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Feature: Cristiano Ronaldo – Die WM verliert den eigenwilligsten und beispielhaftesten Star

Cristiano Ronaldo ist vieles. Eigenwillig, egozentrisch, perfektionistisch. Der neben Lionel Messi bis heute noch größte aktuelle Star des Weltfußballs ist aber vorbildhaft, lernfähig und mannschaftsdienlich. Und vor allem deshalb, weil er in seiner reiferen Phase gerade letztere Eigenschaften immer häufiger zeigt, fehlt der WM in Russland nun etwas. Was bleibt, sind seine Routinen und Automatismen bei Standardsituationen. Denn diese haben viele andere Spieler aus aller Welt längst für sich auf ihre ganz individuelle Art und Weise adaptiert. Wir beschreiben genau wie und zeigen auf, wie dies jeder andere Spielsportler auch tun kann. Und dann schauen wir ins Archiv und stellen fest, dass der Volksheld aus Portugal in wenigen Jahren einen immensen Wandel vorangetrieben hat.

Dr. Fabio Richlan, die-sportpsychologen.at

Dr. Fabio Richlan (zum Profil): Cristiano Ronaldo – der Meister der Routine (Bewegungsablauf beim Freistoß)

Ball nehmen – auflegen – Hose richten – 5 Schritte nach hinten – zwei Schritte zur Seite – Körperhaltung einnehmen – durchatmen – durchziehen.

So sieht der von außen beobachtbare Anteil von Cristiano Ronaldos “pre-performance routine” bei einem Freistoß aus. Diese Routine hilft ihm dabei – unabhängig vom Kontext, egal ob Training oder WM-Spiel, egal ob 1. oder 90. Minute – stabil seine Leistung in dieser Standardsituation abzurufen. Durch die immer gleich ablaufende Routine “entkoppelt” er sich gewissermaßen von den äußeren Bedingungen, welche nicht seiner Kontrolle unterliegen und kann sich stattdessen auf die bevorstehende Aufgabe und seine Handlung konzentrieren.

Lohnende Investition in Zeit

Neben einem fixen Bewegungsablauf ist es entscheidend, dass die Routine auch einen mentalen Anteil beinhaltet. Diesen mentalen Anteil an CR7s Freistoß-Routine können wir zwar leider nicht direkt beobachten (nur seine Auswirkungen), aber wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass ein solcher mentaler Anteil existiert. Der Mann weiß ganz genau, welchen Gedanken er vor der Ausführung haben möchte, welches Gefühl, welches Bild, welches Selbstgespräch, welche Einstellung, welchen Fokus und welchen Aktivierungszustand. Um dies zu erreichen, hat er viel Zeit und Arbeit in die Entwicklung seiner persönlichen Routine investiert. Es ist eine Investition, die sich letztendlich bezahlt macht.

Folgende Punkte sind in Bezug auf die Entwicklung einer persönlichen Routine wesentlich:

  • Die Routine muss sowohl Verhalten, als auch Gedanken beinhalten
  • Die Gedanken müssen kurz, einfach und positiv sein
  • Die Routine muss individuell und aufgabenspezifisch sein
  • Die Routine muss immer gleich ablaufen; alle Schritte müssen auch im Training geübt werden
  • Die Routine muss sich auf Dinge beziehen, welche der eigenen Kontrolle unterliegen: Gedanken – Gefühle – Körper – Verhalten
  • Die Routine nutzt verschiedene Techniken des Mentaltrainings: Visualisierung, positive Selbstgespräche, Atemtechniken, Körpersprache, usw.

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Johanna Constantini (zum Profil): Wie lassen sich Routinen, z.B. bei einem Eckball üben?

Mittlerweile sind selbst in der Fußball-Bundesliga und natürlich auch bei der Weltmeisterschaft Handlungsroutinen bei Eckbällen zu beobachten. Diese CR7-Moves in light laufen dann meist in Form von kurzen Trippelschritten ab, die vor der Ausführung des Eckballs vorgeschalten werden. Aber gehen wir der Sache mal konkret nach: Wie lassen sich Routinen – zum Beispiel beim Eckball – üben?

Indem entsprechende Bewegungsabfolgen mental trainiert werden. Dafür bietet sich die sportpsychologische Technik der Bewegungsvorstellung an. Anfangs sollte die einzuübende Routine von dem Athleten in eigenen Worten ausformuliert werden. Es empfiehlt sich, dies auch niederschreiben zu lassen. In weiterer Folge werden die für den Bewegungsablauf entscheidenden Knotenpunkte markiert, um die ausführliche Bewegungsbeschreibung um genau jene Signalwörter kürzen zu können. Während der Athlet im nächsten Schritt die Knotenpunkte in der Reihenfolge des tatsächlichen Bewegungsablaufs laut vorsagt, kann er sich einen Rhythmus dazu überlegen.

Wichtig: Mentale Vorstellung macht dann Sinn, wenn die dafür benötigte Zeit der Dauer der tatsächlichen Ausführung dieser trainierten Routine entspricht (Guillot,A. & Collet C., 2005)

Quelle: Guillot,A. & Collet C.Duration of Mentally Simulated Movement: A Review (2005) Journal of Motor Behavior, Vol. 37, No. 1, 10-20

Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil): Zum Perfektionismus von CR7

Vor vier Jahren war Cristiano Ronaldo schon einmal ein großes Thema für uns. Natürlich war schon damals, also zur Fußball-WM 2014 in Brasilien, klar, dass er ein wirklich Großer der Weltfußballs ist. Wie groß er wirklich ist, hat er aber allen voran in den vergangenen vier Jahren gezeigt. Aus dem hochnäsigen, arroganten und selbstverliebten Perfektionisten ist ein in besonderen Grenzen mannschaftsdienlicher Spieler geworden, der seine Stärken für den Mannschaftserfolg investiert und zumindest im Ansatz seine Gegner respektiert – wie er Edinson Cavani nach dessen Verletzung zur Außenlinie begleitete, dies war schon feinste Zivildienstschule.

Ganz ehrlich: Ronaldo, der in Portugal vor allem deshalb verehrt wird, weil er Hoffnung macht, hat in den vergangenen Jahren an sportlicher und menschlicher Größe gewonnen. Selbst sein Firlefanz rund um die Freistöße können wir aus sportpsychologischer Sicht so eintüten, dass er allen anderen Kickern der Erde verdeutlicht hat, wie wertvoll Automatismen und Routinen sein können. Vielleicht hat er nun im Herbst seiner Karriere auch bewiesen, dass er seinen Perfektionismus zu beherrschen gelernt hat. Wir erinnern an dieser Stelle an den Text von Prof. Dr. Oliver Stoll aus dem Jahr 2014 und hauchen leise “adeus”:

Prof. Dr. Oliver Stoll: Cristiano Ronaldo – Gefangen im Perfektionismus?

 

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Feature: Das deutsche Team in der Kritik

Das Scheitern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2018 ist historisch. Sehr ausschweifend wird nun darüber diskutiert, was in Russland nicht nur den Fans auf den Feiermeilen gefehlt hat: Wille, Überzeugung, Kreativität, Zusammenhalt und Führungsstärke. Solche kritischen Ansätzen führen in den allermeisten zurück auf das Team und das Teamgefüge – und genau hier setzen wir an.

Zum Thema: Sportpsychologische Hintergründe zu kritischen Äußerungen gegenüber der deutschen Teamleistung bei der WM 2018

Es ist natürlich schwierig, die Lage eines Teams als Außenstehender zu betrachten. Aber es gibt Gesetzmäßigkeiten, die sich sehr neutral bewerten lassen. So fiel in allen Vorrundenspielen auf, dass das deutsche Team nicht auf einer Welle der Begeisterung unterwegs war. Jeder Schritt, selbst die kleinsten, muteten wie harte Arbeit an. Jede Torchance wurde mühsam aus meist zu ungenauen, wenig ideenreichen und entsprechend leicht ausrechenbaren Kombinationen zusammengesetzt. Besonders bitter: Gelangen unerwartete Dinge – nehmen wir die beiden Pfostenschüsse vom Leverkusener Julian Brandt (einzige Ausnahme Toni Kroos Freistoß) – fehlte das Spielglück.

Nun ist durch der arbeits- als auch in der sportpsychologischen Forschung mehrfach bestätigt, wie Johanna Constantini betont, dass es einen Zusammenhang zwischen der Atmosphäre und dem Ergebnis gibt. Korrekter formuliert: Je positiver die Stimmung eines Teams, desto stärker der Zusammenhalt, desto besser die Leistung (Carron et al.,2002). In diesem Zusammenhang fragen wir uns, welche Faktoren überhaupt relevant sind, wenn es um den Teamzusammenhalt geht?

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Johanna Constantini (zum Profil) – Team- und Teamleistung

„Teamwork“ ist, „was Teams machen“ und versteht sich als multikausales Modell. Während also nicht an einem einzelnen Punkt gearbeitet werden kann, gibt es vielmehr zahlreiche Ansätze, um die Stimmung in Teams und damit deren Zusammenhalt zu verbessern (Rousseau, V., Aubé, C. & Savoie, A. 2006). Wichtig dabei ist, dass sich jeder Einzelsportler in seiner Haut und wieder das Team in Zusammenarbeit mit jedem Einzelnen wohl fühlt.

Nach Kurt Lewins (1935) Theorie der Gruppendynamik und auf Basis einer aktuellen wissenschaftlichen Arbeit von McEwan und Beauchamp (2014) kann man zwischen dem generellen Team-Management und der Regulation der Teamleistung unterscheiden. Diese Punkte erscheinen mir wichtig:

Team-Management

Psychologische Unterstützung: Es handelt sich immer um persönliche Probleme, womit wiederum die zuvor angesprochene unabhängige Eigenschaft ins Spiel kommt: Auch bei Mannschaften handelt es sich um einen Zusammenschluss vieler Individuen, die im besten Fall ein gemeinsames Ziel verfolgen. Umso entscheidender für die Stimmung in der Gruppe ist die psychologische Arbeit zugunsten individueller Belastungen.

Wer machts? Während die Unterstützung zwischen einzelnen Teammitgliedern wichtig ist (Rosseau et. al, 2006), sollte gerade für psychische Probleme, die nicht immer den Sport per se betreffen ein ausgebildeter Sportpsychologe zur Stelle sein. Dies ist mit Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann seit Jahren beim DFB gegeben – allerdings ist es den Spielern freigestellt, mit ihm zu arbeiten. Und leider hat die Sportpsychologie selbst bei Nationalspielern noch nicht das Standing, dass es zur Selbstverständlichkeit gehören würde, regelmäßig mit dem Teampsychologen oder auch einem persönlichen Experten zu arbeiten.

Konfliktmanagement: Erfolg ist am Ende nicht davon abhängig , ob Konflikte entstehen, sondern viel mehr davon, wie mit ihnen umgegangen wird (Sullivan & Feltz, 2001).

Wer machts? In der Beseitigung von Konflikten, sowie in der Aufarbeitung von Missverständnissen können Teammitglieder einander unterstützen. Zugunsten der Objektivität empfiehlt es sich jedoch, einen Sportpsychologen in einer Mediatoren-Funktion hinzuzuziehen. Und Konflikte, denken wir nur an die Özil/Gündogan-Debatte gab es einige…

Regulation der Teamleistung

Zieldefinition: Während die Teammitglieder sich in der Phase der Vorbereitung auf die Definition gemeinsamer Ziele konzentrieren und dabei ihre einzelnen Ziele mit den Mannschaftszielen in Einklang bringen sollten, wird in der Theorie im nächsten Schritt die Ausführung in eine gemeinsame Praxis umgesetzt. Verfolgen alle das gleiche Ziele? Blieb ein Einzelner mit seinen Vorstellungen auf der Strecke? Wie steht es um die Motivation?

Wer machts? Während die Regulation von Teamleistungen durch einen Sportpsychologen begleitet werden kann, ist hier natürlich ein Trainer bestens positioniert. Denn zu wissen, welche Ziele von jedem Einzelnen erreicht werden wollen, trägt wesentlich zur Gestaltung des Saisonplans bei. Kommunikation spielt hier übrigens – wie so oft – eine Schlüsselrolle und trägt laut aktuellen Studien aus dem arbeitspsychologischen Kontext am meisten zur Optimierung von Leistungen in Teams bei (Pentland, 2013). Diese sollte wiederum in Begleitung eines Sportpsychologen optimiert werden.

Die Evaluation und das Monitoring der Leistungen von Teams ist wiederum wichtig, um neue Ziele zu setzen, Strategien zu überdenken, Trainings zu optimieren und die positive Stimmung im Team zu erhalten.

Wer machts? In der abschließenden Selbstkorrektur können einzelne Teammitglieder einander durch sogenannte Backing-up-Verhaltensweisen helfen (Porter et al, 2003), gut unterstützt sind sie dabei stets von Trainer und Sportpsychologe.

Theorie trifft Praxis

So weit die Theorie. Mit dieser habe ich meinen Vater Didi Constantini, selbst einmal österreichischer Fußball-Nationaltrainer, konfrontiert und er betonte, dass es alles andere als einfach sei, die optimale Stimmung in einem Team herzustellen:  

Didi und Johanna Constantini

„Wenn´s läuft, ist´s immer einfach. Wenn der Erfolg  jedoch auf sich warten lässt, ist es umso wichtiger, auch unter den Spielern Persönlichkeiten zu haben, die die gesamte Gruppe stärken können. Einen Sportpsychologe zur Hilfe zu ziehen, ist dann sinnvoll, wenn er sich in das Team eingliedern und auch mit den Trainern zusammenarbeiten kann.“

Dr. René Paasch (zum Profil) – Die Wertediskussion und die deutsche Nationalmannschaft

Werte sind all das, was uns Menschen im Leben zutiefst wichtig ist. Es sind die Qualitäten, nach denen wir streben. Nicht umsonst wurden auch in der Bewertung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Begriffe wie Werte und Tugenden immer wieder mit in den Topf geworfen. Aber wir übersehen bei solchen Diskussionen viel zu leicht, in welchem einem hoch komplexen System Profi-Fußballer einer Topnation wie Deutschland stecken, wie viele Beziehungen und Verknüpfungen bestehen.  

Graves (1974) hat über zwei Jahrzehnte Forschungsarbeit in eine hoch interessante Theorie investiert, auf die ich hinweisen will. Aus meiner Sicht macht es dieser Ansatz möglich, dass Thema Werte zu greifen. Sportler, Trainer, Funktionäre und Journalisten können dies nutzen, um sich und Dritte kritisch zu hinterfragen.

Einige Baustellen zu viel?

Münzen wir mit unserer Außensicht diese Fragestellungen auf die Nationalmannschaft um, wird deutlich, dass es in manchen Bereichen zumindest bei einigen Akteuren Baustellen gab:

  1. Körperliche Befriedigung – Gefühle und Emotionen?
  2. Sichere Art zu leben – Umgang mit Medien, Rückzugsmöglichkeit und feste soziale Strukturen?
  3. Heldentum, Macht und Ruhm – Menschlichkeit oder ICH-Bezug?
  4. Frieden – Akzeptanz sich selbst und der Welt gegenüber?
  5. Materielle Zufriedenheit – Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft?
  6. Liebevolle Beziehungen – Glück und Wertschätzung?
  7. Selbstachtung – ICH-Stärke und Fremdachtung?
  8. Frieden in einer unverständlichen Welt – Geben und Veränderungen?

Fazit

Auch bei einer Weltmeisterschaft, selbst wenn auf diese über Monate oder sogar Jahre hingearbeitet wird, geht es um den schnellen Erfolg. Schade dabei ist, dass auf diesem Weg allzu oft vergessen wird, wie komplex die Entstehung von sportlicher Leistung ist. Wir Sportpsychologen sind in diesem Zusammenhang ein kleines Teil im Getriebe – und genau dies hat die WM in Russland aus deutscher Sicht gezeigt. Denn zum einen kann kein seriöser Sportpsychologe zaubern, zum anderen gibt es sehr viele Bereiche, wo wir unser Wissen einbringen können. Im Fokus steht dabei der Erfolg aber auch die handelnden Akteure als Menschen und deren Gesundheit. Es gibt viel zu tun.   

 

Literatur

Graves, C. W., (1966), “The Deterioration of Work Standards”, in: Harvard Business Review, Vol.44, No.5, S.117-126

Graves, C. W., (1974), “Human Nature Prepares for a Momentous Leap”, in: The Futurist Magazine, April, S. 72-87.

Graves, Clare W. (2002), Levels of Human Existence, ECLET Publishing, Santa Barbara.

Graves, Clare W. (2005), The Never Ending Quest, ECLET Publishing, Santa Barbara.

Weitere Artikel: http://www.clarewgraves.com/

Carron, A.V., Bray S.R. and  Eys.M.A. (2002). Team cohesion and team success in sport, Journal of Sports Sciences, 20 (2) , 119-126.

Lewin, K. 1935. A dynamic theory of personality.New York, NY: McGraw-Hill.

McEwan, D. & Beauchamp, M.R. (2014) Teamwork in sport: a theoretical and integrative review, International Review of Sport and Exercise Psychology, 7:1, 229-250,

Rousseau, V.,Aubé, C. & Savoie, A. (2006). teamwork behaviors: A Review and integration of frameworks. Small Group research, 37, 540-570.

Pentland, A. (2013). The new science of building great teams. The chemistry of high-performing groups is no longer a mystery. In J.R. Katzenbach & D.K. Smith (Eds.), Harvard business review´s 10 must reafs on teams (pp.1-20).Boston, MA: Harvard Business School Publishing Cooperation.

Porter, C.O.L.H., Hollenbeck, J.R., Ilgen, D.R., Ellis, A.P.J., West, B.J., & Moon, H. (2003).Backing up behaviors in teams: The role of personality and legitimacy of need. Journal of Applied Psychology, 88, 391-403.

Sulliva, PJ. & Feltz, D. (2001). The relationship between intrateam conflict and cohesion within hockey teams. Small Group Research, 32, 342-355.

 

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Feature: Die Gedanken nach dem deutschen WM-Aus

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist erstmalig bei einer Weltmeisterschaft in der Vorrunde ausgeschieden. Wir haben die erfreulich offenen Aussagen von Spielern, dem Bundestrainer und TV-Experten nach der Niederlage zusammengefasst, um den Eindruck nach dem historischen WM-Aus einzufangen. Deutlich wurde, wie häufig auch in der tv-medialen Auswertung sportpsychologische Aspekte diskutiert werden. 

Zum Thema: Aussagen zum WM-Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft

Mats Hummels, Nationalspieler

„Ab der 65. Minute sind wir unglaublich hektisch geworden. Haben die Positionen verlassen, sind wild geworden. Haben dann Fehlpässe gespielt, sind in Konter gelaufen. Die wir dann – ich hoffe, dass darf ich sagen – die wir echt noch gut wegverteidigt haben. Ja, da haben wir irgendwo unsere Struktur verloren.“

Joachim Löw, Bundestrainer

„Ich habe das Gefühl gehabt, vielleicht war es gewisse Selbstherrlichkeit vor dem Mexiko-Spiel. So als können wir auf Knopfdruck irgendwie reagieren, wenn es dann losgeht.“

Oliver Bierhoff, Manager Nationalmannschaft

„Wenn die Mannschaften hinten drin stehen, dann spielt der Kopf auch eine Rolle. Kann man den riskanten Pass spielen oder nicht? Dann spielt man ihn einmal, dann wird er vielleicht abgefangen. Da rennt man direkt hinterher. Da ist sicher auch Kopfsache dabei.“

Holger Stanislawski, ZDF-Taktikexperte

„Ohne Selbstbewusstsein, ohne Mumm, ohne Mut, kannst du so ein Ding nicht nach Hause fahren.“

Manuel Neuer, Nationaltorwart

„Ich denke, dass von uns allen die Bereitschaft einfach nicht groß genug war, dieser unbedingte Wille, zu zeigen, dass wir hier bei der Weltmeisterschaft etwas reißen wollen. (….) Wir haben das nicht mit einer hundertprozentigen Bereitschaft angenommen. Und dass war wirklich der ausschlaggebende Punkt, dass es nicht auf den Platz gebracht wurde. Und das ist bitter und wirklich enttäuschend.“

Oliver Kahn, Ex-Nationaltorhüter und ZDF TV-Experte

„Von was träumen wir, wenn wir Fußball spielen? Einmal im Leben Fußballweltmeister zu werden. Und wenn dann das Ziel erreicht ist, dann fällt auch wahnsinnig viel von diesen Spielern ab. Und diese Leistungsbereitschaft, Weltmeister zu werden, die ist so enorm, was ich da auch als Spieler an Disziplin, an Verbreitung, wie ich auch mental in ein solches Turnier reingehe. Was ich da auch an den Tag legen muss, um erfolgreich zu sein, auf diesem Niveau, bei einer Weltmeisterschaft. Und das zweimal zu machen, dass alles dann nochmal aufzubringen, dass ich kann dann doch verstehen, dass das wahnsinnig schwierig ist.“

Christoph Kramer, Weltmeister 2014 und ZDF TV-Experte

„Emotionen sind im Fußball fast das wichtigste. Aber ich würde gegen meine kompletten fußballerischen Werte widersprechen, wenn ich nur über Emotionen versuchen wollen würde, es zu erklären. Am Ende liegt es immer nur am Spiel und dem, was auf dem Spielfeld passiert.“

 

 

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Feature: Mit souveränen Selbstgesprächen zum Erfolg

Weltmeister Deutschland stand bei dieser WM bereits am Abgrund. Im zweiten Gruppenspiel musste das Team von Joachim Löw gewinnen, um realistische Chancen auf einen Einzug ins Achtelfinale haben. In der letzten Minute der Nachspielzeit half ein Geniestreich von Toni Kroos, der mit seinem vielumjubelten Freistosstor gegen Schweden den späten 2:1-Sieg sicherte und uns eine herausragende Vorlage gab: Denn warum ließ sich der dreifache Champions League-Sieger von Real Madrid so auffällig viel Zeit vor der Ausführung des Freistosses?

Zum Thema: Selbstgespräche am Beispiel und in der Anwendung

Unsere Deutung, weshalb Kroos die Ausführung so lang verzögerte: Der Nationalspieler nutzte die über 10 Sekunden, um sich mental auf den so wichtigen Schuss vorzubereiten.

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Weitere Informationen

Was wir beobachten konnten: Kroos diskutierte mit Marco Reus die Situation, wägte dann selber ab und schoss.

Was er aus unserer Sicht gemacht hat: Er lenkte ganz intuitiv und gekonnt sein Selbstgespräch, mit dem Resultat, dass er sich viel Selbstsicherheit für diese unglaublich druckvolle Situation zusprach. Wahrscheinlich hat er das aber so gar nicht gemerkt, sondern aus dem Bauch heraus richtig gehandelt.

Cristina Baldasarre (zum Profil): “Selbstgespräche lösen Probleme”

Das war ein tolles Beispiel für eine gelungene Selbstgesprächsregulation. Denn Selbstgespräche motivieren, geben Sicherheit sowie Fokus und helfen, Probleme zu lösen. Kross richtete seine Aufmerksamkeit erst nach aussen zu Reuss hin, der offensichtlich einen anderen Plan hatte (https://www.welt.de/sport/fussball/wm-2018/article178106044/WM-2018-Deutschland-Schweden-Toni-Kroos-Marco-Reus-vor-dem-Freistoss.html). Das überzeugte ihn aber nicht und er wandte sich automatisch nach innen, um sich zusammen mit seiner inneren Stimme, sprich seinem Gefühl, für die beste Schussmöglichkeit zu entscheiden. Bildlich gesprochen hat er sein inneres «Erfahrungsteam für Fussball» blitzschnell konsultiert. Und glücklicherweise scheint er auf viele gelungene Situationen zurückgreifen zu können, aber auch auf genügend Selbstwirksamkeit und den Glauben an Erfolg. Kompliment, das muss man erstmal zu Stande bringen!

Die Wissenschaft weiss: Es ist von grösster Bedeutung für das eigene Verhalten und somit für die Erbringung von Leistung, dass das eigene Selbstgespräch leistungsfördernd und positiv eingesetzt ist. Am besten wirkt es, wenn man sich mit «du» oder mit dem Vornamen innerlich anspricht. Das schafft die nötige emotionale Distanz und man meistert die Hürden viel souveräner. Es ist fast so, wie wenn man einem nahen Freund einen guten Ratschlag geben würde: «Du kannst das!» oder «Schritt für Schritt, bleibe fokussiert!» oder «Du hast das schon oft gemacht, los!»

Leistungsfördernde Selbstgesprächsregulation ist erlernbar

Leistungsfördernde Selbstgesprächsregulation kann sehr gut trainiert, muss aber von langer Hand eingeübt werden. Wie so oft macht Übung den Meister, dann lassen sich auch hartnäckige Zweifler und Negativdenker in ihren Einstellungen modifizieren. Das Heranziehen dieser Technik macht darum in allen Phasen des Spiels und Turniers viel, viel Sinn. Auch in der Garderobe, bei der individuellen mentalen Spielvorbereitung und -einstimmung, gehört die Gesprächsregulation zwingend dazu. Und als Teaminterventionen gibt es vielerlei leistungsfördernde Selbstgespräche, nämlich alle ritualisierten Mannschaftssprüche und gegenseitigen Anfeuerungen.

Dr. René Paasch (zum Profil): In vier Schritten zur Selbstgesprächsregulation

In der Praxis scheuen sich aber immer wieder Spieler, dieses “innere Sprechen” gezielt auszuüben. Dies ist allein schon deshalb Quatsch, weil jeder Mensch mit sich spricht. Ständig. Im Sport ist der innere Dialog zudem so wichtig, weil er eine Art Probehandeln darstellt und uns auf die nächsten Schritte aufmerksam macht. Positive Selbstgespräche helfen Spielern also, psychische Beanspruchungssituationen erfolgreich zu bewältigen und mentale Stärke zu erlangen. Wie das geht, möchte ich Euch jetzt anhand eines Beispiels näher erläutern:

Die „Selbstgesprächsregulation“ sollte aus folgenden vier Bestandteilen bestehen:

  • Sammeln typischer aktueller innerer Monologe der Fußballer, z.B. „Ich weiß, wie wichtig das innere Gespräch ist, kann mich aber nicht aufraffen dies zu trainieren“.
  • Negative Selbstgespräche umformulieren, z.B. „Ich möchte jetzt meine innere Gespräche vor Drucksituationen positiv führen. Auch wenn es mir schwer fällt, weiß ich, dass es mir gut tut und ich mich auf Dauer leistungsfähiger fühle.“
  • Training der förderlichen Selbstgespräche, z.B. die umformulierten Sätze morgens 4-mal laut vor dem Spiegel oder während der Drucksituation vorsprechen und sich das Handeln täglich immer wieder vorstellen.
  • Gezielter Einsatz von Atementspannung in kritischen Momenten, am Anfang gemeinsam üben, dann müssen die Fußballer selbst üben.

Es ist eine lohnende Technik im Fußball, mentale Maßnahmen wie „innere Monologe“ zu trainieren, da die Bedeutung der emotionalen Befindlichkeit, die innere Haltung zu einer Handlung ganz wesentlich die Funktion der dazu benötigten Wirkmechanismen beeinflusst, damit die Handlung überhaupt möglich wird. Folgende weiterführende Texte empfehle ich Euch zum Thema Selbstgespräche:

Dr. René Paasch: Analyse NIR vs. GER

Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche

Darüber hinaus stehen Euch Cristina Baldasarre (zum Profil), Dr. René Paasch (zum Profil) und alle weiteren Profilinhaber von Die Sportpsychologen (zu den Profilen) gern für Rückfragen zur Verfügung!

 

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Kommentar von Dr. René Paasch: Kroos Initialzündung

Was für Emotionen auf und neben dem Platz nach dem Siegtor für Deutschland! Es waren Szenen, die der Zuschauer von der DFB-Elf nicht kannte. Unmittelbar nach Abpfiff des emotionalen 2:1-Sieges von Deutschland gegen Schweden am Samstagabend provozierten DFB-Betreuer die Trainer und Spieler auf der schwedischen Bank. Es kam zu einem Handgemenge neben dem Platz. Aber auch beim Public Viewing sahen wir große Emotionen. Ein spannendes Spiel mit einer Wahnsinns-Einschaltquote: 27,48 Mio. Fußball-Fans sahen am Samstagabend die Partie zwischen Deutschland und Schweden und feierten ausgelassen, unabhängig von der Nationalität, auf den deutschen Straßen. Für mich das klare Zeichen: #Zsmmn – Zusammenhalt.

Zum Thema: Was sollte das DFB-Team jetzt berücksichtigen, um sportliche Ziele Ihrer Spieler und Mannschaft zu erreichen?

Wichtig ist aus meiner Sicht, dass nun das Mannschaftsziel im Vordergrund steht. Dass heißt auch: Die individuellen Ziele der Teammitglieder müssten im Einzelfall dahingehend angepasst werden.

Selbstkonkordanz – Im Zusammenspiel von äußeren und inneren Einflüssen

Die Mannschaft und jeder Einzelne Spieler versucht jetzt bessere Leistungen oder Ziele im Training und Wettkampf zu erreichen (Einstellung, Wille, Motivation u.v.m.). Hierfür können zwei unterschiedliche Anlässe verantwortlich sein. Äußere und innere Einflüsse. Das Zusammenspiel zwischen inneren und äußeren Einflüssen drückt sich in der Selbstkonkordanz (Sheldon und Elliot, 1999) aus. Mit diesem Fachbegriff sind die Merkmale gemeint, die sich mit der formulierten Absicht verbinden. So lassen sich also Absichten hinsichtlich ihrer Selbstkonkordanz unterscheiden und die Höhe gibt Auskunft darüber, wie sehr eine gefasste Absicht den eigenen Interessen und Wertvorstellungen eines Spielers bzw. Mannschaft entspricht. Diese Fragestellung ist für unsere deutsche Nationalmannschaft zum jetzigen Zeitpunkt sehr wichtig. Näheres dazu: http://www.die-sportpsychologen.de/2017/03/20/dr-rene-paasch-ziele-und-motivation/.

„Rosenthal-Effekt/Pygmalion-Effekt, 1963“ – Sportliche Konkurrenz als Leistungsmotor

Aber auch der gesunde Konkurrenzkampf und das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit sind sehr wichtig. Gerade jetzt ist die gemeinsame Freude über einen Erfolg und die Entwicklung von Mannschaftskollegen sehr wichtig „Rosenthal-Effekt/Pygmalion-Effekt, 1963“. Solange alle Spieler die Konkurrenzsituation sportlich nehmen und sich an Fair-Play-Regeln halten, kann ein Konkurrenzkampf beflügeln und Wachstum hervorbringen. Näheres dazu: http://www.die-sportpsychologen.de/2017/09/19/dr-rene-paasch-richtiger-konkurrenzkampf/

„Führung und Teamentwicklung“ – Verlässlichkeit, Respekt, Vertrauen

Trotz allem sollten wir das Große und Ganze nicht aus den Augen verlieren. Aus meiner Sicht ist die für mich der Aufgabenschwerpunkt „Führung und Teamentwicklung“. Diesbezüglich sprach sich Joachim Löw, Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft in einem Interview wie folgt aus: “Ein respektvolles, vertrauensvolles Miteinander in unserem Team ist mir sehr wichtig, Verlässlichkeit und Vertrauen sind in diesem Zusammenhang wesentliche Faktoren. Offene Kommunikation auf Augenhöhe, Kritikfähigkeit, Transparenz und Toleranz, das haben wir vorgelebt, aber es dauert eine Weile, bis so etwas von allen, den Spielern und auch den Betreuern, verinnerlicht wird. Bis alle einander vertrauen“ (vgl. Zeit vom 31.05.2012). Genau in dieser Kernaussage von Joachim Löw liegen die notwendigen Prozesse der kontinuierlichen Teamentwicklung und Führung. Näheres dazu: http://www.die-sportpsychologen.de/2015/06/19/dr-rene-paasch-fuehrung-und-teamentwicklung-im-fussball/

Kurzum: Die deutsche Mannschaft hat gegen Schweden mit Einsatz, Können und (in Person von Toni Kroos) Mut einen sehr wichtigen Sieg gefeiert. Der Erfolg könnte die Weichenstellung für einen sehr guten Turnierverlauf darstellen, wenn alle Beteiligten weiterhin dem Hashtag #Zsmmn ein Gesicht geben.

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Kommentar von Markus Gretz: Kein Platz für Politik im Stadion?

Durch mein Auslandsschuljahr im Jahr 2005 in Kroatien konnte ich den leider immer noch schwelenden Konflikt im ehemaligen Jugoslawien hautnah miterleben. Der Bürgerkrieg zwischen den Volksgruppen in der Balkan-Region spaltete nicht nur ein Land, sondern brachte auch große emotionale Konflikte und Vorurteile hervor. Als am Freitagabend Serbien gegen die Schweiz spielte, war einer dieser Konflikte im Stadion deutlich zu spüren. Da bei der Schweiz, unter anderem mit Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri, Spieler mit kosovarischen Wurzeln spielen, hatten die serbischen Fans schnell diese zentralen Akteure als Feindbilder ausgemacht. Bei jedem Ballbesitz wurden die beiden Spieler, deren Familien während des Bürgerkriegs in die Schweiz geflüchtet waren, von den serbischen Fans ausgepfiffen.

Zum Profil von Markus Gretz: http://www.die-sportpsychologen.de/markus-gretz/

Für die Spieler ist so eine Situation eine große Herausforderung. Die Pfiffe und Beschimpfungen von den Rängen können die Aufmerksamkeit des Sportlers einnehmen und ihn so sehr beschäftigen, dass er seine Leistung auf dem Feld nicht mehr abrufen kann. Dabei spielen Emotionen eine große Rolle. Negative Emotionen wie Ärger, Wut und Trauer sind oft mit Gedankenkreisen verbunden. Dabei werden Bilder und Geschichten ins Bewusstsein getragen, die mit diesen Emotionen verknüpft sind. Die Aufmerksamkeit wird also weg vom Spiel auf eine emotionale und politische Ebene getragen und der Spieler kann Schwierigkeiten bekommen seine Aufgabe auf dem Feld zu erfüllen.

Mit Emotionen zur Höchstleistung

Als gut vorbereiteter Spieler kann man so eine emotionale Stimmung aber auch für sich nutzen. Wie ich vor kurzem im Blog #mitleibundseele (Link zum Text) geschrieben habe, können Emotionen auch Antrieb für Höchstleistungen sein. Die beiden Spieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri scheinen dies hervorragend genutzt zu haben. Beide Spieler konnten im Spiel gegen Serbien ein Tor erzielen und sicherten somit den 2:1 Comeback-Sieg für die Schweiz. Für die Spieler war es aber vermutlich eher ein Sieg gegen Serbien und vielleicht sogar für ihre zweite Heimat, den Kosovo. Sie feierten die Tore mit der Geste des albanischen doppelköpfigen Adlers vor den serbischen Fans und Granit Xhaka postete im Anschluss auf Instagram sinngemäß, dass er das Tor als Kosovar geschossen hat. Die beiden Spieler scheinen die negativen Emotionen als Motivation genutzt zu haben und haben so zusätzlichen Antrieb gewonnen.

Die politische Geste der Spieler sowie die Pfiffe der Fans sind allerdings meiner Meinung nach absolut unangemessen und haben im Sport nichts zu suchen, wie auch die Pfiffe der deutschen Fans gegen Mesut Özil und Ilkay Gündogan nicht ins Stadion gehören. Eine sportliche Begegnung sollte meiner Meinung nach frei von politischen Konflikten und ein Beispiel für fairen und respektvollen Umgang untereinander sein.

 

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Feature: Nur nicht die Kontrolle verlieren

Wenn Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland das zweite Gruppenspiel gegen Schweden verliert, würde das Team von Joachim Löw Geschichte schreiben: Noch nie ist eine deutsche Mannschaft in der Vorrunde ausgeschieden. Vor dieser Drohkulisse könnten manch andere Themen in den Hintergrund geraten – aber nicht mit uns! Wir haben den drohenden Kontrollverlust auf die Agenda geschrieben. Denn der droht nicht Mesut Özil, Ilkay Gündogan, sondern auch vielen Abwehrspielern und allen Akteuren, die in Wolgograd auflaufen. Aber der Reihe nach.

Worst-Case-Szenario – Wenn Zehntausende Özil und Gündogan auspfeifen

Wollen wir mal ein bisschen Schwarzmalen? Dann halten die über die politische Binnenlage in Deutschland ordentlich informierten schwedischen Fans zum zweiten WM-Gruppenspiel kräftig den Finger in die Wunde. Bei jedem Ballkontakt von Mesut Özil und/oder Ilkay Gündogan – es gebe reichlich sportliche Gründe, beide zu bringen – schallen gellende Pfiffe durch das Olympiastadion von Sotschi. So laut, dass Mesut Özil sie selbst dann noch hören könnte, würde er seine Kopfhörer tragen.

Aber wir von Die Sportpsychologen kommen ja lieber von der konstruktiven Flanke und gehen davon aus, dass beide Nationalspieler gut auf alles Erdenkliche vorbereitet sind beziehungsweise sich haben vorbereitet lassen. Denn es gibt Strategien, die auch in Extremsituationen greifen. Extremsituationen wie sie nicht nur Özil, Gündogan, sondern auch Timo Werner (#Schwalbe) kennengelernt haben, und die auch Spielern von Babelsberg 03 beim Auswärtsauftritt in Cottbus oder den Kickern zweier rivalisierender Nachbardorfvereine nicht fremd sind. Dr. René Paasch (zum Profil), unser Mann für allgemeine Extreme, erklärt:

“Gut anwendbar ist die kognitive Umstrukturierung. Sie zielt darauf ab, belastende Denkmuster aufzudecken, umzustrukturieren und problembezogene Lösungsansätze anzuschließen. Ellis hat dazu die Rational-Emotive Therapie entwickelt:

A (Activating event/experiences) – auslösendes Ereignis, das ein äußeres Ereignis sein kann, wie die öffentlichen Beleidigungen gegenüber Özil und Gündogan

B (Beliefs) – Bewertung in Form eines irrationalen Denkmusters, „Meine Herkunft und politische Ausrichtung führt zu dauerhaften Pfiffen in den Stadien und mindert die Leistungsfähigkeit unserer Mannschaft.“

C (Consequences) – Konsequenz in Form negativer Gefühle, wie fehlende Körpersprache, Einsatzwille,  Niedergeschlagenheit, Wut und schlechte Leistungen.”

Richtig effektiv und praxisrelevant wird die Anwendung durch eine Erweiterung, weiß Paasch. Unser Profilinhaber aus Essen hofft in diesem Zusammenhang, dass die Betroffenen hinter den Kulissen ausreichend offen sind und sich die verfügbare Hilfe, die der DFB mit dem Teampsychologen Dr. Hans-Dieter Hermann bietet, organisiert haben:

“Ellis hat seinem Modell die Interventionspunkte D (Dispute) und E (Effect) hinzugefügt. D steht für das Hinterfragen der Bewertung und E für das Erleben neuer positiver Erfahrungen. Wenn sich Özil und Gündogan ihrer ungünstigen Bewertung (B) bewusst werden, können sie diese hinterfragen (D) und neue Erfahrungen (E) machen. In einem offenen Gespräch mit den beiden Sportlern, werden die Annahmen auf ihre Logik und ihren Realitätsbezug hinterfragt – mit dem Ziel, einen Perspektivwechsel und die Selbsterkenntnis zu fördern.”

Mit einem Aufmerksamkeitsplan gegen Hass und Idiotie

Richtig froh sind wir von Die Sportpsychologen, dass sich so manches Worst-Case-Szenario bei der Fußball-WM bislang noch nicht eingestellt hat. Vor dem WM waren allen voran bei den Länderspielen der Russen immer wieder Affenlaute gegen gegnerische Spieler mit dunkler Hautfarbe zu vernehmen. Während der WM-Endrunde sind uns solche verbalen Gewaltattacken noch nicht zu Ohren gekommen.

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Für alle diejenigen Sportler, die eine solche Extremsituation irgendwo auf der Welt erfahren und die Kontrolle behalten wollen, gibt es ebenfalls Abhilfe. Markus Gretz berichtet davon, dass betroffene Sportler in solchen Situationen starke negative Emotionen wie Wut, Trauer und sogar Aggressionen spüren. Diese können die Aufmerksamkeit weg vom Spiel lenken und somit auch die sportliche Leistung beeinträchtigen. Markus Gretz (zum Profil):

“Spieler sollten sich auf solche Situationen vorbereiten und einen Aufmerksamkeitsplan erarbeiten. Dabei überlegt sich ein Spieler genau, was seine Aufgaben auf dem Spielfeld sind und worauf er seine Aufmerksamkeit richten sollte. Der richtige Fokus kann durch eingeübte Rituale oft noch leichter wiedergefunden werden. Es kann außerdem versucht werden, die Energie der negativen Emotionen für sich zu nutzen, indem der Spieler mit einer jetzt-erst-recht-Einstellung weiterspielt. Diese Techniken sind natürlich besonders wirksam, wenn sie vorher schon mehrfach geübt oder zumindest mental trainiert wurden.”

Wie Coolness den Kontrollverlust und sogar Eigentore verhindern kann

Die WM ist bislang auch ein Turnier der Eigentore. Am härtestes traf es vielleicht Aziz Bouhaddouz aus Marokko. Im Auftaktmatch gegen den Iran sorgte er für den 1:0-Siegtreffer. Aber eben auf der falschen Seite… Das Entsetzen war dem Spieler des Zweitligisten FC St. Pauli anzusehen und Johanna Constantini hat mitgelitten. Aber sie weiß auch um viele Strategien, wie Defensivspieler sich optimal auf den Ernstfall vorbereiten können. Einfacher Tipp: Wirklich cool bleiben. Trotz aller Aufregung gehe es darum, dass sich die Spieler auf ihre eigenen Stärken besinnen, um so das Beste aus dem produzierten Adrenalin herausholen zu können. Johanna Constantini (zum Profil):

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Meine Kollegen an ich arbeiten stetig an den Ressourcen der AthletInnen. „Mein Stärkekoffer“ oder „Die Ressourcenschale“ sind nur zwei von vielen Übungen in diesem Bereich, die wirklich gut anwendbar sind, wenn die Sportler sich darauf einlassen.”

Hart, härter, Mücken

Aber selbst die Mentalisten unter den Fußball-Profis stehen bei der WM in Russland von einer Mammutaufgabe. Zumindest diejenigen, die in Wolgograd antreten müssen. Rund um den namensgebenden Fluss der WM-Stadt hat sich nämlich eine Mückenplage ausgebreitet, unter der die Spieler offensichtlich leiden. Wir haben mit Jürgen Walter (zum Profil) einen unserer erfahrensten Experten um einen Lösungsvorschlag gebeten:

“Love it, change it or leave it! Die Bedingungen sind für alle Spieler gleich. Vermutlich ist der Torhüter noch am meisten betroffen, denn wenn ein Spieler in Bewegung ist, wird er die Mücken nicht spüren. Ein – auch mental – austrainierter Fußballprofi sollte daher in der Lage sein, alle störenden Außenreize, die nicht direkt seine körperliche Leistungsfähigkeit wie z.B. Temperatur oder Luftfeuchtigkeit beeinflussen, auszublenden und sich dadurch nicht in seiner Leistung beeinflussen lassen. Dazu gehören eben auch Mücken.”

Auch Humor könnte dem Einzelnen ein wenig helfen: „Die mögen mich! Ich bin ein Guter!“ Oder für Cristiano Ronaldo: “Ich bin der Beste. Was wollt ihr bei den anderen?”

Wie Özil und Gündogan selbstständig die Symptome lindern und die Kontrolle zurückerlangen können

Bei all der guten Laune, die Jürgen Walter verbreitet, wollen wir uns zum Schluss aber noch einmal um die deutschen Sorgenkinder Özil und Gündogan kümmern. Ober besser gesagt: Dr. René Paasch wünscht sich, dass unsere Kicker, die sich mit dem unfreiwilligen Fototermin mit dem türkischen Präsidenten Erdogan in die Nesseln gesetzt haben, vom Trainerstab und den Mitspielern aufgefangen worden sind. Denn positive Bestärkungen und Hilfen können intern effektiv im Sinne des Copings wirken. Dr. René Paasch (zum Profil):

“Bei problemorientiertem Coping zielt das Verhalten auf die Lösung des Problems, bei emotionsorientiertem Coping (Schwarzer, 1993) zielt das Verhalten auf die Linderung der Symptome. Die wichtigsten Hilfsmittel sind die positive Bekräftigung, Hilfestellung, Vereinfachung und eine angstfreie und klare Kommunikation (Bandura, 2006; Baumann, 2015; Boisen, 1975) sowie naive Bewältigungsstrategien, die  den Stress mindern können (Alfermann & Stoll, 2007).“

Näheres dazu: http://www.die-sportpsychologen.de/2017/05/04/dr-rene-paasch-unter-stress-leistung-bringen/.  Ein weiterer wichtiger Punkt, um mit schwierigen Momenten umzugehen, ist die Fürsorge und Empathie des Trainers. Diesbezüglich: http://www.die-sportpsychologen.de/2016/10/12/dr-rene-paasch-empathiefaehigkeit-fuer-trainer/

 

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Feature: Dank der WM zum besseren Kicker werden

Die Fußball-Weltmeisterschaft und ihre umfassende mediale Präsenz kann für ambitionierte Nachwuchsspieler oder Freizeitkicker extrem lehrreich sein. Die Rede ist nicht von den neuesten Trends in Sachen Schuhfarbe oder dem bewussten Treten auf die Füße des Gegners, sondern es geht um die Beobachtung psychologischer Vorgänge auf dem Platz. Hier bietet jedes einzelne WM-Spiel viele Ansätze. Nehmt euch also alle Zeit der Welt…

Zum Thema: Fremdbeobachtung als Schlüssel für psychologische Vorgänge

Viele psychologische Vorgänge laufen unbewusst ab. Die Bewusstmachung dieser Vorgänge ist der erste Schritt, darauf Einfluss zu nehmen. Ein wichtiger Ansatz des sportpsychologischen Trainings ist es, über Selbstbeobachtung zu Selbststeuerung zu kommen.

Ein Beispiel: Durch Beobachtung und Reflexion deines Erlebens und Verhaltens vor und während deiner vergangenen Spiele bekommst du eine Idee davon, wie du drauf sein musst, um deine optimale Leistung abzurufen. Beim nächsten Match versuchst du, die relevanten Bereiche durchzuchecken, um dein aktuelles Aktivierungsniveau zu erkennen: Gedanken – Gefühle – Körper – Verhalten. Bist du im Moment zu relaxt, zu angespannt oder genau richtig aktiviert? Jetzt setzt du Mentaltechniken ein, um dich in den optimalen Zustand zu bringen. Du kannst ein positives Selbstgespräch führen, einen vergangenen Erfolg visualisieren, deine Atmung kontrollieren, dich aufrecht hinstellen, usw.

Fremdbeobachtung mit gezielten Fragestellungen

Das Schwierige dabei: die SELBSTbeobachtung! Wesentlich leichter fällt da schon die FREMDbeobachtung, also das Erleben und Verhalten an anderen Personen zu beobachten. Hier bietet die WM eine super Gelegenheit, psychologische Vorgänge bei Spielern und Trainern aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Teamkulturen, auf höchstem Niveau und unter Druckbedingungen zu beobachten und zu reflektieren. Durch diese Fremdbeobachtung lernst du auch etwas über dich selbst und verstehst dadurch eigene psychologische Vorgänge besser.

Achte beim WM Gucken mal bewusst auf folgende Aspekte und versuche dann, deine Erkenntnisse auf dein eigenes Spiel zu übertragen:

Führung: Wer übernimmt wann Führung? Woran erkennst du das? Was können Mitspieler und Gegner an der Körpersprache ablesen? Wie wird kommuniziert? Woran erkennst du ein gutes Team? Wie zeigt sich “Selbstbewusstsein”? Wie zeigt sich “Präsenz”? Wie zeigt sich “Mentalität”?

Emotionen: Wie werden Emotionen sichtbar? Wann haben Spieler/Trainer ihre Emotionen im Griff und wann nicht? Wann ist es besser keine Emotionen zu zeigen und wann sich von Emotionen leiten zu lassen? Welche Strategien zum Umgang mit Emotionen kannst du beobachten?

Konzentration: Warum sind manche Spieler im Kopf den entscheidenden Tick schneller? Was machen Spieler, um sich nach Fehlern wieder neu zu fokussieren? Welche Rituale und Routinen kannst du vor, während und nach dem Spiel beobachten? Wie helfen sie dabei, eine stabile Leistung abzurufen?

Motivation: Herrscht in einem Team oder einem Spieler die Hoffnung auf Erfolg oder die Furcht vor Misserfolg vor? Woran kannst du das erkennen? Welche Ereignisse während des Spiels beeinflussen die Ausrichtung der Motivation? Wie beeinflusst die Ausrichtung der Motivation ihrerseits wiederum das Verhalten und die Leistung?

Ursachenzuschreibung: Wie gehen Spieler/Trainer mit Siegen/Niederlagen um? Welche Gründe geben sie an? Wer übernimmt Verantwortung und welche Vor- bzw. Nachteile hat es, Verantwortung zu übernehmen? Geben unterschiedliche Spieler innerhalb einer Mannschaft bzw. Spieler und Trainer unterschiedliche Gründe für Erfolg/Misserfolg an? Welche Rolle spielt das für das nächste Match?

Die Beobachtung und Reflexion psychologischer Vorgänge macht dich stärker! Viel Spaß beim bewussten WM Gucken!

Wenn ihr Fragen habt, meine Kollegen (Profilinhaber nach Sportarten) und ich (zum Profil von Dr. Fabio Richlan) stehen gern bereit.

Dr. Fabio Richlan

 

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Extremsport und Blaulichteinsätze

In Tagen wie diesen – wenn König Fussball regiert – dringen spannende Hintergrundinformationen zu medial weniger wirksamen Sportarten kaum mehr ans Tageslicht. Da mutet eine Rückblende auf die Patrouille des Glacier (PdG), dem härtesten Tourenskiwettkampf der Welt, geradezu als „Schnee von gestern“ an. Trotzdem, mich schockiert die darin veröffentlichte Kritik eines Experten, der ein dramatisches Sinken des technischen Niveaus der Athleten bemängelt. Heute könne sich an der PdG ein Drittel der Teilnehmer nicht mehr selbständig anseilen. Auch die Unfallstatistik der diesjährigen Austragung spricht Bände: Insgesamt mussten 23 Notfallflüge, fünf Rettungseinsätze mit Ambulanzen und über 300 medizinische Beurteilungen durchgeführt werden.

Zum Thema: Die Sportpsychologie und aussersportliche Arbeitsfelder

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Unsere Expertise, auch in aussersportlichen Handlungsfeldern, wird heute immer häufiger nachgefragt. In einem kürzlich auch online erschienen Interview durfte ich zum Thema „Extremsport“ und zu Zusammenhängen zwischen Extremsport und Blaulichteinsätzen Auskunft geben.

Im Interview wurde ich zur Psyche von Extremsportlern befragt, zu sportlichen, moralischen und ethischen Grenzen und inwiefern sich Sportler durch Sportpsychologen beeinflussen lassen? Thema war auch mein Text “Höher, schneller, tot” (Link zum Beitrag), für den ich viel Kritik einsteckte. Und nicht zuletzt ging es in einem intensiven Gespräch um die sportpsychologische Aspekte bei Blaulichteinsätzen.

Zum kompletten Interview: https://www.blaulicht-iv.ch/magazin/fachartikel/34-blaulicht-ausgabe-3-6-2018/101-patrouille-des-glaciers

Unsere Tätigkeit wird bunter

Mein persönliches Fazit: Fussball wird auch in Zukunft die Agenda der Sportpsychologie prägen, die vielen kleinen Sportarten in Verbindung mit aussersportlichen Tätigkeitsfeldern werden aber unsere Tätigkeit wesentlich bunter gestalten!

Quellen:

https://www.blaulicht-iv.ch/magazin/fachartikel/34-blaulicht-ausgabe-3-6-2018/101-patrouille-des-glaciers

 

Mehr zum Thema:

Dr. Hanspeter Gubelmann: Höher, schneller, tot

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Thorsten Loch: Sportpsychologe, der Multi-Leistungssportler

Kürzlich fand unser zweites Barcamp „Die rote Couch“ im Bochumer Ruhrstadion statt. Thematik? Natürlich des Deutschen liebstes Hobby: Fussball. Mit von der Partie waren eine Menge von sehr interessanter und engagierter Menschen. Sportpsychologen, Mentaltrainer, Trainer oder Berater. Ob Student oder Professor, die Bandbreite war beträchtlich und es fehlte nie an spannendem Gesprächsstoff. Am frühen Sonntagnachmittag endete die Veranstaltung und den vielen Gesichtern war abzulesen, dass die Köpfe voll mit neuen Gedanken und/oder Anregungen war, die erst einmal verdaut werden mussten. Meiner selbstverständlich mit inbegriffen.  

Zum Thema: Muss einer in der Praxis tätige Sportpsychologe zwangsläufig Profisportler gewesen sein, um gute Arbeit zu leisten?

Auf der Heimfahrt hatte ich – u.a. Dank eines Staus – die Möglichkeit, meine Gedanken zu sortieren und die vergangenen zwei Tage in aller Ruhe Revue passieren zu lassen. Aufgrund des Austausches und der Offenheit von Peter Hyballa, konkretisierte sich die Fragestellung in mir, welche mich schon einen längeren Zeitraum beschäftigte. Was benötigt ein in der Praxis tätiger Sportpsychologe, neben der fachlichen Kompetenz zwingenderweise, um den Sportlern/Trainern behilflich zu sein? Muss ein Sportpsychologe, der für einen Fussballclub arbeitet auch zwangsläufig Fussballprofi gewesen sein? Ist dies überhaupt ein Vorteil oder gar ein Nachteil? Für Martin Meichelbeck, ehemaliger Bundesligaprofi und heutiger Sportpsychologe für Greuther Fürth, steht fest: Ich sehe es in meiner Arbeit als Vorteil an, selbst Profi gewesen zu sein, weil es mir den Zugang zu den Spielern erleichtert. Sie wissen, dass ich alles, was sie erleben, auch irgendwie durchgemacht habe“.  (https://www.aerztezeitung.de/panorama/article/820149/fuerths-sportpsychologe-meichelbeck-darum-steht-sportpsychologie-abseits.html)

Bedeutet dies, dass jeder Sportpsychologe am besten jede von ihm betreute Sportart selbst ausgeführt hat? Sozusagen der Sportpsychologe als „Multi-Leistungssportler“?

Der Sportpsychologe als „Multi-Leistungssportler“?

Das einzige, was jetzt klar ist, ist, daß es draußen dunkel ist. (Winfried Schäfer)

Wir sehen, dass diese Frage nicht leicht zu beantworten sein wird und ein Goldstandard wird es dafür wohl auch nicht geben. Fakt ist jedoch, dass der Sportpsychologe dazu im Stande sein muss, verständlich und in aller Kürze Lösungsmöglichkeiten anbieten können. Dazu sagt Peter Hyballa:

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Hieraus ergibt sich die Frage, was sind somit die aufdrängenden Fähigkeiten? Ein Schlüsselpunkt wird sicherlich die Kommunikation sein. Der Sportpsychologe muss die Sprache der Sportler sprechen können. Sich sprachlich flexibel auf den jeweiligen Gesprächspartner einstellen zu können, scheint ein Vorteil zu sein. Darüber hinaus wäre es sicherlich von Nutzen die formellen und informellen Normen der Sportart zu kennen.

Fazit

Die eingangs gestellte Frage anschaulich zu beantworten, gleicht dem Versuch die berühmte Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Zum einen scheint es durchaus ein Vorteil zu sein, sich in der jeweiligen Sportart bestens auszukennen, damit die zu betreuenden Sportler und Trainer leichter den Eindruck gewinnen können, man weiß wovon man spricht. Auf der anderen Seite kann es aber auch durchaus erfrischend sein, einen Vergleich zu anderen Dingen zu ziehen, um die zu betreuenden Personen einen Spiegel vors Gesicht zu halten.

Wie wir sehen gibt es noch viele weitere Argumente für die eine oder anderen Seite. Mich persönlich würde es interessieren wie Ihr dazu steht? Welche Erfahrungen habt Ihr selbst als Sportpsychologe oder Sportler/Trainer gemacht? Über eine Nachricht würde ich mich sehr freuen. Einen kleinen Tipp habe ich dennoch. Seid authentisch in Eurem Tun und vermeidet den Sitzplatz neben den Torhütern und ihren Taschen. Oder besser, macht die Erfahrung und berichtet mir

Kontakt zu Thorsten Loch aufnehmen? Hier entlang: 

Thorsten Loch

Mehr zum Barcamp:

“Die rote Couch” hinterlässt Spuren – Nächste Auflagen in Innsbruck, Gera und Halle

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