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Freundschaft im Profi-Sport

Mal ehrlich: Bietet der in vielen Bereichen bis auf die Spitze und nicht selten darüber hinaus getriebene Perfektionismus im Leistungssport eigentlich Raum für Sentimentalitäten wie Freundschaft? Ähnlich naiv haben wir uns auf die Suche nach Individualsportlern, Teamplayern und Funktionsträgern gemacht und haben ihnen zugehört. Entstanden ist ein Schwerpunkt, der aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, welche Bedeutung und welchen Wert Freundschaft im Profi-Sport hat. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend.

Triathlon 

Da ist zum einen der erfolgreiche Triathlet Georg Potrebitsch. Ihn scheint die Anfrage von Christian Hoverath inhaltlich überrascht und zum Nachdenken angeregt zu haben. In jedem Fall ist ihm aufgefallen, dass sich nach seinem Karriereende keiner seiner Sportsfreunde bei ihm mehr gemeldet habe, um einfach mal zu fragen, wie es ihm gehe.

Georg Potrebitsch: Freundschaftsdienste sind im Triathlon nur Mittel zum Zweck

Badminton und Laufen

Ein ganz anderes Bild zeichnen Thorsten Loch und Prof. Dr. Oliver Stoll in ihren Texten über die Sportarten Badminton und Laufen. Während der eine die Bronze-Medaillengewinnerinnen der Deutschen Meisterschaften in ihrer WG traf und am liebsten zur Weiberfastnacht wiederkommen will, macht sich der andere Gedanken über seine Sportart im Wandel der Zeit.

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/02/09/lisa-kaminiski-und-hannah-pohl/

Prof. Dr. Oliver Stoll: Laufen macht Freu(n)de

Fußball

An König Fußball kommen wir nicht nur wegen Franz Beckenbauer nicht vorbei. So lässt das Zitat, welches Dr. René Paasch von Ex-Nationalspieler Marcell Jansen gefunden und zur Grundlage seines Leitartikels gemacht hat, durchblicken, dass es mit echter Freundschaft im Profi-Fußball nicht weit her sein kann. Wir schauen genauer hin und arbeiten insbesondere Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball heraus.

Dr. René Paasch: Freundschaften im Leistungssport Fußball

Fußball-Schiedsrichter

Und dann haben wir noch einen Doppelpack aus der Schweiz. Cristina Baldasarre von die-sportpsychologen.ch hat ein hoch bemerkenswertes Insidergespräch mit dem Schweizer Top-Schiedsrichter Sascha Amhof geführt. Der FIFA-Referee lässt uns tief blicken und Cristina Baldasarre ordnet seine Aussagen im dazugehörigen Blog-Beitrag hervorragend ein.

Wie immer freuen wir uns auf jegliches Feedback und stehen für Rückfragen zur Verfügung. Schließlich darf eines nicht vernachlässigt werden: Freundschaft schießt vielleicht keine Tore, bringt sie aber vielleicht auf den Weg und sollte daher auch unter dem Brennglas des Hochleistungssports nicht aus dem Auge verloren werden.

 

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Dr. René Paasch: Freundschaften im Leistungssport Fußball

Viel Geld und hübsche Frauen, aber kaum echte Freundschaft, lautet das Credo von Marcell Jansen. Er beschreibt den Profi-Fußball als kühles Geschäft, in dem nur schwer echte Freundschaften entstehen. „Ich habe das bis heute nicht kapiert, warum im Fußball so wenige echte Bindungen entstehen“, sagte der ehemalige Nationalspieler dem „Zeitmagazin Mann“. Dabei seien die Voraussetzungen eigentlich ideal. „Du hast lauter Männer im gleichen Alter auf einem Haufen, alle haben Geld, schöne Frauen, nicht mal Konkurrenz ist ein großes Thema, weil in Bundesligamannschaften nur ein, maximal zwei Menschen für deine Position infrage kommen. Und trotzdem kommst du mit den Leuten sozial keinen Schritt weiter“, sagte der 30-Jährige. Jansen vermutet, dass sich die meisten Profis wenig um ihr Inneres kümmern. Sich selbst beschreibt er als nachdenklichen Menschen. „Ich war zwar nie depressiv, auch nicht in psychologischer Behandlung, aber schon sehr nachdenklich.“ Ich nehme diesen Ball auf und erkläre mögliche Gründe und Zusammenhänge für eine Freundschaft im Leistungssport Fußball?

Zum Thema: Welche Rolle spielen Freundschaften im Leistungssport?

Wen bezeichnen wir als unseren „Freund/in“? Der Begriff der Freundschaft kann als allgemein angesehen werden. Es kommt hinzu, dass wir den Begriff der Freundschaft im Alltag und Sport in unterschiedlichen Bedeutungen verwenden. Zum einen bezeichnet er eine soziale Beziehung zwischen Sportlern/innen, zum anderen können wir mit dem Begriff Freundschaft nicht auch die Qualität einer Beziehung kennzeichnen. In diesem Sinne kann ein Fußball-Trainer/in eine freundschaftliche Beziehung zu seinen Spielern/innen haben oder ein Angestellter die Beziehung zu seinen Kollegen/innen.  Es wird deutlich, dass es eine bestimmte formelle Beziehung durch eine informelle Freundschaftsbeziehung überlagert wird. Die Kennzeichnung von Beziehungen als formell oder informell ist allerdings schwierig, da es sich hierbei um keine präzise Abgrenzung handelt (Gaska & Frey, 1993). Was der eine schon als Freundschaft ansieht, mag für den anderen nur eine Rollenbeziehung (Sport, Beruf) sein. In den folgenden Abschnitten möchte ich Ihnen näheres dazu erläutern. Starten möchte ich mit dem Vergleich von Frauen- und Männerfreundschaften. Bitte nicht empört sein, warum ich zwischen Frauen und Männer differenziere. Es entspricht meinen Erfahrungen, welche ich über einige Jahre sammeln konnte.

Frauen- und Männerfreundschaften im Leistungsfußball 

Beziehungen zwischen Frauen werden eher durch Neid und Eifersucht getrübt, ihre Freundschaften als oberflächlicher und instabiler angesehen (vgl. Dorst 1993). In den letzten Jahrzehnten hat sich hier eine erstaunliche Veränderung ergeben. Die Frauen haben in Bezug auf Freundschaften die Männer offenbar überholt. Das rivalisierende Kaffeekränzchen mit Lästereien über andere ist vorbei. Frauenfreundschaften erscheinen nun als beneidenswerte Möglichkeit der Selbstfindung. (Jaeggi 1987, 18). Es wird heute angenommen, dass Frauenfreundschaften intensiver und zufrieden stellender sind, mehr praktischen und emotionalen Beistand bieten als Männerfreundschaften (Dorst 1993). Somit sind die Unterschiede zwischen Frauen- und Männermannschaften mannigfaltig (Pfaff, 2008). Der mir bekannte brisante Unterschied besteht in der Zielsetzung der Männer gegenüber der sozialen Verbundenheit der Frauen. Für Frauen ist sehr wichtig, ein harmonisches und wertschätzendes Klima im Team zu haben. Sie sind für Beziehungsstörungen empfindsamer und somit sensibler gegenüber den Männern.

Für Sie als Trainer einer Fußballfrauenmannschaft bedeutet das, dass Sie mehr Zeit in die Beziehungen investieren müssen. Wenn ich bspw. vor einer Fußballherrenmannschaft stehe, benutze ich andere Ausdrücke und Bilder als vor einer Frauenmannschaft. Sie müssen sich auf das Team individuell und im Kollektiv einstellen und die passende Ansprache wählen. Auch die Kritikfähigkeit müssen Sie bei Frauen anders verpacken als bei Männern. Unter Männer ist der Ton ein anderer und die Auseinandersetzung mit deutlichen Angriffen versehen. Dadurch wird die Verbindung nicht unbedingt gestört. Bei Frauen ist das anders. Persönliche Angriffe schwächen das Selbstbild der Frau und beinträchtigen diese. Nach meiner Erfahrung gehen Frauenmannschaften schonender miteinander um, als ich das unter Männer erlebt habe. Aus diesen Gründen, sollten Sie bei Frauenmannschaften vorsichtiger mit Kritik sein. Frauen machen in ihrer Kindheit andere Erfahrungen als Männer. Jungs hören viel häufiger Sprüche wie „Jungs weinen nicht“. Dies führt dazu, dass viele Jungen ihre innere Welt (Gedanken, Gefühle) nicht äußern. Mädchen dürfen ihre Gefühle zeigen jedoch nicht außer Haut fahren. Deutlich wird dies bei Nichtnominierten. Männer reagieren eher mit Frust und Ärger, hingegen sind Frauen stillschweigender oder weinen vor der Mannschaft. Sie sollten verstehen, wie und warum Frauen in solchen Situationen anders reagieren als Männer. Der Leistungssport bevorzugt „männliche Verhaltensweisen“. Wenn sie jedoch erfolgreich sein wollen mit Frauenmannschaften, dann ist es sehr wichtig, Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit, Körpersprache auf dem Feld sowie der absolute Wille und Überzeugung täglich zu leben. Frauen tun sich damit (noch) schwer. Das wird sich aber ändern. Eine generelle Ausrichtung ist sehr schwierig. Grundsätzlich habe ich für mich herausgefunden, dass die emotionale und positive Ansprache wichtig ist. Jedes Geschlecht hat seine Stärken- und Schwächen. Dennoch ist der Leistungssport mehr auf typisch männliche Eigenschaften ausgerichtet. Das gilt nicht für alle Sportarten. Trotzdem sollten Sie als Trainer die Unterschiede kennen, nur dann sind Sie in der Lage, ihr Coaching individuell anzupassen. In dem nun folgenden Kapitel benutze ich den dreistufigen Prozess Argyle und Henderson (1990), um Ihnen die Entstehung von Freundschaften in Teams zu erklären.

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Freundschaften im Leistungssport als Prozess

Argyle und Henderson (1990) beschreiben die Entstehung von Freundschaften als einen dreistufigen Prozess:

  1. Bei zufälligen Begegnungen Eindrücke vom anderen gewinnen.
  2. Erste Treffen durch Verabredung oder Einladung.
  3. Regelmäßige Treffen und wechselseitige Bindung.

Auf dieser Grundlage erkläre ich Ihnen die Entstehung von Freundschaften im Leistungssport. Argyle und Henderson (1990) betrachten diesen Prozess als eine Selektion, bei dem auf jeder Stufe Aussortierungen stattfinden. Je häufiger sich Sportler treffen und Gemeinsamkeiten aufweisen, desto besser lernen sie sich kennen und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie sich gegenseitig schätzen lernen. Leistungssportler suchen Freunde meist nach Ähnlichkeiten aus, z. B. in Bezug auf Alter, sozialer Herkunft und sportlichen Gemeinsamkeiten. Die erste Kontaktaufnahme stellt einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer Freundschaft dar. Wenn wir ein persönliches Interesse zeigen und etwas von uns erzählen, offenbaren wir dem anderen unser Interesse an ihm. Gleichzeitig können wir aber nicht sicher sein, ob dieses Interesse geteilt wird. Wir gehen also ein gewisses Risiko ein. In vielen Fällen handelt es sich bei der ersten Kennlernphase um Kabinen-Smalltalk. Hierbei werden persönliche Informationen ausgetauscht. Dies geschieht eher vorsichtig. Man möchte etwas über den Teamkollegen erfahren, wie ähnlich man sich in Bezug auf Einstellungen und Interessen ist. Solange wir noch wenig über den anderen wissen, besteht natürlich die Gefahr, dass wir Unterschiede entdecken. Brisante Themen werden zunächst meist vermieden, um nicht das Verhältnis zum Mannschaftskollegen zu beschweren. Freunde möchten Erfahrungen, Vorlieben, Ablehnungen, Erfolge und Niederlagen teilen jedoch müssen sie nicht unbedingt in ihrer Persönlichkeit ähneln, so dass durchaus auch gilt: „Gegensätze ziehen sich an“. Wenn Teammitglieder aus einer Beziehung Vorteile ziehen können, ist die Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer dauerhaften Freundschaft relativ groß. Erscheint uns der Aufwand größer als unser Nutzen, wird es hierzu vermutlich nicht mehr kommen (vgl. Argyle & Henderson 1990, 96ff). Aus diesem Prozess heraus, entstehen persönliche Anregungen für Frauen- und Männermannschaften im Fußball.

Elf Freunde müsst ihr sein

„11 Freunde müsst ihr sein“ – dieses legendäre Zitat von Sepp Herberger war nicht nur mein persönliches Motto in meiner aktive Zeit als Spieler, sondern verdeutlicht zugleich auch einen wichtigen Bestandteil jeder Arbeitsgemeinschaft und Fußballmannschaft – die erfolgreich sein möchte. Aus meiner Sicht ist die Sehnsucht nach Freunden allgegenwärtig. Manchmal merken wir erst, wenn einer geht, wie wertvoll er war. Das gilt für Frauen- und Männermannschaften. Doch eins ist sicher: Freundschaften sind wichtig. Sie machen selbstbewusster, glücklicher, halten gesund und müssen allerdings gepflegt werden. In Zeiten von sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram sowie der Einfluss von Spielerberater und medialen Auftritten, haben sich die Beziehungen verändert. Nicht wenige Sportler/innen haben im Internet eine fast endlose Liste von virtuellen „Freunden“. Dies hinterlässt viele Zweifel an der Verbindung dieser Beziehungen. Das Netz lädt dazu ein, nicht immer ehrlich über seine Gefühle zu sprechen. In einer engen gewachsenen sportlichen Verbindung sei es nicht so leicht, sich zu verstellen. Doch das Internet bietet auch viele anregende Möglichkeiten: Zum Beispiel kann man über weite Entfernungen und fehlender Präsenz gegenüber der Mannschaft unkompliziert kommunizieren und so Freundschaften auch zu Teammitgliedern pflegen, die man ansonsten aufgrund der täglichen Zwänge aus den Augen verlieren würde.

Freundschaften geben dem Leben einen Sinn. Das Gefühl, nicht allein zu sein, hilft nicht nur in schweren Zeiten dabei, den sportlichen Alltag zu bewältigen. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, für andere Teammitglieder eine wichtige Rolle zu spielen. Nicht zuletzt helfen Freunde bei vielen Entscheidungen. Und es tut gut, mit einem Teammitglied über Probleme zu sprechen. Es gibt also genug Gründe, sich ein stabiles soziales Netz im Kontext Sport aufzubauen.

Fazit: 

Ich tue mich mit einer Definition von Freundschaft schwer. Ich verstehe darunter eine freiwillige, persönliche Beziehung, die auf gegenseitiger Sympathie, Vertrauen und Unterstützung beruht. Trotzdem kann die Verbindung ebenso vertraut sein wie die mit dem Partner. Den Grundstein zu einer Freundschaft im Leistungssport sind räumliche Nähe, häufige Kontakte, soziale und empathische Kompetenz und wechselseitige Selbstoffenbarung. Dieser Stellenwert solcher Freundschaftsregeln ist bei Männern und Frauen häufig verschieden, daher bedarf dieser einer sensiblen Führung. Aber auch die Chemie muss stimmen. Manchmal reichen da schon ein paar Gemeinsamkeiten wie gleiches Alter, ähnliche Situation, Herkunft, Einstellungen oder Interessen. Sie geben uns das Gefühl, mit jemandem auf einer Wellenlänge zu liegen. Entscheidender als die Ähnlichkeit ist die emotionale Nähe. Dies gilt gleichermaßen für Frauen- und Männermannschaften. Die Geschlechter unterscheiden sich allerdings darin, was genau für sie Freundschaft ausmacht. Frauen erwarten mehr Nähe und entwickeln ein engeres Vertrauensverhältnis. Bezeichnend für Frauen sind deshalb so genannte Face-to-Face-Freundschaften, in denen der persönliche Austausch und die gegenseitige Unterstützung im Zentrum stehen. Eine gute Freundin sollte zuhören können. Männer pflegen häufiger Side-by-Side-Freundschaften, treiben gemeinsam Sport und leisten sich gegenseitig praktische Hilfe. Dabei scheinen sie dauerhaftere Verbindungen einzugehen. Eine Freundschaft im Leistungsfußball (Männer & Frauen) funktionieren  nur so lange gut, wie sich beide Beteiligten an ihre ungeschriebenen Gesetze halten.

 

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Freundschaft im Profi-Sport

 

Literatur

Argyle, M. & Henderson, M. (1990): Die Anatomie menschlicher Beziehungen. München: mvg.

Dorst, Brigitte (1993): Die Bedeutung von Frauenfreundschaften im weiblichen Lebenszusammenhang. Gruppendynamik, 24 (2), 153-163.

Frey, D. & Gaska, A. (1993): Die Theorie der kognitiven Dissonanz. In Frey, D. & Irle, M. (Hrsg.) Theorien der Sozialpsychologie, Band 1: Kognitive Theorien, (275-324), Bern: Huber.

Jaeggi, Eva (1987): Psychologie und Alltag. München: Piper.

Pfaff, E. (2008): „Nicht ich habe den Mädels erklärt, was sie erreichen können, sie haben es selbst entschieden“ – Interview mit Markus Weise. Leistungssport 38/1, S. 36-39

Pfaff, E. (2008): „Bei Frauenmannschaften sollten Trainer vor allem mehr Sorgfalt auf ihren Umgang und ihre Wortwahl legen.“ Interview mit Lothar Linz. Leistungssport 38/1, S. 40-45

Internet: http://www.t-online.de/sport/fussball/id_78902534/marcel-jansen-vermisst-echte-freundschaften-im-fussball.html

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Lisa Kaminski und Hannah Pohl: Wir sehen, was die andere denkt

Schon nach wenigen Augenblicken, nachdem ich in die Wohnung betrat, war mir klar, dass diese Wohngemeinschaft (WG) nicht denjenigen ähnelte, welche ich aus meiner Studienzeit kannte. Sporttaschen im Flur, ein Wandbild mit Federballapplikation und letztendlich die Bespannungsmachine in der Küche neben der Kaffemaschine ließ spätestens jetzt letzte Zweifel an meinem ersten Eindruck endgültig verfliegen. Ich war in einer „Sport-WG“, welche sich zusammensetzt aus Lisa Kaminiski, Hannah Pohl und noch zwei weiteren Badmintonspielerinnen. Mitten in Bonn-Beuel, unweit entfernt von der Erwin-Kranz-Halle, der Heimstätte des 1.BC Beuels, starten Lisa und Hannah für einer der mitgliedsstärksten Vereine in Deutschland Seite an Seite u.a. mit Birgit Overzier in der Bundesliga, sowie in der Regionalliga. Zusätzlich gehen sie als Damendoppel, neben der regulären Spielzeit, auf nationalen und internationalen Turnieren auf Punktejagd. Deswegen bin ich besonders froh, dass sie trotz des prall gefüllten Terminkalenders Zeit gefunden haben.

Für die-sportpsychologen berichtet

Thorsten Loch (zur Profilseite)

Lisa und Hannah, vielen Dank noch einmal, dass ihr euch Zeit genommen habt, um euch mit mir ein wenig über das Thema Freundschaft zu unterhalten. Seit wann kennt ihr euch und wie habt ihr euch kennen gelernt?

Lisa: Wir kennen uns schon ewig. Quasi von Kindsbein an, was auch nicht wirklich verwunderlich ist. Wir beide kommen aus Oberpleis, einem größeren Dorf oder kleineren Stadt, vor den Toren Bonns.

Hannah: Da hast du Recht. Lisa war damals in der Trainingsgruppe meiner älteren Schwester. Und dabei kam der erste Kontakt zur Stande.

Seit wann wohnt ihr jetzt gemeinsam mit den beiden Anderen zusammen?

Hannah: Ich glaube es sind jetzt ca. zweieinhalb Jahre. Wobei wir schon länger mit dem Gedanken gespielt haben.

Was waren die Beweggründe, euch auf die Suche zu machen?

Lisa: Also zum einen hat es einfach praktikable Gründe. Die Trainingsumfänge mit Athletikttaining, Matchen, Physio usw. sind enorm gestiegen. Rechnet man dann die Anfahrtszeiten zur Halle zusammen, dann war es in der Summe einfach zu viel verlorene Zeit. Zeit, die wir besser nutzen können. Dann arbeite ich auch noch in Bonn, von daher war für mich die Sachlage schnell klar.

Hannah: Genau. Ich studiere noch in Remagen an der FH und brauche jetzt nur wenige Minuten zu Fuß zum Bahnhof und die Verkehrsanbindungen sind hier optimal. Auch die Streck von der WG zur Halle ist schnell mit dem Rad geschafft.

Und warum sind es denn jetzt „erst“ zweieinhalb Jahre, obwohl ihr schon länger mit dem Gedanken gespielt habt? Gab es da bestimmt Gründe für euch?

Lisa:  Wir haben quasi auf den richtigen Moment gewartet. Einmal ist es nicht unbedingt leicht eine WG-taugliche Wohnung zu finden, in guter Lage und dann auch noch bezahlbar ist.

Hannah: Und dann brauchten wir auch noch die „richtigen“ Mitbewohner.

Wie ist das zu verstehen?

Lisa: Klar, muss man sich gut verstehen bzw. sich in irgendeiner Art sympathisch sein. Und dann sind wir auch nicht die typische Studenten-WG, in welcher ohne Klischees bedienen zu wollen, aber das Wochenende mittwochs eingeläutet und wild gefeiert wird. Wenn du Leistung auf hohem Niveau bringen willst, dann gehört Regeneration und Schlaf genauso dazu wie das Training.

Hannah: Und hier könnte es schon Probleme geben, wenn du möglicherweise mit einem „Nicht-Sportler“ zusammen wohnst. Das Verständnis ist einfach da und jeder von uns weiß, worum es geht. Das geht über den Schlaf bis zum Essen usw. Man hat also nicht das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen.

Gab es denn im Vorfeld Zweifel, ob es sinnvoll ist, zusammen zu ziehen, obwohl man schon so viel Zeit gemeinsam verbringt? Stichwort Lagerkoller?

Hannah: Natürlich haben wir auch solche Gedanken gehabt, aber bisher haben wir das sehr gut hinbekommen. Unsere Freundschaft hat nicht gelitten, hoffe ich (lacht).

Lisa: Denke ich auch. Aber von Vorteil sind unsere unterschiedlichen Tagesabläufe, außer zu den Trainingszeiten. Wir kommen uns nicht unnötig in die Quere. Ich bin meistens schon sehr früh aus dem Haus, wenn die anderen noch in den Betten liegen. Hannah muss meistens erst später zu den Vorlesungen. Also den „Kriegsschauplatz“ Badezimmer haben wir nicht.

Hannah: Das kann ich nur bestätigen. Zudem sind wir auch zwei Typen, die gut abschalten können und auch einmal gern allein sein können. Wenn ich Lust auf Unterhaltungen habe, egal ob über Badminton oder sonst was, dann brauche ich nur in die Küche zu gehen. Hier trifft man immer jemanden. Wenn das nicht der Fall ist, bleibe ich im meinem Zimmer und schließe die Tür. Lisa händelt das genauso. Und von daher haben wir auch kein schlechtes Gewissen, wenn man mal keine Lust hat, sich zu unterhalten oder sonst etwas, ohne das dann gleich die Freundschaft gefährdet ist.

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Glaubt ihr, es ist von Vorteil, gut befreundet zu sein und gemeinsam als Doppelpaarung zu spielen?

Lisa: Also ich für meinen Teil denke es schon. Dadurch, dass man den anderen besser kennt, kann man im Spiel auch besser den anderen verstehen und sehen, was sie vielleicht in dem Moment denkt und braucht.

Hannah: Das kann ich nur bekräftigen. Ich glaube aber nicht, dass es immer von Vorteil ist. Ich kenne zum Beispiel eine Paarung die sich getrennt hat, nachdem sie zusammen gezogen sind.

Lisa: Ich persönlich denke, wir können auch sehr gut trennen. Sport ist Sport und Privat ist Privat. Hier sind wir möglicherweise anderen ein kleines Stück voraus.

Vielen lieben Dank für die Einladung und die Offenheit. Gibt es in nächster Zeit noch sportliche Ziele, die in der Küche ausgetüftelt wurden und auf dem Platz umgesetzt werden sollen?

Hannah: Wir sind immer auf der Suche nach den Prozentpunkten, an denen wir uns verbessern können. Natürlich haben wir auch Ziele, aber die bleiben in der Küche (lacht).

Lisa: Ansonsten stehen dieses Jahr noch ein paar spannende Turniere an, wie beispielsweise die German Open am 23. Februar. Wir wollen noch weitere Ranglistenturniere spielen, um uns diesbezüglich weiter zu verbessern. Hier müssen wir schauen und genau planen, wann und wo wir spielen. Denn teils müssen wir die Turniere auch selbst finanzieren und das ist teilweise ohne Sponsor für uns schwer.

Fazit

Freundschaft und Leitungssport sind gut miteinander zu vereinbaren. Sicherlich kommt es auf die jeweiligen Typen an. Das ein Leistungsgefüge auch sehr gut funktionieren kann, dafür gibt es genügend weitere Beispiel aus der Welt des Sports. Letztendlich muss dies jeder für sich selbst entscheiden und wir können festhalten, dass Freundschaft plus Leistungssport funktionieren kann, jedoch kein Ausschlusskriterium sein muss.

Kleine Randnotiz: Der aufmerksame Leser wird möglicherweise festgestellt haben, das am 23.2. auch Weiberfastnacht ist. Ein für den Rheinländer nicht ganz unwichtiger Termin. Vielleicht lassen sich die Zwei bei einem guten Abschneiden auf den Open zu einer kleinen Küchenparty überreden. Wenn es so gut funktioniert wie bei den Deutschen Meisterschaften, bei denen die beiden Dritte wurden, könnte es lustig werden.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Laufen macht Freu(n)de

Das ist eigentlich eine Frage, über die man heute kaum mehr nachdenken muss, und demnach sofort mit einem deutlichen „Ja“ zu beantworten ist. Das war allerdings nicht immer so, denn das ausdauernde Laufen verbreitete sich weltweit über die „Jogging-Bewegung“, die Anfang der 1970er Jahre in den USA ihren Ausgang nahm (siehe hierzu auch den Dokumentarfilm „I want to run“).  Als „Jogger“ erntete man damals nur unverständliches Kopfschütteln und Wissenschaftler, Ärzte und Psychologen machten sich ernsthafte Sorgen um dieses Phänomen. Was treibt Menschen dazu, spärlich bekleidet, stundenlang durch den Central Park in New-York-City zu rennen? Was? Frauen wollen Marathon laufen? Das geht doch gar nicht! Und die ersten wissenschaftlichen Studien beschäftigen sich mit der Frage, warum man ein solches Verhalten überhaupt in Betracht zieht? Sind es körpereigene Opiate, die den Läufer zum „Flash ohne Heroin“ verhelfen? Oder sind das alles „abnormale Persönlichkeitsausprägungen“, die dieses Verhalten induzieren (ganz nach dem Motto: „das sind alles durchgeknallte, total introvertierte Typen, die sich stundenlang in den Wald verziehen müssen, um herum zu rennen“). Nun, seit den 1980er Jahren begann dann zu diesen Fragen eine große Forschungswelle, deren Ergebnisse, sich zusammenfassend leicht nachlesen lassen (etwa bei Crandall, 1986; oder bei Stoll, Ziemainz & Schmidt, 2000).

Zum Thema: Freundschaften im Langstreckenlauf – Gibt es so etwas überhaupt?

Langstreckenlaufen ist in erster Linie eine Individualsportart. Betrachtet man diese leistungssportlich, so geht es darum, eine vorgegebene, „lange“ Strecke in möglichst kurzer Zeit zurück zu legen. Diese Anforderung klingt nach allem anderem, als nach „sozialem Miteinander“.  Aber genau diesem Fehlschluss sind die Sportpsychologen der frühen 1970er Jahre auch aufgesessen. Denn: Langstreckenlaufen ist zeitintensiv. Und genau hier kommen die sozialen Kontakte ins Spiel. Viele Läuferinnen und Läufern laufen höchstens im Wettkampf „allein“. Das Training findet beim „Lauftreff“ statt, bei dem Gespräche und Interaktion ein wichtiger Anreiz sind, um zu diesem Lauftreff zu gehen. In den späten 1980er Jahren wurde das Langstreckenlaufen als ein Werkzeug“ der Psychotherapie erkannt (siehe hierzu auch (Sachs & Buffone, 1984 oder Stoll & Ziemainz, 2012). Zentraler Gedanke ist – neben den ansonsten positiv wirkenden Mechanismen des Laufens  – die Idee, dass man so „leichter mit den Patienten ins Gespräch kommen kann“.

Mittlerweile haben sich eine Reihe verschiedener Wettkampf-Formate etabliert, bei dem der Gedanke des „Stresspuffer-Effektes“ durch soziale Unterstützung ein wesentlicher Bestandteil des Erlebnisses ist (so zum Beispiel der Transalpine-Run, der als Paar durchgeführt werden muss oder aber die Team-Marathonläufe, bei denen man als Dreier-Team starten muss und auch die Ziellinie gemeinsam überqueren muss, um gewertet zu werden). Langstreckenlaufen – und vor allen Dingen die neuen Formate des Laufens, wie z.B. das Trail-Running, fernab der großen City-Marathons ermöglichen unglaublich intensive, emotionale Erfahrungen, die umso glücklicher machen, je mehr man diese mit einem „Gleichgesinnten“ teilen kann.  

Dr. René Paasch: Freundschaften im Leistungssport Fußball

Das Konfliktpotential

Selbstverständlich bergen die o.g. Wettkampf-Formate auch reichlich „Konfliktpotential“ – dann allerdings nur, wenn man sich als Paar oder Team nicht gut genug kennt oder eben nicht in der Lage ist, „die Perspektive des anderen zu übernehmen“.  Blicke ich jedoch auf meine eigene läuferische Karriere zurück, so sind die Freundschaften, die sich hier ergeben haben, immer noch die stabilsten und langfristigsten. Selbst wenn man sich, z.B. aufgrund eines Umzugs, erst nach Jahren wiedertrifft, so sind das Lachen und die Freude über diese Wiedersehen sowie die Erinnerungen an das gemeinsam Erlebte wieder so präsent, so dass man den Eindruck hat,  dass keine Jahre der „Trennung“ dazwischen liegen würden. Mein kurzes wissenschaftliches Fazit also lautet: Es gibt bezogen auf die Frage, ob Laufen einsam macht,  mehr Mythen als Fakten. Ich persönlich behaupte: Laufen macht Freu(n)de!.

 

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Freundschaft im Profi-Sport

 

Literatur

Crandall, R. C. (1986). Running – the consequences. Jefferson, NC. McFarland.

Sachs, M.L. &  Buffone, G.W. (1984). Running as therapy.Lincoln: University of Nebraska Press.

Stoll, O. & Ziemainz, H. (2012). Laufen – psychotherapeutisch nutzen.  Berlin: Springer.

Stoll, O., Ziemainz, H. & Schmidt, U. (2000). Psychologie in Ausdauersportarten. Butzbach: Afra Sportbuch.

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Georg Potrebitsch: Freundschaftsdienste sind im Triathlon nur Mittel zum Zweck

Freundschaft im Langdistanztriathlon – einer Individualsportart, in der man viele, viele Stunden im Jahr auf sich allein gestellt trainiert, Wochen in Trainingslagern und auf Wettkämpfen rund um den Globus verbringt  – gibt es das? Und wenn ja, welche Rolle spielt die soziale Unterstützung in dieser Sportart?

Für die-sportpsychologen berichtet:
Christian Hoverath (zur Profilseite)

Einer der es wissen kann, ist der ehemalige Profi Georg Potrebitsch, Deutscher Meister auf der Langdistanz 2011. In seiner Profikarriere von 2009 bis 2015 startete er unter anderem für das 21run.com-Team, aus dem das Power Horse Team und später das Team Sport for Good hervorgingen. Und so treffen wir uns in seiner Heimatstadt Gladbeck zu einem Kaiserfrühstück, um uns über das Thema Freundschaft im Profisport zu unterhalten. Jedoch nicht ohne vorher eine kleine Runde mit dem Kinderwagen zu drehen, in dem sein Sohn seelig schläft: „Die wertvollste Medaille, die ich in meinem Leben gewinnen durfte.“ Offen und ehrlich teilt der sympathische Georg seine Erfahrungen, betont aber auch, dass dies seine Erfahrungen seien. Seit seinem Karriereende habe er nicht so viel über das Thema Freundschaft im Sport nachgedacht wie vor unserem Gespräch.

Freundschaft und Training

Als Triathlet verbringt man viele Monate im Jahr in Trainingslagern und auf Wettkämpfen. Durch die Strukturen von Teams verbringt man zudem viel Zeit mit den Teamkollegen. Entwickeln sich dort tiefe Freundschaften? Oder überwiegen der Leistungsdruck und der Fokus auf die eigenen Ziele?

„Das Mannschaftsgefühl und dessen Darstellung ist viel wichtiger als die Entwicklung enger Freundschaften“ sagt Georg. Er spricht in der Rückschau über sich und den Triathlonprofi an sich als „Sondereinsatzkommando“ und von Robotern. Roboter bräuchten keine Freunde, denn sie funktionierten um Resultate zu erzielen. Sie zeigten wenig bis keine Emotionen und könnten Schmerzen aushalten. Für Freundschaft allerdings seien Gefühle wichtig und so könne sie nur zwischen Menschen und nicht zwischen Robotern entstehen und wachsen.

Damals sei auch er ein Roboter gewesen und es sei normal gewesen zu funktionieren. Die Teamstrukturen hingegen seien wichtig gewesen, um den Druck von den Schultern einzelner zu nehmen. Sie seien nicht gewesen, um Freundschaften entstehen zu lassen. „Freundschaftsdienste“ seien eher Mittel zum Zweck gewesen, wie z.B. um den Teamkapitän in eine gute Ausgangsposition zu bringen. Die Sportler seien Gladiatoren, für die Show zuständig und um das Team zu präsentieren. Nicht um Freundschaften entstehen zu lassen.

Freundschaft und Wettkampf

Georgs Metapher des Sondereinsatzkommandos aufgegriffen, stellt sich auch hier die Frage: Unterstützen sich die Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos im Wettkampf gegenseitig, um ihr gemeinsames Ziel zu erreichen oder zählt das eigene Überleben? Georg greift hier zu einem Beispiel aus der Praxis: „Stellen wir uns vor, dass zwei „befreundete“ Profisportler ein Rennen gemeinsam gestalten und vorn liegen. Einer von beiden weiß, dass er gewinnen kann. Er weiß aber auch, dass sein Mitstreiter das Preisgeld viel dringender benötigt als er selbst. Wie wird er sich verhalten? Möglich wäre es, das Rennen zu gewinnen, Sponsoren und Medien auf seine Seite zu ziehen und das Geld dem „Freund“ zu schenken. Oder aber dem Freund das Rennen direkt zu schenken.“ Problematisch könnte es in diesem Fall für das Ego werden, und das schaffen die Wenigsten. „Ich habe Rennen für andere gestaltet, aber normal ist das leider nicht“, lässt der warmherzige Georg verlauten.

Profisport ist ergebnisabhängig und so ist es fast zu erwarten, dass der Blick der meisten Athleten auf sich selbst gerichtet ist. Auf den Begriff Freundschaft angesprochen gibt Georg nach einiger Zeit zu bedenken, dass er zu aktiven Zeiten immer von Teamkollegen gesprochen habe, dieser Begriff erschien ihm passender. „Neid war, ist und wird immer ein Wegbegleiter im Leistungssport sein.“

Prof. Dr. Oliver Stoll: Laufen macht Freu(n)de

Freundschaften außerhalb des Leistungssports

Dieser Aspekt sei sicherlich einer, der im Sport unterstützend wirken kann, für den jedoch wenig Zeit und Platz bleibe. Schließlich sei der Triathlet darauf gedrillt zu trainieren, zu essen und zu schlafen. Dennoch überrascht es nicht, dass Georg von Freunden an seiner Seite berichten kann, die ihn schon vor der Profikarriere begleiteten. An dieser Stelle zeigt er eine Pyramide auf. Unten, auf dem Hobby- und Amateurniveau, sei noch viel Platz für Freundschaften und Familie. Doch der Rahmen werde enger, je weiter es nach oben geht. Dort sei dann wenig Raum und Zeit für alles abseits des Sports, auch für  Freundschaften. „Nach meinem Karriereende hat mich niemand aus den „Teams“ angerufen, um zu fragen wie es mir geht oder wie mein Leben läuft.“

Georg berichtet, dass seine Frau den Menschen Georg in den Roboter zurück geholt habe und so könne er vieles in der Rückschau klarer betrachten. Und sie ist es auch, die uns nach anderthalb Stunden mit dem Sohn auf dem Arm aus der Triathlonwelt zurück ins Café in Gladbeck holt und dem stolzen Vater ein strahlendes Lachen ins Gesicht zaubert.

Fazit

Überraschende Einblicke in den Profisport – mit Implikationen für sportpsychologische Interventionen. Bekannt ist, dass soziale Unterstützung mit mentaler Gesundheit einhergeht (Lakey & Orehek, 2011) und für Athleten eine große Hilfe bei der Bewältigung von Problemen sein kann (Rees & Hardy, 2000). Zudem scheint eine kooperative Einstellung im Sport einen positiven Effekt auf die Leistung zu haben (Johnson & Johnson, 1985). So stellt sich doch die Frage, ob auch in einer Individualsportart wie dem Triathlon, in der immer mehr Teams entstehen, sinnvoll eingebettete Maßnahmen aus dem Bereich des Teambuildings die Leistungsbereitschaft und Gesundheit positiv beeinflussen können. Wir Sportpsychologen stehen dafür bereit.

Athletenportrait Georg Potrebitsch

Georg Potrebitsch (geb. am 20.03.1984 in Bolschoi Kamen in Russland) war von 2009 bis 2015 Triathlonprofi. Seine größten Erfolge im Triathlon waren Top 4 Platzierungen bei großen Langdistanzrennen in Almere, Barcelona, Taiwan, Frankfurt und Valencia. Nach seinem Karriereende gründete er die Firma Kann-Sport, um sein Fachwissen weiterzugeben.

Mehr Informationen: https://www.facebook.com/KannSport/

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Freundschaft im Profi-Sport

Literatur:

Johnson, D., & Johnson, R. (1985). Motivational processes in cooperative, competitive, and individualistic learning situations. Research on motivation in education, 2, 249-286.

Lakey, B., & Orehek, E. (2011). Relational Regulation Theory: A New Approach to Explain the Link Between Perceived Social Support and Mental Health. Psychological Review.

Rees, T., & Hardy, L. (2000). An examination of the social support experiences of high-level sports performers. The Sport Psychologist, 14, 327-347.

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Sascha Amhof: “Fehler machen einsam”

Jeder Schiedsrichterichter kennt die Einsamkeit, die einen befällt, wenn man auf dem Platz einen spielbeeinflussenden Fehlentscheid getroffen hat. Einsamer mache nur noch, wenn dieser Fehler dann auch medial noch ausgeschlachtet und man mal wieder zum schlechtesten Schiedsrichter aller Zeiten gekürt wird. Sascha Amhof ist einer von aktuell sieben Schweizer FIFA-Referees und weiss, wovon er spricht.

„Selbst wenn es solch (seltene) Momente der Einsamkeit tatsächlich gibt, ist internationaler FIFA-Fussball-Schiedsrichterichter zu sein, eine der schönsten Tätigkeiten, die ich mir vorstellen kann.“, so Amhof. „Beim «Schiedsrichterichtern» verbinden sich mehrere Herausforderungen, die schliesslich motivierend wirken: Es müssen z.B. physische und kognitive Komponenten zu einem optimalen Zusammenspiel gebracht werden. “Ich muss also auch mal Entscheide treffen, während ich völlig ausser Atem bin und das Herz nach einem Sprint gerade 180 Schläge pro Minute anvisiert. Weiter darf ich als Schiedsrichter in einem Team, bestehend aus zwei Schiedsrichter-Assistenten und einem “vierten Offiziellen”, unterwegs sein, mit ihnen zusammenarbeiten und dieses Gruppe anführen.

Freundschaften schließen sich aus

Aber: Sich in schwierigen Momenten einsam zu fühlen, ist ein im Spitzensport und vor allem auch in der Schiedsrichterei kein gänzlich unbekanntes Phänomen. Gerade deshalb ist unsere Leistung auf dem Platz entscheidend von einem professionellen Verhalten geprägt, dass dazu führen soll, möglichst unabhängig und unbelastet richtige Entscheide zu treffen. Dies schliesst für mich die Schiedsrichterei als klassisches Feld für Freundschaften eher aus. Genauso wie echte Freundschaften zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern in einer Firma eher selten sind.“

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„Abschliessend kann man sagen, dass in der Schiedsrichterei sehr viele Leute aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenkommen und dies grosse Chancen für ein fruchtbares Kennenlernen, gemeinsames Lernen und interessante Gespräche bietet. Es ist sogar möglich, dass daraus über die Zeit Freundschaften wachsen. Auch wenn ich nicht genau weiss, wie oft das wirklich vorkommt. Für mich ist diesbezüglich nur eines wirklich sicher: Die Schiedsrichterei hat in mir persönlich einen permanenten Selbstreflexionsprozess ausgelöst. Dieser hat mich in ganz unterschiedliche Ecken meines eigenen Selbst geführt. Mich selber kennenzulernen, mich zu fragen, wie ich führe, welche Vorbehalte oder gar Ängste ich habe und mich meiner innersten Werte bewusst zu werden, sind nur einige der Fragen, die sich im Laufe meiner Schiedsrichter-Karriere gestellt haben. Diesen gehe ich mit der Überzeugung nach, dass wenn Selbstreflexion schonungslos und ehrlich ist, ich daraus sehr viel gewinnen kann: Nicht zuletzt bin ich dabei mit seinen Stärken und Schwächen konfrontiert. Ich musste lernen, an meine Stärken zu glauben und bereit sein, an meinen Schwächen zu arbeiten und diese zu akzeptieren. Dazu gehören wie bei jedem Sportler Zeiten mit Hochs und Tiefs.

Wenig neue Freunde

So kann ich nach fast 17 Jahren als Schiedsrichter von den untersten bis in die obersten Ligen sagen, dass ich trotz viel zeitlichem Aufwand für das Hobby eher wenig wirklich neue Freunde gewonnen habe. Vor allem auch in den einsamen Momenten in meiner Schiedsrichter-Karriere bin ich aber einer Person nähergekommen und habe mit ihr eine ganz besondere, versöhnliche Freundschaft geschlossen: Nämlich mit mir selber.

 

Mehr zum Thema:

http://die-sportpsychologen.ch/2017/02/07/cristina-baldasarre-fehler-und-zweifel-abhaken/

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Cristina Baldasarre: Fehler und Zweifel abhaken!

Sascha Amhof hat in seiner Karriere als Schiedsrichter annähernd 80 Spiele in der Schweizer Super League geleitet und ist seit 2013 internationaler FIFA-Fussball-Schiedsrichter. Im Beitrag spricht er von der Bedeutung des Zusammenhalts unter seinen Kollegen und sein individuelles Rollenverständnis. Amhof erklärt, wie sich bei ihm zu Spielbeginn regelrecht ein Schalter umlegt. In seinem Alltag als Referee, so macht der 36-Jährige deutlich, helfen ihm nicht zuletzt auch sportpsychologische Methoden, um das Wesentliche nicht aus dem Auge zu verlieren: die Objektivität.

Zum Thema: Mit welchen Herausforderungen Schiedsrichter konfrontiert sind und wie die Sportpsychologie sie unterstützen kann

Er weiss aus eigener Erfahrung, dass auf dem Spielfeld ganz spezielle Rollen eingenommen werden müssen, um erfolgreich zu sein: Der Head-Schiedsrichter ist der Team-Chef. Er prägt nicht nur die Zusammenarbeit im Team, sondern trägt schliesslich auch die Verantwortung für alle Entscheide seines Teams. Sein Name und sein Kopf erscheinen nach Fehlern in der Zeitung oder im Fernsehen, unabhängig davon, ob er selber Ursprung des Fehlers war oder ob ein anderes Schiedsrichter-Teammitglied «danebengehauen» hat. Aus dieser Gesamtverantwortung ergibt sich die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit innerhalb des Teams auf eine professionelle Ebene zu stellen. Das beinhaltet gemäss Amhof ein klares Rollenverständnis und gibt Antworten auf Fragen wie beispielsweise: Wer nimmt im Schiedsrichter-Team hierarchisch welche Position ein? Wie unterscheiden sich diese Rollen und Aufgaben und welche Art von Zusammenarbeit ergibt sich daraus? Aber auch ganz konkrete Fragestellungen sind zu beantworten: Was ist das gemeinsame Ziel und wer übernimmt dabei genau welche Aufgaben?

Professionalität bedeutet für Amhof, als Team zusammen zu wachsen, durch dick und dünn zu gehen, und sich dabei als einzelne Person auf dem Fussballplatz zurückzunehmen. Nur so kann er sich voll und ganz auf das gemeinsame Ziel fokussieren. Die Sportpsychologie bezeichnet diese Art von Zusammenhalt als aufgabenbezogene Kohäsion (Carron, 2005). Kohäsion bedeutet „…the total field of forces wich act on members to remain in the group…“ (Festinger, Schachter & Back, 1950). Es ist wie der Klebstoff, der eine Gruppe zusammenhält und macht, dass diese auch zusammenbleibt. Die guten Gründe für das Verbleiben in einem Team können individuell unterschiedlich sein. Bei der Aufgabenkohäsion stehen wie der Begriff schon sagt, die zu erfüllenden Aufgaben im Zentrum. Wie beispielswiese das Erreichen des gemeinsamen Leistungsziels: Das Schiedsrichter-Team strebt an, auf dem Fussballplatz möglichst ideal zu stehen und die Konzentration voll auf die spielrelevanten Punkte zu richten.

Diskrepanz zwischen Training und Ernstfall

Um in der Super League als Schiedsrichter bestehen zu können, sind regelmässige Weiterbildungen Pflicht. Als Ergänzung zu monatlichen Zusammenzügen dient dazu vor allem ein einwöchiges Trainingslager im Winter. Solche Anlässe stärken das Netzwerk und ermöglichen Kontakte zu wichtigen Bezugspersonen wie zum Beispiel zu Ausbildern, Trainern oder Masseuren, aber auch zu anderen aktiven Schiedsrichtern und Schiedsrichterassistenten. Viele dieser Personen hat Amhof im Laufe der Jahre gut kennen und schätzen gelernt. Es sind Leute, die ihm Feedbacks geben oder Anteil nehmen, wenn es einmal nicht optimal läuft. Menschen auch, mit denen er sich fachlich austauschen kann. So bilden sich oft wichtige Kollegschaften oder auch echte Freundschaften, welche auch ausserhalb der Schiedsrichterei gepflegt werden. Dieser Zusammenhalt nennt die Sportpsychologie soziale Kohäsion (Carron, 2005), welche das Mass des „sich gegenseitigen Mögens“ widerspiegelt. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich bei Amhof stark an den gemeinsamen Lehrveranstaltungen entwickelt, ergibt diese soziale Verbundenheit die das Hobby Schiedsrichterei auch mit Freude und Spass erfüllt. Und das ist der Nährboden für das professionelle Auftreten von Amhof am Spieltag selber. Trotz aller Vorbereitungen: Während der 90 Minuten laufen andere Mechanismen als an einem Kurs ab. An erster Stelle steht für die Schiedsrichter, dass anstehende Spiel möglichst fehlerlos zu leiten – im Wissen, dass Fehler bis zu einem gewissen Grad dazugehören. Wie Amhof seine drei Team-Kollegen dann konkret führt und auf das bevorstehende Spiel einstimmt, wie er die Aufgaben verteilt und die Kommunikation auf dem Feld organisiert, hängt einerseits von seinem eigenen Führungsstil ab, andererseits aber auch von der Teamkonstellation der Schiedsrichter.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/02/07/sascha-amhof-fehler-machen-einsam/

Rollt der Ball dann erstmal, schlüpft Amhof in seine Rolle. Das ist damit vergleichbar, wenn er den Lichtschalter aktiv kippt und auf „on“ schaltet. Um dies erfolgreich tun zu können, hilft ihm seine mentale Stärke, die ideale innere Haltung und sein Selbstvertrauen zu aktivieren, um Entscheidungen selbstsicher und gut treffen zu können. Diese beschreibt Amhof folgendermassen: Er hat gelernt, unabhängig seiner persönlichen Meinungen, objektiv und neutral, (möglichst) korrekte und regelkonforme Entscheide zu fällen. Auf dem Feld helfen ihm konkret vor allem kurze Rituale, gekoppelt mit Selbstgesprächs-Techniken und bewusstem Atmen. So hakt er Fehler oder Zweifel sofort ab. Die Devise lautet: immer vorwärts, immer weiter! Für ihn ein Garant, die bevorstehenden Entscheidungen mit klarem Kopf, neutral und kompetent angehen zu können.

 

Sehr interessanter und gut gemachter Imagefilm der Schweizer Spitzenschiedsrichter (Schweizerischer Fußballverband), u.a. mit Sascha Amhof:

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Weitere Informationen

 

Carron, A., H. A. Hausenblas & M. A. Eys (2005). Group Dynamics in Sport. 3rd Ed., Morgantown: Corey Madsen.

Festinger, L. Schachter, S. and Back, K. W. (1950) Social Pressures in Informal Groups: A Study of Human Factors in Housing, New York: Harper

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Dr. Michele Ufer: Wenn Manager laufen lernen

Nun ist es offiziell: vor wenigen Tagen erhielt Dr. Michele Ufer, international gefragter Experte für Sport- & Managementpsychologie, eine besonders erfreuliche Nachricht. Laut Angabe seines Verlags ist das von ihm verfasste Buch „Mentaltraining für Läufer. Weil Laufen auch Kopfsache ist“ das mit Abstand erfolgreichste Mentaltrainings-Buch des Jahres 2016. Es stellt hochwirksame Strategien zum mentalen Training und Selbstcoaching für Läufer, andere Ausdauersportler sowie deren Trainer vor. Die Führungskräfte und Unternehmer unter den Lesern berichten immer wieder, dass die vorgestellten Strategien selbst im Managementalltag wertvolle Dienste leisten. Den Autor überrascht das wenig. Wir haben Dr. Michele Ufer getroffen und nachgefragt.

Herr Ufer, Laufen scheint bei Managern in Mode zu sein und Ihr Buch kommt ziemlich gut an. Wieso?

Irgendwo habe ich neulich mal gelesen, Laufen sei das neue Golfen. Mag sein. In jedem Fall ist Laufen zunächst eines: simpel. Ein technisch einfacher Sport, zu dessen Ausübung es nicht viel braucht, außer ein paar Minuten Zeit. Das ist schon mal praktisch, denn so kann das Laufen relativ problemlos in den vollgepackten Terminkalender integriert werden. Hinzu kommen die mannigfaltigen positiven Effekte des moderaten Ausdauertrainings auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Außerdem gehört es mittlerweile unter Führungskräften fast schon zum guten Ton, einen Marathon absolviert zu haben, denn das wird mit Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Willenskraft, Ausdauer usw. in Verbindung gebracht, die auch im Job entscheidend sind. Nun kommt aber die Krux und mein Buch ins Spiel: obwohl das Laufen eigentlich so einfach ist und viele positive Folgen haben kann, können sich Läufer durchaus gehörig selbst im Wege stehen oder sabotieren. Und sie tun es überraschend häufig, ganz egal, ob sie eher gesundheits- oder leistungsorientierte Ziele verfolgen. Auch die Manager sind davor nicht gefeit.

Woran liegt das?

Sie haben während des Laufens relativ viel Zeit für dysfunktionale Denk- und Verhaltensweisen, die die Zielerreichung unnötig erschweren können, statt sie effektiv und entspannt ans Ziel zu bringen. Es gibt zwar zuhauf Laufbücher und Trainingsratgeber. Diese fokussieren aber meist auf die körperlichen Aspekte des Sports und beinhalten in der Regel keine fundierten Hinweise zu den psychologischen Einflussfaktoren. Das verwundert, denn Sportler wie Manager stimmen eigentlich zu, dass Erfolg immer auch Kopfsache und eine Frage der richtigen Einstellung ist. Genau hier setzt mein Buch an und liefert ein zentrales Puzzleteil für mehr Motivation, Leistung und auch Lebensfreude. Die Ansätze kann man dann über das Laufen hinaus auch für andere Lebensbereiche nutzen.

Beim Laufen fürs Leben und den beruflichen Alltag lernen?

Ganz genau. Der Sport als Metapher für das Business wird nach meinem Geschmack zwar manchmal etwas überstrapaziert. Aber das Laufen ermöglicht quasi in Echtzeit ein unmittelbares Feedback darüber, mit welcher Einstellung ein Mensch an Herausforderungen angeht, wie er sich selbst steuert und wie sich seine Denkweisen und mentalen Strategien auf die Motivation, Leistung und Gesundheit auswirken. Diese Unmittelbarkeit erleben Menschen im Unternehmensalltag sonst eher weniger. Da wird das Laufen schnell zum Blick in den Spiegel der eigenen Selbstführung. Und zum Spielfeld für Experimente: es bietet einen exzellenten, geschützten Raum für das Ausprobieren und Feintuning wichtiger mentaler Strategien, wie sie im Spitzensport vielfach längst etabliert sind, wie z.B. die effektive Emotionskontrolle, Gedankensteuerung, Aufmerksamkeitsfokussierung, Erregungskontrolle, Arbeit mit inneren Bildern, Selbstmotivationstechniken usw.

 

Michele Ufer: Mentaltraining für Läufer

Zum Buch:

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19,95€ zzgl. Versand (Deutschland: 3€, International: 7,50€), Lieferzeit (D) per Deutsche Post: ca. 3-4 Werktage ab Zahlungseingang.

Zielgruppe:
– Läufer & Triathleten aller Leistungsstufen
– Lauftrainer, Personal Trainer, (Sport-) Psychologen, Mentaltrainer
– Nichtläufer, die sich für den Einsatz mentaler Strategien in anderen (Ausdauer-) Sportarten sowie im Beruf und Alltag interessieren

 

 

 

Der Marathon als Personalentwicklungsmaßnahme?

Wenn Sie so wollen, ja, aber wohl eher als informelle Maßnahme. Aber der Gedanke hat seinen Reiz. Laufen ist einerseits unverfänglich, denn es geht ja „bloß“ um unser Hobby. Und es ist andererseits schonungslos, weil es oft überraschend deutlich zeigt, wie wir im Allgemeinen mit uns um- und an Herausforderungen herangehen. Insofern stimme ich dem szenigen Sprichwort zu: Das Leben ist ein (Ultra-)Marathon.

Aber sind denn die Herausforderungen im Sport und Beruf nicht ganz anderer Natur?

Natürlich sind sie das. Zumindest vordergründig. Es macht zwar einen Unterschied, ob wir ein Auto bauen, Krankenhaus führen, eine neue Software programmieren oder im Unternehmen einführen, ein kritisches Meeting abhalten, Einkaufszentrum bauen oder Ultramarathons durch die Wüste laufen. Aber letztlich geht es immer um eines: herausfordernde Ziele möglichst effektiv zu erreichen, indem wir es schaffen, vorhandene Fähigkeiten und Potenziale zuverlässig abzurufen. Es geht darum, stimmige Antworten auf folgende Frage zu finden und im Alltag umzusetzen: Wie können wir unser Erleben und Verhalten so steuern, dass wir ehrgeizige Ziele eine Spur schneller, effektiver oder vielleicht sogar überhaupt erst erreichen und bei alldem auch unsere Gesundheit und Lebensfreude im Blick behalten? Und da sind die Herausforderungen und psychologischen Mechanismen in Sport und Wirtschaft gar nicht so verschieden. Das scheinen viele Leser meines Buches ganz ähnlich zu sehen.

Bücher über Erfolg & Mentaltraining gibt es ja bereits viele. Was macht Ihres besonders?

Ein Grund für den Erfolg meines Arbeitsbuches könnte sein, dass ich keine „Erfolgsgeheimnisse“ propagiere, sondern auf solides Handwerkszeug setze. Ich halte nichts von markigen Motivationssprüchen à la „Wenn du willst, kannst du alles erreichen“ und „No Limits“. Das mag einige Kandidaten kurzzeitig pushen, geht aber in der Regel an der Realität vorbei und kann sogar in den Burnout führen. Wir bringen alle unterschiedliche Ziele, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen mit. Der Leser wird deshalb angeleitet, auf der Grundlage einer psychologisch fundierten Soll-/Ist-Analyse der eigenen Motivation und mentalen Stärken einen individuell passenden Mentaltrainings-Projektplan zu entwickeln und umzusetzen. Dafür werden ihm zahlreiche Methoden an die Hand gegeben, die er für seine Situation und Ziele auswählen und kombinieren kann.

Ein weiterer Grund für die Akzeptanz des Buches mag sein, dass ich die vorgestellten Strategien vielfach in meinen Coachings eingesetzt und bei weltweiten Extrem- bzw. Ultramarathonläufen auch an mir selbst intensiv getestet habe und dabei oder vielleicht besser: dadurch ausgesprochen erfolgreich war. Das erläutere ich anhand vieler Praxisbeispiele. Da kommen der Humor und auch der Blick in andere Bereiche nicht zu kurz, wie z.B. Fußball, Schwimmen oder Schach.

Was genau bedeutet eigentlich mentales Training?

Ursprünglich kommt das Mentaltraining aus der Sportpsychologie und meint die intensive Arbeit mit inneren Bildern und Vorstellungen z.B. zur Bewegungsoptimierung oder Vorbereitung und Antizipation bevorstehender Herausforderungen. Unter Mentaltraining im weiteren Sinne verstehe ich die systematische Entwicklung psychologischer Fähigkeiten, die für den jeweiligen Kontext zieldienlich bzw. entscheidend sind. Einige hatte ich bereits erwähnt. Die positiven Effekte auf Motivation, Leistung, Gesundheit können erheblich sein und sind vielfach wissenschaftlich bestätigt. Gute Gründe also, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

 

 

„Nur die ersten Kilometer läuft der Körper“

 

Über Dr. Michele Ufer

Der Speaker, Coach und Autor Dr. Michele Ufer ist international gefragter Experte für Sport- & Managementpsychologie. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Flow und Leistung unter extremen Bedingungen. Zu seinen Kunden zählen Sportler, Führungskräfte und andere High Performer. Als einer der erfolgreichsten Extremläufer Deutschlands mit zahlreichen Top-10-Platzierungen testet er seine Strategien regelmäßig unter außergewöhnlichen Bedingungen am eigenen Leib, z.B. in der Wüste, dem Regenwald, Himalaya oder am winterlichen Polarkreis.

www.michele-ufer.de

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Miriam Kohlhaas: Bleib hungrig, Mr. Brady!

Sonntagnacht ist es soweit – der NFL Super Bowl steht am 5. Februar vor der Tür. Die halbe Welt schaut zu, während die New England Patriots gegen die Atlanta Falcons im Finale des größten Sportevents der Welt stehen. Und ein Spieler hat die Chance, sich seinen 5. Ring zu holen – Tom Brady, Quarterback der Patriots (Super Bowl Gewinner der Saisons 2001, 2003, 2004, 2014). Einer, von dem wir alle eine Menge lernen können.

Zum Thema: Wie kann es gelingen, über viele Jahre hoch motiviert zu bleiben und trotz großer und wiederkehrender Erfolge niemals satt zu werden?

Im Jahr 2000 wurde Tom Brady in der sechsten von sieben Runden an 199. Stelle gedraftet und war zu Beginn bei den Patriots nur der vierte Quarterback. Seit der Saison 2001 – seinem ersten Sieg im Super Bowl – steht er jedes Jahr auf’s Neue mit seinem Team mindestens in den Playoffs, der Finalrunde zur Meisterschaft. Viermal ist es ihm bis heute gelungen, diesen zu gewinnen. Am Sonntag (ab 23.15 Uhr live bei Sat1 und ProSieben Maxx sowie ran.de) steht er wieder mit seinem Team im Super Bowl.

Aus sportpsychologischer Sicht stelle ich mir, die ich ja im American Football aktiv bin, folgende Fragen:

Wie hat es dieser Tom Brady geschafft, über 16 Jahre dieses wahnsinnige Niveau zu halten?

Was treibt ihn an? Was ist sein Geheimnis?

Warum und wie hat er es geschafft – besonders nach Rückschlägen –  besser denn je wieder zurückzukommen?

Die Antwort liefert er zum Teil selbst – bezeichnend sind die Minuten 14 bis 22:

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Pures Selbstvertrauen

Nachdem Brady in wirklich schlechter Position als 4. Quarterback zu den Patriots kam, stellte er sich dem damaligen Trainerstab mit den Worten vor, dass er „die beste Entscheidung ist, die der Verein jemals getroffen hat“. Eine mutige Aussage, mit Blick auf seine Draft-Position. Aber: Als er es im Jahr 2001 durch die Verletzung des damaligen 1. Quarterbacks Drew Bledsoe die Chance bekam, als Starter aufzulaufen, erklärte er einem seiner Mitspieler, dass er diese Position ab jetzt nie wieder hergeben werde. Er sollte recht behalten.

Ich habe in meiner angewandten Arbeit viele Spieler gesehen, die eine hohe Meinung von sich und ihrer Art zu spielen hatten, dieser Aussage allerdings niemals wirklich Taten folgen ließen. Anders Tom Brady – er hat all das wahr gemacht, was er sich selbst und anderen damals versprochen hat.

Motivation und Volition

Um aus seinem Fall zu lernen, lohnt es sich, unter anderem die Aspekte Motivation und Volition (Wille) oder auch die intrinsischen und extrinsische Motivation in den Fokus zu nehmen. Es scheint, als würde Brady von einer hohen intrinsischen Prozessmotivation, sowie einem internen Selbstverständnis angetrieben. Vereinfacht bedeutet dies, dass er seine Aufgabe um ihrer selbst willen bewältigt – weil sie ihm Spaß macht (z.B. J. und H. Heckhausen, 2010).

Erfolgreiche Sportler sind in der Lage, sich klare Ziele zu setzen und auch zu verfolgen. Gemeint sind hier realistische, aber auch sehr anspruchsvolle Ziele (z.B. Gabler 1995). Diese Sportler haben ein internes Selbstverständnis gemein, bei dem das Leistungsmotiv stark ausgeprägt ist. Es scheint, wie im Falle von Brady, dass diese Athleten eine Idealvorstellung als Leitlinie ihres Handelns verinnerlicht haben.

Nicht nur Super Bowl schauen – aufsaugen!

Lasst uns also den Super Bowl nutzen, um Inspiration zu tanken. Denn das, was Ausnahmetalente wie Brady vormachen, können wir auch für unsere eigene Leistungsoptimierung nutzen. Wer also ein wenig an sich arbeiten möchte, könnte sich in der Super Bowl-Nacht folgende Leitfrage stellen, die ich mit ein paar Hinweisen versehen habe:

Erinnert ihr euch an das Gefühl, als ihr das letzte Mal so richtig hungrig auf sportlichen Erfolgen gewesen seid?

  • Findet es (wieder) dieses Feuer, welches euch antreibt und euch nachts nicht schlafen lässt!
  • Lasst euch nicht eingrenzen von anderen Menschen oder euren eigenen Ängsten und Gedanken.  
  • Arbeitet hart, träumt groß, werdet zu dem, was ihr schon immer sein wolltet!

In diesem Sinne – Bleiben sie hungrig Mr. Brady! Und bleibt auch ihr schön hungrig, all ihr fantastischen Sportler da draußen!

 

Miriam Kohlhaas: Ein Hoch auf die dicken Jungs!

 

Weiterführende Literatur:

Heckhausen, Jutta und Heckhausen, Heinz (2010). Motivation und Handeln. 4. Auflage Berlin

Meyers, D.G. (2004). Psychology. New York

Beckmann, Jürgen und Elbe, Anne-Marie (2011). Praxis der Sportpsychologie: Mentales Training im Wettkampf- und Leistungssport. Spitta Verlag

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Dr. René Paasch: Das Team braucht ein Haus

Kürzlich bin ich über ein Zitat von Norbert Meier, dem neuen Trainer des 1. FC Kaiserslautern gestolpert. Im Kicker hieß es,  dass er von Teambuildingmaßnahmen aus Zeitgründen absehe. Und jetzt kommt`s: „Die Jungs haben alle schon Flöße gebaut oder waren im Klettergarten.“ Ganz ehrlich: Ich weiß um den Druck, der im Profi-Fußball auf dem Kessel ist. Dies mag im besonderen für den Traditionsverein 1.FC Kaiserslautern gelten, der in der Zweiten Liga gegen den Abstieg kämpft, und sicher auch für Norbert Meier, der im Dezember seinen Job in Darmstadt verlor. Geschenkt, dass die Winterpause relativ kurz war und Meier nun als neuer Trainer zum Team stößt. Aber mich ärgern solche Worte, weil aus meiner Sicht das Teambuilding und die Teamführung genauso zum Alltag im Mannschaftssport dazugehört wie das Aufpumpen der Bälle.

Zum Thema: Altmodisches Teambuilding oder ein Leistungsoptimierer im Fußball?

In dem nun folgenden Text, werde ich Ihnen die wichtigen Ansatzpunkte zur Entwicklung und einem kontinuierlichen Teambuilding aufzeigen. Der Begriff „Team“ ist überall im Gespräch. Doch was genau verbirgt sich eigentlich dahinter? Die sprachliche Wurzel des Begriffs „Team“ stammt aus dem Altenglischen und bedeutet „Familie“ und „Gespann“. Was macht aber eine Familie aus? Wir sind miteinander verbunden, wir teilen einen gemeinsamen Namen, wir teilen gemeinsame Überzeugungen und Werte, wir halten zusammen. Und auch der Begriff des Gespanns erzeugt eine klare Vorstellung: Wir ziehen gemeinsam an einem Strang und wir setzen unsere Kräfte an der gleichen Stelle und für das gleiche Ziel ein. In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen einen Leitartikel zum Thema Führung und Teamentwicklung, der Ihnen wichtige sportpsychologische Standards und hilfreiche Tipps für den Trainingsalltag bietet.

Dr. René Paasch: Führung und Teamentwicklung im Fußball

Gemeinsames Haus, gemeinsame Reparaturen

Der ehemalige niederländische Volleyball-Nationaltrainer Joop Alberda beschreibt das Teambuilding wie folgt: „Gemeinsam bauen Trainer und Spieler ein Haus und einigen sich darauf, Reparaturen gemeinsam auszuführen. Man weiß, dass schon mal eine Fliese von der Wand fällt. Aber wir müssen darauf vertrauen können, dass wir alle bereit sind, das Haus instand zu halten. Man muss sich darauf freuen, gemeinsam in dem Haus zu leben. Er erklärt die Sichtweise des Teambuildings anhand einer Pyramide.

Auf trainermedien.dfb.de können Sie diese Pyramide, Fragebögen zur Erarbeitung der Ziele und Strategien, Rollen und Verantwortlichkeiten sowie der Normen und Wertvorstellungen für ihre Mannschaft herunterladen.

Teambuildingmaßnahmen für Sportmannschaften von Jörn Rühl, Diplom-Sportwissenschaftler

Tauchen wir technisch noch etwas tiefer: Rühl beschreibt die Entwicklung einer sozialen Gruppe (Sportmannschaft) mit dem Aspekt der dauerhaften Kooperation. Die Kooperation ist von Nutzen für alle Beteiligten, da diese miteinander arbeiten, eigene, aber auch fremde individuelle Ziele berücksichtigen und sich gegenseitig helfen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Zur Unterstützung entsprechender Gruppenprozesse empfiehlt Rühl auf der Seite des Deutschen Turner-Bundes interessante gruppendynamische Koordinations-, Kooperations- und Vertrauensspiele, bei denen komplexe Aufgaben im Team gelöst werden müssen:

http://www.dtb-online.de/portal/verband/service-fuer-mitglieder/ratgeber-gesundheit/teambuilding-mit-spass.html

Diese  Spiele zeichnen sich insbesondere aus durch die Vermittlung von Spaß, Spannung, Überraschungen, Förderung von Kreativität, Originalität, Fantasie, Schaffung von Vertrauen, Integration, Erfolgserlebnissen sowie flexible Variation von Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten. Darauf aufbauend wies unser geschätzter Kollege Benjamin Göller bereits in seinem Blogbeitrag darauf hin, dass möglichst zeitnah, ein gesundes und intaktes Teambuilding stattfindet sollte, um das Teamgefühl zu verbessern. Ein Blick auf diesen Artikel lohnt sich ebenso:

Benjamin Göller: Eisbrecher Teambuilding

Fazit

Sollten Sie auf den Geschmack gekommen sein, möchte ich noch einmal die Seite Trainermedien.dfb.de empfehlen. Hier finden Sie weitere hervorragende Inhalte für eine dauerhafte Teamentwicklung. Der Vollständigkeit halber möchte ich aber noch anmerken, dass Teambuildingmaßnahmen, ihrer Kreativität keinerlei Grenzen setzen sollte. Die hier genannten Inhalte sollen lediglich Anregungen sein. Jeder Trainer, der erkannt hat, dass das Teambuilding einen wichtigen und langen Prozess darstellt, wird für seine Mannschaft die passende Möglichkeit finden oder sich sportpsychologische Unterstützung holen. Aber ich warne davor, trotz den zeitlichen, finanziellen und strukturellen Zwängen im Profi-Fußballgeschäft diesen Arbeitsbereich vollkommen auszuklammern.

 

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