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Dr. René Paasch: Ein menschlicherer Fußball – wer ist dabei?

Kommerzialisierung, Globalisierung, Digitalisierung. Der Profi-Fußball hat sich in den vergangenen 15 Jahren nicht nur grundlegend von seiner Basis entfernt, sondern er ist aus meiner Sicht getrieben. Das Spiel ist noch das gleiche, aber zentrale Werte wie Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Würde sind auf der Strecke geblieben. In der Realität von jungen Talenten in den Nachwuchsleistungszentren bedeutet dies, dass er mehr denn je um Ergebnisse geht. Leistung muss maximiert werden. Ich frage Sie. liebe Eltern, Trainer und Funktionäre: Wollen Sie das? Und können wir es gemeinsam nicht besser machen?

Zum Thema: In Verbundenheit spielen und leben dürfen – Projektankündigung!

Zum Profil von Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Halten Sie mich für verrückt. Aber ich glaube tatsächlich daran, dass ein menschlicherer Profi-Fußball möglich ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Leistung in einer würdevollen, auf Respekt basierenden und in Verbundenheit gelebten Form viel besser optimieren lässt als in der kalten Businesswelt, zu der der Profi-Fußball bereits auf der Ebene der Nachwuchsleistungszentren (NLZ) geworden ist.

Vergegenwärtigen wir uns aber noch einmal die aktuelle Situationen in den meisten NLZ`s: Die Trainer, nicht selten junge Uni-Absolventen, sind häufig unterbezahlt. Es herrscht ein großer Wettbewerb, häufig ein Kampf um den nächsten Karriereschritt. Der U13-Coach will U14-Trainer werden und so weiter. Um solche Ziele zu erreichen, gehören unvergütete Überstunden zum Alltag. Die Work-Life-Balance ist in Schieflage. Das System frisst fast die kompletten Ressourcen der Angestellten und der Spieler auf. Für “kleine” Anliegen der Nachwuchskicker ist dabei kaum Zeit. Das Menschliche bleibt allzu oft auf der Strecke.   

Leistung in einem anderen, menschlicheren, Umfeld

Mein persönliches Anliegen ist es, das Menschliche im Sport wieder mehr zu entfalten und das Miteinander zu pflegen. Mein Wunsch ist es, als Sportpsychologe sozial und emotional kompetent begleiten zu dürfen. Und dies im leistungssportlichen Kontext. Denn meiner Überzeugung nach wird aktuell kaum berücksichtigt, dass Leistung auch in einem andersartigen Umfeld entstehen kann. Respekt, Moral, Gemeinschaft – solche Werte sind, wenn sie konsequent gelebt werden, ein immenser Trigger für sportlichen und menschlichen Erfolg.

Führungskräfte, Trainer und Spieler, die sich ihrer Werte bewusst sind, treffen die besseren Entscheidungen und sind nicht abhängig von kurzfristigen Erfolgserlebnissen. Störende Einflüsse von unseriösen Beratern oder unmenschlich agierenden Verantwortungsträgern verlieren an Einfluss. Diese gewonnene Freiheit lässt Resilienz, also die Widerstandskraft gegenüber Misserfolgserlebnissen wachsen, und macht jedes Individuum stärker. Der Einzelne benötigt keine Statussymbole mehr, um sich als wertvoller Mensch zu erleben.  

Warum es sich lohnt, aufzustehen?

Wie eingangs formuliert, sieht es aus meiner Sicht in der Realität des Nachwuchsleistungsfußballs anders aus. Werten Sie mit dem Fokus auf Werte nur einmal die jüngsten Gespräche, die Sie mit Trainern, Beratern oder Vereinsfunktionären geführt haben?!

Für die, denen es gelungen ist, sich ihrer Werte als Mensch bewusst zu werden, wird es allerhöchste Zeit aufzuwachen. Wer sonst, wenn nicht wir wären in der Lage, die Entwicklung im Fußball zu ändern? Aus diesen Gründen möchte ich ein Projekt starten und andere dazu animieren, ähnliches auf den Weg zu bringen.  

Projektgruppe: „Verbundenheit und Leistungssport“

Im ersten Schritt möchte ich Sie bitten, mir zwei Fragen zu beantworten:

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Weitere Informationen

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Antworten Sie mir bitte mit Hilfe dieses Formulars. Selbstverständlich bleiben Ihre Daten anonym. Wenn Sie eine Kontaktaufnahme durch mich wünschen, können Sie entsprechende Kontaktdaten angeben, die nur dem Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen und mir zugänglich sind. Alternativ können Sie mich gern anrufen oder anmailen:

Ziel des Projektes

Ziel ist die Herausbildung eines Projektes, dessen Anliegen es ist, das Gefühl und das Bewusstsein der Werte jedes Einzelnen zu stärken. Mein Wunsch ist es, dass sich einige Vereine für die problematische Situation im Nachwuchsleistungsfußball sensibilisieren lassen und Änderungen auf den Weg bringen.  

Im Ergebnis sollen Sportler, Eltern und Trainer schwierige Momente in einzelnen Bereichen des Leistungssports besser durchlaufen und letztlich meistern können. Es geht darum die Menschen zu stärken, um sie auf die Herausforderungen (Sport, Schule, Beruf, Privatleben) bestmöglich vorzubereiten. Vielleicht schaffen wir es sogar, etwas am System zu ändern…

Fazit

Im Durchschnitt investiert jeder Bundesligaverein, so war es beim Auftritt von Matthias Sammer bei SpoBis 2019 in Düsseldorf zu hören, sieben Millionen für die Nachwuchsleistungszentren. Pro Jahr “produzieren” die NLZ`s 60 bis 70 Lizenzspieler. Vielleicht lässt sich diese Quote verbessern. Und noch wichtiger: Hoffentlich gelingt es uns, dass wir uns noch besser um die Menschen in dem System zu kümmern. Am Ende schießen Moral, Normen und Werte meiner Überzeugung nach sogar Tore…

Mehr zum Thema:

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Dr. Rita Regös: Innerhalb oder außerhalb des Systems?

In vielen olympischen Sportarten wird eine erbitterte Diskussion geführt: Wie viele Stützpunkte braucht es, welche Rolle haben Heimtrainer, Bundestrainer und Dachverband und wie viel Mitspracherecht und Autonomie hat der Athlet? Es geht um die Frage, wieviel System braucht der Leistungssport, um erfolgreiche Sportler hervorzubringen? 

Zum Thema: Sportliche Leistung als Systemfrage

Die Diskussion ist nicht neu, sie wird auf unterschiedlichen Ebenen heiß debattiert, leider immer in einer Schwarz-Weiß-Manier. Je nachdem auf welche Seite man steht, formulieren sich Argumente und Kritik. Dachverbände, übergeordnete Sportorganisationen, etliche Trainer und auch manche Athleten vertreten die Ansicht, dass eine gewisse Anzahl von Sportlern gleich zu trainieren haben, samt unweigerlicher Unterordnung. Dies belebe die Konkurrenz untereinander, fördere den Willen und den Biss, der Beste sein zu wollen. 

Zu den Vertretern dieser Ansicht gehören nicht selten ehemalige Weltmeister und Olympiasieger, die nach dem Wechsel aus ihrer aktiven Zeit in den Trainerberuf auch den Weg an die Spitze neu definieren zu scheinen. Paradoxerweise entwickeln sie Lehrgangssyteme, stellen Regeln auf und verlangen eine unerbittliche Anpassung an ihr System, obwohl sie selber außerhalb des damaligen Systems außerordentlich erfolgreich waren und ihren Erfolg mitunter auf ihren Alleingang zurückführen. Sie liefern zwangsläufig Gegenargumente für die Vertreter der anderen Seite, denn ihre eigene erfolgreiche Karriere ist quasi der lebende Beweis für den Erfolg außerhalb des Systems. Zwangsläufig formulieren sich kritische Fragestellungen: Woran liegt es, dass erfolgreiche Alleingänger, wenn sie später in ein System eingebunden sind, den ausschließlichen Weg zum Erfolg über und durch das System sehen? Ist es die Legitimation der neuen Funktion, die Solidarität mit dem Arbeitgeber oder ist man überzeugt, eine Ausnahme gewesen zu sein? 

Zur Profilseite von Dr. Rita Regös: https://www.die-sportpsychologen.de/ritaregoes/

Überflüssige Entweder-Oder-Diskussion

Ja, diese oder ähnliche Fragen stellen sich auch Sportler, die in den Genuss kommen, ihre ehemaligen Teammitglieder mit mäßigem Erfolg als Aktiver, plötzlich als Bundestrainer vor sich zu sehen. Ihre Antwort fällt schroff aus, irgendetwas mit sich aufspielen und fragend, er will es wissen? Nichtsdestotrotz sind keine der Gründe verwerflich, aber den letzteren wollen wir näher betrachten, denn ein oder kein System spielt da keine Rolle.

Für Sportler, die individuell mit einem Trainer in einem eigenen System arbeiten, sind sämtliche Funktionsträger im Dachverband Bürokraten, die weitab des Trainingsalltags die finanzielle Mittel bewilligen oder auch nicht. So gesehen ist die Argumentation, für Bundesstützpunkte, gemeinsames Training usw. keine verzweifelte Bestrebung der Sportorganisation, sich unentbehrlich zu machen, sondern die Erfüllung der tatsächlichen Aufgabe in der heutigen Form der allgemeinen gängigen Leistungssportorganisation. Die Frage, ob Leistungssportler mit oder ohne System erfolgreicher würden, könnte letztendlich nur beantwortet werden, wenn sich von Anfang an ein und dieselbe Person im Alleingang und im System versuchen würde – in zwei Leben eben. Unmöglich, von der Entweder-Oder-Diskussion kann daher Abstand genommen werden. Sie spielt auch keine Rolle, wenn wir den Gedanken von der Ausnahme weiterverfolgen.

Wie beeinflussen Systeme einen Sportler?

Es ist nicht zu leugnen, dass Erfolg Ausnahme inkludiert und die ist zunächst breit definiert. Ob der Athlet ein Ausnahmetalent ist, ob er besonders hart arbeiten kann, sich außerordentlich gut auf die Aufgabe fokussieren kann – all das hat etwas mit Superlative zu tun. Er hat oder kann etwas zu einem gegebenen Zeitpunkt einfach besser, ab und an am besten. Er hat bis zu diesem Zeitpunkt sein Ziel fix im Visier, trainiert hart, überwindet sich und Widrigkeiten jeglicher Art, konzentriert sich auf seine Aufgabe und gibt alles. Nein, sicher nicht tagtäglich aber er weiß ausnahmslos, wann all diese Eigenschaften gebündelt abzurufen sind. All diese Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten haben ihren Ursprung eindeutig in der Person selbst. Daher bleibt es fraglich, ob Systeme diese in die positive oder negative Richtung beeinflussen können? Genauso zu hinterfragen ist, ob ein Alleingang diese verstärken oder gar mindern kann? 

Letztendlich spielt neben all den sportlichen Parametern, Technik, Taktik, Athletik der Mensch, der Sportler die Hauptrolle. Bevor man also das Thema, ob außerhalb oder innerhalb eines Systems die meisten Erfolge zu erzielen sind diskutiert, muss geklärt werden, wie erzielen Menschen Erfolge? Erst danach kann bestimmt werden, welche Faktoren diesen Prozess des Gewinnens begünstigen? Und genau da hapert es, denn so genau wissen wir das nicht. Es gibt Erfahrungswerte, daraus abgeleitete Modelle oder lediglich theoretische, aber es gibt keine definitive Aussage über finale Faktoren des Erfolgs innerhalb oder außerhalb der Person. Ein Glück für den Sport, denn ein Spiel würde wohl keinen interessieren, wenn bereits beim Aufwärmen klar wäre, wer die Siegerqualitäten an dem Tag am besten ausspielen kann. Weniger glücklich für das System, denn einen eindeutigen Beweis für die Richtigkeit der Argumentation in eigener Sache gibt es nicht. Wohl aber für jeden Athleten, denn vor dem Wettkampf stehen die Sieger nicht fest – unbeachtet des Systems,  auf sich konzentrierend, die Aufgabe best möglich zu erfüllen, also im Alleingang, kennen erfolgreiche Sportler auf dem Weg zum Podest ohne Ausnahme.

Fazit: Ausnahme führt zum Erfolg – und jetzt wird’s ungemütlich – sie ist sogar der Grund dafür. 

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/02/06/johannes-wunder-spitzensportler-sind-keine-vorbilder/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/02/27/simon-nussbaumer-wie-im-vorarlberg-spitzensport-funktioniert/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/04/24/rita-regoes-herausforderung-kommunikation/

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Jürgen Walter: Macht Sportpsychologie den Unterschied?

Dass sportpsychologische Aspekte Einfluss auf das Endergebnis eines Fußballspiels haben, ist mittlerweile unter Experten weitgehend unumstritten. Und wer Mathias Sammer erst kürzlich auf der SPOBIS in Düsseldorf aufmerksam zugehört hat, der hat von einem Topexperten bestätigt bekommen, wie wichtig die Psychologie für den Fußball ist.

Zum Thema: Wie Werder Bremen von seiner Vorreiterrolle profitiert

Schaut man auf die Trainerausbildung, die jeder Bundesligatrainer absolviert haben muss, um als solcher arbeiten zu dürfen, zeigt sich, dass ein Viertel der Ausbildung aus psychologischen Inhalten besteht. Hört man solche Zahlen, dürfen wir uns wundern, dass momentan tatsächlich nur drei Vereine der 1. Bundesliga – Werder Bremen, die TSG Hoffenheim und RB Leipzig – offiziell mit einem Sportpsychologen zusammenarbeiten.

Im Fußball sind weiterhin viele Entscheider unterwegs, die der Wichtigkeit von Psychologie keinen oder eher einen unbedeutenden Einfluss zuschreiben. Dabei gibt es immer wieder Momente, die auch Hardliner zumindest zum Nachdenken anregen könnten: Nehmen wir das Pokal-Achtelfinale im Februar 2019 zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen. Wieviel Prozent Sportpsychologie im Spiel letztlich ausschlaggebend für den Erfolg von Werder Bremen oder welche anderen Faktoren für den Sieg im Elfmeterschießen entscheidend waren, wird sich nie eindeutig klären lassen. Aber sind wir mal ehrlich: Wann ist das letzte Mal eine Mannschaft auswärts vor über 80.000 Fans in der Verlängerung zweimal nach einem Rückstand zurückgekommen? Der Sieg der Dortmunder schien zweimal sicher zu sein. Ein Zurückkommen wie Bremen es geschafft hat, setzte dann auch Energiereserven frei, die den Unterschied im Elfmeterschießen ausgemacht haben könnten. Und: Das Fell des Bären wird erst verteilt, wenn er tot ist! Und der Rest ist Handwerk…

Mehr Infos zu Jürgen Walter: https://www.die-sportpsychologen.de/juergen-walter/

Mental stark sind offenbar nicht alle Profis

Keiner weiß, was den ersten beiden Schützen von Borussia Dortmund beim Elfmeterschießen durch den Kopf gegangen ist, es ist aber davon auszugehen, dass sie im Training – ohne Druck – Elfmeter verwandeln. Hier zeigt sich, dass der Mensch keine Maschine ist und selbst Profi-Sportler nicht unbedingt mental austrainiert sind. Denn „mental stark“ bedeutet, dass das, was im Training klappt, auch klappt, wenn es darauf ankommt. Auch nach 120 Minuten. Auch mit schweren, vielleicht krampfenden Beinen. Auch mit der Angst, an einem möglichen Ausscheiden mitbeteiligt zu sein…

Demgegenüber lieferten die Bremer auch aus sportpsychologischer Perspektive ein nahezu perfektes Elfmeterschießen ab. Aus der Außenperspektive ließ sich beobachten, dass jeder Werderaner einen klaren Plan im Kopf zu haben schien. Gefreut hat das Finale Furioso in einem packenden Pokalspiel auch Prof. Andreas Marlovits, den die ARD-Kameras einige Male im Innenraum einfingen, wie er als Teil des Betreuerstabs den Erfolg feierte. 

Nicht messbare Faktoren

Selbstverständlich ist eine sportpsychologische Betreuung im Fußball aber dennoch nicht. Klar, einige Vereine haben Experten in ihrem Trainerstab und bei manchen Klubs wird sicher auch im Verborgenen mit Kollegen und Kolleginnen zusammengearbeitet. Aber so lange wie hervorragende Trainerpersönlichkeiten wie Bayern Münchens Niko Kovac öffentlich zweifelt, dass sich der Druck eines Elfmeterschießens trainieren lässt, wird deutlich, wie viele Erfahrungswerte noch geschaffen werden müssen.

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Zurück nach Dortmund: Die BVB-Spieler werden die Niederlage gegen Werder Bremen schnell aus Ihren Köpfen verbannen müssen, denn im weiteren Verlauf der Bundesligasaison werden sie mit Sicherheit noch mehrfach mentale Stärke unter Beweis stellen müssen, um die Saison erfolgreich zu beenden. Und das bedeutet angesichts der derzeitigen Tabellensituation, nichts anderes als Deutscher Meister in der Saison 2018/19 zu werden. Eine große Portion Druck, bei dessen Umgang auch die Sportpsychologie helfen kann. BVB-Berater Sammer ließ beim SpoBis durchblicken, dass er längst „nicht messbare Faktoren“ in den Fokus genommen habe.

Mehr Zum Thema:

Wer sich über das Sportpsychologie und Mentaltraining informieren will, dem empfehlen wir Jürgen Walters Film „Alles geschieht im Kopf“. Der Film u.a. mit Auftritten von Mats Hummels, der mehrfach vom BR im deutschen Fernsehen lief, ist in der ARD-Mediathek zu finden: Link

Hier gibt es den Trailer:

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https://www.youtube.com/watch?v=5B04TrGd-to&list=PLkthZO7uIDTssagZWd8TYLf_EtWZzkANx

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Christian Hoverath: Wald- und Wiesenlauf oder Stadtmarathon?

Neulich wurde ich gefragt, ob es eigentlich aus sportpsychologischer Sicht einen Hinweis darauf gibt, lieber eine Wald- und Wiesenveranstaltung oder einen großen Stadtmarathon zu wählen? Dabei ging es dem Fragenden vor allem darum, die eigene Bestzeit unterbieten zu wollen. Natürlich gibt es individuelle Vorlieben, aber die sportpsychologische Forschung bietet durchaus ein paar grundsätzliche Hinweise an.

Zum Thema: Sportliche Leistung unter Einfluss von Zuschauern

Mehr zu Christian Hoverath: https://www.die-sportpsychologen.de/christian-hoverath/

Einen möglichen Anhaltspunkt bietet der sogenannte audience effect. Dieser besagt, dass sich das Verhalten einer Person verändert, wenn sie beobachtet wird oder dieses denkt (Triplett, 1898).  Eine in verschiedenen Ausprägungen wiederkehrende Erklärung für diesen Effekt liefert die Überlegung, dass Menschen in den Augen anderer positiv wahrgenommen und als gut in dem erkannt werden wollen, was sie tun (Hamilton & Lind, 2016). 

Ein Argument für die Wahl einer Veranstaltung mit Zuschauern wird von Rhea und Kollegen (2003) geliefert. Sie ließen Teilnehmer in einem entspannten Gruppensetting, im Wettbewerb gegen andere oder vor Zuschauern Bankdrücken absolvieren. Die Teilnehmer, die beobachtet wurden, konnten signifikant mehr Gewicht drücken als die anderen Teilnehmer der Untersuchung.

Häufigkeit von Anfeuerungen als Faktor

Zurück zur Ausgangsfrage: Sollte es nun eine Veranstaltung sein, bei der immer mal wieder Menschen am Rand stehen oder sollte die Strecke durchweg gesäumt sein? Untersuchungen auf einem Laufband wollten ergründen, ob die Häufigkeit des Anfeuerns eine Wirkung hat. In dieser Untersuchung wurden die Läufer dabei entweder alle drei Minuten, jede Minute, alle 20 Sekunden oder gar nicht angefeuert. Keinen Unterschied machte es, ob Anfeuerungen alle drei Minuten passierten oder die Umgebung still war. Die Läufer zeigten jedoch eine bessere Leistung, wenn sie minütlich unterstützt wurden. Am besten war die Leistung bei Zurufen im Abstand von 20 Sekunden. Zusätzlich wurden Laktatwerte gemessen und es zeigte sich, dass die Teilnehmer in der Gruppe mit den Anfeuerungen alle 20 Sekunden mit den höchsten Laktatwerten aller Teilnehmer aufwarten konnten. Dies spricht dafür, dass die Zurufe dazu führten, dass die Teilnehmer stärker versuchten, an ihr Limit zu kommen als die Teilnehmer der anderen Experimentalgruppen.

Es scheint also, als wäre eine Veranstaltung zu empfehlen, bei der möglichst viele Leute an der Strecke stehen, bei der also viel los ist. Aber schauen wir noch etwas tiefer auf Forschungsergebnisse: Was würden Blanchfield und seine Gruppe (2014) sagen, nachdem sie Probanden auf Ergometern unter verschiedenen Bedingungen bis zur Ermüdung fahren ließen? Einmal zeigten sie ihren Teilnehmern subliminal fröhliche und traurige Gesichter und untersuchten die Wirkung. Es zeigte sich, dass Probanden, die fröhlichen Gesichtern zugeordnet wurden, signifikant länger durchhielten. Interessanterweise lag dies darin begründet, dass diese Gesichter die Stimmung der Teilnehmer aufhellten und somit die wahrgenommene Belastung reduzierten. 

Entscheidungshilfe

Sind alle anderen Variablen gleich, dann wird der Läufer auf einer Strecke mit vielen enthusiastischen Zuschauern voraussichtlich besser abschneiden als bei der kleinen Veranstaltung über Felder und Wiesen. Unter anderem liegt diesem der audience effect zu Grunde, der sowohl über die Motivation wirkt als auch über die Wahrnehmung des Läufers, das es gar nicht so hart ist. 

Die Entscheidung muss aber jeder Sportler für sich allein treffen. Gern natürlich mit Unterstützung der Sportpsychologie. Meine Kollegen (zu den Profilen) und ich (zum Profil von Christian Hoverath) sind gern bereit, nicht nur bei der Saisonplanung, sondern auch bei der gezielten Vorbereitung auf Events zu helfen.

Mehr zum Thema:

Literatur

Andreacci, J.L., LeMura, L.M., Cohen, S.L., Urbansky, E.A., Chelland, S.A. & von Duvillard, S.P. (2002). The effects of frequency of encouragement and performance during maximal exercise testing. Journal of sports science 20(4): 345-352.

Blanchfield, A., Hardy, J. & Marcora, S. (2014). Non-concious visual cues related to affect and action alter perception of effort and endurance performance. Frontiers in Human Neuroscience.  

Hamilton, A. & Lind, F. (2016). Audience effects: What can they tell us about social neuroscience, theory of mind and autism? Culture and brain 4: 159-177. doi: 10.1007/s40167-016-0044-5.

Rhea, M. D., Landers, D. M., Alpha, B. A. Und Arendt, S. M. The effects of competition and the presence of an audience on weightlifting performance. Turn off strength and conditioning research 17 (2):303-306. 

Triplett N. (1898). The dynamogenic factors in pacemaking and competition. The American Journal of Psychology 9(4):507–533. doi: 10.2307/1412188.

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Johannes Wunder: „Spitzensportler sind keine Vorbilder!“

Es ist wichtig, sich sein Leben lang zu entfalten”, sagt der Sportphilosoph Gunter Gebauer im Deutschlandfunk-Sportgespräch. Doch dies sei im Leistungssport nicht möglich. Menschen, die sich in Deutschland für eine Sportkarriere entscheiden, gingen ein extremes Risiko ein.

Zum Thema: Entwicklung im Spitzensport

Gerne höre ich mir auf langen Autofahrten Podcasts wie das Sportgespräch vom Deutschlandfunk an. Zuletzt ging es in einer Sendung mit dem Sportphilosophen Gunter Gebauer um Problematiken in der Sportförderung und auch ethische Missstände. Nachfolgend werde ich zu einzelnen Thesen und Themenblöcken aus sportpsychologischer Sicht Stellung nehmen.

Zum Podcast „DLF Sportgespräch“: https://www.deutschlandfunk.de/dlf-sportgespraech-spitzensportler-sind-keine-vorbilder.892.de.html?dram:article_id=437096

„Die Spitzensportförderung ist nicht überzeugend!“

Gunter Gebauer kritisiert im entsprechenden Interview scharf, wie in Deutschland die Förderung von Spitzensportlern gehandhabt wird. „Man bringt junge Leute dazu, Spitzensport zu treiben […] und am Ende einer Sportkarriere stellt sich immer die Frage, ´Was macht man jetzt?´.“ Es ist meiner Meinung nach relativ einfach zu erklären: Sportler, die sich entscheiden, Spitzensport zu betreiben, haben laut einer aktuellen Studie der Deutschen Sporthochschule Köln (Link unten) einen durchschnittlichen Workload von 32 Stunden pro Woche, der nur für die Ausübung des Sports verwendet wird. Hinzu kommt, dass eine „optimal“ verlaufende Karriere einige Jahre andauert und diese Zeit nahezu ausschließlich für die Leistungsentwicklung, weniger für eine berufliche Ausbildung und schon gar nicht für die eigene Berufspraxis Abseits des Sports genutzt werden kann. Gebauer ordnet ein: .„Wenn Sportler bis 30, 32 Sport gemacht haben, dann heißt es, sie haben in der Zeit nun wirklich nicht die Möglichkeit, ihre Berufskarriere voranzutreiben.“

Der Sportphilosoph beobachte, dass vor allem hochbegabte Sportler den Spitzensport verlassen, da sie ihre Ressourcen eben auch in eine Berufskarriere mit langfristiger Perspektive investieren können. Laut Gebauer sehen wir in den Sommersportarten vor allem Sportler mit familiären akademischen Hintergrund. Im Wintersport gibt es auch viele Sportler, die eine Förderung von Polizei oder Bundeswehr „genießen“. Aus meiner eigenen Zeit als aktiver Skirennläufer weiß ich, wie viel finanziellen Input es bedarf, bis eine Unterstützung der Verbände greift. Oftmals erst mit entsprechendem Kaderstatus, der aber rein wirtschaftlich nur durch massive Investitionen vorab erreicht werden kann. Doch was passiert mit den Sportlern nach ihrer Karriere? Die Förderung erlischt und ehemalige Weltmeister und Olympiasieger können aufgrund fehlender Berufsjahre im gelernten Beruf keine oder nur noch eine überschaubare Karriere machen.

„Spitzensportler sind keine Vorbilder!“

Aus diesem Grund – und damit komme ich zur Überschrift zurück – können laut Gebauer Spitzensportler keine Vorbilder sein. Er hat in meinen Augen recht, wenn er sagt, dass Top-Athleten sehr wohl als Modelle für konzentriertes und fokussiertes Arbeiten und eisernes Verfolgen eines Ziels herangezogen werden können. Aber Vorbilder in Sachen „Lebensführung“ können sie kaum sein. „Und wenn man der Meinung ist, sie sind Vorbilder unserer Jugend, kommt man auf den Gedanken, dass dieses Vorbild auch von sich aus frei fliegen kann, wenn es alleine gelassen wird“, so der Sportphilosoph weiter. Das sei aber in der aktuellen Situation des Spitzensports in Deutschland nicht der Fall.

Als Teil dieses Systems frage ich mich, wie ein Vorbild definiert werden sollte? Der Duden beschreibt „Vorbild“ als eine Person oder Sache, die als [idealisiertes] Muster, als Beispiel angesehen wird, nach dem man sich richtet. Sicherlich können auch Spitzensportler Vorbilder sein, aber in anderen Kategorien, zum Beispiel:

  • Menschlichkeit
  • soziales Engagement
  • Umgang mit Fehlern
  • etc.
Mehr zu Johannes Wunder: https://www.die-sportpsychologen.de/johanneswunder/

Rolle von Trainern, Betreuern und Sportpsychologen

Aber wie sollen wir Coaches, Betreuer oder Sportpsychologen mit der übergeordneten Frage umgehen: Sollen wir unseren Schützlingen weiter ruhigen Gewissens vermitteln, dass sie es bis nach oben schaffen können? Ist dieser Werdegang erstrebenswert und ist es überhaupt ethisch vertretbar, trotz besserem Wissens Jugendliche in eine Richtung zu lenken?

Ich denke, wir sollten in diesem Zusammenhang auch über das Thema Wertigkeit sprechen. Jeder Mensch ist gleich viel Wert und das gilt auch für Sportler, die den Sprung an die Spitze nicht schaffen. Wir sollten vermitteln, dass es durchaus legitim ist, seinen Träumen zu folgen, aber eben auch aufzeigen, dass ein Scheitern nicht degradierend wirkt. Fahrlässig finde ich die Vermittlung, alles auf eine Karte zu setzen und keinen Gedanken beziehungsweise Energie bezüglich eines „Plans B“ zu verschwenden.

Durchbeiß-Kreislauf

Ähnliches sehe ich übrigens auch bei vielen Jugendtrainern. Wenn du dich „durchbeißt“, kannst du es bis nach oben schaffen. Zwei Punkte gehen dabei verloren:

  • Zum einen wird als absolutes Ziel ausgegeben, dass man es erst dann geschafft hat, wenn man mit Vollprofis, am besten in der Bundesliga arbeitet. Der Jugendbereich und der Status „Jugendtrainer“ nimmt an Wertigkeit ab.
  • Zum anderen passiert aufgrund dessen folgendes: Jeder Jugendtrainer, der sich durchbeißen will, wird versuchen, durch Erfolg aufzufallen. Und dort beginnt der Kreislauf. Erfolg ist maßgeblich und das schon ab dem Kindesalter.

Redebedarf geweckt?

Lasst uns darüber gern weiter diskutieren: Hier findet ihr die Kontaktdaten meiner Kollegen (zu den Profilseiten) und von mir (zur Profilseite von Johannes Wunder).

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/12/17/dr-rene-paasch-die-wuerde-der-nachwuchsspieler-ist-unantastbar/

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/04/20/dr-hanspeter-gubelmann-federers-psychische-brillanz-ein-lehrstueck-fuer-die-nachwuchsfoerderung/

https://www.die-sportpsychologen.de/2016/02/12/elvina-abdullaeva-perfektionismus-im-nachwuchs/

Quellen:

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Johanna Constantini: Das Glück der Erde – sportpsychologisches Coaching im Pferdesport

Pferdesport ist wohl der größte aller Mädchenträume. Während erst nur die Vierbeiner in den Wünschen von heranwachsenden Kindern vorkommen, ist es im Jugendalter meist die Vision des Prinzen auf dem weißen Pferd. Doch die Mythen vom Pferdesport als reine Mädchensportart hartnäckig bestehen, steigen in der Realität immer mehr junge Burschen in den Sattel. In der Disziplin des Springreitens beispielsweise nimmt der Anteil der Frauen im höheren Sport eher ab, während in der Longines Weltrangliste vermehrt Männer vertreten sind. Unter den Top 20 AthletInnen des Springsports weltweit finden sich lediglich zwei Frauen (fei.org, 2018). Was auch bei mir als Mädchentraum begonnen hat, ist dank beharrlichem Training und toller Unterstützung durch meine Eltern und Großeltern mittlerweile nicht nur zu einer großen sportlichen, sondern auch zu einer beruflichen Passion geworden. Während ich hingegen vieler Mädchen, die im Alter von 16 Jahren aussteigen, mit nunmehr 27 Jahren noch in den Springsattel steige, setze ich mich auch sportpsychologisch vorwiegend mit dem Thema Pferdesport auseinander.

Was ist dabei besonders wichtig? Auf welche mentalen Fähigkeiten kommt es im Pferdesport an? Wen betrifft das sportpsychologische Coaching?

Zum Thema: Wie PferdesportlerInnen dem Glück der Erde auch mental auf die Sprünge helfen können

Mehr zu Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Eine der wichtigsten mentalen Fähigkeiten, wenn es um sportpsychologisches Coaching im Pferdesport geht, ist die Kontrolle und Regulation von Emotionen. Dabei geht es nicht um die Stimmungen der Vierbeiner, die einen ohnehin oft herausfordernden Job übernehmen, indem sie ihre Reiter talauf und talab tragen. Nein, denn es sind vielmehr ihre menschlichen Sportpartner, die lernen sollten, mit Affekten im Sattel umzugehen. Diesen Punkt erachte ich deshalb als besonders wichtig, weil gerade die Zusammenarbeit mit einem nicht-menschlichen, einem tierischen Lebewesen das Alleinstellungsmerkmal des Pferdesports ausmacht. Ärger, Zorn und Enttäuschung sind zwar oft schwer zu kontrollieren, haben jedoch im Sattel und in der Kommunikation mit dem Pferd nichts zu suchen.

Eine weitere Fähigkeit, die im Sattel besonders geschult gehört, ist das Erarbeiten realistischer Ziele. Diese dienen nicht nur dazu, angespornte Leistungen zu erreichen, sondern fungieren auch im Zuge der bereits angesprochenen Regulation von Emotionen als Bewältigungsstrategien – wer seine Ziele für sich spezifisch formulieren, messbar ansetzen, attraktiv gestalten, realistisch festlegen und zeitlich begrenzen kann, dem ist deren Erreichung nachgewiesenermaßen sicherer (Doran, 1981).

Die Beiträge von Johanna Constantini zum Hören:

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Weitere Informationen

Man kann nicht nicht kommunizieren – Körpersprache im Sattel

Einen weiteren wichtigen sportpsychologischen Aspekt in der Arbeit mit Pferdesportlern bildet die Kommunikation. Und nachdem es dem tierischen Part dieser sportlichen Zusammenarbeit schon biologisch bedingt nicht möglich ist, sich verbal mit den menschlichen AthletInnen zu unterhalten, so sollten die SportlerInnen im Coaching umso mehr lernen, non- und paraverbal auf ihre tierischen Kameraden einzugehen. Paul Watzlawicks vielzitierte Weisheit „Man kann nicht nicht kommunizieren“ trifft im Pferdesport nämlich gleich doppelt zu: Neben der schon in der zwischenmenschlichen Kommunikation so wichtigen Körpersprache verfügen die Pferde über weit ausgeprägtere Antennen zur Erfassung von nicht sprachlichen Informationen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es im sportpsychologischen Coaching von PferdesportlerInnen sehr viele spannende Bereiche gibt, an denen gearbeitet werden kann. Sehr herausfordernd doch überaus wertvoll zugleich, sind dabei die unmittelbaren Rückmeldungen auf kleinste Veränderungen, wie sie nur von dem so sensiblen Lebewesen Pferd gegeben werden können.

Mehr zum Thema:

Quellen:

G. T. Doran: There’s a S.M.A.R.T. way to write management’s goals and objectives. In: Management Review, 70. Jg., Nr. 11, 1981, S. 35–36
Bernd Birgmeier: Coachingwissen: Denn sie wissen nicht, was sie tun? Springer-Verlag, 2009, ISBN 978-3-531-16306-2, S. 184
https://data.fei.org/Ranking/Search.aspx?rankingCode=S_WR
Watzlawick, P. Wie wirklich ist die Wirklichkeit. 1995. Piper

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Wildes Tier im Starthäuschen

Schauplatz Schladming, Skiweltcup-Nachtsalom der Superlative, zweiter Durchgang: 40.000 Zuschauer verwandeln die im gleissenden Scheinwerferlicht erstrahlende Skiarena in einen brodelnden Hexenkessel. Mitfavorit Henrik Kristoffersen (NOR) katapultiert sich als 5. Platzierter des 1. Durchgangs hinein in den Stangenwald und scheidet schon nach wenigen Toren aus, hadert mit sich und dem Schicksal. Das Rennen wird kurz unterbrochen, was dem Kameramann im Starthaus die Möglichkeit eröffnet, den nachfolgenden Slalomläufer in seiner ultimativen Vorbereitungsphase zu filmen. Ein Millionen-TV-Publikum wird so Zeuge, wie Ramon Zenhäusern (CH) „wie ein Tier auf dem Sprung“ agiert und ein ohrenbetäubendes Gebrüll erschallen lässt. Wieso macht er dieses „Theater“, ähnlich jenem von Manfred Pranger (AUT), der sich einst am Start vergleichbar „tierisch wild“ verhielt? Wie entsteht ein derartiges Handlungsmuster, welches im Idealfall zur leistungsfördernden Handlungsroutine oder zum Ritual wird?

Zum Thema: Den optimalen Vorstartzustand herstellen

Im Anschluss an seinem hervorragenden Slalomlauf wird Ramon Zenhäusern vom Schweizer Fernsehen zu seinem Vorstartverhalten befragt: „Ich bin wie ein Tier vor dem Sprung und schreie meine Angst heraus.“ In einem weiteren Kommentar meint der Walliser, dass ihm dieses laute „Rumoren“ Sicherheit und Kraft verleihe, ihn aber auch von störenden Gedanken fernhalte. 

Zum Video von Ramon Zenhäusern (https://www.bernerzeitung.ch/sport/wintersport/so-schreit-sich-ramon-zenhaeusern-warm/story/27889945)

Routine und Rituale

Zunächst gilt es, die Begriffe «Ritual» und «Routine» inhaltlich zu unterscheiden. Eine Routine ist eine Handlungskette, die zum Beispiel ein Tennisspieler bei der Vorbereitung des Aufschlags vollzieht. Der gewohnte Bewegungsablauf hilft ihm, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich in einen Zustand zu bringen, in dem er optimal leistungsfähig ist. Bei Ritualen nähern wir uns einem ursprünglich religiös besetzten Thema. Hier spielt vor allem der Glaube an eine wirkmächtige Vitalkraft eine Rolle, die z.B. beim Haka, dem rituellen Tanz der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft sehr offensichtlich wird. Haka hat einen kulturhistorischen und religiösen Hintergrund, der Tanz soll Kräfte mobilisieren und emotionalisieren. Für die Mannschaft ist der Haka elementar wichtig, er schafft Identität. 

Info:

Link zum Artikel „Rituale sind kein Hokuspokus“ der Berner Zeitung: https://www.bernerzeitung.ch/sport/tennis/rituale-sind-kein-hokuspokus-sondern-selbstkontrolle/story/14785810

Im Sport werden die beiden Begrifflichkeiten sehr häufig synonym verwendet. Am Beispiel des Slalomfahrers wird erkennbar, dass sein Verhalten selbstgeleitet ist und mutmasslich in Eigenregie entwickelt wurde. In der Sportpsychologie sprechen wir von so genannten „naiven psychoregulativen Techniken der Selbstbeeinflussung“ (Nitsch & Allmer, 1979). Passend zum Individuum dienen diese Verhaltensweisen der Stärkung der Widerstandskraft (Persistenz) und der Selbstwirksamkeitsüberzeugung, was sich wiederum positiv auf die Wettkampfleistung auswirken soll. 

Übrigens: Marcel Hirscher macht es auch!

Marcel Hirscher in Schladming 2019 (Quelle: Eurosport)

Ein ähnliches Vorgehen, wenn auch etwas ruhiger und gefasster, wählt Marcel Hirscher. In seinem Verhalten widerspiegelt sich ein hoher Grad an Fokussierung, Selbstbekräftigung und Handlungsplanung. Seine auffordernden Selbstgespräche sind hörbar und führen ihn in jenen idealen Vorstartzustand, aus dem jene formidable Leistung entspringt, die ihn schliesslich zum überlegenen Sieg führt.

Mehr zu Dr. Hanspeter Gubelmann: https://www.die-sportpsychologen.de/hanspeter-gubelmann/

Beispiel: Idealer Vorstartzustand beim Stabhochsprung (vgl. Gubelmann, 1999)

Das Erreichen eines idealen Wettkampfzustandes in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung gelingt im Spitzenbereich hauptsächlich mittels Einsatz gut funktionierender Handlungsroutinen. Konkrete Handlungsanweisungen und Umsetzungshilfen für Athleten und Trainer sind rar. Ein methodisches Vorgehen in der Ausgestaltung des Vorbereitungs-Dreiklangs „Handlungsplanung, -sicherheit und –aktivierung“ skizziert Kratzer (2013) in Form einer „PsychoRegulativen Einheit“ (PRE). Dieses in der Sportpraxis bewährte Verfahren basiert auf Atemübungen, Selbstbefehlen (Selbstinstruktionen) und mentalen (Vorstellungs-)Übungen. Das nachfolgende PRE-Beispiel erläutert die Vorgehensweise in der Disziplin Stabhochsprung im Rahmen der unmittelbaren Sprungvorbereitung im Wettkampf. In der Anwendung müssen immer die individuellen Bedingungen (Leistungsniveau) und disziplinenspezifischen Voraussetzungen (Sportart, Disziplin) berücksichtigt werden. Erst mit einer systematischen Entwicklung der passenden Inhalte (z.B. Atem- und Vorstellungsübungen) und dem Beherrschen der Technik (Training) erarbeitet sich der Athlet jene Zuverlässigkeit, die in der Vorstartphase des Wettkampfsprungs unabdingbar ist. 

Beispiel Stabhochsprung (vgl. Lobinger, Hohmann & Nicklisch, 2010): Nach Ansage des Funktionärs (Kampfgericht) stehen dem Springer 60“ Sekunden Zeit bis zur Sprunginitiierung zur Verfügung. Davor orientiert sich der Stabhochspringer am vorherigen Springer und beginnt frühzeitig mit einigen Orientierungsmassnahmen (Stabwahl, Kleber prüfen, Bekleidung ablegen, usw.) Anschliessend betritt er die Anlaufbahn und macht sich bei seiner Ablaufmarkierung bereit. Er überprüft den Wind, stellt den Stab in Position und kontrolliert seinen Griff am Stab. Rund 45 sec vor Anlaufinitiierung setzt die PRE ein.

„PsychoRegulative Einheit“ (PRE)

  1. Der Athlet konzentriert sich auf seine Atmung und nutzt eine eher beruhigende Form mit Betonung der Ausatmung, verbunden mit formelhaften Vorsätzen „Ich bin ganz ruhig, voll konzentriert!“,
  2. anschliessendes Vorstellen des optimalen Bewegungsablaufes (z.B. Anlaufgestaltung, Kontrollmarke, Absprung/Einstich, Einrollen, Lattenüberquerung) 
  3. verbunden mit einer energetisierenden Selbstinstruktion („hoher, schneller Anlauf, explosiver Abdruck! – go!“ (zusätzlich unterstützt mit 2 schnellen Atemstössen und körperlicher Aktivierung) – Anlaufinitiierung.

Wichtig ist, dass es sich bei der beschriebenen PRE nicht um ein starres System handelt. Vielmehr empfiehlt sie sich als eine vielseitig anwendbare Strategie der Wettkampfvorbereitung, die eine Anpassung an die Problemspezifik der jeweiligen Disziplin erlaubt und in wettkampfnahen Trainingseinheiten entwickelt und modifiziert wird.  Selbstsicherheit in schwierigen Wettkampfsituationen verbunden mit der Überzeugung, die „Sache im Griff zu haben“ sind häufig genannte Vorzüge dieser Vorbereitungsroutine.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/07/18/christian-hirschbuehl-im-interview-mit-simon-nussbaumer-beim-start-richte-ich-den-blick-in-den-himmel/

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/01/04/kathrin-seufert-nutzung-von-vorstartroutinen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/26/janosch-daul-mentale-einstimmung-auf-ein-fussballspiel/

Quellen:

Gubelmann, H. (1999). Psychoregulatives Training im Zehnkampf: Eine Fallstudie. In: D.  Alfermann & O. Stoll (Hrsg.). Motivation und Volition im Sport – Vom Planen zum Handeln. Köln: bps-Verlag, S.237-243.

Kratzer, H. (2013). Psychologie für Sportschützen. Berlin: epubli GmbH.

Lobinger, B., Hohmann, T. & Nicklisch, A. (2010). Analyse subjektiver und objektiver Auswirkungen von Regeländerungen im Stabhochsprung. Zeitschrift für Sportpsychologie 17, pp-12-20. https://doi.org/10.1026/1612-5010/a000002

Nitsch, J. & Allmer, H. (1979). Naive psychoregulative Techniken der Selbstbeeinflussung. Sportwissenschaft 9/2, pp.143-163. https://doi.org/10.1007/BF03177089

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Philippe Müller: Hört auf, in Fehlern zu denken!

Vermeintlich gibt es im Sport keinen Platz für Fehler. Diese werden selten verziehen und enden meist in einer Niederlage. Die Angst, Fehler zu machen, schwingt somit die ganze Zeit latent mit. Sie zeigt sich nicht nur in Aussagen von Athletinnen und Athleten, sondern ist auch bei uns Zuschauern zu finden. Wie oft sass ich schon vor dem Fernsehen und dachte: „Gleich die Zielkurve: jetzt bloss keinen Fehler machen!“

Zum Thema: Der Weg von der Fehlervermeidung, hin zum erfolgreichen Handeln

Mehr zu Philippe Müller: https://www.die-sportpsychologen.de/philippe-mueller

Fehler zu machen gehört zum Leben. Sie sind notwendig, um das Lernen voranzutreiben. Doch was ist überhaupt ein Fehler? Umgangssprachlich verstehen wir unter einem Fehler die Abweichung vom Richtigen. Gerade im Sport ist oft „das Richtige“ schwierig zu definieren. Denn die Konsequenzen sind nicht immer zeitnah auszumachen. Während bei einem Tennis-Service ein Doppelfehler direkten Einfluss auf den Spielstand hat, können die negativen Auswirkungen einer falschen Trainingsplanung erst während der Saison ersichtlich werden.

Im Sport ist vieles auf Fehlervermeidung ausgelegt. In den meisten Sportarten basieren die Selektionsprozesse auf Ausschlusskriterien. Wer bestimmte Zielwerte nicht erreicht, scheidet aus. Aufnahmekriterien gibt es selten. Diese negative Haltung zu Fehlern setzt sich in den täglichen Trainingseinheiten fort. Bei Fehlern wird öfters sanktioniert als bei Erfolgen gelobt.

Leistungssteigerung in einer Fehlerkultur?

Viele Trainerinnen und Trainer sehen ihre Aufgabe, ja sogar die Legitimation ihrer Arbeit, im Aufdecken und Aufmerksammachen von Fehlern. Sie sind der Meinung, dass man nur dadurch Leistungssteigerung erreichen kann. Keine Frage, die richtigen Konsequenzen aus Fehlern ziehen zu können, ist unter Umständen sehr wichtig. Hinzu kommt, dass die Auseinandersetzung mit Fehlern zum richtigen Zeitpunkt geschehen muss. 

Was ist die Wirkung dieser negativen Gesamthaltung? Wenn es keinen Platz für Fehler gibt, werden Lernprozesse eingeschränkt und die Entfaltung der Kreativität gehindert. Zudem wird bereits im frühen Kindesalter dafür gesorgt, dass sich anstatt eines gesunden Mutes, eine schleichende Versagensangst ausbildet. Ideen und kreative Lösungen werden nicht mehr ausgelebt, da sie auf Missgunst und negative Sanktionen treffen könnten.

Es lebe die Kreativität!

Da das Training von Wiederholungen der Übungen gekennzeichnet ist, sind somit auch unzählige Fehler möglich. Werden die Fehler ins Zentrum gerückt und dadurch allgegenwärtig gemacht,  leidet darunter auch das Selbstwertgefühl. Keine Aufgabe erscheint mehr fehlerfrei machbar. Wie lässt sich aber gegensteuern? 

Aus meiner Sicht geht es darum, das Augenmerk hin zum Erfolg zu richten. Somit ist die Hauptaufgabe des Trainings, seine mentalen und physischen Fertigkeiten zu verbessern. Im Fokus des Trainings sollte deshalb das Lösen von Aufgaben stehen. Denn ein Vermeiden eines Fehlers bedeutet nicht zwangsläufig ein erfolgreiches Handeln. Wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen, bleibt schlussendlich eine Handlung gänzlich aus. Es geht deshalb nicht um das Vermeiden von Fehlern, sondern vielmehr um das Kreieren neuer Lösungsstrategien, oder das Stärken bestehender erfolgreicher Handlungsmuster. Durch die permanente Auseinandersetzung mit dem Positiven werden zum einen physische, taktische und technische Fertigkeiten gefestigt und und zum anderen psychische Komponenten, wie Selbstvertrauen und positive Selbstsuggestion gestärkt. In der Umsetzung bedeutet dies, dass ein möglichst grosser Spielraum für kreative Strategien geschaffen, individuelle Lösungen zugelassen und Ängste, zwischendurch zu scheitern, abgebaut werden. Und somit im Sinne des Titels: In Fehler zu denken, verboten!

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/02/07/cristina-baldasarre-fehler-und-zweifel-abhaken/

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/11/16/dr-rene-paasch-joachim-loews-neue-fehlerkultur-wie-fehler-positive-wirkung-entfalten-koennen/

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Miriam Kohlhaas: Wer hat Angst vorm 4. Down?

Im Football ist es so: Die Offense, also der angreifende Teil jeder Mannschaft, hat bei Ballbesitz vier Versuche (Downs), um innerhalb eines Spielzuges (Drive) idealerweise einen Touchdown zu erzielen. Mindestens aber müssen sie eine Strecke von 10 Yards zurücklegen, um weitere vier Versuche zu bekommen, um die Endzone zu erreichen. Nicht selten werden aber nur drei Downs ausgespielt. Warum eigentlich?

Zum Thema: Wie viel Potential steckt im Umgang mit dem 4. Down? 

Zum Profil von Miriam Kohlhaas: https://www.die-sportpsychologen.de/miriam-kohlhaas/

Ist der 4. Versuch zu spielen, so wird er aber in den meisten Fällen nicht ausgespielt, man verzichtet also auf die Chance, die 10 Yards zu überbrücken und den Drive am Leben zu halten. In den meisten Fällen verlässt die Offense das Spielfeld und ein Special Team betritt die Bühne. Dieses Special Team hat nun die Aufgabe, den Ball möglichst weit in die gegnerische Hälfte zu schießen (Punt), um dem gegnerischen Team eine möglichst schlechte Ausgangsposition für deren Angriff zu bieten, um die oben beschriebene Aufgabe zu erfüllen.

Warum ist es eigentlich so, dass dieser 4. Versuch so oft nicht weiter gespielt wird? Ist der Punt wirklich die bessere Wahl? Wer hat eigentlich Angst vorm 4. Down?

Blick in die Statistik

Statistisch gesehen wäre es viel häufiger von Erfolg gekrönt, diesen 4. Versuch einfach auszupielen und damit in Ballbesitz zu bleiben. Jedoch bleibt festzuhalten, dass in den höchsten Spielklassen dieser Versuch nur äußerst selten unternommen wird (New York Times: „First, the No. 1 lesson from my 10 years of data analysis about what to do on fourth down: Teams need to go for it much more often than they do. It does get a little complicated toward the end of games, but coaches should almost always consider going for it.“)

Natürlich besteht das Risiko, dass der 4. Versuch nicht erfolgreich ist und die notwendigen Yards nicht überbrückt werden. Die gegnerische Offense kommt dann an einer möglicherweise guten Position auf dem Feld in Ballbesitz, nämlich dort, wo der eigene Versuch scheiterte. Zudem besteht selbstverständlich – so wie bei jedem Versuch der Offense – das Risiko, dass der Ball von der Defense abgefangen wird und sogar noch mögliche Punkte für die Gegner entstehen.

“We know teams are unlikely to be as aggressive on fourth as they should be.”

http://harvardsportsanalysis.org/

Risikobewertung

Es stellt sich mir also noch immer dieselbe Frage: Wer bewertet eigentlich dieses Risiko? Und wer hat wovor Angst? Ist es der Headcoach, der Angst um seinen eigenen Job bei einer eventuell spielentscheidenden Fehlentscheidung hat? Ist es der Quarterback, der sich diesem Risiko nicht stellen möchte? Oder ist es in Wahrheit ein Vertrauensproblem? Vertraut der Headcoach seiner Offense nicht? Der Quarterback nicht seiner O-Line?

Das Nicht-Ausspielen dieses Versuches ist aus meiner Sicht ein wahnsinnig spannendes sportpsychologisches Thema. Und ich würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könntet. Denn ich möchte im Rahmen einer kurzen Online-Umfrage in Erfahrung bringen, wie in eurem Team mit dem 4. Down umgegangen wird. Wie ihr wisst, gibt es kaum deutschsprachige Literatur zum Thema American Football. Und kaum bis keine Inhalte mit sportpsychologischem Hintergrund. Hier versuche ich, ganz praxisnah anzusetzen, und brauch daher eure Hilfe. Also, bitte nehmt euch die fünf Minuten Zeit: 

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Inspiration beim Superbowl

Ich hoffe, ich habe euch zum Nachdenken gebracht. Und sicher begegnet uns das Thema ja schon am Highlight-Wochenende unserer Sportart wieder. Denn was werden die Teams beim Superbowl am 3. Februar 2019, die Los Angeles Rams sowie die New England Patriots, machen? Werden sie aggressive Entscheidungen den scheinbar sichereren Entscheidungen vorziehen? Entscheiden sie konventionell oder eher risikoreich?

All ihr fantastischen Coaches da draußen, ihr QBs, ihr Offense Spieler… habt ihr euch auch schon einmal diese eine Frage zum 4. Down gestellt? Und viel wichtiger: Glaubt ihr, dass ihr bislang die bestmögliche Antwort darauf gefunden habt?

Kontakt 

Wollt ihr an diesem oder anderen sportpsychologischen Themen arbeiten, so meldet euch bei meinen Kollegen (zu den Profilen) oder direkt bei mir (zum Profil von Miriam Kohlhaas)!

Ich freu mich darauf!

Quellen: 

https://www.insidescience.org/news/math-football-coaches-be-more-aggressive-4th-down

http://harvardsportsanalysis.org/2015/01/4th-down-strategy-punt-go-for-it-or-try-the-hard-count/

https://www.nytimes.com/2014/09/05/upshot/4th-down-when-to-go-for-it-and-why.html

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Johannes Wunder: Schiedsrichter im Fokus

Ob Fußball, Handball oder Basketball – jedes Wochenende stehen sie im Fokus von Spielern, Trainern und Fans. Dabei wird ein gelungenes Spiel von Kollegen oftmals auch so genannt, wenn sie eben nicht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Schiedsrichter sind in deutschen Profiligen nicht wegzudenken, jeder braucht sie und dennoch ernten viele wenig Verständnis für ihre Arbeit.

Zum Thema: Über Drucksituationen im Schiedsrichterjob

„Bei so einer Leistung kann man nicht gewinnen!“, „Dieser Herr hat einen enormen Geltungsdrang.“ oder „So pfeift man uns in die zweite Liga.“ Ich könnte noch viele weitere Beispiele anführen und die Liste individuell beliebig ergänzen. Teilweise zwei Mal pro Wochenende sind Schiedsrichter im Einsatz, viele von ihnen arbeiten unter der Woche in normalen Berufen. Und auch wenn sie gar nicht im Fokus des Spieltags stehen wollen, so tun sie es doch wieder und wieder, wenn es um vermeintlich spielentscheidende Szenen geht: Elfmeter oder nicht? Fouls in der Crunchtime? Zeitstrafe? Denn eine Entscheidung wird in jedem Fall getroffen, ob Spielunterbrechung oder nicht.

Mehr zur Person: https://www.die-sportpsychologen.de/johanneswunder/

Der Job eines Schiedsrichters ist es, Entscheidungen zu treffen – möglichst objektiv und auf Grundlage des aktuellen Regelwerks. Nur bringt jede Entscheidung unmittelbar eine Konsequenz mit sich. Ähnlich wie bei Spielern, die einen Passweg zu kurz einschätzen und als Konsequenz einen Fehlpass ernten. Oder Trainer, die bei wenigen Sekunden verbleibender Spielzeit einen Spielzug ansagen. Konsequenzen sind uns im Kontext Sport nicht fremd, sondern bestimmen maßgeblich die Richtung des Spiels mit – bei allen Akteuren des Spiels.

Konsequenzerwartung als Theorie

Bandura (1977, 1992) beschreibt die soziale Lerntheorie. Von dieser ausgehend, gibt es im Bereich menschlicher Handlungen Komponenten, welche diese unmittelbar beeinflussen. Jede Handlung bringt ein Ergebnis mit sich, was vorab antizipiert wird. Der Schiedsrichter sieht einen Kontakt, den er als Foul bewertet. Nun wird er unter Umständen die folgenden Reaktionen vorhersehen und sich auch ausmalen können, ob seine Handlung positive oder negative Reaktionen hervorrufen wird. In der Psychologie spricht man hierbei von Konsequenzerwartung. Ein Prozess, der oftmals intuitiv, teilweise aber auch sehr bewusst wahrgenommen wird. Das alles passiert auch in der Gewissheit, dass keine aktive Entscheidung zumindest auch eine passive sein wird. Ein ausbleibender Pfiff ist auch eine Entscheidung – mit entsprechender Konsequenz.

Patrick Ittrich ist Fußball-Bundesliga Schiedsrichter und beschreibt in einer Doku das NDR seine Arbeit als Unparteiischer. Dabei fällt zum einen auf, dass im Schiedsrichterjob zwar Assistenten vorhanden sind, die Entscheidungen aber oftmals alleine oder durch wenige Augen getroffen werden müssen – und das in kürzester Zeit. Wo bei Mannschaften der positive oder negative Ausgang des Spiels eine Verkettung diverser Entscheidungen aller Teammitglieder darstellt, stehen die Schiedsrichter sofort im Fokus – ähnlich wie Einzelsportlern oder kleinen Teams. „Sie alle wissen, was in den nächsten Monaten auf sie zukommt: Lob gibt es fast nie, dafür jede Menge Gegenwind.“ So wird Ittrich´s Job beschrieben, mit all den Drucksituationen, die im Laufe einer Saison auf den Schiedsrichterkader zukommen. Hier steht nicht nur der Umgang mit Fehlern auf der Liste, sondern auch die Erwartung überdurchschnittlich fit zu sein oder besonders theorievertraut.

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Weitere Informationen

Sportpsychologie kann auf verschiedenen Ebenen helfen

Der Schiedsrichter Patrick Ittrich nutzt bereits regelmäßig die Dienste der Sportpsychologie. Mögliche Hilfen sollen nachfolgend kurz aufgeführt werden:

  1. Umgang mit „entscheidenden“ Fehlern
  2. Leistung „on point“ – Spieltagsvorbereitung im Kopf
  3. Umgang mit (öffentlicher) Kritik
  4. Umgang mit Gedankenspiralen nach „schlechter“ Leistung
  5. Psychologische Gesprächsführung während des Spiels

Meine Kollegen (zu den Profilen von Die Sportpsychologen) und ich (zum Profil von Johannes Wunder) stehen gern bereit, wenn Schiedsrichter Unterstützung wünschen. Wir freuen uns also über die Vereinbarung eines kostenfreien Erstgesprächs.

Mehr zum Thema:

Link zum Sportschau-Beitrag

Quellen:

Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change. Psychological Review, 84 (7), 191-215.

Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The Exercise of Control. New York: Freeman.

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