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Jan van der Koelen: Unterstützende Kommunikation im Trainingsalltag

Ein erfolgreicher Teambuildingprozess verlangt von Trainern eine Menge ab. Bei der Integration von neuen Spielern ist es vor diesem Hintergrund vor allem wichtig, auf die Bedürfnisse der neuen Spieler einzugehen und ihnen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Dies kann mithilfe verschiedener Teambuilding-Maßnahmen erreicht werden. Es ist jedoch wichtig, dass diese Maßnahmen kontinuierlich angewendet werden, um ein dauerhaft positives Ergebnis zu erzielen. Startet hier also in die konkreten Hinweise – oder wer die ersten beiden Texte der Mini-Serie noch nicht gelesen hat, ist herzlich eingeladen, hier noch einmal kurz reinzuschauen:

Teil 1: Vier Phasen des Teambuildings 

Teil 2: Späte Neueinkäufe schnell integrieren

Zum Thema: Teambuilding unter erschwerten Bedingungen, Teil 3

Ein wesentlicher Aspekt beim Teambuilding ist die Kommunikation mit den Einzelnen und mit dem Team als Ganzes. Nehmen Sie sich als Trainer oder Trainerin die Zeit, um mit den neuen Spielern zu sprechen und herauszufinden, was sie motiviert. Ermutigen Sie sie, offen zu sein und ihre Gedanken und Gefühle zu teilen. Wenn Sie ein gutes Verständnis dafür entwickeln, was die neuen Spieler antreibt, können Sie diese Motivation nutzen, um sie in das Team zu integrieren. Auch das Setzen von klaren Zielen ist ein wesentlicher Aspekt des Teambuildings. Helfen Sie den neuen Spielern dabei, sich klarzumachen, was Sie erreichen wollen und welche Rolle sie in dem Team spielen möchten. Wenn alle Spieler eine gemeinsame Vision haben, ist es viel einfacher, sich gegenseitig zu motivieren und anzuspornen. Fördern Sie außerdem die Interaktion untereinander und schaffen Sie Gelegenheiten für soziale Aktivitäten außerhalb des Platzes. Dies stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und fördert die teamorientierte Mentalität. Je stärker das Gefühl der Zusammengehörigkeit, desto mehr werden die neuen Spieler auch bereit sein, für das Team zu arbeiten und alles für den gemeinsamen Erfolg zu geben.

Abschließend gilt: Je offener und früher Kommunikationsprobleme angesprochen sowie Konflikte gelöst werden, desto besser gelingt das Zusammenspiel im gesamten Team. Denn ein Team benötigt immer Zusammenhalt und Loyalität. Dies gelingt nicht von heute auf morgen, sondern erfordert Arbeit, Kommunikation und Engagement.

Kontinuität und Ausdauer

Kontinuierliches Teambuilding über den Saisonverlauf macht absolut Sinn und kann eine enorme Sogwirkung herstellen. Ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Ausrichtung, das Wissen um die Fähigkeiten anderer und auch das wertfreie Akzeptieren der Unterschiedlichkeiten im Team können einen Unterschied machen, der sich im Ligaalltag im Auftreten, in Toren und Punkten ablesen lässt.

Mehr zum Thema:

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Frage und Antwort: Die Angst, vor dem nächsten Riss im Muskel

Angst ist ein Thema, über das im Sport nur unfreiwillig oder gern oberflächlich und meist mit viel Abstand zu unserer eigenen Situation gesprochen wird. Dabei begleiten jeden Sportler und jede Sportlerin Ängste. Mal viele kleine, mal riesengroße Ängste. Und manchmal stehen sie uns brutal im Weg. So wie einem jungen Leistungsfußballer, der anonym zu uns Kontakt aufgenommen hat. Ihn plagt nach entsprechender Leidenszeit die Angst vor einer neuerlichen Verletzung. Wir versuchen, Abhilfe zu schaffen.

Zum Thema: Umgang mit Verletzungen

Die konkrete Anfrage lautet: Ich habe mir vor vier Monaten einen Muskelbündelriss im Hamstring zugezogen. Dann habe ich zu früh (nach vier Wochen) wieder angefangen und die Verletzung ist erneut aufgekommen. Dann habe ich zehn Wochen lang pausiert und war bei der Physio. Bei meinem ersten Sprintversuch hat es wieder gezogen. Ich bin verzweifelt und habe nun panische Angst, wieder voll zu sprinten, da ich befürchte, dass wieder etwas reißt.

Die Frage: Wie werde ich die Angst los, so dass ich mich wieder traue, zu rennen und Fußball zu spielen?

Maria Senz

Antwort von Maria Senz (zum Profil):

Lieber Sportler,

Fußball ist ein so impulsiver, schneller Draußen-Sport, umgeben von einer unglaublichen Stadionkulisse – Gänsehaut, Freudentaumel, Jubel, Feuerwerk. Aktuell scheint diese sportliche Leidenschaft von einer (wiederholten) Verletzung für dich ausgebremst zu sein. Dein Geist reagiert mit panischer Angst, was sich auf deinen Körper überträgt. Die Folge: vermutlich gehst du in unbewusste Schonhaltungen, was dazu führen kann, dass deine gewohnte und benötigte Erwärmung sowie Technik unvollständig ausgeführt wird und mit Zerrungen enden.

Um deine Angst Stückchen für Stückchen im Kopf zu lösen, so dass auch dein Körper wieder in seine ursprüngliche Bereitschaft zurückkehren kann, ist ein erster Schritt, deine Angst zu verstehen und zu akzeptieren. Denn erst, wenn wir Dinge akzeptieren, sind wir in der Lage, diese auch loszulassen. Angst kann ein wichtiger Begleiter sein, der uns schützen möchte – Schützen vor Gefahren.

Für eine bessere Nachvollziehbarkeit möchte ich dir eine mögliche Auswirkungskette aufzeigen, die durch Angst ausgelöst werden kann: aus der Angst heraus kann sich Unsicherheit nähren. Unsicherheit, die vermutlich in deine Sprinttechnik einwirkt und dich anders Sprinten lässt als dein gewöhnliches, dir bekanntes Sprinten. Das wiederum löst Frust bei dir aus, da deine gewohnte und verlässliche Technik ausbleibt. Du setzt dich unter Druck. Diese Art Druck ist ein hinderlicher Begleiter, der vermutlich deine Anspannung hervorruft. Diese Anspannung lähmt zusätzlich deine körperliche Bewegung, so dass deine Technik weiter in Mitleidenschaft gezogen wird. In Summe ein Chaos, was neuerliche Verletzungen vorprogrammiert.

Wie also nun aus diesem Dilemma entfliehen, um entspannt den Sport auszuführen?

(1)   Deine Angst hast du bereits erkannt. Nun fang an, mit ihr zu kooperieren und sie für dich zu nutzen, indem du mit ihr ins Gespräch gehst (=Akzeptanz): “Hallo Angst, schön, dass du da bist und auf mich aufpassen möchtest. Gleichzeitig möchte ich dich heute bitten, dass ich die Führung übernehme und du als stille Beobachterin von der Tribüne aus zu gucken darfst.” Symbolisch/gedanklich platzierst du sie auf der Tribüne. – Effekt: Du übernimmst und delegierst die Angst (vorher war es vielleicht umgekehrt).

(2)   Mach die Unsicherheit zur Sicherheit: was gibt dir Sicherheit in deinem Sport/was davon hast du selber in der Hand? Zum Beispiel deine Schuhe, deine Kleidung, dein Ziel, der Untergrund, das Stadion, die Abläufe beim Sprint, die Technik in ihren einzelnen Mini-Schritten, Armband/Kette/Talisman mit denen du zum Beispiel Sicherheit und Stärke verbindest.

(3)   Mach aus dem Frust Verständnis. Verständnis für deine Situation, dass deine Verletzung noch etwas Zeit braucht und du ggf. ein paar Trainingsschritte zurück gehst. Erinnere dich an einen Trainingsstandpunkt, wo deine Messlatte niedriger lag. Steige genau dort ins Training ein, so dass Trainingserfolge für dich realistisch werden. Geduld lässt Freude und Zuversicht möglich werden.

(4)   Druck erzeugt meist Gegendruck, allein schon aus der Physik heraus. Der Druck kommt daher, dass deine eigentliche Leistung aktuell verborgen scheint, mit deinem Wissen, dass diese Leistung möglich ist. Du möchtest also unbedingt diese Leistung abrufen. Das alles passiert auf der geistigen Ebene. Dein Körper allerdings ist noch auf einem anderen Level. Versuche also deine Gedanken zu steuern, so dass aus dem Druck ein Sog wird. Vielleicht in etwa so: “Ich weiß, dass ich es kann und die Leistung möglich ist. Ich weiß, wo ich wieder hin möchte und was ich erreichen kann. Das motiviert mich, in kleinen Schritten in diese Richtung hinzuarbeiten.

Und wenn du anfängst, die Schritte eins bis vier mit dem Glauben daran auszuprobieren und erste Fortschritte spürbar werden, dann kommt deine gewünschte Leistung wie von selbst zurück. Bedenke: es ist ein Prozess. Dabei lieber von 0 auf 10 und wieder zurück, anstelle von 0 auf 100 und wieder kaputt.

Das ist eine mögliche Vorgehensweise für dich. Probier es aus, sei geduldig mit dir, erlaube dir Übung, Wiederholung, Anpassung und vor allem Freude beim Training.

Anke Precht

Antwort von Anke Precht (zum Profil):

Was du gerade durchmachst, haben schon viele Sportler erlebt – besonders nach einer wiederholten Verletzung. Verletzungen können auch psychisch verletzen, und wie Maria Senz schon ausgeführt hat, entsteht dann Angst, um den Körper vor einer erneuten Verletzung zu “schützen”. Als würde sich das Gehirn sagen: “Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wer nicht rennt, dem passiert auch nichts.” 

Natürlich wird dabei vergessen, dass die sportliche Performance für einen Sportler wichtig ist, und wenn die medizinische Abteilung das Go gegeben hat, ist Training besser als Schonung, auch bis in den maximalen Bereich.

Aus Sicht des physischen Trainings kann hilfreich sein, immer wieder anzusprinten, und zwar so viel, dass es sich stabil anfühlt. Dann minimal erhöhen. Die Zahl der Wiederholungen “ohne” Probleme sind entscheidend dafür, dass Körper und Psyche wieder Vertrauen in die Stabilität der Muskulatur gewinnen – auch wenn es sich parallel dazu noch komisch anfühlt.

Zur gleichen Zeit sollte dann die psychologische Verarbeitung stattfinden. Die von Maria Senz beschriebene “Do-it-yourself”-Strategie kann gut ergänzt werden durch Verfahren, die sich in der Traumatherapie bewährt haben und dazu führen, dass die Verletzung im Gehirn vollständig verarbeitet wird. Dass sie also aus der Wiedervorlage, wo die Erinnerung als “Aufpasser” Angst produziert, um zu “schützen”, ins Archiv kommt und dort die passenden Etiketten bekommt, die zur gegenwärtigen Realität passen. Also: Es ist überstanden, der Doc hat das Ok gegeben, ich habe aus meinem Übereifer gelernt, dieses Mal bin ich es langsamer angegangen und bin in Sicherheit.

Diese Verfahren wie EMDR, EMI, Klopfakupressur oder auch Somatic Experiencing bieten einige Sportpsychologen an, und auch psychologische Traumatherapeuten. Es lohnt sich, ein paar Termine zu buchen, um den Kopf dann wieder frei zu haben, mit einer gesunden Vorsicht – aber ohne Angst.

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Jan van der Koelen

Antwort von Jan van der Koelen (zum Profil): 

Toll, dass du deine Frage stellst, damit hast du schon Schritte gemacht, um für dich eine Lösung zu finden, damit du wieder mit Freude und Leichtigkeit auf dem Platz stehen kannst. 

Die Angst ist ein natürliches Gefühl und sie erzeugt auch eine Achtsamkeit im Umgang mit deinem Körper. Aber manchmal kann die Angst auch überwältigend sein und uns davon abhalten, die Dinge zu tun, die wir wirklich tun möchten. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, mit Angst umzugehen. Jeder Mensch ist anders und deshalb gibt es keine „richtige“ Methode, mit der Angst umzugehen. Die wichtigste Sache ist herauszufinden, was für dich am besten funktioniert. 

Wenn aus medizinischer Sicht wieder alles verheilt ist und du Angst vor dem Sprinten oder Fußballspielen hast, gibt es einige Dinge, die du tun kannst, um damit einen nützlichen Umgang zu finden:

1. Identifiziere und akzeptiere deine Angst: Zunächst einmal solltest du versuchen, deine Ängste zu verstehen und zu akzeptieren. Was ganz genau macht dir Angst? Wenn du weißt, was genau dich ängstigt, kannst du diesem Gefühl besser entgegentreten. Stelle dir Fragen wie: Ist es die Angst vor dem Schmerz, der erneuten Verletzung, dem Nicht-spielen-können, den Erwartungen oder etwas anderes? 

2. Atme tief durch und führe positive Selbstgespräche: Atmen hilft uns, unseren Körper zu entspannen und unser Denken zu beruhigen. Beim Ein- und Ausatmen kannst du dir vorstellen, wie deine Angst sich z.B. mit deinem Glauben an dich selbst auswechselt. Übe dich gerne auch in regelmäßigen positiven Selbstgesprächen und glaube an dich. Beispielsweise: „Ich bin fit. Ich kann sprinten, Ich schaffe das.“ – Überprüfe, ob deine Angst sich dadurch regulieren lässt. 

3. Visualisiere den Erfolg und den Heilungsprozess: Stelle dir vor, wie es sich anfühlt, wenn du deine Ziele im Sprinten und im Fußball erreicht hast. Vielleicht siehst du dich selbst nach dem Laufen glücklich und zufrieden. Diese positive Visualisierung hilft dir dabei, deine Ängste zu bewältigen und dich auf den Erfolg zu konzentrieren. Du kannst auch deinen Heilungsprozess visualisieren, indem du vor deinem inneren Auge die Rückseite des Oberschenkels mit den zuständigen drei Muskeln aufkommen lässt.

4. Setze realistische Ziele: Überlege dir genau, was du nach zehn Wochen Pause erreichen möchtest und stelle sicher, dass diese Ziele realistisch sind. Fang langsam an und arbeite dich Schritt für Schritt beim Sprinten vor. Prüfe auch, ob allein joggen oder im Freien Fußball spielen, ohne Erwartungsdruck von Innen und Außen, einen Unterschied im Angsterleben auslöst. 

Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, mit Angst umzugehen oder geschweige denn sie loszuwerden – jeder kann hierbei seinen eigenen Weg finden. Aber sobald du lernst, damit umzugehen, wirst du sehen, dass sie nicht mehr so mächtig ist und du dich wieder freier fühlst! Manchmal hilft es auch, mit jemandem darüber zu sprechen, damit du deine Gedanken sortieren kannst. Ich wünsche dir viel Erfolg! 

Deine Frage?

Wir von Die Sportpsychologen sind für dich da. Und weil wir wissen, dass manchmal eine kleine Schwelle im Weg steht, Kontakt zu einem “Psychologen”, einer “Psychologin” oder einer/einem “MentaltrainerIn” zu suchen, machen wir einen Schritt auf dich zu. Wenn du also auch eine Frage an uns loswerden möchtest, dann nutz dafür das folgende Formular.

    Wichtig zu wissen: Manche Fragen und deren Antworten veröffentlichen wir nicht. Wir treten dann mit den jeweiligen FragestellerInnen persönlich in Kontakt. Dies behalten wir uns für Fälle vor, in denen die Anonymität nicht gewährleistet werden kann oder das angestoßene Thema besser im geschützten Raum besprochen wird. Zudem gilt: Unsere Antworten können nicht mehr als Anstösse liefern. Anstösse, von denen du als Leser oder Leserin ableiten kannst, wie wir von Die Sportpsychologen ticken und was wir so machen.

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    Jan van der Koelen: Späte Neueinkäufe schnell integrieren

    Im Idealzustand beginnen die Teambuildingprozesse mit dem Trainingsstart vor der Saison und werden fortlaufend innerhalb der gesamten Serie fortgesetzt. Im Profi-Sport, nicht zuletzt im Fußball, ist es mittlerweile fast normal geworden, dass bis zum Ende der Transferperiode Ende August/Anfang September noch fleißig Spieler verkauft oder hinzugeholt werden. Das Teambuilding wird damit natürlich erschwert, die in der Theorie gesetzten Phasen verzerrt. Interessant ist: Kommt es aufgrund einer deutlich schlechteren oder deutlich besseren Leistung des Teams zu einer gravierenden Änderung der Zielvorgabe, kann der vierstufige Entwicklungsprozess (siehe Text: Vier Phasen des Teambuildings) erneut durchlaufen werden. Wie sollen Trainer also vorgehen?

    Zum Thema: Teambuilding unter erschwerten Bedingungen, Teil 2

    Sportartübergreifend, ob im Fußball, Handball oder Eishockey – in vielen Teamsportarten tauchen immer wieder Neuzugänge oder Rückkehrer auf. Der Kader wird in der schon angelaufenen Saison zum Teil deutlich verändert. Ein Problem: Das Teamgefühl stellt sich, eben wegen dieser neuen personellen Konstellationen, meist nicht sofort ein. Die Integration neuer Spieler kann also zu einer großen Herausforderung werden, wenn die Mannschaft bereits mitten in der Saison ist und keine Zeit für Teambuilding-Maßnahmen bleibt. 

    Wie also können diese Spieler so integriert werden, dass sie die Philosophie des Teams verinnerlichen und zu vollwertigen Mitgliedern werden und darüber hinaus ihre volle Leistung bringen und damit das Team unterstützen?

    Konkrete Tipps und Hinweise

    Aus sportpsychologischer Sicht können neue Spieler mitten in der Saison schnell ins Team integriert werden, indem sie selbst, die Mitspieler und das Trainerteam sich im allgemeinen an folgenden Hinweisen orientieren:

    • Zunächst sollten neu hinzukommende versuchen, so viel wie möglich über das Team und seine Mitglieder zu lernen. Dazu gehört es, die Stärken und Schwächen der anderen Spieler kennenzulernen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Andersherum sollten sich bereits integrierte Spieler bemühen, die neuen Mitspieler mit ihren Fähigkeiten und Einzigartigkeiten kennenzulernen. 
    • Durch eine offene Kommunikation mit den anderen Spielern und dem Trainer können neue Spieler sich selbst präsentieren und ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten einbringen. 
    • Das Trainerteam sorgt dafür, dass alle Spieler – auch die Neuzugänge – verstehen, warum bestimmte Regeln oder Abläufe im Training und im Spiel existieren. Das Verständnis für die teaminternen Abläufe erleichtert es den Akteuren, sich anzupassen und erspart lange Diskussionen über „warum“ etwas gemacht wird. 
    • Ebenso sollten alle Spieler die gleichen Chancen bekommen, um sich zu beweisen und ihr Können unter Beweis zu stellen. Nur so kann das Vertrauen aller Akteure in das neue Teammitglied gestärkt werden. 
    • Die neuen Mitspieler sollten versuchen, offen für Kritik zu sein und auf die Anregungen der anderen Spieler mit Neugier zu reagieren und dies als gegenseitiges Lernen und Unterstützen bewerten. 
    • Eine große Bereicherung kann der neue Spieler sein, wenn er durch seine Vorfreude auf seinen nächsten Schritt oder Wechsel in einen anderen Verein positive Energie ins Team bringt. Er sollte versuchen, optimistisch und motiviert zu sein und die anderen Spieler mit seiner positiven Einstellung anzustecken. 

    Sportspychologen/Sport-Mentaltrainer können in dieser Phase sehr gezielt helfen. Wenn ihr mit eurem Team in eben einer solchen Situationen steckt, nehmt gern zu meinen Kollegen (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Jan van der Koelen) Kontakt auf.

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    Thorsten Loch: Warum Hirngespenster so erfolgreich sind

    Wer kennt es denn nicht? Wir bereiten uns in harten Trainingseinheiten Woche für Woche auf diesen einen Moment im Wettkampf vor. Und wenn er schließlich da ist, dann trauen wir uns nicht. Verzweifelt stellen wir uns und unser Handeln in Frage. „Du kannst es nicht! Lass es sein!“ Mit solchen oder ähnlichen tief verwurzelten Überzeugungen, sogenannten Glaubenssätzen, beschäftigt sich der folgende Blogbeitrag. Hier lernst du, wie deine Glaubenssätze aussehen, wie du sie über Bord wirfst und durch bessere Leitsätze ersetzt.

    Zum Thema: Hirngespenster als Glaubenssätze, die uns im Weg stehen

    Ein typisches Merkmal von Glaubenssätzen ist, dass ihre objektive Grundlage alles andere als auf stabilen Beinen steht. Vielmehr beruhen sie häufig auf Verallgemeinerungen und subjektiven Meinungen. Dabei sind Glaubenssätze per se nicht nur schlecht, ganz im Gegenteil. Sie können uns sogar motivieren. Stellen wir uns einmal vor, dass du einen neuen Wurf als Pitcher lernen möchtest, bist jedoch nach den ersten Trainingsstunde vollkommen frustriert, weil du den Spot nicht triffst. So könnte dir der bekannte Glaubenssatz „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ helfen, es weiter zu versuchen, bis du es schaffst. Es gibt jedoch auch Glaubenssätze, die uns einengen und daran hindern, im Leben/Sport weiterzukommen. Die Autorin Nicole Truchseß (2021) bezeichnet solche Glaubenssätze, welche uns davon überzeugen wollen, nicht gut genug zu sein, als Hirngespenster. Doch es kommt noch schlimmer: Hirngespenster beeinflussen sogar unser Verhalten und werden oft zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Wer überzeugt davon ist „eh keine Chance zu haben“, wird sich bei Spielen unterbewusst weniger anstrengen/verkrampfen – und am Ende womöglich doch mit leeren Händen nach Hause gehen. 

    Wer diesen oder ähnlichen Glaubenssätzen verfallen ist, hat meistens kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das mutlose Hirngespenst hält einen davon ab, die eigene Komfortzone zu verlassen, und möchte stattdessen lieber den Status quo erhalten. Es stellt sich einem warnend in den Weg, wenn wir beispielsweise einen neuen Wurf erstmals in einem Spiel einsetzen wollen.

    Deine Glaubenssätze ausfindig machen

    Was wir wissen: Glaubenssätze sind subjektive und tief verwurzelte Überzeugungen. Aber wie kommen wir an diese heran? Wir müssen jene Hirngespenster ausfindig machen, die uns nicht gut tun oder einschränken. Kurzfristig bieten sie zwar Vorteile, indem sie unser Sicherheitsbedürfnis bedienen. Jedoch hindern sie uns langfristig daran, an uns selbst zu arbeiten und zu wachsen. Wie identifiziert man nun seine eigenen Glaubenssätze? Halte dazu deine Antworten auf folgende Fragen schriftlich fest: Was denkst du über dich und dein Leben? Welche Überzeugungen hast du bezüglich anderer Menschen und deiner Partnerschaft? Und was denkst du über deinen Job? Wenn du deine Antworten notiert hast, dann schau noch einmal auf deine Liste und markiere alle Glaubenssätze, auf die mindestens eine der folgenden Aussagen zutrifft:

    • Die Überzeugungen verursachen negative Emotionen.
    • Sie haben schon einmal dazu geführt, dass du mit einem Vorhaben nicht erfolgreich warst.
    • Sie führen oft zu Konflikten mit anderen Menschen.

    Ungebetene Irrationalität 

    Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass es sich bei den markierten Glaubenssätzen um Hirngespenster handelt. Aber wie schaffen diese es eigentlich, sich so hartnäckig in unserem Bewusstsein zu halten? Nun, sie profitieren davon, dass unser Denken nicht ganz so rational ist, wie wir es gerne hätten. Wenn das Gehirn eine neue Situation beurteilen muss, nutzt es gerne vorhandene synaptische Verbindungen, um Energie zu sparen. Das kann dazu führen, dass wir manchmal wie auf Autopilot funktionieren – und in bestimmten Situationen reflexartig das immer gleiche Denkmuster abspulen. Daniel Kahnemann hat mit seinem Werk „Schnelles und Langsames Denken“ (2012) ein hervorragendes Buch dazu veröffentlicht. So heißt unser Gehirn ebenfalls Verallgemeinerungen willkommen. So muss dieses nicht jedes Mal alle neuen Informationen abwägen, um ein Urteil zu fällen. Leider kann das dazu führen, dass wir insbesondere das Wahrnehmen, was unsere Vorannahme bestätigt. Und die Hirngespenster scheinen sich immer mehr zu bewahrheiten. Zum Beispiel, indem man nach einem schlechteren Pitch denkt: „War ja klar. Den trifft jeder, der Ball war nicht schnell genug!“

    Aus den Gründen, dass unser Gehirn Wiederholungen und gedankliche Abkürzungen liebt, werden wir Hirngespenster nur schwer wieder los. Doch sind wir auf Lebzeiten an diese Fesseln gebunden? Glücklicherweise gibt es verschiedene Möglichkeiten, jene unbeliebten Plagegeister loszuwerden. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel dein persönlicher Zaubertrank.  Erinnerst du dich noch an die beiden Comic Gallier Asterix und Obelix? Sie mussten nur den Zaubertrank von Miraculix trinken – bzw. nur Asterix, denn bekanntlich ist sein Kumpel Obelix als kleines Kind in den Topf gefallen – und schon strotzt er vor Stärke und Zuversicht. Klingt verlockend? Dann starten wir mit dem Brauen deines Zaubertrankes. Hierbei gehst du folgendermaßen vor…

    Dein Zaubertrank

    Erinnere dich an eine Situation, in der du deine Stärken erfolgreich einsetzen konntest und dich fantastisch gefühlt hast. Wie sah die Umgebung aus, was hast du gehört und gerochen? Spüre die Emotionen nach und lass sie auf dich wirken. Wenn du drin bist, suche dir einen Anker für dieses Gefühl. Du könntest einen Glücksbringer anfassen, deine Faust ballen oder an dein Armband drehen. Führe diesen Prozess ein paar Mal durch, bis du das Gefühl hast, dein Erfolgserlebnis sei mit dem Anker verknüpft. Versuche nun, das positive Gefühl hervorzurufen, indem du deinen Anker verwendest. Diesen Anker kannst du in Zukunft jederzeit anwenden, wenn du das Gefühl hast, dass dich wieder eine Flut negativer Gefühle überkommt.

    Fazit: Menschen entwickeln Glaubenssätze, um schneller und einfacher durchs Leben zu kommen. Sie führen dazu, dass wir schlechte Gewohnheiten bewahren, Herausforderungen meiden oder unser Selbstwertgefühl an unserer Leistung festmachen. Einige Glaubenssätze tragen wir bereits einige Zeit mit uns herum. Aus diesem Grund sind sie so schwer abzulegen, weil sie uns kurzfristige Vorteile bieten und die Funktionsweise unseres Gehirns geschickt ausnutzen. Doch glücklicherweise sind wir den kleinen Plagegeistern nicht vollkommen ausgeliefert. Negative Glaubenssätze zu erkennen, ist der erste Schritt, um uns selbst und andere besser zu verstehen. Und wer es schafft, sie zu widerlegen und ihnen positive Gedanken entgegenzusetzen, ist auf dem besten Weg zu mehr Glück und Freiheit. 

    Literatur:

    Kahnemann, D. (2012): Schnelles Denken, Langsames Denken. Wie wir Entscheidungen treffen und was das mit der Wirtschaft zu tun hat. Pantheon Verlag. 

    Truchseß, N. ((2021): Glaubenssätzen auf der Spur. Wie sie ihr Leben selbst steuern, statt Hirngespenstern zu folgen. Gabal Verlag. 

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    Maria Senz: Gelb ist das neue Gold – die Schweden denken den Beachvolleyball neu

    Es war mein sportliches Highlight im Sommer 2022: Die European Championships in München. Und meine sportliche Leidenschaft würdig vertreten: Beachvolleyball auf dem Königsplatz. Was eine Atmosphäre, was eine Stimmung, was eine Party. Gänsehaut, Freudentränen, Begeisterung und jedes Spiel ein Augenschmaus mit Blick auf Technik, Taktik, Athletik und Köpfchen. Ich liebe es, solche Spiele zu analysieren. Meine ganz persönliche Atmosphäre dabei: ein Übertragungsmedium draußen im Garten (Beachvolleyball ist ein Draußensport), Zettel, Stift und Pausentaste. Pausentaste? Klar, um das Bild einfrieren, zurück zu spulen und in kleinen Schrittchen wieder vor zu spulen. Volle Analyse also. Und so sind mir spätestens hier zwei Beachvolleyballer aufgefallen, von denen du und ich noch eine Menge lernen können. Was, habe ich hier zusammengefasst.

    Zum Thema: Die Leistungsfähigkeit im Beachvolleyball steigern

    Am meisten beeindruckt hat mich aktuell der Beachvolleyballstil der schwedischen Herren – Åhman und Hellvig steht auf ihren gelb-blauen Trikots: erfrischend anders, unkonventionell, schnell, verwirrend und doch irgendwie klar, jung, dynamisch und mit einer selbstbewussten sowie charmanten Ausstrahlung, die das Publikum unmittelbar in Staunen, Spannung und Mitfiebern versetzt. Damit gibt die Kulisse auch eine Motivationsmacht zurück, die das Team antreibt und Punkt für Punkt einsammeln lässt.

    Die Schweden prägen einen anderen Stil im Beachvolleyball: etwas Neues und damit erstmal Unbekanntes für den Gegner. Unbekanntes führt bekanntlich zu Unwissenheit. Und großen Fragen: Wie soll ich darauf reagieren? Mit welchen Handlungsaktionen kann ich die beiden bezwingen? Der Kopf ist an, obwohl ich im Turnier doch eigentlich routiniert meine Aktionen abrufe. Unsicherheit macht sich breit. Die Körperspannung ist weg und die Haltung gleicht einem nassen Sack. Der Kopf gesenkt, die Schultern nach vorne, der Blick in den Sand. Verzweiflung, Frust, Versagen – Spielverlust.

    Bei sich bleiben – was bedeutet das?

    Sie sind technisch und taktisch klug durch unvorhersehbare Aktionen, sind scheinbar auf jeden möglichen Spielzug vorbereitet und haben immer eine Lösung parat. Sie sind wachsam wie ein Luchs und Lesen den Gegner noch vor seinem Spielzug. Prophezeiung? Oder die Fähigkeit, den Gegner zu der Reaktion zu zwingen, auf die ich mich dann wieder perfekt einstellen kann, um den Punkt für mich zu entscheiden? Athletisch ähneln sie einem Känguru – locker, leicht in den Beinen zum Sprung ansetzend und Powow, der Block oder Angriffsschlag für den Punkt. Mental sind sie überragend und vor allem: sie bleiben bei sich, auf ihrer Feldhälfte, in ihren 64 m2, bei ihren Leistungen. 

    Wenn ich in der Lage bin, bei mir zu bleiben, kann mich nichts und niemand von außen ablenken und ich habe Kenntnis von allem, was um mich herum passiert. Vielleicht gerade deshalb, weil ich weiß, was um mich herum passiert, fühle ich mich sicher, geborgen und wohl. Genau die Atmosphäre, die ich brauche, um meine Aufmerksamkeit voll und ganz nach innen zu richten – auf mich, meine Leistung, auf uns als Team und unsere gemeinsame Leistung. Wenn ich dann noch die maximale Kenntnis davon habe, zu welcher Leistung ich und wir als Team fähig sind und welche Leistung wir in welchem Moment in den Sand bringen, um zu punkten, sind wir unbesiegbar. Die sogenannten Laborbedingungen: Wir erschaffen uns einen Zustand, in dem uns alle Parameter bekannt sind und wir somit auf alles vorbereitet sind. Ein Gefühl von Vorhersehen macht sich breit. Wir haben maximale Kontrolle. Durch unsere Aktionen sind wir in der Lage, den Gegner zu Reaktionen zu zwingen, die wir brauchen, um wiederum mit Handlungen entgegenzuwirken, die wir wollen, um final zu punkten.

    Wie schaffe ich das?

    Das klingt wie Hexenwerk, ist es aber nicht. Hier einige Tipps für die Praxis:

    1. Analyse des Umfelds:
    • Was/wer ist da? Gegner, Schiedsgericht, Publikum, Wind, wehende Fahnen, Musik, Regen, Sonne,…
    • Was davon beeinflusst mich wie? motivierend, irritierend, nervig, antreibend,…
    • Was sollte ich mir zunutze machen?
    • Wovor sollte ich mich wie schützen?
    1. Analyse nach innen:
    • Was sind meine Aufgaben in meiner Position? abwehren, kommunizieren, assen,…
    • Was sind grundsätzlich meine Schwächen/Stärken/Talente?
    • Wie kann ich mir was zunutze machen?
    • Wie ergänzen wir uns als Team optimal?
    • Welche Strategie bewirkt was?
    • Welche Reaktionen sind darauf möglich?
    1. Bring das Labor in den Sand:
    • Sammelt alle Parameter für euer Labor
    • Formt euer Labor in 3D
    • Durchlauft alle möglichen Perspektiven
    • Lasst es wirken
    • Findet Lösungen
    • Geht in den Sand und probiert es aus

    Das ist ein möglicher Ansatz, um bei sich zu bleiben. Du willst mehr zum Thema wissen? Brauchst Begleitung bei deiner Analyse? Dann lass uns loslegen! Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Maria Senz) unterstützen dich gern dabei.

    Mehr zum Thema:

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    Jan van der Koelen: Vier Phasen des Teambuildings

    Teambuilding ist nicht immer einfach – vor allem dann nicht, wenn die Zeit knapp ist. Der Transfermarkt schloss auch dieses Jahr am 1. September. Viele Teams befinden sich bereits mitten in der Saison und müssen aufgrund von Verletzungen oder anderen Umständen neue Spieler integrieren, wobei die Mannschaft bereits Phasen der Teamentwicklung hinter sich hat. Für Trainer und Spieler bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung auf dem Weg zu sportlichem Erfolg. Wie kann man neue Spieler schnell ins Team integrieren, damit das Team weiterhin erfolgreich ist? Mit dieser Leitfrage beschäftige ich mich in einer Mini-Serie. In diesem Blogartikel legen wir die Kontrolle, in zwei weiteren Teilen geht um konkrete Tipps und Hinweise für Teams und Trainer:

    Teil 2: (online ab 20.9.2022)

    Teil 3: (online ab 22.9.2022)

    Zum Thema: Teambuilding unter erschwerten Bedingungen, Teil 1

    Unter Teambuilding versteht sich im sportlichen Alltagsgebrauch häufig eine einmalige Aktivität in der Sommervorbereitung, die zur Kohäsion beitragen soll. Kohäsion wird als „innerer Zusammenhalt“ oder auch „Gruppen-/Mannschaftszusammenhalt“ beschrieben (Baumann, 2008). Sie kann ein Faktor sein, der auf die Leistung eines Athleten wirken kann. Unterschieden wird zwischen sozialer und aufgabenbezogener Kohäsion. Während bei der sozialen Kohäsion die gegenseitige Bindung und Sympathie im Vordergrund steht, ist bei der aufgabenbezogenen Kohäsion eher die Bindung und Attraktion auf das gemeinsame Gruppenziel im Fokus.

    Positive Zusammenhänge zwischen Kohäsion und Leistung zeigen sich in Mannschaften, die gemeinsam ein hohes Maß an wechselseitigen Interaktionen aufweisen (Landers, 1982). Beispielsweise betrifft dies Teamsportarten wie Fussball, Basketball oder Handball. Während es Sportler gibt, die davon profitieren, wenn sie untereinander gut kooperieren und einen hohen Kohäsionswert aufzeigen, so gibt es auch Sportler, die herausragende Leistungen abrufen, wenn sie miteinander konkurrieren.

    Ein fortlaufender Prozess

    Unter Berücksichtigung der Kohäsion ist die „Teambildung“ ein fortlaufender Prozess im Mannschaftsgefüge und kommt nicht zum Stillstand. Wichtig: Teambuilding hat nur einen kurzzeitigen Nutzen, wenn es lediglich im Rahmen der Saisonvorbereitung aktiv bespielt wird. 

    Einen hervorragenden Überblick zum Thema bietet das Modell von Bruce Tuckman. Dieses nutze ich als Grundlage, um in den folgenden Texten mögliche Interventionsmöglichkeiten für den Trainer- und Spieleralltag abzuleiten. Der US-Psychologe Bruce Tuckman gibt vor, dass die Entwicklung einer Gruppe von Einzelsportlern zu einem Team in vier verschiedenen Stufen verläuft (Tuckman. B., Developmental Sequence in small Groups. In Psychological, Bulletin 63., 1965):

    1. Forming – Kennenlernphase

    In dieser Phase kommen die verschiedenen Teammitglieder anfänglich in Kontakt. Sie lernen sich untereinander kennen und bilden im Gespräch über private und sportliche Themen erste Sympathien und Antipathien. Ebenso werden erste Kontakte zu den Trainern und zum erweiterten Staff geknüpft. In dieser Phase sind die Regeln und Normen der Mannschaft noch nicht definiert. Ebenso besteht noch kein gemeinsames Ziel für das Team. In dieser Anfangsphase ist der Trainer, im Kontext von Mannschaftssport, äußerst wichtig. Hilfreich ist eine orientierungsgebende Kommunikation, die bestehende Erwartungen kommuniziert. Gespräche mit der Mannschaft und dem Team unterstützen dabei eine einheitliche Norm und helfen, eine hohe Motivation zu entwickeln, damit ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen kann. Im Idealfall entsteht in dieser Phase das Teamziel, das es gemeinsam zu erreichen gilt.

    Diese „Kennenlernphase“ ist grundlegend und prozessleitend. In dieser Zeit ist in der Regel die Neugier Einzelner hoch und der Mensch offen für orientierungsgebende Rahmenbedingungen. 

    insbesondere am Anfang eines Teambuildinglprozesses kann auch die Rolle des Sportpsychologen/Sport-Mentaltrainers noch am schnellsten positiv und mit einer „Komm- und Gehstruktur“ besetzt werden. Das mentale Training kann zu Beginn ein wertvoller Baustein sein, der dazu verhelfen kann, ein sinnstiftendes und mit hoher Motivation besetztes Teamziel zu erzeugen.

    2. Storming – Konfliktphase

    Aufgrund der verschiedenen Persönlichkeiten und Herangehensweisen der Einzelnen im Team kann es in der zweiten Phase zu einigen Konflikten untereinander kommen. Die zweite Phase im Teamentwicklungsprozess ist eine entscheidende, da sie maßgeblich dazu beiträgt, dass die einzelnen Spieler ihre Rolle im Team erkennen und sie, im Sinne des Mannschaftserfolgs, akzeptieren. Die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen sind hier noch handlungsleitend und führen zu unterschiedlichen Auseinandersetzungen, welche Aufschlüsse über die Hierarchie geben. Das Konkurrieren um Plätze und Rollen ist hier noch zentral, was sich in Widerständen gegen Trainer, Spieler und Umsetzungen zeigen kann.

    Der Trainer achtet hier insbesondere auf eine offene Kommunikation und stellt die erkannten Stärken und Schwächen als Profil zur Verfügung. Das Feedback und die Orientierung verhelfen zu einem respektvollen Umgang.

    Die Erkenntnisse, dass die Unterschiedlichkeit innerhalb des Teams und das Vorhandensein von vielen verschiedenen Stärken,verhelfen zum Übergang in die dritte Phase.

    Übrigens kann auch in Phase zwei der Sportspychologe/Sport-Mentaltrainer „besonders intensiv gefordert“ sein, um den Trainer dabei zu unterstützen, ein Teamgefüge zu entwickeln, dass sich gegenseitig fordert und fördert. Der eigene konstruktive Umgang in den „stürmischen“ Phasen mit Konflikten kann auch den Sportlern dazu verhelfen, untereinander Lösungen für die eventuellen Rollenkonflikte zu finden. In Zusammenarbeit mit den Spielern gilt ebenso, dass der Sportspychologe/Sport-Mentaltrainer dabei helfen kann, eigene Zielvorstellungen mit denen der Mitspieler in Einklang zu bringen. 

    Immens unterstützend kann in dieser Phase der Sportspychologe/Sport-Mentaltrainer, in Zusammenarbeit mit dem Trainer, sein, um dazu zu verhelfen nicht zu eilig das „Storming“ als beendet zu erklären, wozu Teams und Verantwortliche, aus beispielweise harmonisierenden oder Konfliktvermeidenden Gründen, häufig neigen.

    3. Norming – Festigungsphase

    Die dritte Phase zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass das formulierte Mannschaftsziel über den persönlichen Zielen eines jeden Einzelnen steht. In dieser Phase respektieren und akzeptieren sich die Einzelnen in ihrer Unterschiedlichkeit. Die unterschiedlichen Rollen sind gefestigt und eindeutig markiert, womit das Team kooperativ agieren kann und einen hohen Zusammenhalt entwickelt.

    4. Performing – Leistungsphase

    Das Vertrauen zueinander und das „Wir-Gefühl“ ist hier besonders stark ausgeprägt und verhilft zur Zielerreichung als gemeinsam empfundenes Team. In dieser Phase ist das Leistungsniveau hoch und die Teamprozesse sind optimal eingestellt. Damit diese Phase längere Zeit bestand hat kann der Trainer bei jedem Spieler ein Gefühl erzeugen, das ihm, unabhängig von der Rolle im Team, Bedeutsamkeit für den Gesamterfolg vermittelt. Das zu Anfang vorherrschende Konkurrenzdenken ist nach außen gerichtet und die grundlegende Motivation zur Teamzielerreichung kommt bei jedem von innen (intrinsische Motivation).

    In Phase vier kann die Zusammenarbeit mit dem Sportspychologen/Sport-Mentaltrainer sehr intensiv stattfinden, da es äußerst herausfordernd ist, den optimalen Leistungszustand aufrecht zu erhalten. Sprich das gemeinsame Ziel im Fokus zu behalten und die kooperierende Haltung im Team immer wieder positiv zu konnotieren. Ebenso das Spannungsfeld zwischen Leistungsdruck und Erholung so zu begleiten, dass ein ausgewogener zieldienlicher Erregungszustand entsteht.

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    Frage und Antwort: Angst vor größeren Gegnern im Nachwuchssport

    Die Situation im Nachwuchssport ist seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Wenn sich die Teams beim Warm-up oder beim Einlaufen das erste Mal so richtig gegenüberstehen, wird verglichen: Wie groß ist der Torhüter oder die Torhüterin von denen? Welche Statur haben die VerteidigerInnen? Und ist der Große da der Stürmer oder die Große die Stürmerin? So weit, so normal. Aber immer wieder kommt es mit Nachwuchssport vor, dass Kinder und Jugendliche echte Schwierigkeiten mit ihrer körperlichen Unterlegenheit haben. Nicht selten kommt es vor, dass Jungen und Mädchen sich nicht zutrauen, sich im Kreise der nächst höheren Jugendmannschaft des eigenen Vereins zu beweisen. Dies kann Ängste auslösen. Dazu hat uns von Die Sportpsychologen eine Anfrage eines jungen Fußballers erreicht.  

    Zum Thema: Tipps zum Umgang mit der Angst vor körperlich überlegenen Gegnern und Mitspielern

    Die konkrete Anfrage lautet: Ich bin in eine neue Jugend im Fußball gekommen. Da ich nicht der Größte bin und alle anderen stärker und größer sind als ich, habe ich Angst, mich schnell zu verletzen. Die Frage: Sollte ich trotzdem spielen und mich meiner Angst stellen oder eher langsamer machen?

    Jan van der Koelen

    Antwort von Jan van der Koelen (zum Profil): 

    Lieber ***, herzlichen Glückwunsch zu deinem Schritt, in die neue Jugendmannschaft in deinem Verein! Und ja, es ist definitiv eine gute Idee von dir, sich deiner Angst zu stellen und weiterzuspielen. 

    Es ist völlig normal, Angst zu haben, wenn man in eine neue Situation kommt und sich mit anderen messen muss, die dann auch noch vermutlich stärker und größer sind. Angst ist im ersten Moment oft ein Blocker für unsere Leistung. Gleichzeitig lässt sich die Angst jedoch auch positiv nutzen, um beispielsweise aufmerksam zu werden. Also versuche, dich mental auf das Spiel vorzubereiten und positiv zu denken. Fokussiere dich auf deine Stärken und auf das, was du der Mannschaft mit deinen Fähigkeiten geben kannst. Damit wird sich die Angst reduzieren können und deine Aufmerksamkeit liegt mehr bei dir, was dir mehr Konzentration im Training und im Spiel verschaffen kann. 

    Verschiebung der eigenen Grenzen

    Indem du dich der herausfordernden Situation stellst, wirst du lernen, damit umzugehen und dich mit der Zeit an die neuen körperlichen Voraussetzungen in der neuen Mannschaft gewöhnen. Wenn du dich verletzt, ist das kein Grund aufzuhören. Du weißt, dass Verletzungen zum Sport dazu gehören und ein Teil des Lernprozesses sind. Wenn du dich selbst besser kennen lernst und deine Grenzen erweiterst, wirst du auch lernen, mit Verletzungen umzugehen.

    Durch das Training im neuen Umfeld wirst du nicht nur deine Fähigkeiten verbessern, sondern auch selbstbewusster werden können. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die sich regelmäßig sportlichen Herausforderungen stellen, ein stärkeres Selbstvertrauen entwickeln. Das kannst du in deiner Situation absolut für dich nutzen. 

    Spaß statt Angst

    Natürlich ist es wichtig, vorsichtig zu sein und auf deinen Körper zu achten, aber du solltest dich nicht von deiner Angst davon abhalten lassen, weiterzumachen, denn es klingt so als würde dir etwas am Fußball liegen und der Spaß am Spiel ist mit das wichtigste im Sport. Also geh weiterhin raus aufs Feld und hab Spaß! Viel Erfolg!

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    Prof. Dr. René Paasch: Feedbackkultur fördern 

    Ob in der Erziehung, in unserer Schulzeit, in der Ausbildung oder im Studium, der Unternehmenswelt oder im Fußballverein: Bestimmt ist Ihnen dies auch schon mal passiert, dass Bemerkungen zu Ihrer Leistung Sie komplett aus der Bahn geworfen haben? Sie konnten kaum schlafen, spielten in Gedanken durch, wie man schlagfertig auf die Kritik des Gegenübers hätte reagieren können u.v.m. Ich vertrete die Ansicht, dass sehr viele Rückmeldungen uns nicht weiterbringen, wenn wir es nicht richtig zu bewerten wissen. Im Gegenteil: Oft schadet es sogar nur. In diesem Beitrag möchte ich Sie für das Thema Feedbackkultur sensibilisieren, wie Sie souverän damit umgehen und wie Sie daraus etwas für sich mitnehmen können. 

    Zum Thema: Souverän mit Rückmeldungen umgehen lernen

    Ein Dienstleister kocht vor Wut, weil ein Kunde eine schlechte Rezession im Netz hinterlassen hat; ein Spieler hat nach einem unüberlegten Post auf Instagram mit einem Shitstorm zu kämpfen und ein Trainer regt sich maßlos über den flapsigen Kommentar eines Journalisten auf. Alles Fälle von problematischem Feedback – aber was genau ist so problematisch daran, wenn andere uns kritisieren, ohne die Möglichkeit einer instrumentellen Partizipation zu ermöglichen (Cawley et al., 1998)? Eigentlich ist das Feedback als freiwillige Rückmeldung zu verstehen, die auf Augenhöhe stattfindet. Also eine wohlgesonnene Rückmeldung, wie die nun folgende: 

    „Lieber Freund oder Kollege, ich habe da etwas wahrgenommen und lege meine Interpretation gerne dar, wenn du sie hören möchtest. Du kannst mit dieser Information aber tun, was dir gefällt.“ 

    Modewort Feedback

    In der Realität sieht es nur leider ganz anders aus. Der Begriff ist mittlerweile viel weiter gefasst. Als Feedback gilt jegliche Bewertung einer Leistung oder eines Produkts und das digital und analog. Es kann Kritik sein, genauso wie Lob, was aber wesentlich sparsamer verteilt wird. Das Problem dabei: Kritik bedeutet für die allermeisten Menschen unfassbaren Stress und sorgenvolle Momente. Wir interpretieren Kritik nämlich schnell als Ablehnung. Dazu ein Beispiel aus dem Fußball: 

    U19-Co-Trainer aus der Jungend-Bundesliga wird vor der Mannschaft bei der Spielanalyse vom Cheftrainer in die Schranken gewiesen: „Mensch Assistenztrainer, deine Darstellung der Spielszenen sind nicht von Relevanz für die heutige Sitzung, da hast du wieder einmal nachlässig gearbeitet. Immer das Gleiche mit dir.“ In solchen Momenten schlägt das Gehirn Alarm. Wir sind gewissermaßen genetisch darauf programmiert, Ablehnung als Gefahr zu interpretieren. Für den Urmenschen war es überlebenswichtig, Teil der Gemeinschaft zu sein. Wurde man aus seiner Gruppe verstoßen, war man der Wildnis ausgesetzt. Heute leben wir aber zivilisiert und größtenteils sicher. Darüber können wir sehr froh sein. Dennoch reagieren wir auf Kritik, als würde uns gerade gefährliche Raubtiere angreifen. Wie damals auch, gibt es zwei Reaktionsmöglichkeiten: Kampf oder Flucht. 

    Inhaltliche Weiterführung finden Sie hier: https://sportaerztezeitung.com/rubriken/psychologie/11256/mentale-gesundheit/

    Kampf oder Flucht?

    In der kämpferischen Variante kontert unser kritisierter Co-Trainer seinem Chef-Trainer: „Du hast mich aber auch viel zu spät informiert, welche Spielszenen du für die heutige Sitzung benötigst.“ In der Flucht-Variante hingegen wird er blass, entschuldigt sich und verlässt schleunigst die Kabine. Im schlimmsten Fall geht die Sache so aus, dass dieser erstarrt und vor lauter Schreck einen Blackout hat. Er bekommt kein Wort mehr heraus, unterbricht seine Analysen, der Chef-Trainer muss übernehmen. Nach diesem Vorfall lässt sich der Co-Trainer krankschreiben und kann auch nach seiner Rückkehr dem Chef-Trainer kaum in die Augen schauen. 

    Die meisten von uns können nur sehr schwer mit kritischem Feedback umgehen. Wir sind gekränkt, basteln uns in Gedanken Rechtfertigungen zurecht u.v.m. Verrückterweise kann aber auch positives Feedback schädlich sein. Wenn Eddi von seinem Vater immer wieder gesagt bekommt, dass er das Zeug zum Profifußballer hat – was leider nicht der Fall ist, glaubt er vielleicht daran und hält extra Trainingseinheiten für überflüssig oder wertet negative Rückmeldungen von erfahrenen Trainern als falsch ab. So meldet er sich beim Sichtungstraining beim NLZ an und gehört dann zu denen, die sich leider nicht durchsetzen können.  

    Positive Auswirkungen von Feedback

    Positives wie negatives Feedback kann also toxisch sein. Was wir daraus machen, liegt aber an uns. Wir haben es zwar nicht in der Hand, ob uns andere ein ordentliches und angemessenes Feedback geben, aber wir können bestimmen, wie wir mit Feedback umgehen. Rückmeldungen kommen häufig von Leuten, die eine falsche Bewertungsgrundlage oder schlichtweg sich zurückhalten sollten. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn Sie wertvolles Feedback möchten, fragen Sie am besten einen Experten, der mit Ihnen auf Augenhöhe spricht. Gute Sender sind Beobachtungskünstler und Experten auf ihrem Gebiet. Sie haben die nötigen Vergleichsmaßstäbe und können die relevanten Kriterien für ihr Urteil benennen, ohne diese subjektiv zu verfärben. 

    Warum positives Feedback förderlich ist? In einer Meta-Analyse von über 100 Studien zeigte sich, dass positives Feedback intrinsisch motiviertes Verhalten fördert. Dies hat viele positive Auswirkungen, wie z.B. mehr Zufriedenheit, mehr Ausdauer und bessere Leistung (Deci et al., 1999). Die Wahl liegt bei Ihnen, welche Impulse Sie setzen möchten. 

    Aussagen nicht persönlich nehmen

    Nehmen wir einmal an, Sie haben monatelang an der Entwicklung einer neuen sportpsychologischen App getüftelt. Nun ist sie fast fertig. Vor vier Kollegen halten Sie eine Probe-Präsentation und erhoffen sich konstruktives Feedback, bevor dieses an die Öffentlichkeit gehen soll. Einer Ihrer Kollegen ist gerade mit dem Studium fertig geworden und dazu noch ein enger Freund von Ihnen. Der zweite Kollege wurde gerade am Telefon von einem Bundestrainer zusammengestaucht und dampft innerlich noch immer. Ihre ältere Kollegin war am Projekt beteiligt und will einfach nur schnell nach Hause, da ihr Ehemann heute Geburtstag hat. Ihr Chef hingegen ist hauptsächlich daran interessiert, wie man mit dieser App Geld verdienen kann. Objektives Feedback? Fehlanzeige. Das verweist uns auf ein weiteres Problem: Ihre Feedbackgeber bringen immer ihre eigene Geschichte mit, die in die Bewertung einfließen. Sie sehen Ihre Leistung durch ihre ganz persönliche Brille (Piagets, 1975). Das ist wie ein Stimmungsfilter, der jedes Feedback subjektiv macht. Oder wie es der niederländische Philosoph Baruch de Spinoza einmal ausgedrückt hat: 

    „Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul aus als über Peter.“

    BARUCH DE SPINOZA, 1632 – 1677

    Feedback sagt also mehr über den Feedbackgeber als über den Feedbacknehmer aus. Deshalb ist es auch unsinnig, Ihr Selbstwertgefühl an solche Rückmeldungen zu knüpfen. Sie machen sich damit nur von den Launen Ihrer Mitmenschen abhängig. Was hinzu kommt: Häufig projizieren Feedbackgeber einfach nur ihre eigenen Probleme auf Sie. Was Sie am Ende ebenfalls immer im Hinterkopf behalten sollten: Die meisten Menschen neigen dazu, Negatives eher auszusprechen als Positives. Es fällt ihnen leichter, an etwas herum zu mäkeln, als Konstruktives auszusprechen. 

    Aber warum wird die Feedbackkultur immer rauer? 

    Einer der Hauptgründe könnte wohl die sogenannte VUKA-Welt (Baltes, Freyth, 2017) sein. VUKA ist ein Akronym und steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität, es beschreibt die Welt im Wandel durch Krisen. Und was macht das mit uns? Wir fühlen uns zunehmend gehetzt, verunsichert, instabil, übermüdet, gestresst oder genervt. Oder alles gleichzeitig. Während die einen dann aus lauter Überforderungen auf Instagram scrollen und sich zurückziehen, gehen andere zum Angriff über und lassen unkontrolliert Dampf ab. 

    Auch der Leistungssport hat sich grundlegend verändert – und mit ihm die Bedeutung von Feedback. Vielleicht haben Sie schon mal von agilen Methoden gehört? Denn diese Methode braucht eine völlig neue und intensive Feedback-Kompetenz – sowohl aufseiten des Senders als auch des Empfängers. Es gilt das Prinzip des schnellen Bewertens und Scheiterns, um daraus schnelle Schlüsse zu ziehen. Das Problem dabei? Die eigene Leistungsfähigkeit ob als Manager*in, Trainer*in oder Spieler*in ist ständig auf dem Prüfstand. Sie erhalten dauerhaft auf verschiedenen Ebenen Rückmeldungen: Soziale Medien, Daumen hoch, Daumen runter. Spielereinkäufe oder -verkäufe, Transferpolitik, Punktgewinn oder -verlust, Fehlentscheidungen u.v.m. Das lässt wenig Platz für einen nachhaltigen und kontinuierlichen Wachstumsprozess. Es soll um jeden Preis um den Erfolg gehen. Echte und nachhaltige Teamarbeit, kollegiale Zusammenkunft und eine positive Feedbackkultur sind mehr denn je gefragt und werden auch im Leistungssport immer wichtiger.  

    Und wie gehen Sie damit um, wenn Kritik berechtigt ist und Sie wirklich einen Fehler gemacht haben? 

    Dann lassen Sie sich nicht von Zweifeln zerfressen, sondern seien Sie sich selbst ein guter Wegbegleiter. Würden Sie einem wichtigen Menschen übel nehmen, wenn er sich hin und wieder nicht richtig verhält, Zeit vergeudet oder nur mittelmäßige Leistung liefert? 

    Bestimmt nicht. Warum gehen wir dann mit uns selbst so hart ins Gericht? Es gibt einfach Tage und Situationen, in denen wir nicht unser Potenzial abrufen können. Das ist überhaupt nicht schlimm. Das geht uns allen so. 

    Fazit

    Die wahrgenommene Korrektheit des Feedbacks ist ein ausschlaggebender Faktor dafür, ob Feedback einen Anreiz für mehr Einsatz bietet und schließlich zu einer Verbesserung führen kann. Diese Wahrnehmung kann beeinflusst werden, indem Sie sich und anderen von spezifischem, häufigem und positivem Feedback versehen (Kinicki et al., 2004). Wenn ich Ihnen eine Anregung zum Thema Feedback geben darf, dann behalten Sie die Ruhe und Gelassenheit sowie den notwendigen Abstand zum Feedbackgeber. Nicht persönlich nehmen und nicht überbewerten. Die meisten Personen kreisen eher um sich selbst und denken bei ihrer Rückmeldung gar nicht an Sie. Manchmal erwischen sie einen wunden Punkt, hatten aber gar nicht die Absicht, Sie zu kränken. Feedback ist also immer mit Vorsicht zu genießen. 

    Ach ja, und jetzt vergessen Sie bitte nicht, mir ein Feedback zu diesem Blogbeitrag zu geben. Fleißig teilen und positiv bewerten – alles andere nehme ich persönlich 😉 

    Mehr zum Thema:

    Literatur 

    Baltes, G.H. Freyth, A. (2017): Veränderungsintelligenz – Agiler, innovativer, unternehmerischer den Wandel unserer Zeit meistern, Springer Gabler Verlag 

    Cawley, B. D., Keeping, L. M., & Levy, P. E. (1998): Participation in the performance appraisal process and employee reactions: A meta-analytic review of field investigations. Journal of Applied Psychology, 83(4), 615–633. doi: 10.1037/0021-9010.83.4.615

    Deci, E. L., Koestner, R., & Ryan, R. M. (1999): A meta-analytic review of experiments examining the effects of extrinsic rewards on intrinsic motivation. Psychological Bulletin, 125(6), 627–668. doi: 10.1037/0033- 2909.125.6.627

    Kinicki, A. J., Prussia, G. E., Wu, B. J., & McKee-Ryan, F. M. (2004): A covariance structure analysis of employees’ response to performance feedback. Journal of Applied Psychology, 89(6), 1057–69. doi: 10.1037/0021-9010.89.6.1057 

    Piaget, J. (1975): Nachahmung, Spiel und Traum. Stuttgart: Klett.

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    Anke Precht: Wenn Verletzungen die Psyche überlasten: Erkennen von und umgehen mit mit posttraumatischen Belastungsstörungen

    Eigentlich kann die Psyche Verletzungen im Sport gut verarbeiten. Die Verarbeitung läuft durch verschiedene Phasen und dauert in der Regel einige Wochen (in einem anderen Artikel hatte ich die Phasen, die verletzte Athleten und Athletinnen durchlaufen, genauer beschrieben: Link zum Text). Aber es kann auch passieren, dass die Verletzung haften bleibt. Nicht in den Knochen oder im Gewebe, sondern im Kopf. 

    Zum Thema: Lösungsansätze bei posttraumatischen Belastungsstörungen

    Gelegentlich merken Sportler, dass ihnen eine Verletzung lange nachgeht. Entweder haben sie ihren Sport aufgegeben und leiden daran – zum Teil noch Monate nach der Verletzung. Oder aber sie erleben die Verletzung immer wieder aufs Neue. Das kann direkt geschehen, zum Beispiel durch sogenannte Flashbacks, also innere Bilder oder Filme, im Wachbewusstsein, oder im Traum in der Nacht. Außerdem kann es indirekt geschehen, durch körperliche Empfindungen, die der aktuellen Realität nicht mehr entsprechen, zum Beispiel Schmerzen. Drittens auch durch automatische körperliche „Vorsichtsmaßnahmen“, die mit der Verletzung in Verbindung gebracht werden können.

    Beispiel: Ein Angreifer ist im Fußball beim Kopfballduell mit einem gegnerischen Spieler kollidiert und wurde bewusstlos vom Platz getragen. Die Folge: Eine schwere Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma. Medizinisch nach vier Wochen ausgeheilt. Doch noch Monate danach bremsen seine Beine automatisch ab, wenn er ein Kopfballduell eingehen möchte. Und zwar gegen seinen Willen: Es passiert einfach, die Beine bremsen, wie ferngesteuert. 

    Posttraumata

    In diesen Fällen ist die Verarbeitung noch nicht vollständig abgeschlossen, eine posttraumatische Belastungsstörung ist übrig geblieben.

    Was tun? Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, mit denen das Trauma neurologisch aufgelöst werden kann. Die bekannteste ist das EMDR. Außerdem sind das EMI und in vielen Fällen auch das schonende Akupressur-Klopfen wirksam, sowie Somatic Experiencing. Einige Sportpsychologen haben sich in einer oder mehrerer dieser Methoden fortgebildet, aber auch Psychotherapeuten mit entsprechender Zusatzausbildung können helfen. Die Behandlung dauert mit diesen Methoden nur wenige Stunden, die sich lohnen. 

    Mehr zum Thema:

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    Thorsten Loch: Machen zu viele Talente ein Team schlechter?

    Bis in die letzten Stunden ging es auch in dieser Transferperiode hoch her. Fleißig wurden Kicker von A über B nach C transferiert. Der seit Jahren überhitzte Markt folgt dabei einer eigenen Logik aus Angebot und Nachfrage – aber auch aus Größenwahn, Eitelkeit und dem Prinzip Hoffnung. Noch immer gilt dabei mancherorts die Devise, dass es gar nicht genug an großen Namen, überbordendem Talent und sportlichem Glamour geben kann. Dabei kommt es doch vornehmlich auf die richtige Kaderzusammenstellung an – oder etwa nicht?

    Zum Thema: Zauber der Kaderzusammenstellung im Teamsport    

    Wie wichtig die ideale Zusammensetzung einer Sportmannschaft im Vergleich zur individuellen Klasse von Einzelspielern ist, konnten französische Wissenschaftler feststellen. Die Forschungsgruppe um Swaab et al (2014) haben ein relativ neues Phänomen untersucht, den sogenannten too-much-talent-effect. Dieser Effekt besagt, dass die Gesamtleistung einer Gruppe nachlässt, wenn in der Gruppe zu viele Personen mit sehr hohen Fähigkeiten versammelt sind. Belege für diesen Effekt fand die Forschungsgruppe in mehreren Untersuchungen. In einer davon ermittelten sie zunächst den Anteil der Spieler in allen WM-Mannschaften von 2010 und 2014, die bei Top-Vereinen spielen oder für das FIFA-All Star Team 2010 ausgewählt wurden. Im Anschluss ermittelten sie anhand von FIFA-Daten, wie die verschiedenen Nationen in den Qualifikationsphasen vor beiden Weltmeisterschaften abschnitten. 

    Das Ergebnis: Passend zu der gängigen Annahme “je mehr, desto besser“, spiegelte das Abschneiden der Mannschaften tatsächlich den Anteil der Superstars in ihren Reihen wieder – aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Lag der Anteil der Topspieler in einer Mannschaft über 60%, sank die Teamleistung wieder ab. 

    Hierarchie als eine Erklärung

    Als Beispiele werden die Nationalmannschaften von Frankreich bei der WM 2010 und die spanische Truppe der 2014er Turniers genannt, welche beide nach der Vorrunde ausgeschieden sind und die Heimreise antreten mussten. Nach Ansicht der Forschergruppe kann dies damit erklärt werden, dass in Gruppen, in denen die Hierarchie vor allem in den hochrangigen Bereichen nicht eindeutig geklärt ist, viel Energie auf Dominanzkämpfe verwendet wird, welche schlussendlich dann für die Gruppenleistung fehlt. Unter Umständen würden Gruppenmitglieder sich gegenseitig nicht unterstützen oder sogar behindern, um sich selbst Vorteile in der Hierarchie zu verschaffen (vgl. Oehlert/Zepp). 

    Interessanterweise tritt der Effekt jedoch nicht in Sportarten auf, in denen die Interaktion der Gruppenmitglieder untereinander während des Wettkampfes geringer ist. In der MLB (Amerikanische Baseball Liga) wurde ein linearer Effekt des Talents auf die Teamleistung gefunden. Bedeutet also im Klartext, dass die Mannschaften mit den besten Spielern demnach auch die besten Resultate hatten. Aufgrund fehlender Interaktionen können sich die Spieler scheinbar nicht in ihren Aktionen behindern. 

    Fazit

    Diese Untersuchung zeigt also: Es kann auch zu viel des Guten, im vorliegenden Fall Talent, geben. Die Trainer der Nationalteams aber auch die Club-Manager dieser Welt sind also gut darin beraten, bei der Auswahl ihres Kaders nicht nur auf jeweilige Topspieler zu setzen, sondern auch ruhig Underdogs eine Chance geben. Die Sportpsychologie kann für die Praxis dabei wichtige Impulse geben – und die sportpsychologische Forschung findet in dem Bereich noch zahlreiche Ansatzpunkte, weiter in die Tiefe zu gehen. 

    Mehr zum Thema:

    Literatur:

    Swaab, R. I., Schaerer, M., Anicich, E. M., Ronay, R., & Galinsky, A. D. (2014). The too-much-talent effect. Team interdependence determines when more talent is too much or not enough. Psychological Science, 25(8), 1581–1591.

    Ohlert, J., Zepp, C. (2020) Gruppenleistungen im Sport. In: Sportpsychologie. Grundlagen und Anwendung. Schüler, J., Wegner, M., Plessner, H. (Hrsg.). Springer Verlag.

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