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Christian Hoverath: Pillen als Goodie im Starterpaket – Schmerzmittel-Sponsoring beim IRONMAN

Kurz vor dem IRONMAN auf Hawaii wurden interessante Sponsoring-Erfolge vermeldet: Die Organisatoren der Langdistanz-Weltmeisterschaft der Triathleten konnten mit Bayer und dem amerikanischen Schmerzmittelhersteller Aleve einen neuen Partner gewinnen. Für einen wie mich, der Triathlon liebt, an einen sauberen Sport glaubt und als Sportpsychologe Athleten auch gern auf diesem Weg unterstützt, ist das ein Schlag ins Gesicht. Als würde die FIFA bei der nächsten Fußball-WM für die Mafia werben… 

Zum Thema: Verantwortung von Verbänden und Veranstaltern bei der Entwicklung einer Dopingmentalität

Nachweislich greifen wir in unserem Alltag immer häufiger zu Mitteln, um zu funktionieren. Wie schnell führt doch der Weg zu Erkältungspräparaten, um sich doch noch zur Arbeit schleppen zu können? Wie viel Ritalin wird verschrieben, um aus dem früheren Zappelphilipp ein „normales Kind“ zu machen (natürlich gibt es auch Fälle, wo dieses Medikament indiziert ist)? Und wieso greift auch der unter Druck stehende Aufsichtsrat zu diesem Mittel? Was ist dran an Berichten von Schichtdienstlern über die Koffeintablette, um durch die langen Dienste zu kommen, die dann mit der Schlaftablette gekontert wird, um doch endlich Ruhe zu finden? Und nutzt der Betablocker dem Musiker nicht, ruhiger vor seinem Auftritt zu werden?

Diese Entwicklung findet statt, kreuz und quer durch unsere Gesellschaft. Die Beispielliste ließe sich sogar fortführen, was nicht mehr und nicht weniger beweist, dass Medikamente im Rahmen dieses „Alltagsdopings“ weit über ihren medizinischen Zweck hinaus eingesetzt werden.


Mittel zum Zweck

Nun hat der Leistungssport ebenfalls seine Strukturen. Es geht um den Sieg, um Ergebnisse und Erfolge. Der Leistungsdruck wird immer größer. Es entsteht ein Druck und ein hartes Training ist nötig, welches der Körper erst einmal verkraften muss. Regeneration ist äußerst wichtig für den Körper und die Leistungsentwicklung. Und nun das. Von offizieller Seite heißt es zu der Kooperation, dass Athleten sichere und effektive Wege bräuchten, um dem Muskel- und Gelenkschmerz zu begegnen. Zudem heißt es, dass diese Mittel länger wirken würden als andere Schmerzmittel. 

Hier werden also Mittel zu einem Zweck vermarktet, deren ursprünglicher Einsatzzweck ein anderer war. Nebenwirkungen, wie Schmerzmittel sie mit sich bringen, werden nicht erwähnt. Es wird nicht erwähnt, dass Vorerfahrungen mit Schmerzmitteln (oder anderen legalen Substanzen wie Nahrungsergänzungsmitteln oder Aufputschmitteln) die Bereitschaft erhöhen, zu illegalen Substanzen zu greifen. Es wird nicht erwähnt, dass die Selbstwirksamkeitserwartung durch Pillenkonsum sinkt.

Erwartungsdruck und falsche Schlüsse

Unerwähnt bleibt auch ein positiver Umgang mit Erwartungsdruck, unabhängig davon, ob dieser vom Athleten selbst oder von Trainer, Familie oder Dritten induziert wird. Denn kann ich als Sportler diesem nicht mehr begegnen, ist die Verlockung groß. Wenn ich doch vom Training noch gebeutelt bin, dann kann ich mit einem Schmerzmittel vielleicht schneller wieder trainieren? 

Passend auch, dass IRONMAN dieser Tage eine Liste mit drei positiven Dopingtests von Altersklassenathleten im Rahmen des Ironman Hawaii 2018 veröffentlichte. Ich bin mir durchaus bewusst, dass positive Dopingtests durch Unachtsamkeit, Medikamentengebrauch im Rahmen einer Erkrankung oder andere Ursachen entstehen können. Aber hier geht es um mehr – um die Vorbildfunktion des Labels IRONMAN. Und die geht gerade den Bach runter, oder sehe ich das zu verbissen? 

Christian Hoverath

Sportarten: Tennis, Triathlon, (Beach-)Volleyball, Radsport (MTB und Straße), Einradsport, Leichtathletik, Schwimmen

Darüber hinaus beschäftigt sich Christian Hoverath mit der Prävention von Dopingverhalten und sexualisierter Gewalt.

Kontakt:

+49 (0)163 736 2987

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Mehr zum Thema:

Referenzen

https://issuu.com/sportjugend/docs/dsj_dopingmentalit_t2018

https://www.endurancebusiness.com/2019/industry-news/no-pain-no-gain-ironman-confirms-kona-partnership-with-aleve/

https://www.tri2b.com/fileadmin/user_upload/Z_Download_Daten/wtc_pm_kona18_anti_doping_rule_violations.pdf

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Nikolas Knoblauch: 24 hours from greatness – Die besondere Geschichte eines Germanbowl Finalspiels (#warum fragen wir nicht einfach die besten – Episode 10)

Lange lange ist es her, dass ich für diese Reihe #warumfragenwirnichteinfachdiebesten ein Interview geführt habe. Mein letzter Artikel mit dir, JoJo (Link), und hat mich so tief berührt, dass ich sogar überlegt habe, keinen Weiteren mehr zu schreiben.

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Zwischen Minute 39 und 40:30 ist Nikolas emotionaler Ausbruch an der Sideline zu sehen.

Als ich aber vor einem Jahr im TV bei der Live-Übertragung dich, Nikolas, quer über das ganze Feld laufen sah, all deine Tränen der Freude, da wusste ich, dass ich darüber schreiben wollte. Dieser Moment, in dem alles Sinn macht. Jedes noch so harte Training, der Schweiß, die Arbeit, der Schmerz. In dem sich alles plötzlich gelohnt hat – all die Jahre des Wartens – auf diesen einen Moment, der nur für diesen einen Menschen bestimmt ist!

Genauso ging es dir! Du wurdest „Man of the Match“ des German Bowls 2018 in dieser einen Sportart, die du so sehr liebst.

Und so gerne wollte ich wissen, ob dir vielleicht vorher schon klar war, dass dies dein Tag wird oder ob es sogar so war, dass du einen schlechten Tag hattest, an dem einfach alles schief ging. Aber lassen wir dich doch einfach selbst erzählen: Es ist der Abend des 12. Oktobers 2018. In 24 Stunden steht der Kick off im Finale der German Football League an…

Nikolas Knoblauch, Foto Sarah Philipp Photography

„Der letzten 24 Stunden vor dem Germanbowl 2018 waren ähnlich wie die letzten 24 Stunden vor den Finals 2016 und 2017. Auch wenn jedes Finale auf seine Art und Weise besonders ist, wusste ich dieses Mal bereits, was mich in Berlin erwarten würde. Außerdem hatte ich am eigenen Leib bereits erfahren dürfen, wie es sich anfühlt, das Finale als Gewinner oder Verlierer zu verlassen. 

Wir trainieren am Donnerstagabend noch in Schwäbisch Hall fahren dann Freitagmorgen mit dem Teambus in Richtung Berlin. Die Stimmung auf der Fahrt ist gut. Jeder versucht, eine gesunde Balance zu finden. Niemand möchte so früh vor dem Spiel bereits zu sehr gehyped sein. Aber niemand möchte auch zu relaxed wirken. Ich sitze im Bus und schaue während der Busfahrt nochmal das Tape von unserem kommenden Gegner an. Ich entdecke nichts, was ich nicht bereits wusste, fühle mich aber mit jedem Mal ein Stück sicherer. 

Unser Germanbowl Gegner heißt Frankfurt Universe. Im Gegensatz zu den Finalspielen gegen die NYL in den Jahren 2016 und 2017, kenne ich die Frankfurter bereits von zwei Aufeinandertreffen im Süden. Wir haben beide Spiele gewonnen, wie auch im Vorjahr. Das gibt mir ein gutes Gefühl, auch wenn ich wusste, dass das Finale ein Kampf bis zur letzten Sekunde geben würde. 

Die Jahre zuvor spielte ich OLB für die Schwäbisch Hall Unicorns. Dieses Jahr trainierte ich im Vorfeld schon mehrere Wochen auf Mike, weil unser Importspieler Nick Alfieri verletzungsbedingt den letzten Part der Season verpasst hatte. Ob er im Finale würde spielen können, war bis zum letzten Tag unklar. Am Tag des Finales kommt vom Teamarzt dann das „ok“ für Nick. Wie lange er jedoch durchhalten können wird, bleibt unklar. Ich bin jedenfalls ready und bestens vorbereitet. Ich freue mich für Nick und das Team, auch wenn ich natürlich selbst nichts lieber tun würde, als von Anfang an auf das Feld zu laufen. 

Nick und ich spielen schon seit 2016 miteinander. Wir unterstützten uns in den Wochen vor dem Finale gegenseitig so gut wir können. Wir wissen, egal wer letztendlich spielen wird, muss abliefern. 

Der Finaltag ist durchgetaktet. Frühstück – Meeting – Walktrough – Meeting – Mittagessen – Stadion – Umziehen – Meeting – WarmUp – Einlaufen – Nationalhymne – Kickoff. Das Spiel beginnt und wird der erwartet harte Kampf. Nach einem Scramble des Frankfurter QB’s kommt mein Coach zu mir und sagte, dass ich auf Sam reingehen soll. Eine Position, auf der ich seit mehreren Monaten nicht mehr trainiert hatte. Ich bin excited aufs Feld steppen zu können. Die Position ist mir egal. Ich werde überwiegend als Edge Rusher eingesetzt und kann beim ersten Play direkt pressure auf den QB erzeugen. Ich habe ein gutes Gefühl und weiß, dass wir das Momentum erzeugen können. 

Mit 13:7 für Frankfurt geht es in die Halbzeit. Jeder von uns glaubt dennoch, vom tiefsten Inneren an den Sieg. Das dritte Quarter verläuft punktlos. Keiner der Teams will dem Gegner etwas abgeben. Man fightet um jeden Zentimeter. Im 4. Quarter ist es dann endlich soweit. TD Unicorns. 14 zu 13. Die erste Führung und noch acht Minuten zu spielen. Zwei Minuten später ist es dann soweit. Frankfurt hat den Ball in der Mitte des Feldes. Wir rushen beide OLB, Thomas Frach sacked den QB, ich sehe den Ball auf den Boden, greife nach ihm und renne so schnell ich kann. Aus dem Augenwinkel sehe ich Devin Benton noch einen abräumen. Ich traue mich nicht, nach hinten zu schauen. Ich halte den Ball so fest ich kann und renne bis der Ref den TD signalisiert und das Stadium jubelt. 

Dutzende Teamkollegen stürmen auf mich zu und rasten aus. Ich kann den Moment unmittelbar danach gar nicht richtig verarbeiten. Ich habe eine Gänsehaut und bekomme kein Wort heraus. Das Stadium bebt. Es steht nun 21:13 und es sind noch gute fünf Minuten zu spielen. Es ist klar, dass dieses Spiel noch nicht gelaufen ist und wir mit der Defense noch mindestens einmal aufs Feld müssen. Frankfurt kann noch einmal scoren, sie haben einen erfolgreichen Onesidekick und bei auslaufender Uhr noch die Chance, das Spiel mit einem FG zu gewinnen. Ich knie am Seitenrand und bete, dass wir den Kick blocken. Wenige Sekunden später ist es so weit. Der Schiedsrichter gibt den Ball frei, der Frankfurter Kicker nimmt Anlauf und kickt. Der Ball fliegt. Jedem pumpt das Herz. Die Refs zeigen es an. Kick nicht gut. Unsere Seitenlinie rastet komplett aus. Jeder lässt nun seinen Emotionen freien Lauf. Jetzt ist es klar, we did it again! Die Schwäbisch Hall Unicorns sind Deutscher Meister 2018! 

Wenn ich mich an den Abend zurück erinnere, habe ich immer noch Gänsehaut. Die vielen Emotionen und Eindrücke geben einem kein Zeitgefühl mehr. Ich werde zum Germanbowl MVP ernannt. Wir bekommen den großen Pokal, reißen ihn in die Höhe und jubeln. Es kommt einem so vor, als wäre man in einem Traum. So überwältigend, dass es fast schon surreal wirkt. Bis heute.“

Interview

Nikolas, wie bist du zum Football gekommen?

Bereits als kleines Kind war ich bei den Footballspielen meines Vaters immer mit dabei. Ich fand den Sport zwar schon immer cool, habe aber wie die meisten Kinder erst mal im Dorfverein mit Fußball begonnen. Fußball war während meiner Kindheit und Jugend der Mittelpunkt meines Lebens. Wie viele andere Kids wollte ich natürlich Fußballprofi werden und spielte auch einige Jahre für den 1. FC Heidenheim und den VfR Aalen. Irgendwann musste ich jedoch erkennen, dass das mit einer Körpergröße von 1,78 Meter für einen Torwart nicht funktionieren sollte. Ich war bereit für eine neue Herausforderung. Ich war schon früh in der Pubertät mehrmals wöchentlich im Fitnessstudio. Jedoch konnte ich mir nicht vorstellen, nur Gewichte zu heben. Teamsport war mir schon immer wichtig. Ich habe dann mit 17 selbst die Initiative ergriffen und bei dem alten Team meines Vaters, den Kuchen Mammuts, mal vorbeigeschaut. Es gab damals noch keine Jugendabteilung, weshalb ich bereits im ersten Training direkt bei den Herren mit Vollkontakt einsteigen durfte. Nach dem ersten richtigen Hit erkannte ich meine Liebe zu diesem Sport.

Was hat dich gehalten bei dieser Sportart?

Die physische Komponente des Spiels hat mich fasziniert. Auch wenn beim Football das Team als kollektiv funktionieren muss, gibt es ständig für jeden ein 1 gegen 1, in welchem man sich mit seinem Gegenüber misst. Ob Jagen, Erlegen oder Beschützen. Beim Football trifft Vorbereitung, taktisches Verständnis und grobe Gewalt aufeinander. 

Was macht die spezielle Mentalität eines Spielers deiner Position aus?

Die Linebacker sind das Bindeglied zwischen den großen Jungs in der Line und der Secondary. Man muss zu jeder Zeit des Spiels wissen, was um einen herum passiert, schnell eine Entscheidung treffen und kommunizieren. Man muss eine gewisse Ruhe und Sicherheit ausstrahlen, aber auch in der Lage sein, den Schalter vom einen auf den anderen Moment umzulegen. How aggressive can you be without losing your discipline? 

Was muss ein Spieler deiner Position charakterlich mitbringen?

Selbstbewusstsein, Dominanz, Disziplin, Ehrgeiz, Teamgeist.

Gab es in deiner Karriere Momente, in denen du dir sportpsychologische Hilfe gewünscht hättest?

Zur Mentalität gehört sicherlich auch, dass man jederzeit souverän auftritt und dies mit seiner Körpersprache zum Ausdruck bringt. Auch wenn es mal nicht so läuft oder es etwas gibt, was einen sehr beschäftigt. Wie in allen Bereichen des Lebens, kommt es auch in diesem Sport bei mir und anderen zu Differenzen und Rückschlägen, welche demotivierend wirken und zu Frust und Aggressionen führen können. Einen Fachmann für sportpsychologische Hilfe gibt es hierfür im deutschen Football in den meisten Fällen leider noch nicht. Football ist für mich und für viele andere schon lange mehr als ein zeitintensives Hobby. Wenn der Sport zum Mittelpunkt des Lebens rückt, man nachts mit den Gedanken beim Sport einschläft und morgens wieder aufwacht, besteht durchaus die Gefahr, dass sich die psychologische Verfassung auch auf andere Lebensbereiche auswirkt. 

Was hast du selbst getan, um nicht nur deinen Körper sondern auch deinen Kopf immer wieder weiter zu trainieren?

Ich schaue, dass ich bestmöglich vorbereitet ins Training komme. Dabei studiere ich die neuen Spielzüge, analysiere den kommenden Gegner und schaue mir das Tape vom letzten Training an. Wenn mir etwas unklar ist oder mich etwas interessiert, scheue ich mich nicht, Dinge anzusprechen oder zu hinterfragen. Auch privat dreht sich vieles um Football, ob beim Coachen, Football schauen oder bei einem Schwätzchen unter Freunden. Außerhalb vom Sport trainiere ich meinen Kopf mehrmals die Woche an der Universität bei meinem Lehramtsstudium in Italienisch, Sport und Englisch. 

Welches ist dein Glaubenssatz?

I BELIEVE if you keep your FAITH, you keep your TRUST, you keep the right ATTITUDE, if you are GRATEFUL, you’ll see God open up doors.

Wie motivierst du dich am besten? Und arbeitest du hier mit Videos oder Bildern?

Ich habe selten Probleme, mich zu motivieren. Ich freue mich oft schon montags auf das Spiel am Samstag. Musik, Videos und die Vorstellung abzuliefern und zu gewinnen, geben mir die restliche Motivation. 

Was würdest du jungen Spielern raten?

Wechsel so früh wie dir möglich zu einem gut gecoachten Team. Sei dankbar, wissbegierig, pünktlich, vorbereitet und ehrgeizig. „Be humble but let them know.“ 

Nikolas Knoblauch

  • 17.08.1995
  • 1,78 m / 94 kg
  • Wohnort: Stuttgart
  • Vereine: Kuchen Mammuts, Holzgerlingen Twister, Schwäbisch Hall Unicorns
  • Italienische Nationalmannschaft seit 2016
  • Beruf: Lehramt Sport, Italienisch, Englisch

Gibt es etwas, was du anders machen würdest, wenn du an einen bestimmten Moment deiner Karriere denkst?

Ich bin dankbar wie es zu allem gekommen ist, schätze die gemachten Erfahrungen und bereue keine meiner Entscheidungen. Rückblickend hätte ich gern viel früher mit Football angefangen und auch bei den Juniors gespielt, anstatt gleich bei den Herren anzufangen. 

Was ist, deiner Meinung nach, der wichtigste Punkt, an dem die Sportpsychologie und Spieler deiner Position zusammenkommen? Woran könnte man zusammen arbeiten?

Das ist schwer zu sagen. Die Einsatzmöglichkeiten von Sportpsychologen sind durchaus vielseitig. Explizit denke ich, dass gerade bei schwerwiegenderen Verletzungen, eine psychologische Betreuung hilfreich sein kann. Frust, der sich in eventuell Depressionen umwandelt, könnte man dementsprechend vorbeugen. Ein weiteres Einsatzfeld könnte darin liegen, den Spielern und Coaches Selbstkontroll-Strategien an die Hand zu geben, welche einem helfen, kritische Warnsignale zu erkennen und zu deuten.

Was glaubst du, was dein Geheimnis ist, um so lange so erfolgreich zu spielen?

Consistency. Täglich etwas dafür tun, um körperlich und mental fit zu bleiben. 

Muss ein Spieler deiner Position furchtlos sein?

Ja, unbedingt! Ich denke, wenn man sich fürchtet, hat man bereits im Vorfeld verloren.

Ist es deiner Meinung nach Wünschenswert, dass sich die Sportpsychologie im deutschen Football fest etabliert?

Ja. Sollte sich die GFL weiterhin zu einer immer mehr professionellen Liga entwickeln, dann ist dieser Schritt wie bei anderen Sportarten unausweichlich. 

Mit welcher anderen Position bist du am meisten verbunden?

Ich spiele wirklich gerne mehrere Positionen, aber am liebsten LB oder RB. 

Ist deine mentale Vorbereitung bei einem schwachen Gegner dieselbe, wie bei einem wirklich großen Spiel?

Ja, da mache ich keine Unterschiede. 

Hattest du schon einmal Angst vor einem Spiel? Wenn ja, wie konntest du diese überwinden?

Angst? Nein. Eher Aufregung. Das Beste was man tun kann, um dies zu überwinden, ist bestmöglichst vorbereitet zu sein. Dazu fällt mir ein passendes Zitat ein von Peyton Manning ein: „Pressure is something you feel when you don’t know what the hell you’re doing.”

All ihr fantastischen Finalisten, seid ihr bereit für den einen Moment, der nur für euch bestimmt ist?

Lieber Niko,

du hast mir schon so oft gesagt, wie sehr du meine Arbeit schätzt, dabei warst es du, der mich in diesem so besonderen Moment 2018 inspiriert hat. Du bist der Grund, warum ich überhaupt diese Reihe fortführe – weil du es einfach verdient hast, dass wir diesen tollen Moment für immer festhalten.

Was mich am meisten beeindruckt hat, war, dass ganz egal wie hart das Training auch sein mag, auf wieviel Freizeit auch immer du verzichten musst, wie viel Schmerz auch immer du aushalten musst, du bist immer dankbar, dass du diesen Sport ausüben kannst. Deine innere Euphorie besiegt jeden herausfordernden Moment.

Wie kann ein Mensch nur so motiviert sein? Damit hast du es nicht nur geschafft, mich persönlich zu beeindrucken, nein, ich versuche auch weiterhin mit dir herauszufinden, wie es möglich ist, sich dies über Jahre autodidaktisch anzueignen. Dahinter steckt eine so spannende Frage für die Sportpsychologie. Die Antwort für dich ist aber leicht. 

Du hast die Zeit nicht vergessen, in der alles begann. Weg vom Traum eines Tages, ein Fußballprofi zu sein und hin zu einem neuen Traum. Diese Zeit nicht vergessen, in dem alle Vereine dir eine Absage erteilt haben und es nur einen Verein gab, der an dich geglaubt hat. Und seit jenem Tag ist es dein größter Antrieb, all diese anderen Vereine Lügen zu strafen und diesem einen so besonderen Verein immer und immer wieder zu beweisen, dass ihre Entscheidung für dich richtig war!

Und ich wünsche dir auch dieses Jahr im German Bowl Finale wieder diesen einen Moment – Ich werde voller Ehrfurcht und Stolz an deiner Seite im Stadion stehen und mit dir mitfiebern!

Deine Miriam

Miriam Kohlhaas

Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/miriam-kohlhaas/

Alle Teile der Serie „warum fragen wir nicht einfach die besten“:

Jojo Joyner – Mein Warum (#warum fragen wir nicht einfach die besten – Episode 9)

Christian Bollmann – Der Unvergleichbare (#warum fragen wir nicht einfach die Besten – Episode 8)

Simon Gavanda: Dr. Gavanda und Mr. Hyde! (#Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 7)

Yannick Baumgärtner – The Leader (#Warum fragen wir nicht einfach die Besten? – Episode 6)

Julian Völker: Work hard – dream big (#Warum fragen wir nicht einfach die Besten? – Episode 5)

Sonny Weishaupt: Gott schenke mir Geduld … und zwar sofort! (#Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 4)

Patrick Finke: Sportpsychologie? Damit habe ich noch nie gearbeitet! (#Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 3)

Dennis Zimmermann: NO REGRETS! (#Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 2)

Niklas Römer: Look good – feel good – play good (#Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 1)

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Johanna Constantini: Lieber offline – Die Macht der langen Weile im Kampf um die Bestleistung

Nachdem ich mich in meinen sportpsychologischen Blogs vorwiegend mit den Chancen und Risiken sozialer Medien auseinandersetzte, möchte ich folgende Zeilen nutzen, um einen Schwenk in Richtung Achtsamkeit zu machen. Denn nichts anderes bedeutet es, offline zu sein. Offline sein, in einer Welt, die von dem Drang online kommunizieren zu müssen, beherrscht wird, hat nämlich viel mit den Achtsamkeitslehren unserer Zeit zu tun. Auch hier gilt: Keine Angst vor der langen Weile! 

Zum Thema: Was moderne Sportpsychologen von sozialen Medien wissen sollten

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Weitere Informationen
Johanna Constantinis Beitrag zum Hören.

Sie dient nicht nur als Schutzraum für die Kommunikation mit uns selbst, wie Ulrike Zöllner dies im Jahr 2004 so treffend auf den Punkt bringt. Sondern sie hat auch eine entscheidende Funktion, was unsere ureigenen Bedürfnisse angeht. Die Sucht nach dem Allzeitbegleiter Smartphone hat viel mit der Kontrolle von Impulsen zu tun, weshalb es gilt, genau jene zu kontrollieren. Und noch viel mehr: Es gilt, das Nichtstun auszuhalten! Nichts zu tun. ist tatsächlich weitgehend verpönt. Neben dem alltäglichen Berufsleben, das uns möglichst vieles abverlangen sollte, herrscht auch im Sport der Drang nach mehr. Höher, schneller und am liebsten immer weiter. Da bleibt nicht viel Zeit, um sich der langen Weile zwischen den Leistungszielen bewusst sein zu können. Bewusster werden hilft jedoch ungemein auf dem Weg zu sportlichen Höchstleistungen. Denn nur wer bewusst ist, sich selbst spürt, seine Bedürfnisse kennt und im Fall auch Zeichen von Angst und Nervosität einordnen kann, wird langfristig erfolgreich sein. 

Das Smartphone als „digitales Schutzschild vor der Außenwelt“ (Diefenbach und Ulrich, 2016) bedingt manches Mal auch, dass wir unser Innerstes schlechter spüren. Oder wer hat sich nicht schon in den Tiefen des World Wide Web verloren? Dabei auf Essen und Trinken oder gar den Gang zur Toilette vergessen? Ebenso abgelenkt von unseren menschlichsten Bedürfnissen werden wir, wenn der Griff zum Smartphone unseren Trainings- und Wettkampfalltag bestimmt.

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Johanna Constantini

Sportarten: Pferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

Kontakt: j.constantini@die-sportpsychologen.at

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zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Konkrete Tipps

Was wir tun können? Inne halten. Die – wenn auch kurze – lange Weile genießen, in der wir uns ertappen, gleich zum dritten Mal in einer Minute zum Smartphone zu greifen. Stattdessen in uns hinein zu spüren. Uns zu fragen: Wie geht es mir gerade? Wovon brauche ich mehr? Wovon weniger? Vielleicht ist es das Smartphone.

Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Johanna Constantini) helfen gern, sich die Langeweile auf dem Weg zu neuen Bestleistungen zurückzuerobern. 

Mehr zum Thema:


Mehr Interesse am Thema? Johanna Constantini hat bereits zahlreiche Texte verfasst – hier eine kleine Übersicht:

Quellen:

 
Diefenbach, S. & Ullrich, D. 2016.  Digitale Depression. Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern. mvg Verlag : München

Zöllner, U. 2004. Die Kunst der langen Weile: Über den sinnvollen Umgang mit der Zeit. Kreuz Verlag: Freiburg

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Christian Hoverath: Schweigepflicht – Dilemma für die Sportpsychologie

Zuletzt habe ich in einem Blog-Beitrag herausgearbeitet (Link), dass ich der Sportpsychologie viel mehr Potential in der Dopingprävention zuschreibe als ihr in der Praxis eingeräumt wird. Denn meine Kollegen und ich sind durchaus in der Lage, einem Sportler in vertrauensvoller Arbeit dazu zu befähigen, in letzter Konsequenz zu einer Doping-Option Nein zu sagen. Aber auf dem Weg dahin stecken wir schon in einem Dilemma.

Zum Thema: Schweigepflicht auf der Probe

Wie hat der Sportpsychologe zu reagieren, dem ein Sportler von seinem Kontakt mit unerlaubten Substanzen berichtet? Bisher ist die Lage nicht ganz so eindeutig, wobei meine Position in den nächsten Absätzen hoffentlich deutlich wird. Bei der Recherche habe ich mich mit dem Gesetz sowie ethischen Richtlinien verschiedenster Verbände befasst. Der Bund Deutscher Psychologen (BDP) schreibt in seinen berufsethischen Richtlinien ganz richtig, dass „bei der Arbeit mit mehreren Klienten […] sehr unterschiedliche Interessen und Rechte bestehen, die berücksichtigt werden müssen“. Weiter heißt es jedoch auch über die professionelle Beziehungsqualität, dass „Psychologinnen und Psychologen […] bei der Arbeit mit direkten Klienntinnen bzw. Klienten innerhalb eines Dienstleistungsverhältnisses mit Dritten […] vorrangig im Interesse der direkten Klientinnen bzw. Klienten unter Berücksichtigung der berechtigten Interessen aller Beteiligten[…]“ handeln. 

Zentral und von großer Bedeutung für die Zusammenarbeit ist §203 StGB, der die Schweigepflicht betrifft. Auch unabhängig vom Strafgesetzbuch ist diese Schweigepflicht für die Zusammenarbeit mit Klienten äußerst bedeutungsvoll, da es bei der psychologischen Betreuung häufig um private und intime Details geht, die auch im engen Freundes- und Familienkreis nicht immer bekannt sind.  Um also auf einer vertrauensvollen Basis mit Sportlerinnen und Sportlern zusammenzuarbeiten, ist ein gegenseitiges Vertrauen sehr wichtig. Wie soll dieses Vertrauen entstehen, wenn Athlet*innen nicht mit jeder Thematik auf mich zukommen können? 

Ausnahmefälle

Natürlich gibt es auch vor dem Gesetz Straftaten, die angezeigt werden müssen. Diese sind in §138 StGB geregelt und umfassen bevorstehende Straftaten, wie z.B. die Vorbereitung eines Angriffskrieges, Mord und schweren Menschenhandel, Raub, räuberische Erpressung oder Brandstiftung. Zusammenfassend lässt sich also sowohl nach berufsethischen Richtlinien als auch nach §203 StGB sagen, dass der Sportpsychologe unter Schweigepflicht steht, außer das Gesetz sieht Ausnahmen vor. 

Nicht zuletzt trage ich als Psychologe auch eine Fürsorgepflicht für die Gesundheit der Sportler*innen. Jedoch ist nicht geregelt, ob diese als höherrangiges Rechtsgut als das Schutzgut der Schweigepflicht anzusehen ist. Hinzu kommt, dass ein*e Athlet*in, die sich anvertraut, mit einem Anliegen und vielleicht auch mit einem Auftrag an mich heran tritt. Dieses Anliegen sollte für die auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit zentral sein und das gemeinsame Vorgehen bestimmen. 

Christian Hoverath

Sportarten: Tennis, Triathlon, (Beach-)Volleyball, Radsport (MTB und Straße), Einradsport, Leichtathletik, Schwimmen

Darüber hinaus beschäftigt sich Christian Hoverath mit der Prävention von Dopingverhalten und sexualisierter Gewalt.

Kontakt:

+49 (0)163 736 2987

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Nachfragen

Ich hoffe, dass meine Position deutlich geworden ist. Falls Nachfragen bestehen, beantworte ich diese gerne. Da ich mir sicher bin, dass dieses Thema von jeder Person etwas anders gesehen wird, freue ich mich auch über einen regen Austausch!

Zum Profil von Christian Hoverath

Mehr zum Thema:

Literatur:

Ehrnborg C., Rosén T. The psychology behind doping in sport. Growth Horm. IGF Res. 2009;19:285–87. doi: 10.1016/j.ghir.2009.04.003.

Elbe, A.-M. & Barkoukis, V. (2017). The Psychology of Doping. Current Opinion in Psychology, 16, 67-71. https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2017.04.017

Kavussanu, M., Yukhymenko, M., Elbe, A. M., & Hatzigeorgiadis, A. (2019). ‘Integrating Moral and Achievement Variables to Predict Doping Likelihood in Football: A Cross-Cultural Investigation.’ Psychology of Sport and Exercise. 

Lazuras, L. (2015). Social cognitive predictors of doping use: an integrative approach. Psychology of Doping in Sport, edited by Bakoukis, Lazuras & Tsorbatzoudis. Abingdon: Routledge.

https://www.bdp-verband.de/binaries/content/assets/beruf/ber-foederation-2016.pdf

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Dr. René Paasch: Spielformen zur Spielintelligenz im Fussball trainieren (Teil 6)

Seit der FC Barcelona unter Trainer Josep Guardiola zwischen 2009 und 2012 fast jeden möglichen Vereinstitel nach Katalonien holte und die spanische Nationalmannschaft im Jahr 2010 die Weltmeisterschaft sowie 2012 die Europameisterschaft gewinnen konnte, steht der FC Barcelona und die spanische Nationalmannschaft stellvertretend für die Kunst des Kombinationsfußball. Um diesen zu spielen, bedarf es einer hohen Spielintelligenz, die bereits in jungen Jahren gefördert werden sollte. Zahlreiche Untersuchungen stützen die Bedeutung der Spielintelligenz: 60% aller Ballverluste im Fußball sind auf Fehler in der Wahrnehmung, im Verstehen und in der Entscheidungsfindung zurückzuführen. Schauen wir uns das mal näher an! 

Zum Thema: Spielintelligenz im Fussball (Teil 6) 

Der Fussball wurde schon immer von bestimmten Entwicklungen geprägt. Während dieser in seinen Anfängen in erster Linie technisch geprägt war, wurden in den 1970er Jahren immer mehr physische Komponenten trainiert, bevor dann in den 1980er und 1990er Jahren die Schulung der Taktik vermehrt im Vordergrund stand. Durch den enormen Fortschritt in der Trainingslehre (und auch der angewandten Sportpsychologie) ist im modernen Fussball für jeden Spieler eine hervorragende technische, taktische und physische Ausbildung selbstverständlich geworden. 

Mit der Spielintelligenz tritt nun ein weiterer Punkt in den Vordergrund, der oftmals den entscheidenden Unterschied ausmacht. Somit sind das situationsgerechte Handeln und das Suchen optimaler Lösungsstrategien, ein wichtiger Eckpfeiler für leistungsorientierte Spieler. Sie müssen unter Druck alle wichtigen Informationen aus ihrer Wettkampfumgebung (Mit- und Gegenspieler, taktische Veränderungen etc.) wahrnehmen, um sie dann in ihren Aktionen zu berücksichtigen. Im Fussball haben insbesondere die 6, 8 oder 10 die Aufgabe, durch kreatives und taktisches Verhalten das Aufbauspiel einer Mannschaft zu strukturieren. In diesem Zusammenhang spricht man in der Psychologie von konvergentem Denken (Entscheidungsfähigkeit, Spielintelligenz). 

Mehr als Taktik

Die Sportspielforschung arbeitet vor allem mit zwei Definitionen kognitiver Denkprozesse (konvergentes und divergentes Denken). In konvergenten Denkprozessen werden sogenannte Ideallösungen für das Problem gesucht und angesteuert. Divergente Denkprozesse hingegen generieren eine Vielzahl von Lösungen für die Aufgabenstellung (Höner, 2005; Roth, 2005). Oftmals spricht man im Fussball auch einfach nur von „der Taktik“. In diesem Zusammenhang spielen die Basistaktiken bei der Entwicklung einer allgemeinen Spielintelligenz eine wichtige Rolle (vgl. Memmert & König, 2012). Sie können als taktische Grundkenntnisse gekennzeichnet werden. Die da wären:  

Ziel ansteuern: Taktische Aufgabenstellungen, bei denen es darauf ankommt, Zeitpunkt und Ort einer Abschlusshandlung auszuwählen.

Ball dem Ziel annähern: Taktische Aufgabenstellungen, bei denen es darauf ankommt, den Ball in einen Angriffs- bzw. Abschlussraum zu transportieren.

Das Zusammenspiel: Taktische Aufgabenstellungen, bei denen es darauf ankommt, Bälle situationsgerecht und schnell zu Partnern weiterzuspielen oder Überzahl herausspielen. 

Lücken ausnutzen:  Taktische Aufgabenstellungen, bei denen es darauf ankommt, in der Auseinandersetzung mit Gegenspielern (individuell) Zwischenräume für die Chance eines Abspiels oder Punktgewinns zu nutzen. 

Gegnerbehinderung umgehen:  Taktische Aufgabenstellungen, bei denen es darauf ankommt, in der Auseinandersetzung mit Gegenspielern einen Ballbesitz (individuell) zu sichern. 

Überzahl herausspielen: Taktische Aufgabenstellungen, bei denen es darauf ankommt, sich durch Anbieten, Orientieren und in Kooperation mit Partnern einen Vorteil zu verschaffen. 

Mittlerweile sind sie fester Bestandteil zahlreicher Lehrpläne und Trainingskonzeptionen in verschiedenen Alters- und Leistungsklassen (Memmert, Thumfart & Uhing, 2014). 

Spielintelligenz trainieren

Spielintelligenz im Fussball wird durch das Trainieren von Übungsformen, die das Spiel simulieren, geschult. Das Ziel dabei ist nicht nur das reine Vermitteln von Wissen, sondern vielmehr, die Spieler dazu zu bringen, das gelernte Wissen richtig anzuwenden. Dabei gehen motorisches und kognitives Lernen Hand in Hand. In einem modernen Fußballtraining sollten Technik, Taktik und Spielintelligenz immer in komplexen Übungsformen entwickelt werden. Der Trainer konfrontiert seine Spieler dabei mit spielnahen Situationen, in denen sie eine schnelle Entscheidung treffen und diese in motorische Aktionen umsetzen müssen. Eine effektive und bewährte Spielform für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, um die Spielintelligenz und das Treffen von richtigen Entscheidungen zu fördern ist die Spielform „Messi“ von Horst Wein. 

Spielform Messi Horst Wein www.deinfussballtrainer.de
Abb. 1.: Spielform „Messi“ von Horst Wein 

Organisation und Ablauf 

Ein 25 x 25 Meter großes Feld mit vier Minitoren errichten. Im Zentrum des Spielfeldes befinden sich neun Bälle. Drei Defensivspieler postieren sich mindestens fünf Meter entfernt voneinander. Ein Angreifer läuft in das Feld, holt sich einen der Bälle und versucht, in eine Schusszone zu dribbeln und auf eines der Tore ein Tor zu erzielen. Im Anschluss hat er zwei weitere individuelle Angriffe. Es folgen die beiden anderen Spieler seines Teams. Nach neun Angriffen werden die Aufgaben gewechselt. 

Anwendungsbeispiel

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Fazit

Die Spielintelligenz ist im modernen Fussball sehr wichtig geworden, da sich viele Mannschaften dank der modernen Trainingslehre physisch, technisch und taktisch auf Augenhöhe begegnen. Der Qualitätsunterschied zwischen den einzelnen Spielern wird immer mehr durch den Grad der kognitiven Leistungsfaktoren bestimmt. Denn die physische Verfassung oder die bessere Technik nützt nur wenig, wenn diese Elemente nicht intelligent zum Nutzen der Mannschaft eingesetzt werden. Um es in den Worten von Horst Wein zusagen: „Spielintelligenz hat nichts mit der Menge der Neuronen im Gehirn eines Fussballers zu tun, sondern mit der Anzahl der Verbindungen, die die Zellen untereinander herstellen können. Damit es zu vielen dieser Verbindungen kommt, muss ein Fussballer oft und richtig stimuliert werden. 

Dr. René Paasch und seine Kollegen und Kolleginnen von Die Sportpsychologen live erleben:

Mehr zum Thema:

Literatur

Höner, O. (2005): Entscheidungshandeln im Sportspiel Fußball: eine Analyse im Lichte der Rubikontheorie. Hofmann: Schorndorf. 

Memmert, D. & König, S. (2012): Zur Vermittlung einer allgemeinen Spielfähigkeit im Sportspiel. In S. König, D. Memmert & K. Moosmann, Das große Buch der Sportspiele (S. 18-37). Wiebelsheim: Limpert-Verlag. 

Memmert, D., Thumfart, M. & Uhing, M. (2014): Optimales Taktiktraining im Kinder-, Jugend- und Leistungsfußball. Balingen: Spitta Verlag

Roth, K. (2005): Taktiktraining. In A. Hohmann, M. Kolb & K. Roth (Hrsg.), Handbuch Sportspiel (S. 342-349). Schorndorf: Hofmannn  

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„Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ – Alle Infos und letzte Tickets

Bereits 70 Anmeldungen aus Deutschland und Österreich liegen für unser Event „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ am 28. und 29. September 2019 in Leipzig bereits vor. Darunter sind Sportpsychologen aus den Nachwuchsleistungszentren von Hertha BSC Berlin, Karlsruher SC und Arminia Bielefeld sowie zahlreiche Profilinhaber von Die Sportpsychologen. Den größten Anteil machen aber die knapp 50 Trainer aus, die das Event mit Unterstützung des Sächsischen Fußballverbandes als Weiterbildung nutzen. Hinzu kommen Wissenschaftler, Lehrer und Autoren wie Susanne Amar aus Köln.

Anmeldung

Die Online-Anmeldung ist noch bis Freitag, den 27. September 2019, möglich: https://www.die-sportpsychologen.de/2019/07/anmeldung-die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-jugendfussball/

An wen richtet sich das Barcamp?

  1. Übungsleiter im Breitensport (alle Sportarten)
  2. Trainer und Betreuer aus Nachwuchsleistungszentren
  3. Eltern 
  4. Sportlehrer
  5. Jugend-, Nachwuchs- und Seniorenspieler 
  6. Funktionäre, Spielerberater und Scouts
  7. Sportpsychologen, Mentaltrainer, Coaches  

Preise

  • 89 EUR für Vertreter von Profi-Vereinen, NLZ, Verbänden, Spielerberater, Scouts, Sportpsychologen und Mentaltrainer
  • 69 EUR für Vertreter von Amateurvereinen, Studenten, Eltern

Lizenzinhaber des sächsischen Fußballverbandes können sich für die Teilnahme an der Veranstaltung “Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp” 10 Fortbildungsstunden anrechnen lassen. 

Snacks, Obst und Getränke stellt der Gastgeber bereit, freut sich aber über freiwillige Spenden, die vom Roten Stern Leipzig für den Bau eines Kunstrasenplatzes auf dem Teichstraßen-Gelände genutzt werden (zum Kunstrasen-Projekt).

Anfahrt

“Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp” findet auf dem Sportgelände Teichstraße statt.

Adresse: Sportgelände Teichstraße, Teichstraße 12, 04277 Leipzig-Connewitz

Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Sportgelände Teichstraße gut zu erreichen: Nutzt via Hauptbahnhof Leipzig, Ausgang Westhalle, die Tram-Linien 10 (in Richtung Lößnig) oder 11 (in Richtung Markkleeberg-Ost) bis zur Haltestelle Connewitz Kreuz. Steigt dann in Fahrtrichtung aus und geht über die Selneckerstraße und Brandstraße circa acht Minuten bis zur Sportanlage Teichstraße. Mit dem Bus 89 fahrt ihr bis zur Haltestelle Brandtstraße/Selneckerstraße – von dieser Haltestelle sind es dann nur drei Minuten Fußweg bis zum Veranstaltungsgelände. 

Kooperationspartner

Unser Kooperationsverein Roter Stern Leipzig ist kein normaler Verein. Der RSL ist ein Kiezclub, für den 700 Fußballer und Fußballerinnen auflaufen – über 400 davon im Nachwuchs. Bundesweit bekannt ist der Verein für sein Engagement gegen jegliche Form von Diskriminierung wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Homophobie. Die Einnahmen aus dem Catering und anteilig Einnahmen aus dem Ticketverkauf kommen dem roten Stern für den geplanten Kunstrasenbau auf der Teichstraße zu Gute.

Themen

Samstag, 28. September 2019

13.00 – 14.00
Eröffnung, Vorstellung und Auswahl der Sessions
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14.15 – 15.1514.15 – 15.15
Kognitionen im Fußball – Modewort oder Arbeitsauftrag?

Martin Wenzel, Roter Stern Leipzig
Hier könnte deine Session stattfinden. Siehe unten.
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15.30 – 16.3015.30 – 16.30
Motivation im Alltag eines Nachwuchstrainers

Thomas Müller, Trainer FSV Glesien; Philipp Freitag, sportlicher Nachwuchsleiter SV Schleußig
Hier könnte deine Session stattfinden. Siehe unten.
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16.45 – 17.45
Bälle erobern – Tore verhindern mit MENTALITÄT Praxis-Session mit Demo-Mannschaft auf dem Rasenplatz der Teichstraße

Alexander Schunke, Referent Sächsischer Fußballverband, Dr. René Paasch, Die Sportpsychologen, Dr. Fabio Richlan, Die Sportpsychologen, und weitere
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18.00 – 19.00
Bälle erobern – Tore verhindern mit MENTALITÄT Theorieteil

Alexander Schunke, Referent Sächsischer Fußballverband, Dr. René Paasch, Die Sportpsychologen, Dr. Fabio Richlan, Die Sportpsychologen, und weitere

Sonntag, 29. September 2019

10.00 – 13.00
Hospitation eines Nachwuchsspiels unter bestimmten sportpsychologischen Blickwinkeln

C-Jugend Roter Stern Leipzig II vs. SV Schleußig (Sportanlage Teichstraße)
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13.00 – 14.0013.00 – 14.00
Wenn der (NLZ)-Trainer sagt: Für dich hat es leider nicht gereicht!

Ole Fischer, Die Sportpsychologen
Hypnose im Sport – Zwischen Hexerei und Scharlatanerie?

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Arzt und Systemischer Hypnotherapeut, Deutscher Handballbund, Die Sportpsychologen
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14.15 – 15.1514.15 – 15.15
Umgang mit Druck, Ängsten und psychischen Problemen im Nachwuchssport

Kathrin Seufert, Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, beide Die Sportpsychologen, Anna Baron-Thiene, Sportwissenschaftlerin TU Chemnitz
Hier könnte deine Session stattfinden. Siehe unten.
________________________________________________________________
15.30 – 16.3015.30 – 16.30
Hier könnte deine Session stattfinden. Siehe unten.Eltern im Jugendfußball – Für alle eine Herausforderung!

Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen Susanne Amar, Coach, Bloggerin
Mathias Freiesleben, SV Lipsia
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16.30 – 17.00
Abschluss

Weiterhin Themen vorschlagen

Bis zum Donnerstag, den 26. September 2019, 12 Uhr sammeln wir weitere Sessionvorschläge, um damit die letzten Lücken in unserem Veranstaltungsplan zu füllen. Da wir das Ziel verfolgen, genau die Inhalte zu liefern, an denen ihr interessiert seid, sind wir auf eure Mitarbeit angewiesen. Teilt uns also bitte über das eingebettete Formular euren Vorschlag mit – daraufhin stimmen wir dann am Samstag, den 28. September, zum Auftakt von Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp ab.

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Weitere Informationen

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Christian Hoverath: Kann die Sportpsychologie in der Dopingprävention mehr?

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich mich intensiv mit Studien zum Dopingverhalten von Sportlern beschäftigt. Dabei geht mir die Frage nicht aus dem Kopf, wie konkret die Sportpsychologie ansetzen kann, um Sportler davor zu bewahren, zu Dopingmitteln zu greifen? Denn letztlich zeigt uns die Wissenschaft, dass Doping am Ende auch mit Begriffen wie Moral, Ethik, Selbstwirksamkeit und Karriereplanung zu tun hat. Alltagsgeschäft für Sportpsychologen, also…

Zum Thema: Sportpsychologische Ansätze bei der Dopingprävention 

Die Persönlichkeit hat einen großen Einfluss, ob Sportler zu Dopingmitteln greifen. Schaut man sich eine aktuelle Studie von Kavussanu und Kollegen (2019) an, dann tendieren Sportler seltener zur Einnahme verbotener Substanzen, wenn sie auch die moralischen Faktoren berücksichtigen. Ein Faktor war die wahrgenommene Stärke der Schuld durch ein Dopingvergehen. Demgegenüber bemerkenswert: Allein erworbenes Wissen über Nebenwirkungen und gesundheitliche Folgen, wie es bislang intensiv von Verbänden und Interessengruppen vermittelt wird, reicht nicht aus. Die Quintessenz: Wichtig ist es, Sportler*innen zu befähigen, ethische Entscheidungen zu treffen.

Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist der Zeitpunkt, zu dem die Verlockung wahrscheinlich auftreten wird. Denn zumeist steht ja nicht an einem beliebigen Tag eine Person mit einer Tasche voller Medikamente vor dem Sportler und bittet ihn, zuzugreifen. Im ersten Schritt ist es nach vielen Berichten von Insidern doch so, dass Sportler zuerst beispielsweise mit Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) in Kontakt kommen. Dabei sollte doch hier schon überlegt werden, ob diese NEMs aufgrund einer diagnostizierten Unterversorgung supplementiert werden? Oder aufgrund einer erhofften Wirkung, wie zum Beispiel der Vorbeugung von Infekten durch die Einnahme von Vitamin C und Zink. Kommt der betroffene Athlet erkältungsfrei durch den Winter, dann wird er gelernt haben, dass diese Stoffkombination ihm dazu verholfen hat, gesund zu bleiben. Viele weitere in Frage kommende Variablen wird er außen vor lassen (Hygiene, Umfeld,…). 

Entwicklung einer Dopingmentalität

Dies ist nur ein Beispiel für die Entwicklung einer Dopingmentalität. So wie ein Schüler, der glaubt aufgrund eines Kleinstspickzettels eine Klausur sehr gut geschrieben zu haben, mag der Gedanke entstehen, „ohne schaffe ich das nicht“. Dies führt in der Folge aber dazu, dass an diesem Verhalten festgehalten wird. Im nächsten Schritt kommt es zu Medikamentenmissbrauch, denn „da ist ja nun wirklich nichts Verbotenes dran. Ich bin zwar nicht krank, aber es ist ja nicht verboten und macht mich außerdem wacher und leistungsfähiger.“ 

Christian Hoverath

Sportarten: Tennis, Triathlon, (Beach-)Volleyball, Radsport (MTB und Straße), Einradsport, Leichtathletik, Schwimmen

Darüber hinaus beschäftigt sich Christian Hoverath mit der Prävention von Dopingverhalten und sexualisierter Gewalt.

Kontakt:

+49 (0)163 736 2987

LinkedInXing

Im Verlauf wird die Sportlerin dann in schwierigen Momenten, wie nach Verletzungen oder Niederlagen, vor der Entscheidung stehen, wie sie den nächsten Schritt in Sachen Leistungssteigerung machen oder an alte Leistungen anknüpfen will. In diesen Momenten ist es entscheidend, gelernt zu haben, Nein! zu sagen. Dies kann nur auf Grundlage einer moralischen Entwicklung geschehen. 

Prävention als sportpsychologischer Auftrag

Aus diesen Aspekten ergeben sich verschiedenste Einsatzbereiche für die Sportpsychologie in der Dopingprävention. Es geht darum zu lernen, seine Entscheidungen kritisch zu hinterfragen, zu reflektieren und die Stärke zu entwickeln, Nein zu sagen. Es geht darum, Selbstwertsteigerungen zu erreichen, damit die Sportlerin merkt: „ich schaff das auch allein.“ 

Ein wichtiger Einsatzbereich liegt im Umgang mit Emotionen und der Stressbewältigung, aber auch im Umgang mit Kritik, Niederlagen und Druck. Sportler müssen lernen, mit Siegen und Niederlagen umzugehen und zu akzeptieren, dass beides dazugehört. Auch die Aufarbeitung solcher Negativerlebnisse fällt in unser Aufgabenspektrum und steht durchaus in Verbindung zur Dopingpräventionsarbeit.

Fazit

Aus meiner Sicht spielt die Sportpsychologie eine noch zu kleine Rolle in der Dopingpräventionsarbeit. Meine Kollegen von Die Sportpsychologen (zu den Profilen) und ich (zum Profil von Christian Hoverath) stehen gern für vertrauliche oder weiterführende Anfragen zur Verfügung.  

Mehr zum Thema:

ARD Doping-Recherchen „Die Gier nach Gold“

Diese Geschichte löst Diskussionen aus. Der österreichische Langläufer Johannes Dürr äußert sich in der ARD-Dokumentation „Gier nach Gold“ (zur ARD-Doku) offen wie noch kein zweiter Wintersportler zu seinem Dopingvergehen und seinen Erfahrungen im internationalen Skilanglaufzircus. 

Für die Hintergrundberichterstattung zur Doku „Gier nach Gold“ wurde der Sportpsychologe Prof. Dr. Oliver Stoll mit den Aussagen des Langläufers Dürr konfrontiert. In einem Interview trifft er unmissverständliche Aussagen:

Sportschau-Interview mit Prof. Dr. Oliver Stoll

Zum Interview mit Prof. Dr. Oliver Stoll: „Simmen Dürrs Aussagen hat der Leistungssport ein Problem“ (Link)

Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, war im Auftrag der ARD-Dopingredaktion darüber hinaus damit betraut, aus sportpsychologischer Sicht die Frage zu beantworten, warum Sportler dopen? Entstanden ist ein knapp vierminütiger Beitrag: 

Warum Sportler dopen 

Zum Beitrag: https://www.sportschau.de/doping/video-warum-sportler-dopen–100.html

Geheimsache Doping: Die Gier nach Gold

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Weitere Informationen

Literatur

Ehrnborg C., Rosén T. The psychology behind doping in sport. Growth Horm. IGF Res. 2009;19:285–87. doi: 10.1016/j.ghir.2009.04.003.

Elbe, A.-M. & Barkoukis, V. (2017). The Psychology of Doping. Current Opinion in Psychology, 16, 67-71. https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2017.04.017

Kavussanu, M., Yukhymenko, M., Elbe, A. M., & Hatzigeorgiadis, A. (2019). ‘Integrating Moral and Achievement Variables to Predict Doping Likelihood in Football: A Cross-Cultural Investigation.’ Psychology of Sport and Exercise. 

Lazuras, L. (2015). Social cognitive predictors of doping use: an integrative approach. Psychology of Doping in Sport, edited by Bakoukis, Lazuras & Tsorbatzoudis. Abingdon: Routledge.

https://www.bdp-verband.de/binaries/content/assets/beruf/ber-foederation-2016.pdf

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Dr. René Paasch: Sieben Übungen, um Spielkreativität im Fussball zu trainieren (Teil 5)

In Zeiten von Big Data und variierenden Spielsystemen fordert der Deutsche Fussball kreative Spielertypen, die überraschende und damit nicht vorhersehbare Lösungen für den Gegner produzieren können. Medien und Trainer sprechen dann oftmals von dem Spieler, der den Unterschied ausmachen kann! Das Ausbilden dieser Eigenschaft lässt sich in keiner Altersgruppe besser trainieren als mit Kindern. Aber sind diese Spieler von Geburt an kreativ oder haben Sie  bestimmte Übungen auf und neben dem Sportplatz trainiert? Dieser spannenden Frage möchte in dem nun fünften Teil der Serie „Kognitive Leistungsfaktoren im Fussball“ näher auf den Grund gehen. 

Zum Thema: Spielkreativität entwickeln und anwenden (Teil 5)

„Kreativität und spielerische Klasse sollen die neuendeutschen Tugenden sein!“

BUNDESTRAINER JOACHIM LÖW 

Spielkreativität wird als Generierung von Lösungen in unterschiedlichen Spielsituationen beschrieben, die als überraschend, selten oder originell bezeichnet werden können. Aktuelle Forschungen haben in den letzten Jahren zahlreiche methodische Möglichkeiten zur Schulung und Verbesserung der Spielkreativität entwickelt. Hierfür sind die sieben Prinzipien 1-Dimension-Games, Deliberate Play, Diversifikation, Deliberate Coaching, Deliberate-Memory, Deliberate Motivation und Deliberate Practice von besonderer Bedeutung (Memmert, 2014). Ihre Anordnung ist nicht zufällig, sondern entspricht einer chronologischen Reihung. Während die ersten sechs Prinzipien besonders für das Kindertraining geeignet sind, können bei Junioren- und Erwachsenen alle sieben Bausteine Berücksichtigung finden. (Näheres dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2015/12/17/prof-dr-daniel-memmert-kreatives-taktisches-entscheiden-im-fussball/). Die Bedeutung taktischer Kreativität im Sportspiel Fußball wurde in einer interessanten Studie untersucht. 

Dazu analysierte Georg Knievel (2010) 57 Begegnungen und deren Torerfolge der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. In den Spielen wurden 159 Treffer erzielt. Drei Experten haben die letzten acht Aktionen vor einem Tor anhand einer Kreativitätsskala bewertet. Je näher die Aktionen am Tor waren, desto kreativer waren die Spieler. Die Mannschaften, die den Sprung in die Schlussrunden schafften, wiesen im Schnitt mehr Kreativitätsmerkmale beim vorletzten Pass auf als die in der Vorrunde gescheiterten Teams. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass Kreativität im Fussball ein immer wichtiger werdender Faktor ist, der mehr Aufmerksamkeit im Training von Kindern, Junioren und Erwachsenen verdient. 

Um den Transfer aus der “grauen” Theorie in die “bunte” Praxis zu erleichtern,  habe ich einige ganz konkrete Anregungen zur Schulung und Verbesserung der Spielkreativität im Fussball zusammengestellt: 

One-Dimension-Games – Tore schießen

Organisation und Ablauf: Ein 25 x 20 Meter großes Feld mit zwei Minitoren errichten. Im Feld außen vier weitere Hütchentore (Breite: vier Meter) gemäß Abbildung errichten. Zwei Mannschaften à 3 Spieler einteilen.

Freies Spiel: Das jeweils ballbesitzende Team versucht, durch eines der beiden äußeren, im Feld befindlichen Hütchentore (1 Punkt) zu dribbeln oder über die Mittellinie zwischen den beiden Hütchentoren zu gelangen, um dann einen Treffer auf das Minitor zu erzielen (2 Punkte).

Tipp: Anweisungen des Trainers sollen reduziert stattfinden. Die Spieler sollen selbstständig Lösungen finden. Durch die häufigen Wiederholungen sind sie nach einiger Zeit in der Lage, immer mehr richtige und überraschende Spielentscheidungen zu treffen.

Deliberate Play – 4 gegen 4 ohne Torhüter 

Organisation und Ablauf: Ein 25 x 20 Meter großes Feld mit vier Minitoren errichten. Im Feld außen vier weitere Hütchentore (Breite: vier Meter). Zwei Mannschaften à 4/5  Spieler einteilen. 

Freies Spiel: Das jeweils ballbesitzende Team versucht, durch kreatives Verhalten und Spielen Tore zu erzielen. 

Tipp: Einfache Regeln aufstellen, die das Spielen erleichtern sowie unterschiedliche Torvariationen anbieten. Die Spieler loben und motivieren.

Diversifikation – gemeinsam sind wir stark 

Organisation und Ablauf: Ein 35 x 25 Meter großes Feld mit zwei Toren und einer Mittellinie errichten. Zwei Mannschaften bilden: Innerhalb der Teams in Paaren zusammengehen und an den Händen festhalten.

Freies Spiel ohne Torhüter mit einem Ball: Der Ball darf nur als „Paar“ gespielt und geschossen werden. Tore zählen nur, wenn sie aus der offensiven Feldhälfte heraus erzielt werden. Beispielsweise einen zweiten und dritten Ball ins Spiel bringen. 

Tipp: Die Heidelberger Ballschule bietet euch weitere spannende Einblicke zum Thema Diversifikation im Sport. Aus einem ursprünglich zur Talentförderung gedachten Programm ist ein „Kindersportangebot für alle“ geworden. Näheres dazu findet Ihr hier: https://ballschule.de/ueber-uns/das-konzept/ & https://vimeo.com/7437403

Deliberate Coaching – Unangeleitetes spielen lassen

Organisation und Ablauf: Ein 12 x 12 Meter großes Feld markieren. Zwei Fänger bestimmen, alle anderen Spieler verteilen sich frei im Feld und erhalten vom Trainer als Gruppe zwei Bälle. 

Die beiden Fänger versuchen, innerhalb einer Minute so viele Spieler wie möglich zu fangen. Die Gejagten können sich den Fängern entziehen, wenn sie im Besitz eines der beiden Bälle sind. Spieler, die gefangen worden sind, stellen sich mit gegrätschten Beinen auf. Sie können befreit werden, indem ein Mitspieler durch ihre Beine krabbelt.

Tipp: Instruktionsfreies Spielen wirkt sich positiv auf das kreative Verhalten von Spielern aus. Auf höherem Niveau ist das allerdings nicht uneingeschränkt zu empfehlen. 

Deliberate-Memory – Aufmerksamkeit schulen

Organisation und Ablauf: Ein 15 x 20 Meter großes Feld errichten. Jeder Spieler erhält einen Ball: Die eine Hälfte dribbelt, die andere prellt den Ball durch das Feld. Verschiedene Kommandos und Zahlen bestimmen die Übung: Bspw. bei „1“ gehen die Spieler mit dem rechten und linken Knie auf den Ball, bei „2“ in den Liegestütz und bei „3“ ist jeder so schnell er kann unterwegs. Die Anzahl der Übungen kann nach Alter variieren.  

Tipp: Die Zahl mit der Hand anzeigen (Blick vom Ball lösen). 

Deliberate Motivation – Hoffnungsbasiertes Coaching

Organisation und Ablauf 

Die drei Angreifer stellen sich an je einem Hütchen auf. Ziel des Teams ist es, im Zusammenspiel einen Treffer auf eines der drei Minitore zu erzielen. Der Verteidiger versucht, die Tore durch geschicktes Verschieben zu verteidigen. Nach einer Minute wechseln die Angreifer im Uhrzeigersinn die Positionen.

Tipp: Positives Coaching: „Euer Ziel ist es, in einer Minute möglichst viele Tore zu erzielen. Seid Mutig und kreativ!“ Negatives Coaching: „Ihr müsst den Ball schnell abspielen und in ein ungedecktes Tor passen, ansonsten funktioniert die Übung nicht!“

Deliberate Practice – Spiel 3 gegen 1/2/3 

Organisation und Ablauf: Die gegnerischen Tore werden von zwei Verteidigern bewacht. Gezielt 2-gegen-1-Situationen suchen, um die Überzahl optimal ausspielen zu können. 2-gegen-1-Situationen bestenfalls auf eine Seite verlegen, damit der zweite Verteidiger nicht mehr eingreifen kann. Die Außenspieler haben die größten Torerfolgschancen, daher sollen sie mit einem gezielten Dribbling und gutem Timing blank gespielt werden. 

Tipp: Die Anzahl der Spieler, Umschaltspiel bei Ballverlust und Provokationsregeln lassen sich altersentsprechend anpassen. 

Fazit

Spielkreativität im Fussball wird als die Generierung von Lösungen in unterschiedlichen Spielsituationen verstanden. Sie ist überraschend, selten oder originell. Zahlreiche Studien haben in den letzten Jahren methodische Möglichkeiten zur Schulung und Verbesserung der Spielkreativität entwickelt. Hierfür sind die sieben Prinzipien: 1-Dimension-Games, Deliberate Play, Diversifikation, Deliberate Coaching, Deliberate Motivation und Deliberate Practice von besonderer Bedeutung. 

Die sportpsychologische Forschung zu kognitiven Leistungsfaktoren im Fußball (Antizipation, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Kreativität, Spielintelligenz) ist vergleichsweise jung. Einen Goldstandard für Diagnostik und Training gibt es derzeit noch nicht. Dennoch existieren vielversprechende Ansätze, die sich in der Praxis bereits bewährt haben. Klar ist, dass die Sportpsychologie hier unterstützend für Trainer und Übungsleiter zu Rate gezogen werden kann. Und zum Abschluss noch zu meiner Frage, ob dieses kreative Element quasi angeboren wird? Natürlich nicht, Spielkreativität ist für jedermann erlernbar. Sie hat nichts mit der Menge der Neuronen im Gehirn eines Fussballers zu tun, sondern mit der Anzahl der Verbindungen, die die Zellen untereinander herstellen können. Damit es zu vielen dieser Verbindungen kommt, muss ein Fussballer oft und richtig kreativ stimuliert werden. 

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Weitere Informationen

Der Kopf spielt für dich im Fußball nicht nur nach hohen Flanken und bei Eckbällen eine Rolle – dann komm zu unserer Veranstaltung:

https://www.die-sportpsychologen.de/was-euch-erwartet-themenueberblick-fuer-die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-in-leipzig-28-29-9-2019/

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/prof-dr-daniel-memmert-kreatives-taktisches-entscheiden-im-fussball/

https://www.die-sportpsychologen.de/dr-rene-paasch-suchfenster-im-fussball-trainieren-teil-4/

https://www.die-sportpsychologen.de/philippe-mueller-hoert-auf-in-fehlern-zu-denken/

Literatur 

Furley, P., & Memmert, D. (2018): Can creative role models prime creativity in soccer players? Psychology of Sport and Exercise, 37, 1–9. https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2018.03.007

Knievel, Georg (2010): FIFA Weltmeisterschaft 2010. Kreativität und Torerzielung. 74, XII Blatt: graphische Darstellungen. – Köln, Deutsche Sporthochschule, Diplomarbeit 2011.

Memmert, D. (2014): Teaching Tactical Creativity in Team and Racket Sports: Research and Practice. Abingdon: Routledge.

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Johannes Wunder: Aktivation steuern, um Bestleistungen zu erreichen

Die letzten zwei Spielminuten sind angebrochen. Wir liegen mit zwei Punkten hinten. Im Basketball geht es jetzt um Alles. Das Spiel schreitet voran, niemand ist in der Lage sich abzusetzen. Kurz vor Ende des Spiels ertönt die Pfeife des Schiedsrichters. Foul! Wir liegen immer noch mit zwei Zählern zurück. Einer unserer Top-Spieler geht an die Linie. Zwei Würfe, zwei Treffer nötig – um auszugleichen und eine Chance auf Verlängerung zu haben. Der Sportler konzentriert sich, setzt zum Wurf an und – Treffer! Die Halle tobt, die Atmosphäre ohrenbetäubend. Noch ein Versuch, der Ball in den Händen des Schützen. Konzentration, Wurf, Ringberührung, Ball fällt seitlich auf den Boden. Spiel ist vorbei, wir verlieren mit einem Punkt unterschied. Kein Happy End! Wirklich nicht ?

Zum Thema: Parallelen von Business und Spitzensport

Meine Arbeit als selbständiger Berater und Coach im Leistungssport (www.johannes-wunder.de) gibt mir Einblicke in zweierlei Welten. Auf der einen Seite sind die Sportler, die tagtäglich an ihre Grenzen und manchmal auch darüber hinaus gehen. Auf der anderen Seite habe ich mit Personen zu tun, die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen und nicht selten ähnliche Herausforderungen zu meistern haben wie meine Sportler. 

Ich mach es mal plastisch: Lange haben wir auf diesen Moment hingearbeitet. Wochenlange Vorbereitungen, Umzug ins neue Büro, Website, Flyer, erste Kundenkontakte. Nun sitzen wir hier in diesem Bürogebäude und reden bereits seit über eine Stunde mit dem Geschäftsführer einer großen Firma. Das Gespräch läuft gut, doch wir brauchen einen Abschluss. Als es ins Detail geht, werde ich zunehmend unsicherer. Ich beginne zu zweifeln, ob der Preis zu unserer Leistung stimmig ist. Tausendmal haben wir im Vorfeld alles durchdacht. Wir waren uns sicher, gut auf das Gespräch vorbereitet zu sein. Minuten später verlassen wir das Gebäude, die Absage kommt am nächsten Tag. Auch hier kein Happy End ?

Leistung und Performance 

Die zwei Beispiele zeigen eine Sache: Leistungserbringung und Performance können in allen Lagen des Lebens ein Thema sein. Der Fußballtrainer Nico Kovac äußerte sich erst jüngst zum Thema der Trainierbarkeit von Elfmetersituationen: „Das kann man gar nicht simulieren. Es sei, man sagt pro Fehlschuss 50.000 Euro.“ Wir sind uns alle im Klaren darüber, dass wir einem großen Druck ausgesetzt sein können, wenn es darauf ankommt, Leistung auf den Punkt zu bringen. Das haben wir in beiden Beispielen gesehen. Und doch gibt es ein paar interessante Werkzeuge, die hier absolut hilfreich sein können, auch bei vermeintlich untrainierbaren Situationen.

Wir sprechen in diesen Situationen auch gerne von Stress. Weniger geläufig ist der Begriff Aktivation. Betrachten wir uns also den körperlichen und geistigen Zustand der beiden Leistungserbringer an der Freiwurflinie oder am Verhandlungstisch: Fast ein ganzes Spiel steckt dem Sportler in den Knochen, Lärm und der Gedanke an eine mögliche Niederlage verursachen ein hohes Aktivationslevel. Gleiches Bild im Business: Eine lange Verhandlung, mit Unsicherheit und einem möglichen negativen Ausgang. Beides erzeugt Druck und überall spielt die Konsequenzerwartung eine entscheidende Rolle. Die Überlegungen, welche Auswirkungen die eigene Leistung haben könnte verursacht also eine Zunahme des Aktivationslevels.

Aktivationslevel und die Qualität der Leistungserbringung

Wissenschaftlich belegt gibt es übrigens einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Aktivationslevels und der Qualität der Leistungserbringung. Damit hat jeder von uns, egal ob Sportler oder Unternehmer/Angestellter/Selbstständiger bereits seine eigenen Erfahrungen gemacht: Frisch aus dem Bett gestiegen, sind wir nicht einmal im Ansatz so leistungsfähig, wie gewohnt (niedriges Aktivationslevel). Und manchmal geht in Extremsituationen gar nichts mehr (hohes Aktivationslevel). Letzteres kommt häufig in Prüfungssituationen vor – der berühmte „Black-Out“.

Fakt ist, dass wir bei mittlerer Aktivation die höchste Leistung erbringen können. Fakt ist aber auch, dass wir dieser Aktivation nicht hilflos ausgeliefert sind. Wäre es mit diesem Wissen nicht besonders elegant, das Aktivationspegel immer genau dann in die Mitte zu schieben, wenn wir Leistung bringen wollen? 

Umgang mit unserem Aktivationslevel

Schauen wir noch einmal auf einen gewöhnlichen Tag von uns. Wir schlafen, stehen auf, arbeiten, essen, gehen zum Sport und schlussendlich wieder ins Bett. So oder so ähnlich. In den meisten Fällen müssen wir uns um eine zu geringe Aktivation keine Gedanken machen. Die äußeren Einflüsse, Arbeit, Familie und auch Sport sorgen für eine hohe Aktivation. Auch das Nutzen von digitalen Medien ist alleine durch das helle Licht für unseren visuellen Sinn bereits ein „Aktivator“. Mal ganz abgesehen davon, dass für viele das „immer online sein“ ein weiterer Stressor ist. 

Es wird also klar: Wir sind häufig eher über- als unteraktiviert. Und: Wir verschenken so wichtige Punkte in der Leistungsfähigkeit und unserer Performance!

Johannes Wunder

Johannes Wunder bietet u.a. Kurse zum Thema Stressmanagement für Leistungssportler an. Über diesen Link erfahrt ihr mehr und könnt direkt Kontakt aufnehmen:

Informationen zum Kurs „Stressmanagement für Leistungssportler“

Zum Profil von Johannes Wunder bei Die Sportpsychologen:

https://www.die-sportpsychologen.de/johanneswunder/

Regulation des Aktivationslevels

Das Gute vorweg: Wir haben seit unserer Kindheit bereits viele Möglichkeiten eingespeichert, die uns helfen, unser Aktivationslevel zu regulieren. In der Psychologie wird hier von Coping gesprochen, also „alle kognitiven, emotionalen und behaviouralen Anstrengungen, die dazu dienen Belastung und Stress zu bewältigen!“ (Trautmann- Sponsel zit. nach Städtler, T. 1998, S, 124). (Stangl, 2019).

Nicht alle davon sind aber wirklich nachhaltig im Sinne der Aktivationsregulation, sondern geben kurzzeitig Entspannung. Dennoch können wir unsere Aktivation steuern – im Optimalfall sogar wie ein Pegel variabel hin und her verschieben. Nachfolgend möchte ich dir einige Methoden vorstellen, wie du deine Aktivation hoch und runter regulieren kannst.

Methoden zur entspannenden Regulation

  • Achtsamkeitstraining
  • Meditation
  • Progressive Muskelentspannung
  • Entspannungstraining mit Musik
  • Autogenes Training
  • Sport im aeroben Bereich 

Bei allen Methoden ist es jedoch wichtig zu lernen und zu erkennen, welchen Effekt sie auf den eigenen Körper haben. In der berühmten „VUKA“ Welt, die nicht nur im Business, sondern auch im Sport erkennbar ist, ist die Gefahr groß, den Zugang zum eigenen „Ich“ zu verlieren. Hier können vor allem Achtsamkeitsübungen helfen, um eine Verbindung mit dem eigenen Tun zu fördern und wiederherzustellen. In der Wissenschaft spricht man hier auch von Resonanz. Mit einer Sache in Verbindung treten, kann nicht nur Sportlern helfen. Für Sportler ist es wichtig, dass bei teilweise täglichem und stundenlangem Training keine derartige Routine entsteht, die das eigentliche Tun, nämlich die Ausführung der Sportart, an einem vorbeirauschen lässt. Auch im Business und speziell im Bereich StartUps steht ähnlich wie bei Profisportlern eine hohe Zielfokussierung im Vordergrund. Und der Weg zum Ziel, mit den kleinen Erfolgen oder Resonanzerlebnissen bleibt häufig unbeachtet. Schafft man es aber, diese Situationen und Momente zu begreifen beziehungsweise einzufangen, entsteht ungeahnte Energie und Zufriedenheit. Eine Art der Schleuse, die ich weiter unten nochmals näher beschreiben möchte. 

Generell ist festzuhalten, dass eine Regulation, in diesem Falle eine Entspannung sowohl körperlich als auch mental wirkt. Das wurde im Bereich Achtsamkeit inzwischen mehrfach wissenschaftlich bestätigt. Die gegenseitige Wirkung von Körper und Geist bedingt sich und war auch für den Begründer der Progressiven Muskelentspannung Anlass dazu, zu vermuten, dass psychische Spannungszustände körperliche Reaktionen hervorrufen und umgekehrt die Reduktion von körperlicher Spannung ein psychisches Wohlbefinden verursacht. Das geht wissenschaftlich belegt sogar soweit, dass sich Angstzustände und Unwohlsein minimieren lassen.

Hinweis: Diese zwei Methoden der Spannungsregulation sind natürlich nur ein Bruchteil von dem, was alles möglich ist, geben aber einen guten Einblick in die Wirkungsweisen und sind aus eigener Erfahrung absolut zu empfehlen. Sowohl im Sport, als auch im Business.

Methoden zur aktivierenden Regulation

  • Schnelle und schwunghafte Bewegungen
  • Reizreiche Umwelt
  • Anregende Musik
  • Selbstgespräche

Wenn man doch mal kurz nach dem Aufstehen ein Meeting hat und sich absolut noch nicht im mittleren Aktivationslevel befindet, helfen die gerade genannten Methoden. Mein absoluter Favorit ist die Wirkung von Musik. Probier mal die selbe Runde zu joggen, einmal mit klassischer Musik und einmal mit Rock. 

Vorausgesetzt, Rock ist in Ordnung für dich. Alternativ einfach eine andere Musikrichtung mit etwas mehr „wums“ ?

Was unsere tägliche Performance mit der Schleuse zu tun hat

Abschließend also noch etwas zur Schleuse. Die Theorie geht soweit, dass wir nicht nur tagsüber unser Aktivationslevel aktiv steuern und regulieren sollten, um optimal und punktgenau leistungsfähig zu sein. Es empfiehlt sich dieses Wissen auch über einen größeren Zeitraum zu nutzen. Immer wenn es eine Belastung, also eine Erhöhung des Aktivationslevels gab, sollte danach auch eine aktive Entspannung folgen. Das hilft das natürliche Pegel, welches sich immer zwischen Tiefschlaf und maximaler Erregung befindet so zu steuern, dass weder dauerhafte Erschöpfung noch Unterforderung eintritt. Übrigens ist ein dauerhaft hohes Aktivationslevel ohne Ausgleich nicht nur eine Ursache für zurückgehende Leistung, sondern einer der Hauptgründe für chronischen Stress und damit auch Erkrankungen wie zum Beispiel Burn-Out.

Wichtig ist also, dass wir Werkzeuge haben, die es uns ermöglichen, unser Aktivationslevel zu beeinflussen. So schaffen wir den notwendigen Ausgleich, um überhaupt Top-Leistungen zu bringen. 

Wissen für Spielfeld und Verhandlungstisch

Mit diesem Wissen kann der Sportler an der Freiwurflinie die innere Spannung anders wahrnehmen und reduzieren und so seine Leistungsfähigkeit erhöhen. Und auch am Verhandlungstisch können regulierende Techniken das aufkommende Unwohlsein regulieren. Die Regulation kann aber in beiden Fällen durch regelmäßiges Training im Vorfeld auch so nachhaltig wirken, dass zwar die Situation die gleiche bleibt, aber die körperliche und geistige Reaktion eine andere ist. Denn jeder Mensch reagiert verschieden auf den gleichen Aktivator – spannend wird es dann, wenn wir selbst beeinflussen, wie!

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/ole-fischer-optimal-aktiviert-zwischen-anspannung-und-entspannung/

https://www.die-sportpsychologen.de/johannes-wunder-stressmanagement-im-nachwuchsleistungssport/

https://www.die-sportpsychologen.de/dr-rene-paasch-unter-stress-leistung-bringen/

Literatur

Stangl, W. (2019). Stichwort: ‚Coping‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/36/coping/ (2019-08-17)

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Johanna Constantini: Dealing with the „shitty days“ – Von Sinn & Grenzen beim Tiroler Tag der Sportpsychologie

Wer sich für das Thema Sportpsychologie interessiert, der ist in der wunderbaren Situation, dass aktuell immer mehr hoch interessante Veranstaltungsformate das Licht der Sportwelt erblicken. Ich denke da an die VIRTUAL APPLIED SPORT PSYCHOLOGY SUMMIT 2019 vom 24. bis 27. September 2019 oder an unser Event „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ vom 28. bis 29. September in Leipzig (mehr Infos). Aber auch die etablierten Konferenzen wie zum Beispiel die asp-Jahrestagung oder neue und wachsende Formate wie den Tag der Sportpsychologie NRW von Jürgen Walter gehören in diese Liste. Kürzlich war ich bei einer Veranstaltung, die für viele – mich inbegriffen – unverrückbar zum Jahreskalender gehört: Der Tag der Sportpsychologie in Innsbruck. Ein wunderbarer Ort zur Weiterbildung, zum Netzwerken und zum Erfahrungsaustausch.

Zum Thema: Rückblick auf den Tag der Sportpsychologie 2019

“Was muss passieren, wenn der Flow abreißt?”, diese Frage stellt Christopher Willis, Begründer und Ausbilder des Center of Mental Excellence zum Auftakt des Tages der Tiroler Sportpsychologie 2019.

“It’s about having a good shitty day” wurde dem jungen Willis diese Frage einst von Ken Ravizza beantwortet. Den Sportpsychologen und Supervisor lobt Willis in höchsten Tönen, hat der US-Amerikaner es zu Lebzeiten schließlich stets geschafft, über den Tellerrand zu blicken. Nämlich dorthin, wo die trainingsspezifischen Grenzen aufgezeigt werden und die Probleme des Lebens für den Athleten erst starten…

Unsere Herausforderungen

Um einige Erkenntnisse reiche - Ich bin froh mich als Freiwillige beim Workshop mit Markus Rogan gemeldet zu haben © privat
Um einige Erkenntnisse reicher – Ich bin froh mich als Freiwillige beim Workshop mit Markus Rogan gemeldet zu haben © privat

Ein wichtiger Einstieg in das jährliche Zusammentreffen von Psychologen, Trainern, Sportpsychologen & Athleten, denn die Sportpsychologie darf weit mehr sein, als mentales Training in verschlossenen Hallen. Einfach weil das Leben mit all seinen Herausforderungen vor dem Sport nicht Halt macht, sollte vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe mehr Gewicht bekommen. Darin sind sich auch die folgenden Referenten einig.

Ulf Haefelinger von Red Bull Salzburg fragt vor gespanntem Publikum nach dem Sinn. Nach dem Sinn der Sportpsychologie im Spitzenfußball nämlich. Inspiriert von Existentialist Viktor Frankl teilt er in Schaffens-, Erlebnis- und Einstellungswerte ein und die Botschaft dazu lautet: Es geht stets darum, SELBST aktiv zu werden, das eigene Erleben zu hinterfragen aber auch zu wissen, wie man persönlich mit Stillstand, mit schlechten Phasen umgehen kann. Weil die “letzte der menschlichen Freiheiten darin besteht, die Wahl der Einstellung zu den Dingen zu haben” sind es die EIGENEN Antworten, die entscheidend sind.

Klassenzimmerfetischismus

Dass wir den Athleten diese „Ver-Antwortung“ als Psychologen nicht abnehmen dürfen, verdeutlicht auch Schwimmstar Markus Rogan in seinem abschließenden Vortrag. Der Ausnahmeathlet plädiert dafür, die Expertenrolle inmitten eines „Klassenzimmerfetischismus“ abzulegen und sieht die größte Verantwortung darin, auch mal nichts zu tun. Dieses Nichtstun ist es nämlich, wodurch sich Athleten genügend Raum verschaffen können, um an sich selbst zu arbeiten. Unter dem Motto „Fuck the Flow“ – wie es Ravizza einst formulierte – gilt es vielmehr, als Psychologe, Sportpsychologe oder Coach die bedingungslose Wertschätzung auch dann zu vermitteln, wenn der gefürchtete „shitty day“ zur Realität wird…

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Johanna Constantini

Sportarten: Pferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

Kontakt: j.constantini@die-sportpsychologen.at

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zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Dankeswort

Ein sehr erkenntnisreicher Tag mit vielen spannenden Einsichten in die Arbeit verschiedenster Experten. Vielen Dank an die Veranstalter vom Center of Mental Excellence und den Grillhof in Vill.

Der Beitrag ist am 13. September 2019 auf Johanna Constantinis Seite Constantini.at erschienen. (zum Original-Beitrag).

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/08/02/die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-jugendfussball-28-29-09-2019-in-leipzig
https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/21/prof-dr-oliver-stoll-die-sportpsychologen-werden-immer-wichtiger
https://www.die-sportpsychologen.de/2019/08/15/was-euch-erwartet-themenueberblick-fuer-die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-in-leipzig-28-29-9-2019

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