Bekanntermaßen trifft die gegenwärtige Corona-Pandemie auch den organisierten Nachwuchsleistungssport bis ins Mark. Ein Zusammenkommen als Mannschaft ist beispielsweise in den meisten NLZs derzeit nicht möglich. Nicht möglich? Sehr wohl! Dank der Verfügbarkeit des Internets sowie zahlreicher praktikabler Softwares für Videokonferenzen stehen Mannschaftstrainern und Verantwortlichen zahlreiche Türen offen, um Mannschaften und Spieler in ihrer Weiterentwicklung zielgerichtet zu unterstützen. Verfolgt eine Nachwuchsabteilung einen ganzheitlichen Betreuungsansatz, reicht heutzutage allein die Ausarbeitung von Trainingsplänen in Bezug auf zu erfüllende Aufgabenstellungen im technischen und konditionellen Bereich sowie die anschließende Kontrolle dieser sowie ggf. die Durchführung von Videoanalysen nicht aus. Dieser Artikel versucht mögliche Schwerpunkte sowie konkrete Themenbereiche aufzuzeigen, die gerade in Coronazeiten wirkungsvoll bearbeitet werden können.
Zum Thema: Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts, der mentalen Weiterentwicklung sowie der Persönlichkeitsentwicklung
Vergleicht man die derzeitige Alltagsstruktur der Nachwuchsfußballer mit ihrer normalerweise vorherrschenden, springt zunächst einmal der Mehrgewinn an Zeit ins Auge. Insbesondere durch den Wegfall von Fahrten, die ein Fußballtraining bei vielen Spielern zu einem 4-5-Stunden-Paket werden lassen, entstehen für die Jugendlichen aktuell ungewohnte neue Zeiträume, die mit Leben gefüllt werden können. Im „normalen“ Alltag oftmals vernehmbare Aussagen von Trainern wie „Diese Woche haben wir für mentale oder persönlichkeitsbildende Themen keine Zeit, wir müssen Taktik trainieren!“, haben vor dem Hintergrund der Pandemie zudem kaum noch eine Berechtigung.
Gerade angesichts der derzeit gegebenen zeitlichen Möglichkeiten sowie der enormen Bedeutung, welche die Lebenssäule Fußball für die Kinder und Jugendlichen einnimmt, macht ein zielgerichtetes, onlinebasiertes Arbeiten mit der Mannschaft Sinn. In diesem Zusammenhang lassen sich die Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts, die mentale Weiterentwicklung sowie die Persönlichkeitsentwicklung als mögliche Schwerpunkte identifizieren.
Zielgerichtete Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts
Hierbei kann die übergeordnete Zielstellung darin bestehen, einen Rahmen zu schaffen, der ein kollektiv-gemeinschaftliches Zusammenkommen in Kombination mit spielerisch-jugendlicher Interaktion ermöglicht. Dabei könnten beispielsweise das Erleben von Spaß und Geselligkeit in der Gruppe bewusst in den Vordergrund gerückt werden. Insbesondere Aufgabenstellungen, die Anreiz- und Wettbewerbscharakter besitzen, machen in Zeiten, in denen Wettspiele nicht stattfinden und somit der Leistungsvergleich mit anderen Teenagern nicht gegeben ist, Sinn.
Folgende beispielhafte Maßnahmen zur Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts können initiiert werden:
Teamevents in Duos, z.B. eine Kombination aus praktischen Challenges, Schätzfragen und Begriffsnennungen in Bezug auf eine vorgegebene Kategorie, wobei die Duos gegeneinander antreten
Trainer-Spieler-Challenges, z.B. zu bewältigende technische Aufgabenstellungen wie Balljonglagen, wobei sich die Trainer/das Funktionsteam mit den Spielern messen
Virtuelle Kabinentreffs, um wöchentlich einen Austausch zwischen Trainern und Spielern in Bezug auf die aktuelle Situation und gegenwärtig vorherrschende Themen zu ermöglichen.
Zielgerichtete Persönlichkeitsentwicklung
Fußballer sind in erster Linie Menschen. Im Sinne einer zielgerichteten Persönlichkeitsentwicklung kann in Zeiten der Pandemie der Fokus bewusst weg vom Fußballer und hin zum Menschen gelenkt werden. So kann die Arbeit an Themen in den Vordergrund gerückt werden, die zwar (in)direkt auch die fußballerische Leistungsfähigkeit bedingen, vor allem aber für jeden Menschen von Relevanz sind und im Laufe des Lebens zudem immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dabei existieren die vielfältigsten Möglichkeiten zur methodischen Umsetzung von Inhalten, auf welche zurückgegriffen werden kann. Man denke beispielsweise an die Erstellung von Handouts und Mindmaps und die anschließende Vorstellung dieser vor der Gruppe oder das Halten von Kurzimpulsen.
Folgende beispielhafte Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung können initiiert werden:
Interaktive Auseinandersetzung mit Leistungsfaktoren rund um den Fußball, wie z.B. den Themen:
Schlafhygiene
Selbstorganisation
Umgang mit dem eigenen Körper
Ernährung
Ganzheitliche Beschäftigung mit dem Thema Ernährung, ggf. unter Anleitung eines Ernährungsexperten, mit z.B. folgenden Elementen:
Ernährungsprotokollierung
Interaktiver Workshop zum Thema gesunde Ernährung
Erneute Ernährungsprotokollierung inkl. Auswertung auf individueller Ebene
Schreiben eines Einkaufszettels
Einkaufen gehen unter bestimmten Zielstellungen
gemeinsames Kochen eines gesunden Gerichts auf Basis eines ausgesuchten Rezepts (individuelle Zuschaltung z.B. über Zoom)
gemeinsames Essen nach dem Kochen (individuelle Zuschaltung z.B. über Zoom)
Auseinandersetzung mit möglichen späteren Berufen und den hierfür notwendigen Kompetenzen
Erarbeitung notwendiger Eigenschaften und Charakteristika, die es braucht, um Profi zu werden – Profi fürs Leben und Fußballprofi
Zielgerichtete mentale Weiterentwicklung
In der hochkomplexen Mannschaftssportart Fußball spielt neben beispielsweise konditionellen, technischen und taktischen Leistungsfaktoren insbesondere die Psyche eine gewichtige Rolle. Insbesondere, wenn auf einen kompetenten Sportpsychologen zurückgegriffen wird, kann auch online gezielt sowohl an der mentalen Leistungsfähigkeit der einzelnen Spieler als auch an der der Mannschaft gearbeitet werden.
Folgende beispielhafte Maßnahmen zur mentalen Weiterentwicklung können initiiert werden:
Interaktive Durchführung von Workshops zu mental relevanten Themen wie z.B.:
Umgang mit Emotionen
Kommunikation
Mentale Einstimmung auf ein Fußballspiel
Körpersprache
Selbstbewusstsein
Arbeit an Führungskompetenzen mithilfe von führungskompetenten role models aus dem Profifußball
Schulung der Selbstreflexionsfähigkeit durch eine gezielte Anleitung zur Selbstanalyse, beispielsweise in Form der Erstellung eines persönlichen Stärken-Schwächen-Profils
Fazit
Gerade in Coronazeiten sehnen sich die meisten Spieler nach Führung, Inhalten und Möglichkeiten der (geistigen) Beschäftigung, die dem Alltag eine gewisse Struktur verleihen. An dieser Stelle sind Mitarbeiter eines Nachwuchsleistungszentrums, insbesondere Trainerteams, Pädagogen und Psychologen, gefragt, zielgerichtete und hochwertige Angebote im Sinne einer Weiterentwicklung der Spieler sowie des Teams auszusprechen und umzusetzen.
Je nach Priorisierung kann dabei die Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts, der Persönlichkeitsentwicklung sowie der mentalen Weiterentwicklung in den Vordergrund gerückt werden. In diesem Zusammenhang sei aber angemerkt, dass die Förderung eines Schwerpunkts oftmals das automatische Ansprechen eines anderen Schwerpunkts zur Folge hat. So stellt beispielsweise jede Maßnahme, die ein Zusammenkommen als Team ermöglicht, zugleich eine Chance zur Förderung des sozialbezogenen Zusammenhalts dar.
Beinahe ein Jahr ist vergangen, seitdem die ersten Coronafälle in Österreich aufgekommen sind. Wenig später folgten offizielle Fälle in Deutschland und vielen weiteren Ländern. Dies hat Veränderungen nach sich gezogen, wie wir sie uns niemals hätten vorstellen können. Im Berufsleben, im Privatleben und auch im Sport, der wohl noch am meisten Überraschungen bereithält. Jene Überraschungen waren nicht absehbar. Jene Maßnahmen, die die Ausübung zahlreicher Sportarten bis heute nicht möglich machen. Gar nicht so einfach, der Krise nach jenen Zeilen etwas Positives abgewinnen zu können…
Doch besonders im Sport, in dem wir der Siegermentalität am meisten abgewinnen können, sollten wir positiv denken! Die Chancen sehen, die uns aus dieser Krise führen werden!
Zum Thema: Zwangspausen, Zusammenhalt und Zielsetzung
Der Leistungsaspekt steht nur allzu gerne an erster Stelle. Nicht nur im Sport, sondern auch im Berufs- und Privatleben. Das tat er zumindest. Und zwar so lange, bis eine weltumfassende Krankheit unser „Höher-Schneller-Weiter-Wunschdenken“ rasant ausgebremst hat. Gut so. In vielerlei Hinsicht. Schließlich gilt auch im Sport, nicht sich selbst, sondern seine Gegner zu überholen. Höchstgeschwindigkeit wurde vielfach zu Dauerbelastung und die Chance in der Krise besteht bis heute darin, sich auch nach Corona auf ein neues, gewinnbringenderes Tempo einlassen zu dürfen.
Einzelkämpfer, Individualisten, Profis. Bezeichnungen, die gerne synonym verwendet werden. Vor allem in jenen Sportarten, in denen es gilt, ganz auf sich allein gestellt zu siegen. Die Krise sorgte zwar dafür, dass wir uns bis heute an das vorgeschriebene Social Distancing halten müssen, und doch hat sie jene Einzelkämpfer oftmals auch im Sport näher zusammengeführt. Weil wir durch die Pandemie alle in einem Boot sitzen, auf Zusammenarbeit und Abstimmungen untereinander angewiesen sind. So brachte die Krise bisher auch jenen Gemeinschaft, die im Wettkampf ganz für sich alleine kämpfen. Zukünftig kann sich daher die Frage nach der Gemeinschaft auch weiterhin gestellt werden. Auch, wenn im Wettkampf alles auf den Einzelnen ankommt.
Auf dem Weg in ein neues Leben? Zumindest eines mit Veränderungen?
Sich Ziele zu setzen gehört zum Sportleralltag wie die Umkleidekabinen ins Fussballstadion. Strategien dafür gibt es viele und doch ist die Fokussierung auf konkrete Zielen etwas, das Sportler aller Disziplinen immer wieder aus den Augen verlieren (Sportlerinnen, die als Sportpsychologinnen arbeiten eingeschlossen).
Corona sei Dank wird es eine Zeit nach Corona geben. Und nach all den Restriktionen, den Verboten und Maßnahmen drängt nichts mehr als die Erfüllung so vieler Ziele für die Zeit nach der Krise. Für das Leben, das wir uns alle wieder wünschen. Das Leben, das wir auch wieder zurückbekommen sollen.
Möglicherweise etwas langsamer, gemeinsamer, fokussierter.
Vortrag zum Thema:
Am Donnerstag, den 17. Dezember, bietet Christian Hoverath Zum Thema Motivation und Zielsetzung einen Vortrag an. Digital. Seid dabei:
Im sportlichen Training wird Performance- und Technikoptimierung oft mittels vieler Wiederholungen in Verbindung mit Trainer Feedback und Video Analyse angestrebt. Technikoptimierung geschieht in Verbindung mit Automatisierung und Bildung von Routinen. Die Prämisse: je öfter eine Technik in der Praxis optimal ausgeführt wird, umso größer die Erfolgswahrscheinlichkeit.
In vielen Sportarten ist die Zahl der möglichen Trainingsdurchgänge limitiert. Gründe sind zeitliche Restriktionen, Belastungssteuerung, aber auch nicht immer vorhandene Rahmenbedingungen (z.B. Schnee im Wintersport).
Hier bieten Mentaltechniken wirksame Ergänzungen zum Training.
Im Workshop wird gezeigt, wie sich „klassische“ Trainingsansätze mit mentalem Training und Techniken aus der Sporthypnose wirkungsvoll ergänzen lassen – für bessere Performance und mehr „Flow-Erleben“, bessere Synchronisation von Bewusstem und Unbewusstem.
Der gezeigte Ansatz ist als Einzelcoaching und Workshop/ Gruppencoaching möglich.
Interessiert?
Dunja Lang
Zielgruppe
SportlerInnen, TrainerInnen, Sportverbände und deren Führungskräfte
Mindset oder auch „Mentalität“ ist ein echtes Buzzword im Fußball. Weit weniger bekannt ist, dass sich solche wundersamen Fähigkeiten trainieren lassen. Ich habe hier mal zwei einfache Übungen aus meiner praktischen Arbeit mit Teams skizziert, die sich sehr einfach im Trainingsalltag unterbringen lassen. Mit den Ergebnissen können Sie garantiert etwas anfangen.
Zum Thema: Trainingsempfehlung für ein verbessertes Mindset ihrer Mannschaft
Stellen Sie zwei gleichstarke Teams im Abschlussspiel zusammen. Die Spieler der ersten Mannschaft sollen nach einer erfolgreichen Spielsituation gesagt bekommen, dass sie sehr “spielintelligent” seien. Bei dem anderen Team hingegen loben Sie die Anstrengungen und deren Einsatz, inhaltlich ganz nah an der jeweiligen Spielsituation.
Danach erfassen Sie das Mindset der Spieler, indem sie Ihrer Aussage zustimmen oder widersprechen können: Bereiten Sie dazu ein paar Notizzettel und Stifte vor. Die Spieler sollen dazu eine Antwort – also zum Beispiel ein „ja, stimmt“ oder „nein, übertrieben“ – sowie eine kurze Begründung schreiben. Versehen mit Namen und Nummer wandert das in eine Box. Wenn Sie herausfinden wollen, wie mächtig Ihre Worte waren, stellen Sie für das “spielintelligente” und das “intensiver” gelobte Team jeweils eine eigene Box auf, um darin die Zettel zu sammeln. Werten Sie die Antworten in Ruhe aus, gern mit Unterstützung aus dem Trainerstab!
Übung: Einfache Wahl
In einer weiteren Trainingseinheit, können Sie dann die Spieler vor die Wahl stellen, eine eher herausfordernde taktische Vorgabe zu lösen, von der sie noch lernen könnten oder eine leichtere zu bekommen, die ihnen eine fehlerfreie Lösung garantieren würde.
Achten Sie zusammen mit ihrem Trainerstab, wie die Spieler reagieren, wer agiert und wie der Entscheidungsprozess abläuft.
Erfahrungen mit Teams
Erst kürzlich hatte ich diese Technik wieder im Einsatz und es stellte sich heraus, dass die für ihre Spielintelligenz gelobten Spieler überwiegend zu der leichten Aufgabe griffen, während die anderen die Chance nutzen, etwas zu lernen. Spieler, die nur für ihre Spielintelligenz gelobt wurden, verloren das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten ebenso wie die Spielfreude….
In meiner praktischen Arbeit mit Teams habe ich ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Wenn Sie Hilfe bei der Interpretation und der Arbeit mit den Ergebnissen brauchen, nehmen Sie gern Kontakt zu meinen Kollegen in Ihrer Nähe (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Dr. René Paasch oder rechts per Kontaktformular) auf.
Seit Ende November steht Gabriele Frehse, Trainerin am Olympiastützpunkt Chemnitz, in der Kritik. Im Nachrichtenmagazin Spiegel äußern zahlreiche Turnerinnen, darunter Weltmeisterin Pauline Schäfer, erhebliche Kritik an der Arbeit der Trainerin. Konkret geht es um mentale Demütigung, Einschüchterung, Training unter Schmerzen sowie die Einnahme von verschreibungspflichtigen Opioiden. Gabriele Frehse bestreitet die Vorwürfe und will rechtlich dagegen vorgehen. Der Fall beschäftigt längst den Deutschen Turner-Bund (DTB), der sich in einer ersten Stellungnahme von den kritisierten Trainingsmethoden distanziert und eine schnelle Aufarbeitung angekündigt hat. Sogar der Sportausschuss des deutschen Bundestages will sich dem Thema annehmen. Im Zuge von Recherchen des MDR-Journalisten Peer Vorderwülbecke wurde Dr. Hanspeter Gubelmann von Die Sportpsychologen mit dem Fall konfrontiert.Seine Aussagen haben für das System Leistungssport Sprengkraft.
Zum Thema:Kritik an Trainern und Methoden – Das System Leistungssport unter Druck
Kritik an Trainingsmethoden, dem menschlichen Umgang bis hin zu Kindeswohlgefährdung gab es in den vergangenen Monaten in vielen Turnnationen. Auch in der Schweiz, den USA und Großbritannien. Offenbar zeigt sich hier ein strukturelles Problem, welches seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten, im Kunstturnen besteht. Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen vom Sportpsychologen Dr. Hanspeter Gubelmann spannend, die er im Interview mit Peer Vorderwülbecke getätigt hat, welches der MDR in voller Länge im Internet veröffentlicht hat.
Deutlich wird Dr. Hanspeter Gubelmann im Gespräch dahingehend, dass betroffene Athleten in akuten Situationen sportpsychologische Unterstützung brauchen, die außerhalb des Systems angesiedelt ist. Die meist an Olympiastützpunkten geschaffenen Strukturen, wo einzelne Sportpsychologen, Vertrauenspersonen oder Karriereberater einer Vielzahl an Athleten und Athletinnen zur Verfügung stehen, reichten hier nicht aus.
Hinweis: Unsere 40 Experten von Die Sportpsychologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen gern für eine Kontaktaufnahme von Sportlern, Eltern oder Trainern zur Verfügung – Zur Expertensuche.
Für unabdingbar sieht der Experte im Sinne einer Systemveränderung die direkte Einbeziehung der Eltern. Deren Einfluss sei bei jungen Athleten und Athletinnen, die in Internaten leben und trainieren, oft weniger stark ausgeprägt als bei Sportlern, die im heimischen Umfeld an ihren sportlichen Zielen arbeiten. Fatal wirke sich dies nicht zuletzt in den Sportarten aus, in denen Kinder schon früh das Elternhaus verlassen müssen.
Medaillen- vs. Entwicklungsziele
Laut Dr. Hanspeter Gubelmann, der übrigens bei einem Besuch bei Prof. Dr. Oliver Stoll in Leipzig vom MDR interviewt wurde (den siebenminütigen TV-Beitrag aus der Sendung „Sport im Osten“, 6.12.2020, gibt es hier zu sehen: Link), führe das aktuelle Bekanntwerden weiterer Fälle in verschiedenen Nationen zu einer ernsthaften Diskussion. Einer Diskussion darüber, inwiefern im Hochleistungssport von Kindern und Jugendlichen die Medaillenziele hinter der Absicht, gesunde und leistungsfähige Persönlichkeiten zu entwickeln, zurückstehen müssten? Eine spannende Diskussion, die wir im Netzwerk, mit direkt Beteiligten im Sport aber auch gern bei Facebook, Instagram oder LinkedIn führen. Übrigens nicht nur beschränkt auf das sportliche Themenfeld Kunstturnen.
Das Märchen vom Froschkönig kennen wir alle. Zumindest meinen wir das. Klaus-Dieter Lübke Naberhaus hat in der Zusammenarbeit mit einem Athleten die Geschichte eingesetzt, um am Umgang mit Emotionen – im konkreten Fall mit Wut – zu arbeiten. Den Überraschungseffekt, den wir hier am Ende auflösen, mit einkalkuliert.
Zum Thema: Die Arbeit mit Metaphern, Märchen, Mythen, Fabeln und Witze in der Sportpsychologie
Was hat der Held oder die Heldin eines Märchens eigentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin zu tun? Eine ganze Menge. Und vor allem bieten die schön erzählten Geschichten die Möglichkeit, einen anderen Blickwinkel auf eine Szenerie einzunehmen, die der tatsächlichen Situation eines Sportlers zumindest ähnelt. Der Held kann darüber zum Stellvertreter werden.
Dieser Kniff funktioniert aber nicht nur auf Star-Ebene. Denn wie im richtigen Leben gibt es in Märchen auch Nebenrollen. Denken wir zum Beispiel an den großen Kontrahenten, also den direkten Gegenspieler, oder auch an die Helfer, die nicht selten mit magischen Kräften gesegnet sind. Die Rollen, die in Märchen bedient werden, sind quasi unerschöpflich.
Absolute Vielseitigkeit
Je nach Gattung – also vom Märchen über die Fabel bis hin zur Metapher – lassen sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise Lehren aus den jeweiligen Geschichten ziehen. In der praktischen sportpsychologischen Arbeit geht das so weit, dass manchmal sogar ein Witz einen Inhalt transportieren kann, der auf Athletenseite etwas auslöst.
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus über die besondere Kraft von Märchen
Geschichten funktionieren
Auch in Zeiten von Netflix und Co. – vielleicht sogar stärker denn je – funktionieren fiktionale Geschichten hervorragend. Eine große Offenheit gibt es gerade in Bezug auf Märchen bei Kindern und auch Jugendlichen. Im Erwachsenenalter empfiehlt es sich, von den Athleten zuvor sich eine Erlaubnis einzuholen, mit einer Geschichte arbeiten zu dürfen. In meiner Praxis habe ich auf diese Frage übrigens nie ein negative Antwort kassiert.
Gern nutze ich auch eigene Geschichten. Dieser persönliche Bezug ist für die Verbindung zwischen Sportpsychologe und Athlet durchaus förderlich. Eine meine Lieblingsgeschichten ist allerdings das Märchen vom Froschkönig. Warum das so ist, erkläre ich dem folgenden Video.
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Wenn wir bezüglich Fußball-Geisterspiele eine positive Facette ausmachen wollen, dann liegt diese auf der Tonspur. Klar und deutlich wie nie ist, seit die Fans in den Stadien Corona bedingt fehlen, die Kommunikation der Spieler und Trainer zu verstehen. Einer tut sich dabei besonders hervor: Thomas Müller vom FC Bayern München. Er kommentiert, leitet an und gibt vor. Davon können wir eine Menge lernen.
Zum Thema: Emotionales und taktisches Coaching
Thomas Müller, bekanntermaßen einer der aktivsten Kommunikatoren im Profigeschäft, hat nicht umsonst den Spitznamen “Radio Müller” weg. Sein Trainer Hansi Flick hob nach dem 8:2-Sieg der Bayern im Champions League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona in der vergangenen Spielzeit dessen Bedeutung als “Signalgeber” für das Pressing hervor. Nach dem 4:0-Auftakterfolg der Bayern gegen Atletico Madrid in der diesjährigen CL-Saison sprach Flick, u.a. mit Verweis auf Müller, von klaren Kommunikationsaufgaben, die es zu erfüllen gilt: „Er coacht auch die Mannschaft, was wir von zentralen Spielern verlangen.” Und weiter: „Thomas pusht die Mitspieler.”
Kommunikation auf dem Feld scheint also durchaus von Bedeutung zu sein. Grob lässt sich dabei zwischen emotionalem Coaching, taktischem Coaching in Spielpausen und taktischem Coaching im laufenden Spiel differenzieren.
Emotionales Coaching
Ein funktionales emotionales Coaching kann die mentale Verfassung der Mitspieler auf positive Art und Weise beeinflussen und hat somit durchaus einen Einfluss auf eine mögliche Leistungssteigerung. Konkret eingesetzt wird es in folgenden Zusammenhängen:
als positive Verstärkung gelungener Situationen
zum Wiederaufbauen nach misslungenen Aktionen
nach Rückschlägen (z.B. Gegentore und vergebene Chancen)
bei langwierigen Ärgerreaktionen
einer sichtbar negativen Körpersprache von Mitspielern
Emotionales Coaching muss dabei nicht zwangsläufig über die verbale Sprache erfolgen; auch ein situativ passendes körperbezogenes Coaching über Berührungen (z.B. gegenseitiges Abklatschen, auf die Schulter klopfen) kann ebenso als unterstützend wahrgenommen werden wie ein wahrnehmungsbezogenes Coaching über die eigene Körpersprache (z.B. in die Hände klatschen, Daumen nach oben strecken).
Taktisches Coaching
Taktisches Coaching in den verschiedenen Spielphasen – nämlich in eigenem Ballbesitz, im Umschalten nach Ballgewinn, im Umschalten nach Ballverlust, ohne Ballbesitz und bei Standards – ermöglicht in erster Linie die einzel-, gruppen- oder teambezogene Vermittlung von taktischen Informationen. Denn die Sicht eines einzelnen Spielers ist stets beschränkt. Demgegenüber nehmen die Augen mehrerer Spieler, die natürlich über einen anderen Blickwinkel verfügen, mehr wahr als das Augenpaar des ballführenden Spielers. Durch zusätzliches Wissen über z.B. Raum, Gegner und Zeit erhöht sich die Handlungsschnelligkeit. Auf Situationen im Spiel kann damit durch ein funktionales taktisches Coaching schnell und effizient reagiert werden.
Aber damit nicht genug: Durch das Abrufen vorher vereinbarter und in der Anwendung trainierter Geheimcodes, die den Gegner in Unwissenheit lassen, erhöht sich z.B. die Wahrscheinlichkeit auf eine erfolgreiche Ausführung von Standardsituationen. Zudem kann Kommunikation auf dem Spielfeld durchaus als eine Hilfe zur Selbstregulation bezeichnet werden, die zusätzliche Sicherheit gibt. Ein funktionales taktisches Coaching in Spielunterbrechungen ermöglicht das Treffen von Absprachen, das Einleiten von (taktischen) Veränderungen und die Übermittlung von gezielten Instruktionen. Auch ein zielgerichteter Austausch zwischen Spielern und Trainerteam, wie zum Beispiel beim Nations League-Match Spanien gegen Deutschland vermehrt zu beobachten war, ist in solchen Situationen möglich.
Fazit
Letztlich stellt insbesondere das taktische Coaching eine notwendige Voraussetzung zur Umsetzung des eigenen Plans und der Spielidee dar. Thomas Müller agiert beim FC Bayern als verlängerter Arm des Trainers Hansi Flick und setzt damit Standards – mal sehen oder besser hören, wer ihm in Zukunft nacheifert. Nicht zuletzt auch bei der Fußball-Nationalmannschaft…
Viel wurde in den vergangenen Tagen über psychischen Missbrauch im Schweizer Turnsport berichtet. Die «Magglinger Protokolle» (Gertsch & Krogerus, 2020) offenbaren Formen und Ausmass einer „Kultur der Angst“ im Kinderhochleistungssport, wie sie selbst von Insidern nicht für möglich gehalten wurde. Um Einschüchterungen, Demütigungen und Quälereien im Turnen ging es auch in der ARD-Sportschau (21.11.20). Der Beitrag verdeutlicht, dass es sich um ein weitreichendes, internationales Problem handelt. Warum nicht das System, sondern erwachsene Menschen für das Wohlergehen von Kindern verantwortlich gemacht werden sollten – davon handelt dieser Beitrag.
Zum Thema: Psychischer Missbrauch im Kinderhochleistungssport
Medien, Swiss Olympic, die Politik und wohl auch die Schweizer Bevölkerung sind sich einig: Das Sportsystem im Schweizer Turnsport bedarf einer grundsätzlichen Überprüfung. Nicht der Sport an sich sei für den aktuellen Missstand verantwortlich, sondern die Sportstrukturen in den Disziplinen „Kunstturnen“ und „Rhythmische Sportgymnastik“. So jedenfalls lautet aktuell der Tenor vieler Sportfunktionäre in der Diskussion zum Thema psychischer Missbrauch im Turnsport. Die Rede ist vom Einsatz einer neuen Ethikkommission, der Einrichtung einer unabhängigen Beratungsstelle für betroffene Kinder verbunden mit einer personellen Neuorganisation im Schweizer Turnverband (STV). Die Massnahmen folgen dem Motto: „Medaillen sind wichtig, aber der Weg dorthin ist wichtiger.“
Diese Bestrebungen sind auch aus psychologischer Sicht grundsätzlich lobenswert. Sie sind aber nur dann zielführend, wenn eine offensichtliche Grundproblematik im Kinderleistungssport tatsächlich angegangen wird – nämlich die Einhaltung der nicht verhandelbaren Notwendigkeit eines respektvollen, entwicklungsförderlichen und dem Alter der Athletinnen angemessenen Umgangs mit jungen Menschen! Sollte dies nicht gelingen, dürften dem Kinderleistungssport gesellschaftliche Legitimierungsprobleme erwachsen.
Kultur der Angst und des psychischen Missbrauchs
Die in den Magglinger Protokollen beschriebene Faktenlage ist unumstösslich: Als TäterInnen werden primär jene Personen beschrieben, die Macht ausüben, Druck an junge, abhängige Menschen weitergeben und diese sogar psychisch und/oder physisch verletzen. Diese Kultur der Angst gipfelt in der herablassenden Aussage eines Trainers an seine Athletin: „Du bist es nicht wert, mir in die Augen zu schauen“! Damit war keine Weisung eines Sportverbands gemeint, sondern ein an psychischer Grausamkeit kaum zu überbietendes Machtgehabe eines völlig unfähigen, narzistischen Trainers!
Was geschieht hier mit der jungen Turnerin? Welche psychischen Reaktionen, insbesondere im Wiederholungsfall, sind zu erwarten? Das gedemütigte Kind kann seine Wut nicht gegen den Trainer richten, schliesslich will es diesen nicht noch mehr gegen sich aufbringen. Aus Mangel an Handlungsalternativen gehorcht es, wendet seine Aggressionen gegen sich selbst – mit der Gefahr später autodestruktive Verhaltensformen zu entwickeln. Möglich auch, das Erlebte zu internalisieren und es später in gewalttätiger Form an anderen Menschen auszulassen. Die Turnerin erkennt die Falle, kann dieser aber nicht entrinnen. Oder wie es die amerikanische Psychoanalytikerin Robin Stern ausdrückt: „Die Betroffenen wissen, dass etwas nicht stimmt – aber sie können es einfach nicht benennen.» Diese Form von Missbrauch kann lähmende Selbstzweifel verursachen. Im Extremfall entwickeln die Opfer Angstzustände, Depressionen oder andere psychische Störungen.
Psychischer Missbrauch in vielen Facetten
Wie Turnerinnen diesen psychischen Missbrauch häufig erleben mussten und darauf reagierten, wird in den rund 30seitigen «Magglinger Protokollen» schonungslos aufgedeckt. Stellvertretend hierzu sechs Statements von 6 betroffenen Turnerinnen:
„Die brutalen, fiesen Sachen – die sagte sie (die Trainerin) nicht vor allen. Nur unter vier Augen. Und dann wehrtest du dich erst recht nicht, weil dir klar war, dass niemand es gehört hatte. Sie wusste genau, wie sie mit unserer Angst spielen musste, damit wir nicht aufmuckten.“
“Ich gab mir die Schuld dafür, wie schlecht es mir ging. Ich dachte, vielleicht bin ich zu weich, zu empfindlich, denn alle werden ja gleich schlecht behandelt (…)“
„Ich habe mir selbst ein Gefängnis gemacht. Ich hatte das Gefühl, beobachtet zu werden, und habe mich dabei selbst beobachtet. Ich war paranoid. Es war schrecklich (…)“
„Wir waren wie Zombies, sprachen kaum miteinander. Wenn die Trainerinnen eine Kollegin zusammenschiss und wir sie in den Arm nehmen wollten, wurden wir angeschrien. (…) Ich weiss bis heute nicht richtig, wie das geht, Gefühle zeigen. Ich kann nicht wirklich jemanden trösten. Aber ich kann mega schnell von Weinen auf Lachen umstellen.“
„Wie soll ich das beschreiben? Es war eine wahnsinnige Flut von Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit. Ich kannte mich nicht mehr, ich dachte ich sei, ich sei nichts wert ohne das Turnen. Und dann kam das dunkelste Kapitel: die Gefühlslosigkeit. Ich konnte nicht mehr weinen, ich konnte nichts mehr fühlen. Ich war leer.“
„Dass ich depressiv war und eine Essstörung entwickelt hatte, wurde mir im Behandlungszimmer eines Arztes klar (…).“
«Glaslighting»-Auswirkungen manipulativer Gewalt
Was sich hier als Horrorszenario junger Turnerinnen präsentiert, wird in der Psychologie als «Gaslighting» beschrieben. Dieses bezeichnet eine psychische Extremform von manipulativer Gewalt, die besonders Kinder nachhaltig schädigen kann. Der Täter will sein Opfer häufig isolieren und gezielt desorientieren mit dem Ziel, dieses zutiefst zu verunsichern. „Gaslighter“ verdrehen ihren Opfern die Wörter im Munde, sprechen ihnen die Berechtigung ihrer Gefühle ab, werfen ihnen unangemessenes Verhalten oder falschen Realitätssinn vor. Bezogen auf die Magglinger Athletinnen heisst das: Sie verlieren zunehmend und in dramatischer Art und Weise ihr Realitäts- und Selbstbewusstsein.
Begriffsklärung: «Gaslighting»
Mit «Gaslighting» (aus dem Englischen, deutsch etwa: „Gasbeleuchtung“) wird die Form eines systematischen Missbrauchs, eines emotionalen Psychoterrors im Zusammenhang mit einer emotionalen (Beziehungs-)Manipulation bezeichnet, bei der Stück für Stück das Selbstvertrauen des Opfers zerstört wird.
Der Begriff „gaslighting“ orientiert sich am Film „Gaslight“ – im Original ein Theaterstück von Patrick Hamilton – bekannt unter dem Titel „Das Haus der Lady Alquist“ mit Ingrid Bergman als Opfer eines manipulativen Ehemanns.
Auf einen besonders schädigenden Aspekt von „Gaslighting“ weißt Susanne Schild (2020) hin: „Typisch für Gaslighting ist, dass betroffene Kinder den Missbrauch erst im Rückblick erkennen. Erst als Erwachsene begreifen sie, wie sie zum Opfer wurden und dass sie nicht selbst an ihrer Situation schuld sind. Es kann sehr viel Zeit und therapeutische Unterstützung brauchen, bis sie sich psychisch stabilisiert und ein gesundes Selbstbewusstsein aufgebaut haben.“ Zu diesem Gedanken passt das Zitat einer Magglinger Turnerin: „Seit ich Magglingen verlassen habe, sind acht Jahre vergangen. Erst vor drei Jahren konnte ich sagen: Jetzt geht es mir gut.“
Was ist zu tun?
Der kürzlich verstorbene Kinderarzt Remo Largo, ein international hoch angesehener Sachbuchautor zu Entwicklungs- und Erziehungsthemen, war zeitlebens ein vehementer Gegner eines überzogenen Leistungsdrucks, der bis in die Freizeit, in die Sportvereine und in den Musikunterricht reicht. Auf seiner Argumentationslinie dürfte die „Charta der Rechte der Kinder und Jugendlichen im Sport“ (Mahler & Bizzini, 2009) liegen, die versucht, eine positive Entwicklung aus Sicht und zum Wohl des Kindes zu beschreiben. Diesem Positionspapier ist u.a. zu entnehmen: Das Recht mit Anstand behandelt zu werden, das Recht auf ein gesundes Umfeld, das Recht auf Ruheperioden sowie das Recht, kein Sieger zu sein. Dazu passend die Überzeugung Remo Largos gegen die Förderwut der Erwachsenen: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ und: „Herumhängen ist verpönt, dabei wäre es wichtig“.
Als Sportpsychologe, Trainer und Vater werde ich in Zukunft auch Largos Gedanken beherzigen und darauf achten:
… auf die leise „innere“ Stimme der jungen Menschen zu hören und diese zu bekräftigen;
… sie darin unterstützen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse ernst zu nehmen – auch weil ich weiss, dass sie dadurch weniger abhängig von der Meinung anderer sind und so ein tragfähiges Selbstbewusstsein entwickeln;
… insbesondere auf eine respektvolle Sprache im Umgang mit den jungen Menschen achten, weniger zu werten und ihnen Gefühle nicht absprechen;
… sorgsam mit meinen Erwartungen, Tipps, Ratschlägen und Meinungen umgehen, insbesondere auch in der sportpsychologischen Beratungssituation und im Austausch mit AthletInnen;
… die Stimme der Kinder dezidiert auch im Rahmen eines Eltern-Coachings, im Coach-the-Coach-Setting oder anlässlich einer Nachwuchs-TrainerInnen-Tagung Gehör zu verschaffen.
Epilog
Wenn man Remo Largo fragte, was man denn tun könne für eine bessere Welt, hörte man keine grossen Worte, sondern ganz schlicht einen Tipp: «Wichtig wäre, dafür zu sorgen, dass die Kinder mehr mit anderen zusammensein können.» Er war überzeugt, dass schon damit viel erreicht wäre.
Gertsch, C. & Krogerus, M. (2020). Die Magglingen Protokolle. Das Magazin, Nr.44, S.8-43.
Gertsch, C. & Steffen, B. (2015). Ariella Käslin – Leiden im Licht. Die wahre Geschichte einer Turnerin. Zürich: NZZ Libro.
Mahler, P. & Bizzini, L. (200). La Charte des droits de l’enfant dans le sport: un outil pour promouvoir la santé et protéger l’enfant dans le sport. Paediatrica 20(1):36-37. http://www.swiss-paediatrics.org/paediatrica/vol20/n1/pdf/36-37.pdf
Psychologie im Sport ist allgegenwärtig. Trainer reden ständig davon. Sportler immer häufiger. Journalisten erst recht. Aber wie viel Wissen über sportpsychologische Methoden sind im Sport eigentlich vorhanden? Wie viele Trainer können zielsicher auf Werkzeuge aus der Psychologie zurückgreifen? Welche Sportler haben die Sicherheit, ihre Bestleistung genau dann abzurufen, wenn es darauf ankommt?
Wir von Die Sportpsychologen vermitteln Ihnen das Wissen, was sie brauchen. Auf Basis der Erfahrung unserer circa 40 Experten aus dem Profi-, Leistungs-, Nachwuchs-, Breiten- und Gesundheitssport haben wir ein neuartiges Programm entwickelt, mit dem wir Ihnen genau die Methoden, Werkzeuge und Stärken vermitteln, die sie benötigen. Da der Weg zum Ziel immer individuell ist, passen wir die Inhalte der Weiterbildung und die Vermittlung des Wissens genau auf Ihren Bedarf an.
Das Beste: Unsere Weiterbildung wird zu Ihrem Heimspiel. Sie stellen die Location und die Technik, wir bringen einen oder mehrere Experten (je nach Bedarf, Anzahl der Teilnehmer, Budget) zu Ihnen. Aufgrund der Tatsache, dass unsere etwa 40 Profilinhaber in allen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz verteilt sind, gibt es keine Region, die wir nicht bedienen können. Weil unsere Sportpsychologen und qualifizierten Mentaltrainer in allen Sportarten, auf allen Leistungsebenen und Altersbereichen aktiv sind, gibt es so gut wie nichts, was wir nicht können.
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Die Vermittlung der Inhalte erfolgt sowohl klassisch (Multi-Media-Vorträge inklusive Handout-Material) als auch innovativ. Unsere interaktiven Lerneinheiten beziehen alle Teilnehmer mit ein, transportieren das Wissen auf Augenhöhe und beantworten auch sehr spezielle Fragestellungen. Dazu zeigen wir, wie Sportpsychologie praktisch funktioniert. Über Demo-Trainingseinheiten, Kleingruppen-Sessions, Spielbeobachtungen und Rollenspiele zeigen wir, was Psychologie im Sport in der Praxis bedeutet. Regulär ist unsere Weiterbildung als Ein-Tagesveranstaltung aufgebaut, die mit digitalen Lerninhalten zusätzlich vor- oder nachbereitet werden kann.
Um Ihre Weiterbildung zu planen und die Kosten zu bestimmen, nutzen Sie bitte das Formular. Gern können Sie zudem direkten Kontakt zu unsere Zentrale aufnehmen:
Zum Abschluss der UEFA Nations League-Gruppenphase hat Deutschland sein Auswärtsspiel in Spanien 0:6 verloren. Aus dem Endspiel um den Einzug in das Finalturnier der besten vier Teams ist ein sportliches Desaster geworden. Wir haben unsere Experten aus dem Netzwerk um eine Einschätzung gebeten, um aus sportpsychologischer Perspektive die Niederlage zu bewerten und grundlegende Erkenntnisse für Spielsportler und deren Trainer abzuleiten.
Interview mit: Kathrin Seufert, Christian Schwarz, Dr. René Paasch, Johannes Wunder, Janosch Daul und Jürgen Walter
Journalistisch lässt sich die 0:6-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Spanien als Systemversagen beschreiben. Was sind ganz grundlegend und unabhängig von dem konkreten Länderspiele Faktoren, die aus sportpsychologischer Perspektive zu einer kollektiven Fehlleistung bei Teams führen?
Das Selbstvertrauen und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten hat bekanntlich einen Einfluss darauf, wie gut ich performen kann. Dies kann sich im Gruppenrahmen schnell auch übertragen und man sich schnell in einer sogenannten „Abwärtsspirale“ befinden.
Wenn die eigenen Aktionen nicht gelingen, dann auch noch das Zuspiel zum Mitspieler unglücklich verläuft und dieser nun auch den Ball nicht festmachen kann, beginnen die negativen Gedanken bei vielen Sportlern. Der Glaube an sich und die Mannschaft wird so immer geringer. Mangelnde Kommunikation und fehlende Körpersprache zahlen zusätzlich auf die Spirale ein. Die Wirkung dessen ist gerade für die gegnerische Mannschaft enorm: Die greifbare Resignation des Gegners treibt diese weiter an und wirkt als Ansporn.
Es gibt im Mannschaftssport aus meiner Sicht in erster Linie ein “kollektives Versagen”, denn die fehlende Kommunikation führt dazu, dass nicht nur ein oder zwei Spieler unsicher sind, sondern das ganze Kollektiv. Der Zweifel an den eigenen Fähig- und Fertigkeiten und die daraus folgende Angst vor Fehlern führt zu zurückhaltendem Verhalten. Zurückhaltung heißt “ich bin leise und vorsichtig”. Dies merken sowohl die Mitspieler als auch die gegnerische Mannschaft. Damit beginnt auf der einen Seite das kollektive Schweigen und auf der anderen Seite kommuniziert die Mannschaft auf “einer Wellenlänge”, jeder fordert den Ball, jeder wird gehört und jeder ist in diesem Moment der Beste am Platz.
Dass hier alle Fussballspielen können – sowohl die Gewinner als auch die Verlierer – steht außer Frage, doch in diesen Situationen geht es nicht mehr um die altbekannten Kernkompetenzen wie Technik und Taktik im Fussball, sondern hier spielt “Mut” gegen “Angst”. Wenn man die physischen Auswirkungen von Unsicherheit und Angst noch berücksichtigt, dann ist man automatisch immer einen Schritt zu spät.
Mannschaften scheitern selten am Mangel an fußballerischen Fähigkeiten. Viel häufiger sind die Ursachen im psychologischen und pädagogischen Bereich zu suchen. Unerklärlicher Leistungsabfall, fehlende Teammeetings, nicht mehr zu kontrollierenden Konflikten im Team, Formkrisen oder Motivationsverluste. In diesem Zusammenhang sollte auf und neben dem Platz jetzt besonders die Kommunikation zwischen den Spielern gefördert werden (stimmlich, sprachlich, nonverbal durch Gesten, Blickkontakt und Körpersprache). Dabei kommt es nicht nur darauf an, was gesagt wird, sondern auch, wie es gesagt wird. Denn lobt der Trainer und Spieler, lässt Zweifel abschwächen und kann euphorisieren und bestärken.
Und nicht nur das! Die gemeinsame Herausforderung, deren Überwindung nur durch eine gemeinsame Anstrengung, durch gegenseitiges Unterstützen und Helfen gelingen kann, mobilisiert Kräfte, d.h. die äußere Belastung verursacht gruppendynamische Veränderungen, die sowohl den Aufgaben- als auch den sozialen Zusammenhalt verbessern. Spieler und Trainer schreiben den Erfolg oder Misserfolg häufig der Art und Weise zu, wie gut das Team zusammenarbeitet. Wenn man den Zusammenhang zwischen Leistung und Teamzusammenhalt kurzzeitig fördern will, sollten Sie auf den zwischenmenschlichen Bereich verstärkt achten. Daraus erwachsen persönliche Beziehungen wie Sympathie und soziale Verbundenheit. Ganz besonders ist dabei die Bedeutung des sozialen Zusammenhalts in herausfordernden Zeiten zu erwähnen. Die Praxis zeigt, dass Mannschaften, die sich gegenseitig unterstützen, anfeuern und ermuntern, erheblichen Einfluss auf die Anstrengungsbereitschaft der Spieler ausüben können. Der wesentliche Einfluss bei einer “Neuerfindung” des Teamgeistes in einer sportlich krisenhaften Situation kommt dem Trainerverhalten und den führenden Mannschaftsmitgliedern zu. Gerade dann brauchen jüngere oder ängstliche Spieler die Unterstützung starker, erfahrener Persönlichkeiten.
Im Nations League-Match war die mangelnde Körpersprache der Spieler, aber auch des Trainerteams, auffällig. In der Berichterstattung der ARD wurde dies offen kritisiert. Aber ist es nicht zu einfach, hängende Schultern, gesenkte Blicke und fehlende Körperspannung im direkten Zusammenhang mit dem sportlichen Ergebnis zu sehen? In welcher Form besteht dieser Zusammenhang?
Natürlich sollten einzelne Auffälligkeiten nicht überbewertet werden. Allerdings haben Körper und Psyche gegenseitig Einfluss aufeinander. Durch einen regelmäßigen und automatischen Abgleich beider Zustände sollen große Unterschiede beziehungsweise kognitive Dissonanzen vermieden werden. Körpersprache kann also positiven wie negativen Einfluss auf die Psyche und damit die Leistung haben. Nicht zu unterschätzen ist die Gruppendynamik, welche sich bei Teams vor allem durch die bekannten Spiegelneuronen ausdrücken kann. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einzelnes, negatives Spielerverhalten von den Teammitgliedern aufgenommen oder sogar kopiert wird.
Erwiesenermaßen stehen Körper und Psyche in enger Wechselwirkung zueinander, da unser Gemütszustand unsere Körpersprache beeinflusst und umgekehrt. Diese sendet permanent unbewusst Signale an unser Gehirn, die insbesondere im Emotionszentrum weiterverarbeitet werden. Anhand des Spiegelexperiments wird dies eindrücklich deutlich:
Stelle ich mich in einem traurigen Zustand vor den Spiegel und lächle bewusst, so nehme ich augenblicklich zumindest eine kurzfristige Änderung meiner Stimmung wahr.
Im Fußball ist die Körpersprache in dreierlei Hinsicht ein entscheidender Leistungsfaktor: Durch eine gezielte Beeinflussung seiner Körpersprache kann ein Spieler einerseits aktiv Einfluss auf seine eigene mentale Verfassung, andererseits auf die seiner Mitspieler nehmen. Drittens hat die Körpersprache immer auch eine Wirkung auf den Gegner zur Folge.
Durch eine aktive Einflussnahme auf seine Körpersprache, also Körperhaltung, Gestik und Mimik, kann ein Spieler seine emotionalen Zustände beeinflussen, wodurch er in der Lage ist, Selbstvertrauen, Motivation und Zuversicht herbeizuführen. Da der Mensch ein mitfühlendes Wesen ist, kann die Körpersprache des Spielers auch auf das Fühlen, Denken und Handeln seiner Mitspieler Einfluss nehmen und dementsprechend eine leistungsbeeinflussende Komponente darstellen. Wenn ein Fußballer beispielsweise den Kopf hängen lässt, verzweifelt gestikuliert und sichtbare Zeichen der Frustration erkennen lässt, so kann dies den Mitspieler zusätzlich runterziehen, zugleich aber den Gegner enorm aufbauen und stärken, da dieser spürt, dass das gegnerische Team zunehmend die Kontrolle über sich selbst und letztlich auch über das Spiel verliert.
Da ein Trainerteam als wichtiger Bestandteil des Teams ein Vorbild, Orientierungsanker und Fixpunkt für die eigenen Spieler darstellen sollte, steht es in höchstem Maße in der Verantwortung, selbst eine Körpersprache an den Tag zu legen, welche die Spieler gerade auch in schwierigen Situationen als unterstützend wahrnehmen. Insgesamt ist die an den Tag gelegte Körpersprache als ein Puzzleteil – in der hochkomplexen Mannschaftssportart Fußball zu betrachten, die aus zahlreichen Leistungsfaktoren, z.B. technischen, taktischen und konditionellen, besteht.
Die dominante und unterwürfige Körpersprache im Fußball, kann die Wahrnehmung des Gegenübers beeinflussen. Dies konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden. So testeten Furley, Dicks & Memmert (2012) die Wirkung von dominant und unterwürfig wirkenden Spielern. Typische dominante Posen waren zum Beispiel eine herausgestreckte Brust, ein breiter Stand und ein angehobener Kopf. Unterwürfige Gesten dagegen waren gekennzeichnet durch einen gesenkten Kopf und hängende Schultern. Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen: Neben einer guten Selbstwirksamkeit ist das Wissen über die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schlüssel zum Erfolg. Mehr dazu in den Text-Verweisen unter dem Text.
Was können Spieler auf dem Platz, Akteure auf der Ersatzbank oder aber das Trainerteam tun, um während eines Spiels bzw. in der Halbzeit proaktiv eine Wende einzuleiten?
Bestenfalls sind die Spieler sportpsychologisch so gut aufgestellt, dass sie selbst erkennen, wenn negative Gedanken ihre Leistung beeinflussen. Hierbei geht es dann darum, diese durch positive zu ersetzen und einen Reset-Knopf zu drücken. Dies kann über visuelles Training geschehen, in welchem ein klares Stopp trainiert wird. Dies müsste aber schon im Repertoire des Spielers verankert sein und kann nicht mal eben so während des Spiels erlernt werden.
Ich denke, dass es einen Führungsspieler braucht, der immer “laut” ist. Egal wie der Spielverlauf und das Ergebnis ist. Ein Führungsspieler, der während des Spieles an die Basics im Fußball erinnert, der es möglicherweise schaffen kann, den einen oder anderen Spieler an dessen Fähigkeiten zu erinnern, den Glauben an sich selbst und den Glauben an die Mannschaft zurück zu holen. Auch dieses Verhalten kann ansteckend wirken und sich auf die gesamte Mannschaft übertragen. Möglicherweise ist das in der Nationalmannschaft schwieriger als in einem Verein.
Die Rolle dieses Führungsspielers muss klar vergeben und kommuniziert sein. Es muss der Mannschaft bereits vor dem Spiel bewusst sein was auf sie zukommt, wenn es nicht läuft! Diesen Plan B muss das Trainerteam im Vorfeld erarbeiten und an die Spieler kommunizieren. Ich persönlich glaube nicht, dass in solchen Spielen das Trainerteam während des Spiels eine Wende einleiten kann. Das kann – wenn überhaupt – nur am Platz selbst passieren.
Viele Fußballspiele aus der Vergangenheit lehren uns, dass selbst scheinbar aussichtslose Rückstände noch keinen Grund darstellen müssen, um die Flinte ins Korn zu werfen. Man denke beispielsweise an das verrückte 4:4 im WM-Qualifikationsspiel 2012 zwischen Deutschland und Schweden, die ein 0:4 egalisierten oder an das Finale der Champions-League 2005, als Liverpool einen 0:3-Rückstand in ein 3:3 verwandelte und sich durch das gewonnene Elfmeterschießen letztlich die europäische Krone aufsetzen durfte. Auch Schalke- und Dortmund-Fans erinnern sich sicher an etwas…
Solche Spiele eint folgendes: Es ist dem scheinbar hoffnungslosen Team jeweils gelungen, durch kleine Erfolgserlebnisse Sicherheit und Selbstvertrauen zurückzugewinnen und letztlich das Momentum des Spiels zurückzuerobern. Doch damit dies gelingen kann, braucht es eine zielgerichtete Aktivität seitens des Trainerteams, der Spieler auf dem Feld und jener auf der Ersatzbank.
Für das Trainerteam stellt die Halbzeitansprache eine der wenigen Möglichkeiten im Rahmen eines Spiels dar, um die Mannschaft ganzheitlich zu erreichen. Zunächst einmal muss insbesondere der Cheftrainer in einer solch komplexen Spielsituation, die intensive emotionale Zustände hervorrufen kann, seine “eigene innere Landschaft” klären, um in seiner Rolle als Führungskraft (wieder) handlungsfähig zu sein. Es empfiehlt sich, kurzzeitig (emotionalen) Abstand zum Spielgeschehen zu gewinnen, sich zu sammeln und erst dann vor die Mannschaft zu treten. Die Ansprache bietet zum einen die Chance, spieltaktische Modifikationen vorzunehmen und den Matchplan entsprechend anzupassen. Mithilfe der Vermittlung solcher handlungsbezogener Sachinformationen, die auf das Nötigste beschränkt werden sollten, sollte jeder Spieler sowie das Team als Ganzes die Überzeugung gewinnen können, durch die Umsetzung des Plans eine Wende herbeiführen zu können. Zum anderen besteht eine zentrale Aufgabe des Trainerteams in der Halbzeitpause darin, die Spieler dabei zu unterstützen, den Glauben an die eigene Chance zurückzugewinnen. Dies kann beispielsweise gelingen, indem das Team an die noch zu spielende Zeit und/oder an in der Vergangenheit erfolgreich gedrehte Matches erinnert wird sowie die individuellen Fähigkeiten und kollektiven Stärken der Mannschaft ins Bewusstsein der Spieler gerufen werden. Für das Trainerteam gilt es, die Überzeugung und den Glauben an die Mannschaft sowohl während während der Halbzeitpause als auch in der zweiten Halbzeit selbst auszustrahlen.
Den Spielern selbst obliegt es nun, den Plan bestmöglich umzusetzen und sich dabei gegenseitig in hohem Maße zu unterstützen – insbesondere durch eine aktive und positive Körpersprache und durch eine adäquate Kommunikation in emotionaler und taktischer Hinsicht. So steigt die Wahrscheinlichkeit zumindest erheblich, über kleine Erfolgserlebnisse das bereits oben beschriebene Momentum zurückzugewinnen und das Spiel doch noch in gewünschte Bahnen zu lenken.
Auch die Akteure auf der Ersatzbank können eine unterstützende Funktion einnehmen und somit einen entscheidenden Beitrag zur Leistungsfähigkeit des Teams liefern. Durch den engen Zusammenhang zwischen Körper und Psyche kann eine positive Körpersprache, die gerade in Spielunterbrechungen von den Feldspielern zumindest punktuell wahrgenommen werden kann, unterstützend wirken. Gerade in Coronazeiten, in denen einer funktionalen Kommunikation aufgrund der fehlenden Zuschauer eine wohl noch größere Bedeutung zugesprochen werden kann, kann das Pushen, Anfeuern und Loben, das Wiederaufbauen nach misslungenen Aktionen sowie das Einschwören und “Heißmachen” jener Spieler, die eingewechselt werden sollen, zusätzlich leistungssteigernd wirken.
Jeder Trainer und Spieler kennt das Gefühl, wenn die Mannschaft in der ersten Hälfte den Matchplan nicht umsetzt und alles nicht so richtig klappen will. Nach dem Seitenwechsel ändert sich nichts an dieser Situation. Gerade in schwierigen Spielphasen kommt es darauf an, dass der Trainer und die Spieler erkennen und verstehen, was sie zu tun haben. Diese Inhalte müssen also bereits im Training klar kommuniziert und für alle Beteiligten verständlich vermittelt werden. Nur auf diese Weise kann mit der Zeit ein Lernprozess stattfinden, der im Idealfall zu einer besseren und erfolgreicheren Mannschaftsleistung führt.
Um Verhaltensänderungen noch besser zu verdeutlichen, kann die Mannschaft mit dem Trainer bestimmte Vokabeln einführen, die sie zuvor im Training einstudiert haben. So kann zum Beispiel ein bestimmter Name ein Synonym für eine besonders offensive Formation oder ein innerer Wecker sein. Die Spieler wissen sofort, was gemeint ist und verändern das Spiel und Ihre Einstellung dementsprechend. Das kann bei der gegnerischen Mannschaft zu einer Verwirrung führen und das eigene Team ins Spiel zurückholen. Des Weiteren können Sie die Selbststeuerung Ihrer Spieler fördern, indem Sie anerkannte Methoden einsetzen (Mentales Training, Training handlungsförderlicher Selbstgespräche, Prognosetraining). Diese können Spielern dabei helfen, ihre Möglichkeiten zur Selbststeuerung zu optimieren, um in besonderen Situationen leistungsfähig zu bleiben.
Gibt es in der Sportpsychologie einen Nothilfeplan für ein solches sportliches Systemversagen, der während des Spiels funktionieren oder zumindest in der Auswertung einer solchen Partie greifen kann? Wenn nicht, wie könnte dieser aussehen?
In der Regel sind Profi-Spieler so gut ausgebildet, dass das Versagen primär nicht auf fehlende individualtechnische Elemente zurückzuführen ist. Negative Gedankenspiralen führen jedoch dazu, dass das vorhandene Können nicht abgerufen werden kann. Es ist also wichtig, einen Szenenwechsel der Gedanken herbeizuführen. Dies kann durch eine außergewöhnliche Ansprache unter Einbezug aller Sinnesebenen direkt vom Trainer aus passieren. Es sind aber auch Einzeltechniken bei Sportlern denkbar, die im Vorfeld gemeinsam mit einem Experten trainiert werden müssen. Das Erlernen solcher Hilfen empfiehlt sich ohnehin für jeden Sportler, da einzelne Ausfälle wahrscheinlicher sind, als ein Systemversagen – helfen kann in jedem Fall aber beides.
Anders als bei Taktik- oder Technikfragen gibt es hinsichtlich der psychologischen Einflüsse kaum Patentrezepte, die immer und überall funktionieren. Aber es gibt zentrale Ansatzpunkte, auf die ein Sportpsychologe schaut, wenn er als neuer Bestandteil in einem Trainerteam oder im Verein installiert wird, um den Teamzusammenhalt zu verbessern.
Unsere “Denkweise” wird durch so viele Erinnerungen und Erfahrungen geprägt, dass diese unser Verhalten im Ergebnis begrenzen und fördern können. Mit dem richtigen Mindset jedoch gelingt es, sich über alte Denk- und Verhaltensweisen hinwegzusetzen. So etwas lässt sich trainieren – fragen Sie einfach bei dem oder der nächstgelegenen Expertin aus unserem Netzwerk nach (zur Übersicht), darüber hinaus werde ich in den nächsten Tagen auf unserer Seite eine passende Übung mal zur Verfügung stellen.
Mit der 3xA-Formel: Analysieren, Akzeptieren, Abhaken in die Zukunft blicken. Ganz im Ernst: Es werden sich für die Nationalmannschaft im kommenden Jahr weitere Gelegenheiten ergeben, spielerische und vor allem mentale Stärke zu beweisen. Jeder einzelne Spieler sollte mit dem Training dieser Fertigkeiten baldmöglich beginnen! Bei der Fußball-Nationalmannschaft gibt es mit Prof. Hans-Dieter Hermann einen sehr erfahrenen Sportpsychologen, dessen Möglichkeiten und Methoden offensichtlich zu wenig abgefragt und angenommen werden.