Alma Bestvater: Olympic Combined – ihr (harter) Weg nach Tokyo

Alma Bestvater (Fotoquelle: Deutscher Alpenverein/Marco Kost)

Im Rahmen der Deutschen Klettermeisterschaft im neu geschaffenen Olympic-Combined-Format in Augsburg hat Johannes Wunder von Die Sportpsychologen Alma Bestvater getroffen. Die 22-Jährige ist eine der besten deutschen Kletterinnen und berichtet von Chancen und Nebenwirkungen des olympischen Windes, der in der Kletterszene weht. Denn schon 2020 wird die Sportart olympisch. Da die Aufnahme ins Programm aber mit einigen einschneidenden Veränderungen einhergeht, stehen selbst die Stars der Szene wie Alma Bestvater vor großen Herausforderungen.

Zum Thema: Konsequenzerwartung beim Lead-Klettern

Die 22-jährige Alma Bestvater kann bereits namhafte Platzierungen sowohl national, wie auch international vorweisen. Jüngst erzielte sie beim Boulderworldcup in Tokyo einen hervorragenden fünften Platz. Bei der Deutschen Meisterschaft in Augsburg errang sie den sechsten Platz. Auf dem Weg zur Sommerolympiade in Tokyo 2020 scheint sie gut in Form zu sein.

Klettern wird in zwei Jahren olympisch – mit den drei Disziplinen Speed, Bouldern und Lead. Allerdings nicht etwa einzeln wie etwa beim Turnen, sondern als „Kletter-3-Kampf“. Für die Sportler bedeutet dies, dass aus spezialisierten Athleten innerhalb kurzer Zeit Allrounder werden müssen. „Für mich ist das eine unheimliche Chance,“ so Alma Bestvater.

Fokus auf dem Bouldern

In eineinhalb Jahren endet die Olympia-Qualifikation, bis dahin ist es noch ein langer Weg für die Leistungssportlerin. „Mein Fokus lag bisher immer auf dem Bouldern, dort fühle ich mich wohl,“ beschreibt Alma Bestvater ihre Paradedisziplin. Seit sie für die Combined-Wettkämpfe trainiert, ist ihr Trainingspensum deutlich gestiegen. Dabei ist ihr das Leadklettern nicht ganz unbekannt, denn ab und an hat sie in der wettkampffreien Zeit auch ihren Klettergurt angelegt. „Speed hingegen habe ich erst seit gut einem dreiviertel Jahr im Trainingsplan“, beschreibt die DAV-Athletin. Dennoch konnte sie sich in dieser Zeit deutlich um einige Sekunden steigern. Die Wettkampfroute bleibt bis 2020 überall die gleiche, ein kontinuierliches Training kann die Zeit also erheblich verbessern.

Doch die neuen Disziplinen im Wettkampfalltag bringen auch ungewohnte Aspekte ins Training der Boulderspezialistin. Beim Lead spielt für Alma die Effizienz eine große Rolle, beim Speed-Klettern finden die Wettkämpfe im K.O. System statt. „Wenn du fliegst, bist du raus“, beschreibt Alma Bestvater den für sie neuen Druck und fügt an, „ein falscher Tritt kann dir dein ganzes Wettkampfergebnis ruinieren.“

Panik im Lead

Diese ungewohnte Problematik stellt sie auch vor neue psychische Herausforderungen. Im Bouldern hat sie mehrere Minuten Zeit, um das Problem zu lösen und kann sich ausprobieren. Anders in der Disziplin Lead: „Wenn ich mir die Kraft beim Lead nicht einteile und meine Unterarme zu machen, kann es schon vorkommen, dass ich etwas Panik bekomme.“

Der Erwartungsdruck in der neuen Disziplin zeigt sich hierbei nicht unbedingt positiv. „Häufig gehe ich dann noch zwei, drei Züge, weiß aber, dass es danach vorbei ist.“ Beim Bouldern hingegen sieht man Alma Bestvater in kniffligen Routen auch mal am Boden pausieren. Sie überlegt dann genau, wie sie die Züge aneinanderreiht und nimmt sich Zeit für eine kurze Erholungsphase. Das alles wird schwierig im Lead, gar unmöglich im Speed. Hier kann sie von ihren bisherigen Erfahrungen im Bouldern mental nicht unbedingt profitieren. Im Idealfall sitzt alles auf den ersten Zug.

Sportpsychologischer Bedarf

Für Bundestrainer Urs Stöcker ist die Unwiederholbarkeit im Speed- und Lead-Klettern ein Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit den Sportlern. Doch wie gehen die Athleten eine solche Thematik an? Für Alma Bestvater ist es ganz wichtig, regelmäßig mit der Trainingsgruppe unterwegs zu sein. „So sehe ich, wie die anderen die Situation lösen und kann mich daran orientieren.“ Sie weiß, dass der mentale Aspekt im Klettern unheimlich wichtig ist und konnte sich konkret mit dem Visualisieren ihrer Top-Leistung schon vertraut machen. „Das hilft mir im Wettkampf, gelassener meiner Aufgabe entgegen zu blicken und insgesamt besser abzuschneiden,“ beschreibt die Kletterin ihre Erfahrung mit Techniken aus der Sportpsychologie. Dennoch hat sie immer wieder Schwierigkeiten, entsprechende Trainingsmethoden zu finden. „Das Problem ist nicht nur die optimalen Methoden für mich zu finden, sondern auch angeleitet zu werden.“

Die Sportpsychologie bietet in diesem Fall verschiedene Möglichkeiten, um die ungewohnten Situationen besser zu meistern. Neben der bereits angewandten Visualisierungsmethode können zum Beispiel auch Methoden aus dem Achtsamkeitstraining (MBSR) dabei helfen, die Wahrnehmung für den eigenen Körper zu steigern und die entsprechende Leistung besser einschätzen zu können. Auch Entspannungstechniken (z.B. PMR) können dabei helfen, die Balance zwischen An- und Entspannung in der Wand zu halten und bieten hierbei auch für Leistungssportler schnelle Hilfen. Johannes Wunder hat in einem Blog-Beitrag eine Methode aus dem Bereich Entspannungstechniken erklärt:

Link zum Text

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/07/24/johannes-wunder-anspannung-und-entspannung-leicht-gemacht/

Zum Profil von Johannes Wunder: 

https://www.die-sportpsychologen.de/johanneswunder/

Fotos:

Portrait Alma Bestvater (Fotoquelle: Deutscher Alpenverein/Marco Kost)

Alma Bestvater in Aktion (Fotoquelle: Deutscher Alpenverein/Marco Kost)

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