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Johanna Constantini: Die Erkrankung meines Papas bekommt so einen Sinn

Im September 2020 veröffentlicht Johanna Constantini im Seifert Verlag ihr Buch „Abseits – Aus der Sicht einer Tochter“. Es ist die Geschichte über die Demenzerkrankung ihres Vaters Didi Constantini, der als Fußballspieler zweimal die österreichische Meisterschaft feierte und später zu einem der bekanntesten Trainer der Alpenrepublik (u.a. österreichischer Teamchef, Bundesliga-Trainer bei Mainz 05, FC Tirol Innsbruck, Austria Wien, LASK, FC Superfund) wurde. Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, hat mit Johanna Constantini über das Buch, welches ab sofort vorzubestellen ist (Link), gesprochen:

Johanna Constantini, wie schwer ist es dir gefallen, die Demenzerkrankung deines Vaters als Gegenstand für ein Buch zu nehmen?

Die Demenzerkrankung als Gegenstand zu nehmen, um darauf ein Buch entstehen zu lassen, ist zwar was das eigene Niederschreiben von Erfahrungen angeht emotional, jedoch bringt es auch viel Erleichterung mit sich. Einerseits weil das Aufschreiben als Verarbeitung der Geschehnisse dient, andererseits weil ich so das Gefühl bekomme, die Erkrankung meines Papas und unser Umgang damit bekommen so einen Sinn. Eben, weil wir andere Betroffene erreichen und ihnen eventuell helfen können. Letzteres ist auch meine Absicht, weshalb ich meine Zeilen überhaupt verlegen lassen wollte.

Was ist die größte Überraschung, die die gemeinsame Arbeit an dem Buch hervorgebracht hat?

Überraschungen gab es während dieser Arbeit viele. Vor allem durch die Gespräche, die ich mit Papas Wegbegleitern geführt habe und durch meine eigenen Recherchearbeiten habe ich viel Neues über die Karriere meines Papas und auch seine persönliche Geschichte erfahren. Als Fußball-Laiin wie ich mich bezeichnen würde hatte ich auch als Tochter nicht in jede seiner Spieler- und Trainerstationen Einblick. (Abseits-Positionen kann ich aber im Übrigen und nicht zuletzt dank unzähligen Erklärungen durch Papa selbst erläutern :))

Didi und Johanna Constantini

Glaubst du, dass dieser Weg mit der Erkrankung deines Vaters dich in der Arbeit verändern wird – vielleicht sogar in deiner sportpsychologischen Arbeit?

Auf jeden Fall. So wie ich denke, dass ich mich mit all meinen Projekten und Tätigkeiten stets weiterentwickeln kann. Was die Sportpsychologie angeht, so verstehe ich diese seit jeher als Erweiterung der psychologischen Arbeit, die wiederum stets auf sehr ähnlichen Themen basiert. Auch im Sport geht es nicht vorrangig um die richtigen Atemübungen, sondern meines Erachtens nach ganz prinzipiell um den Erhalt der psychischen Gesundheit. Ich habe selbst noch keine Athleten erlebt, deren „Probleme“, mit denen sie zu mir gekommen, nicht auch aus dem Leben rühren. Ob familiäre Konflikte, Zukunftsängste, finanzielle Sorgen und dergleichen –  Der Sport und die Leistung bilden lediglich das sichtbare Resultat, weshalb es für Sportler überhaupt zu einer Zusammenarbeit kommt.

Speziell der Fußball ist ein Reservat für Alphatiere. Was kann der offene Umgang deines Vaters, dem früheren österreichischen Fußball-Nationaltrainers auf lange Sicht verändern? Und hat er vielleicht schon etwas verändert?

Ich denke, dass das Kundtun eigener körperlicher oder psychischer Leiden immer auch für andere als Beispiel dienen kann, um der Gesundheit mehr Wert beizumessen. In meinem Buch – von dem ich vor der Veröffentlichung im September 2020 noch keine weiteren Details preisgeben darf – geht es jedenfalls vielfach auch darum, was wir als Gesellschaft tun können, um Betroffenen ihr Leben mit einer Erkrankung zu erleichtern. Der Sport – vor allem der Fussball – zählt sich ebenso zu jener Gesellschaft und hat –  was die Akzeptanz von Erkrankungen angeht  – vielleicht sogar etwas mehr Aufholbedarf als andere.

Beschreib doch zum Abschluss den schönsten sportlichen Moment, den du mit deinem Vater teilst.

Davon gibt es sehr sehr viele. Ich muss sagen, dass ich mit meinem Papa nach wie vor sportliche Momente genieße. Wenn wir beispielsweise (und nicht wie momentan durch Corona davon abgehalten) gemeinsam ins Fussballstadion gehen, oder er mich zu meinen Pferden begleitet. Genauso, wie er mich schon früher begleitet hat. Mich bei Trainings für Marathonläufe angespornt oder mit mir Konditions- und Koordinationsübungen vor eigenen Reitturnieren gemacht hat. Sehr schöne Momente erlebe ich auch seit Kindertagen mit ihm gemeinsam bei seinen Kindercamps. Die bilden sicherlich sein berufliches Herzensprojekt und noch heute besuchen wir sie gemeinsam. 

Zur Vorbestellung: https://seifertverlag.at/liest/johanna-constantini-abseits/

Mehr Infos zum Buch: https://www.constantini.at/abseits/

Johanna Constantini

Sportarten: Pferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

Kontakt: j.constantini@die-sportpsychologen.at

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zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

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Dr. René Paasch: Nachspielzeit im Fußball

Wer über den Tellerrand Fußball schauen kann, der weiß, was für ein großes Kulturgut die Nachspielzeit ist. Wenn in anderen Sportarten die Uhr gnadenlos herunter tickt, eröffnet der Fußball in den Minuten nach dem Ende der “regulären” Spielzeit gern noch einmal die ganz große Theaterbühne. Eine herausfordernde Situation für die Schiedsrichter – Alex Feuerherdt, Ex-Referee und Ansprechpartner beim Fernsehsender n-tv zu Schiedsrichterfragen sagte dazu so schön: „Die Nachspielzeit ist der Tod des Schiedsrichters“. Aber auch für Trainer und Spieler ist das Extra an Spielzeit eine besondere Situation. Im Beitrag habe ich Tipps und Hinweise zusammengetragen, wie Trainer und Spieler sich und ihr Team optimal auf die Nachspielzeit vorbereiten können. Zuvor ein Ausflug ins Regelwerk und der Link zu einem TV-Beitrag, für den ich kürzlich interviewt wurde.

Zum Thema: Der Umgang mit der Nachspielzeit 

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Weitere Informationen
Sehr schöner TV-Beitrag von der Deutschen Welle zum Thema Nachspielzeit.

Zunächst einmal sollten wir uns das Regelwerk (DFB-Regeln Saison 19/20) zum Thema Spielzeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein wenig anschauen. Dieses unterscheidet zwischen „verlorener“ und „vergeudeter“ Spielzeit. Zur verlorenen Spielzeit, die zwingend nachgespielt werden muss, zählen Auswechslungen, Behandlungen verletzter Spieler oder sonstige nicht spieltypische Unterbrechungen, wie bspw. der Videobeweis. Die vergeudete Spielzeit hingegen besteht im Wesentlichen aus vorsätzlich herbeigeführten Verlängerungen von Spielunterbrechungen. Der Schiedsrichter hat abzuwägen, ob das für die Mannschaft, welche die Zeit vergeudet hat, vermutlich nachteilig sein wird. In diesem Zusammenhang gibt es ein immer wiederkehrendes Bild in der Fußball-Bundesliga wie auch in den Amateurklassen: Wenn Mannschaft A führt und Zeit schinden möchte, Mannschaft B jedoch zum regulären Spielende in Führung gegangen ist. Hier wäre es für Mannschaft B von Vorteil, wenn nicht nachgespielt wird. Verlorene und vergeudete Spielzeit können sich jedoch auch überlappen. Verlässt beispielsweise bei einer Auswechslung der Spieler den Platz nur sehr langsam, ist die Zeit, welche üblicherweise für eine Auswechslung anfällt, als verlorene Zeit nachzuspielen, während die zusätzliche Zeit als vergeudete Spielzeit zu werten ist.  

Hier nun aber einige konkreten Anregungen, wie Spieler und Trainer mit der Nachspielzeit umgehen könnten. 

Tipps und Hinweise für die Nachspielzeit 

  • Kommunikation nach innen und außen: Gerade in schwierigen Spielphasen kommt es darauf an, dass die Spieler erkennen und verstehen, was sie zu tun haben. Diese Inhalte müssen also bereits im Training klar kommuniziert und für alle Beteiligten verständlich vermitteln werden. Nur auf diese Weise kann mit der Zeit ein Lernprozess stattfinden, der im Idealfall zu einer besseren und erfolgreicheren Mannschaftsleistung führt. 

Mehr dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2020/01/dr-rene-paasch-kommunikation-bei-nachlassender-leistungsfaehigkeit/ 

  • Emotionale Kompetenz von Trainern: Die einen lassen ihren Gefühlen freien Lauf, andere verbergen sie lieber. In der Nachspielzeit ist es besonders wichtig, dass der Trainer seine Gefühle kontrollieren kann. Denn Trainer mit stabilen Emotionen sind optimistischer, gelassener und erreichen ihre Spieler zu jederzeit auch in hitzigen Phasen des Spiels: 

Mehr dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/dr-rene-paasch-emotionale-kompetenz-im-fussball/

  • Achtsamkeit in herausfordenden Situationen: Da ein effektiver Umgang mit eigenen Emotionen und Gedanken eine Voraussetzung für Leistungen ist, liegt eine Auseinandersetzung damit auf der Hand. Um die Nachspielzeit erfolgreich zu überstehen, sollte man diese Situation bewusst wahrnehmen und wertfrei sehen und handeln trotz hektischer letzter Minuten vor Abpfiff. 

Mehr dazu:  https://www.die-sportpsychologen.de/2016/09/dr-rene-paasch-der-trend-zur-achtsamkeit/

  • Sportpsychologen on board: Wie allgegenwärtig im Fußball bekannt, zählen nur die eingefahrenen Erfolge. Man kommt schnell zur Erkenntnis, was zum Erreichen dieses Zieles nie fehlen darf: Die individuelle und kollektive Mentalität! 

Mehr dazu:  https://www.die-sportpsychologen.de/2019/03/dr-rene-paasch-mentalitaetstrainer-im-fussball-ein-job-mit-grosser-zukunft/

  • Mental Toughness: Die Mental Toughness oder auch bekannt als Mentale Stärke, ist für alle Beteiligten auf und neben dem Feld besonders wichtig. Gerade während kritischer Ereignisse und herausfordernden bzw. belastenden Situationen. Wie Sie diese verbessern können, finden Sie hier:

Mehr dazu hier: https://www.die-sportpsychologen.de/2019/12/dr-rene-paasch-mental-toughness-im-sport/

Dr. René Paasch

Sportarten: Fußball, Segeln, Schwimmen, Handball, Hockey, Eishockey, Tennis

Kontakt

+49 (0)177 465 84 19

r.paasch@die-sportpsychologen.de

Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Fazit

Kommunikation, achtsames Verhalten, Gefühlssteuerung, Mentale Stärke und Mentalitätstraining sind aus meiner Erfahrung heraus das Mittel, dass am häufigsten in schwierigen Spielphasen Unterstützung bieten kann. Vor dem Hintergrund, dass die oben genannten Empfehlungen nur zu Teilen genetisch festgelegt sind, lohnt es sich, sich damit auseinanderzusetzen. Denn kleinste Verbesserungen durch psychologische Fertigkeiten entscheiden oft über Erfolg und Misserfolg und leisten einen besonderen Beitrag für die Gesundheitsförderung.   

Mehr zum Thema:

Literatur 

Heinz, K., Heidenreich, T., & Brand, R. (2012): Entwicklung und Effektüberprüfung eines achtsamkeitsbasierten sportpsychologischen Trainings zur Aufmerksamkeits- und Emotionsregulation. In J. Fischer (Ed.), BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2010/11 (pp. 235-238). Bonn: Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Lavric, E. & Steiner, J. (2011): Wenn er die Sprache kann, spielt er gleich besser – 11 Thesen zur Mehrsprachigkeit im Fußball.

https://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/204324-regeln.pdf

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Corona und der Sport – Was bleibt nach dem Schock?

Ob Sportler oder Nichtsportler – am Anfang der Corona-Krise stand für alle der Schock! Etwas bisher nicht Erlebtes traf uns alle urplötzlich und mit voller Wucht. Die Gewöhnungszeit an den notwendig gewordenen Lockdown war kurz, die Anpassungen stellten viele auf die Probe. Der erste Schock sass tief. Hinzu kamen Niedergeschlagenheit, Frust und Orientierungslosigkeit. Das soziale Leben endete vor geschlossenen Restaurants und zugesperrten Rundbahnen. Stattdessen machte «social distancing» die Runde. Praktisch die gesamte Sportwelt kam weltweit und innert weniger Tage zum Stillstand. Auch alle Laufsportveranstaltungen wie der normalerweise Mitte Mai stattfindende Rennsteiglauf wurden jäh ausgebremst. Wie weiter mit dem sportlichen Lockdown für Massenveranstaltungen verfahren wird, bleibt abzuwarten. Einigen, den von mir betreuten Athleten habe ich geraten: „Durchatmen, runterfahren und loslassen.“ Andere habe ich versucht, auf ganz neue Ideen zu bringen. 

Zum Thema: Der Umgang von Sportlern mit der Corona-Pandemie

Der Lockdown traf alle Sportbegeisterten hart, am härtesten wohl den professionellen Sport, wo Existenzsorgen und die Ungewissheit über die Fortsetzung der Karriere belastend hinzukommen. Mit der Verschiebung der Olympischen Spiele landeten über Jahre akribisch erstellte und diszipliniert umgesetzte Trainings- und Vorbereitungspläne im Müll – Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit und Tristesse machten sich in der Szene breit. Brutal, knallhart und niederschmetternd – so bezeichneten viele SportlerInnen ihr Erleben dieser Zäsur.

Zutiefst betroffen zeigte sich aber auch jene ambitionierte Ultra-Langstreckenläuferin, die in den letzten Monaten bei mir um sportpsychologische Beratung nachsuchte, um am diesjährigen Marathon des Sables teilzunehmen. Wehmütig musste auch sie erstmals zur Kenntnis nehmen, dass „Durchatmen, Akzeptieren und sich etwas Zeit und Ruhe gönnen“ die sinnvollste Akut-Strategie war. Die Traurigkeit und Orientierungslosigkeit machten auch ihr zu schaffen. Nun war sportpsychologischer Rat in ganz anderer Form und mit vollständig veränderter Optik gefragt.

Die Sportpsychologie kann helfen – aber wie?

Geraten Menschen in einen Gemütszustand akuter Leere und Verzweiflung, versuche ich als Sportpsychologie sie darin zu unterstützen, ihre starken Gefühle wie Trauer, Wut und depressive Verstimmtheit zuzulassen. Die SportlerInnenseele braucht Zeit und Zuspruch, um diesen Schmerz zu überwinden. Indes, loslassen können und sich von einem geplanten Weg zu verabschieden scheint vielen SportlerInnen Mühe zu bereiten. Andererseits profitieren sie von ihrer jahrelang antrainierten Widerstandskraft. Sie sind resilient und schöpfen auch aus Rückschlägen schnell wieder Kraft. Gelingt es, dieser Mischung eine Prise Kreativiät einzuhauchen, ist der Turnaround schon bedeutend näher. 

Eine Pauschallösung für die sportlich erfolgreiche Überwindung der individuellen Corona-Krise gibt es aber auch Sicht der Angewandten Sportpsychologie nicht! Es sind stimmige, individuell passende – nämlich die besonderen Ressourcen der AthletInnen berücksichtigende – Lösungsansätze, die jetzt von entscheidender Bedeutung sind.

Dr. Hanspeter Gubelmann beim Swiss Alpine Marathon (links) und beim „Karriereende“ als Marathonläufer im Zieleinlauf 2014 am Lucerne Marathon (rechts), Bild: privat

Der Eiserne will nicht das, was die Fitnessbwusste tut!

In einer von der Ironman-Szene vielbeachteten Studie beschrieb der Zürcher Sozialforscher Jürg Schmid (1993) die unterschiedlichen Athleten-„Typen“, welche die Ultra-Ausdauerwelt bevölkern. Dabei bedingen individuell-unterschiedliche Motiv- und Tätigkeitskonstellationen Art und Ausmass des sportlichen Engagements. Was könnte also einem „eisernen“ Extremsportler, der seine Passion im Überwinden besonders harter Prüfungen auslebt, in Zeiten von Corona mitgegeben werden? Vielleicht die Idee, es mit einem Ausflug in die Welt des Streakrunnings zu versuchen! Fitnessbewusste Läuferinnen würden ihre Präferenzen vielleicht – neu oder zusätzlich zu ihrem bisherigen Training – in alternativen Trainingsformen wie Inline-Skating suchen, wogegen erlebnisorientierte LangstrecklerInnen besonderes Augenmerk auf achtsames Laufen legen könnten, um so vermehrt in einen Flow-Zustand zu gelangen. Eben, als Sportpsychologe achte ich zuallererst auf das Gegenüber mit seinen individuell-situativen und psychologischen Voraussetzungen, um anschliessend jene Ressourcen nutzbar zu machen, die die Laufmaschine auch psychisch wieder in Gang kriegen.

Dr. Hanspeter Gubelmann

Dr. Hanspeter Gubelmann

Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

Kontakt:

+41 (0)79 789 45 13

h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch

Mehr Infos: Zur Profilseite, zum Kompetenzzentrum mind2win.ch

Die Experten sind sich einig: Regelmässiges Training hilft in diesen anspruchsvollen Zeiten, den ursprünglich erlebten Kontrollverlust zu verringern. Das regelmässige Training lässt uns auf andere Gedanken kommen, die erwiesenermassen antidepressive Wirkung eines Ausdauertrainings hellt unsere Stimmung auf. In Zusammenhang mit ersten Lockerungsmassnahmen dürften vermehrte soziale Kontakte dazu beitragen, in einem strukturierteren Tagesablauf wieder mehr Sicherheit und Zuversicht zu erlangen. Andererseits zeigt sich in dieser Krisenzeit aber auch sehr deutlich, dass weniger anpassungsfähige und vulnerable Menschen mit geringem sozialen Rückhalt häufiger unter depressiven Episoden leiden. Warnsignale sind überdauernde Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Rückzug in die soziale Isolation. Wer länger als zwei Wochen schwerwiegend an diesen Symptomen leidet, sollte um fachliche Unterstützung nachfragen. An verschiedenen (regionalen) Institutionen werden niederschwellige Beratungsdienstleistungen (z.B. Hotlines) angeboten. Das trinationale Netzwerk www.die-sportpsychologen.de stellt ein Expertengremium zur Verfügung, das auch im sportspezifischen Kontext Hilfesuchenden zur Seite stehen kann. Mehr Infos: Link zur Corona-Übersichtsseite

Not macht erfinderisch!

Für mich machten die vergangenen Wochen noch einmal deutlich, wie kreativ, motiviert und geradezu agil viele SportlerInnen mit den Widrigkeiten umgegangen sind. So realisierte der Schweizer Elite-Orientierungsläufer Matthias Kyburz eine Indoor 50km-Weltbestleistung (2:56,35) auf dem Laufband (https://www.srf.ch/sport/mehr-sport/orientierungslauf/dank-willensleistung-unter-3h-50-km-auf-dem-laufband-kyburz-schafft-den-weltrekord). Ironman-Hawaiisieger Jan Frodeno meisterte im Rahmen seines Spenden-Home-Ironmans  (https://www.youtube.com/watch?v=tyWUOapsdbwdie) die Triathlon Langdistanz in fabelhaften 8:33 Stunden. Aber auch für HobbyläuferInnen finden sich tolle Angebote. Als Ersatz für das Original-Rennsteig-Erlebnis absolviert man mit RENNSTEIGLÄUFER@HOME den Traditionslauf quasi vor der eigenen Haustüre (https://www.rennsteiglauf.de/aktionen/rennsteiglaeuferathome/). 

Natürlich fehlt dabei das aufmunternde Anfeuern an der Strecke und die einzigartig-familiäre Rennsteigstimmung oder eben jene Atmosphäre, die bestimmte Veranstaltungen für SportlerInnen so besonders machen. Viele finden in diesem Angebot aber auch die Motivation, ihre Früchte des bisher investierten Trainings trotzdem zu ernten! 

Laufen im Freien schützt vor Corona

Der psychophysische Nutzen von Ausdauerbelastungen ist hinlänglich bekannt. Sportliche Betätigung in Zeiten des Corona-Lockdowns ist wichtig, sowohl für den in Quarantäne ruhiggestellten Körper als auch für den unruhigen Geist. Neue Studien belegen, dass es sich bei Covid-19 auch um eine systematische Gefässerkrankung handelt. Auch deshalb raten Mediziner wie Psychologen, unter Einhaltung der bekannten Hygiene-Regeln, sich viel und ausdauernd an der frischen Luft zu bewegen!

Hinweis: Der Text von Dr. Hanspeter Gubelmann ist am 10. Juni 2020 in der Zeitschrift Ultramarathon erschienen.

Mehr zum Thema:

Literatur:

Schmid, J. (1993). Arbeit, Persönlichkeit, Motivation und Engagement für Ausdauersport. Eine empirische Typologie von Triathletinnen und Triathleten [Work, personality, motivation, and commitment to endurance sports: an empirical typology of triathletes]. Zürich: Gesellschaft zur Förderung der Sportwissenschaften an der ETH Zürich. 

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Stephan Brauner: Wenn Tennisspieler nicht am schwächeren Gegner scheitern, sondern an sich selbst

Nach einigen Jahren haben wir mal wieder die Schläger gekreuzt und es war ein schönes Wiedersehen. Darüber hinaus war es sportpsychologisch so interessant, dass ich gerne darüber berichten möchte. Vor kurzem spielte ich mit einem alten Freund und ehemaligen Mannschaftskollegen eine Partie Tennis. Er etwas jünger, technisch stärker, fit und schnell auf den Beinen. 

Zum Thema: Fehlertoleranz im Tennis

Nachdem ich mich zunächst noch wehren und meine Aufschlagspiele halten konnte, war es irgendwann soweit und ich kassierte verdient das erste Break. Im nächsten Spiel führte mein Gegner bei eigenem Aufschlag schnell 40 – 15 und dominierte die Ballwechsel. Auch im nächsten Ballwechsel schickte er mich hin und her über den Platz. Aus der tiefen Vorhandecke konnte ich schließlich noch zuschauen, wie er den Ball aus dem Halbfeld nur noch longline versenken musste, um das Aufschlagspiel für sich zu entscheiden. Er stand gut zum Ball, traf den Ball sauber und schlug den Ball mit viel Tempo – einen Fingerbreit neben die seitliche Auslinie. 

(Gut, als Tennistrainer hätte man nun auch diskutieren können, ob dies der richtige Ball für die Situation war und ob nicht auch eine noch sicherere Variante gereicht hätte. Ich stand immerhin geschlagen in der anderen Ecke des Platzes. Aber in der Regel klappt dieser Schlag in 99 von 100 Fällen und an einem automatisierten Bewegungsablauf etwas zu ändern, ist auch immer ein Risiko.)

Negativspirale

Dann nahmen die Dinge ihren Lauf. Ohne selbst viel besser zu spielen, konnte ich das Spiel noch drehen. Immer wieder ergaben sich ähnliche Situationen, in denen mein Gegner vermeintlich einfache Bälle vergab. Und er begann sich zusehends darüber aufzuregen. „Immer vergebe ich die besten Chancen …“, „Nie gewinne ich die leichten Punkte.“ Die Körpersprache veränderte sich, seine Zuversicht, das Spiel zu gewinnen schwand und der Druck seiner Grundschläge wurde auch weniger, so dass ich wieder besser zum Ball stehen konnte. Vor allem dann, wenn er sich eine gute Ausgangsposition erarbeitet hatte, wurde der Arm schwer und schwerer. In diesem Satz gab ich kein Spiel mehr ab und konnte auch den zweiten Satz sicher gewinnen. Gegen einen Spieler, der eigentlich besser war.

Nach dem Spiel haben wir über die Situation und den Knackpunkt in diesem Match gesprochen. Und über seine Gedanken und die Inneren Dialoge. Denn hier liegt ein Schlüssel für die konstruktive Verarbeitung von Fehlern. Denn eines ist klar: Fehler zu vermeiden, ist nicht die Lösung, denn das ist unmöglich. Es ist entscheidend, die Fehler zu akzeptieren und weiterzumachen. Sein Gedanke war: „Schon wieder! Ich kann es einfach nicht. Ich bin zu doof.“ Und mit jeder Situation wurde es schlimmer. Es ist ein Fehler, sich von einem Fehler herunterziehen zu lassen.

Den Faden verlieren

Es stellte sich heraus, dass er schon des Öfteren Matches aus der Hand gegeben hatte, die er eigentlich hätte gewinnen müssen. Jedes Mal hatte er nach einem vermeintlichen Fehler den Faden verloren. Die Beispiele fielen ihm auch sofort ein. Das Problem war also benannt, aber noch lange nicht gelöst. 

Stephan Brauner

Sportpsychologe aus Bergisch Gladbach

Sportarten: Volleyball, Beachvolleyball, Tennis, Fußball, Golf

Kontakt:

+49 (0)2204 5049280

+49 (0)172 6964039

E-Mail:
s.brauner@die-sportpsychologen.de

Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/stephan-brauner/

Auf der sportpsychologischen Couch, die in diesem Fall die Terrasse vom Clubhaus war, haben wir alternative Bewertungen der Situation entwickelt. Etwa: „Ein ärgerlicher Fehler. Egal, das passiert den Besten. Weiter geht’s.“, oder „Diese Chance muss man sich erst mal erspielen. Ich bin gut drauf heute. Der nächste Winner sitzt wieder im Eck!“ In meinem Verständnis ist es hilfreich, verschiedene Gedanken und damit einhergehende Selbstbewertungen durchzuspielen und auf ihre Auswirkungen zu überprüfen. Wie würde es weitergehen mit diesem Satz im Kopf? Glaube ich mir das? Passt der Satz zu mir? Und dann kann man daran gehen, einen Satz auszuwählen und ein neues Selbstgesprächsmuster zu etablieren.

Muster des Gelingens

Und da wir schon mal auf der Couch waren, haben wir auch gleich weitergearbeitet. Wir haben nach einem „Muster des Gelingens“ gefahndet. Also eine sehr ähnliche Situation, in der es mal anders gelaufen ist. Die Erinnerung an weitere ungünstig verlaufene Situationen ging ja zuvor ganz von selbst. Um ein Beispiel zu finden, wo es ihm gelang, nach einem leichten Fehler die Situation abzuhaken und erfolgreich weiterzuspielen, war schon etwas aufwendiger. Aber wir fahndeten erfolgreich und er konnte die Situation lebhaft wieder in Erinnerung rufen. Das gute ist: Wenn man einmal eine Kompetenz besitzt und vielleicht sogar gezeigt hat – in diesem Fall das Abhaken von Fehlern -, dann trägt man diese Kompetenz in sich. Die wird man nicht wieder los, selbst wenn man nicht immer sofort und bewusst darauf zugreifen kann. Wir haben noch an einer Erinnerungshilfe für seine Fehlertoleranz gearbeitet, um diese in der nächsten Situation zuverlässig abrufen zu können. Denn der nächste vermeintlich leichte Fehler kommt bestimmt.

Unsere Aufgabe ist es, einen ganz bestimmten Fehler zu vermeiden. Nämlich den Fehler, mit dem Fehler ungünstig umzugehen und uns (noch) weiter herunterziehen zu lassen. Auf unser nächstes Match freu ich mich schon sehr. Ich kann jedenfalls nur gewinnen. Entweder wirkt das sportpsychologische Coaching oder ich gewinne auch beim nächsten Mal wieder gegen den besseren Spieler.

Mehr zum Thema:

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Sechs Jahre „Die Sportpsychologen“ – ein Grund zum Feiern?!

Am 2. Juni 2014 traten wir „an die Startlinie“. Die Seite www.die-sportpsychologen.de ging online und das kurz vor einer Fußball-Weltmeisterschaft. Die Sportwelt schaute nach Brasilien. Weltmeister wurde dort zum vierten Mal Deutschland. Das Halbfinale zwischen Brasilien und Deutschland am 8. Juli 2014 (gut einen Monat nach der Gründung unserer Homepage) ist längst Sportgeschichte. Unvergessen wie der amtierende Rekordweltmeister Brasilien gegen das deutsche Team mit 1:7 dramatisch unterging. Wir schauten auf und freuten uns mit dem DFB-Sportpsychologen Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann und wunderten uns über ZDF-Reporter Bela Rethy, der nicht im Ansatz erklären konnte, was da vor sich ging.

Zum Thema: Wie aus einer unrealistischen Idee eine Projekt mit Zukunft wurde

Wir waren damals gerade geboren. Und wir mischten uns schon früh ein. Mit Meinungen und Analysen zu Fakten. Wir interpretierten mit der „Sportpsychologenbrille aus der Praxis“. Und das nicht im Geheimen und in Fachzeitschriften, die eigentlich nur wissenschaftlich orientierte Kolleginnen und Kollegen lesen, sondern wir gingen damit in die Öffentlichkeit.  Zu Beginn machten wir uns mit dieser „Strategie“ nicht gerade überall Freunde. Die Sportpsychologie in Deutschland fand damals eher im Verborgenen statt. Niemand in der Bevölkerung, der sich nicht wirklich intensiv mit diesem Fachgebiet beschäftigte, wusste damals um dieses Berufsfeld. „Psychologie ist eben Sigmund Freud und die rote Couch und die hat nichts mit Leistungssport zu tun“. Das waren Meinungen, die ich damals mehr als nur einmal hörte. Genau diese Meinungen inspirierten uns später zur Einführung einer Veranstaltung, die wir mittlerweile mehrmals durchführten, nämlich „Die Rote Couch – das Sportpsychologie-Barcamp“. Wir nutzten dieses „Bild“ – metaphorisch – um zu provozieren und neugierig zu machen. Auch wenn sich nicht all diese Veranstaltungen finanziell letztendlich trugen, so waren sie ein wichtiger Meilenstein in unserer Entwicklung.  

https://www.instagram.com/p/CA7ui9OhLmV/

Wir kümmerten uns nicht immer nur um Fußball. Dennoch müssen wir zugeben, dass sich diese Sportart in unseren Blogs und Leitartikeln überproportional finden lässt. Wir gestehen: „Ja, wir suchten gerade zu Beginn „Reichweite“! Und die bekamen wir natürlich im deutschsprachigen Bereich mit diesem Sportspiel.” Mit den gerufenen Geistern kämpfe ich bis heute. Mit mutet es grotesk an, dass gerade ich seit Wochen in den Medien über Themen wie „Geisterspiele“ und den „Heimvorteil“ aus sportpsychologischer Perspektive Stellung nehmen soll (zuletzt sogar einmal quer über den Atlantik für USA today) – und das obwohl Fußball für mich lediglich ein Sportspiel ist. Kein uninteressantes, aber eben für mich nur ein Sportspiel. Und ja, wir haben natürlich leidenschaftliche Kolleginnen und Kollegen in unserem Netzwerk, die diesen Sport in Verbindung mit Psychologie nicht nur lieben, sondern leben. Fußball – des Deutschen liebste Sportart erlebt gerade eine Katharsis – vielleicht sogar eine Wiedergeburt in einem anderen Licht. Damals wie heute, waren und sind wir dabei – immer mit der Sportpsychologen-Brille auf.

Die dunklen Seiten

Aber auch die dunklen Seiten des Leistungssports waren Themen. Depression und Psychopathologie, sexualisierte Gewalt im Sport, Leistungssportkarrieren, die enden mussten, mit allen Konsequenzen, Laufsucht und Essstörungen – wir haben uns nicht weggeduckt. Wir haben informiert, Wissen vermittelt und auch Stellung bezogen. Die sogenannten „Randsportarten“ waren immer Thema! Egal ob Radrennsport, Eishockey, Basketball, Volleyball, American Football, Tischtennis oder Floorball. Wir waren interessiert – vor allen Dingen für die mentale Seite. Ob Leichtathletik, Streakrunning, Wellenreiten, Fechten, Schach oder Gerätturnen – wir wollten es wissen! Warum macht jemand so etwas? Was macht es besonders? Was können andere davon lernen? Und wir haben Euch informiert.

Prof. Dr. Oliver Stoll

Sportarten: Eishockey, Handball, Ultralang- und Langstreckenlauf, Triathlon, Biathlon, Wasserspringen, Boxen, Leichtathletik, Schwimmen, Floorball

Kontakt:

Facebook-Profil

+49 (0)173 – 4649267

zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/oliver-stoll/

Berufspolitisch haben wir uns auch eingemischt. Wir haben aufgeklärt, wie Sportpsychologie im Leistungssportsystem funktioniert. Wir diskutierten über Studiengänge, Aus- und Weiterbildungen und wir beleuchteten das Thema „Mentaltrainer“ – nicht nur in Deutschland, sondern auch aus Sicht der Schweiz und aus Österreich. Auch diesem Thema haben wir uns gestellt.

Einblick und Ausblick

Wie kam es eigentlich dazu? Einen Menschen muss man in diesem Zusammenhang besonders herausstellen, nämlich Mathias Liebing, der Chefredakteur und die kreative Seele im Hintergrund. Er war es damals, der im Rahmen einer Lehrveranstaltung meines Master-Studiengangs Angewandte Sportpsychologie mit der Idee um die Ecke, eine solche Plattform hochzuziehen. Ich war damals mehr als nur skeptisch, ob das funktioniert. Er war es, der die Idee der „Roten Couch“ in die Praxis umsetzte und auch er war es, der die mittlerweile stattfindenden Super- und Intervisions-Sitzungen im Netzwerk schon sehr früh thematisierte. Und heute zum Geburtstag, lieber Mathias, ziehe ich vor Dir meinen Hut, vor deiner Kreativität und deinem Mut. Es sollte eine Plattform für die jungen Kolleginnen und Kollegen werden, die „frisch aus der Uni kommend“ eine mediale Heimat finden sollten, flankiert von einigen „alten Hasen“ und deren Erfahrung. Geworden ist es das und noch viel mehr, da wir schnell mehr und mehr Kollegen und Kolleginnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Grundidee begeistern konnten: Wissenstransfer, Transparenz und Vernetzung. “Ich denke, das hat funktioniert“. Mir bleibt am Schluss eigentlich nichts anderes als den Post zu zitieren, den ich via Facebook von unserer Geschäfts-Homepage zum Geburtstag von www.die-sportpsychologen.de  gepostet habe:

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Weitere Informationen

„Die Menschen, die dieses Netzwerk miteinander teilen, die sind es, die uns helfen unser Fach, unseren Beruf nach vorn zu denken! Sechs Jahre wird es heute alt. Wir kommen in die Grundschule. Herausgewachsen sind wir aus den Baby-Schuhen, mit großen Augen durch die Sportpsychologie-Welt gelaufen, hingefallen, Mund abgewischt, Krone gerichtet und weiter gemacht. Entstanden aus einer fixen, zunächst unrealistischen Idee haben wir uns auf den Weg gemacht, um uns um Wissensvermittlung, Transparenz und Austausch zu bemühen. Entstanden sind Unternehmen, wie dieses hier (also „Prof. Dr. Oliver Soll – Sportpsychologische Beratung“ oder „Mind2Win“ , und viele Freundschaften, die weit über ein reines, kollegiales Miteinander hinausgehen. Prost und Glückwunsch!“

Mitmachen

Die Sportpsychologen ist ein Experten-Netzwerk für Sportpsychologen und gut ausgebildete Mentaltrainer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Mittelpunkt steht die Plattform www.die-sportpsychologen.de sowie die dazugehörigen Social Media-Kanäle, die sich an Sportler, Trainer, Funktionäre, Unternehmer und Journalisten richten. Ziel ist es, sportpsychologisches Wissen für die Praxis zu übersetzen und gleichzeitig Kontakte zwischen Sportpsychologen und Vereinen, Verbänden und Veranstaltern (Vorträge, Seminare, Kongresse, Weiterbildungen) herzustellen. Darüber hinaus veranstalten Die Sportpsychologen Events wie „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ und bieten für Vereine und Verbände Weiterbildungen und Workshops an. Intern kommen die Profilinhaber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz regelmäßig zu Online-Supervisionen/Intervisionen zusammen. Über die Profilseiten, die als Visitenkarte im Netz aufgebaut ist, können die Sportpsychologen zudem eigene Produkte, Vorträge und Workshops platzieren.

Mehr zum Thema:

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Anne Lenz: Auf ein Motivationsloch vorbereitet sein

Motivationsschwankungen im alltäglichen Training sind durchaus normal und keine Seltenheit. Diesen Aspekt zu akzeptieren und auch bei kurzen Motivationstiefs nicht alles gleich in Frage zu stellen, ist ein wichtiger Bestandteil, um ein Motivationsloch nicht größer erscheinen zu lassen, als es vielleicht ist. Der zweite Punkt ist eine gute Vorbereitung auf solche Phasen im Trainingsalltag. Ohne Ziel, keine Motivation. Dementsprechend sollte der Sportler ein konkretes sportliches Ziel bereits für sich formuliert haben. Dabei ist es egal, in welcher zeitlichen Entfernung das individuelle Ziel liegt. 

Zum Thema: Das Sportpsychologische Tool Motivationshand

Dieser praxisnahe Blogbeitrag stellt ein sportpsychologisches Tool vor, welches während eines Motivationslochs genutzt werden kann, um selbständig diese Phase zu verkürzen. Bevor es zum eigentlichen Tool geht, sollte ein grundlegendes Ziel vorliegen, welches sich mit Hilfe des SMART-Prinzips auf seine Anwendbarkeit kontrollieren lässt.

Ist die Zielformulierung:

  • spezifisch? (Wurde mein Ziel von mir so konkret wie möglich formuliert?)
  • messbar? (Wie werde ich wissen, wann mein Ziel erreicht ist?, z.B. Erreichen eines Gipfelkreuzes, Erreichen einer Bestzeit)
  • ambitioniert? (Ist das Ziel für meine Leistungsniveau herausfordernd?)
  • realistisch? (Ist das Ziel für mein Leistungsniveau in der Realität möglich?)
  • terminiert? (Bis wann soll mein Ziel umgesetzt werden?)

Darüber hinaus sollten alle Ziele stets POSITIV formuliert werden. 

Fiktives Beispiel

Am 18.04.2021 werde ich beim Hannover-Marathon (42km) mit einer Zeit von unter fünf Stunden das Ziel laufend erreichen. 

Jetzt geht’s los! Nach dieser konkreten Zielsetzung werden die Umrisse der eigenen Hand (möglich auch des eigenen Fußes z.B. bei Fußballern oder Läufern) auf ein weißes Blatt Papier gemalt. In die Mitte der Hand schreibt der Sportler sein SMARTEs Ziel. In die fünf Finger werden Motivationsstützen ergänzt, mit denen sich der Sportler für dieses spezifische Ziel motiviert. Diese Motivationsstützen können ganz individuell und vielfältig sein:

  • Bilder
  • Sätze
  • Personen
  • Musik
  • Vorbilder
  • Videos
  • bereits erreichte Erfolge
  • bestimmte Trainingsinhalte/-methoden
  • sportliches Material

Fiktives Beispiel: 

Tipps und Tricks

Am Ende kann der Finger (z.B. mit einem Ring oder einem Symbol) markiert werden, der die wichtigste Motivationsstütze für den Sportler darstellt. Wichtig ist im Anschluss, dass sich der Sportler diese Hand verinnerlicht. Dazu kann die Hand an wichtigen Orten der Wohnung oder der Trainingsstätte Platz finden. Der Sportler sollte sich diese Hand auch vorstellen. also visualisieren. können – und wer es mag, kann die Notizen sogar eine zeitlang oder in bestimmten Momenten auf die eigene Hand übertragen. Hintergrund: Der Sportler sollte wissen, dass er seine Hand und somit seine Motivationsstützen jederzeit dabei hat. 

Natürlich ist die Erarbeitung der persönlichen Motivationsstützen in erfolgreichen Trainingsphasen einfacher durchzuführen, als in bereits erreichten Motivationslöchern. Zudem ist die Motivationshand einfacher anzuwenden, wenn der Sportler seine Stützen bereits angenommen und sich eingeprägt hat. Dementsprechend leichter und schneller ist eine funktionale Reaktion auf ein kurzes Motivationsloch. 

Anne Lenz

Sportarten: alle, inklusive E-Sports

Kontakt:

+49 (0)1577 64 69 872

a.lenz@die-sportpsychologen.de

Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/anne-lenz/

Hinweis und Feedback

Dieses vorgestellte Tool bezieht sich auf KURZFRISTIGE Motivationslöcher in Trainingsphasen. 

Das Tool funktioniert nicht? Ein langanhaltendes Motivationstief kann andere Gründe haben und somit nicht mit einfachen Motivationsstützen reguliert werden. Ursächlich für einen langfristigen Motivationsverlust kann bereits eine nicht adäquate Zielsetzung sein. Oder auch Konflikte im Sportsystem, es können auch ganz individuelle Faktoren des Sportlers eine Rolle spielen… Meine Kollegen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Anne Lenz) beraten Sie auf alle Fälle gern!

Mehr zum Thema:

Literatur: 

Engbert, K. (2011). Mentales Training im Leistungssport. Ein Übungsbuch für den Schüler- und Jugendbereich. Stuttgart: Neuer Sportverlag.

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Cristina Baldasarre: Ein Warnsignal der Schweizer Fussballer?

Die Schweizer Fussballwelt ist geteilt: Soll die Meisterschaft nun fertig gespielt werden oder nicht? Vielleicht sogar mit Zuschauern? Am Freitag, den 29. Mai, werden wir es wissen, wenn die Schweizer Fussball League ihren Entscheid bekannt gibt. Die Frage steht nun aber im Raum, ob die Fussballer das überhaupt wollen? Denn gemäss einer Umfrage der Spielergewerkschaft sind zwei Drittel der 140 befragten Spieler für einen Abbruch der Meisterschaft. Bis dahin gilt es, die mentalen Verfassungen der Spieler im Auge zu behalten und – wenn immer möglich – kreativ darauf einzugehen.

Zum Thema: Angst und Druck vor dem Re-Start der Schweizer Fussball League

Welche mentalen Belastungen bei der Wiederaufnahme der Meisterschaft auf die Spieler warten, wurde ich vom SRF gefragt. Den Beitrag haben wir hier eingebunden – ein Klick genügt, um das Stück zu hören:

SRF-Beitrag mit Cristina Baldasarre

Grundsätzlich gilt: Schon seit Wiederaufnahme des Trainings, was unter strengen Schutzmassnahmen und Auflagen erfolgte, sehen sich Spieler mit Ängsten und Herausforderungen konfrontiert, mit denen sie einen neuen Umgang finden müssen. Das Votum der Spieler zugunsten eines Saisonabbruchs kann als Warnsignal verstanden werden.

Cristina Baldasarre

Sportarten: Kunstturnen, Eiskunstlaufen, Synchronschwimmen, Tanz, Unihockey, Fussball, Eishockey, Judo, Tennis, Bogenschiessen, Springreiten, Schiedsrichter und Trainer, Sporteltern

Kontakt:

+41 79 434 09 57

c.baldasarre@die-sportpsychologen.ch

Mehr Infos: Zur Profilseite, zum Kompetenzzentrum mind2win.ch

Kreative Wege in Dänemark

Gefordert sind die Vereine auch über den adäquaten Umgang mit den Sorgen und Ängsten der Spieler hinaus: Meine spontane Idee, bei Geisterspielen Zuschauer per Zoom auf die Grossleinwände zuzuschalten, um so wenigstens etwas Stimmung und Jubel zu erzeugen, wird in Dänemark bereits realisiert. Ohne mein Zutun, übrigens. Offensichtlich hatte ich den Gedanken nicht exklusiv – :). In jedem Fall wurde ein kreativer Weg gefunden: Bei Aarhus GF können Fans im Stadion live dabei sein, indem sie per Video zugeschaltet werden. Dazu wurden 22 Leinwände auf der Tribüne installiert. Die Fans, übrigens auch die Gäste-Supporter, buchen sich quasi ihren virtuellen Sitzplatz und werden für die Spieler sichtbar.

Mehr zum Thema:

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Cristina Baldasarre und Dr. Hanspeter Gubelmann: Elterncoaching 4.0 – alte Entwicklungsaufgaben und neue Herausforderungen im Trend der sozialen Medien

An Himmelfahrt treffen sich Sportwissenschafter und Sportpsychologinnen traditionell und seit mehr als 50 Jahren zu ihrer Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Sportpsychologie (asp). Die diesjährige Austragung hätte im pitoresken Salzburg stattfinden sollen, Corona zwang den Veranstalter aber in ein Online-Format. Cristina Baldsarre und Hanspeter Gubelmann machten aus dieser Not eine Tugend und hielten fernmündlich via Zoom-Meeting einen interaktiven Workshop zum Thema: Elterncoaching 4.0. Die inhaltlichen Glanzlichter setzten dabei ihre Töchter Valeria und Catia, die sehr offen ihre Sichtweisen zum Umgang mit den sozialen Medien präsentierten.

Zum Thema: Einblick in interaktiven Elterncoaching-Workshop zur asp-Jahrestagung 2020

Eltern haben eine entscheidende Funktion für eine gelingende Entwicklung und Sozialisierung ihrer Kinder im Sport. Sie tragen Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Schützlinge, übernehmen viele Verpflichtungen im sportlichen Umfeld und unterstützen auch dort, wo die gestellten Herausforderungen das Mass des Ertragbaren erreichen. Nach dem Modell von Fredricks und Eccles (2004) sind es insbesondere drei Rollen, die für die Initiierung von sportlicher Aktivität und das Dabeibleiben im Sport entscheidend sind. 

Eltern mit einem persönlichen Bezug zum (Spitzen-)Sport sind sportliche Vorbilder und beeinflussen dadurch Einstellung und Verhalten massgeblich. Sie agieren dabei häufig auch als Interpreten, indem sie aufgrund ihrer sportlichen Erfahrung das Handeln ihrer Kinder entsprechend wahrnehmen, beschreiben und beurteilen. Schliesslich treten Eltern auch in der Rolle eines Unterstützers auf, indem sie die Jugendlichen in ihrem Tun bestärken, fördern und mitunter den (entscheidenden) finanziellen und menschlichen Support bieten. Lautenbach & Lobinger (2014) betonen, dass im sportlichen Alltag die beschriebenen Elternrollen ineinander greifen und nicht getrennt voneinander betrachtet werden können.

Catia (Bild: privat)
Valeria (Bild: privat)

Eltern mit vielen Hüten!

Valeria (14) ist Eiskunstläuferin und die Tochter von Cristina Baldasarre, die im Eiskunslaufsport auch als Trainerin arbeitet und seit vielen Jahren als Sportpsychologin tätig ist. Catia (18) ist begeisterte Leichtathletik-Mehrkämpferin, ihr Vater Hanspeter Gubelmann war selbst Mehrkämpfer, später Leichtathletik-Trainer und engagiert sich heute hauptberuflich als Sportpsychologe. Valeria und Catia trainieren beide leistungsorientiert, fünf bis sieben Mal wöchentlich, und nehmen in ihren Alterskategorien an nationalen Meisterschaften teil. Auf die Frage, ob die sportpsychologische Berufstätigkeit der Elternteile Vor- oder Nachteil ist, antworten die Angesprochenen gleichermassen positiv. Valeria: „Ich sehe darin einen klaren Vorteil, weil ich dadurch mental stark geworden bin. Meine Mutter hat mit gezeigt, dass es wichtig ist, z.B. bei einem Fehler im Programm sofort abzuhaken und mich auf das nächste Element zu konzentrieren.“ Catia ergänzt: „Ich weiss ja, dass mein Vater sehr kompetent ist und ich von ihm profitieren kann. Wenn ich etwas brauche, dann frage ich ihn – häufig komme ich aber auch ohne seine Unterstützung klar“.

Cristina Baldasarre

Sportarten: Kunstturnen, Eiskunstlaufen, Synchronschwimmen, Tanz, Unihockey, Fussball, Eishockey, Judo, Tennis, Bogenschiessen, Springreiten, Schiedsrichter und Trainer, Sporteltern

Kontakt:

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c.baldasarre@die-sportpsychologen.ch

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Herausforderung soziale Medien

Basierend auf diesem ursprünglichen Rollenverständnis begleiten auch Valerias und Catias Eltern ihre Kinder entlang den gestellten Entwicklungsaufgaben (Autonomieerleben, Kompetenzerleben, soziale Anerkennung, vgl. Deci & Ryan 2000) in einem Umfeld, das zunehmend durch die digitale Welt bestimmt wird. Jugendliche interagieren heute über Social-Media-Dienste und wollen Teil der Online-Communities sein: nach JAMES (2018) haben 94% der CH-Jugendlichen bei mindestens einem sozialen Netzwerk ein Profil, über 90% nutzen diese Netzwerke täglich. Es gelingt ihnen dort leicht, Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen und Zugehörigkeit zum digitalen Freundeskreis zu entwickeln. Die Lust nach schnellen „Erfolgserlebnissen“ (likes) und das Gefühl des Dazugehörens dürften dabei ebenso wesentliche Treiber sein wie die Tatsache, dass sich Jugendliche in der Online-Community meist von Erwachsenen ungestört und unbeobachtet bewegen können. 

Aus Sicht der angewandten Sportpsychologie akzentuieren sich hier neue Herausforderungen im Trend von self-enhancement und sozialen Medien. Im interaktiv angelegten asp-Workshop wurde auch der Frage nachgegangen, inwiefern sich die Sozialen Medien – neben Familie, Schule und den Peers – zunehmend auch im Sport als wichtige „Sozialisationsinstanz“ installiert haben? Auf ihren Umgang mit Social Media angesprochen meint Valeria: „Ich bin auf Instagram und sehr vorsichtig. Wenn ich ein Foto oder Video von mir posten möchte, dann frage ich zuerst nach, ob das ok ist. Mit meiner Mutter haben wir abgemacht, dass ich keine Fotos im Bikini ins Netz stelle. Zu den Likes: ich poste eigentlich mehr für mich und meine Familie. Hauptsächlich sind es Aktionen von mir, die ich ihnen zeigen möchte und worauf ich stolz bin. Wenn ich dann mehr Likes bekomme freut es mich, ist aber nicht der zentrale Punkt.“ Auch Catia ist vor allem auf Instagram präsent und kommuniziert häufig via WhatsApp: „Es bedeutet mir viel, eng mit meinen Schul- und Trainingskolleginnen in Kontakt zu sein. Ich folge einigen SportlerInnen, die mich mit ihren Darstellungen und Leistungen begeistern. Wenn es bei mir gerade nicht so gut läuft, dann ist die Euphorie im Netz manchmal schwer zu ertragen. Mit meinen Eltern führte ich früher ab und zu heftige Diskussionen, heute interessieren sie sich für meine Posts, kritisieren mich aber kaum mehr. Ich bin ja auch schon 18 Jahre alt.“

Dr. Hanspeter Gubelmann

Dr. Hanspeter Gubelmann

Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

Kontakt:

+41 (0)79 789 45 13

h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch

Mehr Infos: Zur Profilseite, zum Kompetenzzentrum mind2win.ch

Verlässliche Informationen und Quellen sind wichtig!

Aus der JAMES-Studie (2018) und anderen Forschungsberichten zum Themenkreis „Medien und Gesundheit von Jugendlichen“ lassen sich folgende Tipps für einen gesunden Umgang mit Medien ableiten:

  • In Bewegung bleiben: Mediennutzung kann für die körperliche Gesundheit dann problematisch sein, wenn sie mit Bewegungsmangel einhergeht. Es ist deshalb wichtig, sich ausreichend zu bewegen, besonders wenn man regelmässig Zeit vor Bildschirmen (z.B. beim Gamen, Fernsehen oder beim Arbeiten) verbringt. ∙ 
  • Bildschirmpausen einlegen: Das lange Starren auf Bildschirme ist anstrengend und kann zu Augenbeschwerden und Kopfschmerzen führen. Bildschirmpausen sind deshalb ratsam. Ausserdem können kurze Augenübungen die Entspannung der Augen unterstützen. 
  • Mediennutzung vor dem zu Bett gehen überprüfen: Damit Jugendliche genügend schlafen und sich erholt fühlen, sollte die Mediennutzung abends im Auge behalten werden. Aufwühlende Inhalte in Games, Filmen oder sozialen Netzwerken können das Einschlafen erschweren. Mit einer einstündigen Bildschirmpause vor dem zu Bett gehen kann zudem verhindert werden, dass die Ausschüttung des schlafanstossenden Hormons Melatonin durch Blaulicht-Anteile der Bildschirme verzögert wird. 
  • Über problematische Medienerfahrungen sprechen: Bei der Mediennutzung machen Jugendliche hin und wieder auch negative oder problematische Erfahrungen, welche psychisch belastend sein können und zu Schlafproblemen führen können. Ein Gespräch mit vertrauten Personen (z.B. Eltern) kann dabei äusserst hilfreich sein! 

Und aus der elterlichen Erfahrung…

Zum Abschluss unseres asp-Workshops gaben wir den TeilnehmerInnen noch folgende Leitideen aus Eltern-Perspektive mit auf den Nachhauseweg:

  • Wir Eltern sind Vorbilder im Handling von Social-Media-Zeit: also sollten wir mit gutem Vorbild vorangehen und vor allem nicht mehr von den Kindern erwarten, als wir selber tun.
  • Verbieten hilft nichts, verursacht nur Ärger und Konflikte. Lieber im Sinne der Psychoedukation das Gespräch suchen und gemeinsam sich auf Regeln einigen. Es kommt unseres Erachtens mehr auf den Ausgleich an: Wer daneben viel macht, z.B. sich im Sport engagiert oder anderen Hobbies frönt, der kann als Pause und zum Abschalten auch im Netz herumsurfen. 
  • Der Umgang mit sozialen Medien hat erwiesenermassen Vor- und Nachteile. Wie ich diese als Elternteil bewerte, hat auch viel mit meinen Präferenzen zu tun. Ist das Glas halbleer oder halbvoll? Schaue ich immer zuerst auf die Probleme oder erkenne ich mögliche Chancen? Eine klare Haltung in diesem Zusammenhang scheint uns wichtig!
  • In Forschung und Diskussion zum Thema Mediennutzen standen bis anhin vornehmlich Problemstellungen oder gesundheitlichen Risiken im Mittelpunkt. Angesichts der rasanten, auch technologisch innovativen Weiterentwicklungen sollte unser Blick vermehrt auf den gesunden, vorteilhaften Medienumgang gerichtet sein: Wie gelingt es, Medien gewinnbringend, lernwirksam und positiv im Alltag einzusetzen?

Mehr zum Thema:

Vorträge zum Thema:

Quellen:

Deci, E. & Ryan, R. (2000). Self-Determination Theory and the Facilitation of Intrinsic Motivation, Social Development, and Well-Being. In: American Psychologist 55, p.68–78.

Fredricks, J. A., & Eccles, J. S. (2004). Parental Influences on Youth Involvement in Sports. In M. R. Weiss (Ed.), Developmental sport and exercise psychology: A lifespan perspective. Fitness Information Technology, p. 145–164.

Lauterbach, F. & Lobinger, B. (2014). Eltern im Leistungssport. Zwischen ehrgeizigen Antreibern und unverzichtbaren Karrierebegleitern?! Zeitschrift Impulse, S.6-14.
JAMES: Jugend – Aktivitäten – Medien – Erhebung Schweiz (2018). Web: https://www.zhaw.ch/storage/psychologie/upload/forschung/medienpsychologie/james/2018/Ergebnisbericht_JAMES_2018.pdf

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Johanna Constantini: Gedanken zum langsamen Weg zurück zur Normalität

Dass der Weg zurück zu einer scheinbaren Normalität nach jener teilweise noch anhaltenden Corona Krise langsam verläuft, können wir uns auch im Sport zunutze machen. Schließlich haben die vergangenen Monate verdeutlicht, was Entschleunigung tatsächlich bedeutet. Umso wichtiger ist es nun, sich diese positiven Lerneffekte nach wie vor bewusst zu machen. Bei aller wirtschaftlichen Einbußen, Trainings- und Wettkampfausfällen gilt es schließlich, einmal mehr das Positive zu suchen. Um es in jener erzwungenen Geschwindigkeitsreduktion der vergangenen Monate finden zu können.

Zum Thema: Zeit für den eigenen Weg

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Johanna Constantinis Beitrag zum Hören

Viele Wege wurden uns zuletzt genommen. Wege in Trainingshallen werden uns nach wie vor verwehrt. Wettkämpfe, wenn überhaupt vor leeren Rängen ausgetragen. Dafür bot jene Krise umso mehr Möglichkeiten, sich auf die eigenen Wege erst konzentrieren zu können. Um sich auch jetzt noch die Fragen nach der aktuellen Richtung stellen zu dürfen. „Bin ich hier richtig?“, „Habe ich Spaß an meinem Tun?“, „Erfreut mich mein Sport?“, „Hat sich diese Zwangspause gut angefühlt und war sie vielleicht sogar längst überfällig?“

Weil wir Menschen uns gerne an Gewohnheiten orientieren, bot uns diese Krise zunehmend Gelegenheit, jene Zeit mit anderen Phasen unseres (Sportler-)Lebens zu vergleichen. Was war beispielsweise vor einem Jahr? Damals, als wir uns bereits mitten in der Wettkampfsaison befanden? Wie ging es uns dabei? Um heute nach unserem aktuellen Befinden unter jenen geänderten, in unserem Empfinden vielleicht erleichterten, vielleicht erschwerten Umständen fragen zu können: „Wie ging es mir damals, wie geht es mir heute?“, „Wie fühlte sich die Wettkampfsaison 2019 an?“, „Welche Gefühle machen sich 2020 und damit so ganz ohne Wettkämpfe breit?“

Johanna Constantini

Sportarten: Pferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

Kontakt: j.constantini@die-sportpsychologen.at

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zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Zeit für sich

Zumindest in Österreich lautete der Slogan, der an allen möglichen Werbe- und Bildschirmflächen während der intensiven Quarantänezeit prangte „Schau auf dich, schau auf mich.“ Diesen Leitspruch können wir uns im Sport auch dann zunutze machen, wenn wir versuchen, weiterhin auf unser Befinden zu achten. Nämlich auch dann, wenn die Pforten der Sportstätten und die Grenzen zu anderen Wettkampfländern wieder zunehmend geöffnet werden. Die Frage nach dem eigenen Weg, dem eigenen Empfinden und den eigenen Gefühlen sollte schließlich immer – ob Corona oder nicht – im Vordergrund stehen, um die eigenen Höchstleistungen erst erbringen zu können.

Mehr zum Thema:

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Dr. René Paasch: Routinen, Hokuspokus und Irrationalität im Fußball

Der Fußball ist nicht frei von abergläubischen Mythen. Den Rasen mit dem rechten Fuß zuerst zu betreten, sich vor dem Anpfiff zu bekreuzigen, die Trophäe nicht zu berühren, bevor man in einem Finale auf den Platz läuft. All dies sind Dinge, die uns ganz natürlich vorkommen, auch wenn sie nichts anderem als dem Aberglauben entspringen und das Glück erzwingen sollen. Spannend ist aktuell, wie sich die Verhaltensregeln der Task Force der DFL auf weit verbreitete Team- und Einzelroutinen auswirken. Wie wir wissen, ist es aufgrund der Coronakrise sowohl den Spielern, als auch dem Trainer und dem Funktionsteam untersagt, gegen die Hygienevorschriften und Vorsichtsmaßnahmen zu verstoßen. Angefangen bei Begrüßungen bis hin zum Torjubel. Im Einzelfall besteht da aktuell Handlungsbedarf. Denn derlei Kleinigkeiten helfen, in kritischen Situationen die sportlichen Fertigkeiten konstant abrufen und die Leistung stabilisieren zu können. In diesem Blogbeitrag befasse ich mich mit den Routinen und abergläubischen Verhaltensweisen im Fußball. 

Zum Thema: Wie beeinflussen irrationale Denk- und Verhaltensweisen und Routinen die Selbstkontrolle im Fußball? 

Wenn ein Vater zu seinem Sohn sagt: „Wenn du heute ohne Widerrede zu Bett gehst, wirst du morgen ein gutes Spiel absolvieren!“, ist es schon passiert. In diesem Moment stellt er einen Zusammenhang zwischen einem konkreten Sachverhalt und einem Phänomen her, der rational nicht zu begründen ist. Für den Vater bedeutet der Rückgriff auf sein anstehendes Spiel eine irrationale Erziehungshilfe. 

Ähnliche irrationale Hilfen gibt es in vielfältigen Variationen im Fußball. „Ich kann nur mit der Nr. 10 spielen!“, „Ohne meine Eltern, Familienmitglied oder Spielberater brauche ich erst gar nicht antreten!“. Die genannten Beispiele suggerieren, dass man höhere Mächte bräuchte, um erfolgreich zu sein. Stellt sich der Erfolg ein, wird man in seinem Glauben bestärkt, bleibt er aus, muss das irrationale Verhalten für eine andere Vorgehensweise weichen. Abergläubische Fußballer schreiben bestimmten Dingen eine erwünschte Funktion zu, z.B. um Erfolg zu haben, Misserfolg zu vermeiden oder Bedrohungen zu bewältigen. 

Hokuspokus oder magisches Denken

Eine weiteres Verhaltensmuster ist das magische Denken, welches sich mehr auf die aktive Veränderung der Umwelt ausrichtet. Durch spezielle Handlungen soll auf mysteriöse Weise das Ziel erreicht werden. Man nimmt beispielsweise ein bestimmtes Kleidungsstück mit in die Kabine, um ein gutes Spiel zu absolvieren. Trägt eine spezifische Farbe unter dem Trikot, berührt bestimmte Gegenstände, bekreuzigt sich vor dem Spiel u.v.m. Doch was steckt dahinter? 

Damit sollen Ängste verringert, Unsicherheiten ausgeräumt, vor Bedrohungen bewahrt oder für gewünschte Erfolge und Ziele gesorgt werden. Nicht immer kann die Grenze zu unbewussten Inhalten, die auf tatsächlichen Erlebnissen beruhen, klar definiert werden. Dennoch zählen sie als Verstärker für eine verbesserte Selbstkontrolle, was bspw. positive Auswirkungen auf die Konzentration, der Vermittlung innerer Sicherheit und der Erhöhung von Motivation und Selbstvertrauen haben kann. Näheres zum Thema Motivation und Selbstvertrauen:

Dr. René Paasch

Sportarten: Fußball, Segeln, Schwimmen, Handball, Hockey, Eishockey, Tennis

Kontakt

+49 (0)177 465 84 19

r.paasch@die-sportpsychologen.de

Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Hinweis an Trainer

Sie sollten solche Verhaltensmuster von Spielern durchaus ernst nehmen, selbst wenn sie persönlich wenig von solchen Praktiken überzeugt sind. Denn es besteht die Gefahr, dass ein lockerer Spruch zu viel oder ein Verbot einen unnötigen Kollateralschaden, z.B. hinsichtlich des Spieler-Trainer-Verhältnisses, anrichtet. 

Für viele Fußballer bedeuten irrationale Praktiken eine beträchtliche Hilfe zur inneren Stabilisierung und Haltung. Im Laufe der Zeit sollte dem Glücksbringer zugeschriebene positive Kraft aber auf die eigenen Fähigkeiten übergehen. Und daraus sollten dann Routinen entstehen. An diesem Punkt lohnt es als Trainer, gezielt und gern mit sportpsychologischer Unterstützung anzusetzen. Näheres zum Thema Glücksbringer und Rituale:

Routinen

Eine Routine ist eine Handlungskette, die ein Fußballer zum Beispiel bei der Vorbereitung eines Freistoßes vollzieht oder eine Mannschaft, die sich vor dem Spiel im Kreis auf den Wettkampf einstimmen. Der gewohnte Bewegungsablauf hilft jedem Einzelnen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich in einen Zustand zu bringen, um voll leistungsfähig zu sein. 

Der grundlegende Wert von Routinen besteht darin, dass sie eine vollständige Vorbereitung gewährleisten. Sie ermöglichen es Fußballern, körperlich, technisch, taktisch und mental bereit zu sein, ihr Bestes zu geben. Ich kenne keinen Leistungssportler oder Teams im Fußball, die keine sicheren Handlungsketten in einem Teil ihrer Wettkampfvorbereitungen verwenden. Dazu ein passendes Beispiel aus der Praxis: 

Praxisbeispiel Halbzeitpause

Bevor der Trainer seine Anregungen und Marschroute für den weiteren Spielabschnitt seiner Mannschaft mitteilt, ist es notwendig, sich zuvor von der erlebten Beanspruchung gedanklich und körperlich zu lösen. Schliermann und Hülß (2008) vergleichen bei ihrer Vorstellung des optimierten Pausenverhaltens des Trainers die Halbzeit mit einer Schleuse. Die Gestaltung des Übergangsbereichs spielt also eine maßgebliche Rolle, wie die Mannschaft in die zweite Halbzeit einsteigt. 

Je nach Spieler muss zuerst einmal die entstandenen Emotionen oder Gegebenheiten des Spiels herausgelassen werden – „Distanzierungsphase“. Unmittelbar im Anschluss sollte dann auf Ruhe und Entspannung umgeschaltet werden. Dadurch initiiert man stückweise die systematische Erholung. In dieser Phase nimmt der Trainer eine sehr sensible Funktion ein. In der dritten Phase steht dann die gedankliche und körperliche Aktivierung im Vordergrund. Ziel ist es hier, die Spieler wieder auf die kommenden Anforderungen des Wettkampfes einzustimmen. Der Aktivierungsprozess sollte zum einen verbal durch den Trainer und das Funktionsteam, zum anderen auch durch körperliche Mobilisation durch die Spieler beschleunigt werden. Diese praktische Anregung für feste Routinen in der Kabine geht auf das LEA-Prinzip von Lau & Schliermann (2012) zurück. Weitere Anregungen für effiziente mentale Methoden, wie sich Spieler in einen situationsgerechten Zustand versetzen, finden Sie hier:

Des Weiteren sollten folgende Punkte in Bezug auf die Entwicklung einer Teamroutine in der Halbzeitpause berücksichtigt werden: Die Gedanken und Verhaltensweisen müssen kurz, prägnant, positiv und aufgabenspezifisch sein. 

Fazit

Routinen und irrationale Denk- und Verhaltensweisen im Fußball sollten auch in Zukunft einen wichtigen Schwerpunkt in der sportpsychologischen Praxis darstellen, denn der gezielte und systematische Einsatz von Routinen ist eine wesentliche Leistungsreserve für den sportlichen Erfolg. Das regelmäßige Training von Routinen kann dabei entscheidend dazu beitragen, die Leistung von Fußballern zu fördern. Deshalb ist es nicht nur für Spieler, sondern auch für Trainer wichtig, ein tieferes Verständnis über die verschiedenen Arten von Routinen im Fußball und die unterschiedlichen Möglichkeiten für deren Einsatz in Training und Wettkampf zu erhalten. Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. René Paasch) helfen gern, individuell auf Ihr Team oder Ihre Einzelspieler zugeschnittene Routinen zu entwickeln.

Mehr zum Thema:

Literatur 

Guillot, A. & Collet C.Duration of Mentally Simulated Movement: A Review (2005) Journal of Motor Behavior, Vol. 37, No. 1, 10-20

Schliermann, R., Hülß, H. (2016): Mentaltraining im Sport. Hamburg Czwalina-Verlag im Feldhaus-Verlag

Lau, A./Schliermann, R. (2012). Mentaltraining im Basketball und Rollstuhlbasketball. Ein Handbuch für Trainer und Spieler. Hamburg: Feldhaus Verlag.

Weigelt, M., & Steggemann, Y. (2014): Training von Routinen im Sport. Kognitives Training im Sport, 8, 91. 

Wann, D. L. (2012): The Head and Shoulders Psychology of Success Project: An examination of perceptions of Olympic athletes. North American Journal of Psychology, 14, 123 – 138.

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