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Georg Potrebitsch: Freundschaftsdienste sind im Triathlon nur Mittel zum Zweck

Freundschaft im Langdistanztriathlon – einer Individualsportart, in der man viele, viele Stunden im Jahr auf sich allein gestellt trainiert, Wochen in Trainingslagern und auf Wettkämpfen rund um den Globus verbringt  – gibt es das? Und wenn ja, welche Rolle spielt die soziale Unterstützung in dieser Sportart?

Für die-sportpsychologen berichtet:
Christian Hoverath (zur Profilseite)

Einer der es wissen kann, ist der ehemalige Profi Georg Potrebitsch, Deutscher Meister auf der Langdistanz 2011. In seiner Profikarriere von 2009 bis 2015 startete er unter anderem für das 21run.com-Team, aus dem das Power Horse Team und später das Team Sport for Good hervorgingen. Und so treffen wir uns in seiner Heimatstadt Gladbeck zu einem Kaiserfrühstück, um uns über das Thema Freundschaft im Profisport zu unterhalten. Jedoch nicht ohne vorher eine kleine Runde mit dem Kinderwagen zu drehen, in dem sein Sohn seelig schläft: „Die wertvollste Medaille, die ich in meinem Leben gewinnen durfte.“ Offen und ehrlich teilt der sympathische Georg seine Erfahrungen, betont aber auch, dass dies seine Erfahrungen seien. Seit seinem Karriereende habe er nicht so viel über das Thema Freundschaft im Sport nachgedacht wie vor unserem Gespräch.

Freundschaft und Training

Als Triathlet verbringt man viele Monate im Jahr in Trainingslagern und auf Wettkämpfen. Durch die Strukturen von Teams verbringt man zudem viel Zeit mit den Teamkollegen. Entwickeln sich dort tiefe Freundschaften? Oder überwiegen der Leistungsdruck und der Fokus auf die eigenen Ziele?

„Das Mannschaftsgefühl und dessen Darstellung ist viel wichtiger als die Entwicklung enger Freundschaften“ sagt Georg. Er spricht in der Rückschau über sich und den Triathlonprofi an sich als „Sondereinsatzkommando“ und von Robotern. Roboter bräuchten keine Freunde, denn sie funktionierten um Resultate zu erzielen. Sie zeigten wenig bis keine Emotionen und könnten Schmerzen aushalten. Für Freundschaft allerdings seien Gefühle wichtig und so könne sie nur zwischen Menschen und nicht zwischen Robotern entstehen und wachsen.

Damals sei auch er ein Roboter gewesen und es sei normal gewesen zu funktionieren. Die Teamstrukturen hingegen seien wichtig gewesen, um den Druck von den Schultern einzelner zu nehmen. Sie seien nicht gewesen, um Freundschaften entstehen zu lassen. „Freundschaftsdienste“ seien eher Mittel zum Zweck gewesen, wie z.B. um den Teamkapitän in eine gute Ausgangsposition zu bringen. Die Sportler seien Gladiatoren, für die Show zuständig und um das Team zu präsentieren. Nicht um Freundschaften entstehen zu lassen.

Freundschaft und Wettkampf

Georgs Metapher des Sondereinsatzkommandos aufgegriffen, stellt sich auch hier die Frage: Unterstützen sich die Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos im Wettkampf gegenseitig, um ihr gemeinsames Ziel zu erreichen oder zählt das eigene Überleben? Georg greift hier zu einem Beispiel aus der Praxis: „Stellen wir uns vor, dass zwei „befreundete“ Profisportler ein Rennen gemeinsam gestalten und vorn liegen. Einer von beiden weiß, dass er gewinnen kann. Er weiß aber auch, dass sein Mitstreiter das Preisgeld viel dringender benötigt als er selbst. Wie wird er sich verhalten? Möglich wäre es, das Rennen zu gewinnen, Sponsoren und Medien auf seine Seite zu ziehen und das Geld dem „Freund“ zu schenken. Oder aber dem Freund das Rennen direkt zu schenken.“ Problematisch könnte es in diesem Fall für das Ego werden, und das schaffen die Wenigsten. „Ich habe Rennen für andere gestaltet, aber normal ist das leider nicht“, lässt der warmherzige Georg verlauten.

Profisport ist ergebnisabhängig und so ist es fast zu erwarten, dass der Blick der meisten Athleten auf sich selbst gerichtet ist. Auf den Begriff Freundschaft angesprochen gibt Georg nach einiger Zeit zu bedenken, dass er zu aktiven Zeiten immer von Teamkollegen gesprochen habe, dieser Begriff erschien ihm passender. „Neid war, ist und wird immer ein Wegbegleiter im Leistungssport sein.“

Prof. Dr. Oliver Stoll: Laufen macht Freu(n)de

Freundschaften außerhalb des Leistungssports

Dieser Aspekt sei sicherlich einer, der im Sport unterstützend wirken kann, für den jedoch wenig Zeit und Platz bleibe. Schließlich sei der Triathlet darauf gedrillt zu trainieren, zu essen und zu schlafen. Dennoch überrascht es nicht, dass Georg von Freunden an seiner Seite berichten kann, die ihn schon vor der Profikarriere begleiteten. An dieser Stelle zeigt er eine Pyramide auf. Unten, auf dem Hobby- und Amateurniveau, sei noch viel Platz für Freundschaften und Familie. Doch der Rahmen werde enger, je weiter es nach oben geht. Dort sei dann wenig Raum und Zeit für alles abseits des Sports, auch für  Freundschaften. „Nach meinem Karriereende hat mich niemand aus den „Teams“ angerufen, um zu fragen wie es mir geht oder wie mein Leben läuft.“

Georg berichtet, dass seine Frau den Menschen Georg in den Roboter zurück geholt habe und so könne er vieles in der Rückschau klarer betrachten. Und sie ist es auch, die uns nach anderthalb Stunden mit dem Sohn auf dem Arm aus der Triathlonwelt zurück ins Café in Gladbeck holt und dem stolzen Vater ein strahlendes Lachen ins Gesicht zaubert.

Fazit

Überraschende Einblicke in den Profisport – mit Implikationen für sportpsychologische Interventionen. Bekannt ist, dass soziale Unterstützung mit mentaler Gesundheit einhergeht (Lakey & Orehek, 2011) und für Athleten eine große Hilfe bei der Bewältigung von Problemen sein kann (Rees & Hardy, 2000). Zudem scheint eine kooperative Einstellung im Sport einen positiven Effekt auf die Leistung zu haben (Johnson & Johnson, 1985). So stellt sich doch die Frage, ob auch in einer Individualsportart wie dem Triathlon, in der immer mehr Teams entstehen, sinnvoll eingebettete Maßnahmen aus dem Bereich des Teambuildings die Leistungsbereitschaft und Gesundheit positiv beeinflussen können. Wir Sportpsychologen stehen dafür bereit.

Athletenportrait Georg Potrebitsch

Georg Potrebitsch (geb. am 20.03.1984 in Bolschoi Kamen in Russland) war von 2009 bis 2015 Triathlonprofi. Seine größten Erfolge im Triathlon waren Top 4 Platzierungen bei großen Langdistanzrennen in Almere, Barcelona, Taiwan, Frankfurt und Valencia. Nach seinem Karriereende gründete er die Firma Kann-Sport, um sein Fachwissen weiterzugeben.

Mehr Informationen: https://www.facebook.com/KannSport/

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Freundschaft im Profi-Sport

Literatur:

Johnson, D., & Johnson, R. (1985). Motivational processes in cooperative, competitive, and individualistic learning situations. Research on motivation in education, 2, 249-286.

Lakey, B., & Orehek, E. (2011). Relational Regulation Theory: A New Approach to Explain the Link Between Perceived Social Support and Mental Health. Psychological Review.

Rees, T., & Hardy, L. (2000). An examination of the social support experiences of high-level sports performers. The Sport Psychologist, 14, 327-347.

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Sascha Amhof: “Fehler machen einsam”

Jeder Schiedsrichterichter kennt die Einsamkeit, die einen befällt, wenn man auf dem Platz einen spielbeeinflussenden Fehlentscheid getroffen hat. Einsamer mache nur noch, wenn dieser Fehler dann auch medial noch ausgeschlachtet und man mal wieder zum schlechtesten Schiedsrichter aller Zeiten gekürt wird. Sascha Amhof ist einer von aktuell sieben Schweizer FIFA-Referees und weiss, wovon er spricht.

„Selbst wenn es solch (seltene) Momente der Einsamkeit tatsächlich gibt, ist internationaler FIFA-Fussball-Schiedsrichterichter zu sein, eine der schönsten Tätigkeiten, die ich mir vorstellen kann.“, so Amhof. „Beim «Schiedsrichterichtern» verbinden sich mehrere Herausforderungen, die schliesslich motivierend wirken: Es müssen z.B. physische und kognitive Komponenten zu einem optimalen Zusammenspiel gebracht werden. “Ich muss also auch mal Entscheide treffen, während ich völlig ausser Atem bin und das Herz nach einem Sprint gerade 180 Schläge pro Minute anvisiert. Weiter darf ich als Schiedsrichter in einem Team, bestehend aus zwei Schiedsrichter-Assistenten und einem “vierten Offiziellen”, unterwegs sein, mit ihnen zusammenarbeiten und dieses Gruppe anführen.

Freundschaften schließen sich aus

Aber: Sich in schwierigen Momenten einsam zu fühlen, ist ein im Spitzensport und vor allem auch in der Schiedsrichterei kein gänzlich unbekanntes Phänomen. Gerade deshalb ist unsere Leistung auf dem Platz entscheidend von einem professionellen Verhalten geprägt, dass dazu führen soll, möglichst unabhängig und unbelastet richtige Entscheide zu treffen. Dies schliesst für mich die Schiedsrichterei als klassisches Feld für Freundschaften eher aus. Genauso wie echte Freundschaften zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern in einer Firma eher selten sind.“

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Weitere Informationen

„Abschliessend kann man sagen, dass in der Schiedsrichterei sehr viele Leute aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenkommen und dies grosse Chancen für ein fruchtbares Kennenlernen, gemeinsames Lernen und interessante Gespräche bietet. Es ist sogar möglich, dass daraus über die Zeit Freundschaften wachsen. Auch wenn ich nicht genau weiss, wie oft das wirklich vorkommt. Für mich ist diesbezüglich nur eines wirklich sicher: Die Schiedsrichterei hat in mir persönlich einen permanenten Selbstreflexionsprozess ausgelöst. Dieser hat mich in ganz unterschiedliche Ecken meines eigenen Selbst geführt. Mich selber kennenzulernen, mich zu fragen, wie ich führe, welche Vorbehalte oder gar Ängste ich habe und mich meiner innersten Werte bewusst zu werden, sind nur einige der Fragen, die sich im Laufe meiner Schiedsrichter-Karriere gestellt haben. Diesen gehe ich mit der Überzeugung nach, dass wenn Selbstreflexion schonungslos und ehrlich ist, ich daraus sehr viel gewinnen kann: Nicht zuletzt bin ich dabei mit seinen Stärken und Schwächen konfrontiert. Ich musste lernen, an meine Stärken zu glauben und bereit sein, an meinen Schwächen zu arbeiten und diese zu akzeptieren. Dazu gehören wie bei jedem Sportler Zeiten mit Hochs und Tiefs.

Wenig neue Freunde

So kann ich nach fast 17 Jahren als Schiedsrichter von den untersten bis in die obersten Ligen sagen, dass ich trotz viel zeitlichem Aufwand für das Hobby eher wenig wirklich neue Freunde gewonnen habe. Vor allem auch in den einsamen Momenten in meiner Schiedsrichter-Karriere bin ich aber einer Person nähergekommen und habe mit ihr eine ganz besondere, versöhnliche Freundschaft geschlossen: Nämlich mit mir selber.

 

Mehr zum Thema:

http://die-sportpsychologen.ch/2017/02/07/cristina-baldasarre-fehler-und-zweifel-abhaken/

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Cristina Baldasarre: Fehler und Zweifel abhaken!

Sascha Amhof hat in seiner Karriere als Schiedsrichter annähernd 80 Spiele in der Schweizer Super League geleitet und ist seit 2013 internationaler FIFA-Fussball-Schiedsrichter. Im Beitrag spricht er von der Bedeutung des Zusammenhalts unter seinen Kollegen und sein individuelles Rollenverständnis. Amhof erklärt, wie sich bei ihm zu Spielbeginn regelrecht ein Schalter umlegt. In seinem Alltag als Referee, so macht der 36-Jährige deutlich, helfen ihm nicht zuletzt auch sportpsychologische Methoden, um das Wesentliche nicht aus dem Auge zu verlieren: die Objektivität.

Zum Thema: Mit welchen Herausforderungen Schiedsrichter konfrontiert sind und wie die Sportpsychologie sie unterstützen kann

Er weiss aus eigener Erfahrung, dass auf dem Spielfeld ganz spezielle Rollen eingenommen werden müssen, um erfolgreich zu sein: Der Head-Schiedsrichter ist der Team-Chef. Er prägt nicht nur die Zusammenarbeit im Team, sondern trägt schliesslich auch die Verantwortung für alle Entscheide seines Teams. Sein Name und sein Kopf erscheinen nach Fehlern in der Zeitung oder im Fernsehen, unabhängig davon, ob er selber Ursprung des Fehlers war oder ob ein anderes Schiedsrichter-Teammitglied «danebengehauen» hat. Aus dieser Gesamtverantwortung ergibt sich die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit innerhalb des Teams auf eine professionelle Ebene zu stellen. Das beinhaltet gemäss Amhof ein klares Rollenverständnis und gibt Antworten auf Fragen wie beispielsweise: Wer nimmt im Schiedsrichter-Team hierarchisch welche Position ein? Wie unterscheiden sich diese Rollen und Aufgaben und welche Art von Zusammenarbeit ergibt sich daraus? Aber auch ganz konkrete Fragestellungen sind zu beantworten: Was ist das gemeinsame Ziel und wer übernimmt dabei genau welche Aufgaben?

Professionalität bedeutet für Amhof, als Team zusammen zu wachsen, durch dick und dünn zu gehen, und sich dabei als einzelne Person auf dem Fussballplatz zurückzunehmen. Nur so kann er sich voll und ganz auf das gemeinsame Ziel fokussieren. Die Sportpsychologie bezeichnet diese Art von Zusammenhalt als aufgabenbezogene Kohäsion (Carron, 2005). Kohäsion bedeutet „…the total field of forces wich act on members to remain in the group…“ (Festinger, Schachter & Back, 1950). Es ist wie der Klebstoff, der eine Gruppe zusammenhält und macht, dass diese auch zusammenbleibt. Die guten Gründe für das Verbleiben in einem Team können individuell unterschiedlich sein. Bei der Aufgabenkohäsion stehen wie der Begriff schon sagt, die zu erfüllenden Aufgaben im Zentrum. Wie beispielswiese das Erreichen des gemeinsamen Leistungsziels: Das Schiedsrichter-Team strebt an, auf dem Fussballplatz möglichst ideal zu stehen und die Konzentration voll auf die spielrelevanten Punkte zu richten.

Diskrepanz zwischen Training und Ernstfall

Um in der Super League als Schiedsrichter bestehen zu können, sind regelmässige Weiterbildungen Pflicht. Als Ergänzung zu monatlichen Zusammenzügen dient dazu vor allem ein einwöchiges Trainingslager im Winter. Solche Anlässe stärken das Netzwerk und ermöglichen Kontakte zu wichtigen Bezugspersonen wie zum Beispiel zu Ausbildern, Trainern oder Masseuren, aber auch zu anderen aktiven Schiedsrichtern und Schiedsrichterassistenten. Viele dieser Personen hat Amhof im Laufe der Jahre gut kennen und schätzen gelernt. Es sind Leute, die ihm Feedbacks geben oder Anteil nehmen, wenn es einmal nicht optimal läuft. Menschen auch, mit denen er sich fachlich austauschen kann. So bilden sich oft wichtige Kollegschaften oder auch echte Freundschaften, welche auch ausserhalb der Schiedsrichterei gepflegt werden. Dieser Zusammenhalt nennt die Sportpsychologie soziale Kohäsion (Carron, 2005), welche das Mass des „sich gegenseitigen Mögens“ widerspiegelt. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich bei Amhof stark an den gemeinsamen Lehrveranstaltungen entwickelt, ergibt diese soziale Verbundenheit die das Hobby Schiedsrichterei auch mit Freude und Spass erfüllt. Und das ist der Nährboden für das professionelle Auftreten von Amhof am Spieltag selber. Trotz aller Vorbereitungen: Während der 90 Minuten laufen andere Mechanismen als an einem Kurs ab. An erster Stelle steht für die Schiedsrichter, dass anstehende Spiel möglichst fehlerlos zu leiten – im Wissen, dass Fehler bis zu einem gewissen Grad dazugehören. Wie Amhof seine drei Team-Kollegen dann konkret führt und auf das bevorstehende Spiel einstimmt, wie er die Aufgaben verteilt und die Kommunikation auf dem Feld organisiert, hängt einerseits von seinem eigenen Führungsstil ab, andererseits aber auch von der Teamkonstellation der Schiedsrichter.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/02/07/sascha-amhof-fehler-machen-einsam/

Rollt der Ball dann erstmal, schlüpft Amhof in seine Rolle. Das ist damit vergleichbar, wenn er den Lichtschalter aktiv kippt und auf „on“ schaltet. Um dies erfolgreich tun zu können, hilft ihm seine mentale Stärke, die ideale innere Haltung und sein Selbstvertrauen zu aktivieren, um Entscheidungen selbstsicher und gut treffen zu können. Diese beschreibt Amhof folgendermassen: Er hat gelernt, unabhängig seiner persönlichen Meinungen, objektiv und neutral, (möglichst) korrekte und regelkonforme Entscheide zu fällen. Auf dem Feld helfen ihm konkret vor allem kurze Rituale, gekoppelt mit Selbstgesprächs-Techniken und bewusstem Atmen. So hakt er Fehler oder Zweifel sofort ab. Die Devise lautet: immer vorwärts, immer weiter! Für ihn ein Garant, die bevorstehenden Entscheidungen mit klarem Kopf, neutral und kompetent angehen zu können.

 

Sehr interessanter und gut gemachter Imagefilm der Schweizer Spitzenschiedsrichter (Schweizerischer Fußballverband), u.a. mit Sascha Amhof:

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Weitere Informationen

 

Carron, A., H. A. Hausenblas & M. A. Eys (2005). Group Dynamics in Sport. 3rd Ed., Morgantown: Corey Madsen.

Festinger, L. Schachter, S. and Back, K. W. (1950) Social Pressures in Informal Groups: A Study of Human Factors in Housing, New York: Harper

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Dr. Michele Ufer: Wenn Manager laufen lernen

Nun ist es offiziell: vor wenigen Tagen erhielt Dr. Michele Ufer, international gefragter Experte für Sport- & Managementpsychologie, eine besonders erfreuliche Nachricht. Laut Angabe seines Verlags ist das von ihm verfasste Buch „Mentaltraining für Läufer. Weil Laufen auch Kopfsache ist“ das mit Abstand erfolgreichste Mentaltrainings-Buch des Jahres 2016. Es stellt hochwirksame Strategien zum mentalen Training und Selbstcoaching für Läufer, andere Ausdauersportler sowie deren Trainer vor. Die Führungskräfte und Unternehmer unter den Lesern berichten immer wieder, dass die vorgestellten Strategien selbst im Managementalltag wertvolle Dienste leisten. Den Autor überrascht das wenig. Wir haben Dr. Michele Ufer getroffen und nachgefragt.

Herr Ufer, Laufen scheint bei Managern in Mode zu sein und Ihr Buch kommt ziemlich gut an. Wieso?

Irgendwo habe ich neulich mal gelesen, Laufen sei das neue Golfen. Mag sein. In jedem Fall ist Laufen zunächst eines: simpel. Ein technisch einfacher Sport, zu dessen Ausübung es nicht viel braucht, außer ein paar Minuten Zeit. Das ist schon mal praktisch, denn so kann das Laufen relativ problemlos in den vollgepackten Terminkalender integriert werden. Hinzu kommen die mannigfaltigen positiven Effekte des moderaten Ausdauertrainings auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Außerdem gehört es mittlerweile unter Führungskräften fast schon zum guten Ton, einen Marathon absolviert zu haben, denn das wird mit Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Willenskraft, Ausdauer usw. in Verbindung gebracht, die auch im Job entscheidend sind. Nun kommt aber die Krux und mein Buch ins Spiel: obwohl das Laufen eigentlich so einfach ist und viele positive Folgen haben kann, können sich Läufer durchaus gehörig selbst im Wege stehen oder sabotieren. Und sie tun es überraschend häufig, ganz egal, ob sie eher gesundheits- oder leistungsorientierte Ziele verfolgen. Auch die Manager sind davor nicht gefeit.

Woran liegt das?

Sie haben während des Laufens relativ viel Zeit für dysfunktionale Denk- und Verhaltensweisen, die die Zielerreichung unnötig erschweren können, statt sie effektiv und entspannt ans Ziel zu bringen. Es gibt zwar zuhauf Laufbücher und Trainingsratgeber. Diese fokussieren aber meist auf die körperlichen Aspekte des Sports und beinhalten in der Regel keine fundierten Hinweise zu den psychologischen Einflussfaktoren. Das verwundert, denn Sportler wie Manager stimmen eigentlich zu, dass Erfolg immer auch Kopfsache und eine Frage der richtigen Einstellung ist. Genau hier setzt mein Buch an und liefert ein zentrales Puzzleteil für mehr Motivation, Leistung und auch Lebensfreude. Die Ansätze kann man dann über das Laufen hinaus auch für andere Lebensbereiche nutzen.

Beim Laufen fürs Leben und den beruflichen Alltag lernen?

Ganz genau. Der Sport als Metapher für das Business wird nach meinem Geschmack zwar manchmal etwas überstrapaziert. Aber das Laufen ermöglicht quasi in Echtzeit ein unmittelbares Feedback darüber, mit welcher Einstellung ein Mensch an Herausforderungen angeht, wie er sich selbst steuert und wie sich seine Denkweisen und mentalen Strategien auf die Motivation, Leistung und Gesundheit auswirken. Diese Unmittelbarkeit erleben Menschen im Unternehmensalltag sonst eher weniger. Da wird das Laufen schnell zum Blick in den Spiegel der eigenen Selbstführung. Und zum Spielfeld für Experimente: es bietet einen exzellenten, geschützten Raum für das Ausprobieren und Feintuning wichtiger mentaler Strategien, wie sie im Spitzensport vielfach längst etabliert sind, wie z.B. die effektive Emotionskontrolle, Gedankensteuerung, Aufmerksamkeitsfokussierung, Erregungskontrolle, Arbeit mit inneren Bildern, Selbstmotivationstechniken usw.

 

Michele Ufer: Mentaltraining für Läufer

Zum Buch:

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19,95€ zzgl. Versand (Deutschland: 3€, International: 7,50€), Lieferzeit (D) per Deutsche Post: ca. 3-4 Werktage ab Zahlungseingang.

Zielgruppe:
– Läufer & Triathleten aller Leistungsstufen
– Lauftrainer, Personal Trainer, (Sport-) Psychologen, Mentaltrainer
– Nichtläufer, die sich für den Einsatz mentaler Strategien in anderen (Ausdauer-) Sportarten sowie im Beruf und Alltag interessieren

 

 

 

Der Marathon als Personalentwicklungsmaßnahme?

Wenn Sie so wollen, ja, aber wohl eher als informelle Maßnahme. Aber der Gedanke hat seinen Reiz. Laufen ist einerseits unverfänglich, denn es geht ja „bloß“ um unser Hobby. Und es ist andererseits schonungslos, weil es oft überraschend deutlich zeigt, wie wir im Allgemeinen mit uns um- und an Herausforderungen herangehen. Insofern stimme ich dem szenigen Sprichwort zu: Das Leben ist ein (Ultra-)Marathon.

Aber sind denn die Herausforderungen im Sport und Beruf nicht ganz anderer Natur?

Natürlich sind sie das. Zumindest vordergründig. Es macht zwar einen Unterschied, ob wir ein Auto bauen, Krankenhaus führen, eine neue Software programmieren oder im Unternehmen einführen, ein kritisches Meeting abhalten, Einkaufszentrum bauen oder Ultramarathons durch die Wüste laufen. Aber letztlich geht es immer um eines: herausfordernde Ziele möglichst effektiv zu erreichen, indem wir es schaffen, vorhandene Fähigkeiten und Potenziale zuverlässig abzurufen. Es geht darum, stimmige Antworten auf folgende Frage zu finden und im Alltag umzusetzen: Wie können wir unser Erleben und Verhalten so steuern, dass wir ehrgeizige Ziele eine Spur schneller, effektiver oder vielleicht sogar überhaupt erst erreichen und bei alldem auch unsere Gesundheit und Lebensfreude im Blick behalten? Und da sind die Herausforderungen und psychologischen Mechanismen in Sport und Wirtschaft gar nicht so verschieden. Das scheinen viele Leser meines Buches ganz ähnlich zu sehen.

Bücher über Erfolg & Mentaltraining gibt es ja bereits viele. Was macht Ihres besonders?

Ein Grund für den Erfolg meines Arbeitsbuches könnte sein, dass ich keine „Erfolgsgeheimnisse“ propagiere, sondern auf solides Handwerkszeug setze. Ich halte nichts von markigen Motivationssprüchen à la „Wenn du willst, kannst du alles erreichen“ und „No Limits“. Das mag einige Kandidaten kurzzeitig pushen, geht aber in der Regel an der Realität vorbei und kann sogar in den Burnout führen. Wir bringen alle unterschiedliche Ziele, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen mit. Der Leser wird deshalb angeleitet, auf der Grundlage einer psychologisch fundierten Soll-/Ist-Analyse der eigenen Motivation und mentalen Stärken einen individuell passenden Mentaltrainings-Projektplan zu entwickeln und umzusetzen. Dafür werden ihm zahlreiche Methoden an die Hand gegeben, die er für seine Situation und Ziele auswählen und kombinieren kann.

Ein weiterer Grund für die Akzeptanz des Buches mag sein, dass ich die vorgestellten Strategien vielfach in meinen Coachings eingesetzt und bei weltweiten Extrem- bzw. Ultramarathonläufen auch an mir selbst intensiv getestet habe und dabei oder vielleicht besser: dadurch ausgesprochen erfolgreich war. Das erläutere ich anhand vieler Praxisbeispiele. Da kommen der Humor und auch der Blick in andere Bereiche nicht zu kurz, wie z.B. Fußball, Schwimmen oder Schach.

Was genau bedeutet eigentlich mentales Training?

Ursprünglich kommt das Mentaltraining aus der Sportpsychologie und meint die intensive Arbeit mit inneren Bildern und Vorstellungen z.B. zur Bewegungsoptimierung oder Vorbereitung und Antizipation bevorstehender Herausforderungen. Unter Mentaltraining im weiteren Sinne verstehe ich die systematische Entwicklung psychologischer Fähigkeiten, die für den jeweiligen Kontext zieldienlich bzw. entscheidend sind. Einige hatte ich bereits erwähnt. Die positiven Effekte auf Motivation, Leistung, Gesundheit können erheblich sein und sind vielfach wissenschaftlich bestätigt. Gute Gründe also, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

 

 

„Nur die ersten Kilometer läuft der Körper“

 

Über Dr. Michele Ufer

Der Speaker, Coach und Autor Dr. Michele Ufer ist international gefragter Experte für Sport- & Managementpsychologie. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Flow und Leistung unter extremen Bedingungen. Zu seinen Kunden zählen Sportler, Führungskräfte und andere High Performer. Als einer der erfolgreichsten Extremläufer Deutschlands mit zahlreichen Top-10-Platzierungen testet er seine Strategien regelmäßig unter außergewöhnlichen Bedingungen am eigenen Leib, z.B. in der Wüste, dem Regenwald, Himalaya oder am winterlichen Polarkreis.

www.michele-ufer.de

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Miriam Kohlhaas: Bleib hungrig, Mr. Brady!

Sonntagnacht ist es soweit – der NFL Super Bowl steht am 5. Februar vor der Tür. Die halbe Welt schaut zu, während die New England Patriots gegen die Atlanta Falcons im Finale des größten Sportevents der Welt stehen. Und ein Spieler hat die Chance, sich seinen 5. Ring zu holen – Tom Brady, Quarterback der Patriots (Super Bowl Gewinner der Saisons 2001, 2003, 2004, 2014). Einer, von dem wir alle eine Menge lernen können.

Zum Thema: Wie kann es gelingen, über viele Jahre hoch motiviert zu bleiben und trotz großer und wiederkehrender Erfolge niemals satt zu werden?

Im Jahr 2000 wurde Tom Brady in der sechsten von sieben Runden an 199. Stelle gedraftet und war zu Beginn bei den Patriots nur der vierte Quarterback. Seit der Saison 2001 – seinem ersten Sieg im Super Bowl – steht er jedes Jahr auf’s Neue mit seinem Team mindestens in den Playoffs, der Finalrunde zur Meisterschaft. Viermal ist es ihm bis heute gelungen, diesen zu gewinnen. Am Sonntag (ab 23.15 Uhr live bei Sat1 und ProSieben Maxx sowie ran.de) steht er wieder mit seinem Team im Super Bowl.

Aus sportpsychologischer Sicht stelle ich mir, die ich ja im American Football aktiv bin, folgende Fragen:

Wie hat es dieser Tom Brady geschafft, über 16 Jahre dieses wahnsinnige Niveau zu halten?

Was treibt ihn an? Was ist sein Geheimnis?

Warum und wie hat er es geschafft – besonders nach Rückschlägen –  besser denn je wieder zurückzukommen?

Die Antwort liefert er zum Teil selbst – bezeichnend sind die Minuten 14 bis 22:

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Weitere Informationen

Pures Selbstvertrauen

Nachdem Brady in wirklich schlechter Position als 4. Quarterback zu den Patriots kam, stellte er sich dem damaligen Trainerstab mit den Worten vor, dass er „die beste Entscheidung ist, die der Verein jemals getroffen hat“. Eine mutige Aussage, mit Blick auf seine Draft-Position. Aber: Als er es im Jahr 2001 durch die Verletzung des damaligen 1. Quarterbacks Drew Bledsoe die Chance bekam, als Starter aufzulaufen, erklärte er einem seiner Mitspieler, dass er diese Position ab jetzt nie wieder hergeben werde. Er sollte recht behalten.

Ich habe in meiner angewandten Arbeit viele Spieler gesehen, die eine hohe Meinung von sich und ihrer Art zu spielen hatten, dieser Aussage allerdings niemals wirklich Taten folgen ließen. Anders Tom Brady – er hat all das wahr gemacht, was er sich selbst und anderen damals versprochen hat.

Motivation und Volition

Um aus seinem Fall zu lernen, lohnt es sich, unter anderem die Aspekte Motivation und Volition (Wille) oder auch die intrinsischen und extrinsische Motivation in den Fokus zu nehmen. Es scheint, als würde Brady von einer hohen intrinsischen Prozessmotivation, sowie einem internen Selbstverständnis angetrieben. Vereinfacht bedeutet dies, dass er seine Aufgabe um ihrer selbst willen bewältigt – weil sie ihm Spaß macht (z.B. J. und H. Heckhausen, 2010).

Erfolgreiche Sportler sind in der Lage, sich klare Ziele zu setzen und auch zu verfolgen. Gemeint sind hier realistische, aber auch sehr anspruchsvolle Ziele (z.B. Gabler 1995). Diese Sportler haben ein internes Selbstverständnis gemein, bei dem das Leistungsmotiv stark ausgeprägt ist. Es scheint, wie im Falle von Brady, dass diese Athleten eine Idealvorstellung als Leitlinie ihres Handelns verinnerlicht haben.

Nicht nur Super Bowl schauen – aufsaugen!

Lasst uns also den Super Bowl nutzen, um Inspiration zu tanken. Denn das, was Ausnahmetalente wie Brady vormachen, können wir auch für unsere eigene Leistungsoptimierung nutzen. Wer also ein wenig an sich arbeiten möchte, könnte sich in der Super Bowl-Nacht folgende Leitfrage stellen, die ich mit ein paar Hinweisen versehen habe:

Erinnert ihr euch an das Gefühl, als ihr das letzte Mal so richtig hungrig auf sportlichen Erfolgen gewesen seid?

  • Findet es (wieder) dieses Feuer, welches euch antreibt und euch nachts nicht schlafen lässt!
  • Lasst euch nicht eingrenzen von anderen Menschen oder euren eigenen Ängsten und Gedanken.  
  • Arbeitet hart, träumt groß, werdet zu dem, was ihr schon immer sein wolltet!

In diesem Sinne – Bleiben sie hungrig Mr. Brady! Und bleibt auch ihr schön hungrig, all ihr fantastischen Sportler da draußen!

 

Miriam Kohlhaas: Ein Hoch auf die dicken Jungs!

 

Weiterführende Literatur:

Heckhausen, Jutta und Heckhausen, Heinz (2010). Motivation und Handeln. 4. Auflage Berlin

Meyers, D.G. (2004). Psychology. New York

Beckmann, Jürgen und Elbe, Anne-Marie (2011). Praxis der Sportpsychologie: Mentales Training im Wettkampf- und Leistungssport. Spitta Verlag

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Dr. René Paasch: Das Team braucht ein Haus

Kürzlich bin ich über ein Zitat von Norbert Meier, dem neuen Trainer des 1. FC Kaiserslautern gestolpert. Im Kicker hieß es,  dass er von Teambuildingmaßnahmen aus Zeitgründen absehe. Und jetzt kommt`s: „Die Jungs haben alle schon Flöße gebaut oder waren im Klettergarten.“ Ganz ehrlich: Ich weiß um den Druck, der im Profi-Fußball auf dem Kessel ist. Dies mag im besonderen für den Traditionsverein 1.FC Kaiserslautern gelten, der in der Zweiten Liga gegen den Abstieg kämpft, und sicher auch für Norbert Meier, der im Dezember seinen Job in Darmstadt verlor. Geschenkt, dass die Winterpause relativ kurz war und Meier nun als neuer Trainer zum Team stößt. Aber mich ärgern solche Worte, weil aus meiner Sicht das Teambuilding und die Teamführung genauso zum Alltag im Mannschaftssport dazugehört wie das Aufpumpen der Bälle.

Zum Thema: Altmodisches Teambuilding oder ein Leistungsoptimierer im Fußball?

In dem nun folgenden Text, werde ich Ihnen die wichtigen Ansatzpunkte zur Entwicklung und einem kontinuierlichen Teambuilding aufzeigen. Der Begriff „Team“ ist überall im Gespräch. Doch was genau verbirgt sich eigentlich dahinter? Die sprachliche Wurzel des Begriffs „Team“ stammt aus dem Altenglischen und bedeutet „Familie“ und „Gespann“. Was macht aber eine Familie aus? Wir sind miteinander verbunden, wir teilen einen gemeinsamen Namen, wir teilen gemeinsame Überzeugungen und Werte, wir halten zusammen. Und auch der Begriff des Gespanns erzeugt eine klare Vorstellung: Wir ziehen gemeinsam an einem Strang und wir setzen unsere Kräfte an der gleichen Stelle und für das gleiche Ziel ein. In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen einen Leitartikel zum Thema Führung und Teamentwicklung, der Ihnen wichtige sportpsychologische Standards und hilfreiche Tipps für den Trainingsalltag bietet.

Dr. René Paasch: Führung und Teamentwicklung im Fußball

Gemeinsames Haus, gemeinsame Reparaturen

Der ehemalige niederländische Volleyball-Nationaltrainer Joop Alberda beschreibt das Teambuilding wie folgt: „Gemeinsam bauen Trainer und Spieler ein Haus und einigen sich darauf, Reparaturen gemeinsam auszuführen. Man weiß, dass schon mal eine Fliese von der Wand fällt. Aber wir müssen darauf vertrauen können, dass wir alle bereit sind, das Haus instand zu halten. Man muss sich darauf freuen, gemeinsam in dem Haus zu leben. Er erklärt die Sichtweise des Teambuildings anhand einer Pyramide.

Auf trainermedien.dfb.de können Sie diese Pyramide, Fragebögen zur Erarbeitung der Ziele und Strategien, Rollen und Verantwortlichkeiten sowie der Normen und Wertvorstellungen für ihre Mannschaft herunterladen.

Teambuildingmaßnahmen für Sportmannschaften von Jörn Rühl, Diplom-Sportwissenschaftler

Tauchen wir technisch noch etwas tiefer: Rühl beschreibt die Entwicklung einer sozialen Gruppe (Sportmannschaft) mit dem Aspekt der dauerhaften Kooperation. Die Kooperation ist von Nutzen für alle Beteiligten, da diese miteinander arbeiten, eigene, aber auch fremde individuelle Ziele berücksichtigen und sich gegenseitig helfen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Zur Unterstützung entsprechender Gruppenprozesse empfiehlt Rühl auf der Seite des Deutschen Turner-Bundes interessante gruppendynamische Koordinations-, Kooperations- und Vertrauensspiele, bei denen komplexe Aufgaben im Team gelöst werden müssen:

http://www.dtb-online.de/portal/verband/service-fuer-mitglieder/ratgeber-gesundheit/teambuilding-mit-spass.html

Diese  Spiele zeichnen sich insbesondere aus durch die Vermittlung von Spaß, Spannung, Überraschungen, Förderung von Kreativität, Originalität, Fantasie, Schaffung von Vertrauen, Integration, Erfolgserlebnissen sowie flexible Variation von Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten. Darauf aufbauend wies unser geschätzter Kollege Benjamin Göller bereits in seinem Blogbeitrag darauf hin, dass möglichst zeitnah, ein gesundes und intaktes Teambuilding stattfindet sollte, um das Teamgefühl zu verbessern. Ein Blick auf diesen Artikel lohnt sich ebenso:

Benjamin Göller: Eisbrecher Teambuilding

Fazit

Sollten Sie auf den Geschmack gekommen sein, möchte ich noch einmal die Seite Trainermedien.dfb.de empfehlen. Hier finden Sie weitere hervorragende Inhalte für eine dauerhafte Teamentwicklung. Der Vollständigkeit halber möchte ich aber noch anmerken, dass Teambuildingmaßnahmen, ihrer Kreativität keinerlei Grenzen setzen sollte. Die hier genannten Inhalte sollen lediglich Anregungen sein. Jeder Trainer, der erkannt hat, dass das Teambuilding einen wichtigen und langen Prozess darstellt, wird für seine Mannschaft die passende Möglichkeit finden oder sich sportpsychologische Unterstützung holen. Aber ich warne davor, trotz den zeitlichen, finanziellen und strukturellen Zwängen im Profi-Fußballgeschäft diesen Arbeitsbereich vollkommen auszuklammern.

 

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Philippe Müller: Angst lässt sich überwinden

Höhenangst ist weder eine Seltenheit noch wird sie als besonders gravierend erachtet. Spätestens bei der Vierschanzentournee sorgte aber der norwegische Skispringer Daniel Andre Tande für echtes Aufsehen, dessen offenbar ausgeprägte Angst vor der Höhe die mediale Runde machte. Ein existentielles Problem für einen Athleten wie Tande, oder? Nein, viele Athletinnen und Athleten kämpfen in bestimmten (Wettkampf-)Situationen gegen Furcht an. Und zudem gibt es ausreichend Lösungen.

Zum Thema: Wie kann die Angst bewältigt werden?

Angst gehört, wie Freude, Wut oder Ärger, zu unseren grundlegenden Gefühlen. Sie tritt normalerweise als Reaktion auf ein bedrohliches oder unkontrollierbares Ereignis auf. Die Angst führt dazu, dass wir bedrohliche Situationen meiden. Somit erfüllt sie eine wichtige Funktion zum Überleben.

Verliert die Angst ihre Situationsadäquatheit kann sie schnell zum Hindernis werden. In extremen Fällen kann die Angst auch pathologische Ausmasse annehmen. Dabei wird die Angstreaktion als subjektiv unverhältnismässig oder unbegründet eingestuft. Wirft man einen Blick über den Zaun in die Klinische Psychologie, sind zwei Bereiche der phobischen Störungen für die Sportpsychologie relevant. Zum einen ist dies die spezifische Phobie. Diese richtet sich gegen bestimmte Stressoren wie zum Beispiel Gegenstände, Tiere, enge Räume oder auch Orte. In der Folge kommt es häufig zu Vermeidungsverhalten. Und zum Anderen stellt die soziale Phobie einen interessanten Gegenstand der Sportpsychologie dar. Das Kernmerkmal ist die übermässige Angst vor negativer Bewertung in leistungsbezogenen Situationen. Die Sporttreibenden, welche unweigerlich solchen Situationen ausgesetzt sind, werden deshalb andauernd mit dem daraus resultierenden Druck konfrontiert. Fehlen ihnen die entsprechenden Strategien, um damit umzugehen, kann sich der ausgelöste Stress in einer Wettkampfangst manifestieren.

Selbstverständlich ist es in vielen Situationen übertrieben von einer pathologischen phobischen Störung zu sprechen. Dennoch bewirken die Ängste, dass die Leistung negativ beeinträchtigt wird und das Wohlbefinden abnimmt. Grund genug, Massnahmen zur Bewältigung der Angst zu ergreifen.

Wie äussern sich Angstreaktionen?

Angstreaktionen äussern sich auf unterschiedliche Weise. Die Stärke und Häufigkeit sind dabei sehr verschieden. Angst kann auf der kognitiven, der somatischen und der Verhaltensebene betrachtet werden. Auf der kognitiven Ebene sind es vorwiegend negative Gedanken, die im Zusammenhang einer als bedrohlich wahrgenommenen Situation entstehen. Diese führen dazu, dass das Selbstbewusstsein abnimmt und die Vorstellung zu versagen aufkommt. Auch geht durch die störende Denkweise die Konzentration auf das Wesentliche verloren. Es fällt schlussendlich schwer, aus dem Strudel der negativen Gedanken zu entkommen.

Angst löst nicht nur auf der Gedankenebene spezifische Reaktionen aus. Ebenso können bei Furcht somatische Veränderungen festgestellt werden. Klassisches Beispiel dafür sind das plötzliche Ansteigen des Pulses und des Blutdrucks, das Aufkommen von schwitzenden Händen, der trockene Mund und das flaue Gefühl im Magen, bis hin zu Muskelverkrampfungen und Zittern. Der Körper reagiert auf die gefährliche Situation, indem er sich auf die Flucht oder den Kampf vorbereitet (fight-or-flight response).

Das Zusammenspiel der negativen Kognitionen mit den somatischen Reaktionen manifestieren sich letzten Endes auch im Verhalten. So werden beispielsweise bestimmte (Spiel-)Situationen bewusst gemieden, oder lediglich zaghaft angegangen. Auch die Körpersprache passt sich den vorherrschenden Gedanken und körperlichen Bedingungen an. Der Körper fällt etwa ein, der Augenkontakt wird vermieden oder an den Fingernägeln gekaut.

http://die-sportpsychologen.ch/2016/01/07/dr-hanspeter-gubelmann-wenn-angst-mitfliegt/

Welche Strategien zur Angstreaktion gibt es?

Wie bereits oben erwähnt, treten die Angstsymptome auf den drei Ebenen in unterschiedlichem Masse auf. Je nach deren Ausprägung lassen sich Anknüpfungspunkte zur Angstbewältigung festmachen. Um der Höhenangst zu entgegnen, setzt Daniel Andre Tande auf eine einfache Ablenkungstechnik: „Ich versuche dann aber einfach nur in die Ferne zu starren.“

Die Ablenkungstechnik kennzeichnet sich durch die Aufmerksamkeits- und Konzentrationslenkung in eine andere Richtung. Durch den Blick in die Ferne wird die Höhe nicht mehr derart bedrohlich wahrgenommen. Die Angstreaktion vermindert sich oder bleibt ganz aus.

Negative Denkmuster verdrängen

Nebst der Ablenkungstechnik gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Angstzustände zu bewältigen. Mit positiven Selbstgesprächen kann auf der kognitiven Ebene, den negativen Gedanken entgegnet werden. Sie verfolgen das Ziel, durch Zureden die negativen Denkmuster zugunsten von Positiven zu verdrängen und so gleichzeitig das Selbstwertgefühl zu stärken.

Auch auf somatischer Ebene gibt es Möglichkeiten, den übermässigen Erregungszustand zu regulieren. Mittels dem bewussten Ein- und Ausatmen kann der Puls gesenkt und die Anspannung reduziert werden. Atmen Sie dazu tief ein, halten die Luft für eine Sekunde an und atmen anschliessend wieder entspannt aus.

Weitere Möglichkeiten

Ebenfalls sind Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation geeignete Mittel, ein entspannteres Aktivierungsniveau zu erreichen. Und zu guter Letzt gibt es Möglichkeiten, auf der Verhaltensebene anzusetzen. Eine positive Körperhaltung, diese äussert sich durch eine aufrechte Position mit gestärkter Brust, führt zu einem besserem Selbstbewusstsein und einer positiver Grundstimmung.

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/05/21/thorsten-loch-abstiegskampf-wie-angst-leistung-beeintraechtigt/

Literatur:

Perrez, M. & Baumann, U. (2005). Lehrbuch Klinische Psychologie – Psychotherapie (3., vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Verlag Hans Huber.

Alfermann, D., & Stoll, O. (2010). Sportpsychologie: Ein Lehrbuch in 12 Lektionen (3., überarbeitete Auflage). Aachen: Meyer & Meyer.

Externer Hinweis:

Zum Thema engagiert sich eine spannende Plattform, schaut gern mal vorbei: https://starkauchohnemuckis.de/kind-hat-angst-vor-lauten-geraeuschen/

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Jürgen Walter: Gegen Oma verlieren?

Ein Fall aus der sportpsychologischen Praxis: Ein Tischtennisspieler (2. Bundesliga) antwortet auf die Frage, warum er Rat bei einem Sportpsychologen sucht folgendes: „Beim letzten Spiel stand es bei einem Spielstand von 2:2 im fünften Satz 10:2 für mich und ich habe den Satz 10:12 verloren. Als es nur noch 10:6 stand konnte ich kein Tischtennis mehr spielen, ich hätte sogar gegen meine Oma verloren!“

Zum Thema: Gut sein, wenn´s drauf ankommt – Verbesserung der mentalen Stärke

Nehmen wir den Sportler wörtlich und überführen wir ihn bezüglich seiner Denkfehler:

  1. Er konnte bei 10:6 noch Tischtennis spielen,
  2. Er hätte seine Oma besiegt!

An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig das positive Denken beim sportlichen Erfolg ausmacht. „Der Gedanke versetzt Berge“, sagt ein Sprichwort, und ein alter chinesischer Philosoph wusste schon „Nicht das Ereignis macht das Problem, sondern die Gedanken, die ich mir bezüglich des Ereignisses mache“, aber was konkret macht nun das „positive Denken“ aus?

Das positive Denken

Bleiben wir beim Tischtennisspieler, der feststellt, dass sein Vorsprung von 10:2 auf 10:6, 10:7, 10:8 geschmolzen ist. Er kann sich jetzt schwach reden und den Gegner stark oder sich auf die aktuelle Situation konzentrieren und hinter sich lassen, was noch vorhin war „Was fott es es fott“ sagt der Kölner (für nicht Kölner: „Was fort ist ist fort“). Es bringt also nichts, sich mit dem Vergangenen zu beschäftigen, ebenso wenig bringt es etwas, zu versuchen, nicht an den nächsten Fehler, nicht an die drohende Niederlage zu denken – versucht mal ganz fest, nicht an einen rosa Elefanten zu denken! Vielmehr sollte sich mein Fokus auf das richten, was als nächstes ansteht (Annahme, Aufschlag) oder was ich als nächstes – in Abhängigkeit der Aktionen des Gegners – versuchen werde (Block, Topspin, kurzer Stoppball etc.). Hier helfen folgende Überlegungen, um seine Gedanken zu kontrollieren:

  1. Sind meine Gedanken realistisch oder beschäftige ich mich mit Vermutungen oder Befürchtungen?
  2. Helfen mir meine Gedanken, mein Ziel zu erreichen, also das Spiel positiv zu Ende zu bringen?

Der Gedankenstopp

Stelle ich als Spieler fest, dass mir meine Gedanken wie in dem geschilderten Beispiel eher schaden als nützen, kann der Spieler den „Gedankenstopp“ verwenden. Ich erkläre meinen Gedanken quasi, dass sie stören und zur Seite gehen sollen und beschäftigte mich wieder mit meinen Stärken, lasse z.B. blitzschnell meinen letzten großen Sieg vor meinen Augen abfahren. Schon Albert Ellis sagte ich in den 60ger-Jahren in seiner A-B-C-Theorie, dass nicht das Ereignis (A = Activity) das Problem, also eine Konsequenz ergibt (C = Consequence), sondern die  Bewertung des Ereignisses, also die Gedanken (B = Beliefs).

Also: Selbst bei einer 2:1 Führung und einem Spielstand von 10:6 „beschummele“ ich mich und sage mir: „Noch hast Du nicht verloren, versuche wenigstens den nächsten Ball sicher und gut zu spielen!“ und auch bei einen 2:2 Satzstand und einem 10:10 Spielstand ist quasi – unabhängig von gesamten Spielverlauf – „nichts passiert“. Der mental starke Spieler freut sich auf die Entscheidung, glaubt an seinen Sieg und spielt die Bälle – technisch sauber – „wie im Training“.

 

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Weitere Informationen

Die 65-minütige DVD „Alles geschieht im Kopf“ von Jürgen Walter gibt es hier zu bestellen: www.walter-sportpsychologie.de

 

Literatur:

Eberspächer, Hans (2008). Gut sein, wenn´s drauf ankommt – Erfolg durch mentales Training. München, Deutschland: Carl Hanser

Gilbert, Brad; Jamison, Steve (1997). Winning ugly – Wie man bessere Gegner schlägt. Lüneburg, Deutschland: Zu Klampen

Railo, Willi (1986). Besser sein wenn´s zählt – Wege zum Erfolg in Sport und Beruf. Tübingen, Deutschland: Pagina

Walter, Jürgen (2016). 65-min. DVD zur Praxis der Sportpsychologie „Alles geschieht im Kopf“  www.walter-sportpsychologie.de

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Dr. René Paasch: Priming im Fußball

Sind unsere Gedanken und Verhaltensweisen, die wir Tag für Tag als Sportler fällen, nur von unserer bewussten Entscheidung abhängig oder werden sie womöglich in hohem Maße vom Trainer beeinflusst? Richtig, ein Trainer kann eine ganze Menge beeinflussen. Liebe Trainer, vielleicht können Sie sogar intensiver auf ihre Spieler einwirken als sie es bis hierhin denken. Also, lesen Sie den Text, probieren Sie es aus und geben Sie mir Feedback!

Zum Thema: Taktische Vorgaben schneller lernen mit Priming?

Unter Priming versteht man eine Beeinflussung des Denkens, dass ein bestimmter vorangegangener Reiz die Denk- und Verhaltensweise bei einer darauf folgenden Reaktion beeinflusst. Bei dem Reiz kann es sich um ein Wort oder ein Bild handeln. Dieser Vorgang läuft unbewusst ab und kann je nach Art des Priming Gedächtnisleistungen verbessern. Das Gehirn legt beim Priming Spuren an und bereitet so Ihr Unterbewusstsein auf kommende Ereignisse vor. Durch einen Reiz werden in Ihrem Gehirn Gedächtnisinhalte aktiviert und diese lösen aufgrund früherer Erfahrungen und Erlebnisse, spezifische Verbindungen aus. Testen Sie selbst? Antworten Sie auf die nun folgenden Fragen schnell und ohne lange nachzudenken:

Welche Farbe hat Schnee?
Wie ist die Farbe eines Brautkleides?
Welche Farbe haben Schneeglöckchen?
Was trinkt die Kuh? 

Trinkt Ihre Kuh auch Milch? Dann hat das Priming gut funktioniert. Die Fragen haben Sie auf die Farbe Weiß eingestimmt. Überrascht? Dann freuen Sie sich nun auf die folgenden Inhalte: Das Priming-Konzept hat viele verschiedene Ausprägungen. Die Wirkungsweise des Priming-Effekts beschränkt sich nicht nur auf das Abrufen von Wörtern und Gedanken, sondern kann auch Auswirkungen auf ein gezeigtes Verhalten haben. Der sogenannte Florida-Effekt (Bargh, 1996) ist ein berühmtes Beispiel für diese Wirkung. Werden Menschen mit vielen Begriffen konfrontiert, die sich um das Wort „alt“ drehen, dann wirkt sich das auch ganz unbewusst auf das Verhalten dieser Menschen aus. Sie bewegen sich beispielsweise langsamer und schwerfälliger. Diese Beobachtung bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass der Priming Effekt auch zur positiven Beeinflussung des eigenen Verhaltens genutzt werden kann. Ein weiterer Effekt ist das semantische Priming.

Das semantische Priming

Dieser Priming-Effekt zeichnet sich durch die Aktivierung von begrifflichen Assoziationen, zum Beispiel durch die Aktivierung über Bilder oder Wortfelder aus. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass die Verarbeitung eines Begriffes, die Verarbeitung eines sich anschließenden Begriffes beeinflusst. Wenn diese Beziehung besteht, kann der vorangegangene Reiz bewirken, dass der nachfolgende schneller verarbeitet wird. So kann beispielsweise der Begriff „Raute“ schneller verarbeitet werden, wenn zuvor das Wort „Taktik“ vernommen wurde. Der Grund dafür, liegt im Aufbau unseres Wortgedächtnisses. Unser semantisches Gedächtnis ist ein neuronales Netzwerk, welches über ein riesiges Lexikon verfügt. Collins und Loftus bezeichnen dies als Knoten. Diese Knoten sind in einer assoziativen Verbindung und bilden einzelne Konzepte. Wird eines dieser Konzepte aktiviert, werden auch andere mit diesem Konzept aufgerufen. Eine weitere Beobachtung des semantischen Priming ist es, dass ein Konzept, welches bereits zuvor einmal aktiviert wurde, beim zweiten Aufruf deutlich schneller gefunden und aktiviert wird. Das semantische Priming kann sehr hilfreich sein, um taktische Vorgaben oder Neuerungen zu steigern. Doch wie kann das Priming in der sportlichen Praxis effektiv genutzt werden? Dazu möchte ich Ihnen zwei praktische Anwendungen anbieten:

Assoziationen als Verbindungsmaschine

Mit der Hilfe von Assoziationen können Sie sich taktische Vorgaben und Traineranweisungen besser einprägen. Eine Möglichkeit dies zu tun, ist das gedankliche „Voreinstimmen“ auf eine gegnerische Mannschaft und die damit verbundenen taktischen Vorgaben. Halten Sie sich ganz bewusst vor Augen, welche taktischen Vorgaben von Ihnen erwartet werden und visualisieren Sie das Thema. Haben Sie bereits in der Vergangenheit taktische Vorgaben erlernt, die in Zusammenhang mit diesen Dingen stehen, dann vergegenwärtigen Sie sich noch einmal diese Spielsituationen. Der Priming-Effekt sorgt dann schon vor dem Beginn des eigentlichen Lernens dafür, dass die entsprechenden sportlichen Konzepte im Gehirn aktiviert werden. Schon das Aufschreiben von themenverwandten Punkten vor der Umsetzung, kann die Aufmerksamkeit steigern. Ebenfalls kann das Visualisieren komplizierter Spielsituationen dazu beitragen, sich das Erlernte besser zu merken. Sie führen sich die Spielsituationen  sozusagen noch einmal vor Augen und verbinden so verschiedene Reize miteinander. Es gibt noch viele weitere Übungen, die die eigene Gedächtnis Leistung steigern können. Eine weitere Möglichkeit in das Wortspiel und Sätze bilden vor einem wichtigen Spiel.

Erfolg primen

In einer interessanten Studie von Stajkovic (2006) wurden Versuchsteilnehmer aufgefordert, aus einzelnen Wörtern viele unterschiedliche Sätze zu bilden. In der Experimentalgruppe wurden hierbei Erfolgswörter wie „gewinnen“, „erfolgreich sein“, „Wettkampf“ präsentiert. Die Kontrollgruppe erhielt für die gleiche Aufgabe dagegen neutrale Wörter wie „Schildkröte“, „grün“, „Lampe“. Im Anschluss wurde den Teilnehmern eine weitere Aufgabe gegeben, unter dem Vorwand, dass diese nichts mit der eigentlichen Studie zu tun hätte. Hierbei handelte es sich um eine kreative Aufgabe, in der es darum ging, aus einem Stück Draht unterschiedliche Dinge zu entwickeln. Hierbei zeigte sich, dass die Experimentalgruppe, die durch die Erfolgswörter geprimt worden war, bessere Ergebnisse erzielte. Diese Ergebnisse können Sie für Ihr Team nutzen. Fordern Sie Ihre Mannschaft vor einem wichtigen Spiel auf, aus einzelnen Wörtern möglichst viele unterschiedliche Sätze zu bilden. Wie bspw. die Erfolgswörter „gewinnen“, „erfolgreich sein“, „Wettkampf“, „Teamgeist“. Im Anschluss lassen Sie Ihre Spieler die gewohnten Vorbereitungen für ein Punktspiel machen, unter dem Eindruck, dass diese nichts mit der eigentlichen Übung zu tun hätte. Probieren Sie es aus und lassen Sie mich wissen, ob diese Technik funktioniert hat. Meine Kontaktdaten finden Sie rechts neben dem Text oder auf meiner Profilseite: http://www.die-sportpsychologen.de/profile/Rene%20Paasch/ 

Fazit:

Wer die Funktion des Gedächtnisses versteht, kann dies zum eigenen Vorteil nutzen. Das Priming ist ein hoch wirksamer Effekt, der Sportlern jeden Alters helfen kann, die eigene Gedächtnisleistung zu verbessern. Der Leistungssport bedingt sich schon seit längerer Zeit dieses Effekts und konnte damit gute Ergebnisse erzielen. Dein Kopf ist eine pausenlose Verbindungsmaschine und was du assoziierst bestimmt deine Emotionen, dein Verhalten und beeinflusst deine Leistungsfähigkeit.

 

Literatur

Bargh, J. A., Chen, M., & Burrows, L. (1996): Automaticity of social behavior: Direct effects of trait construct and stereotype priming on action. Journal of Personality and Social Psychology, 71, 230-244.

Meng Zhang & Xiuping; L (2012): From Physical Weight to Psychological Significance. The Contribution of Semantic Activations. Journal of Consumer Research.

Stajkovic, A.D, Locke, E.A. Eden S. Blair, E. S. (2006): A First Examination of the Relationships Between Primed Subconscious Goals, Assigned Conscious Goals, and Task Performance. Journal of Applied Psychology 91, S. 1172-1180

 

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Game, Set and Match – Switzerland!

Bei den Australian Open kommt es im Halbfinal zu einem besonderen Leckerbissen. „King Roger“ gegen „Stan-the-man Wawrinka“. Das Schöne an dieser Affiche erwähnte Roger Federer bereits in einem TV-Interview: «ein Schweizer wird sich für den Final qualifizieren!» Welcher von beiden es sein wird, darüber wird an den Stammtischen eifrig diskutiert. Ja, auch über die mentalen Aspekte dieses Gipfeltreffens wird medial debattiert. Ein schönes Beispiel dazu findet sich in der Sportberichterstattung des Tagesanzeigers. Das Fazit scheint schnell gezogen: Der mental stärkere Spieler wird in Australien nach dem Pokal greifen.

Zum Thema: Das Duell zwischen Federer und Wawrinka in Melbourne aus sportpsychologischer Perspektive

In der „pro-und-contra-Debatte“ der Autoren Simon Graf (pro Wawrinka) und René Stauffer (pro Federer) wird schnell klar, dass beide Sportler gewichtige Argumente ins Feld führen können, um den Match zu gewinnen. Graf attestiert Wawrinka jene Raubtier-Mentalität, die gepaart mit mentaler Stabilität, hoher Leidensfähigkeit, Entschlossenheit und grossem Selbstvertrauen zum finalen Absch(l)uss führen wird – etwa so, wie es der Slowene Martin Klizan im Startspiel schmerzhaft erfahren musste. Roger Federer – eh Inbegriff des mental starken Tennisspielers – soll der emotionale Höhenflug eines rundum geglückten Comebacks nach schwieriger Verletztungsphase und die wiedererwachte Lust am Siegen zurück auf den Thron führen, verkündet Kontrahent Stauffer. Allseits wird ein ausgeglichenes „Duell auf Augenhöhe“ erwartet, Prognosen seien unklar, wie auch der CH-Davis-Cup Coach und Federer-Trainer Severin Lüthi (lachend) einräumt: „Es ist schwierig vorherzusagen. Ich lasse mich überraschen“.

Ziel muss sein: das Spiel dominieren!

Konkreter äusserst sich der Tennisexperte Lüthi in seiner Aussage, welcher Weg zum Ziel führen werde: „Beide werden versuchen, ihr Spiel aufzuziehen. Der Platz ist schnell, beide werden versuchen, die Partie selber zu entscheiden, und nicht auf die Fehler des anderen warten. Die Marschrichtung wird für beide nach vorn sein.“ Was er meint: beide werden versuchen, mit ihren Stärken das Spiel zu prägen. Da der druckvoll agierende „Puncher“ Wawrinka gegen den aufs Tempo drückende Federer.

Entsprechend werden die beiden Spitzensportler ihre präferierten Vorbereitungsmassnahmen treffen. „Jeder macht sein eigenes Programm“ wird Lüthi zitiert, obwohl die Voraussetzungen schon speziell erscheinen. „Sie sind ja in der gleichen Garderobe… Aber ich bin manchmal selber überrascht, wie die beiden am Matchtag normal zusammen reden. Es geht sehr lange ziemlich relaxt zu.“!

Der Umgang mit den eigenen Emotionen wird entscheiden!

Was dann folgen wird, nach der Phase des „Relaxt-Seins“, hat 110m-Hürdenlauf-Star Colin Jackson einmal mit einer originellen Beschreibung illustriert. In seiner Wettkampf-Vorbereitung sah er sich in seiner Vorstellung, wie er als „Alltagsperson“ eine Telefonkabine betrat und diese anschliessend als „heisser Wettkämpfer“ verlies. Der Amerikanische Sportpsychologe James Loehr nimmt diesen Punkt auf, wenn er von Real- und Wettkampf-Ich spricht. Er meint damit insbesondere den Umgang mit den eigenen Emotionen und vergleicht den Spitzensportler mit einem Star-Schauspieler (Loehr 1996, S.37): „Um Bestleistungen zu erbringen, müssen sie auf Kommando die im Skript vorgeschriebenen Emotionen aufleben lassen. Der Schlüssel dafür liegt in der Entwicklung ausgefeilter darstellerischer Fertigkeiten.“

Was in der angewandten Sportpsychologie früher häufig unter Emotionskontrolle und –regulation – „dann wenn’s zählt“ – verstanden wurde (vgl. Hanin 1997, 2000), hat sich jüngst verstärkt in Richtung „Mindfulness“ und achtsamkeitsbasierter Interventionstechniken weiterentwickelt (vgl. Bernier et al. 2009). Diese Übungen richten sich insbesondere auf die aktuelle, nicht-wertende Wahrnehmung psychischer Zustände („es ist okay, dass ich jetzt nervös bin“), wodurch eine Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und die Reduktion der Wettkampfangst ermöglicht würde.

Der Tennisverband erntet die Früchte

Wenn im bevorstehenden Tenniskrimi Wawrinka vs. Federer auch die Tennisnation Schweiz gewinnen wird, so liegt der Grund des Erfolgs nicht nur bei diesen beiden Spitzenkönnern. Es ist auch ein Erfolg von Swiss Tennis und ihrer über viele Jahre gewachsenen Ausbildungsstrukturen. Ein Schwerpunkt dieser Förderung betrifft die mentale Förderung ihrer Nachwuchsspieler. Swiss Tennis setzt auf professionelles Knowhow. Ausbildungsverantwortlicher ist Sportpsychologe Jürg Bühler, der zusammen mit seinem Team eine frei zugängliche Broschüre „Player Development – Grundlagen Psyche“ entwickelt hat. Diese Lernhilfe dient auch der interessierten Interclub-Tennisspielerin als Anleitung zur Selbsthilfe!. Eben – Game, Set and Match, Switzerland!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Swiss Tennis-Broschüre „Player Development – Grundlage Psyche“ zum Download: https://www.swisstennis.ch/sites/default/files/playerdevelopmenta4_grundlagenpsyche_d.pdf

 

Quellen:

Loehr, J.E. (1996). Die neue mentale Stärke. Sportliche Bestleistungen durch mentale, emotionale und physische Konditionierung. BLV: München u.a.m.

Hanin, Yuri L. (1997). Emotions and athletic performance: Individual zones of optimal functioning model. European Yearbook of Sport Psychology, 1, 29-72

Hanin, Y. L. (2000). Emotions in sport. Champaign, IL: Human Kinetics.

Bernier, M., Thienot, E., Codoron, R., & Fournier, J.F. (2009). Mindfulness and Acceptance Approaches in Sport Performance. Journal of Clinical Sports Psychology, 4, 320-333.

http://www.tagesanzeiger.ch/sport/tennis/wer-greift-nach-dem-pokal/story/30984585

http://www.tagesanzeiger.ch/sport/tennis/wenn-wir-verlieren-dann-am-liebsten-gegen-stan/story/10360167

https://www.swisstennis.ch/sites/default/files/playerdevelopmenta4_grundlagenpsyche_d.pdf

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