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Dr. René Paasch: Trainerentlassungen im Fußball

17 Trainer in elf Jahren beim Hamburger SV. Der HSV hat vor dem elften Zweitliga-Spieltag mal wieder seinen Trainer gefeuert. Christian Titz muss gehen und wird durch Hannes Wolf ersetzt. Dabei galt Titz in Hamburg ein großer Sympathieträger und war mit seinem Team nur zwei Punkte hinter dem Zweitliga-Tabellenführer 1.FC Köln platziert. Sind Trainerentlassungen während der laufenden Saison sinnvoll? Dieser Frage möchte ich in meinem folgenden Blogbeitrag nachgehen!

Zum Thema: Trainerentlassungen in der laufenden Saison

Wenn ein Verein seinen Trainer entlässt, dann hoffen die Verantwortlichen auf einen sogenannten „psychologischen Effekt“ und die damit verbundenen Erfolge. Von besser kehrenden neuen Besen, von gelösten Blockaden und frischem Wind ist dann oft die Rede. Grundlegend gilt, dass ein Trainerwechsel einen Neubeginn darstellt. Mancher Stammspieler bekommt dadurch einen Kick und mancher Ersatzspieler Hoffnung auf die Startelf. Jeder Spieler im Kader will bei den ersten Einheiten mit dem neuen Trainer beweisen, dass er in die Mannschaft gehört. Dies ist soweit nachvollziehbar. Doch gibt es wirklich einen Zusammenhang zwischen Trainerwechsel und Optimierung der Leistung der Mannschaft?

Die Sportpsychologen Strauss und Tippenhauer (2003) haben in 35 Spielzeiten zwischen 1963 und 1998 mehr als 10.000 Bundesliga-Spieleergebnisse unter anderem im Hinblick auf den Effekt von Trainerwechseln analysiert. Die Ergebnisse: Der Rauswurf ist die falsche Strategie. Die neuen Trainer hätten ebenfalls keine Besserung bewerkstelligt, wenn die ehemaligen Trainer nur auf Grund der Ergebnisse gehen mussten. Häufig hätten neue Trainer zwar einen kurzfristigen Aufwind erzielt, seien dann aber umso unsanfter mit ihrer Mannschaft wieder gefallen. Aus meiner Sicht muss sich der Verein folgende Frage stellen: Wem nützen diese Trainerentlassungen?

Funktion von Trainerentlassungen

Ein Trainerwechsel kann unterschiedliche Funktionen haben: Er kann bewirken, dass etwas aufgebaut werden soll, was in der Vergangenheit verloren gegangen ist. Beispielsweise das Vertrauen in den Trainer oder die Art des Führungsstils gegenüber der Mannschaft. Ein Trainerwechsel ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Spieler und der Vorstand dieses Vertrauen und diese Zuversicht tatsächlich verloren haben sollten. Manchmal wird so eine Entscheidung zu früh oder unüberlegt getroffen. Es wird etwas Neues erwartet – in der Hoffnung, Veränderung herbeizuführen. Dies kann natürlich kurzfristig helfen, doch auf Dauer ist es nur selten hilfreich.

Die Schwierigkeiten spielen sich überwiegend in den Köpfen der Spieler und Funktionäre ab. Ich habe vor allem dann Misserfolg, wenn ich Angst vor möglichen Niederlagen oder dem Verfehlen von Saisonzielen, wie dem direkten Wiederaufstieg, habe. Eine ähnliche Situation wie die derzeitige beim HSV. Dies ist ein häufiger Grund für Trainerentlassungen im Fußball, welcher aus meiner Sicht aber die Ausnahme sein sollte. Statt einen Rauswurf würde ich vorzugsweise vorhandene und neue Möglichkeiten kombinieren und weiterentwickeln. Vereine sollten weitere Optionen nutzen, wie beispielsweise langfristige Analysen oder die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen. Es gibt nicht den Erfolgstrainer, es gibt nur den einzig passenden Trainer für eine bestimmte Mannschaft. Um diesen Trainer jedoch zu finden, braucht es Zeit.

Fehlerhaftes Denkmuster

Direkt zum Profil von Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Ich führe die alljährlich wiederkehrende Entlassungswelle in der Fußball-Bundesliga auf den hohen öffentlichen Druck und auf die Erwartungshaltung der Funktionäre zurück. Man geht davon aus, neu starten zu können und vergisst dabei, dass die Spieler weiterhin dieselben bleiben. Oft ist eine Entscheidung für einen Trainerwechsel damit vielmehr von Emotionen und Medien gelenkt als rational begründbar. Doch unter welchen Umständen macht es nun aber doch Sinn, einen Trainerwechsel zu vollziehen?

Ein Ansatz wäre, wenn es Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft gibt, die sich nicht lösen lassen. Es kann durchaus passieren, dass es im Team zu einem Gefühl von Benachteiligung kommt, weil der Trainer vermeintlich einen oder mehrere Spieler bevorzugt. Hier kann ein Wechsel sogar zwingend erforderlich sein. Auch ein erfolgreicher Trainer kann entlassen werden, wenn man feststellen muss, dass sich Trainer und Mannschaft nicht mehr weiterentwickeln können. Ein Trainer braucht eine klare Philosophie und Empathiefähigkeit, aber er muss sich und das Spiel seines Teams auch immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen. Wenn es dem Trainer aber gelingt, die eigene Kompetenzerwartung der Spieler zu erhöhen und dies mit einer kleinen Erfolgsserie zusammenfällt, dann kann es wiederum mit dem Aufschwung klappen. Schlussendlich müssen die Verantwortungsträger von der Leistungsfähigkeit des Trainers, des Trainerteams und der Mannschaft überzeugt sein. In diesem Zusammenhang ist die Kontinuität ein entscheidender Erfolgsfaktor – unabhängig von der aktuellen Tabellensituation. Ich wünsche Herrn Titz eine erholsame Zeit und für die Zukunft alles erdenklich Gute.  

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2015/01/07/thorsten-loch-trainerwechsel-zurueck-zum-erfolg/

https://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/18/elvina-abdullaeva-trainer-unter-druck/

https://www.die-sportpsychologen.de/2015/11/26/dr-rene-paasch-das-ende-als-anfang/

Literatur

Schmidt, S. (2011). In the Line of Fire: Verweildauer von Bundesligatrainern und CEOs in Deutschland. Eine vergleichende Analyse. EBS Buisness School: Research Paper Series, 11 – 02.

Tippenhauer, A./Strauss, B. (2003). Trainerentlassungen in der Fußballbundesliga, S. 334. In: Bernd Strauss et al. (Hrsg.): Sport goes media Czwalina Verlag: Hamburg

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Cristina Baldasarre: Warum ein Team mit homosexuellen Athleten besser funktionieren kann

Lara Dickenmann wurde von Ihrer Familie und vom fussballerischen Umfeld ihres Clubs, dem Champions League-Vorjahresfinalisten VfL Wolfsburg, unterstützt. Gleichwohl tat sie sich vor allem am Anfang noch immer sehr schwer mit dem Thema Coming-Out. Warum ist das so in unserer westlichen Gesellschaft und woher kommt das?

Ich möchte die Gelegenheit packen und in der Geschichte kurz Zurückblenden, um ein paar spannenden Details zum Thema Homosexualität nachzugehen.

Zum Thema: Homosexualität im Leistungssport

Gleichgeschlechtliche Orientierungen, vor allem für die Männer unserer Gesellschaft und im speziellen im Spitzensport, scheinen noch immer (oder immer wieder) für viele ein Problem darzustellen. Werte wie Männlichkeit, Stärke oder Kampfgeist sind leider noch heute auf absurde Weise negativ damit verknüpft.

Erklärungsmodelle gibt es reichlich, durchgesetzt hat sich in der Wissenschaft aber unter anderem eine Deutung, die aus gesicherten Beobachtungen aus der höheren Tierwelt hervorgeht. Dort ist homosexuelles Verhalten bei einem Teil der Tierpopulation sehr weit verbreitet. Dem wird eine evolutionäre Funktion zugeschrieben und für die soziale Integration in diesen Gesellschaften ist das von extrem hoher Bedeutung. Homosexuelles Verhalten von Teilen einer Population hochentwickelter Lebewesen ist demnach ein durch die natürliche Evolution entstandenes, in der Natur weit verbreitetes Phänomen, welches für das soziale Gefüge eine sinnvolle Funktion erfüllt und sozial integrierend wirkt (Wikipedia, 20.9.2018).

Ein erstrebenswertes Ziel!

Zum Profil von Cristina Baldasarre: https://www.die-sportpsychologen.de/cristina-baldasarre/

Auf den Sport übertragen würde ich als Trainer dann unbedingt (!) homosexuelle Athleten in meiner Mannschaft haben wollen, denn das Team funktioniert dann aus sich heraus und auf natürliche Art schon mal besser – sag mir mal einer, dies sei kein erstrebenswertes Ziel!

Der Begriff der Homosexualität setzte sich so ab ca. 1914 (Hirschfeld) durch und die danach verstärkte Pathologisierung stand auch im Zusammenhang mit Sigmund Freud und seinen Beobachtungen in der Psychoanalyse. Obwohl er sich gegen eine Stigmatisierung wehrte, wurde die Ambivalenz hinsichtlich des Themas weiter geschürt. Somit ist dieses duale Denken «richtig vs. falsch» ganz klar von Menschen gemacht.

Verständnisprobleme

Auch das eigentliche Wort mit der Endung -sexuell ist unglücklich gewählt und wird bis heute noch immer vielfach falsch verstanden, nämlich im Sinne einer sexuellen Handlung. Dabei bedeutet es etwas anderes, nämlich lediglich die Orientierung hin zum gleichen Geschlecht (Hirschfeld). Und so hat diese Mehrdeutigkeit des Begriffes leider bis heute in den Köpfen der Menschen bestand. Ernst Bornemann wies auf öffentliche Umfragen in Deutschland hin, nach denen die Mehrzahl der Deutschen den Begriff so versteht, dass Homosexualität weniger eine Orientierung als vielmehr den „Geschlechtsverkehr unter Männern“ bezeichnet.

So gesehen kann ich sogar einige unbewusste, sozial verankerte Ängste männlicher Mannschaftskollegen nachvollziehen. Dem Mythos sollte aber dezidiert ein Ende gesetzt werden. Hierbei helfen solche Geschichten wie diejenige von Lara Dickenmann: Danke Lara, dass du dich dazu bereit erklärt hast sowie für deine Ehrlichkeit und deinen Mut!

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/10/24/lara-dickenmann-es-wuerde-viel-bringen-wuerden-sich-einige-fussballer-als-homosexuell-outen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/09/05/dr-rene-paasch-coming-out-im-fussball/

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Weitere Informationen

Quellen:

SRF-Beitrag: https://www.srf.ch/sport/fussball/frauen-nationalteam/will-anderen-mut-machen-die-andere-seite-der-lara-dickenmann

Eingesehen am 20.9.2018: https://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t

Eingesehen am 22.9.2018: https://de.wikipedia.org/wiki/Magnus_Hirschfeld

Weitere Links rund um das Thema:

http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/homosexualitaet-im-frauenfussball-unaufgeregte-kuesse-vor-der-tribuene-12744735.html

http://www.spiegel.de/sport/sonst/homosexualitaet-im-sport-100-gesichter-gegen-das-schweigen-a-694510.html

https://www.pnn.de/sport/frauenfussball-macht-nicht-lesbisch/21601550.html

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Lara Dickenmann: Es würde viel bringen, würden sich einige Fußballer als homosexuell outen

Zum Profil von Cristina Baldasarre: https://www.die-sportpsychologen.de/cristina-baldasarre/

Im deutschsprachigen Raum machen in letzter Zeit Geschichten rund um die Outings von bekannten LeistungssportlerInnen viel Wirbel. Die allgemeine, sozial konforme Meinung hinsichtlich sexueller Orientierung geht zwar klar in die Richtung der Akzeptanz und Freiheit im Tun und Handeln. Blicken wir aber etwas tiefer und hören etwas genauer hin, dann zeigt sich noch immer ein für mich erschreckendes und inakzeptables Bild. Dieses ist geprägt von soziokulturellen, lang verankerten Glaubensmythen, welche ich «….man müsste doch….» oder «….das darf man nicht…» – Sätze nenne. Geschichtlich verankert, aber sehr überholt, würde ich sagen.

Zum Thema: Homosexualität im Leistungssport

Ich berichte in meinem Beitrag über die talentierte Mittelfeldspielerin Lara Dickenmann, die im Fussball bereits viele Erfolge erzielt hat. Zwischen 2009 und 2015 mit Olympique Lyon, wo sie in 116 Spielen 56 Tore schoss, 6-mal die Französischen Meisterschaften sowie 2-mal die Champions League gewann. 2015 wechselte sie dann zum VFL Wolfsburg, mit dem sie bisher 2-mal die Deutsche Meisterschaft und 3-mal den DFB Pokal gewinnen konnte. Seit 2002 spielt Dickenmann als erfolgreichste Spielerin für die Schweizer Nationalmannschaft. Sie hat in ihrem SRF Fernsehbeitrag vom 9. September 2018 bei Sportschau plus ihr Outing gemacht und mit viel Mut und sehr eindrücklich über ihr Privatleben gesprochen. Den Fokus lege ich in dem Interview, welches wir vor ihrer Verletzung geführt haben, auf die Zeit vor dem Outing. Dieser ist mit emotionalen Achterbahnen gespickt und soll an ihrem Beispiel darlegen, wie es Dickenmann ergangen ist, was ihr geholfen hat und was sie mit ihrer Geschichte erreichen möchte.

Lara Dickenmann, wie ging es dir, als du vor Jahren die ersten Gedanken dazu hattest, dass du mehr auf Frauen stehst?

«Ich habe das ungefähr mit 13 Jahren so richtig gemerkt und meine erste Reaktion war eigentlich, dass es sich sehr natürlich angefühlt hat, also gut. Ich wusste aber auch, wie mein Umfeld, also die Familie, die Schule und die Freunde so ungefähr über dieses Thema dachten. Also hatte ich auch Angst, als anders abgestempelt zu werden oder etwas Falsches zu machen.»

Wem hast du dich als erstes anvertraut?

«Eigentlich niemandem. Als ich dann mit 14 Jahren in den Frauenfussball wechselte, merkte ich schnell, dass es nicht nur mir so ging, und so fand ich in einigen Mitspielerinnen einen Halt. Viele von ihnen waren aber auch in der gleichen Situation wie ich, das heisst, es war schwierig für uns, die Situation so zu akzeptieren. Entweder wegen unseren Umfeldern oder zum Teil auch aus persönlichen Gründen. Also war es mehr so, dass wir alle unseren „Kampf“ mit diesem Thema hatten und uns das irgendwie verbunden hat. Leider war am Anfang nicht wirklich jemand da, der mir gesagt hätte, wie ich wirklich damit umgehen soll oder kann, oder einfach, dass es ok ist, so zu sein, wie ich bin.»

Lara Dickenmann (VfL Wolfsburg) Foto: regios24/Darius Simka

Die Jahre im Wissen und «es Zurückhalten»: Wie hast du das geschafft? Was war schwierig und was hat geholfen?

«Naja, ich denke, in dem Alter haben die meisten Jugendlichen mit irgendwas zu kämpfen. Ich hatte im Fussball ja Orte und Menschen, wo ich eher so sein konnte, wie ich wollte. Das hat mir sehr geholfen und an diesen Leuten habe ich mich auch festgehalten. Schwierig war es in der Schule oder zu Hause, wo ich das Gefühl hatte, ich müsse „normal“ sein und einen Freund haben. Das habe ich dann ab und zu auch gemacht, einfach um ein bisschen dazuzugehören.»

Was hat dich dazu bewogen, dich jetzt zu Outen und nicht (wie es so viele tun) das erst nach dem Karriereende zu machen?

«Der kleine Film über mich war kein Outing. Ich denke, die meisten Leute wussten, dass ich auf Frauen stehe. Ich wollte das seit einiger Zeit thematisieren, um anderen Mut zu machen. Ich hatte früher kein Vorbild und keine Figur, die öffentlich zu seiner/ihrer Homosexualität stand und sagte, es ist ok so wie ich bin. So war es schwierig für mich, überhaupt etwas zu diesem Thema zu finden und das wollte ich ändern. So jemanden zu kennen oder zu wissen, dass es ihn gibt, hätte mir damals enorm geholfen.»

Welche Rolle hat dabei deine Familie gespielt?

«Ich habe seit ich 13 Jahre alt bin meinen eigenen Prozess durchgemacht, der geht natürlich immer weiter, und einen grossen Teil habe ich mit meiner Familie durchlebt. Ich lebe aber auch seit 14 Jahren nicht mehr zu Hause und habe hier in Wolfsburg ein sehr tolerantes Umfeld und einen Verein, der Vielfalt unterstützt. Mit Pernille Harder und Nilla Fischer habe ich zwei Teamkolleginnen, die geoutet sind. Da dachte ich mir irgendwann mal, das möchte ich auch. Ich habe diesen Schritt dann mit meiner Familie, und vor allem mit meiner Mama besprochen. Schliesslich musste ich das aber für mich selbst machen und entscheiden, jedoch haben sie mich dabei immer unterstützt.»

Was waren deine Ängste vor dem Outing?

«Dass meine Familie mich nicht so akzeptieren kann, und früher hatte ich auch Angst davor, was meine Freunde in der Schule zum Beispiel denken könnten.»

Glaubst du, dass es heutzutage noch ein Problem ist, sich zu Outen?

«Es kommt immer auf die Kultur an, denke ich. Es gibt ja schon viele Orte, wo man sich auch gar nicht mehr Outen muss. Dort ist es egal, von welchem Geschlecht, es geht mehr darum, ob du in einer Beziehung bist oder nicht. Ich finde, so sollte es auch sein. Ich würde jetzt sagen, dass es in der westlichen Welt nicht mehr ein Problem ist. Aber es outet sich ja trotzdem kein Fussballer, weil es eben doch noch zu viele Leute oder Orte gibt, die so was nicht akzeptieren können. Und dann gibt es natürlich andere Kulturen, in denen es noch ein komplettes Tabuthema ist und sich viele Leute verstecken müssen.»

Worauf bist du stolz? Würdest du es wieder tun?

«Ich weiss nicht, ob ich jetzt stolz bin, dass ich diesen Film gemacht habe, aber wenn es jemandem in irgendeiner Weise helfen kann, dann bin ich zufrieden. Die Feedbacks waren alle soweit positiv, ich bin aber noch nicht dazu gekommen, alle zu lesen. Ja klar, ich würde es auf jeden Fall wieder machen, obwohl es im Nachhinein Dinge gibt, die ich anders gestalten würde.»

Was gibst du Frauen in der gleichen Situation mit? Und wie könnten Männer mit dem Thema umgehen?

«Ich finde, jede Person muss ihren eigenen Weg gehen, aber indem wir ihn miteinander teilen, sind wir einerseits nicht mehr alleine damit und können andererseits vielleicht etwas voneinander lernen. Ich fände es schön, wenn sich jemand oder einige im Männerfussball outen würden, was natürlich zu Beginn hohe Wellen schlagen würde, aber längerfristig gedacht enorm viel bringen würde.»

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/10/24/cristina-baldasarre-warum-ein-team-mit-homosexuellen-athleten-besser-funktionieren-kann/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/09/05/dr-rene-paasch-coming-out-im-fussball/

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Lara Dickenmann erlitt Mitte Oktober im Champions League Spiel gegen Atletico Madrid einen Kreuzbandriss. Wir wüschen an dieser Stelle gute Besserung! 

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Lisa König: Wenn Sportler ihre Trainer hassen

Es gibt Trainer, die schwören darauf, dass es sehr erfolgversprechend sei, wenn ihre Spieler sie hassen. Dies fördere den Teamzusammenhalt. Was steckt dahinter und ist dieser Führungsstil noch zeitgemäß und zu empfehlen? Die Antwort darauf ist alles andere als einfach. Denn tatsächlich kann es positive Folgen für die Leistung haben, wenn sich Athleten am Trainer als Hassobjekt abarbeiten.

Ist Hass der Schlüssel zum Erfolg?

„Dem wird ich`s zeigen!,“ lautet dann die Maßgabe der Sportler. Aber Vorsicht: In vielen Fällen leiden nicht nur Training und Wettkampf darunter, sondern auch die Mannschaft und das Miteinander. Besonders im Nachwuchsbereich kann sich der Hass gegenüber dem Trainer schnell in den Hass gegenüber dem Sport entwickeln. Junge Athleten haben dann keine Lust mehr auf Training, sind sehr angespannt oder genervt und reden nicht mit ihren Coaches. Dinge also, die sich negativ auf die sportliche Leistung und die Weiterentwicklung auswirken können.

Fördert Hass nun aber den Teamzusammenhalt, wie es manche Coaches annehmen? Eher unwahrscheinlich. Er bringt oft Unzufriedenheit mit sich, die sich im schlechtesten Fall auch auf die Mitspieler übertragen kann. Ungünstig ist das vor allem auch, wenn die anderen Sportler positiv gegenüber dem Trainer eingestellt sind und die Spannung im Alltag ertragen müssen.

Die Theorie hinter dem Hass – wozu kann Frustration führen?

Lisa König
Zum Profil von Lisa König: https://www.die-sportpsychologen.de/lisa-koenig/

Jeder Sportler, jeder Trainer, jeder Mensch ist verschieden, bringt seine Gefühle unterschiedlich zum Ausdruck und reagiert anders auf Situationen. Im Sport geht es häufig sehr emotional zur Sache, nicht nur auf der Strecke oder dem Spielfeld, sondern auch im Training und in der Kabine. Ärger, Aggression und Hass sind negative Emotionen, die durch die subjektive Bewertung von Situationen und Ereignissen entstehen. Wenn ein Sportler wütend auf den Trainer ist, kann sich das in einem Anger-In (Frust in sich hineinfressen), Anger-Out (Frust raus lassen) oder Anger-Control (kontrolliert Frust ablassen) ausdrücken.

Beim Anger-In merkt man dem Sportler seine Frustration nicht an, innerlich ist er jedoch aufgewühlt und seine Gedanken kreisen um das Problem. Infolgedessen ist er abgelenkt und verschwendet Energie und Aufmerksamkeit, die eigentlich für den Wettkampf oder das Training notwendig sind.

Wenn jemand seine Reaktionen nicht unter Kontrolle hat, sprechen wir von Anger-Out. Dann muss schon mal ein Torpfosten oder ein Hockeyschläger dran glauben. In vielen Fällen fühlt man sich der Sportler nach so einem Ausbruch besser. Dieses Verhalten zieht jedoch meist Strafen durch die Schiedsrichter oder den Trainerstab nach sich und trägt nicht unbedingt zur Beliebtheit des Sportlers bei.

Um das Beste aus einer unbefriedigenden Situation herauszuholen, ist es hilfreich, den Fokus und die Energie durch Selbstinstruktionen auf das Wesentliche zu lenken. Dies geschieht beim Anger-Control. Wenn der Sportler der hohen Aktivierung und den aggressiven Impulsen eine Richtung gibt, wird bei manchen Aktiven sogar die Leistung im Training und Wettbewerb noch gesteigert (Individual Zones of Optimal Functioning Model ).

Herb Brooks macht sich dies im Film `Miracle on Ice` zu nutzen, indem er durch gezielte Sticheleien solche negativen Emotionen in einem Spieler weckt.

Test: Anger-In, Anger-Out, oder Anger-Control?

Wonach sieht das hier aus: Anger-In, Anger-Out oder Anger-Control?

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Natürlich kann man mit solchen Aktionen auch das Gegenteil bewirken, denn Provokation funktioniert nicht bei jedem Sportler.

Weiterentwickeln ohne Reibereien?

Es gibt durchaus Athleten, die ihrem Coach blind vertrauen, keine Entscheidung und keinen Trainingsplan kritisieren und immer das tun, was er oder sie sagt. Auch das ist für manche die perfekte Kombination. Aber kann sich ein Team so weiterentwickeln? Sind kleine Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen nicht erforderlich, um als Mannschaft zu wachsen und Herausforderungen zu meistern? In einem Team haben nicht alle die gleiche Meinung und der Trainer kann es nicht allen recht machen, das ist nun einmal so. Es ist gut, wenn die Sportler ihre Kritik und Vorschläge offen anbringen können, um Veränderungen herbeizuführen. Wenn Sportler also zur Verbesserung des Trainingsklimas beitragen dürfen, dann kommt Frustration seltener auf, sie identifizieren sich mit ihrer Mannschaft und behalten eine positive Einstellung zum Trainer und zu ihrem Sport.

Es ist also wichtig, empathisch zu sein und individuell zu kommunizieren, denn jeder reagiert anders auf  Lob und Kritik – nicht nur in der Sportwelt.

Und was heißt das jetzt?

Falls es also doch mal vorkommt, dass ein Athlet nicht gut auf seinen Trainer zu sprechen ist, hilft – natürlich – Kommunikation. Gern können in einer solchen Situationen meine Kollegen von Die Sportpsychologen und ich (zum Profil von Lisa König) helfen.

Grundlegend lassen sich solche Probleme in aller Regel verhindern, wenn generell gut kommuniziert wird. Wenn also eine Auseinandersetzung stattfindet über Trainingsinhalte, Ziele, den Umgang innerhalb der Mannschaft oder über andere wunde Punkte. Bei erfahrenen Sportlern können regelmäßige Besprechungen dazu genutzt werden, konstruktive Kritik oder Verbesserungsvorschläge anzubringen. Im Nachwuchsbereich ist das schwieriger; oftmals trauen sich die jungen Athleten nicht, etwas „schlechtes“ über das Training zu sagen, sind zu schüchtern oder wissen nicht, wie sie sich ausdrücken sollen. In einem meiner nächsten Beiträge werde ich mich dem Thema Feedback-Box widmen, welches ein probates Mittel ist, um die so wichtige Kommunikation in Gang zu bringen.

Literatur:

Hanin, Y. L. (1997). Emotions and athletic performance: Individual zones of optimal functioning model. European yearbook of sport psychology1, 29-72.

Alfermann, D., & Stoll, O. (2016). Sportpsychologie: Ein Lehrbuch in 12 Lektionen (Vol. 4). Meyer & Meyer Verlag, 100-101.

Sportpsychologie zum Anfassen:

Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp (Thema Ausdauersport) – 03./04.11.2018 in Leipzig

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Dr. René Paasch: Narzissmus im Jugendfußball

Menschlichkeit? Fürsorge? Empathie? Solche Eigenschaften darf man von narzisstisch veranlagten Trainern nicht erwarten. Sie brauchen im Grunde nur eins: Bestätigung und Selbstwertsteigerung um jeden Preis. Darunter leiden in erster Linie die Nachwuchsspieler.

Zum Thema: Narzissmus im Jugendfußball

Wenn ein Mensch oder in diesem Fall der Trainer sagen kann: Ich weiß, wer ich bin, was ich kann und was ich nicht so gut kann, dann ist das eine gesunde Form von Narzissmus. Der krankhafte Narzisst hingegen besitzt eine innere Unsicherheit bzw. ein ausgeprägtes Minderwertigkeitsgefühl. Die narzisstische spezifische Persönlichkeitsstörung wird im ICD-10 (F 60.8) klassifiziert. Sie weisen folgende Merkmale auf: Größenwahn in Bezug auf die eigene Bedeutung; Beschäftigung mit Fantasien über unbegrenzten Erfolg, über Macht und das Bedürfnis nach übermäßiger Bewunderung. Die Ausnutzung von zwischenmenschlichen Beziehungen, Vorteilsnahme gegenüber anderen, um eigene Ziele zu erreichen und der Mangel an Empathie, Ablehnung, Gefühlen und Bedürfnisse anderer anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren, sind weitere Auffälligkeiten. Außerdem kennzeichnet sich der Narzissmus durch arrogante und hochmütige Verhaltensweisen (Kernberg & Hartmann 2018). Zusammengefasst sind sie dominant, selbstbezogen und – rücksichtslos.

Zum Profil von Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Mit einem narzisstischen Trainer zusammenzuarbeiten, ist somit eine große Herausforderung. Narzissten verlangen viel von ihren Spielern: Leistung und Bestätigung. Menschlichkeit oder Solidarität sind weniger gewünscht. Solche Trainer trifft man immer häufiger im Jugendfußball. Sie erleben ein grandioses Gefühl der eigenen Bedeutung, verbunden mit Fantasien von grenzenlosem Erfolg und dem Bedürfnis nach Macht und Anerkennung. Die Gefahr: Statt eine konstante Entwicklung der Spieler zu fördern, die auf der Vermittlung von Wissen und prägenden Erlebnissen basiert, stehen kurzzeitige Ergebnisse im Vordergrund. Darunter leiden die Spieler sowie deren Umfeld.

Woher kommt Narzissmus?

Besonders anfällig sind z.B. Kinder und Jugendliche der Mittelschicht mit ehrgeizigen Eltern oder fehlender Mutterliebe. Sie fesseln ihre Sprösslinge in der Erwartung, außergewöhnlich und besonders zu sein. So ist Narzissmus vor allem eine Reflexion elterlicher und sozialer Prägungen. Wurde dem Kind das Gefühl von Liebe, Fürsorge und Akzeptanz vermittelt? Wenn nicht, entsteht eine emotionale Kränkung. Dieses sehr schmerzliche Gefühl kann später ausgeglichen werden oder es wird zumindest versucht – beispielsweise durch Erfolge im Fußball.

Ebenfalls schädlich für das Heranwachsen, ist die genaue Lebensplanung des Kindes in der elterlichen Vorstellung. Dies ist für das Kind oft eine große Belastung, weil es sich nicht verstanden oder angenommen fühlt. So wird es sich immer mehr anstrengen, um den Eltern zu genügen und wächst zu einem tief verunsicherten Menschen, der sein schwaches Selbstbild zu kompensieren sucht heran.

Kein Wir-Gefühl – keine Verbundenheit

Narzisstische Trainer sind sehr schwierig. Solange der Kicker den eigenen Zielen des Narzissten dient, ist er in der Mannschaft willkommen. Wird er unnütz oder wehrt er sich gegen Ungerechtigkeit, wird er fallen gelassen. Wir-Gefühl, wahre Verbundenheit und tiefes Vertrauen – Fehlanzeige. Sie gehen eher auf Distanz, möchten von ihren Schützlingen bewundert werden und sind dabei besitzergreifend. Selbstwertsteigerung ist und bleibt ihr oberstes Ziel. Beziehungen mit Narzissten sind eher unglücklich und unbeständig.

Nur selten suchen Narzissten die Hilfe der Sportpsychologie, sie haben ja kein offensichtliches Problem. Sie nutzen die Beratung, weil Verantwortliche das wünschen. Indessen ist die Unterstützung oft begrenzt.

Weitere Auffälligkeiten von narzisstischen Trainern im Fußballalltag:

  • Er hält endlose Reden vor den Eltern und Nachwuchskickern, nur um im Mittelpunkt zu stehen. Er macht oft Sündenböcke bei Niederlagen ausfindig, die z.B. nicht mitziehen wollen, die ihm nicht nach dem Mund reden oder angeblich die Leistungsfähigkeit der Mannschaft behindern.
  • Er setzt den Maßstab und die Richtung für die Mannschaft. Er glaubt, allein zu wissen, was für das Team gut ist. Interessen der Nachwuchskicker und der Eltern finden keine Berücksichtigung.
  • Der Narzisst hasst Unpünktlichkeit und kritisiert Eltern oder Fahrer, wenn sie zu spät zum Training erscheinen.
  • Er verweist sehr gern auf die Regeln, um die Kicker und Eltern zu disziplinieren. Er selbst genehmigt sich aber gerne scheinbar notwendige Ausnahmen.
  • Der Narzisst setzt aus Neid den Verdienst oder die Leistungen anderer herab.
  • Eltern, die ihn nicht akzeptieren und seine Ideen und Vorschläge nicht annehmen, werden von ihm bekämpft. Kicker, die sich gegen ihn wenden, werden von ihm ausgegrenzt, missachtet, beleidigt, benachteiligt oder mit unseriösen Methoden aus der Mannschaft gedrängt.
  • Der Narzisst reagiert unverhältnismäßig auf jede Form von Kritik und greift zu Strafen oder Diskriminierung, die aber meist im Verborgenen hinter den Kulissen ablaufen. Er will sich nicht öffentlich als Bösewicht zeigen.
  • Folgt man seinen Ideen und Vorstellungen nicht, dann kann er tagelang beleidigt vor sich hin schmollen und Entscheidungen blockieren. 

Fazit:

Der Umgang mit Narzissten ist sehr anspruchsvoll. Eine wichtige Aufgabe der Sportpsychologie und der Eltern kann darin bestehen, Betroffene (vgl. Straub, 2017) vor der zerstörerischen Kraft von Narzissten zu schützen. Hier kann Früherkennung und Kompetenztraining dienlich sein. Seien Sie aufmerksam, denn narzisstische Trainer sind sehr interessiert und können außerordentlich nett sein. Sie werben um ihre Schützlinge, um sie für sich einzunehmen. Allerdings strauchelt der Narzisst dabei, die Beziehung zu pflegen. Teams, die idealerweise auch dazu dienen, Schwächen des anderen zu tragen und zu würdigen, sind dem Narzissten deshalb ein Gräuel. Sie haben zu anderen Menschen oft eine zweckmäßige Beziehung. Sie sehen sie unter dem Gesichtspunkt: „Wie dienen sie mir?“ Oder: „Wie funktionieren sie, damit ich meine Erfolge als Trainer bringen kann?“. Diese Menschen können sehr rücksichtslos sein.

Das faszinierende an diesem Phänomen für mich als Sportpsychologe ist, wie ein mittelmäßiger Mensch sich als etwas Besonderes fühlen kann und wie selbst hochintelligente Menschen in diese Falle tappen können. Dennoch ist Narzissmus leider ein Ausdruck unserer Zeit. Narzissmus findet man allerdings nicht nur bei Trainern, sondern (durch die heutigen digitalen Möglichkeiten, wie Facebook, Twitter & Co) auch in allen gesellschaftlichen Gruppen wieder.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/09/23/dr-hanspeter-gubelmann-das-wars-monsieur-constantin/

https://www.die-sportpsychologen.de/2014/06/21/prof-dr-oliver-stoll-cristiano-ronaldo-gefangen-im-perfektionismus/

Literatur

Straub, G. (2017): Avoid being coach. Spekulationen über elterlichen Narzissmus im Nachwuchsleistungssport. Leistungssport 4/17, S.24-29.

Kernberg, O. F., H. P. Hartmann (2018):  Narzissmus: Grundlagen – Störungsbilder – Therapie Taschenbuch – 2. Januar 2018

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Johanna Constantini: „Together alone“ – wann das digitale Publikum uns nichts mehr nützt!

Sherry Turkle ist eine US-amerikanische Soziologin und Professorin für Science, Technology and Society am Massachusetts Institute of Technology (MIT), die sich seit vielen Jahren mit digitalen Technologien auseinandersetzt. Nachdem die erfolgreiche Buchautorin noch vor rund zehn Jahren über die vielen Vorteile neuer Kommunikationstechnologien geschrieben hat, sieht sie die einstigen „Erleichterungen“ unseres Alltags mittlerweile sehr kritisch an.  In diesem Spannungsfeld bewegen sich auch Sportler – mittlerweile fast ohne Ausnahme.

Zum Thema: Was moderne Sportpsychologen vom Umgang mit sozialen Medien wissen sollten! (Aus der Reihe: Was moderne Sportpsychologen über soziale Medien wissen sollten – Teil 8)

„Was wir heute mit unseren Smartphones machen, hätten wir vor wenigen Jahren noch absolut komisch gefunden“, beschreibt Turkle vor allem unhöfliches Verhalten wie das Versinken in Handy-Displays, während wir von Menschen umgeben sind. Diese Phänomene lassen sich auch im Sport beobachten, wenn das Smartphone aus der Hosentasche gezogen wird, während Athleten beispielsweise bei der Trainerbesprechung sind, auf den Start des Wettkampfs, oder auch auf den eigenen Teamkollegen vor dem Training warten. Ab diesem Moment sind Sportler nicht nur im realen Leben vor Ort, sondern im selben Moment auch an vielen weiteren Plätzen in der digitalen Welt zugegen. Folglich niemals auf nur eine Sache, in dem Fall ihr Gegenüber, voll konzentriert.

Auf der ständigen Jagd nach der Resonanz ihres online Publikums merken Sportler meist zu spät, dass sich von diesen „digitalen Zusehern“ besonders in weniger erfolgreichen Zeiten nicht viel erwarten lässt. Fehlende Likes und wenig Reaktionen auf Postings führen in Folge dessen nachweislich zu Einbrüchen im Selbstwert. (Vogel, E., Rose, J.P. & Roberts, L. 2014) Das persönliche Gespräch mit dem Trainingskollegen täte nun wohl besser – stattdessen werden vor den Personen aus unserem Umfeld das Schutzschild  Smartphone aufgebaut.

Johanna Constantini
Zum Profil von Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Sportpsychologen sollten analoge Vertrauenspersonen eruieren und Athleten zur Beziehungsarbeit motivieren

Während Smartphones, digitale Kommunikation und alles, was mit Postings zu tun hat, uns zwar die Möglichkeit gibt, ein perfektes Bild unserer Selbst zu präsentieren, so verlaufen Konversationen in Echtzeit um vieles authentischer.  Nachdem Sportler auch auf dem Platz in Echtzeit agieren müssen, sollte wieder mehr Wert auf die „echten Beziehungen“ gelegt werden.


Genauso verhällt es sich mit den Vertrauenspersonen. Wenn sich Athleten vorrangig online ihr soziales Netzwerk aufbauen, so werden reale Gesprächspartner vor allem in eben erwähnten Krisenzeiten nur minder zur Verfügung stehen. Sportpsychologische Arbeit beinhaltet daher auch, „analoge Vertrauenspersonen“  der Athleten zu eruieren und sie zum Beziehungsaufbau zu animieren. Da es für das soziale Wesen Mensch kaum etwas Wichtigeres gibt, als den regelmäßigen Austausch mit seinen Mitmenschen zu suchen, sollte besonders auf funktionale Beziehungen im realen Leben und „echte Unterstützung“ Wert gelegt werden. Bei allen Vorteilen die moderne Technologien auch für die Sportwelt bringen, so ist es immer noch am sinnvollsten, soziale Verbindungen analog zu stärken, um für Rückhalt und Unterstützung der Athleten sorgen zu können.


Die komplette Serie:

Quellen:

https://www.ted.com/talks/sherry_turkle_alone_together#t-1160748

Vogel, E., Rose, J.P. and Roberts, L. 2014. Social comparison, social media and self esteem. Psychology of Popular Media Culture. 2014, Vol. 3, No. 4, 206-222

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Kranker Spitzensport – Wenn Könige zu ängstlichen Mäusen mutieren

Es traf mich heftig, als ich vor wenigen Wochen vom tiefen Fall des Olympiasiegers Christian Schenk erfuhr. Ende August gab er in einem Interview jahrelanges Doping zu, sprach von gravierenden psychischen Problemen und kündigte medienwirksam seine Autobiographie an: „Riss – mein Leben zwischen Hymne und Hölle“. Für mich war Christian Schenk tatsächlich ein König der Leichtathletik, auch ein sportliches Vorbild in meiner Aktivzeit als Leichtathlet und Zehnkämpfer. Sein „Zerrbild“ als (unverändert!) legitimer Zehnkampf-Olympiasieger von 1988 und der Vorstellung eines an Wahnzuständen leidenden Patienten, der sich im Alltag nicht mehr vor die Haustüre traute, macht mich betroffen.

Zum Thema: Aspekte der Erschöpfungsdepression aus Sicht der Angewandten Sportpsychologie

Rückblende: Schenk, der 1990 Europameister wurde und 1991 Bronze bei der WM gewann, beendete seine sportliche Karriere 1994. Im Anschluss litt der Mecklenburger unter einer bipolaren Störung, zu der auch schwere Depressionen und Verfolgungswahn gehörten. Der ehemalige Zehnkämpfer beschreibt seine Misere in seinem Buch „Riss“ als ein Leben zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Er fühle sich nicht als Betrüger für seine Leistung, urteilt der heute 53-jährige Deutsche – was ihm aktuell auch harsche Kritik aus Sportlerkreisen einbringt (vgl. NDR.de). «Doping ist ein No-go. Das ist illegal, das gehört nicht in den Sport, und das ist unfair gegenüber den sauberen Athleten. Das ist eine absolute Frechheit», meint der aktuelle Zehnkampf-Europameister Arthur Abele. «Zehnkampf ist bei uns im Land eine Familientradition – und in einer Familie schmerzt Betrug umso mehr.» Vielleicht „zahlte“ Schenk später, als er an einer schweren Depression erkrankte, einen ungleich höheren Preis für dieses Doping.

Hintergrund: Pope und Katz (2011) belegen in einer Studie an Sportlern einen massiven Zusammenhang zwischen der Einnahme von anabolen Steroiden, psychotischer Störungen (Manie) und bipolaren Störungen (Schizophrenie).

Spitzenlangläufer und Kunstturnerin beziehen Stellung

Podiumsdiskussion in Chur – mit Langläufer Jonas Baumann, der sich mit Videobotschaften in die spannende Diskussion einbrachte!

Szenenwechsel: Die „zwei Seiten einer Medaille“ waren kürzlich auch Thema einer öffentlichen Diskussionsrunde in Chur, welche sich vornahm, insbesondere die „dunkle Seite des Spitzensports“ zu beleuchten. Podiumsleiter Walter Burk (HTW Chur) nannte als Ausgangspunkt für die Diskussion das öffentliche Bekenntnis des Bündner Spitzenlangläufers Jonas Baumann, der in einem vielbeachteten Beitrag in der Schweizer Illustrierten (siehe Quellen, oder hier zum Download) offen über die erlittene Erschöpfungsdepression sprach. Darin beschreibt er sich als extrem ehrgeiziger Mensch, der in allem brillieren will. Er leidet unter Prüfungsstress an der Schule, muss Arbeiten schreiben für sein Studium und sucht zudem den sportlichen Erfolg an der WM in Lahti, wo ihm das beste WM-Resultat seiner Karriere glückt. Was dann folgte, bezeichnete er als verrückt. Seine Gemütslage nach einem hervorragenden vierten Platz im WM-Staffelrennen beschrieb er folgendermassen: „Ich war leer. Es war so schlimm, dass ich dachte: Zum Glück haben wir keine Medaille geholt – denn ich hätte mich zu diesem Zeitpunkt sowieso nicht freuen können.“

Ex-Kunstturnerin Ariella Käslin: Meine Geschichte ist die einer Turnerin, die immer öfter gewann, sich selbst aber immer mehr verlor.

Leere, Einsamkeit, Überforderung, fehlende Selbstbestimmung, Druck von Aussen, Misshandlungen durch den Trainer und fortwährend ungenügende körperliche Erholung waren jene negativen Begleiterscheinungen in der Karriere der Kunstturnerin Ariella Käslin, die – unsichtbar für die Öffentlichkeit – an ihrer psychischen und physischen Gesundheit nagten, bis sie – erschöpft und ausgebrannt – vom Spitzensport zurücktrat. Passend zu diesem destruktiven Verlauf, quasi auf der Rückseite der Medaille, schrieb sie: „Dies ist die Geschichte einer Turnerin, die immer öfter gewann, sich selbst aber immer mehr verlor“.

Umfassende Gefährdung

Swiss-Ski Langlaufchef Hippolyt Kempf: Wir haben neu im Training ein systematisches Monitoring zur Erfassung der Erholungs- und Belastungsbilanz implementiert, bislang mit gutem Erfolg.

Vielfältiger Druck, hohe Erwartungen und hohe zeitliche Beanspruchungen können aber auch im Umfeld des Athleten zu Burnouts führen, wie Hippolyt Kempf, Disziplinenchef Langlauf bei Swiss Ski in seinem Votum ausführte. „Trainer, Serviceleute, Physios – auch sie sind gefährdet. Schliesslich ist der ganze Staff mitverantwortlich für den Erfolg.“

So unterschiedlich und vielschichtig diese Beispiele auch sind, eine Einsicht scheint für alle zuzutreffen: die Notlage aller hätte verhindert oder zumindest frühzeitig gelindert werden können!  

Forderungen an die Sportpsychologie

Ziel einer modernen Leistungsförderung im Nachwuchs- und Hochleistungssport muss sein, die Athletinnen und –athleten nicht nur athletisch auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten, sondern insbesondere jene psychischen Fähigkeiten zu vermitteln, die vor der Erkrankung an Depression oder Burnout schützen. Vor diesem Hintergrund und auf dem Standpunkt eines ethisch-moralisch vertretbaren Spitzensports sind folgende Massnahmen zwingend voranzutreiben:

  • Langfristige Stärkung von Schutzfaktoren (emotionale Robustheit, mentale Stärke etc.), die unter der Anleitung der Angewandten Sportpsychologie im Rahmen individualisierter psychologischer Trainingsmassnahmen in die Sportpraxis aller Beteiligten (Athleten, Trainer, Betreuer, Eltern) integriert werden;
  • Einbezug standardisierter Monitoringverfahren in die Trainingsplanung und -steuerung (e.g. für Sportler RESTQ/EBFSport; für Trainer RESTQ/EBF-Trainer sowie Kinder und Jugendliche RESTQ/EBF-CA) zur Erfassung der Erholungs-Belastungsbilanz, auch um schädigende Überlastungen und Erschöpfungszustände frühzeitig zu erkennen und einer möglichen Erschöpfungsdepression vorzubeugen (vgl. Kallus & Kellmann, 2016);
  • Durchführung begleitender wissenschaftlicher Studien zu prospektiv einflussreichen Faktoren bei der Entstehung von Depression und Burnout wie: chronischer Stress, Regeneration, dysfunktionale Einstellungen, Copingstrategien, Attributionsstil, Perfektionismus, Kohäsion und athletische Identität (vgl. Nixdorf, 2017);
  • Entwicklung eines interdisziplinären Netzwerkes von Sportpsychologen, -medizinern und –psychiatern, welches sich gleichermassen dem Knowhow-Austausch, der Psychoedukation und der Fortbildung annimmt sowie als Anlaufstelle für Ratsuchende auftritt.

Mein persönliches Fazit

Dr. Hanspeter Gubelmann
Zum Profil von Dr. Hanspeter Gubelmann: https://www.die-sportpsychologen.de/hanspeter-gubelmann/ 

Beispiele wie jene von Ariella Käslin und Christian Schenk zeigen, dass die Prävalenz psychischer Probleme und Erkrankungen bei Leistungs-/Spitzensportlerinnen und -sportlern wohl höher ausfällt als bisher angenommen. Dies umso mehr, wenn die Thematik auch auf das „Danach“ – also auf den Übergang in die nachsportliche Karriere – ausgeweitet wird. Jonas Baumann mit seinem öffentlich gemachten „coming out“ steht für mich stellvertretend für jene Gruppe der Betroffenen, die sich im Umgang mit dieser „dunklen Seite“ des Spitzensportlers aktiver und schambefreiter zeigen und sich frühzeitig (und wahrscheinlich rechtzeitig!) in psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung begeben. Um mich für meine Tätigkeit als (nicht-klinisch orientierter) Sportpsychologe im Umgang mit der Thematik Überlastungs-Depression in Zukunft gewappnet zu fühlen, werde ich mich weiter in die (psychologischen) Hintergründe vertiefen und das Buch „Riss“ von und über den „gefallenen“ König der Leichtathletik lesen. Vielleicht reagiert Christian Schenk auch auf eine persönliche Kontaktaufnahme – schliesslich gehörte ich einst zum erweiterten Kreis der angesprochenen „Leichtathletik-Familie“ – und fühle mich heute ein bisschen wie Kollege Arthur Abele: beschissen und betrogen!

Epilog: Am 9. November 2018 (Bern, Haus des Sports) widmet sich die Tagung „Denken und Gefühlsleben im Leistungssport – wie können wir Athleten optimal begleiten“ ausgewählten Aspekten der Belastungs- und Überlastungs-Thematik im Spitzensport. Im Zentrum stehen falltypische Beispiele aus dem Spitzensport, die – interdisziplinär – in Referaten, Workshops und einer Podiumsdiskussion aus sportpsychologischer (Swiss Association of Sport Psychology, SASP), -psychiatrischer (Psychiatrischer Universitätsklinik Zürich, PUK) und –medizinischer Sicht (Schweizerische Gesellschaft für Sportmedizin, SGSM) beleuchtet werden. Die ganze Tagung wird simultan deutsch-englisch und englisch-deutsch übersetzt.

Mehr Informationen und Anmeldung für die Veranstaltung „Denken und Gefühlsleben im Leistungssport – wie können wir Athleten optimal begleiten“ am 9. November 2018, Haus des Sports in Bern : Download-Dokument

„Ich finde es falsch und aus pädagogischer Sicht der Angewandten Sportpsychologie nicht vertretbar, Kinder und Jugendliche schon in ganz jungen Jahren zu Höchstleistungen zu treiben.“ (Dr. Hanspeter Gubelmann)

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2015/10/14/sport-und-depression/
https://www.die-sportpsychologen.de/2015/06/02/elvina-abullaeva-depression-erkennen-lernen/
https://www.die-sportpsychologen.de/2018/06/18/hilfe-fuer-sportler-mit-depressiven-problemen/

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Weitere Informationen

Quellen:

Claussen, M.C., Evers, S.M., Schnyder, U., Frey, W.O., Schmied, C. & Milos, G. (2015). Psychische Probleme und Erkrankungen im Leistungssport. Swiss Medical Forum, 15(45): 1044-1049.

Kallus, K.W. & Kellmann, M. (2016). RESTQ: The Recovery-Stress Questionnaires. Frankfurt: Pearson.

Nixdorf, I. (2017). Zu viel des Guten? Erkenntnisse über Depression und Burnout im Leistungssport. In: C. Gorr & M.C. Bauer (Hrsg.) Was treibt uns an? Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung. Berlin: Springer, S.143-154.

Pope, H.G., Jr. & Katz, D.L. (1991). Psychiatric and medical effects of anabolic-androgenic steroid use. A controlled study of 160 athletes. Arch Gen Psychiatry, 1994. 51(5): p. 375-82.

Schenk: „Ich weiss um viele Athleten die leiden“. Auf NDR, 4.9.2018 https://www.ndr.de/sport/mehr_sport/Christian-Schenk-Zehnkampf-Doping,schenk152.html

Link: https://www.rtr.ch/sport/sport-divers/sport-d-elita-n-e-betg-adina-in-sugus

Link: https://www.droemer-knaur.de/buch/9596411/riss

Download-Link: https://www.schweizer-illustrierte.ch/stars/schweiz/jonas-baumann-nach-depression-zurueck-in-der-spur

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Mareen Hufe: „Im Ausdauersport ist die Psychologie besonders wichtig“

Beim Ironman auf Hawaii peilt Mareen Hufe erstmals eine Top 10-Platzierung an. Im Vorjahr ist die 40-jährige Ausdauerathletin als Elfte mega knapp an diesem Ziel gescheitert. Im Interview mit Mathias Liebing von Die Sportpsychologen erklärt Hufe, die neben Anne Haug und Katja Konschak eine von drei deutschen Starterinnen beim Ironman ist, welche Rolle die Sportpsychologie im Ausdauersport spielt. 

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/09/06/die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-thema-ausdauersport-03-04-11-2018-in-leipzig

Hinweis: Die Sportpsychologen veranstalten am 2. und 3. November eine Konferenz zum Thema Ausdauersport. Seit dabei! Hier alle Infos zur „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/09/06/die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-thema-ausdauersport-03-04-11-2018-in-leipzig/

Mareen Hufe, welche Rolle spielt für dich als eine der besten Triathletinnen Deutschlands die Sportpsychologie?

Gerade im Ausdauersport ist die Psychologie besonders wichtig. Denn solch ein Rennen dauert neun Stunden und wenn dann der Kopf nicht am richtigen Platz sitzt, dann können neun Stunden schnell in die Hose gehen.

Dennoch ist der offene Umgang im Ausdauersport mit der Sportpsychologie nicht besonders ausgeprägt?

Ich glaube schon, dass viele Sportler die Sportpsychologie nutzen. Ich habe mich auch damit beschäftigt. Ich hatte keinen Coach, aber habe mir Sachen im Internet angelesen. Und die Sachen, die mir gefallen haben, die verwende ich vor und im Wettkampf. Zum Beispiel habe ich gelesen, dass der Körper Energie als Licht wahrnimmt. Und wenn im Rennen beim Laufen hinten raus meine Muskulatur bei jedem Schritt, wenn ich aufkomme,  brennt, dann stelle ich mir ein vor, dass eine Halogenleuchte angeht. Dann nimmt der Körper das hoffentlich als Energie wahr. Dazu arbeite ich seit langem mit Visualisierungen.

Mit professioneller Hilfe ginge aber sicher noch mehr?

Da ließe sich bestimmt noch etwas optimieren. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich im Wettkampf schon einmal ein Mega-Tief hatte. Ich versuche ohnehin, in eine Art Trance-Zustand zu kommen, wo ich in mir lebe und mich auf das konzentriere, was mein Körper gerade macht. Und da nimmt dann nur noch ganz wenig wahr.    

Wie siehst du dich im Feld der Triathletinnen, was deine mentalen Skills angeht?

Ich glaube schon, dass ich mental eine der Stärksten auf dem Platz bin. Körperlich bin ich das sicher nicht. Aber die Kombination aus meiner körperlichen Fitness und einer meiner mentalen Stärke spiegelt sich dann in meinen Erfolgen wider. Grundsätzlich bin ich schon ein Typ, der sehr fokussiert ist. Ich kann meine Ziele verfolgen, ohne fickerig zu werden. Vor einem Wettkampf bin ich zwar auch nervös, aber es ist nicht so schlimm, dass ich nicht schlafen kann. Die Vergangenheit zeigt, dass ich im Vergleich zu den anderen Athletinnen in der letzten Rennstunde sehr stark bin. Und ich glaube, dass der Kopf gerade da eine sehr, sehr wichtige Rolle spielt.

Zur Homepage von Mareen Hufe: http://mareenhufe.de

Wie nutzt du die Sportpsychologie im Alltag?

Wenn ich harte Trainingseinheiten habe, muss ich mich auch mental darauf vorbereiten. Aus der Ermüdung heraus, neue Trainingsreize zu setzen, ist viel schwieriger als im Rennen Vollgas zu geben, weil man da ausgeruht ist. Es ist besonders schwierig, sich aus einer Grundermüdung zu motivieren.

Wie gehst du konkret vor?

Ich denke an die Vergangenheit, erinnere mich an vergangene Trainings und überlege mir, wie ich mich auf solche Trainings vorbereiten kann. Nicht nur mental, sondern auch körperlich, dass ich gut ausgeruht bin, dass ich gut ernährt bin. Dass ich die richtige Motivation mit in die Trainingseinheit bringe, dass ich mich mit Leuten umgebe, die mich positiv stimmen und die mich unterstützen. Und das ganze Gesamtpaket führt dann dazu, dass die Trainingseinheit zum Erfolg wird.

Wie intensiv hast du das Ironman-Rennen auf Hawaii mental schon durchgespielt?

Ich gehe das Rennen im Kopf sehr intensiv durch und stelle mir den Wettkampf tausende Male vor. Diese Art der Vorbereitung lasse ich dann auch ins Training einfließen: Wenn ich kurz vor dem Schluss beim Laufen bin, dann baue ich möglichst einen Berg ein. Dass ist dann genau bei Kilometer 39 die Stelle, wo es noch einmal hoch geht. Ich renne also 30 Mal die Woche über die Ziellinie, bei nahezu jedem Intervall. Denn der Kopf kann ja nicht unterscheiden, ob es wirklich die Ziellinie auf Hawaii war oder ob dies nur in der Vorstellung stattfand.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/09/06/die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-thema-ausdauersport-03-04-11-2018-in-leipzig/

Screenshot Sportschau.de vom 12.10.2018

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Dr. René Paasch: Schadenfreude im Fußball

Der FC Bayern München ist der beste und erfolgreichste Fußballverein Deutschlands. Seit dem Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 1965 hat sich der FCB zum Maß aller Dinge in der Bundesliga entwickelt. Trotz allem spüren wir in der jetzigen Situation Spott und Häme gegenüber dem Rekordmeister. Ist Schadenfreude die schönste Freude? So sagt es zumindest der Volksmund. Ist dem auch so oder sollten wir das differenzierter betrachten?

Zum Thema: Wie weit darf Schadenfreude gehen?

Der Philosoph Arthur Schopenhauer war der Ansicht, die Schadenfreude sei „der schlechteste Zug in der menschlichen Natur, da sie der Grausamkeit enge verwandt ist.“ Und sie ist in uns. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Fernsehsendungen in denen Menschen Missgeschicke passieren, häufig geschaut werden. Die Freude, wenn einer beneideten, ungeliebten, Ärger auslösenden Person oder Gruppierung ein Missgeschick widerfährt, kann sehr intensiv erlebt werden. Die Stärke ist von dem Maß des Leids, der Gerechtigkeit, des Selbstbewusstseins, der wahrgenommenen Bedrohung und der Gruppenzugehörigkeit abhängig. (Van Dijk & Ouwerkerk, 2014).

Es gehört zur Natur des Menschen sich permanent zu vergleichen. Der Vergleich hilft uns, unsere Leistungen zu bewerten und Schwierigkeiten abzubauen. Das hat Vor- und Nachteile. Ist der Vergleich für uns positiv, kann es unser Selbstvertrauen stärken. Im anderen Fall führt es zu einem niedrigeren Selbstwert und möglicherweise zu Neid. Dieser Prozess läuft automatisch ab. Das Empfinden sei nur bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Neid könne zudem nur bei Dingen empfunden werden, die uns selbst wichtig sind. Wie im Fall von FC Bayern München. Sie sind Fan von Schalke 04, dann werden Sie eher auf die Erfolge vom FCB neidisch sein, als auf den bayerischen Dialekt?

Zwei Arten von Neid

Zudem gibt es zwei unterschiedliche Arten von Neid. Gutartigen und bösartigen Neid. Wir beneiden etwa die Münchener um Ihr Geld und Erfolge, gleichzeitig motiviert sie das aber wiederum als Fan Ihre Mannschaft weiterhin nach vorne zu peitschen. Oder aber wir empfinden den Vorteil des anderen als ungerecht und missbilligen ihn. Diese Art von bösartigem Neid kann Schadenfreude vorherrufen. Wir sind typischerweise auf Profivereine neidisch, die uns ähnlich oder wichtig sind. Ein Fan von 1860 München beneidet eher einen anderen Fan des FC Bayern als einen interessierten Handballzuschauer. Verstärkt wird die Empfindung dadurch, dass die Person/der Verein einen Vorteil erhält, den wir selbst gerne hätten oder den sie aus unserer Sicht nicht verdient hat. Passiert dieser Person/diesem Verein dann ein Missgeschick, sind wir besonders schadenfroh. Das kann dann zum Beispiel der FC Bayern München sein, der auf dem Transfermarkt immer wieder teure Spieler eingekauft, während der eigene Verein mit unbekannten und günstigen Kickern um den Abstiegskampf ringt. Dieser sogenannte Aufwärtsvergleich (Goethals, Darley, 1977) ist frustrierend. Der Vergleich mit Menschen oder Vereinen, die im interessierenden Merkmal überlegen sind; das ist der aufwärts gerichtete Vergleich. Dieser führt zu Unzufriedenheit und fehlender Gerechtigkeit. Verletzten sich die teuren Spieler oder verlieren Punktspiele, dann löst dies Schadenfreude aus. Der FC Bayern München hat seinen Vorteil (zumindest vorübergehend) verloren und das erhöht wiederum den Selbstwert des “eigenen” Clubs. Aus diesem Grund möchte ich Sie einladen, die Sicht auf die aktuelle Fußball-Bundesliga Saison 18/19 der Bayern zu überdenken und stattdessen leistungs- und entwicklungsgerecht zu bewerten.

Zum Beitrag mit Dr. René Paasch von Welt + https://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/plus181810796/Psychologie-Warum-wir-beim-FC-Bayern-so-viel-Schadenfreude-verspueren.html

Historische Erfolge und Wertschätzung

Zum Profil von Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Keine deutsche Fußballmannschaft hat mehr Meisterschaften und Trophäen gesammelt als der FC Bayern München. Auf 28 nationale Meisterschaften kommt der Profiverein. Der erste Titel wurde 1932 geholt, die weiteren 27 in der 1963 gegründeten Bundesliga. Aber auch im DFB-Pokal ist der FC Bayern mit 18 Titeln einsame Spitze. Auf nationaler, wie auch auf europäischer, sogar globaler Ebene stiegen die Münchener zu einem der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichsten Fußballvereine auf.  Dem Team gehören seit vielen Jahren nationale und internationale Top-Stars an, dank großartiger wirtschaftlicher Situation und Transferpolitik. Unter Trainer Udo Lattek gelang es den Bayern sowohl international im Europapokal der Landesmeister (dem Vorgänger der Champions League) von 1974 bis 1976 Sieger zu werden, wie auch den Weltpokal zu gewinnen. Mit Trainer Ottmar Hitzfeld konnte der FC Bayern in der Champions League wieder ganz oben mitspielen. Nach der unglücklichen Finalniederlage 1999 gegen Manchester United war es am 23. Mai 2001 soweit: Der FC Bayern gewann nach 25 Jahren erneut die Champions League. Insgesamt errang der FC Bayern in diesem Jahrtausend schon viele Deutsche Meisterschaften und DFB-Pokale (einmal den Weltpokal und zweimal die Champions League). In der Saison 2012/2013 gelang es dem FC Bayern nach dem im Vorjahr verlorenen Finale und dem zweiten Platz in der Meisterschaft , endlich wieder die deutsche Meisterschaft und den ersehnten Sieg in der Champions League. Damit erreichte der FC Bayern als erster Deutscher Profiverein und siebter europäischer Verein das „große Triple“. Seitdem dominieren die Bayern die Fußball-Bundesliga. Für diesen großartigen Weg sind u.a. Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Uli Hoeneß, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge verantwortlich. Diese Historie ist eine unglaubliche Leistung, die es verdient wertschätzend behandelt zu werden.

Der Begriff Wertschätzung im Fußball wird heute beinahe inflationär und viel zu oft falsch verwendet. Umgangssprachlich wird Wertschätzung oft mit Anerkennung von besonderer Leistung gleichgesetzt. Doch das ist falsch. Wertschätzung ist mehr in meinen Augen – es ist eine Herzens- und Verständnishaltung, die immer auch den Verein und den Menschen sieht und nicht nur dessen Ertrag. Es ist eben diese grundlegende Bedeutung von Wertschätzung, die sie für viele Fans so schwierig macht, da sie nur ihren Verein sehen. Der Blick über den Tellerrand könnte dabei helfen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schadenfreude zwei Gesichter hat. Selbstreflexion und der Blick über den Tellerrand wäre dabei eine hilfreiche Unterstützung. Schlussendlich sind wir begeisterte Fans oder Zuschauer, die gemeinsam ihrer großen Leidenschaft nachgehen. Um es in den Worten von Thomas Müller zur Mini-Krise des FC Bayerns zusagen: „Annehmen und mit Hochdruck arbeiten.“ (08. Oktober 2018, web.de). Fußball sollte verbinden und nicht eine Plattform für Unzufriedenheiten darstellen. Dem Rekordmeister wünsche ich über diesem Wege alles erdenkliche Gute und die notwendige Zeit für Verbesserungen.  

Literatur

R. Goethals, J. M. Darley (1977): Social comparison theory: An attributional approach. In: J. M. Suls, R. L. Miller (Hgs.): Social comparison processes: Theoretical and empirical perspectives. Washington DC:Hemisphere/Halsted, S. 259–278

Van Dijk, W.W. & Ouwerkerk, J.W. (Eds.). (2014): Schadenfreude: Understanding pleasure at the misfortune of others. Cambridge: University Press.

Internet

https://web.de/magazine/sport/fussball/bundesliga/mueller-mini-krise-fc-bayern-annehmen-hochdruck-33200346 

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Markus Gretz: Sportpsychologie im Schulsport

Die Glocke läutet, Kinder stürmen in die Umkleidekabine und der Lehrer atmet erleichtert durch. Hinter ihm liegen zwei Stunden Schulsport mit 26 Kindern der 5. Klasse. Das Thema war Gerätturnen. Bis auf das Auf- und Abbauen gab es aber wenig, was so richtig klappte. Die Kids waren heute für die geplanten Inhalte nicht zu begeistern. Solche Erlebnisse kennt jeder Lehrer. Aber was ist dagegen zu tun? Und kann die Sportpsychologe vielleicht helfen?

Zum Thema: Motivation und Aufmerksamkeit im Schulsport

Kürzlich besuchte ich mit Johannes Wunder (zum Profil), der wie ich seit Jahren im Basketball und seit einigen Monaten auch im Netzwerk Die Sportpsychologen aktiv ist, die Tagung der Schulsportverantwortlichen aller Basketball Bundesligisten. Wir beide sind Basketball verrückt,  wissen aber auch, was es heißt, eine heterogene Gruppe von Schülern für unsere Sache zu begeistern, wenn diese “nur” auf dem Lehrplan steht.

Vor diesem Problem stehen Lehrer regelmäßig. Und so haben wir uns nach der Tagung zusammengesetzt, um zu erarbeiten, welche Methoden aus unserer sportpsychologischen und pädagogischen Erfahrung heraus effektiv helfen können, um Schüler im Schulsport zu begeistern:

  1. Begeisterung erzeugen: Begeisterung kann nur der wecken, der auch selbst begeistert ist. Wenn ich ein Thema einführe muss ich auch überzeugt sein, dass es ein wichtiges Thema ist. Da ich als Basketballtrainer das Spiel mit all seinen Einzelheiten natürlich sehr gut kenne und liebe, kann ich ganz genau einschätzen, was besonders wichtig ist, um das Spiel spielen zu können. Ein Lehrer kann natürlich nicht in jeder Sportart zum Experten werden. Aber es kann schon helfen, sich Videos einer Sportart anzuschauen oder mal ein Vereinstraining zu besuchen, um seine Kenntnisse über die Sportart aus dem Studium wieder aufzufrischen, bevor man die Sportart im Sportunterricht lehrt. So kann auch beim Lehrer wieder Begeisterung für das was er lehrt geweckt werden.
  2. Fragen stellen: Schüler lernen am meisten, wenn sie und ihre Peers in den Lernprozess eingebunden sind. In den meisten Klassen gibt es mindestens einen „Experten“ in vielen Sportarten. Dieser Experte kann gezielt eingebunden werden, indem er einzelne Themen vormacht oder sogar vorstellt. Dabei kann auch seine Begeisterung wiederum ansteckend sein. Außerdem sollten auch alle Nichtexperten immer wieder nach dem Sinn und Zweck einer Übung gefragt werden. Dadurch sind sie gezwungen, über die Sportart nachzudenken und nicht nur blind den Anweisungen des Lehrers zu folgen.
  3. Üben und Spielen abwechseln: Im Sportunterricht liegt eine besondere Schwierigkeit oft darin, sehr viele Kinder auf begrenztem Raum sinnvoll zu beschäftigen. Das Wettspiel hat naturgemäß den größten Aufforderungscharakter. Die größte Anzahl an Kindern kann ich aber am besten durch Übungen beschäftigen. Deshalb versuche ich immer, Spielformen und Übungen abzuwechseln. Wenn die Schüler verstehen, dass sie eine Technik für das darauffolgende Spiel brauchen, werden sie auch bei der Technikübung motivierter mitmachen.
  4. Übungen anspruchsvoll gestalten: Um die Schüler nicht zu langweilen, sollten die Übungen anspruchsvoll gestaltet werden. Damit dennoch kein Gefühl der Überforderung auftritt, sollte vorher oder zwischendurch immer wieder für kurze Zeit eine leichte Übung gestellt werden, durch die die Schüler Erfolgserlebnisse sammeln können. Die Theorie des Flow-Erlebens beschreibt, dass Flow immer dann entsteht, wenn es eine Passung von Anforderung und Können gibt. Wenn die Schwierigkeit stark variiert, kann bei einer heterogenen Gruppe evtl. jeder mal eine Passung der Anforderung mit seinem Können erleben.
  5. Multimediale Stunden erzeugen Aufmerksamkeit, Begeisterung und somit Motivation. Viele Kindern haben bereits in jungem Alter schon einiges an Erfahrung im medialen Bereich. Das Handy ist vielerorts ständiger Begleiter und auch Tablet und Laptop sind den Kids keine Fremdworte mehr – auch nicht im Grundschulbereich. Einige Lehrkräfte nutzen die mediale Welt bereits im regulären Unterricht. Begeisterung kann aber auch im Sportunterricht geweckt werden. Warum nicht ein Quiz zum Gerätturnen vorlegen, wobei die Kinder ihre Handys nutzen könnten. Oder wir Trainer/Lehrer bringen einige Videos von den olympischen Spielen mit, wo Fabian Hambüchen am Reck oder Boden turnt. So sieht jedes Kind sofort, was alles möglich ist. Die Aufgabe des Lehrers besteht natürlich dann darin, die einzelnen Elemente so herunterzubrechen, damit die Kids auf ihrem Ausgangslevel abgeholt werden. Aber warum sollte man nicht mal die Kinder bei Youtube nach Anleitungen für eine Technik suchen lassen? Dabei wird Medienkompetenz geschult und die Kinder sind sehr stark in die Unterrichtsgestaltung eingebunden. Begeisterung ist vorprogrammiert und die Motivation fällt leicht: „Einen Handstand wie ihn Fabian Hambüchen in seiner Kür geturnt hat. So will ich das auch mal können.“

Fragen zum Thema? Wir sind für Sie da!

Markus Gretz, hauptberuflicher Jugendtrainer und Nachwuchskoordinator bei den scanplus baskets Elchingen, leitet in seinem Verein ein Schulprojekt, bei dem er über einen Zeitraum von fünf Wochen den Sportunterricht in einer Klasse begleitet und dabei den Schülern und Lehrern die Sportart Basketball näherbringen möchte. Immer wieder wird er von den Lehrern gefragt, wie es ihm gelänge,  die Schüler mit so viel Begeisterung über den gesamten Zeitraum motiviert halten zu können?

Markus Gretz
Zum Profil von Markus Gretz: https://www.die-sportpsychologen.de/markus-gretz/

Johannes Wunder, ebenfalls hauptamtlicher Trainer und für die Leitung der Schulprojekte beim BBC Coburg zuständig, stellt sich vermehrt die Frage, welche Hilfsmittel die Sportpsychologie bietet, um sowohl Lehrkräften als auch Trainern im Schulsport die tägliche Arbeit zu erleichtern?

Johannes Wunder
Zum Profil von Johannes Wunder: https://www.die-sportpsychologen.de/johanneswunder/

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