“Fußball ist auch eine Kopf- und Einstellungssache”

Ole Pörschmann ist ein Leistungsträger der U17-Mannschaft des Halleschen FC. Im Nachwuchszentrum des Fußball-Drittligisten arbeitet Janosch Daul von Die Sportpsychologen seit eineinhalb Jahren intensiv mit ihm im mental-sozialen Bereich zusammen. Ole gehört zu denjenigen Spielern, die das Angebot, sich mit meiner Unterstützung gezielt mental weiterzuentwickeln, am meisten nutzen. In diesem Artikel möchten Janosch und Ole aufzeigen, wie eine zielführende sportpsychologische Zusammenarbeit in einem NLZ gestaltet werden kann. Zugleich sollen authentische Einblicke vermittelt werden, welche Herausforderungen sich für den sportpsychologischen Experten durch diese besonders engen Formen der Zusammenarbeit ergeben.

Ob es anderen sportpsychologischen Coaches teilweise ähnlich ergeht? Welche Fragen haben Spieler in Bezug auf eine solche Zusammenarbeit? Nehmt dazu gern direkt Kontakt zu Janosch Daul (zum Profil) auf – aber erst, nachdem ihr seinen Text gelesen habt:

Zum Thema: Einzelspieler-Coaching im Nachwuchsleistungsfußball

Den Ausgangspunkt für unsere Zusammenarbeit bildete ein Kennenlerngespräch im Sommer 2022, als Ole, der nach einem Intermezzo beim VfL Wolfsburg zur U14 des HFC zurückkehrte, gerade in die U16 gekommen war. In diesem Gespräch gab mir Ole, der täglich die circa 35 Kilometer lange Strecke zwischen seiner Heimatstadt Lutherstadt Eisleben und Halle meistert, sofort das Gefühl, an einem engen Austausch interessiert zu sein. Grundsätzlich nehme ich wertvolle Eigenschaften wie Ehrgeiz, Streben nach Weiterentwicklung, Wissbegierde, Zielklarheit und eine enorme Offenheit bei ihm wahr. Alles Punkte, die nicht zuletzt positiv auf unsere Zusammenarbeit einzahlen. Ole selbst nimmt bei sich vor allem Folgendes wahr und berichtet, warum er die Sportpsychologie so wichtig findet:

„Ehrlichkeit, Wille und der Mut, Mentales mit Janosch als sportpsychologischem Coach anzugehen, zeichnen mich besonders aus. Nicht jeder traut sich, den Weg, den ich gehe, zu gehen, weil er auch mit Aufwand einhergeht. Ich finde das Thema aber einfach sehr wichtig. Denn Fußball ist auch eine Kopf- und Einstellungssache. Nur weil man ein guter Fußballer ist, bedeutet das nicht, dass man das, was man kann, auch automatisch abrufen kann. Spiele werden auch im Kopf gewonnen. Wenn man mit dem Mindset ´Ich weiß nicht, ob wir das gewinnen´, in Spiele hinein geht, dann wird das nichts. Man muss immer denken, dass man der Beste ist und das lerne ich auch durch die sportpsychologische Zusammenarbeit. Was mir in dieser Zusammenarbeit besonders gefällt, ist, dass wir uns alles offen und ehrlich sagen können, sodass wir immer weiterkommen und auch gegenseitig viel voneinander lernen. Wir können uns vertrauen und ich bin mir sicher, dass das, was wir besprechen, auch immer unter uns bleibt.“

Dimensionen des Leaderships

Inhaltlich arbeiteten wir in der vergangenen Saison primär an Oles Kompetenzen als Führungsspieler. Grob umrissen ging es dabei um eine Weiterentwicklung in den folgenden vier Dimensionen des Leaderships: 

  • motivierendes Leadership (primär auf dem Spielfeld),
  • aufgabenorientiertes Leadership (primär auf dem Spielfeld),
  • soziales Leadership (primär außerhalb des Spielfeldes),
  • extern orientiertes Leadership (primär außerhalb des Spielfeldes)

Am Erarbeiteten konnten wir in der aktuellen Saison wunderbar anknüpfen.

Die aktuelle Saison 

Als festes Teammitglied der U17 habe ich in dieser Saison die Möglichkeit, Ole noch regelmäßiger und intensiver zu begleiten. In der Sommervorbereitung führten wir eine Auftragsklärung durch, um zu definieren, in welche Richtung die gemeinsame Reise gehen soll und um Einblicke darin zu erhalten, wie ich ihm aus seiner Sicht der bestmögliche Unterstützer sein kann. 

Aus dem Gespräch ergab sich, dass mich Ole primär in folgenden Rollen sieht:

  • der Spiegel, der ihm regelmäßig ein ehrliches Feedback unter mental-sozialen Gesichtspunkten gibt, bezogen auf Aspekte, die auf und neben dem Feld beobachtbar sind,
  • der Coach, der anregende Reflexionsfragen stellt, um Lernprozesse auszulösen und mit dem Ole an mentalen Kompetenzen arbeitet,
  • der Berater, der ihm punktuell Ratschläge mit auf seinen Weg gibt,
  • der Pädagoge, der mit ihm offen und ehrlich ins Gespräch kommt, wenn Verhaltensweisen im sozialen Bereich inadäquat sind – mal durch das Ausdrücken einer eigenen Meinung, primär allerdings durch das Stellen von Reflexionsfragen, die ihn selbst Einsichten und Lösungen entwickeln lassen,
  • der Trauerbegleiter, der ihn bei besonders herausfordernden Themen unterstützt,
  • der Kumpel, mit dem sich Ole über Alltagsthemen unterhalten kann und 
  • der Wettkampfvorbereiter, der ihm hilft, sich mental aufs Spiel vorzubereiten

Für Ole selbst ist zum einen die Rolle des Coaches besonders wichtig: „Durch die Reflexionsfragen komme ich selbst ins Nachdenken. Dies ist für mich am effektivsten. Durch diese Fragen setze ich mich intensiver mit dem Thema auseinander und kann mir darüber am besten klar werden, was ich verkehrt, aber auch gut gemacht habe. Dadurch weiß ich dann auch, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. Wenn mir jemand einfach nur sagt, was ich falsch gemacht habe, dann komme ich darüber kaum ins Nachdenken und setze mich viel weniger kritisch mit mir selbst auseinander.“

Kommunikation als Schlüssel

Das Stellen nützlicher (Reflexions)fragen scheint Ole also in seiner persönlich-menschlichen Weiterentwicklung am dienlichsten zu sein. Dies steht im Gegensatz zum Ansatz so mancher Führungskräfte (z.B. Trainer), die dazu neigen, durch das Halten eines Monologs eine Verhaltensänderung beim Geführten (z.B. dem Spieler) erzeugen zu wollen. 

Zum anderen hat vor allem die Rolle des Spiegels, aus der heraus ich Ole nach Trainingseinheiten und Spielen regelmäßig meine Wahrnehmungen, teils per persönlichem Gespräch, in der Regel jedoch per Whats-App-Sprachnachricht, kommuniziere, eine hohe Wichtigkeit für Ole: „Dadurch, dass Janosch mich regelmäßig spiegelt, weiß ich, woran ich arbeiten kann und in welchen Bereichen ich noch zulegen muss. Dadurch kann ich mir fürs nächste Training bewusst Dinge vornehmen, die ich umsetzen will. Und wenn ich auf etwas bewusst achte, dann kann ich mich darin auch verbessern. Hilfreich ist für mich dabei, mir eine Notiz ins Handy zu schreiben, die ich mir vor dem Training nochmal anschaue oder mir das, was ich umsetzen will, auf einen Zettel schreibe, den ich mir vor dem Schlafen und dem Training nochmal angucke.“

Drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Inzwischen haben sich drei Schwerpunkte in der Zusammenarbeit mit Ole herauskristallisiert – immer verbunden mit der zielgerichteten Einnahme einer adäquaten Rolle: 

  1. Arbeit an Führungsspielerkompetenzen 

Als Teil des Mannschaftsrats und dritter Kapitän hat Ole einen natürlichen Führungsanspruch an sich selbst. Meiner Wahrnehmung nach ist es dem Real Madrid- und VfL Wolfsburg-Fan in den vergangenen eineinhalb Jahren extrem gut gelungen, eine  hohe Leitungsstabilität im Hinblick auf Kompetenzen, die einen wahren Leader auf dem Feld ausmachen, zu entwickeln, z.B.:

  • die Mitspieler auf positive Art und Weise emotional zu coachen, 
  • die Emotionen auf dem Spielfeld in die richtige Richtung zu lenken, 
  • die Mitspieler zu motivieren, bis zum Äußersten zu gehen, 
  • selbst eine vorbildliche Einsatzbereitschaft an den Tag zu legen,
  • Trainingsabläufe durch das Übernehmen organisatorischer Verantwortung positiv zu unterstützen,
  • dem Team zu helfen, sich zu fokussieren und taktische Entscheidungen zu treffen und
  • klare, positiv formulierte Anweisungen zu geben.

Meiner Meinung nach ist Ole in diesen Bereichen als Führungsspieler bereits so gut aufgestellt, dass es an dieser Stelle „nur noch“ um den Erhalt dieser Leistungsstabilität und um ein Feintuning geht. Oles Selbsteinschätzung dazu: „Ich bin in diesen Bereichen gut aufgestellt. Es ist nicht selbstverständlich, im Spiel und Training so viel zu coachen. Ich habe aber manchmal auch Tage, an denen ich nicht so happy bin und dann nicht so viel coache. Wenn wir z.B. ein Spiel verlieren, bin ich auch nicht immer der Lauteste. Trotzdem habe ich mir hier sehr gute Voraussetzungen für meine weitere Entwicklung geschaffen. Besonders gut finde ich meine Lautstärke. Es macht was mit dem eigenen Team, wenn ich laut bin und es schüchtert zugleich die Gegenspieler ein. Zudem ist es einfach richtig geil, sich nach einem Tor oder gewonnenen Zweikampf abzufeiern, also den Emotionen freien Lauf zu lassen. Das pusht mich selbst, wodurch ich noch freier und besser spielen kann.“

Ole beschreibt zudem, wie es ihm gelungen ist, diese Kompetenzen zu entwickeln: „Im Training habe ich mich bewusst darin geübt, Lautstärke reinzubringen, was mit der Zeit immer besser gelang. Dann konnte ich dies auch im Spiel zeigen. Zudem hat mein Vorbild Sergio Ramos dazu beigetragen. Ich habe mir gerade zu Real-Zeiten viele Spiele von ihm angeschaut und ich sehe, wie er permanent coacht, seine Kette zusammenhält, auch pfeift, ja einfach ein lautstarker Leader ist, auf den man sich verlassen kann. Von ihm hab ich mir vieles abgeschaut.“

Ich nehme wahr, dass Ole insbesondere in seinem Sozialverhalten noch Wachstumspotenziale offenbart. Auf meine Frage, wie er seine Sozialkompetenz einschätzt, meinte er zuletzt: „Janosch, ich kann sehr sozialkompetent sein. Ich will es nur nicht immer.“ Aktuell unterstütze ich ihn dabei, sich selbst immer besser kennen- und verstehen zu lernen: Welche (guten) Gründe habe ich, dass ich nicht immer will? Was braucht es, um mehr ins Wollen zu kommen? Wieso reagiere ich in Situationen mit anderen Menschen so, wie ich reagiere? Was sind persönliche Triggerpunkte? Wie kann ich in Gruppenkontexten eine für mich stimmige Rolle finden? Was brauche ich, um Menschen in bestimmten Situationen weniger schnell zu beurteilen? Wie gebe ich gewaltfrei Feedback? Wie führe ich unangenehme Gespräche? Wie löse ich Konflikte auf? Wie gehe ich aktiv auf Mitspieler zu? Wie kann ich Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nehmen, wenn diese meinen eigenen im Wege stehen? Wie kann ich meinen Mitspielern ein guter Zuhörer sein? Wie kann ich Dankbarkeit und Wertschätzung auf eine für mich authentische Art und Weise ausdrücken?

Ole ist sich dessen selbst bewusst, dass er an seinem Sozialverhalten noch arbeiten muss: „Mein größtes Potenzial besteht darin, einen Menschen, wenn ich ihn nicht so mag oder (noch) nicht so gut kenne, nicht so schnell zu beurteilen. Das sollte ich mir abgewöhnen. Und zudem die Meinungen anderer akzeptieren, also erstmal über diese nachdenken, verarbeiten und dann darauf antworten, anstatt direkt loszuschießen. Zudem möchte ich lernen, nicht immer meine Meinung durchzudrücken und auch anzuerkennen, wenn eine andere Person Recht hatte.“

Ich habe selten einen Spieler und gleichzeitig einen so jungen Menschen (!!!) erlebt, der sich so ehrlich und knallhart spiegeln lassen möchte und sich so ehrlich mit sich selbst und auch (eigenen) unangenehmen Themen auseinandersetzt, um persönlich zu wachsen. Ich habe für mich durch die Zusammenarbeit mit Ole gelernt: Auf der Grundlage maximaler menschlicher Wertschätzung kannst du einem Menschen, den eine gewisse Offenheit auszeichnet, in einem passenden Moment fast alles sagen – und wirst dann in der Regel auch wirklich gehört. Oles Streben danach, sich auf diese Weise permanent mit sich selbst auseinandersetzen zu wollen, begeistert mich an ihm und führt mich zu der wenig mutigen Annahme, dass es ihm in den kommenden Jahren gelingen wird, an seinen ihn (noch) herausfordernden Themen zu wachsen. Um die Schritte zu gehen, die Ole gehen will – dafür bekommt er von mir alle Zeit dieser Welt. Alles zu seiner Zeit. 

  1. Arbeit an leistungsbezogenen mentalen Kompetenzen 

Wer als Spieler ganzheitlich wachsen will, der kommt nicht daran vorbei, sich neben taktischen, physischen und technischen Aspekten auch gezielt mit mentalen Aspekten des Fußballspiels auseinanderzusetzen. In Form von Gesprächen, kurzen Coachingprozessen und Feedbacks arbeiten wir konsequent an mentalen Kompetenzen wie z.B. den folgenden:

  • mit unangenehmen Emotionen in Folge herausfordernder Situationen umgehen zu können,
  • die eigene Aufmerksamkeit handlungsbezogen auf spielrelevante Reize auszurichten,
  • funktional und lautstark zu kommunizieren,
  • eine hundertprozentige Einsatzbereitschaft an den Tag zu legen und
  • über den Körper Zuversicht, Stärke und Selbstbewusstsein auszustrahlen

Oles Selbstwahrnehmung dazu: „Besonders gut finde ich meine Lautstärke. Das macht was mit dem Team, wenn es einen Leader hat, der lautstark pusht und coacht. Zudem habe ich eine hohe Einsatzbereitschaft. Ich finde es super wichtig, einen Zweikampf unbedingt gewinnen und einen Ball unbedingt anbringen zu wollen. Ich bin ein Typ, der nicht verlieren kann und immer gewinnen will. Dies zeigt sich in meiner Einsatzbereitschaft.“ 

  1. Unmittelbare Wettkampfvorbereitung 

Wie für so viele Spieler ist auch für Ole das Spiel am Wochenende der Wochenhöhepunkt. Das Motto lautet dann: Performen! Das abrufen, was ich kann und im Trainingsprozess entwickelt habe! Eine Frage, die sich ein Spieler entsprechend stellen darf, lautet: Was brauche ich, um meine maximale Leistungsfähigkeit am Wochenende möglichst stabil und konstant abrufen zu können? In dieser Saison haben Ole und ich für Pflichtspiele feste Routinen mit Raum für Flexibilität entwickelt, die ihm dabei helfen, seine Fähigkeiten auch tatsächlich auf den Platz zu bringen: 

  • Auf der Hinfahrt zum Spiel stelle ich Ole Reflexionsfragen, die ihn dabei unterstützen, seine für das Spiel relevanten Aufgaben sowie seine eigenen Zielstellungen und Erwartungshaltungen bewusst im Gedächtnis zu verankern. Vor manchen Spielen bringe ich ihn zudem je nach Bedürfnis nochmal mit seinen Stärken in Kontakt – z.B. durch Visualisierungsübungen.
  • Während der Platzbesichtigung am Spielort konkretisieren wir das im Bus Besprochene: Was braucht es nun konkret, um in die Umsetzung zu kommen? Zugleich beziehen wir die Platz- und Umgebungsbedingungen, die wir vor Ort vorfinden, in unsere Überlegungen mit ein. Bei Heimspielen verknüpfen wir diese beiden Teile der Wettkampfvorbereitung während der Platzbesichtigung miteinander. 
  • Ca. zwei Minuten vor Spielbeginn suche ich nochmal für einige kurze Augenblicke den Austausch mit Ole. Auf einer kleinen Karte visualisiert erinnere ich ihn an zwei für das Spiel relevante mentale Aspekte und gebe ihm abschließend einen kleinen Mutmacher mit auf den Weg. 
  • In der Halbzeitpause kommt Ole bedürfnisorientiert auf mich zu, um über sein Spiel in der ersten Halbzeit ins Gespräch zu kommen. 

In der aktuellen Vorbereitungsphase nutze ich die Testspiele, um Ole zu einer kompletten Selbstständigkeit zu ermutigen. Er ist der permanente Selbst-Entscheider über das, was er vor dem Spiel im Sinne einer bestmöglichen mentalen Wettkampfvorbereitung gerade benötigt. Wenn er mich braucht, bin ich für ihn da und wenn nicht, zeigt mir dies, dass es ihm immer besser gelingt, sich höchstselbst mental perfekt auf das Spiel vorzubereiten – dies schafft eine wertvolle Unabhängigkeit von anderen Personen. 

Meine größte Challenge in der Zusammenarbeit mit Spielern wie Ole

Als leidenschaftlich-verrückter Vollbut-Sportpsychologischer Coach neige ich dazu, mit Spielern (und Menschen außerhalb des Fußballs) sehr stark mitzuschwingen, mich ihnen auch emotional sehr verbunden zu fühlen. Dies bringt viele Vorteile mit sich, birgt aber auch gewisse Gefahren. Diese Leidenschaft für den Spieler und primär den Menschen dahinter lässt mich auf der einen Seite eine hohe Einsatzbereitschaft an den Tag legen und (fast) alles für den Spieler im Sinne seiner Weiterentwicklung tun, sofern dies mit meiner Rolle als sportpsychologischer Coach kompatibel erscheint, sei es beispielsweise das Vernetzen des Spielers mit Ernährungsspezialisten oder das aufwendige Herstellen individueller Motivationsvideos. Spieler spiegeln mir, dass es mir dadurch gut gelingt, sie im mental-sozialen Bereich kontinuierlich voranzubringen. Doch auf der anderen Seite kostet mich dieses Gefühl der emotionalen Verbundenheit und meine daraus resultierende sehr hohe Einsatzbereitschaft eine Menge Energie, die mir dann für andere Lebensbereiche teilweise fehlt. Dies ist wohl der Preis, den du ein Stück weit zahlen musst, wenn du merkst, dass sich der Beruf, den du ausüben darfst, einfach nicht wie ein Beruf, sondern vielmehr wie eine Leidenschaft anfühlt. Zudem braucht es gerade dann immer wieder ein höchst professionelles und achtsames Innehalten und Reflektieren der eigenen Rolle. Auf Spieler wie Ole bezogen: Durch eine so enge Zusammenarbeit entsteht eine wahre menschliche Beziehung und dadurch wiederum eine freundschaftliche Sympathie. Das ist menschlich. Ole meint mit Blick auf unsere Beziehung: „Manchmal vergesse ich, dass Janosch mein sportpsychologischer Coach ist. Dadurch rede ich sehr locker mit ihm und ohne dabei groß nachzudenken.“ 

Was ist meine Herausforderung? Diese besteht für mich, im Sinne der Wahrung eines professionellen Arbeitsverhältnisses darin, immer wieder klare Grenzen zu setzen – nach innen und außen. Im Sinne der Beziehungsgestaltung situationsbezogen mit Spielern wie Ole zum Beispiel Späße machen zu können und dabei dennoch in der eigenen Rolle professionell zu bleiben. Ich nehme wahr, dass Ole und ich auf einem guten Weg sind, an unseren jeweiligen Herausforderungen zu wachsen. Gerade durch unsere gemeinsame Zusammenarbeit, die sich für mich total stimmig und wertvoll anfühlt. 

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Janosch Daul
Janosch Daul

Sportarten: Fußball, Handball, Basketball, Volleyball, Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Tischtennis, Badminton

Halle/Saale, Deutschland

+49 (0)176 45619041

E-Mail-Anfrage an j.daul@die-sportpsychologen.de