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Das Programm der ASP-Tagung 2019 steht

Das Programm der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie steht und hält einige Überraschungen bereit. Das Event lockt vom Donnerstag, den 30. Mai, bis Samstag, den 1. Juni 2019 nach Halle/Saale in Sachsen-Anhalt. Zum Programm:

Link zum Programm

Für Prof. Dr. Oliver Stoll, Fachredakteur und Mitgründer von Die Sportpsychologen, ist das deutsche Sportpsychologie-Event des Jahres ein Heimspiel. An „seiner“ Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat er mit dem Melanchthonanium und dem Audimax moderne und hoch repräsentative Räumlichkeiten im Herzen der Stadt als Schauplatz ausgewählt. Kurze Wege zum Abendprogramm, den lebendigen Kneipenstraßen und an die Saalestrand inklusive.

Vom Experten-Netzwerk Die Sportpsychologen sind zahlreiche Profilinhaber wie Dr. Hanspeter Gubelmann, Cristina Baldasarre, Johanna Constantini, Dr. René Paasch und Prof. Dr. Oliver Stoll aktiv ins Programm eingebunden. Hinzu kommt eine Podiumsdiskussion zum Thema Doping mit Hajo Seppelt, Leiter der ARD-Dopingredaktion, Prof. Dr. Ralf Brand und weiteren Gästen, die von Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, moderiert wird. 

Mehr Infos und Anmeldung:

Link zur asp2019.de-Homepage

Tickets ab 70 EUR

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Johanna Constantini: Likes und die positive Psychologie

Nicht allzu lange ist es her, da hat sich die Psychologie noch ausschließlich mit dem Aufdecken und Diagnostizieren von Krankheiten aufgehalten. Sie war eine Wissenschaft mit „pathogenem Fokus“ sozusagen… Nicht zuletzt Martin P. Seligman, dem ehemaligen Präsidenten der American Psychological Association (APA), ist es zu verdanken, dass dieser Blick nach und nach auf das Positive und gesund machende im Menschen gerichtet wurde. Davon profitiert heute auch der Bereich der Sportpsychologie. Diese zählt nämlich zu den Disziplinen „positiver Psychologie“, die sich vermehrt auf Schutzfaktoren und Stärken von Menschen konzentrieren. Der „salutogenetische Fokus“ (nach Antonovsky, 1979) liegt damit auf gesunden Aspekten einer Person, um diese präventiv vor möglichen Erkrankungen schützen zu können. Präventive Arbeit dient auch in der Sportpsychologie dazu, die psychische und physische Gesundheit von AthletInnen vor allem während sportlicher Belastungen zu erhalten.

Der Beitrag von Johanna Constantini für die Ohren:

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Weitere Informationen

Zum Thema: Like or dislike? Positive Psychologie und digitale Medien!

Auch im Umgang mit den digitalen Medien sollte auf Prävention vor Überlastung, Suchtentwicklung und Einbrüchen im Selbstwert geachtet werden. Mit seinen Erkenntnissen ergründete Martin P. Seligman nicht nur die positive Psychologie, seine Ansätze lassen sind auch knapp vier Jahrzehnte auf den Umgang mit digitalen Medien beziehen:

In Hinblick auf positiv verstärkende – also gesund erhaltende Erfahrungen –  unterscheidet der Psychologe seit jeher zwischen Belohnungen und Vergnügungen. Belohnungen differenzieren sich dabei von Vergnügungen, in dem ihnen stets eine Handlung vorausgehen muss, um ein beglückendes Gefühl auslösen zu können. Belohnungen halten damit langfristig und dienen der Bestärkung des eigenen Selbstwerts. Zudem fördern sie die intrinsische Motivation. Wer im Sport hart trainiert, wird später für dieses Training mit den entsprechenden Glücksgefühlen belohnt. Ob durch Wertschätzung von Seiten des Trainers, oder durch den Ruhm, im Wettkampf triumphieren zu können. Unter Vergnügungen versteht Seligman wiederum das kurzweilig anhaltende Gefühl von Freude durch einen Impuls, dem keine eigene Handlung vorangeht.

Mehr Infos zu Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Belohnung und Vergnügung im Zeitalter der digitalen Moderne

Was das mit digitalen Medien zu tun hat? Nun, Vergnügungen, denen keine Handlungen vorausgehen, stehen im Zeitalter der digitalen Moderne ganz oben auf dem Tagesplan. Morgens erst Facebook checken, auf den ein oder anderen Instagram-Post reagieren und fast schon inflationär den zehnten „Like“ des noch jungen Tages in diversen Social Media Kanälen verteilen oder bekommen. Vergnügung über Vergnügung, ohne eigentlich etwas dafür getan zu haben. Die vielen aneinandergereihten digitalen Vergnügungen bewirken gar das Gegenteil: Sie erhöhen einerseits die Suchtkomponente, um in sozialen Medien zu verharren UND verhindern damit, dass Belohnungen durch aktive Handlungen erfahren werden können.

Glück fördern in der Praxis des Sports

Was bedeutet Seligmans Theorie in der Praxis des Sports? Als Sportpsychologen tun wir gut daran, unseren AthletInnen die Bedeutung von langfristigen positiven Gefühlen, die durch Belohnungserlebnisse erst möglich gemacht werden können, näherzubringen. Zudem sollten wir auch über kurzweilige Vergnügungen aufklären, wie sie durch soziale Medien erfahren werden können. Und genauso schnell wieder schwinden.

Langfristiges Glücksempfinden wird nachweislich durch Belohnungen gestärkt. Durch Handlungen, die uns den berühmten Flow verspüren lassen und durch die achtsame Auseinandersetzung mit genau jenen Handlungen. Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Johanna Constantini) helfen gern, wenn ich hiermit Interesse wecken konnte.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2016/08/09/philippe-mueller-social-media-die-dosis-macht-das-gift

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/02/25/johanna-constantini-handy-zeit-oder-smartphone-verbot-strategien-zur-digitalen-wettkampfvorbereitung

Quellen:

Antonovsky, A. (1979): Health, stress and coping: New perspectives on mental and physical well-being. San Francisco: Jossey Bass.

Seligman, M. 2005. Der Glücks-Faktor: Warum Optimisten länger leben.  Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch)

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Andreas Meyer: Psychologische Aspekte von Verletzungen in der Rehabilitationsphase

Das Ziel in der physiotherapeutischen Rehabilitation besteht darin, die Funktion und die Belastbarkeit der verletzten Strukturen wiederherzustellen. Dies ist je nach Schwere der Verletzung ein sehr zäher Prozess, der häufig durch immer wiederkehrende Rückschläge gekennzeichnet ist. Aber nicht nur physiologisch stellt die Rehabilitation nach Sportverletzungen eine Herausforderung dar, sondern auch psychisch. Dies habe ich im Leitartikel (Sportpsychologie und Sportverletzungen) bereits aufgegriffen und werde in diesem Beitrag aufzeigen, welche Ziele die Sportpsychologie in dieser Phase verfolgt und welche Interventionsmöglichkeiten eingesetzt werden können.

Zum Thema: Die sportpsychologische Arbeit in der Rehabilitation

Die sportpsychologische Arbeit in der Rehabilitation soll dem Sportler dabei helfen, in dieser langwierigen und schwierigen Phase „am Ball“ zu bleiben, selbst aktiv zu werden, Rückschläge besser wegzustecken und mit Unsicherheiten und Ängsten umzugehen. Neben der Planung des Rehaprozesses und der Förderung von Selbstwirksamkeit, nehmen die sportpsychologischen Methoden auch Einfluss auf die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Funktion, der Belastbarkeit der Strukturen und der Leistung des Sportlers. Somit arbeitet sie auch eng im physiotherapeutischen Sinne.

Am Anfang der Rehabilitation kann es sehr hilfreich sein, einen Commitment-Vertrag mit dem Sportler zu schließen. Er bestätigt mit seiner Unterschrift, dass er seinen aktiven Part beiträgt und Eigenverantwortung übernimmt.

Vom kurzfristigen Ziel bis zum Traum

Anschließend können mit dem Athleten Ziele erarbeitet werden. Diese sollten unterteilt werden in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele. Alle diese Ziele sollten so festgelegt und formuliert werden, dass sie der SMART Regel entsprechen (Wo führen deine Ziele hin). Das Setzen und Überprüfen von Zielen hilft dabei, den Fortschritt im Auge zu behalten und somit die Motivation des Sportlers hoch zu halten. Kurzfristige Ziele können eng mit Handlungen in Verbindung stehen, wie z.B. die korrekte und konzentrierte Durchführung der heutigen Trainingsübungen. Mittelfristige Ziele sind dann schon etwas „größere“ Ziele wie zum Beispiel das Erreichen der Bewegungsfunktion oder wieder ohne Krücken laufen zu können. Die langfristigen Ziele wären dann beispielsweise der Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining. Ergänzt werden könnten Traumziele. Traumziele sollen den Athleten vor allem emotional packen und sind häufig mit bildhaften Vorstellungen verknüpft.

Wie auch schon präventiv und in der Akutphase eingesetzt, kann die Methode der Visualisierung einen positiven Beitrag leisten. Studien zeigen, dass durch das gedankliche Verbildlichen von Heilungsverläufen, diese beschleunigt stattfinden. Auch das Vorstellen von zu erreichenden Zwischenzielen hilft dem Sportler in dieser Phase. Hierbei ist zu berücksichtigen: Je realistischer die Vorstellung, desto effektiver sind auch die Emotionen, die daraus entstehen. Das bedeutet, dass neben dieser bildhaften Vorstellung auch andere Reize einbezogen werden sollten, wie das Hören, Riechen, Schmecken oder die kinästhetische Wahrnehmung.

Mehr Infos zu Andreas Meyer: https://www.die-sportpsychologen.de/andreas-meyer/

Kraftverlust durch Vorstellungstraining minimieren

Die Visualisierung von Bewegungen sorgt laut Studien dafür, dass die entsprechende Muskelregion, welche für den tatsächlichen Bewegungsablauf verantwortlich ist, angesteuert wird. Das ist für den Sportler, der auf Grund seiner Verletzung immobil ist, ein riesiger Vorteil. Denn das bedeutet, dass der Sportler nur mittels Gedanken neuromuskuläre Ansteuerungsprozesse trainieren kann. Er minimiert damit den Kraftverlust, der mit der Immobilisation einhergeht. Zudem können Bewegungsabläufe, die noch nicht praktisch durchführbar sind, mental „geprobt“ und somit vorbereitet werden. Nicht nur neuromuskulär, sondern auch motivational ist diese Methode sehr effektiv.

Durch eine positive Selbstgesprächsführung kann sich der Athlet in schwierigen Phasen vor Augen führen, was er schon alles erreicht hat. Mittels gezielter, festgelegter Worte aktiviert er positive Emotionen und ist somit in der Lage sich selbst anzuspornen.

Konzentration auf die Reha

Wie auch schon in der Akutphase, kann soziale Unterstützung zum Heilungsverlauf beitragen. Die Übernahme von Alltagsaufgaben oder Entscheidungen durch Angehörige, Familie oder Freunde nimmt zusätzlichen Stress vom Sportler, der sich nun vermehrt auf die Reha konzentrieren kann. Einen äußerst wirkungsvollen Anteil an der Genesung bildet, laut Studien, auch der Besuch bzw. Kontakt von Trainer oder Mitspieler. Sie sollten dem Spieler vermitteln, dass es eine Perspektive für ihn gibt und er immer noch zum Team gehört. Idealerweise kann er sogar kleine Aufgaben und Verantwortungen übernehmen und somit einen Beitrag fürs Team leisten.

Das Anlegen eines Rehabilitationsprofils ist ein tolles Werkzeug. Einerseits zeigt es den Fortschritt des Sportlers und es kann andererseits überprüft werden, welche Methoden zu einer Verbesserung beigetragen haben. Verletzte Sportler tendieren häufig dazu, emotional zu reagieren und bereits erzielte Erfolge verblassen zu lassen. Zieht man dann das Rehabilitationsprofil heran, so sieht der Athlet darauf schwarz auf weiß, wo er gerade steht und was er bereits erreicht hat.

Das Rehabilitationsprofil

Hierzu werden wichtige Punkte der Rehabilitation auf einer Skala von 1-10 beurteilt. Wo lag der Athlet in diesen Bereichen vor der Verletzung (Orientierung). Wo sieht sich der Spieler jetzt (Ist Zustand) und wo will er hin (Soll Zustand: Minimalziel, zufriedenstellendes Ziel, Wunschziel)?

Abbildung 1: Beispielhaftes Rehabilitationsprofil mit psychologischen Faktoren.

Rot: Minimalziele
Orange: zufriedenstellende Ziele
Grün: Wunschziele

Vertrauen wieder aufbauen

Der Übergang von der Rehabilitationsphase in das sportartspezifische Training und dem anschließendem Mannschaftstraining sollte vorsichtig begleitet werden. Die steigenden Herausforderungen an den Athleten (beispielsweise das Führen von Zweikämpfen) sind aus sportpsychologischer Sicht sehr interessant und sollten gut geplant werden. Auch hier können einfache Absprachen mit dem Trainer (wie zum Beispiel: der ehemals verletzte Spieler wird mit einem Trikot gekennzeichnet und darf nicht getackelt werden) den Einstieg in den Trainingsalltag erleichtern und sorgen dafür, dass der Athlet genug Zeit hat, sein Vertrauen in die ehemals verletzte Struktur im sportbezogenen Kontext wiederzuerlangen.

Häufig wird die lange Rehabilitationsphase nach Verletzungen als größte Hürde für den Wiedereinstieg in den Sport gesehen. Ändert man allerdings den Blickwinkel ein wenig, so bietet diese Phase dem Sportler aber auch die Möglichkeit, sein Repertoire im mentalen Bereich enorm zu erweitern und in diesem Bereich sogar mit einem stärkeren Leistungspotential als zuvor in den Sport zurückzukommen.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/02/26/andreas-meyer-sportpsychologie-und-sportverletzungen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2015/06/02/philippe-mueller-verletzungen-bewaeltigen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/12/14/andreas-meyer-die-bedeutung-von-emotionen-beim-comeback-nach-verletzung/

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Johannes Wunder: Eigene und fremde Leistung bewerten

Jeder Tennisspieler kennt es: Geht der Schlag daneben, lässt sich natürlich eine Ursache finden. Diese ist aber in den meisten Fällen bei sich zu suchen. Im Teamsport sieht das schon etwas anders aus. Je höher die Anzahl der Sportler ist, die zum Teamerfolg beitragen, desto schwieriger wird es, die Auswirkung des Einzelnen messbar zu machen. Mit großen Frustrationspotential. Viele Trainerkollegen versuchen es in solchen Situationen mit Argumenten, wie „jeder trägt seinen Teil bei“ oder „auch die Ersatzspieler sind wichtig“. Natürlich bringen diese Aussagen auch ein Stück Wahrheit mit sich. Die Frage, die ich mir aber häufig stelle, ist, ob der Adressat mit diesen Sätzen etwas anfangen kann? Ich kenne Nachwuchsspieler, die nach dem Spiel den Trainer fragen, warum dies oder jenes so entschieden wurde, mit der Antwort und eben solchen aufmunternden Worten aber dann kaum umgehen können.

Zum Thema: Fremd- und Selbsteinschätzung

Mehr zu Johannes Wunder: https://www.die-sportpsychologen.de/johanneswunder/

Die Kernfrage für mich war also, wie es möglich ist, solche Aussagen ersetzen zu können, sodass der Sportler ein für sich valides Instrument zur Überprüfung seines Selbstbildes bekommt? In Workshops und Bildungsseminaren wird das Thema immer wieder angeschnitten. Mittel zum Zweck ist hierbei meist ein Fragebogen zur Selbst- und Fremdeinschätzung. Manchmal findet auch die Überprüfung des Metabildes statt, also dem Eindruck, den man von anderen hat, wie sie einen selbst bewerten würden.

In der Arbeit mit meinen Sportlern in Einzel- und Gruppencoachings habe ich einen Fragebogen konzipiert, der sich speziellen Thematiken aus dem Basketball widmet. Er ist so aufgebaut, dass er die in meinen Augen wichtigsten Hauptaspekte beeinflussender Faktoren aus Technik und Taktik abdeckt. Zusätzlich gibt es noch einen spezifischen Frageblock für die drei Hauptpositionen im Basketball (Aufbau, Flügel, Center). Der Fragebogen ist in Englisch konzipiert und hat eine Negativfrage, die bei der Auswertung entsprechend zu berücksichtigen ist.

Ich habe diesen Fragebogen sowohl mit den Sportlern des BBC Coburg, als auch in Einzelcoachings mit Athleten, die ich betreue, angewandt. Nachfolgend möchte ich kurz auf die Ergebnisse eingehen.

Methodik Gruppencoaching

Jeder Teilnehmer hat zu Beginn seine eigene Einschätzung von seiner Leistung vorgenommen. Die ausgefüllten Fragebögen wurden von mir nicht eingesammelt. Im Anschluss bekam jeder Sportler einen Fragebogen, der spezifisch für seinen Teamkollegen auszufüllen war. In unserem Fall waren das zehn Fragebögen, die jeder Sportler auszufüllen hatte. Im Anschluss wurden die Daten aufbereitet und analysiert. Jeder Sportler bekam abschließend einen Durchschnitt davon, wie ihn seine Teamkollegen einschätzen. Danach gab es den Auftrag, den Durchschnittsbogen mit seinen eigenen Einschätzungen zu vergleichen und Abweichungen über 2,0 Punkte zu markieren.

Methodik Einzelcoaching

Im Bereich Einzelcoaching nutze ich den Fragebogen zur individuellen Selbsteinschätzung des Sportlers. Im Anschluss können daraus kurz-, mittel- und langfristige Zielstellungen abgeleitet werden: „Ich möchte mich bei Punkt acht um zwei Punkte verbessern.“ Die individuelle Einschätzung behalte ich im Anschluss bei mir, sodass bei einer neuen Bewertung mit etwas Abstand eine möglichst objektive Bewertung stattfindet.

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Weitere Informationen

Methodischer Ausblick

Der erste Schritt, nämlich der Vergleich beider Fragebögen, hat bereits bei einigen Sportler etwas positiv bewirken können. Die Menge der Daten bringt allerdings weitaus mehr Nutzen mit sich, als nur der bloße Vergleich beider Bewertungen. In einem nachfolgenden Artikel werde ich auf weitere Möglichkeiten der Auswertung und entsprechenden Nutzung der gewonnenen Daten eingehen.

Eine Schlussbemerkung möchte ich aber gerne noch abgeben: Ich war überrascht, wie ehrlich Athleten zu sich und auch zu ihren Teammitgliedern sind. Wenn ihr mit solchen Methoden und Techniken arbeiten wollt, nehmt gern Kontakt zu meinen Kollegen (zur Übersicht) oder zu mir (zur Profilseite von Johannes Wunder) auf!

Mehr zum Thema:

Literatur:

Schweizer (2014). Neuroleadership: Fremd- und Selbsteinschätzung des Führungskräfteverhaltens in einem mittelständischen Unternehmen

Hoorn, Rindt & Stampfl (2010). Leitfaden zur Kompetenzbilanz im Freiwilligendienst.

Fuchslocher J., Romann M.: Ein Talentselektions-Instrument für den Nachwuchsleistungssport: «PISTE». In: Neumann G, ed. Talentdiagnose und Talentprognose im Nachwuchsleistungssport 2 BISp-Symposium: Theorie trifft Praxis. Bonn: Sportverlag Strauss, 2009:151–152.

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Tag der Sportpsychologie NRW am 28. Juni 2019 in Düsseldorf

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr, lädt die Fachgruppe Sportpsychologie und die Landesgruppe NRW im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen erneut zum Tag der Sportpsychologie NRW ein. Das Thema in diesem Jahr: die Beziehung zwischen TrainerInnen und SportpsychologInnen, wie diese gelingen kann und wie beide Akteure zusammenarbeiten können.

Professor Hans-Dieter Hermann, Sportpsychologe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, widmet sich dem Spannungsfeld zwischen Leistungsoptimierung und der mentalen Gesundheit. Profilinhaber Dr. René Paasch wird in seinem Workshop ethische Aspekte und die Würde eines Sportlers betrachten. Weiterhin sind die Psychologin Marion Sulprizio von der Initiative „MentalGestärkt“ der Deutschen Sporthochschule Köln sowie Christian Titz, Fußballbundesliga-Trainer, zu hören.

Alle Infos

Datum: Freitag, 28. Juni 2019 (10-15 Uhr)
Veranstaltungsort: Deutsches Tischtennis-Zentrum, Ernst-Poensgen-Allee 58, 40629 Düsseldorf
Kosten (inkl. Verpflegung): 49€ für Mitglieder des BdP/Studierende, 74€ für Nicht-Mitglieder

Anmeldung

Anmeldung bis zum 17. Juni per Email an j.walter@bdp-nrw.de

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Dr. René Paasch: Soziale Kompetenzen im Fußball fördern!

Kaum ein Begriff ist im Fußball so sehr aufgeladen wie die soziale Kompetenz. Und nicht selten wird soziale Kompetenz von Trainern und Teammanagern gar als ein wichtiges Verpflichtungskriterium genannt, gleichbedeutend mit einer Art Persönlichkeitskompetenz in Teamsportarten. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung machen sogenannte Soft Skills, und damit eben auch die Sozialkompetenz, rund 40 Prozent des beruflichen Erfolgs aus. Wäre dies auch auf dem Fußball übertragbar? Spannende Idee und Fragestellung. Welche konkreten Fertigkeiten betreffen nun aber den Fußball?

Zum Thema: Persönlichkeitsmerkmale und soziale Kompetenz im Fußball

Denken wir an einen spielentscheidenden Fehler eines Torhüters. Wie sollte daraufhin die Reaktion eines Trainers oder der Mitspieler aussehen? Zunächst einmal sollten Sie die Geschehnisse in geeigneter Weise in die Kommunikation und Interaktion einfügen. Wichtig: Prinzipiell sind alle Umstände des Handelns im Sport, d.h. für Beratungs- und Beurteilungssituationen sowie für Anstöße des Lernens gleichermaßen, von dieser Kommunikationssituation abhängig. Diese komplexen Verflechtungen können dabei sehr gut anhand des Modells der Themenzentrierten Interaktion (TZI) von Ruth Cohn (1983) untersucht und verstanden werden. Das Modell zeigt, dass das ES (Inhalt/Thema), WIR (Trainer und Gruppe) und ICH (die einzelne Person) sowie der GLOBE (gesamter Kontext, Trainingsumfeld) für die Schaffung erfolgreicher und ertragreicher Begegnungen und Auseinandersetzungen mit dem Lernen in eine optimale Balance gebracht werden müssen.

Philipp Lahm besitzt eine hohe Sozialkompetenz, die sich positiv auf unsere Mannschaft auswirkt!

Ottmar Hitzfeld, Trainer FC Bayern München, August 2007

Natürlich ist klar, dass dieser Anspruch nicht in jeder beliebigen Lage erfüllt werden kann. Allen voran Trainer müssen ein Gespür dafür haben, in welchen Momenten, zu welchen Anlässen und in welcher Form sie didaktisch oder pädagogisch agieren sollten. Unterschiedliche Personen, Umstände, Abläufe und Situationen müssen daher mit größtmöglicher Empathie und Aufmerksamkeit perzipiert werden. Die Reaktion und das Handeln muss daran angemessen und rechtzeitig erfolgen. Dies ist allerdings wegen des ständigen zeitlichen und Entscheidungsdrucks sowie der Komplexität leichter gesagt als getan und kann leicht überwältigend wirken. Aus diesem Grund sollten sich Trainer vor allem auf ihre innere Stimme verlassen, im richtigen Moment intuitiv handeln und sich außerdem seiner eigenen Begrenztheit bewusst werden, um mit solchen Situationen, wie einem klaren Torwartfehler, angemessen umgehen zu können.

Soziale Kompetenz und Taktik

Mehr Infos zu Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Kommen wir zurück zur Kernfrage: Warum ist die soziale Kompetenz im Fußball so wichtig? Weil wir es im Sport mit Menschen zu tun haben, die in einer Struktur (Mannschaft) im besten Sinne miteinander interagieren sollen. Machen wir es konkret: Auch zur Entwicklung und Umsetzung von taktischen Vorgaben brauchen Sportler soziale Kompetenzen: Entscheidungsfreiheit, Perspektivübernahme, Konfliktfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, soziale Verantwortung, Kompromissbereitschaft, Willensstärke, Emotionale Stabilität.

Glauben Sie wirklich, dass sich diese Eigenschaften wie von selbst entwickeln? Wie soll ein Spieler, der im Team nicht anerkannt ist, wenig Selbstbewusstsein mitbringt und in jüngerer Vergangenheit ein Misserfolgserlebnis ans andere gereiht hat, bei einer Einwechslung kurz vor Schluss seine optimale Leistungsfähigkeit erreichen? Und stellen wir uns das im Setting eines Abstiegskampfes vor! Hier wird deutlich, dass es nicht damit getan ist, den Spielern taktische Anweisungen auf den Weg zu geben und die Akteure dann daran zu messen. Vielmehr muss eine Atmosphäre geschaffen werden, dass der Einzelne sich voll und ganz auf seine Aufgabe konzentrieren kann, ohne die angedeuteten Nebenkriegsschauplätze im Hinterkopf zu haben.   

Fehlende Grundlage

Kürzlich habe ich eine Studie gelesen, nach der Profifußballer im Vergleich zu Führungskräften in der Wirtschaft zwar eine höhere Disziplin und ein stärkeres Engagement aufweisen, allerdings hinsichtlich der Kooperation und Sozialkompetenz schlechter abschneiden als erfolgreiche Unternehmer. Das Ergebnis kommt nicht von ungefähr: Denn wo wird soziale Kompetenz schon trainiert?

Keine Frage, der primäre Ort zum Erlernen sozialer Kompetenz ist traditionell die Familie. Doch mittlerweile sind es auch die Kítas, Schulen und die Vereine. Vereine insbesondere dann, wenn Kinder und Jugendliche bereits in jungen Jahren in Internaten wohnen oder häufiger mit ihrem Trainer und Mitspielern reden als mit ihren Eltern. Die Entwicklung und das Vorleben der sozialen Kompetenz muss in den Vereinen aus meiner Sicht möglichst frühzeitig beginnen, wenn es erfolgreich sein soll. Nur durch Akzeptanz, menschlicher Würde und festen Rahmenbedingungen sowie dem Lernen anhand selbst erlebter Beispiele im Sport können sich diese Dinge einstellen.

Fazit

Mag sein, dass in Nachwuchsleistungszentren tolle Konzepte hinsichtlich der Entwicklung sozialer Kompetenzen geschrieben werden. Doch zeigen Sie mir ein Beispiel, wo aus dem Wunsch Wirklichkeit wird? Bei welchem Spieler steht das Thema soziale Kompetenz im ohnehin bis auf die letzte Viertelstunde ausgereizten Stundenplan?

Ansätze gebe es viele, das Thema für kritische junge Menschen und auch deren Trainer halbwegs “snackable” und praxisnah zu verpacken. Denn letztlich kommt es für uns Sportpsychologen und guten Mentaltrainer auch immer darauf an, dass wir unsere Dienstleistung bestmöglich verkaufen. Auf Basis von Schlagwörtern wie autonomes Lernen, offenes Lernen, Kreativität fördern, Wachsen mit Würde und Werten oder optimale Kommunikation im Training und Wettkampf sollte es uns aber gelingen, dass wir sowohl Spieler, Trainer und NLZ-Verantwortliche am Ende überzeugen, dass die Entwicklung von sozialer Kompetenz wirklich erstrebenswert ist.

Extra:

Wer sich als Spieler, Trainer, NLZ-Mitarbeiter oder Elternteil in das Thema etwas stärker einlesen möchte, dem habe ich hier geordnet nach Schlagwörtern eine kleine Linkliste zusammengestellt. Ich bin überzeugt, dass wir es zusammen hinbekommen können, das Thema soziale Kompetenz im Fußball voranzutreiben.

Wenn Sie konkrete Fragen haben, nehmen Sie gern zu meinen Kollegen in ihrer Nähe (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Dr. René Paasch) auf.

Im Umgang mit sich selbst: Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Wertschätzung, Würde, Potentialentfaltung

Selbstwirksamkeit: Selbstvertrauen, Selbstbeobachtung, Eigenverantwortung, Kompetenzerwartung (Team vs. Selbst)

Im Umgang mit Anderen: Würde, Anerkennung, Empathie (Mitgefühl bzw. Einfühlungsvermögen) Menschenkenntnis, Kritikfähigkeit, Wahrnehmung, Selbstdisziplin, Toleranz, Respekt, Sprachkompetenz, Interkulturelle Kompetenz, Perspektivenübernahme

Zusammenarbeit: Teamfähigkeit, Kooperation, Motivation, Konfliktfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit

Führungsqualitäten: Verantwortung, Flexibilität, Konsequenz, Vertrauen, Vorbildfunktion, positive Fehlerkultur

Im Allgemeinen: Emotionale Intelligenz und Engagement

Literatur

Hossiep, R. & Krüger, C. (2012). Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung –6 Faktoren (BIP-6F). Manual. Göttingen: Hogrefe.

Goelden, M. & Brast, C. (2012). Forschung: Berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale von Spitzensportlern. In U. P. Kanning & H. Kempermann (Hrsg.), Fallbuch BIP (S. 171-190). Göttingen: Hogrefe.

Barrick, M. R., Mount, M. K., & Judge, T. A. (2001). Personality and performance at the beginning of the new millennium: What do we know and where do we go next? International Journal of Selection and assessment, 9(1‐2), 9-30.

Schmidt, S. L., Saller, T. (2013). ‚Kollege Spitzensportler‘. Chancen für Wirtschaft und Athleten. ISBS Research Series, 6, 1-24

Internet

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/03/01/dr-rene-paasch-sind-leistungssportler-fuer-den-arbeitsmarkt-geschaffen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paasch-selbstwirksamkeit-im-fussball/

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Jürgen Walter: Vorsichtige Dortmunder, forsche Bayern – welcher Weg führt zum Ziel?

Selbst als Borussia Dortmund Anfang Februar sieben Punkte Vorsprung auf Bayern München hatte, wollte Trainer Lucien Favre sich nicht auf das Saisonziel „Meisterschaft“ einlassen. Er betonte, „man denke von Spiel zu Spiel“. Die Konkurrenz aus München ging in dieser Phase anders mit der Herausforderung Meisterschaft um. Trainer Niko Kovac formulierte nach dem Aus seiner Mannschaft gegen Liverpool: „Zwei Titel holen wir noch!“ Welche Strategie ist erfolgversprechender?

Zum Thema: Sportliche Zielsetzung mit Hilfe der Sportpsychologie

Mehr Infos zu Jürgen Walter: https://www.die-sportpsychologen.de/juergen-walter/

Sportliches Understatement bei Borussia Dortmund und pures Selbstvertrauen beim FC Bayern München. Sicher haben beide Strategien ihre Vor- und Nachteile. Fahren Mannschaften die Strategie, „kleine Brötchen“ zu backen, kann dies dafür sorgen, nicht enttäuscht zu werden und sich möglicherweise nicht zu blamieren. Diejenigen, die offen die Meisterschaft als Ziel verkündigen, setzen damit hingegen einen Maßstab. Dieser kann Gegner abschrecken und ein Siegerbild kreieren, aber auch zusätzlich Druck auf Spieler und Trainer ausüben. Letztlich stehen Spieler im Profi-Fußball nahezu permanent unter Druck und sollten hoffentlich, auch mithilfe eines Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin bzw. guten Mentaltrainern, Werkzeuge an der Hand haben, mit dem Druck und vor allem dem Gedankenkarussell umgehen zu können. Besonders bewährt hat sich hier das R-E-T-Modell von Albert Ellis, der erkannt hat, dass nicht das Ereignis das Problem ist, sondern wie man ein Ereignis bewertet.

Wie, nicht das Ereignis ist das Problem? Wagen wir erklärend einen sportlichen Ausflug in meine Leidenschaftsdisziplin: Ein Tischtennisspieler der 2. Bundesliga beklagt, dass er im 5. Satz nach einer 10:2-Führung und einer 10:12-Niederlage beim Stand von 10:6 nicht mehr Tischtennis spielen könne und sogar gegen seine Oma verlöre. Da macht der Spieler folgenden Denkfehler: Nicht die stetige Reduktion des einst komfortablen Vorsprungs ist das Problem, sondern wie diese Situation bewertet wird. Selbstverständlich kann der Spieler bei 10:6 noch Tischtennis spielen und seine Oma hätte er auch geschlagen. Denn nach Ellis ist nicht das Ereignis (A=Activity) – in diesem Fall Verlust der Führung – das Problem, sondern wie diese Situation bewertet wird. Das Problem sind also die Gedanken (B=Beliefs), die zu einer Konsequenz (C= Consequence) führen. Der Spieler kann den Gegner stark reden oder sich selber. Selbst bei einem Spielstand von 10:9 hat er ein „Luxusproblem“, er führt ja schließlich. In Erkenntnis der alten Kölner Regel „Was fott is, is fott!“ (Für Nicht-Kölner: Was weg ist, ist weg!“) lohnt es sich nicht über verlorene Punkte nachzudenken. Hier hilft ein „Gedankenstopp“ nach folgenden Fragen:

1. Ist das, was ich gerade denke, eine Tatsache oder eine Vermutung?

2. Hilft mir mein Gedanke, mein Ziel zu erreichen?

R-E-T-Modell und Smarte Ziele

Nach dem 27. Spieltag ist Borussia Dortmund wieder Tabellenführer. Die Schwarz-Gelben haben vor dem direkten Duell gegen den Verfolger FC Bayern München zwei Punkte Vorsprung. Sicher wird es im Bundesliga-Spitzenspiel einige Situationen geben, in denen das Wissen um das R-E-T-Modell einigen Spielern helfen würde, um kritische Wettkampfsituationen zu meistern.

Aber zurück zu der Ausgangsfrage: Wie sollten Trainer nun mit der Zielstellung umgehen? All in oder mit aller Vorsicht? Aus sportpsychologischer Sicht würde ich Mannschaften ermutigen, Ziele offen zu vertreten. Wichtiger Hinweis: Diese sollten nach psychologischen Kriterien (SMART-Goals) entwickelt werden, denn dann können sie Kraft und Energie freisetzen, da ein konkretes und realistisches Ziel vor Augen schwebt. Und falls das Ziel wider erwartend nicht erreicht werden sollte, bietet die offene Formulierung bereits einen Ansatz, um nach einem Spiel oder einer Saison reflektieren zu können, was bereits gut lief und was noch verbessert werden könnte. Zielformulierung bedeutet daher auch die Möglichkeit, sich zu entwickeln – und das ist in jedem Lebensbereich essenziell.

Die gute alte Nebelkerze – Den Gegner in Sicherheit wiegen

Noch ein Ausflug: 2014 gab es ein Relegationsspiel zur 2. Bundesliga zwischen Darmstadt 98 und Arminia Bielefeld. Das Hinspiel gewann Bielefeld auswärts mit 3:1. Vor dem Rückspiel gab Darmstadt bekannt, dass aufgrund der „Chancenlosigkeit“ auf das Trainingsangebot im Stadion am Abend vorher verzichtet werde. Das Rückspiel endete nach regulärer Spielzeit 1:3 und nach Verlängerung 2:4, Darmstadt war in die 2. Liga aufgestiegen. Für den Hessen und ihren Trainer Dirk Schuster war dies eine Zwischenstation auf dem Weg in die erste Bundesliga. Denn bereits im Folgejahr stieg die Mannschaft erneut auf und konnte im ersten Jahr als absoluter Außenseiter sensationell den Klassenerhalt feiern. Trainer Schuster machte sich in dieser Phase nicht zuletzt bezüglich des Einsatzes kleiner sportpsychologischer Methoden einen Namen, von denen er in einem TV-Beitrag von Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, für die Deutsche Welle sprach:

Dirk Schuster im Interview mit Mathias Liebing (Quelle: DW)

Link zum Video-Beitrag: https://www.dw.com/de/mentalität-schlägt-qualität/a-18719986

Fazit

Der Einsatz der Sportpsychologie ist unendlich vielseitig. Meine Kollegen (zu den Profilen) und ich (zum Profil von Jürgen Walter) können Ihnen beim Formulieren, Kommunizieren, Setzen und Nachhalten von Zielen helfen. Und dies ist nur ein Puzzle-Stück, welches wir zum Gesamtbild eines erfolgreichen Vereins beisteuern können. Leider höre ich immer noch viel zu oft, dass die Sportpsychologie nur der braucht, der Probleme hat.

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Jan D. Deneke: Perfektionismus im Nachwuchssport – Ursprung, Auswirkungen und Umgang

„Es ist vorbei, es ist vorbei. Endlich ist es vorbei!“ Aussagekräftige Gedanken des ehemaligen deutschen Nationalspielers Per Mertesacker nach dem Halbfinal-Aus bei der Heim-WM 2006 gegen Italien. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Im Profi-Fußball herrscht permanenter Leistungsdruck, eine dauerhafte öffentliche Beurteilung und eine konsequent perfektionistische Erwartungshaltung durch Medien, Sponsoren, Fußballclubs und in Teilen der Fangemeinschaft. Was am Ende zählt, ist die Leistung und der Profit. Für Schwäche ist da kein Platz. Doch viele Spieler können dem Druck und der dauerhaften Erwartungshaltung nicht gerecht werden und verdrängen ihre Zweifel. Aussagen wie die von Per Mertesacker sind hilfreich, denn sie zeigen den jungen Athleten, was es bedeutet, heute Fußball-Profi zu werden. 

Wer dieses Ziel erreichen will, muss nicht nur lernen mit Stress und Leistungsdruck umzugehen, sondern bereits in jungen Jahren täglich im Training zu bestehen. Dabei ist der Weg von der U11 des Nachwuchsleistungszentrums bis in den Profisport lang und hart. Perfektionistische Charakterzüge können dabei in Form von Antriebskraft und Motivation dauerhaft unterstützend wirken. Gleichzeitig tragen sie jedoch auch großes Gefahrenpotential in sich.

Zum Thema: Perfektionismus im Nachwuchssport  

Perfektionismus ist ein psychologisches Konstrukt, welches versucht, Unterschiede zwischen Personen bezüglich ihres Strebens nach möglicher Perfektion und Fehlervermeidung zu erklären. Nach Stöber und Otto (2006) hat Perfektionismus zwei Dimensionen: Zum einen das Perfektionistische Streben und zum anderen die Perfektionistische Besorgnis

Mehr Infos zu Jan. D. Deneke: https://www.die-sportpsychologen.de/jan-d-deneke/ 

Wer das perfektionistische Streben als Charakterzug aufweist, setzt sich meist sehr hohe persönliche Standards und lebt eine innere Organisiertheit. Der Perfektionismus richtet sich dabei oft nicht nur nach innen, sondern auch auf sein Umfeld. Die Person fordert von seinen Mitmenschen Leistung und ist nicht selten Motivator und Anführer. Das perfektionistische Streben sorgt dafür, dass die Person das Beste aus sich herausholt. Diese Fähigkeit ist im Leistungssport nicht nur gefordert, sondern (fast) Bedingung, um langfristig zu bestehen und seinen Weg durch die Nachwuchsleistungszentren bis in den Profisport gehen zu können. 

Die zweite Seite des Perfektionismus ist die perfektionistische Besorgnis. Die Stärke dieser Ausprägung entscheidet, ob der Perfektionismus ein gesundheitliches Risiko für die Person darstellt oder nicht. Bei einer starken Ausprägung hat die Person das Gefühl, den eigenen hohen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Sie entwickelt Angst, Fehler zu machen und neigt dazu, Entscheidungen aus dem Weg zu gehen. Im Mittelpunkt steht dabei aber der Umgang mit Misserfolgen. Für den dysfunktionalen Perfektionisten sind diese oft schon das Nicht-Erreichen der selbstauferlegten hohen Standards. Eigene Fehler oder Misserfolge stellen dabei keinen Bestandteil des Fortschritts dar, sondern können nicht oder nur sehr schwer akzeptiert werden. 

Perfektionismus: Eine zuverlässige Antriebskraft

Wer den langen Weg bis in den Profisport gehen will, braucht mehr als nur großes Talent. In den Nachwuchsleistungszentren sollen die jungen Athleten eine ganze Bandbreite von physischen und psychischen Fertigkeiten entwickeln. 

Alle Anforderungen erfüllt aber keiner der Sportler von Beginn an. Wer seinen Traum erfüllen will, muss zusätzliches Training absolvieren um seine sportartspezifischen Schwächen auszugleichen. Das perfektionistische Streben kann ein leistungsfördernder Faktor sein, um sich selbst immer wieder aus der „Comfort Zone“ zu locken und über die eigene Schmerzgrenze zu gehen. Ein dauerhaftes Auffordern der Trainer zu mehr Engagement und notwendigen Zusatzeinheiten hat langfristig nicht dieselben leistungsfördernden Einfluss, wie die intrinsische Motivation eines Perfektionisten. Das Perfektionistische Streben, als Persönlichkeitsmerkmalist also nicht nur sehr hilfreich und motivational unterstützend, sondern vielleicht sogar Voraussetzung um Profisportler zu werden (vgl. Gould, Dieffenbach & Moffett (2002)). 

Wann wird es ungesund?

Perfektionisten, bei denen die perfektionistische Besorgnis ausgeprägt ist, verfallen häufig in ein Schwarz-Weiß-Denken. Bei Misserfolgen steht die Vorstellung, dass die eigenen Fähigkeiten nicht ausgereicht haben, im Vordergrund. Unabhängig davon, wie gut die eigene Leistung war oder wie knapp die Entscheidung ausgefallen ist. Die eigenen Fähigkeiten und die aufgebrachte Anstrengung werden selbst nicht honoriert. Insbesondere wenn die perfektionistische Besorgnis stark ausgeprägt ist, sind negative Gedanken oder Selbstgespräche („Bloß keinen Fehler machen“), trotz hoher Leistungen während des Wettkampfs omnipräsent, stressfördernd und dysfunktional für die eigene Leistungsfähigkeit sowie die eigene psychische Gesundheit. 

Wer sein Selbstvertrauen nur aus Anerkennung und den großen Erfolgen schöpft und Misserfolge nicht als Bestandteil der Entwicklung akzeptiert, wird mit der Zeit ein negatives und vom Erfolg abhängiges Selbstbild entwickeln. Werden die eigenen hohen Ansprüche zu oft nicht erfüllt, verfestigt sich das negative Selbstbild. Leistungsbezogenes Zweifeln, geringe Selbstwirksamkeitserwartungen, Ärger und frustrierende Selbstgespräche, die wiederum zu Aufmerksamkeitsverlust in den entscheidenden Situationen führen, sind die Folge. Ein Kreislauf, der nicht selten depressive Tendenzen als Folge hat.

Das Elternhaus als Ursprung

Die Wurzeln von Persönlichkeitsmerkmalen liegen meist im Elternhaus. „Mach etwas aus dir!“ Ein gängiger Spruch der impliziert, dass wir, so wie wir sind, noch nicht ausreichen. Von Kindesbeinen an lernen wir, Leistung zu erbringen um dafür etwas – zunächst von unseren Eltern – zu bekommen. In den meisten Fällen ist es Anerkennung, nach der wir uns bewusst oder unbewusst sehnen. Wir wachsen mit dieser Abhängigkeit von Geben und Nehmen auf und verinnerlichen diese Verhaltensweisen. 

Dass perfektionistische Persönlichkeitsmerkmale entwickelt werden, ist dann wahrscheinlich, wenn die Eltern ihre hohen Ansprüche und den eigenen ungesunden Umgang mit Misserfolgen an ihre Kinder weitergeben. Entscheidend für ein Kind ist es, dass es auch bei Fehlern Zuwendung erhält und dabei unterstützt werden, aus diesen Fehlern zu lernen. Insbesondere bei dysfunktionalen Perfektionisten war dies in der Kindheit zu selten der Fall. So versuchen die Kinder immer besser und besser zu werden, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen. Gleichzeitig entwickelt sich ein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn die Anerkennung ausbleibt.

Wichtige Aufgabe für Eltern

Darüber hinaus hat auch der Umgang der Eltern mit den eigenen Fehlern einen Einfluss auf die psychische Entwicklung der Kinder: Verstecken die Eltern den Umgang mit ihren eigenen Fehlern, haben die Kinder keine Möglichkeit, daraus zu lernen. Akzeptieren die Eltern die eigenen Fehler nicht als Ansatzpunkt zum Lernen, sieht auch das Kind den Nutzen von Misserfolgen nicht. Wichtig ist, dass die Eltern nicht nur über einen gesunden Umgang reden, sondern ihn unbedingt auch vorleben.

Nicht selten waren die Eltern – die ihre Schützlinge fördern und fordern – früher selbst (Profi-)Sportler und nehmen bewusst oder unbewusst die Position des persönlichen Trainers ein. In dem ehrlichen Wunsch nur das Beste für ihre Kinder zu tun, ist ein fremdorientierter Perfektionismus stetiger Begleiter. So ist der Sport häufig Thema, Ratschläge werden erteilt und die Leistungen des Schützlings werden zwar wohlwollend, aber dennoch bewertet. Die jungen Sportler erfahren also auch abseits des Sportplatzes das Gefühl von ständigen Beurteilungen: Langfristig entwickelt sich beim Schützling eine dysfunktionale Bewertungsängstlichkeit. Die Aufgabe der Eltern muss es also sein, die eigenen sportlichen Erwartungen und Wünschen aufzulösen und als unterstützender Helfer im Hintergrund zu agieren. Die Aufgabe der Verantwortlichen in den Nachwuchsleistungszentren ist es, die Eltern der jungen Athleten bereits  frühzeitig  psychoedukativ über ihre Rolle und Einflussnahme aufzuklären. 

Was tun, wenn der Perfektionist in der Krise steht?

Athleten sind dann im Nachteil, wenn sie einerseits hohe perfektionistische Bestrebungen haben, jedoch gleichzeitig stark negative Emotionen entwickeln, sobald sie den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden (vgl. Gotwals, Stöber, Dunn & Stoll (2012)). Perfektionismus ist, als ein Persönlichkeitsmerkmal, relativ stabil und lässt sich nicht einfach abschalten oder verändern. Die Aufgabe des Sportlers ist es daher, einen funktionalen und adäquaten Umgang mit seinen Emotionen in stressauslösenden Situationen zu entwickeln. Diese sog. Copingstrategien sollten gemeinsam mit einem Sportpsychologen (nehmt gern zu meinen Kollegen oder zu mir Kontakt auf) erarbeitet werden. 

Des Weiteren ist es hilfreich, dass der Sportler den Umgang mit seinen Misserfolgen bewusst erlebt und reflektiert. Dabei können folgende Schritte unterstützend wirken:

  1. Erkennen der eigenen Charakterzüge (perfektionistisches Streben und Besorgnis)
  2. Akzeptieren von Fehlern, Misserfolgen und Kontrollverlust
  3. Reframing: Lernen das Positive im Negativen zu sehen 
  4. Wiederholtes Bewusstmachen der eigenen Stärken, Anstrengungen, Fähigkeiten und kleinen Erfolge

Fazit

Perfektionismus als Persönlichkeitsmerkmal muss nicht per se leistungsmindernd oder leistungsfördernd sein. Er ist dann dysfunktional, also ungesund und leistungsmindernd, wenn die Person eine starke Ausprägung der perfektionistischen Besorgnis hat. Die Person hat dann zwar hohe Ansprüche an sich, glaubt aber nicht, dass die eigenen Fähigkeiten ausreichen, um diese Erwartungen auch zu erfüllen. Daraus resultiert ein negatives, von Misserfolgen geprägtes Selbstbild. Die Folgen sind Ärger und frustrierende Selbstgespräche, die wiederum zu einem Aufmerksamkeitsverlust in den entscheidenden Situationen führen. Ein Kreislauf, der nicht selten depressive Tendenzen als Folge hat. Die Aufgabe der Sportpsychologie ist es also, die Eltern für diese Thematik zu sensibilisieren und gemeinsam mit den Athleten bereits frühzeitig einen funktionalen und gesunden Umgang mit Drucksituationen und dem daraus resultierendem Stress zu erarbeiten! 

Mehr zum Thema: 

https://www.die-sportpsychologen.de/2016/02/12/elvina-abdullaeva-perfektionismus-im-nachwuchs/

https://www.die-sportpsychologen.de/2014/06/21/prof-dr-oliver-stoll-cristiano-ronaldo-gefangen-im-perfektionismus/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/10/17/dr-rene-paasch-narzissmus-im-jugendfussball/

Quellen:

  • Gotwals, Stöber, Dunn & Stoll (2012). Are Perfectionistic Strivings in Sport Adaptive? A Systematic Review of Confirmatory, Contradictory, and Mixed Evidence. Canadian Psychology / Psychologie canadienne 2012, Vol. 53, No. 4, 263–279. doi: 10.1037/a0030288
  • Gould, D., Dieffenbach, K., & Moffett, A. (2002). Psychological characteristics and their development in Olympic champions. Journal of Applied Sport Psychology, 14, 172–204. doi:10.1080/10413200290103482
  • Stoeber, J., & Otto, K. (2006). Positive conceptions of perfectionism: Approaches, evidence, challenges. Personality and Social Psychology, Review, 10, 295–319. doi:10.1207/s15327957pspr1004_2
  • Stoll, O., Lau, A., & Stoeber, J. (2008). Perfectionism and performance in a new basketball training task: Does striving for perfection enhance or undermine performance? Psychology of Sport and Exercise, 9, 620–629. doi: 10.1016/j.psychsport.2007.10.001

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Christian Hoverath: Ist geteilter Muskelkater halber Muskelkater?

Am 14. Juli findet zum mittlerweile vierten Mal der Paarlauf in Wesel (Link zum Event) statt. Kein ganz gewöhnlicher Laufwettbewerb, denn innerhalb von 30 Minuten geht es darum, als Paar möglichst viele Stadionrunden zu laufen. Gewonnen hat das Team, welches nach dieser Zeit die meisten Meter zurückgelegt hat. Von jedem Team ist jeweils nur ein Läufer auf der Laufstrecke und es muss nach jeder Runde gewechselt werden. Dieses Format treibt allein durch seinen Teamcharakter zu Bestleistungen an. Dazu sind nicht nur viele Athleten auf der Strecke, sondern die Runde ist auch gesäumt von vielen Zuschauern, was eine enorme Wirkung auf die Leistungsfähigkeit der Läufer hat. Da dieses Format eher selten angeboten wird und für die allermeisten Läufer etwas Neues ist, hat es einen ausgesprochenen Fun-Charakter und ist äußerst kurzweilig. Weil die 400 Meter hochintensiv gelaufen werden und darauf eine kurze Pause folgt, ist der Muskelkater  vorprogrammiert! Auch aus sportpsychologischer Sicht ist das Format sehr interessant. Ich lade hier also zum einen dazu ein, bei diesem Event dabei zu sein und sich zum anderen auch sportpsychologisch darauf vorzubereiten.

Zum Thema: Mentale Vorbereitung für Individualsportler in Teamwettbewerben

Auf der physischen Ebene werden 400m gelaufen, danach hat man eine Pause. Diese dauert genau so lang, wie der Partner für seine 400m benötigt. Keine Einheit, wie sie für gewöhnlich im Trainingsplan steht. Dazu kommt, dass ständig Läufer um einen herum sind. Dies ermöglicht schnelle Rundenzeiten, verleitet aber auch zum Überpacen. Wichtig ist es also, sich die Laufstrecke gut einzuteilen. Folgende kritische Fragen solltet Ihr im Hinterkopf haben: 

  • Lasse ich mich am Anfang dazu hinreißen, mit vermeintlich schnelleren Läufern mitzulaufen?
  • Nutze ich konsequent die Möglichkeiten der Temposteuerung, die mir ein Leichtathletikstadion bietet, um mich im Wettkampf bestmöglich zu kontrollieren? 

Sicherlich kann es hilfreich sein, zu Beginn eher konservativ zu laufen und auf der zweiten Hälfte mentale Strategien zu nutzen. Beispiel gefällig? So kann ich mich mit dem imaginären Lasso an den Läufer vor mir heften oder mich sogar Stück für Stück heransaugen. Ich kann mir bewusst machen, dass alle leiden und versuchen, möglichst selbstbewusst und aufrecht zu laufen. 

Weitere strategische Fragen

Es lohnt sich auch, über die Pausengestaltung nachzudenken. Trinke ich in jeder Pause oder nehme ich nur einen kleinen Schluck in den Mund? Wie kühle ich mich in den Pausen effektiv? Greife ich zum Gel? Dann sollte ich vorher aber auch mal probiert haben, wie mein Magen unter Belastung darauf reagiert, um keine böse Überraschung zu erleben. Stehe ich oder gehe ich? Haben mein Partner und ich ein Shirt an, dass ich gut erkenne?

Wo wir gerade räumlich in der Wechselzone sind: es kann durchaus Sinn machen, dass der stärkere Läufer am Ende der Wechselzone an den schwächeren Partner übergibt und dann am Beginn der Wechselzone wartet. So lassen sich durchaus wertvolle Meter „sparen“.

Besonderheiten des Paarlaufes 

Eine weitere Besonderheit ergibt sich durch den Lauf im Paar. In fast jedem Team gibt es einen stärkeren und einen schwächeren Läufer. Durch die unterschiedlichen Lauftempi kommt es durchaus vor, dass ich immer wieder denselben Typen überholen muss, bzw. von derselben Läuferin überholt werde. Überholt mein Partner seinen Kontrahenten eines anderen Teams, der Läufer/die Läuferin dieses Teams ist aber stärker als ich, dann ergibt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das man so in dieser Form nicht kennt und, insbesondere bei zunehmender Ermüdung, sehr zermürbend sein kann. Haben Sie sich allerdings im Vorfeld mit dieser Besonderheit gedanklich beschäftigt, dann überrascht es nicht, wenn die gleiche Person erneut vorbeikommt und es kann in der Tat Spaß machen, daraus ein kleines Duell für sich zu machen.


Mit seinem Partner sollte man sich über die gemeinsamen Ziele Gedanken machen und diese offen besprechen, um keine falschen Erwartungen zu schüren und und Frustrationen vorzubeugen. Ziele können nämlich eine gute Motivationsquelle sein und gerade in den letzten Minuten helfen, das Tempo zu halten. Aber neben der Qual sollte gerade bei dieser Veranstaltung eines im Vordergrund stehen: der Spaß!

Hinweis

Wir von Die Sportpsychologen können unsere Expertise auch dahingehend ins Spiel bringen, Sie und einen Partner auf solche Laufveranstaltungen, die in Duos oder Kleingruppen absolviert werden, vorzubereiten. Nehmen Sie gern zu meinen Kollegen (zur Übersicht) oder zu mir (zur Profilseite) Kontakt auf. Ich selbst bin übrigens auch bei diesem Wettbewerb am Start. Spannend fände ich es auch, wenn ihr mir ein Feedback von euren Erfahrungen hinsichtlich solcher Paar- oder Gruppenläufe geben würdet. Getreu der Eingangsfrage: Ist geteilter Muskelkater halber Muskelkater?

Infos zum Paarlauf Wesel: https://www.paarlauf-wesel.de

Mehr zum Thema:

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Dr. René Paasch: Mentalitätstrainer im Fußball – ein Job mit großer Zukunft

Woche für Woche klingt es in unseren Ohren. „Die Mannschaft braucht Mentalität” oder “Mentalität schlägt Qualität“. Sportexperten und Trainer benutzen diesen Begriff, um einen Sieg zu erklären oder eine Niederlage zu rechtfertigen. Auch Matthias Sammer, TV-Experte und Berater von Borussia Dortmund, sprach vor kurzem auf dem Sportbusiness-Kongress SpoBis in Düsseldorf über die Mentalität im deutschen Fußball: „Der deutsche Fußball war immer geprägt von einer Siegermentalität: nie aufgeben.” Doch wo sind die genannten Experten in den Vereinen für das Thema Mentalität? Im Profifussball sind reichlich Fachkräfte unterwegs (Physiotherapeuten, Mediziner, Athletiktrainer, Trainer, Co-Trainer 1 und 2, Teammanager u.v.m. – nur eher selten Sportpsychologen), aber einen Mentalitätstrainer habe ich noch nicht gesehen. Dabei wäre es – nicht zuletzt für uns Sportpsychologen – einfach. Denn Mentalität lässt sich entwickeln.

Zum Thema: Der Mentalitätstrainer im Fußball

Mentalität (hergeleitet vom lateinischen mens – den Geist betreffend) bezeichnet eine psychische Anlage im Sinne eines Denk- und Verhaltensmusters einer Person oder sozialen Gruppe. Bezogen auf den Sport ist die Mentalität eine bestimmte Art, wie wir denken, fühlen und handeln. Sie ist Bestandteil jeder eigenen Persönlichkeit und aller Teams und äußert sich in Handlungen oder im „Nicht“ tun.

Wie aus den Medien bekannt, zählen im Fußball nur die eingefahrenen Siege und Titel. Man kommt schnell zur Erkenntnis, was zum Erreichen dieses Zieles nie fehlen darf: Die individuelle und kollektive Mentalität! Selbst unter Kollegen gibt es keine allumfassende Erklärung. Aus diesem Grund möchte ich mich diesem Thema nähern.

Mehr Infos zu Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Ziel Weiterentwicklung

Ein erster Überlegungsansatz liegt in der Annahme, dass Sportler und Mannschaften mit Mentalität sich stetig weiterentwickeln und immer gewinnen wollen. Hierzu ein Beispiel aus meiner Arbeit: Max Müller (Name wurde verändert) ist einer der kommenden deutschen Nachwuchskicker im Fußball, den ich seit Jahren betreue und der bereits im Jugendfussball sehr auffällig war. Max zeichnet aus, dass er nie verlieren kann. Nicht im Training und auch nicht in einem Pflichtspiel. Ähnliches gilt für die Verbesserungen seiner individuellen Fähigkeiten. Dieses macht aus meiner Sicht deutlich, dass sich der Drang zum Sieg und die damit verbundenen Eigenschaften (Einstellung, Leidenschaft, Wille, harte Arbeit, Selbstvertrauen) als Wegbegleiter und Erfolgsgarant sehr wichtig sind.

Ein weiterer Punkt, der mir immer wieder auffällt, ist die Zielplanung und – umsetzung. Die meisten erfolgreichen Spieler und Mannschaften gaben im Vorfeld den größtmöglichen Erfolg als Ziel an. Diese Zielsetzung wird von der Eigenschaft begleitet, den sportlichen Weg sehr akribisch und täglich zu verfolgen. Damit gehen eine konzentrierte Haltung und eine Leidenschaft im täglichen Tun einher. Die meisten Leistungskicker richten ihr gesamtes Leben auf das gesetzte Ziel aus. Sie leben rund um die Uhr für den Traum. Auch wenn das oft bedeutet, andere Lebensbereiche zu vernachlässigen. Wenn man seinen Sport nicht leidenschaftlich und voller Überzeugung ausführt, wird man höchstwahrscheinlich nie erfolgreich sein oder kontinuierlich wachsen. Wer nicht bereit ist, Zeit und Geduld aufzubringen, hat wenige Chancen im Leistungsfussball zu bestehen. Ein weiterer Faktor liegt in der Ausrichtung der individuellen Fähigkeiten, auch in schwierigen Zeiten. Es gibt nur wenige Lebensläufe von großen Spielern und Mannschaften, die nicht auch Rückschläge zu verkraften hatten und dann mit Willensstärke bewiesen, noch besser werden zu wollen.

Mentalitätsmannschaft

Die erste wichtige Voraussetzung ist eine klare Idee bezüglich der Führung und Teamentwicklung. Der Verein muss eine für alle annehmbare Vision, Identität und Personalpolitik verfolgen, wie z.B.: Welcher Trainer- und Spielertyp ist gewünscht und welche Entwicklungsschritte sollen vollzogen werden? In diesem Bereich haben vor allem die leistungsorientierten Vereine aufgrund regelmäßiger personeller Fluktuationen zu kämpfen. Die Mentalität einer Mannschaft hängt außerdem oft von einer klaren Aufgaben- und Rollenverteilung ab, wie beispielsweise die Alters- und Charakterstruktur einer Mannschaft. Beides beflügelt und ergänzt sich. Denn die Anzahl an Erfahrungswerten verbunden mit jugendlicher Frische ist in diesem Zusammenhang leistungsfördernd. Dabei unterscheidet man zwischen der Erfahrung als Träger für Kontinuität und Stabilität oder das Bewusstsein für den jugendlichen Ehrgeiz.

Selbst der regelmäßige Erfolg lässt sich nicht potenzieren, ohne dass der Einzelne und die Mannschaft Zeit und Geduld aufbringen. Doch diese Zeit ist oft nicht gegeben. Des Weiteren ist die Kommunikation auf und neben dem Platz als gesteigerte Mentalitätsform eine unerlässliche Eigenschaft. Dabei spielt das menschliche Verständnis eine zentrale Rolle. Des Weiteren muss immer eine Balance zwischen den individuellen Bedürfnissen und den Teambedürfnissen vorherrschen. Dies führt im Idealfall dazu, dass die Mannschaft dominant auftritt und von ihrer Leistungsfähigkeit überzeugt ist.

Selbstwirksamkeit ist die Mentalität Nummer 1

Selbstwirksamkeit bedeutet, dass jemand die Überzeugung besitzt, dass seine eigenen Fähigkeiten ausreichen, um eine Handlung zielgerichtet und erfolgreich durchführen zu können. Denn dies ist für die sportliche Leistungsfähigkeit auf Wettkampfniveau gut nachgewiesen worden (Barling & Abel, 1983; Eberspächer, 2007, 2008;).

Erst eine über Jahre hinweg aufgebaute Selbstwirksamkeit, lassen den Einzelnen und den Mannschaftsverbund Souveränität und Vertrauen ausstrahlen. Die kann sich in bestimmten Situationen oder Umständen zeigen. Profifußballer erwecken für gewöhnlich den Eindruck, dass sie ein großes Selbstvertrauen besitzen. Wenn ihr Team aber bei einer wichtigen Meisterschaft ins Elfmeterschießen oder in der K.O.-Phase auf großen Turnieren spielen muss, kann ihr situatives Selbstvertrauen jedoch plötzlich sinken. Hier einige praxiserprobte Anregungen:   

  • Gedanken hinterfragen und Wahrnehmung ausrichten

Leistungsdruck erleben Sportler und Mannschaften immer dann, wenn die eigenen Ansprüche immens hoch sind oder von außen Anforderungen an sie gestellt werden. Sie haben dann das Gefühl, dass eine bestimmte Leistung um jeden Preis erbracht werden muss, sonst drohen Konsequenzen. Beim selbst initiierten Leistungsdruck sind die Ansprüche selbst verursacht und gehen zurück auf Persönlichkeitseigenschaften. (Streben nach Perfektion oder Angst vor Misserfolg)

Mehr Texte zum Thema von Dr. René Paasch:

  1. https://www.die-sportpsychologen.de/2017/10/05/dr-rene-paasch-die-entschluesselung-des-siegergens/
  2. https://www.die-sportpsychologen.de/2016/08/01/dr-rene-paasch-per-woop-zum-saisonziel/
  3. https://www.die-sportpsychologen.de/2015/06/19/dr-rene-paasch-fuehrung-und-teamentwicklung-im-fussball/
  4. https://www.die-sportpsychologen.de/2016/07/12/dr-rene-paasch-mentaltrainer-oder-sportpsychologe/
  5. https://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paasch-selbstwirksamkeit-im-fussball/

Hier einige Strategien zur Bewältigung von belastenden Situationen: Gedankenstopp, Entspannungsmethoden, Bewertungen hinterfragen, Ziele setzen und regelmäßig überprüfen, Grundbedürfnisse wie Autonomie, Akzeptanz und soziale Eingebundenheit ermöglichen.

  • Erfahrungen

Die eigene Erfahrung ist maßgeblich für die Entwicklung der Selbstwirksamkeit. Erlebte Erfolge – auch im Training und Alltag – steigern die Selbstwirksamkeit. Die stellvertretende Erfahrung hingegen wird auch dann erworben, wenn die Handlung nicht direkt selbst ausgeführt wird. Sie ist zwar eine weniger verlässliche Quelle, dennoch hat sich herausgestellt, dass Beobachtungen eine positive Überzeugung und neuronale Reize bedingen können.

  • Selbstgespräche

Selbstgespräche sollten aus zweierlei Perspektiven gesehen werden. Die externen Einflüsse, vorrangig der Trainer oder Fans und der innere Monolog. Diese Form des Trainings ist aus meiner Erfahrung die am häufigsten genutzte Strategie im Fußball. Das Selbstgespräch kann gedanklich stattfinden (internal) oder aber auch laut durchgeführt werden (external). Diese regulatorische Form der positiven Beeinflussung ist mächtig. Wie mächtig ist vielen Sportlern gar nicht bewusst.  

Alles Denkbare ist auch machbar!

Albert Einstein

Fazit

Die Entstehung einer bestimmten Mentalität im Sport erfolgt über den Erfahrungs-, Erziehungs- und Sozialisationsprozess. Bereits die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Verein oder Mannschaft sowie Prägungen einzelner Akteure im Leistungssport, kann allein durch die damit verbunden Verhältnisse und deren Erleben und Kommunikation eine bestimmte Mentalität entwickeln. Bei Fußballern und bei Mannschaften ist die Entwicklung erfolgreicher Mentalitäten somit von klaren Eigenschaften und äußeren Faktoren abhängig. Dieses gilt es frühzeitig zu fördern. Die Selbstwirksamkeit ist für die sportliche Leistungsfähigkeit und somit für die Siegermentalität einer der zentralen Säulen. Denn erst eine über Jahre hinweg aufgebaute Selbstwirksamkeit, lassen den Einzelnen und Teams vielfältig wachsen und Vertrauen ausstrahlen. Trotz des allgegenwärtigen Leistungsdruck ist auch eine fürsorgliche Sichtweise zu fördern: „Loszulassen“ und das „Hier und Jetzt“ genießen, denn die Karriere ist schneller vorbei als sie begonnen hat!

Literatur

Barling, J., & Abel, M. (1983): Self-efficacy beliefs and tennis performance. Cognitive Therapy and Research, 7, 265-272.

Eberspächer, H. (2007): Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. 7. durchgesehene Neuauflage. München: Copress.

Eberspächer, H. (2008): Gut sein, wenn´s drauf ankommt. Erfolg durch Mentales Training. 2. überarbeitete Auflage. München: Carl Hanser.

Moritz D. E., Feltz D. L., Fahrbach K. R., Mack D. E. (2000). The relation of self-efficacy measures to sport performance: A meta-analytic review. Research Quarterly for Exercise and Sport 71, 280-294.

https://www.waz.de/sport/fussball/matthias-sammer-sorgt-sich-um-den-deutschen-fussball-id216336687.html

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/03/19/dr-rita-regoes-das-deutsche-mentalitaetsproblem/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/06/19/feature-nur-als-turniermannschaft-zum-titel/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/03/22/dr-hanspeter-gubelmann-the-winning-mindset/

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