische und moralische Unterstützung

Die Supporter – Die Eltern/Die Freunde

  • Wofür verantwortlich?
  • Finanzielle bzw. moralische Unterstützung

Die Raumausstatter– Der Verein/Verband

  • Wofür verantwortlich?
  • Ggf. Finanzielle bzw. ethische und moralische Unterstützung

Auf die Plätze, fertig – Bau!

Bis ein Diamant wirklich hochkarätig glänzen kann, braucht es Zeit. Sozusagen Fertigungszeit, wie auf einer Baustelle. Jedoch wissen wir alle, dass es auf dem „Bau“ nicht immer perfekt läuft. Es fehlen mal bestimmte Werkzeuge, mal gibt es krankheitsbedingte Ausfälle. Und sicher kennt ihr auch das Sprichwort: „Wo gehobelt wird, fallen Späne“. Was bedeutet es für den Athleten und sein Team? Dass Teams, Supporter, Räume und Ziele sich im Lauf der Zeit ändern können und man sich dem Gegenüber offen und respektvoll verhalten sollte.

Veränderungen treten immer auf, sobald wir uns ein Ziel setzen und einen Plan ausformulieren, etwas erreichen zu wollen. Dies sollten wir uns von Anfang an klar machen. Genauso wie den Umstand, dass unabdingbare Anstrengungen nötig sind, um die bestmögliche Leistung zu erbringen und den Diamanten damit hochkarätig zum Glänzen zu bringen. 

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