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Ole Fischer: Optimal aktiviert – Zwischen Anspannung und Entspannung

Es ist Wettkampftag und der Sportler merkt, dass seine Gedanken rasen: „Was kann ich tun, sollte ich, habe ich, könnte ich?“ Es fällt schwer, sein Handlungsziel im Auge zu behalten, wenn der Athlet unter Druck gerät. Deshalb ist es wichtig, das Gedankenspiel und das psychische sowie physische Erregungsniveau nach Belieben regulieren zu können. Ich möchte kurz einige Techniken vorstellen, die Sportler gezielt nutzen, um ihr Aktivierungsniveau ihrer Anforderung anzupassen.

Zum Thema: Gedankenstopp – Die Notbremse ziehen

Wenn die Gedanken sich im Kreis drehen und von der eigentlichen Aufgabe ablenken, rate ich meinen Athleten einen Gedankenstopp anzuwenden. Eine Methode aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Sportler sollen das Wort „Stopp“ aussprechen oder denken und sich dabei ein rotes Stoppschild vorstellen, welches groß vor ihnen erscheint. Damit ist ein „Break“ in ihrem Gedankenstrom und dieser hört erst einmal auf.

Nun ist es wichtig, sich bewusst einem anderen Gedanken zuzuwenden um nicht in dasselbe Muster zurück zu verfallen. Verlangsamtes ein- und ausatmen und ein entspannender Gedanke (z.B. ein besonders befriedigendes Erfolgserlebnis) entschleunigen und helfen dabei, sich wieder auf die eigentliche Handlungsaufgabe zu konzentrieren. Eine verlässliche Methode, für die es aber ein wenig Übungszeit bedarf.

Zum Profil von Ole Fischer: https://www.die-sportpsychologen.de/ole-fischer/

PMR – Vom Körper zum Kopf

Bei der Progressiven Muskelrelaxation entspannt der Sportler bestimmte Muskelgruppen, nachdem er diese zuvor unter einen hohen Spannungszustand versetzt hat. Währenddessen nimmt er bewusst die Entspannung der jeweiligen Muskelgruppe wahr. Die Logik hinter dieser Praktik ist bestechend simpel und dennoch effektiv. Die Methode wurde 1934 von Jacobson entwickelt, der in seinen Studien an der Harvard Universität nachweisen konnte, dass wenn jemand von Ängsten geplagt war, dies immer mit einer Erhöhung des Muskeltonus einher ging. Lockerte man die Muskulatur, nahmen gleichzeitig die wahrgenommenen Ängste ab.

Nicht zu glauben? Achten Sie mal bewusst darauf, wie Sie oder Ihre Sportler sich vor einem Wettkampf verhalten. Einige versuchen, sich bewusst locker zu geben, um so ihre Nervosität im Griff zu halten – nicht allen gelingt es allerdings. In der Praxis werden bei der PMR insgesamt 16 verschiedene Muskelgruppen angespannt und entspannt. Dies geschieht unter der Anleitung eines Sportpsychologen oder einem zertifizierten PMR-Trainer. Das Schöne an der Herangehensweise ist, dass Athleten und Trainern in relativ kurzer Zeit eine effektive Entspannungsmethode vermittelt werden kann.

Autogenes Training – Vom Kopf zum Körper

Den Begriff „Autogenes Training“ hat fast jeder schon einmal gehört. Nur wenige haben wirklich verstanden, was dabei eigentlich passiert. Das autogene Training ist eine Form der Selbstsuggestion (Autosuggestion). Das bedeutet, grob gesagt, ich beeinflusse meinen Organismus mit Hilfe meines Geistes, damit ein bestimmtes Verhalten auftritt.

So kann beispielsweise ein Sportler sich mit dieser Methode in einen konzentrierten Entspannungszustand versetzen, mit dem ihm die Ausführung seiner Handlung besser gelingt. Der Nervenarzt Schultz, der dieses Verfahren entwickelte, unterscheidet dabei die Grund- und die Oberstufe. Die Grundstufe ist die im Sport praktizierte Methode, bei der durch sechs verschiedene Übungen ein Ruhezustand in Entspannung hervorgerufen wird:

  • Schwereübung
  • Wärmeübung
  • Herzübung
  • Atemübung
  • Sonnengeflechtsübung
  • Kopfübung

Geduld, Rat und Tat

Das Autogene Training ist eine sehr lernintensive Methode, die einige Zeit benötigt um sie sicher zu beherrschen. Sie brauchen also etwas Geduld. Außerdem möchte ich dringend dazu raten, mit einem erfahrenen und gut ausgebildetem Sportpsychologen daran zu arbeiten – neben dem nötigen Steuern der Übung kann er auch über eventuelle Risiken informieren.

Wir von Die Sportpsychologen helfen gern. Nehmen Sie Kontakt auf – meine Kollegen (zur Karte) und ich (zum Profil) stehen bereit. 

Mehr zum Thema:

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Sportpsychologie im Langlauf: Immer noch in der dunklen Ecke

“Das Erlebnis hat mich zum Nachdenken gebracht”, gibt Erik Schneider zu. Der Thüringer, seit Frühjahr 2018 Disziplintrainer Ski-Langlauf der deutschen Frauen, spricht von der Junioren WM Anfang des Jahres im schweizerischen Goms. Als Außenseiterteam holte sich die deutsche Staffel mit Anna-Maria Dietze, Celine Meyer, Alexandra Danner und Lisa Lohmann Gold. Schneider, bei der WM noch Juniorinnentrainer: “Vom konditionellen Niveau und der Leistungsstärke war dieser Erfolg wirklich eine Überraschung. Aber wir haben als Team in dieser Woche viele spezielle Erlebnisse gesammelt, die in einer beeindruckenden Leistung mündeten.”

Zum Thema: Sportpsychologie im Langlauf

Schneider feierte mit dem WM-Titel den größten Erfolg im Juniorinnenbereich seit 1999. Offenkundig steht das Staffel-Gold mit weichen Faktoren wie Teamzusammenhalt, Atmosphäre und Erwartungsdruck in Verbindung. Alles Punkte, an denen Schneider mit seinem Peter Schlickenrieder, dem neuen Langlauf-Bundestrainer, arbeitet. Ihnen ist klar, welche Bedeutung – abseits der konditionellen Fähigkeiten – der Kopf im Ausdauersport spielt. Schneider: “Es ist wichtig, das antrainierte Konditionelle zu einem bestimmten Zeitpunkt auf die Strecke zu bringen. Hinzu kommt bei unserem Outdoor-Sport, dass mit einer Reihe von äußeren Einflüssen richtig umgegangen werden muss.”

Demgegenüber ist der Stellenwert der Sportpsychologie im Langlauf aber überraschend klein: Es wird zwar mit einer gut ausgebildeten Sportpsychologin zusammengearbeitet. Aber alles andere als häufig. Grundsätzlich haben die Athletinnen die Möglichkeit, bei “Problemen” oder bestimmten Fragen die vorhandenen Strukturen zu nutzen. Schneider: “Ich gehe davon aus, dass dieses Thema mehr Stellenwert gewinnen wird. Bislang wird es eher stiefmütterlich behandelt.”

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Sportpsychologie. Im Skilanglauf offenbar nicht mehr als ein Nebenkriegsschauplatz

Mut zur Veränderung

Im Langlauf weht ein neuer Wind. Hauptverantwortlich dafür ist Peter Schlickenrieder. Der Bundestrainer ist ein bunter Hund im Sport. Er war selbst 2002 Olympia-Medaillengewinner von Salt Lake City, Fernsehexperte, Unternehmer, Vortragsredner und Motivationsexperte. “Absolut, Peter gibt allen den Mut zur Veränderung. Und damit motiviert er das gesamte Gefüge,” so Schneider.

Seit der Saisonvorbereitung im Frühjahr wird bei den Skilangläufern intensiv mit Workshops gearbeitet. Die Themen sind in den Runden sehr unterschiedlich. Schneider erinnert sich besonders an den Social Media-Arbeitskreis, an dem viele für den Alltag von Trainern und Sportlern relevante Dinge zur Sprache kamen.

Besondere Herausforderungen

Vor besonderen Herausforderungen steht der Trainerstab in dieser Saison durch den Wechsel von Miriam Neureuther (früher Gössner) aus dem Biathlon in den Langlauf. Im Video erklärt er, welche Herausforderungen sich mit dem potentiellen Star im Team verbinden und weshalb die junge Mutter alles andere als ein PR-Gag ist:

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Miriam Neureuther – eine besondere Personalie im Skilanglaufnationalteam?

Mit Miriam Neureuther wird also eher mittelfristig geplant. Wie auch die gesamte Ausrichtung im Trainerstab auf die Heim-WM 2021 in Oberstdorf fokussiert ist. Und es scheint glaubhaft, wenn Schneider sagt, dass auf diesem Weg die Sportpsychologie an Bedeutung gewinnen wird. Der Thüringer: “Die Sportpsychologie hat im Langlauf durchaus noch das Image, dass dies nur jemand braucht, der es nicht hinbekommt. Da müssen wir es in Zukunft ein Stück wegnehmen. Denn es geht ja vielmehr darum, auch mit Hilfe der Sportpsychologie, im Kopf stark zu sein und meine Leistung abzurufen.”

Großes Ziel ist Oberstdorf 2021

Wunderdinge erwartet Schneider für die Saison 2018/2019 trotz der angestoßenen Veränderungen im Nationalmannschaftsbereich kurzfristig nicht: “Im vergangenen Jahr waren wir bei den Damen in der Teamwertung Achter. Und wir werden jetzt nicht über Nacht zur führenden Nationen aufsteigen. Aber wir wollen Entwicklungsschritte setzen.” Das große Ziel ist dann die Heim-WM im Jahr 2021 in Oberstdorf. Dort sollen alle deutschen Langläufer bei jedem Rennen den Zuschauern und sich Freude bereiten.

Auf diesem Weg setzen Schneider und seine Kollegen auf Verunsicherung, wie er es nennt. Schneider: “Ich meine damit, dass wir ganz bewusst nicht nach dem Schema F arbeiten. Wir beziehen die Sportler mit ein, bauen auf Feedback und richten uns in vielen Bereichen neu aus. Wir wollen eine echte Entwicklung anstoßen, um im Ergebnis wieder die Weltspitze zu erreichen.”

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Erik Schneider über die Anwendung der Sportpsychologie im Alltag.

Unsere Experten im Bereich Ski Nordisch:

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Grau, kalt und überraschend schnell vorbei… (Streakrunning-Serie, Teil 12)

war der November mit seinen 30 Tagen, an denen ich weiterhin täglich gelaufen bin. Der „Schnitt“ zwischen dem Laufen in T-Shirt und kurzer Hose (noch Ende Oktober) zum Laufen im „Zwiebel-Outfit“ (3 Lagen Klamotten) kam ebenfalls schnell. Da lagen kaum sieben Tage dazwischen.  

Zum Thema: Streakrunning-Serie, Teil 12

Und ich sitze wieder vor meinem Lauf-Tagebuch und staune. Ich staune über insgesamt 339 Laufeinheiten an 334 Tagen, über 2728 Kilometer dieses Jahr bis jetzt und über 216 Kilometer im November. Das waren bis jetzt 11 Tage, 16, Stunden, 16 Minuten und 29 Sekunden am Stück, wenn man alle Laufeinheiten aufaddiert (siehe Abbildung 1). Ich staune darüber, wie selbstverständlich alles geworden ist und was ich bis jetzt alles in diesem Jahr mit und durch das tägliche Laufen erlebt habe. Und es kommt in der Tat etwas „Melancholie“ auf – denn das Jahr ist ja bald vorbei.

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Abbildung 1: Alle Laufeinheiten im November 2018

Natürlich ist mir das bewusst. Das eine Jahr Streakrunning, dass ich mir vorgenommen habe, nähert sich dem Ende und es ist im Moment ein komisches Gefühl. Werde ich weiter machen? Meine Psyche sagt: „Auf alle Fälle“, mein Körper sagt: „Ach komm, vier- bis fünfmal Laufen pro Woche ist doch auch genug“. Ich schaue mit Spannung auf den 31.12.2018 und bin auch etwas aufgeregt. Warum eigentlich? Weil ich mich freue? Es ist irgendwie, wie der 4. Advent, kurz vor Weihnachten oder wie die letzten zwei Kilometer bei einem Marathonlauf oder die letzten fünf bei einem 100er. Es ist wie der Vorabend zum nächsten Geburtstag oder wie die Woche vor dem nächsten gemeinsamen Urlaub mit meiner Frau. Ein weiterer Entwicklungspunkt wurde erreicht. Und danach geht es eben weiter. Geht es dann wirklich weiter? Und was ist mit der Freude?

Die Suche nach einer Antwort

Ist es die Freude, dass ich dann eventuell ein persönliches, mir bedeutsames Ziel erreicht habe? Oder ist es die Freude darüber, dass ich eine Pflicht, eine Selbstverpflichtung, hinter mich gebracht habe, die mich mitunter auch „eingeschränkt“ hat? Womit also lässt sich das tägliche Laufen mit diesem Vorsatz am besten vergleichen? Das sind alles Fragen, die mich gerade umtreiben. Vielleicht finde ich in den kommenden vier Wochen eine Antwort.   

Bevor ich jetzt zu melancholisch werde, berichte ich lieber noch etwas aus dem Lauf-Monat November. Wer mich auf meiner privaten Facebook-Seite verfolgt, hat sicherlich gesehen, dass ich im Monat November viel „unterwegs“ war. Da stellt sich der eine oder die andere schon mal die Frage: „Wie macht der das denn mit der Lauferei?“ Stimmt, es ist dann nicht immer einfach, aber man entwickelt dann einen Hang zum „unkonventionellen Reisen“. Nein! Ich renne im Zug nicht durch die Abteile! Die Lösung heißt „Turnschuh-Pendeln“. Wobei ich das einen echt blöden Begriff finde, denn die Turner, die ich kenne, haben gar keine Schuhe an, wenn sie sich zu oder auf ihrem Gerät bewegen. Hinter dem Begriff versteckt sich ein Verhalten, was eigentlich jeder „Pendler“ kennt. Man bewegt sich zu seiner Arbeitsstätte und wieder zurück. Das passiert ja bekanntlich häufig mit dem eigenen Auto oder einem öffentlichen Verkehrsmittel. Als Läufer verzichtet man dann einfach auf Teile des öffentlichen Verkehrs. So war ich z.B. im November an der Sporthochschule in Köln unterwegs. Man bucht dann einfach ein Zugticket ohne „City-Option“ und läuft dann eben die paar Kilometer zum Endziel (und wieder zurück). In diesem Fall sind es ziemlich genau sieben Kilometer vom Hauptbahnhof in Köln zur Sporthochschule und ruckzuck hat man mal eben 14 Kilometer auf der Habenseite. Die Wechselklamotten sind im Laufrucksack und da es an solchen „Sport-affinen“ Instituten immer Duschen gibt, ist auch das Hygiene-Problem gelöst (außer für die Zugfahrt zurück nach Leipzig).  

Abbildung 2: Laufen im November
Zum Profil von Prof. Dr. Oliver Stoll: https://www.die-sportpsychologen.de/oliver-stoll/

Motivationale Herausforderung November

Der Monat November ist natürlich immer – gerade motivational – eine Herausforderung und das ja nicht nur für uns Läufer. Die Tage werden kürzer und kürzer. Es ist häufig kalt und nass draußen. Die Welt bereitet sich auf die richtig kalten Tage im Januar und Februar vor. Wir ziehen uns häufig in die warme Wohnung zurück und versuchen unsere „Stimmung“ mit Kerzenlicht und Glühwein aufzuheitern. Aber auch genau für solche Zeiten merke ich gerade, wie wichtig es ist, so etwas wie „Mentales Training“ zu praktizieren. Dass heißt eben, mit Bildern und den richtigen Selbstgesprächen zu arbeiten. Innere Bilder, die ich dann absichtlich erzeuge, sind dann bei mir immer „sonnig und heiß“. Meine Selbstgespräche drehen sich um die Lösung des Problems und sind nicht „Jammern auf hohem Niveau“ über das schlechte Wetter. Das Ergebnis ist dann eigentlich immer gleich: Ich fühle mich nach dem Laufen immer viel wohler als davor.

Der Monat Dezember hat 31 Tage und es stehen noch 275 Kilometer aus, damit ich in diesem Jahr die 3000er-Grenze knacke. Das habe ich das letzte Mal im Jahr 2014 geschafft – dem Jahr, in dem ich Biel gelaufen bin – und das natürlich mit gänzlich anderen „Vorzeichen“ als dieses Jahr. Könnte die 3000er-Grenze dieses Jahr ein (Leistungs-)Ziel für mich sein, oder vielleicht doch eher nicht? Vielleicht es auch völlig egal! Wir werden es sehen….

Die komplette Serie:

Folge 1: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/01/19/prof-dr-oliver-stoll-streakrunning-ist-mentales-training/

Folge 2: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/02/07/prof-dr-oliver-stoll-grenzenlose-gelassenheit-streakrunning-serie-teil-2/

Folge 3: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/03/02/prof-dr-oliver-stoll-die-sinne-schaerfen-sich-streakrunning-serie-teil-3/

Folge 4: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/04/03/prof-dr-oliver-stoll-gefangen-zwischen-leistungsorientierung-und-bauchgefuehl-streakrunning-serie-teil-4/

Folge 5: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/05/02/prof-dr-oliver-stoll-april-der-monat-in-dem-sich-alles-veraendert-streakrunning-serie-teil-5/

Folge 6: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/06/05/prof-dr-oliver-stoll-laufen-im-mai-von-hitze-viel-gruebeln-und-mit-allen-sinnen-geniessen-streakrunning-serie-teil-6/

Folge 7: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/07/02/prof-dr-oliver-stoll-krisenmonat-juni-streakrunning-serie-teil-7/

Folge 8: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/07/30/prof-dr-oliver-stoll-das-ende-streakrunning-serie-teil-8/

Folge 9: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/09/03/prof-dr-oliver-stoll-tierische-instinkte-streakrunning-serie-teil-9/

Folge 10: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/10/02/prof-dr-oliver-stoll-die-rueckkehr-der-gelassenheit-streakrunning-serie-teil-10/

Folge 11: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/01/prof-dr-oliver-stoll-wenn-die-lust-nachlaesst-streakrunning-serie-teil-11/

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Christian Hoverath: Sexualisierte Gewalt – Antworten auf häufig gestellte Fragen

„Es wurden Kinderseelen zerstört“, so titelte die Süddeutsche Zeitung im Oktober über den Missbrauch im US-Turnen. Der Arzt der Turnerinnen, Larry Nassar, hatte über Jahrzehnte teils minderjährige Turnerinnen sexuell missbraucht. Im Zuge der Ermittlungen wurde auch der frühere Chef des Verbandes festgenommen, da er Beweise vernichtet haben soll. Weitere Beispiele über sexualisierte Gewalt im Sport finden sich für den englischen Fußball, den österreichischen Skisport oder den deutschen Reitsport. Sucht man weiter, findet man Ermittlungen gegen Trainer aus kleineren Vereinen oder auch in Elite-Internaten. Mitte November wurde ein Schwimmlehrer zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt.

Zum Thema: Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt im Sport

Ich persönlich setze mich sehr für die Prävention sexualisierter Gewalt im Sport ein und habe in den vergangenen Monaten mit Trainern, Sportfunktionären, Physiotherapeuten und Vereinsvorständen verschiedenster Sportarten und Leistungsklassen zum Thema gearbeitet. Da bei meinen Vorträgen, Workshops und Beratungen einige Fragen wiederkehrend auf den Tisch kamen, möchte ich diese hier gern aufgreifen. Ich bin überzeugt, dass wir das Wissen aus diesem schwierigen Themenfeld so im Sport mit Hilfe des Netzwerks Die Sportpsychologen verbreiten können. 

Wie kann ich sexualisierte Gewalt erkennen?

Es gibt keine eindeutigen Verhaltensweisen, die auf einen sexuellen Missbrauch hinweisen. Selbstverständlich steht nicht hinter jeder Verhaltensänderung ein Missbrauch. Dennoch sollten Beobachtungen zum Anlass genommen werden, einfühlsam zu hinterfragen. Diese können plötzliches, häufiges Fehlen sein, ein Rückzug, auffällige Gewichtsveränderungen in beide Richtungen, aggressives oder depressives Verhalten, auffällige Müdigkeit oder sexualisierendes Verhalten. Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl.

Ist sexualisierte Gewalt im Leistungssport ein Randthema?

Nein. Im Forschungsprojekt SafeSport der Deutschen Sporthochschule Köln machten über 1500 Kaderathlet*innen Angaben zu ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. 37% der befragten Kadersportler*innen waren mit mindestens einem Ereignis sexualisierter Gewalt im Sport konfrontiert. Diese Zahlen entsprechen im wesentlichen bevölkerungsrepräsentativen Befragungen in Deutschland und Europa.

Welche Sportarten sind besonders betroffen?

Die Autoren der oben genannten Studie untersuchten auch die Risiken zwischen den Sportarten, signifikante Unterschiede konnten sie keine feststellen. Dementsprechend gibt es keine Risikosportarten – jedoch auch keine Sportart, die besonderen Schutz bieten würde.

Wie häufig werden Personen zu unrecht beschuldigt?

Die Angst vor Falschbeschuldigungen ist zwar groß, sie ist jedoch auch unbegründet. In die selbe Richtung gehen Äußerungen nach Missbrauchsvorwürfen, die zeigen, wie häufig an ausgesprochenen Beschuldigungen gezweifelt wird. Die Zahlen und Statistiken sprechen jedoch eine eindeutige Sprache. Sie zeigen, dass der Anteil an Falschbeschuldigungen an angezeigten Vergewaltigungen zwischen zwei bis acht Prozent liegt (https://www.vox.com/2015/6/1/8687479/lie-rape-statistics). In Deutschland wird der Anteil auf drei Prozent geschätzt.

Präventation – Machen Sie ihren Verein handlungssicher!

Um Fälle zu verhindern, müssen Grundlagen geschaffen werden. Auch kleinere Vereine müssen erkennen, dass der Sport nicht vor dem Problem der sexualisierten Gewalt gefeilt ist. Je offener der Umgang mit Grenzen und Grenzverletzungen im Verein ist, umso sicherer ist der Verein für alle Beteiligten. Oft hilft ein Workshop oder eine Trainerfortbildung umgemein, Handlungssicherheit zu gewinnen und ein präventives Klima zu entwickeln. Wenden Sie sich an Ihren Landessportbund oder schreiben Sie mich an, wenn Sie weitere Fragen haben.

Zur Profilseite von Christian Hoverath: https://www.die-sportpsychologen.de/christian-hoverath/

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/05/07/mario-schuster-das-tabu-thema-sexuelle-gewalt-im-sport/

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Thorsten Loch: Abstiegskrise – Maßnahmen für den Trainer

Ein Abstiegskampf geht an niemanden spurlos vorbei. Im Fokus stehen dabei nicht selten die Trainer. Denn Im Vergleich zu den einzelnen Spielern besitzt der Trainer den weitreichensten Einfluss innerhalb des Teamgefüges. Er entscheidet über die Aufstellung, Taktik und Umfang sowie Gestaltung des Trainings. Wir sehen also, dass aufgrund seiner Position und Handlungsmöglichkeiten, der Trainer mit seiner Art und Weise im Umgang mit Krisensituationen erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung hat.

Zum Thema: Wie Trainer in sportlichen Krisensituationen handlungsfähig bleiben können

Es erscheint logisch und nachvollziehbar, dass ein Trainer mit immer wiederkehrender Misserfolgserlebnissen wohl eher selten zufrieden mit seiner eigenen Arbeit sein dürfte. Das bedeutet nicht, dass ausschließlich ihm die alleinige Verantwortung für den Ausbleibenden Erfolg zugeschrieben werden darf, jedoch geben sportliche Misserfolgsphasen Anlass, dass eigene Tun kritisch zu hinterfragen. Aus dieser Situation heraus ist es nicht immer leicht, eigene Fehler und damit Verbesserungspotential zu erkennen. Nicht zuletzt, weil Trainer unter einem permanenten Rechtfertigungsdruck stehen (man denke an die Medien, Fans, Spieler, usw.). Zeitgleich sind die Coaches jedoch dazu gezwungen, ihre eigene Position zu stärken – im Hinblick auf drohenden Autoritätsverlust.

Aufgrund des sehr hohen psychischen Drucks und aus der Trainerrolle erwachsende notwendige Vorsicht, bei der Offenbarung von Unsicherheit, sollten Trainer aus meiner Sicht die Hilfe eines externen (sportpsychologischen) Beraters in Anspruch nehmen. Hieraus ergibt sich für sie die Möglichkeit, offen über die Wahrnehmung der Situation zu reden, sich emotional zu entlasten und die Situation auch wieder durch eine neue Brille zu sehen. Der Vorteil eines externen Beraters ist, nicht Teil des Vereinssystems zu sein und damit zunächst einmal frei von jeder Mitverantwortung für die Krisenentstehung. Aus dieser Position heraus ist es der Person möglich, unvoreingenommen über die aktuelle Lage zu sprechen und dem Trainer Rückmeldung zu geben.

Vereinfachung der Taktik trifft auf exzessive Taktikschulung

Die Erhöhung der Handlungssicherheit ist nicht durch einen einzelnen Schritt, sondern durch ein Bündel von Maßnahmen zu erreichen. Hier kann es z.B. hilfreich sein, die spieltaktische Ausrichtung ein wenig zu verändern. Möglicherweise macht es Sinn, sich mehr auf die Basis zu stützen, wie Disziplin, Kampfbereitschaft, Athletik usw. umso wieder an Handlungssicherheit zu gewinnen. An jenem Punkt schließt sich folgender an.

Auch die Umsetzung einer einfacheren Taktik erfordert im ersten Schritt, dass diese von allen Spielern nicht nur verstanden, sondern auch verinnerlicht wird. Idealerweise sollte jeder Spieler ganz genau wissen, welche taktischen Aufgaben von ihm verlangt werden. In diesem Zusammenhang sollte der Trainer seine Ideen/Ziele zum einen handlungsorientiert und schwerpunktmäßig prozessorientiert vermittelt. Diese Vorgehensweise in Kombination bzw. verknüpft formuliert als Teilziele, sollten hier favorisiert werden. Zwingende Voraussetzung ist jedoch, dass der Trainer eine klare Vorstellung von dem Bild besitzt, welches er von dem jeweiligen Spieler fordert.

Wettkampforientierte Visualisierung

Mittels einer wettkampforientierten Visualisierung wird es möglich, dass die Spieler wieder Sicherheit im Kopf gewinnen. Hier können die Spieler in Wettkampfsituationen gebracht werden. Das entscheidende Stichwort ist in diesem Zusammenhang „Handlungsorientierung“. Wenn der Spieler sich in der Wettkampfsituation befindet und genau weiß, wie er zu reagieren hat, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser auch in der realen Situation so agiert.

Die Spieler haben die jeweilige Spielsituation schon einmal durchgespielt und erlebt und dabei die Erfahrung gemacht, aus sie aus ihrer eigenen Stärken heraus diese Herausforderung erfolgreich bewältigen können. Dies gibt Sicherheit in den Köpfen der Spieler. Voraussetzung hierfür ist, dass jeder Spieler ein realistisches Bild von sich und seinen Fähigkeiten besitzt, sowie sich möglichst authentisch/erlebbar in eine Wettkampfsituation begeben kann.

Veränderung der Einstellung gegenüber den Spielern

Anhand wissenschaftlicher Untersuchungen konnte herausgefunden werden, dass Trainer in Krisenzeiten intensiven Ärger gegenüber ihren Spielern entwickeln oder aber einen abwertende-resignative Haltung einnehmen (siehe dazu den Blog von Dr. René Paasch; emotionale Intelligenz). Diesen typischen menschlichen Denkfehler wird auch als „fundamentalen Ursachenerklärungsfehler“ bezeichnet. Dieser beschreibt, dass bei der Erklärung des Verhaltens anderer Personen eher Ursachen gesucht werden, die in der Person selbst liegen, und weniger Ursachen, die in der begründet Situation liegen.

Es ist leichter anzunehmen, dass ein Spieler viele Fehler macht, weil ihm die nötige Qualität fehlt (Ursache in der Person), als anzunehmen, dass die Situation es ihm schwer macht, gut zu spielen (Ursache in der Situation). Dieses Phänomen lässt sich sehr schön nach einem Wochenende beobachten, wenn die Leistungen der Profis in Clubheimen und/oder Kabinen diskutiert werden. Dabei sind Aussagen wie „Die verdienen doch Millionen, dann sollen sie auch Leistung bringen!“ keine Seltenheit, oder? 😉

Praxistipp

Folgende praktische Übung eignet sich hervorragend, um Ärger gegenüber einzelnen Spielern abzubauen. Versuchen Sie es. Folgen sie einfach den aufgezeigten Schritten.

  1. Schließen sie die Augen und nehmen eine angenehme Position ein. Atmen sie tief und gleichmäßig ein und aus. Stellen Sie sich die Person vor, übet die sie sich besonders ärgern. Vielleicht kommen ihnen dabei sofort alle negativen Eigenschaften dieses Spielers in den Sinn.
  2. Nun tun Sie etwas gegen Ihre Gewohnheit: Überlegen Sie, was Ihnen an diesem Menschen gefällt. Positives gibt es bei jedem zu entdecken. Wichtig ist, dass Ihnen irgendetwas einfällt, was Sie an diesem Spieler gut oder auch nett oder sympathisch finden. Versuchen Sie, diesen Spieler so positiv zu sehen, wie es Ihnen möglich ist.
  3. Denken Sie darüber nach, warum und wieso auch dieser Spieler unter der Situation leidet und welchen Beitrag die Krisensituation dazu leistet, dass dieser Spieler nicht sein volles Leistungspotential entfaltet.
  4. Überlegen Sie, wie Sie diesem Spieler dabei helfen könnten, mit seinen Schwierigkeiten fertig zu werden.

Zugegebenermaßen ist die Übung nicht leicht und erfordert ein wenig Mut bzw. erfordert, dass Sie über ihren eigenen Schatten springen. Jedoch lohnt es sich, einmal eine andere Perspektive einzunehmen. Und ehrlich gesagt, ist der Perspektivwechsel nicht eine der Hauptaufgaben eines Trainers? Im Übrigen lässt sich diese Übung sehr gut zu zweit durchführen. Eine Variation besteht darin, dass man für jeden Spieler eine Karteikarte anlegt und die Antworten auf die entstehenden Fragen auf der Rückseite notiert. So können Sie über die Zeit eine Kartei anlegen und die Entwicklung der Spieler immer wieder reflektieren.

Nehmen Sie Kontakt auf: https://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

Teamgeist und Lösungsorientierung

Ist die Verbesserung des Teamgeistes erklärtes Ziel, geht es darum Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Einzelnen enger an die Mannschaft und den Verein binden. Dabei besteht ein wichtiger Faktor in der Qualität der Beziehungen, die die Akteure zueinander haben. Die Cliquenbildung gilt es zu vermeiden. Um diesen gruppendynamischen Prozessen entgegen zu steuern, ist es sinnvoll, Maßnahmen zu realisieren, durch die Sympathie unter allen Spielern gesteigert werden.

Ergebnisse aus der sozialpsychologischen Forschung zur Entstehung von Sympathie zeigen, dass je häufiger und je länger sich Menschen begegnen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich sympathisch finden. Dies hat damit zu tun, dass Menschen nur dann Gemeinsamkeiten feststellen können, wenn sie sich begegnen. Und dieser Faktor ist die Voraussetzung für die Entstehung von Sympathie. Daraus folgt, dass der Trainer Rahmenbedingung schaffen muss, damit die Kontaktfrequenz innerhalb des Teams erhöht wird. Möglichkeiten, wie die Gestaltung der Teamentwicklung gesteuert werden kann, zeigen meine Kollegin Lisa Rückel und ich in unserer laufenden Serie auf:

Die Teamentwicklungsphase Forming:

Mehr zum Thema Abstiegskrise: 

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Janosch Daul: Mentale Einstimmung auf ein Fußballspiel

Ein flaues Gefühl im Magen, ein erhöhter Puls, vermehrtes Schwitzen, sorgenvolle Gedanken… Viele Spieler reagieren vor anstehenden Wettkampfsituationen sowohl kognitiv als auch körperlich besonders intensiv. Spiele sind für viele Fußballer etwas Besonderes. Doch was macht sie so besonders? Und welche Möglichkeiten gibt es für einen Kicker, sich mental einzustimmen, um trotz der besonderen Drucksituation mit Zuversicht ins Spiel zu gehen? In diesem Beitrag möchte ich zwei praktische Verfahren vorstellen.

Zum Thema: Die Besonderheit der Wettkampfsituation

Das Spiel am Wochenende ist für Fußballer das (sportliche) Wochenhighlight schlechthin: Schließlich besteht die Möglichkeit, den Trainern, dem Verein, dem sozialen Umfeld – vor allem aber sich selbst – zum entscheidenden Zeitpunkt zu beweisen, welch großartiger Spieler man doch ist. Doch so verlockend dieser Anreiz für eine Vielzahl an Kickern auch sein mag: Die Besonderheit der Wettkampfsituation mit seinen Charakteristika führt oftmals dazu, dass Spieler ihr wahres Leistungspotenzial nicht abrufen können. Gedanken rund um die Konsequenzen eigener Fehler und einer möglichen Niederlage lassen viele Spieler im Vorfeld eines Spiels nervös werden. Auch die, verglichen mit dem Trainingssetting, veränderten Rahmenbedingungen (z.B. Zuschauerpräsenz, Spiel auf ungewohntem Terrain) können zur Verunsicherung des Spielers beitragen.

Welche Möglichkeiten gibt es für einen Spieler, in Zusammenarbeit mit einem Trainer und/oder Sportpsychologen, sich Sicherheit zurückzuholen? Zwei Verfahren möchte ich nun knapp vorstellen.

Individuelles Motivationsvideo

Eine Voraussetzung für die Erstellung von Motivationsvideos in diesem Kontext ist das Vorliegen von Videomaterial aus vergangenen Spielen. Individuell gestaltete Videos bieten einen sinnvollen Ansatzpunkt, um die Gefühlswelt des Fußballers im Vorfeld eines Spiels positiv zu beeinflussen. Zusammengeschnittene Videosequenzen, die den Spieler erfolgreich in Aktion zeigen, z.B. bei einem erfolgreichen Torabschluss oder einem gelungenen Dribbling, lassen das Selbstvertrauen steigen. Schließlich registriert der Spieler dann, dass er in der Vergangenheit unter ähnlichen Wettkampfbedingungen erfolgreich performt hat, sodass die anfangs möglicherweise etwas bedrohlich wirkende Wettkampfsituation nun weniger einschüchternd wirkt.

Das Motivationsvideo kann zudem musikalisch mit einem Song unterlegt werden, der dem Spieler Kraft und Zuversicht gibt. Auch die Integration eines positiven Selbstgesprächs, eines persönlichen Wettkampfmottos oder die Aufzählung eigener (fußballerischer) Fähigkeiten lässt sich technisch einfach umsetzen. Der Vorteil dieser Technik besteht unter anderem darin, dass der Spieler die Möglichkeit hat, das Video und die damit einhergehenden positiven Emotionen immer und immer wieder abzurufen. Außerdem kann es ohne Probleme in eine Vor-Wettkampf-Routine integriert werden.

Zum Profil von Janosch Daul: https://www.die-sportpsychologen.de/janosch-daul/

Die Erinnerung an frühere Erfolge

Das eben vorgestellte Video kann als Ausgangspunkt für ein weiteres Verfahren dienen, welches zunächst von einem Sportpsychologen oder Trainer zusammen mit dem Spieler erarbeitet werden sollte. Der Kicker wird unter Einnahme einer bequemen Körperhaltung dazu angeleitet, sich bei geschlossenen Augen auf eine ruhige Atmung zu fokussieren. Anschließend richtet er seine Aufmerksamkeit auf einen sportlich besonders schönen oder erfolgreichen Moment, den der Spieler noch vor Augen hat. Nun versucht er, diese Situation detailliert unter Einbezug möglichst aller Sinne nachzuerleben. Dieses mit positiven Emotionen besetzte Erlebnis kann noch verstärkt werden, wenn während der Vorstellung gleichmäßig ein unterstützendes Selbstgespräch geführt wird.

Hat der Sportler unter professioneller Anleitung gelernt, die frühere Erinnerung regelmäßig abzurufen, besteht ein möglicher nächster Schritt für den Spieler darin, diese Vorstellung auch als mentale Einstimmung für das Spiel einzusetzen.

Fazit

Das Reservoir an Möglichkeiten, um sich als Spieler auf ein Spiel mental einzustimmen, scheint unbegrenzt. Von positiven Selbstgesprächen über Musik und schnell wirkenden Entspannungsverfahren bin hin zu Autosuggestionen oder Drehbüchern – der Fantasie sind zunächst keine Grenzen gesetzt. Aber: Wichtig ist für den Sportpsychologen bzw. den Trainer, individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Spielers einzugehen, um ihn bei der Vorbereitung auf die Wettkampfsituation bestmöglich zu unterstützen.

Wenn der Artikel Ihr Interesse geweckt hat und Sie gegebenenfalls weitere praktische Tools kennenlernen möchten, melden Sie sich gerne bei einem meiner Kollegen (https://www.die-sportpsychologen.de/sportpsychologen-nach-sportarten)  oder mir (https://www.die-sportpsychologen.de/janosch-daul/).

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/08/07/dr-fabio-richlan-leistungsdruck-im-training-fuer-den-wettkampf-ueben/

https://www.die-sportpsychologen.de/2016/10/24/thorsten-loch-richtige-worte-fuer-die-pause/

https://www.die-sportpsychologen.de/2016/11/22/dr-hanspeter-gubelmann-let-the-music-play/

Literatur:

Engbert, K., Droste, A., Werts, T. & Zier, E. (2011). Mentales Training im Leistungssport – Ein Übungsbuch für den Schüler- und Jugendbereich. Stuttgart: Neuer Sportverlag.

Schliermann, R. & Hülß, H. (2016). Mentaltraining im Fußball – Ein Handbuch für Trainer, Übungsleiter und Sportlehrer. Hamburg: Feldhaus.

Weigelt, M. & Steggemann, Y. (2014). Training von Routinen im Sport. In: K. Zentgraf & J. Munzert (Hrsg.) Kognitives Training im Sport (S. 91- 116). Göttingen: Hogrefe.

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Johanna Constantini: Augen auf & Smartphone aus – Wann offline sein im Wettkampf wichtig ist!

Im Zeitalter der digitalen Moderne sind wir ständig mit neuen digitalen Helferlein konfrontiert. Auch im Sport bleiben diese nicht aus. Ganz egal ob Fitness-Apps unsere Schritte zählen oder sprachgesteuerte Gadgets uns an die nächste Trainingseinheit erinnern. Moderne Trainingspartner können helfen, uns weiterhin zu motivieren und Leistungen abzuliefern (mehr dazu gibt´s übrigens in meinem nächsten Beitrag). Wann es jedoch Sinn macht, vor allem in der sportpsychologischen Arbeit mit AthletInnen auch und vor allem auf analoge Formen der Kommunikation zu setzen, erfahrt ihr in meinem aktuellen Blog aus der Serie.

Zum Thema: Was moderne Sportpsychologen von sozialen Medien wissen sollten (Teil 10)

Schreib- oder Handschrift ist immer noch die beste Schrift. Durch die Bewegungen, die wir während dem handschriftlichen schreiben ausführen, aktivieren wir unsere Hirnareale und steigern damit die Verarbeitungstiefe, mit der neue Informationen in unserem Gehirn gespeichert werden. Besser als jede andere Schreibform manifestiert die Hand- oder Schreibschrift damit neue Informationen. Bedeutet: Wir merken uns eher, was wir per Hand, als auf einer Tastatur geschrieben haben. Psychiater und Hirnforscher Dr. Manfred Spitzer fasst die Handschrift dabei treffend als „der Weg in unser Gedächtnis“ zusammen. Wann sind also AthletInnen auf den direkten Weg in ihr Gedächtnis angewiesen? Sowohl in der alltäglichen Trainingstagebuch-Routine, wie auch bei ihrer Wettkampfreflexion.

Es lebe die Schreibschrift!

Johanna Constantini, Die Sportpsychologen

„Was lief heute wirklich gut?“ oder „Wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten in Konzentration, Leistung und Emotionsregulation?“, sind nur zwei der vielen Fragen, die man sich bei diesem Prozess stellen kann. Ganz egal womit sich SportlerInnen im einzelnen bezüglich ihrer Trainings- und Wettkampfsituationen beschäftigen, SportpsychologInnen sollten ihre Schützlinge darauf hinweisen, diese Notizen handschriftlich zu verfassen.

Gleich geht`s los – zwei Gründe, warum nur offline in den Wettkampf gestartet werden soll

Zwei weitere wichtige Aspekte der analogen Kommunikation möchte ich heute bezüglich der unmittelbaren Trainings- oder Wettkampfvorbereitung ansprechen. Dabei ist es für moderne SportpsychologInnen wichtig, das Online-Verhalten ihrer SportlerInnen kurz vor dem Start zu hinterfragen. Warum?

Direkt zum Profil von Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Weil das Starren auf Bildschirme die visuellen Fähigkeiten der AthletInnen, wenn auch kurzfristig, stark beeinträchtigen kann. Verbringen SportlerInnen in der Startvorbereitung zu viel Zeit vor einem Bildschirm, kann es zu massiven Überanstrengungen der Augen kommen. Dabei unterscheidet man zwischen visuell-asthenoptische und okulär-asthenoptische Beschwerden. Visuell-asthenoptische Beschwerden betreffen die subjektive Sehbeeinträchtigung wie zeitweilige Kurzsichtigkeit, Doppeltsehen, veränderte Farben, brennende, tränende, gerötete Augen, flimmernde Bilder, Lidflattern (augen.de).

Okulär-astehoptische Beschwerden beziehen sich auf subjektiv empfundene Empfindungen am Auge selbst. Dabei kann es sich um Brennen, Stechen oder Rötungen handeln, die im Training und Wettkampf zu Leistungseinbußen führen können. Als SportpsychologInnen tun wir Gutes, indem wir unseren AthletInnen helfen, ihr Startritual offline zu gestalten, um ihre Augen zu schonen.

Digitale Beeinträchtigung

Doch nicht nur dass, denn auch was den AthletInnen kurz vor ihrem Start inhaltlich an digitalen Medien geboten wird, kann Leistungen beeinträchtigen. Hat etwa der größte Konkurrent gerade ein anderes Turnier gewonnen? Kam es zu Änderungen im Verband, die gewisse Championatsteilnahmen in der kommenden Saison schwerer machen werden? Alle möglichen Informationen, die SportlerInnen in den Minuten vor ihrem Trainings- oder Wettkampfstart ablenken, können negative Auswirkungen auf ihre Psyche und damit die Leistungen haben. Mehr dazu gibt´s in meinen vorangegangenen Blogs aus der Serie Was moderne Sportpsychologen von sozialen Medien wissen sollten.

Grundsätzlich gilt: Smartphone rechtzeitig vor dem Wettkampf aus, um den Blick in vielerlei Form aufs Hier und Jetzt fokussieren zu können!

Die komplette Serie:


Quellen:

www.augen.de

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Die Sportpsychologen werden immer wichtiger

Immer wieder blieben die Passanten auf der Karl-Heine-Straße, der Lebensader im angesagten Leipziger Szene-Viertel Plagwitz, vor den großen Fenstern stehen. „Barcamp?“ „Sportpsychologie?“ „Rote Couch?“ Zugegeben, die Location von „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ am ersten November-Wochenende war etwas speziell. Denn für gewöhnlich finden im „Noch besser leben“ keine Konferenzen, sondern eher experimentelle Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen statt. Aber genau deshalb passt die Örtlichkeit für die Macher des Netzwerkes Die Sportpsychologen bestens in Konzept.

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Weitere Informationen

„Wir gehen gern neue Wege, um unsere Ziele zu erreichen“, sagt Prof. Dr. Oliver Stoll, der gemeinsam mit dem Journalisten Mathias Liebing das Netzwerk Die Sportpsychologen im Juni 2014 gründete. Seither ist die Plattform auf etwa 40 Profilinhaber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angewachsen. Tendenz steigend. 

Inhalte kommen an

Im Fokus der Plattform Die Sportpsychologen stehen Blog-Beiträge, Leitartikel, Insiderberichte und Video-Clips, über die die Profilinhaber über ihre sportpsychologische Arbeit berichten. Prof. Dr. Stoll: „Konkretes Ziel ist es, dass wir mit unseren Inhalten möglichst häufig und in bestmöglicher Qualität Sportler, Trainer, Funktionäre, Unternehmer und Journalisten erreichen und mit dem Thema Sportpsychologie konfrontieren.“

Der Ansatz funktioniert. Inzwischen erreicht die Plattform „www.die-sportpsychologen.de“ im Durchschnitt 17.500 Seitenbesucher und 50.000 Seitenaufrufe pro Monat. Tendenz wiederum steigend. Prof. Dr. Oliver Stoll: „Das Interesse am Thema Sportpsychologie wächst spürbar. Und durch unsere breite Aufstellung über viele Sportarten und über die Ländergrenzen hinweg, werden unsere Inhalte mehr und mehr gefunden.“ Damit nicht genug: Immer häufiger kommt es neben Interview- und Vortragsofferten auch zu Betreuungsanfragen. Dies beginnt bei der Kontaktaufnahme von Eltern von Nachwuchssportlern und reicht bis hin zu professionellen Fußballvereinen. 

Eigene Veranstaltungsformate

Mit eigenen Veranstaltungsformaten wie „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ setzen Die Sportpsychologen immer wieder Reize in ausgewählten Sportarten. Nach dem E-Sport wurden mittlerweile auch der Fußball und der Ausdauersport bedient. „Bei den Veranstaltungen geht es darum, dass wir einen Austausch zwischen den Sportlern, Trainern und Funktionären in der jeweiligen Sportart und unseren Profilinhabern hinbekommen“, erklärt Prof. Dr. Stoll, der im gleichen Atemzug betont, dass diese Events immer auch zum Knüpfen und Vertiefen der Kontakte innerhalb des Netzwerkes genutzt werden. „Und dies wird immer intensiver genutzt, weil wir alle immens voneinander lernen und profitieren können.“ 

Als Konkurrenz zu den Berufsverbänden der Sportpsychologen in Deutschland, der Schweiz oder Österreich treten Die Sportpsychologen nicht auf. „Wir sehen uns vielmehr als Ergänzung zu den Institutionen und Kooperationspartner. Denn der Markt Sportpsychologie entwickelt sich und stellt uns mehr denn je vor ganz neue Fragen.“ 

Aufklärungsbedarf

Durch Unterstützung von Jürgen Walter, einem Profilinhaber von Die Sportpsychologen, der bereits einen Film zum Thema Sportpsychologie produziert hat, wurde im Sommer 2018 eine Interviewreihe gestartet. Redaktionsleiter Mathias Liebing, der unter anderem für klassische Medien wie die ARD Sportschau, das ZDF, DAZN, MDR und die Deutsche Welle über sportpsychologische Themen berichtet, produziert für die Plattform Video-Interviews. Dazu trifft der Journalist gemeinsam mit Profiinhabern auf Sportler, Trainer und Funktionäre und konfrontiert diese mit sportpsychologischen Themen. 

Bemerkenswert: Immer wieder wird in den Gesprächen deutlich, wie wenig ausgeprägt das Wissen um das Thema Sportpsychologie im leistungsorientierten oder professionellen Sport ist. 

Auf Expansionskurs

Die Plattform Die Sportpsychologen will weiter expandieren. Interessierte Sportpsychologen und qualifizierte Mentaltrainer sind herzlich eingeladen, dem Netzwerk beizutreten. Alle Informationen befinden sich hier: https://www.die-sportpsychologen.de/mitmachen/

Gern stehen Fachredakteur Prof. Dr. Oliver Stoll und Redaktionsleiter Mathias Liebing für weitere Fragen zur Verfügung. https://www.die-sportpsychologen.de/wir-ueber-uns/

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Dr. René Paasch: Verführer Jürgen Klopp und wie Trainer von ihm lernen können

Sie führen mehr als 25 Spieler. Müssen sich täglich hinterfragen, stehen dauerhaft unter medialen Beschuss, führen das Funktionsteam und müssen sich mit unterschiedlichsten Kenntnissen, Kulturen und Sprachen arrangieren. Sie tragen die Verantwortung für Erfolge und verlieren ihren Trainerjob, wenn es schlecht läuft. Fußballtrainer sind Führungskräfte mit großartigen Kompetenzen. Diese möchte ich anhand des Beispiels von Jürgen Klopp in dem nun folgenden Beitrag näher erläutern.  

Zum Thema: Was können Führungskräfte von Jürgen Klopp lernen?

Wer erfolgreich führen will, muss wissen, wie er bei seinen Spielern positive Emotionen auslöst. Begeisterung und Leidenschaft sind der emotionale Kraftstoff, der Spieler zu Lust auf Leistung animiert statt mit Druck, Angst und Kontrollzwang zu führen. Jürgen Klopp ist für mich ein wahrer Meister der emotionalen Führung. Er praktiziert den so genannten Rundumführungsstil, der mich stark beeindruckt und in Verknüpfung zum “Full Range of Leadership Model” von Bass und Avolio zu ganz konkreten Deutungsansätzen inspiriert hat.

Klopps Art der Spielerführung verändert deren Einstellung und Werte und entwickelt sie dauerhaft. Aus meiner Erfahrung heraus ergeben sich vier unterschiedliche Kompetenzen, die sich eine Führungskraft (auch außerhalb des Fußballs oder des Sports) aneignen sollte. Ich gehe dabei grundsätzlich davon aus, dass Spieler bestimmte emotionale Grundbedürfnisse haben, allen voran nach Vertrauen und Weiterentwicklung. Werden diese gezielt gefördert und befriedigt, danken es die Spieler mit besonderem Engagement und Leistungsbereitschaft.

Der Rundumführungsstil (Inspiration nach “Full Range of Leadership Model” von Bass und Avolio, 1995)

1. Der persönliche Einfluss

Vielen dürfte nicht entgangen sein, dass Klopp eine ganz besondere Ausstrahlung besitzt und vorlebt, was er von anderen erwartet. Er wird von seinen Spielern als Vorbild akzeptiert und genießt höchsten Respekt. Diese Vorbildfunktion, die auf hohen moralischen Standards beruht, erzeugt ein tiefes Vertrauensverhältnis. Gleichzeitig ist dies die Basis für die hohe Identifikation der Spieler mit ihrem Trainer. Dass die Identifikation mit dem Trainer für die Leistungsentwicklung des Spielers einen entscheidenden Erfolgsfaktor darstellt, belegen meine Erfahrungen und Aussagen von Spielern. Es fallen Aussagen wie: „Er versteht seine Spieler. Ich war bereit, mit ihm durchs Feuer zu gehen,“ oder „Er ist herausragend! Ich habe so viel von ihm gelernt“.

2. Ideengeber

Erfolgreiche Trainer verfolgen eine klare Vision und schaffen es, die Spieler für diese zu begeistern. Sie lösen Ideen und Optimismus aus. Sie geben ihren Spielern herausfordernde Ziele, erklären den tieferen Sinn und machen jedem Einzelnen klar, wie wichtig dessen Beitrag für den Teamerfolg ist. Das ist eines der Erfolgsrezepte von Jürgen Klopp. Seine Spieler berichten, dass sich der Trainer immer wieder viel Zeit nimmt, jedem einzelnen das „Warum“ hinter seinen Anweisungen und Erwartungen zu erklären.

3. Inspiration

Sie regen die kreativen und geistigen Potenziale ihrer Spieler an. Sie wollen, dass sie  eigenständig denken. Sie ermuntern ihr sportliches Umfeld dazu, den Standard kritisch zu hinterfragen, gewohnte Handlungen zu überdenken und neue Lösungswege auszuprobieren. Selber mitzudenken, Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen einzubringen, fördert nicht nur die persönliche Entwicklung, sondern ist gleichzeitig ein Beweis des Vertrauens, dass der Trainer seinen Spielern entgegen bringt.

4. Individualität

Jeder Spieler ist anders. Erfolgreiche Trainer betrachten ihre Spieler nicht als identisches Team, sondern wissen um die Individualität des Einzelnen. Sie kennen ihre Spieler und gehen auf die individuellen Bedürfnisse ein. Sie zeigen glaubhaftes Interesse an jedem Einzelnen und fördern bewusst die individuellen Fähigkeiten. Das wird von den Spielern als Zeichen der Wertschätzung interpretiert und erklärt, wieso sie sich so vehement für ihren Trainer und somit für ihren Verein engagieren. Jürgen Klopp zum Beispiel sagt, dass man den anderen zunächst einmal verstehen müsse, um dann individuell auf ihn eingehen zu können. Klopp wörtlich: „Je mehr man sich um den Einzelnen kümmert, desto mehr bekommt man zurück!“

Die Rundumführung ist demnach weit mehr als einer von mehreren Führungsstilen. Übergeordnetes Ziel ist es, die Entwicklung der Spieler und ihre Eigenverantwortung systematisch zu fördern. Damit steigt der Grad der Selbstbestimmung, eine zentrale Grundlage ohne die Spitzenleistungen nicht möglich wäre.

Direkt zum Profil von Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Zusammenfassung

Spieler wollen gefordert werden, denn tief in unseren Genen steckt der Wunsch nach Verbesserung und Weiterentwicklung. Wenn wir in unserem Sport spüren, dass wir Fortschritte machen und besser werden, dann entwickelt sich die so genannte Selbstwirksamkeit (Näheres dazu https://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paasch-selbstwirksamkeit-im-fussball).

Selbstwirksamkeit fördert genau die kognitiven Eigenschaften, die sich jeder Trainer von seinen Spielern wünscht: hohe Lern- und Anstrengungsbereitschaft sowie ein hohes Anspruchsniveau an sich selbst. Herausragende Trainer prägen die Persönlichkeit ihrer Spieler. Sie wissen, wo sie ansetzen müssen – meine vier Beispiele zum Rundumführungsstil sollen in diesem Zusammenhang all diejenigen Trainer inspirieren, die mit dieser Absicht agieren wollen. Bei Führungskräften, die das nicht verstehen können, hilft vielleicht erst mal eine ganz schlichte Botschaft aus der Welt von Klopp: „Der Trainer schießt keine Tore!“

Hinweis: Ich kenne Jürgen Klopp nicht persönlich, insofern muss ich einige Aspekte aus der Ferne deuten. Aber unter uns: Ich würde wahnsinnig gern mal bei ihm hospitieren. Aber wer nicht?

Mehr zum Thema:


Literatur

Furtner, M.  & Baldegger, U. (2012): Self-Leadership und Führung. Springer Gabler; Auflage: 2013

Bass, B. M., & Avolio, B. J. (1995): MLQ Multifactor Leadership Questionnaire, Leader Form, Rater Form, and Scoring. California. Palo Alto, CA: Mind Garden.

Weiterführende Inhalte:

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Thorsten Loch: Sensible Phase – der Sprung in ein Sportinternat

Bei Rasenballsport Leipzig gibt es eine hervorragende Fußballakademie, welche wenig Wünsche offen lässt. Überall sieht es nach professionellem Fußball aus, es riecht förmlich danach. In diesen Genuss kommen aber nicht alle Nachwuchskicker des Bundesligisten, zumindest nicht über Nacht: Denn für Kids im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, die nicht aus Leipzig und Umgebung kommen, suchen die Rasenballsportler nach Gastfamilien. “Nestwärme”, nannte dies die Leipziger Volkszeitung in einem Text zum Thema (Link). Ich halte diese Vorgehensweise für gut. Warum, will ich im Beitrag beleuchten.

Zum Thema: Karrieresprung oder Rückschritt – Wenn Kinder ihr vertrautes Umfeld verlassen und welche Bedeutung das Betreuungsumfeld im Verein/Verband hat

Der Mensch als bio-psycho-soziales Wesen pendelt sein ganzes Leben lang zwischen den beiden Polen Geborgenheit und Freiheit. Stetig in dem Bestreben ein dynamisches Gleichgewicht zwischen diesen beiden Ebenen herzustellen. Gelingt es diesen Drahtseilakt ausgewogen zu gestalten, wird eine tiefe innere Zufriedenheit erlebt. Andersherum macht sich bei einem Ungleichgewicht ein Unbehagen breit. So stehen Geborgenheit, Zugehörigkeit und Sicherheit auf der einen Seite sowie Freiheit, Unabhängigkeit, Abenteuer und Risiko auf der anderen. Dieses eingangs als dynamisches Gleichgewicht beschriebene Konstrukt – Wörz (2016) spricht in diesem Zusammenhang von Homöostasestreben – wird in jeder Entwicklungsstufe, in jeder Phase der Veränderung zu einem zentralen Thema im Leben eines Menschen.

Dieser Zustand bzw. der fluide Übergang von Geborgenheit zu Freiheit stellt insbesondere junge Menschen/Nachwuchssportler vor große Aufgaben. Nicht, dass sie mich jetzt falsch verstehen, diese sensiblen Phasen sind per se nichts Schlechtes, darin verbirgt sich auch enormes Entwicklungspotential. Wir, ich spreche in hier insbesondere die Eltern, Trainer, Sportpsychologen, Pädagogen an, sind daher gefordert, Jugendliche auf Veränderungen vorzubereiten und ihnen beide Ebenen zu ermöglichen. Denn man bedenke, dass zu viel Geborgenheit in Form von Überbehütung unselbstständig macht. Dies behindert die Entwicklung des jungen Erwachsenen genauso wie das Streben nach Freiheit ohne Grenzen und Halt. Halten wir fest, dass der größte Stress bei Jugendlichen dann entsteht, wenn sie aus dem vertrauten Umfeld „herausgerissen“ und in den neuen Lebensabschnitt (bspw. Sportinternat) unvorbereitet „hineingeworfen“ werden. In diesem Wechsel liegt der sensible Übergang und sollte daher sehr genau geplant, vorbereitet und begleitet werden (Wörz, 2016).    

Zum Profil von Thorsten Loch: https://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

Spannungsfeld der Veränderung am Beispiel Sportinternat

Mit dem Entschluss, in ein Sportinternat zu wechseln, ändert sich für den Heranwachsenden auf einen Schlag viel. Die Jugendliche verlassen ihre Komfort- und Sicherheitszone wie Familie, Freunde, Schule oder gewohntes Trainingsumfeld oft mit Missstimmung und begeben sich mit Ängsten und Sorgen in die so genannte „weiterführende Entwicklungszone“. Es handelt sich dabei um den nicht definierten Raum zwischen Abschließen des Vergangenen und dem Ankommen im Neuen.

Wenn dieser Übergang nicht entsprechend vorbereitet und begleitet wird und nicht aus einer „vertrauten“ Sicherheit agiert werden kann, erleben Jugendliche eine Leere, die unter Umständen mit dem Verlangen (Stichwort Heimweh) und dem Wunsch zurück in die vertraute Zone halt zu suchen. Dieser Schritt steht der psychosozialen und physischen Weiterentwicklung des Heranwachsenden kontraproduktiv gegenüber. Ein Spannungsfeld, das in den Ansätzen der Pädagogik und Psychologie mit Phasen der Labilität beschrieben wird. Die selbstständige Loslösung aus dem Elternhaus bei gleichzeitigem Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit wird an dieser Stelle wieder zu einem zentralen Thema.

Herausforderung des Betreuungssystems

Damit jener Schritt nicht ein Rückschritt wird, sind die Menschen im Umfeld des Nachwuchssportlers gefragt. Wir sind dazu angehalten, die Phase des sensiblen Übergangs zu erleichtern. Dazu sind die nicht definierten Räume zu füllen und die Talente behutsam auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. Denn machen wir uns nichts vor, der Weg vom sportlichen Talent zur Weltklasse kann sich alles andere als einfach gestalten und endet häufig damit, dass die Karrieren „schulisch oder sportlich“ vorzeitig beendet werden. Als geeignetes und bedeutungsvolles Rüstzeug sehen Welensiek (2011) und Potreck-Rose (2009) u.a. ein starkes Selbstwertgefühl und die Faktoren der Resilienz, wie Selbststeuerung, realistischer Optimismus, Lösungsorientierung, Selbstwirksamkeit und Beziehungen gestalten können an.

Was können wir aus dem direkten Betreuungsumfeld aktiv tun, damit die jungen Sportler die nötigen Kompetenzen erlangen, um in dieser Zeit sich entwickeln können? Ob letztendlich die sportliche Qualität reicht, einmal auf Weltklasseniveau agieren zu können, sei an dieser Stelle ausgeklammert. Vielmehr sollten wir den in Betracht ziehen, dass wir die nötigen Rahmenbedingungen schaffen und entsprechende Fähig- und Fertigkeiten den jungen Erwachsenen mit an die Hand zu geben, dass die Möglichkeit der bestmöglichen sportlichen Entwicklung überhaupt möglich wird. Diese Verantwortung sind wir den Sportlern schuldig. Und falls tatsächlich der Sprung geschafft wird und irgendwann einmal Edelmetall um den Hals hängt, dann hat das Betreuungsumfeld viel richtig gemacht. Dies sollte jedoch nicht ausschließlich das erklärte Ziel sein, sondern eher als eine zusätzliche Belohnung für die gemachten Bemühungen angesehen werden.

Fazit

Der Sprung eines sportlichen Talents aus seiner gewohnten Umgebung heraus in ein neues unbekanntes Umfeld, stellt für viele eine enorme Belastung da. Der Wunsch nach Freiheit bei gleichzeitigem Bestreben nach Geborgenheit, ist ein Spannungsfeld in welchem sich die Jugendlichen in dieser Phase ihrer Entwicklung stellen müssen. Damit aus dem Traum nicht schnell ein Alptraum wird, sind die Personen im unmittelbaren Betreuungsumfeld des Jugendlichen gefragt. Ob dies die Trainer, Physiotherapeuten, Pädagogen, Sportpsychologen usw. sind, jene Menschen aus diesem  System des Kindes können ihren Beitrag dazu leisten, damit die sportlichen Talente für jene Phase vorbereitet und begleitet werden. Welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden können, werde ich in dem kommenden Beitrag im Detail beschreiben. Wer sich bis dahin nicht Gedulden kann oder will, jenem sei herzlichst der aktuelle Beitrag meines Kollegen Rene Paasch (https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/12/dr-rene-paasch-emotionale-kompetenz-im-fussball/) an Herz gelegt. Wenn sie sich als Trainer oder Internatspersonal angesprochen fühlen, scheuen sie sich bitte nicht, meine Kollegen (zu den Profilseiten) und mich (direkt zum Profil von Thorsten Loch), anzusprechen. Gern sind wir bei den Entwicklung eines Konzeptes für die Vermittlung der entsprechenden Kompetenz behilflich.

Literatur:

Potreck-Rose, F. (2007). Von der Freude, den Selbstwert zu stärken. Stuttgart: Klett-Kotta.

Wellensiek, K. (2011). Handbuch Resilienz-Training: Widerstandskraft und Flexibilität für Unternehmen und Mitarbeiter. Landsberg: Beltz.

Wörz, T. (2016). Die mentale Einstellung. Wien: egoth.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/12/dr-rene-paasch-emotionale-kompetenz-im-fussball/

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