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Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche

Man spricht mit sich selbst? Das klingt ja fast pathologisch! Das könnte man tatsächlich denken. Sofort könnte da ein Bild eines älteren, ungepflegt aussehenden Menschen vor dem inneren Auge auftauchen, der an einer Bushaltestelle steht und ständig mehr oder weniger laut mit sich selbst redet. In der Tat gibt es psychische Erkrankungen, die dadurch auffallen, dass man genau diese Symptomatik beobachten kann. Aber genau das meine ich jetzt nicht; vielmehr die Art von Selbstgespräche, die auch im Sport allgegenwärtig sind.

Zum Thema: Stabile Handlungsführung durch Selbstinstruktionen

Wir führen eigentlich ständig „Selbstgespräche“. Denn wenn wir durch die Welt gehen, dann nehmen wir zunächst unsere Umwelt wahr (Informationsaufnahme) und wir verarbeiten diese Wahrnehmungen (Informationsverarbeitungen), im Wesentlichen, um unsere nächste Handlung vorzubereiten. Wenn wir dann handeln – im optimalsten Fall zumindest – begleiten wir diese Handlung, manchmal mehr, manchmal weniger bewusst, mit „Selbstinstruktionen“ oder „Selbstgesprächen“. Wenn wir eine Handlung abgeschlossen haben, dann werten wir das Ergebnis der Handlung eben auch aus – über Selbstgespräche. Diese „Selbstgespräche“ sind eigentlich nichts anderes als unsere Gedanken und dieser Prozess der Vorbereitung, Begleitung und Auswertung einer Handlung läuft zumeist mehr oder weniger unbewusst – oder besser gesagt automatisiert ab. Häufig kümmern wir uns gar nicht bewusst, um genau diese Prozesse, da dies ja auch Aufmerksamkeit und Konzentration „kostet“. Und eigentlich ist das ja auch eine sehr ökonomische Form des Handelns und der Steuerung von Handlungen, die wir uns auch hart erarbeitet haben (in den sehr frühen Jahren unseres Lebens). Wenn dann alles klappt, was wir so vorhaben, dann ist auch alles gut. Problematisch wird es erst, wenn unsere Gedanken – also unsere Selbstgespräche – uns bei der Handlungsausführung (aus welchem Grund auch immer), nicht mehr helfen, sondern eher stören.

So etwas geschieht insbesondere dann, wenn wir in „Drucksituationen“ oder Krisensituationen geraten. Vor lauter Hilflosigkeit und Bedrohungswahrnehmung in einer solchen Situation neigen unsere Gedanken (also unsere Selbstgespräche dazu), wenig strukturiert und steuernd, sondern eher chaotisch und wirr in unseren Köpfen herum zu kreisen. Das ist dann mitunter wenig hilfreich, um eine nächste Handlung vorzubereiten (und zu begleiten). So geschehen, bei ca. KM 68,5 bei meinen 100 Kilometerlauf in Biel (Zum E-Book: Einmal war ich in Biel). Ich lief gegen eine Wand von Schmerzen und erlebte einen mehr oder weniger starken „Ganz-Körperkrampf“. Eine Situation, die mein Weiterlaufen unmöglich machte und einem möglichen „Ausstieg“ aus dem Rennen zur Folge haben hätte können, wenn ich in dieser Situation nicht besonderen Wert darauf gelegt hätte, meine Gedanken bewusst zu steuern. In einer solchen Situation, darf man sich nicht von seinen Gedanken steuern lassen, sondern man muss selbst das Heft in die Hand nehmen und die Gedanken steuern. Denn wir wissen ja, dass diese Gedanken (Selbstinstruktionen) unsere nächste Handlung vorbereiten und begleiten. In diesem Fall, habe ich mir zunächst beruhigend zugeredet, habe mich erst einmal hingesetzt und dann bewusst (also mir selbst befehlend) eine Entspannung eingeleitet. Ich habe mir dann in einer kleinen Diskussion mit mir selbst klar gemacht, dass ich diese Situation der Schmerzen, so wie sie ist, akzeptieren muss, weil dies eben zu einem 100 Kilometer-Lauf dazu gehört. Je mehr ich diesen Zustand akzeptierte, desto gelassener wurde ich. „Mach den Schmerz zu deinem Freund“, war meine Selbstinstruktion – mein Gedanke in dieser Situation. Diesen habe ich wiederholend verinnerlicht, was dazu führte, dass ich die ganze Situation plötzlich wieder in einem weniger bedrohlichen Licht gesehen habe. Ich bekam somit zunehmend Kontrolle über die Situation zurück und konnte weiter laufen. Ganz ähnlich ging es mir auf den letzten zehn Kilometern des gleichen Rennens. Ich war körperlich so erschöpft, dass ich eine prinzipiell automatisierte und ökonomische Bewegung wie „Laufen“ nur unter großem – auch mentalen – Aufwand umsetzen konnte. Das ging nur noch, weil ich meine Laufbewegung sehr bewusst gesteuert habe. Wie viel länger ich dies hätte noch tun können, weiß ich nicht, aber ich wusste ja, dass nach 100 Kilometern Schluss ist. Es waren ja „nur noch“ fünf oder sechs Kilometer. Ich habe mich dann damit abgelenkt, umzurechnen. Also wie viele Stadionrunden sind fünf Kilometer? Und das habe ich mir dann bildlich vorgestellt. Das wiederum führte ebenfalls wieder dazu, dass ich dann diese, eigentlich für mich sehr kritische Situation, in einem weniger bedrohlichen Licht gesehen habe.

All das wäre nicht möglich, wenn wir nicht in der Lage wären, „mit uns selbst zu reden“, unsere Gedanken zu analysieren und im Bedarfsfalle steuernd diese „in die richtigen Bahnen zu lenken“.  Aus diesem Grund sind unsere Selbstgespräche, vor allen Dingen in kritischen Situationen so bedeutsam. Die richtigen Selbstinstruktionen machen ihn manchmal aus – den Unterschied zwischen „Aussteigen“ oder „Ankommen“.

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Thorsten Loch: Abstiegskampf – Wie Angst Leistung beeinträchtigt

Am kommenden Samstag endet die Bundesligasaison. Im Fokus steht dabei allen voran der Abstiegskampf – noch nie waren so viele Vereine wie in diesem Jahr vor dem letzten Spieltag akut abstiegsbedroht. Zwischen Platz 13 und 18 ist nahezu alles noch möglich. Die betroffenen Spieler der Vereine aus dem unteren Tabellendrittel stehen vor einer der größten Herausforderungen ihrer Karriere. Ebenso die Trainer, denen die Aufgabe zukommt, die unweigerliche Angst ihrer Akteure auf einleistungsförderndes Level zu bringen.

Zum Thema: Angst, Selbstkontrolle und Emotionsregulation

Den meisten Sportlern ist diese Situation bekannt: Man befindet sich mitten in einem wichtigen sportlichen Wettkampf und plötzlich überkommt einen ein Gefühl von Angst. Die einfachsten motorischen Bewegungen, welche sonst im Schlaf beherrscht werden, möchten einfach nicht mehr gelingen. Die Folge davon ist, dass man sein „peak performance“ nicht abrufen kann und versagt. Neueste Studien liefern Hinweise darauf, dass man dem negativen Einfluss von Angst im Sportkontext entgegenwirken kann, wenn man über ausreichend Selbstkontrollkraft verfügt.

Was ist Angst überhaupt?

Ärger und Angst sind zwei wichtige Basisemotionen, die im sportlichen Kontext eine große Rolle spielen. Ebenso wie beim Umgang mit Stress sollten Sportler diese Emotionen erkennen und regulieren können. Aufgrund der hohen subjektiven Wertigkeit des Wettkampfes empfinden Sportler in solchen Drucksituationen häufig Angst, welche wiederum die Aufmerksamkeitsfähigkeit der Sportler beeinträchtigen kann. So führt dieser Zustand der stark emotionaler Erregung dazu, dass eine eigentlich gut beherrschte sportliche Bewegung nicht erfolgreich ausgeführt wird. So kann Angst bzw. Stress im Wettkampf zu einer Leistungsminderung führen. Unsere Kognitionen werden blockiert, sprich die Fähigkeit sich zu konzentrieren, wichtige (kritische) Situationen im Wettkampf zu analysieren und zielgerichtet zu handeln (Alfermann/Stoll, 2005). Im Fußball und vielen weiteren Sportarten ist für ein erfolgreiches Abschneiden jedoch selektive Aufmerksamkeit erforderlich (Vickers, 1996). Das bedeutet, dass für den motorischen Ablauf irrelevante Reize (z.B. die Zuschauer oder Konsequenzen des Spielausgangs) ausgeblendet werden müssen und der Aufmerksamkeitsfokus stattdessen auf den relevanten Zielreizen liegen muss (z.B. Torerfolg, -verhinderung).

Wie Angst im Sport entsteht

Angst im Sport entsteht nach dem Stressmodell von Lazarus (mod. nach Eberspächer, 2007) aus der kognitiven Bewertung der Situation. Hierbei schätzen die Sportler den Sachverhalt, z.B. eine Wettkampfsituation zunächst als „bedrohlich“ ein. Hinzu kommt, dass die eigenen Ressourcen, die hierfür zur Verfügung stehen, als „nicht ausreichend“ angesehen werden. Das Ergebnis ist ein Absinken der Selbstwirksamkeitserwartung und damit einhergehen eine verringerte Leistung. Bandura (1977) definiert Selbstwirksamkeitserwartung als Einschätzung der eigenen Fähigkeit/Fertigkeiten, Handlungen so zu organisieren und auszuführen, dass angestrebte Ziele erreicht werden können.

Ähnlich wie beim Stress enthält Angst eine externe (äußere Bedingungen) und eine interne Komponente (Einschätzung der eigenen Bewältigungsressourcen). Da die Wettkampfsituation nur schwer zu beeinflussen ist, ist es vor allem die interne Komponente, die Trainer nutzen müssen, um ihren Sportlern bei der Angstregulation zu unterstützen. Lob und positive Ansprache fördern das (Selbst-)Vertrauen und tragen dazu bei, „bedrohliche“ Situationen zu bewältigen.

Kraftspeichermodell der Selbstkontrolle

Um zu erklären, warum Menschen ihre Aufmerksamkeit nicht einfach von bedrohlichen Reizen weg und hin zu relevanten Reizen steuern können, kann das Kraftspeichermodell der Selbstkontrolle von vor Baumeister, Vohs und Tice (2007) zu Rate gezogen werden. Selbstkontrolle wird definiert als Fähigkeit, automatische Handlungstendenzen, Emotionen oder auch Aufmerksamkeitsprozesse zu unterbinden und stattdessen alternative Prozesse einzuleiten. Dies lässt sich am folgenden Beispiel genauer erläutern: Ein Spieler erhält von seinem Trainer die Anweisung, nach Ballverlust in der Offensive nicht an dem Fehler hängen zu bleiben, sondern schnellstmöglich in ein Gegenpressing umzuschalten. Da der Spieler jedoch die Tendenz dazu hat, stehen zu bleiben, muss dieser Selbstkontrolle aufbringen, um sich an die Vorgaben des Trainers zu halten. Die Praxis zeigt, dass die Sportler häufig die Vorgaben nicht umsetzen können (oder wollen). In diesem Fall scheitert die Selbstkontrolle. Das liegt laut Baumeister et al. unter anderem daran, dass sämtliche Selbstkontrollhandlungen auf einer begrenzten Ressource basieren – einem metaphorischen Kraftspeicher. Der Kraftspeicher liefert sozusagen den Treibstoff für Selbstkontrollhandlungen jeglicher  Art. Jedoch kann sich die Kapazität des Kraftspeichers vorübergehend erschöpfen. Nach vorangegangenen Selbstkontrollhandlungen ist unter Umständen vorerst nicht mehr ausreichend Kapazität für weitere Selbstkontrollhandlungen im Kraftspeicher verfügbar, was in der Folge zu schlechterer Selbstkontrollleistung führt. Diesen Zustand der Erschöpfung des Kraftspeichers bezeichnet man auch als Ego Depletion.

Selektive Aufmerksamkeit  

Ebenfalls vom Kraftspeicher abhängig ist die selektive Aufmerksamkeit, da man für sie Selbstkontrolle ausüben muss: Man muss dem Impuls entgegensteuern, ablenkenden irrelevanten Reizen Beachtung zu schenken. Oaten und Cheng (2006) konnten dies in ihrer Studie verdeutlichen: Die Teilnehmenden sollten drei zuvor festgelegte Quadrate aus einer Gruppe identischer Quadrate, die sich in zufälligen Mustern auf dem Computerbildschirm bewegten, mit den Augen nachverfolgen und am Ende jedes Durchgangs mit der Maus anklicken. Gleichzeitig lief ein Eddy Murphy-Video als Ablenkung. Wie erwartet konnten die Teilnehmenden die drei Quadrate seltener wiederfinden, wenn ihr Kraftspeicher zuvor durch eine Selbstkontrollaufgabe, die mit der Aufmerksamkeitsaufgabe nichts zu tun hatte, erschöpft worden war. Im Zustand von Ego Depletion konnten sie ihre Aufmerksamkeit vermutlich weniger erfolgreich von dem Video fernhalten und wurden deshalb bei der Aufgabenbearbeitung beeinträchtigt.

Fazit

Stress, Ärger, Angst – die Palette der Emotionen, mit denen Sportler in Wettkampfsituationen zu kämpfen haben, ist breit gefächert und kann damit die Leistungsfähigkeit spürbar beeinträchtigen. Die Trainer der abstiegsbedrohten Vereine sind gut darin beraten, bei der Regulation negativer Emotionen zu helfen. Dazu gehört, die optimale Spannung zu finden, Stress abzubauen und Angst oder Ärger in die richtigen Bahnen zu lenken. Stress und Angst erhöhen die Leistung, wobei ein zu hohes oder zu niedriges Level zu Leistungseinbußen führen kann. Wir dürfen gespannt sein, welcher Trainer die richtigen Worte findet, um seinen Spielern das nötige Selbstvertrauen zu geben, um den bitteren Gang in das Unterhaus doch noch abwenden zu können.

 

Literatur:

Alfermann, D./Stoll, O. (2005).

Baumeister, R. F., Vohs, K. D. & Tice, D. M. (2007). The strength model of self-control. Current Directions in Psychological Science, 16, 351-355.

Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84, 191-215.

Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.

Oaten, M./Cheng, K. (2006). Improved self-control: The benefits of a regular program of academic study. Basic and Applied Social Psychology, 28, 1-16.

Vickers, J. N. (1996). Visual control when aiming at a far target. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 22, 342−354.

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Hallenser Sportpsychologen bei Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie

Prof. Dr. Oliver Stoll und Michele Ufer berichten im Rahmen der Arbeitstagung für Sportpsychologie in Freiburg (Breisgau) über ihre Arbeit in Theorie und Praxis. Oliver Stoll erläutert ein „Tool“, das im Rahmen von Team-Building-Prozessen zum Einsatz kommen kann. Michele Ufer präsentiert erste Ergebnisse aus seinem laufenden Forschungsprojekt zu Flow-Erfahrungen und Selbststeuerungsfähigkeiten im Ultralangstreckenlauf. Darüber hinaus informieren Jan Pithan und Ina Blazek insbesondere über Jan Pithan‘s  aktuelles Projekt im Bereich Visualisieren im Wasserspringen. Informieren Sie sich auch über das Restprogramm in Freiburg: http://www.asp2015.de

Arbeitskreis „Wahrnehmen und Entscheiden“

Do, 14.05., 17:25: Jan M. Pithan, Ina Blazek, Oliver Stoll: Der Einfluss von Visualisierung und Beobachtung im Wasserspringen auf die zentrale Alpha- Aktivität

Praxis-Workshop 4

Fr, 15.05., 9:00 – 10:20 Uhr: Oliver Stoll: Team Building in den Sportspielen – wie erhöhe ich die aufgabenbezogene Mannschaftsattraktivität? Möglichkeiten von Rollenspielen anhand eines Beispiels aus der Praxis

Arbeitskreis Belastung & Erholung im Sport

Fr. 15.05.: Michele Ufer, Oliver Stoll: Determinanten und Auswirkungen des Flow-Erlebens beim Ultramarathon-Lauf unter extremen Bedingungen

 

Weitere Informationen zur ASP-Tagung: http://www.asp2015.de

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Sebastian Reinold: Welcher Sport eignet sich für mich?

Was beim Sport für den einen ein Riesenspaß ist, ist für den anderen ein Graus. Zum Glück ist die Auswahl der möglichen Aktivitäten mittlerweile breit gefächert und es kommen immer wieder neue aufregende Trends hinzu.

Zum Thema: Sportmotivationstypen im Freizeitsport

Vor einigen Tagen war ich mit einer Gruppe im Harz unterwegs. Das Ziel bestand darin, auf den Brocken zu steigen – Natur pur, viel frische Luft, nette Leute, moderate Anstrengung. An diesem Tag waren viele Leute mit dem gleichen Ziel unterwegs, aber es standen am selben Tag auch ganz viele andere auf Fußballplätzen oder rackerten sich im Fitnessstudio ab.

Sport ist eine Aktivität, die viele unterschiedliche motivationale Anreize bietet. Sudeck, Conzelmann und Lehnert (2011) konnten für Personen im mittleren Erwachsenenalter neun unterschiedliche Sportmotivationstypen herausstellen, die die verschiedenen Anreize zusammenfassen:

Kontakfreudige(r) Sportler/-in

Diesem Typen sind vor allem Aspekte des Sporttreibens wie der Wettkampfgedanke sowie der soziale Kontakt wichtig. Der Sport wird nicht als Mittel zum Zweck z. B. zur Optimierung des Aussehens gesehen.

Bevorzugte Aktivitäten: Mannschaftssportspiele, Laufen in der Gruppe, Fitness in der Gruppe, Kampfsportarten

Figurbewusste(r) Ästhet/-in

Dieser Typ erfreut sich an der Bewegung selbst vor allem ästhetischen Bewegungen wie Tanzen. Auch sind Aspekte des Aussehens von Bedeutung.

Bevorzugte Aktivitäten: Tanzen, Ballett, Zumba, Artistik, Turnen

Aktiv-Erholer/-in

Dieser Typ möchte sich vor allem psychisch zu erholen. Dies möchte er durch Ablenkung durch den Sport erreichen. Andere Funktionen des Sports sind diesem Typen eher egal.

Bevorzugte Aktivitäten: Entspannungskurse, Meditation, Billard, Bogenschießen, Rudern, Wandern, Schwimmen

Erholungssuchende Fitnessorientierte

Dieser Typ ähnelt dem Aktiv-Erholer, unterscheidet sich aber durch den vermehrten Wunsch nach verbesserter Fitness und Gesundheit.

Bevorzugte Aktivitäten: funktioneller Kraftsport, Fitnesskurse, Nordic Walking, Wassergymnastik, Entspannungskurse, Yoga, Pilates

Sportbegeisterte

Für diesen Typen steht die Bewegung an sich im Vordergrund. Dieser Typ möchte vor allem Freude erfahren. Zwecke wie Fitness oder Aussehen betrachtet dieser Typ als nicht wichtig.

Bevorzugte Aktivitäten: alles, bitte aber immer mal was anderes

Gesundheits- und Figurorientierte

Wie der Name schon verrät ist für diesen Typen vor allem die Verbesserung der körperlichen Gesundheit wichtig. Dieser Typ verbindet das Thema Gesundheit stark mit der Gewichtsregulierung.

Bevorzugte Aktivitäten: Fitnesskurse, funktionelle Kraftsport, Nordic Walking, Wassergymnastik, Yoga, Pilates

Figurbewusste Gesellige

Das zentrale Motiv dieses Typs ist der soziale Kontakt. Figurbewusste Gesellige nutzen den Sport zur Gewichtsregulation und zur Körperformung.

Bevorzugte Aktivitäten: Mannschaftssportspiele, Golf, Klettern, Fitness in der Gruppe

Figurorientierte Stressregulier/-in

Dieser Typ betreibt Sport hauptsächlich wegen seines positiven Nutzens. Dieser Typ möchte seinen Körper formen sich aber auch durch das Sporttreiben erholen.

Bevorzugte Aktivitäten: funktioneller Kraftsport, Nordic Walking, Wassergymnastik Rudern, Schwimmen, Yoga, Fitness- und Entspannungskurse

Erholungssuchende Sportler/-in

Dieser Typ ähnelt dem kontaktfreudigen Sportler. Für ihn steht allerdings nicht der Kontakt im Vordergrund sondern die Erholung die durch den Sport erreicht werden kann.

Bevorzugte Sportarten: Entspannungskurse, Yoga, Meditation, Nordic Walking, Wassergymnastik, Rudern

Was nutzt es, den eigenen Sportmotivationstypen zu kennen?

Stellen Sie sich vor, Ihr Arzt empfiehlt Ihnen Sport zu machen. Sie gehen daraufhin Joggen, finden es total demotivierend und hören direkt wieder auf. Wenn Sie allerdings einen anderen Sport ausgeübt hätten, dann wären Sie immer noch dabei. Kennen Sie also Ihren Typen, können Sie oder eine sportkundige Person für sich einen Sport auswählen, der dauerhafter attraktiv bleibt. Mit dieser Sportaktivität werden Sie sich wesentlich wohler fühlen, als mit den Standardantworten Joggen, Fitnessstudio, Fahrradfahren oder Schwimmen.

Ihren Sportmotivationstypen können Sie mit dem Berner Motiv- und Zielinventar (Lehnert, Sudeck, Conzelmann, 2011) auch selbstständig online herausfinden: http://www.zssw.unibe.ch/befragungen/sportberatung/sporttyp.htm

Für eine persönliche Beratung, welche Sportart zu Ihnen passt, können Sie mich gerne kontaktieren.

 

Literatur:

Lehnert, K., Sudeck, G., & Conzelmann, A. (2011). BMZI – Berner Motiv- und Zielinventar im Freizeit- und Gesundheitssport. Diagnostica, 57, 146-159.

Sudeck, G., Lehnert, K., & Conzelmann, A. (2011). Motivbasierte Sporttypen. Auf dem Weg zur Personorientierung im zielgruppenspezifischen Freizeit- und Gesundheitssport. Zeitschrift für Sportpsychologie, 18, 1-17.

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Thorsten Loch: Trainer unter Druck

Emotional war die Verkündung der vorzeitigen Trennung von Jürgen Klopp und Borussia Dortmund. Noch emotionaler waren die Interviews mit Freiburgs Trainer Christian Streich nach dem 2:2 beim VfB Stuttgart. Im Anschluss an die Partie schob sich der Breisgauer sichtlich mit den Tränen kämpfend einen schwarzen Peter zu, den niemand verteilen wollte. Nehmen wir die jüngsten Trainerwechsel in Hamburg und Hannover dazu und berücksichtigen wir auch die Diskussionen um Pep Guardiola und Vereinarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth beim FC Bayern München wird deutlich, dass unheimlich Bewegung in den Trainer- und Funktionsstäben der Fußball-Bundesliga ist. Zum Ende der Saison steigt der Druck im System, mit dem allen voran die Trainer umgehen müssen.

Zum Thema:  Wie verändert sich das Anforderungsprofil eines Trainers?

Der heutige Trainer im Leistungssport Fußball ist nicht mehr nur derjenige, der sich ausschließlich mit der Gestaltung der Rahmentrainingsplänen und den taktischen Formationen beschäftigt. Dass sich das Anforderungsprofil des Trainers im Leistungssport Fußball in den letzten Jahren erheblich gewandelt hat, lässt sich allein an den erweiterten Ausbildungsinhalten der Fußballlehrerausbildung des DFB ablesen. Neben Fußballlehre und Trainingswissenschaft, zählt die Sportpsychologie mittlerweile zu den drei Stammfächern (Lobinger/Mickler, 2012). Im Alltag treten Facetten der Führung eines Teams in den Vordergrund. So gilt es beispielsweise die Motivation des gesamten Teams über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten oder so genannte ¨sensiblen¨ Spieler das Vertrauen zu schenken, um deren Leistungspotenzial auch in schwierigen Zeiten stabil abrufbar zu halten. In einem Zeitungsinterview mit der FAZ im Jahr 2012, brachte es Jürgen Klopp auf den Punkt: “Ich empfinde es als meine Aufgabe, den Jungs den Raum zu geben, sich entfalten zu können, und für eine Atmosphäre zu sorgen, in der sich Leistungsbereitschaft lohnt”.

Rollen und Kompetenzen des Trainers

Brack und Hohmann (2005) formulieren unter Einbeziehung von Klöckner (2000) ein allgemeines Trainerprofil, dass die notwendigen fachlichen Kompetenzen eines erfolgreichen Trainers beschreiben. Die Autoren weisen dem Trainer drei Rollen zu, aus denen sich rollenspezifische Kompetenzen ableiten und die, zusammengenommen, die Trainerkompetenz bilden:

Trainer

In der Rolle des Trainers ist er Experte für die Planung, Durchführung, Kontrolle und Auswertung von Training und Wettkampf.

Coach

Die Rolle des Coachs definiert ihn als Experten für zwischenmenschliche Beziehungen mit dem Schwerpunkt führungspsychologischer Fähigkeiten.

Manager

Als Manager von Spitzenleistungen richtet sich sein Augenmerk auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen bzw. des sportlichen Umfelds des Athleten oder der Mannschaft. Sowohl die Auswahl und Rekrutierung des Spielerkaders und des Trainerstabes als auch die Öffentlichkeitsarbeit.

Der Bracksche Entwurf eines Trainerprofils überzeugt durch seinen systematischen Aufbau, der die Heterogenität und Komplexität trainerbezogener Anforderungen verdeutlicht. Zudem erlaubt der Entwurf die Integration weiterer Rollen und Kompetenzen. In jüngster Vergangenheit hat Nordmann (2007) darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Trainerprofil erneut im Wandel befindet. Er unterteilt in Rollenkonstante und Rollenerweiterung. Als wichtigste Konstante nennt Nordmann in diesem Zusammenhang die charismatische Trainerpersönlichkeit, der es gelingt “Athleten und Teams (auch die Betreuer) zu hohen und höchsten Leistungen – und dies zu bestimmten Zeitpunkten (etwas Europa- und Weltmeisterschaften, Olympischen Spiele) – zu führen (S. 19). Solch ein Trainer zeichnet sich durch ein hohes Maß an Fachwissen sowie durch methodisches und pädagogisch-psychologisches Können aus.

Mehrfachqualifikationen werden verlangt

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass das Anforderungsprofil des Trainers ein dynamisches und an Komplexität gewinnendes ist. Von dem zukünftigen Trainer werden Mehrfachqualifikationen als Bewegungs- und Trainingswissenschaftler sowie als Pädagoge und Psychologe verlangt. Je nach Situation muss dieser in die unterschiedlichen Rollen schlüpfen und seine Mannschaft zu Höchstleistungen befähigen. Der Trend, in den Funktionsstäben auf Experten zu setzen, die dem Trainer vertrauensvoll zur Seite stehen, wird sich fortsetzen. Sicher auch in Bezug auf die Sportpsychologie.

 

Literatur:

Brack, R. (2002). Sportspielspezifische Trainingslehre: wissenschafts- und objekttheoretische Grundlagen am Beispiel Handball. Hamburg: Czwalina.

Brack, R./Hohmann, A. (2005). Sportspiel-Trainer und Sportspieltrainerinnen. In A. Hohmann, M. Kolb, K. Roth (Hrsg.), Handbuch Sportspiel. Schondorf: Hofmann.

Klöckner, E. (2000). Wissen-Schaffen in einer neuen Denkkultur. Wie erwerben Trainerinnen und Trainer psychologische Kompetenz? In H. Allmer, W. Hartmann & D. Kayser (Hrsg.), Sportpsychologie in Bewegung: Forschung für die Praxis. Köln: Sport und Buch Strauß.

Lobinger, B./Mickler, W. (2012). Trainerausbildung und „Coach the Coach“ im Fussball. In D. Beckmann-Waldenmayer & J. Beckmann (Hrsg.). Handbuch sportpsychologischer Praxis. Mentales Training in den olympischen Sportarten. Balingen: Spitta Verlag.

Nordmann, L. (2007). Bestandsaufnahme, Perspektiven und Erfordernisse der Trainerausbildung in Deutschland. Leistungssport, 35 (2), 44-47.

Patsanáras, N. (1994). Der Trainer als Sportberuf. Schorndorf: Hofmann.

Riedl, L./Cachay, K. (2002). Bosman-Urteil und Nachwuchsförderung. Auswirkungen der Veränderung von Ausländerklauseln und Transferregelungen auf die Sportspiele. Schorndorf: Hofmann.

Weidig, T. (2010). Trainer. Das Trainerverhalten in Spiel- und Wettkampfpausen auf dem Prüfstand. Köln: Sportverlag Strauß.

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Thorsten Loch im Hessischen Rundfunk

Das Nachrichtenradio des Hessischen Rundfunks HR-Info beschäftigte sich hintergründig mit der angekündigten Vertragsauflösung von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund. Hierzu wurde Thorsten Loch von die-sportpsychologen.de befragt. Mit Unterstützung des Senders können wir den gesamten 5-minütigen Beitrag online zur Verfügung stellen:

 

Copyright by hr-iNFO, http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/

Zum Profil von Thorsten Loch: http://www.die-sportpsychologen.de/profile/thorsten.loch/

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Katharina Petereit: Trainerverhalten im Fokus

Unzufriedenheit, Leistungsabfall oder Dropout von Sportlern sind häufig Folgen einer instabilen Trainer-Athlet-Beziehung. Trainer realisieren oftmals nicht, dass die entscheidende Arbeit auf und neben dem Platz von ihren Athleten anders eingeschätzt wird als sie es selbst wahrnehmen. Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit aus dem Fußballbereich zeigt nun, dass sich die Selbst- und Fremdeinschätzung des Trainerverhaltens innerhalb der untersuchten Mannschaften signifikant unterscheiden und welche praktischen Maßnahmen sich daraus ergeben können. 

Zum Thema: Fremd- und Selbsteinschätzung  des Trainerverhaltens und dessen Auswirkungen auf das Trainingsklima und die Selbstwirksamkeitserwartung von Athleten

Trainerverhalten, der Einsatz von Feedback sowie die Trainer-Athlet-Interaktion sind zwar häufig untersuchte und diskutierte Themen in der Sportpsychologie (vgl. Chelladurai, 1990; Würth & Alfermann, 2001; Pfeffer, Würth & Alfermann, 2004), doch häufig schwer greifbar.  Es werden hohe Erwartungen an einen Trainer gestellt – sowohl aus Sicht der Athleten als auch aus Sicht der Eltern. Diese sind nicht nur auf das Training und die Leistungsentwicklung bezogen, sondern ebenso auf die soziale Unterstützung seitens des Trainers. Vor allem im Nachwuchsleistungssport ist der Trainer oft ein Mutter- beziehungsweise Vaterersatz (Alfermann & Stoll, 2010). Ihm werden die Gründe für schlechte Leistungen oder negative Stimmungen der Athleten zugeschrieben. Trainer sind häufig der Anlass, dass jugendliche aber auch bereits erfolgreiche Sportler ihre Karriere beenden und aus ihrem Sport aussteigen. Durch eine stabile Beziehung zwischen Trainer und Sportler und das positive Erleben des Sports kann ein solcher Ausstieg vermieden werden.

Erfassung der Trainer-Athlet-Beziehung

Anlässlich meiner Abschlussarbeit habe ich den Versuch unternommen, genau dieses Thema aufzugreifen und die Trainer-Athlet-Beziehung am Beispiel von fünf Mannschaften aus dem Nachwuchsleistungsfußball zu erfassen. Dies geschah mithilfe von Fragebögen zum Trainerverhalten (Leadership Scale for Sports für Kinder und Jugendliche, Alfermann, Saborowski & Würth, 1997), zum Trainingsklima (Perceived Motivational Climate in Sport Questionnaire, Alfermann, Saborowski & Würth, 1997) und zur Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung (SWE, Jerusalem & Schwarzer, 1999). Die Einschätzung des Trainerverhaltens und Trainingsklimas erfolgte sowohl aus der Trainer- als auch Spielerperspektive (Selbst- und Fremdeinschätzung). Die Allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung der Athleten wurde hinsichtlich des Feedbacks (soziale Überredung) von Trainern, welches einen wichtigen Bestandteil für die Entwicklung der Selbstwirksamkeit darstellt, zusätzlich erfragt.

Untersuchungsergebnisse

Im Hinblick auf die untersuchten Hypothesen, können folgende Ergebnisse zusammengefasst werden. Innerhalb jeder Mannschaft unterscheidet sich die Selbst- und Fremdeinschätzung des Trainerverhaltens signifikant. Bei zwei von drei Mannschaften schätzt der Trainer sein Verhalten positiver ein als die Spieler. In drei von fünf Mannschaften können signifikante Unterschiede zwischen der Einschätzung des Trainers und der Spieler hinsichtlich des Trainingsklimas festgestellt werden. In zwei Mannschaften konnte ein Zusammenhang zwischen dem Führungsverhalten und einem aufgabenorientierten Trainingsklima ermittelt werden. Die Abhängigkeit der Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung der Athleten von der Einschätzung des Trainerverhaltens konnte nicht bestätigt werden. Lediglich die Dimension Belohnung des Leadership Scale for Sports korreliert bei einer Mannschaft mit dem Wert der Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung.

Bedeutung für die Praxis

Festzuhalten ist, dass Unterschiede zwischen dem Selbst- und Fremdbild von Trainern herausgestellt werden konnten und sich die unterschiedlichen Dimensionen des Trainerverhaltens unterschiedlich auf das motivationale Klima einer Mannschaft auswirken. Für mögliche sportpsychologische Interventionen sollte jedoch auch die Richtung des Unterschieds betrachtet werden. Die häufig getroffene Aussage, dass Trainer sich ohnehin positiver einschätzen als ihre Athleten, kann mittels dieser Untersuchung nicht bestätigt werden. Ein Ansatz wäre beispielsweise, die Unterschiede einzelner Aussagen der Fragebögen genauer zu betrachten und Diskrepanzen möglicherweise durch Einzel- oder Teambesprechungen zu erfragen. Hinsichtlich der Zufriedenheit, Leistungsentwicklung, Bindung und dem Zusammenhalt der Athleten spielt die Trainer-Athlet-Beziehung eine nicht unbedeutende Rolle. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die verwendeten Fragebögen einen Überblick über die Trainer-Athlet-Beziehung innerhalb der einzelnen Mannschaften geben konnten und eine Einordnung des Trainerverhaltens zulassen. Es konnten einige Tendenzen festgestellt werden, so dass Interventionen zur Optimierung der Trainer-Athlet-Beziehung eingeleitet werden können. Zudem können Videoaufzeichnungen helfen, die Selbst- und Fremdwahrnehmung abzugleichen und die Gründe für die Einschätzung des Trainerverhaltens herauszufinden.

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Thorsten Loch: Von Arminen, Fohlen, David & Goliath

Das Team der Stunde im laufenden DFB-Pokalwettbewerb heißt Arminia Bielefeld. Knapp neun Monate nach dem Abstieg herrscht beim Drittligisten wieder eitel Sonnenschein. Alle Zeichen stehen auf Wiederaufstieg und nach dem berauschenden 3:1 im Achtelfinale gegen Werder Bremen geht auch der Pokaltraum des Teams von Trainer Norbert Meier weiter. Im Viertelfinale steht für die Arminen nun das nächste Highlight an, nämlich dann, wenn die Fohlen aus Mönchengladbach zu Gast sind.

Zum Thema: Woran sich Außenseiter orientieren sollten

Sinnbildlich für den Sieg eines Außenseiters gegen einen vermeidlich überlegenen Gegner ist die biblische Geschichte David gegen Goliath. Wenn man diese Geschichte genauer unter die Lupe nimmt und der Frage nachgeht, wie es David geschafft hat, den schier übermächtigen Gegner zu besiegen, scheinen hierbei sechs Faktoren ausschlaggebend zu sein (Linz, 2014):

  1. Mut, Unerschrockenheit
  2. Vertrauen auf den Sieg
  3. Wissen um die eigene Stärke und Einsatz genau dieser Stärken
  4. Handeln, ohne zu zögern
  5. Überraschungsmoment (was beinhaltet, als Erster zu handeln)
  6. Gnadenlosigkeit

Was können Trainer aber mit dieser Grundlage anfangen?

Keine Angst vor großen Namen

Zuerst besteht die Aufgabe des Trainers darin, der Mannschaft die mögliche Angst vor dem Kontrahenten zu nehmen. Dabei ist besonders hilfreich, auf die möglichen Schwächen und Probleme des Gegners einzugehen. Eine gute Möglichkeit besteht darin, das Team an frühere Spiele zu erinnern, in denen ihr ein überraschender Erfolg gelungen ist. Zudem ist es von Vorteil, nicht den Sieg in den Vordergrund zu stellen, sondern Handlungs- und Zwischenziele zu formulieren. So wird der vermeintlich unüberwindbare Aufgabe in kleinere zu bewältigen Sequenzen zerlegt. Dies hat zur Folge, dass mit jedem erreichtem Etappenziel das Selbstvertrauen der eigenen Spieler steigt.

Vertrauen in die eigene Stärke

David beschäftigt sich nicht mit den möglichen Konsequenzen, die ein Sieg nach sich zöge oder was ihm im Falle einer Niederlage bevorstünde. Vielmehr besinnt er sich auf seine Stärken (Kompetenzerwartung), was ihm Kraft und Handlungsfähigkeit liefert. Sich mir der eigentlichen Handlung zu beschäftigen und nicht mit den möglichen Konsequenzen, ist wichtig, denn was die Zukunft bringt, kann ich nicht beeinflussen, jedoch die vorgeschalteten Handlungen, welche dazu führen.

Aus eigener Stärke handeln

Aus eigener Stärke handeln bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Bielefelder Mannschaft um Trainer Meier nicht auf mögliche Fehler der Gladbacher warten sollte. Es ist naiv zu glauben, dass den spielstarken „Fohlen“ aus Gladbach gravierende Fehler beispielsweise im Aufbauspiel unterlaufen werden. In diesem Punkt sollten sich die Arminen auf ihre Stärken berufen. David probiert eine Rüstung an, legt diese jedoch wieder ab, weil er es nicht gewohnt war, mit dieser zu kämpfen. Auch geht er nicht mit dem Schwert in den Kampf, sondern besiegt Goliath mit seiner Steinschleuder, welche er tagtäglich nutzt. Trainer Meier sollte seine Mannschaft gemäß ihrer Stärke aufstellen und spielen lassen. Dies muss nicht zwangsläufig etwas Spektakuläres sein. Ein alltägliches Mittel gekonnt eingesetzt, macht jedem Gegner das Leben schwer.

Entschlossenes und überraschendes Handeln

In der Geschichte fackelt der Schäfer David nicht lange. Er tastet sich nicht vorsichtig an und erkundet mögliche Stärken und Schwächen Goliaths. Er hat eine einfache Strategie und setzt diese unverzüglich um. Als Außenseiter kann man sich ein anfängliches Abtasten nicht leisten. Der Gegner ist mir überlegen und aus diesem Grund sollte ich nicht in der passiven Rolle verharren. Das Überraschungsmoment lebt davon, dass es sofort umgesetzt wird. Die Spieler der Borussia sind hervorragend taktisch geschult und werden sich schnell formieren können und weitere Bemühungen schnell zunichtemachen, wenn die Bielefelder in ihren Aktionen nicht entschlossen handeln.

Auf den „Todesstoß“ vorbereitet sein

Der entscheidende Faktor, der weiter oben genannt wurde, ist Gnadenlosigkeit (Linz, 2014). Dies hört sich auf den ersten Blick verwunderlich an, jedoch kommt diesen Faktor eine enorme Bedeutung zu. David begnügt sich nicht damit, dass er den Riesen mit dem Stein an der Stirn traf, nein, er nahm dessen Schwert und köpfte ihn. Nur so konnte sich David auch sicher sein, dass er den Kampf gewonnen hat. In der Vergangenheit gibt es einige Beispiele, wo der vermeintliche Außenseiter bis kurz vor Schluss auf der Gewinnerstraße war, jedoch dann die Courage vor dem eigenen Erfolg verlor. Ein klassisches Beispiel dafür war das Wimbledonendspiel aus dem Jahr 1993 zwischen Jana Novotna und Steffi Graf. Die Tschechin führte im dritten und letzten Satz gegen die bis dato wenig überzeugende Favoritin bei eigenem Aufschlag mit 4:1. Alles schien gelaufen. Novotna stand ganz dicht vor ihrem ersten Wimbledonsieg. Doch dann begann ihre Nerven an zu flattern und sie gewann kein Spiel mehr und musste letztendlich den Platz als Verliererin verlassen. Sie hatte ganz einfach Angst vor ihrem Erfolg bekommen.

Fazit:

Letztendlich gibt es einige Möglichkeiten für Trainer, das jeweilige Team auf ein solches Spiel vorzubereiten. Ob es wirklich der zwei Klassen tiefer spielenden Mannschaft aus Bielefeld gelingen wird, dem Bundesligisten ein „Bein zu stellen” und der Traum der Bielefelfer vom Pokalfinale und dem europäischen Wettbewerb weiterlebt, bleibt abzuwarten. Ich freue mich auf ein spannenden und unterhaltsamen Pokalabend und bin gespannt auf die Interviews nach dem Spiel, wenn Arminen und Borussen möglicherweise von David und Goliath berichten.

 

Literatur:

Linz, L. (2014). Erfolgreiches Teamcoaching: Ein Team bilden, Ziele definieren, Konflikte lösen. Meyer&Meyer Verlag: Aachen.

 

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Dr. Christian Reinhardt: Was Kevin Großkreutz Top-Managern beibringt

Schwachen Freundschaftsspielresultaten und dem holprigen Start in die EM-Qualifikation zum Trotz ist die deutsche Fußballnationalmannschaft ein außergewöhnliches Erfolgsmodell. Mehr noch: Die Weltmeister von 2014 und das Team dahinter gelten für immer mehr ambitionierte Unternehmer als direkte Vorbilder. Denn der konstante Erfolg der Nationalmannschaft ist nicht zuletzt auf die sukzessive Entwicklung von professionellen Führungsstrukturen zurückzuführen. Unternehmen sind im Grunde auch eine (größere) Mannschaft und können hier durchaus einiges vom Spitzensport lernen, was sie letztendlich wirtschaftlich noch erfolgreicher machen kann.

Für die-sportpsychologen.de berichtet Christian Reinhardt:

Der Spitzensport wird häufig als eine Metapher für die Wirtschaft genutzt. Starke Konkurrenz, hoher Druck, das Erreichen von Zielen, Hingabe und Teamwork, Führen von Teams – die grundlegende Architektur beider Welten ist fraglos sehr ähnlich. Jenseits jeglicher Metapher können die Prinzipien der Wirtschaft daher auf den Spitzensport angewendet werden und vice versa. Ein Beispiel für einen solchen Transfer sind die großen Fußballvereine, die sich in ihrer Struktur und Führung stark an Unternehmen orientieren (Europaweit sind 23 Fußballvereine an der Börse notiert). Umgekehrt kann auch der Wirtschaftssektor vom know how des Spitzensports profitieren.

Im internationalen Spitzensport hat sich bspw. die Erkenntnis durchgesetzt, dass Höchstleistungen immer auch das Ergebnis optimaler mentaler Prozesse sind. Elite-Athleten, Trainer und Teams arbeiten deshalb ebenso hart an ihren physischen wie an ihren psychischen Fähigkeiten. Sportpsychologen sind im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil des Systems geworden. Die Wirtschaft ist im Begriff dieses Potential zu entdecken.

Analog zu den Fußballvereinen, die sich in (kleinen) Schritten wirtschaftlichen Strukturen genähert haben, sind auch Unternehmen zurückhaltend in ihren Adaptionsversuchen. Aktuell beschränkt sich das sportpsychologische Engagement im Business-Bereich daher meist auf Vorträge, Workshops und Ratgeber wie „What Business Can Learn From Sport Psychology“ (Turner & Barker, 2014).

In den erwähnten Fußballvereinen begann die Entwicklung ähnlich: Zunächst kam die Sportpsychologie als einzelne Maßnahmen (also als zeitlich begrenzte Projekte) in Form von Kurzinterventionen (oft in Krisenzeiten) zum Einsatz. Ein Beispiel stellen Teambuilding Übungen dar, die meist im Rahmen der Vorbereitung einmalig durchgeführt wurden. Die Wirkung dieser Maßnahmen ist unbestritten, allerdings ist ein Team ein dynamisches System, das naturgemäß von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. So kann ein gut funktionierendes Team durch sportlichen Misserfolg, die Zentrierung der Aufmerksamkeit auf einen einzelnen (Star-)Spieler oder andere Ereignisse deutlich geschwächt werden.

Permanent, systematisch und damit nachhaltig

Die Notwendigkeit eines permanenten, systematischen und damit nachhaltigen Einsatzes (eine Überführung der Projekte in kontinuierliche Prozesse ohne zeitliche Befristung) der Sportpsychologie wurde deutlich. Schließlich beschäftigten die progressiveren Vereine einen oder mehrere hauptamtlichen Sportpsychologen. Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass die Arbeit mit den Sportlern und dem Trainerstab noch nicht das volle Potential eines Vereins ausschöpft. Als Goldstandard hat sich hier als erster Schritt die Identifikation aller relevanten Stakeholder herausgebildet, welche im zweiten Schritt bestmöglich in die wechselseitigen Interaktionsprozesse eingebunden werden.

Am Beispiel der Nationalmannschaft wird deutlich, wieso dieser Ansatz auch für die Wirtschaftswelt so relevant ist: Es geht darum, völlig unterschiedliche Charaktere unter einen Hut zu bringen, verschiedene Talente auf ein gemeinsames Ziel auszurichten usw. und nicht zuletzt darum in einem Spannungsfeld völlig unterschiedlicher Interessen zu agieren. Das betrifft bspw. Sponsoren, Verbände, Fans, Spieler, Trainer usw., die zwar auf den ersten Blick die gleichen Absichten verfolgen, während sich hinter den Kulissen häufig eine völlig unterschiedliche Interessenlage offenbart, die meistens nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Die daraus resultierenden internen Reibungsverluste stehen dem Erfolg im Weg – ohne, dass dies gewollt ist oder überhaupt bemerkt wird. Oftmals verhindern diese – meist verdeckt ausgetragenen – internen Grabenkämpfe, dass kostenintensiv investierte Ressourcen wie z.B. Spitzenspieler ihre Potenziale voll entfalten und das Maximum ihres Leistungsvermögens zum Gesamterfolg beitragen können. Um die gesetzten Ziele erreichen zu können (Weltmeisterschaft bzw. Unternehmenserfolg z.B. Marktfüher), bedarf es daher einer professionellen Führung, die diese Prozesse in die gewünschte Richtung koordiniert.

So dient das angesprochene Teambuilding nicht nur der Formung eines Teams und der Optimierung des Mannschaftszusammenhaltes, sondern auch der Verbesserung der individuellen Fähigkeit der Rollen- und Perspektivübername. Es geht darum, neben einem kollektiven Ziel auch eigene Ziele zu definieren und diese in Einklang zu bringen. In diesem Zusammenhang sind die Rolle im Team und auch ihre Anerkennung durch Trainer und andere Verantwortliche im Verein wichtig. Die Identifikation von Talenten und die talentgerechte Einbindung der Spieler ist ein mitunter intensiver und aufwendiger Prozess, der sich letztendlich jedoch lohnt. In Brasilien sind wir Weltmeister geworden mit Spielern, von denen einige vorher nur von wenigen Experten im Team, der Startelf oder auf der entsprechenden Position gesehen wurden. Jogi Löw und sein Stab hatten im ersten Schritt die jeweiligen individuellen Talente ihrer Spieler mühevoll analysiert und identifiziert – und sodann, auf der Basis dieser wertvollen Erkenntnisse, die Möglichkeit und nicht zuletzt auch den Mut und die Entschlossenheit ihre Spieler optimal zur Wirkung bringen zu können. Ein ganz wesentlicher Baustein des ganzheitlichen Mannschaftserfolges bestand dabei, in der im Innen- wie auch im Außenverhältnis in den Medien immer wieder aktiv gelebten Wertschätzung der individuellen Fähigkeiten und Stärken jedes einzelnen Spielers. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Film zur WM „Die Mannschaft“ heißt und sich selbst Kevin Großkreutz, der keine Minute gespielt hat, so sehr als Teil der Siegermannschaft fühlt, dass er sich den WM-Pokal tätowieren ließ. An dieser Stelle darf provokativ die Frage gestellt werden, inwiefern der viel diskutierte Fachkräftemangel tatsächlich ein Mangel an Fachkräften oder ein Mangel an Talentidentifikation und –förderung ist?

Optimierungspotential bei zwischenmenschlichen Prozessen

Neben der der Talentidentifikation und –förderung bieten insbesondere zwischenmenschliche Prozesse ein großes Optimierungspotential. Hier gehen Vereinen wie auch Unternehmen jährlich viel Geld, Zeit und Nerven verloren. Tatsächlich resultiert ein ganz wesentlicher Anteil der Probleme innerhalb eines Unternehmens oftmals aus verdeckten Konflikten. Abhängig vom Ausmaß und der Ebene auf der ein solcher Konflikt ausgetragen wird, kann der Schaden gravierend sein. Ein offen ausgetragener Streit zwischen Gesellschaftern, Geschäftsführern, Vorständen und Aufsichtsräten wird selten ohne Auswirkungen in den unteren Ebenen bleiben. Der Krankenstand 2012 hat die Wirtschaft ca. 53 Millionen Euro gekostet (Nöllenheidt & Brenscheidt, 2013). Die Zahl der Krankheitstage von Arbeitnehmern durch Burn Out und Stress am Arbeitsplatz ist um den Faktor 18 gestiegen (BKK Faktenspiegel 09/2011). Konflikte haben einen wesentlichen Anteil an diesen Zahlen.

Verdeckte, interne, soziale Konflikte wirken hier oftmals in ganz erheblichem Maße als unerkannte Kostentreiber. Deren Identifikation gestaltet sich, allein aus dem konventionellen Blickwinkel der Wirtschaft betrachtet, schwierig, da nicht zuletzt stand heute kaum entsprechende Key Performance Indikatoren oder direkt ablesbare Bilanzpositionen dafür existieren. Dabei sind Konflikte grundsätzlich nicht schlecht – im Gegenteil. Sie bieten hervorragende Chancen der Weiterentwicklung, wenn sie zielgerichtet geführt werden. Natürlich kann in einem Unternehmen mit hunderten oder tausenden Mitarbeitern nicht jeder Konflikt in diese Richtung geführt werden. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, ein Klima zu schaffen, in dem die entstehenden Konflikte durch die beteiligten Personen selbst erfolgreich verarbeitet werden. In guten Vereinen und Unternehmen sind die entscheidenden Stellgrößen für eine solche produktive Arbeitswelt die Trainings-/Arbeitsbedingungen, das Führungsklima und natürlich die Kommunikation.

Im Zusammenhang mit der Konfliktfähigkeit kommt der Kritikfähigkeit eine zunehmend größere Rolle zu. Wer nicht Kritikfähig ist, gerät häufig in Konflikte und ist nicht in der Lage, diese zu lösen. Darüber hinaus erhält jemand in dieser Situation auch nicht die Chance aus der – ggf. ja durchaus berechtigten – Kritik etwas zu lernen, da sie nur als Angriff gegen die eigene Person angesehen wird und nicht als Hinweis zur Verbesserung. Im Spitzensport sind Hinweise zur Optimierung fester Bestandteil des Trainings, der Wettkampfanalysen und der Trainer-Athleten-Kommunikation. Es ist daher schon immer eine Kernkompetenz der Sportpsychologie, eine entsprechende Atmosphäre zu gestalten. Dazu gehört es jedem Sportler/Mitarbeiter das Gefühl zu geben, wertgeschätzt zu werden und die Möglichkeit zu haben, sich zu seinem vollen Potential zu entwickeln. In der, professionell unterstützten, Optimierung zwischenmenschlicher Interaktion besteht heute eine der größten, noch unerschlossenen Ressourcen der Wirtschaft, auch bzw. grade im Kontext der sogenannten Industrie 4.0.

Seit dem 25. März, dem Start ins Länderspieljahr 2015, haben Jogi Löw und sein Stab die nächste Gelegenheit, Talente zu identifizieren und zu fördern. Für die Nationaltrainer geht es dabei nicht nur darum zu sehen, „wer kann in welchem System wo spielen?“, sondern auch ‚wie kann Spieler X im Gefüge der anderen Spieler funktionieren?“. In diesem Zusammenhang ist für Vereine und Unternehmen nicht nur die reine Identifikation von Talent von Bedeutung, sondern auch die Kompatibilität zum vorhandenen Team.

Es gewinnen oft nicht die Mannschaften mit den besten Spielern

So gewinnen nicht automatisch die Mannschaften mit den besten Spielern, sondern oft die Mannschaften, die am besten zusammenspielen. In Unternehmen ist es nicht anders. Die besten Mitarbeiter helfen nichts, wenn das Team/die Arbeitsgruppe/die Abteilung etc. nicht optimal zusammenarbeitet. Der Mehrwert, den die Sportpsychologie für Unternehmen bietet, erstreckt sich jedoch nicht nur auf die im Rahmen dieses Artikels thematisierten Bereiche. Unternehmen sehen sich perspektivisch stark ändernden internen und externen Einflüssen ausgesetzt und werden daher gezwungen sein, durch teilweise sehr deutliche Veränderungen, Kosten zu reduzieren, Qualität von Produkten und Dienstleistungen zu steigern, Wachstumschancen zu identifizieren und die Produktivität zu steigern (Kotter, 2012).

Die dazu erforderlichen Change-Prozesse stellen eine der größten Herausforderungen für erfolgreiche Führungskräfte aller Führungsebenen dar. Die seit Jahrzehnten stetig weiterentwickelten, erprobten und nicht zuletzt in der Nationalelf so erfolgreich konsequent angewandten Methoden der Sportpsychologie können hierbei unterstützen und einen wertvollen Beitrag leisten, Unternehmen im 21. Jahrhundert noch erfolgreicher zu machen.

Quellen:

BKK Faktenspiegel 09/2011, http://www.bkk.de/fileadmin/user_upload/PDF/Aktuelle_Ausgaben/FS_1109_AU.pdf
Kotter, J.P. (2012). Leading change. Wie Sie Ihr Unternehmen in acht Schritten erfolgreich verändern. Vahlen. München
Nöllenheidt, C. & Brenscheidt, S. (2013). Arbeitswelt im Wandel: Zahlen – Daten – Fakten (2013). Ausgabe 2013. 1. Auflage. Dortmund
Turner, M. J. & Barker, J. B. (2014). What Business Can Learn From Sport Psychology. UK: Bennion Kearny

Bild: Collage von Christian Reinhardt

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Elvina Abdullaeva: Musik besser als Doping?

Wofür benutzen Sportler Doping? Sie wollen ihre eigene körperliche Aktivität und Ausdauer während der Wettkampfzeit steigern. Musik kann das auch. Genau wie klassisches Doping kann Musik verschiedene physiologische Prozesse aktivieren, die den gesamten Körper mobilisieren. Aber im Gegensatz zu medizinischen Wirkstoffen hat die Musik dafür zusätzlich zwei Vorteile. Erstens, wirkt die Musik auf die Psyche, welche durch Inspiration und Begeisterung einem Mensch zu mehr Leistung verhilft. Und zweitens ist es legal. Wie hört sich denn ein Dopinglied an?

Zum Thema: Musik als Stimulator für den sportlichen und alltäglichen Wettkampf

Die Musik beeinflusst unseren Körper und Geist, wobei diese Wirkung immer unterschiedlich ist. So kann die Musik nicht nur aufmuntern, sondern auch beruhigen, z.B. nach einem Training, so dass die gesamte Regeneration beschleunigt werden kann. Außerdem hilft sie, die Aufmerksamkeit von der anstrengenden Trainingsbelastung abzulenken, wodurch sich die Trainingszeit verlängert und somit die Intensität des Trainings steigt. Die Musik kann auch das Erlernen und die Verbesserung spezifischer sportlicher Fertigkeiten unterstützen. Für jeden Anlass gibt es eigene Regeln, die man bei der Auswahl der Musik beachten soll. Hier betrachten wir die Musik als fördernden Impuls für den Körper und den Geist, die man nicht nur im Sport vor einem Wettkampf, sondern auch bei anderen Herausforderungen nutzen kann.

Musikalischer Stimulator

Also, Musik kann uns anspornen. Wie genau funktioniert das allerdings? Durch zwei Arten von Einflussfaktoren, den inneren und den äußeren (Karageorghis & Terry, 2011). Die inneren beziehen sich auf die Komponenten der Musik, also auf Rhythmus, Melodie, Harmonie und gegebenfalls den Liedtext. Alles, was die Musik ausmacht. Zu den äußeren Faktoren zählen kultureller Einfluss und persönliche Assoziationen und Erfahrung. Diese bestimmen wie die Musik von dem Zuhörer interpretiert wird, welche Bedeutung diese oder eine andere Melodie für ihn hat. Rhythmus, Liedtexte, persönliche Erinnerungen – Wie soll sich eine stimulierende Musik anhören? Ein Erfolgsmuster gibt es sicher nicht. Gerade in der Musik, bei der sich ja bekanntlich die Geister scheiden. Ein paar Empfehlungen können Ihnen aber bei der Suche nach ihrer individuellen Powermusik weiterhelfen.

1. Passen sie sehr gut auf den Rhythmus der Musik auf. Die rhythmische Komponente der Musik hat wohl den größten Einfluss auf die physiologischen Prozesse, wie z.B. die Atem- und Herzfrequenz. Wenn ihre Sportart fordert, dass Sie am Start in einem erhöhten Aktivierungszustand sind, wählen sie eine schnelle, peppige und tosende Melodie. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass laute Musik mit einem schnellen Tempo über 120 bpm (Schläge pro Minute) und ausdrucksvollem Rhythmus besonders effektiv ist (Karageorghis, 2014). Hier ein Beispiel:

Der ehemaliger britischer Sprinter, Iwan Thomas, der seinerzeits Weltmeister und Europameister war, spezialisierte sich auf die 400m-Strecke. Diese Strecke erfordert vom Sprinter eine Explosionsenergie die rund 44 Sekunden anhalten soll. Da Iwan Thomas sich selbst als eine sehr lockere Person charakterisiert, hat er in der Musik einen tollen Stimulator für sich gefunden. Mit Hilfe des berühmten The Prodigy-Songs „Firestarter“ konnte er seine Erregungsebene zu einem optimalen Zustand erhöhen, sowohl physisch (durch Adrenalinausschüttung) als auch geistig (Gefühle der Aufregung und Dringlichkeit). Dieses Lied mit einem Tempo von 142 bpm hat einen hartnäckigen und treibenden Rhythmus. Der auffällige Rhythmus und der Songtext erzeugten bei ihm Agression und feindselige Energie. Diese ermächtigte ihn und gab ihm einen Killerinstinkt, den er brauchte, um seine Gegner zu übertreffen. Die letzten Minuten vor dem Start nutzte er, um dieses Lied zu hören. Auch während des Hörens nahm er automatisch eine zuversichtliche und determinierte Körperhaltung ein, ballte die Fäuste, nickte mit dem Kopf im Takt und spürte, wie seine Konkurrenten seine positive Körpersprache bemerkten und wurden mehr und mehr verunsichert.

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Ein schönes Beispiel, wie ein Lied den Sportler megastimuliert hat. Aber die Musik mit so einem intensiven Rhythmus passt nur zu so einer Sportdisziplin, bei der man am Start physisch völlig mobilisiert und aufgeregt sein soll. In Präzisionssportarten z. B. wie Schießen, Golf, Bogenschießen jedoch ist es das Ziel sich zu beruhigen. Daher wird eine bedächtige oder langsame Musik (weniger als 80 bpm) empfohlen.

2. Was die Songtexte angeht, überlegen Sie sich, welchen emotionalen Zustand Sie in dem Moment empfinden möchten: Aufregung, Freude oder ruhige Zuversicht? Die Worte des Liedes können Sie zu diesen Emotionen sehr gut hinführen. Der erfolgreichste Olympioniker Michael Phelps benutzt die Musik als Vorbereitung vom Start sehr gerne und hat sein Motivationsplaylist immer dabei. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, wo er ganz nebenbei acht Goldmedaillen gewonnen hat, hat ihn stets das Lied von Lil Wayne „I’ m Me“ begleitet. In diesem selbstbewussten Liedtext kommen Zeilen wie diese vor: “Yes, I’m the best! And no, I ain’t positive, I’m definite.” Der Song gab Michael Phelps das Gefühl der nützlichen Arroganz und des Selbstbewusstseins. Ein gutes Beispiel für die Kraft der Worte.

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3. Bezüglich der persönlichen Assoziationen, wissen Sie bestimmt selbst, welche Melodie die Saiten ihrer schönen Erinnerungen zum Schwingen bringen kann. Dies kann ein Lied sein, welches mit ihrem wichtigsten Sieg, einem besonderen Ereignis oder einem bestimmten Lebenszeitraum verbunden ist. Oder das Lied erinnert Sie an einen Moment, an dem sie ganz glücklich waren.

Benötigen Sie bei Sport- und Lebensmomenten Stimulation? Wenn ja, suchen Sie nach dazu passender fördernder und ermutigender Musik. Stellen Sie Ihre eigene Motivationsplaylist zusammen. Je mehr Stücke, desto besser. Man muss den Gewöhnungseffekt vermeiden. Benutzen Sie diese Playlist nicht nur vor dem Sportwettkampf. Man hat eigene Wettkämpfe auch im Alltag. Sei es ein wichtiges Gespräch, eine Prüfung, ein öffentlicher Auftritt oder eine andere Lebensherausforderung, für die Sie Inspiration und Ermutigung brauchen. In diesem Sinne, viel Spaß beim Hören!
Quellen:

1. Karageorghis, C. I. (2014). Music- Based Interventions. In: Encyclopedia of Sport and Exercise Psychology, Ed. Eklund, R.C., Tenenbaum G.
2. Karageorghis, C. I., & Terry, P. C. (2011). Inside sport psychology. Champaign, IL: Human Kinetics.
3.Playlist: Michael Phelps‘ Solid-Gold Hits, http://www.rollingstone.com/music/news/playlist-michael-phelps-solid-gold-hits-20120816

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