Frage und Antwort: Wenn das Comeback zu scheitern droht

Nach sechs Jahren Pause will ein ambitionierter Tennisspieler zurück auf den Court. Die sportliche Laufbahn musste wegen des Studiums hinten anstehen. Auf seinem Weg zurück und nach ersten Problemen wendet sich nun dieser Tennisspieler an uns, an Die Sportpsychologen. Über unser “Frage und Antwort”-Formular (findest du unter dem Text) öffnet sich der Tennisspieler, dessen Namen wir anonym behandeln, und sucht nach Unterstützung. Drei unserer Experten zeigen auf, welche Lösungsansätze in solchen Situationen erfolgversprechend sein können.

Zum Thema: Tipps für den Weg zurück zu neuen Erfolgen   

Die konkrete Anfrage lautet: Ich hatte durch mein Studium sechs Jahre Pause und bin jetzt wieder richtig eingestiegen. Ich verliere gegen Gegner, die ich damals geschlagen habe und bin technisch oft wesentlich besser.

Die Frage: Ich würde so gerne wieder auf mein altes Leistungslevel kommen und meine Sicherheit wieder finden. Aber generell schwankt meine Leistung sehr und ich bekomme sie nicht wirklich konstant. Technisch ist es eher nicht das Problem, aber der Kopf macht mich fertig. Ich will am Anfang schon keine Fehler machen und erst einmal locker ins Spiel kommen. Aber das bewirkt natürlich genau das Gegenteil. Das weiß ich auch, kann es aber nicht durchbrechen/abstellen. Ich habe trotzdem Angst, Fehler zu machen und bin nicht wirklich frei. Wie befreie ich mich davon? Wie bekomme ich das auf eine konstante Schiene? Wie verbessere ich mich da langfristig, ohne wieder in so ein riesiges Loch zu fallen?

Andreas Meyer

Antwort von: Andreas Meyer (zum Profil)

Hallo Nxxx, 

dein Fokus ist sehr lageorientiert (das heißt, du denkst viel über Fehler und Konsequenzen nach), du willst keine Fehler machen. Ich denke, es bringt dich weiter, wenn du zurück zu deiner Handlung kommst. Dafür können verschiedene Tools hilfreich sein. Zum Beispiel die Entwicklung einer Vorwettkampfroutine, ein Handlungsplan oder die Auseinandersetzung mit Attribuierungsstilen (die Frage danach, wie du Dinge während des Wettkampfs bewertest…dazu gehören auch Fehler).

Ich wünsche dir viel Erfolg und wenn du Hilfe dabei brauchst, kannst du dich gern bei meinen Kollegen und Kolleginnen oder mir melden.

Beste Grüße, Andreas 

Thorsten Loch

Antwort von: Thorsten Loch (zum Profil)

Hallo Nxxx, 

aus der Ferne ist es natürlich schwer zu beurteilen und man müsste im Detail klären, was mit dir in den jeweiligen Situationen passiert (physiologisch/mental/im Verhalten). Spontan fällt mir als “Blitzlicht” Anspruch und Realität ein. Betrachte deine Situation mal aus einem anderen Blickwinkel; zum Beispiel aus der Sicht eines guten Freundes. 

Du hast sechs Jahre nicht konstant trainiert und verlangst nach kurzer Zeit von dir, ein ähnliches Niveau zu erreichen wie vor deiner Tennis-Pause. Dies ist sehr unwahrscheinlich und damit wertest du dich immer (selbst) ab. Selbst wenn du eine sehr gute Trainingsleistung erbringst und du diese immer mit dem Niveau vor deiner Pause vergleichst, hast du immer dein “Downgrade”. Dieser Anspruch lässt dich in einem Match nicht befreit aufspielen. Eher verkrampfst du und deine Bewegungen werden unrund und somit erhöht sich die Fehlerhäufigkeit. Ein “zu sehr/unbedingtes Wollen” ist in dieser Situation nicht handlungsdienlich, sondern verschlimmert eher dein Spiel. 

Tipp: Gib dir Zeit und schaue auf deine Erfolge. Was klappt gut? Wie hast du dich geschlagen usw.? Eine Empfehlung von mir ist, dass du dir ein kleines Dankbarkeitstagebuch erstellst. Notiere dir nach jeder Einheit oder jedem Match mindestens drei Dinge, welche funktioniert haben (unabhängig von dem Ergebnis). So richtest du deine Sicht wieder mehr auf deine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. 

Jan van der Koelen

Antwort von: Jan van der Koelen (zum Profil)

Lieber Nxxx, 

erst einmal ist es schön, dass du nach sechs Jahren Studium wieder richtig im Tennis eingestiegen bist. Es scheint, als wärst du ein zielorientierter Mensch mit klarer Priorisierung und hast dazu auch die Fähigkeit, den Fokus auf ein erfolgreiches Ergebnis, wie dem Studienabschluss, zu lenken. Das lässt sich sicherlich auch für deine nächste Herausforderung im Sport nutzen! 

Bevor ich dazu komme, möchte ich dich fragen, wozu du der Nxxx von vor sechs Jahren sein möchtest? Wer bist du heute und was zeichnet dich heute mit deiner zusätzlich gewonnenen Erfahrung aus? Welche Art von Tennisspieler möchtest du heute sein?

Sicherlich wirst du dich nicht nur körperlich verändert haben, sondern auch deine Art zu denken, zu spüren und zu handeln wird eine andere sein, wodurch dir heute vieles gelingt, was vor sechs Jahren unmöglich erschien.

Du schreibst davon, dass dein Kopf dich fertig macht. Der „einfachste“ Weg zur Veränderung im Kopf ist es, die Situation anzunehmen. Wenn ich dir etwas mitgeben darf, dann akzeptiere im ersten Schritt den jetzigen Stand mit all den Unsicherheiten im Spiel. Im Sinne von „Es ist, wie es ist und ich nutze die Gelegenheit für mich“.

Angst zu haben, ist etwas ganz Normales im Leben und natürlich auch insbesondere im Sport. Wenn dir etwas von hoher Bedeutung ist, kann dir der Gedanke, zu versagen oder vielleicht sogar dich zu blamieren, Angst machen. Die Angst ist, wie du weißt, keine Motivation, sondern eine Blockade, die dich daran hindert, dein volles Leistungspotential und deine Sicherheit im Spiel abzurufen.

Sei dir gewiss, dass einfach jeder Mensch Fehler macht. Der Sportler, der sich diese auch erlaubt und eingesteht, ist im Stande daran zu arbeiten und kann lernen, die Angst für sich positiv umzudeuten. 

Hierzu sind die o.g. Fragen hilfreich und zusätzlich auch z.B. Atemtechniken, um zum einen deine Gedanken zu kontrollieren und zum anderen auch um den Puls zu regulieren, sodass du in deinem optimalen Erregungszustand kommst, um deine Sicherheit im Spiel zu fühlen. Dadurch kannst du in den Fokus gelangen, der dir auch im Studium geholfen hat. Sobald du gedanklich aufhörst, dagegen zu sein, erzeugst du selbst keinen innerlichen Gegendruck mehr, sondern öffnest einen Raum für Veränderung und Neues. Als Merksatz dient hierbei: „Druck erzeugt Gegendruck“.

Stell dir im zweiten Schritt gerne noch die Frage, was deine drei bis fünf Gründe sind, warum du Tennis spielst? Wozu spielst du Tennis, um was zu erleben und zu spüren? Lenke, insbesondere vor Beginn und am Anfang des Matches, deine Aufmerksamkeit darauf. Rein kognitiv weißt du, dass Formulierungen, wie „keine Fehler machen“ nicht hilfreich sind. Fokussiere demnach eher ins „Stattdessen“, also auf deine Gründe, wozu du Tennis spielst und richte dabei stets den Blick auf gelungene Momente.

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    Mathias Liebing
    Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing

    Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist

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