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Sebastian Ayernschmalz: Rollenklarheit im Sport, mein Weg als Bundestrainer des American Football Frauen-Nationalteams

Der Leistungssport ist ein faszinierendes Terrain, in dem Menschen zu Höchstleistungen auflaufen. Doch hinter den glänzenden Medaillen und Pokalen verbirgt sich eine komplexe Welt voller Emotionen, Herausforderungen und vor allem Erwartungen. Als Bundestrainer der American Football Frauennationalmannschaft und sportpsychologischer Experte habe ich das Privileg, diese Herausforderungen aus beiden Perspektiven zu betrachten. Dabei gleicht das Finden einer Klarheit in der eigenen Rolle einer Reise. Immer verfolgt von der Frage: Ist es nicht von Vorteil, wenn man beides kann? Fachliche Kompetenzen plus das Wissen über die psychologischen Prozesse sind nicht nur einzigartig, sondern ja quasi der heilige Gral! Aber ist das wirklich so?

Zum Thema: Die Rolle des Trainers – Zwischen Erwartungen, Kompetenzen und Grenzen

Die Rolle eines Trainers ist vielschichtig. Von der technischen Ausbildung über die psychologische Unterstützung bis hin zur strategischen Planung – Trainer:innen sind gefordert, mehrere Hüte gleichzeitig zu tragen. In dem Buch Sports coaching concepts: A framework for coaches‘ behaviour von Lyle (2005) über professionelle Trainerkompetenzen ist das Verständnis der verschiedenen Rollen entscheidend für die Entwicklung einer effektiven Trainingsstrategie. Ein Bundestrainer muss also nicht nur technische Aspekte vermitteln, bzw. sich in seinem eigenen Trainerstab auch mehr oder weniger inhaltlich zurechtfinden, sondern auch mentale Stärke fördern und dabei als Vorbild agieren. Das sind gewaltige Themengebiete für so wenig Zeit und alle Aufgaben sind immer mit dem Druck verbunden, dies zu einem sportlichen Erfolg zu führen.

In meinem ersten Jahr als Bundestrainer sah ich mich mit der Herausforderung konfrontiert, die Erwartungen der Spielerinnen, der Assistenztrainer:innen und des Verbands zu balancieren. Ich erlebte in meiner verantwortungsvollen Rolle, wie oftmals zahlreiche Aufgaben ankamen, hängen blieben und am Ende zur Klärung geführt werden mussten. Somit entstand die Wahrnehmung, alle Dinge klären zu müssen, auch jenseits der eigenen Aufgabenbeschreibung und Kompetenzen. Mein Learning: Die Kunst besteht vor allem darin, sich nicht in Themen zu verlieren, die nichts mit der Leistung auf dem Feld zu tun haben.

Die Bedeutung der Rolle eines Sportpsychologen: Der unsichtbare Unterstützer

Sebastian Ayernschmalz mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft im American Football, Quelle: privat

Die Rolle der sportpsychologischen Betreuung ist für mich ebenso entscheidend wie die der Assiszenztrainer:innen. Mit dem Wissen, dass der Cheftrainer nicht nur das notwendige Wissen mitbringt, sondern dies auch als Teil der Philosophie des Coachings unterstützt und fördert, ist dabei auf der einen Seite sicher ein großer Pluspunkt bei einem offenen Umgang mit jeglichen belastenden Themen. Die sportpsychologischen Experten fungieren oft als der unsichtbare Unterstützer im Hintergrund, der den Athlet:innen hilft, mental stark zu bleiben. Ein für mich zentraler Aspekt der sportpsychologischen Theorie ist das Modell der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (2000), das besagt, dass ein hohes Maß an Autonomie und Unterstützung zu besserem sportlichen Engagement führt. Dabei gilt es, den Menschen in mehr als nur der Rolle der Sportlerin zu akzeptieren und deren Probleme und Nöte auch anzuerkennen. Ich habe mich sehr früh entschieden, hier zwei weitere Menschen mit sportpsychologischen Hintergrund einzubringen. Ausschlaggebend waren hier auch persönliche Erfahrungen, die einen Entscheider in gewisse Zwickmühlen bringen. Auf der einen Seite ist die Erwartung an den Bundestrainer und an meine Coaches, die bestmögliche Mannschaft zusammenzustellen. Dies basierend auf der sportlichen Leistung eines Menschen. Auf der anderen Seite weckt die Rolle eines Sportpsychologen auch die Erwartung, jegliche Art der persönlichen Herausforderungen anzuerkennen und legt nahe, dass diese auch in den Entscheidungsprozess einfließen lassen. Dabei entsteht auch das Kernproblem der Rollendiffusion.

Sieg oder Niederlage was zählt?

Sebastian Ayernschmalz, Quelle: privat

Auch wenn man mit der Brille eines psychologischen Hintergrundes Blockaden besser verstehen kann, ändert dies nichts an den klaren Zielen einer Auswahlmanschaft. Als Bundestrainer wird final die Abrechnung anhand der Spielergebnisse und Tabellen gemacht. Der Sportpsychologe verbleibt dabei oft im Hintergrund, Ergebnisse messbar machen ist komplexer, bedarf mehr Theorie und Wissen und am Ende bleibt auch vieles in den Einzelsettings anonym und im Verborgenen. Hier merkte ich, dass dies ein klares Rollenverständnis in der Zusammenarbeit mit den Trainer:innen, Sportpsychologen, Funktionären und Spielerinnen erforderte. Es wurde schnell klar, dass Missverständnisse über die Rollen zu Spannungen führen können. Wem vertraue ich was an und was sind die möglichen Konsequenzen daraus? Kann mir mein(e) Trainer:in helfen oder ist das schon Grund genug, nicht mehr eingeladen zu werden? Das Bewusstsein über diese Zuständigkeiten zu schaffen war eine gewaltige Aufgabe. Dieses entsprechend zu transportieren, klarzustellen und am Ende in der Umsetzung zu begleiten, war das zentrale Learning aus meiner Tätigkeit.

Rollenklarheit als Schlüssel zur Teamharmonie und inneren Frieden

Sebastian Ayernschmalz, Quelle: privat

Die Erfahrungen, die ich als Trainer und aus der sportpsychologischen Perspektive gesammelt habe, führten mich zu der Erkenntnis, dass Rollenklarheit einer der Schlüssel für Teamharmonie und individuelle Leistungssteigerung ist. Ein klar definiertes Rollenverständnis reduziert nicht nur Konflikte, sondern fördert auch das Vertrauen und die Zusammengehörigkeit im Team. In Anlehnung an die soziale Identitätstheorie (Tajfel & Turner, 1986) wird deutlich, dass Athleten durch ein starkes Rollenbewusstsein nicht nur ihre eigene Identität finden, sondern auch die Teamidentität stärken können. Hierbei spielen auch die Assistenztrainer:innnen eine gewichtige Rolle. Sie müssen dabei unterstützen, im direkten Gespräch mit den Spielerinnen diese Klarheit auf allen Seiten zu erzeugen. Mit einem Coaches-Staff von 14 Trainer:innen und einem Spielerinnenpool von mehr als 100 Spielerinnen ist dies auch kein schneller Kulturwandel, sondern bedarf Zeit, zumal in den Auswahlmannschaften eine Fluktuation auf allen Ebenen gegeben ist.

Rollen bringen Ziele mit sich

Ohne Klarheit der eigenen Rolle findet man sich schnell in Tätigkeiten, die gemacht werden müssen, aber die dafür Sorgen, dass man sich mehr und mehr von seiner eigentlichen Tätigkeit distanziert. Plötzlich sortiert man die Teamklamotten, anstatt sich um die Entwicklung der Mannschaft zu kümmern. Je mehr man macht, umso häufiger kommen Fragen auf, für die man keine Zeit oder ausreichende Befähigung hat. Sich selbst diese Fragen beantworten, dies vielleicht auch mit der Organisation abzusprechen, sorgt sehr schnell dazu, dass man die eigenen Aufgaben besser kennt.

Aber nicht nur das, sondern es wird auch viel klarer, an welcher Stelle in meiner Organisation ich welchen Menschen brauche. Selbst wenn man das notwendige Wissen hat, um Fragen zu beantworten oder weiterhelfen zu können, sind es zeitliche Ressourcen, die mich oder uns binden. Das Wissen über die eigene Rolle, die konkrete Aufgabe und die definierten Ziele zeigt Lücken in der Organisation auf und kann helfen, für diese Blackholes Menschen zu finden, die einen unterstützen.

Ein Aufruf zur Reflexion

Die Herausforderungen, die Trainer:innen und Sportpsycholog:innen im Sport begegnen, sind vielfältig. Sie erfordern nicht nur Fachwissen, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Dynamik menschlichen Verhaltens. Rollenklarheit fungiert nicht nur als Instrument zur Konfliktminimierung, sondern als Katalysator für individuelle und kollektive Spitzenleistungen.

Die eigene Rolle sauber zu definieren und sich abzugrenzen, schafft nicht nur Ressourcen, sondern lenkt auch den Fokus auf das Wesentliche. Meine wichtigsten Fragen waren: Was ist eigentlich meine Aufgabe und woran wird mein Erfolg gemessen? Welche Erwartungen bringe ich an meine Rolle mit, und wie klar ist meine eigene Rolle? Welche Rollen begegnen mir im Trainerstab, in der Organisation auf dem Feld? Und was ist deren Aufgabe? In einer Welt, die häufig von Leistung und Erfolg geprägt ist, sollten wir nicht vergessen, dass Klarheit der erste Schritt zu wahrer Teamstärke und persönlichem Wachstum ist.

Fazit

Auch wenn der Sport, und vor allem das Spiel selbst durch Regeln und Rollen klar definiert ist und das Spiel einfach und klar scheint, verschwimmen die Grenzen mit engerer und längerer Zusammenarbeit zunehmend. In der komplexen Welt des Sports ist Rollenklarheit nicht nur eine organisatorische Notwendigkeit – sie ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen und erfolgreichen Sportkultur.

Literatur

Deci, E & Ryan, R., (2000), The „What“ and „Why“ of Goal Pursuit, Human Needs and the Self-Determination of Beahvior, Psychology Inquiry, Vol. 11

Lyle, J. (2005). Sports coaching concepts: A framework for coaches‘ behaviour. Routledge.
https://www.taylorfrancis.com/books/mono/10.4324/9780203994986/sports-coaching-concepts-john-lyle

Tajfel, H. & Turner, J. C. (1986). The social identity theory of intergroup behavior. In S. Worchel & W. G. Austin (Hrsg.), Psychology of intergroup relations (S. 7–24). Chicago: Nelson.

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In den Köpfen und zwischen den Ohren… Sportpsychologie im Biathlon

Berlin, Prenzlauer Berg am letzten Januar-Wochenende des Jahres 2025. In den Schulungsräumlichkeiten von Alba Berlin findet das Netzwerktreffen von Die Sportpsychologen statt. Vorrangig geht es um Traumata im Sport. Aber nicht nur. So kommt die Rede auf den parallel stattfindenden Biathlon-Weltcup im italienischen Antholz. Im Fokus stehen die schlechten Schießleistungen der deutschen Herren und deren mediale Aufarbeitung. Denn ganz interessant: Über Minuten sprechen ZDF-Expertin Laura Dahlmeier, Felix Bitterling, Sportdirektor Biathlon beim Deutschen Skiverband und die beiden ZDF-Journalisten Alexander Ruda und Nils Kaben über Sportpsychologie. Sie geben interessante Beobachtungen wieder, benennen Probleme und suchen nach Lösungen. Im Netzwerk haben wir die Diskussion im Sinne der Sportpsychologie aufgegriffen:  

Wo lässt sich kurzfristig ansetzen, um mit Biathleten zu arbeiten, die nicht unbelastet oder sogar mit Angst zum Schießstand kommen? 

Janosch Daul, Die Sportpsychologen
Janosch Daul, Die Sportpsychologen

Antwort von: Janosch Daul (zur Profilseite)

Im Rahmen des Verfolgungsrennens von Antholz hat die jetzige Expertin und frühere Weltklasse-Biathletin Laura Dahlmeier schon einen schlüssigen Ansatz vorgeschlagen: Daran zu arbeiten, die (ursprüngliche) Freude am Biathlonsport – und damit  auch am Schießen – wieder in den Fokus zu rücken. Letztlich sind die gegenwärtigen Schwierigkeiten am Schießstand aber höchst individuell zu betrachten. Und: Individuelle Schwierigkeiten benötigen individuelle maßgeschneiderte Lösungen. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass die zuletzt schwachen Ergebnisse beim Schießen darauf eingezahlt haben, dass die eigene Kompetenzüberzeugung aktuell zu gering ist, um mit dem nötigen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten der Anforderungssituation schießen zu begegnen. Dahingehend können Visualisierungstechniken, der innere Dialog oder auch die (Weiter)entwicklung eigener Prä-Performance-Routinen hilfreich sein. Zudem sollte (weiterhin) ein Raum für das Sammeln von Erfolgserlebnissen geschaffen werden.

Insgesamt sollten alle Interventionen darauf einzahlen, dass die Biathleten mit Freude auf die Herausforderung – anstatt mit Angst vor dem Versagen – an den Schießstand skaten. 

Antwort von: Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite)

Also kurzfristig bedeutet “Feuerwehr”. Und ob man Feuerwehr-Aktionen machen möchte, bleibt ja jedem selbst überlassen. Die Forschung zeigt, dass der Erfolg von sportpsychologischen Feuerwehrmaßnahmen liegt bei 50% – und das ist – statistisch betrachtet – der “Zufall”. Ein Trainer sagt dann vielleicht auch: “Das ist besser als nichts”. Okay – nachvollziehbar, aber unser Anspruch sollte da ein anderer sein. Kurzfristig kann man natürlich genau das machen, was Janosch oben beschrieben hat. 

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zur Profilseite)

Ich kann den bisherigen Aussagen nur zustimmen. Hilfreich kann es sein, sich im Hier und Jetzt zu verankern. Sprich: Ich nehme meine Angst wahr, atme tief und bewusst ein und aus, damit bin ich automatisch in der Wahrnehmung des Atems, des Körpers und damit im Hier und Jetzt. Anschließend nehme ich wahr, was ich sehen, hören, riechen, schmecken und spüren kann. Damit ist der Kreislauf der Angst erst einmal kurz unterbrochen. Nun kann ich mich auf das fokussieren, was jetzt notwendig ist und danach handeln. Dieses Verankern im Jetzt funktioniert umso besser, je häufiger ich es trainiert habe. 

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

Es ist schon viel geschrieben worden, was sicherlich zutrifft und auch das Thema “Feuerwehr” kann über den Placebo-Effekt hinaus immer hilfreich sein, weil sie die aktuelle Spiral durchbricht und Änderung mit sich bringt. Grundsätzlich ist Sportpsychologie eine langfristige Begleitung und auch das gemeinsame Erarbeiten von Ressourcen und ihre Aktivierung.

Und sicherlich ist sowohl der Ansatz, wieder Freude zu haben, Druck zu nehmen, ein Erfolgversprechender, das heißt durchaus mal das “Gewehr im Schrank zu lassen” und Distanz zu gewinnen und anstatt Dinge zu tun, die Freude bereiten und vom Druck entlasten.

Stelle ich die Angst in den Mittelpunkt, kann ich aus therapeutischer Sicht natürlich mit “Kriseninterventionstechniken” arbeiten, wie z.B. von Yvonne beschrieben, also mit Regulation der Emotionen und Körperfunktionen, Instruktion der Kognitionen und zurück erlangen von Kontrolle und Sicherheit. Dies wird jedoch eventuell nicht zwingend eine ausreichende Stabilität erreichen, wenn die Erfolgserlebnisse sich nicht einstellen.

Imaginationen sind hilfreiche Techniken, um die Angst spezifisch zu bearbeiten, das braucht, wie Janosch schon sagt, eine individuelle Analyse und meist auch individuelle Lösungen. Die können sicherlich jetzt begonnen werden, brauchen jedoch, um stabil erfolgreich zu sein, eine mittel- und langfristige Perspektive. 

Dunja Lang, Die Sportpsychologen

Antwort von: Dunja Lang (zur Profilseite)

Aufs und Abs sind ein integraler Teil der Karriere eines jeden Sportlers. 

Darauf vorbereitet zu sein, ist wichtig, und dafür sollten auch “Kurzfrist-Interventionen” bei Misserfolgen und “Durststrecken” systematisch immer wieder trainiert und genutzt werden. Idealerweise in einer stabilen Coaching Beziehung mit einem Mentalcoach oder Sportpsychologen. Das hat auch den Vorteil, dass Phasen der Stagnation oder des Misserfolgs die Dramatik verlieren und als ein Teil der “Normalität” im Sportlerleben akzeptiert werden. Und man hat ein Gefühl der Kontrolle, wie man es angeht, statt in Kontrollverlust, Katastrophendenken und Aktionismus, wie “Druckmuster” und „Krisengespräche“ zu verfallen. Diese Phänomene machen meistens die Sache noch viel schlimmer und führen oft in eine Abwärtsspirale, die sogar im Team “ansteckend” sein kann.

Aus meiner Erfahrung im Coaching mit Top Athleten in “Technik-Sportarten” wie Biathlon, Ski Alpin und Reiten sind mehrere Schritte wichtig, und zwar in genau dieser Reihenfolge:

  1. Reflexion und Analyse auf rationaler und emotionaler Ebene: Wie kam es dazu, welche Faktoren spielen eine Rolle? Oft herrscht Ratlosigkeit, da kann z.B. die Zeitlupentechnik aus der Sporthypnose helfen. Oft sind hohe Erwartungen und empfundener Druck und die Angst, dass ES wieder passiert, ein wesentlicher Faktor. Wenn Trainer und Sportdirektoren in Interviews zigfach das Wort “MÜSSEN” in den Mund nehmen und eigene Anspannung signalisieren, wird der empfundene Druck für die Sportler sicher nicht kleiner. Unser Unbewusstes mag das Wort MÜSSEN nicht, das allein kann für “Druck” empfinden schon ausreichen. Das Kommunikationsverhalten im Umfeld spielt eine große Rolle. Und die Frage, wie die SportlerInnen auf das Umfeld optimal reagieren. Und sich klar machen: Jeder Druck ist selbstgemacht, weil man immer eine Wahl hat, wie man auf das Umfeld reagiert.
  1. Re-Justierung und Anpassung der Ziele aufgrund der Ausgangslage. Den Fokus mehr auf den Prozess, das innere Erleben, die optimale mentale Ausrichtung, die Freude und den “Sinn” im Sport, als auf Ergebnisse legen, so schwer es fällt. Die jetzige Performance als Basis für neue Ziele nehmen.
  1. Verarbeitung der “negativen” Erlebnisse und Bearbeitung von Stresserleben, Druck und Angst. Mit neurowissenschaftlich fundierten, schnell wirksamen Techniken wie Sporthypnose und “embodiment-orientierten” Techniken, die Kopf und Körper schnell entstressen und das, was noch an Erlebnissen “drin” steckt, schnell und wirksam verarbeiten. Oft hilft nicht noch mehr Reden, sondern auf einer unbewussten und körperlichen Ebene schnell abhaken und verarbeiten. Je mehr Krisen-Gespräche, umso mehr “Dramatik”. Leider sind solche Mentaltechniken auch im Profisport noch kaum etabliert und bekannt.
  1. Neuen Fokus, Zuversicht und Zuversicht aufbauen, u.a. mit Visualisierungstechniken, aber noch besser Sporthypnose nutzen, um das Gefühl des erfolgreichen Performance optimal lebendig aufzubauen und die nötigen Abläufe wirksam zu verankern. Mit Sporthypnose kann man auch wirksam Kopfkino, Gedankenkreisen und Katastrophendenken “jetzt muss die Null her, sonst…” in den Griff bekommen. Weil damit das “denkende Frontalhirn” heruntergefahren wird und die kreativen, lösungsorientierten Hirnareale hochgefahren werden.

Was sind eure Ideen, um mittel- bis langfristig an der Schussleistung zu arbeiten?

Janosch Daul, Die Sportpsychologen
Janosch Daul, Die Sportpsychologen

Antwort von: Janosch Daul (zur Profilseite)

Boah, ich denke, das werden die Schießtrainer der Jungs viel, viel besser beantworten können als wir ; ) 

Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen
Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen

Antwort von: Norbert Lewinski (zur Profilseite)

Das Problem ist, dass viele der Athleten mit ganz schön viel Druck und vielleicht auch ein bisschen Angst dorthin gehen. Das wirkt sich natürlich negativ auf die Ergebnisse aus. Ich persönlich schieße ja auch ein bisschen als Hobby, und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es beim Schießen vor allem darum geht, den Kopf richtig frei zu bekommen. Man muss in der Lage sein, alles um sich herum auszublenden und sich voll auf das Ziel zu konzentrieren – quasi wie ein Tunnelblick. Wenn man das hinkriegt, hat man viel bessere Chancen, auch unter Druck gut abzuschneiden. 

Und psychologisch gesehen geht es da oft auch um mehr als nur den Schießstand. Viele haben unbewusste Blockaden oder Ängste, die sie nicht mal richtig wahrnehmen, aber die sie trotzdem in ihrer Leistung bremsen. Deshalb wäre es für die Biathleten vielleicht hilfreich, sich mal mit diesen inneren Hindernissen auseinanderzusetzen – das kann durch gezielte psychodynamische Arbeit geschehen. Ein Ansatz könnte auch sein, dass sie lernen, wie man sich mental vorbereitet. Ich würde raten, vor dem Schießen genau zu visualisieren, wie der perfekte Schuss aussieht. Man kann sich das richtig vorstellen, wie der Atem geht, der Schuss abgegeben wird – das hilft, um den Körper und den Kopf auf das Wesentliche zu fokussieren. Natürlich hilft auch Entspannung, damit man die Nerven behält. Ich stelle mir vor, dass ein bisschen tiefe Atmung oder vielleicht eine kurze Meditation direkt vor dem Schießen den Jungs helfen würde, den Kopf wieder klar zu bekommen. Wenn man sich dann noch mit positiven Gedanken wie „Ich kann das“ und „Ich bin bereit“ stärkt, kann das wahre Wunder wirken. Wichtig ist, dass sie diese Techniken nicht nur theoretisch kennen, sondern auch regelmäßig im Training anwenden. Wenn sie das in den Alltag integrieren, dann können sie das auch im Wettkampf viel besser abrufen und bleiben ruhiger, selbst wenn’s mal richtig stressig wird. 

Und jetzt zum Schluss kommt das Wichtigste – für diese Aufgabe wird ein Sportpsychologe benötigt, der in der Lage ist, die Athleten zu vereinen und in ihnen das Vertrauen in diese Methodik zu wecken. Er muss ihnen auch die Bedeutung dieser Methodik vermitteln, denn das, was hier entscheidend ist, damit es funktioniert, ist, dass die Athleten einen großen Wert in dieser Art der Arbeit erkennen – das ist die schwierigste Aufgabe und gelingt nicht jedem.

Antwort von: Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite)

Zunächst einmal muss man sehr wahrscheinlich vielen Trainer*innen erst einmal erklären, wie Psycho funktioniert – also was zwischen den Ohren überhaupt passiert. Erst dann verstehen diese Trainer*innen vielleicht auch, warum wir was machen. Ich würde zunächst mit Psychoedukation beginnen, dann eine “belastbare Infrastruktur” für Mentales Training im Verband installieren und dann vor allen Dingen im Nachwuchs mit der Arbeit an den Stützpunkten vor Ort beginnen, denn die Profis müssen das schon können, wenn Sie dann dort angekommen sind. Tools und Techniken kennen wir genügend. Ich denke, ein systemische Herangehensweise könnte hier den Biathlon tatsächlich voranbringen.

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

Da bin ich dann sehr bei Oliver und Norbert. Wir reden letztendlich darüber, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben, Sicherheit beim Tun und Ressourcen, um unerwartete Hindernisse zu bewältigen. Dass unter dem Druck, der jeden Tag anders ist, und durch viele Faktoren bestimmt ist.

Um hier mal im therapeutischen Bereich zu sprechen, braucht es gute Prävention, das heißt frühzeitig in der Jugend beginnendes Training von Fähigkeiten, deren Steuerung primär “zwischen den Ohren” stattfindet. Dazu gehört für alle Beteiligten, angefangen beim Athleten, über die Trainer bis zu den Eltern, das Wissen darum, dass von Oliver treffenderweise als “Psychoedukation” bezeichnet wird.

Für den einzelnen Athleten braucht es dann eine individuelle Anamnese, die den aktuellen Stand der Fähigkeiten, die vorhandenen Ressourcen und auch die Hindernisse und Schwächen analysiert, und dies systemisch und ganzheitlich betrachtet. Dies wird sicherlich in jedem Techniktraining getan, weshalb nicht auch im Bereich des mentalen Trainings?

Hieraus entwickelt sich dann für jeden ein individueller Therapieplan, ein Trainingsprogramm, das jederzeit anzupassen ist. Dazu zählen der Umgang mit Druck und Angst, die Aufmerksamkeitslenkung der Fokussierung, die Imagination der Technik, die Regulation von Emotionen, die Selbstgespräche und -instruktionen und vieles mehr. Techniken und Methoden im Detail hat Norbert schon geschildert.

Für die Biathleten heißt das kurzfristig zusammen mit ihren Trainern und ggf. vorhandenen sportpsychologischen Begleitern den Druck raus zu nehmen, die Angst mit Regulationstechniken zu mindern und vielleicht mit geeigneten spezifischen Techniken ganz aufzulösen. Alle Athleten, die sich in diesem Bereich nicht schon begleiten lassen, ist dies zu empfehlen.

Arthur Wachter, Die Sportpsychologen
Arthur Wachter, Die Sportpsychologen

Antwort von: Arthur Wachter (zur Profilseite)

Ich möchte mich gerne auch zu diesem Thema kurz äußern, obwohl schon fast alles gesagt wurde. Da wir am Wochenende schon sehr intensiv – bei unserer Fortbildung – darüber diskutiert haben, meine Meinung vor allem zum Thema: Zeitpunkt – wann soll ich mit dem Mentaltraining starten?

Biathlon ist eine der anspruchsvollsten Wintersportarten!

Um die Probleme „zwischen den Ohren“ zu bewältigen, sollte das mentale Training ein integraler Bestandteil der Saisonvorbereitung und Wettkampfbegleitung sein und keinen „Feuerwehreinsatz“ darstellen, wie schon von den Kollegen beschrieben.

Andererseits steht ein großer Wettkampf bevor – die WM! Also doch vielleicht eine kurze Intervention und dann parallel eine intensive Planung für die nächsten Wettkämpfe – Beispiel Olympia?

In der aktuellen Saison zeigt sich besonders bei unseren Biathleten, dass es beim Schießen Schwierigkeiten gibt. Katastrophale Wettkampfergebnisse und eine Vielzahl von Fehlschüssen lassen darauf schließen, dass nicht nur die Technik, sondern auch die mentale Verfassung der Athleten unter Druck leidet. Genau hier setzt mentales Training an. Die Techniken wurden ja oben schon von meinen Kollegen genannt.

Also wäre genau jetzt der Zeitpunkt da – dass sich der Ski Verband darüber Gedanken machen könnte, eine Zusammenarbeit mit Sportpsychologen zu starten, um spezifische mentale Blockaden zu lösen und Selbstvertrauen aufzubauen.

Mentales Training ist keine kurzfristige Lösung, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der sowohl im Training als auch im Wettkampf gepflegt werden muss. Mit der richtigen mentalen Einstellung können sich die deutschen Biathleten aus ihrem aktuellen Tief befreien und ihre Schießleistung wieder auf ein Top-Niveau bringen. Denn im Biathlon gilt: Wer die Sache zwischen den Ohren beherrscht, trifft auch ins Schwarze.

Dunja Lang, Die Sportpsychologen

Antwort von: Dunja Lang (zur Profilseite)

Siehe mein vorheriger Beitrag oben – eine systematische Mentale, sportpsychologische Ausbildung und Begleitung von SportlerInnen, TrainerInnen und Sportdirektoren, auch im Kommunikationsverhalten, wäre wünschenswert und anzustreben. Da bin ich bei meinen KollegInnen.

Dr. Hanspeter Gubelmann, Die Sportpsychologen

Antwort von Dr. Hanspeter Gubelmann (zur Profilseite)

Die Thematik ist insofern brisant, weil in genau zwei Wochen die Biathlon-WM in der Lenzerheide (CH) beginnen. Die Resultate an diesem „Zielwettkampf“ werden in den Verbänden (z.B. der Schweiz) u.a. als Grundlage für die zukünftige Mittelvergabe durch den nationalen Olympischen Verband dienen. Das wissen alle Involvierten, insbesondere natürlich auch die Trainer:innen und Verbandsverantwortlichen. Das, was dort zwischen den Ohren stattfinden wird, hat auch mit existentiellen Gedanken zu tun.

Mentale Stabilität, Vertrauen und Zuversicht sind nun insbesondere auch bei allen Trainer:innen gefragt! Wer aber kümmert sich um die matchentscheidenden mentalen Fähigkeiten und Fähigkeiten dieser Schlüsselpersonen? Sehr zu wünschen wäre, dass im Verband Möglichkeiten und Strukturen bereits angelegt sind, um die Trainer:innen hierfür bestmöglich zu unterstützen.Obwohl ich „Feuerwehrübungen“ eher kritisch sehe – zumindest die Frage an jeden einzelnen Trainer/einzelne Trainerin muss notwendigerweise geklärt sein: Fühle ich mich als Trainer:in angesichts der gestellten Anforderungen (Druck, Erwartungen, Medien, WM, etc.) in der Lage, die mir anvertrauten Athlet:innen bestmöglich zu begleiten? Im Zweifelsfall könnte hier die Angewandte Sportpsychologie einen punktuellen, auch kurzfristig angelegten Beitrag leisten!

Mehr zum Thema:

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Janosch Daul: Puzzle-Teil Teamentwicklung

Im ersten Teil meiner Artikelserie habe ich beschrieben, wie sich die Saisonvorbereitung in der U16-Mannschaft des Halleschen FC gestaltet hat. Als sportpsychologischer Coach bin ich Teil des Trainerstabs und berichte hier von meiner Arbeit. Wer also den ersten Teil verpasst hat, dem empfehle ich nachzulesen, wie wir im Sommer Tag für Tag daran gearbeitet haben, aus einer Gruppe ein Team zu formen. Erst auf der Ebene der Trainer und dann auf der von Mannschaft und Betreuerstab. Aber das war nur die Basis…

Artikelserie Puzzle-Teil Sportpsychologie

Janosch Daul (zur Profilseite)

In dieser Artikelserie möchte ich dir, lieber Leser, Einblicke in unsere Philosophie geben und den Übertrag in die Alltagspraxis darstellen. Alles aus meiner Perspektive, der eines sportpsychologischen Coaches. Dabei möchte ich, durch das Aufzeigen meiner Wirkungsbereiche und die Verknüpfung dieser mit unserer Trainingspraxis, die systematische Integration der Sportpsychologie als unverzichtbaren Ausbildungsbestandteil und Leistungsressource hervorheben. Meine eigene Perspektive ergänze ich durch die Ansichten unserer Spieler und die der beiden Trainer. Und wenn du fleißig weiterliest, erfährst du auch, wie das Ganze mit „TEAM 2028“ und „puzzeln“ zusammenhängt. Puzzleteil für Puzzleteil.

Puzzle-Teil Saisonvorbereitung erscheint am: Do., 9. Januar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Teamentwicklung erscheint am: Do., 23. Januar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Spielercoaching erscheint am: Do., 6. Februar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Trainercoaching erscheint am: Do., 20. Februar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Teamcoaching erscheint am: Do., 6. März 2025 (Link)
Puzzle-Teil Elterncoaching erscheint am: Do., 20. März 2025 (Link)

Puzzle-Teil Teamentwicklung

Teamentwicklung erfolgt permanent und ist ein nie abgeschlossener Prozess, der immer wieder angeschoben werden muss. Ein einmaliger gemeinsamer Kinobesuch oder das einmalige Identifizieren von Teamwerten wird niemals ausreichen, um auf der Teamebene einen wahren Unterschied zu erzielen. Deshalb etablierten wir Teamrituale, die wir wöchentlich durchführen und uns als Mannschaft dabei unterstützen, unsere Entwicklung in eine stimmige Richtung zu lenken. Zum einen stimmen wir am Wochenanfang über unser „Motto der Woche“ ab. Gemeinsam mit den Jungs entwickeln und visualisieren wir ein Motto, das unserer Woche einen emotionalen Anstrich verleihen und einen Rahmen geben, die Teammitglieder motivieren und uns ein Stück weit durch die Woche tragen soll. 

Zugleich kann es wunderbar in die Spieltagsansprache oder in die Emotionalisierung integriert werden und somit auch dem Spieltag einen gewissen thematischen Rahmen verleihen. Jeder Spieler kann Vorschläge für das Motto einbringen und anschließend wird abgestimmt. Der Spieler wiederum, dessen Motto am Saisonende am öftesten priorisiert wird, bekommt einen kleinen Preis. Durch unser Motto lernen unsere Spieler, sich mit unserer Situation als Team zu beschäftigen, Verantwortung zu übernehmen, vor dem gesamten Team in Kommunikation zu treten und eigene Meinungen zu begründen. Wichtige lebensrelevante Kompetenzen werden geschult. Ein besonderes Puzzleteil. 

Wochenkapitäne

Zugleich werden pro Woche stets vier „Wochenkapitäne“ festgelegt, mit folgenden Aufgabenstellungen:

  • „Die Wächter der Teamkultur“ (zwei Spieler): Diese sind zuständig für das Einhalten und Kontrollieren unserer erarbeiteten Teamwerte über die Woche hinweg durch ein klares Ansprechen und Einfordern dieser sowie das Bestärken positiver Verhaltensweisen. Außerdem geben uns die beiden Wächter täglich ein Feedback hinsichtlich des Lebens der Werte und der erlebten Teamkultur. Am Ende der Woche ziehen sie vor dem gesamten Team ein Fazit.
  • „Der Spiegel“: Dieser reflektiert – auf Grundlage achtsamen Beobachtens innerhalb der Woche – nach Beendigung des letzten Wochen-Trainingstages vor dem Team, was in der Trainingswoche aus seiner Sicht gut und was weniger gut lief. 
  • „Der Coach“: Dieser liefert nach Beendigung des letzten Wochen-Trainingstages vor dem Team einen Ausblick in Richtung Spiel: „Worauf sollten wir achten? Was ist mir fürs Spiel wichtig?“

Auch diese Aufgaben zielen in hohem Maße auf Prozesse der Selbstreflexion, auf die Auseinandersetzung mit dem eigenen Team, auf die Weiterentwicklung unserer Teamkultur und das Leben unserer identifizierten Werte ab. 

Geburtstagskinder

Das jeweilige Geburtstagskind wird bei uns stets auf besondere Weise geehrt: Es trällert – gemeinsam mit dem Team – ein Geburtstagslied seiner Wahl, erhält von den übrigen Teammitgliedern den im Fußball so beliebten „Nackenklatscher“ und bringt etwas für diese mit. Zudem bezieht das Geburtstagskind Stellung, warum es sich ausgerechnet für diesen Song und dieses Mitbringsel entschieden hat. Auf diesem Weg stärken wir den sozialen Zusammenhalt der Gruppe, lernen uns von anderen, noch unbekannten Seiten kennen, haben als Teamgemeinschaft Spaß und laden das Geburtstagskind herzlich dazu ein, seine Komfortzone zu verlassen. 

Doch selbst bei allen – stimmigen – Teamentwicklungsprozessen sind auch wir als U16 nicht vor Fehlverhaltensweisen gefeit, die wir gezielt als Wachstums- und Lernchance interpretieren. Hierfür haben wir ein „Rad“ entwickelt, an dem der „Übeltäter“, egal ob Spieler oder Mitglied des Trainerteams, anlassbezogen drehen darf. Dieses sieht die verschiedensten Wiedergutmachungsleistungen vor, die der Gruppengemeinschaft dienen. Die Spannung in der Kabine vor dem Drehen des Rades ist jedes Mal aufs Neue greifbar. Die Wiedergutmachungsleistung ist innerhalb von sieben Tagen zu erbringen und zusätzlich ist – vor dem Team- zu folgenden Fragen Stellung zu beziehen: 

  • Was ist vorgefallen? (Situationsbeschreibung)
  • Was waren Gründe für mein Verhalten?
  • Wie habe ich mein Verhalten aufgearbeitet?
  • Wie hat sich mein Verhalten auf die Mitspieler, das Team und das Trainerteam ausgewirkt?
  • Was habe ich daraus gelernt?
  • Welche Botschaft möchte ich dem Team abschließend mit auf den Weg geben?

Hierdurch wollen wir eine bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten ermöglichen, eine Transparenz dem Team gegenüber sicherstellen und dabei unterstützen, durch einen Perspektivwechsel die Empathiefähigkeit weiterzuentwickeln. 

Teamevents

Auch klassische Teamevents nehmen in unserem Ausbildungskonzept einen hohen Stellenwert ein. Durch das regelmäßige Besuchen von Spielen unserer ersten Mannschaft stellen wir immer wieder einen fühlbaren Kontakt zu unserer Vision „Team 2028“ her und lernen gleichzeitig von Vorbildern, die den Weg bereits erfolgreich bestritten haben. 

Das Entwicklungsthema „sportartgerechte Ernährung“ haben wir in ein Teamevent verpackt, indem wir gemeinsam frühstückten, dabei Möglichkeiten einer gesunden Ernährung vorstellten und die Jungs zugleich sich selbst ausprobieren ließen, indem sie selbst Shakes zubereiteten und Quark-Müsli-Varianten genossen. Nach einem Spiel fand dieses Teamevent seine Fortsetzung, indem uns ein Ernährungswissenschaftler Grundlagenwissen vermittelte und wir anschließend gemeinsam – gesund – kochten und aßen. 

Die Rolle der Kabine 

Wenn es um das Thema Teamentwicklung geht, spielt auch unsere Kabine eine ganz besondere Rolle. Nüchtern betrachtet ist diese ja nur ein Raum, einige Quadratmeter groß, mit vielleicht einem Tisch, einigen Sitzbänken, Kleiderhaken sowie einer Taktiktafel darin. Doch unsere Kabine ist deutlich mehr als einfach nur ein Raum, nämlich der wichtigste Aufenthaltsort für die Spieler im Trainingsalltag, wenn sie nicht gerade auf dem Platz stehen. Ein Ort, an dem bedeutende Teamprozesse wie z.B. die oben beschriebenen Teamrituale ablaufen, ein Ort, der die Gemeinschaft und das Erlebnis fördert, der zugleich für eine gewisse Wohlfühlatmosphäre sorgen sowie die Beziehungen wachsen lassen soll. 

Umso wichtiger ist ein achtsamer Umgang mit der Kabine: Wie wird mit ihr und den sich darin befindlichen Materialien umgegangen? Wie sauber wird sie gehalten? Wie wird sie gestaltet? Bei uns hat jedes Teammitglied seinen persönlichen Platz, welcher mit dem laminierten Lieblingsfoto ausgestaltet und dem jeweiligen Spitznamen versehen ist. Die Sitzreihenfolge haben wir auf Grundlage klarer Kriterien bewusst festgelegt. Einige Plakate, die uns an erarbeitete Themen und unsere Teamwerte erinnern, säumen die Wände ebenso wie Kabinenfotos von erfolgreichen Spielen. Laminierte Folien stehen auf dem Tisch und zeigen unsere aktuellen Abschnittsziele und unser aktuelles mentales Fokusthema auf. Auf einem kleinen Tisch steht ein Mixer, mit dem sich die Jungs Shakes nach dem Training und Spiel zubereiten können, um Regenerationsprozesse zu beschleunigen. Zudem achten wir penetrant auf ein hohes Maß an Sauberkeit und Ordnung. Durch eine solche Gestaltung in Kombination mit einem werteorientierten Umgang miteinander wird eine Kabine zu einem lebendigen Wohlfühlort von hohem Wiedererkennungswert, findet auch Torjäger Miran Alali:

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Danijela Bradfisch: Aktives Nachfragen als Superkraft

Während meiner Tätigkeit als Trainerin und Coachine gerate auch ich immer wieder in Konflikte mit Klienten, Kollegen und/oder mir selbst. Wiederholtes Nachfragen stellte mich früher immer wieder vor „die harte Probe”, meinen Emotionen Einhalt zu gebieten, da es für mich unangenehm war, klar Stellung für mich selbst zu beziehen. Aber warum war das so? Wieso fällt es vielen von uns schwer, aktiv nachzufragen?

Zum Thema: Kommunikation im Coachingprozess

Für mich habe ich drei folgende Gründe ausgemacht, weshalb ein Konflikt/ negatives Bild vom aktiven Nachfragen entsteht:

  • eigene Interpretation 
  • Zeichen von Schwäche
  • Angst vor Ablehnung

# Oft werden Nachfragen als Zeichen von Unsicherheit oder Unwissenheit interpretiert, was dazu führen kann, dass Menschen sich unwohl fühlen, wenn sie um Klärung bitten.

# Zudem gibt es in vielen Kulturen eine Tendenz, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu betonen, was dazu führen kann, dass Nachfragen als Schwäche angesehen werden.

# Ein weiterer Faktor ist die Angst vor Ablehnung oder negativer Reaktion des Gesprächspartners. Manche Menschen befürchten, dass ihre Fragen als unangemessen oder störend empfunden werden könnten. 

Fragen fragen

In unserer heutigen Gesellschaft spielt die Zeit- und Effizienzdiskussion eine enorm große Rolle. Es wird oft erwartet, dass wir Informationen schnell verarbeiten, ohne nachzufragen, was aber die Zwischenmenschlichkeit teilweise auf der Strecke lässt.

Während den Gesprächen mit meinen Klienten oder bei Workshops stelle ich immer wieder Nachfragen, denn in der Zwischenzeit bin ich älter und reifer geworden 😉 und weiß auch, dass sich auch positive Effekte bei einem selbst und dem Befragten einstellen.

Welche positiven Effekte sich einstellen, wenn man in Gesprächen nachfragt?

Interesse und Wertschätzung für die Meinung des Gesprächspartners, was die Beziehung stärken kann. Es fördert auch ein tieferes Verständnis der besprochenen Themen, da man klärende Informationen erhält und Missverständnisse vermeiden kann. Zudem kann es dazu beitragen, dass sich der Gesprächspartner gehört und respektiert fühlt, was das Vertrauen und die Offenheit in zukünftigen Gesprächen erhöht. 

Ohne Frustration wirst du nie entdecken, dass du vielleicht dazu imstande bist, etwas selbst zu tun. Wir wachsen durch Konflikte.“ Bruce Lee (1940-1973)

Insgesamt kann das Nachfragen nach Gesprächen zu einer besseren Kommunikation und einem stärkeren Zusammenhalt führen.

Nachfragen erlauben

Welche Maßnahmen müsste man also ergreifen, um das Nachfragen positiver zu etablieren? Folgende Maßnahmen setze ich in meiner Coaching-Praxis bereits um. Und was machst Du?


1. Aufklärung und Sensibilisierung:

Aktiv gestaltete Workshops und Informationsbroschüren, um meine Arbeitsweise und mich als Person authentisch und mutig darzustellen. Somit kann ich allen, die mit mir arbeiten, zu verstehen geben, dass Nachfragen ein Zeichen von Interesse und Engagement sind.


2. Vorbildfunktion: 

Ich als Mutter, Coachine und Mensch möchte ein Vorbild sein und meinen Teil in der Kommunikationskultur beitragen. Mein Ziel ist es, wenn ich das mache, andere dabei zu unterstützen, sich dabei ebenso wohler und sicherer zu fühlen. 


3.  offenen Umfeld schaffen und trainieren:

Herstellen einer Umgebung, in der Fragen sehr willkommen sind und regelmäßiges Feedback umgesetzt werden, z.B. eine Einstiegsübung wäre das „aktive Zuhören“ und dann tauschen. Jeder bekommt fünf Minuten Zeit, um sich „alles von der Seele zu quasseln, dann ist der andere dran“. Dazwischen Fragen stellen oder positiv bestätigen ist leider nicht gestattet. ☺


4. Positive Verstärkung:

Wann wurde eine Frage wegen der Frage schon einmal gelobt? Um die Kommunikationskultur nachhaltiger zu gestalten und Unsicherheit vorzubeugen, sollte dies anerkannt und positiv verstärkt werden. Lob für das Stellen von Fragen kann gerade auch bei Kindern und Jugendlichen (Sportart unabhängig) dazu beitragen, dass andere ermutigt werden, es ebenfalls zu tun.

Durch das Integrieren dieser Maßnahmen in den (Trainings-) Alltag kann das Nachfragen als wertvolles Kommunikationswerkzeug gefördert werden, was letztendlich zu einem offenen und kooperativen Trainingsumfeld führen kann.

Mehr zum Thema:

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Kyle Varley und Iwo Walter: Metakognitionen – oder wie du deinen Autopiloten bremst

Metakognition ist im Leistungssport eine entscheidende Fähigkeit. Sie ermöglicht es Athlet:innen, mentale Prozesse zu reflektieren, bewusst zu steuern und so die Grundlage für Höchstleistungen zu schaffen (Flavell, 1979). Gerade in einem Umfeld, das von Druck, hohen Erwartungen und ständiger Leistungsüberprüfung geprägt ist, kann die gezielte Nutzung metakognitiver Strategien über Erfolg und Misserfolg entscheiden (Martinent & Ferrand, 2015).

Zum Thema: Metakognition – das Denken über das Denken

Viele Athlet:innen kennen den sogenannten „Autopiloten-Modus“ – einen Zustand, in dem Handlungen automatisiert und scheinbar mühelos ablaufen. Dieser Zustand basiert auf jahrelangem Training und der Verankerung von Bewegungsabläufen im prozeduralen Gedächtnis (Schmidt & Lee, 2019). Häufig wird auch vom sogenannten «Flow-Zustand» gesprochen (Csikszentmihalyi, 1990). Die Turnerin Simone Biles nutzt Routinen, die sie so häufig trainiert hat, dass sie unter hohem Druck „im Autopiloten“ funktionieren (Foster et al., 2019).

Dieser Zustand kann insbesondere in Routine-Situationen von großem Nutzen sein, da er es ermöglicht, mentale Ressourcen für andere Aufgaben freizuhalten (Kahneman, 2011). Doch die Automatisierung hat auch Schattenseiten: Ein dauerhaftes Leben im Autopiloten birgt die Gefahr, wichtige physische und psychische Warnsignale wie Überlastung, mentale Erschöpfung oder stagnierende Leistung zu übersehen (Foster et al., 2019). Es erfordert sportpsychologische Interventionen, um die Balance zwischen automatisiertem Handeln und bewusster Steuerung zu fördern. 

Iwo Walter ist Co-Autor des Beitrags

Metakognitive Kontrolle: Der Schlüssel zu mehr Bewusstsein

Bewusstsein bedeutet in diesem Kontext, die eigenen Emotionen, Gedanken und Verhaltensweisen wahrzunehmen und zu reflektieren, ohne automatisch auf sie zu reagieren (Gardner & Moore, 2007). Athlet:innen, die metakognitive Fähigkeiten trainieren, lernen sich bewusst aus dem Autopiloten zu lösen, um ihre mentalen Prozesse aktiv zu steuern.

Diese Fähigkeit hilft, destruktive Denkmuster wie negative Selbstgespräche zu erkennen (Beck, 1976). Der Marathonläufer Eliud Kipchoge berichtete regelmäßig, wie er negative Selbstgespräche während eines Rennens stoppt und durch positive Affirmationen ersetzt (Hutchinson, 2019). Dies zeigt, dass durch die bewusste Kontrolle der Gedanken die mentale Energie für etwas Positives benutzt werden kann und so die Leistungsfähigkeit gesteigert wird.

Praktische Ansätze in der Sportpsychologie

Die Sportpsychologie bietet eine Vielzahl von Interventionen, die auf die Förderung von Metakognition und Bewusstsein abzielen. Einige der effektivsten Ansätze sind:

  1. Achtsamkeitstraining
    Achtsamkeitsübungen helfen Athlet:innen, im Moment zu sein und emotionale Reaktionen besser zu regulieren. Dadurch wird die Fähigkeit verbessert, auch unter Druck bewusste Entscheidungen zu treffen (Gardner & Moore, 2007). Tennis-Profi Novak Djokovic betont regelmäßig die Bedeutung von Meditation und Atemübungen für seine mentale Stärke (Djokovic, 2013). Ebenso entwickelten die Golden State Warriors unter Coach Steve Kerr ein Achtsamkeitskonzept, das geführte Meditationen und Atemübungen umfasst (Sevinc et al., 2021).
  1. Tagebuch bzw. Protokollieren und Selbstreflektion
    Das regelmäßige Protokollieren von persönlichen Gedanken und Gefühlen hilft, wiederkehrende Muster zu erkennen und gezielte Strategien zu entwickeln (Pennebaker, 1997). Serena Williams dokumentierte ihre Gefühlslage vor großen Tennis-Matches, um mentale Hindernisse zu reflektieren und Lösungen zu finden (Williams, 2020).
  1. Visualisierungen
    Visualisierungstechniken erlauben es Athlet:innen, mögliche Herausforderungen mental durchzuspielen und sich auf bestimmte Situationen vorzubereiten (Morris et al., 2005). Michael Phelps visualisierte beispielsweise, wie er mit einer undichten Schwimmbrille umgehen könnte. Dies half ihm bei den Olympischen Spielen 2008, wo er mehrere Rekorde aufstellte und acht Goldmedaillen gewann – eine Leistung, die bis heute einmalig ist (Coyle, 2009).

Fazit: Die Balance zwischen dem «Autopiloten» und Bewusstsein

Die Balance zwischen dem Autopiloten und unserem Bewusstsein ist die Fähigkeit, die Mitte zwischen automatisierten Prozessen und bewussten Entscheidungen zu finden und für sich nutzen zu können (Csikszentmihalyi, 1990; Evans, 2008). Der Autopilot bietet Effizienz und Verlässlichkeit, während Metakognition und aktives Bewusstsein Anpassungsfähigkeit und Flexibilität ermöglichen (Flavell, 1979; Schmidt & Lee, 2019). Das gezielte Training dieser mentalen Fähigkeiten, führt nicht nur zu verbesserten sportlichen Leistungen, sondern stärkt auch langfristig und nachhaltig die mentale Gesundheit sowie Resilienz (Gardner & Moore, 2007; Pennebaker, 1997).

Die Methoden der Sportpsychologie bieten Möglichkeiten, «den Autopiloten» bewusst zu steuern – und das Beste aus beiden Welten zu vereinen (Fitts & Posner, 1967).

Praxis-Tipp für den Sportler-Alltag: 

Nimm dir nach jedem Training oder Wettkampf ein paar Minuten Zeit, um deine mentalen Prozesse zu reflektieren. Was lief automatisiert ab, und wann war bewusste Steuerung nötig? Halte diese Beobachtungen fest, um gezielt daran arbeiten zu können.

Mehr zum Thema:

Literaturverzeichnis

  • Beck, A. T. (1976). Cognitive therapy and the emotional disorders. International Universities Press.
  • Csikszentmihalyi, M. (1990). Flow: The psychology of optimal experience. Harper & Row.
  • Coyle, D. (2009). The talent code: Greatness isn’t born. It’s grown. Bantam Books.
  • Djokovic, N. (2013). Serve to win: The 14-day gluten-free plan for physical and mental excellence. Zinc Ink.
  • Evans, J. S. B. T. (2008). Dual-processing accounts of reasoning, judgment, and social cognition. Annual Review of Psychology, 59, 255–278.
  • Fitts, P. M., & Posner, M. I. (1967). Human performance. Brooks/Cole.
  • Flavell, J. H. (1979). Metacognition and cognitive monitoring: A new area of cognitive-developmental inquiry. American Psychologist, 34(10), 906–911.
  • Foster, R. J., Weigand, D. A., & Baines, D. (2019). Flow and performance in sports: The role of automation. Journal of Sport Behavior, 42(1), 38–54.
  • Gardner, F., & Moore, Z. (2007). The psychology of enhancing human performance: The mindful athlete. Springer Publishing.
  • Hutchinson, A. (2019). Endure: Mind, body, and the curiously elastic limits of human performance. HarperCollins.
  • Kahneman, D. (2011). Thinking, fast and slow. Farrar, Straus and Giroux.
  • Martinent, G., & Ferrand, C. (2015). A comprehensive metacognitive approach in sport: Its impact on performance. International Journal of Sport Psychology, 46(2), 123–142.
  • Morris, T., Spittle, M., & Watt, A. P. (2005). Imagery in sport. Human Kinetics.
  • Pennebaker, J. W. (1997). Writing about emotional experiences as a therapeutic process. Psychological Science, 8(3), 162–166.
  • Schmidt, R. A., & Lee, T. D. (2019). Motor learning and performance: From principles to application (6th ed.). Human Kinetics.
  • Sevinc, G., Gurung, J., & Sahin, N. H. (2021). Mindfulness in sports: A systematic review. Mindfulness, 12(1), 1–20.
  • Williams, S. (2020). Serena Williams: My life in tennis. Penguin Random House.

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    Mathias Liebing ist Gründer und Redaktionsleiter der Plattform Die Sportpsychologen. Als freier Journalist mit dem Themenschwerpunkt Sportpsychologie arbeitet er für die ARD, DAZN, ZDF, SRF, MDR, Deutsche Welle und diversen Print- und Online-Medien. Sein Magister-Studium der Sportwissenschaften, der Medien- und Kommunikationswissenschaften und der Zeitgeschichte absolvierte er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

    Mathias Liebing
    mobil: +49 170 9615287
    mail: m.liebing@die-sportpsychologen.de

    Fachredakteur:

    Prof. Dr. Oliver Stoll (* 5. Februar 1963) studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen Sportwissenschaft, Psychologie und Pädagogik sowie am College of Charlestin (S.C., USA). Er promovierte 1993 zum Dr. phil. im Fach Sportwissenschaft an der Universität Gießen und wechselte 1995 an die Universität Leipzig. Hier absolvierte er eine wissenschaftliche Assistentenzeit und habilitierte hier im Jahr 2000. Im Jahr 2002 folgte er einen Ruf auf eine Professur für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportpsychologie und Sportpädagogik an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

    Prof. Dr. Oliver Stoll
    phone: +49 345 5524440
    mail: oliver.stoll@sport.uni-halle.de

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    Einschlaftipps für NachwuchssportlerInnen

    Viele Kinder sind schon an Abenden vor wichtigen Wettkämpfen, Auftritten und Spielen sehr aufgeregt und kommen schlecht in den Schlaf. Welche Tipps haben unsere Profilinhaber für Kinder und nicht zuletzt deren Eltern oder auch TrainerInnen:

    Markus Gretz, Die Sportpsychologen
    Markus Gretz, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Markus Gretz (zum Profil)

    Einschlafprobleme kennt sicher jeder und wahrscheinlich hat auch jede Sportlerin schon mal Probleme mit dem Schlaf vor einem Wettkampf gehabt. Wichtig ist es dann vor allem, das Nicht-Schlafen-Können nicht zu dramatisieren. Sich selbst zu sagen: “Es wäre auch kein Weltuntergang, wenn ich die ganze Nacht nicht schlafen sollte.” Das bringt manchmal schon die nötige Gelassenheit zurück und man schläft bald ein. 

    Wenn noch viele Gedanken im Kopf sind, kann es hilfreich sein, nochmal aufzustehen und diese Gedanken und Ideen aufzuschreiben. Auch wenn es Sorgen vor dem Wettkampf sind, lohnt es sich, Stift und Papier zu nehmen und sich alle Sorgen von der Seele zu schreiben. Lösungen kann man dann ja am nächsten Tag im Wettkampf finden. Wenn man sich dann wieder hinlegt, helfen Atemübungen oder Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung ganz gut, um zur Ruhe zu kommen. Auch Podcasts oder Hörspiele helfen vielen beim Einschlafen, um sich abzulenken. Da muss jede Sportlerin und jeder Sportler die eigenen Vorlieben für sich kennenlernen. Ich empfehle jedoch allen, die Entspannungsübungen nicht erst bei Einschlafproblemen zu nutzen, sondern auch an Abenden zu üben, an denen man ganz entspannt einschlafen könnte.

    Janosch Daul, Die Sportpsychologen
    Janosch Daul, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Janosch Daul (zum Profil)

    Sowohl die Ursachen für Einschlafschwierigkeiten als auch die Entwicklung entsprechender Lösungsansätze sind individuell zu betrachten. Zunächst macht es für jeden Sportler Sinn, auf seine Schlafhygiene zu achten und adäquate Rahmenbedingungen für eine gute Schlafqualität zu schaffen. Wenn dennoch weiterhin Schlafschwierigkeiten gegeben sind, muss individuell geschaut werden, was es braucht, um wieder besser einschlafen zu können. Markus hat dahingehend schon viele mögliche Lösungsansätze aufgezeigt.

    Ergänzend möchte ich eine achtsamkeitsbasierte Routine aufzeigen, die aus vier Schritten besteht und sich in der Praxis als hilfreich erwiesen hat. Sie hilft, parasympathische Anteile zu aktivieren, also den Teil unseres Nervensystems, das uns in einen ruhigen, entspannten Zustand versetzt: 

    1. Aktive Wahrnehmung der Themen, die den Sportler beschäftigen – Die Themen können sich in der Regel dann wieder “zur Ruhe legen”, wenn sie aktiv wahrgenommen wurden. 
    2. Sich in Dankbarkeit üben – Dinge, Personen, Erlebnisse benennen, für die man Dankbarkeit empfindet. 
    3. Mentale Zuwendung anderer Menschen – Liebgemeinte Wünsche an andere Menschen zu adressieren, hilft, die eigene Bubble zu verlassen und den Parasympathikus zu aktivieren.
    4. Im Körper ruhen – Hier kann man sich z.B. auf den Atem fokussieren, der eine unaufgeregte Qualität des Seins hat. Bei auftretenden Gedanken gilt es, immer wieder achtsam zu Körperempfindungen zurückzukehren.
    Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
    Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Yvonne Dathe (zum Profil)

    Ich kann mich dem bereits erwähnten nur anschließen. Wichtig sind etablierte und entspannende Abendroutinen, die das Kind auf das Schlafen vorbereiten. Dazu können Aktivitäten wie Lesen, sanfte Musik oder Geschichten hören oder auch eine Entspannungsübung (z.B. Meditation, Achtsamkeit, Autogenes Training). Zur Abendroutine gehört auch ein regelmäßiger Schlafrhythmus, sprich nach Möglichkeit immer zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen.

    Die Schlafumgebung sollte ebenfalls optimiert werden: abgedunkeltes, ruhiges und kühles Schlafzimmer und eine “Wohlfühlumgebung”, die sicher bei jedem Kind etwas anders aussieht.

    Vor dem Zubettgehen sollte die Bildschirmzeit reduziert werden. Blaues Licht kann den natürlichen Melatoninspiegel und somit den Schlafrhythmus stören. 

    Eine positive Visualisierungsübung, bei der nochmals der erfolgreiche Ablauf des Wettbewerbstages bzw. des Auftrittes gedanklich durchgespielt wird, kann helfen mit guten Gedanken einzuschlafen. 

    Falls sorgenvolle Gedanken oder sogar Ängste vorhanden sein sollten, sollte der Raum, um darüber zu sprechen, gegeben werden. Die Erwartungshaltung, dass es vor allem um Spaß und persönliche Verbesserung geht, sollte nochmals betont werden. 

    Johanna Constantini, Die Sportpsychologen
    Johanna Constantini, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Johanna Constantini (zum Profil)

    Vor allem das Durchforsten von Social Media Kanälen findet häufig abends statt. Hier gilt es, gemeinsame Regeln festzulegen, um für eine analoge Schlafroutine wie sie die KollegInnen bereits beschrieben haben, sorgen zu können. Wichtig ist es, diese Regeln in Zusammenarbeit aufzustellen. Dabei ist es empfehlenswert, dass Eltern sich mit den Nutzungsgewohnheiten ihrer Kinder beschäftigen, Interesse an den Social Media Kanälen und ihren Inhalten zeigen. Über Interesse und Zusammenarbeit gelingt es leichter, Regeln zu implementieren, als über die reinen Verbote und Restriktionen von Bildschirmzeit. Fakt ist, dass sich der zirkadiane Rhythmus von Kindern und Jugendlichen durch die Nutzung von Social Media durchschnittlich um zwei Stunden verschiebt. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche durchschnittlich zwei Stunden später schlafen gehen, als es für ihren Organismus notwendig wäre.

    Social Media Inhalte spielen damit eine große Ursache, wenn es um Schlafschwierigkeiten von NachwuchssportlerInnen geht. Im Einzelfall lohnt es sich also, hier gezielt zu arbeiten.

    Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
    Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Danijela Bradfisch (zum Profil)

    Meine Kollegen haben schon recht viel dazu geschrieben, dennoch möchte ich noch eine Ideen am Ende hinzufügen, die Visualisierung und die positive Entwicklung zu verfolgen  🙂 

    1. Regelmäßiger Schlafrhythmus: Jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen, auch am Wochenende. Das hilft, den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren.

    2. Entspannungsrituale: Führe vor dem Schlafengehen entspannende Aktivitäten ein, Meditation oder sanfte Dehnübungen. Das kann helfen, den Körper und Geist auf den Schlaf vorzubereiten.

    3. Schlafumgebung optimieren: Sorge für eine ruhige, dunkle und kühle Schlafumgebung. Verdunkelungsvorhänge und eine angenehme Matratze können den Schlafkomfort erhöhen.

    4. Bildschirmzeit reduzieren und stattdessen lieber doch ein Buch lesen.

    5. Leichte Snacks: Wenn du hungrig bist, greife zu einem leichten Snack, der reich an Kohlenhydraten und Proteinen ist, wie Joghurt oder eine Banane. 

    6. Getränkewahl beachten: Reduziere den Konsum von koffeinhaltigen Getränken und zuckerhaltigen Snacks, besonders am Nachmittag und Abend.

    7. Aktiv bleiben: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, besser zu schlafen. Achte jedoch darauf, intensive Trainingseinheiten nicht zu kurz vor dem Schlafengehen zu planen.

    8. Atemübungen: Praktiziere Atemtechniken oder Meditation, um den Geist zu beruhigen und Stress abzubauen, was dem 2. Punkt ähnlich ist.

    Mach Dir ggf. einen Wochenplan, wann Du wann aufstehen und ins Bett gehen möchtest.

    Schreibe in Dir sichtbar auf ein Blatt und hänge es an die Wand/ Tür und hake es ab, wenn Du aufstehst bzw. wenn Du ins Bett gehst (eine frühe Zielzeit hilft bei jüngeren Kindern, um die Routine einzuüben).

    Ich hoffe, die Tipps meiner Kollegen und mir helfen Dir dabei, besser einzuschlafen und erholsame Nächte zu genießen! Wenn du noch weitere Fragen hast, stehen Markus (zum Profil), Janosch (zum Profil), Yvonne (zum Profil), Johanna (zum Profil) und ich (zum Profil) sowie alle anderen im Netzwerk (zur Übersicht) gern zur Verfügung.

    Mehr zum Thema:

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    Norbert Lewinski: Sportpsychologie für Diskuswurf und Kugelstoß

    Wurfdisziplinen wie Diskuswurf und Kugelstoß stellen Athletinnen und Athleten vor besondere Herausforderungen, bei denen nicht nur körperliche, sondern auch mentale Faktoren eine zentrale Rolle spielen. Die Beherrschung der komplexen Technik und die kontinuierliche Leistungsverbesserung erfordern ein hohes Maß an Konzentration, Visualisierungsfähigkeit und psychischer Stabilität. In diesem Artikel widmen wir uns den mentalen Aspekten, die für die effektive Technikschulung in diesen Disziplinen entscheidend sind.

    Zum Thema: Mentale Aspekte der Technikschulung in den Wurfdisziplinen

    Eine der größten mentalen Herausforderungen beim Diskuswurf und Kugelstoß ist die Konzentration auf die komplexe Abfolge von Bewegungen. Der Wurf oder Stoß ist eine hochdynamische Aktion, die nur wenige Sekunden dauert, aber zahlreiche technische Details umfasst. Die Athletin oder der Athlet muss während der Ausführung des Bewegungsablaufs präsent sein, ohne sich von äußeren Faktoren wie dem Publikum oder innerem Leistungsdruck ablenken zu lassen.

    Aus meiner Erfahrung als Sportpsychologe beginnt das mentale Training mit Athletinnen und Athleten genau hier – bei der Schulung der Konzentration. Ich leite sie an, wie sie ihre Aufmerksamkeit bewusst steuern können, um den Fokus konsequent auf den Bewegungsablauf zu richten. Ein erster Schritt besteht oft darin, sich der eigenen Ablenkungen bewusst zu werden: Welche Gedanken treten auf, wenn der Druck steigt? Wie beeinflussen diese die Bewegungsausführung? Durch gezielte Reflexion und Gespräche helfen wir den Sportlerinnen und Sportlern, individuelle Strategien zu entwickeln, um solche Störfaktoren auszublenden. Mentale Trainingsmethoden wie Atemübungen oder die sogenannte Fokussierungsroutinen können helfen, die Konzentrationsfähigkeit zu stärken. Diese Methoden integriere ich in die Trainingspläne, um sicherzustellen, dass sie zu einem natürlichen Bestandteil der Vorbereitung werden. Eine klare innere Vorstellung dessen, was im jeweiligen Moment zu tun ist, reduziert das Risiko von technischen Fehlern erheblich. Athletinnen und Athleten lernen, eine „mentale Checkliste“ zu erstellen, die sie Schritt für Schritt durch die Bewegung führt – von der Startposition bis zum Abschluss.

    Visualisierung: Der perfekte Wurf vor Augen 

    Visualisierung ist ein zentrales Instrument im mentalen Training der Wurfdisziplinen. Hierbei stellt sich der Athlet den perfekten Bewegungsablauf in Gedanken vor – von der Ausgangsposition über den Rotations- oder Schwungprozess bis hin zum Abwurf oder Stoß. Studien zeigen, dass die Vorstellung von Bewegungen ähnliche neuronale Prozesse aktiviert wie die tatsächliche Bewegung.

    Diese Technik ist meine persönliche Lieblingsaufgabe im mentalen Training, da sie sowohl von den Athletinnen und Athleten als auch von mir als Sportpsychologe ein hohes Maß an Präzision und psychodynamischem Kontakt erfordert. Die erste Arbeit beginnt stets mit der Schaffung einer inneren Raumvorstellung, die den Prozess der Mentalisierung überhaupt erst möglich macht. Athletinnen und Athleten müssen lernen, eine stabile innere Plattform zu entwickeln, auf der sie ihre Bewegungsbilder projizieren können. Nach diesem Schritt geht es an die sogenannte „Fummelarbeit“ mit der Technik des „Chunking“. Dabei wird der Bewegungsablauf in kleine, isolierte Elemente zerlegt, die einzeln analysiert und mental durchgearbeitet werden. Anschließend erfolgt das Zusammensetzen dieser Elemente innerhalb der neu geschaffenen mentalen Plattform, wodurch eine ganzheitliche Vorstellung der Bewegung entsteht.

    Athletinnen und Athleten, die mit mir an dieser Technik arbeiten, sind in diesem Bereich besonders gut ausgestattet. Durch die Kombination aus detaillierter Visualisierung und intensiver Reflexion entwickeln sie nicht nur ein schärferes Verständnis ihrer Technik, sondern können auch im Wettkampf deutlich souveräner agieren.

    Emotionsregulation: Drucksituationen meistern

    Gerade in Wettkampfsituationen steigt der mentale Druck enorm. Negative Gedanken oder Ängste können die Technik und Leistung erheblich beeinträchtigen. Hier kommt die Emotionsregulation ins Spiel: Techniken wie die kognitive Umstrukturierung, bei der belastende Gedanken in positive oder neutrale Aussagen umgewandelt werden, können helfen, Selbstzweifel zu minimieren.

    Diese Arbeit beginnt oft mit einer detaillierten psychodynamischen Analyse. Es ist entscheidend, die individuellen inneren Konflikte, Erwartungen und potenziellen Blockaden des Athleten zu erkennen. Eine offene und vertrauensvolle Beziehung zwischen dem Athleten und mir ist dabei der Schlüssel. Diese Beziehung, die auf Respekt und gegenseitigem Vertrauen basiert, schafft eine sichere Basis, auf der der Athlet sein volles Potenzial entfalten kann.

    Der nächste Schritt besteht darin, gemeinsam mit dem Athleten Strategien zu entwickeln, die ihm helfen, in kritischen Momenten ruhig und konzentriert zu bleiben. Dabei nutzen wir gezielt Techniken wie Atemkontrolle, progressive Muskelentspannung und individuelle Selbstgespräche. Parallel dazu bauen wir durch die psychologische Beziehung eine stabile Grundlage, die dem Athleten das Gefühl gibt, in schwierigen Situationen nicht allein zu sein. Diese Sicherheit erlaubt es ihm, sich freier zu bewegen und zu handeln. Ein weiterer hilfreicher Ansatz ist die Entwicklung von Wettkampfroutinen. Durch das Einüben einer festen Abfolge vor jedem Wurf oder Stoß – etwa durch bestimmte Bewegungen, Atemtechniken oder Selbstgespräche – wird ein Gefühl der Kontrolle und Sicherheit erzeugt.

    Selbstbewusstsein: Die Grundlage für Fortschritte

    Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist ein entscheidender Faktor, um technisches Lernen effektiv zu gestalten. Wenn eine Athletin oder ein Athlet an der eigenen Leistung zweifelt, kann dies die Bewegungsqualität beeinträchtigen. Ein starkes Selbstbewusstsein fördert hingegen den Mut, neue technische Elemente auszuprobieren und Fehler als Chance für Wachstum zu sehen. Selbstbewusstsein entsteht jedoch nicht von selbst – es muss gezielt gefördert werden. Ein zentraler Bestandteil dieser Förderung ist die Reflexion vergangener Erfolge und die Wertschätzung kleiner Fortschritte im Trainingsprozess. Sowohl die Sportpsychologen als auch die Trainer können durch gezieltes, positives Feedback den Blick der Athletinnen und Athleten auf ihre Stärken lenken. Dies schafft eine Grundlage für das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

    Darüber hinaus ist es wichtig, eine Kultur des konstruktiven Umgangs mit Fehlern zu schaffen. Fehler sind ein unvermeidbarer Teil des Lernprozesses und bieten die Möglichkeit, Schwachstellen zu identifizieren und zu verbessern. Athletinnen und Athleten, die Fehler als wertvolle Lernerfahrungen begreifen, entwickeln ein robusteres Selbstbewusstsein und bleiben langfristig motiviert. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung realistischer, aber dennoch herausfordernder Ziele. Gemeinsam mit dem Sportpsychologen kann der Athlet Etappenziele definieren, die schrittweise zu größeren Erfolgen führen. Diese Zielsetzung hilft nicht nur, den Fortschritt messbar zu machen, sondern steigert auch die intrinsische Motivation.

    Durch diesen ganzheitlichen Ansatz wird das Selbstbewusstsein zu einer stabilen Grundlage, die den Athletinnen und Athleten ermöglicht, mit Freude und Zuversicht an ihrer Technik zu arbeiten und sich kontinuierlich zu verbessern.

    Fazit

    Das Erlernen neuer Techniken oder die Korrektur bestehender Fehler erfordert Geduld und mentale Anpassungsfähigkeit. Athletinnen und Athleten müssen bereit sein, alte Gewohnheiten aufzugeben und sich auf neue Bewegungsmuster einzulassen. Hierbei hilft ein schrittweises Vorgehen: Der Fokus auf einzelne technische Elemente, die nach und nach zusammengeführt werden, reduziert Überforderung und Frustration.

    Mentale Strategien wie Zielvisualisierung oder positive Selbstgespräche unterstützen den Prozess. Sätze wie „Ich kann diese Technik lernen“ oder „Jeder Fortschritt bringt mich näher an mein Ziel“ stärken das Durchhaltevermögen.

    In den Wurfdisziplinen Diskuswurf und Kugelstoß spielen mentale Aspekte eine ebenso große Rolle wie physische und technische Faktoren. Konzentration, Visualisierung, Emotionsregulation und Selbstbewusstsein sind Schlüsselkomponenten für die Technikschulung und den Erfolg. Durch gezieltes mentales Training können Athletinnen und Athleten nicht nur ihre Leistung verbessern, sondern auch mehr Freude und Selbstvertrauen im Training und Wettkampf entwickeln. Die Trainer sollten auf diesem Feld sehr eng mit den Sportpsychologen zusammenarbeiten und diesen mentalen Aspekten besondere Aufmerksamkeit schenken, um ihre Schützlinge ganzheitlich zu unterstützen.

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    Dr. Hanspeter Gubelmann: Comeback im Spitzensport – Wenn sich der innere Zwang nicht mehr bremsen lässt

    Lindsey Vonn, Therese Johaug, Marcel Hirscher, Iouri Podladtchikov – vier Olympiassieger*Innen und Aushängeschilder ihrer Sportarten, die neben ausserordentlichen sportlichen Meriten aktuell vor allem eine Gemeinsamkeit in den Schlagzeilen der Sport-News teilen: Sie kehren praktisch zeitgleich zurück ins Scheinwerferlicht des Spitzensports. 10vor10, die News-Sendung des Schweizer Fernsehens, wollte von mir wissen, ob dies einem neuen Trend entspräche? – „Eher zufällig,“ meine Antwort. Viel Raum für eine psychologische Einordnung blieb nicht. Weshalb das Phänomen Comeback eine besondere Herausforderung für mich darstellt, möchte ich am Beispiel dieser Medienanfrage darlegen.

    Zum Thema: Von einer Medienanfrage zur mentalen Checkliste für Comebacker*Innen

    Auch das gehört zu meinem Arbeitsalltag als Sportpsychologe! Freitagmorgen um 09.45 Uhr bekomme ich vom Schweizer Fernsehen einen Anruf mit der Anfrage, ob ich mich für eine Expertenmeinung in der Sendung 10vor10 zur Verfügung stellen würde. Thema: die sportpsychologischen Hintergründe zahlreicher Comeback-Versuche sehr bekannter Sportgrössen, die aktuell die Sportszene entzücken. Es entwickelt sich ein kurzes Gespräch zu Erklärungsansätzen, die mir spontan einfallen. Dann bitte ich die Produzentin um eine halbstündige Pause, damit ich meinen Tag so organisieren kann, dass der Dreh möglich wird. 

    Wir verabreden uns auf einen Treff um 14.00 Uhr im Fernsehzentrum Leutschenbach. Ich nutze die Zeit (drei Stunden!), um mich auf den Take vorzubereiten. Ich ordne die „Fälle“: Zuvorderst, weil Aufhänger der Story: Iouri Podladtchikov (36), CH-Olympiasieger 2014, Marcel Hirscher, Austria-Ski-Überflieger der alles gewonnen hat (36), Lindsey Vonn, US-Ski-Ikone wie Hirscher (40), Therese Johaug, lebende Ski Nordisch-Legende (36), Lucas Pinheiro Brathen, Neo-Brasil-Stangenakrobat mit Starpotential (25). Eine höchst illustre Gruppe denke ich und überlege mir verschiedene Perspektiven, wie ich das Phänomen Comeback beschreiben kann, ohne den Athlet*Innen etwas „anzudichten“. Keine Ferndiagnose also, sondern der ernsthafte Versuch zu erklären und zu erläutern, was die Sportpsychologie an Erkenntnissen bereithält. Am Ende habe ich viel nachgelesen, zusammengefasst und einige Statements vorbereitet. Ich mache mich auf den Weg nach Zürich, gutes Material im Gepäck und ready für eine spannende Diskussion. Mir ist aber auch klar: Es werden maximal zwei Sätze sein, die am Ende in den Bericht einfliessen werden. 

    Comeback ist nicht gleich Comeback

    Und genauso geschieht es. Der Dreh ist kurz und animiert, ich sage viel und erkläre leichtfüssig, zuweilen fühle ich mich in einem schönen Redefluss. Zuhause angekommen beginne ich mit dem Vertexten meiner Gedanken. Die Beispiele passen sehr gut zum Themenschwerpunkt „Karriere im Leistungssport – und danach“ meiner Vorlesung Sportpsychologie an der ETH Zürich. Dazu will ich eben diesen Blog schreiben. Abends um 10vor10 wird der Beitrag (siehe Link unten) gesendet, bildgewaltig mit vielen Sportszenen der Protagonist*Innen und wenig Kommentar. So viel Arbeit für gerade mal 30 Sekunden TV-Zeit – grandioser Aufwand und sonst?

    Zunächst eine Anmerkung zur Frage nach einem Trend in der Comeback-Thematik. Mein „zufällig“, welches ich spontan der SRF-Journalistin entgegnete, bezieht sich auf den Umstand, dass es auch schon früher namhafte Comeback-Versuche gab. Zu den im deutschsprachigen Raum vielbeachteten zählten sicher jene von Michael Schumacher, Katharina Witt und Martina Hingis. Auch sie Weltstars in ihren Sportarten kehrten auf die internationale Bühne zurück, der grosse sportliche Erfolg blieb indes aus. Einen möglichen Grund zur aktuellen Häufung sehe ich im Fakt, dass in einem Jahr die Olympischen Spiele 2026 in Mailand anstehen. Im Alter von 35 Jahren oder mehr dürften die zeitlichen Ressourcen für eine 2. Sportkarriere auf wenige Jahre beschränkt bleiben. Andererseits braucht es ein trainingstechnisch und zeitlich optimal gestaltetes Vorbereitungsprogramm, um sich nach jahrelanger Wettkampfabstinenz wieder in Richtung Weltspitze zu orientieren. Wichtig: Hinsichtlich der Erfolgsaussichten der individuellen Comeback-Versuche will ich mich nicht äussern, wohl aber zu Einflussgrössen, die die Erfolgswahrscheinlichkeit mitbestimmen. Dazu zähle ich den zeitlichen Abstand zum damaligen Karriereende, die besonderen Umstände, die damals zum zwischenzeitlichen Laufbahnende geführt hatten, die technische Weiterentwicklung der Sportart seither, aber auch das spezifische Anforderungsprofil der Disziplin. So scheinen Spitzenleistungen in Ausdauersportarten in höherem Alter einfacher zu erreichen als in technisch-schnellkräftigen, kompositorischen Sportarten. Oder anders ausgedrückt: Der 36-jährigen Therese Johaug dürfte es eher gelingen, den anvisierten WM-Titel über 50km in Trondheim zu gewinnen als dem gleichaltrigen Snowboarder Iouri Podladtchikov ein Medaillengewinn an den kommenden Olympischen Spielen. 

    Mentale Checkliste für Comebacker*Innen

    Die Zusammenarbeit mit Spitzensportler*Innen setzt voraus, dass ich mich mit dem Thema „Karriere im Spitzensport – und danach“ auseinandersetze. Das Thema „Comeback“ – also das Wiederaufnehmen einer ursprünglich beendeten Karriere im Spitzensport zählt für mich zu den möglichen Ausprägungsformen einer sportlichen Laufbahn. Interessanterweise habe ich in den 35 Jahren meiner Berufstätigkeit im Spitzensport noch nie ein Comeback der oben beschriebenen Art begleitet. Ich verweise hier ausdrücklich auf andere Comeback-Situationen – wie z.B. nach überstandener Kreuzbandverletzung – mit denen ich häufiger konfrontiert war, die sich aber in ihrer mentalen Bedingtheiten deutlich von jenen der Johaugs & Co. unterscheiden. Im Übrigen fristet das Thema „Comeback im Spitzensport“ im wissenschaftlichen Kontext ein Mauerblümchendasein. Anhand einer Medienanalyse fassen Cosh et al. (2012) die Gründe für ein Comeback im Spitzensport folgendermassen zusammen: „Returning to compete in elite sport was routinely depicted in media accounts as something that is not chosen, but as driven by emotion, compulsion and a need to play.“ 

    Comeback nur aus Zwang, getrieben von Emotionen und dem Bedürfnis zu spielen und performen? Alternativ und um im Bedarfsfall als Sportpsychologe gewappnet zu sein, schlage ich eine „mentale Checkliste für Comebacker*Innen“ mit sieben Fragestellungen vor. Hinzu kommen selbstverständlich (da zwingend notwendig) weitere medizinische, sportspezifische, trainingstechnische, finanzielle u.a. Überlegungen, auf die ich hier nicht eingehen kann.

    Mentale Checkliste für Comebacker*Innen

    • Sinnhaftigkeit: Was bedeutet mir die Rückkehr ins Scheinwerferlicht des Spitzensports?
    • Athlet*Innen Identität: Wie sehe, erlebe, spüre ich mich als Comebacker*in. Wie hat mich die Zeit ohne den Spitzensport verändert?
    • Erwartungshaltung, Motive und Zielsetzungen: Wo stehe ich heute und welche Erwartungen habe ich an mich? Was möchte ich erreichen?
    • Rückschau auf meine erste Karriere und das damalige Karriereende: Wie erlebe/beschreibe ich den damaligen Rücktritt aus heutiger Sicht? Was hat sich heute verändert, was möchte ich mit meinem Comeback für mich verändern?
    • Aktualisierung Wettkampf-Ich: Mein Mindset: Wie bekomme ich meine mentale Stärke wieder auf Weltklasse-Niveau? Wie stärke ich meine mentale Gesundheit?
    • Soziales Umfeld: Unterstützt mein privates Umfeld meine Comeback-Absichten? 
    • Öffentlichkeitsarbeit: Wie gestalte ich meinen Umgang mit den (sozialen) Medien und der öffentlichen Erwartungshaltung? Was sind meine Kernbotschaften?

    Comeback als Wagnis

    Je mehr ich mich in die Thematik vertiefe, desto stärker wird mir bewusst: Ob und allenfalls wie Comebacks im Spitzensport erfolgreich verlaufen, dürfte von zahlreichen Faktoren und Zusammenhängen beeinflusst sein. Die beiden Comeback-Versuche von Marcel Hirscher und Lucas Pinheiro Braten – obwohl auf exakt gleicher Sportbühne im Ski alpin ausgetragen – könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihnen gemeinsam ist, dass beide Skifahrer mit grossem Einsatz erneut nach sportlichem Erfolg streben. Gemeinsamer Begleiter ist aber auch das Wagnis, welches beide eingehen. Ein Restrisiko hinsichtlich eines Scheiterns bleibt. Aus sportpsychologischer Sicht möchte ich diesem Restrisiko die Idee verstärkter Selbstreflexion entgegenhalten und die beiden Sportler fragen: Was denkst du, wenn du in den Spiegel schaust?

    Ein Blick in die aktuellen Resultatlisten zeigt: Therese Johaug gewinnt souverän die Tour de Ski. Lindsey Vonn nähert sich in den Speeddisziplinen den Podestplätzen, die Lucas Pinheiro Braten schon erreicht hat. Marcel Hirscher hingegen reisst sich im Training das Kreuzband und muss seine Ambitionen zumindest für dieses Jahr begraben. Bleibt Iouri Podladtchikov, der in wenigen Tagen in Laax sein Comeback geben will. In einem Interview im Schweizer Fernsehen (12.1.2025) sagt der Zürcher zu Gründen seines Comebacks: „Die Idee wieder Wettkämpfe zu fahren ist ziemlich frisch. Ich stehe an der Pipe und muss mich bremsen, dass ich es nicht mache!“ Sein innerer Drang sagt ihm heute, sich nicht mehr bremsen zu können. „Mein Comeback – es muss sein“. Das sagt einer, der in seiner aktiven Karriere neben einem schweren Schädel-Hirntrauma zahlreiche gravierende Verletzungen erlitten hatte. Insgeheim hoffe ich für Iouri, dass er im Anschluss an die Olympischen Spiele 2026 in den Spiegel schauen und sagen kann: Es hat sich gelohnt.

    Mehr zum Thema:

    Quellen:

    Cosh, S., LeCouteur, A., Crabb, S., & Kettler, L. (2012). Career transitions and identity: a discursive psychological approach to exploring athlete identity in retirement and the transition back into elite sport. Qualitative Research in Sport, Exercise and Health5(1), 21–42. https://doi.org/10.1080/2159676X.2012.712987

    Sendung 10v10, Comeback Iouri Podlatchikov

    https://www.srf.ch/play/tv/10-vor-10/video/10-vor-10-vom-10-01-2025?urn=urn:srf:video:ba875bd7-85c8-4d21-ae14-1528d5f35571

    https://www.facebook.com/ORFSport/videos/929376945810102

    https://www.srf.ch/play/tv/sportpanorama/video/studiogast-iouri-podladtchikov?urn=urn:srf:video:2e099aee-2709-46a7-b505-f7c4987478b0

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    Janosch Daul: Puzzle-Teil Saisonvorbereitung

    Ich, Janosch Daul, bin als sportpsychologischer Coach beim Halleschen FC tätig. In der laufenden Saison arbeitete ich besonders eng mit der U16 zusammen, also mit dem Trainerstab und den Spielern. Von dieser Zusammenarbeit berichte ich in dieser Artikelserie, die viele Puzzle-Teile unserer Arbeit aufgreift. Es beginnt mit den Vorbereitungswochen, später lege ich den Fokus auf die Teamentwicklung sowie auf meine Coaching-Schwerpunkte Trainer, Team und Eltern. Ich will aufzeigen, welche Rolle die Sportpsychologie im Arbeitsumfeld Nachwuchsleistungsfußball einnehmen kann.

    Ich starte aber mit einer konkreten Erinnerung. Mitten in der Saison. Auswärtsspiel in Sandersdorf. 1. November 2024. 17:45 Uhr. Unsere U16-Spieler betreten nach der üblichen Platzbesichtigung die Kabine. In den Augen der Jungs ist ein Impuls von Überraschung wahrnehmbar. Denn neben dem wie immer fein auf einem Bügel aufgehängten Trikot findet jeder Spieler eine individuelle Stärkenkarte vor, auf der die persönlichen „Zauberwaffen“ hervorblitzen. Ein verschmitztes Lächeln hier, ein Grinsen dort. Eine zielgerichtete Maßnahme unseres Chefcoaches Marwin Wolf, um unsere Jungs vor der Anforderungssituation Spiel kognitiv wie emotional stimmig mit ihren Stärken in Kontakt treten zu lassen. Eine Maßnahme, die sinnbildlich für unsere Arbeitsphilosophie als U16-Trainerteam des Halleschen FC steht. Aber nun zurück, zum Anfang unserer Arbeit, Saisonvorbereitung 2024/2025…

    Puzzle-Teil Saisonvorbereitung

    Vor dem Beginn einer Zusammenarbeit stellen sich zunächst die Ausgangsfragen: Was sind unsere Aufgaben als Trainerteam? Warum sind wir angestellt? Die beiden übergeordneten Zielstellungen, die mit unserem Wirken verbunden sind, sind die folgenden:

    • individuell maximale fußballerische Weiterentwicklung und
    • individuell maximale soziale Weiterentwicklung unserer Spieler ermöglichen, um „Profis fürs Leben“ auszubilden

    Unsere Aufgabe besteht also darin, alle Prozesse, Handlungen und Maßnahmen so zu steuern, also Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sie der Erreichung dieser Zielstellungen dienen. „Wir“, das sind Marwin Wolf, Andreas Eichfeld (Co-Trainer) und meine Person. Zu dritt fungieren wir als Trainerteam – zusammen mit einem Athletik- und einem Torwarttrainer sowie einem Physiotherapeuten und einem Mannschaftsleiter bilden wir schließlich das Funktionsteam, das in dieser Kombination erstmals zusammenarbeitet.

    Gemeinsam arbeiten wir konsequent und leidenschaftlich daran, dass unsere Spieler permanent am Puzzeln sind, um ihr persönliches Puzzle Leistungsfaktor um Leistungsfaktor zu komplettieren. Die Grundlage für unsere Arbeit mit den Jungs basiert auf unserer Arbeitsphilosophie, deren Kern sich aus folgenden vier Stützpfeilern ergibt:

    1. Unsere Grundhaltungen

    Unsere Spieler sind zuallererst Menschen – wie jeder Mensch reich gesegnet an wundervollen Fähigkeiten, auszuschöpfenden Wachstumspotenzialen und spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen, geprägt durch individuelle Umwelten, Sozialisation und herausfordernde Lebenserfahrungen, ausgestattet mit zu befriedigenden Bedürfnissen und wahrzunehmenden Motiven, individuellen Verhaltensmustern und Umfeldern sowie persönlichen Herausforderungen in ihrer gegenwärtigen Lebenswelt. Vor diesem Hintergrund muss jeder Spieler höchst individuell auf sich zugeschnitten wahrgenommen und geführt werden. Dabei gilt es, individuell anregend zu wirken, individuell zu kommunizieren, individuell zu motivieren – mit entsprechender Vorbildwirkung als Grundprämisse.

    Kurzum: Es braucht eine individuelle maßgeschneiderte Zuwendung. Wir sehen uns dabei nicht ausschließlich in der Rolle der Leistungsoptimierer, sondern in der Rolle von Förderern, die dem Menschen zugewandt sind und die den Spieler als autonomen Entscheider über seine Lebensgestaltung dabei unterstützen, einen für sich stimmigen Weg auf und außerhalb des Feldes zu gehen. Wir betrachten – und behandeln – unsere Spieler also als Subjekte und nicht als die Erfüllungsgehilfen eigener Vorgaben. In unserem Führungsverhalten werden unsere Grundhaltungen spürbar.

    1. Eine stimmige Wertevermittlung

    Durch das Identifizieren und permanente Vorleben und Einfordern von zentralen Werten im zwischenmenschlichen Miteinander wollen wir zielgerichtet Kultur in unserem Team prägen und unsere Spieler dabei unterstützen, einen eigenen, für sich stimmigen Wertekanon schrittweise zu entwickeln. Sie lernen, ihr eigenes Verhalten konstruktiv-kritisch zu reflektieren – auch vor dem Hintergrund der identifizierten Werte. Wir als Trainerteam stehen dabei in der Verpflichtung, diese in größtmöglicher Konsequenz vorzuleben.

    1. Pädagogische Konsequenz

    In unserem Handeln und Auftreten verhalten wir uns den Jungs gegenüber konsequent. Aufgabenstellungen sind konsequent und zuverlässig zu erledigen. Fehlverhaltensweisen, die gegen den Wertekanon unseres Teams verstoßen, werden wahrgenommen, vor dem Team zum Thema gemacht und aufgearbeitet – durch Reflexion und Tat. Lernprozesse werden ausgelöst.

    1. Das Zusammenspiel von Kopf und Fuß

    Um Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sich unsere Spieler als Fußballer bestmöglich weiterentwickeln und Profis fürs Leben werden können, braucht es die permanente Auseinandersetzung mit mentalen und sozialen Aspekten des Fußballsports und des Lebens. Dafür müssen auf individueller und kollektiver Ebene zielgerichtet Prozesse angestoßen und Ressourcen ausgeschöpft werden – durch ein kooperatives Zusammenspiel von Fußballtrainer und sportpsychologischem Coach. Dabei müssen proaktiv Zeitfenster im Trainingsalltag geschaffen werden, die das Umsetzen entsprechender Prozesse ermöglichen. Eine zielgerichtete, proaktive Integration der Sportpsychologie ermöglicht die Ausschöpfung individueller und kollektiver Ressourcen in hohem Maße – aber auch nur dann. Was würde passieren, wenn unsere Spieler keine Möglichkeit hätten, sportpsychologisch konsequent betreut zu werden? Innenverteidiger und Vize-Kapitän Diego Perl sowie Außenverteidiger und Führungsspieler Anthony Schneider haben dazu eine klare Meinung:

    Aus den übergeordneten Zielstellungen und unserer Arbeitsphilosophie ergeben sich für mich als sportpsychologischen Coach entsprechende Aufgabenbereiche, innerhalb derer ich wirksam werden kann. Die vier Grundpfeiler finden dabei ihre Berücksichtigung. Ich blicke, mit Unterstützung unserer Spieler und Trainer, auf das bislang Erarbeitete und begründe unsere Maßnahmen – anhand meiner fünf zentralen Aufgabenbereiche.

    Teamentwicklung im Trainerstab

    Bevor wir unsere Spieler dabei unterstützen konnten, zu einem Team zu werden, mussten wir zunächst dafür sorgen, ein wahres TrainerTEAM zu werden. Wir klärten u.a. Rollen und Aufgabenbereiche, gaben unseren Wochen eine Struktur, besprachen die inhaltliche Einbindung der Teildisziplin Sportpsychologie in den Trainingsalltag und entwickelten einen „Erfolgskodex“, der festlegt, wie wir täglich miteinander umgehen und wofür wir stehen wollen – die Grundlagen für eine stimmige Zusammenarbeit mussten dabei vor dem Erstkontakt mit dem Team gelegt werden. Denn wir als Führungskräfte müssen individuell und als Trio funktionieren, um unsere Spieler und das daraus zu entwickelnde Team, beginnend mit dem ersten Tag der Zusammenarbeit, schrittweise ins Funktionieren bringen zu können.

    Dabei ist Marwin Wolf als Cheftrainer unser Oberhaupt, unser Kapitän, der das Boot steuert, aber auch seine Co-Kapitäne im Sinne des großen Ganzen auf die Kommandobrücke lässt, in den Lead schickt, wenn er die Überzeugung vertritt, dass dies dem großen Ganzen dient. Nicht zuletzt die Art und Weise, wie er uns mit in die Verantwortung nimmt und das Team mit-führen lässt, schafft einen Raum, innerhalb dessen jedes Trainerteammitglied seine Kompetenzen im Sinne der Weiterentwicklung unserer Spieler gewinnbringend einsetzen kann. Unserem Kapitän gelingt es dabei gekonnt, persönliche Bedürfnisse in den Hintergrund treten zu lassen und alle Maßnahmen darauf abzielen zu lassen, dem Spieler zu dienen. Im Erstkontakt mit unseren Spielern konfrontierten wir diese mit der von Marwin Wolf entwickelten Vision „TEAM 2028“. Er selbst sagt dazu folgendes:

    Das Trainingslager

    Zugleich kommunizierte er neben Trainingsrichtlinien unverhandelbare Grundsätze, die unseren unumstößlichen U16-Rahmen bilden. Einen Rahmen, der in einem Trainingslager, das uns bereits eine Woche nach dem Erstkontakt mit unseren Spielern nach Ganderkesee nahe Bremen führte, durch unsere dort identifizierten Teamwerte vervollständigt wurde. Wir entschieden uns bewusst für eine höchst einfache Unterkunft. Ein Ferienhaus mitten im Wald, mit kleinen Zimmern, über fünf Kilometer entfernt vom nächsten Supermarkt und mit schlechtem Mobilfunkempfang.

    Durch diese Entscheidung und durch das vor Ort durchgeführte Programm wollten wir Kompetenzen wie Verantwortungsübernahme, Fleiß, Demut, Teamfähigkeit und Widerstandsfähigkeit schulen – back to the roots. Maßnahmen wie das Planen von Mahlzeiten, das anschließende Zubereiten und Abspülen, ein Fotoshooting, eine Team-Diskussion, wie wir mit unserem Handykonsum in diesen Tagen verfahren wollten, eine „Nationalitäten-Runde“, in der jeder Spieler einen persönlich ausgewählten, das eigene Heimatland repräsentierenden Gegenstand vorstellte, einen in Kleingruppen zu bewältigenden Hindernisparcours, für den wir unsere Spieler nachts um zwei Uhr aus dem Bett klingelten, eine Gesangsrunde oder das Schreiben eines Trainingslager-Tagebuchs schufen neben „klassischen“ Trainingseinheiten und Testspielen sowie Zeit zur Eigengestaltung einen Raum, um sich besser kennenzulernen, bewusst miteinander in Kontakt zu treten, sich mit sich selbst und dem Mitspieler auseinanderzusetzen und entsprechende Kompetenzen zu fördern. Kompetenzen, die es für das persönliche Puzzle braucht.

    Passend zu manchen dieser Teamprozesse mussten unsere Spieler im Nachgang bestimmte Aufgaben mit dem Ziel einer Ergebnissicherung erfüllen. Als diese nicht rechtzeitig erledigt wurden, wurde auch schonmal das gekochte Essen kalt, ehe unsere Spieler ihre Aufgabe zufriedenstellend erledigt hatten. Ein Beispiel für die von Marwin Wolf vorgelebte pädagogische Konsequenz. Vor dem Hintergrund, dass wir acht Neuzugänge zu integrieren hatten und unser Kader über Spieler aus den verschiedensten Nationalitäten verfügt, war es umso wichtiger, entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen, die darauf einzahlten, zu einem wahren Team zu werden.

    Abwehrkante Erik Wiedensee sagt zum Trainingslager:

    Artikelserie Puzzle-Teil Sportpsychologie

    Janosch Daul (zur Profilseite)

    In dieser Artikelserie möchte ich dir, lieber Leser, Einblicke in unsere Philosophie geben und den Übertrag in die Alltagspraxis darstellen. Alles aus meiner Perspektive, der eines sportpsychologischen Coaches. Dabei möchte ich, durch das Aufzeigen meiner Wirkungsbereiche und die Verknüpfung dieser mit unserer Trainingspraxis, die systematische Integration der Sportpsychologie als unverzichtbaren Ausbildungsbestandteil und Leistungsressource hervorheben. Meine eigene Perspektive ergänze ich durch die Ansichten unserer Spieler und die der beiden Trainer. Und wenn du fleißig weiterliest, erfährst du auch, wie das Ganze mit „TEAM 2028“ und „puzzeln“ zusammenhängt. Puzzleteil für Puzzleteil.

    Puzzle-Teil Saisonvorbereitung erscheint am: Do., 9. Januar 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Teamentwicklung erscheint am: Do., 23. Januar 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Spielercoaching erscheint am: Do., 6. Februar 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Trainercoaching erscheint am: Do., 20. Februar 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Teamcoaching erscheint am: Do., 6. März 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Elterncoaching erscheint am: Do., 20. März 2025 (Link)

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