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Dr. René Paasch: Selbstvertrauen im Fußball

Unter Huub Stevens-Nachfolger Julian Nagelsmann werden Fabian Schär, Mark Uth und Andrej Kramaric zu Leistungsträgern (rnz.de) der TSG Hoffenheim. Ihre Entwicklung hat unter anderem mit Selbstvertrauen zu tun. Die Frage, die auf Basis des Beispiels für viele Fußballer und Trainer interessant sein kann, lautet also: Lässt sich Selbstvertrauen „trainieren“? Ich nehme diesen Ball auf und erkläre anhand von praxisrelevanten Tipps, wie Fußballer/innen ihr Selbstvertrauen verbessern können.

Zum Thema: Was ist Selbstvertrauen und wie kann ich dieses verändern?

Das Selbstvertrauen ist im Leistungssport Fußball die zentrale Größe, die dazu beiträgt, dass Trainer und Athleten ihre Leistung zum geforderten Zeitpunkt abrufen können. Das Konzept des Selbstvertrauens oder auch die „Selbstwirksamkeit“ stammt aus der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura (1986). Selbstvertrauen bedeutet, dass jemand die Überzeugung besitzt, dass seine eigenen Fähigkeiten ausreichen, um eine Handlung zielgerichtet und erfolgreich durchführen zu können. Dies wurde mehrfach im Sport nachgewiesen (Barling & Abel, 1983; Lee, 1982; Eberspächer, 2007, 2008; Hermann, 2006; Short et. al., 2005).

Aus den Studien lässt sich ableiten, dass das Konzept des Selbstvertrauens der wichtigste Punkt für die kontinuierliche Leistung ist. Erst ein über Jahre hinweg aufgebautes Selbstvertrauen, lassen den Trainer und Sportler Souveränität ausstrahlen. Beim Selbstvertrauen handelt es sich um einen Personenbezug, der als situativer, zeitlich variabler Zustand verstanden werden kann. Selbstvertrauen kann sich jedoch auch in bestimmten Umständen zeigen. Wenn in verschiedenen Lebensbereichen Selbstvertrauen ausgestrahlt wird, z. B. in der Freizeit und im Sport, dann sprechen wir von einem dispositionales Selbstvertrauen. Selbstvertrauen kann sich jedoch auch in bestimmten Situationen zeigen. Dies bezeichnet man als situatives Selbstvertrauen. Fußballer/innen z.B. erwecken normalerweise den Eindruck, dass sie ein großes dispositionales Selbstvertrauen haben. Wenn ihr Team im Entscheidungsspiel ins Elfmeterschießen muss, kann ihr situatives Selbstvertrauen jedoch plötzlich sinken. Auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, mit eigenen Fehlern und Misserfolgen umgehen zu können, richtet unseren Blick auf das wesentliche des sportlichen Wettkampfes.

Zu geringes und zu hohes Selbstvertrauen

Fußballer/innen mit wenig Selbstvertrauen beschäftigen sich eher mit ihren Schwächen, anstatt sich auf ihre Stärken zu besinnen. Sie denken häufig über die Konsequenzen des Wettkampfes nach (Lageorientierung: Was wird die Presse über mich schreiben oder was denkt der Trainer oder die Zuschauer von mir u.v.m.). Die Handlungsfähigkeit- und orientierung wird dadurch gestört und die individuellen Fehler steigen.

Die andere Seite wäre dann ein überhöhtes Selbstvertrauen. Dies wäre eine Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit. Um ein optimales Selbstvertrauen aufzubauen, braucht man eine gute Eigen- und Fremdwahrnehmung, Erfahrungen, stellvertretende Erfahrungen, handlungsförderliche Selbstgespräche, konditionelle Fähigkeiten, regelmäßige Rückmeldungen des Trainers und den nötigen Respekt vor jeder gegnerischen Mannschaft. Demgegenüber ist das kollektive Selbstvertrauen, also die Überzeugung jedes einzelnen Mannschaftsmitglieds, eine Aufgabe zusammen bewältigen zu können. In diesem Zusammenhang zeigt eine Studie an zehn Football-Teams, dass die Teamüberzeugung einen nachhaltigen Zusammenhang hinsichtlich erzielter Leistungen aufweist (Feltz, Short, Sullivan 2008).

Führungsperson ist wichtiger Schlüssel

Wie ist es nun möglich, individuelle Kompetenzen zu bündeln und daraus kollektive Kompetenzen einer Mannschaft zu entwickeln? Feltz, Short und Sullivan (2008) benennen dazu folgende Punkte: Zusammenhalt innerhalb einer Mannschaft, das Klima im Team, Umgang miteinander, behutsame und zurückhaltende Steuerung und Moderation dieses Prozesses durch die Führungsperson. Diese und andere Beispiele zeigen sehr deutlich, dass das individuelle und kollektive Selbstvertrauen, eine zentrale Rolle spielt, für erfolgreiches situatives Agieren. Weitere praktische Anregungen zur Steigerung des Selbstvertrauens finden über die beiden folgenden im text hervorgehobenen Links:

Sebastian Reinold: Haben auch Trainer Gefühle?

Erklärungsmuster

Die Erwartungen auf zukünftige Erfolge bzw. Misserfolge sind auch geprägt von persönlichen Erklärungsmustern bzw. Ursachenzuschreibungen (Weiner, 1996). Entscheidend für das Selbstvertrauen sind nicht die objektiven Ursachen für einen Sieg oder eine Niederlage, sondern die eigenen Erklärungen für die Ursachen der Erfolge bzw. Misserfolge. Es werden vier Erklärungsmuster unterschieden, die sich aus den beiden Faktoren Kontrolle und Stabilität ergeben. Bei dem Faktor Kontrolle können Erfolge und Misserfolge auf äußere Umstände (z.B. schlechte Schiedsrichterleistung) oder auf das eigene Handeln (z.B. schlechte körperliche Verfassung) zurückgeführt werden (externale vs. internale Kontrolle). Im Bereich der Stabilität können die Ursachen bei zeitlich veränderlichen Einflüssen (z.B. Zufall oder Pech) oder bei stabilen Faktoren (z.B. fehlendes Talent) gesucht werden. Das Selbstvertrauen wird dadurch begünstigt, wenn Erfolge auf eigene Fähigkeiten (stabil-internale Ursachenzuschreibung) und Misserfolge auf die äußeren Zustände (variabel-externale Ursachenzuschreibung) zugewiesen werden.

Besonders schwierig für das Selbstvertrauen ist es, wenn man seine Misserfolge den stabilen internalen und die Erfolge den variablen externalen Faktoren zuschreiben. Fußballer/innen mit solchem Erklärungsmuster sind in der Regel von einem schwachen Selbstwertgefühl geprägt. Aber: Die inneren Einstellungen und die damit verbundenen Ursachenzuschreibungen sind nicht angeboren (und das ist die gute Nachricht), sondern wir erlernen sie im Laufe unserer Entwicklung. Das sportliche Umfeld ist somit ein prägendes Lernumfeld. Und deshalb können Trainer und Mannschaftskollegen ihnen helfen, förderliche Erklärungen für Leistungen zu lernen.

Das Phänomen  „Selbstbehinderung“

Eine weitere mögliche Konsequenz persönlicher Erklärungsmuster ist das Phänomen  „Selbstbehinderung“ (Chen, Lin, Kee, Shui, 2009). Bei der Selbstbehinderung handelt es sich um ein Verhalten, das eigene Leistung untergräbt, um später eine Ausrede für die Niederlage zu haben. Selbstbehinderndes Verhalten ist eine Folge des Misserfolgs, um ein eventuelles Versagen dann auf diese Leistung zurückführen zu können. Das Versagen kann also der Selbstbehinderung zugeschrieben werden und die Selbstachtung bleibt geschützt.  Achten Sie immer wieder mal auf die Aussagen Ihrer Schützlinge. Sie werden überrascht sein, was Ihre Spieler/innen für Selbstbehinderungen an den Tag legen.

Dr. René Paasch: Selbstwirksamkeit im Fußball

Fazit:

Dieser Beitrag sollte Sie bestärken, ihre Spieler/innen in ihrem Selbstvertrauen voranzubringen. Viele Hindernisse existieren in den Köpfen ihrer Spieler/innen. Das ist der Ort, wo Sie  eingreifen können und sollten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Selbstvertrauen zu stärken, angefangen von individuellen Erklärungsmuster, eigene Erfahrungen, Erkennung von inneren Gespräche und vielen mehr. Starten Sie heute noch mit dem Training und stärken Sie ihre Mannschaft.

 

Literatur

  1. Bandura, A. (1986). Social foundations of thought and action: A social cognitive theory. Englewood Cliffs, NJ: Prentice–Hall.
  2. Barling, J., & Abel, M. (1983). Self-efficacy beliefs and tennis performance. Cognitive Therapy and Research, 7, 265-272.
  3. Cheek, J. M. & Hogan, R. (1983): Self-concepts, self-presentations, and moral judgements. In
  4. Chen, L. H., Chen, M., Lin, M., Kee, Y. & Shui, S. (2009): Fear of failure and selfhandicapping in college physical education. Psychological Reports, 105, 707-713.
  5. Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. 7. durchgesehene Neuauflage. München: Copress.
  6. Eberspächer, H. (2008). Gut sein, wenn´s drauf ankommt. Erfolg durch Mentales Training. 2. überarbeitete Auflage. München: Carl Hanser.
  7. Feltz, D. L.; Short, S. E.; Sullivan, Ph. J. (2008): Self-Efficacy in Sport. Champaign: Human Kinetics.
  8. Hermann, H.-D. (2006). Psychische Belastungsreaktionen im leistungsorientierten Fußball – Übersicht und Trainingsmöglichkeiten. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 57 (5), 138- 141.
  9. Suls & A. G. Greenwald (Hrsg.), Psychological perspectives on the self (S. 249-273). Hillsdale: Erlbaum.
  10. Lee, C. (1982). Self-efficacy as a predictor of performance in competitive gymnastics. Journal of Sport Psychology, 4, 405-409.
  11. Short, S. E., Tenute, A. & Feltz, D. L. (2005). Imagery use in sport: Mediational effects for efficacy. Journal of Sport Sciences, 23(9), 951-960.
  12. Stoll, O., Pfeffer, I. & Alfermann, D. (2010). Lehrbuch Sportpsychologie. Bern: Hans Huber Verlag.
  13. Weiner, B. (1996): An attributional theory of motivation and emotion. Springer, New York 1986

Internet:

http://www.rnz.de/sport/1899hoffenheim_artikel,-Fussball-hat-sehr-viel-mit-Selbstvertrauen-zu-tun-_arid,185262.html

 

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Cristina Baldasarre: Zur Bedeutung der Familie

Tanja Odermatt lebt für das Eiskunstlaufen. Sie steht seit über 17 Jahren auf dem Eis und tut alles, damit ihr Traum in Erfüllung geht. Vor gut einem Jahr verliess sie dafür ihr zu Hause und zog nach Bergamo/Italien, wo sie nun trainiert und lebt. Eine schwere Bänderverletzung des Fussgelenks zwang sie zu einer sechsmonatigen Pause. Nun kämpft sie sich aufs Eis zurück.

Zum Thema: Wenn Sportler sich entscheiden müssen

Tanja stand schon als Zweieinhalbjährige im Kinderkurs regelmässig auf den Schlittschuhen; Laufen lernte sie sozusagen auf dem Eis. Das gefiel ihr viel besser, als das langweilige Zuschauen beim Training ihrer Schwester. Seither konnte sie einige Erfolge feiern: Den Schweizermeistertitel Jugend U13 und Nachwuchs U14. Weiter war auch der Schweizermeistertitel in der Kategorie Elite im Jahr 2016 ein wichtiger Höhepunkt. International durfte sie in den Jahren 2014 und 2016 an den Europameisterschaften teilnehmen und wichtige Erfahrungen sammeln. Ein weiteres, unglaubliches Erlebnis waren die Europäischen Jugend Winter Spiele 2013 (EYOF), welche sie mit einem sehr guten 6. Rang beenden konnte.

Nach dem Schweizermeistertitel in der Elite im vergangenen Jahr sowie der Teilnahme an den Europameisterschaften war es für Tanja schnell klar. Sie erkannte, dass „…es unmöglich ist, im Eiskunstlaufen gleichzeitig eine gute Ausbildung sowie Spitzensport zu betreiben, denn 21 Stunden Arbeit, ca. 24 Stunden Training und gleichzeitig noch zur Schule zu gehen, war für mich zu viel, was sich Ende Saison auch in meinen Leistungen widerspiegelte.“

Im Fokus: critical incident

Erkenntnisse wie diese nennen wir einen critical incident (McAteer, Hallett & Murtagh, 2010). Damit sind diejenigen Momente im Leben gemeint, die persönlich als relevant und wegweisend eingestuft werden und somit eine Person dazu bringen, neue Wege einzuschlagen.

Tanja stand Anfangs 2016 genau an so einer Gabelung, sie beschäftigte sich also mit der Frage: Wie sollte es in den nächsten Jahren mit dem Eiskunstlaufen weitergehen? Mehr investieren? Oder weniger und die Ausbildung vorantreiben? Oder….? Oder….? Sie erstellte Listen mit Pros und Contras und malte sich die Zukunft in die eine aber auch in die andere Richtung aus. Zusammen mit ihrer Trainerin sowie dem Rest ihres Umfeldes entschied sie sich dann, voll und ganz auf die Karte Sport zu setzen. Sie wurde dabei von allen Seiten unterstützt, allen voran von ihrer Familie. Und die Schule erlaubte ihr sogar, einen unbefristeten Unterbruch einzulegen: Die Ausbildung wird sie später fortsetzen und abschliessen können, egal in welchem Alter. Für das Eiskunstlaufen ist aber JETZT die wichtigste Zeit gekommen.

Impact sozialer Unterstützung

Diese Entscheidung mit so viel Überzeugung und Optimismus treffen zu können, das erfordert viel Mut, Entschlossenheit aber auch soziale Unterstützung. Die Studien zu letzterem haben in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Wir alle verstehen diesen Begriff der sozialen Unterstützung: Es sind diejenigen Informationen, die eine Person ihrer sozialen Umgebung entnimmt und die dann zu drei relevanten Überzeugungen führen (Cobb, 1976):

1. dem Gefühl emotionalen Rückhaltes,
2. der Wahrnehmung entgegengebrachter Wertschätzung und
3. dem Wissen, zu einem Netzwerk zu gehören.

Auch Cassell stellte bereits 1976 in einer Untersuchung fest, dass soziale Unterstützung meist als Schutzfaktor betrachtet wird, der in den unterschiedlichsten Lebensbereichen die Auswirkungen stresshafter Belastungen abmildert. Unter anderem auch durch die Stärkung des Immunsystems. Neben der sozialen Unterstützung konnte sich auch der Begriff des sozialen Netzwerks etablieren, der vor allem die Struktur des Systems rund um eine Person erklärt. Dieses soziale Netzwerk eines Menschen bestimmt mit, welche Spielräume hinsichtlich Verhalten und sozialer Interaktion möglich sind.

Blick in die Sportlerseele

Lesen Sie hier den Insiderbericht von Tanja Odermatt. Der Text beschreibt, wie sich die junge Athletin fernab ihrer Heimat zurechtfindet, welche Herausforderungen gemeistert wurden und was ihr dabei am meisten geholfen hat.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/02/23/tanja-odermatt-fuer-ihren-traum-muss-sie-kaempfen/

 

Literatur:

Cassel J (1975) Social science in epidemiology: Psychosocial processes and „stress“ theoretical formulation. In: Struening EL, Guttentag M (eds) Handbook of evaluation research. Sage, Beverly Hills, pp 537–549.

Cobb S (1976) Social support as a moderator of life stress. Psychosom Med 38: 300–314.

McAteer, M., Hallett and F. Murtagh, L. (2010) Achieving your Masters in Teaching and Learning. Exeter: Learning Matters. Available from: http://lib.myilibrary.com?ID=272528.

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Tanja Odermatt: Für ihren Traum muss sie kämpfen

Tanja Odermatt ist ein grosses internationales Eiskunstlauftalent. Die Schweizer Meisterin aus dem Jahr 2016 entschied sich für eine Profi-Laufbahn und wechselte in das Team von Franca Bianconi im italienischen Bergamo. Dort erlitt sie im Oktober 2016 eine Bänderverletzungen und kämpft nun wieder um den Anschluss.

Für die-sportpsychologen.ch berichtet:

Tanja Odermatt

Nachdem der Entschluss gefasst war, mich auf den Leistungssport zu konzentrieren, stellte ich mir eine der wichtigsten Fragen in meinem bisherigen Leben: Wo sollte ich zukünftig als Profisportlerin leben? Wo würde das Gesamtpaket Betreuung für mich am optimalsten sein? So viele Fragen und Möglichkeiten! Schliesslich entschied ich mich für eine Testwoche im Team von Franca Bianconi in Bergamo/Italien: Diese Testwoche im IceLab übertraf all meine Erwartungen und ich wurde gleich vom Team aufgenommen. Dann ging alles sehr schnell: Eine Woche später war ich nach Bergamo umgezogen und wohnte dort zuerst in einer Art Jugendherberge, bis ich zusammen mit einer anderen Läuferin eine Wohnung gefunden hatte.

Ziel Olympische Winterspiele

So ging ich nach Italien, ohne genau zu wissen, was mich alles erwartete. Das einzige was ich wusste war, dass ich ab diesem Moment meinen Traum leben durfte! Endlich konnte ich mich ganz auf meine Leidenschaft konzentrieren und alles aus mir „heraus kitzeln“. Ich wollte wissen, wie weit ich es bringen würde. Jedenfalls war ich meinem Kindheitstraum, an den Olympischen Winterspielen teilnehmen zu können, einen grossen Schritt näher gekommen.

Meine Familie hat für mich immer schon eine sehr grosse Rolle gespielt. Sie stand zu jeder Zeit hinter mir und dank ihnen kann ich diesen Sport überhaupt ausüben. Allen voran haben mich meine Eltern schon von klein auf immer unterstützt und neue Möglichkeiten gefunden,  um mich zu fördern: gutes Trainerteam, finanzielle Unterstützung, lange Anfahrten oder sich nach meinem Trainingsplan richten waren/sind nur die wichtigsten Eckpfeiler. Aber auch der Support meiner Schwester ist für mich unglaublich bedeutsam gewesen. Selber Eiskunstläuferin, bringt sie stets ein anderes Verständnis für meine Situationen auf. So habe ich jemanden zum Reden, um Rat zu suchen, zum Herumalbern und die Seriosität des Leben für einen Moment vergessen zu können, jemanden der einen antreibt wenn man das Ziel nicht mehr sieht und und und….! Meine Schwester ist für mich wunderbar und macht das Leben um einiges einfacher und vor allem viel Schöner. Meine ganze Familie ist sowieso mein grösster Fan. Das ist unendlich kostbar und aus diesen Gründen spielt meine Familie eine unglaublich grosse Rolle.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/02/23/cristina-baldasarre-zur-bedeutung-der-familie/

Die neue Welt

Kurz nach meinem 19. Geburtstag zog ich also nach Bergamo. Ich hatte gemischte Gefühle auf meiner Reise nach Italien, jedoch wirklich realisiert habe ich die Veränderung in meinem Leben erst, als ich in meiner Wohnung ganz in der Nähe des Eiszentrums eingezogen bin. So ganz ausgezogen von zu Hause in der Schweiz bin ich als Wochenaufenthalterin noch nicht. Ich nehme die gut vier Stunden Autofahrt gerne auf mich, um am Wochenende zu Hause bei meiner Familie zu sein. Aus meiner Perspektive habe ich neu zwei Zuhause, eines bei meiner Familie in bekannter Umgebung und ein ganz Neues, in welchem ich mehr oder weniger auf mich selbst gestellt bin.

In Italien wurde ich schnell ins Team aufgenommen, sie helfen mir beim Italienisch lernen, zeigen mir Ihre Sitten und Gebräuche. Ebenfalls haben sie mir auch mit der Wohnung geholfen und so lebe ganz in der Nähe des Stadions, meist mit einer anderen Läuferin zusammen. Ich gehe einkaufen, koche, putze, flicke und wasche selbst, lerne so ganz nebenbei auch alleine einen Haushalt zu führen.

Herausforderung in der Fremde

Alleine in einem bisher fremden Land zu leben birgt viele Herausforderungen, jedoch habe ich mich relativ schnell daran gewöhnt. Einerseits ist es schön auf mich selber gestellt zu sein und ich kann unglaublich viele Erfahrungen sammeln, andererseits fühle ich mich manchmal schon sehr einsam und vermisse meine Familie und das Zusammensein.

Für meine Sportkarriere ist das Leben in Bergamo ideal. Ich kann mich ganz auf meinen Sport konzentrieren, was mir unendlich viel Freude bereitet. Ich muss nicht ständig nach Eiszeiten oder Eishallen suchen wie es in der Schweiz der Fall war. Hier folge ich einem geregelten und strukturierten Tagesablauf. Ebenfalls ist das Team sehr professionell, so haben wir nicht nur einen Trainer sondern gleich ein ganzes Trainerteam mit acht Trainern auf dem Eis, zusätzlich Off-Ice Coaches, Ballettlehrer, Choreographen, etc. Wir Eisläufer untereinander verstehen uns auch sehr gut: wir helfen und pushen uns immer alle gegenseitig an unsere Grenzen. Für mich ist all dies von grosser Wichtigkeit.

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Weitere Informationen

Pro Tag  fünf bis sechs Stunden Training

Ich trainiere montags bis freitags. Pro Tag absolviere ich etwa fünf bis sechs Stunden Training. drei Stunden davon sind auf dem Eis, jeden zweiten Tag Ballett, Dehnungsstunde sowie Täglich Off-Ice. Je nach Bedarf kommt noch ganz individuell Choreographie oder ein Pirouetten-Training  dazu. Das Wochenende ist frei, ausser es steht ein Wettkampf bevor.

Leider bin ich Mitte Oktober auf dem Eis bei der Landung eines Dreifachsprungs sehr ungeschickt gelandet und habe mir mehrere Bänder am Fuss gerissen. Dieser eine Sturz hat mir praktisch die ganze Saison genommen. Nun muss ich Schritt für Schritt alles neu Erlernen und dabei geduldig bleiben. Dieser Aufbau ist zwar ziemlich mühsam und ich bin darauf bedacht, keinen Fehler zu machen und zu schnell wieder zu stark zu belasten. Die Gefahr wäre zu gross, dass ich meine Bänder am Fuss wieder verletze und nochmals einen Rückschlag erleiden würde.

Der Umweg über das Wasser

Bereits am Tag nach dem Unfall war mein erster Physiotermin. Ich erhielt einen ersten Plan, wann ich was wie machen musste: Zum Physiotherapeuten gehen, mich ich selbst massieren, etc. Als ich noch mit Krücken ging, konnte ich zusätzlich zwei Mal in der Woche ins Wasser, um wenigstens meinen Körper zu bewegen. Später habe ich das Belasten und Laufen im Wasser wieder gelernt.

Sobald ich den Fuss einigermassen und ohne allzu grosse Schmerzen Belasten konnte, durften die Krücken einer kleine Schiene weichen. Mehrmals in der Woche hatte ich Physiotherapie, zusätzlich Akupunktur. Nach etwa einem Monat durfte ich ins Fitnesscenter, eine solche Einheit dauerte jeweils ca. drei Stunden. So gewann der Fuss etwas an Kraft und auch Balance, weshalb ich endlich wieder in die Schlittschuhe schlüpfen durfte. Natürlich nur für das gute Gefühl auf dem Eis.

Unglaubliches Gewicht

Nun bin ich soweit, dass ich mein Pensum wieder etwas senken darf, jedoch die Einheiten intensiviere, um Kraft aufzubauen. Da es mein rechter Fuss ist und somit mein Landebein, dauert dieser ganze Aufbau noch länger. Grund dafür ist das unglaubliche Gewicht, welches bei jedem Dreifachsprung abgefangen werden muss. Schritt für Schritt komme ich also wieder zurück.

Als Profisportlerin, wie ich es im Moment sein kann, gehören leider auch Rückschläge und Verletzungen dazu. Wenn man nur die guten und einfachen Seiten eines Spitzensports hätte, dann würde es viel mehr Leute auf diesem Niveau geben. Leistungssport zu machen heisst nicht nur alles zu geben, sondern auch wieder von Rückschlägen aufzustehen.

Das Gefühl, den eigenen Traum zu leben

Niemand hat je behauptet, es würde einfach werden. Erst bei solchen Rückschlägen merkt man, wie wichtig der Sport ist und dass es sich lohnt dafür zu kämpfen. Ich gebe alles, damit ich so schnell wie möglich wieder ganz gesund bin und dort weitermachen kann, wo ich stehen geblieben bin!

Den Schritt ins Ausland würde ich jedenfalls sofort wieder machen. Es ist ein unglaubliches Erlebnis, ein unbeschreibliches Gefühl, meinen Traum leben zu dürfen und so viele Erfahrungen zu sammeln.

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Christian Hoverath: Die Pausen im Tennis

Die reine Spielzeit eines durchschnittlichen Zwei-Satz-Matches im Tennis beträgt gerade einmal 20 bis 30 Prozent. Die verbleibende Zeit sind Pausen zwischen den Ball- und Seitenwechseln. Diese Unterbrechungen sind aus sportpsychologischer Sicht höchst interessant, bieten sie doch die Möglichkeit der physischen und psychischen Regeneration und der Neuausrichtung der Konzentration nach dem vorangegangenen Ballwechsel.

Zum Thema: Wie Tennisspieler ihre Konzentration Punkt um Punkt neu ausrichten können

„Spiel Punkt für Punkt“, lautet ein von Tennisspielern aller Leistungsklassen häufig gehörter Ratschlag – aber wie? In der Praxis hat sich der Einsatz von Konzentrationsroutinen bewährt.

Konzentration als Grundlage

Konzentration ist die Fähigkeit, seinen Aufmerksamkeitsfokus auf aufgabenrelevante Reize lenken zu können und diesen Fokus aufrecht zu erhalten. Zwei Arten von Faktoren können zu Aufmerksamkeitsverlusten führen:

  • Interne Faktoren liegen in der Person selbst. Gedanken an einen Fehler im letzten Ballwechsel können ebenso wie negative Selbstgespräche auftreten oder auch in die Zukunft gerichtete Fragen, wie z.B. „Was wäre, wenn ich noch einen Doppelfehler mache?“. Ebenso kann der Gedanke an den Matchgewinn beim Stand von 7:6 und 5:2 dazu führen, dass man Punkt um Punkt verliert ohne es zu merken.
  • Zu den externen Faktoren zählen visuelle Reize wie das Ergebnis auf der Anzeigetafel oder bekannte Gesichter im Publikum. Akustische Störreize können klingelnde Handys oder laute Gespräche zwischen Zuschauern sein. Diesen externen Faktoren ist gemein, dass sie die Aufmerksamkeit auf sich und somit weg von für die Leistung relevanten Reizen ziehen.

Konzentration über die gesamte Dauer eines Wettkampfes aufrechtzuerhalten ist schwierig. So zeigen Studien für gewöhnlich, dass der Fokus auf einen Gedanken für etwa fünf Sekunden aufrecht erhalten werden kann.

Routinen für die Konzentration

Hilfreich für die Neuausrichtung und Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit sowie das Ausblenden von Störreizen ist der Aufbau von Routinen. Diese immer gleich ablaufenden Handlungssequenzen sorgen zudem für eine emotionale Ausgeglichenheit und wirken sich positiv auf das Selbstvertrauen aus. Da sie sehr individuell sind, sollten sie systematisch im Training eingeführt und erarbeitet werden.

Gerade im Tennis eignet sich der Einsatz von Routinen aufgrund der Vielzahl an Pausen. In diesen beginnen Gedanken zu wandern oder störende Einflüsse ziehen die Konzentration auf sich.

Loehrs Vierstufenplan

Loehr (1997) schlägt einen vierstufigen Plan für die Zeit zwischen Ballwechseln vor:

In der ersten Phase finden Reaktionen auf den vorherigen Punkt sowie die Trennung positiver von negativen Emotionen statt. Mögliche Techniken sind eingeübte Veränderungen von negativen zu positiven Gedanken oder der Gedankenstopp.

In der anschließenden Entspannungsphase sollen die körperliche und psychische Erregung reduziert werden. Geeignet sind Atementspannungsübungen. Diese sollen erlernt und im Training ausprobiert werden. Ein weiterer Trick ist es den Blick in die Saiten zu richten und dadurch störende Reize auszublenden.

Nach der Entspannung beginnt dann die Vorbereitung auf den nächsten Punkt. Der Spieler geht seine nächsten Aktionen im inneren Dialog oder per Visualisierung durch, um sich in der abschließenden Aktivierungsphase bewusst körperlich und mental zu aktivieren. Dazu eignen sich lockere Sprünge, Bewegungen, eine aufrechte, selbstbewusste Körperhaltung. Der innere Dialog ist positiv und wird durch ein individuelles Ritual eingeleitet. Dieses kann vor dem Aufschlag einen tiefen Atemzug gefolgt von einer konstanten Anzahl an Prellern mit dem Ball beinhalten. Für den returnierenden Spieler sind Rituale möglicherweise das Drehen des Schlägers, das Zupfen am T-Shirt oder das Pusten in die Handfläche.

Probieren Sie es aus: beginnen Sie damit ein zu ihnen passendes Ritual für Aufschlag und Return zu finden, dieses mit Konzentration zu verknüpfen und im Training zu festigen. Im Anschluss können Sie ihre Pausenroutine finden. Bei Fragen unterstützen wir Sportpsychologen Sie gern!

 

Katharina Petereit: Sabine Lisicki unter Tränen

Elvina Abdullaeva: Vom Kind zum Tennisprofi

 

Literatur:

Weinberg, R. S., & Gould, D. (2011). Foundations of sport and exercise psychology (5th ed.). Leeds: Human Kinetics.

Loehr, James (1997). Tennis im Kopf, der mentale Weg zum Erfolg. BLV Verlagsgesellschaft

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Renate Wigger: Spital oder Medaille?

Kürzlich an der Ski WM in St. Moritz: Die Schweizer Sportfamilie erwartet gespannt auf die Superkombination der Frauen. Mit der Teamleaderin Lara Gut und den Slalomspezialistinnen Wendy Holdener und Michelle Gisin erhofft sich das einheimische Publikum, um Medaillen mitzukämpfen. Die Ausgangslage nach der Abfahrt ist vielversprechend, die Chancen der drei CH-Frauen sind intakt. Beim Einfahren zum Slalom verletzt sich Lara Gut aber derart schwer, dass sie mit dem Heli zur genauen Untersuchung ins Spital geflogen werden muss. Äusserlich unbeeindruckt davon ziehen Wendy und Michelle ihr Programm durch und können einen vielumjubelten Doppelsieg feiern. Wieder einmal zeigt es sich wie nah sich positive und negative Emotionen im Sport sein können.

Zum Thema: Fokussierung in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung

Nicht überraschend tauchen auf Seiten der Zuschauer und Journalisten dabei schnell Fragen auf, wie es für Michelle und Wendy möglich war, sich so auf ihre Leistung zu fokussieren.
Aus sportpsychologischer Sicht gibt es dazu durchaus einige Ansatzpunkte wie sich Trainer und Athleten vorbereiten und in der realen Situation idealerweise verhalten können.
Im Folgenden wird das Augenmerk auf die Athletenseite gelegt – welche Möglichkeiten haben sie, um den Fokus bei sich und ihrem bevorstehenden Rennen zu behalten?

Idealerweise haben sich die Athletinnen in ihrem Sportlerleben bereits einen gut erprobten Plan für die konkrete Wettkampfvorbereitung erarbeitet. Dieser kann ganz individuell gestaltet sein, enthält aber aufgabenspezifisch gewisse übereinstimmende Elemente wie Einfahren, Besichtigen, Aufwärmen, Visualisieren und einiges mehr. Das Programm der Superkombination zwischen Abfahrt und Slalom ist sehr gedrängt und das Einhalten des geplanten Ablaufs hilft, den Fokus auf dem anstehenden Rennen zu behalten. Der Aufmerksamkeitszirkel nach Eberspächer bietet dazu einen interessanten Erklärungsansatz wie das erfolgreich möglich sein kann.

Der Aufmerksamkeitszirkel

Dabei unterscheidet Eberspächer sechs Zirkel – wobei der Fokus vom ersten bis zum sechsten immer grösser bzw. weiter wird:

1 – „ICH und meine Aufgabe“
2 – „direkte Störungen“
3 – „IST-SOLL Vergleich“
4 – „gewinnen-verlieren“
5 – „Konsequenzen von gewinnen-verlieren“
6 – „die Frage nach dem Sinn“

In der konkreten Wettkampfvorbereitung befasst sich der Sportler mit Gedanken und Handlungen in den ersten zwei maximal drei Zirkeln. Stellt er fest, dass sich andere Gedanken einschleichen, versucht er diese kurz einzuordnen, zu prüfen, ob sie relevant für seine aktuelle Situation sind und begibt sich wieder in den gewohnten Ablauf.

Um im Rennmodus zu bleiben, kann sich der Läufer also angewöhnen, nur relevante Informationen zu beachten. Fragen oder Informationen betreffend der Verletzung von Lara waren für Michelle und Wendy vor dem Slalom sicherlich nicht so relevant, dass sie sich damit wirklich auseinandergesetzt haben.

„Angst“ vor Verletzungen ist Realität

Dies bedeutet nicht, dass sich ein Skiprofi nicht mit dem Thema Verletzungen auseinandersetzen soll. Im Gegenteil, das Verletzungsrisiko ist im alpinen Skisport allgegenwärtig und die „Angst“ vor Verletzungen Realität. Genau deshalb ist es aber auch möglich und sinnvoll, sich mit diesem Thema zu beschäftigen – aber eben nicht an einem Renntag. Für Skisportler, die sich verantwortungsvoll und professionell mit ihrem Job auseinandersetzen, ist das immer wieder ein Thema. An der Schweizerischen Sportmittelschule in Engelberg, wo ja auch Wendy und Michelle ausgebildet wurden, ist es Realität, dass (in den Trainingsgruppen) so gut wie nie alle voll mittrainieren können. Beim meiner mentalen Arbeit mit den einzelnen Trainingsgruppen fehlen immer einige auf Grund von Verletzungen und ein paar kommen von einer Verletzung zurück und trainieren deshalb noch ein Spezialprogramm. Diese Erfahrungen führen auch dazu, dass sie positive Beispiele erleben wie sie selbst oder ihre Mannschaftskollegen nach Verletzungen erfolgreich oder sogar gestärkt zurückkommen können.

Nach dem unglücklichen Aus für Lara, ist es Wendy und Michelle auf jeden Fall gelungen, den Fokus auf das Wesentliche zu richten und haben uns damit einen wunderschönen WM-Tag mit unvergesslichen Emotionen geschenkt.

 

Literatur

Eberspächer, H., (2007). Mentales Training. Handbuch für Sportler und Trainer. 7. Auflage. München: Copress Verlag in der Stiebner Verlag GmbH

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Christian Hoverath: Der Wettkampf im Training

In einem Interview mit Sport1 gab Laura Dahlmeier unlängst einen Hinweis mit Blick auf ihre mentalen Trainingstechniken: “Es ist ein Stück weit Veranlagung, man kann sich aber auch darauf vorbereiten, auch mit Mentaltraining. Und im Training, indem man sich immer wieder in diese Situationen bringt. Und sich dann zum Beispiel vorstellt, dass man in einer Drucksituation ist“, erklärt die passionierte Bergsteigerin. Ihr Geheimrezept: Obwohl es sich nur um eine gewöhnliche Trainingseinheit handelt, stellt sie sich vor, es gehe um alles. „Ich stelle mir dann vor: ‚Es ist Olympia, letztes Schießen, es geht um Gold'“.

Zum Thema: Prognose- und Nichtwiederholbarkeitstraining am Beispiel von Laura Dahlmeier

Laura Dahlmeier macht es sich zunutze, dass im Gehirn durch Imagination dieselben Areale aktiviert werden wie durch die tatsächliche Situation. Um eine größtmögliche Wirksamkeit zu erzeugen, sollten alle Sinne mit einbezogen werden. So gehört es dazu, sich die Gegnerinnen am Schießstand ebenso vorzustellen wie die entsprechende Lärmkulisse. In diesem Zuge lässt sich dann auch gleich die Wirksamkeit der erlernten Entspannungstechniken testen.

Weitere Techniken, die man im Training einsetzen kann, um die Überzeugung zu verbessern, dass man seine Leistung im Ernstfall abrufen kann, sind das Prognosetraining und das Nichtwiederholbarkeitstraining. Grundlegend für diese Trainingsformen ist, dass Wettkampfsituationen nicht wiederholbar sind, immer mit einer Erwartung einhergehen und Konsequenzen haben.

Prognose- und Nichtwiederholbarkeitstraining

Beim Prognosetraining wird vor der eigentlichen Übung das Ziel festgelegt. So kann die Volleyballmanschaft sagen, dass sie von zehn Sprungaufschlägen sieben Ballwechsel zu ihren Gunsten entscheidet oder der Tennisspieler vier von fünf Risikoaufschlägen ins Feld bringt. Im Anschluss an die Übung findet eine Überprüfung der Prognose statt. Insbesondere soll darauf geachtet werden, ob die Prognose realistisch war und woran es gelegen hat, dass sie erreicht oder  nicht erreicht wurde. Im offenen Prognosetraining findet diese Absprache nicht nur zwischen Trainer und Athlet statt, sondern wird mit der gesamten Trainingsgruppe kommuniziert, um den Druck zu erhöhen.

Das Nichtwiederholbarkeitstraining zeichnet sich dadurch aus, dass der Trainer einen Zeitpunkt für die Übungsdurchführung festlegt. Es ist wichtig, dass der Zeitpunkt nicht vom Athleten selbst festgelegt wird, da dieser ihn im Wettkampf auch nicht steuern kann. Im Zeitraum bis zur Ausführung kann sich der Athlet entsprechend vorbereiten und ebenfalls eine Prognose abgeben. Auch beim Nichtwiederholbarkeitstraining ist eine Reflexion nach der Übung wichtig.

Tipp: Eine Steigerung dieser beiden Formen ist es, eine Zeitverzögerung einzubauen. Wird eine Prognose aufgestellt, jedoch erst eine halbe Stunde später überprüft, können sich störende Gedanken entwickeln oder die Konzentration fällt ab.

Konsequenzen

Um diese Trainingsformen für den Athleten bedeutsamer zu machen, können zudem Konsequenzen vereinbart werden. So kann der Verlierer den Platz abziehen oder die unterlegene Trainingsgruppe die Kontrahenten bekochen.

Ob Sie bald auch im Training auf der Bahn rechts neben dem Kontrahenten schwimmen, mental im Stadion des nächsten Wettkampfs laufen oder es sich zum Ziel machen, neun von zehn Elfmetern rechts unten zu verwandeln, Sie werden davon profitieren. Sollten Sie Ideen zur Gestaltung von Drucksituationen im Training benötigen: die Sportpsychologen helfen gern!

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paasch-selbstwirksamkeit-im-fussball/

Literatur: Eberspächer, H. (2012). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress Verlag.

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Freundschaft im Profi-Sport

Mal ehrlich: Bietet der in vielen Bereichen bis auf die Spitze und nicht selten darüber hinaus getriebene Perfektionismus im Leistungssport eigentlich Raum für Sentimentalitäten wie Freundschaft? Ähnlich naiv haben wir uns auf die Suche nach Individualsportlern, Teamplayern und Funktionsträgern gemacht und haben ihnen zugehört. Entstanden ist ein Schwerpunkt, der aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, welche Bedeutung und welchen Wert Freundschaft im Profi-Sport hat. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend.

Triathlon 

Da ist zum einen der erfolgreiche Triathlet Georg Potrebitsch. Ihn scheint die Anfrage von Christian Hoverath inhaltlich überrascht und zum Nachdenken angeregt zu haben. In jedem Fall ist ihm aufgefallen, dass sich nach seinem Karriereende keiner seiner Sportsfreunde bei ihm mehr gemeldet habe, um einfach mal zu fragen, wie es ihm gehe.

Georg Potrebitsch: Freundschaftsdienste sind im Triathlon nur Mittel zum Zweck

Badminton und Laufen

Ein ganz anderes Bild zeichnen Thorsten Loch und Prof. Dr. Oliver Stoll in ihren Texten über die Sportarten Badminton und Laufen. Während der eine die Bronze-Medaillengewinnerinnen der Deutschen Meisterschaften in ihrer WG traf und am liebsten zur Weiberfastnacht wiederkommen will, macht sich der andere Gedanken über seine Sportart im Wandel der Zeit.

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/02/09/lisa-kaminiski-und-hannah-pohl/

Prof. Dr. Oliver Stoll: Laufen macht Freu(n)de

Fußball

An König Fußball kommen wir nicht nur wegen Franz Beckenbauer nicht vorbei. So lässt das Zitat, welches Dr. René Paasch von Ex-Nationalspieler Marcell Jansen gefunden und zur Grundlage seines Leitartikels gemacht hat, durchblicken, dass es mit echter Freundschaft im Profi-Fußball nicht weit her sein kann. Wir schauen genauer hin und arbeiten insbesondere Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball heraus.

Dr. René Paasch: Freundschaften im Leistungssport Fußball

Fußball-Schiedsrichter

Und dann haben wir noch einen Doppelpack aus der Schweiz. Cristina Baldasarre von die-sportpsychologen.ch hat ein hoch bemerkenswertes Insidergespräch mit dem Schweizer Top-Schiedsrichter Sascha Amhof geführt. Der FIFA-Referee lässt uns tief blicken und Cristina Baldasarre ordnet seine Aussagen im dazugehörigen Blog-Beitrag hervorragend ein.

Wie immer freuen wir uns auf jegliches Feedback und stehen für Rückfragen zur Verfügung. Schließlich darf eines nicht vernachlässigt werden: Freundschaft schießt vielleicht keine Tore, bringt sie aber vielleicht auf den Weg und sollte daher auch unter dem Brennglas des Hochleistungssports nicht aus dem Auge verloren werden.

 

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Dr. René Paasch: Freundschaften im Leistungssport Fußball

Viel Geld und hübsche Frauen, aber kaum echte Freundschaft, lautet das Credo von Marcell Jansen. Er beschreibt den Profi-Fußball als kühles Geschäft, in dem nur schwer echte Freundschaften entstehen. „Ich habe das bis heute nicht kapiert, warum im Fußball so wenige echte Bindungen entstehen“, sagte der ehemalige Nationalspieler dem „Zeitmagazin Mann“. Dabei seien die Voraussetzungen eigentlich ideal. „Du hast lauter Männer im gleichen Alter auf einem Haufen, alle haben Geld, schöne Frauen, nicht mal Konkurrenz ist ein großes Thema, weil in Bundesligamannschaften nur ein, maximal zwei Menschen für deine Position infrage kommen. Und trotzdem kommst du mit den Leuten sozial keinen Schritt weiter“, sagte der 30-Jährige. Jansen vermutet, dass sich die meisten Profis wenig um ihr Inneres kümmern. Sich selbst beschreibt er als nachdenklichen Menschen. „Ich war zwar nie depressiv, auch nicht in psychologischer Behandlung, aber schon sehr nachdenklich.“ Ich nehme diesen Ball auf und erkläre mögliche Gründe und Zusammenhänge für eine Freundschaft im Leistungssport Fußball?

Zum Thema: Welche Rolle spielen Freundschaften im Leistungssport?

Wen bezeichnen wir als unseren „Freund/in“? Der Begriff der Freundschaft kann als allgemein angesehen werden. Es kommt hinzu, dass wir den Begriff der Freundschaft im Alltag und Sport in unterschiedlichen Bedeutungen verwenden. Zum einen bezeichnet er eine soziale Beziehung zwischen Sportlern/innen, zum anderen können wir mit dem Begriff Freundschaft nicht auch die Qualität einer Beziehung kennzeichnen. In diesem Sinne kann ein Fußball-Trainer/in eine freundschaftliche Beziehung zu seinen Spielern/innen haben oder ein Angestellter die Beziehung zu seinen Kollegen/innen.  Es wird deutlich, dass es eine bestimmte formelle Beziehung durch eine informelle Freundschaftsbeziehung überlagert wird. Die Kennzeichnung von Beziehungen als formell oder informell ist allerdings schwierig, da es sich hierbei um keine präzise Abgrenzung handelt (Gaska & Frey, 1993). Was der eine schon als Freundschaft ansieht, mag für den anderen nur eine Rollenbeziehung (Sport, Beruf) sein. In den folgenden Abschnitten möchte ich Ihnen näheres dazu erläutern. Starten möchte ich mit dem Vergleich von Frauen- und Männerfreundschaften. Bitte nicht empört sein, warum ich zwischen Frauen und Männer differenziere. Es entspricht meinen Erfahrungen, welche ich über einige Jahre sammeln konnte.

Frauen- und Männerfreundschaften im Leistungsfußball 

Beziehungen zwischen Frauen werden eher durch Neid und Eifersucht getrübt, ihre Freundschaften als oberflächlicher und instabiler angesehen (vgl. Dorst 1993). In den letzten Jahrzehnten hat sich hier eine erstaunliche Veränderung ergeben. Die Frauen haben in Bezug auf Freundschaften die Männer offenbar überholt. Das rivalisierende Kaffeekränzchen mit Lästereien über andere ist vorbei. Frauenfreundschaften erscheinen nun als beneidenswerte Möglichkeit der Selbstfindung. (Jaeggi 1987, 18). Es wird heute angenommen, dass Frauenfreundschaften intensiver und zufrieden stellender sind, mehr praktischen und emotionalen Beistand bieten als Männerfreundschaften (Dorst 1993). Somit sind die Unterschiede zwischen Frauen- und Männermannschaften mannigfaltig (Pfaff, 2008). Der mir bekannte brisante Unterschied besteht in der Zielsetzung der Männer gegenüber der sozialen Verbundenheit der Frauen. Für Frauen ist sehr wichtig, ein harmonisches und wertschätzendes Klima im Team zu haben. Sie sind für Beziehungsstörungen empfindsamer und somit sensibler gegenüber den Männern.

Für Sie als Trainer einer Fußballfrauenmannschaft bedeutet das, dass Sie mehr Zeit in die Beziehungen investieren müssen. Wenn ich bspw. vor einer Fußballherrenmannschaft stehe, benutze ich andere Ausdrücke und Bilder als vor einer Frauenmannschaft. Sie müssen sich auf das Team individuell und im Kollektiv einstellen und die passende Ansprache wählen. Auch die Kritikfähigkeit müssen Sie bei Frauen anders verpacken als bei Männern. Unter Männer ist der Ton ein anderer und die Auseinandersetzung mit deutlichen Angriffen versehen. Dadurch wird die Verbindung nicht unbedingt gestört. Bei Frauen ist das anders. Persönliche Angriffe schwächen das Selbstbild der Frau und beinträchtigen diese. Nach meiner Erfahrung gehen Frauenmannschaften schonender miteinander um, als ich das unter Männer erlebt habe. Aus diesen Gründen, sollten Sie bei Frauenmannschaften vorsichtiger mit Kritik sein. Frauen machen in ihrer Kindheit andere Erfahrungen als Männer. Jungs hören viel häufiger Sprüche wie „Jungs weinen nicht“. Dies führt dazu, dass viele Jungen ihre innere Welt (Gedanken, Gefühle) nicht äußern. Mädchen dürfen ihre Gefühle zeigen jedoch nicht außer Haut fahren. Deutlich wird dies bei Nichtnominierten. Männer reagieren eher mit Frust und Ärger, hingegen sind Frauen stillschweigender oder weinen vor der Mannschaft. Sie sollten verstehen, wie und warum Frauen in solchen Situationen anders reagieren als Männer. Der Leistungssport bevorzugt „männliche Verhaltensweisen“. Wenn sie jedoch erfolgreich sein wollen mit Frauenmannschaften, dann ist es sehr wichtig, Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit, Körpersprache auf dem Feld sowie der absolute Wille und Überzeugung täglich zu leben. Frauen tun sich damit (noch) schwer. Das wird sich aber ändern. Eine generelle Ausrichtung ist sehr schwierig. Grundsätzlich habe ich für mich herausgefunden, dass die emotionale und positive Ansprache wichtig ist. Jedes Geschlecht hat seine Stärken- und Schwächen. Dennoch ist der Leistungssport mehr auf typisch männliche Eigenschaften ausgerichtet. Das gilt nicht für alle Sportarten. Trotzdem sollten Sie als Trainer die Unterschiede kennen, nur dann sind Sie in der Lage, ihr Coaching individuell anzupassen. In dem nun folgenden Kapitel benutze ich den dreistufigen Prozess Argyle und Henderson (1990), um Ihnen die Entstehung von Freundschaften in Teams zu erklären.

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Freundschaften im Leistungssport als Prozess

Argyle und Henderson (1990) beschreiben die Entstehung von Freundschaften als einen dreistufigen Prozess:

  1. Bei zufälligen Begegnungen Eindrücke vom anderen gewinnen.
  2. Erste Treffen durch Verabredung oder Einladung.
  3. Regelmäßige Treffen und wechselseitige Bindung.

Auf dieser Grundlage erkläre ich Ihnen die Entstehung von Freundschaften im Leistungssport. Argyle und Henderson (1990) betrachten diesen Prozess als eine Selektion, bei dem auf jeder Stufe Aussortierungen stattfinden. Je häufiger sich Sportler treffen und Gemeinsamkeiten aufweisen, desto besser lernen sie sich kennen und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie sich gegenseitig schätzen lernen. Leistungssportler suchen Freunde meist nach Ähnlichkeiten aus, z. B. in Bezug auf Alter, sozialer Herkunft und sportlichen Gemeinsamkeiten. Die erste Kontaktaufnahme stellt einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer Freundschaft dar. Wenn wir ein persönliches Interesse zeigen und etwas von uns erzählen, offenbaren wir dem anderen unser Interesse an ihm. Gleichzeitig können wir aber nicht sicher sein, ob dieses Interesse geteilt wird. Wir gehen also ein gewisses Risiko ein. In vielen Fällen handelt es sich bei der ersten Kennlernphase um Kabinen-Smalltalk. Hierbei werden persönliche Informationen ausgetauscht. Dies geschieht eher vorsichtig. Man möchte etwas über den Teamkollegen erfahren, wie ähnlich man sich in Bezug auf Einstellungen und Interessen ist. Solange wir noch wenig über den anderen wissen, besteht natürlich die Gefahr, dass wir Unterschiede entdecken. Brisante Themen werden zunächst meist vermieden, um nicht das Verhältnis zum Mannschaftskollegen zu beschweren. Freunde möchten Erfahrungen, Vorlieben, Ablehnungen, Erfolge und Niederlagen teilen jedoch müssen sie nicht unbedingt in ihrer Persönlichkeit ähneln, so dass durchaus auch gilt: „Gegensätze ziehen sich an“. Wenn Teammitglieder aus einer Beziehung Vorteile ziehen können, ist die Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer dauerhaften Freundschaft relativ groß. Erscheint uns der Aufwand größer als unser Nutzen, wird es hierzu vermutlich nicht mehr kommen (vgl. Argyle & Henderson 1990, 96ff). Aus diesem Prozess heraus, entstehen persönliche Anregungen für Frauen- und Männermannschaften im Fußball.

Elf Freunde müsst ihr sein

„11 Freunde müsst ihr sein“ – dieses legendäre Zitat von Sepp Herberger war nicht nur mein persönliches Motto in meiner aktive Zeit als Spieler, sondern verdeutlicht zugleich auch einen wichtigen Bestandteil jeder Arbeitsgemeinschaft und Fußballmannschaft – die erfolgreich sein möchte. Aus meiner Sicht ist die Sehnsucht nach Freunden allgegenwärtig. Manchmal merken wir erst, wenn einer geht, wie wertvoll er war. Das gilt für Frauen- und Männermannschaften. Doch eins ist sicher: Freundschaften sind wichtig. Sie machen selbstbewusster, glücklicher, halten gesund und müssen allerdings gepflegt werden. In Zeiten von sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram sowie der Einfluss von Spielerberater und medialen Auftritten, haben sich die Beziehungen verändert. Nicht wenige Sportler/innen haben im Internet eine fast endlose Liste von virtuellen „Freunden“. Dies hinterlässt viele Zweifel an der Verbindung dieser Beziehungen. Das Netz lädt dazu ein, nicht immer ehrlich über seine Gefühle zu sprechen. In einer engen gewachsenen sportlichen Verbindung sei es nicht so leicht, sich zu verstellen. Doch das Internet bietet auch viele anregende Möglichkeiten: Zum Beispiel kann man über weite Entfernungen und fehlender Präsenz gegenüber der Mannschaft unkompliziert kommunizieren und so Freundschaften auch zu Teammitgliedern pflegen, die man ansonsten aufgrund der täglichen Zwänge aus den Augen verlieren würde.

Freundschaften geben dem Leben einen Sinn. Das Gefühl, nicht allein zu sein, hilft nicht nur in schweren Zeiten dabei, den sportlichen Alltag zu bewältigen. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, für andere Teammitglieder eine wichtige Rolle zu spielen. Nicht zuletzt helfen Freunde bei vielen Entscheidungen. Und es tut gut, mit einem Teammitglied über Probleme zu sprechen. Es gibt also genug Gründe, sich ein stabiles soziales Netz im Kontext Sport aufzubauen.

Fazit: 

Ich tue mich mit einer Definition von Freundschaft schwer. Ich verstehe darunter eine freiwillige, persönliche Beziehung, die auf gegenseitiger Sympathie, Vertrauen und Unterstützung beruht. Trotzdem kann die Verbindung ebenso vertraut sein wie die mit dem Partner. Den Grundstein zu einer Freundschaft im Leistungssport sind räumliche Nähe, häufige Kontakte, soziale und empathische Kompetenz und wechselseitige Selbstoffenbarung. Dieser Stellenwert solcher Freundschaftsregeln ist bei Männern und Frauen häufig verschieden, daher bedarf dieser einer sensiblen Führung. Aber auch die Chemie muss stimmen. Manchmal reichen da schon ein paar Gemeinsamkeiten wie gleiches Alter, ähnliche Situation, Herkunft, Einstellungen oder Interessen. Sie geben uns das Gefühl, mit jemandem auf einer Wellenlänge zu liegen. Entscheidender als die Ähnlichkeit ist die emotionale Nähe. Dies gilt gleichermaßen für Frauen- und Männermannschaften. Die Geschlechter unterscheiden sich allerdings darin, was genau für sie Freundschaft ausmacht. Frauen erwarten mehr Nähe und entwickeln ein engeres Vertrauensverhältnis. Bezeichnend für Frauen sind deshalb so genannte Face-to-Face-Freundschaften, in denen der persönliche Austausch und die gegenseitige Unterstützung im Zentrum stehen. Eine gute Freundin sollte zuhören können. Männer pflegen häufiger Side-by-Side-Freundschaften, treiben gemeinsam Sport und leisten sich gegenseitig praktische Hilfe. Dabei scheinen sie dauerhaftere Verbindungen einzugehen. Eine Freundschaft im Leistungsfußball (Männer & Frauen) funktionieren  nur so lange gut, wie sich beide Beteiligten an ihre ungeschriebenen Gesetze halten.

 

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Freundschaft im Profi-Sport

 

Literatur

Argyle, M. & Henderson, M. (1990): Die Anatomie menschlicher Beziehungen. München: mvg.

Dorst, Brigitte (1993): Die Bedeutung von Frauenfreundschaften im weiblichen Lebenszusammenhang. Gruppendynamik, 24 (2), 153-163.

Frey, D. & Gaska, A. (1993): Die Theorie der kognitiven Dissonanz. In Frey, D. & Irle, M. (Hrsg.) Theorien der Sozialpsychologie, Band 1: Kognitive Theorien, (275-324), Bern: Huber.

Jaeggi, Eva (1987): Psychologie und Alltag. München: Piper.

Pfaff, E. (2008): „Nicht ich habe den Mädels erklärt, was sie erreichen können, sie haben es selbst entschieden“ – Interview mit Markus Weise. Leistungssport 38/1, S. 36-39

Pfaff, E. (2008): „Bei Frauenmannschaften sollten Trainer vor allem mehr Sorgfalt auf ihren Umgang und ihre Wortwahl legen.“ Interview mit Lothar Linz. Leistungssport 38/1, S. 40-45

Internet: http://www.t-online.de/sport/fussball/id_78902534/marcel-jansen-vermisst-echte-freundschaften-im-fussball.html

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Lisa Kaminski und Hannah Pohl: Wir sehen, was die andere denkt

Schon nach wenigen Augenblicken, nachdem ich in die Wohnung betrat, war mir klar, dass diese Wohngemeinschaft (WG) nicht denjenigen ähnelte, welche ich aus meiner Studienzeit kannte. Sporttaschen im Flur, ein Wandbild mit Federballapplikation und letztendlich die Bespannungsmachine in der Küche neben der Kaffemaschine ließ spätestens jetzt letzte Zweifel an meinem ersten Eindruck endgültig verfliegen. Ich war in einer „Sport-WG“, welche sich zusammensetzt aus Lisa Kaminiski, Hannah Pohl und noch zwei weiteren Badmintonspielerinnen. Mitten in Bonn-Beuel, unweit entfernt von der Erwin-Kranz-Halle, der Heimstätte des 1.BC Beuels, starten Lisa und Hannah für einer der mitgliedsstärksten Vereine in Deutschland Seite an Seite u.a. mit Birgit Overzier in der Bundesliga, sowie in der Regionalliga. Zusätzlich gehen sie als Damendoppel, neben der regulären Spielzeit, auf nationalen und internationalen Turnieren auf Punktejagd. Deswegen bin ich besonders froh, dass sie trotz des prall gefüllten Terminkalenders Zeit gefunden haben.

Für die-sportpsychologen berichtet

Thorsten Loch (zur Profilseite)

Lisa und Hannah, vielen Dank noch einmal, dass ihr euch Zeit genommen habt, um euch mit mir ein wenig über das Thema Freundschaft zu unterhalten. Seit wann kennt ihr euch und wie habt ihr euch kennen gelernt?

Lisa: Wir kennen uns schon ewig. Quasi von Kindsbein an, was auch nicht wirklich verwunderlich ist. Wir beide kommen aus Oberpleis, einem größeren Dorf oder kleineren Stadt, vor den Toren Bonns.

Hannah: Da hast du Recht. Lisa war damals in der Trainingsgruppe meiner älteren Schwester. Und dabei kam der erste Kontakt zur Stande.

Seit wann wohnt ihr jetzt gemeinsam mit den beiden Anderen zusammen?

Hannah: Ich glaube es sind jetzt ca. zweieinhalb Jahre. Wobei wir schon länger mit dem Gedanken gespielt haben.

Was waren die Beweggründe, euch auf die Suche zu machen?

Lisa: Also zum einen hat es einfach praktikable Gründe. Die Trainingsumfänge mit Athletikttaining, Matchen, Physio usw. sind enorm gestiegen. Rechnet man dann die Anfahrtszeiten zur Halle zusammen, dann war es in der Summe einfach zu viel verlorene Zeit. Zeit, die wir besser nutzen können. Dann arbeite ich auch noch in Bonn, von daher war für mich die Sachlage schnell klar.

Hannah: Genau. Ich studiere noch in Remagen an der FH und brauche jetzt nur wenige Minuten zu Fuß zum Bahnhof und die Verkehrsanbindungen sind hier optimal. Auch die Streck von der WG zur Halle ist schnell mit dem Rad geschafft.

Und warum sind es denn jetzt „erst“ zweieinhalb Jahre, obwohl ihr schon länger mit dem Gedanken gespielt habt? Gab es da bestimmt Gründe für euch?

Lisa:  Wir haben quasi auf den richtigen Moment gewartet. Einmal ist es nicht unbedingt leicht eine WG-taugliche Wohnung zu finden, in guter Lage und dann auch noch bezahlbar ist.

Hannah: Und dann brauchten wir auch noch die „richtigen“ Mitbewohner.

Wie ist das zu verstehen?

Lisa: Klar, muss man sich gut verstehen bzw. sich in irgendeiner Art sympathisch sein. Und dann sind wir auch nicht die typische Studenten-WG, in welcher ohne Klischees bedienen zu wollen, aber das Wochenende mittwochs eingeläutet und wild gefeiert wird. Wenn du Leistung auf hohem Niveau bringen willst, dann gehört Regeneration und Schlaf genauso dazu wie das Training.

Hannah: Und hier könnte es schon Probleme geben, wenn du möglicherweise mit einem „Nicht-Sportler“ zusammen wohnst. Das Verständnis ist einfach da und jeder von uns weiß, worum es geht. Das geht über den Schlaf bis zum Essen usw. Man hat also nicht das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen.

Gab es denn im Vorfeld Zweifel, ob es sinnvoll ist, zusammen zu ziehen, obwohl man schon so viel Zeit gemeinsam verbringt? Stichwort Lagerkoller?

Hannah: Natürlich haben wir auch solche Gedanken gehabt, aber bisher haben wir das sehr gut hinbekommen. Unsere Freundschaft hat nicht gelitten, hoffe ich (lacht).

Lisa: Denke ich auch. Aber von Vorteil sind unsere unterschiedlichen Tagesabläufe, außer zu den Trainingszeiten. Wir kommen uns nicht unnötig in die Quere. Ich bin meistens schon sehr früh aus dem Haus, wenn die anderen noch in den Betten liegen. Hannah muss meistens erst später zu den Vorlesungen. Also den „Kriegsschauplatz“ Badezimmer haben wir nicht.

Hannah: Das kann ich nur bestätigen. Zudem sind wir auch zwei Typen, die gut abschalten können und auch einmal gern allein sein können. Wenn ich Lust auf Unterhaltungen habe, egal ob über Badminton oder sonst was, dann brauche ich nur in die Küche zu gehen. Hier trifft man immer jemanden. Wenn das nicht der Fall ist, bleibe ich im meinem Zimmer und schließe die Tür. Lisa händelt das genauso. Und von daher haben wir auch kein schlechtes Gewissen, wenn man mal keine Lust hat, sich zu unterhalten oder sonst etwas, ohne das dann gleich die Freundschaft gefährdet ist.

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Glaubt ihr, es ist von Vorteil, gut befreundet zu sein und gemeinsam als Doppelpaarung zu spielen?

Lisa: Also ich für meinen Teil denke es schon. Dadurch, dass man den anderen besser kennt, kann man im Spiel auch besser den anderen verstehen und sehen, was sie vielleicht in dem Moment denkt und braucht.

Hannah: Das kann ich nur bekräftigen. Ich glaube aber nicht, dass es immer von Vorteil ist. Ich kenne zum Beispiel eine Paarung die sich getrennt hat, nachdem sie zusammen gezogen sind.

Lisa: Ich persönlich denke, wir können auch sehr gut trennen. Sport ist Sport und Privat ist Privat. Hier sind wir möglicherweise anderen ein kleines Stück voraus.

Vielen lieben Dank für die Einladung und die Offenheit. Gibt es in nächster Zeit noch sportliche Ziele, die in der Küche ausgetüftelt wurden und auf dem Platz umgesetzt werden sollen?

Hannah: Wir sind immer auf der Suche nach den Prozentpunkten, an denen wir uns verbessern können. Natürlich haben wir auch Ziele, aber die bleiben in der Küche (lacht).

Lisa: Ansonsten stehen dieses Jahr noch ein paar spannende Turniere an, wie beispielsweise die German Open am 23. Februar. Wir wollen noch weitere Ranglistenturniere spielen, um uns diesbezüglich weiter zu verbessern. Hier müssen wir schauen und genau planen, wann und wo wir spielen. Denn teils müssen wir die Turniere auch selbst finanzieren und das ist teilweise ohne Sponsor für uns schwer.

Fazit

Freundschaft und Leitungssport sind gut miteinander zu vereinbaren. Sicherlich kommt es auf die jeweiligen Typen an. Das ein Leistungsgefüge auch sehr gut funktionieren kann, dafür gibt es genügend weitere Beispiel aus der Welt des Sports. Letztendlich muss dies jeder für sich selbst entscheiden und wir können festhalten, dass Freundschaft plus Leistungssport funktionieren kann, jedoch kein Ausschlusskriterium sein muss.

Kleine Randnotiz: Der aufmerksame Leser wird möglicherweise festgestellt haben, das am 23.2. auch Weiberfastnacht ist. Ein für den Rheinländer nicht ganz unwichtiger Termin. Vielleicht lassen sich die Zwei bei einem guten Abschneiden auf den Open zu einer kleinen Küchenparty überreden. Wenn es so gut funktioniert wie bei den Deutschen Meisterschaften, bei denen die beiden Dritte wurden, könnte es lustig werden.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Laufen macht Freu(n)de

Das ist eigentlich eine Frage, über die man heute kaum mehr nachdenken muss, und demnach sofort mit einem deutlichen „Ja“ zu beantworten ist. Das war allerdings nicht immer so, denn das ausdauernde Laufen verbreitete sich weltweit über die „Jogging-Bewegung“, die Anfang der 1970er Jahre in den USA ihren Ausgang nahm (siehe hierzu auch den Dokumentarfilm „I want to run“).  Als „Jogger“ erntete man damals nur unverständliches Kopfschütteln und Wissenschaftler, Ärzte und Psychologen machten sich ernsthafte Sorgen um dieses Phänomen. Was treibt Menschen dazu, spärlich bekleidet, stundenlang durch den Central Park in New-York-City zu rennen? Was? Frauen wollen Marathon laufen? Das geht doch gar nicht! Und die ersten wissenschaftlichen Studien beschäftigen sich mit der Frage, warum man ein solches Verhalten überhaupt in Betracht zieht? Sind es körpereigene Opiate, die den Läufer zum „Flash ohne Heroin“ verhelfen? Oder sind das alles „abnormale Persönlichkeitsausprägungen“, die dieses Verhalten induzieren (ganz nach dem Motto: „das sind alles durchgeknallte, total introvertierte Typen, die sich stundenlang in den Wald verziehen müssen, um herum zu rennen“). Nun, seit den 1980er Jahren begann dann zu diesen Fragen eine große Forschungswelle, deren Ergebnisse, sich zusammenfassend leicht nachlesen lassen (etwa bei Crandall, 1986; oder bei Stoll, Ziemainz & Schmidt, 2000).

Zum Thema: Freundschaften im Langstreckenlauf – Gibt es so etwas überhaupt?

Langstreckenlaufen ist in erster Linie eine Individualsportart. Betrachtet man diese leistungssportlich, so geht es darum, eine vorgegebene, „lange“ Strecke in möglichst kurzer Zeit zurück zu legen. Diese Anforderung klingt nach allem anderem, als nach „sozialem Miteinander“.  Aber genau diesem Fehlschluss sind die Sportpsychologen der frühen 1970er Jahre auch aufgesessen. Denn: Langstreckenlaufen ist zeitintensiv. Und genau hier kommen die sozialen Kontakte ins Spiel. Viele Läuferinnen und Läufern laufen höchstens im Wettkampf „allein“. Das Training findet beim „Lauftreff“ statt, bei dem Gespräche und Interaktion ein wichtiger Anreiz sind, um zu diesem Lauftreff zu gehen. In den späten 1980er Jahren wurde das Langstreckenlaufen als ein Werkzeug“ der Psychotherapie erkannt (siehe hierzu auch (Sachs & Buffone, 1984 oder Stoll & Ziemainz, 2012). Zentraler Gedanke ist – neben den ansonsten positiv wirkenden Mechanismen des Laufens  – die Idee, dass man so „leichter mit den Patienten ins Gespräch kommen kann“.

Mittlerweile haben sich eine Reihe verschiedener Wettkampf-Formate etabliert, bei dem der Gedanke des „Stresspuffer-Effektes“ durch soziale Unterstützung ein wesentlicher Bestandteil des Erlebnisses ist (so zum Beispiel der Transalpine-Run, der als Paar durchgeführt werden muss oder aber die Team-Marathonläufe, bei denen man als Dreier-Team starten muss und auch die Ziellinie gemeinsam überqueren muss, um gewertet zu werden). Langstreckenlaufen – und vor allen Dingen die neuen Formate des Laufens, wie z.B. das Trail-Running, fernab der großen City-Marathons ermöglichen unglaublich intensive, emotionale Erfahrungen, die umso glücklicher machen, je mehr man diese mit einem „Gleichgesinnten“ teilen kann.  

Dr. René Paasch: Freundschaften im Leistungssport Fußball

Das Konfliktpotential

Selbstverständlich bergen die o.g. Wettkampf-Formate auch reichlich „Konfliktpotential“ – dann allerdings nur, wenn man sich als Paar oder Team nicht gut genug kennt oder eben nicht in der Lage ist, „die Perspektive des anderen zu übernehmen“.  Blicke ich jedoch auf meine eigene läuferische Karriere zurück, so sind die Freundschaften, die sich hier ergeben haben, immer noch die stabilsten und langfristigsten. Selbst wenn man sich, z.B. aufgrund eines Umzugs, erst nach Jahren wiedertrifft, so sind das Lachen und die Freude über diese Wiedersehen sowie die Erinnerungen an das gemeinsam Erlebte wieder so präsent, so dass man den Eindruck hat,  dass keine Jahre der „Trennung“ dazwischen liegen würden. Mein kurzes wissenschaftliches Fazit also lautet: Es gibt bezogen auf die Frage, ob Laufen einsam macht,  mehr Mythen als Fakten. Ich persönlich behaupte: Laufen macht Freu(n)de!.

 

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Freundschaft im Profi-Sport

 

Literatur

Crandall, R. C. (1986). Running – the consequences. Jefferson, NC. McFarland.

Sachs, M.L. &  Buffone, G.W. (1984). Running as therapy.Lincoln: University of Nebraska Press.

Stoll, O. & Ziemainz, H. (2012). Laufen – psychotherapeutisch nutzen.  Berlin: Springer.

Stoll, O., Ziemainz, H. & Schmidt, U. (2000). Psychologie in Ausdauersportarten. Butzbach: Afra Sportbuch.

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