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Feature: Nur als Turniermannschaft zum Titel?

Bislang ist es noch nicht die WM der Favoriten. Nahezu jeder vermeintliche Titelkandidat tat sich bislang sehr schwer mit seiner Rolle und dem ersten Auftritt auf russischem Boden. Denken wir nur an das 0:1 des Weltmeisters aus Deutschland gegen Mexiko, das 1:1 der Argentinier gegen Island oder auch das in den Details beeindruckende Remis der Schweiz gegen Brasilien. Worin liegen die Gründe, dass die WM bislang ein Turnier der Überraschungen ist? Was hat es eigentlich mit dem Mythos Turniermannschaft auf sich? Oder wird es vielleicht sogar die WM, bei der die Mentalität die Individualität schlägt?

Zum Thema: Geheimnisse des Erfolges bei einer Fußball-Weltmeisterschaft

Cristina Baldasarre (zum Profil)

Vollkommen überraschend kommt der gute Auftritt der Schweizer Nati natürlich nicht. Schließlich hat das Team von Trainer Vladimir Pektovic in der WM-Qualifikation nur ein einziges Spiel gegen Portugal verloren. Die Eidgenossen machen aber bislang vor, was Selbstbewusstsein – wie es beispielsweise der deutsche Kapitän Manuel Neuer nach der Partie gegen Mexiko bei seiner Mannschaft vermisst hat – hervorrufen kann.

“Das 1:1-Unentschieden gegen Brasilien geht nicht auf Zufall oder glückliche Umstände zurück. Meiner Meinung nach war dieser Auftakterfolg die Ernte einer gut gelungenen Planung und dem Aufbau des Teams in allen Facetten. Eine besondere Rolle spielt für mich die Selbstwirksamkeit. Sprich: Das Wissen um die eigenen Fähigkeiten. Dies ist ein zentraler Pfeiler für das Selbstvertrauen, welches sich aus mehreren Quellen nährt:

– Die individuelle Arbeit an erlebten, persönlichen Erfolgen: Persönliche Stärken kennen und immer wieder abrufen können. Damit sind aus sportpsychologischer Sicht nicht die Anzahl gewonnener Spiele gemeint, sondern vielmehr die persönlich gesteckten Ziele, vor allem in den Trainings. Solche persönlichen Erfolge und Erfahrungen konnten die Schweizer Spieler in den letzten zwei Jahren viele sammeln. Die Startelf vom Sonntag verdient sich ihre Sporen überall dort ab, wo die Konkurrenz herausfordernd ist … drei Akteure spielen in der Bundesliga, drei in der Premier League, drei in der Serie A, einer ist in Portugal und einer in der türkischen Liga anzutreffen.

– Als Team steht die Mannschaft schon seit längerem zusammen, was man zuletzt deutlich in den der WM vorangegangenen Freundschaftsspielen sehen konnte. Der Trainer Vladimir Petkovic hat mit seiner fordernden und gleichzeitig fairen Art die Mannschaft deutlich geprägt und ihr auch hinsichtlich Taktik und Strategie neue Impulse gegeben. Er lebt seine Idee von Fussball vor, mit viel Ruhe und psychologischem Geschick, ohne Schnick-Schnack. Er ist den Spielern wohlgesonnen und weiß um die individuellen Stärken – was einer Vertrauensspritze gleichkommt. Das ist der Nährboden für grosse Leistungen, wie wir es am Sonntag beispielsweise von Valon Behrami gegen Neymar sehen konnten. Petkovic weiss auch um die grosse Kraft des eingeschworenen und konstanten Teams, welches gewohnt ist zusammen zu spielen und einander vertraut.”

Thorsten Loch (zum Profil)

Beeindruckt haben Thorsten Loch allein schon die Minuten vor dem Anpfiff des Spiels Panama gegen Belgien. Mit voller Inbrunst und Überzeugung schrien die Spieler des WM-Debütanten kurz vor Anpfiff ihre Hymne in den Himmel von Sotschi. Einige hatten dabei sogar Tränen in den Augen. Ist diese Hingabe möglicherweise dafür ausschlaggebend, dass die vermeintlichen Außenseiter als Team die Stars um Messi und Co. bis dato vor enorme Schwierigkeiten stellen? Ist dies eine Hingabe, die Turnierfavoriten nur schwerlich entwickeln können?

“In der Wissenschaft ist bekannt, dass eine emotionale Kraftquelle existiert, die der Einzelne aus der Mannschaft beziehen kann. In diesem Zusammenhang wird die Kraftquelle als Synergie bezeichnet. Darunter ist die vollkommene Zugehörigkeit zu einer Mannschaft zu verstehen, ohne dabei seine Individualität aufzugeben (vgl. Baumann, 2001). Das Erleben der harmonischen Zusammenarbeit und die Begeisterung für die gemeinsame Aufgabe stellt eine Quelle für jeden Einzelnen dar. Die schöpferische Kraft, die Energie und die Stärke jedes Einzelnen vereinen sich in der Summe als gemeinsame Mannschaftsleistung. Synergie entsteht durch die Lust und Freude, Mitglied einer Mannschaft (Stolz) zu sein, durch das gemeinsame Erlebnis des Miteinanders und der gemeinsamen Aufgabe als Herausforderung.

Wichtig: Damit Synergieeffekte eintreten, bedarf es Zeit. Unsicherheit, Misstrauen oder gar Feindseligkeit/Neid verhindern die Entstehung. Mannschaften sollten aus diesem Grund möglichst einen längere Zeit zusammenbleiben, damit das nötige Vertrauen und Verstehen zwischen den Spielern aufgebaut werden kann. Auch hier bietet das Feld der Sportpsychologie den Trainern und Mannschaften Methoden, wie sie diese Grundbausteine aufbauen können. Die WM-Debütanten Island (1:1 gegen Argentinien) oder auch Panama, trotz der am Ende deutlichen 0:3-Niederlage gegen Belgien, haben Synergieeffekte spürbar werden lassen: Die Mannschaftsleistung war größer als die Summe der Einzelleistungen.”

Dr. Hanspeter Gubelmann (zum Profil)

Mythos Turniermannschaften. Die Sportwissenschaft scheint zumindest wenig Gefallen daran zu finden. Die Recherche zu validen Studien fällt bescheiden aus, was auch der schwierigen Fassbarkeit des Begriffs „Turniermannschaft“ geschuldet ist. Eine 2010 an der Uni Duisburg Essen durchgeführte Untersuchung zeigte, dass bei den letzten neun Fußballwelt- und -europameisterschaften die DFB-Elf gerade einmal in 25 Prozent der Wettkämpfe ihre Leistungen der Vorjahre toppen konnte. Die Autoren folgerten daraus, dass sich Deutschland – im Gegensatz etwa zu England (das sich um 67% steigerte!) – gemessen am Merkmal der „Leistungssteigerung“ nicht als Turniermannschaft bezeichnen kann! Anmerkung: Die Studie stammt aus dem Jahr 2010, insofern ist der Gewinn des Weltmeistertitels nicht in die Betrachtung eingeflossen. Ein mögliches Ausscheiden Deutschlands in der Vorrunde bei der WM 2018 würde die Untersuchung aber schon wieder stützen. Zahlenspielerei…

Wird für der Bezeichnung „Turniermannschaft“ aber ein anderes Merkmal zugeschrieben, nämlich die tatsächlich an Weltmeisterschaften erzielten Erfolge (z.B.  Finalteilnahmen, Titel), gebührt der Titel „Turniermannschaft“ insbesondere drei Teams: Brasilien (5 Titel), Deutschland und Italien (je 4 Titel). Nachfolgend soll der Versuch unternommen werden, dieser Fassung von „Turniermannschaft“ vier plausible sportpsychologische Erklärungsansätze zuzuordnen.

Selbstverständnis, Status und eigener Anspruch

In Brasilien, Deutschland und Italien ist Fussball DIE Nationalsportart Nr. 1. Die Verankerung des Fussballsports in der Gesellschaft, das gewaltige öffentliche Interesse in Verbindung mit der breiten Unterstützung und Förderung der Sportart selbst, befeuert das Selbstverständnis hinsichtlich Erfolgsaussicht und Erfolgserwartung. Dieses Selbstbewusstsein verbunden mit dem Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen verkörpern die Weltklassespieler dieser Länder schliesslich auch auf dem Fussballfeld!

Ein gut vorbereiteter Favorit kommt durch!

Um es mit Sepp Herbergers Ansatz zu verdeutlichen, der seine Turniermannschaft jeweils topfit, hochmotiviert, kraftvoll und taktisch brillant an die Endrunde zu führen wusste: an Weltmeisterschaften setzt sich die optimale Kombination von spielerischem Potential und zielgerichteter Vorbereitung durch! Interessant dabei ist die Feststellung, dass an den Weltmeisterschaften 2002 (Brasilien), 2010 (Spanien) und 2014 (Deutschland) die jeweils auf Rang 2 des FIFA-Rankings geführte Nationalmannschaft den Titel gewann. Einzig 2006 setzte sich mit Italien eine andere „Turniermannschaft“ durch, die in der Vorbereitungszeit nicht in den Top-3 des Rankings vertreten war.

Das Team als Star – auch nach einer Niederlage!

Berti Vogts prägte in seiner Zeit als Nationaltrainer das Bonmot: „Die Mannschaft ist der Star“. Damit meinte Vogts insbesondere jene Solidarität und Aufopferungsbereitschaft, die das Team auf und auch neben dem Spielfeld während einem vierwöchigen Turnier zum Erfolg führt.

Eine positive Teamdynamik ist insbesondere nach sportlichen Niederlagen und in der Verarbeitung medialer Kritik gefragt. Jogi Löw steht vor der Herausforderung, mit seinen Interventionen das Vertrauen in das Kollektiv und die eigenen Fähigkeiten zu stärken, um aus einer Gruppe verunsicherter Einzelspieler wieder eine Erfolgsgemeinschaft zu formen. Eine durchaus neue, ungewohnte Situation, wie er in seiner ersten Analyse nach dem verlorenen Spiel gegen Mexiko eingestand.

Mentale Stärke in spielentscheidenden Situationen notwendig!

Echte Turniermannschaften sind stark vom Elfmeterpunkt. Zahlreiche WM-Partien in der K.O.-Phase müssen durch das Penaltieschiessen entschieden werden. Auch hier gibt die Statistik eine klare Antwort auf die Frage, wer sich in dieser Disziplin potentieller Turniermannschaften besonders hervortut. Deutschland steht in dieser Rangliste mit 4:0 Erfolgen an erster Stelle, gefolgt von Argentinien (4:1) und Brasilien (3:1). Einsam an letzter, 26. Stelle dieses Rankings: England (0:3) Anders als die Deutschen scheinen die Briten die Gelassenheit am Punkt zu verlieren, dem so genannten „choking under pressure“ zu erliegen (vgl. Beilock & Carr, 2001).

Unter sehr hohem psychischen Druck führen störende Gedanken zu einer Verunsicherung, die sich negativ auf die Präzision einer ansonsten automatisierten Bewegungshandlung auswirkt. Aus sportpsychologischer Sicht bemerkenswert: Standards wie Freistösse oder Penalties lassen sich sehr effizient auch mental trainieren, was aber vor dieser WM auch die englischen Spieler von Trainer Gareth Southgate (wer Zeit hat, bitte mal Elfmeterschiessen und Southgate googeln) versucht haben sollen!

Und am Ende gewinnt Deutschland!

Die Ausgangslage nach Abschluss der ersten Runde in der Gruppenspielphase präsentiert sich auch aus sportpsychologischer Sicht sehr interessant. Von den drei designierten Turniermannschaften Deutschland, Brasilien und Argentinien hat keine wirklich überzeugen können. Dagegen hat sich Belgien, Nr. 3 des aktuellen FIFA-Rankings, mit einer soliden Teamleistung gegen Panama durchgesetzt und positioniert sich nach 20 Spielen ungeschlagen als valabler Meisterschaftskandidat!

Vor einer besonderen und ungewohnten Bewährungsprobe steht das deutsche Team. Vielleicht sollten sich Jogis Jungs ein Stück Zuversicht auch aus Gary Linekers humorvollen Zitat abschneiden. “Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans always win.”

 

Quellen:

Beilock, S.L. & Carr, T.H. (2001). On the fragility of skilled performance: What governs choking under pressure? Journal of Experimental Psychology: General, 130, 701- 725.

https://de.fifa.com/fifa-world-ranking/ranking-table/men/index.html

http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb_2004_Artikel/Maurer_Munzert.pdf?__blob=publicationFile

http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball-em/fussball-em-2016-mythen-wissen-ueber-elfmeterschiessen-14298205.html

https://rp-online.de/sport/fussball/wm/dfb/markenzeichen-turniermannschaft_aid-12753797

 

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Feature: Was bei der deutschen Auftaktniederlage aus sportpsychologischer Sicht gefehlt hat

Deutschland verliert bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland das Auftaktmatch gegen Mexiko mit 0:1. Die Niederlage deutete sich schon in der ersten Hälfte an, in der der Herausforderer aus Mittelamerika zu zahlreichen Chancen kam und absolut verdient den Führungstreffer erzielte. ZDF-Taktikexperte Holger Stanislawski meinte in der Halbzeitpause, dass für das deutsche Team in der Pause drei Dinge wichtig würden: Herunterfahren, Kopf frei kriegen, auf die Stärken besinnen. Unter dem Blickwinkel des früheren Bundesliga-Trainers haben sich unsere Experten die Partie angeschaut – das Ziel war, in Erfahrung zu bringen, was hinter der Phrase „Kopf frei kriegen“ steckt:

Rita Regös von die-sportpsychologen.atRita Regös

Gewundert hat Rita Regös (zum Profil) schon allein die Kürze der Aufzählung von Holger Stanislawski. In Sportarten wie Bogenschießen, Kanu oder Sportschießen packt sie mindestens noch einen Gedankenstrich oben drauf:

1. Entspannung (= runterfahren)
2. Ablenkung (= Kopf frei kriegen und etwas gänzlich anderes tun bzw. denken)
3. Aktivierung ( = hochfahren physiologisch und mental)
4. Konzentration ( = aktive Lenkung der Aufmerksamkeit auf bevorstehendes Spiel, Aufgabe und Ziele)

(5. Los, Anpfiff, Start, Peeep und Peng)

Prof. Dr. Oliver Stoll

Als Schwarzmaler ist Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil) nicht bekannt. Aber er erkannte bezüglich der Grundhaltung fundamentale Schwächen und stellt voran: „Wenn die Spieler dies nicht ändern, fahren sie in zwei Wochen nach Hause.“

„Eines vornweg: Volition im Sinne einer Persönlichkeitseigenschaft lässt sich nicht kurzfristig ändern. Eine situative Grundhaltung aber eben schon. Und dazu gehört eine schonungslose Aufklärung der Schwachen. Ein Aufzeigen der positiven Ansätze. Und dann eben eine positive emotionale Einstellung auf die bevorstehende Aufgabe.

Besorgniserregend finde ich, dass ich auch in der zweiten Hälfte kein Wille, und zwar in letzter Konsequenz, zu sehen war. Das Problem: Wille kann man nicht in einer Woche entwickeln. Die Mexikaner haben genau das gezeigt, was Deutschland nicht auf den Platz gebracht hat. Mexiko hat das einfach besser gemacht – in der 1. und auch in der 2. Halbzeit. Da war eine Idee da (1. Halbzeit) und auch eine in der 2. Halbzeit (wir verteidigen das mit dem Messer zwischen den Zähnen). Man könnte ja meinen, die Deutschen wären in Schönheit gestorben… sind sie aber nicht. Hier hat der letztendliche Wille gefehlt. jetzt bin ich mal gespannt, wie es nun weitergeht :-).“

Mario Schuster

Auch in Österreich wurde der deutsche Auftakt ins Turnier verfolgt. Und Mario Schuster (zum Profil) unterstreicht, dass ein freier Kopf für eine mental starke Leistung eine wesentliche Voraussetzung ist:

„Wieso der freie Kopf so wichtig ist? Ganz einfach, denn die Kapazitäten des Arbeitsgedächtnisses sind begrenzt. Nur ein freier Kopf lässt das Arbeitsgedächtnis des Fußballspielers gut arbeiten. Das ist besonders wichtig, um Spielsituationen blitzschnell einschätzen zu können, um in Sekundenbruchteilen optimale taktische Entscheidungen treffen zu können. Vor allem bei herausfordernden Großereignissen wie einer WM kann dies zwischen Sieg und Niederlage entscheiden. Klar gibt es auch mentale Techniken, um sich in der Halbzeitpause selbst zu regulieren. Doch noch wichtiger ist es, diese Techniken zur mentalen und emotionalen Selbstregulation bereits Monate vor der WM zu trainieren und nicht erst in entscheidenden Spielen zu erproben. Nach dem Runterfahren ist es zudem auch ganz wichtig, wieder ‚ready‘ zu sein, wenn das Spiel wieder losgeht um den Start nicht zu verschlafen.“

Dr. Fabio Richlan die-sportpsychologen.atDr. Fabio Richlan

Wenn wir über den Kopf sprechen, müssen wir auch über Selbstgespräche reden, sagt Dr. Fabio Richlan (zum Profil), übrigens noch einer unserer österreichischen Experten im Netzwerk:

„Von grundlegender Bedeutung ist, ein positives Selbstgespräch zu führen, bei dem die Situation nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung interpretiert wird. Wichtig dabei ist, dass die Konzentration auf die gegenwärtige Aufgabe (Hier und Jetzt) bzw. auf das eigene Verhalten fokussiert wird (etwas das zu 100% unter eigener Kontrolle ist). Das Selbstgespräch oder die Selbstinstruktion kann eine motivationale (“Bleib ruhig”, “Gib alles”) und eine technisch-taktische (“Achte auf die Bewegung des Gegners”, “Setze den Körper ein”) Komponente enthalten. Im Idealfall ist das Selbstgespräch schon im Training und unter Druckbedingungen erprobt und benötigt keine zusätzlichen mentalen Ressourcen, sondern läuft vielmehr automatisch ab!“

Thorsten Loch

Was für ein Geschenk. Unser Profilinhaber aus Hennef (zum Profil von Thorsten Loch) feiert pünktlich zum ersten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft seinen Ehrentag und dann solch ein Geschenk. Die Hoffnung hat er noch nicht verloren, aber mit den Lebensjahren kommt ja auch mehr und mehr Weisheit hinzu:

„Nach wiederholten Fehlern im Wettkampf kann das Selbtvertrauen einen Knacks bekommen. Der innere Dialog kippt und der Sportler bleibt beim Misserfolg hängen, kann sich ihn nicht erklären und findet keine Lösung. Die Folgen konnte der aufmerksame Zuschauer beobachten. Selbst die einfachsten Dinge schienen ein großes Problem zu sein. Die mögliche Ursache ist die Fokussierung auf den Misserfolg und der negative Affekt, welchen den Zugang zu den eigenen Stärken blockiert. Lösungorientiertes, passischeres und schnelles Spiel waren Mangelware in der Begegnung. Hier ist Jogi Löw gefragt. Hilfreich ist das Abrufen einer erfolgreichen Situtionen (Imagination). Zudem kann Löw die Spieler bei der Ehre packen und gezielte Rückmeldung auf eine positive Körpersprache (Embodiment) nehmen. Was macht uns aus und wie viel haben wir dafür gegeben – ggf. kann er Bezug auch auf Situationen aus dem Trainingslager nehmen. Hier scheint der Solgan „Best NeVer rest“ ideal zu sein. Sicher wurde dieser Spruch mit Inhalten aus der Manschaft gefüllt, welche es zu mobilisieren gilt.“

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Miriam Kohlhaas: Eurobowlfinale 2018 – Wie ein Unwetter Braunschweig und Frankfurt an menschliche Grenzen bringt

Kürzlich war ich zu Gast bei einem wirklich historischen Endspiel, dem Eurobowlfinale 2018 in Frankfurt. Die Partie zwischen den Samsung Frankfurt Universe und New Yorker Lions Braunschweig wurde das längste Eurobowlmatch der Geschichte. Wegen eines Unwetters wurde die Partie im ersten Viertel für ca. 100 Minuten unterbrochen. In den Katakomben der Frankfurter PSD-Bank Arena erlebte ich die wirklich schwierige Situation mit. Aus sportpsychologischer Perspektive war das mega-spannend.

Zum Thema: Theorie und Praxis der Sportpsychologie im American Football

Miriam Kohlhaas

Ich habe lang überlegt, wie ich euch diese Geschichte erzähle? Und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich diese absolute Ausnahmesituationen dazu nutze, um Theorie und Praxis der Sportpsychologie im American Football nebeneinander zu stellen. Auf der einen Seite berichte ich euch also, was ich erlebt habe – ich betreue ja als sportpsychologische Expertin einige deutsche Football-Spieler und war daher als Besucherin im Stadion. Auf der anderen Seite will ich mal aufzeigen, was die Sportpsychologie auf inhaltlicher Seite zu bieten hat. Denn das ist, ihr ahnt es, einiges!

Ein normaler Start in den Tag

Es ist Samstag, der 09. Juni 2018, 10 Uhr im Mannschaftshotel der New Yorker Lions. Alle sind gemeinsam am Frühstücken. Um 12 Uhr steht dann ein gemeinsames Meeting und die Einstimmung auf die Partie am Abend an.

Um 14 Uhr essen alle zusammen Mittag, bevor es dann im Mannschaftsbus um 16 Uhr ins Stadion in Frankfurt geht. Dort läuft alles ab wie immer. Jeder geht seiner individuellen Vorbereitung nach. Einige Spieler sitzen auf der Tribüne, hören Musik, quatschen miteinander. Einige Spieler rollen sich ab, dehnen sich, machen Lauf- oder Fang- Übungen. Es wird sich umgezogen, getaped, und mental auf dieses Finale eingestimmt. Dann macht sich die Mannschaft gemeinsam auf dem Platz warm. Erst alle zusammen, dann in den einzelnen Positionsgruppen. Alles voll normal, bis hierhin.

Wichtig: Der Aktivierungsbereich ist von Athlet zu Athlet unterschiedlich

Die unmittelbare Spielvorbereitung ist von sportpsychologischer Seite Brot- und Buttergeschäft, also tauchen wir ein:

Die sportliche Leistung wird von vielen psychischen Faktoren beeinflusst. Ein entscheidender Aspekt für die optimale Leistungserbringung stellt dabei die Regulation des Aktivierungsniveaus dar. In diesem Zusammenhang findet die von Yerkes und Dodson postulierte umgekehrte u-förmige Beziehung zwischen Aktivierung und Leistung Beachtung in der Sportpsychologie. Die Hypothese besagt, dass die Erhöhung des Aktivierungsniveaus bis zu einem bestimmten Grad die Leistung verbessert, eine zu hohe Aktivierung jedoch zu Leistungseinbußen führt. Dieser Aktivierungsbereich, der zu einer optimalen Performance führt, scheint bei jeder Person individuell zu sein (Seiler, 2006). Das Ziel eines Leistungssportlers muss es folglich sein, sich vor dem Wettkampf in einen entsprechenden Aktivierungszustand zu bringen.

Nur 15 Minuten Pause…  

20 Uhr Kick off des Finales. Aber dann zieht sich der Himmel über Frankfurt zusammen und ein starkes Gewitter mit Blitz und Donner direkt über uns beginnt seinen Lauf. Das Spiel wird für 15 Minuten unterbrochen. Beide Mannschaften gehen in ihre Kabinen.

Ich habe mich ab diesem Moment vor der Frankfurter Kabine aufgehalten. Mich dort mit Fotografen, Freunden oder Trainern ausgetauscht. Die Spieler waren hoch konzentriert und bereit, direkt wieder auf den Platz zu kommen. Aber es sollte anders kommen… Immer und immer wieder wurde die Spielunterbrechung um weitere 15 Minuten verlängert und jedes Mal wurde es angespannter im Kabinentrakt, immer schwieriger für die Jungs, ihre Konzentration zu halten. Also, „On fire“ zu bleiben.

Immer schön positiv bleiben

Die Anspannung steigt unter den Spielern. Was weiß die Sportpsychologe dazu?

Aus der Angstforschung ist bekannt, dass eine kognitive von einer somatischen Komponente zu unterscheiden ist. Während sich die erste Komponente auf die gedankliche Verarbeitung einer Situation bezieht, meint die somatische Komponente die Wahrnehmung körperlich spürbarer Anzeichen der Angst (Liebert & Morris, 1967). Entscheidend für die American Footballer erscheint vor dem Hintergrund der 100-minütigen Pause und der ständigen Unsicherheit bezüglich des Wiederbeginns eine positive, herausfordernde Bewertung der Situation. So ist es den Sportlern möglich, ihr Selbstvertrauen zu erhalten, handlungs- und leistungsfähig zu bleiben und angemessen aktiviert zu sein.

Krasse Belastung für die Spieler

Meine Sicht in Frankfurt: Wäre es so gewesen, dass von Anfang an gesagt worden wäre, dass es nun eine Unterbrechung von 1,5 Stunden gibt, hätte man sich sicher anderes auf diese Pause einlassen können. Aber so war es Wahnsinn, was hier den Spielern aus sportpsychologischer Sicht abverlangt wurde.

Zunehmend merkte man, dass die Spieler unkonzentrierter wurden. Eigentlich hätten sie ihre Spannung ja halten müssen, um ein paar Minuten später wieder komplett im Spiel sein zu können aber immer wieder wurde kurzfristig die Pause verlängert. Die Spieler der Frankfurter blieben nicht mehr zusammen in der Kabine. Alle verteilten sich, schrieben an ihren Handys, hörten Musik, unterhielten sich mit den Fotografen und Cheerleadern.

Viele Spieler waren in der Situation überfordert

Ich merkte, wie viele, viele Spieler vollkommen unvorbereitet in diese Situation hinein schlitterten und wirklich einfache Fehler machten. Aber welche konkreten Hilfen bietet die Sportpsychologie in einer solchen Lage?

Doch welche konkreten Möglichkeiten haben die Spieler im Vorfeld einer Wettkampfsituation oder in Wettkampfpausen, einen optimalen Aktivierungszustand zu erreichen? Erlebt sich der Sportler selbst als überaktiviert, kann er diesen Zustand durch den Einsatz von Entspannungsverfahren, wie zum Beispiel die Atementspannung, gezielt beeinflussen. Das Beherrschen solcher Techniken setzt aber einige Übungszeit voraus. Eine weitere Möglichkeit stellt das Visualisieren von angenehmen Entspannungsbildern, z.B. von Landschaften, in Kombination mit Entspannungstechniken dar (Engbert, 2016). Auch der Einsatz beruhigender Selbstanweisungen kann von den Spielern insbesondere insofern genutzt werden, als die (unvorhergesehene) Situation dadurch als weniger bedrohlich wahrgenommen wird.

Totaler Spannungsabfall

Es war, als könnte man die abfallende Spannung förmlich greifen… Als Beobachterin, die aber keinen konkreten Auftrag hatte, weshalb ich natürlich auch nicht reagieren konnte, habe ich mich gefragt, ob neben den Spielern andere Personen aus dem Umfeld in solchen Situationen hätten reagieren können. Janosch Daul dazu:

Auch der Trainer kann gezielt Einfluss auf das Aktivierungsniveau seiner Spieler nehmen. Kennt er seine Jungs und deren Wahrnehmungen in bzw. vor Wettkampfsituationen, kann er diese durch die Wahl eines angemessenen Kommunikationsstils idealerweise so erreichen, dass sie ins optimale Aktivierungsfenster kommen. Somit kann er auch auf dieser Ebene die optimale Leistungserbringung seiner Spieler unterstützen.

Ein neues Spiel beginnt…

Irgendwann um ca. 22 Uhr begaben sich beide Mannschaften wieder auf Feld. Nachdem sie sich erneut aufgewärmt hatten, wurde das Spiel fortgesetzt. Also kommen wir wieder zur Aktivierungsfrage vom Anfang zurück – aber eine optimale Vorbereitung wappnet eben auch für Extremsituationen:

Doch wie bereits angeklungen, darf das Aktivierungsniveau des American Footballers, insbesondere kurz vor dem Beginn bzw. Wiederbeginn, auch nicht zu niedrig sein. Um dies zu verhindern, bieten sich neben motivierenden Kraftbildern (z.B. von sportlichen Vorbildern) und Selbstinstruktionen auch die Aktivierung mittels Musikhören an. Auch körperliche Aktivierungsübungen wie beispielsweise schnelle Sprünge können an dieser Stelle hilfreich sein (Engbert, 2016).

Die Wahl des passenden Aktivierungs,- bzw. Entspannungsmittels ist jedoch höchst individuell. Jeder Sportler sollte entsprechende Verfahren ausprobieren und wahrnehmen lernen, was in einer solchen Situation guttut. Gelingt dies, ist der Spieler selbst für unvorhergesehene Situationen bestens gewappnet.

Was für ein Finale

Und alle, die dieses Spiel live am TV verfolgt haben, wissen, dass sich diese so lange Pause bei beiden Mannschaften sichtbar machte. Es gab viele Fehler aus Unkonzentriertheit. Persönliche Strafen, Auswechselfehler, falsche Absprachen auf beiden Seiten. Nach einer Führung der Frankfurt Universe verschenkten sie diese mit vielen Fehlern und die New Yorker Lions gewannen das Finale mit 20:19 Punkten. Letztendlich endete das Spiel um 0:30 Uhr…

Der Spieltag für die Jungs hat mit dem offiziellen gemeinsamen Frühstück um 10 Uhr im Mannschaftshotel begonnen – 14,5 Stunden später, war dieser dann zu Ende!!! Genauso fühlte sich dann auch der Sieg des Eurobowls für die Lions an. Nach der Verleihung der Medaillen, den Fotos, den Videos, den Interviews, dem Duschen und dem Umziehen gab es auf dem Weg einen kurzen Halt mit dem Mannschaftsbus an einer Tankstelle (gegessen, hatten die Jungs zuletzt zum Mittag und so spät hatte leider auch alles im Hotel geschlossen). Um ca. 2:00 Uhr morgens kam die Mannschaft endlich im Hotel an. Die eigentlich geplante Feier in Frankfurt wurde dann aus Kraft- und Vernunftsgründen gestrichen und so saßen die Spieler einfach bei sämtlichen Snacks, die eine Tankstelle zu bieten hat, zusammen in der Lobby des Hotels. Was für eine außergewöhnliche Finalfeier!!!

Ihr fantastischen Spieler und Coaches, ihr solltet euren mentalen Bedarf für solche unvorhergesehenen Momente also zumindest gut kennen, um diesen aktiv gesteuert zu befriedigen.

Auf dieser Reise, verschiedenste Techniken auszuprobieren, um für euch persönlich das Beste zu finden, stehen euch wundervolle Sportpsychologen zur Seite.

Fangt also an zu arbeiten, bevor das nächste Gewitter über euch aufzieht!

 

Janosch Daul

An dieser Stelle möchte ich euch einen besonderen Menschen vorstellen: Janosch Daul. Er ist ein junger Kollege aus unserem Netzwerk Die Sportpsychologen, der in wenigen Tagen auch ein Profil auf der Seite haben wird (zum Profil von Janosch Daul) und von dem ihr vielleicht schon bald tolle Texte lesen könnt. Janosch ist ein Student des Masterstudienganges “Angewandte Sportpsychologie” an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihn habe ich kennengelernt, weil ich kürzlich an seiner Uni bei Prof. Dr. Oliver Stoll hospitierte. Zudem war einer der vielen Gäste bei unserer Veranstaltung „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ am 2. und 3. Juni in Bochum. Und bei Die Sportpsychologen ist es uns eine Herzenssache, dass wir uns alle um den sportpsychologischen Nachwuchs engagieren. Da sich Janosch für meine Arbeit und für American Football interessierte kamen wir ins Gespräch. Wir unterhielten uns auch über des Eurobowl-Finale und ich schilderte ihm alle Eindrücke. Entstanden ist eine tolle Diskussion über Theorie und Praxis, deren Kernaussagen ich im Text verwendet habe. Danke, lieber Janosch, für den Austausch! Und bleib am Ball, der Sport freut sich auf Sportpsychologen wie dich!

 

 

Alle Texte von Miriam Kohlhaas:

http://www.die-sportpsychologen.de/author/miriam-kohlhaas/

 

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Feature: Aus dem brasilianischen Paradies in die russische Sportschule

Vor und nach den sportlichen Höchstleistungen im Triumphjahr 2014 konnte sich das DFB-Team im „Campo Bahia“, dem WM-Quartier an der Ostküste Brasiliens, erholen und vor allem regenerieren. Deswegen wurde der Rückzugsort der deutschen Nationalmannschaft nicht von wenigen Sportpsychologen/innen und DFB-Angehörigen als ein Schlüssel auf dem Weg zum WM-Titel gesehen. Die Auswahl eines geeigneten Quartiers bei der WM 2018 in Russland fiel dem DFB nun alles andere als leicht. Zu groß waren die Entfernungen zwischen den einzelnen Spielorten. Der DFB brauchte also ein WM-Quartier, von welchem sich alle Spielorte möglichst schnell erreichen lassen. Die Entscheidung fiel funktional aus. Das DFB-Team bezieht während dem Turnier ihr WM-Quartier vor den Toren Moskaus. Auf das „Campo Bahia“ folgt also der Watutinki Hotel Spa Complex.

Zum Thema: Ist der Rückzugsort während einer WM wichtig, oder ist es das nicht?

https://www.ardmediathek.de/tv/Sportschau/Watutinki-das-WM-Quartier-von-Deutschl/Das-Erste/Video?bcastId=53524&documentId=53033042

Das WM-Quartier der DFB-Elf in Moskau kann aus meiner Sicht viele Vorteile haben, denen ich mich nähern möchte. Ganz allgemein betrachtet, kann unsere Mannschaft bei optimalen Trainingsbedingungen konzentriert arbeiten und findet in der Wellnessoase  gute Möglichkeiten zur Regeneration. Unter anderem gehört ein ansehnliches Schwimmbad zur „Sportschule“, wie das Hotel unter der Woche schon einmal genannt wurde. Hinzukommt, dass die Spieler so wenig Aufmerksamkeit wie möglich bekommen und sich somit stärker mit dem Team und mit dem Einzelnen beschäftigen können. Des Weiteren ist die Identitätsannäherung des Gastgeberlands ein weiterer Vorteil für die Unterkunft der DFB-Elf. Dies möchte ich auch begründen:

Dazu ein passendes Beispiel. Die Lebensbedingungen im Russland haben viele Seiten. Auf der einen Seite viel Prunk und Glimmer und auf der anderen ärmliche Dörfer. Dort zu leben, ist ziemlich schwer, da sehr viele Aufgaben auf einen Dorfbewohner zukommen. Sie müssen das Vieh weiden, die Technik reparieren, Wasser- und Stromprobleme lösen und sich um das Essen kümmern. Fast alle Einwohner betreiben Landwirtschaft, darunter Ackerbau sowie Viehzucht. Trotzdem wollen viele Einwohner das Dorf nicht verlassen. Das Leben in einer Gemeinschaft ist für die meisten das wichtigste Kriterium, um dort zu bleiben. Sie schätzen es sehr, dass sich alle gegenseitig unterstützen und gute Beziehungen zueinander pflegen. Ähnliches oder im weitesten Sinne, kann ich mir für unser DFB-Team vorstellen. Gelebtes Russland mit allen Höhen und Tiefen, die Geschlossenheit, Respekt und Werte aufzeigen, trotz einiger Schwierigkeiten, wie mediale Auftritte und Nominierungen. Als das muss als Team verarbeitet werden. Diese Geschichte der Dorfbewohner würde als Träger für Identität sehr gut passen. Aus ihr sprechen dann Selbstbewusstsein, Stolz, Teamgeist, gute Beziehungen, Zugehörigkeitsgefühl – alles Werte, die die deutsche Fußballnationalmannschaft verkörpert. Unter diesen Trägern sind viele Spieler bereit, außergewöhnliches zu leisten. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, das gelebte Wir-Gefühl und dann spielt es auch keine Rolle, wo sie zusammen sind. Teamidentifizierung und gute Beziehungen lassen großes entstehen. Und wenn positive Stimmungen vorhanden sind, sind die Voraussetzungen für Leistungssteigerung und Erfolg gegeben. Näheres zum Thema Identität findet Ihr hier: http://www.die-sportpsychologen.de/2017/11/01/dr-rene-paasch-mia-san-mia-oder-wie-eine-gemeinsame-identitaet-im-fussball-funktioniert/

Fazit:

Die gemeinsame und gelebte Identität ist schon lange Standard vieler Mannschaften. Es beschreibt, wer man ist und/oder sein möchte, welche Werte man vertritt und wo man die eigenen Aufgaben und die eigenen Stärken sieht. Ein solches Leitbild ist auch bei der WM hilfreich, denn es erleichtert die Identifizierung des Einzelnen mit dem Gesamten.

Ich glaube also, dass die Wahl der Unterkunft auch eine tiefere Ebene hat. Und ich hoffe, dass der funktionale Charme von Watutinki dem Geist vom Campo Bahia, was die sportlichen Ergebnisse angeht, an Magie in nichts nachsteht.

Mehr von Dr. René Paasch:

http://www.die-sportpsychologen.de/author/rene-paasch/

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Test: Bist du so cool wie Cristiano Ronaldo?

Portugal gegen Spanien. Ein großartiges Spiel, welches für mich sogar Finalcharakter hatte. Wieder einmal glänzte Cristiano Ronaldo mit drei wunderbaren Treffern. Und dies, obwohl der Star der Portugiesen auf und neben dem Platz mit Pfiffen und negativen Schlagzeilen (Steuerrückzahlung und Bewährungsstrafe) zurechtkommen muss. Da fragen wir uns: Wie ist es möglich, trotz äußerer Einflüsse sein Grübeln und das individuelle Gedankenkarussell so zu steuern, um ein derartig großartiges Spiel abzuliefern? Und können wir das auch lernen?

Zum Thema: Cristiano-Ronaldo-Coolness-Test

Zur Profilseite von Dr. René Paasch: Klick auf das Bild

Zunächst einmal verfolgt Ihr eure Gedanken für zwei Minuten. Anschließend stellt Ihr Euch folgende Fragen: Bin ich einer Lösung nähergekommen? Habe ich etwas verstanden, was mir vorher nicht klar war? Fühle ich mich weniger schlecht?

Wer keine der Fragen mit ja beantwortet, grübelt wahrscheinlich. Wie könnt Ihr nun von eurem Gedankenkarussell loskommen? Ihr solltet Euch selbst beobachten und herauszufinden, bei welchen Situationen Ihr ins Grübeln kommt und was Ihr Euch davon versprecht. Etwas Positives oder die Lösung eines Problems? Grübeln passiert im Zustand intensiver Selbstaufmerksamkeit, wie beispielsweise durch innere Monologe. Grübelprozesse, denen Ihr Euch oft ausgeliefert fühlt, sind kontrollierbar. Um die Kontrolle über die Gedanken wiederzuerlangen und die Aufmerksamkeit selbst lenken zu können, möchte ich Euch einige Anregungen von Teismann (2014) anbieten:

Hier und jetzt: Nacheinander konzentriert Ihr Euch etwa auf verschiedene Umgebungsgeräusche. Durch diese Übung nimmt die aufmerksame Beschäftigung mit sich selbst ab, sodass euer Aufmerksamkeitsscheinwerfer wieder die Kontrolle übernehmen kann. Wichtig ist die gegenwärtige und wertfreie Beobachtung. Somit wird das Grübeln zeitnah unterbrochen.

Distanz: Ihr solltet eine alternative Haltung gegenüber negativen inneren Monologen lernen. Das heißt, Ihr sollt Euch nicht von ihnen ärgern lassen und ihnen zu viel Aufmerksamkeit schenken. Gegenwärtig bleiben! Näheres dazu: http://www.die-sportpsychologen.de/2016/09/21/dr-rene-paasch-der-trend-zur-achtsamkeit/.

Schaut Euch beim Denken zu, das sorgt für Kontrolle und Gelassenheit. Wichtig! Diese benennen können, jedoch nicht als Realität sehen. Bevor man einen belastenden Gedanken zulässt, solltet ihr euch darüber klar werden, dass dir der Gedanke etwas sagen möchte. Und das ist auch gut so. Statt an diesem Gedanken festzuhalten, setzt ihn lieber imaginär auf ein schwimmendes Blatt und lasst ihn langsam auf dem Wasser davonziehen.

Niederschreiben: Anstatt über ein Thema zu grübeln, lieber niederschreiben! Mindestens 20 Minuten lang. Schreiben sollte man nur für sich, ohne Wertung. Folgen weitere Themen, ist das in Ordnung. Das Schreiben sollte nur nicht in einer aussichtslosen Situation angegangen werden, dann lieber Unterstützung in Anspruch nehmen. Die oben genannten Hilfsmittel zielen nicht darauf ab, sich inhaltlich mit den negativen Gedanken auseinanderzusetzen (etwa die Frage zu beantworten, ob man ausgepfiffen wird und Steuerschulden hat). Stattdessen lenkt Ihr den Fokus auf den Prozess des negativen Denkens. Mit diesen Übungen gelingt es den meisten Sportlern/innen, früher aus einer Grübelschleife auszusteigen, Probleme zu identifizieren und sie aktiver sowie rationaler anzugehen. Weitere Anregungen findet Ihr hier:

http://www.die-sportpsychologen.de/2018/05/17/dr-rene-paasch-mit-erfolg-und-misserfolg-umgehen/

Fazit:

Nachweislich sind die negativen Ereignisse und Gedanken in unserem Leben präsenter. Dass diese so viel differenzierter sind, liegt nicht etwa daran, dass das Leben so wenig Anlass für positive bieten würde. Die Antwort liegt in der überaus wichtigen Funktion, für den Menschen. Positive Gefühle sind zwar schöner, negative aber sichern das Überleben. Denn sie liefern eine blitzschnelle Einschätzung der Lage und bereiten die Reaktion auf sie vor. Das besondere an den bereits genannten Methoden ist die inhaltliche Kontrolle. Somit wird der Fokus auf den Prozess des Denkens geleitet. Im Ergebnis gelingt es meistens, aus dem Grübeln auszusteigen, Probleme zu erkennen und rationaler anzugehen.

Literatur

Teismann, T. (2014). Grübeln : Wie Denkschleifen entstehen und wie man sie löst. Köln: Balance-Verlag.

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Markus Gretz: #mitleibundseele – Alba Berlins Niels Giffey zeigt, wie es geht

Die Berliner Basketballer konnten am Mittwochabend die Finalserie gegen den favorisierten FC Bayern verlängern und gewannen mit einem extrastarken Local-Hero das Spiel vier in eigener Halle. Der gebürtige Berliner Niels Giffey zeigte laut dem Twitter Account der @easyCreditBBL das beste Spiel der Playoffs. Welchen Unterschied macht die Motivation und die Emotion in so einem wichtigen Spiel?

Zum Thema: Der Zusammenhang von Motivation und Emotion

Die Bayern hätten am Mittwoch den Sack zumachen und die Meisterschaft für sich entscheiden können. Doch vor allem ein Berliner hatte etwas dagegen. Niels Giffey, der aus der Jugend von ALBA Berlin kommt, legte mit 20 Punkten einen Karriere-Bestwert auf, wobei er jeden seiner sechs Feldwürfe traf. Wie kommt so ein junger Spieler zu so einer Bestleistung im vielleicht wichtigsten Spiel der Saison?

Eine mögliche Erklärung liefert die Psychologie mit den Konstrukten Motivation und Emotion. Motivation ist der innere Antrieb eines Menschen, eine Handlung auszuführen. Emotionen sind Gefühle, wie Glück, Freude aber auch Angst und Trauer. Klar ist, dass Emotionen sehr eng mit Motivation zusammenhängen. Motivation kann zwar auch durch rein rationale Gründe entstehen, wie zum Beispiel der finanziellen Prämie nach einem Sieg. Emotionen sind aber ein viel stärkerer Motivator und sind sogar oft noch mit den rationalen Gründen verknüpft. Wenn ein Spieler zum Beispiel seiner Frau einen großen Wunsch erfüllen will, kann er dieses emotionale Ziel mit der finanziellen Siegprämie verknüpfen und erhält dadurch noch stärkere Motivation.

Die Rolle der Motivation

Wodurch kam nun die extra Portion Emotion und damit auch Motivation bei Niels Giffey? Wir können nur Vermutungen anstellen und müssten ihn für eine genaue Antwort selbst fragen. Vermutlich müsste auch er sich erst mal selbst diese Frage stellen, da die Motivation und Emotion nicht immer voll bewusst stattfinden. Eine mögliche Erklärung liefert aber seine Berliner Herkunft und die starke Verbindung zur Stadt und dem Verein. Er besitzt womöglich also eine starke emotionale Bindung zu ALBA Berlin und wollte den Sieg für die Stadt, die Fans und den Verein umso mehr. Diese Emotionen können einen schon mal zu einem Spiel mit #leibundseele veranlassen. Der Trainer von Alba Berlin Alejandro Garcia Reneses beschreibt es nach dem Spiel so: „Meine Spieler haben mit viel Herz gespielt und sehr viel investiert.“

Für die Praxis bedeutet das, dass es nicht immer nur wichtig ist, welche Mannschaft mit der besseren Taktik oder den besseren Einzelspielern aufs Spielfeld geht. Oft ist ein entscheidender Faktor, mit wieviel Emotionen der Sieg verknüpft ist. Klar, kann man nicht immer nur mit lokalen Spielern spielen, die diese Emotionen durch viele Jahre auf natürliche Weise aufgebaut haben. Durch eine Team- und Vereinskultur, mit vielen positiven Emotionen, Freundschaften und Wertschätzung, wo jeder für den anderen kämpft und wo man sich wohlfühlt, kann aber auch schon in einer Saison eine starke emotionale Bindung aufgebaut werden. Diese wird sich dann am Ende der Saison auszahlen. Am Samstagabend, im entscheidenden Spiel fünf, werden wir sehen, welche Mannschaft sich die Meisterschaft mit #leibundseele sichert. Niels Giffey wird sicher wieder mit reichlich Herz und Emotionen für sein Team und seine Stadt dabei sein.

http://www.easycredit-bbl.de/de/n/spielberichte/2017-18/nachbericht/2018-06-13-ber-fcb/

Mehr zum Thema:

Elvina Abdullaeva: Mentale Einstellung zum Spiel

Prof. Dr. Oliver Stoll: Adieu Motivationsvideos?

 

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Mario Schuster: Kooperationskompetenz – Was Trainer von der Arbeit der SportpsychologInnen wissen sollten

Was machen Sportpsychologen? Hat die Sportpsychologie eine Feuerwehrfunktion oder sind sie reine Beobachter? Oder sind es nur die „Sportpatienten“, welche zum Sportpsychologen gehen? Nun sollten wir annehmen dürfen, dass diese mythischen Annahmen schon längst überholt sind. Denkste! Nach wie vor begegne ich vereinzelt Trainern und Trainerinnen sowie Athleten und Athletinnen, welche eine tendenziell einseitige Sichtweise über die Möglichkeiten der Sportpsychologie haben. Weiterer Aufklärungsbedarf: Erforderlich!

Zum Thema: Interesse, Missverständnisse und viele Mythen – Die Sportpsychologie und ihre ganz praktischen Probleme

Meine Zwischenbilanz zur Sportpsychologie: Mittlerweile bin ich kein Neuling mehr in der Sportpsychologie. 2014 habe ich noch mein Praktikum als Mentaltrainer im Rahmen meiner Ausbildung beim Center of Mental Excellence absolviert. Seitdem darf ich auch auf eine mehrjährige Erfahrung als Mentaltrainer im Sport bzw. als Sportpsychologe zurückblicken. In dieser Zeit durfte ich in mehreren Sportarten mit jugendlichen und erwachsenen AthletInnen sowie verschiedenen TrainerInnen unterschiedlicher Leistungsklassen, Vereinen und Verbänden zusammenarbeiten. Auch Funktionäre und Funktionärinnen stehen auf meiner Gesprächsliste (zur Profilseite von Mario Schuster).

Seitdem habe ich eine Vielzahl an AthletInnen sportpsychologisch trainiert sowie auch mehrere Coaches beraten. Daraus ergab sich in den meisten Fällen eine sehr gute Zusammenarbeit, bei welchem mir ein Trainer später auch mitgeteilt hat, dass dies für ihn der „Sprung ins kalte Wasser“ gewesen sei. Er berichtete mir auch, dass er erleichtert war, es nicht so schlimm sei mit einem Sportpsychologen zusammenzuarbeiten und er auch nicht „durchleuchtet“ wurde – wie anfangs befürchtet. Somit hat sich bei diesem Trainer positiverweise eine Befürchtung bzw. Glaubenssatz aus eigener Erfahrung per se aufgelöst. Jedoch war nicht jede Zusammenarbeit von der Genialität der konstruktiven Kooperation und sportpsychologischer Aufgeklärtheit geprägt.

Mythen erschweren die Zusammenarbeit

Wir schreiben das Jahr 2018. Nach wie vor zeigt sich in der Praxis, dass das Tätigkeitsfeld und die weitreichenden Möglichkeiten der Sportpsychologie noch nicht in allen Sportköpfen angekommen sind. So habe ich manchmal den Eindruck, dass einzelne TrainerInnen nicht wissen, was ein Sportpsychologe alles bewirken kann. Dabei spreche ich nicht vom kurzfristigen Sieg der Champions League oder vom Blitzaufstieg, sondern vielmehr von den kleinen, aber entscheidenden Details im täglichen Trainings- und Wettkampfprozess.

Mein Highlight war, als mir ein Trainer im Rahmen einer Sportveranstaltung erklärte: „Am besten motivierst du die Athleten mit: Gib Gas du Hund!“ (in großer Lautstärke). Unabhängig davon war dieser Verbandstrainer durchaus interessiert an den Möglichkeiten durch Sportpsychologie seine Athleten „besser zu machen“, jedoch waren das grundlegende Verständnis dafür ganz am Anfang. Also ein Grund mehr weiterhin gemeinsame Aufklärungsarbeit mit meinen KollegInnen aus der Sportpsychologie zu leisten.

Auch TrainerInnen brauchen die Kompetenz zur Zusammenarbeit

Im Rahmen meiner Ausbildung zum Mentalcoach 2014 hatte ich eine Vielzahl kompetenter Referenten. Dazu zählten erfahrene SportpsychologInnen, MentaltrainerInnen aus dem Leistungssport sowie aktive Trainer aus dem Spitzensport. Dabei hatten die verschiedenen Referenten auch unterschiedliche Antworten zu denselben Fragestellungen (z.B. „Darf der Sportpsychologe in die Spielerkabine um eine Ansprache zu halten?„) parat. So konnte mir keiner endgültig sagen, was ein Sportpsychologe in der Praxis nun darf oder niemals darf. Meine Conclusio, welche ich folgend in der Praxis erkannt habe lautet: ES KOMMT DARAUF AN, WAS MIT DEM TRAINER VEREINBART WURDE. Das heißt an dieser Stelle gehört einfach viel und effektiv kommuniziert. Klarheit vor Dogmen!

Der Kampf gegen Windmühlen: Doch wo liegt nun die Verantwortung der TrainerInnen? Ein Trainer, vor allem im Spitzensport, sollte in der Lage sein mit seinem Betreuerstab konstruktiv zusammenzuarbeiten und die vorhandenen Ressourcen optimal einzusetzen. So nützt es zum Beispiel nichts, wenn ein Sportpsychologe zwar einen Wettkampf oder ein Training beobachtet, aber der Trainer nach dem Spiel „zu müde“ ist, um sich nach dem Wettkampf oder Training zusammenzusetzen um eine Coach The Coach- Sitzung abzuhalten. Dieses Setting gehört vorab geklärt und auch entsprechend umgesetzt. Denn auch der beste Sportpsychologe nützt nichts, wenn er ausschließlich in die Beobachterrolle gedrängt wird, aber nicht in den Trainings-, und Wettkampfprozess integriert wird. Und das gehört seriös kommuniziert und vereinbart. Doch wie weit geht die Bringschuld der Sportpsychologie und wo beginnt die Holschuld (bzw. der Kompetenz mit Expertinnen und Experten zusammenzuarbeiten) der TrainerInnen?

Welche Kompetenzen benötigen nun TrainerInnen?

Am besten ich fasse jene Kompetenzen, welche TrainerInnen benötigen um mit SportpsychologInnen, aber auch mit ExpertInnen anderer Berufsfelder (z.B. Diätologie, Physiotherapie oder der Sportwissenschaft) zusammenzuarbeiten unter dem Begriff „Kooperationskompetenz“ zusammen. Dazu zähle ich beispielsweise:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Steuerung von Informationsflüssen
  • Sportpsychologische Grundkenntnisse
  • Kenntnisse über mentale Tools
  • Kenntnisse über sportpsychologische Arbeitsprozesse
  • Kenntnisse über unterschiedliche sportpsychologische Settings
  • Managementfähigkeiten

Wie sollen diese Kompetenzen erworben werden?

Zum einen ist es eine Frage der Persönlichkeit und der bereits erworbenen Kenntnisse des Trainers, über obige Kompetenzen zu verfügen. Sollte er diese noch nicht besitzen, so sollte er sich diese eigenverantwortlich aneignen. Nun ist es ja auch eine mögliche Aufgabe der Sportpsychologe, Trainer im Rahmen von Coach The Coach- Programmen in der Entwicklung von Kooperationskompetenzen zu unterstützen. Ironischerweise kann es gerade in diesen Fällen vorkommen, dass die Sportpsychologe dabei nicht in Anspruch genommen wird.

Dahingehend können auch wir Sportpsychologinnen und Sportpsychologen unseren Beitrag zur Kompetenzentwicklung der TrainerInnen und FunktionärInnen beitragen: Diese Thematik sollte auch in jede TrainerInnen- Ausbildung (im Optimalfall bereits in die Übungsleiterausbildung) mit hineingenommen werden. Darin soll es nicht nur um spektakuläre Fallbeispiele, die Anzahl betreuter MedaillienathletInnen oder sportpsychologische Trainingsmethoden gehen. Es soll auch darum gehen, was ein Sportpsychologe alles kann und auch, wo er sich systemisch bewegt, welche Rollen er/sie einnehmen kann UND auch, wofür er nicht zuständig ist. Ergänzend dazu sollten Trainer auch über die Arbeitsweise von Sportpsychologen informiert werden, und auch darin trainiert werden, wie man Sportpsychologen optimal im Verband, Verein oder im Team in relevante Trainings- und Wettkampfprozesse einbindet. Das Setting muss nämlich für alle Beteiligten klar sein und auch entsprechend umgesetzt werden.

Eure Erfahrungen mit „Windmühlen“?

Der Sinn des Artikels soll es sein, sowohl TrainerInnen sowie meine KollegInnen aus der Sportpsychologie zu dieser Thematik zu sensibilisieren um die Prozessqualität sportpsychologischer Tätigkeit zu steigern. Dahingehend bietet sich das Kommentarfeld hervorragend an, um sich über eigene Erfahrungen im „Kampf gegen Windmühlen“ und Lösungsansätzen in der Praxis auszutauschen und zu diskutieren. Ich freue mich auf euer Feedback!

Oder lasst uns bei Facebook diskutieren: https://www.facebook.com/diesportpsychologen/

 

Mehr zum Thema:

Cristina Baldasarre: My way…

Prof. Dr. Oliver Stoll: Müssen wir “böser” werden?

Wencke Schwarz: Die Rolle und das Potential der Sportpsychologie im deutschen Spitzensport

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Feature: Spanien nach der Trainerentlassung – Hierro fehlt nicht nur Zeit

48 Stunden vor dem WM-Auftaktspiel wurde Julen Lopetegui, Spaniens Trainer, nach Hause geschickt. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass er in der kommenden Saison beim Champions League-Sieger Real Madrid auf die Trainerbank wechseln wird. Für Thorsten Loch von Die Sportpsychologen ist es ein gefährliches Spiel, auf welches sich der spanische Verband eingelassen hat. Schließlich kann Ersatztrainer Fernando Hierro seinen geschassten Vorgänger nicht in allen Bereichen gleichwertig ersetzen.

Zum Thema: Weshalb die Spielanalyse eines Trainers auch vom Trainer-Spieler-Verhältnis beeinflusst wird

Eine Entlassung eines Trainers kurz vor der Eröffnungsfeier eines Turniers, gab es noch nie. Thorsten Loch, Profilinhaber von Die Sportpsychologen hat dazu eine klare Meinung: “Aus rein sportlicher Sicht ist es für mich selten dämlich. Denn selbst wenn Spanien als über Jahre gewachsenes Gefüge, mit zahlreichen erfahrenen Spielern und viel Qualität im Kader ins Turnier geht, darf eines nicht vergessen werden: Für den Erfolg eines Teams ist das Trainer-Spieler-Verhältnis brutal wichtig.”

Vicente del Bosque, Welt- und Europameistertrainer der Spanier hat in diesem Zusammenhang einmal folgende Rechnung aufgemacht: “Ich würde sagen, dass neben rein sportlichen Erwägungen wie Trainingsgestaltung, Auswahl des Spielsystems, oder taktischen Fragen rund die Hälfte meiner Arbeitszeit dem Gedankenaustausch mit meinen Spielern dient. Vielleicht sogar noch etwas mehr.“

Schwere Aufgabe für Fernando Hierro

Zur Profilseite von Thorsten Loch: Klick auf das Bild!

Kann Fernando Hierro, der in der Not vom spanischen Verband zum Trainer umfunktionierte Sportdirektor, wenn wir uns an del Bosques Aussagen orientieren, nur Scheitern? Er steht zumindest vor einer extrem schwierige Aufgabe. Das größte Problem sieht Sportpsychologe Loch aus der Ferne im menschlichen Bereich: “Zwar kennt er natürlich die Auswahlspieler – und diese kennen ihn, als Sportdirektor, früheren Co-Trainer bei Real Madrid und einstigen Weltklassespieler. Aber es ist utopisch, dass in der Kürze der Zeit ein auf Empathie beruhendes Trainer-Spieler-Verhältnis entsteht.”

Problematisch kann es also auf der Detailebene werden. Loch: “Der Analyse des Spielverlaufes bekommt in diesem Kontext eine Sonderstellung zu. Sie bezieht sich auf die Forderungen, die an Technik, Taktik, Kondition, Disziplin oder Einsatzbereitschaft gestellt werden. Durch Beobachtung und Erfahrungen erkennt der Trainer die psychische Verfassung der Spieler. Zeigen die Sportler Anzeichen von Resignation oder Ängstlichkeit? Erfüllen sie nicht die an sie gestellten Erwartungen an Engagement und Einsatzbereitschaft oder präsentieren sie sich gar überheblich, unmotiviert oder arrogant? Zeigen sich Spieler emotional erregt, übermotiviert oder frustriert, sodass vereinbartes taktisches Verhalten missachtet wird? Wir sehen also, dass auf der Beziehungsebene extrem hohe Anforderungen den die Trainer gestellt werden. Nur wenn der Trainer weiß, wie sich der Spieler in der jeweiligen Situation fühlt, wird er in der Lage sein, entsprechend handeln zu können. Dazu bedarf es einer guten Kommunikation und einem ehrlichen Interesse dem Anderen gegenüber. Und dafür fehlt Fernando Hierro schlicht Zeit.“

Mit heißem Herzen und kalter Hundeschnauze

Im Fußball entscheiden Funktionäre gern mit heißem Herzen und kalt wie eine Hundeschnauze. Und sicherlich darf Julen Lopetegui auch gern dafür kritisiert werden, dass er erst im Mai seinen Vertrag als Nationaltrainer verlängert hat, um nun doch eine ausgehandelte Ausstiegsklausel zu nutzen (mehr im Kommentar von der Sportschau). Aber im Ergebnis wird die spanische Auswahl durch die Trainerentlassung einem außergewöhnlichen Stresstest unterzogen. Beim ersten WM-Spiel gegen Europameister Portugal dürften die Verantwortlichen des spanischen Verbandes innig auf einen Sieg hoffen. Und auf ein natürliches Gesetz, welches im Sport gilt: Erfolg übertüncht fast alles.

Lopetegui bei seiner Vorstellung in Madrid:

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Mehr zum Thema Empathie:

Katharina Petereit: Trainerverhalten im Fokus

Dr. René Paasch: Empathiefähigkeit für Trainer

Dr. Hanspeter Gubelmann: Das war’s, Monsieur Constantin!

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Kommentar von Dr. René Paasch: Vergebung für Gündogan und Özil

Erinnert Ihr Euch noch an Sommermärchen 2006? Es war ein wunderbares Fußballfest! Wie ausgelassen, euphorisch, tolerant und friedlich wir feiern konnten! Hautfarbe, Religion, Herkunft – alles war egal, wir haben nebeneinander gestanden und den Moment gefeiert. So stelle ich mir die Welt vor. Die Welt zu Gast bei Freunden. Und nun, zwölf Jahre später? Von Euphorie und Vorfreude ist hierzulande wenig zu spüren. Mehr noch: Beim letzten Vorbereitungsspiel vor der WM in Russland wird der deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan ausgepfiffen. Was aber wäre noch passiert, wenn der angeschlagene Mesut Özil hätte spielen können? Wie werden sich die deutschen Fans in Russland verhalten? Ich konnte wegen solcher Fragen zuletzt schlecht schlafen. Mich berührt diese Situation sehr. Und mit diesem Blogbeitrag möchte ich Euch bestärken, aktiv zu werden, eure Unterstützung für ein fürsorgliches und zukunftsträchtiges WIR-Gefühl zu artikulieren und auch über Vergebung nachzudenken.

Zum Thema: Auswirkungen und Wirkungen von Vergebung und Zusammenhalt

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Der Unmut, den Gündogan in Leverkusen zu spüren bekommen hat, ist die Folge eines Treffens von seinem Teamkollegen Mesut Özil und ihm mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Ganz klar: Diese Zusammenkunft und das politische Ausschlachten der offenbar ohne das Wissen der Spieler inszenierten Bilder muss man nicht gut finden. Ganz und gar nicht. Aber die sportlichen Folgen sind greifbar – schauen wir uns nur die Aussagen von Gündogans Mannschaftskollegen nach dem Testspiel in Leverkusen an. Es fielen bedrückende und sorgenvolle Worte, wie: „Wie man ihn in der Kabine gesehen hätte“,  „Solche Pfiffe schaden der Mannschaft“ oder „das die Pfiffe Verunsicherung hervorgerufen haben“. Daraufhin äußerte sich Gündogan öffentlich: „Letztes Spiel vor der Weltmeisterschaft und immer noch dankbar, für dieses Land zu spielen“.

Für mich ist das ein deutliches Zeichen der Reue und menschlichen Größe. Machen wir denn keine Fehler? Wurde uns denn noch nie vergeben? Natürlich stehen Profis in der öffentlichen Wahrnehmung und Verantwortung, dennoch sind sie Menschen wie du und ich. Sie haben von Kindesbeinen für ihren großen Traum hart gearbeitet, dabei mussten sie enorme zeitliche und persönliche Entbehrungen auf sich nehmen. Regelmäßiger und stetiger Leistungsdruck, Verlieren oder Gewinnen, Verletzungen überstehen oder auf der Ersatzbank sitzen, wenig soziale Kontakte, tägliche Einschränkungen, Menschen, die sie wie Waren behandeln. Das hinterlässt Spuren. Sie lernen unter höchstem Druck und sind dennoch aufgrund Ihrer Erfahrungen und der fehlenden Autonomie – Fremdbestimmung – zum Teil verunsichert. Kurzum: Der Fußball ist ein ganz besonderes aber auch schwieriges Tätigkeitsfeld, welches kaum Fehler und Rückzugsmöglichkeiten zulässt. Und eine besondere Rolle spielen neben den Medien auch die Fans, die allen voran durch Social Media-Kanäle in den vergangenen Jahren eine laute Stimme bekommen haben. Und was passiert dort oder zuletzt im Stadion: Obwohl wir alle wissen, dass Fehlentscheidungen menschlich sind, reagieren wir persönlich. Den Hintergrund kennen wir aber meistens nur aus der Ferne. Trotzdem maßen wir uns an, zu urteilen. Aus diesem Grund möchte ich euch einladen, sich mit der Vergebung und dem Zusammenhalt auseinanderzusetzen.

Vergebung

Gündogans Aussagen, der übrigens ein Bochumer Junge ist und hier in meinem Verein als früherer Nachwuchskicker einen herzenswarmen Ruf genießt, lässt sich ein schlechtes Gewissen ablesen. Aber davon sollten sich er, Özil und seine Mitspieler recht bald befreien können, um den Fokus nicht zu verlieren. Schließlich steht die WM bevor und störende Gedanke und Begleitumstände kann niemand gebrauchen. Daher möchte ich Euch, liebe Fans, ein Stufenmodell der Vergebung nach Schwennen (2008) vorstellen, welches ich modifiziert habe:

Selbsterkenntnis (a-c)

(a) Wahrnehmung einer Verfehlung: Ein Verhalten einer anderen Person wird als Verletzung oder Schadenszufügung wahrgenommen. Dieses Verhalten „wird von der betroffenen Person/von den Fans als aversiv erlebt und widerspricht ihren Normvorstellungen“.

(b) Kausalattribution (Urheberschaft): Durch wen oder was ist das Ereignis eingetreten?

(c) Verantwortungsattribution (Schuldzuschreibung): „Der Person wird die Verantwortung zugeschrieben, wenn er die Verfehlung verursacht hat, anders hätte handeln können, die Folgen absehen konnte und sie dennoch in Kauf genommen oder sie sogar beabsichtigt hat“.

Vergebung (d-f)

(d) Empathie gegenüber „dem Verursacher der Verfehlung“.

(e) Bearbeitung der eigenen negativen affektiven Reaktionen.

(f) Erreichen von Vergebung.

Am Ende dieses Prozesses erreichen wir Gelassenheit und innere Ruhe, die Beendigung von Wut und negatives Pfeifen in den Stadien wäre die Folge. Denn das oberste Ziel des Vergebungsprozesses besteht darin, dass der vergebende „Fan“ für Gündogan und Özil positive Gefühle und Gedanken übrig hat und auf das gemeinsame Ziel eifert, die „WM 2018 in Russland“. Denn alles was uns bleibt, ist der gegenwärtige Moment. Diesen können wir dann noch verstärken, wenn wir nicht nur vergeben sondern auch Zusammenhalten.

Fazit

Wir alle müssen uns also fragen: Hilft das Auspfeifen unseren Spielern? Welche Wirkung hat das auf unsere Mannschaft? Welche Wirkung erzielt das auf andere Nationen? Letztlich richten sich Pfiffe gegen alle, die mit großer Leidenschaft und Engagement für Deutschland spielen. Deshalb müssen wir zusammenhalten und uns gegen Hass und Hetze wehren, doch dabei nicht unsere DFB-Elf aus den Augen verlieren. Nur gemeinsam können wir großartiges leisten und einen weiteren WM-Titel nach Deutschland holen. Vergesst bitte nicht, warum wir den Fußball so lieben: Es ist ein Sport, der weltweit Menschen begeistert. Egal welche Altersgruppe, egal welche Nation. Fußball vereint und lässt wunderbares entstehen.

Literatur

Schwennen, C. (2008): Verzeihen. In: A.E. Auhagen (Hrsg). Positive Psychologie. Anleitung zum besseren Leben (150-165). Weinheim: Beltz PVU

Müller-Lissner, A. (2011): Verzeihen können − sich selbst und anderen. Ch. Links, Berlin

 

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„Die rote Couch“ hinterlässt Spuren – Nächste Auflagen in Leipzig, Halle und Innsbruck

Wencke Schwarz auf der Bochumer Bühne, im Hintergrund: Dr. René Paasch

Wencke Schwarz hatte in Bochum ein Problem. Die Reihe von Personen, die ein oder mehrere Themen für die Veranstaltung „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ vorschlagen wollten, nahm einfach kein Ende. „Ehrlicherweise hätte ich gedacht, dass einige irgendwann aus der Reihe ausscheren und auf Konsumentenmodus umschalten, aber weit gefehlt. Es kamen immer wieder weitere ausgesprochen gute Vorschläge hinzu“, erklärt die Profilinhaberin von Die Sportpsychologen.

Die Hannoveranerin, deren Wurzeln in der Wirtschaftspsychologie liegen und die sehr erfolgreich in der Unternehmensberatung arbeitet (zum Profil auf Die Sportpsychologen), war am ersten Juni-Wochenende 2018 im VIP-Bereich die Moderatorin. Und selten hat die Barcamp-erprobte Konferenzleiterin eine solche Welle an interessanten, kontroversen und abwechslungsreichen Vorschlägen erlebt. Keine Frage: Das zweite Barcamp von Die Sportpsychologen war inhaltlich ein absoluter Erfolg.

Ruhrstadion wird zum Wohnzimmer für Die Sportpsychologen

Knapp 50 Teilnehmer machten den VIP-Bereich des Vonovia Ruhrstadions für zwei Tage zum Wohnzimmer für Die Sportpsychologen. Zu Gast waren neben über zehn  Profilinhabern des Netzwerks aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zahlreiche weitere Sportpsychologen, Mentaltrainer und Studenten (Sporthochschule Köln, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Ruhr-Universität Bochum, Eberhard-Karls Universität Tübingen, Uni Paderborn u.a.). Hinzu kamen spannende Persönlichkeiten aus dem Fußball – ehemalige Bundesliga-Trainer wie Peter Hyballa, Spielerberater der Agenturen YouSports und ProVision, Nachwuchstrainer des VfL Bochum und Berater wie Manfred Batz, der seit Jahren Bundesligatrainer und -spieler auch sportpsychologisch berät.

„Die Mischung war ausgezeichnet. Auch wenn ich, der so seine Vorbehalte gegen das Fußballgeschäft hat, gerade gegenüber Peter Hyballa anfangs etwas skeptisch war. Aber im Laufe der Tage hat er mich wahnsinnig begeistert. Diese unverstellte Art, dieser offene Austausch und diese klare Zielorientierung – großartig. Genau so etwas macht unser Barcamp aus“, fasst Prof. Dr. Oliver Stoll zusammen. Ihn, Peter Hyballa und viele weitere haben wir in einem Highlight-Video zu Wort kommen lassen:

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Die nächsten Auflagen in Vorbereitung

Ein extrem beliebtes Fotomotiv war die echte rote Couch, die ihn Bochum ihre Premiere feierte. Das gute Stück ist aufblasbar und soll in Zukunft bei allen Auflagen der Eventreihe präsent sein und zu Diskussionen anregen. Prof. Dr. Stoll, unter anderem geistiger Vater des Veranstaltungstitels: „Die Nachfragen zum Namen bleiben. Aber genau das wollten wir erreichen: Auf dem Rücken des Klischees wollen wir die Diskussion über und mit der Sportpsychologie in die Sportwelt tragen.“

Nach den erfolgreichen beiden Erstauflagen (im November 2017 in Berlin zum Thema E-Sports und nun im Juni 2018 in Bochum zum Thema Fußball) sind bereits die nächsten Events in Vorbereitung:

  • 3./4. November 2018, Leipzig (Thema Ausdauersport, weitere Informationen folgen)
  • 1./2. Juni 2019, Halle/Saale (direkt nach der asp-Tagung, Link)
  • September 2019, Innsbruck (direkt nach dem Tiroler Tag der Sportpsychologie, Link)

Es besteht Redebedarf

Nach der zweiten Auflage von „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ ist Wencke Schwarz überzeugt, dass das Format auf dem richtigen Weg ist: „Die meisten Barcamps, die ich persönlich kennenlernen durfte, haben genauso angefangen. In der Regel gab es dann ab der vierten Auflage einen großen Teilnehmersprung auf über 100 Personen. Ich bin wirklich gespannt, wie wir das Format weiterentwickeln.“ Fest steht: Es wird mehr Zeit für die Sessions, also die Diskussionen, eingeplant. Vielleicht wird damit der Modus Themenvorschläge auch angepasst. Denn es scheint sicher, dass die Teilnehmer der roten Couch auch in Zukunft Redebedarf mitbringen werden.

Mehr Videos von „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ in Bochum:

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