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Prof. Dr. Oliver Stoll: Der Flatrate-Ansatz

Sportpsychologisches Arbeiten reduziert sich nicht rein auf die „face-to-face“-Betreuung von Athleten oder „Vor-Ort-Beratung“ von Funktionären und Trainern. Das Berufsfeld des praktisch arbeitenden Sportpsychologen kann durchaus weiter gefasst werden. Wie schon in einem meiner jüngeren Blog-Beiträge erwähnt, eröffnet uns das World Wide Web noch weitaus größere Möglichkeiten. In der Praxis kommen aktuell auf Basis neuer technischer Möglichkeiten immer mehr sportpsychologische Nutzungsszenarien hinzu.  

Zum Thema: Sportpsychologe als Teil eines „Experten-Teams“

Einen innovativen Weg gehen jetzt die Organisatoren des jährlich stattfindenden Ultralangstreckenlaufes entlang der alten Mauergrenze um ehemals West-Berlin – dem sogenannten Mauerweglauf, der sich über 100 Meilen, also 160 Kilometer erstreckt. Dieser – mittlerweile in “Ultralauf-Kreisen“ schon zum Kult-Lauf gewordene Sport-Event – bietet in diesem Jahr einen ganz besonderen Service für seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Jeder gemeldete Läufer bzw. Läuferin hat die Möglichkeit, sich bei Bedarf an Experten zu wenden, wenn ein bestimmtes Informationsbedürfnis oder sogar ein größerer Betreuungs-oder Beratungsbedarf vorliegt. Dieser Service ist kostenmäßig schon in die Startgebühr integriert.  

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Weitere Informationen

Zur Event-Homepage: http://100meilen.de/mit-dem-100meilen-expertenteam-erfolgreich-ins-ziel/

Beratung und Betreuung im Fokus

Abgedeckt werden hier die Bereiche Training, Ernährung und Psychologie. Aus meiner Sicht kann dies für uns Sportpsychologen auch bei anderen Lauf-Großveranstaltungen ein durchaus interessantes Tätigkeitsfeld werden, sofern dies von den Organisatoren so berücksichtigt wird und von den Läuferinnen und Läufern auch angenommen werden sollte.  Sicherlich haben solche Online-Beratungsangebote auch ihre Nachteile – siehe den unten verlinkten älteren Blogbeitrag von mir.

Dennoch ergeben sich hier durchaus interessante Interaktions- und Kommunikationswege, die ja dann auch durchaus vor Ort am Tag vor dem Wettkampf oder im Ziel mit einem persönlichen Treffen kombiniert werden. Mitunter können sich auch so längere Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten ergeben. Ich bin schon sehr gespannt auf die Kontakte, die sich in diesem Zusammenhang ergeben werden.

Prof. Dr. Oliver Stoll: Athleten online beraten?

 

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Dr. Michele Ufer: Gestärkt aus der Krise kommen

Jeder Mensch durchlebt Krisen. Woran liegt es aber, dass manche Sportler in Krisenzeiten ins Straucheln kommen, während andere relativ schnell und souverän durch schwierige Zeiten navigieren und sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen?

Zum Thema: Erfolgsfaktor psychische Widerstandskraft

Ein Zauberwort, das in diesem Kontext seit einigen Jahren ziemlich en vogue ist, lautet Resilienz. Unter Resilienz bzw. psychische Widerstandskraft wird allgemein die Fähigkeit verstanden, Krisen zu bewältigen und sie durch persönliche und soziale Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen (Schumacher et al., 2005). Sie gilt als zentraler Erfolgsfaktor auf dem Weg zu mentaler Gesundheit und Leistungsfähigkeit, auch im Sport (Hosseini, S. A. & Besharat, M. A., 2010).

Nun werden Sie sich womöglich fragen, wie man denn die psychische Widerstandskraft eines Sportlers trainieren/entwickeln kann, um Krisen bzw. stressreiche Situationen zukünftig besser zu meistern? Genau das war eine der Fragen, zu der ich kürzlich auf einem Kongress Antworten bzw. Studienergebnisse vorgestellt  habe (Ufer, 2017).

Mentale Strategien

Und, was meinen sie, welche mentalen Strategien könnten die Resilienz positiv beeinflussen? Im Rahmen einer Untersuchung mit Ausdauersportlern zeigten sich positive Zusammenhänge zwischen Resilienz und den folgenden sieben sportpsychologischen Strategien:

  • Selbstgespräche
  • Emotionale Kontrolle
  • Automatismen
  • Visualisierung
  • Aktivierung
  • Negative Kognition
  • Aufmerksamkeitskontrolle

Dass heißt, je mehr/öfter die oben genannten Strategien eingesetzt werden, desto resilienter scheinen die Athleten zu sein. Gute Argumente also für mentales/sportpsychologisches Training, das vor dem Ernstfall einsetzt.

Katrin und Michael Täger: “Tanzen ist am Ende einfach auch Kopfsache!”

Messbare Resilienz?

Wie man die genannten Skills situationsadäquat entwickeln und perfektionieren kann, erfahren Sie unter anderem im Buch „Mentaltraining für Läufer. Weil Laufen auch Kopfsache“ (Ufer, 2016). Aber was, wenn Sie sind gar kein Läufer sind? Macht nix. Das Buch wird mittlerweile auch erfolgreich in anderen Sportarten eingesetzt.

Weitere Details zu den Forschungsergebnissen und darüber, wie man Resilienz messen kann und wie sich resiliente von weniger resilienten Athleten in ihrer Persönlichkeit unterscheiden, erfahren Sie auf meiner Webseite unter http://www.michele-ufer.de/index.php?id=61&items=611

Wichtige Einflussfaktoren

Und bei alldem vergessen wir bitte nicht, dass auch das Umfeld bzw. Team und die Führungskultur einen entscheidenden Einfluss auf die psychische Widerstandskraft eines Athleten ausübt. Davon handelt einer der nächsten Beiträge. Bis dahin können Sie ja erstmal an ihrer persönlichen Resilienz feilen.

Thorsten Loch: Richtiges Handeln in der Krise

 

Literatur

Hosseini, S. A., & Besharat, M. A. (2010). Relation of resilience with sport achievement and mental health in a sample of athletes. Procedia-Social and Behavioral Sciences, 5, 633-638

Schumacher, J, Leppert, K, Gunzelmann, T, Strauß, B, & Brähler, E. (2005). Die Resilienzskala – Ein Fragebogen zur Erfassung der psychischen Widerstandsfähigkeit als Persönlichkeitsmerkmal. Zeitschrift für klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, 53, 16–39

Ufer. M. (2016). Mentaltraining für Läufer. Weil Laufen auch Kopfsache ist. Aachen: Meyer & Meyer

Ufer, M. (2017): Von der (Extrem-)Sportpsychologie lernen: Resilienz-Diagnostik & -entwicklung. Poster Session beim Kongress Coaching heute: Zwischen Königsweg und Irrweg, Hochschule für angewandtes Management, Erding

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Dr. René Paasch: Mentale Frische im Fußball

Viel Positives konnte Niko Kovac Trainer von Eintracht Frankfurt dem äußerst schmeichelhaften 1:0 über Arminia Bielefeld im DFB-Pokal Viertelfinale nicht abgewinnen. Abgesehen von 15 guten Anfangsminuten präsentierte sich die Eintracht so, wie in den drei Spielen zuvor: ängstlich, mit teils haarsträubenden Fehlern im Defensivverhalten und vorne ohne Power und Durchschlagskraft (Kicker 3.3.2017). In diesem Zusammenhang spricht Kovac von fehlender mentaler Frische. Doch was ist eigentlich mentale Fitness im Leistungssport Fußball? Ich nehme diesen Ball auf und erkläre anhand von praktischen Tipps, wie Sie als Trainer Ihre Schützlinge mental fit machen können. 

Zum Thema: Mit mentalem Training zu mehr mentaler Frische im Fußball!  

Als Fußballer bzw. Fußballerin mental fit zu sein, drückt sich für mich wie folgt aus: Wach und konzentriert sein, positiv denken, kreativ, selbstmotivierend, kommunikationsstark, Entscheidungen treffen, entspannt und selbstbewusst, sich Anforderungen stellen. Mentale Fitness im Leistungssport ist somit eine kontinuierliche Pflege des Arbeitsspeichers. Es gibt also gute Gründe für die Steigerung der „Mentalen Fitness“, denn die geistigen Anforderungen in der Arbeitswelt und im Leistungssport steigen stetig an. Bspw. verdoppelt sich alle fünf bis sieben Jahre das weltweit verfügbare Wissen und 80% der heute angewandten Technologien werden in zehn Jahren durch neue ersetzt sein. Wir müssen daher auf Unvorhergesehenes reagieren (Fraunhofer Institut, 2009). Somit sind Umstrukturierungen an der Tagesordnung. Wie belastend wir bestimmte Situationen empfinden, hängt nicht nur von objektiven Kriterien ab, sondern auch wie wir auf solche Situationen mental vorbereitet sind. Es macht daher Sinn, die mentale Fitness genauso zu trainieren, wie die sportmotorischen Fähigkeiten. Denn wer mental fit ist und in anspruchsvollen Situationen schnell Lösungsstrategien entwickeln kann, ist weniger anfällig für geistige Ermüdung.

Mit dem nun folgenden Programm sollen Sie mentales Training durchführen, sodass in Stresssituationen die eigenen spielerischen Möglichkeiten abgerufen werden können. Dem Spieler bzw. Spielerin soll es möglich sein, das Spiel der gegnerischen Mannschaft und der Einzelakteure analytisch zu „lesen“, die Aufmerksamkeit auf den Ball zu richten, um die Absichten des Gegners möglichst früh zu antizipieren. Dazu muss die genetisch vorprogrammierten angstauslösenden Reaktionen des Körpers außer Kraft gesetzt werden. Das Großhirn muss die Kontrolle über Gefühle wie Angst und Ärger gewinnen. Mentales Training kann dabei behilflich sein, die Selbstregulation zu stärken. Das nun folgende Programm soll Ihnen dabei Unterstützung bieten:

Ø  Gedankenstopp mit individueller Wortwahl

Ø  Achtsamkeitstraining

Ø  Handlungs- und Unterbrechungsstrategie

Ø  Gedankliche Vorstellung von Bewegungsabläufen

Ø  Aufbau von Selbstvertrauen durch Erinnerung an eigene Erfahrungen, stellvertretende Erfahrungen, sprachliche Überzeugung und Imaginative Erfahrungen

Ø  Emotionale und kognitive Vorbereitung auf die nächsten Spiele

Gedankenstopp mit individueller Wortwahl

Ein „Gedankenstopp“ ist ein speziell ausgewähltes Wort, das die Spieler/innen innerlich zu sich sagen, um die Kontrolle über das eigene Handeln wieder herzustellen. Es handelt sich also um eine Form der Handlungssteuerung durch „innere Instruktionen“. Sieh dazu folgende Texte:

Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche

Dr. René Paasch: Selbstgespräche machen Beine

Jeder Fußballer bzw. Fußballerin ist einzigartig. Deshalb braucht jeder einen Gedankenstopp mit einem ausgewählten Wort, welches ganz speziell auf sie oder ihn abgestimmt ist. Das individuelle Wort muss folglich eine Analyse der persönlichen und emotionalen Individualitäten vorausgehen. Dies geschieht im Gespräch mit dem Trainer bzw. Sportpsychologen. Hier einige praktische Anregungen für den Fußball:

Das bemerke ich an mir (körperlich/emotional) Gedankenstopp (Wortwahl)
Ich bin nervös

 

ruhig
Ich ärgere mich über mich selbst

 

ruhig
Meine Bewegungen sind hektisch

 

ruhig und langsam
Ich habe Bauchschmerzen Ruhig atmen, du schaffst das
Ich spiele viel zu vorsichtig

 

Mutig spielen
Ich will keine Fehler machen

 

Aktiv spielen (Hier und Jetzt)

Tab 1. Gedankenstopp mit ausgewählten Worten (Paasch, 2017)

Achtsamkeitstraining

Damit die Spieler/innen auf sich selbst hören, d.h. dem Gedankenstopp mit Wortwahl gehorchen, müssen die starken Gefühle reduziert werden. Dies kann durch Achtsamkeitstraining geschehen. Achtsamkeit wird definiert als ein nicht bewertender Fokus der eigenen Aufmerksamkeit auf die augenblickliche Erfahrung. Das Ziel dabei ist ein Verweilen im Hier und Jetzt ohne die empfundenen Gefühle, Gedanken oder Wahrnehmungen zu bewerten. Die klassischen sportpsychologischen Techniken (z.B. Selbstgesprächsintervention) basieren auf der Annahme, dass die Fähigkeit zur Kontrolle der eigenen Zustände Voraussetzung für die optimale Leistung ist. Achtsamkeitsbasierte Techniken haben viele Parallelen zu den etablierten sportpsychologischen Methoden. Näheres gerne über den Link:

Dr. René Paasch: Der Trend zur Achtsamkeit

Handlungs- und Unterbrechungsstrategie 

Die dritte Anregung wird als „Handlungs – und Unterbrechungsstrategie“ bezeichnet. Wenn die Nervosität vor und während des Spiels steigt (zittert die Hand, ängstliche Gedanken), dann ist es wichtig, diese ungünstige Entwicklung gezielt zu unterbrechen. Ziel ist es, das schwierige Handeln zu unterbrechen und ganz neu anzusetzen. So, als würde das Spiel gerade erst beginnen. Dabei helfen die ersten beiden Elemente. Man spricht während der gedanklichen Pause innerlich den speziellen Gedankenstopp mit individueller Wortwahl ganz gezielt mit tiefer Ein- und Ausatmung. Sie werden sehen, dass sich die Herztätigkeit beruhigt und eine klare Sicht entstehen kann.

Gedankliche Vorstellung von Bewegungsabläufen

Einige Forderungen im Fußball sind schwierig auszuführen, wie die sehr schnellen Beinbewegungen und Reaktionszeiten. Der Ball muss zu jederzeit schnell verarbeitet und entsprechend  passgenau unter Gegnerdruck weitergeleitet werden können. Entsprechend hoch ist der Trainingsaufwand. Im Wettkampf leidet die Bewegungsausführung umso mehr, je stärker die Emotionen eine Rolle spielen. In vielen Fällen wird die Bewegung nicht mehr vollständig ausgeführt. Es passiert auch, dass in kritischen Situationen plötzlich „falsche“ Bewegungen zum Vorschein kommen. Deshalb ist es wichtig, ein präzises inneres Bild der Ausführung eines bestimmten Passes zu besitzen. Das mentale Training besteht darin, für ein oder zwei besonders erfolgreiche taktische oder technische Ausrichtungen gedankliche Vorstellungen zu erzeugen. „Gelernt“ werden diese gedanklichen Vorstellungen, indem man die Augen schließt, in einer besonders langsamen „Zeitlupe“ den Ball auf sich zukommen lässt und danach Sekundenbruchteil für Sekundenbruchteil die eigene Bewegung wie in einer Superzeitlupe rein gedanklich ausführt.

Untersuchungen mit dieser Form des mentalen Trainings zeigen, dass die gedanklichen Vorstellungen ganz automatisch Verbindung mit den an der Bewegung beteiligten Muskeln aufnehmen. So kann man in der Vorbereitungsphase die eigene Bewegungssteuerung durch gedankliche Vorstellung der Bewegungsabläufe optimieren. Man kann auch während der Pause, die Augen schließen und in Zeitlupe die taktischen Vorgaben oder technischen Fertigkeiten gedanklich ausführen. Dies bewirkt nachweislich, dass die Bewegungen weniger verkürzt werden und dass weniger „falsche“ Bewegungen vorkommen. Ich lege bspw. das Gewicht bei meinen Sportlern bzw. Sportlerinnen auf besonders erfolgreiche Handlungen, weil diese in besonderem Maße mit Selbstvertrauen gekoppelt sind. Natürlich können alle für ein Spiel wichtigen Bewegungen auf diese Weise unterstützt und gefördert werden.

Aufbau von Selbstvertrauen

Nichts verleiht eine so große mentale Stärke wie gewonnene Spiele. Und nichts zehrt so sehr am Vertrauen an sich selbst wie viele verlorene Wettkämpfe. Selbstvertrauen ist der große Gegenspieler der Angst. Wer mit der Überzeugung in eine Begegnung geht, dass er genügend Kompetenzen für einen Sieg und gute Leistung hat, wird völlig anders agieren als jemand, der an seinen Fähigkeiten zweifelt. Deshalb geht es beim hier vorgestellten mentalen Training darum, das Gefühl zu stärken, dass man etwas kann. In der Psychologie nennt man dies „Fähigkeitskonzept“. Damit ist die Überzeugung gemeint, für die Sportart wichtige Fähigkeiten zu besitzen. Die emotionale Entsprechung hierfür ist ein positives Selbstwertgefühl. Da auch absolute Weltklassefußballer immer wieder an sich selbst zweifeln, ist es sicherlich für jedermann gut, das eigene Selbstvertrauen systematisch zu stärken. Wie Ihre Schützlinge die Erinnerung an eigene Erfahrungen, stellvertretende Erfahrungen, sprachliche Überzeugung, Imaginative Erfahrungen u.v.m. trainieren können, erfahren Sie auf den folgenden Seiten:

Dr. René Paasch: Selbstvertrauen im Fußball

Dr. René Paasch: Selbstwirksamkeit im Fußball

Emotionale und kognitive Vorbereitung auf die nächsten Spiele

Je plötzlicher eine Emotion auftaucht, umso schwerer kann man sie kontrollieren. Deshalb besteht dieses Programm darin, sich möglichst rechtzeitig auf die besonderen Gegebenheiten des nächsten Spiels einzustellen. Stellt man sich die Anreise zum nächsten Wettkampfort vor, das Betreten des Spielfeldes, die Zuschauer, die gegnerischen Spieler bzw. Spielerinnen, deren besondere Spielweise usw., dann beginnt es schon, das Gedankenkarussell und das Kribbeln in der Bauchgegend. Die ersten Zweifel tauchen auf, ob man es schaffen kann, die ersten Ängste werden spürbar. Hier ist es förderlich, bei der Vorstellung des nächsten Spiels mit der Atementspannung (8 Sekunden Ein- und Ausatmen) zu arbeiten und innerlich den Gedankenstopp mit individueller Wortwahl zu sprechen. Je häufiger der nächste „Angstgegner“ mit ruhiger Atmung, den abgestimmten Gedankenstopp verknüpft wird, umso mehr verliert er seine Bedeutung.

Fazit: 

Mit diesen wirkungsvollen Anregungen können Sie die Mentale Fitness ihrer Spielerinnen bzw. Spieler stärken. Einige Bereiche sind ganz allgemeiner Art (zum Beispiel die Atementspannung und die Handlungs- und Unterbrechungsstrategie) oder ganz speziell auf die Spielerin bzw. den Spieler zugeschnitten (z.B. Gedankenstopp, Bewegungsabläufe, Selbstvertrauen stärken). So könnten Sie vorgehen: Erst entwickeln Sie mit Ihren Spielerinnen bzw. Spielern eine schriftlich niedergelegte individuelle Bewegungsvorschrift und ein Wort für den Gedankenstopp. Der Bewegungsablauf sollte im Sinne eines „Drehbuches“ mit eigenen Begriffen beschrieben werden. Dann folgt die Bewegungsvorschrift im Selbstgespräch. Die richtige Bewegungsvorschrift muss man flüssig auswendig aufsagen und sich vorstellen können. Parallel dazu üben Sie immer wieder die Atementspannung und Achtsamkeit im Hier und Jetzt. Erklären Sie dabei die Zusammenhänge und Wirkungsweisen des Mentales Training. Anschließend arbeiten Sie die Knotenpunkte heraus. Wenn man den Bewegungsablauf auswendig beschreiben kann, muss er in wenige Phasen zerlegt und durch Knotenpunkte markiert werden. Danach folgt die Kinästhetisch-rhythmische Kodierung. Die Knotenpunkte sollten nach Möglichkeit in einem individuellen Kurz-Code übersetzt werden. Die vierte Stufe ist dann die, die man im Training und Wettkampf praktizieren kann. Üben Sie die o.g. Punkte so oft wie möglich, sodass der Nutzung für gezeigte Leistung und Mentaler Fitness greifen können. Viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung.

Wie immer: Meine Kollegen und ich stehen Ihnen immer hilfreich zur Seite, wenn Sie sportpsychologische Aspekte in Training und Wettkampf ausprobieren wollen. Nehmen Sie einfach Kontakt auf: Zu den Profilseiten

http://www.die-sportpsychologen.de/die-sportpsychologen-2/

Literatur

BMWI, 2007 und Fraunhofer Institut, 2009

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/05/22/prof-dr-oliver-stoll-macht-der-selbstgespraeche/

http://www.die-sportpsychologen.de/2016/11/09/dr-rene-paasch-beine-machen-mit-selbstgespraechen/

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/02/28/dr-rene-paasch-selbstvertrauen-im-fussball/

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paasch-selbstwirksamkeit-im-fussball/.

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Wie weiter(bilden)?

In der Schweiz gilt die Doktrin des lebenslangen Lernens. Wer weiterkommen will muss zeigen, dass er sich permanent weiterbildet. Berufsbegleitende Weiterbildungslehrgänge boomen. Big business! Die CH-Bevölkerung gibt dafür jährlich 5.3 Milliarden Franken aus. Deutlich mehr „verkauft“ als früher wird auch im Bereich so genannter „zertifizierter mentalpower“-Ausbildungen. Der Dschungel undurchsichtiger Psycho-Angebote ist gross, Orientierungshilfe entsprechend gefragt.

Zum Thema: Warum das Jahr 2017 besondere Möglichkeiten bietet

Wohin kann ich mich wenden, wenn ich mehr über die Sportpsychologie erfahren und kompetent beraten werden möchte“? Spricht man die Fragestellerin auf bisherige Recherchen zum Thema an, höre ich meist: „Ich habe mal im Internet gegoogelt … und fühlte mich ziemlich überfordert.“ Hilfe tut also Not, gerade wenn es um die Beantwortung dieser Schlüsselfrage im Feld der angewandten Sportpsychologie geht. Das gestiegene Informationsbedürfnis trifft die Sichtweise des Fachverbandes. Die SASP (Swiss Association of Sport Psychology) formuliert im ersten Zweckartikel ihrer Statuten: Die SASP (…) ist Plattform für Weiterbildung, Gedanken- und Erfahrungsaustausch (…) Sie will Verbände und Öffentlichkeit über Möglichkeiten der Sportpsychologie informieren und (…) Verbände und Einzelpersonen in Fragen der Sportpsychologie beraten. Als ehemaliger SASP-Präsident ist meine Antwort auf die Eingangsfrage deshalb meist folgende:

  1. Der Besuch der SASP-Homepage (www.sportpsychologie.ch) vermittelt einen ersten Überblick und ist bei der Orientierung zweckdienlich.
  2. Die Kontaktaufnahme mit der verantwortlichen Kontaktperson unter info@sportpsychologie ist bei spezifischen Fragestellungen hilfreich.
  3. Konsultation der Liste „Fachpsychologen für Sportpsychologie FSP“. Diese beinhaltet der Koordinaten der ausgewiesenen und entsprechend ausgebildeten ExpertInnen.

Standards und hoher Anspruch an Qualität

Kürzlich wurde ich eingeladen, im Rahmen des Weiterbildungscurriculums Sportpsychologie am Sportwissenschaftlichen Institut der Uni Bern ein Referat zum Thema „Swiss Association of Sport Psychology – Aufgaben, Ziele und Aktivitäten eines ehrenamtlich geführten Fachverbandes“ zu halten. Die Adressaten waren rund ein Dutzend Teilnehmer, mehrheitlich Psychologinnen, die nach Abschluss ihrer postgradualen Weiterbildung (DAS Sportpsychologie, Uni Bern) den Fachtitel „Fachpsychologe für Sportpsychologie FSP“ erlangen können.

Angesprochen auf die Positionierung der angewandten Sportpsychologie in der Schweiz, insbesondere auf Anliegen der Qualitätssicherung, der Fortbildung und der Forderung einer noch stärkeren Professionalisierung im Berufsfeld, verwies ich auf zwei Notwendigkeiten. Dem Einhalten hoher Gütemassstäbe im Rahmen der eigenen Tätigkeit als Sportpsychologe sowie der Einhaltung der Fortbildungspflicht, wie sie von der Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP) vorgegeben wird. Einer Sportlerin, die bei einem Fachpsychologen um Unterstützung nachfragt, sind demnach folgende Informationen zur eigenen Beratungskompetenz zwingend mitzugeben (vgl. Seiler, 2003):

– Transparenz – Was, warum und wie?

– Verantwortung – Leitlinien setzen, Abgrenzung ansprechen!

– Fortbildung – Blick in die Karten erlaubt!

– Vernetzung – Teamwork und Kooperation!

– Sportbezug – Fachkenntnis als Voraussetzung!

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/21/dr-hanspeter-gubelmann-zum-image-problem-der-schweizer-sportpsychologie/

Fortbildung ja – aber wo finde ich passende Angebote?

Die FSP-Forderungen zur Fortbildungspflicht sind klar und werden auch im Psychologieberufe-Gesetz verlangt. SASP-Mitglieder müssen jährlich 80 Stunden (2 Arbeitswochen) in den reglementarisch beschriebenen Fortbildungsformen (Kongresse, Kurse usw.) absolvieren. Das scheint viel zu sein, zudem sind Angebote und Kursmöglichkeiten häufig eher spärlich und manchmal auch nicht einfach zu finden.

Für Fortbildungsinteressierte ist 2017 ein vielversprechendes Jahr. Besonders hervorzuheben gilt es die asp-Jahrestagung (asp2017.ch) vom 25.-27. Mai in Bern. Das Praxisprogramm mit insgesamt 12 Workshops bietet ein inhaltlich buntes Angebot mit hochkarätigen Referenten. Die Themenspanne reicht von verschiedenartigen Supervisionsangeboten, Betreuungsbeispielen in spezifischen Sportbereichen (Elterncoaching, Karrierebegleitung, Sportsucht), Workshops mit Anwendungsbeispielen in Sportarten (Tennis, Fussball) bis hin zur „Arena – Sportpsychologie Schweiz“, die berufspolitische Visionen und Ziele thematisieren und diskutieren wird. Will sich die „Sportpsychologie Schweiz“ (und damit jedes Mitglied!) auch 2017 weiter profilieren, ist der Besuch dieser Tagung ein absolutes „must“!

Zur Anmeldung: ASP-Jahrestagung vom 25.-27. Mai 2017 in Bern

 

 

 

 

 

http://die-sportpsychologen.ch/2016/07/18/dr-hanspeter-gubelmann-wer-soll-es-sein-mentaltrainer-oder-sportpsychologe/

 

Quellen:

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/21/dr-hanspeter-gubelmann-zum-image-problem-der-schweizer-sportpsychologie/

http://die-sportpsychologen.ch/2016/07/18/dr-hanspeter-gubelmann-wer-soll-es-sein-mentaltrainer-oder-sportpsychologe/

http://www.beobachter.ch/arbeit-bildung/aus-und-weiterbildung/artikel/weiterbildung_keine-zukunft-trotz-diplom/

http://www.sgsm.ch/fileadmin/user_upload/Zeitschrift/52-2004-2/3-2004-2.pdf

https://www.psychologie.ch/fileadmin/user_upload/dokumente/Bildung/fortbildung/Erlaeuterungen_zum_Fortbildungsprotokoll_de.pdf

https://www.psychologie.ch/fileadmin/user_upload/dokumente/Bildung/fortbildung/Fortbildungsprotokoll_2017_de.pdf

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Dr. René Paasch: Selbstvertrauen im Fußball

Unter Huub Stevens-Nachfolger Julian Nagelsmann werden Fabian Schär, Mark Uth und Andrej Kramaric zu Leistungsträgern (rnz.de) der TSG Hoffenheim. Ihre Entwicklung hat unter anderem mit Selbstvertrauen zu tun. Die Frage, die auf Basis des Beispiels für viele Fußballer und Trainer interessant sein kann, lautet also: Lässt sich Selbstvertrauen „trainieren“? Ich nehme diesen Ball auf und erkläre anhand von praxisrelevanten Tipps, wie Fußballer/innen ihr Selbstvertrauen verbessern können.

Zum Thema: Was ist Selbstvertrauen und wie kann ich dieses verändern?

Das Selbstvertrauen ist im Leistungssport Fußball die zentrale Größe, die dazu beiträgt, dass Trainer und Athleten ihre Leistung zum geforderten Zeitpunkt abrufen können. Das Konzept des Selbstvertrauens oder auch die „Selbstwirksamkeit“ stammt aus der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura (1986). Selbstvertrauen bedeutet, dass jemand die Überzeugung besitzt, dass seine eigenen Fähigkeiten ausreichen, um eine Handlung zielgerichtet und erfolgreich durchführen zu können. Dies wurde mehrfach im Sport nachgewiesen (Barling & Abel, 1983; Lee, 1982; Eberspächer, 2007, 2008; Hermann, 2006; Short et. al., 2005).

Aus den Studien lässt sich ableiten, dass das Konzept des Selbstvertrauens der wichtigste Punkt für die kontinuierliche Leistung ist. Erst ein über Jahre hinweg aufgebautes Selbstvertrauen, lassen den Trainer und Sportler Souveränität ausstrahlen. Beim Selbstvertrauen handelt es sich um einen Personenbezug, der als situativer, zeitlich variabler Zustand verstanden werden kann. Selbstvertrauen kann sich jedoch auch in bestimmten Umständen zeigen. Wenn in verschiedenen Lebensbereichen Selbstvertrauen ausgestrahlt wird, z. B. in der Freizeit und im Sport, dann sprechen wir von einem dispositionales Selbstvertrauen. Selbstvertrauen kann sich jedoch auch in bestimmten Situationen zeigen. Dies bezeichnet man als situatives Selbstvertrauen. Fußballer/innen z.B. erwecken normalerweise den Eindruck, dass sie ein großes dispositionales Selbstvertrauen haben. Wenn ihr Team im Entscheidungsspiel ins Elfmeterschießen muss, kann ihr situatives Selbstvertrauen jedoch plötzlich sinken. Auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, mit eigenen Fehlern und Misserfolgen umgehen zu können, richtet unseren Blick auf das wesentliche des sportlichen Wettkampfes.

Zu geringes und zu hohes Selbstvertrauen

Fußballer/innen mit wenig Selbstvertrauen beschäftigen sich eher mit ihren Schwächen, anstatt sich auf ihre Stärken zu besinnen. Sie denken häufig über die Konsequenzen des Wettkampfes nach (Lageorientierung: Was wird die Presse über mich schreiben oder was denkt der Trainer oder die Zuschauer von mir u.v.m.). Die Handlungsfähigkeit- und orientierung wird dadurch gestört und die individuellen Fehler steigen.

Die andere Seite wäre dann ein überhöhtes Selbstvertrauen. Dies wäre eine Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit. Um ein optimales Selbstvertrauen aufzubauen, braucht man eine gute Eigen- und Fremdwahrnehmung, Erfahrungen, stellvertretende Erfahrungen, handlungsförderliche Selbstgespräche, konditionelle Fähigkeiten, regelmäßige Rückmeldungen des Trainers und den nötigen Respekt vor jeder gegnerischen Mannschaft. Demgegenüber ist das kollektive Selbstvertrauen, also die Überzeugung jedes einzelnen Mannschaftsmitglieds, eine Aufgabe zusammen bewältigen zu können. In diesem Zusammenhang zeigt eine Studie an zehn Football-Teams, dass die Teamüberzeugung einen nachhaltigen Zusammenhang hinsichtlich erzielter Leistungen aufweist (Feltz, Short, Sullivan 2008).

Führungsperson ist wichtiger Schlüssel

Wie ist es nun möglich, individuelle Kompetenzen zu bündeln und daraus kollektive Kompetenzen einer Mannschaft zu entwickeln? Feltz, Short und Sullivan (2008) benennen dazu folgende Punkte: Zusammenhalt innerhalb einer Mannschaft, das Klima im Team, Umgang miteinander, behutsame und zurückhaltende Steuerung und Moderation dieses Prozesses durch die Führungsperson. Diese und andere Beispiele zeigen sehr deutlich, dass das individuelle und kollektive Selbstvertrauen, eine zentrale Rolle spielt, für erfolgreiches situatives Agieren. Weitere praktische Anregungen zur Steigerung des Selbstvertrauens finden über die beiden folgenden im text hervorgehobenen Links:

Sebastian Reinold: Haben auch Trainer Gefühle?

Erklärungsmuster

Die Erwartungen auf zukünftige Erfolge bzw. Misserfolge sind auch geprägt von persönlichen Erklärungsmustern bzw. Ursachenzuschreibungen (Weiner, 1996). Entscheidend für das Selbstvertrauen sind nicht die objektiven Ursachen für einen Sieg oder eine Niederlage, sondern die eigenen Erklärungen für die Ursachen der Erfolge bzw. Misserfolge. Es werden vier Erklärungsmuster unterschieden, die sich aus den beiden Faktoren Kontrolle und Stabilität ergeben. Bei dem Faktor Kontrolle können Erfolge und Misserfolge auf äußere Umstände (z.B. schlechte Schiedsrichterleistung) oder auf das eigene Handeln (z.B. schlechte körperliche Verfassung) zurückgeführt werden (externale vs. internale Kontrolle). Im Bereich der Stabilität können die Ursachen bei zeitlich veränderlichen Einflüssen (z.B. Zufall oder Pech) oder bei stabilen Faktoren (z.B. fehlendes Talent) gesucht werden. Das Selbstvertrauen wird dadurch begünstigt, wenn Erfolge auf eigene Fähigkeiten (stabil-internale Ursachenzuschreibung) und Misserfolge auf die äußeren Zustände (variabel-externale Ursachenzuschreibung) zugewiesen werden.

Besonders schwierig für das Selbstvertrauen ist es, wenn man seine Misserfolge den stabilen internalen und die Erfolge den variablen externalen Faktoren zuschreiben. Fußballer/innen mit solchem Erklärungsmuster sind in der Regel von einem schwachen Selbstwertgefühl geprägt. Aber: Die inneren Einstellungen und die damit verbundenen Ursachenzuschreibungen sind nicht angeboren (und das ist die gute Nachricht), sondern wir erlernen sie im Laufe unserer Entwicklung. Das sportliche Umfeld ist somit ein prägendes Lernumfeld. Und deshalb können Trainer und Mannschaftskollegen ihnen helfen, förderliche Erklärungen für Leistungen zu lernen.

Das Phänomen  „Selbstbehinderung“

Eine weitere mögliche Konsequenz persönlicher Erklärungsmuster ist das Phänomen  „Selbstbehinderung“ (Chen, Lin, Kee, Shui, 2009). Bei der Selbstbehinderung handelt es sich um ein Verhalten, das eigene Leistung untergräbt, um später eine Ausrede für die Niederlage zu haben. Selbstbehinderndes Verhalten ist eine Folge des Misserfolgs, um ein eventuelles Versagen dann auf diese Leistung zurückführen zu können. Das Versagen kann also der Selbstbehinderung zugeschrieben werden und die Selbstachtung bleibt geschützt.  Achten Sie immer wieder mal auf die Aussagen Ihrer Schützlinge. Sie werden überrascht sein, was Ihre Spieler/innen für Selbstbehinderungen an den Tag legen.

Dr. René Paasch: Selbstwirksamkeit im Fußball

Fazit:

Dieser Beitrag sollte Sie bestärken, ihre Spieler/innen in ihrem Selbstvertrauen voranzubringen. Viele Hindernisse existieren in den Köpfen ihrer Spieler/innen. Das ist der Ort, wo Sie  eingreifen können und sollten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Selbstvertrauen zu stärken, angefangen von individuellen Erklärungsmuster, eigene Erfahrungen, Erkennung von inneren Gespräche und vielen mehr. Starten Sie heute noch mit dem Training und stärken Sie ihre Mannschaft.

 

Literatur

  1. Bandura, A. (1986). Social foundations of thought and action: A social cognitive theory. Englewood Cliffs, NJ: Prentice–Hall.
  2. Barling, J., & Abel, M. (1983). Self-efficacy beliefs and tennis performance. Cognitive Therapy and Research, 7, 265-272.
  3. Cheek, J. M. & Hogan, R. (1983): Self-concepts, self-presentations, and moral judgements. In
  4. Chen, L. H., Chen, M., Lin, M., Kee, Y. & Shui, S. (2009): Fear of failure and selfhandicapping in college physical education. Psychological Reports, 105, 707-713.
  5. Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. 7. durchgesehene Neuauflage. München: Copress.
  6. Eberspächer, H. (2008). Gut sein, wenn´s drauf ankommt. Erfolg durch Mentales Training. 2. überarbeitete Auflage. München: Carl Hanser.
  7. Feltz, D. L.; Short, S. E.; Sullivan, Ph. J. (2008): Self-Efficacy in Sport. Champaign: Human Kinetics.
  8. Hermann, H.-D. (2006). Psychische Belastungsreaktionen im leistungsorientierten Fußball – Übersicht und Trainingsmöglichkeiten. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 57 (5), 138- 141.
  9. Suls & A. G. Greenwald (Hrsg.), Psychological perspectives on the self (S. 249-273). Hillsdale: Erlbaum.
  10. Lee, C. (1982). Self-efficacy as a predictor of performance in competitive gymnastics. Journal of Sport Psychology, 4, 405-409.
  11. Short, S. E., Tenute, A. & Feltz, D. L. (2005). Imagery use in sport: Mediational effects for efficacy. Journal of Sport Sciences, 23(9), 951-960.
  12. Stoll, O., Pfeffer, I. & Alfermann, D. (2010). Lehrbuch Sportpsychologie. Bern: Hans Huber Verlag.
  13. Weiner, B. (1996): An attributional theory of motivation and emotion. Springer, New York 1986

Internet:

http://www.rnz.de/sport/1899hoffenheim_artikel,-Fussball-hat-sehr-viel-mit-Selbstvertrauen-zu-tun-_arid,185262.html

 

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Cristina Baldasarre: Zur Bedeutung der Familie

Tanja Odermatt lebt für das Eiskunstlaufen. Sie steht seit über 17 Jahren auf dem Eis und tut alles, damit ihr Traum in Erfüllung geht. Vor gut einem Jahr verliess sie dafür ihr zu Hause und zog nach Bergamo/Italien, wo sie nun trainiert und lebt. Eine schwere Bänderverletzung des Fussgelenks zwang sie zu einer sechsmonatigen Pause. Nun kämpft sie sich aufs Eis zurück.

Zum Thema: Wenn Sportler sich entscheiden müssen

Tanja stand schon als Zweieinhalbjährige im Kinderkurs regelmässig auf den Schlittschuhen; Laufen lernte sie sozusagen auf dem Eis. Das gefiel ihr viel besser, als das langweilige Zuschauen beim Training ihrer Schwester. Seither konnte sie einige Erfolge feiern: Den Schweizermeistertitel Jugend U13 und Nachwuchs U14. Weiter war auch der Schweizermeistertitel in der Kategorie Elite im Jahr 2016 ein wichtiger Höhepunkt. International durfte sie in den Jahren 2014 und 2016 an den Europameisterschaften teilnehmen und wichtige Erfahrungen sammeln. Ein weiteres, unglaubliches Erlebnis waren die Europäischen Jugend Winter Spiele 2013 (EYOF), welche sie mit einem sehr guten 6. Rang beenden konnte.

Nach dem Schweizermeistertitel in der Elite im vergangenen Jahr sowie der Teilnahme an den Europameisterschaften war es für Tanja schnell klar. Sie erkannte, dass „…es unmöglich ist, im Eiskunstlaufen gleichzeitig eine gute Ausbildung sowie Spitzensport zu betreiben, denn 21 Stunden Arbeit, ca. 24 Stunden Training und gleichzeitig noch zur Schule zu gehen, war für mich zu viel, was sich Ende Saison auch in meinen Leistungen widerspiegelte.“

Im Fokus: critical incident

Erkenntnisse wie diese nennen wir einen critical incident (McAteer, Hallett & Murtagh, 2010). Damit sind diejenigen Momente im Leben gemeint, die persönlich als relevant und wegweisend eingestuft werden und somit eine Person dazu bringen, neue Wege einzuschlagen.

Tanja stand Anfangs 2016 genau an so einer Gabelung, sie beschäftigte sich also mit der Frage: Wie sollte es in den nächsten Jahren mit dem Eiskunstlaufen weitergehen? Mehr investieren? Oder weniger und die Ausbildung vorantreiben? Oder….? Oder….? Sie erstellte Listen mit Pros und Contras und malte sich die Zukunft in die eine aber auch in die andere Richtung aus. Zusammen mit ihrer Trainerin sowie dem Rest ihres Umfeldes entschied sie sich dann, voll und ganz auf die Karte Sport zu setzen. Sie wurde dabei von allen Seiten unterstützt, allen voran von ihrer Familie. Und die Schule erlaubte ihr sogar, einen unbefristeten Unterbruch einzulegen: Die Ausbildung wird sie später fortsetzen und abschliessen können, egal in welchem Alter. Für das Eiskunstlaufen ist aber JETZT die wichtigste Zeit gekommen.

Impact sozialer Unterstützung

Diese Entscheidung mit so viel Überzeugung und Optimismus treffen zu können, das erfordert viel Mut, Entschlossenheit aber auch soziale Unterstützung. Die Studien zu letzterem haben in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Wir alle verstehen diesen Begriff der sozialen Unterstützung: Es sind diejenigen Informationen, die eine Person ihrer sozialen Umgebung entnimmt und die dann zu drei relevanten Überzeugungen führen (Cobb, 1976):

1. dem Gefühl emotionalen Rückhaltes,
2. der Wahrnehmung entgegengebrachter Wertschätzung und
3. dem Wissen, zu einem Netzwerk zu gehören.

Auch Cassell stellte bereits 1976 in einer Untersuchung fest, dass soziale Unterstützung meist als Schutzfaktor betrachtet wird, der in den unterschiedlichsten Lebensbereichen die Auswirkungen stresshafter Belastungen abmildert. Unter anderem auch durch die Stärkung des Immunsystems. Neben der sozialen Unterstützung konnte sich auch der Begriff des sozialen Netzwerks etablieren, der vor allem die Struktur des Systems rund um eine Person erklärt. Dieses soziale Netzwerk eines Menschen bestimmt mit, welche Spielräume hinsichtlich Verhalten und sozialer Interaktion möglich sind.

Blick in die Sportlerseele

Lesen Sie hier den Insiderbericht von Tanja Odermatt. Der Text beschreibt, wie sich die junge Athletin fernab ihrer Heimat zurechtfindet, welche Herausforderungen gemeistert wurden und was ihr dabei am meisten geholfen hat.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/02/23/tanja-odermatt-fuer-ihren-traum-muss-sie-kaempfen/

 

Literatur:

Cassel J (1975) Social science in epidemiology: Psychosocial processes and „stress“ theoretical formulation. In: Struening EL, Guttentag M (eds) Handbook of evaluation research. Sage, Beverly Hills, pp 537–549.

Cobb S (1976) Social support as a moderator of life stress. Psychosom Med 38: 300–314.

McAteer, M., Hallett and F. Murtagh, L. (2010) Achieving your Masters in Teaching and Learning. Exeter: Learning Matters. Available from: http://lib.myilibrary.com?ID=272528.

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Tanja Odermatt: Für ihren Traum muss sie kämpfen

Tanja Odermatt ist ein grosses internationales Eiskunstlauftalent. Die Schweizer Meisterin aus dem Jahr 2016 entschied sich für eine Profi-Laufbahn und wechselte in das Team von Franca Bianconi im italienischen Bergamo. Dort erlitt sie im Oktober 2016 eine Bänderverletzungen und kämpft nun wieder um den Anschluss.

Für die-sportpsychologen.ch berichtet:

Tanja Odermatt

Nachdem der Entschluss gefasst war, mich auf den Leistungssport zu konzentrieren, stellte ich mir eine der wichtigsten Fragen in meinem bisherigen Leben: Wo sollte ich zukünftig als Profisportlerin leben? Wo würde das Gesamtpaket Betreuung für mich am optimalsten sein? So viele Fragen und Möglichkeiten! Schliesslich entschied ich mich für eine Testwoche im Team von Franca Bianconi in Bergamo/Italien: Diese Testwoche im IceLab übertraf all meine Erwartungen und ich wurde gleich vom Team aufgenommen. Dann ging alles sehr schnell: Eine Woche später war ich nach Bergamo umgezogen und wohnte dort zuerst in einer Art Jugendherberge, bis ich zusammen mit einer anderen Läuferin eine Wohnung gefunden hatte.

Ziel Olympische Winterspiele

So ging ich nach Italien, ohne genau zu wissen, was mich alles erwartete. Das einzige was ich wusste war, dass ich ab diesem Moment meinen Traum leben durfte! Endlich konnte ich mich ganz auf meine Leidenschaft konzentrieren und alles aus mir „heraus kitzeln“. Ich wollte wissen, wie weit ich es bringen würde. Jedenfalls war ich meinem Kindheitstraum, an den Olympischen Winterspielen teilnehmen zu können, einen grossen Schritt näher gekommen.

Meine Familie hat für mich immer schon eine sehr grosse Rolle gespielt. Sie stand zu jeder Zeit hinter mir und dank ihnen kann ich diesen Sport überhaupt ausüben. Allen voran haben mich meine Eltern schon von klein auf immer unterstützt und neue Möglichkeiten gefunden,  um mich zu fördern: gutes Trainerteam, finanzielle Unterstützung, lange Anfahrten oder sich nach meinem Trainingsplan richten waren/sind nur die wichtigsten Eckpfeiler. Aber auch der Support meiner Schwester ist für mich unglaublich bedeutsam gewesen. Selber Eiskunstläuferin, bringt sie stets ein anderes Verständnis für meine Situationen auf. So habe ich jemanden zum Reden, um Rat zu suchen, zum Herumalbern und die Seriosität des Leben für einen Moment vergessen zu können, jemanden der einen antreibt wenn man das Ziel nicht mehr sieht und und und….! Meine Schwester ist für mich wunderbar und macht das Leben um einiges einfacher und vor allem viel Schöner. Meine ganze Familie ist sowieso mein grösster Fan. Das ist unendlich kostbar und aus diesen Gründen spielt meine Familie eine unglaublich grosse Rolle.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/02/23/cristina-baldasarre-zur-bedeutung-der-familie/

Die neue Welt

Kurz nach meinem 19. Geburtstag zog ich also nach Bergamo. Ich hatte gemischte Gefühle auf meiner Reise nach Italien, jedoch wirklich realisiert habe ich die Veränderung in meinem Leben erst, als ich in meiner Wohnung ganz in der Nähe des Eiszentrums eingezogen bin. So ganz ausgezogen von zu Hause in der Schweiz bin ich als Wochenaufenthalterin noch nicht. Ich nehme die gut vier Stunden Autofahrt gerne auf mich, um am Wochenende zu Hause bei meiner Familie zu sein. Aus meiner Perspektive habe ich neu zwei Zuhause, eines bei meiner Familie in bekannter Umgebung und ein ganz Neues, in welchem ich mehr oder weniger auf mich selbst gestellt bin.

In Italien wurde ich schnell ins Team aufgenommen, sie helfen mir beim Italienisch lernen, zeigen mir Ihre Sitten und Gebräuche. Ebenfalls haben sie mir auch mit der Wohnung geholfen und so lebe ganz in der Nähe des Stadions, meist mit einer anderen Läuferin zusammen. Ich gehe einkaufen, koche, putze, flicke und wasche selbst, lerne so ganz nebenbei auch alleine einen Haushalt zu führen.

Herausforderung in der Fremde

Alleine in einem bisher fremden Land zu leben birgt viele Herausforderungen, jedoch habe ich mich relativ schnell daran gewöhnt. Einerseits ist es schön auf mich selber gestellt zu sein und ich kann unglaublich viele Erfahrungen sammeln, andererseits fühle ich mich manchmal schon sehr einsam und vermisse meine Familie und das Zusammensein.

Für meine Sportkarriere ist das Leben in Bergamo ideal. Ich kann mich ganz auf meinen Sport konzentrieren, was mir unendlich viel Freude bereitet. Ich muss nicht ständig nach Eiszeiten oder Eishallen suchen wie es in der Schweiz der Fall war. Hier folge ich einem geregelten und strukturierten Tagesablauf. Ebenfalls ist das Team sehr professionell, so haben wir nicht nur einen Trainer sondern gleich ein ganzes Trainerteam mit acht Trainern auf dem Eis, zusätzlich Off-Ice Coaches, Ballettlehrer, Choreographen, etc. Wir Eisläufer untereinander verstehen uns auch sehr gut: wir helfen und pushen uns immer alle gegenseitig an unsere Grenzen. Für mich ist all dies von grosser Wichtigkeit.

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Weitere Informationen

Pro Tag  fünf bis sechs Stunden Training

Ich trainiere montags bis freitags. Pro Tag absolviere ich etwa fünf bis sechs Stunden Training. drei Stunden davon sind auf dem Eis, jeden zweiten Tag Ballett, Dehnungsstunde sowie Täglich Off-Ice. Je nach Bedarf kommt noch ganz individuell Choreographie oder ein Pirouetten-Training  dazu. Das Wochenende ist frei, ausser es steht ein Wettkampf bevor.

Leider bin ich Mitte Oktober auf dem Eis bei der Landung eines Dreifachsprungs sehr ungeschickt gelandet und habe mir mehrere Bänder am Fuss gerissen. Dieser eine Sturz hat mir praktisch die ganze Saison genommen. Nun muss ich Schritt für Schritt alles neu Erlernen und dabei geduldig bleiben. Dieser Aufbau ist zwar ziemlich mühsam und ich bin darauf bedacht, keinen Fehler zu machen und zu schnell wieder zu stark zu belasten. Die Gefahr wäre zu gross, dass ich meine Bänder am Fuss wieder verletze und nochmals einen Rückschlag erleiden würde.

Der Umweg über das Wasser

Bereits am Tag nach dem Unfall war mein erster Physiotermin. Ich erhielt einen ersten Plan, wann ich was wie machen musste: Zum Physiotherapeuten gehen, mich ich selbst massieren, etc. Als ich noch mit Krücken ging, konnte ich zusätzlich zwei Mal in der Woche ins Wasser, um wenigstens meinen Körper zu bewegen. Später habe ich das Belasten und Laufen im Wasser wieder gelernt.

Sobald ich den Fuss einigermassen und ohne allzu grosse Schmerzen Belasten konnte, durften die Krücken einer kleine Schiene weichen. Mehrmals in der Woche hatte ich Physiotherapie, zusätzlich Akupunktur. Nach etwa einem Monat durfte ich ins Fitnesscenter, eine solche Einheit dauerte jeweils ca. drei Stunden. So gewann der Fuss etwas an Kraft und auch Balance, weshalb ich endlich wieder in die Schlittschuhe schlüpfen durfte. Natürlich nur für das gute Gefühl auf dem Eis.

Unglaubliches Gewicht

Nun bin ich soweit, dass ich mein Pensum wieder etwas senken darf, jedoch die Einheiten intensiviere, um Kraft aufzubauen. Da es mein rechter Fuss ist und somit mein Landebein, dauert dieser ganze Aufbau noch länger. Grund dafür ist das unglaubliche Gewicht, welches bei jedem Dreifachsprung abgefangen werden muss. Schritt für Schritt komme ich also wieder zurück.

Als Profisportlerin, wie ich es im Moment sein kann, gehören leider auch Rückschläge und Verletzungen dazu. Wenn man nur die guten und einfachen Seiten eines Spitzensports hätte, dann würde es viel mehr Leute auf diesem Niveau geben. Leistungssport zu machen heisst nicht nur alles zu geben, sondern auch wieder von Rückschlägen aufzustehen.

Das Gefühl, den eigenen Traum zu leben

Niemand hat je behauptet, es würde einfach werden. Erst bei solchen Rückschlägen merkt man, wie wichtig der Sport ist und dass es sich lohnt dafür zu kämpfen. Ich gebe alles, damit ich so schnell wie möglich wieder ganz gesund bin und dort weitermachen kann, wo ich stehen geblieben bin!

Den Schritt ins Ausland würde ich jedenfalls sofort wieder machen. Es ist ein unglaubliches Erlebnis, ein unbeschreibliches Gefühl, meinen Traum leben zu dürfen und so viele Erfahrungen zu sammeln.

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Christian Hoverath: Die Pausen im Tennis

Die reine Spielzeit eines durchschnittlichen Zwei-Satz-Matches im Tennis beträgt gerade einmal 20 bis 30 Prozent. Die verbleibende Zeit sind Pausen zwischen den Ball- und Seitenwechseln. Diese Unterbrechungen sind aus sportpsychologischer Sicht höchst interessant, bieten sie doch die Möglichkeit der physischen und psychischen Regeneration und der Neuausrichtung der Konzentration nach dem vorangegangenen Ballwechsel.

Zum Thema: Wie Tennisspieler ihre Konzentration Punkt um Punkt neu ausrichten können

„Spiel Punkt für Punkt“, lautet ein von Tennisspielern aller Leistungsklassen häufig gehörter Ratschlag – aber wie? In der Praxis hat sich der Einsatz von Konzentrationsroutinen bewährt.

Konzentration als Grundlage

Konzentration ist die Fähigkeit, seinen Aufmerksamkeitsfokus auf aufgabenrelevante Reize lenken zu können und diesen Fokus aufrecht zu erhalten. Zwei Arten von Faktoren können zu Aufmerksamkeitsverlusten führen:

  • Interne Faktoren liegen in der Person selbst. Gedanken an einen Fehler im letzten Ballwechsel können ebenso wie negative Selbstgespräche auftreten oder auch in die Zukunft gerichtete Fragen, wie z.B. „Was wäre, wenn ich noch einen Doppelfehler mache?“. Ebenso kann der Gedanke an den Matchgewinn beim Stand von 7:6 und 5:2 dazu führen, dass man Punkt um Punkt verliert ohne es zu merken.
  • Zu den externen Faktoren zählen visuelle Reize wie das Ergebnis auf der Anzeigetafel oder bekannte Gesichter im Publikum. Akustische Störreize können klingelnde Handys oder laute Gespräche zwischen Zuschauern sein. Diesen externen Faktoren ist gemein, dass sie die Aufmerksamkeit auf sich und somit weg von für die Leistung relevanten Reizen ziehen.

Konzentration über die gesamte Dauer eines Wettkampfes aufrechtzuerhalten ist schwierig. So zeigen Studien für gewöhnlich, dass der Fokus auf einen Gedanken für etwa fünf Sekunden aufrecht erhalten werden kann.

Routinen für die Konzentration

Hilfreich für die Neuausrichtung und Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit sowie das Ausblenden von Störreizen ist der Aufbau von Routinen. Diese immer gleich ablaufenden Handlungssequenzen sorgen zudem für eine emotionale Ausgeglichenheit und wirken sich positiv auf das Selbstvertrauen aus. Da sie sehr individuell sind, sollten sie systematisch im Training eingeführt und erarbeitet werden.

Gerade im Tennis eignet sich der Einsatz von Routinen aufgrund der Vielzahl an Pausen. In diesen beginnen Gedanken zu wandern oder störende Einflüsse ziehen die Konzentration auf sich.

Loehrs Vierstufenplan

Loehr (1997) schlägt einen vierstufigen Plan für die Zeit zwischen Ballwechseln vor:

In der ersten Phase finden Reaktionen auf den vorherigen Punkt sowie die Trennung positiver von negativen Emotionen statt. Mögliche Techniken sind eingeübte Veränderungen von negativen zu positiven Gedanken oder der Gedankenstopp.

In der anschließenden Entspannungsphase sollen die körperliche und psychische Erregung reduziert werden. Geeignet sind Atementspannungsübungen. Diese sollen erlernt und im Training ausprobiert werden. Ein weiterer Trick ist es den Blick in die Saiten zu richten und dadurch störende Reize auszublenden.

Nach der Entspannung beginnt dann die Vorbereitung auf den nächsten Punkt. Der Spieler geht seine nächsten Aktionen im inneren Dialog oder per Visualisierung durch, um sich in der abschließenden Aktivierungsphase bewusst körperlich und mental zu aktivieren. Dazu eignen sich lockere Sprünge, Bewegungen, eine aufrechte, selbstbewusste Körperhaltung. Der innere Dialog ist positiv und wird durch ein individuelles Ritual eingeleitet. Dieses kann vor dem Aufschlag einen tiefen Atemzug gefolgt von einer konstanten Anzahl an Prellern mit dem Ball beinhalten. Für den returnierenden Spieler sind Rituale möglicherweise das Drehen des Schlägers, das Zupfen am T-Shirt oder das Pusten in die Handfläche.

Probieren Sie es aus: beginnen Sie damit ein zu ihnen passendes Ritual für Aufschlag und Return zu finden, dieses mit Konzentration zu verknüpfen und im Training zu festigen. Im Anschluss können Sie ihre Pausenroutine finden. Bei Fragen unterstützen wir Sportpsychologen Sie gern!

 

Katharina Petereit: Sabine Lisicki unter Tränen

Elvina Abdullaeva: Vom Kind zum Tennisprofi

 

Literatur:

Weinberg, R. S., & Gould, D. (2011). Foundations of sport and exercise psychology (5th ed.). Leeds: Human Kinetics.

Loehr, James (1997). Tennis im Kopf, der mentale Weg zum Erfolg. BLV Verlagsgesellschaft

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Renate Wigger: Spital oder Medaille?

Kürzlich an der Ski WM in St. Moritz: Die Schweizer Sportfamilie erwartet gespannt auf die Superkombination der Frauen. Mit der Teamleaderin Lara Gut und den Slalomspezialistinnen Wendy Holdener und Michelle Gisin erhofft sich das einheimische Publikum, um Medaillen mitzukämpfen. Die Ausgangslage nach der Abfahrt ist vielversprechend, die Chancen der drei CH-Frauen sind intakt. Beim Einfahren zum Slalom verletzt sich Lara Gut aber derart schwer, dass sie mit dem Heli zur genauen Untersuchung ins Spital geflogen werden muss. Äusserlich unbeeindruckt davon ziehen Wendy und Michelle ihr Programm durch und können einen vielumjubelten Doppelsieg feiern. Wieder einmal zeigt es sich wie nah sich positive und negative Emotionen im Sport sein können.

Zum Thema: Fokussierung in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung

Nicht überraschend tauchen auf Seiten der Zuschauer und Journalisten dabei schnell Fragen auf, wie es für Michelle und Wendy möglich war, sich so auf ihre Leistung zu fokussieren.
Aus sportpsychologischer Sicht gibt es dazu durchaus einige Ansatzpunkte wie sich Trainer und Athleten vorbereiten und in der realen Situation idealerweise verhalten können.
Im Folgenden wird das Augenmerk auf die Athletenseite gelegt – welche Möglichkeiten haben sie, um den Fokus bei sich und ihrem bevorstehenden Rennen zu behalten?

Idealerweise haben sich die Athletinnen in ihrem Sportlerleben bereits einen gut erprobten Plan für die konkrete Wettkampfvorbereitung erarbeitet. Dieser kann ganz individuell gestaltet sein, enthält aber aufgabenspezifisch gewisse übereinstimmende Elemente wie Einfahren, Besichtigen, Aufwärmen, Visualisieren und einiges mehr. Das Programm der Superkombination zwischen Abfahrt und Slalom ist sehr gedrängt und das Einhalten des geplanten Ablaufs hilft, den Fokus auf dem anstehenden Rennen zu behalten. Der Aufmerksamkeitszirkel nach Eberspächer bietet dazu einen interessanten Erklärungsansatz wie das erfolgreich möglich sein kann.

Der Aufmerksamkeitszirkel

Dabei unterscheidet Eberspächer sechs Zirkel – wobei der Fokus vom ersten bis zum sechsten immer grösser bzw. weiter wird:

1 – „ICH und meine Aufgabe“
2 – „direkte Störungen“
3 – „IST-SOLL Vergleich“
4 – „gewinnen-verlieren“
5 – „Konsequenzen von gewinnen-verlieren“
6 – „die Frage nach dem Sinn“

In der konkreten Wettkampfvorbereitung befasst sich der Sportler mit Gedanken und Handlungen in den ersten zwei maximal drei Zirkeln. Stellt er fest, dass sich andere Gedanken einschleichen, versucht er diese kurz einzuordnen, zu prüfen, ob sie relevant für seine aktuelle Situation sind und begibt sich wieder in den gewohnten Ablauf.

Um im Rennmodus zu bleiben, kann sich der Läufer also angewöhnen, nur relevante Informationen zu beachten. Fragen oder Informationen betreffend der Verletzung von Lara waren für Michelle und Wendy vor dem Slalom sicherlich nicht so relevant, dass sie sich damit wirklich auseinandergesetzt haben.

„Angst“ vor Verletzungen ist Realität

Dies bedeutet nicht, dass sich ein Skiprofi nicht mit dem Thema Verletzungen auseinandersetzen soll. Im Gegenteil, das Verletzungsrisiko ist im alpinen Skisport allgegenwärtig und die „Angst“ vor Verletzungen Realität. Genau deshalb ist es aber auch möglich und sinnvoll, sich mit diesem Thema zu beschäftigen – aber eben nicht an einem Renntag. Für Skisportler, die sich verantwortungsvoll und professionell mit ihrem Job auseinandersetzen, ist das immer wieder ein Thema. An der Schweizerischen Sportmittelschule in Engelberg, wo ja auch Wendy und Michelle ausgebildet wurden, ist es Realität, dass (in den Trainingsgruppen) so gut wie nie alle voll mittrainieren können. Beim meiner mentalen Arbeit mit den einzelnen Trainingsgruppen fehlen immer einige auf Grund von Verletzungen und ein paar kommen von einer Verletzung zurück und trainieren deshalb noch ein Spezialprogramm. Diese Erfahrungen führen auch dazu, dass sie positive Beispiele erleben wie sie selbst oder ihre Mannschaftskollegen nach Verletzungen erfolgreich oder sogar gestärkt zurückkommen können.

Nach dem unglücklichen Aus für Lara, ist es Wendy und Michelle auf jeden Fall gelungen, den Fokus auf das Wesentliche zu richten und haben uns damit einen wunderschönen WM-Tag mit unvergesslichen Emotionen geschenkt.

 

Literatur

Eberspächer, H., (2007). Mentales Training. Handbuch für Sportler und Trainer. 7. Auflage. München: Copress Verlag in der Stiebner Verlag GmbH

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Christian Hoverath: Der Wettkampf im Training

In einem Interview mit Sport1 gab Laura Dahlmeier unlängst einen Hinweis mit Blick auf ihre mentalen Trainingstechniken: “Es ist ein Stück weit Veranlagung, man kann sich aber auch darauf vorbereiten, auch mit Mentaltraining. Und im Training, indem man sich immer wieder in diese Situationen bringt. Und sich dann zum Beispiel vorstellt, dass man in einer Drucksituation ist“, erklärt die passionierte Bergsteigerin. Ihr Geheimrezept: Obwohl es sich nur um eine gewöhnliche Trainingseinheit handelt, stellt sie sich vor, es gehe um alles. „Ich stelle mir dann vor: ‚Es ist Olympia, letztes Schießen, es geht um Gold'“.

Zum Thema: Prognose- und Nichtwiederholbarkeitstraining am Beispiel von Laura Dahlmeier

Laura Dahlmeier macht es sich zunutze, dass im Gehirn durch Imagination dieselben Areale aktiviert werden wie durch die tatsächliche Situation. Um eine größtmögliche Wirksamkeit zu erzeugen, sollten alle Sinne mit einbezogen werden. So gehört es dazu, sich die Gegnerinnen am Schießstand ebenso vorzustellen wie die entsprechende Lärmkulisse. In diesem Zuge lässt sich dann auch gleich die Wirksamkeit der erlernten Entspannungstechniken testen.

Weitere Techniken, die man im Training einsetzen kann, um die Überzeugung zu verbessern, dass man seine Leistung im Ernstfall abrufen kann, sind das Prognosetraining und das Nichtwiederholbarkeitstraining. Grundlegend für diese Trainingsformen ist, dass Wettkampfsituationen nicht wiederholbar sind, immer mit einer Erwartung einhergehen und Konsequenzen haben.

Prognose- und Nichtwiederholbarkeitstraining

Beim Prognosetraining wird vor der eigentlichen Übung das Ziel festgelegt. So kann die Volleyballmanschaft sagen, dass sie von zehn Sprungaufschlägen sieben Ballwechsel zu ihren Gunsten entscheidet oder der Tennisspieler vier von fünf Risikoaufschlägen ins Feld bringt. Im Anschluss an die Übung findet eine Überprüfung der Prognose statt. Insbesondere soll darauf geachtet werden, ob die Prognose realistisch war und woran es gelegen hat, dass sie erreicht oder  nicht erreicht wurde. Im offenen Prognosetraining findet diese Absprache nicht nur zwischen Trainer und Athlet statt, sondern wird mit der gesamten Trainingsgruppe kommuniziert, um den Druck zu erhöhen.

Das Nichtwiederholbarkeitstraining zeichnet sich dadurch aus, dass der Trainer einen Zeitpunkt für die Übungsdurchführung festlegt. Es ist wichtig, dass der Zeitpunkt nicht vom Athleten selbst festgelegt wird, da dieser ihn im Wettkampf auch nicht steuern kann. Im Zeitraum bis zur Ausführung kann sich der Athlet entsprechend vorbereiten und ebenfalls eine Prognose abgeben. Auch beim Nichtwiederholbarkeitstraining ist eine Reflexion nach der Übung wichtig.

Tipp: Eine Steigerung dieser beiden Formen ist es, eine Zeitverzögerung einzubauen. Wird eine Prognose aufgestellt, jedoch erst eine halbe Stunde später überprüft, können sich störende Gedanken entwickeln oder die Konzentration fällt ab.

Konsequenzen

Um diese Trainingsformen für den Athleten bedeutsamer zu machen, können zudem Konsequenzen vereinbart werden. So kann der Verlierer den Platz abziehen oder die unterlegene Trainingsgruppe die Kontrahenten bekochen.

Ob Sie bald auch im Training auf der Bahn rechts neben dem Kontrahenten schwimmen, mental im Stadion des nächsten Wettkampfs laufen oder es sich zum Ziel machen, neun von zehn Elfmetern rechts unten zu verwandeln, Sie werden davon profitieren. Sollten Sie Ideen zur Gestaltung von Drucksituationen im Training benötigen: die Sportpsychologen helfen gern!

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paasch-selbstwirksamkeit-im-fussball/

Literatur: Eberspächer, H. (2012). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress Verlag.

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