Stephan Brauner: Wie Sportler und Trainer in bestimmten Situationen den Betrachtungswinkel ändern können

0
4

Stell dir einmal vor, du läufst durch den Wald. Du läufst so vor dich hin, denkst so vor dich hin, den Blick in die Ferne gerichtet. Plötzlich trittst du auf einen Stein, knickst um, verlierst das Gleichgewicht und fällst fast hin. Siehst du in genau diesem Moment die wunderschöne Pflanzenwelt um dich herum? Siehst du leuchtende Schmetterlinge und bunte Vögel? Hörst du den Wald rauschen und die Vögel singen? Ich bin mir sicher, du nimmst gar nichts von dem bewusst wahr, was nicht direkt mit deinem kleinen Unfall zu tun hat. Der Fehltritt hat dich von einem Moment auf den anderen die Brille wechseln lassen. Es ändert sich der Blick auf die Welt und keineswegs die Umwelt als solche.

Zum Thema: Werkzeuge im sportpsychologischen Coaching

Wenn ein Sportler mit einem Problem ins Coaching kommt, könnte man meinen, irgendetwas im Außen müsste verändert werden. Manchmal ist das so, manchmal ist es aber auch nur der eigene Blick auf die Welt. Bestimmte Fragen können dazu anregen, Dinge neu zu bewerten. Sie regen dazu an, die Brille zu wechseln.

Ein junger Fußballspieler spielt erstmals vor mehreren hundert Zuschauern. Gerade bei Auswärtsspielen wird er oft ausgepfiffen, wenn er an den Ball kommt. Er fühlt sich überfordert und klein, versucht keine Fehler zu machen und nur nicht aufzufallen. Er spielt tatsächlich weit unter seinen Möglichkeiten. Eine Frage könnte sein: „Ist das der nächste Schritt? Die Leute interessieren sich für dich. Es wird noch lange nicht jeder ausgepfiffen! Jeder Pfiff gegen dich ist irgendwie auch Anerkennung, oder?“ Die Pfiffe bleiben, allerdings ist die Bewertung der Pfiffe auf einmal eine ganz andere.

Stephan Brauner

Sportpsychologe aus Bergisch Gladbach

Sportarten: Volleyball, Beachvolleyball, Tennis, Fußball, Golf

Kontakt:

+49 (0)2204 5049280

+49 (0)172 6964039

E-Mail:
s.brauner@die-sportpsychologen.de

Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/stephan-brauner/

Vom Angsthasen zum mutigen Löwen 

Ein Tennisspieler leidet massiv unter Angst bei allen offiziellen Spielen. Er äußert: „Ich bin so ein Angsthase. Immer wenn ich bei einem Medenspiel auf den Platz gehe, wird mir fast schlecht vor Aufregung. Ich habe schon vor dem Spiel so schweißnasse Hände, dass ich kaum den Tennisschläger richtig festhalten kann. Ein richtiger Feigling bin ich. Das ist so peinlich.“ Der Coach antwortet mit einer Frage: „Ja, Bauchschmerzen und Schwitzen, das bedeutet wohl, dass dir das Spiel sehr, sehr wichtig ist, oder? Und dass du nicht mehr in der gemütlichen Komfortzone des täglichen Trainings bist, richtig?“ Der Spieler bejaht und der Coach bestärkt ihn nochmal in der neuen Sichtweise: „Hut ab! Das ist sehr mutig von dir, dich dieser Situation immer wieder zu stellen.“ Die Frage verschiebt die ursprüngliche Bewertung des Tennisspielers von „Ich bin ein ängstlicher Feigling.“ hin zu „Ich bin mutig. Es ist anerkennenswert, dass ich es trotzdem tue.“ Mit welcher Bewertung im Kopf, kann er wohl besser spielen?

Ein weiterer Tennisspieler vergibt immer wieder gute Chancen durch eine sehr verspielte Spielweise. Mit Stopps und Lobs versucht er, seine Gegner vorzuführen und verpasst es immer wieder, Punkte konsequent zu Ende zu spielen. Nach einem so verlorenen Spiel bemerkt er im Gespräch mit seinem Coach sehr selbstkritisch: „Verdammt, ich muss damit aufhören. Ich bin so ein dummer Idiot. Ich bin so ein bescheuertes Spielkind. Ich lerne es nicht mehr.“ Der Coach gibt ihm recht. „Das sehe ich ganz genauso wie du. In mehreren Situationen hast du die Gelegenheit verpasst, den Sack mit einem einfachen Schlag zuzumachen. Konsequent zu Ende zu spielen. Das hat wertvolle Punkte gekostet. Wenn du an das Match davor denkst, da war deine kreative und ungewohnte Spielweise ein großer Pluspunkt und hat deinen Gegner öfters aus dem Konzept gebracht.“ In einem späteren Gespräch kann der Coach dann deutlich machen, wann eine verspielte, ungewöhnliche und kreative Spielweise günstig ist und wann sie eher den Erfolg behindert. Damit kann der Spieler genauer auf seine Art zu spielen blicken, je nach Spielsituation, anstatt sie undifferenziert als dumm zu verurteilen. Fragen verändern den Blick des Sportlers auf die Welt und auch auf sich selbst – damit verändern sie auch sein zukünftiges Verhalten.

Betrachtungswinkeloptimierung

Liebe Trainer, liebe Sportler, meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Stephan Brauner) helfen euch gern dabei, in den passenden Situationen den Blickwinkel zu ändern. Nehmt gern Kontakt auf!

Mehr zum Thema:

Print Friendly, PDF & Email

Aufrufe: 545