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Johanna Constantini: Von Smartphone-Sucht und Impulskontrolle im Sport

Noch gibt es sie nicht, die diagnostizierbare Smartphonesucht. Doch wenn man sich die Zahlen der weltweit fünf Milliarden mobile User, sowie der durchschnittlichen Online-Zeit von 2,5 Stunden pro Tag so ansieht, sollte sich dies bald ändern. Laut WHO tritt die Hälfte aller psychischen Störungen bereits vor dem 14. Lebensjahr auf (WHO, 2018), Suchterkrankungen beginnen dabei oft im jugendlichen Alter. Viele junge Menschen werden heute vor allem als „smartphonesüchtig“ bezeichnet. Und diese vermeintliche Sucht macht bekanntlich auch vor dem Sport nicht halt…

Zum Thema: Das Smartphone als Suchtfaktor im Sport

Zur Profilseite von Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Mit all seinen Inhalten, spannenden Beiträgen, Interaktionsmöglichkeiten mit Fans und Followern, sowie interessanten Informationen zur Konkurrenz bietet das Smartphone auch AthletInnen einen jederzeit verfügbaren „digitalen Zufluchtsort“. Doch welche Auswirkungen ergeben sich langfristig auf die Konzentration, wenn SportlerInnen ständig am Handy hängen? Wenn der Bildschirm mindestens 88 mal am Tag (so sieht es momentan in der Normalbevölkerung aus) aufleuchtet, weil immer größere und bessere Bildschirme einmal mehr entsperrt werden? Wie sieht der Trainings- und Wettkampfalltag von AthletInnen aus, die eben diesen Griff-zum-Smartphone-Impuls nicht mehr steuern können?

Zunehmend unkonzentriert, von ständigen Unterbrechungen begleitet und womöglich sogar von gedrückter Stimmung durch etwaige Social Media Inhalte geplagt, äußert sich übermäßiger Smartphone-Gebrauch. Impulskontrolle ist im Umgang mit dem Smartphone daher überaus wichtig und bedeutet, das eigene Verhalten kontrollieren zu lernen. Vermeintlichen Impulsen nicht nachzugeben, sondern konzentriert bei einer Tätigkeit zu bleiben. Wichtige Fähigkeiten, die auch im Sport trainiert werden sollten. Vor allem dann, wenn es gilt durchzuhalten, sich nochmals aufzuraffen, um auch den nächsten Punkt für die eigene Mannschaft holen zu können, machen sich derartige Übungen bezahlt. Den Smartphone-Gebrauch während Training und Wettkampf zu kontrollieren, bietet sich zur Einübung hervorragend an.

Impulse kontrollieren, sportliche Erfolge feiern & Smartphones sinnvoll nutzen

Neben der Aufklärung über Möglichkeiten und Grenzen des Smartphone-Gebrauchs, erachte ich daher die individuelle Betrachtung und Einschätzung des einzelnen Athleten für den individuellen Erfolg als unausweichlich. Was bedeutet das Smartphone für den Sportler? Wie sieht sein Surfverhalten aus? Womit beschäftigt er oder sie sich vor dem Training oder Wettkampf? Dabei darf der zwar immer kleiner werdende und dennoch bestehende Generationenunterschied nicht unterschätzt werden:
Junge Menschen verstehen das Smartphone heute schließlich als „Schweizer Taschenmesser der Informationsgesellschaft“ (Spitzer, 2017) und so liegt es vielen fern, generelle Handy-Verbote einzuhalten. Meiner Meinung nach kann damit auch der Smartphone Sucht kein Einhalt geboten werden. Denn was zeichnet die Heilungschancen einer Sucht aus? Sie müssen von der betroffenen Person herrühren. Sozusagen intrinsisch motiviert sein. Eine sinnvolle Herangehensweise gegen übermäßigen Smartphone-Gebrauch wäre demnach das Aufzeigen von Leistungseinbrüchen, Konzentrationsschwächen oder Ablenkungen im engen Zusammenspiel mit lösungsorientierten Angeboten für die AthletInnen und deren Erfolgschancen.

Konzentrations- oder Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, den „analogen Fokus“ wieder zu erlangen und das Smartphone in der Trainingstasche zu belassen…

Info:

Im Sommer 2019 wird die ICD 11 veröffentlicht. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, englisch International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Es ist zu erwarten, dass dort erstmals auch die Kategorie “Internet- und Online-Spiele-Sucht” aufgelistet wird.


Mehr zum Thema Sucht:

https://www.die-sportpsychologen.de/2014/05/28/prof-dr-oliver-stoll-was-ist-eigentlich-sportsucht/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/08/14/dr-rene-paasch-sportler-im-kampf-gegen-die-sucht-das-beispiel-jan-ullrich/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/10/11/dr-hanspeter-gubelmann-kranker-spitzensport-wenn-koenige-zu-aengstlichen-maeusen-mutieren/

Die komplette Serie „Was moderne Sportpsychologen von sozialen Medien wissen sollten… und noch viel mehr…“:

Quellen:

https://derstandard.at/2000081087282/WHO-Psychisch-Erkrankte-weltweit-benachteiligt

ICD-10, 11
Hootsuite, 2018

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Thorsten Loch: Emotionale Intelligenz in drei Schritten lernen

Jeder Sportler weiß, wie schwierig es sein kann, die Leistung dann abzurufen, wenn es darauf ankommt. Nicht selten stehen uns dabei auch unsere Emotionen im Weg. Denken wir nur eine Elfmetersituation, kurz vor Schluss, während der Gegner mit einem Tor führt. Um in einer solchen Situation wirklich emotional intelligent zu agieren, braucht es Übung. Aber es ist machbar. Wie es gehen kann, zeige ich in dem Beitrag auf.

Zum Thema: Die drei Stufen zur Ausbildung der emotionalen Intelligenz (EI)

In zahlreichen Situationen unseres alltäglichen Lebens haben Emotionen einen enormen Einfluss. In diesem Zusammenhang ist bei der Ausbildung einer solchen Kompetenz zu beachten, dass dies nicht von jetzt auf gleich möglich ist. Vielmehr ist die Ausbildung von emotionaler Intelligenz mit viel Arbeit und Mühe verbunden. Dies soll nicht als Vorwarnung verstanden werden, sondern lediglich als ein Appell. Denn es sich lohnt, auch wenn der Weg nicht immer einwandfrei läuft, diesen weiter zu bestreiten, denn am Ende wird es sich auszahlen.

Der Weg zur emotionalen Intelligenz kann nach Mikoljczak (2009) in drei Hauptstationen untergliedert werden: Wissen, Fähigkeit und Eigenschaften. Auf Basis dieser folgenden kleinen Theorieeinheit stürzen wir uns dann thematisch in die Praxis. Also, haltet durch!

Wissen

Der erste EI-Bestandteil „Wissen“ beschreibt den Informationsstand, wie Emotionen reguliert werden können. Hierbei geht es nicht explizit um die Umsetzung, sondern lediglich um das Wissen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Personen mit einer hohen EI, auch nicht zwangsläufig in der Lage sind, dies auch zu nutzen. Nach Larborde et al. (2017) bezieht sich die Wissensebene „… auf die Komplexität und Breite des Emotionswissens. Diese beschreibt das emotionale Wissen eines Menschen und wie dieses Wissen eingesetzt werden sollte, um mit emotionalgeladenen Situationen umzugehen.“

Aus der Praxiserfahrung heraus kann ich berichten, dass der Gleichklang aus dem Erkennen, was eine bestimmte Situation mit einem selbst macht und ein leistungsförderlicher Umgang damit, ein schwieriger aber wichtiger erster Schritt ist. Ist dieser Schritt getan, gilt es im nächsten, dieses Wissen in die Tat umzusetzen; dieser zweite Schritt wird als Fähigkeitsstufe bezeichnet.

Fähigkeit

Die Fähigkeitsstufe beschreibt die praktische Umsetzung des Wissens aus Büchern, Selbsterkenntnis oder von anderen Menschen. Mit Bezug zum Sport beschreibt diese Fähigkeitsstufe, dass beispielsweise ein Sportler dazu in der Lage ist, eine Emotionsregulationsstrategie durchzuführen, wenn dieser explizit dazu aufgefordert wird.

Allerdings, wenn Sportler aufgefordert werden, eine Emotionsregulationstrategie anzuwenden, bedeutet das nicht, dass sie es auch tatsächlich in jeder Situation in ihrem Alltag tun würden und könnten. Denn um in den meisten Situationen ohne große Anstrengung emotional intelligent handeln zu können, muss diese Fähigkeit ein Teil der Persönlichkeit werden. An dieser Stelle wird die Fähigkeit zu einer Eigenschaft. Das Schließen der Lücke zwischen Fähigkeits- und Eigenschaftsebene ist vermutlich der schwierigste Schritt, aber wahrscheinlich auch derjenige mit dem größten Einfluss. Das Gelingen dieses Übergangs wird sich positiv auf unterschiedlichsten Aspekte des Lebens und des Sporttreibens auswirken.

Eigenschaft

Die Eigenschaftsebene bezieht sich auf das, was Menschen normalerweise tun, wenn sie sich in emotionalen Situationen befinden. Es ist die Antwort auf die Frage: „Was ist typisch für mich?“ Es ist typisch für mich, während des Spiels gelassen und konzentriert zu bleiben, gleichgültig, was passiert. Im Vergleich zu: Es ist typisch für mich, nach jeder Entscheidung gegen mich erregt mit dem Schiedsrichter zu diskutieren und mich über meine eigene Fehler und die Fehler meiner Mitspieler aufzuregen.

Währenddessen Verhaltensweisen auf der Fähigkeitsstufe Selbstdisziplin und Willenskraft erfordern, können Verhaltenseigenschaften auf der Eigenschaftsebene ohne große Anstrengung abgerufen werden. Sie können als Teil des Charakters, der Identität oder – mit Abstrichen – als automatische Gewohnheit bezeichnet werden (Larborde et al., 2017). Ein Schlüssel zum Übergang von der Fähigkeitsstufe auf die Eigenschaftsebene ist Wiederholung, wodurch gewisse Techniken und Verhaltensweisen in Fleisch und Blut übergehen und dadurch langfristig zu einem Teil der Persönlichkeit werden können.

Zusatzinfo

Die Eigenschaftsebene bezieht sich auf emotionsbezogene Disposition, nämlich die Neigung, sich in emotionalen Situation in einer bestimmten Art und Weise zu verhalten. Der Fokus liegt hier nicht auf dem, was Menschen wissen oder tun können, sondern auf dem, was sie gewohnheitsmäßig tun.

Mehr Infos zu Thorsten Loch: https://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

Emotionale Intelligenz erarbeiten

Stellen sie sich folgendes Szenario vor: Unmittelbar vor Ende eines Pokalspiels erhält die zurückliegende Fussballmannschaft einen Elfmeter zugesprochen. Mit dem Wissen um den Spielstand von 0:1 tritt der Schütze an den Punkt. Wohlwissend, dass dies die letzte Aktion der Partie sein wird. Entweder rettet er seine Mannschaft in die Verlängerung oder das Team verliert.   

Wissensebene – Eins – 2 – 3

Bezogen auf das zuvor beschriebene Szenario bedeutet dies auf der ersten Ebene, dass der Schütze beispielsweise von seinem Trainer oder seinen Teamkollegen von Techniken gehört hat, die ihm helfen, sich auf sein Elfmeterschießen zu konzentrieren und seine Emotionen zu regulieren, bevor er antritt. Jedoch, hat er es nie wirklich im Training geübt. Dementsprechend wird er im entscheidenden Moment (Strafstoß in der Nachspielzeit) eher nicht in der Lage sein, dieses Wissen zu nutzen, um erfolgreich aus jener Situation zu gehen. Aus diesem Grund hat er eher Schwierigkeiten, mit dem Druck umzugehen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit eines verschossenen Elfmeters erhöht.

Fähigkeitsebene – 1 – zwei – 3

Stellen wir uns nun denselben Spieler vor, der während des Trainings eine Strategie von seinem Trainer und/oder Sportpsychologen vermittelt bekommen hat, wie er seine Aufmerksamkeit während der Elfmeterausführung regulieren kann. Diese Strategie beinhaltet eine Routine, die seine Aufmerksamkeit bspw. auf das optimale Treffen des Balls fokussiert, welche der Spieler hin und wieder im Training geübt hat. Allerdings hat der Schütze nur unregelmäßig jene Bewältigungsstrategie trainiert, so dass diese Herangehensweise dem Spieler noch nicht zuverlässig während des Wettkampfes helfen wird.

Bedenke: das Training der emotionalen Intelligenz ist, wie jede Art von Training, durch Wiederholung geprägt (vgl. Larborde et al., 2017).

Hieraus leitet sich ab, dass das Training der EI auch in Wettkampfsituationen Früchte trägt, ein regelmäßiges Training voraussetzt. Hiermit wird die Grundlage geschaffen, dass die entsprechenden Techniken von der Fähigkeits- zur Fertigkeitsstufe gelangen können und somit dem Sportler am Tag des Wettkampfes zur Verfügung stehen.

Eigenschaftsebene – 1 – 2 – drei

Um sich dieser letzten Ebene zu nähern und diese schlussendlich auch zu erreichen, werden die unterschiedlichen Kompetenzen der EI wiederholt im Training gefördert und Techniken geübt bzw. auf ihrer Tauglichkeit hin überprüft. Somit lernt und automatisiert der Spieler, seine Emotionen zu kontrollieren, auch wenn der Druck immens hoch ist. Voraussetzung ist hierfür ein regelmäßiges und über längeren Zeitraum angelegtes Training. Sind diese Voraussetzungen gegeben, so kann der spezifische Umgang mit Emotionen zur Gewohnheit werden, welcher sich letztendlich auch in der Leistung im Wettkampf wiederspiegeln wird.

Fazit:

Emotionale Intelligenz lässt sich trainieren. Sportler können den leistungsförderlichen Umgang mit stressreichen Situationen – wie beispielsweise einem Wettkampf – lernen. Voraussetzung hierfür ist, neben einem regelmäßigen und kontinuierlichen Training, dass die Athleten den Zusammenhang zwischen den Stufen Wissen, Fähigkeit und Eigenschaft verstehen. Dieses Verständnis bildet eine wichtige Grundlage für die Entwicklung emotionaler Intelligenz und dies nicht ausschließlich für Sportler, sondern ebenfalls für Trainer und Offizielle. Wie sich ein Training gestalten lässt, um die Ausbildung der emotionalen Intelligenz vorantreiben zu können, lässt sich pauschal nicht beantworten und muss individuell betrachtet werden. Gerne sind meine Kollegen (zu den Profilen) und ich (zum Profil von Thorsten Loch) dazu bereit, Sie dabei zu unterstützen.

Mehr zum Thema:

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Andreas Meyer: Psychologische Aspekte von Verletzungen in der Akutphase

Anfang 2018 erlitt Bayern-Profi Kingsley Coman eine Syndesmosebandverletzung, die ihm die Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft und somit den Titel mit Frankreich kostete. Nach der Rehabilitation und pünktlich zum Bundesligaauftakt dann der erneute Rückschlag: Nach nur 45 Minuten muss Coman schon wieder verletzt den Platz verlassen. Der Grund… dieselbe Verletzung am selben Fuß.

Zum Thema: Konkrete Maßnahmen, um mit Verletzungen richtig umgehen zu können

Nicht nur für Kingsley Coman ein Schock, sogar sein Mitspieler Joshua Kimmich kann die Tragik nachempfinden und sagt: „Das ist bitter und tut extrem weh. King hat bis dahin überragend gespielt. Ich war geschockt, als ich ihn sah, ich hatte Tränen in den Augen.“

Eine Verletzung ist für die meisten Sportler alles andere als eine Lappalie. Ganz im Gegenteil. Es stürzt viele Sportler sogar in eine tiefe Krise, die nicht selten sogar das Karriereaus bedeutet. In manchen Regionen der Erde kann so eine Verletzung sogar Existenzprobleme verursachen und somit der Ursprung tiefer psychologischer Traumata sein.

„Als ich mich verletzt hatte war es für mich das Ende der Welt“

Kingsley Coman (Fußballprofi FC Bayern München)

Sportpsychologische Interventionsmöglichkeiten

Deshalb ist es wichtig, diesem Punkt (direkt nach einer Verletzung) besondere Aufmerksamkeit zu widmen, weshalb ich in diesem Artikel sportpsychologische Ansätze und Interventionsmöglichkeiten vorstellen möchte. Denn schon in dieser Phase beginnt für den Sportler die Verarbeitung des Traumas und sie legt den Grundstein für einen erfolgreichen Return-to-Sport Prozess.

Wie schon in einem früheren Artikel beschrieben, gibt es zahlreiche Belastungen, die auf den frisch verletzten Athleten wirken. Hierzu zählen Schmerzen, Unsicherheiten, Angst, Wut, Depressivität, Hilfs- und Orientierungslosigkeit sowie Selbstwertverluste, Sinnkrisen und Unruhe. Häufig kreisen die Gedanken der Sportler um diese Belastungen und der Athlet befindet sich in einem Teufelskreis aus negativen Gedanken, Schmerzen und Ängsten.

Blickrichtung Zukunft

Die Ziele der Sportpsychologie in dieser „heißen“ Phase sind, die Schmerzen zu reduzieren, Ängste abzubauen und den Sportler dabei zu unterstützen, eine hoffnungsvolle Sicht auf die Zukunft zu entwickeln. Außerdem besteht auch hier schon ein großer Teil der sportpsychologischen Arbeit darin, im Sportler Kontrolle und Eigenverantwortung zu wecken.

Der Athlet sollte zunächst genau aufgeklärt werden, was es mit der Verletzung auf sich hat. Ansonsten bleibt der Sportler unsicher und hilflos. In einem Aufklärungsgespräch ist es wichtig, dem Sportler zu verdeutlichen, was genau nun passiert und wie die weiteren Behandlungsmöglichkeiten ausschauen. Hierbei sollten auch die Rollen klar definiert werden. Wer ist wofür verantwortlich? An welchen Punkten kann der Sportler aktiv eingreifen und wo muss er sich auf die Expertise von anderen Menschen verlassen? Damit erlangt der Sportler mehr Kontrolle und ein höheres Maß an Eigenverantwortung.

No Nocebos

Was bei solchen Gesprächen allerdings unbedingt vermieden werden sollte sind sogenannte Nocebos. Nocebos wirken genauso wie Placebos, nur, dass sie negative Auswirkungen haben. Ein Beispiel für ein „unglücklich“ eingebrachtes Nocebo ist Folgendes:

Der verletzte Sportler hat ein Supinationstrauma erlitten und nun starke Schmerzen im Fuß. Zur Abklärung der Verletzung wird ein MRT des Fußes gemacht. Der Arzt kommt nach Ansicht der Bilder zum Athleten und sagt, er habe einen negativen Befund. Der junge und unerfahrene Sportler weiß nicht, wie er damit umgehen soll und denkt möglicherweise er hätte eine schwere Verletzung.

In den Gesprächen mit dem Athleten sollte immer versucht werden alle Fragen des Sportlers zu klären und dabei möglichst ermutigend aber realistisch zu sein. Eine klare Kommunikation ist hier also unentbehrlich.

Zum Profil von Andreas Meyer: https://www.die-sportpsychologen.de/andreas-meyer/

Austausch kann helfen

Liegen positive Erfahrungswerte vor, wie beispielsweise ein Sportler mit einer ähnlichen Verletzung seinen Weg zurück gemeistert hat, so kann dies beim verletzten Athleten Hoffnung wecken und den Fokus auf positive Zukunftsgedanken legen. Manchmal kann sogar ein persönlicher Kontakt zwischen den beiden Sportlern hergestellt werden. Das bietet enorme Vorteile, denn der verletzte Athlet kann sich mit jemanden austauschen, der seine Situation sehr gut nachempfinden kann und von den Erfahrungen des wieder genesenen Sportlers profitieren.

Um das Schmerzempfinden zu reduzieren, können Entspannungsübungen durchgeführt werden. Hierdurch verringert sich der Muskeltonus, was wiederum das Schmerzempfinden senkt. Eine weitere Methode, die in der Akutphase angewendet werden kann, ist die Visualisierungsmethode. Hierbei wird gezielt eine Vorstellung herbeigerufen, die anschließend systematisch „trainiert“ wird. Eine Übung innerhalb dieser Vorstellungsmethoden ist die Healing Imagery. Der Sportler bekommt zunächst ein Bild seiner Strukturen vermittelt und stellt sich anschließend genau geskriptet bildlich vor, wie die verletzten Strukturen abschwellen und heilen. Auch dies führt zu einer Schmerzreduktion, weil ähnlich wie bei den Entspannungsverfahren der Muskeltonus sinkt und damit die Bereitstellung von Wundheilungsparametern, aufgrund der verbesserten Durchblutung, steigt.

Schmerzen regeln

Ein weiterer Einsatz der Visualisierung beim Schmerzmanagement besteht darin, dass der Sportler sich vorstellt, wie er den Schmerz an einem Regler herunterreguliert, bis er immer schwächer wird.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Schmerz kann den Athleten dabei unterstützen, Bewertungsprozesse besser zu steuern. Nicht jeder Schmerz ist von Grund auf schlecht. Er hat eine schützende Funktion und macht in vielen Fällen durchaus Sinn, damit es nicht zu stärkeren Verletzungen kommt. Akzeptiert der Sportler, dass er Schmerzen hat, wird er deutlich weniger negative Emotionen wie Ängste und Wut entwickeln.

Selbstgesprächsregulation

Wie oben bereits beschrieben hat der Sportler häufig mit Unsicherheiten, Zweifeln, Ängsten, Wut, Trauer oder Ärger zu kämpfen. Durch eine reflektierte Auseinandersetzung mit den beim Sportler entstehenden Gedanken und einer anschließenden Umstrukturierung können die Gedanken auf eine hoffnungsvolle und zuversichtliche Zukunft gelegt werden. Dies hilft und schützt den Sportler vor Resignation.

Ein hilfreiches Tool in der Sportpsychologie ist die Selbstgesprächsregulation. Dabei geht es nicht darum, dass die Sportler laut mit sich selbst reden, denn zu den Selbstgesprächen gehören auch innere Dialoge. Positive Selbstgespräche können trainiert und strategisch angewandt werden, um die Emotionen und Gedanken des Sportlers zu beeinflussen und damit das Schmerzempfinden zu reduzieren und das Wohlbefinden des Sportlers zu fördern.

Soziale Strukturen

Ein letzter, allerdings nicht unwesentlicher Bestandteil der sportpsychologischen Betreuung in dieser Phase ist der Aufbau von unterstützenden sozialen Strukturen. Soziale Kontakte bieten dem Athleten einen Halt und geben Sicherheit. Außerdem können Personen aus dem Leben des Sportlers dafür sorgen, dass durch Übernahme von Aufgaben, nicht zusätzlich Stress bei dem Athleten entsteht und dieser entlastet wird.

Zusammengefasst: Es lassen sich eine Menge positiver Effekte in dieser Phase erzielen, die den Athleten dabei unterstützen, die Grundlage für eine positive Rehabilitation zu legen und das Trauma der Verletzung schnell zu verarbeiten. Meine Kollegen (zu den Profilen) und ich (zum Profil von Andreas Meyer) können helfen, nehmt Kontakt auf!

Mehr zum Thema

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Christian Hoverath: Internal oder external? Aufmerksamkeit lenken lernen

Immer wieder kommt in meiner Arbeit mit Ausdauersportlern die Frage auf, ob sie bei Wettkämpfen nun mehr in sich hinein hören sollten oder sich auf das Drumherum konzentrieren sollten. Der Weg zur Antwort ist individuell und führt geradewegs in den Trainingsalltag. Denn abseits von Wettkämpfen lässt sich prima am richtigen Mischverhältnis der Aufmerksamkeit tüfteln. 

Zum Thema: Externaler und internaler Fokus

Mehr Infos zu Christian Hoverath: https://www.die-sportpsychologen.de/christian-hoverath/

Wir sind ständig einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt. Aufmerksamkeit und Konzentration erfüllen die Funktion, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Die Fähigkeit, sie gewinnbringend und sinnvoll auszurichten, unterstützt dabei, eine optimale Leistungsfähigkeit herzustellen. Dabei kann die Aufmerksamkeit in zwei Richtungen gelenkt werden: external und internal. External bedeutet dabei, dass die Aufmerksamkeit auf die Umwelt gerichtet wird, während bei einer internalen Ausrichtung Bewegungen oder Gefühle des Körpers in den Fokus rücken. 

Wohin sollten Ausdauersportler ihre Aufmerksamkeit jedoch sinnvollerweise richten? Auf die Prozesse im Körper oder auf die Umwelt? Es finden sich verschiedenste Belege, die für eine externale Ausrichtung in Aufgaben sprechen, die eine hohe koordinative Leistung erfordern. Beispielsweise fanden Zachry, Wulf, Mercer & Bezodis (2005) in einer mit EMG unterlegten Studie, dass Basketballer Freiwürfe genauer platzierten, wenn sie sich auf den Korb fokussierten, als wenn sie ihre Konzentration auf ihr Handgelenk ausrichteten. Auch für Golfer schient ein externaler Fokus die Erfolgsaussichten zu verbessern (Wulf & Su, 2007). Wie sieht es nun im Ausdauersport aus, wenn die maximale Leistung abgerufen werden soll? 

Wie die Aufmerksamkeit beeinflusst

Schücker, Hagemann, Strauss & Völker (2009) untersuchten den Einfluss der Aufmerksamkeitsausrichtung auf den Sauerstoffbedarf bei Läufern. Sie stellten fest, dass eine nach außen gerichtete Aufmerksamkeit mit einer verbesserten Laufökonomie in Zusammenhang steht. Eine weitere Studie, die in diese Richtung weist, kommt von Williams und Kollegen (2015). Sie untersuchten den Einfluss eines Avatars auf physiologische und psychologische Faktoren während eines Zeitfahrens. Die beste Leistung und Geschwindigkeit wurden konstant erbracht, wenn gegen einen virtuellen Gegner gefahren wurde und somit die Aufmerksamkeit nach außen gerichtet wurde. Für die wahrgenommene Anstrengung war es jedoch unerheblich, ob die Sportler in einen virtuellen Wettkampf verstrickt waren, sie nur ihren Avartar beobachteten oder ob sie auf einen schwarzen Bildschirm blickten, obwohl sie bei einem schwarzen Bildschirm deutlich weniger Leistung aufs Pedal brachten. Daraus lässt sich schließen, dass ein internaler Fokus die wahrgenommene Anstrengung größer erscheinen lässt.

Es macht durchaus Sinn in sich zu hören, um nicht zu überpacen. Jedoch ist es im Wettkampf genauso wichtig, auf den Gegner zu fokussieren, in harten Trainings Gegner zu visualisieren oder den Trainingspartner und die Umgebung zu beachten, um das Maximum abrufen zu können. Wer dies im Training intensiv üben möchte, kann gern direkten Kontakt zu meinen Kollegen (zu den Profilen) oder zu mir (zur Profilseite von Christian Hoverath) aufnehmen.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2016/08/03/cristina-baldasarre-die-spiele-sind-anders/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/05/31/mila-hanke-konzentration-aufmerksamkeit-und-wie-mountainbiker-beides-ueben-koennen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/12/19/jan-d-deneke-surfen-die-essenz-vom-hier-und-jetzt/

Literatur

Linda Schücker, Norbert Hagemann, Bernd Strauss & Klaus Völker (2009). The effect of attentional focus on running economy. Journal of Sports Sciences, 27:12, 1241-1248, DOI: 10.1080/02640410903150467

Williams EL, Jones HS, Andy Sparks S, Marchant DC, Midgley AW, Mc Naughton LR (2015). Competitor presence reduces internal attentional focus and improves 16.1km cycling time trial performance. Journal of Science and Medicine in Sport, 18 (4), 486-491.

Wulf, G. & Su, J. (2007). An External Focus of Attention Enhances Golf Shot Accuracy in Beginners and Experts. Research Quarterly for Exercise and Sport, 78 (4), 384-389.

Zachry, T., Wulf, G., Mercer, J. & Bezodis, N. (2005). Increased movement accuracy and reduced EMG activity as the result of adopting an external focus of attention. Brain Research Bulletin, 67 (4), 304-309.

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Dr. Rita Regös: Das deutsche Mentalitätsproblem

Als der Bundestrainer der ungarischen Short Track Nationalmannschaft unmittelbar vor den Olympischen Spielen 2018 in einer Radiosendung gefragt wurde, mit welcher Zielstellung er und die Athleten in den Flieger steigen, war seine Antwort glasklar: „Wir gehen hin, um zu gewinnen.“ Seine Aussage war nicht nur klar, sie war auch kurz – sie ließ keinen Raum für Diskussion, Interpretation und noch weniger für andere Eventualitäten wie eine Silbermedaille.

Zum Thema: Wie unsere Denkmuster sportliches Handeln beeinflussen können

Stark! – aber in einem zweiten Moment zucken manche zusammen, was passiert, wenn sie nicht gewinnen? Sind nicht die Koreaner die führende Nation, ist er nicht ein bisschen voreilig, eine Spur zu siegessicher, ja fast schon arrogant? Wäre die Aussage, „wir geben unser Bestes und schauen, was dabei rauskommt“, nicht doch realistischer?

Ja, die Aussage wäre sicher realistischer, aber nur, wenn wir sie ausschließlich auf das Ergebnis beziehen, welches zu diesem Zeitpunkt in der Zukunft lag. Er bezog sich hingegen definitiv nicht nur auf die Zukunft, sondern auf die aktuelle Tatsache, voller Überzeugung zu den Olympischen Spielen zu fahren, um zu gewinnen. So selbstverständlich sich dies anhört, so selten ist sie hierzulande zu vernehmen.  

Mehr Infos zu Dr. Rita Regös: https://www.die-sportpsychologen.de/ritaregoes/

Die allzu vorsichtige Grundhaltung

„Schauen wir mal“, „nicht zu viel wollen“ und vor allem, „ich werde mich doch nicht blamieren“. Eine gänzlich andere Art mit Erfolg, Zielen, mit Zukünftigem und somit Unsicherem umzugehen, eine nüchterne aber auch eine vorsichtige. Ist diese vorsichtige Haltung tatsächlich in der Versagensangst begründet? Die Angst vor den vermeintlich negativen Gefühlen, die ein Misserfolg in einem auslöst – denn nichts anderes tut weh, wenn man verliert. Zweifelsohne sind Momente der Niederlage nicht die schönsten in einem Sportlerleben, doch für jeden Athleten gehören sie zum Alltag. Sportler wissen in der Regel damit umzugehen oder zumindest wissen sie, nach einer gewissen Zeit verblassen und schwinden Gefühle der Enttäuschung, Wut, machen Platz für Motivation und Zuversicht. Auch ein Verlieren geht zu Ende und es folgt erfahrungsgemäß die Vorbereitung auf die nächste Herausforderung, erneut voller Motivation und Zuversicht.

Wenn Athleten voller Siegesüberzeugung verlieren, sind sie ihren Misserfolgsreaktionen genauso ausgesetzt und empfinden eine Niederlage ebenso ganz und gar nicht angenehm. Auch sie müssen mit negativen Gefühlen umgehen, womit sich die Frage aufdrängt, was ist dann anders? Ist ihnen vielleicht der Erfolg weniger wichtig – wohl kaum, wenn sie sich zu 100% auf ihren Wettkampf konzentrieren, wird das Ergebnis auch für sie hochgradig bedeutungsvoll sein. Sind sie die Zocker unter den Athleten? Nun ja, wenn sie sich zu 100% auf ihren Wettkampf konzentrieren und somit den Zufall zu minimieren versuchen – eher unwahrscheinlich und unlogisch dazu. Oder interessieren sie sich so gar nicht für Konsequenzen? Aber warum sollten sie dann positive anstreben wollen?

Vorsicht ist besser als Nachsicht?

Oder ist eine negative Schlagzeile wirklich so furchtbar, so dass man im Vorfeld sich nicht traut zu sagen, was man erreichen möchte? Große Ziele als Geheimsache, sozusagen? Ist ein nicht erreichtes Ziel eine so große Schande und wird man tatsächlich als arrogant abgestempelt, wenn aus dem kommunizierten antizipierten Erfolg ein Misserfolg wird? Sicher sind auf gesellschaftliche Ebene etliche Bewertungsmuster zu optimieren aber hier interessiert zunächst der individuelle Bereich, der im Schluss dann auch letztendlich eine gesellschaftliche Note bekommt.

Es muss also etwas anderes sein, was Athleten und Trainer vieler Nationen in unseren Augen großspurig erscheinen lässt. Oder wohlwollend ausgedrückt: Wenn wir sie als unvorsichtig in ihren Zukunftsprognosen bezüglich der Leistung wahrnehmen. Diese differente Art ist häufig zu beobachten, wenn Trainer aus dem Ausland mit heimischen Mannschaften arbeiten. In vielen Sportarten erzielen ausländische Trainer mit deutschen Athleten schnelle Erfolge, dies ist nicht unbedingt auf ihre fachliche Überlegenheit zurückzuführen, sondern auf ihre undramatische Herangehensweise, jedoch mit voller Überzeugung einem Ziel folgend. Plötzlich entstehen Zuversicht und Zusammenhalt in der Mannschaft und die Erfolge kommen fast wie von alleine. Auch das Drama kommt unweigerlich – überhäufig oft gerade bei den Olympischen Spielen. Die Vorsicht, hierzulande eine positive Begrifflichkeit eng verknüpft mit Sicherheit, entwickelt sich in der herausfordernden Situation wegen der Unsicherheit zu Selbstzweifel und zur Angst – für ausländischen Trainer ein Schock, denn sie rechnen mit Athleten, die auf die Spiele nur noch heiß sind.

Just in time: erst wenn´s passiert

Ein kanadischer Trainer und Olympiagewinner hat es mal so formuliert: „Vor den Spielen haben wir in der Pressekonferenz großspurig gesagt, wir holen Gold. Es war uns in dem Moment egal, was passiert, wenn wir keine Medaille holen“. Und das ist wohl auch der Unterschied:

  • Erstens eine Blamage ist bei anderen Nationen nicht antizipiert, es besteht also keine Vorsicht für den Fall, „was aber wenn doch nicht“.
  • Zweitens, die Niederlage existiert vor der eingetretenen Niederlage nicht. Sowohl um die eigenen Misserfolgsreaktionen, wie auch die Reaktionen aus dem Umfeld auf das Versagen, kümmern sie sich erst, wenn es tatsächlich passiert ist. Sie wird nicht vorbereitet – manch Leser wird an diese Stelle denken „aber Vorbereitung ist alles“.
  • Und sollte es drittens zu eine Niederlage kommen, geht die Welt nicht unter, man richtet das Krönchen und konzentriert sich auf die nächste Möglichkeit zu siegen.

Athleten und Trainer unterschiedliche Nationen bestätigen: Hierzulande ist eine gewisse Vorsicht immer mit im Gepäck. Aber woher kommt diese und warum sind wir der fast machtlos ausgeliefert, ja sogar befürwortend: Vorsicht ist bekanntlich positiv, vernünftig.

„If you can dream it, you can do it“

Es ist eine geistige Grundhaltung – mit anderen Worten: die Mentalität. Das Zusammenspiel einer bestimmten Art und Weise des Denkens und deren Inhalte, also Denkmuster und die daraus resultierende Disposition für ein bestimmtes Verhalten. Sie ist im Zuge der Sozialisation vorgeprägt und ist die Grundlage für das individuelle, soziale und kollektive Handeln inklusive möglicher Handlungsalternativen. In den Staaten hast du nicht gelebt bevor du dreimal gescheitert und viermal aufgestanden bist und in Deutschland ist Vorsicht besser als Nachsicht. „If you can dream it, you can do it“ hat mehr Wahrheitsgehalt als manch einer annehmen würde, denn selbstverständlich haben Denkmuster großen Einfluss auf unser Handeln. Sie regulieren die Selektion der Wahrnehmung, sie modellieren Handlungspläne und sogar in Form von antizipierten positiven Gedanken unsere Traumziele und somit unsere Träume. Sie enthalten aber auch Bewertungsgrundlagen, positiv negativ, machbar, unrealistisch, vernünftig, samt der sozialisierten Rangreihe dieser Bewertungen, also ob ‚machbar‘ besser ist als zum Beispiel ‚vernünftig‘.

All das ist der gedankliche Vorbau dessen, was wir tatsächlich tun. Nun ist es aber so, dass ein Traum formal auch nur ein Gedanke ist, ich hole mir einen Apfel oder ich hole mir die Medaille ist dieselbe gedankliche Leistung und bewirkt eine Handlungsanweisung, auf die sich meine Psyche sozusagen einschießt und somit auch mein Körper entsprechend ausrichtet. Ich schmecke den Apfel bevor ich losgegangen bin und bin überaus aktiviert, wenn ich mich in Gedanken auf dem Podest sehe. Wenn ich aber vorsichtig bin, ist meine Wahrnehmung auf entsprechende Gefahren ausgerichtet und mein Körper in Alarmbereitschaft, zum Beispiel gehe ich in geduckter Haltung und schaue unter einem Apfelbaum nur nach oben, wenn ich befürchte, von einem Apfel erschlagen zu werden. Nicht so, wenn mir dies nicht im Traum einfällt. Und wenn ich von einem Sportwagen träume, wird mich dieser, komischer Weise, überhäufig oft auf der Autobahn überholen – übrigens nicht öfter als sonst, aber mein Gehirn verfolgt einen Gedanken und lässt mich alles wahrnehmen, was damit zu tun hat.

Von Siegen träumen

Es ist unwahrscheinlich, dass Athleten und Trainer anderer Nationen diese Gedanken genau durchspielen und verinnerlichen. Aber viele Sportler brauchen es gar nicht, denn dieses Denkmuster ist in ihrer geistigen Grundhaltung bereits inkludiert, ein fester Bestandteil der Mentalität. Andere wiederum können überlegen, ob sie mit einem vorsichtigen Denkmuster nicht sich selbst Grenzen setzen oder ihren Athleten Grenzen suggerieren, die sie durchaus in der Lage wären zu überschreiten. Wenn mein Ziel Halbfinale ist, läuft alles automatisch, vieles auch unbewusst aber eindeutig auf mein Ziel ausgerichtet – allerdings nur bis dahin. Im Halbfinale angekommen, macht sich Unsicherheit breit – es war weder geplant noch geträumt, es war unsicher und genauso verhalte ich mich.

Schade oder mentalitätskonform formuliert: Wäre es nicht sicherer, den Wettkampf immer bis zum ersten Platz zu denken, vom Sieg zu träumen?

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/03/22/dr-hanspeter-gubelmann-the-winning-mindset/
https://www.die-sportpsychologen.de/2018/03/15/mario-schuster-optimales-motivationsklima-was-fuehrungskraefte-aus-der-sportpsychologie-lernen-koennen/
https://www.die-sportpsychologen.de/2017/09/29/julian-voelker-work-hard-dream-big-warum-fragen-wir-nicht-einfach-die-besten-episode-5/

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Dr. René Paasch: Initiativbewerbung im Fußball – sinnvoll oder überflüssig?

Immer wieder betonen Verantwortliche und Spieler von Bundesligisten, wie wichtig der Kopf im Bundesliga-Abstiegskampf sei. Zuletzt brachte ein Artikel über Hannover 96 im Sportbuzzer des Redaktionsnetzwerks Deutschlands interessante Aussagen ans Licht. So erklärte 96-Boss Kind, dass mindestens einmal wöchentlich eine Bewerbung von Sportpsychologen und Mentaltrainern bei ihm auf dem Tisch landet. Dabei gibt es gar keine Stelle. Lohnen sich solche Initiativbewerbungen also? Diese Frage habe ich mir in der Vergangenheit schon häufig selbst gestellt. Die Antwort fällt heute differenzierter aus als ich vor Jahren noch glauben wollte.

Zum Thema: Macht es für Sportpsychologen oder Mentaltrainer Sinn, sich initiativ bei Vereinen zu bewerben?

Viele Kollegen glauben, dass Initiativbewerbungen im Fußball nicht erfolgreich sind. Aber das stimmt heute nur bedingt: Gerade Vereinsmanager und Trainer mit visionären Vorstellungen und ganzheitlichen Gedanken schauen sich solche Bewerbungen mittlerweile genau an. Denn aus meinen bisherigen Erfahrungen lässt sich ableiten, dass wir in den nächsten Jahren fester Bestandteil im Profifußball aber auch im Amateursport sein werden. Dazu gleich mehr.

Bevor ich mit Anregungen starten möchte, hier ein kleiner Rückblick aus meinen eigenen Bewerbungsversuchen. Es war sehr steinig und oft bedrückend. Häufig wurden meine Bewerbungen mit Ignoranz, Standardantworten oder sogar genervten Rückmeldungen beantwortet, wie zum Beispiel: „Unterlassen Sie Ihre ständigen Bewerbungsversuche. Es besteht kein Interesse an sportpsychologischer Dienstleistung/für Ihre Berufsgruppe, gibt es keine vorgesehene Planstelle oder wir haben dafür kein Geld“.

Keine erfolgreiche Bewerberkarriere

Ich hatte mich damals bei fast allen Bundesligisten und kleineren Vereinen beworben. Doch eine erfolgreiche Bewerberkarriere sieht wohl anders aus. Zum damaligen Zeitpunkt war ich selbstständig mit zwei Sportclubs, freiberuflicher Sportpsychologe und war als Personal Trainer unterwegs, was mich aber nicht zufrieden stellte. Meine Lösung? Ich versuchte Praxiserfahrung zu sammeln und startete meine nebenberufliche sportpsychologische Karriere in der Kreisliga A, dann in der Oberliga sowie mit Jobs in verschiedenen Sportarten. Meine gelegentliche Unzufriedenheit und der Zweifel waren dabei zuverlässige Begleiter. Ich wusste nicht weiter! Aufhören, weitermachen oder die Strategie wechseln? Viele Fragen, die mich täglich beschäftigten, ohne dass ich dabei zu einer Antwort kam. Da war nur das Ziel: Ich wollte meine Leidenschaft zum Beruf machen!

Unzufriedenheit und Zweifel waren zuverlässige Begleiter

Dr. René Paasch

Brauchte ich Kontakte, Zeit oder das entsprechende mediale Gehör? Liegt es an mir? Muss ich mich weiterhin qualifizieren oder meine Strategie einfach nur ändern? Ich entschloss mich dann, eine nebenberufliche akademische Karriere und eine eigene Homepage mit einem regelmäßigen wissenschaftlichen Newsletter zu starten. Ich glaubte, nur entsprechende Ausbildungen, Weiterbildungen und öffentliche Interessenbekundungen hinsichtlich der Sportpsychologie würden mich ans Ziel führen. Auch dies war aber nicht unbedingt der Schlüssel zur Festanstellung! Dennoch ging ich diesen Weg weiter – trotz sinkender Motivation – und ich versuchte, auf mich aufmerksam zu machen.

Auf einmal wollte der Fußball etwas von mir wissen

Dann bin ich auf die Sportpsychologen.de gestoßen und ich wusste für mich, dies könnte ein wichtiger Meilenstein sein. Nun bin ich seit vielen Jahren im Netzwerk der Sportpsychologen als Schreiber für Blog- und Leitartikel und Ansprechpartner für verschiedene Medien, Vereine und Unternehmen unterwegs. Heute kann ich sagen, das war eine sehr gute und wichtige Entscheidung.

Aus dieser Zusammenarbeit entstanden vielseitige Anfragen und auch der Fußball wollte auf einmal mehr von mir wissen. Das regelmäßige Auseinandersetzen mit sportwissenschaftlichen, psychologischen und gesundheitlichen Themen und die Festanstellung im Leistungsfußball sorgten dann für das entsprechende Gehör. Heute bin ich für diese Zeit sehr dankbar, denn sie hat mich zudem gemacht, der ich bin und sein möchte.

Meine Tipps für Initiativbewerbungen

Damit Sie eine Erleichterung ihrer Bewerbungen erfahren können, möchte ich Ihnen nun meine Erfahrungen für eine Initiativbewerbung anbieten! Aber wie gehen Sportpsychologen und Mentaltrainer am besten vor, damit es mit dem Wunschjob im Fußball klappt?

Initiativbewerbungen machen aus der heutigen Sicht unbedingt Sinn, insbesondere wenn der Verein keinen ausgewiesenen Experten auf der Homepage aufweist. Die Kollegen machen es nur häufig nicht richtig. Viele verschicken zum Beispiel anonyme Anschreiben (postalisch/elektronisch). „Sehr geehrte Damen und Herren oder sehr geehrter Herr Kollege“ – solch ein Anschreiben landet irgendwo, nur nicht beim Entscheider. Das können Sie sich gleich sparen, weil sich keiner angesprochen fühlt oder Sie entsprechend zuweisen kann.

Sie müssen das Sekretariat vom Teammanager oder dem sportlichen Leiter anrufen, also ein bisschen herumtelefonieren und fragen, wer wofür zuständig ist und wenn es möglich ist, persönliche Kontakte im Verein im Vorwege generieren. Sie sollten ruhig auch an die Trainer in dem Verein herantreten und um einen persönlichen Termin bitten. Die sehen eventuell schon einen zukünftigen Bedarf, von dem die nächsthöheren Vorgesetzten noch gar nichts wissen.

Hausaufgaben machen!

Konkret zum Anschreiben: Am besten ist es, vereinsspezifisch vorzugehen und das Anschreiben mit einem aktuellen Aufhänger und persönlichen Namen zu starten. Dafür ist es wichtig, den Internetauftritt des Vereins zu studieren oder die Sportteile der Zeitungen aus der Region zu lesen. So erfahren Sie zum Beispiel, ob der mentale Bereich von Interesse ist und wie solche Themen in der jüngeren Vergangenheit diskutiert worden sind.

Wenn Sie dann nachgewiesene sportliche Erfahrungen aufweisen, Fußball verrückt sind und schon mit Sportlern gearbeitet haben, dann haben Sie schon einen Vorsprung gegenüber weniger erfahrenen Kollegen. Des Weiteren sollten Sie ein Konzept Ihrer Dienstleistungen erstellen und darin sollte der klare Vorteil für den Verein, die Mannschaft und dem Einzelnen erkennbar sein. Dabei sollten Sie sich mit diesen essentiellen Fragen beschäftigen: Was möchte ich für ein Sportpsychologe sein? Was kann ich? Was ist der Nutzen für den Verein und was will ich? Denn das möchte der Verantwortliche unbedingt lesen! Und der Bewerber muss versuchen, genau das im Anschreiben und im tabellarischen Lebenslauf auf den Punkt zu bringen.

Die liebe Fußballfamilie

Im Erstkontakt bitte keine Zeugnisse und keine großen Mappen. Da fühlt sich der Verantwortliche schnell überfordert und zugemüllt. Eine gewisse Frustrationstoleranz und Zeit brauchen Sie jedoch im Fußball, denn der Stellenwert von Sportpsychologen und Mentaltrainern ist noch immer sehr dürftig und wenn Sie dann keine persönlichen Kontakte und Erfahrungen aufweisen können, wird es weiterhin sehr schwer, überhaupt Gehör zu finden.  

Aber wenn das Anschreiben geschickt mit bestehenden Kontakten auf den Weg gebracht worden ist, kann eine Initiativbewerbung dem Zufall auf die Sprünge helfen. Wobei weiterhin gilt: Ein persönlicher Kontakt schlägt jedes beschriebene Stück Papier. Bevor der Fußball sich auf fremde Fachkräfte verlässt, schauen sie lieber in den eigenen Reihen oder achten auf das Empfehlungsmarketing der Fußballfamilie. So wie es in der Wirtschaft auch zum Teil funktioniert: „Kontakte schaden nur dem, der sie nicht hat!

Hier sind die zwei Beispiele aus der Praxis, wo eine Initiativbewerbung aus meiner Sicht sinnvoll sein kann:

Insider-Wissen

Sie haben wahrscheinlich schon mitbekommen, dass ein Großteil der Stellen im Leistungssport Fußball, im Verdeckten besetzt werden. Es bringt jedoch nichts, sich blind zu bewerben und darauf zu hoffen, zufällig die kurze Zeitspanne des Bedarfes zu erwischen. Aber mal angenommen, Sie erfahren über einen Bekannten oder Freund, dass sein Kollege gerade gekündigt hat und diese bald frei werdende Stelle gut zu Ihrem Profil passen könnte, dass ein Arbeitsbereich in der nächsten Zeit weiter ausgebaut werden soll, dass bspw. die Zertifizierung des NLZ und die damit verbundene Anstellung von Sportpsychologen ansteht oder dass die erste und zweite Liga mit festangestellten Psychologen oder sportpsychologischen Experten arbeiten sollen und die darunter liegenden Ligen entsprechende Nachweise aufweisen. Leider ist dies nicht verbindlich sondern nur eine Empfehlung von der DFL aber es dient trotzdem als guter Aufhänger für Ihre Bewerbung.

Ideengeber

Angenommen, Sie haben in den vergangenen Jahren erfolgreich ein sportpsychologisches Konzept umgesetzt und möchten nun zu einem NLZ oder zu einer Profimannschaft wechseln. Sie recherchieren, welche für sie interessanten Vereine in Sachen Sportpsychologie hohen Nachholbedarf haben und liefern mit Ihrer Initiativbewerbung nicht nur gute Gründe, eine Stelle als Sportpsychologe neu zu schaffen, sondern präsentieren auch sich selbst als Experte. Hierbei kommt es darauf an, dass Ihr neuer Verein erkennt, dass eine solche Stelle sportlich-strukturell sinnvoll ist und Sie der Richtige dafür sind. Hier ist viel Kreativität bei der Recherche gefragt sowie eine gute Argumentation erforderlich. Manchmal ist auch eine erste praktische Darbietung gegenüber dem Trainerteam sinnvoll, um ins Gespräch zu kommen oder zu überzeugen.

Fazit

Eine Initiativbewerbung im Fußball muss deutlich über die Inhalte einer normalen Bewerbung hinausgehen, um zunächst den Bedarf bei Ihrem Wunschverein zu wecken. Dabei benötigen Sie Kontakte (idealerweise) zu den Trainern, eine klare Position und eine Spezialisierung im Markt, Erfahrungen und den tiefen Willen und die Überzeugung, ungewöhnliche Wege zu gehen. Den Standard können viele. Für Ihren beruflichen Weg wünsche ich Ihnen nur das Beste. Bei weiteren Fragen dürfen Sie sich gerne bei mir melden:

Mehr Infos zu Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Mehr zum Thema:

Literatur

http://www.sportbuzzer.de/artikel/reif-fur-die-couch-braucht-hannover-96-einen-mentaltrainer

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Jürgen Walter: Kann ein Saufabend zum Teambuilding beitragen?

Glauben wir den modernen Erzählungen über die Fußball-Bundesliga, dann herrscht allerorten Askese. Die Spieler liegen kurz nach 22 Uhr im Bett. Zuvor kommt nur auf den Tisch, was für den Sportlerkörper nachhaltig Mehrwert bringt. Und Alkohol ist höchstens Bestandteil in den Haarpflegeprodukten. Da wunderte die Aussage von Gregor Kobel, dem Torhüter des FC Augsburg, unlängst schon sehr. Er schlug vor, dass sein Team mal einen Saufabend machen müsse.

Zum Thema: Kommunikation, Harmoniestreben und Konfliktmanagement – Ein Plädoyer, dass Spaß in gewissen Dosen immer dazugehören sollte

Versuchen wir es sachlich und fragen uns, wann ein Team erfolgreich ist? Dies ist in aller Regel dann der Fall, wenn die Akteure ein gemeinsames Ziel haben, die Rollen gut verteilt sind, Vertrauen untereinander herrscht, man sich unterstützt und die Kommunikation gut ist. Im Sport ist das nicht anders als in Wirtschaftsunternehmen.

Hier wie da, also im Sport wie in der Wirtschaft, herrscht nicht erst seit gestern ein sehr ausgeprägtes Streben nach Harmonie. Dabei führt aber eine maximale Harmonie nicht unbedingt zu einem guten Ergebnis. In Untersuchungen zeigte sich, dass absolute Harmonie und das Streben nach Gleichklang zwar zur Verringerung von Konflikten beitragen, allerdings dies auch die Gefahr mit sich bringt, dass Konflikte unterdrückt werden. Die zeitnahe Austragung von Konflikten tritt in den Hintergrund, da diese dem Harmoniebedürfnis entgegenstehen. Diese unterschwelligen Konflikte beeinträchtigen dahingehend die Zusammenarbeit (Gläsener, 2011). Denn Auseinandersetzungen können förderlich sein, da auch die Vielseitigkeit der einzelnen Teammitglieder ein gutes Team ausmacht.

Alternative zum Saufabend

Jetzt kann ein Saufabend wohl beides: Die Kommunikation unterstützen aber genauso den letzten Rest an Harmonie zerstören, falls ein solcher Abend unkontrolliert aus dem Ruder läuft. Wie also damit umgehen? Gerade für uns Sportpsychologen ist die Frage heikel. Denn einerseits wollen wir sicher nicht als „Spaßbremse“ dastehen, andererseits müssten wir es besser wissen. Schließlich gibt es so viele sportpsychologische Interventionsmöglichkeiten, die auch in verfahrenen Situationen einen Reizpunkt setzen, um am Ende Kommunikation, Austausch oder einfach nur zu einem gemeinsamen Spaßerleben führen.

Aus der unteren Schublade zaubere ich mal meine spielerische Alternative zum Saufabend:

Mehr Infos zu Jürgen Walter: https://www.die-sportpsychologen.de/juergen-walter/

In Abweichung des bekannten Spiels „Schnick-Schnack-Schnuck“ treten zwei Mannschaften gegeneinander an. Statt den bekannten Begriffen gibt es drei Figuren:

1. Krieger

2. Tiger

3. Oma.

Die Mannschaften stellen sich etwa zehn Meter voneinander entfernt nebeneinander auf und gehen auf Kommando drei Schritte vor. Die Mannschaft muss sich vorher auf eine Figur einigen und dann einheitlich eine vor drei Figuren präsentieren: Der Krieger schlägt mit einem Luftschwert mit einem lauten „Hau“ nach vorne, der Tiger hebt seine Krallen in die Höhe (beide Arme) und faucht „Whooh“, die Oma hebt den rechten Zeigefinger und schimpft „Du, Du. Du“.

Wertung: Krieger schlägt Tiger, Tiger schlägt Oma, Oma schlägt Krieger. Haben beide Teams sich auf die gleiche Figur geeignet, geht dieser Durchgang unentschieden aus und die Mannschaften bereiten sich auf die nächste Runde vor. Man spielt dann z.B. „Best of five“.

Es gab schon Mannschaften, die das Spiel dann mit den Figuren 1. Jäger, 2. Möhre, 3. Hase weiterentwickelt haben. Aber Vorsicht bei der Umsetzung: Es sollten im Idealfall keine Kameras oder Smartphones am Trainingsplatz dabei sein. Aber welcher ambitionierte Verein hat nicht längst die Infrastruktur für Geheimtrainingssessions geschaffen?

Merkel hat recht

Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Gegen den Saufabend spricht nicht nur der Kater am nächsten Morgen. In der Regel werden in solchen feuchtfröhlichen Stunden keine konkreten Anleitungen zur Verbesserung des Teamzusammenhalts aufgezeigt. Zu befürchten ist auch, dass Inhalte von Diskussionen, Vereinbarungen usw. am nächsten Morgen wieder vergessen sind oder durch neue Auseinandersetzungen überlagert werden.

Ob der Saufabend in Augsburg tatsächlich stattgefunden hat, wissen wir nicht. Gregor Kobel grinste nur ins Mikrofon, als er ein paar Tage nach seiner Aussage, direkt nach dem 2:1-Heimsieg gegen Borussia Dortmund nach diesem besonderen Teamevent gefragt wurde. Nehmen wir das mal so hin. Denn vielleicht braucht es eben doch die Lockerheit, die einst Trainerlegende Max Merkel an den Tag legte: Nachdem einmal die noch vom Vorabend alkoholisierten Spieler gegen die abstinenten gewonnen hatten, soll er gesagt haben: „Dann sauft´s halt weiter!“

Mehr zum Thema:

Literatur

Gläsener, K. (2011). Diverse Teams = Erfolgsteams?. Bedingungen für die Interaktion in geschlechts- und nationalitätsgemischten Teams (No. 4). (E.-M. Dombrowski & A. Ducki, Eds.). Berlin: Gender- und Technik-Zentrum der Beuth Hochschule für Technik.

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Kletter-Bundestrainer Urs Stöcker: Olympic Combined ist wie eine Erstbegehung

Bei den olympischen Spielen in Tokyo im Sommer 2020 wird Klettern olympisch. Die Medaillen werden aber nicht in den etablierten Einzeldisziplinen des Sportkletterns vergeben, sondern in einer Kombination aus Lead, Speed und Bouldern. Viele Athleten stehen vor riesigen Herausforderungen – schließlich müssen sie ihr Können nun auch in Wettkampfformen unter Beweis stellen, von denen sie bislang lieber die Finger gelassen haben.

Johannes Wunder von Die Sportpsychologen interessiert sich für die Sportart und hat in den vergangenen Monaten einige Athleten und Trainer getroffen. Kürzlich besuchte er Urs Stöcker, den Bundestrainer im deutschen Alpenverein. Der Schweizer ist kein Unbekannter. Als alpiner Bergsteiger erzielte er gemeinsam mit dem legendären Thomas Huber einige nennenswerte Erfolge. Nun kommt es für Stöcker darauf an, dass er seine persönlichen Erfahrungen im Mix der verschiedenen Disziplinen am Berg auf das neue Wettkampfformat “Olympic Combinedummünzt und den Athleten Hilfestellungen liefert.

Stöcker sind Drucksituationen, Ängste und Anspannung nicht fremd. Auch Leistungsdruck kennt der Bundestrainer, denn zum Beispiel verlangt eine oft monatelange Vorbereitung auf eine Expedition vieles von einem ab – bis es schlussendlich darum geht, die Planungen erfolgreich am Berg umzusetzen.

„Und das ist natürlich schon auch etwas, was wir jetzt bei den neuen olympischen Disziplinen haben, dass wir schlussendlich auch nicht wissen, worauf wir uns einlassen.“

Urs Stöcker

Mehr dazu im Interview aus der Reihe “Die Sportpsychologen treffen”:  

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Weitere Informationen
Urs Stöcker und Johannes Wunder von Die Sportpsychologen im Gespräch

Mehr zum Thema:

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Kathrin Seufert: Wie wichtig sind Eltern für den Erfolg von Nachwuchssportlern?

Sportler aller Sportarten haben fast alle eines gemeinsam: Ihre Karriere begann mit der Hilfe und der Unterstützung ihrer Eltern. Fahrten zum Training, Kosten für Sportmaterialien und Trainingslager sind da oft genannte Aspekte verschiedenster Athleten. Doch welche Rolle spielen die Eltern wirklich? Dieser Frage gehe ich in meiner Abschlussarbeit an der Martin-Luther Universität Halle (Saale) nach. Ich möchte euch mitnehmen und verschiedene Seiten dieser Frage beleuchten und für euch darstellen. Bevor ich die Ergebnisse meiner speziellen Studie veröffentliche, möchte ich mich in verschiedenen Blogbeiträgen den unterschiedlichen Komponenten des Systems eines Sportlers widmen und hierbei die Rolle der Eltern betrachten.

Zum Thema: Die Rolle der Eltern im Nachwuchssport

  • Was ist wichtig für den Trainer im Umgang mit den Eltern seines Sportlers, die mit seiner Taktik und Aufstellung nicht einverstanden sind?
  • Wie kann ein Physiotherapeut damit umgehen, wenn die Eltern des Athleten mitkommen und eine andere Art der Behandlung für sinnvoller erachten, meist ohne medizinische Expertise?
  • Wie ist es für Lehrer, die mit den motivierten Eltern ihrer Schüler die pädagogische Lage ansprechen wollen, aber dort kein Gehör bekommen, weil es das Kind zum Spitzensportler schaffen wird?
  • Was macht eigentlich ein Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, der mit Eltern über Entscheidungen und Richtlinien des Vereins sprechen muss?
  • Wie geht ein Auswahltrainer mit den Anfeindungen von Eltern um, deren Kind es dieses Mal nicht in den Kader geschafft hat?
  • Und was macht eigentlich das Geschwisterkind eines Athleten, wenn es selbst keinen Sport betreibt und die Eltern volle Energie für den Sport des Bruders/der Schwester aufbringen?

Dies sind einleitende Beispielfragen, denen ich in den kommenden Beiträgen nachgehen möchte. Mein Ziel ist es, jedem Teil des Systems einen Blog zu widmen. Und abschließend geht es dann natürlich um die Sportler und natürlich die Eltern selbst, um deren Beziehung zueinander und um die Wünsche, die die Sportler an ihre Eltern haben. All das will ich mit Hilfe der Studie ergründen.

Mehr Infos zu Kathrin Seufert: https://www.die-sportpsychologen.de/kathrin-seufert/

Von „Eiskunstlauf-Mamas“ und „Fußball-Vätern“

Was man immer mal hört, dass es Eltern gibt, die viel zu viel wollen. „Eiskunstlauf-Mamas“ und „Fußball-Väter“, die nicht nur Elternteil sondern gerne auch mal Trainer, Berater und Arzt sind. Doch sollte erst einmal festgehalten werden, dass jeder Elternteil es vor allem gut mit seinem/ihrem Kind meint. Daher wollen wir uns nicht nur diesen extremen widmen, sondern auch denjenigen, die unsicher sind, was das Richtige ist, sofern man das überhaupt pauschalisieren kann.

Ein Blick auf die verschiedenen Sichtweisen, Blickwinkel und Perspektiven soll dabei helfen, ein Verständnis für bestimmte Situationen zu schüren, sich mit einer Situation auf verschiedene weisen auseinander zu setzen. Eine andere Brille aufzusetzen hilft dabei, Handlungen anderer besser einzuschätzen, sich darauf einstellen zu können und die eigene Einstellung dazu zu verbessern. Das hat in einem System, wie dem eines Sportler schnell großen Einfluss. Wenn einer von dem anderen besser die Intentionen kennt, so greifen die Zahnräder deutlich besser ineinander. Das ist selbstverständlich keine einfache Arbeit, und kein bleibender Zustand. Es ist ebenso eine Arbeit, ein Prozess und dieser kann sicherlich Höhen und Tiefen haben.

Werde Teil der Studie

Schauen wir uns also in den kommenden Wochen, die einzelnen Systemteile an, und betrachten möglichst genau, was jeder, der in diesem System tätig ist, im Umgang mit den Eltern eines Sportlers beachten sollte. Schließlich geht es darum, dass es ein rund laufendes System für den Athleten entwickelt wird.

Übrigens: Wenn euch das Thema interessiert und ihr mir helfen wollt, habe ich eine Bitte. Denn ich suche Teilnehmer für meine Studie. Folgende Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein:

  • Du musst mal regelmäßig Sport betrieben haben oder tust dies noch
  • Du bist über 18 Jahre alt
  • Du hast mindestens ein Elternteil, welches den Fragebogen ebenfalls ausfüllen wird

Ich freue mich über jede Familie, die mich unterstützt. Der Link zur Umfrage ist:

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2015/10/13/thorsten-loch-mein-kind-im-sport-und-ich/

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/10/30/cristina-baldasarre-fruehfoerderung-im-kinderleistungssport-wieviel-ist-genug/

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/02/27/dr-rene-paasch-wir-muessen-die-nlz-kicker-aus-den-zwangsjacken-befreien/

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Thorsten Loch: Emotional intelligente Sportler sind erfolgreicher

Im Boden versinken. Die Hände über den Kopf schlagen. Mit gesenktem Haupt das Feld verlassen. Gerade nach wichtigen Spielen lassen sich vor allem auf der Seite der Verlierer ganz unterschiedliche negative Emotionen entdecken. Besonders ausgeprägt ist dies bei Jugendlichen. Und es lohnt sich für Trainer, Betreuer, Eltern und nicht zuletzt Mitspieler an diesen Situationen zu arbeiten.

Zum Thema: Emotionale Intelligenz im Sport

Stellen wir uns die konkrete Situation vor: Eine Jugendmannschaft verliert eine wichtige Partie. Einigen Spielern könnte man das Endergebnis deutlich von den Gesichtern ablesen. Auf dem Rückweg vom Platz zu den Umkleidekabinen suchen nun aber einige wenige Spieler bewusst den Kontakt zu ihren „mehr“ enttäuschten Mannschaftskameraden. Diese wenigen Minuten Fußmarsch nutzen die Sportler, um aktiv das Gespräch zu suchen, mit beeindruckenden Auswirkungen. Innerhalb dieser kurzen Zeitspanne verändert sich die Stimmung samt Körperhaltung merklich.

Aus dieser Beobachtung heraus ergaben für mich folgende Fragestellungen:

  • Lässt sich Empathie trainieren?
  • Wie kann ich eigene Gefühle und die anderer besser erkennen und deuten?
  • Wirkt es sich auf den sportlichen Erfolg aus, leistungsfähiger zu erscheinen?

Stichwort Emotionen

Mehr Infos zu Thorsten Loch: https://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

Jeder, der einmal Wettkampfsport betrieben hat, kennt die Gefühlspalette beginnend mit Freude bis hin zum Gefühl des Scheiterns. Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß, sondern eine schier unendliche Abstufungen von Grautönen. In diesem Zusammenhang ist es völlig unerheblich, auf welchem sportlichen Niveau man sich bewegt hat. Das verlorene Kreispokalfinale oder das Ausscheiden auf einem internationalen Turnier. Emotionen spielen eine wichtige Rolle im Sport.

Obwohl Emotionen im Alltag meist lediglich für ein Gefühl gehalten werden, beschreiben aktuelle Forschungen diesen Zustand als komplexes Muster körperlicher und mentaler Veränderung in Reaktion auf eine auslösende Situation, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen wird. Aktuelle Emotionstheorien zeigen auf, dass physiologische Prozesse und Muskelbewegungen, die mit Emotionen einhergehen, den Organismus sowohl auf adaptive Handlungen in wiederkehrenden Situationen vorbereiten als auch wichtige soziale Informationen kommunizieren (Laborde et al., 2017). Anhand folgendem Beispiel lassen sich die beiden grundlegenden Funktionen erklären: Die Emotion Furcht kann als eine Reaktion auf die wiederkehrende Situation Gefahr angesehen werden, die zu einer Vielzahl von physiologischen Reaktionen führt. Unter anderem beinhaltet eine dieser Funktionen, dass sich die Pupillen erweitern. Die hat zum einen den Vorteil, dass die drohende Gefahr schneller zu erkennen ist. Geweitete Pupillen erfüllen allerdings auch eine kommunikative Funktion innerhalb einer sozialen Gruppe: Sie sind ein sichtbares Anzeichen dafür, dass Gefahr im Verzug ist.

Emotionen nutzen lernen

Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass gewisse Emotionen als Reaktion auf wiederkehrende Situationen zu einem gewissen Grad bei allen Menschen auftreten und ausgedrückt werden (ebd.). Emotionen sind also per se nicht gut oder schlecht, sondern können je nach Person und Situation förderlich oder hinderlich sein. Demzufolge können Sportler (Einzel und/oder Mannschaftssportler) ihren Umgang mit den Emotionen mit der Absicht beeinflussen, dass sie zur Zielerreichung förderlich und nicht hinderlich sind. Und dies ist die Quintessenz, wenn von emotionaler Intelligenz im Sport gesprochen wird. Aktuelle Forschungsergebnisse stützen eine positive Auswirkung emotionaler Intelligenz (Laborde/Dosseville/Allen, 2016).

Es konnte festgestellt werden, dass Athleten mit einer höheren emotionalen Intelligenz größere Erfolgsaussichten haben als Athleten mit einer schlechteren Ausprägung. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen verschiedene positive Zusammenhänge zwischen der Ausprägung von emotionaler Intelligenz und leistungsrelevanten Parametern:

  • Höhere Zufriedenheit mit der eigenen Leistung
  • Höhere Ganzjahresleistung
  • Weniger Nervosität vor und im Wettkampf
  • Muskelkraft bei Stress
  • Haltung bewahren auch unter Druck

Fazit

Die eingangs gestellten Fragen lassen sich also eindeutig mit Ja beantworten. Emotionale Intelligenz nimmt positiven Einfluss auf die sportliche Leistungsfähigkeit sowohl bei Individual- als auch bei Mannschaftssportlern – und noch wichtiger: sie lässt sich entwickeln! Eine Forschungsgruppe an der Deutschen Sporthochschule in Köln um Dr. Sylvain Laborde hat sich dieser Thematik gewidmet. In meinem nächsten Beitrag werde ich anhand der Ergebnisse von Labore et al. (2017) darstellen, wie sich die emotionale Intelligenz trainieren und entwickeln lässt.

Mehr zum Thema:

Literatur:

Laborde, S., Dosseville, F., Allen, M. S.: Emotional intellegince in sport an exercise: A systematic reviwe. Scandinavian Journal of Medecine & Science in Sports, 2016. 26: p. 86274.

Laborde, S. Furley, P., Musculus, L., Ackermann, S. (2017): Emotionale Intelligenz im Sport Meyer&Meyer Verlag, Aachen.

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