Jan D. Deneke: Surfen – Die Essenz vom Hier und Jetzt

Im Hier und Jetzt sein. Einfach in der Theorie, schwer in der Praxis. Die Schnelllebigkeit, das Leistungsprinzip, die Medienpräsenz und der permanente Informationsfluss beanspruchen unsere ständige Aufmerksamkeit. Momente der Stille sind selten. Wir haben verlernt, nichts zu tun und zuzuhören. Das Gedanken-Karussell kommt selten zur Ruhe. Das sind u.a. Gründe, warum Natursportarten wie Wellenreiten (Surfen) immer mehr Bedeutung zukommt. Beim Surfen kommt es zu einer direkt erlebten Verbindung zur Natur. Wortwörtlich bewegt sich der Surfer auf einer sich durch den Ozean bewegenden Energiewelle, die tausende Kilometer entfernt durch Windbewegungen in Tiefdruckgebieten entstanden ist. Nur in wenigen Sportarten besteht eine so unmittelbare und oft meditative Verbindung zur Natur.

Zum Thema: Sportpsychologische Aspekte der Natursport Surfen

Surfen und insbesondere das Surfen einer Barrel ist der Inbegriff von „im Hier und Jetzt sein“. Das voll und ganz in der Gegenwart und in seinem Element zu sein, wirkt sich positiv auf die Psyche aus und begünstigt das Flow-Erleben.

„The act of the ride is the epitome of „be here now“, and the tube ride is the most acute form of that. Which is: your future is right ahead of you, the past is exploding behind you, your wake is disappearing, your footprints are washed from the sand. Its a non-productive, non-depletive act that is done purely for the value of the dance itself.“  

Timothy Leary

Die Theorie der Transient Hypofrontality (Arne Dietrich) geht davon aus, dass der Vorderstirnlappen oder präfrontale Kortex bei besonders komplexen motorischen Bewegungsabläufen zeitweise herunter reguliert wird, um den rechnerischen Anforderungen einer Bewegungsausführung und Wahrnehmung gerecht zu werden. Dabei ist der präfrontale Kortex der Ort, in dem nicht nur höhere kognitive Prozesse stattfinden, sondern u.a. auch das (reflektierende) Selbst und das abstrakte Denken verortet wird. Fähigkeiten, die das Menschsein ausmachen und uns letzten Endes auch von Tieren unterscheidet. Konkret bedeutet das, dass das Gehirn in solchen Situationen auf Automatismen zurückgreift. Das Gehirn hat dann keine freien Kapazitäten, um sich auf metakognitiver Ebene Sorgen zu machen und der Geist kommt zur Ruhe. So zerfließt das Selbstbild mit steigender sportlicher Anforderungen. Das ist Balsam für die Psyche und macht süchtig. Evolutionär haben sich diese prähistorischen Krisen- und Fluchtmechanismen bewährt und sind daher fest in unserer DNA verankert.

Flow-Erlebnisse nutzen

Heute finden sich diese Flow-Mechanismen in Extremsportarten wieder: So berichten Sportler bei langjährig trainierten Sportarten von Zuständen der Trance. Die sportliche Tätigkeit wird intuitiver, weniger verkopft und mehr vom Gefühl geleitet ausgeführt. Körper und Geist verschmelzen und ermöglichen ein perfektes, unbewusstes Zusammenspiel. In diesem Zustand höchster Konzentration befindet sich der Sportler im Hier und Jetzt, ohne Gedanken an das, was war und sein wird. In Studien wurde festgestellt, dass Flow-Erfahrungen indirekt leistungsfördernd sind, insofern als dass der Sportler das Flow-Erlebnis erneut erfahren möchte und daraus Motivation generiert. Mit steigender Expertise wird die sportliche Handlung automatisiert und das Flow-Erleben wahrscheinlicher.

Das Flow-Erleben und Surfen liegen nah beieinander. Verschiebt sich aber der Fokus von (angehenden) Profi-Surfern hin zu einer konsequenten Leistungsorientierung, birgt dies die Gefahr, dass der Surfer seine Leichtigkeit – die letztendlich den Unterschied ausmachen kann – verliert. Einer der größten Fehler von vielen intermediaten und fortgeschrittenen Surfern ist es, den Fokus auf der Welle zu weit voraus zu setzen, um so frühzeitig kritische „Sections“ der Welle zu erkennen. Das erzeugt wortwörtlich Distanz zwischen dem Jetzt und der Zukunft. Der Surfer fährt der Welle davon, verliert wichtigen Raum und Zeit, anstatt den Fokus auf dem Moment zu halten und direkt nach dem Takeoff das erste Manöver zu fahren. Dieser Fehler passiert vor allem dann, wenn der Surfer zu „verkopft“ ist und wenig Vertrauen in sein intuitives Gefühl und langjährig antrainierte Automatismen hat. Eine einfache Maxime könnte als lauten: Weg vom Denken, hin zum Fühlen.

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Let go of your expectation

Löse dich (im Wasser) von deinen und vor allem von den Erwartungen anderer, denn sie verschieben deinen Fokus auf das Resultat und somit erneut auf die Zukunft. Der Sportler ist überall anders, nur nicht und im Hier und Jetzt. Das Hier und Jetzt ist jedoch der entscheidende Moment. Wir verändern unsere Zukunft nicht in der Zukunft, sondern immer nur durch Gedanken und Handlungen in der Gegenwart. Das Resultat können wir in den seltensten Fällen kontrollieren, wir können nur Voraussetzungen schaffen: Alles geben und erst im Anschluss schauen, welche Früchte wir dafür bekommen. Ziele und Intentionen sind natürlich unersetzlich, um zu wissen, wohin wir gehen. Doch Erfolge finden im Moment statt. Verfolgen wir Erwartungen anderer, laufen wir hinterher, anstatt den Prozess zu genießen. Des Weiteren sind diese Erwartungen häufig ein Trigger, um nervös zu werden und den Fokus zu verlieren. Wahlweise kannst du versuchen 20-30 min leistungsorientiert und mit ein bis zwei konkreten Zielen zu trainieren, um dann anschließend diese Ziele und Erwartungen aufzulösen und von allem losgelöst und intuitiv zu surfen.

Probier es aus und nimm gern Kontakt auf. Die Kontaktdaten von meinen Kollegen von Die Sportpsychologen findest du hier, zu meiner Seite geht es hier entlang: https://www.die-sportpsychologen.de/jan-d-deneke/

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