Prof. Dr. Oliver Stoll: Wann tut eine Pause Not?

Das neue Modewort im Triathlon heißt zurzeit „Off-Season“. Athleten anderer Sportarten wie zum Beispiel die Extremläuferin Anne-Marie Flammersfeld reden von „Post-Race-Depression“. Beide Phänomene gehen auf einen richtige Steuerung der Belastungs- und Erholungsphasen zurück. Neben der Trainingswissenschaft und der Sportmedizin liefert die Sportpsychologie spannende Ansätze, um die richtige Balance zu finden.

Zum Thema: Wie kontrolliere ich Belastung und Erholung mit sportpsychologischen Mitteln?

Sportliche Höchstleistung setzt systematisches körperliches und mentales Training voraus. In der Regel entstehen dann Anpassungsprozesse an eine Belastung. Diese Anpassungsprozesse erreicht man durch eine gut geplante und zielgerichtete Belastung, der dann aber auch immer eine Erholungsphase folgen muss. Dieses Prinzip ist in der Trainingswissenschaft sehr zentral und ist das Kernstück der Trainingssteuerung eines Athleten.

Alle Sportarten nutzen dieses Prinzip, um eine Leistungssteigerung erzielen zu können. Trainingssteuerung wird oftmals durch verschiedene diagnostische Verfahren unterstützt, denn es ist sehr hilfreich zu erkennen, wann beispielsweise eine Belastung zu hoch oder zu niedrig ist, oder aber eine Erholungsphase zu kurz beziehungsweise zu lang war, bevor man einen nächsten Trainingsreiz setzt. In der Regel kommen hier medizinische, diagnostische Verfahren zum Einsatz, wie z.B. Laktatmessung, die Messung der Herzfrequenzvariabilität oder etwa der Bestimmung eines Blutbildes.

Wie aber gehen Sportpsychologen vor, wenn diese Erholungs-Belastungs-Bilanzen diagnostiziert werden sollen? Zumeist kommen hier Fragebogenverfahren zum Einsatz, um diese eher subjektiven Einschätzungen erfassbar zu machen. Ein solcher Fragebogen ist der sogenannte „Erholungs-Belastungs-Fragebogen“ (Kallus, 1996). Der Athlet füllt diesen Fragebogen aus, der aus 25 vorgegebenen Fragen besteht. Auf einer Skala von 0 bis 6 kann der Athlet hier seine Zustimmung ankreuzen. Der Sportpsychologe erhält dann in seiner Auswertung ein Profil, dass die Ausprägung emotionaler, allgemeiner, sozialer Belastung und Erholung zeigt und kann somit auf einem Blick feststellen, in wie weit der Athlet aus seiner Sicht möglicherweise schon in einen Übertrainingszustand gerät oder ob er etwa unterfordert ist. Diese Form der psychologischen Diagnostik kommt oftmals in der Vorbereitung auf sportliche Großereignisse zum Einsatz (wie etwa in der unmittelbaren Vorbereitung auf Olympische Spiele, siehe bei Stoll, 2013), aber auch in einer sehr belastungsintensiven Vorbereitungsphase einer Mannschaft vor Beginn der eigentlichen Saison. Somit werden die objektiven Daten aus der Sportmedizin und der Trainingswissenschaft durch die mentale Dimension ergänzt. Dies wiederum hilft dem Trainer und den Athleten bei der Trainingssteuerung.

 

Kallus, K.W. (1996). EBF: Erholungs-Belastungs-Fragebogen. Frankfurt/Main: Swets Test.

Stoll, O. (2013). Preperation of the Olympic Games: a psychological approach. In T. Köthe & O. Stoll (Eds.), Diving Research Worldwide (pp. 35-39). Hamburg: Czwalina.

http://www.sportschau.de/weitere/breitensport/trainigspause100.html

http://www.achim-achilles.de/menschen/lauf-stars/22548-extremlaeuferin-flammersfeld-depression-nach-dem-laufen.html

 

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