Maria Senz: Gelb ist das neue Gold – die Schweden denken den Beachvolleyball neu

Es war mein sportliches Highlight im Sommer 2022: Die European Championships in München. Und meine sportliche Leidenschaft würdig vertreten: Beachvolleyball auf dem Königsplatz. Was eine Atmosphäre, was eine Stimmung, was eine Party. Gänsehaut, Freudentränen, Begeisterung und jedes Spiel ein Augenschmaus mit Blick auf Technik, Taktik, Athletik und Köpfchen. Ich liebe es, solche Spiele zu analysieren. Meine ganz persönliche Atmosphäre dabei: ein Übertragungsmedium draußen im Garten (Beachvolleyball ist ein Draußensport), Zettel, Stift und Pausentaste. Pausentaste? Klar, um das Bild einfrieren, zurück zu spulen und in kleinen Schrittchen wieder vor zu spulen. Volle Analyse also. Und so sind mir spätestens hier zwei Beachvolleyballer aufgefallen, von denen du und ich noch eine Menge lernen können. Was, habe ich hier zusammengefasst.

Zum Thema: Die Leistungsfähigkeit im Beachvolleyball steigern

Am meisten beeindruckt hat mich aktuell der Beachvolleyballstil der schwedischen Herren – Åhman und Hellvig steht auf ihren gelb-blauen Trikots: erfrischend anders, unkonventionell, schnell, verwirrend und doch irgendwie klar, jung, dynamisch und mit einer selbstbewussten sowie charmanten Ausstrahlung, die das Publikum unmittelbar in Staunen, Spannung und Mitfiebern versetzt. Damit gibt die Kulisse auch eine Motivationsmacht zurück, die das Team antreibt und Punkt für Punkt einsammeln lässt.

Die Schweden prägen einen anderen Stil im Beachvolleyball: etwas Neues und damit erstmal Unbekanntes für den Gegner. Unbekanntes führt bekanntlich zu Unwissenheit. Und großen Fragen: Wie soll ich darauf reagieren? Mit welchen Handlungsaktionen kann ich die beiden bezwingen? Der Kopf ist an, obwohl ich im Turnier doch eigentlich routiniert meine Aktionen abrufe. Unsicherheit macht sich breit. Die Körperspannung ist weg und die Haltung gleicht einem nassen Sack. Der Kopf gesenkt, die Schultern nach vorne, der Blick in den Sand. Verzweiflung, Frust, Versagen – Spielverlust.

Bei sich bleiben – was bedeutet das?

Sie sind technisch und taktisch klug durch unvorhersehbare Aktionen, sind scheinbar auf jeden möglichen Spielzug vorbereitet und haben immer eine Lösung parat. Sie sind wachsam wie ein Luchs und Lesen den Gegner noch vor seinem Spielzug. Prophezeiung? Oder die Fähigkeit, den Gegner zu der Reaktion zu zwingen, auf die ich mich dann wieder perfekt einstellen kann, um den Punkt für mich zu entscheiden? Athletisch ähneln sie einem Känguru – locker, leicht in den Beinen zum Sprung ansetzend und Powow, der Block oder Angriffsschlag für den Punkt. Mental sind sie überragend und vor allem: sie bleiben bei sich, auf ihrer Feldhälfte, in ihren 64 m2, bei ihren Leistungen. 

Wenn ich in der Lage bin, bei mir zu bleiben, kann mich nichts und niemand von außen ablenken und ich habe Kenntnis von allem, was um mich herum passiert. Vielleicht gerade deshalb, weil ich weiß, was um mich herum passiert, fühle ich mich sicher, geborgen und wohl. Genau die Atmosphäre, die ich brauche, um meine Aufmerksamkeit voll und ganz nach innen zu richten – auf mich, meine Leistung, auf uns als Team und unsere gemeinsame Leistung. Wenn ich dann noch die maximale Kenntnis davon habe, zu welcher Leistung ich und wir als Team fähig sind und welche Leistung wir in welchem Moment in den Sand bringen, um zu punkten, sind wir unbesiegbar. Die sogenannten Laborbedingungen: Wir erschaffen uns einen Zustand, in dem uns alle Parameter bekannt sind und wir somit auf alles vorbereitet sind. Ein Gefühl von Vorhersehen macht sich breit. Wir haben maximale Kontrolle. Durch unsere Aktionen sind wir in der Lage, den Gegner zu Reaktionen zu zwingen, die wir brauchen, um wiederum mit Handlungen entgegenzuwirken, die wir wollen, um final zu punkten.

Wie schaffe ich das?

Das klingt wie Hexenwerk, ist es aber nicht. Hier einige Tipps für die Praxis:

  1. Analyse des Umfelds:
  • Was/wer ist da? Gegner, Schiedsgericht, Publikum, Wind, wehende Fahnen, Musik, Regen, Sonne,…
  • Was davon beeinflusst mich wie? motivierend, irritierend, nervig, antreibend,…
  • Was sollte ich mir zunutze machen?
  • Wovor sollte ich mich wie schützen?
  1. Analyse nach innen:
  • Was sind meine Aufgaben in meiner Position? abwehren, kommunizieren, assen,…
  • Was sind grundsätzlich meine Schwächen/Stärken/Talente?
  • Wie kann ich mir was zunutze machen?
  • Wie ergänzen wir uns als Team optimal?
  • Welche Strategie bewirkt was?
  • Welche Reaktionen sind darauf möglich?
  1. Bring das Labor in den Sand:
  • Sammelt alle Parameter für euer Labor
  • Formt euer Labor in 3D
  • Durchlauft alle möglichen Perspektiven
  • Lasst es wirken
  • Findet Lösungen
  • Geht in den Sand und probiert es aus

Das ist ein möglicher Ansatz, um bei sich zu bleiben. Du willst mehr zum Thema wissen? Brauchst Begleitung bei deiner Analyse? Dann lass uns loslegen! Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Maria Senz) unterstützen dich gern dabei.

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Maria Senz
Maria Senzhttp://www.co-senz.de
Sportarten: Beachvolleyball, Volleyball, Kitesurfen, Leichtathletik