Prof. Dr. Oliver Stoll: Sportpsychologentransfers

Philipp Laux, der (ehemalige) Sportpsychologe von RB Leipzig wechselt zusammen mit Alexander Zorniger, dem (ehemaligen) Trainer von RB Leipzig nach Stuttgart. So berichtete kürzlich die Leipziger Volkszeitung. Ich konnte mir dabei ein Lächeln nicht verkneifen. Nicht wegen dieser Tatsache im Allgemeinen, sondern mehr man wieder einmal deutlich sehen kann, wie sehr sich das Berufsfeld des Sportpsychologen vom Berufsfeld des Psychologischen Psychotherapeuten unterscheidet. Diesen Unterschieden habe ich mich schon einmal in einem anderen Blog gewidmet (Prof. Dr. Oliver Stoll: Fernab der Roten Couch).

Zum Thema: Die Sportpsychologie zwischen zwei Welten

Für Psychologen, die sich im Feld des Leistungssports bewegen, gelten wohl auch die Rahmenbedingungen sowie das Normen- und Wertesystem dieses Settings. Ich könnte mir nur schwer vorstellen, dass ein Kollege mit einer psychotherapeutischen Praxis seinen Wirkungsort wechselt, weil es die neuen Patienten/Klienten so fordern. Die hier angeschnittene Problematik zeigt ein Dilemma auf, in dem sich die Sportpsychologie meines Erachtens immer noch befindet. Historisch betrachtet hat sich die Sportpsychologie zwar aus der Sportwissenschaft entwickelt. Die relevanten Impulse für ihre Entwicklung bekam sie jedoch aus der Mutterwissenschaft – der Psychologie. Dies hing natürlich mit den handelnden Personen zusammen, also eben Professorinnen und Professoren, die im Wesentlichen aus der Psychologie kamen, um dann in der Sportpsychologie zu wirken. Dies hatte nachvollziehbar zur Folge das häufig psychologische Theorien und Ansätze in den Sport übertragen wurden, obwohl das Setting „Leistungssport“ eben völlig anders aufgestellt ist, als das eher therapeutisch geprägte Feld der Psychologie bzw. Psychiatrie (siehe hierzu auch Stoll & Gissel, 1996).

Für den in der Praxis des Leistungssports arbeitenden Sportpsychologen bedeutet dies aber, dass er sich im Wesentlichen dem Leitungssportsystem unterordnen muss, wenn er hier erfolgreich arbeiten möchte. Das bedeutet auch, dass die Arbeit eher selten in einer „Praxis“ arbeitet, wie dies eher die therapeutischen Kollegen tun. Das heißt ebenfalls, dass die Sprache der jeweilgen Sportart beherrschen sollte und es bedeutet, insbesondere im Training, sich auf dem Sportfeld, der Sporthalle, am Beckenrand, aufzuhalten. Darüber hinaus bedeutet es eben auch, dass man die Wirkungsstätte wechseln muss, wenn die sportliche Leitung dies für sich entscheidet. Ich bin weiterhin sehr gespannt, wie sich unser Berufsfeld weiter entwickeln wird und inwieweit sich, insbesondere unsere Disziplin in der Sportpraxis weiter „emanzipieren“ wird.

 

Stoll, O. & Gissel, N. (1996). Zur Übertragbarkeit allgemeinpsychologischer Modelle auf sportpsychologische Fragestellungen. In A. Conzelmann; H. Gabler und W. Schlicht (Hrsg.), Soziale Interaktionen und Gruppen im Sport (S. 146-154). Köln: bps.

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