Start Blog Seite 110

Events: Sportpsychologie zum Anfassen

0

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Das Interesse am Thema Sportpsychologie wächst. Wir von Die Sportpsychologen empfehlen hier einige bevorstehende Events.

ASP-Tagung 2019

  • Termin: Do., 30. Mai – Sa., 1. Juni 2019
  • Ort: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • Mehr Infos: asp2019.de

Tag der Sportpsychologie NRW 2019

  • Termin: 28. Juni 2019
  • Ort: Düsseldorf, Tischtenniszentrum
  • Mehr Infos: wird noch ergänzt

FEPSAC 2019 Congress

  • Termin: Mo., 15. – Sa., 20., 1. Juli 2019
  • Ort: Münster
  • Mehr Infos: www.fepsac2019.eu

Events melden

Haben wir ein Event vergessen? Dann informiert uns bitte per Email über die jeweilige Veranstaltung.

Views: 132

Dr. Hanspeter Gubelmann: Sportpsychologie „goes public“

Wenn ich meine zahlreichen Interviews mit Medienvertretern in den vergangenen rund 30 Jahren hinsichtlich wiederkehrend nachgefragten Themen durchforste, stehen vor allem zwei Aspekte im Fokus: Was genau macht ein Sportpsychologe und wo findet diese Arbeit im Spitzensport statt? Während die Sportjournalisten nach praxisnahen Fallbeschreibungen mit konkreten und personalisierten Beispielen spechten, muss sich der Sportpsychologe an die berufsethischen Richtlinien halten, die insbesondere seine Schweigepflicht und die Wahrung der Intimsphäre des Athleten tangieren. Welche psychoedukativ-kreativen Möglichkeiten im Umgang mit den Medien vermehrt genutzt werden könnten, beschreibt das folgende Praxisbeispiel.

Zum Thema: Öffentlichkeitsarbeit und Berufsethik

Vertraulichkeit gilt als oberstes Gebot in der Arbeit von Psychologen. Diese impliziert ein hohes Mass an Verschwiegenheit – insbesondere gegenüber einer medialen Öffentlichkeit. Die europäische Vereinigung der Psychologie-Verbände (EFPA) postulieren in ihren Media-Richtlinien (siehe Quellen) einen sorgsamen Umgang mit eigenen Erfahrungen und Fachexpertise in der Öffentlichkeit.

TV, Radio, Internet und Printmedien sind zu wichtigen Quellen von Wissen, Meinungen und Macht geworden. Durch den Einsatz der Medien sollen Psychologen ihr Wissen verbreiten und sich bemühen, zum Wohl der Menschen beizutragen. In den besagten Richtlinien werden u.a. folgende Zielsetzungen eines medialen Auftritts der (Sport-)Psychologie genannt:

  • Austausch von Informationen über verschiedene Bereiche der Psychologie, Forschung und Dienstleistungen;
  • Darlegungen zu Inhalten und Zugänglichkeiten psychologische Dienstleistungen;
  • Verdeutlichung psychologischer Herausforderungen im Umgang mit den Medien;
  • Psychoedukative Hilfestellung für zukünftige Nutzer fachpsychologischer Dienstleistungen
  • Unterstützung von Empowerment-Aktivitäten.
Skispringen hautnah erlebt – die StudentInnen erleben erstmals auch den Sound des Skispringens! (Bild: zvg, Philipp Schmidli)

Prolog: Exkursion in die Welt des Spitzensports – Weltcup-Skispringen in Engelberg

Seit 20 Jahren unterrichte ich an der ETH Zürich das Fach „Sportpsychologie“. In diesen Zeitraum fällt auch meine langjährige Tätigkeit als sportpsychologischer Betreuer der Schweizer Skispringer. Die Angwandte Sportpsychologie ist eines der Kernthemen meiner Vorlesung und am Beispiel „Skispringen“ versuche ich den Studierenden Praxis, Inhalte und Vorgehen eines angewandten Sportpsychologen näher zu bringen. Seit jeher bildet die Exkursion zum Weltcup-Skispringen in Engelberg kurz vor Weihnachten Höhepunkt und Abschluss der Veranstaltung. Dieses Jahr kontaktierte mich der Veranstalter mit der Bitte, unseren ETH-Besuch in Engelberg auch medial zu beleuchten. Die Idee: Ein Journalist der Luzerner Zeitung sollte uns auf Schritt und Tritt begleiten und das Thema „Sportpsychologie“ in Wort und Bild der Leserschaft vorstellen. Vorgängig zum Event führte der beauftragte Journalist Martin Uebelhart ein kurzes Text-Interview mit mir, welches als Basisinformation in sein Feature einfliessen sollte. Der Wortlaut dieses Interviews ist untenstehend wiedergegeben – der schliesslich in der Luzerner Zeitung veröffentlichte Beitrag findet sich auch online unter:

https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/obwalden/das-engelberger-skispringen-aus-sicht-der-sportpsychologie-ld.1078925

Martin Uebelhart (MU) Warum gehen Sie mit Ihren Studierenden ans Skispringen nach Engelberg?

Hanspeter Gubelmann (HG): Es sind Studierende im Fach Sportpsychologie, welches ich an der ETHZ im Herbstsemester unterrichte. Es handelt sich dabei um eine Einführungsveranstaltung, die ausgewählte Themen diese Arbeitsfeldes der Psychologie behandelt. Angewandte Sportpsychologie im Spitzensport ist eines dieser Themen. Die Studierenden sollen im Rahmen dieser Feldexkursion quasi „in vivo“ erleben, was Spitzensportler – „dann wenn’s zählt“ – leisten.

Was schauen Sie sich dabei an?

Es geht vor allem auch um einen Blick „hinter die Kulissen“. Im Rahmen einer geführten Schanzenbegehung bekommen die Studierenden z.B. einen intimen Einblick in die Welt des Skispringens. Nirgends sonst ist dieser hautnahe Kontakt mit der Schanze, den Trainern und Athleten auf diese Art möglich als hier in Engelberg. Der im Theoriesaal dozierte Unterrichtsstoff wird hier quasi lebendig.

Positive Emotionen: die Exkursion nach Engelberg folgt auch erlebnispädagogischen Konzepten. (Bild: zvg, Philipp Schmidli)

Haben Sie auch Kontakt mit den Skispringern?

Ja, das ist auch geplant – aber natürlich nur in Situationen – in welchen die Athleten ansprechbar sind. In den letzten Jahren war es z.B. immer möglich, im Anschluss an die Wettkampf-Pressekonferenz einen der Podestspringer zu interviewen. Zudem wird Andreas Küttel kurz vorbeischauen. Andreas war vor 15 Jahren auch Absolvent des Lehrdiploms Sport an der ETH Zürich und kennt den Inhalt dieser Veranstaltung auch aus Sicht des damaligen Studenten!

Was ist das besondere bei der Sportpsychologie?

Die mentale Stärke ist eine Hauptvoraussetzung, um im Spitzensport im entscheidenden Moment ein Optimum an Leistung zu erzielen. Optimales Training schafft die Grundlage zum Erfolg, inwiefern diese im Wettkampf erfolgreich umgesetzt wird, darüber entscheidet die psychische Verfassung des Athleten. Die angewandte Sportpsychologie kennt Mittel und Wege, wie diese erreicht werden soll. Diese mentale Leistungsoptimierung ist eines von zahlreichen Themen der Sportpsychologie

Können Sie ein paar Beispiele machen?

Ich war 15 Jahre sportpsychologischer Betreuer der Schweizer Skispringer und habe noch heute Kontakt zum Team. Ein grosser Unterschied zwischen Training und Wettkampf liegt unter anderem darin, dass die Aktivierung im Training, z.B. gemessen an der Herzfrequenz, um bis zu 50 Schläge tiefer liegt als im Wettkampf. Diese hohe Aktivierung in Verbindung mit übersteigerter Nervosität kann im Wettkampf zu drastischen Leistungseinbrüchen führen. Der tausendfach geübte Handlungsablauf muss unter dieser hohen mentalen Belastung sprichwörtlich auf den Punkt – beim Absprung – passen.

Ohne gross auf einzelne Skispringer einzugehen, wo oder womit können Sie sie unterstützen?

Jeder Skispringer bringt ein individuelles Set an mentalen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit. Visualisieren hilft zum Beispiel sehr gut im Techniktraining. Jeder Springer geht in der Sprungvorbereitung nochmals seine Checkliste mit geschlossenen Augen durch. Vielleicht hat er im Vorfeld lernen müssen, mit negativen Gedanken besser umzugehen oder sich vom Konkurrenten nicht mehr ablenken zu lassen. Hier helfen Trainingsformen der Gedanken- und Aufmerksamkeitsregulation.

Ist Skispringen eine Sportart, in der Sportpsychologie besonders gebraucht wird, oder kommt es auf die Sportart nicht an?

Jede Sportart zeichnet sich durch ein spezifisches psychologisches Anforderungsprofil aus. Was ein Skispringer zur perfekten Ausübung dieser „Sekundensportart“ benötigt, nützt dem Marathonläufer herzlich wenig. In diesem Sinne ist der Gebrauch der Sportpsychologie im Skispringen tatsächlich besonders – nämlich genau diesen Besonderheiten entsprechend. Die Bedeutung lässt sich leicht an den Aussagen der Athleten bemessen, die einen sehr hohen Prozentsatz eines geglückten Sprungs der Psyche zuschreiben!

Der Drittplatzierte im 1. Weltcup-Skispringens Daniel Huber (AUT) stellt sich den Fragen der StudentInnen (Bild: hpg)

Epilog: Take home messages für angewandte SportpsychologInnen:

Mit Blick auf das Thema – Sportpsychologie goes public – und den im Rahmen des dargestellten Engelberg-Beispiels gemachten Erfahrungen möchte ich zusammenfassend folgende Leitideen für unseren Fachbereich postulieren:

  • Persönliche Ausseinandersetzung mit den geltenden EFPA-Richtlinien – Board of Ethics 2011: Guidelines für psychologists who contribute to the media;
  • Proaktive Zusammenarbeit mit Medienpartnern und Entwicklung eines Netzwerks mit kompetenten Medienfachleuten;
  • Notwendigkeit einer (individuellen) Schulung und Vertiefung im Medienbereich für Angewandte SportpsychologInnen;
  • Entwicklung passender „Praxis-Schaufenster“ (siehe Beispiel) in Verbindung mit langjährigen Projekten/Arbeitsaufträgen.

Quellen:

http://ethics.iit.edu/codes/EFPA%202005.pdf

http://ethics.efpa.eu/guidelines/

Views: 147

Jan D. Deneke: Surfen – Die Essenz vom Hier und Jetzt

Im Hier und Jetzt sein. Einfach in der Theorie, schwer in der Praxis. Die Schnelllebigkeit, das Leistungsprinzip, die Medienpräsenz und der permanente Informationsfluss beanspruchen unsere ständige Aufmerksamkeit. Momente der Stille sind selten. Wir haben verlernt, nichts zu tun und zuzuhören. Das Gedanken-Karussell kommt selten zur Ruhe. Das sind u.a. Gründe, warum Natursportarten wie Wellenreiten (Surfen) immer mehr Bedeutung zukommt. Beim Surfen kommt es zu einer direkt erlebten Verbindung zur Natur. Wortwörtlich bewegt sich der Surfer auf einer sich durch den Ozean bewegenden Energiewelle, die tausende Kilometer entfernt durch Windbewegungen in Tiefdruckgebieten entstanden ist. Nur in wenigen Sportarten besteht eine so unmittelbare und oft meditative Verbindung zur Natur.

Zum Thema: Sportpsychologische Aspekte der Natursport Surfen

Surfen und insbesondere das Surfen einer Barrel ist der Inbegriff von „im Hier und Jetzt sein“. Das voll und ganz in der Gegenwart und in seinem Element zu sein, wirkt sich positiv auf die Psyche aus und begünstigt das Flow-Erleben.

„The act of the ride is the epitome of „be here now“, and the tube ride is the most acute form of that. Which is: your future is right ahead of you, the past is exploding behind you, your wake is disappearing, your footprints are washed from the sand. Its a non-productive, non-depletive act that is done purely for the value of the dance itself.“  

Timothy Leary

Die Theorie der Transient Hypofrontality (Arne Dietrich) geht davon aus, dass der Vorderstirnlappen oder präfrontale Kortex bei besonders komplexen motorischen Bewegungsabläufen zeitweise herunter reguliert wird, um den rechnerischen Anforderungen einer Bewegungsausführung und Wahrnehmung gerecht zu werden. Dabei ist der präfrontale Kortex der Ort, in dem nicht nur höhere kognitive Prozesse stattfinden, sondern u.a. auch das (reflektierende) Selbst und das abstrakte Denken verortet wird. Fähigkeiten, die das Menschsein ausmachen und uns letzten Endes auch von Tieren unterscheidet. Konkret bedeutet das, dass das Gehirn in solchen Situationen auf Automatismen zurückgreift. Das Gehirn hat dann keine freien Kapazitäten, um sich auf metakognitiver Ebene Sorgen zu machen und der Geist kommt zur Ruhe. So zerfließt das Selbstbild mit steigender sportlicher Anforderungen. Das ist Balsam für die Psyche und macht süchtig. Evolutionär haben sich diese prähistorischen Krisen- und Fluchtmechanismen bewährt und sind daher fest in unserer DNA verankert.

Flow-Erlebnisse nutzen

Heute finden sich diese Flow-Mechanismen in Extremsportarten wieder: So berichten Sportler bei langjährig trainierten Sportarten von Zuständen der Trance. Die sportliche Tätigkeit wird intuitiver, weniger verkopft und mehr vom Gefühl geleitet ausgeführt. Körper und Geist verschmelzen und ermöglichen ein perfektes, unbewusstes Zusammenspiel. In diesem Zustand höchster Konzentration befindet sich der Sportler im Hier und Jetzt, ohne Gedanken an das, was war und sein wird. In Studien wurde festgestellt, dass Flow-Erfahrungen indirekt leistungsfördernd sind, insofern als dass der Sportler das Flow-Erlebnis erneut erfahren möchte und daraus Motivation generiert. Mit steigender Expertise wird die sportliche Handlung automatisiert und das Flow-Erleben wahrscheinlicher.

Das Flow-Erleben und Surfen liegen nah beieinander. Verschiebt sich aber der Fokus von (angehenden) Profi-Surfern hin zu einer konsequenten Leistungsorientierung, birgt dies die Gefahr, dass der Surfer seine Leichtigkeit – die letztendlich den Unterschied ausmachen kann – verliert. Einer der größten Fehler von vielen intermediaten und fortgeschrittenen Surfern ist es, den Fokus auf der Welle zu weit voraus zu setzen, um so frühzeitig kritische „Sections“ der Welle zu erkennen. Das erzeugt wortwörtlich Distanz zwischen dem Jetzt und der Zukunft. Der Surfer fährt der Welle davon, verliert wichtigen Raum und Zeit, anstatt den Fokus auf dem Moment zu halten und direkt nach dem Takeoff das erste Manöver zu fahren. Dieser Fehler passiert vor allem dann, wenn der Surfer zu „verkopft“ ist und wenig Vertrauen in sein intuitives Gefühl und langjährig antrainierte Automatismen hat. Eine einfache Maxime könnte als lauten: Weg vom Denken, hin zum Fühlen.

Nimm Kontakt auf: https://www.die-sportpsychologen.de/jan-d-deneke/

Let go of your expectation

Löse dich (im Wasser) von deinen und vor allem von den Erwartungen anderer, denn sie verschieben deinen Fokus auf das Resultat und somit erneut auf die Zukunft. Der Sportler ist überall anders, nur nicht und im Hier und Jetzt. Das Hier und Jetzt ist jedoch der entscheidende Moment. Wir verändern unsere Zukunft nicht in der Zukunft, sondern immer nur durch Gedanken und Handlungen in der Gegenwart. Das Resultat können wir in den seltensten Fällen kontrollieren, wir können nur Voraussetzungen schaffen: Alles geben und erst im Anschluss schauen, welche Früchte wir dafür bekommen. Ziele und Intentionen sind natürlich unersetzlich, um zu wissen, wohin wir gehen. Doch Erfolge finden im Moment statt. Verfolgen wir Erwartungen anderer, laufen wir hinterher, anstatt den Prozess zu genießen. Des Weiteren sind diese Erwartungen häufig ein Trigger, um nervös zu werden und den Fokus zu verlieren. Wahlweise kannst du versuchen 20-30 min leistungsorientiert und mit ein bis zwei konkreten Zielen zu trainieren, um dann anschließend diese Ziele und Erwartungen aufzulösen und von allem losgelöst und intuitiv zu surfen.

Probier es aus und nimm gern Kontakt auf. Die Kontaktdaten von meinen Kollegen von Die Sportpsychologen findest du hier, zu meiner Seite geht es hier entlang: https://www.die-sportpsychologen.de/jan-d-deneke/

Views: 2657

Johanna Constantini: Wer nicht trackt, ist nie gelaufen! (inkl. Audio)

Bei meinen Recherchen zum Umgang mit sozialen Medien im Sport ist mir bereits des Öfteren das allseits präsente Phänomen des „Trackings“ untergekommen. Egal ob über diverse Fitness-Apps, eine Online-Community oder direkt über soziale Netzwerke wie Facebook: als Leistungsgesellschaft leben wir in einem Zeitalter, das durch die Suche nach Anerkennung geprägt ist. Dabei hilft uns das online Tracking sportlicher Leistungen ungemein.

Zum Thema: Was SportpsychologInnen von sozialen Medien wissen sollten (Teil 11)

Wer kennt das nicht? Die Smartwatch hat keine Akku-Leistung mehr und der Lauf macht schon vorher nur halb so viel Spaß. Wer soll nun meine Leistung im Nachhinein bewerten (außer vielleicht mein tierischer Laufpartner, der mich keuchend an der langen Leine begleitet), wie kann ich meinen virtuellen Freunden meine neu entdeckte Route, die Höhenmeter und vor allem meine Bestzeit präsentieren? Heute gar nicht? Wieso dann laufen?

Hinweis: Du kannst dir Johanna Constantinis Beitrag auch anhören. Unsere Profilinhaberin aus Österreich hat den Text eingelesen. Hier geht es zur Audio-Datei:

Von Online-Bestätigung und digitaler Messbarkeit

Dieses Beispiel soll natürlich als Extremfall dienen, der jedoch einen nicht unwesentlichen Teil der heutigen Leistungsgesellschaft widerspiegelt. Denn wer leistet, der präsentiert dies oftmals auch online. Wie sonst hätten Fitness-Tracking-Apps wie Runtastic es geschafft, nach vier Jahren am Markt rund 70 Millionen Nutzer weltweit zu zählen (dpa, 2015). Das 2009 gegründete Linzer Unternehmen wurde mittlerweile übrigens von Adidas übernommen – Unternehmenswert damals: 220 Millionen Euro.

Du willst mehr über Johanna Constantini erfahren? https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Nicht nur, dass Millionen von Usern ihre ganz persönlichen Erfahrungen mithilfe von Apps teilen, sondern, dass die Fitnessdaten der User selbst den Wert der“ digitalen Helferchen“ ausmachen. Schließlich entscheiden wir als User, welche neuen Features entwickelt werden müssen, und nicht umgekehrt.

Wissen ist macht – vor allem im online Bereich

Weil die Dosis das Gift verursacht, so sollten wir uns bewusst machen, dass wir als User sozialer Netzwerke mitbestimmen, welche Phänomene aufkommen und welche aufgrund von zu geringer Nachfrage keine Rolle spielen. So beschreibt der Psychotherapeut und Buchautor Martin Altmeyer das Streben nach Anerkennung online als ein ständiges Wechselspiel zwischen Effizienz-Maxime & Glücks-Maximen (Altmeyer, 2012). Was macht uns als SportlerInnen, TrainerInnen oder SportpsychologInnen also effizient genug, um unseren Anforderungen nachkommen zu können? Und – wenn nicht viel wichtiger – was macht uns dabei glücklich?

Während Fitness-Apps uns beispielsweise sehr wohl dabei helfen können, Trainingspläne effizient zu gestalten, uns austauschen und neue Erfahrungen mit anderen Usern zu teilen, sollten wir dabei genauso auf die Glücks-Maxime in unserem Training achten.

Fazit

Macht uns oder unsere AthletInnen das Training nur glücklich, wenn wir und sie dieses mit beinahe unbekannten, virtuellen Freunden teilen können? Würden wir oder sie eigentlich lieber abseits jeglichen Online-Trackings trainieren? Lassen sich offline Trainings überhaupt umsetzen und wenn ja, wann macht es Sinn, sich auszuloggen? Wenn wir online sind, wie werden wir mit Leistungseinbußen umgehen? Wollen wir diese ebenfalls in unserer Community teilen? Fragen über Fragen, die wir uns nicht scheuen sollten zu stellen, um die Dosis einzustellen, die dem Gift vorbeugt.

Die komplette Serie:

Quellen

https://www.wort.lu/de/business/70-millionen-user-adidas-kauft-sport-app-runtastic-55c2411a0c88b46a8ce5de62

Altmeyer, Martin. Auf der Suche nach Resonanz: Wie sich das Seelenleben in der digitalen Moderne verändert Taschenbuch. 2016

Views: 149

Dr. René Paasch: Die Würde der Nachwuchsspieler ist unantastbar

Wir leben in einer sich immer schneller um sich selbst drehenden und komplizierter werdenden Fußballwelt. Viele Eltern und Spieler haben das Gefühl oder es bereits selbst erlebt, dass der Leistungsdruck und die Bewertungen im Vordergrund stehen und demgegenüber die dafür notwendige individuelle Wertschätzung immer mehr verloren geht. Die Sehnsucht nach Nähe, Respekt, Ehrlichkeit, Anstand, Verbundenheit und der Wunsch, im Hier und Jetzt zu leben, sind riesig. Doch was ist die menschliche Würde und wie können wir diese in den Nachwuchsleistungszentren verbessern?  

Zum Thema: Der Nachwuchsfußball und die Würde – ist das miteinander zu vereinbaren?

Eltern und Spieler spüren eine tiefe Sehnsucht in sich, dass noch viel mehr möglich ist als wir gerade im Nachwuchssport erleben. Sie suchen bewusst oder unbewusst nach einer größeren Befriedigung als den Leistungsdruck, die Ergebnisse und die bewertungsorientierten Gegebenheiten. Ich möchte zeigen, dass es auch anders funktionieren kann. Es ist mein Herzensprojekt für das Jahr 2019. Ich will mit dem Thema „Würde im Leistungssport Fußball“ möglichst viele Menschen inspirieren und im Ergebnis Hoffnung und Mut machen, dass es anders geht. Ich bin davon überzeugt, dass wir ohne eine gewisse Umkehr, in unserer immer komplexer werdenden Fußballwelt auf schlechte Zeiten zusteuern.

Wonach wir im Leistungssport gemeinsam suchen sollten, ist ein innerer Kompass, den jeder Spieler im Laufe seiner Karriere entwickelt. Er hilft, sich in der Vielfalt der von außen an den Spieler herangetragenen Anforderungen und Angeboten orientieren zu können. Dazu zählen nicht nur die vielen finanziellen Verlockungen und Konsumgüter, die ihm von Spielerberater oder Vereinen angeboten werden. Es ist auch all das, was jemand als Notwendigkeiten und unabwendbare Gegebenheiten betrachtet, welche er zu akzeptieren hat. Kein Spieler kann die in ihm angelegten Stärken entfalten, wenn er in seiner Würde von anderen verletzt wird.

Würde

Die Würde ist eine Vorstellung, die jeder Heranwachsende anhand seiner im Zusammenleben mit anderen gemachten positiven Erfahrungen entwickelt. Diese Vorstellung ist tief in uns verwurzelt. Sie bringt das gewonnene Wissen zum Ausdruck, wie dieses Zusammenleben gestaltet werden müsste. Diese mehr oder weniger deutlich ausgeprägte Vorstellung wird dann als inneres Bild genutzt, sodass ein Zusammenleben gelingen kann. Die Vorstellung von der eigenen Würde wird also zu einem wesentlichen Bestandteil des Selbstbildes. Kein heranwachsender Fußballer kann die in ihm angelegten Stärken entfalten, wenn er wie eine „Leistungsmaschine“ behandelt oder benutzt wird. Er entwickelt dann all das, was jemand als notwendig betrachtet (Verlust von Autonomie, hierarchische Strukturen, Athletiktraining, Individualtraining, taktische Vorgaben, Verhaltensweisen, Reisebereitschaft, Verlust von Freizeitaktivitäten u.v.m.).

Damit ein junger Spieler den Mut aufbringt und die notwendigen Kräfte mobilisieren kann, muss es etwas geben, dass ihn kräftiger und handlungsbestimmender wirken lässt. Aus neurobiologischer Sicht handelt es sich dabei um ein inneres Bild, das sehr eng an die Vorstellungen der eigenen Identität gekoppelt und damit zwangsläufig auch sehr stark mit emotionalen Netzwerken verknüpft ist (Hüther, 2018). Es geht dabei um eine innere Vorstellung, wie man sein möchte. Für diese Orientierung gibt es diese wunderbare Bezeichnung: Würde!

Konstruktiver Individualist

Die ersten Erfahrungen hinsichtlich der Stärkung der Würde machen junge Nachwuchsspieler nach Kita und Grundschule in den Nachwuchsleistungszentren. Aber schon die für diese Vereine inzwischen eingeführte Bezeichnung „Nachwuchsleistungszentrum (NLZ)“ macht ja recht deutlich, worum es dort primär geht. Nicht um die Entfaltung, der in den Kindern und Jugendlichen angelegten menschlichen Potentiale, nicht um Erfahrungen, die ihnen ein Bewusstwerden ihrer Würde ermöglichen, sondern um einen Ort, an dem sie sich aufhalten und nach Leistung bewertet werden. Die Bezeichnung Leistung aber bringt nur zum Ausdruck, dass sie dort fremdbestimmt geführt und bewertet werden. So können Erziehungsberechtigte nur hoffen, dass die Trainer mehr darunter verstehen und es ihnen ein Anliegen ist, das Empfinden der Kinder und Jugendliche für das zu stärken, was ihre Würde ausmacht. Erkennen lässt sich das daran, dass Trainer die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendliche nicht zu Objekten ihrer Erwartungen und Bewertungen, ihrer Belehrungen und der eigenen Karriere machen. Sie brauchen die Begegnung und den wertschätzenden Austausch mit all jenen im Fußball, die sich ihrer Würde bewusst sind. Nur so kann es gelingen, dass auch diese Trainer allmählich eine zunehmend klare Vorstellung und damit auch ein Bewusstsein ihrer eigenen Würde entwickeln. Dann werden sie das, was sie in den Nachwuchsleistungszentren tun, sehr wahrscheinlich auch nicht länger „Leistung“ nennen.

Denn Kinder und Jugendliche sind keine Leistungsmaschinen. Sie dürfen nicht zurechtgestutzt und nach Belieben verbogen werden, damit sie möglichst viel Ertrag und Leistung bringen. Vielleicht gelingt es den Verantwortlichen, Eltern, Trainern künftig besser als bisher, möglichst vielen Spielern bereits vor dem Eintritt in die Erwachsenenwelt dabei zu helfen, das Empfinden für ihren Wert und für ihre eigene Bedeutsamkeit als Individuum zu stärken. Sie lernen dann von ganz allein, anderen Personen so zu begegnen, dass sie deren Würde nicht verletzen. Weil sie sich selbst als konstruktiven Geist wahrnehmen.   

Herausbildung eines Selbstbildes

Der Prozess der Herausbildung eines Selbstbildes, welches die eigene Eingebundenheit in eine menschliche Gemeinschaft verinnerlicht und als innerer Unterstützer hilft, braucht Zeit und Geduld (Kuhl, Künne, Aufhammer, 2011). Das alles lässt sich nicht erzwingen. Es kann nur durch menschliches Aufeinandertreffen und in sich selbst entwickelt werden. Der damit einhergehende Selbstbildungsprozess lässt sich somit nicht beschleunigen. Gelingen kann er nur in einem geschützten und wertschätzenden Verein oder in dessen Umgebung. Von dieser zur Selbstbestimmung erforderlichen Maßnahmen ist in unseren heutigen Nachwuchsleistungszentren nur wenig zu spüren. Wo finden die Heranwachsenden noch Gelegenheiten, die in ihnen angelegten Talente und Begabungen auf eine spielerische Weise zu erproben und ihrer angeborenen Freude am selbständigen Entdecken und am gemeinsamen Gestalten nachzugehen? Stattdessen werden sie ausgebildet, belehrt, kontrolliert, geprüft und bewertet, geradeso als seien sie nach den Vorstellungen von Trainern formbare Marionetten.

Kein Wunder, dass nicht wenigen dabei die Lust am Leistungssport vergeht. Wie soll jemand, der von Kindesbeinen an ständig gesagt bekommt, was er zu machen hat, seinen Weg finden? Wo können sie all die vielen eigenen Erfahrungen machen, die sie als Grundlage für diesen komplizierten Selbstfindungsprozess brauchen? Und wo haben sie noch Zeit und Ruhe, um über sich selbst nachzudenken und sich zu fragen, wie sie ihr sportliches und privates Leben gestalten und wie sie mit anderen zusammenleben wollen? Heranwachsende, die im Leistungssport Fußball erfahren müssen, dass sie immer wieder zum Gegenstand der Erwartungen, der Bewertungen, der Belehrungen und Vorgaben ihrer Trainer gemacht und damit unwürdig behandelt werden, müssen sogar versuchen, das in ihnen angelegte Empfinden eigener Würde zu unterdrücken. Die Konsequenz ist verheerend.

Nehmen Sie Kontakt zu René Paasch auf: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Fazit

Dass die uns anvertrauten Kinder und Jugendliche ihr angelegtes Potential in den Nachwuchsleistungszentren entfalten, ist aus meiner Sicht nur in Ansätzen zu erkennen. Der Grund dafür ist nicht die begrenzte Entwicklungsfähigkeit, sondern unsere Unfähigkeit zur Herausbildung und Einstellung von empathischen und fürsorglichen Trainern. Solche sozial kompetenten Trainer zeichnen sich dadurch aus, dass sie jedem einzelnen Spieler nicht nur größtmögliche Freiräume, sondern auch optimale Möglichkeiten und Anregungen für seine individuelle Entwicklung bieten und gleichzeitig ein Höchstmaß an Verbundenheit und Geborgenheit gewährleisten.

Die Vereine solcher individualisierten Vorgehensweisen machen sich nicht länger zu Trägern ihrer jeweiligen Ergebnisse und Interessen. Stattdessen begegnen sie einander als Mensch. Was wir brauchen sind Entscheider, also Vorstände, Sportdirektoren, Abteilungsleiter und Trainer, die ihre Spieler einladen, ermutigen und inspirieren, über sich hinauszuwachsen und an sich zu glauben.

Mehr zum Thema:

Die dunklen Seiten des Leistungssports:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Wir empfehlen auch die dazugehörige Multimedia-Story von Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen: http://multimedia.dw.com/depression-im-fussball#321

Literatur

Kuhl, J./Künne, T./Aufhammer, F.: Wer sich angenommen fühlt, lernt besser: Begabungsförderung und Selbstkompetenzen. In: Kuhl, J./Müller-Using, S./Solzbacher, C./Warnecke, W. (Hrsg.): Bildung durch Beziehung. Selbstkompetenz stärken – Begabungen entfalten. Freiburg: Herder 2011

Hüther, Gerald, Hauser, U. (2018) Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft. Albrecht Knaus Verlag.

Internet: Hüther, Gerald (2009): Die Herausbildung von Ich-Bewusstsein und von Authentizität: Der Vortrag geht der Frage nach, wie Menschen in modernen Gesellschaften ihrer Selbst bewusstwerden und authentisch, aus sich selbst heraus handeln können. https://www.gerald-huether.de/Mediathek/Bewusstsein/Ich_bewusstsein.mp4

Views: 3597

Thorsten Loch: Abstiegskrise – Maßnahmen für den Vorstand

Sportlicher Erfolg ist planbar, oder? Mindestens genauso sollte aber auch der Misserfolgsfall geplant werden. Nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, den Teufel an die Wand zu malen, sondern vorbereitet zu sein. Denn nichts ist schlimmer als in eine krisenhafte Situation hinein zu schlittern. Dann einen Ausweg zu finden, ist für alle Beteiligten in vielerlei Hinsicht brutal. Oft wird es persönlich, teuer oder gleich beides. Der schlaue Manager und Vorstandsvertreter baut also vor…

Zum Thema: Konfliktmanagement für Krisensituationen

Konfliktmanagement hat in der Praxis vor allem damit zu tun, Menschen gemeinsam an einen Tisch zu bringen und zu motivieren, in ent-emotionalisierter Weise vernünftig und problembezogen miteinander zu reden. Aus diesem Grund beziehen sich die im Folgenden beschriebenen Vorschläge in erster Linie auf den Prozess des Krisenmanagements.

Inhaltliche Vorschläge wie „möglichst lange an einem Trainer festzuhalten“, sind aus der Außenperspektive nicht möglich. Jene Ratschläge können nur erteilt werden, wenn eine möglichst genaue Kenntnis der Gesamtsituation innerhalb des Systems vorhanden ist.

Eine Krise ist nicht Unvorhersehbares

Abstiegsgefahr und Abstiegskrisen sind Ereignisse, auf die sich eine sportliche Leistung oder ein Vorstand in einem gewissen Maß einstellen kann. Viel besser als in anderen Lebensbereichen können Kriterien bestimmt werden, ab wann man die Ansicht vertritt, dass die Situation besondere Steuerungsmaßnahmen erfordern. Im Vorlauf einer Saison kann quasi eine Krisenprävention durch einen geeigneten Interventionsplan vorbereitet werden.

Beispielsweise ist es möglich, im Vorlauf einer Saison bestimmte Kriterien zu definieren, deren Erfüllung automatisch einen Plan zur Bündelung der Kräfte für den Ligaverbleib aktiviert. Es ließe sich beispielsweise ein mehrstufiger Krisenplan entwickeln, in welchem in Abhängigkeit von der Bedrohlichkeit der Situation unterschiedliche Maßnahmen definiert werden. So könnte zum Beispiel das Erreichen einer bestimmten Punkteausbeute zur Hälfte der Saison ein Marker darstellen. Der Vorteil eines solchen Interventionsplanes besteht darin, dass der Vorstand frühzeitig beginnt, der Entstehung einer Abstiegskrise gegenzusteuern.

Nehmen Sie Kontakt zu Thorsten Loch auf: https://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

Kommunikation und Transparenz

Ein „runder Tisch“ mit möglichsten vielen Funktionsträgern kann eine gute Idee sein. Er dient im gemeinsamen Problemlöseprozess dazu, herauszufinden, was die Mannschaft braucht und was sich auf allen Ebenen verbessern lässt. Die Leitfrage wäre: Was kann jeder dazu beitragen, seine Arbeit zu verbessern und die Verunsicherung im Team zu reduzieren und/oder den Druck zu nehmen? Es ist wichtig, dass ein solcher Tisch vom Vorstand/Management einberufen und institutionalisiert wird, weil er sonst dem Trainer als Schwäche ausgelegt werden kann und seine Kompetenz in Frage stellen könnte.

Dem Trainer gegenüber sollte mit offenen Karten gespielt werden. Für diesen ist es sonst eine psychologisch sehr ungünstige Situation, wenn sich ein Klima des Misstrauens entfaltet. Dabei scheint es für einen Trainer weniger problematisch zu wissen, dass man ihm noch zwei Chancen (Wettkämpfe) gibt, als völlig „blind“ laufen zu lassen.

Konkrete Hinweise

Versuchen wir es möglichst konkret: Welche Arbeitsbereiche sollten Entscheider in den Fokus nehmen? Wo lohnt es sich, in Krisensituationen Zeit und Energie zu investieren?

1.Zielbereich: Ent-emotionalisierte und konstruktive Situationsanalyse

Nach der Faustregel: „Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen“ sollte ein Interventionsplan vorsehen, dass sich die Mitglieder von Vorstand und Management in kurzen Zeitabständen treffen. Denkbar wäre nach jedem Heimspiel, um gemeinsam die Situation zu analysieren. Getroffene Entscheidungen sollten sie mit klaren Argumenten und gemeinsamer Stimme nach außen vertreten werden. Will man den Trainer halten, ist es wichtig zu sagen, weshalb man dem Trainer das Vertrauen ausspricht. In diesem Fall geht es um die Stärkung der Strukturen, die man aufrechterhält.

2. Zielbereich: Teamgeist

Es kann durchaus hilfreich sein, dass das Management Gelder zur Verfügung stellt, um Teambuildingmaßnahmen zu finanzieren. Darüber hinaus stehen den Entscheidungsträgern durchaus noch weitere Möglichkeiten zu Verfügung, wie es ihnen gelingen kann, den so genannten „Wohlfühlfaktor“ der maßgeblichen Vereinsangestellten zu erhöhen. Die Bandbreite kann von Optimierung der Trainingsbedingungen bis hinzu Verbesserung des Reisekomforts reichen. Es müssen nicht zwangsläufig Interventionen in Verbindung mit finanziellen Ressourcen sein. Auch ohne finanzielle Aufwendungen ist etwas möglich. Das Stichwort in diesem Zusammenhang heißt Aufmerksamkeitszuwendungen.

Beispielsweise kann dies die persönliche Gratulation zum Geburtstag sein, oder eben auch die konstruktive und engagierte Beteiligung an runden Tischen, Lob für diejenigen, die sich einbringen und Trainer plus Mannschaft ihre Unterstützung anbieten. Dies ist durchaus leichter gesagt als getan. Voraussetzung dafür kann die Vereinsführung schaffen, indem sie entsprechend führt (transaktionaler und transformationaler Führungsstil). Nur wenn die Beteiligten nicht die Befürchtung vor Konsequenzen haben müssen, werden sie sich einbringen.

3. Zielbereich: Optimismus/Aufbruchstimmung

Die Vereinsführung kann die Motivation in einem abstiegsbedrohten Verein durch zukunftsbezogene Visionen deutlich beeinflussen. Ein Konzept, aus dem glaubhaft hervorgeht, dass der Verein in Zukunft eine bessere Perspektive hat, wenn der Klassenerhalt gelingt, ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung. Insbesondere im Hinblick auf den Faktor Motivation.

Motivation entsteht immer durch die mentale Vorstellung der Zukunft. Dabei sollte ebenfalls mit in Betracht gezogen werden, dass es nicht nur in der Öffentlichkeit als demotivierend wirkt, wenn man ständig zu hören bekommt, was alles nicht möglich ist. Motivierendes Management erfordert realistische Visionen und natürlich auch persönliche Überzeugung und Begeisterung für diese Visionen.

Fazit:

Im zweiten Teil dieser kleinen Serie zu der Thematik Abstiegskrise im System Verein, wurde in dem vorliegenden Beitrag nach dem Trainer die Position des Vorstandes und deren Möglichkeiten näher beleuchtet. Wie wir gesehen haben, steht das Management im Vergleich zu anderen Teilbereichen des Systems, vor einem Wirrwarr von Unvorhersehbarkeiten. Jedoch ist das Management diesem nicht hilflos ausgeliefert. Anders als in anderen Abschnitten des Lebens, ist es möglich, präventiv zu arbeiten. Dazu sollten die Verantwortlichen vor dem Beginn einer Saison ein mehrstufiges Krisenmanagementsystem entwickeln. Damit wird es den Entscheidungsträgern möglich, drohende Krisen früher zu erkennen und entsprechend rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuläuten, bevor es zu spät ist. Die Schwierigkeit besteht darin, realistische Kriterien zu benennen und konstruktiv zu beurteilen, damit sich der Verein nicht – gefühlt – aus heiterem Himmel im Abstiegsgefahr wiederfindet.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/09/thorsten-loch-abstiegskampf-wie-krisen-funktionieren-und-sich-loesen-lassen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/28/thorsten-loch-abstiegskrise-massnahmen-fuer-den-trainer/

Views: 11883

Johannes Wunder: Die Rolle der Sportpsychologie im Recruiting

Kürzlich erwähnte Heiko Schelberg, der Geschäftsführer der Gießen 46ers, in der BIG Basketball wie wichtig es doch gewesen sei, mit so genannten Soft Facts in die Vertragsverhandlung mit dem Top-Spieler John Bryant zu gehen. Soft Facts meint hier den Umgang mit dem Menschen. Der Begriff „Club-Familie“ fällt im gleichen Zusammenhang und der Wohlfühlfaktor steht im Raum. Nicht nur für den Spieler selbst, sondern auch für dessen eigene Familie. Man versuche regelrecht, Wünsche von den Lippen abzulesen und dort zu helfen, wo Bedarf ist.

Zum Thema: Standortfaktor Sportpsychologie für Basketballbvereine

Ein für mich maßgeblicher Soft-Fact ist zweifelsohne das Thema Sportpsychologie. So haben in den vergangenen Wochen gleich mehrere Basketball-Profis über ihre Erfahrungen mit der Sportpsychologie berichtet. Top-Stars wie Kevin Love, aber auch Nationalspieler wie Kostja Mushidi äußerten sich öffentlich zu ihrer ganz eigenen „Wohlfühl-Atmosphäre“, nämlich durch die Arbeit mit einem qualifizierten Berater. Dass das Profi-Business unter erheblichen und oftmals auch einschränkenden Druckbedingungen stattfindet, haben viele meiner Kollegen bereits thematisiert. Auch ein möglicher Umgang mit Problemsituationen wurde sportpsychologisch mehrfach ausgeführt.

Immer noch finden sich im Basketballsport in Deutschland erschreckend wenige Anlaufstellen für Profi-Sportler und noch weniger für die Profis von Morgen. Vorreiter im Thema Sportpsychologie gibt es wenige. Alba Berlin zeigt allerdings positiv, wie das Thema umgesetzt werden kann. So gibt es im Verein eine sportpsychologische Leitung und regelmäßig dürfen qualifizierte Studenten, wie aktuell Lisa König aus dem Netzwerk Die Sportpsychologen, die Vereinsteams begleiten. Das führt nicht nur zu einer Sensibilisierung für die Wichtigkeit des Themas Sportpsychologie und dem Abbau von Vorurteilen bei Athleten und Eltern, sondern erleichtert später auch den Zugang zu Sportlern im Profibereich.

Direkt zu Johannes Wunder Kontakt aufnehmen: https://www.die-sportpsychologen.de/johanneswunder/

Fehlt der wirtschaftliche Mehrwert?

Wirtschaftlich sehen viele Clubs noch immer keinen Mehrwert, welchen die Sportpsychologie mit sich bringt – anders als beim Thema Athletiktrainer oder Physiotherapeuten. Wer den Sprung in den Profi-Kader nicht schafft, wird ausgetauscht und für alle Spieler, die an der Drucksituation scheitern, gibt es bereits Ersatz. Natürlich hat jeder Verein auch einen pädagogischen Auftrag, welcher immer größer wird, je länger die Vereinsstrukturen an der Entwicklung des Spielers, sportliche wie menschlich, beteiligt sind. Aber intern wird dieser häufig doch anders definiert, da in vielen Vereinen nach wie vor streng kalkuliert werden muss.

Ein für mich zentraler Mehrwert entsteht aber offensichtlich, wenn man das Beispiel John Bryant auf den Nachwuchs transferiert. Viele talentierte Jugendspieler wagen irgendwann den Schritt aus ihrem Heimatverein in ein Leistungszentrum. Die Angebote sind aber im Kern häufig ähnlich. Vieles dreht sich um die tägliche Förderung, die schulische Ausbildung, Wohnsituation oder aber auch die Durchlässigkeit in den Profi-Bereich. Die meisten Farmteams großer Clubs spielen selbst in der 2. Basketball Bundesliga und die Infrastruktur wird kontinuierlich ausgebaut. Zwar gibt es Unterschiede, ob aber immer der Verein mit den besten Angeboten „gewinnt“, ist zweifelhaft. Die Frage ist, ob eine umfassende Betreuung – auch durch Sportpsychologen des Vereins – den Schritt aus dem behüteten Elternhaus in ein Internat oder eine Gastfamilie erleichtern? Ich finde ja, denn oftmals entscheiden hierbei nicht nur die Spieler selbst, sondern eben auch die Eltern. Eine angepasste, ganzheitliche Betreuung würde für so manchen Club einen Standortfaktor bedeuten, welcher sich maßgeblich im Recruiting auswirken kann. Denn Soft-Facts spielen nicht nur im Profibereich eine entscheidende Rolle.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/09/04/johannes-wunder-was-basketballer-von-bergsportlern-lernen-koennen

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/04/03/markus-gretz-rituale-im-basketball

Views: 269

Dr. René Paasch: Fußball-IQ – Kreativität und Spielintelligenz im Fußball

Auf den Bolzplätzen sind sie allgegenwärtig, die “Reus”, “Lewandowski” oder “Messi”.  Zumindest auf den Trikotrücken der Mädchen und Jungen stehen die Namen der größten Stars. Vor allem Kinder und Fans haben meist eine genaue Vorstellung davon, welchen prominenten Spieler sie verehren. Doch was macht diese Spieler so besonders und lässt sie kreativ und spielintelligenter handeln? Dieser Frage möchte ich in dem nun folgenden Beitrag auf den Grund gehen.

Nimm Kontakt zu Dr. René Paasch auf: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Zum Thema: Kreativität und Spielintelligenz im Fußball

Aktuelle Studien zeigen, dass Kreativität von personenbezogenen Faktoren beeinflusst wird. Prof. Dr. Daniel Memmert und sein Team nehmen an, dass Kreativität weniger eine feste Persönlichkeitseigenschaft ist, sondern aus kontextuellen und persönlichen Variablen besteht. Sie liefern eine theoretische und empirische Basis für die Annahme, dass allein die Vorstellung, Cristiano Ronaldo zu sein, bei einem Amateurkicker Effekte auf die eigene Kreativität habe. Um dies zu überprüfen, führten Memmert und Furley drei separate Experimente mit insgesamt 180 Fußballern durch. Als kreative Vorbilder wurden in einer Vorstudie für das Projekt Lionel Messi und Thiago Alcántara ermittelt. Als weniger kreative Vorbilder Per Mertesacker und John Terry. Im ersten Schritt wurden die Teilnehmer in vier Gruppen à 30 Probanden eingeteilt. Zwei (kreative) Messi/Thiago-Versuchsgruppe und eine (wenig kreative) Mertesacker/Terry-Versuchsgruppe. Jeder Teilnehmer wurde einzeln im Labor getestet. Die Zuordnung zum jeweiligen Spieler und das eigentliche Ziel war dem Zufall überlassen. Über ein experimentelles Priming-Muster (Näheres über Priming finden Sie hier https://www.die-sportpsychologen.de/2017/01/25/dr-rene-paasch-priming-im-fussball/#). sollten sie zunächst die Fähigkeiten und das spezifische Verhalten der Profispieler möglichst genau schriftlich skizzieren. Anschließend mussten sie fußballspezifische Entscheidungsaufgaben erfüllen, die sich aus der Beurteilung von 20 Angriffsszenen zusammensetzten. Nach jeder Szene hatten sie die Aufgabe, alle taktischen Lösungsmöglichkeiten aufzulisten, die sich in ihren Augen aus der Spielszene ergaben. Anschließend wurden alle von den Teilnehmern genannten Lösungsideen in sieben Kategorien eingeteilt und über ein gängiges Punktesystem analysiert. Zwei unabhängige Fußballexperten bewerteten dazu die Originalität der Lösungsvorschläge. Auch beim dritten Experiment bedienten sich die Wissenschaftler der zuvor ermittelten kreativen und weniger kreativen Spieler. Die Testaufgaben waren für die Probanden dieser Gruppe dieselben wie bei den vorherigen beiden Experimenten. Der Unterschied im Untersuchungsdesign lag in der experimentellen Priming-Manipulation: Anstatt die Charakteristika der beobachteten Spieler zu notieren, erhielten die Versuchsteilnehmer unterschiedliche Antwortbögen für ihre Notizen, auf denen Farbbilder und Namen der Fußballer aufgedruckt waren. Die Ergebnisse aller drei Experimente bestätigen, dass die Vorstellung bzw. die Wahrnehmung von kreativen bzw. weniger kreativen Spielern die Kreativität im Fußball beeinflussen kann.

Ein weiteres wichtiges Feld der Exekutivfunktionen ist die Spielintelligenz. Um Kombinationsfußball auf höchstem Niveau zu spielen, bedarf es einer ausgeprägten Kreativität und einer hohen Spielintelligenz, die bereits in jungen Jahren gefördert werden muss. Doch was ist eigentlich die Spielintelligenz?

Spielintelligenz

Was macht einen spielintelligenten Fußballspieler aus? Die Antwort auf diese Frage ist schwer zu beantworten, weil neben den technischen und konditionellen Fähigkeiten auch die Spielintelligenz eine Rolle spielt. Also die Fähigkeit, sich situationsgerecht und kompetent im Spiel einzubringen. Vestberg, Gustafson, Maurex, Ingvar, Petrovic (2012) lieferten eine vielversprechende Erklärung zur Spielintelligenz. Sie stellten die Hypothese auf, dass die kognitiven Funktionsweisen (Näheres dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2017/07/09/dr-rene-paasch-von-wegen-ein-einfacher-pass-exekutivfunktionen-im-fussball/) wichtig sind, um einen Fußballer intelligenter spielen zu lassen. Sie konnten nachweisen, dass die Profispieler bessere Ergebnisse erzielen konnten gegenüber dem Durchschnitt. Und nicht nur das. Zudem konnte anhand der Ergebnisse der Erfolg in der darauffolgenden Saison vorhergesagt werden und die besonders kreativen und spielintelligenten Spieler lieferten mehr Torvorlagen und schossen auch die meisten Tore.

Fazit

Der Fußball wurde schon immer von bestimmten Gegebenheiten geprägt. Während der Fußball in seinen Anfängen in erster Linie technisch geprägt war, wurde in den 70er Jahren immer mehr in den physischen Komponenten trainiert, bevor dann in den 80er und 90er Jahren die Schulung der Taktik vermehrt im Vordergrund stand. Durch den enormen Fortschritt in der Trainingslehre und Athletik ist im modernen Fußball für jeden Spieler eine hervorragende technische, taktische und physische Ausbildung selbstverständlich geworden. 

Nun tritt mit der Spielintelligenz und Kreativität ein weiterer Punkt immer mehr in den Vordergrund, der oftmals den entscheidenden Unterschied ausmacht. Aus diesem Grund sollte die Ausbildung der Exekutivfunktionen im Fussballtraining mehr Beachtung geschenkt werden.

Mehr zum Thema:

Literatur

Furley, P., & Memmert, D. (2018): Can creative role models prime creativity in soccer players? Psychology of Sport and Exercise, 37, 1–9. https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2018.03.007

Memmert, D. (2011): Creativity, expertise, and attention: Exploring their development an their relationships. Journal of Sport Science, 29 (1): 93-102.

Vestberg, T., Gustafson, R., Maurex, L., Ingvar, M., & Petrovic, P. (2012): Executive functions predict the success of top-soccer players. PloS one; 7(4)

Views: 2262

Ole Fischer: Optimal aktiviert – Zwischen Anspannung und Entspannung

Es ist Wettkampftag und der Sportler merkt, dass seine Gedanken rasen: „Was kann ich tun, sollte ich, habe ich, könnte ich?“ Es fällt schwer, sein Handlungsziel im Auge zu behalten, wenn der Athlet unter Druck gerät. Deshalb ist es wichtig, das Gedankenspiel und das psychische sowie physische Erregungsniveau nach Belieben regulieren zu können. Ich möchte kurz einige Techniken vorstellen, die Sportler gezielt nutzen, um ihr Aktivierungsniveau ihrer Anforderung anzupassen.

Zum Thema: Gedankenstopp – Die Notbremse ziehen

Wenn die Gedanken sich im Kreis drehen und von der eigentlichen Aufgabe ablenken, rate ich meinen Athleten einen Gedankenstopp anzuwenden. Eine Methode aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Sportler sollen das Wort „Stopp“ aussprechen oder denken und sich dabei ein rotes Stoppschild vorstellen, welches groß vor ihnen erscheint. Damit ist ein „Break“ in ihrem Gedankenstrom und dieser hört erst einmal auf.

Nun ist es wichtig, sich bewusst einem anderen Gedanken zuzuwenden um nicht in dasselbe Muster zurück zu verfallen. Verlangsamtes ein- und ausatmen und ein entspannender Gedanke (z.B. ein besonders befriedigendes Erfolgserlebnis) entschleunigen und helfen dabei, sich wieder auf die eigentliche Handlungsaufgabe zu konzentrieren. Eine verlässliche Methode, für die es aber ein wenig Übungszeit bedarf.

Zum Profil von Ole Fischer: https://www.die-sportpsychologen.de/ole-fischer/

PMR – Vom Körper zum Kopf

Bei der Progressiven Muskelrelaxation entspannt der Sportler bestimmte Muskelgruppen, nachdem er diese zuvor unter einen hohen Spannungszustand versetzt hat. Währenddessen nimmt er bewusst die Entspannung der jeweiligen Muskelgruppe wahr. Die Logik hinter dieser Praktik ist bestechend simpel und dennoch effektiv. Die Methode wurde 1934 von Jacobson entwickelt, der in seinen Studien an der Harvard Universität nachweisen konnte, dass wenn jemand von Ängsten geplagt war, dies immer mit einer Erhöhung des Muskeltonus einher ging. Lockerte man die Muskulatur, nahmen gleichzeitig die wahrgenommenen Ängste ab.

Nicht zu glauben? Achten Sie mal bewusst darauf, wie Sie oder Ihre Sportler sich vor einem Wettkampf verhalten. Einige versuchen, sich bewusst locker zu geben, um so ihre Nervosität im Griff zu halten – nicht allen gelingt es allerdings. In der Praxis werden bei der PMR insgesamt 16 verschiedene Muskelgruppen angespannt und entspannt. Dies geschieht unter der Anleitung eines Sportpsychologen oder einem zertifizierten PMR-Trainer. Das Schöne an der Herangehensweise ist, dass Athleten und Trainern in relativ kurzer Zeit eine effektive Entspannungsmethode vermittelt werden kann.

Autogenes Training – Vom Kopf zum Körper

Den Begriff „Autogenes Training“ hat fast jeder schon einmal gehört. Nur wenige haben wirklich verstanden, was dabei eigentlich passiert. Das autogene Training ist eine Form der Selbstsuggestion (Autosuggestion). Das bedeutet, grob gesagt, ich beeinflusse meinen Organismus mit Hilfe meines Geistes, damit ein bestimmtes Verhalten auftritt.

So kann beispielsweise ein Sportler sich mit dieser Methode in einen konzentrierten Entspannungszustand versetzen, mit dem ihm die Ausführung seiner Handlung besser gelingt. Der Nervenarzt Schultz, der dieses Verfahren entwickelte, unterscheidet dabei die Grund- und die Oberstufe. Die Grundstufe ist die im Sport praktizierte Methode, bei der durch sechs verschiedene Übungen ein Ruhezustand in Entspannung hervorgerufen wird:

  • Schwereübung
  • Wärmeübung
  • Herzübung
  • Atemübung
  • Sonnengeflechtsübung
  • Kopfübung

Geduld, Rat und Tat

Das Autogene Training ist eine sehr lernintensive Methode, die einige Zeit benötigt um sie sicher zu beherrschen. Sie brauchen also etwas Geduld. Außerdem möchte ich dringend dazu raten, mit einem erfahrenen und gut ausgebildetem Sportpsychologen daran zu arbeiten – neben dem nötigen Steuern der Übung kann er auch über eventuelle Risiken informieren.

Wir von Die Sportpsychologen helfen gern. Nehmen Sie Kontakt auf – meine Kollegen (zur Karte) und ich (zum Profil) stehen bereit. 

Mehr zum Thema:

Views: 1700

Sportpsychologie im Langlauf: Immer noch in der dunklen Ecke

“Das Erlebnis hat mich zum Nachdenken gebracht”, gibt Erik Schneider zu. Der Thüringer, seit Frühjahr 2018 Disziplintrainer Ski-Langlauf der deutschen Frauen, spricht von der Junioren WM Anfang des Jahres im schweizerischen Goms. Als Außenseiterteam holte sich die deutsche Staffel mit Anna-Maria Dietze, Celine Meyer, Alexandra Danner und Lisa Lohmann Gold. Schneider, bei der WM noch Juniorinnentrainer: “Vom konditionellen Niveau und der Leistungsstärke war dieser Erfolg wirklich eine Überraschung. Aber wir haben als Team in dieser Woche viele spezielle Erlebnisse gesammelt, die in einer beeindruckenden Leistung mündeten.”

Zum Thema: Sportpsychologie im Langlauf

Schneider feierte mit dem WM-Titel den größten Erfolg im Juniorinnenbereich seit 1999. Offenkundig steht das Staffel-Gold mit weichen Faktoren wie Teamzusammenhalt, Atmosphäre und Erwartungsdruck in Verbindung. Alles Punkte, an denen Schneider mit seinem Peter Schlickenrieder, dem neuen Langlauf-Bundestrainer, arbeitet. Ihnen ist klar, welche Bedeutung – abseits der konditionellen Fähigkeiten – der Kopf im Ausdauersport spielt. Schneider: “Es ist wichtig, das antrainierte Konditionelle zu einem bestimmten Zeitpunkt auf die Strecke zu bringen. Hinzu kommt bei unserem Outdoor-Sport, dass mit einer Reihe von äußeren Einflüssen richtig umgegangen werden muss.”

Demgegenüber ist der Stellenwert der Sportpsychologie im Langlauf aber überraschend klein: Es wird zwar mit einer gut ausgebildeten Sportpsychologin zusammengearbeitet. Aber alles andere als häufig. Grundsätzlich haben die Athletinnen die Möglichkeit, bei “Problemen” oder bestimmten Fragen die vorhandenen Strukturen zu nutzen. Schneider: “Ich gehe davon aus, dass dieses Thema mehr Stellenwert gewinnen wird. Bislang wird es eher stiefmütterlich behandelt.”

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen
Sportpsychologie. Im Skilanglauf offenbar nicht mehr als ein Nebenkriegsschauplatz

Mut zur Veränderung

Im Langlauf weht ein neuer Wind. Hauptverantwortlich dafür ist Peter Schlickenrieder. Der Bundestrainer ist ein bunter Hund im Sport. Er war selbst 2002 Olympia-Medaillengewinner von Salt Lake City, Fernsehexperte, Unternehmer, Vortragsredner und Motivationsexperte. “Absolut, Peter gibt allen den Mut zur Veränderung. Und damit motiviert er das gesamte Gefüge,” so Schneider.

Seit der Saisonvorbereitung im Frühjahr wird bei den Skilangläufern intensiv mit Workshops gearbeitet. Die Themen sind in den Runden sehr unterschiedlich. Schneider erinnert sich besonders an den Social Media-Arbeitskreis, an dem viele für den Alltag von Trainern und Sportlern relevante Dinge zur Sprache kamen.

Besondere Herausforderungen

Vor besonderen Herausforderungen steht der Trainerstab in dieser Saison durch den Wechsel von Miriam Neureuther (früher Gössner) aus dem Biathlon in den Langlauf. Im Video erklärt er, welche Herausforderungen sich mit dem potentiellen Star im Team verbinden und weshalb die junge Mutter alles andere als ein PR-Gag ist:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen
Miriam Neureuther – eine besondere Personalie im Skilanglaufnationalteam?

Mit Miriam Neureuther wird also eher mittelfristig geplant. Wie auch die gesamte Ausrichtung im Trainerstab auf die Heim-WM 2021 in Oberstdorf fokussiert ist. Und es scheint glaubhaft, wenn Schneider sagt, dass auf diesem Weg die Sportpsychologie an Bedeutung gewinnen wird. Der Thüringer: “Die Sportpsychologie hat im Langlauf durchaus noch das Image, dass dies nur jemand braucht, der es nicht hinbekommt. Da müssen wir es in Zukunft ein Stück wegnehmen. Denn es geht ja vielmehr darum, auch mit Hilfe der Sportpsychologie, im Kopf stark zu sein und meine Leistung abzurufen.”

Großes Ziel ist Oberstdorf 2021

Wunderdinge erwartet Schneider für die Saison 2018/2019 trotz der angestoßenen Veränderungen im Nationalmannschaftsbereich kurzfristig nicht: “Im vergangenen Jahr waren wir bei den Damen in der Teamwertung Achter. Und wir werden jetzt nicht über Nacht zur führenden Nationen aufsteigen. Aber wir wollen Entwicklungsschritte setzen.” Das große Ziel ist dann die Heim-WM im Jahr 2021 in Oberstdorf. Dort sollen alle deutschen Langläufer bei jedem Rennen den Zuschauern und sich Freude bereiten.

Auf diesem Weg setzen Schneider und seine Kollegen auf Verunsicherung, wie er es nennt. Schneider: “Ich meine damit, dass wir ganz bewusst nicht nach dem Schema F arbeiten. Wir beziehen die Sportler mit ein, bauen auf Feedback und richten uns in vielen Bereichen neu aus. Wir wollen eine echte Entwicklung anstoßen, um im Ergebnis wieder die Weltspitze zu erreichen.”

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen
Erik Schneider über die Anwendung der Sportpsychologie im Alltag.

Unsere Experten im Bereich Ski Nordisch:

Views: 684