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Johanna Constantini: Technostress im Sportleralltag – Strategien für Konzentration und Regeneration

Technostress wird gemeinhin als jene Art von Stress bezeichnet, die durch die Verwendung und Konfrontation mit Technologien verursacht wird. Erstmals von dem Klinischen Psychologen Craig Brod im Jahr 1984 näher erläutert, bildet Technostress heute neben Stress im Allgemeinen eine der größten Gesundheitsgefahren. Kein Wunder, schließlich sind wir im 21. Jahrhundert ständig mit und von Technologien umgeben. Auch der Sport bildet dabei längst keine Ausnahme mehr. Neben dem oft notwendigen Abrufen von Live-Tickern, Ergebnisportalen und dem täglichen Beantworten von E-Mails, sind auch AthletInnen nicht vor den Informationsfluten über diverse Plattformen und Social Media Kanäle gefeit. Oftmals sind sie ihnen sogar intensiver ausgesetzt als die Normalbevölkerung. Schließlich ist es heute für Sportler und Sportlerinnen Gang und Gäbe, selbst auf Social Media aktiv zu sein. Wie sonst sollten sich Sponsoren interessieren und den Fans eine Möglichkeit gegeben werden, mit ihren Idolen zu kommunizieren?

Zum Thema: Technostress im Sport

 
Fakt ist: Social Media ist auch der heutigen Sportwelt nicht mehr wegzudenken. Was durchaus auch Vorteile mit sich bringt. Die eben genannte Unterstützung durch Sponsoren, sowie die Interaktion mit Fans – zeit- und ortsungebunden – sind nur zwei positive Aspekte der Präsenz im World Wide Web.

Doch neben jenen Vorteilen bildet Technostress mitunter den größten Nachteil, wenn es auch im Sport um die Nutzung von Technologien geht. Schließlich sorgt Technostress dafür, dass im Körper unter anderem vermehrt Cortisol ausgeschüttet wird, das wir uns in eine Art Daueraktivität begeben und das sich das allseits bekannte Gefühl des „Nicht-mehr-abschalten-Könnens“ breit macht. Ganz zu schweigen von den langfristigen Schädigungen des Immunsystems, einer verlangsamten Wundheilung und weiteren körperlichen wie psychischen Symptomen (Schubert, 2018).

Prävention von Technostress

Da vor allem AthletInnen nicht nur körperlich und psychisch fit, sondern auch regenerationsfähig sein müssen, ist die Prävention von Technostress allen voran in jenem Lebensbereich wichtig. Nur wie?

  • News drastisch eindämmen

Rolf Dobelli, viel zitierter Autor von Werken wie „Die Kunst des guten Lebens“ (Piper Taschenbuch ) oder „Die Kunst des klaren Denkens“ (Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 2011), deckt in seinen Bestsellern nicht nur markante Denkfehler unsereins auf, sondern bezieht sich vor allem in „Die Kunst des digitalen Lebens“ (Piper, 2019) auf die Notwendigkeit, Newskanäle dringend auszuschalten. Mehr noch: der Schweizer Schriftsteller empfiehlt, sich absolut von News fern zu halten. Nämlich von jenen, die uns mehrere Male pro Tag von jenen Dingen ablenken, auf die wir uns eigentlich gerade konzentrieren wollten. Zum Beispiel beim täglichen Training.
Daher gilt: News ausstellen, das Smartphone gezielt verwenden und sich diese Ziele vor dem Griff zum Display nochmals bewusst zu machen. 

  • Benachrichtigungen ausstellen

Von verminderter Konzentration schreibt auch der Ulmer Psychiater Manfred Spitzer regelmäßig in seinen Büchern zum Umgang mit digitalen Medien. Nachweislich leidet die Konzentration schließlich in Hinblick auf den Gebrauch selbiger. Vor allem im Sport ist es notwendig, sich zu hundert Prozent konzentrieren zu können. Daher rät auch der Bestseller-Autor dazu: Geräte so oft es geht aus und vor allem, Benachrichtigungen stumm stellen.

Um hier noch nachzulegen: Während Training und Wettkampf sollte das Smartphone ohnehin in der Kabine bleiben! 

  • Flow forcieren

Konzentrationsstörungen bedingen Stress. Vor allem die eben erwähnten kleinen Unterbrechungen unseres täglichen Tuns sind es, die uns zu mehr Oberflächlichkeit verleiten und das vertiefte Tun vollkommen verhindern. Unterbrechungen aufgrund von News, Push Nachrichten, Messages und dergleichen sind es auch, die zu Multitasking verleiten. Viele Dinge gleichzeitig oder auch schnell aufeinanderfolgend zu tun, schmälert die Produktivität und verursacht Stress. Technostress. Der vor allem im Sportler-Dasein keinen Platz haben sollte. Schließlich gilt hier, in seiner Tätigkeit voll und ganz aufgehen zu können. Um den ersehnten Flow-Zustand zu erreichen, den der ungarische Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi einst so treffend definierte. Vorteil von AthletInnen ist, dass sie um jenen Zustand wissen. Demnach sollten sich Sportlerinnen und Sportler auf das besinnen, was sie brauchen, um in einen Flow Zustand zu gelangen. Und höchstwahrscheinlich gelingt dieser nur fernab von Technologie, frei von Technostress. 

Habt ihr Fragen zum Thema Technostress? Dann stellt sie meinen KollegInnen und mir, wir antworten gern:

    Mehr zum Thema:



    Quellenauszug:

    Brod, C. 1984. Technostress: The Human Cost of the Computer Revolution. Social Science Microcomputer Review, Volume: 4 issue: 4, page(s): 553-556
    Csíkszentmihályi, M. 1995. Flow. Das Geheimnis des Glücks. 4. Auflage. Klett-Cotta; Stuttgart
    Dobelli, R. 2011. Die Kunst des klaren Denkens. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; MünchenDobelli, R. 2019. Die Kunst des guten Lebens: 52 überraschende Wege zum Glück. Piper Taschenbuch; München
    Dobelli, R. 2019. Die Kunst des digitalen Lebens. Piper; München

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    Maria Senz: Die magische Wechselwirkung von Trainer und Athlet

    „So wie du in den Wald hineinrufst, schallt es zurück.“ Eine simple Aussage, die ganz viele Chancen und Wirkungsfähigkeiten in sich trägt, wenn ich genauer darüber nachdenke und analysiere. Im Alltag, insbesondere in dem von Trainern und Trainerinnen kommt dieses Nachdenken meist zu kurz. Im folgenden Beitrag erzähle ich dir, wozu es sich lohnt, sich Zeit zum Nachdenken zu nehmen. Und für alle die, die sich darauf einlassen, gibt es am Ende noch eine besondere Möglichkeit, an eurer Trainerpersönlichkeit zu arbeiten.

    Zum Thema: Systemischer Ansatz im Sport

    Stellen wir uns folgendes Szenario vor (1): Du bist Trainer einer Mannschaft und kommst total gestresst und etwas verspätet zum Training. Die Mannschaft hat bereits mit der Erwärmung begonnen, sie sind gut drauf und es werden Freizeitgespräche geführt. Dir passt das so gar nicht in dein heutiges Konzept und du pfeifst erstmal alle zusammen, minimierst den Geräuschpegel auf null, so dass nur du und deine Ansage wahrzunehmen sind. Entsprechend deiner Anspannung und Laune wählst du karge Erklärungen, sachliche Worte und präsentierst dich vor deinem Team mit dazugehöriger Mimik, Gestik, Stimme und sonstiger Körpersprache. Was schätzt du, wie viel Prozent deiner Ansage findet nachhaltige Umsetzung? Und mit welcher Grundstimmung wird das Training ablaufen?

    Ein anderes Szenario kann sein (2): Du bist Trainer einer Mannschaft und kommst total gestresst und etwas verspätet zum Training. Die Mannschaft hat bereits mit der Erwärmung begonnen, sie sind gut drauf und es werden Freizeitgespräche geführt. Dir passt das so gar nicht in dein heutiges Konzept. Du stoppst die Erwärmung und bittest alle zusammenzukommen. Du entschuldigst dich für die Verspätung, informierst über deine aktuelle Anspannung und deinen Versuch, diese im Training außen vor zu lassen. Du erklärst den Trainingsablauf, was der heutige Fokus ist, was du damit bewirken möchtest und was du von jedem Einzelnen erwartest. Passend zu deinen Worten präsentierst du dich vor deinem Team mit Mimik, Gestik, Stimme und sonstiger Körpersprache. Was schätzt du, wie viel Prozent deiner Ansage findet nachhaltige Umsetzung? Und mit welcher Grundstimmung wird das Training ablaufen?

    Mögliche Auswirkungen der beiden Szenarien können sein:

    TRAINER UND ATHLET
    Szenario (1) 
    Druck, Ungeduld, gereizt, gehetzt, Unsicherheit, Enttäuschung, Frust, Fehler, Hierarchie
    Szenario (2)
    Offenheit, Transparenz, Vertrauen,Verständnis, Akzeptanz, Ruhe, Augenhöhe, Wertschätzung, Spaß

    Der systemische Ansatz

    In meiner Arbeit als systemischer Coach beobachte ich die verschiedensten Szenarien. Die Basis für all das bildet der systemische Denkansatz und ich bin ein Fan davon. Was bedeutet systemisch? Jeder Mensch bildet für sich ein individuelles System mit all seinen Persönlichkeitsanteilen, Verhaltensmustern, Wünschen, Werten, Glaubenssätzen, Fähigkeiten, Bedürfnissen usw. Somit hat auch jeder Mensch eine ganz eigene, individuelle Wahrnehmung der Wirklichkeit. Das macht rund 7,89 Milliarden Wirklichkeitswahrnehmungen auf der ganzen Welt (laut Statista vom 25.08.21). Mit dieser individuellen Wahrnehmung bewegen wir uns in weiteren sozialen Lebenssystemen, wie zum Beispiel in Partnerschaft, Job, Freunde oder Hobbies. Dadurch erleben wir uns selbst als beteiligt und dazugehörig. Mit unserem Verhalten agieren wir innerhalb der Systeme und lösen Reaktionen aus – Wechselwirkungen. Durch das Agieren im System hat jeder Mensch die gleiche Chance, Wirkungen im System anzuregen, zu verändern und mitzugestalten. Wer sich dieser Möglichkeit bewusst ist, kann das höchste Maß an Selbstbestimmung ausüben. So wie du in den Wald hineinrufst, schallt es zurück.

    Willst du mehr zum Thema wissen? Ein paar konkrete Werkzeuge an die Hand bekommen? Dein Echo verstehen lernen? Dann starte mit folgenden Fragen, um dein Trainerdasein zu reflektieren und situativ anzupassen: >>Link<< Die Ergebnisse werden dir einige Erkenntnisse liefern. Und wenn du an diesen Punkten arbeiten willst, dann lass uns loslegen!

    Mehr zum Thema:

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    Frage und Antwort: Schlaf bei Trainern und Sportlern

    Das Schlafverhalten ist im Sport ein Riesenthema. Vielleicht kennt ihr die kolportierte Strategie von Cristiano Ronaldo, der mehrmals am Tag jeweils für 90 Minuten schlafen soll? Angeblich immer in neuer Bettwäsche. Oder stellt euch mal Eishockey-Profis inmitten der Playoff-Serie vor, wenn aller zwei, drei Tage gespielt wird. Immer auf Achse, dies meist in semi-luxuriösen Reisebussen, viele Nachtfahrten, ständig Hotelübernachtungen. Wie soll da gesunder Schlaf stattfinden? Aber auch zwischen diesen Extremen besteht Optimierungsbedarf, was das Schlafverhalten angeht.

    Zum Thema: Schlafverhalten im Sport

    Nicht von ungefähr hat uns im Rahmen unserer neuen Rubrik: “Du fragst, wir antworten” eine Frage genau zu diesem Thema erreicht. Uns hat ein Trainer geschrieben, dem es schwer fällt, abzuschalten. Lest, was Anne Lenz (zum Profil) und Maria Senz (zum Profil) im geantwortet haben.

    “Die Situation: Ich bin Jugendtrainer und spiele selber in einer Herrenmannschaft in der fünften Liga. Nach doppelten Trainingseinheiten mit beiden Mannschaften nacheinander fällt es mir schwer, abends meine Gedanken und die damit verbundenen Emotionen abzuschalten. Dies sorgt dafür, dass ich mehrere Stunden wach im Bett liege und nicht einschlafen kann. Da ich erst gegen 22 Uhr ungefähr zuhause bin, fällt es mir schwer, eine gesunde Schlafhygiene und sonstige Nachtrituale einzuhalten.

    Die Frage: Wie kann ich meine Gedanken und Emotionen aus den Trainings abends vor dem Schlafengehen ausschalten?!”

    Anne Lenz

    Antwort von Anne Lenz (Link zum Profil)

    Das Aufschreiben von Gedanken und Emotionen kann eine mögliche Hilfe sein, diese zu ordnen und zu visualisieren. Hierbei müssen keine langen Romane nach einem so langen und intensiven Tag verfasst werden. Es reicht hierbei schon oft, sich für ein paar Minuten ganz bewusst mit allen Gedanken und Emotionen auseinander zu setzen. Mögliche Fragestellungen können lauten:

    • Wie fühle ich mich gerade?
    • Wie habe ich mich in den Trainingssituationen in meinen unterschiedlichen Rollen heute gefühlt? Was könnten Auslöser für diese Emotionen sein?
    • Worüber mache ich mir gerade Gedanken oder Sorgen?

    Dabei geht es noch gar nicht darum, für jedes Gefühl oder jeden Gedanken eine optimale Lösung am Abend zu finden, sondern erst einmal die Erlebnisse bewusst zu reflektieren und durch das Notieren “loszuwerden” oder auch festzuhalten, um sich in einem späteren Moment darum kümmern zu können.

    Abschließend kann eine ressourcenorientierte Fragestellung eine andere Perspektive auf den Tag ermöglichen und ein entspannteres Einschlafen ermöglichen. Zum Beispiel:

    • Wofür bin ich heute dankbar gewesen?
    • Wofür könnte ich mir heute selber ein Kompliment machen?
    • In welchen Momenten habe ich heute wohl gefühlt?
    Maria Senz

    Antwort von Maria Senz (Link zum Profil)

    Hallo Hendrik,

    herzlichen Dank für deine Offenheit und dein Vertrauen. Ich finde es eine schöne Sache, sich Gedanken über etwas zu machen und das Ganze mit Emotionen zu verbinden. Aus deiner beschriebenen Situation entnehme ich, dass dich diese Gedanken und Emotionen wach halten, obwohl du lieber einschlafen möchtest. Dabei bringst du schon zwei Ideen für dich mit: gesunde Schlafhygiene und Nachtrituale. Meine Frage an dich: Was verbindest du mit gesunder Schlafhygiene oder Nachtritualen und was kann beides bei dir bewirken?

    Zu deiner Frage fallen mir im ersten Schritt aus der “Ferne” zwei Ideen ein:

    1. Je nachdem, was deine Gedanken und Emotionen bei dir auslösen, brauchst du vielleicht eine Art Ventil, über das du sie von dir „befreist“. Was kann ein derartiges Ventil sein? Ab wann und wie kannst du es einsetzen und aktivieren? Welches Geräusch verbindest du mit dem Ventil? Lass dir dieses Geräusch immer wieder im Ohr erklingen und spür, was es mit dir macht.
    2. In welchen Situationen kannst du besonders gut einschlafen? Welches Gefühl ist da vordergründig? Welches Bild taucht dann in deinem Kopf auf? Was siehst du und verbindest du mit diesem Bild (Gefühl, Geräusch, Duft, Geschmack)? Welche Gedanken sind dabei präsent? Was kannst du dafür tun, um dieses Bild beim Schlafengehen parat zu haben? Wer/ was kann dich dabei unterstützen?

    Vielleicht kannst du auf dieser Grundlage deine individuell passenden Nachtrituale entwickeln, die bereits direkt nach deinen Trainingseinheiten beginnen können. Und habe Geduld mit dir. Es ist wie das Erlernen eines routinierten Bewegungsablaufs. Es braucht Zeit zum Ausprobieren, Üben und Anpassen.

    Deine Frage?

    Wir von Die Sportpsychologen sind für dich da. Und weil wir wissen, dass manchmal eine kleine Schwelle im Weg steht, Kontakt zu einem “Psychologen”, einer “Psychologin” oder einer/einem „MentaltrainerIn“ zu suchen, machen wir einen Schritt auf dich zu. Wenn du also auch eine Frage an uns loswerden möchtest, dann nutz dafür das folgende Formular.

      Wichtig zu wissen: Manche Fragen und deren Antworten veröffentlichen wir nicht. Wir treten dann mit den jeweiligen FragestellerInnen persönlich in Kontakt. Dies behalten wir uns für Fälle vor, in denen die Anonymität nicht gewährleistet werden kann oder das angestoßene Thema besser im geschützten Raum besprochen wird. Zudem gilt: Unsere Antworten können nicht mehr als Anstösse liefern. Anstösse, von denen du als Leser oder Leserin ableiten kannst, wie wir von Die Sportpsychologen ticken und was wir so machen.

      Mehr zum Thema: 

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      Thorsten Loch: Unlösbare Situationen beherrschen lernen

      Das Rad in die Böschung donnern, einfach nicht zum zweiten Durchgang antreten oder sogar an Ort und Stelle mal so richtig aus der Haut fahren. Alle IndividualsportlerInnen kennen solche Situationen. Auch alle TeamsportlerInnen – und ich meine wirklich alle, selbst die Kicker des FC Bayern München, kürzlich beim DFB-Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach. 0:5 haben sie verloren, sich lange irgendwie gewehrt, um dann aber doch irgendwann einsehen zu müssen, dass alles an diesem Tage vergebens ist. Als SportlerIn machst du in solchen Situationen einen inneren Kampf aus. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass du diesen Kampf verstehst. Zumal es einige Tipps gibt, mit dessen Hilfe du lernen kannst, diese Kämpfe bestmöglich auszufechten.  

      Zum Thema: Umgang mit Emotionen

      In wirklich stressreichen Situationen hat dein Körper drei einfache Optionen: Fight, Flight oder Freeze. Da wir im Sport zumeist nicht von Leben oder Tod reden, schließt sich die Option Kämpfen manches Mal aus. Denken wir nur noch einmal an die Fußballer von Bayern München, die gegen Gladbach zwar bis zur 90. Minute irgendwie bemüht blieben, aber spätestens ab dem 0:4 nicht mehr im Modus “Überlebenskampf” unterwegs waren. Eine Flucht ist meist auch keine Lösung – was wäre allein medial los gewesen, wenn Müller, Kimmich, Neuer und Co. kollektiv das Spielfeld verlassen hätten? Also verharren wir oft in solchen kritischen Situationen und verpassen es dabei, handlungsdienlich zu agieren. Hier liegt aus meiner Erfahrung mit SportlerInnen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen eine Menge Potential.

      An dem gerade skizzierten Beispielen können wir sehr gut beobachten, wie unser Denkorgan arbeitet bzw. welche Hirnareale zu welchem Zeitpunkt aktiv waren. Um dies besser nachvollziehen zu können, streck einmal deine Hand mit der Handfläche nach oben vor dir aus. Nun klappst du den Daumen ein und machst eine Faust. Das ist dein Gehirn. Dein Handgelenk entspricht dem Hirnstamm. Das ist der evolutionär gesehen älteste Teil des Gehirns. Er ist in Wahrheit nur etwa daumengroß, steuert aber lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Blutdruck und Herzfrequenz (vgl. Purps-Pardigol, 2021). Außerdem setzt er bei Gefahr unsere Notfallprogramme in Gang, also Angriff, Flucht oder Erstarren. Nachdem die Bayern-Spieler aus der anfänglichen Angststarre erwachten und im Spielverlauf die Möglichkeiten zu Kampf und Flucht ausgeschlossen hatte, schaltete sich sein präfrontaler Cortex ein, kurz PFC. Das ist die jüngste Hirnstruktur, sie entspricht im Handmodell dem jeweils letzten Glied des Mittel- und Ringfingers. Der PFC ist für die höheren Denkleistungen zuständig, etwa die Bewertung von Situationen, fürs Planen, Entscheiden, Problemlösen, aber auch für die Impulskontrolle. Hätten wir die Hirnaktivitäten von Müller, Kimmich und Neuer während der Partie gemessen, hätte wir sehen können, wie ihre PFC aufflammten, als sie begannen, Impulse zu kontrollieren, Lösungen zu suchen und entsprechende Handlungen oder Taktiken abzuwägen. Hirnstamm und präfrontaler Cortex sind dabei so etwas wie Gegenspieler: Instinkt versus Vernunft. Doch während die primitiven Überlebensstrukturen unseres Gehirns von Geburt an funktionieren und sich nicht verändern, entwickelt sich unser denkender Verstand Stück für Stück im Lauf der Zeit. Es bleibt ein Leben lang lernfähig. Diese Wandlungsfähigkeit des Gehirns wird als Neuroplastizität bezeichnet (vgl. Mayer/Hermann, 2015).

      Merke: Der Hirnstamm steuert unsere unbewussten Überlebensfunktionen, während der präfrontaler Cortex als Stimme der Vernunft agiert. Am Cortex lohnt es sich also, zu arbeiten.

      Glück ist Ansichtssache 

      Wer kennt es denn nicht? Unser Gemütszustand kann sich innerhalb von Sekunden ändern, wenn wir eine Situation anders bewerten. Eben hast du noch innerlich gekocht, weil eines deiner Kinder zu wiederholten Male ein Glas Wasser verschüttet hat, obwohl du gerade eben erst gewischt hast. Dann fällt dir ein, dass das Kind zwei Jahre alt ist und sich in seiner Selbstständigkeit erprobt. Und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Ob wir gestresst, wütend, unzufrieden oder ängstlich sind, hat also vor allem mit unseren Gedanken und Bewertungen zu tun. Elf Millionen Sinneseindrücke prasseln pro Sekunden auf unser Gehirn ein (vgl. Roethlisberger, 2021). Dort werden sie von der Amygdala verarbeitet, einen Teil des limbischen Systems, im Handmodell der Daumen in deiner Faust. Die Amygdala ist so etwas wie unser innerer Gefahrenspürhund. Eigentlich eine gute Sache, nur leider ist unser wachsamer Freund völlig auf Negatives fixiert. Aus diesem Grund sieht er hin und wieder Gefahren, wo gar keine sind. Ein kritischer Blick vom Cheftrainer, ein unnötiger Fehlpass, die falsche Auswahl eines Champions (LoL) oder ein Missgeschick – und schon landen wir im Kampf-, Flucht- oder Starre-Modus. 

      Um gelassener durchs Leben zu gehen, sollten wir deshalb den Blick vom Negativen abwenden und uns auf die hilfreichen Impulse fokussieren. Wie die Neurowissenschaftlerin Heide Klumpp bewiesen hat, wirkt sich das sogar unmittelbar auf unser Gehirn aus. In einem Experiment ließ Klumpp (2012) Probanden sechs Bilder betrachten: Drei zeigten emotional ausdrucksstarke Gesichter, drei waren Abbildungen von geometrischen Formen. Im ersten Durchgang sollten sich die Teilnehmenden ganz auf die Gesichter konzentrieren. Wie erwartet regte sich ihre Amygdala – die dargestellten Emotionen sprangen regelrecht auf die Teilnehmenden über. Anschließend wurden sie gebeten, sich auf die Dreiecke, Kreise und Quadrate zu fokussieren. Die Wirkung trat sofort ein: Die Aktivität der Amygdala ließ nach, das Gehirn beruhigte sich und dies hatte auch körperliche Auswirkungen. Geben wir uns negativen Gedanken hin oder grübeln wir (fortwährend) über Probleme, wird der rechte PFC aktiv und die bekannte Stressreaktion wird ausgelöst: Atem und Herzschlag beschleunigen, die Verdauung wird eingestellt – der Körper gerät in Aufruhr. Ein Grund mehr, sich bewusst auf die guten Impulse zu fokussieren – etwa, indem du regelmäßig Dankbarkeit praktizierst. Überlege dir jeden Tag, was in deinem Leben positiv ist und wofür du dankbar bist und halte es schriftlich fest. Es fällt dir aktuell schwer, weil du gerade eine schwierige Zeit durchlebst, dann formuliere die Frage um und frage stattdessen: Wofür könnte ich dankbar sein?

      Merke: Die Amygdala ist für die schnelle Bewertung von Sinneseindrücken zuständig, neigt aber dazu, Gefahren zu übertreiben. Richte deinen Fokus daher auf Positives, um deinen Gemütszustand innerhalb von Sekunden zu verbessern. Mach es dir am besten zur täglichen Gewohnheit, das Gute und Gelungene ins Visier zu nehmen – es sollte so selbstverständlich werden, wie das tägliche Zähneputzen. 

      Wie du einen kühlen Kopf bewahrst – komme, was wolle

      Eine weitere Methode, um eine überreizte Amygdala zu beruhigen, ist das sogenannte Affect Labelling. Bei dieser Methode beschreibst du entweder den Auslöser für deine Gefühle – etwa: „Wenn wir diese Runde (CS:GO) verlieren, dann verlieren wir das Spiel” – oder du fasst in Worte, was du dabei fühlst: „Ich fühle mich überfordert und habe Angst“. Warum das funktioniert? Ganz einfach: Beim Beschreiben verwenden wir einen höher entwickelten Teil unseres präfrontalen Cortex. Und genau das beruhigt offenbar die Amygdala, nach dem Motto: „Alles klar, die oberen Etagen haben das Problem mitbekommen – ich muss nicht mehr so laut Alarm schlagen.“

      Eine weitere hilfreiche Methode ist das Normalisieren. Diese Technik wird von Psychologen im Beratungskontext eingesetzt, um traumatisierten Menschen zu helfen, mit dem Erlebten fertig zu werden. Sage dir in schwierigen Situationen, dass es ganz normal ist, bei so einem Erlebnis emotional zu reagieren und aufgewühlt, nervös, ängstlich oder erschüttert zu sein. 

      Merke: Refokussieren, zeitweises Ausblenden von Negativem, Affektbeschreibung und Normalisieren sind wirksame Methoden, um das Gehirn zu beruhigen und in brenzligen Situationen denkfähig zu bleiben. 

      Zusammenfassung

      Eines dürfte deutlich geworden sein: An Emotionen lässt sich arbeiten. Es macht vielleicht etwas Mühe und bedarf Einsatz, aber die perfekte Ballannahme, den perfekten Aufschlag im Badminton oder die perfekte Antwort an der Gaming-Tastatur hat keiner von euch über Nacht gelernt. 

      Mehr zum Thema:

      Literatur:

      Mayer, J./Hermann, H.D.: Mentales Training. Grundlagen und Anwendungen im Sport, Rehabilitation, Arbeit und Wirtschaft. Springer Verlag, Heidelberg 2015.  

      Purps-Pardigol, S.: Leben mit Hirn. Campus Verlag, Frankfurt 2021.

      Roethlisberger, L.V.: Der Pfad der Intuition. tredition GmbH, Hamburg 2021. 

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      Die Sportpsychologen: Du fragst, wir antworten

      Du bist ein Sportler und kommst, obwohl du seit Monaten intensiv trainierst, an dieser einen Stelle nicht weiter? Du bist eine Trainingsweltmeisterin, die endlich mal auch im Wettkampf richtig abliefern will? Du hast als Trainer oder Trainerin das Gefühl, dass deine SportlerInnen noch mehr können. Weißt aber nicht so richtig, wie du das Potential wecken kannst? Du hast als Sportlerin deine Motivation verloren oder kannst dich als Athlet nur noch dunkel an die Zeit erinnern, als du vor Selbstvertrauen kaum laufen konntest?

      Zum Thema: Fragen an Die Sportpsychologen

      Egal, wo der mentale Schuh drückt. Wir von Die Sportpsychologen sind für euch da, wollen dir ganz konkret helfen. Da wir immer häufiger Anfragen von SportlerInnen, TrainerInnen oder Eltern bekommen, die gezielt unseren Rat suchen, bauen wir unseren Service aus. Wir bieten euch über ein einfaches Formular an, eure Anfragen loszuwerden. Einer oder vielleicht gleich mehrere ExpertInnen aus unserem Netzwerk antworten darauf. Das Wissen soll dir weiterhelfen. Und wenn du bei der Umsetzung unsere Hilfe brauchst oder du mehr wissen willst, nimm Kontakt zu unseren ProfilinhaberInnen aus deiner Sportart und/oder in deiner Nähe auf.

      Wichtig: Die Antworten zu deiner Anfrage veröffentlichen wir anonymisiert, lediglich mit der Angabe der Sportart, der Alters- und Leistungsklasse. Die Idee dahinter ist, dass du dir für andere Themen Anregungen holen und die Arbeitsweise unsere ExpertInnen aus dem Netzwerk kennenlernen kannst. Bitte hab auch Verständnis, dass sich sehr spezielle Fragen ggf. gar nicht öffentlich beantworten, sondern wir uns nur persönlich bei dir melden. Gut zu wissen ist auch, dass sich manche komplexe oder individuellen Fragen nur sehr schwer pauschal beantworten lassen. Wenn wir das Gefühl haben, dass dein Anliegen besser in einem 1:1-Gespräch bearbeitet werden sollte, geben wir dir bescheid.

      Zeit für eure Fragen

      Nutzt das hier folgende Formular, um eure Fragen loszuwerden:

        Hinweis: Dieser Service von Die Sportpsychologen ist kostenlos. Kosten entstehen erst, wenn du dich mit einem Experten oder einer Expertin aus unserem Netzwerk auf eine Zusammenarbeit verständigst.

        Mehr zum Thema:

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        Maria Senz: „Ach, ist der Rasen schön grün“ (Loriot)

        Es gibt Menschen, die lesen aus der Hand. Und es gibt Sportler, die lesen aus dem Grün. Grün lesen bedeutet, die Bodengegebenheiten so zu erfassen, dass der Ball durch einen gezielten Schlag auf die Reise geschickt wird und damit in einer bewusst gespielten Kurve das Loch erreicht. Golf – eine Sportart in der Natur, die weit mehr fordert als nur lässig auf dem Schläger zu lehnen, den Trolley spazieren zu fahren oder Divots in den Rasen schlagen.

        Zum Thema: Mentales Training im Golf

        Golf ist höchste Präzision, Konzentration, Koordination und vor allem extreme Ruhe in Körper und Geist. Jede kleinste Fehlbewegung führt zu Störungen im Bewegungsablauf und schlägt sich exponentiell auf den Ball nieder. Die Wahl des Eisens, die Art des Schlags, das Berücksichtigen des Windes in Richtung und Stärke haben ebenso Einfluss auf die Flugbahn des Balls und fordern höchste Flexibilität in deinen Schlägen. Die Herausforderung: locker und flexibel in der Muskulatur bei gleichzeitiger Präzision im Kopf.

        Auf den ersten Blick erscheint mir Golf vergleichbar mit der Idee eines Zen-Gartens oder dem Abenteuer einer Walz – idyllisch und intuitiv. Völlig frei von Wettbewerbsgedanken nimmst du die Kraft der Natur in dir auf. Die Geräusche, die Aussichten und der frische Wiesenduft fließen direkt in deinen Bewegungsablauf. Entspannt umfassen deine Hände den Schaft des Eisens. Locker und vielfältig in deinen Schlägen, bei gleichzeitigem Fokus auf dein Ziel, den Ball in wenigen Schlägen einzulochen. Ein Gefühl von Tiefenentspannung breitet sich in dir aus und du bist komplett geerdet.

        Der Wettbewerb im Kopf

        Der zweite Blick: Sobald der Wettbewerb im Kopf dazu kommt, entsteht Leistungsdruck, Anspannung, Nervosität. Eine Belastung, die sich wie ein Schatten über die Idylle legt. Es wird ernster und überlegter. Gedanken wie „Ich muss das Loch in weniger Schlägen schaffen als meine Gegner.“ blockieren deine Lockerheit, schmälern dein Sichtfeld und stören deinen Fokus. Deine Handlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt, schlimmstenfalls kommt es zur Handlungsunfähigkeit – sogenannten Yips.

        Wie kannst du dem entgegenwirken?

        (1)       Nutze deinen Atem – grundsätzlich ein einfaches und effektives Mittel, um dich zu fokussieren, zu befreien, zu beruhigen, zu aktivieren, …

        Beispiel: Während deine Hände den Schaft umschließen und du mit dem Schläger eins wirst, kannst du bewusst tief ein- und ausatmen, um die Verschmelzung zu fühlen und dich zu beruhigen.

        (2)       Etabliere Routinen – speichere bewusst verschiedene Bewegungsabläufe oder assoziiere bestimmte Gefühle mit Bewegungsabläufen und ruf sie dir im passenden Moment ab.

        Beispiel: Nutze den Durchschwung oder das Waggling, um dich von vorherigen Fehlern zu befreien.

        (3)       Melodien im Kopf – Lassen Bilder lebendig werden und erzeugen bestimmte Gefühle, die sich in dein Körpererleben übertragen.

        Beispiel: Ein Twist vor jedem Turnier lockert dich und der Ohrwurm begleitet dich den ganzen Tag.

        (4)       Nutze die Zeit – zum Beruhigen, Fokussieren, Konzentrieren, Nachdenken, Vermessen, Rechnen, Beobachten, Justieren, Fühlen, …

        Beispiel: Am Weg von Schlag zu Schlag oder Loch zu Loch.

        Diese und weitere individuelle Ansätze sind mit sportpsychologischem Coaching umsetzbar.

        Zusammenarbeit

        Wenn du sportpsychologisch arbeiten willst, lass uns gern starten. Ich habe einen kleinen Fragebogen entwickelt, der die Grundlage unseres unverbindlichen Erstgesprächs darstellen kann. Füll den Bogen also gern aus und lass uns beginnen: >>LINK<<

        Und zum Abschluss eine beliebte Entspannungsübung nach einem Course: Rasenstücke einsammeln, wieder einsetzen und festtreten. Viel Freude…

        Mehr zum Thema:

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        LeserInnen-Umfrage 2021: Mehr Text als Audio und Video bitte!

        Wir von Die Sportpsychologen wollten wissen, was unsere Leser und Leserinnen von uns halten. Und das haben wir jetzt davon: Offenkundig geht es unseren NutzerInnen in allererste Linie um lesbaren Content. Multi-mediale Inhalte spielen demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle! Schauen wir uns aber doch noch genauer an, wo wir nachbessern können und wofür wir durchaus nachdrücklich gelobt werden.

        Zum Thema: Auswertung LeserInnen-Umfrage 2021

        Grundsätzlich verfügt die große Mehrzahl unserer Seitenbesucher über ein grundlegendes Wissen zur Sportpsychologie. Nur jeder oder jede Vierte ist „irgendwie“ auf das Thema gestoßen und will nun mehr wissen. Im Vordergrund stehen ganz eindeutig Texte über sportpsychologische Techniken, Methoden und Hintergründe sowie Texte von und über SportlerInnen und TrainerInnen, die über ihre sportpsychologischen Erfahrungen berichten. Gerade in der jüngeren Vergangenheit haben wir den Fokus durchaus auf multimediale Angebote gelegt, also Audio-Inhalte eingefügt und immer wieder auch eigene Videos produziert. Vielleicht an der Zielgruppe vorbei, zumal mittlerweile einige Podcasts am Markt mit unterschiedlichem Erfolg um sportliche HörerInnen buhlen?

        Interessant sind auch die Hinweise, welche Sportarten von uns mehr Beachtung finden sollten: Wiederholt finden auf den Wunschlisten Eishockey, E-Sport, Golf und American Football. Nicht zu vergessen Sportarten, bei denen nicht ein Ergebnis sondern das Erleben im Vordergrund steht. Insgesamt wird unserer Seite aber attestiert, dass es überwiegend gelingt, einen ausgewogenen sportartspezifischen Themenmix auf die Beine zu stellen. Noch positiver fällt das Leserinnen-Urteil hinsichtlich des Verhältnisses aus Wissenschaftlichkeit und Praxisrelevanz aus: Fast 90% der Umfrage-Teilnehmerinnen sind damit zufrieden oder maximal zufrieden. 

        Social Media wird weniger wichtig

        Thematisch haben wir auch auf Detailebene spannende Wünsche aufgenommen: Neben Klassikern wie dem Umgang mit Stress und Druck, der Leistungsoptimierung und der Persönlichkeitsentwicklung geht es euch auch um Fragen der Mannschaftsführung, Talentförderung sowie der Interaktion zwischen SportlerInnen und SportpsychologInnen. Zum Beispiel haben wir in den gut 1000 Texten viel zu selten darüber geschrieben, wie SportpsychologInnen und SportlerInnen eine über Jahre währende Beziehung aufbauen können und wie diese sich gegebenenfalls im Laufe der Jahre verändert. Wir werden versuchen, in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt darauf einzugehen.  

        Interessant ist auch, dass die Verbreitung unserer Inhalte viel weniger auf Social Media-Kanäle angewiesen ist als dies in den ersten Jahren nach dem Start der Plattform Die Sportpsychologen im Sommer 2014 der Fall gewesen ist. Heisst also: Nach unserem Content wird aktiv gesucht! Auf wirkliches Interesse stoßen auch unsere neuen Angebote wie das Online-Coaching “Abliefern, wenn es darauf ankommt” (Link). Sobald wir uns mit Veranstaltungen wieder zurück ins richtige Leben wagen, seid ihr offenbar auch dabei, sofern unsere Events thematisch und örtlich in den Trainings-, Wettkampf- und Familenkalender passen.

        Abliefern-Gewinner

        Drei der TeilnehmerInnen der LeserInnen-Umfrage werden von uns in diesen Tagen per Email darüber informiert, dass sie eine Lizenz des Online-Coachingprogramms “Abliefern, wenn es darauf ankommt” im Wert von 239 Euro gewonnen haben. 

        Hinweis: Natürlich ist unsere Umfrage nur eine Stichprobe. Aber, wir nehmen das Feedback ernst und richten uns im Rahmen unserer Möglichkeiten durchaus darauf aus. Wer also gern noch in den nächsten Wochen ein Feedback beisteuern möchte, der ist herzlich eingeladen. Der Link zur Umfrage bleibt bestehen und wir schauen uns eure Antworten gern an: Link zur LeserInnen-Umfrage 2021

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        Jürgen Walter: Das Wunder von Cluj und die Folgen

        Auf das erste Oktoberwochenende werden noch über Jahre die Tischtennis-Insider zurückblicken und amüsiert mit dem Kopf schütteln. Denn trotz der Abwesenheit von Stars wie Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Petrissa Solja haben sowohl das Tischtennis-Frauen Nationalteam als auch die Herren-Auswahl den Europameisterschaftstitel gewonnen. Und dies mit den Sportlerinnen und Sportlern aus der zweiten Reihe. Das Sportradio Deutschland wollte es genau wissen und hat unseren Tischtennis-Experten Jürgen Walter interviewt.

        Zum Thema: Mentale Stärke im Tischtennis

        Für Walter geht der Erfolg auf die Spielfreude im deutschen Team zurück. Als Außenseiter in den Finals haben die Spielerinnen und Spieler wie Patrick Franziska oder Nina Mittelham mit Spaß und Hingabe für die Aufgabe agiert, was sportlich dann in dem für viele überraschenden Ergebnis gemündet sei, so der Experte.

        Sportpsychologe Walter unterstrich im Gespräch mit Fabian von Wachsmann und Robin Hollstein vom Sportradio Deutschland, wie essentiell die mentale Ressource im Tischtennis ist. “Es geht darum, an die Platte zu gehen, und immer den nächsten Punkt machen zu wollen. Ganz unabhängig vom Ergebnis oder dem Spielverlauf. Wenn dir das als Spieler gelingt, bist du mental stark”, sagt Walter.

        Wachablösung im deutschen Tischtennis?

        Im Tischtennis gibt es noch viel Puffer nach oben. Walter sagt, dass aus seiner Erfahrung viele Spieler, selbst auf Weltspitzenniveau, glauben, mental stark zu sein, wenn es aber darauf ankommt nicht das auf die Platte bringen, was im Training möglich ist. Die Sorge vor dem Misserfolg überwiegt dann doch vor der Freude auf den Erfolg!

        Im Interview kam noch ein spannender Punkt zur Sprache: Wie soll es jetzt in den deutschen Nationalmannschaften weitergehen? Ist mit dem Wunder von Cluj der Generationenwechsel unwiderruflich gestartet oder sollten bei den kommenden Weltmeisterschaften doch die bisherigen Stars wie Boll, Ovtcharov oder Solja den Vorzug erhalten? Und inwiefern ist es eine Verbandsaufgabe, einen solchen Prozess zu begleiten? Walter: “Aus meiner Sicht belebt Konkurrenz das Geschäft. Dieses Signal der jungen Spieler und Spielerinnen war überdeutlich und wird sicher von den arrivierten Kräften so aufgefasst. Ein Dimitrij Ovtcharov wird seinen Platz sicher nicht freiwillig abgeben, aber irgendwann wird der Punkt kommen. Dafür müssen alle Sportler in ihrer Karriere bereit sein.”  

        Das Interview von Sportradio Deutschland in voller Länge:

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        Marco Henrichs: “Der deutsche Sport scheitert am Minimalprinzip, was den Einsatz für Erfolg angeht”

        Marco Henrichs ist ein Grenzgänger: Dies gilt für ihn als Ausdauersportler und Trainer, aber auch für seinen kritischen Umgang mit dem Zeitgeist. Seitdem er 2016 zu einem Mehrkampf im russischen St. Petersburg eingeladen war, engagiert sich der gebürtige Rheinländer nicht nur für einen intensiveren Dialog zwischen Deutschland und Russland, sondern hat auch als Trainer Erfahrungen in einer anderen Sportwelt gesammelt. Genau hier setzen wir in dem Interview an. Wir wollen von Marco Henrichs als vielfacher Ironman Triathlet, Extremschwimmer sowie Schwimm- und Ausdauertrainer, Buchautor und Dozent wissen, wie russische Sportler – platt formuliert – “ticken”? Welche Schwächen er im deutschen Leistungssportsystem sieht und wie er die Erfahrungen aus den beiden Sportwelten für seine Trainingssystematik nutzen kann?  

        Zum Thema: Die Sportpsychologie im Ausdauersport

        Marco Henrichs, welche Rolle spielt der Kopf auf den Ausdauerdistanzen im Schwimmen?

        Als ehemaliger langjähriger Triathlet, der später zum Langstreckenschwimmen bzw. Marathonschwimmen gewechselt ist, habe ich den mentalen Unterschied zwischen den Sportdisziplinen zu Land gegenüber denen im Wasser kennengelernt. Die mentale Herausforderung im Freiwasser liegt in erster Linie in der Monotonie. Ein Langstreckenschwimmer bekommt beispielsweise keine Zuschauer mit, die ihn bei einem Leistungstief pushen können. Des Weiteren gibt einem die mangelnde Abwechslung im Freiwasser, gegenüber beispielsweise einem Stadtmarathon eher das Gefühl, das Strecken gefühlt unendlich wirken. Oder jedes Zwicken in der Muskulatur löst, im Vergleich zu den Ausdauerdisziplinen zu Land, schneller mal ein „Kopfkino“ oder Selbstzweifel aus, vorzeitig scheitern zu können.

        Gab es in deiner Zeit als Aktiver einen Moment, in dem du selbst über eine mentale Hürden gestolpert bist?

        Neben vieler dieser Momente war dieses stolpern über einer Leistungshürde am eindeutigsten bei einem 26,6km Schwimm-Marathon in Russland. Mein persönliches Ziel war es dort, eine neue Jahres-Streckenbestzeit zu schwimmen. Ich selbst bin ohne Uhr geschwommen, da es für mich unnötigen Stress hätte verursachen können.

        Mit dem Team in meinem Begleitboot war ich vorab so verblieben: Sollte ich ca. drei Kilometer vor dem Ziel eine realistische Chance auf diese Bestzeit haben, sollen sie mir ein vereinbartes Signal geben.

        Ca. fünf km vor dem Ziel wurden meine Gedanken immer präsenter, aufzugeben. Ich war zu dem Zeitpunkt sechs Stunden in 14°C kalten Wasser und mittlerweile stark unterkühlt. Zudem ging mir die Power aus, da ich die erste Hälfte etwas zu schnell angegangen war.

        Zufälligerweise in den Minuten, wo ich gedanklich im Begriff war, entkräftet aufzugeben, hat mir das Beiboot das vereinbarte Signal gegeben, das ich auf Bestzeitkurs bin. Da habe ich sprichwörtlich Blut geleckt und nochmals restlos alles rausgehauen – mit Erfolg. Auch dieser Moment hat mir gezeigt, selbst wenn du als Sportler platt und leer bist, gibt es tief in einem Reserven, die dennoch zum Sieg führen können.

        Die Konsequenz war jedoch direkt im Anschluss ein Aufenthalt auf einer Intensivstation eines Sankt Petersburger Krankenhaus. Im Nachhinein werte ich mein „Durchhalten“ eher kritisch, da es durchaus hätte auch tödlich ausgehen können. Heute sehe ich es eher so: Wenn die Gesundheit auf dem Spiel steht, ist ein DNF (did not finish) natürlich immer eine Option.

        Marco Henrichs (Bild. privat)

        Du hast beruflich viele Jahre in Russland verbracht. Welchen Stellenwert hat dort die Sportpsychologie und welche Unterschiede siehst du zwischen Athleten aus dem russischen und deutschen Spitzensportsystem hinsichtlicher mentaler Aspekte?

        Egal ob Sportwissenschaft oder Sportpsychologie, ist der Sport in der Russischen Föderation vom Knowhow mindestens ebenbürtig. Wobei die Hemmschwelle einen Sportpsychologen aufzusuchen, in Russland höher als die in Deutschland ist. Den Menschen in Russland, egal ob Sportler oder nicht, ist es sehr wichtig das Gesicht zu bewahren und keine Schwächen zu zeigen. Ein Besuch bei einem (Sport)Psychologen wird dort eher als Schwäche angesehen.

        Einen Unterschied bei den russischen Sportlerinnen und Sportlern gegenüber dem deutschen Leistungssport oder auch Breitensport, habe ich in erster Linie im Ehrgeiz, in der Disziplin und der Willenskraft beobachtet. Was nicht heißt, das es nicht auch in Deutschland Sportlerinnen und Sportler gibt, die alles für den Erfolg geben. Jedoch erkenne ich im Durchschnitt gegenüber dem russischen Sport einen deutlichen Unterschied.

        In Deutschland wird bei Trainern zudem zu viel hinterfragt oder ein Trainer zu schnell in Frage gestellt. Eltern haben zunehmend Mitspracherecht und die Härte und Disziplin im Training und Wettkampf lässt immer mehr nach. Es zählt zunehmend das Minimalprinzip, um erfolgreich zu sein. Das funktioniert vielleicht bei dubiosen Bankgeschäften oder in der Immobilienbranche. Im Sport, erst recht im Leistungssport, geht diese Rechnung nicht auf.

        Das Ergebnis dieser Negativentwicklung im deutschen Sport haben wir mit einem Platz neun im Medaillenspiegel bei den jüngsten Olympischen Spielen gesehen. Eigentlich sollte diese Negativentwicklung den DOSB wachrütteln. Das setzt jedoch voraus, die Probleme offen beim Namen zu nennen. Dass viel benutzte Argument oder besser gesagt Ausrede, dieser Misserfolg gehe auf eine mangelhafte Sportförderung zurück, lasse ich persönlich nicht gelten. Die meisten Länder, die im Medaillenspiegel vor uns gewesen sind, haben eine weitaus schlechtere Sportförderung mit schlechteren Trainingsbedingungen. Die Hauptursache der Negativentwicklung im deutschen Sport sehe ich insgesamt in der Einstellung zum Sport.

        Zur Person: Marco Henrichs

        Von 2017 bis 2020 habe ich als RUS Schwimmtrainer einer großen Schwimmliga in der Wolgaregion in der Russischen Föderation repräsentiert. Neben meinem Trainerdasein mit Schwerpunkt Langstreckenschwimmen und Freistil war auch der Bereich Athletik- und Ausdauertraining ein Schwerpunkt, um sportartenübergreifend mit Athletinnen und Athleten und Mannschaften zu arbeiten. Seit 2019 arbeite ich eng mit dem olympischen Komitee in Moskau zusammen, um die bilateralen Beziehungen im Sport zwischen Deutschland und dem der Russischen Föderation zu verbessern. Dabei geht es um den Spitzensport, Jugendsport, Behindertensport und Breitensport. Sei es auf der Athletenebene wie auch auf der Trainer und Wissensebene. Beiderseits ist dort viel Potential, um voneinander zu profitieren. Zudem trainiere ich in Deutschland viele (Profi)triathleten und Schwimmer mit Schwerpunkt Langstrecken und Freiwasserschwimmen. Unser Lebensmittelpunkt ist mittlerweile von Moskau ins Rheinland in den Kölner Raum verlegt. Mehr Infos: www.h2o-bloxx.com

        Doch zurück zum russischen Sport: Ein weiterer wichtiger mentaler Katalysator ist der Stolz. Russische Sportlerinnen und Sportler zehren viel positive Energie und Motivation daraus, den Trainer, die Mannschaft, den Verband oder die Nation stolz machen zu wollen. Ein Misserfolg gilt da schnell als Gesichtsverlust. In Deutschland ist der Begriff Stolz dagegen ein eher schwieriges Thema. Ein Urteil nur mit neutraler Fahne zu starten, wäre vielen Sportlerinnen und Sportler in Deutschland nahezu gleichgültig. In Russland dagegen gleicht das fast schon einer Höchststrafe.

        Wie profitierst du selbst als Trainer von diesen Erfahrungen und über welche Wege hast du dir in deiner Laufbahn sportpsychologisches Wissen angeeignet?

        Zunächst sehe ich mich nicht als Motivator oder gar als Sportpsychologe. Aber da, wo viele Trainer in der Vergangenheit gescheitert sind, haben Athletinnen und Athleten dank meiner Trainerleistung und meiner Motivationsimpulse bessere Leistungen erzielt. Fachleute würden vielleicht sagen, durch Aspekte der Sportpsychologie. Ich sehe es eher als Fingerspitzengefühl, die richtigen Worte zur richtigen Zeit zu sagen, um Athleten aus ihrem Leistungstief zu holen oder sie dabei zu unterstützen, dass sie von jetzt auf gleich Bestleistungen erzielen. Ein wichtiger Faktor ist dafür eine maximale Konzentration.

        Denn Trainings- oder Wettkampfhöchstleistungen sind nur dann möglich, wenn man sich neben der persönlichen Performance zu 100% auf die jeweiligen Schwerpunkte konzentriert. Sei es bei einem Bewegungsablauf in einer eher technisch geprägten Sportart oder beim Sprinten, die vollste Konzentration auf eine maximale Frequenz zu legen. Im russischen Sport habe ich es täglich erlebt, dass dort immer und immer wieder darauf gepocht wird. Das lebe ich auch heute mit meinen Athletinnen und Athleten sowie Mannschaften, die ich trainiere. Nach meiner Erfahrung ist das die größte Stellschraube, um bei den meisten Athletinnen und Athleten schlagartig ein Optimum zu erzielen.

        Marco Henrichs (Bild. privat)

        Ausdauersportler machen ja vieles mit sich selbst aus. An welchen Beobachtungen und Gedanken können Sportler und Sportlerinnen ableiten, dass eine Kontaktaufnahme zu einer Sportpsychologin oder einem Sportpsychologen erfolgversprechend sein könnte?

        Diese Beobachtungen oder Gedanken können vielseitig sein. Bei einem andauernden Leistungstief oder bei negativen Reaktionen auf zu großen Leistungsdruck beispielsweise, kann ein Sportpsychologe durchaus hilfreich sein, eine Situation mit anderen Augen zu sehen. Einen Blickwinkel anzusetzen, den ein Sportler vielleicht längst aus den Augen verloren hat. Wenn sich Sportlerinnen und Sportler in einem Leistungstief befinden, kann das verschiedene Ursachen haben. Eine mangelnde Trainingsstruktur oder falsch gesetzte Ziele sind nach meiner Erfahrung die häufigsten Ursachen, warum es zu einem Scheitern im Sport kommt. Da dieser Prozess schleichend kommt, ist es leider zu häufig, dass Sportler diese Fehlentwicklung nicht selbst erkennen. Ein Sportpsychologe kann dann durchaus helfen und sprichwörtlich die Augen öffnen.

        Welche Rolle kommt einem Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin auf menschlicher Seite zu? Dies gerade in Bezug auf die andere Leistungssportkultur, die du in Russland erlebt hast. Letztlich sehen sich viele SportpsychologInnen nicht zuletzt als Anwälte ihre SportlerInnen, was sicher in einer eher autokratischen Trainer-Athleten-Beziehung besondere Herausforderungen birgt?

        Zunächst sollte ein Sportpsychologe oder eine Sportpsychologin ein guter Zuhörer sein und Empathie und Einfühlungsvermögen besitzen. Das menschliche zwischen Athlet und Trainer ist jedoch im Durchschnitt bzw. in der Breite in Russland eher distanzierter und auch kühler. Dabei würde ich jetzt nicht werten, ob das nun gut oder eher schlechter ist. Ich unterscheide da auch zwischen Kindern und Erwachsenen. Gerade im Kindesalter ist es einerseits wichtig, Disziplin vermittelt zu bekommen, aber mindestens genauso wichtig, dass die Trainer es verstehen, diese Disziplin auf Augenhöhe und mit Empathie zu vermitteln. Wenn wir jedoch in den Spitzensport gehen, landen wir häufig bei einem Zerrbild von russische Erfolgen, die mit mentaler Härte, aber ohne mentale Hilfe und mir harter Tonart zustande gekommen sind.

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        Janosch Daul: Interesse, Erfahrung und Qualität – Wie die Sportpsychologie im NLZ funktioniert

        Was kann ich als Spieler oder Spielerin, Trainer oder Trainerin eigentlich dazu beitragen, dass ein Gespräch bei einem Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin einen Mehrwert für mich hat? Sollten TrainerInnen mehr Interesse oder mehr Wissen mitbringen, wenn sie den Kontakt zum Sportpsychologen oder zur Sportpsychologin suchen? Und wie gelingt es, von Seiten der ExpertInnen ihr Wissen an den Mann, Frau oder Jugendliche zu bringen? Die Fragen beantwortet Janosch Daul (zum Profil), der als Sportpsychologie im Nachwuchszentrum des Drittligisten Hallescher FC arbeitet.

        Zum Thema: Sportpsychologie im Nachwuchsleistungszentrum

        Meiner Wahrnehmung nach steigt das Interesse von vielen, die ein direkter oder indirekter Teil des Systems Nachwuchszentrum sind, in Bezug auf die Sportpsychologie kontinuierlich, wenngleich in eher kleinen Schritten. Drei vorrangige Faktoren sind es, die aus meiner Sicht das Interesse an der Sportpsychologie maßgeblich beeinflussen. 

        Erstens die Persönlichkeit: Bin ich neugierig? Will ich als Mensch wachsen, mich weiterentwickeln? Bin ich bereit, Zeit zu investieren und mir auch mal einen Spiegel vorhalten zu lassen? Wie stark ist mein Bedürfnis ausgeprägt, mich besser kennenzulernen? Welche Impulse, Gedanken, Assoziationen steigen in mir allein beim Begriff Sportpsychologie auf und inwiefern lasse ich mich von diesen leiten? 

        Zweitens die Vorerfahrungen mit der Sportpsychologie bzw. Sportpsychologen. Schon der Erstkontakt und die ersten persönlichen Berührungspunkte mit der Sportpsychologie können darüber entscheiden, ob aus einer Neugierde heraus ein Interesse erwachsen kann. 

        Zu guter Letzt hängt das Interesse der im System Beteiligten maßgeblich von der inhaltlichen und menschlichen Qualität des Sportpsychologen ab: Inwiefern gelingt es mir als Sportpsychologe, auf menschlicher Ebene den Gegenüber zu erreichen und eine Beziehung aufzubauen? Quasi als Grundlage, um sich mit dem eingebrachten Thema intensiver auseinanderzusetzen? Inwiefern gelingt es mir, die zahlreichen Möglichkeiten sportpsychologischer Dienstleistungen und deren Mehrwert deutlich aufzuzeigen und den Gegenüber im Falle einer Beratung/eines Coachings für diesen spürbar in seiner Weiterentwicklung zu unterstützen?

        Trainer- und Spielerseite

        Auf Trainerseite nehme ich ein oftmals themenspezifisches Interesse wahr, insbesondere in Bezug auf die Gestaltung von Teamprozessen, den enorm komplexen Bereich der Menschen- und Teamführung sowie die Reflexion des eigenen Coachingverhaltens. Insgesamt ist mein Eindruck, dass vor allem die junge Trainergeneration der Sportpsychologie sehr offen gegenübersteht und auch den Mehrwert darin erkennt, entsprechende Maßnahmen regelmäßig in den Trainingsalltag zu integrieren. 

        Auf Spielerseite mache ich vermehrt die Erfahrung, dass neben Spielern, die gezielt an einem konkreten Thema arbeiten wollen, die Anzahl derer steigt, die im Sinne einer ganzheitlichen mentalen Weiterentwicklung den Wunsch nach einer langfristigen Zusammenarbeit äußern. Zudem scheint das Thema kognitives Training im Sinne einer Verbesserung der eigenen Exekutivfunktionen derzeit besonders en vogue zu sein.

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