Gar nicht so einfach, die Entscheidung zu treffen, welches meiner sportpsychologischen Projekte wohl das spannendste in diesem zu Ende gehenden Jahr gewesen sein soll? Auf Nachfrage unseres Redaktionsleiters Mathias Liebing habe ich mich dennoch bemüht, diese Frage für mich zu beantworten. War es die ASP Tagung in Halle, bei der ich als Referentin auftreten durfte? Die Zusammenarbeit mit dem ÖSV Snowboard–Team, dem Österreichischen Pferdesportverband oder doch dem ASVÖ Salzburg? Waren es die vielen Einzelcoachings, die meines Empfindens nach keinem Vergleich standhalten, einfach weil die psychologische Arbeit stets eine einzigartige und vertrauensvolle ist.
Zum Thema: Mein Jahreshighlight 2019
Um einige Erkenntnisse zu meiner Person reicher bin ich heute froh, dank Markus Rogan meine Komfortzone verlassen zu haben (c) Psychologie Constantini
Da ich mich trotz intensiver Überlegungen eben schlichtweg nicht festlegen konnte und mich nach wie vor frage, ob es denn dieses EINE beste Projekt für mich überhaupt geben kann, musste ich mich an ein umso prägenderes Ereignis des Jahres 2019 erinnern: Im Zuge des Tages der Sportpsychologie 2019, welchen ich seit vielen Jahren regelmäßig besuche, hatte ich mich als Freiwillige gemeldet. Und zwar während des Vortrags von niemand geringerem als EX–Schwimmstar Markus Rogan. Dadurch, dass ich selbst ebenso im Klinischen Bereich der Psychologie tätig bin, waren die Inhalte seines Vortags nicht nur sehr spannend, sondern eben auch meine Meldung als freiwillige „Testperson“ für mich unumgänglich. Zwei Minuten sollte ich bei dieser Übung also Zeit haben, um mich vor rund 100 KollegInnen aus der Sportpsychologie und Psychologie vorstellen zu dürfen. Um nach diesen zwei Vorstellungsminuten von jedem Einzelnen schriftlich bewertet zu werden.
100 Bewertungen folgten auf die zwei Minuten, die mir gezeigt hatten, wie ich auf Menschen wirke, die mich nicht persönlich kennen, ob ich denn Kompetenz ausstrahlte und ob ich einen sympathischen ersten Eindruck hinterließ. Eine große Herausforderung, von der ich heute sehr froh bin, dass ich mich ihr gestellt habe. Genauso froh bin ich über das viele schriftliche Feedback, das ich dadurch in kürzester Zeit erhalten habe.
Welchen Sinn diese Übung hatte? Wie auch Rogan erläuterte, geht es bei allen Projekten, Gruppen– oder Einzelcoachings die wir mit Athleten und Klienten abhalten stets darum, dass sich unsere Kunden neuen Situation stellen. Ihre Ängste überwinden und neue Erfahrungen zulassen. Daher tun auch wir, die wir uns in den meisten dieser beruflichen Zusammentreffen auf der „sicheren Seite der Experten“ befinden sehr gut daran, unsere eigene Komfortzone ab und zu zu verlassen. Aus diesem Grund bildet jene Selbsterfahrung mein sportpsychologisches Highlight des Jahres 2019.
DieTage zwischen Weihnachten und Silvester nutzen viele, um sich Gedanken über das vergangene Jahr zu machen und sich Vorsätze für das neue Jahr zu setzen. Dies gilt auch für Sportler. Oft passiert dies aber unstrukturiert und mit den immer gleichen Fragen.
Zum Thema: Fazit ziehen und Fokus setzen
Unser Profilinhaber Markus Gretz hat sich ein paar Fragestellungen überlegt, mit denen ihr interessante Details aus euch herauskitzeln könnt. Entdeckt, wohin ihre eure Kraft lenken solltet, welche neue Ideen es zu verfolgen lohnt und was ihr vom alten Jahr hinter euch lassen könnt.
Ladet das vierseitige Dokument über den folgenden Link herunter und bearbeitet den Fragebogen gern analog:
Gern stehen euch unsere Experten aus dem Netzwerk (zur Übersicht) und Markus Gretz (zur Profilseite) zur Verfügung. Denn auf Basis eurer Notizen ließe sich wunderbar sportpsychologisch arbeiten.
Markus Gretz
Einer unserer Basketballexperten im Netzwerk ist ein echter Teamplayer. Holt ihn euch für Vorträge zu Themen wie Konfliktmanagement in Sportmannschaften, Wettkampfangst oder zum Pausenverhalten von Trainern ins Boot.
In meiner 20-jährigen Tätigkeit als ETH-Dozent für Sportpsychologie komme ich täglich mit jungen, sportbegeisterten Menschen in Kontakt. Die allermeisten bleiben dem Sport auch nach Studienabschluss verbunden und starten in ihre berufliche Karrieren, die in unterschiedlichste Richtungen verlaufen. Besonders interessant sind für mich jene Begegnungen, wenn ich nach vielen Jahren wieder auf „Ehemalige“ treffe und sie mir berichten, wo sie heute stehen und was ihnen aus der Studienzeit geblieben ist. Ein solches Wiedersehen stand am Anfang zu meinem Jahres-Highlight 2019.
Zum Thema: Knowhow für den richtigen Moment
Corina war Spitzen-Triathletin, als sie Mitte der 1990er Jahre das damalige SportlehrerInnen-Diplomstudium an der ETH Zürich begann und vier Jahre später erfolgreich abschloss. Speziell in Erinnerung geblieben ist sie mir als motivierte und fachkundige Teilnehmerin meines Ergänzungsfachs „Swiss Alpine Marathon 2000“. Ziel dieses angewandten Seminars war es, eine Gruppe SportstudentInnen über die Dauer von knapp einem Jahr auf eine erfolgreiche Teilnahme am 78km langen alpinen Ultramarathon im Engadin vorzubereiten. Mit ihrem Trainingsknowhow aus dem Spitzensport leistete Corina damals ihren Beitrag zum Gelingen unseres Laufabenteuers bei. Kurz darauf verliess sie die ETH und startete – wie ich Jahre später erfuhr – eine äusserst erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft.
100km of Namib Desert – Corina sammelt wichtige Erfahrungen für ihr grosses Ziel, den Marathon des Sables. (Quelle: privat)
Ende Oktober 2019 fand ich in meiner die-sportpsychologen-Mailbox eine Mitteilung von Corina: Hoi Hanspeter, wir haben uns aus den Augen verloren, aber du kannst dich sicher an mich erinnern (…) ich war die Studentin mit Potential, die aber nie aufs Maul sitzen konnte (…) Ich lauf immer noch viel und mit viel Freude, habe aber seit Jahren keinen Wettkampf mehr gemacht (…) Nun habe ich aber ein interessantes Projekt gefunden: ich werden im April 2020 den Marathon des Sables laufen! Hättest du Interesse daran, mit mir an der mentalen Komponente zu arbeiten?
Leuchtende Augen
Einige Wochen sind in der Zwischenzeit vergangen, wir halten elektronisch Kontakt und trafen uns zweimal zu Besprechungen an der ETH. Beim Erstkontakt frischten wir einige (interessante!) alte Geschichten auf und versuchten uns klar zu werden, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll und zielführend sein könnte. In ihren sehr differenzierten Darstellungen erkannte ich sowohl „die Studentin mit Potential“ von damals, insbesondere aber auch die „zielstrebige und hoch motivierte Geschäftsfrau“ von heute. Ihre Augen weiteten sich und begannen hell zu leuchten, als sie mir von ihrem abenteuerlichen Laufprojekt in der Sahara zu erzählen begann.
Für unsere zweite Sitzung nahmen wir erste konkrete Massnahmen ins Visier, die sie anlässlich ihres viertägigen Wüstenmarathons in Namibia Mitte Dezember anwenden sollte. Dabei ging es u.a. um die Erarbeitung eines „Rennplans“, verschiedene Formen der Aufmerksamkeitsregulation aber auch um motiviationale Aspekte. Ihre Herangehensweise umschrieb sie als „freudig-ambitioniert“. Der Lauf in Namibia diente als Testlauf und sollte wichtige Erkenntnisse hinsichtlich des Zielwettkampfs liefern. Entsprechend empfahl ich ihr auch das Führen eines Lauftagebuchs.
Mein Highlight2019
Am 14. Dezember erreichte mich folgende Mitteilung: Hoi Hanspeter, wow, das war unglaublich und hat sehr viel Spass gemacht!!! 100 Sandkilometer in 10 Stunden, 4. Gesamtrang, 1. Rang bei den Frauen. ☺ Ich melde mich! Liebe Grüsse, C. Und ich sage: wow – mein Highlight 2019!
Swiss Alpine Marathon 2000 – ein grosser Schatz an Eigenerfahrung, der für meine Arbeit als Sportpsychologe sehr bedeutsam ist! (Quelle: privat)
Schon während meines Masterstudiums der Angewandten Sportpsychologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konnte ich beim Drittliga-Verein Hallescher FC in die praktische Arbeit eintauchen. Seit einem halben Jahr habe ich dort nun eine umfangreiche Teilzeitstelle im Nachwuchszentrum des Vereins. Mein Jahreshighlight 2019 war der Aufstieg mit der U17 des Halleschen FC in die höchstmögliche Spielklasse, in die Junioren-Bundesliga. Ein Erfolg, um den der HFC seit Jahren gekämpft hat. Als sportpsychologischer Berater der Truppe war ich ein fester Teil des Trainerteams und begleitete die Mannschaft die gesamte Spielzeit über in meiner Funktion. An eine Partie erinnere ich mich noch heute ganz besonders gern.
Zum Thema: Sportpsychologische Betreuung im Nachwuchszentrum
Die Rede ist vom 7:1-Hinspielsieg in der Relegation gegen den ETV Hamburg. Ein Spiel, in dem sehr vieles von dem, was das Trainerteam mit den Spielern im technischen, taktischen, athletischen und mentalen Bereich über die Saison hinweg erarbeitet hatte, abgerufen werden konnte. Als sportpsychologischer Berater sah ich, wie immer vom Spielfeldrand aus beobachtend, wie dieses gewachsene Gefüge funktionierte. Ich hatte das Gefühl, dass diese Mannschaft in diesem Moment jeden hätte schlagen können. Im Rückspiel reichte dann auch eine 2:3-Auswärtsniederlage zum Aufstieg in die B-Junioren-Bundesliga.
Meine Aufgabe sah ich seit meinem ersten Tag in der vergangenen Saison darin, meine Expertise in zahlreichen Bereichen miteinzubringen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Weiterentwicklung der Spieler auf mentaler Ebene. Konkret arbeitete und arbeite ich individuell mit Spielern an ihren mentalen Fertigkeiten, beispielsweise daran, adäquat mit Erfolgs- und Misserfolgssituationen umzugehen, funktional zu kommunizieren, eine passende Körpersprache an den Tag zu legen oder Routinen für Standardsituationen zu entwickeln. Im Rahmen von Mannschaftsworkshops konnte ich weitere wichtige Aspekte für die Leistungserbringung thematisieren, beispielsweise, wie sich Spieler mental auf Spiele einstimmen können und welche Aspekte hinsichtlich eines professionellen Lebensstils zu beachten sind.
Janosch Daul
Master-Student der Angewandten Sportpsychologie (Uni Halle/Saale)
Zusammen arbeiteten wir als Trainerteam kontinuierlich am Zusammenhalt innerhalb des Teams in Form von regelmäßigen Teambuildingevents. Insbesondere ein dreitägiges Survival Camp zu Beginn der Vorbereitung half den Spielern, sich gegenseitig kennenzulernen und als Team zusammenzuwachsen. Immer wieder streuten wir solche Elemente ein, denn natürlich reicht es nicht aus, im Spätsommer eine losgelöste Aktion zu starten und zu hoffen, dass ganz konkrete Effekte noch Monate später zu sehen sind.
Kurzum: Ich bin sehr froh, den Talenten beim Halleschen FC dabei helfen zu können, ihren Traum zu leben und sie auf einem Gebiet weiterzuentwickeln, dem bislang (zu) wenig Beachtung geschenkt wurde: dem mentalen.
Für viele Schwimmer ist der Bereitstellungsraum vor einem großen Finale eine mentale Hürde. Quälende Minuten – manchmal bis zu einer halben Stunde – vergehen, in denen Sportler in höchster Anspannung zum Nichtstun verurteilt sind.
Zum Thema: Destruktive Gedanken erkennen und ändern
Das Kernziel der psychologischen Vorbereitung im Hochleistungssport ist, dass sich der Athlet im entscheidenden Augenblick geistig ausschließlich im „Hier und Jetzt“ befindet. Dieser darf nicht darüber nachdenken, wie viel er trainiert hat, ob der Gegenüber viel besser drauf ist oder was von diesem Wettkampf abhängt. Solche „Bewertungsspiele“ sind absolut hinderlich. Dann sitzen die Sportler wenige Minuten vor dem Start des Rennens im Bereitstellungsraum und verfangen sich zum Teil abenteuerlich in einem Kopfkino. Negative Gedanken ziehen Kreise, was ganz unterschiedliche Folgen haben kann. Zum Teil geht es so weit, dass sich die Muskulatur der Athleten erheblich verspannt, was für die sportliche Aufgabe natürlich absolut kontraproduktiv ist.
Der dreifache Olympia-Goldmedaillengewinner und mehrmalige Schwimm-Weltmeister Michael Groß hingegen hatte seine eigene gedankliche Strategie: „Ich war völlig ruhig bei den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften. Ich konnte ja nichts mehr tun. Ich hatte mich gewissenhaft vorbereitet. Jetzt ging es nur noch darum, das abzurufen, was ich tausendmal geübt hatte. Ich wusste immer, dass das Leben auch weitergeht, wenn ich verliere.“ Gerne empfehle ich in diesem Zusammenhang die sportpsychologischen Grundregeln von Groß:
Freudige Erwartung des Wettkampfes
Gelassene Konzentration auf die anstehende Aufgabe
Sich nicht unter Erfolgszwang stellen
Das „Trainingsweltmeister-Syndrom“
Manche Sportler müssen hingegen sehr hart arbeiten, um diese Einstellungen zu erreichen. Sie leiden häufig unter dem „Trainingsweltmeister-Syndrom“: Ein Schwimmer bringt im Training Spitzenleistungen, wenn es jedoch darauf ankommt, versagt er. Obwohl seine Trainingsdaten darauf hinweisen, dass er das Zeug zur Weltspitze hat. Im Wettkampf blieb er jedoch deutlich hinter diesen Möglichkeiten zurück. Seine Existenz hing davon ab und das vergegenwärtigte er sich während des Wettkampfes. Gedanken wie „wenn ich nicht Rekord schwimme oder wenigstens gewinne, muss ich wieder arbeiten gehen“ schossen ihm durch den Kopf und lähmten ihn. Was tun? Mit ein paar wirkungsvollen Techniken wie Selbstgesprächsregulation und Achtsamkeitstraining lernte er seine Gedanken zu „steuern“.
Eine weitere spannende Methode, um sich von belastenden Gedanken zu befreien ist „The Work“. Vielleicht haben Sie schon mal von dieser Methode gehört. Falls nicht, lernen Sie diese einfache und leicht anzuwendende Methode heute kennen. Das Tolle an „The Work“ ist, dass man mit dieser Methode nach ein bisschen Übung seine belastenden Gedanken leichter wieder loslassen kann. Hier geht es zur Umsetzung:
Meine Kollegen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. René Paasch) solche Techniken und Methoden anzuwenden. Gern stehen wir in dem Zusammenhang auch Trainern zur Seite, um neue und effektive Wege zu gehen.
Führungskompetenz „Straff-locker“.
Bleiben wir bei der wichtigen Person außerhalb des Beckens: Als Trainer sollten Sie klare Zielvorgaben machen, jedoch gleichzeitig ein besonderes Arbeitsklima schaffen, in dem jeder seine Würde als Mensch behält, wenn es schief geht.
Erfüllt ein Schwimmer seine Vorgabe nicht, bekommt er von den Mannschaftskameraden einen Klaps oder wird in den Arm genommen. Und am Abend spricht der Cheftrainer in aller Ruhe mit dem Athleten, hilft ihm, das negative Erlebnis hinter sich zu lassen und sich auf das nächste Rennen zu konzentrieren. Alle Sportler nehmen Anteil an der Leistung der anderen, Erfolge geben der ganzen Mannschaft Energie, Misserfolge werden aufgefangen. Solche Gegebenheiten müssen vertrauensvoll und langfristig begleitet werden.
Wie wollen wir Sportpsychologen wahrgenommen werden? Nicht als „Feuerwehr“ sondern als eine Art Spezialtrainer, die eine häufig vernachlässigte Leistungskomponente schulen und so brachliegende Potenziale freisetzen. Wenn ich mir anschaue, was in den vergangenen 20 Jahren in die Ausbildung der Physis, der Sportmediziner, die Biomechaniker, die Verfeinerung der Sportgeräte investiert worden ist, und was andererseits in die Ausbildung des mentalen Bereiches investiert wurde, dann ist klar, wo noch die größten Potenziale liegen.
Wir Sportpsychologen wollen fest in den Betreuerstab eines Hochleistungssportlers integriert werden, neben Ärzten und Physiotherapeuten. Unsere Tätigkeit ist „dauerhaft begleitend“. Eine Trendwende ist zu erkennen! Inzwischen wird die psychologische Betreuung unter Sportlern und Trainern immer mehr akzeptiert: Bei manchen älteren Trainern und Entscheidungsträgern haben wir noch mit Vorurteilen zu tun, die unser Angebot immer gleich mit persönlichen Problemen, mit der „Roten Couch“ in Verbindung bringen. Jüngere Trainer und die meisten Sportler gehen aber sehr unbefangen und offen mit uns um. Was nicht zuletzt auch damit zu tun hat, dass sich die Sportpsychologie als seriöse wissenschaftliche Disziplin etabliert hat. Unter Athleten und Trainern setzt sich die Einsicht durch, dass der psychologische Faktor bei wachsender Leistungsdichte den Ausschlag zwischen Sieg und Niederlage geben kann und die psychische Gesundheit fördert.
Fazit
Bewertungen finden ständig statt – bewusst und unbewusst. Der Bezugsrahmen, auf den sich Athleten beziehen, ist individuell geprägt. Direkt vor dem Rennen durchleben viele Sportler sehr störungsanfällige Momente, auf die sie aber vorbereitet werden können. Die Sportpsychologie bietet diesbezüglich individuelle Methoden und Techniken. Denn: Bewusster zu bewerten, kann zur Leistungsoptimierung führen, wenn die Reflektion und das Training zeitnah stattfinden.
Von Befürwortern Digitaler um Sozialer Medien wird sehr gerne argumentiert, dass jene unseren ureigenen menschlichen Bedürfnissen der Kommunikation und der Zugehörigkeit gerecht werden. Und doch gibt es mittlerweile zahlreiche Studien, die diese Motive der Nutzung zwar bestätigen, jedoch weit tiefer greifen. Nämlich dorthin, wo auch negative Auswirkungen folgen. Allen voran ist es Digitaler Stress, den Digitale Medien vor allem im Jugendalter verstärken (Misra und Stokols, 2012; Turkle, 2012; Hefner und Vorderer, 2016). Dabei handelt es sich um eine Art von Stresserleben, dass durch moderne Kommunikationsmittel– und Informationstechnologien verstärkt wird (Hefner und Vorderer, 2016) – nach Hofmann (2018) auch Medienstress genannt. Sogar die individuelle Bewegungsfreude, die sportliche Aktivität und die Teilhabe an realen Gesellschaften vermindert sich durch Digitalen Stress zunehmend.
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Zum Thema: Was moderne Sportpsychologen von Sozialen Medien wissen sollten
Nicht zuletzt aus diesen Gründen ist digitaler Stress auch etwas, worüber im Nachwuchssport gesprochen werden sollte. Immerhin führt jeder Stress, der ein negatives Empfinden mit sich bringt, zu einer übermäßigen Ausschüttung von Cortisol. Dieses sogenannte „Stresshormon“ führt nachgewiesenermaßen dazu, dass unser Körper und alle seine Kräfte darunter leiden. Negativfolgen, die allen voran Sportler tunlichst meiden sollten. Besser noch, präventiv – also vorausschauend – dafür sorgen, dass digitaler Stress gar nicht erst zum Thema wird.
Natürlich sind Darstellungsformen über Soziale Medien und die entsprechende Platzierung potentieller Sponsoren heute wichtig, keine Frage. Doch sollten auch Konzentrationsschwierigkeiten, negative Stimmungen, Stress durch das berüchtigte „Nicht–mehr–abschalten–können“ und die Vernachlässigung realer Kontakte zur Sprache kommen. Das Erstellen eines Online–Profils bedeutet heute so etwas wie seine eigene Identität nach außen zu gestalten. Dabei ist es vor allem der Sport, der per se identitätsstiftend sein kann. Erfolge werden mit Ruhm belohnt, Trainings und Entbehrungen durch immer bessere Leistungen in ihrer Richtigkeit bestätigt. Dabei ist es die innere Motivation, die die treibende Kraft aller positiven Emotionen bildet.
Sofern das eigene Sportler–Erleben hauptsächlich online geführt und dargestellt wird, vermindert sich diese Erinnerung und Bekräftigung der ureigenen Motivation. So sehr sind wir dann auf unsere Außenwirkung konzentriert, dass der Innenwirkung, also unserem ganz persönlichen Belohnungserleben weit zu wenig Beachtung geschenkt wird.
Was können wir im Sport tun, um dem digitalen Stresserleben entgegenzuwirken?
Abgrenzungen schaffen
Förderlich kann es sein, sowohl eine öffentliche Seite als Sportler, als auch ein privates Profil in Sozialen Medien zu betreiben. Vorausgesetzt, man wünscht sich letzteres zusätzlich. Wie gesagt, die mediale Präsenz ist heute Teil des erfolgreichen Sportmarketings. Hilfreich ist es jedoch, private Angelegenheiten privat zu belassen und sich auch online abzugrenzen.
Teaminterne Absprachen
Oft werde ich gefragt, ob es Sinn macht, das Smartphone im Mannschaftsbus zu verbieten. Darauf habe ich keine Antwort, da ich denke, dass derartige Strategien individuellen Absprachen unterliegen sollten. Wichtig ist jedoch, dass der Umgang mit digitalen Geräten wie Smartphones, Tablets und dergleichen innerhalb des Teams zum Thema gemacht wird
Miteinander reden
Auch der nächste Tipp bezieht sich darauf, unbedingt miteinander zu reden. Um Missverständnissen vorzubeugen oder einfach, um die zwischen–menschliche Kommunikation im Sportverein oder im Team zu fördern, empfiehlt es sich tatsächlich, Gesprächsrunden zu etablieren. Und zwar solche, die keiner digitalen Kommunikation bedürfen. Einfach, um analoges Sein zu fördern und damit allem gerecht zu werden, wonach der Mensch und damit auch der Sportler tatsächlich bedarf.
• Individuelle Motive hinterfragen
Der Mensch ist komplex, so auch der Junge Sportler, dessen Lebenswelten sich zunehmend in Sozialen Medien abspielen mögen. Wichtig ist für Betreuer, Trainer und Psychologen daher auch, individuelle Motive der Nutzung selbiger zu hinterfragen. Denn, so überspitzt es auch klingen mag: vielleicht ist es nicht die Atemübung, die dem jungen Athleten helfen wird, vielleicht ist es vielmehr die Beachtung beeinträchtigender Dynamiken Sozialer Medien, die seine Konzentration nach und nach wieder verbessern…
Hefner, Dorothée und Vorderer, Peter: Digital Stress. Permanent Connectedness and Multitasking. In: The Routledge Handbook of Media Use and Well-Being: International Perspectives on Theory and Research on Positive Media Effects. Hg. v. Mary Beth Oliver und Leonard Reinecke. New York und Abingdon 2017
Hofmann, Jana: Medienstress durch Smartphones? Eine quantitative und qualitative Analyse. Köln 2018.
Misra, Shalini und Stokols, Daniel: Psychological and Health Outcomes of Perceived Information Overload. In: Environment and Behavior, 6/2012.
Turkle, Sherry: Verloren unter 100 Freunden: Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern. München 2012.
Teams, so groß, dass sie zum Auswärtsspiel kaum in einen Reisebus passen. Starke Charaktere und ein gemeinsames Ziel. Dazu der Auftrag, jedem Einzelnen gerecht zu werden und dabei die Gemeinschaft zu stärken. Diese Herausforderung liebt Miriam Kohlhaas an ihrer Sportart, dem American Football. Im Oktober feierte sie mit den New Yorker Lions aus Braunschweig die deutsche Meisterschaft. Ein Erfolg, der nicht selbstverständlich war und der auch für unsere American Football-Expertin (zur Profilseite) etwas ganz besonderes darstellt.
Gefragt nach ihrem persönlichen Highlight des 2019 erzählt uns Miriam Kohlhaas dennoch nicht nur die Geschichte vom German Bowl, ihren Tränen rund um das Endspiel oder dem aufregenden Halbfinalspiel, in welchem Sonny Weißhaupt (Link zum Insiderbericht, August 2017) im Mittelpunkt stand. Sie erzählt uns auch die Geschichte von Richard Grooten, Nationalspieler von den Cologne Crocodiles:
Miriam Kohlhaas Highlight 2019: I see everything you can be, I see the beauty that you can’t see
Das Meisterteam der New Yorker Lions Braunschweig (Quelle: New Yorker Lions)
Oh ja es war Wahnsinn, dass ich dieses Jahr die Möglichkeit hatte, mein Herzensteam, die New Yorker Lions, in das Finale des deutschen Footballs begleiten zu können und dann auch noch Gold zu holen.
Und ganz besonders hat es mein Herz berührt, mit dir, Sonny Weishaupt, unser höchstes sportliches Ziel nach knapp drei Jahren zu erreichen. Ohne deine tolle Leistung im Halbfinale, (und die der gesamten Mannschaft natürlich ?) hätte der Verein überhaupt nicht die Möglichkeit gehabt, sich im Finale zu beweisen.
Schon Tage vorher hat mich nur Gedanke daran, dass du die Möglichkeit auf diesen so besonderen Ring hast, immer wieder zu Tränen gerührt. So schön, dass dieser Erfolg von so vielen Schultern getragen wurde!
Gefragt nach dem Jahreshighlight muss ich aber unweigerlich auch an dich denken, Richard Grooten: Sie haben gelacht, als ihr ausgerechnet zum großen Lokalrivalen gewechselt seid. “Nur die schlechten Jungs seien gegangen und ihr wäret keinerlei Verlust…”, hieß es. Dann geht für dich einige Zeit tatsächlich alles schief, eine Verletzung nach der anderen und plötzlich die unausgesprochene Frage im Kopf: „Was ist, wenn sie denken sie haben Recht, sollten wir das Spiel gegen sie verlieren?“
All der Frust und diese Zweifel in dir ließen dich stillstehen… Mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung standen, versuchte ich wochenlang, dich wieder ins Laufen zu bekommen. Den Stillstand aufzulösen, dich bei der Hand zu nehmen.
Aber bin ich an dir verzweifelt, fast hab ich mich von deiner Ohnmacht mitreißen lassen. Ganz egal welche Methode ich anwandte, nichts schien zu funktionieren. Noch nie hatte ich das Gefühl, dass mein Coaching und meine Begleitung so wenig dort ankommt, wo sie hingehören. Dazu die Tatsache, dass du ein Mensch bist, der kaum redet, alles mit sich selbst ausmacht und du dir ausgerechnet in der Woche vor dem so wichtigen Spiel noch einen Muskelfaserriss zugezogen hast.
Doch dann… du sagst, du brauchst mich an deiner Seite in dem Spiel gegen deinen alten Verein, mich als deinen Anker. Da sitze ich dann in dem ausverkauften Stadion, nur für dich und es beginnt…
Quelle: Livestream Cologne Crocodiles
? Mein Highlight 2019 ?
Eine super Aktion nach der nächsten. Dein Name wird in den ersten fünf Minuten gefühlt zehn Mal genannt und ich werde immer größer auf meinem Sitz. Dann diese irre Interception von dir und die Befreiung in deinem Kopf – wie unrecht sie doch alle hatten!!!
Als du vom Spielfeld kommst, setzt du dich auf die Bank an der sideline und weinst. Genau wie ich auf der Tribüne. Das war unser Moment und es fühlte sich an, als wäre das Stadion menschenleer – nur du und ich und all die Dinge, die du plötzlich wie aus dem Nichts abrufen konntest! Dann endlich kann auch ich dich in die Arme schließen. Auf deinem Arm sehe ich unser Zeichen, den Anker.
Ich bin nach wie vor so unfassbar stolz auf dich und, dass du diesen Kampf gegen die Selbstzweifel in deinem Kopf gewonnen hast!
Ich danke dir von Herzen für mein absolutes Highlight 2019!!
Miriam Kohlhaas
Sportpsychologische Expertin
Sportarten: American Football, Fußball, Basketball, Handball, Baseball
Wie motiviere ich mich eigentlich selbst? Was ist Motivation überhaupt und was hat das mit meiner Wettkampfvorbereitung zu tun? All diese Fragen werde ich im folgenden Artikel aufgreifen und bestmöglich beantworten. Ziel soll es dabei sein, Dir oder Deinem Team konkrete Handlungsoptionen mit auf den Weg zu geben, so dass Du noch besser vorbereitet in den nächsten Wettkampf gehen kannst.
Zum Thema: Sportpsychologische Aspekte der Vorbereitung auf einen Wettkampf (Teil 2)
Im ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe haben wir über das Thema „Akzeptanz“ und wie diese uns bei der Wettkampfvorbereitung unterstützen kann gesprochen (Link zum Text). Ebenso wichtig ist die Motivation. Ein Thema, das Bücher füllen und ganze Hörsäle stundenlang beschäftigen könnte – ich versuche mich etwas kürzer und praxisorientierter zu fassen. Hobmair beschreibt in seinem Lehrbuch Motivation, im Sinne einer Persönlichkeitseigenschaft, als einen von „außen nicht erkennbaren Beweggrund, der menschliches Verhalten aktiviert“. Das bedeutet, dass uns ein innerer und von anderen nicht beobachtbarer Antrieb veranlasst, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen, um ein bestehendes Ziel zu erreichen.
Nun lassen Sich nach McClelland (1961,1978) verschiedene Arten von Grundmotivationen oder auch Grundmotive beschreiben:
Das Machtmotiv beschreibt das Streben nach Einfluss auf andere Menschen zu haben oder die Hoffnung auf Kontrolle, aber ebenso die Angst davor, diese Kontrolle oder diesen Einfluss zu verlieren.
Die Anschlussmotivation zielt auf das Bedürfnis eines Menschen ab, mit anderen Menschen, durch das Gefühl der Zugehörigkeit, verbunden zu sein. Dementsprechend versteht man in der Psychologie darunter die Hoffnung, auf Anschluss oder die Furcht vor Zurückweisung.
Das Leistungsmotiv wird mit der Beschäftigung angeregt, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Personen mit einem hohen Maß an Hoffnung auf Erfolg streben danach, diese eigenen Ziele zu übertreffen. Personen, die eher Furcht vor Misserfolg haben, neigen dazu, ihre Ziele nicht zu erreichen. Entweder, weil die Ziele zu hochgesteckt wurden oder durch zu niedrige Ziele, die zu leicht zu realisieren waren.
In diesem Artikel werde ich mich aber nur, mit dem für Sportler und Sportlerin wichtigen Leistungsmotiven beschäftigen.
DasLeistungsmotiv
Das Leistungsmotiv wird als individuelles Bestreben gesehen. Das bedeutet, dass eigene Handeln für bestimmte Tätigkeiten so zu steigern oder auf einem hohen Niveau zu halten, dass bevorstehende Anforderungen und Aufgaben, anhand des eigenen Gütemaßstabes, mit Anstrengung bewältigt werden können (vgl. Heckhausen, 1965). Der Gütemaßstab beschreibt dabei den individuellen Anspruch an die eigenen Leistungen. Jeder Sportler und jede Sportlerin stellt demnach an seine Leistungen einen Gütemaßstab, welcher sich von Mensch zu Mensch unterscheidet und das Ergebnis der vorangegangenen Lern-, Trainings- und Wettkampfprozessen ist. „Wird das Anspruchsniveau erreicht oder überschritten, erlebt man Erfolg; wird es nicht erreicht, erlebt man Misserfolg“ (Heckhausen, 1987). Diese bereits gemachten Erfolgs- und Misserfolgserfahrungen schlagen sich nun ebenfalls auf unsere Erwartungen an den bevorstehenden Wettkampf nieder. Man könnte sagen, wir antizipieren den Handlungsausgang. Dabei sind diese Erwartungen entweder durch Hoffnung auf Erfolg oder durch Furcht vor Misserfolg gekennzeichnet. Als Sportler oder Sportlerin suchst Du nach Erfolg und versuchst, Misserfolg zu vermeiden. Und genau aus diesem Spannungsverhältnis zwischen den beiden Polen ‚Erfolg‘ und ‚Misserfolg‘ ergibt sich die Leistungsmotivation. Das Bestreben, gute Leistungen zu erbringen, ist nach Heckhausen am größten, wenn sich die Hoffnung auf Erfolg und die Furcht vor Misserfolg ungefähr die Waage halten.
Holodynski und Oerter (2008) heben Schwerpunkte zur Förderung der Leistungsmotivation hervor, die bei Beachtung auch Dir helfen können.
Schaffe ein wohlwollendes und unterstützendes Verhalten
aller am Leistungsprozess beteiligten Personen (Trainerstab und administrativer Bereich)
insbesondere bei jungen und jüngeren Sportlern und Sportlerinnen durch die Eltern und andere Erzieher.
Schaffe eine herausfordernde Umgebung mit hohen, aber realistischen Leistungserwartungen, die die Sportler und Sportlerinnen selbständig erreichen können.
Arrangiere Erfolgserlebnisse als vorteilhaftere Alternative zur Belohnung, denn unter Erfolg wird allgemein eine positive Konsequenz verstanden, welche direkt aus einer bestimmten Verhaltensweise hervorgeht.
IntrinsischeMotivation
Untersuchungen belegen bereits, dass intrinsischeMotivationen, also die Art Motivation, die von innen her, aus eigenem Antrieb heraus existiert, entscheidend höhere Leistungsstandarts erlauben, als eine extrinsische Motivierung. Unter extrinsische Motivation verstehen Psychologen äußere Anreize (wie zum Beispiel eine Bezahlung), die Dich ein bestimmtes Ziel erreichen lassen wollen. Als Schlussfolgerung aus diesem Wissen lässt sich für Dich festhalten, dass es Deine Leistungen verbessert, wenn Du es schaffst, dich selbst zu motivieren, von Dir aus ein hohes Interesse und Freude an Deinem Sport hast.
Folgende Verhaltensweisen können Dir helfen, Dir eine Selbstmotivation aufzubauen (vgl. Zintl, 2006):
Formuliere realistische Ziele. Zu hohe, nicht zu erreichende, aber auch zu niedrige, leicht zu bewältigende Aufgaben, sind eher demotivierend.
Zergliedere Deine Ziele und Aufgaben in Teilziele bzw. Teilaufgaben und gehe diese Schritt für Schritt an.
Mach Dir Dein Trainings- und Wettkampfverhalten bewusst, dazu kannst Du zum Beispiel ein Trainings- und Wettkampftagebuch führen, in dem Du Deine Fortschritte dokumentierst.
Gestalte taktische- und Trainingsinhalte anschaulich, z. B. in deinem Tagebuch (aber auch Trainer bei der Vermittlung von Inhalten)
Belohne Dich beim Erreichen einzelner Teilziele.
Trainiere mit anderen zusammen, so dass eine gegenseitige Motivation, zum Beispiel durch einen Wettkampfcharakter, erzeugt werden kann.
Mit diesem theoretischen Hintergrundwissen, lassen sich für Dich die folgenden Förderungen der Leistungsmotivation ableiten:
Wohlwollendes und unterstützendes Verhalten der beteiligten Personen
Hohe, aber realistische Leistungserwartung
Intrinsische Motivierung
Schaffen von Erfolgserlebnissen
Ausgeglichenheit der beiden Erwartungen „Hoffnung auf Erfolg“ und Furcht vor Misserfolg“
Solltest Du Unterstützung bei Deiner nächsten Wettkampfvorbereitung brauchen, sprich uns an! Wir sind Dein Netzwerk! Hier findest du eine Übersicht zu unseren Profilinhabern (Link), hier geht es zur Profilseite von Uwe Knepel (Link).
Aus der Forschung – empirische Befunde – zum Thema:
Hohes Leistungsmotiv eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere im Leistungssport (vgl. Elbe, 2003; Gabler; 2002)
Positiver Zusammenhang zwischen dem Leistungsmotiv und dem Umfang an leistungssportlichem Training (Thomassen und Halvari, 1996)
Passung aus Motivprofil und Wettkampfsituation kann Leistungsunterschiede zwischen Schwimmern erklären (Sorrentino & Sheppard, 1978)
Passung aus Person (Leistungsmotiv) und Situation (Aufgabeninstruktion) führt zu einer besseren sportlichen Leistung als Non-Fit (Memmert, Plessner & Maaßmann, 2009; Plessner et al., 2009)
In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit dem Thema Stress.
Hobmair, H. (2017). Psychologie (6. Auflage). Bildungsverlag EINS GmbH
McClelland, D. C. (1961). The achieving society. Van Nostrand
McClelland, D. C. (1975). Power: The inner experience. Irvington
McClelland, D. C. (1978). Macht als Motiv. Klett-Cotta.
McClelland, D. C. & Boyatzis, R. E. (1982). Leadership motive pattern and long-term success in management. Journal of Applied Psychology
McClelland, D. C. (1985). Human motivation. Glenview Foresman and Co.
Heckhausen, H. & Gollwitzer, P. M. (1987). Thought contents and cognitive functioning in motivational versus volitional states of mind. Motivation and Emotion
Heckhausen, H. (1965). Leistungsmotivation. In H. Thomae (Hrsg.), Handbuch der Psychologie. Hogrefe.
Holodynski, M. & Oerter, R. (2008). Tätigkeitsregulation und die Entwicklung von Motivation, Emotion, Volition. In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. PVU Beltz.
Zintl, V. (2006). Lernen mit System. Urban & Fischer
Sich nicht nur ein Ziel setzen, sondern gegen alle Widerstände daran festhalten. Immer an seine Fähigkeiten glauben, auch in ganz schwierigen Momenten. Nicht nur, jede Herausforderung anzunehmen, sondern konsequent danach zu suchen. Viele Athleten träumen von einem solchen “Mindset”. Allerdings wird Sportlern nur sehr selten eine solche mentale Stärke in die Wiege gelegt. Dass ist aber gar nicht schlimm, denn Athleten können sich ihre “Mental Toughness” erarbeiten.
Zum Thema: Mit mentaler Stärke herausragende Leistungen erbringen
„Der Mensch ist ein Absurdum. Wenn es mental läuft, kann man alles schaffen.“
ANDREA PETKOVIC NACH DEM SIEG IM HALBFINALE DES FEDCUPS ÜBER KUSNEZOWA 2015
Zuletzt ist mir allen voran im Tennis aufgefallen, wie häufig das Schlagwort „Mental Toughness” verwendet wird. Allen voran in englischsprachigen Medien findet es zunehmend häufig Verwendung. Zudem scheinen auch die Athleten selbst das Konzept verinnerlicht zu haben, indem sie in Interviews regelmäßig auf die Bedeutung der mentalen Stärke hinweisen. Oft sogar als Begründung für Erfolg und Misserfolg. Aber was bedeutet die Begrifflichkeit „Mental Toughness“ eigentlich?
Sie ist das Ergebnis von persönlichen Überzeugungen, Einstellungen und Denkprozessen, die dazu führen, dass sich Personen…
herausfordernde Ziele setzen und an diesen auch unter Schwierigkeiten festhalten,
Misserfolge besser wegstecken,
eine höhere Motivation aufweisen,
sich weniger ablenken lassen und
insgesamt mehr Anstrengung und Ausdauer zur Erreichung ihrer Ziele aufbringen.
„Mental Toughness“ im Sport
Zweifellos ist auch mentale Stärke im Tennis ein wichtiges Thema. Hier kommen wir an dem amerikanischen Sportpsychologen James Loehr nicht vorbei. Sein 1994 verfasstes Buch „The new toughness training for sports“ liegt seit längerer Zeit auch als deutsche Übersetzung vor (Loehr, 2003). Dies ist wirklich zu empfehlen, auch wenn es aus wissenschaftlicher Sicht vielleicht ein bisschen zu absolut mit den Erkenntnissen aus der individuellen Trainingsarbeit umgeht. Aber geschenkt! Loehr hat mit seiner Arbeit ab Mitte der 1980er Jahre viel dazu beigetragen, dass mentalen Aspekten im Sport eine größere Bedeutung zugeschrieben wird.
Zurück zum Thema: Als “mental tough“ bezeichnete Loehr Athleten, die dazu in der Lage sind, in der Hitze des Wettkampfgeschehens einen idealen Wettkampfzustand innezuhalten. Basierend auf Gespräche mit Eliteathleten wies Loehr daraufhin, dass zwischen Sportlern erstaunliche Ähnlichkeiten hinsichtlich der Interpretation erfolgsbestimmender psychologischer Faktoren existieren. Entsprechend kam er zu dem Schluss, dass „Mental Toughness“ die Fähigkeit eines Athleten beschreibt, seine Energie während kritischer Ereignisse optimal zu nutzen und herausfordernde bzw. belastende Situationen positiv zu deuten.
Schauen wir uns genauer an, was die Kerneigenschaften von „Mental Toughness“ im Sport sind (Geber, 2011):
unerschütterlicher Glaube an seine Fähigkeit, seine wettkampfbezogenen Ziele erreichen zu können
unerschütterlicher Glaube an seine Fähigkeit, die einzigartigen Qualitäten und Fähigkeiten zu besitzen, die einem im Vergleich zu seinen Gegnern überlegen machen
unstillbares Verlangen und internalisierte Motive nach Erfolg
Fähigkeit, sich von Rückschlägen schnell zu erholen
Neigung, sich unter Wettkampfdruck (besonders) wohlzufühlen
Akzeptanz, dass Wettkampfangst unausweichlich ist und Überzeugung, mit Unsicherheiten fertig zu werden
Fähigkeit, sich durch die (guten oder schlechten) Leistungen anderer nicht beeinflussen zu lassen
Fähigkeit, bei Ablenkungen aus dem außersportlichen Leben weiterhin vollkommen fokussiert zu bleiben
Fähigkeit, den Fokus nach Bedarf schnell auf den Sport hin- und wegzurichten
Fähigkeit, sich bei Ablenkungen im Wettkampf vollkommen auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren
Fähigkeit, seine physische und psychische Schmerztoleranzgrenze nach oben zu regulieren
Fähigkeit, nach unerwarteten und unkontrollierbaren Ereignissen schnell wieder psychologische Kontrolle zu erlangen
Ein Selbsttest zur mentalen Stärke
Wäre es nicht spannend zu erfahren, wie es um Ihre mentale Stärke bestellt ist? Mit meinen Sportlern nutze ich gern einen Test, dessen Ergebnis sich in der praktischen Arbeit oft als guter Richtwert erwiesen hat.
Ich nutze dafür das theoriebasierte 4-C-Modell von Peter Clough und Keith Earle (2012), da es sehr umgänglich, kontaktfreudig und aussagekräftig ist. Der Onlinetest befindet sich laut Herausgeber in der Validierungsphase. Die Ergebnisse können daher ungenauer sein als beim endgültigen Test. Wichtiger Hinweis: Diese Auswertung ersetzt keine sportpsychologische Betreuung, daher konsultieren Sie bitte anschließend einen Kollegen bzw. Kollegin aus unserem Netzwerk (zur Übersicht) oder über die BISP-Datenbank.
Damit sind wir schon in der praktischen Umsetzung. Denn mentale Stärke lässt sich trainieren. Schauen wir uns dazu die vier Komponenten confidence, challenge, control und commitment des 4C-Modells von Clough und Earle (2012) noch einmal genauer an:
Confidence: Mental starke Personen sind von ihren Fähigkeiten überzeugt (gleichbedeutend mit Banduras Selbstwirksamkeit)
Challenge: Herausforderungen werden bewusst angenommen bzw. aktiv gesucht
Control: Die innere Überzeugung, dass z.B. Situationen und Herausforderungen beherrschbar, kontrollierbar also auch zu bewältigen sind
Commitment: Das unbeirrbare, innerliche Festhalten an den bereits gesetzten Zielen
Um die mentale Stärke gezielt und wirksam aufzubauen, ist also sportpsychologisches Training nötig. Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. René Paasch) bieten eine entsprechende Betreuung an und können sehr individuell auf die jeweiligen Belange eingehen.
Als Anregung, worum es dabei genau gehen kann, habe ich zu den Stichworten von Satow ausgewählte Beiträge herausgesucht:
Selbstwirksamkeit
Dr. René Paasch: Selbstwirksamkeit im Fußball (Link)
Kathrin Seufert und Lisa König: „Kopf hoch, Brust raus!“ – Über die Körpersprache im Sport (Link)
Elvina Abdullaeva: Motivation für die Besten (Link)
Weitere Empfehlung: Unser Netzwerkkollege Christian Hoverath bietet im folgenden Text interessante Hinweise für eine verbesserte Konzentration zwischen den Ballwechseln im Tennis an:
Vor dem Hintergrund, dass „Mental Toughness“ nur zu Teilen genetisch festgelegt ist, sollte die Förderung bereits im Kindesalter stattfinden und eine Schlüsselrolle im Sport und Leben erhalten. Selbst kleinste Leistungssteigerungen durch psychologische Fertigkeiten entscheiden oft über Erfolg und Misserfolg und leisten einen besonderen Beitrag für die Gesundheitsförderung.
Clough, P.J. & Strycharczyk, D (2012): Applied mental toughness: A tool kit for the 21st Century. Kogan Page.
Golby, J. & Sheard, M. (2004): Mental toughness and hardiness at different levels of rugby league. Personality and Individual Differences, 37, 933–942.
Gerber, M. (2011): Mentale Toughness im Sport.
Jones, G., Hanton, S. & Connaughton, D. (2002): What is this thing called mental toughness? An investigation of elite sport performers. Journal of Applied Sport Psychology, 14, 205–218.
Loehr, James (1997): Tennis im Kopf, der mentale Weg zum Erfolg. BLV Verlagsgesellschaft
Loehr, J.E. (2003): Die neue mentale Stärke. Sportliche Bestleistung durch mentale, emotionale und physische Konditionierung. München: BLV Verlagsgesellschaft mbH.
Satow, L. (2012): Online im Internet: URL: http://www.drsatow.de.
Weinberg, R. S., & Gould, D. (2011). Foundations of sport and exercise psychology (5th ed.). Leeds: Human Kinetics.
Sehr gerne wird unter dem Schlagwort der Digitalisierung auch das Schlagwort der Medienkompetenz aufgeworfen und vor allem im Nachwuchsbereich als besonders wichtig erachtet. Natürlich müssen auch junge AthletInnen heute lernen, sich inmitten sozialer Medien und im Umgang mit neuen medialen Präsentationsformen zurecht zu finden. Dennoch ist es wichtig, zwischen der Medienkompetenz aus marketingtechnischer Sicht und der Medienkompetenz im Umgang mit eigenen digitalen Geräten zu unterscheiden.
Zum Thema: Was moderne Sportpsychologen von Sozialen Medien wissen sollten. Medienkompetenz in Hinblick auf das digitale Miteinander – Supertool Internet
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AthletInnen können sich heute besser darstellen als je zuvor! Dieser sehr positive Aspekt wird mir auch in meinen Workshops regelmäßig aufgezeigt. SportlerInnen profitieren von medialer Präsenz und davon, dass sie ihre Fan-Community immer und überall über Erfolge informieren können und Sponsoren dabei optimal platziert werden. Diverse Kanäle werden mit speziellem Content gefüllt, verschiedenste Zielgruppen können erreicht und das ganze sogar messbar gemacht werden. Wir sind die Summe unserer Daten und keine Frage – die Möglichkeiten sich zu vermarkten, verleihen Sportlern im 21. Jahrhundert ganz neue Möglichkeiten!
Die Kehrseite zum Umgang mit digitalen Medien bildet gleichzeitig die Grenze des marketingspezifischen Ansatzes: Der Umgang mit digitalen Medien birgt nämlich, wie fast alles im Leben, auch Risiken und Nebenwirkungen. Dabei gilt es nicht, den digitalen Teufel an die Wand zu malen, und doch sollten Nutzer um die Schattenseiten ihrer Likes wissen.
Risiko Mobbing – Analoges Miteinander fördern
Die vermeintliche Nähe, die vor allem soziale Medien suggerieren, kann schnell zur Gefahr werden. Nämlich dann, wenn digitale Angriffe oder Hasspostings manche User erreichen. Schnell kann man im Netz zum Opfer werden. Vor allem, wenn die digitalen Angreifer von Neid und Missgunst angetrieben werden. Sportlicher Erfolg stellte so Manches mal einen derartigen Antrieb dar. Umso wichtiger ist das analoge Miteinander, das unterstützende Netzwerk, die Bezugspersonen aus dem richtigen Leben – auch für SportlerInnen!
Auch der Umgang mit den eigenen Stärken und das Bewusstsein darüber wird oftmals durch Postings von anderen Usern getrübt. So liegt es auch nicht unbedingt fern, sich mal schlechter zu fühlen, wenn man ständig mit den tollsten und aufregendsten Lebensinhalten anderer Nutzer konfrontiert wird. An einem schlechten Tag kann das Durchforsten sozialer Medien schon mal zum Frust führen. Auch darüber sollten sich SportlerInnen bewusst sein.
Richtigen Umgang fördern!
Ob im Verein, unter TeamkollegInnen oder innerhalb der Familie. Es muss nicht die Frage gestellt werden, ob digitale Medien generell gut oder schlecht sind. Doch genauso wie jungen AthletInnen die Möglichkeiten des digitalen Eigenmarketings aufgezeigt werden sollten, so muss auch über die Kehrseiten aufgeklärt werden. Denn vielmehr als um das „ob“, geht es auch beim Thema digitale Medien um das „wie“. Der richtige Umgang bildet den Schlüssel zu erfolgreicher Vermarktung UND psychischer Gesundheit inmitten einer vernetzten (Sport)-Welt.
Dies bedeutet: Aufklärungsarbeit! Über Chancen. Über Grenzen. Über Sinnvolles und über Sinnloses. Und darüber, wann es Zeit wird auszuschalten.