Jürgen Walter: Das Wunder von Cluj und die Folgen

Auf das erste Oktoberwochenende werden noch über Jahre die Tischtennis-Insider zurückblicken und amüsiert mit dem Kopf schütteln. Denn trotz der Abwesenheit von Stars wie Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Petrissa Solja haben sowohl das Tischtennis-Frauen Nationalteam als auch die Herren-Auswahl den Europameisterschaftstitel gewonnen. Und dies mit den Sportlerinnen und Sportlern aus der zweiten Reihe. Das Sportradio Deutschland wollte es genau wissen und hat unseren Tischtennis-Experten Jürgen Walter interviewt.

Zum Thema: Mentale Stärke im Tischtennis

Für Walter geht der Erfolg auf die Spielfreude im deutschen Team zurück. Als Außenseiter in den Finals haben die Spielerinnen und Spieler wie Patrick Franziska oder Nina Mittelham mit Spaß und Hingabe für die Aufgabe agiert, was sportlich dann in dem für viele überraschenden Ergebnis gemündet sei, so der Experte.

Sportpsychologe Walter unterstrich im Gespräch mit Fabian von Wachsmann und Robin Hollstein vom Sportradio Deutschland, wie essentiell die mentale Ressource im Tischtennis ist. “Es geht darum, an die Platte zu gehen, und immer den nächsten Punkt machen zu wollen. Ganz unabhängig vom Ergebnis oder dem Spielverlauf. Wenn dir das als Spieler gelingt, bist du mental stark”, sagt Walter.

Wachablösung im deutschen Tischtennis?

Im Tischtennis gibt es noch viel Puffer nach oben. Walter sagt, dass aus seiner Erfahrung viele Spieler, selbst auf Weltspitzenniveau, glauben, mental stark zu sein, wenn es aber darauf ankommt nicht das auf die Platte bringen, was im Training möglich ist. Die Sorge vor dem Misserfolg überwiegt dann doch vor der Freude auf den Erfolg!

Im Interview kam noch ein spannender Punkt zur Sprache: Wie soll es jetzt in den deutschen Nationalmannschaften weitergehen? Ist mit dem Wunder von Cluj der Generationenwechsel unwiderruflich gestartet oder sollten bei den kommenden Weltmeisterschaften doch die bisherigen Stars wie Boll, Ovtcharov oder Solja den Vorzug erhalten? Und inwiefern ist es eine Verbandsaufgabe, einen solchen Prozess zu begleiten? Walter: “Aus meiner Sicht belebt Konkurrenz das Geschäft. Dieses Signal der jungen Spieler und Spielerinnen war überdeutlich und wird sicher von den arrivierten Kräften so aufgefasst. Ein Dimitrij Ovtcharov wird seinen Platz sicher nicht freiwillig abgeben, aber irgendwann wird der Punkt kommen. Dafür müssen alle Sportler in ihrer Karriere bereit sein.”  

Das Interview von Sportradio Deutschland in voller Länge:

Mehr zum Thema:

Aufrufe: 49

Print Friendly, PDF & Email
Jürgen Walterhttp://www.die-sportpsychologen.de/juergen-walter/

Sportarten: Badminton, Basketball, Billard, Boxen, Dressurreiten, Eishockey, Eiskunstlauf, Fechten, Fußball, Golf, Handball, Klettern, Kunstturnen, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Radfahren uvm.

Düsseldorf, Deutschland

+49 (0)211 698 96 99

E-Mail-Anfrage an j.walter@die-sportpsychologen.de